Posts mit dem Label YourHomeAR werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label YourHomeAR werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 28. Februar 2019

HANSECHAMPIONS: Otto.de macht ernst mit digitalem Firmenumbau.

HAMBURG DIGITAL REPORT


Mutige Ankündigung: Hier bleibt kein Hermes-Paket auf dem anderen.
Foto: HANSEVALLEY

Ein leuchtend rotes Hinweisschild mit der Aufschrift "OTTO - Under Construction". Eine Pressetour mit Bauhelm durch ein ehemaliges Lagerhaus. Dazu jede Menge Google Smart Speaker, Uculus VR-Brillen und eine vernetzte Bosch-Spülmaschine mitten im Coworking-Space "Collabor8" auf dem Otto-Campus. Wen man in Hamburg auch immer fragt, bekommt man eine Antwort: 'Bei Otto bewegt sich was'. Doch jetzt scheint Deutschlands Multichannel-Händler aus Bramfeld außer Kontrolle geraten zu sein. Ein Hamburg Digital Report:

Die Vorstandsmitglieder der größten Handelsfirma im Familienkonzern Otto Group verzichten freiwillig auf exklusive Eckbüros. Von 1.800 Mitarbeitern in der künftigen Firmenzentrale an der Werner-Otto-Straße haben nur 1.600 überhaupt einen - nicht einmal feststehenden - Arbeitsplatz. Und dann will Otto.de bis zum Jahr 2020 auch noch 3.000 Handelspartner auf die eigene Plattform bringen und Amazon das Fürchten lehren. Die 3. Generation der Hamburger Vorzeigefamilie Otto will es wissen: Benjamin und der Vorstand der Otto GmbH & Co. KG machen Schluss mit Kleckern - und bauen die Firmenzentrale gleich mit um.


Stolz und aufgefrischt: Die bisherige Zentrale des Multichannel-Händlers otto.de
Foto: HANSEVALLEY

"Facts2Go" steht über der Einladung der Presseabteilung der "Einzelgesellschaft OTTO" - umgangssprachlich als "Otto.de" - bekannt. Es ist die Einladung zur Jahrespressekonferenz - und die Ankündigung jeder Menge interessanter Fakten: 4.900 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr weltweit 3,2 Mrd. € - ein Plus von satten 8%. 3.000 der Mitarbeiter arbeiten auf dem Konzerngelände "Otto Campus" in Bramfeld im Norden der Hansestadt. Das neu verglaste Haus 10 neben dem Haupteingang ist die Verwaltung von Otto.de - allein mit 300 Spezialisten im Business Intelligence. Standen im vergangenen Jahr zur Präsentation der Zahlen die neuen Büros der BI-Experten im Mittelpunkt, geht es in diesem Jahr ans Eingemachte.


Vom Marketing über Otto Office zur neuen Otto.de: Innovator Marc Opelt.
Foto: HANSEVALLEY

Nach einem Fußmarsch über den - zum Boulevard mit Treffpunkten umgestalteten - Campus bekommen die rd.  50 Journalisten, Fotografen und Kameraleute Bauhelme verpasst. Hinter einem Schiebetor des vom bekannten Altonaer Architekten Werner Kallmorgen entworfenen Lagerhauses erwartet die Spitze der Hamburger Medienlandschaft eine ... leere Etage. Freudig verkündigt Otto.de-Vorstand Marc Opelt vor beeindruckender Kulisse: Hier entsteht bis 2022 auf 40.000 qm die neue Zentrale des Amazon-Rivalen und Otto.de-Stammhauses - mit einem gebäudehohen Atrium und Platz für 1.800 Mitarbeiter. Das Ganze bietet allein etwa doppelt so viel Fläche wie eines der zum Familienverbund gehörenden ECE-Shoppingcenter.


Die neue "Nr. 4" - das künftige Headquarter der Otto GmbH & Co. KG
Illustration: Otto

Ohne mit der Wimpel zu zucken präsentiert der seit 1990 im Otto-Konzern beheimatete Topmanager die Meldung des Tages: Im neuen "Haus 4" werden die Bereichsvorstände keine eigenen Büros mehr haben, sondern - wie alle Mitarbeiter - in den Shared Office Spaces ihre Arbeit machen und sich in den Social Spaces vernetzen. "Future Work@Otto Campus" ist den Kollegen eine Headline wert, denn nach bescheidenen Anfängen mit dem hauseigenen Coworking-Space "Collabor8" rollt die Otto-Spitze jetzt mit der Büropalmen-Abrissbirne an. So, wie die anderen berühmten Kallmorgen-Hochhäuser - vom Spiegel-Verlag bis zu IBM in Hamburg - neue Mieter und neues Leben eingehaucht bekommen, geht es nun auch der Hausnr. 4 mit ihren beeindruckenden 100 x 50 Metern und 8 Stockwerken an den Kragen.


Ein echter oder ein computergenerierter Sessel? Das wird die Frage.
Foto: HANSEVALLEY

Während Verwaltung und vor allem die Logistik des Handelsriesen von Alvensleben bis Burkunstadt und von Baur bis Hermes angesiedelt wurde, entwickelt sich der "Otto Campus" mit seinen insgesamt 7.000 Mitarbeitern und den Headquartern von Bon Prix, Hermes und Otto.de immer mehr zum Innovations- und Technologiestandort. So präsentieren die Innovationsmanager zur Jahrespressekonferenz 2019 gleich eine ganze Reihe von technologischen Highlights, die unser künftiges Online-Shopping maßgeblich verändern und begleiten werden: Am weitesten fortgeschritten ist die digitale Bilderstellung CGI (Computer-Generated Images). Der mit über 1 Mrd. € größte Online-Möbelhändler der Republik will mit dieser Technik unser Einkaufserlebnis von Möbeln und Stoffen revolutionieren.



Möbel aus schwedischem Möbelhaus wegschleppen kann ja jeder ...
Foto: HANSEVALLEY

Quälen sich Offline-Kunden am Samstag durch kilometerlange Möbelausstellungen und werden in verschlungenen Markthallen verführt ("Ich wollte doch nur ein paar Teelichter mitnehmen"), genießen Otto-Kunden mit der "Yourhome"-Shopping-App auf Android- und iOS-Smartphones bzw. -Tablets die Möbeleinrichtung zu Hause: 1.400 Möbelstücke in allen Farb- und Materialvarianten können sich 1 Jahr nach dem Launch heute über Smartphone- und Tablet-Display in die eigene Wohnung beamen lassen. Bis 2022 sollen 70% aller angebotenen Möbelstücke verfügbar, rückbar, vergrößerbar und gestaltbar im eigenen Mobile-Device als interaktive, computergenerierte Produkte zu bewundern sein. Ein ganz neuer "Elch-Test" ...


Der Otto-Katalog lebt - in der neuen VR-Welt mit Oculus-Brillen.
Foto: HANSEVALLEY

'Was mit Augmented Reality Realität geworden ist, müsste doch auch in virtuellen Welten funktionieren'', dachten sich die Techis auf dem Campus - und entwarfen eine virtuelle Wohnwelt in 3D. Mit Oculus-VR-Brillen durften Hamburgs Journalisten schon mal einen Blick in die Zukunft wagen - und sich kabellos mit der Fernbedienung in der Hand das neue Wohnzimmer zusammenklicken. Und weil Otto durchaus Spaß versteht (.. find ich gut!), wartete in einer Zeitungsablage des neuen virtuellen Wohnzimmers auch gleich ... der Otto-Katalog. Wie gut, dass man kein Amazon Echo-Lautsprecher versteckt hatte. Schon bald wird die Yourhome-VR-App im Oculus-App Store erhältlich sein - mit Otto Katalog, aber ohne Echo-Lautsprecher ...


Schneller als der Hermes-Bote erlaubt: Paketstatus-Abfrage über Android TV.
Foto: HANSEVALLEY

Womit wir bei einem weiteren Top-Thema sind - der digitalen Zukunft des Kundendienstes bei Deutschlands größtem Online-Möbel- und Bekleidungsanbieter. 1995 mit Otto.de online gegangen, gibt es seit 2013 auf der Website "Clara" - den hauseigenen Chatbot zur Abfrage des Paketstatus bei den Hermes-Boten. Nach der fruchtbaren Zusammenarbeit von Otto.de und Google bei einer der ersten AR-Apps mit dem Android AR-Entwicklerkit "ARCor" in 2018 zünden die in Hamburg beheimateten "Online-Riesen" die nächste Stufe ihrer Zusammenarbeit: Ab sofort kann man mit Google Assistent in Android- und iPhones, in Google Dots und Home-Lautsprechern sowie über Fernseher mit Android-TV-Oberfläche dem Paketstatus abfragen oder den "Deal des Tages" kennenlernen.


Kann jetzt auch mit Otto-Kunden schnacken: Android-TV von Sony.
Foto: HANSEVALLEY

Für wen Augmented- und Virtual Reality schon Alltag geworden ist, oder wer smarten Assistenten in Fernsehern und dem Paketdienst doch nicht so ganz traut, für den hat Hamburgs Handelshaus Nr. 1 noch eine richtige Deutschland-Premiere präsent: Schon vor der Übernahme des Tech-Startups "OrderThis" zum 1. März d. J. bastelte Otto.de mit den jungen Profis aus dem hauseigenen Inkubator-Programm der Otto Digital Solutions eine neue Plattform, um Amazon, Edeka, Rewe & Co. das Leben nicht zu leicht zu machen. Am Freitag vergangener Woche launchten die Hamburger ihren neuen Service "Otto Ready" - gegen Dash Buttons und andere Ideen zum automatischen Nachbestellen von Waschmittel, Kaffeebohnen und Entkalker.


Schöne neue Küche: Mit einer Spülmaschine, die selbst bestellen kann.
Foto: HANSEVALLEY

Gemeinsam mit Bosch-Siemens-Hausgeräten (Bosch, Constructa, Neff, Siemens) stellte Otto.de das Geheimnis der Medienwelt vor: Eingebettet in die Smartphone- und Tablet-App für online-vernetzte Wasch-, Spül- und Kaffeemaschinen können Kunden von Otto.de mit wenigen Mausklicks notwendige Verbrauchsmittel nachbestellen - beginnend mit einer vernetzten Spülmaschine und Tabs aus dem Otto-Shop. Durch die Kooperation mit Herstellern hoffen die Hamburger, zur Bestellplattform für Verbrauchsartikel in Küche und Bad zu werden - und den Dash Button von Amazon in Rente zu schicken.


Diese Spülmaschine ist ein Amazon-Schreck: Mit direktem Draht zu Otto.
Foto: HANSEVALLEY

Bei einer spontanen Umfrage unter Kollegen am Rande des Networkings im Coworking-Space "Collabor8" verrieten einige Medienvertreter, sich bis auf Weiteres doch noch zu Budni, DM & Rossmann schleichen zu wollen, um heimlich, still und leise die guten Hausmarken für Wasch- und Spülmaschine mit nach Hause zu bringen... Allerdings ist die Idee eines starken Online-Händlers mit allen bekannten Marken und ihren online-vernetzten Hausgeräten ein cleveres Konzept, Pulver, Tabs und Bohnen aus einer Hand liefern zu können. Spätestens 2035 erwarten Experten, dass alle Hausgeräte online-vernetzt sind - wenn sie nicht im Museum stehen; und alle Hersteller haben vernetzte Geräte in der Pipeline. Eine schöne Perspektive für ein neues Marktsegment.


Künftig als Self-Service Online-Boarding-Portal präsent: Brand Connect.
Foto: HANSEVALLEY

Das Thema Partnerschaften und Plattformen ist denn auch ein zentrales Thema bei Otto.de: Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen rd. 400 Marktplatz-Händler mit 1 Mio. neuen Produkten auf der sich öffnenden Handelsplattform begrüßen. Auch in diesem Jahr sollen weitere 300-400 Marktplatz-Partner dazu kommen. Rd. 1.500 Kandidaten warten im Moment darauf, ihre Produkte über das künftig vollautomatisierte Partnerportal "Brand Connect" onboarden zu können. Bis zum Jahr 2020 erwarten die Otto-Manager 3.000 Handelspartner, die im Rahmen einer fairen Partnerschaft gemeinsam mit Otto.de wachsen wollen.


Vom Katalog-Versender zur Partner-Plattform: Otto.de baut sich um.
Foto: HANSEVALLEY

Im vergangenen, in diesem und in den nächsten Jahren investiert die wichtigste Handelssparte der Otto Group jedes Jahr rd. 100 Mio. € in neue Technologien, in neue Mitarbeiter und in die Weiterbildung - und damit in die weitere Digitalstrategie des größten deutschen Multichannel-Händlers. 100 Mio. € - das sind mehr oder weniger die gesamten Gewinne von Otto.de in einem Jahr. Damit wird klar: Hier wird geklotzt - als Technologieplattform mit State-of-the-Art-Möglichkeiten und Partnerschaft eines Hamburger Familienunternehmens. Mehr als 7 Mio. aktive Kunden im vergangenen Jahr und über 50% mobiler Bestellungen bestätigen den eingeschlagenen Digitalisierungkurs. Damit setzt Otto mit seiner Stamm-Marke die Messlatte für das digitalste Unternehmen Hamburgs in 2019.


Vorbild für 1.800 Mitarbeiter in der Zentrale: der hauseigene Coworking-Space.
Foto; HANSEVALLEY

 Hamburg Digital Background: 
(chronologische Reihenfolge)

OTTO.de - Vom Versender zur Plattform:
otto.de/newsroom/de/kundenfokus/der-größte-umbruch

--

OTTO Future Work - Neubau Firmenzentrale:
otto.de/newsroom/de/kultur/otto-vorstände-geben-ihre-büros-auf

OTTO Future Work - Neues Arbeiten bei Otto.de

hotto.de/newsroom/de/future-work

Otto Group - Collabor8 Shared Office Spaces
collabor8-ottogroup.de/

--

OTTO CGI - Virtuelle Bilder bei Otto.de:
otto.de/newsroom/de/technologie/was-macht-eigentlich

Otto Group AR + VR - Praktische Beispiele:
ottogroup.com/de/dossier/Virtual-Reality.php

OTTO Yourhome - 1.400 Möbel in einer App:
otto.de/newsroom/de/technologie/noch-mehr-möbel-in-der-virtuellen-welt

OTTO Conversational Shopping - Google Assistent:
otto.de/unternehmen/de/newsroom/news/2017/Google-Home-Pressemitteilung-OTTO.php

OTTO Ready - Der vernetzte Haushalt:
otto.de/newsroom/de/technologie/der-total-vernetzte-haushalt

--

OTTO Market - Brand Connect Portal:
https://www.otto.market/ 

 Hamburg Digital Reports: 

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group
hansevalley.de/2018/04/hansechampions-otto-group-innovationen.html

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html


Mittwoch, 11. April 2018

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group

HAMBURG DIGITAL REPORT

Am morgigen Donnerstag feiert Michael Otto seinen 75. Geburtstag. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hamburger Otto Group und Ratsvorsitzende der familieneigenen Stiftung hat zusammen mit seinem Sohn Benjamin den Kurs eines der weltgrößten Versandhäuser auf Zukunft ausgerichtet. Anläßlich des Jubiläums schauen wir hinter die Kulissen des Innovationsmanagements und der Business Intelligence in Bramfeld.

Das Hamburger Versandhaus Otto stellt in den kommenden 12 Monaten 580 weitere Techis in den Bereichen E-Commerce und Online Marketing, Business Intelligence und IT-Management ein. Kommunikationschef Martin Frommhold bestätigt: Otto wird zur Tech-Company. Auf einer Tour durch die rd. 300 Mitarbeiter starke Business Intelligence Unit wird klar: Das Familienunternehmen überlässt die digitale Zukunft nicht allein Amazon und Zalando.


Otto-Firmenzentrale in Hamburg-Bramfeld.
Foto: Otto Group
Was mit dem Corporate-Startup "Collins" begann, mit dem Einstieg von Benjamin Otto als "gestaltender Gesellschafter" verankert wurde, ist mit Kulturwandel 4.0 und New Work sichtbar geworden: Der Handels- und Dienstleistungsriese transformiert mit Technologien, Partnerschaften und Beteiligungen sein Geschäft und seine Arbeitswelt für die datenbasierte Zukunft. Ein Hamburg Digital Report aus dem Innovationsmanagement der Otto Group:

Hamburg, Werner-Otto-Straße: Die vier roten Buchstaben überstrahlen alles im Gewerbegebiet. Hinter den grauen Fassaden der 1959 erbauten Firmenzentrale bleibt allerdings kein Stein auf dem anderen. Der 1949 gegründete Versandhändler ist zwischen den milliardenschweren Rivalen Amazon und Zalando eingekeilt. Es ist Familiensproß Benjamin Otto, der 2013 mit "Collins" ein Tech-Startup initiiert, dass als Zalando-Konkurrent Fashion personalisiert an junge Kundinnen bringt und technische Möglichkeiten für den Konzern erarbeitet - der Concept Proof für den Umbau des deutschen Versandhändlers.


Otto-Coworking "Collabor8" in Bramfeld.
Foto: Otto Group
Zwei Jahre später übernimmt der damals 39-Jährige als "gestaltender Gesellschafter" Schlüsselfunktionen bei der tonangebenden Michael-Otto-Stiftung und im Gesellschafterrat der Otto Group. Benjamin Otto ist seit 2003 in Tech-Themen zu Hause, Gründer einer Smart Home-Company und Startup-Investor. Anfang 2017 präsentiert die Otto Group auf ihrem Campus ein 1.700 qm großes Coworkingspace namens "Collabor8", bietet 200 Mitarbeitern im 8. Stock flexibles Arbeiten - ein Meilenstein für "New Work" bei der Otto Group - mit offenen Arbeitsbereichen für die bis zu 7.000 Mitarbeiter auf dem Firmencampus.

Trüffelsucher für den "heissen Scheiss"

Im 6. Stock der Konzernzentrale hat sich eine 30 Mann starke "Task-Force E-Commerce" für die mehr als 120 Konzernfirmen und über 100 Onlineshops in mehr als 30 Ländern strategisch auf den Weg gemacht: Neben Business Intelligence und Data Analytics der Otto Group, User Experience- und Mobile Lab haben im Großraumbüro der Konzernzentrale die Bereiche E-Commerce-Strategie und Innovationsmanagement ihr Zuhause. Die Trüffelsucher bringen den "heissen Scheiss" nach Bramfeld. Kopf des Innovationsmanagements ist Diplom-Medieninformatiker Florian Hermsdorf.


Leitender "Trüffelsucher" der Otto Group: Florian Hermsdorf
Foto: Otto Group
"Ich sehe Technologien als Chance, neue geschäftliche Aktivitäten aufzubauen", betont der 37-jährige Wahl-Hamburger seine Intention, seit 12 Jahren bei der Otto Group neues Geschäft zu entwickeln. Damals kümmerte sich der Absolvent der FH Wedel um das zarte Pflänzchen Mobile, unterstützte den Aufbau eines ersten Mobile Shops und des Mobile Marketings. Es ist die Neugierde, die den 2-fachen Familienvater antreibt: "Was entsteht Neues daraus und was kann man damit machen?", sind für den gebürtigen Frankfurter entscheidende Fragen als Kopf eines 7 Mann starken Teams. Die Innovationen reichen von Kennzahlenoptimierung im Onlineabsatz bis zu neuen Geschäftsfeldern.

Zwischen Kreativität und Konzeption

"Internet macht mir Spaß", antwortet der Co-Founder des E-Commerce-Magazins "Kassenzone". Dabei geht es dem Spezialisten um die Kombination aus Kreativität und Konzeption. Zwei Aufgaben treiben den in Bremen aufgewachsenen Online-Experten an: 1. alle relevanten Innovationen in den drei Otto-Group Geschäftsfeldern Multi Channel-Retail, Logistik und Finanzdienstleistungen rechtzeitig erkennen und 2. die für den Konzern relevanten Themen zusammen mit den Geschäftsbereichen erfolgreich einführen. Rund 3 bis 6 Monate dauern die agil aufgesetzten Projekte im Schnitt.


Brainstorming des Innovations-Teams für neue Services
Foto: Otto Group
Es geht um die Reduzierung einer Idee auf den Kern. Dieser Kern wird im Rahmen eines Proof of Concept mit Usern getestet. Besonders spannend: Die Veränderungen einer Innovation im Laufe der Testphase. Für den Erfolg ist die offene Zusammenarbeit, die Transparenz von Informationen und schlanke Strukturen das A und O. Mit dem Rollout des "Kulturwandel 4.0" seit 2016 hat die Otto Group genau die Voraussetzungen geschaffen, um heute agil an Ideen für die eigene Zukunft zu arbeiten. 

Werteorientiertes Familienunternehmen


Protest gekündigter Zalando-Mitarbeiter
Twitter-Foto: Dimitri Lambrecht, @dilam77
Dreh- und Angelpunkt der Trüffelsuche sind Technologien. "Alle glauben, daß sie die Prozesse stark beeinflußen werden", bestätigt der verheiratete E-Commerce-Profi den Trend. "Maschine ersetzt Mensch" kommentieren die Medien Anfang März d. J. die Kündigungswelle bei Zalando. Bis zu 250 Online-Marketer werden beim Rivalen durch Algorithmen ersetzt, will das börsennotierte Rocket-Growup die Marketing-Automation vorantreiben. Hermsdorf sieht für das werteorientierte Familienunternehmen Otto Group derartige Trends nicht. Obwohl Daten auch für den Hamburger Konzern der entscheidende Treiber für Wachstum sind.

Als Beispiele nennt Hermsdorf die kontextbasierte Auswertung von Renzensionen auf Otto.de. "Aggregated Reviews" bieten Kunden die Chance, schnell einen Überblick über die Beurteilung gesuchter Produkte zu bekommen. Die Hamburger sind weltweit der erste Anbieter, der solch ein System im Einsatz hat - vor Erzrivale Amazon. Auch bei Chatbots müssen sich die Bramfelder nicht verstecken. "Clara" beherrscht die textbasierte Auswertung von Chats in den Otto-Onlineshops. Damit experimentiert der Versandhändler längst mit der Auswertung großer Datenmengen auf dem Weg zu künstlicher Intelligenz.

Augmented Reality-App mit Google

Bei der Tech-Tour durch die Business Intelligence Unit stellt Otto Ende März d. J. seine jüngste Entwicklung vor: eine automatisierte Auswertung von Bildern zur Produktsuche. Eine eigene App bietet Kunden in Kürze die Möglichkeit, Schnappschüsse von Kleidung oder Möbeln aus Prospekten, Schaufenstern oder von der Straße anonymisiert hochzuladen und in Sekundenschnelle relevante Informationen zu Produkt, Eigenschaften, Rezensionen und Preis zu bekommen. Mit der Data Science-Lösung zeigen die Hamburger, Amazon und Zalando in nichts nachzustehen.


AR-App für Möbelkauf per Smartphone und Tablet
Foto: Otto Group
Eine besondere Bedeutung messen die Innovatoren Geräten zu, über die Kunden künftig shoppen werden. Mit "Yourhome AR" hat Otto.de zusammen mit Google auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona eine Augmented Reality-App für Android-Devices gelauncht, um den Möbelkauf zu revolutionieren. Als einer von 5 Partnern des Online-Giganten Google ist Otto zugleich einziger E-Commerce-Launch Partner - und damit auf Augenhöhe mit Amazons AR-App. Die iOS-Version für Apple-Geräte stellten die Hamburger Ende März d. J. der Presse vor.

Das smarte Zuhause als Startpunkt


Das Versandhaus Otto auf dem Weg zur Tech-Company.
Foto: HANSEVALLEY
950 Mio. € setzte Otto im vergangenen Jahr mit Möbeln und Einrichtung um und ist Online-Marktführer in Deutschland - vor Amazon, Ikea, Home 24 und Tchibo. Strukturen, Texturen und die automatische Anpassung des Blickwinkels auf Smartphones und Tablet-PCs machen Möbel-Shopping zum visuellen Erlebnis. Nicht nur beim Möbelkauf ist Otto längst in unseren Wohn- und Schlafzimmern angekommen. Mit eigener "Action" für den Assistent in Google Home hören die Hamburger schon heute unseren Wünschen zu. Darüber hinaus experimentieren der Outletshop Limango und die Pakettochter Hermes in Großbritannien mit "Skills" in Amazon Echo - u. a. zur der Abfrage von Sendungsnummern.

In Zukunft wird das smarte Zuhause Startpunkt für den Kontakt zu den Otto-Onlineshops. Es ist die 3. Phase des Internets - in Waschmaschinen, Lautsprechern und Glühlampen. "Es ist eine Aufgabe für die Otto Group, in dieser Welt Fuß zu fassen", bringt es Visionär Hermsdorf auf den Punkt. Nachdem Geräte online vernetzt wurden und überall gesteuert werden können übernimmt die Hardware in Zukunft Services, vom Verkauf über Kundendienst bis zur -bindung. Die Einkaufsliste von Amazon Alexa zeigt, wo es hingeht. Für den seit 1995 mit PC und HTML aktiven Familienvater ist entscheidend, sich "flexibel auf neue Devices und Services einzustellen, um einen höheren Kundennutzen zu bieten".

300 mögliche Trends auf dem Radar


OTTO-Strategie: Auf dem Weg zur Handelsplattform
Foto: HANSEVALLEY
Mit dem Blick in die Zukunft bearbeitet Florian Hermsdorf mit seinem kleinen Team rd. 6 Fokusthemen pro Halbjahr, initiiert Pilotprojekte, bevor Ideen und Konzepte zu Produkten und Services in den Konzerngesellschaften werden. 3 bis 6 Monate dauert ein Projekt im Schnitt, bevor es produktiv im Konzern umgesetzt oder eingestellt wird. Dabei schaut das Innovationsmanagement der Otto Group durchaus mittel- und längerfristig in die Zukunft, beobachtet mit dem "Innovation Radar" 300 mögliche Trends bis 2030 und darüber hinaus. 

Eines der Themen ist die Blockchain-Technologie - für eine neue Supply Chain aka Lieferkette - von Rohstoff-Lieferanten über Hersteller und Großhändler, Logistiker, Versandhändler bis zum Endkunden. Michael Otto, seit vielen Jahren engagiert für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und eine lebenswerte Zukunft, präsentiert auf dem Symposium "Zukunftswerte" am Montag dieser Woche in der Elbphilharmonie ein ganz praktisches Anwendungsfeld:

Fälschungssichere Lieferketten dank Blockchain

Die Otto Group kann heute die Probleme jedes Rohstofflieferanten, jedes Herstellers und jedes Lieferanten in Sachen Umweltverträglichkeit und Arbeitsbedingungen benennen. Michael Otto bringt auf den Punkt: "Die Blockchain macht den Prozess vom Rohstoff bis zum Endkunden fälschungssicher". Florian Hermsdorf bestätigt: "Blockchain ist eine grundlegende Technologie, mit der man sich auseinandersetzen muss." Eine interessante Aussage eines leitenden Innovationsmanagers bei größtem Onlinehändler "Made in Germany". Wir sind gespannt.

Fast 14 Mrd. Mrd. € setzen die mehr als 52.000 Beschäftigten des Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group weltweit mit Multi Channel-Retail, Logistik- und Finanzdienstleistungen um. Mit fast 8 Mrd. € und mehr als 30 Marken ist die Hamburger Firmengruppe global erfolgreich im E-Commerce, 5,5 Mrd. € davon werden in Deutschland erwirtschaftet. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die größte Gesellschaft Otto.de inkl. 7 Spezialshops rd. 3 Mrd. €. 

 Hamburg Digital Reports: 

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
http://hh.hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
http://hh.hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html

 Hamburg Digital Background: 

Michael Otto schlug Amazon-Angebot über 100 Millionen aus
www.welt.de/wirtschaft/article175249145/Otto-Chefaufseher-Aerger-ueber-ausgeschlagenes-Bezos-Angebot.html

Benjamin Otto wird gestaltender Gesellschafter bei Otto
www.abendblatt.de/wirtschaft/article205265507/Benjamin-Otto-wird-gestaltender-Gesellschafter-bei-Otto.html

OTTO DIGITALSTRATEGIE:


Innovationsmanagement Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/

Technologieprojekte Otto Group:

www.ottogroup.com/de/dossier/Technologie-die-den-Menschen-begeistert-2018.php

OTTO INNOVATIONEN:


Kulturwandel 4.0 der Otto Group:
www.ottogroup.com/de/karriere/Unternehmenskultur/Kulturwandel-4.0.php

E-Commerce-Strategie Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/E-Commerce-Strategie-der-Otto-Group.php

Task Force E-Commerce Otto Group:
www.ottogroup.com/de/innovation/Exzellenz/Task-Force-fuer-den-E-Commerce.php

OTTO TRANSFORMATION:


Otto.de Market + Brand Connect:

www.otto.market/

Otto.de Developer Blog:

https://dev.otto.de/

Otto Group Konzernzentrale:
www.basicthinking.de/blog/2018/03/31/otto-hamburg/14/

DIE FAMILIE OTTO:

Zukunftswerte - Verantwortung für die Welt von Morgen - Das Buch:
www.zukunftswerte.net/buch.html

Benjamin Otto, Unternehmer und Erbe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Otto

Dr. Michael Otto, Unternehmer und Stifter:
http://michael-otto.info/

Werner Otto, Unternehmer und Mäzen:
http://www.werner-otto.info/