Montag, 6. April 2020

HANSEBUSINESS: Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt.

HAMBURG DIGITAL RELATIONS
- ALSTERCOMPANY Gastbeitrag -      
* Update 06.04.2020 *                                                                     



Seit 9. März d. J. arbeiten wir aus dem Home Office - 1 Woche vor Schließung der Schulen. Seit gut 4 Wochen verfolgen wir täglich die Nachrichten zu Corona und der Krise. Nach Shutdown des Alltags und Arbeiten in der Isolation machen wir uns Gedanken über die weitere Entwicklung und neue Perspektiven - nach Panik und Pandemie. 

In dieser Woche fährt die Diskussion um die Wiederbelebung der Wirtschaft hoch: Der NDR startet am Montag mit Anja Reschke online einen "After Corona Club" als Audio-Podcast mit Wissenschaftlern und Soziologen, Unternehmern und Politikern. Das neue Präsidium der Handelskammer Hamburg fordert Plenum, Ausschüsse und hauptamtliche Mitarbeiter auf, einen "wirtschaftspolitischen Maßnahmenplan" aus der Corona-Krise zu entwicklen.

Auf der Suche nach dem "Licht am Ende des Tunnels" haben wir bei unseren täglichen Recherchen eine Beitrag entdeckt: Das Institut "Concept M" hat in der ersten psychologischen Analyse die Entwicklung der Corona-Krisen in China, Italien, Deutschland und den USA untersucht. Ergebnis der Tiefeninterviews: Die Krise folgt überall auf der Welt 5 identischen Phasen.

Nach Abgleich der Erfahrungen aus 28 Jahren Journalismus, 23 Jahren Kommunikation und 15 Jahren in Technologiebranchen sagen wir: Das ist Lösung - und der Weg aus der von Angestellten, Kreativen, Dienstleistern, Einzelhändlern und allen anderen Unternehmern gefühlten Hilf- und Machtlosigkeit. Thomas Keup zeigt die Perspektiven für Sie und Ihr Geschäft auf:

92% von 4.500 norddeutschen Unternehmen einer IHK Nord-Umfrage sind von der Corona-Krise direkt getroffen. 12.000 Hamburger Firmen haben bereits Kurzarbeit für ihre Beschäftigten beantragt - 200 bis 300 kommenden jeden Tag dazu. Maximal 8 Wochen überleben Firmen in Hamburg, der Metropolregion und Deutschland die Schließung ihrer Betriebe. Hamburg ist in der größten Krise seit 1945.

Das Virus zieht uns allen den Boden unter den Füssen weg.


Home Office, Isolation, Shutdown - das Virus nimmt niemanden aus.
Foto: Congerdesign, Pixabay

Die ALSTERCOMPANY vorliegende Studie untermauert: Unser Leben ist in Gefahr, die wirtschaftliche Existenz von 10.000 Hamburger Unternehmen bedroht, die Planungen von bis zu 1 Mio. Arbeitnehmern allein an Alster und Elbe in Frage gestellt. Die zunehmende Eskalationsspirale zeigt ein hilfloses Hinterherlaufen der Politik. Dazu eine fragwürdige Medienbranche, die versucht, mit Paywalls wieder Gatekeeper zu spielen.

Das Virus zieht allen den Boden unter den Füssen weg: Paranoides Misstrauen macht sich breit: Schleswig-Holsteiner zanken mit Hamburger um die Einreise, Mecklenburg-Vorpommern macht ganz dicht. In Panik wird ein Intercity in Harburg gestoppt, alle 500 Fahrgäste müssen ihre Personalien abgeben. Nur mit Atemschutzmaske und Einweghandschuhen trauen sich verängstigte Hamburger, in Supermärkten einzukaufen, werden nur einzeln eingelassen und von einer Kassiererin hinter Schutzplane abkassiert.

Krisen-Analyse: Die 5 Phasen des Traumas in aller Welt.

Die Forscher von "Concept M" wissen, was in den Köpfen von gut 1,8 Mio. Menschen zwischen Bergedorf und Blankenese und von Wohldorf bis Marmstorf vor sich geht: Das Corona-Trauma. In 5 Phasen durchlaufen wir die Krise - von der Inkubation über die Panik, von der Isolation über die Besinnung bis zur Normalisierung. Deutschland steckt mitten in der Panik - auf dem Weg in die Isolation. Hier die 5 Phasen - ausformuliert gemeinsam mit dem Hanse Digital Magazin HANSEVALLEY:

 1. Inkubation und Zwiespalt (in Deutschland: u. a. "Corona-Parties")


Das Corona-Virus: Schlechter Witz oder echte Bedrohung?
Foto: Jackson Simmer, Unsplash
  • Aufregung vs. Bagatellisierung: Das Land spaltet sich in zwei Lager. Die einen warnen vor der leichten Schulter: Etwas Gefährliches ist außer Kontrolle. Die anderen spielen die Lage herunter: China ist weit weg. Der Erreger ist nicht sichtbar und Informationen über symptomfreie Erkrankungen machen die Runde. Meinungen beherrschen zunehmend die Schlagzeilen. Der schwelende Zustand nimmt immer mehr Raum ein.

2. Panik und Angst (in Deutschland: u. a. Hamsterkäufer, Aktienverkäufe)


Toilettenpapier als deutsches Symbol der Corona-Krise
Foto: Alexas Fotos, Pixabay 
  • Kämpfen oder Flüchten: Aus den Horrormeldungen von Mitte Januar bis Ende Februar d. J. wird latente Panik. Mit 3 maßgeblichen Folgen: 1. Angst führt zu Attacken. Folge: Hamsterkäufe. Deutschland versucht mit Putzen die Kontrolle zurück zu bekommen. 2. Angst wird zu Existenzangst. Folge: Panikverkäufe an der Börse. 3. Angst führt zur Abschottung. Aus "weißen Männern" 50+ werden Klopapier-Jäger und Prepper mit Überlebensausrüstung im Wohnzimmer. 

3. Isolation und Depression (in Deutschland: u. a. Home Office und E-Learning)

Gesperrte Plätze, gesperrtes Leben.
Foto: Claudio Schwarz Purzlbaum, Unsplash
  • Shutdown und Soziale Distanz: Deutschland bleibt zu Hause, verbunkert sich, bis der Sturm vorbei ist. Folge: Arbeiten und Leben auf engem Raum. Eltern und Kinder im 24-Stunden-Dauerstress. Die Krise wird zum Kriegsszenario: hinter verriegelter Wohnungstür, mit überquellendem Eisfach und Klopapierlager für den Notfall. Aus der Panik ist Handeln geworden. Zugleich fehlen Familie und Freunde: Hilflosigkeit wird zu handfester Depression. Die häusliche Gewalt nimmt zu. 

4. Besinnung und Perspektiven (in Deutschland: u. a. sein Geschäft überdenken)


Welche Chancen bieten Smartphones in der Corona-Krise?
Foto: Brian McGowan, Unsplash
  • Freiräume und Spielräume: Nach dem Stress kommt die Besinnung. Entschleunigung ist das Motto der Stunde. Mit den Alphawellen kommen die guten Ideen: Mit Freunden und Familie neu in Kontakt kommen. Am heimischen PC neue Selbstständigkeit gegenüber dem nicht anwesenden Chef gewinnen. Aus der Tretmühle rauskommen und sich neu sortieren. Hier steht die ALSTERCOMPANY aktuell. 

5. Erholung und Normalisierung (aktuell: China)


Wenn die Helfer unser Leben gerettet haben.
Foto: Ashkan Forouzani, Unsplash
  • Erleichterung und Aufräumen: Die Menschen nehmen ihre Stadt wieder in Besitz. Doch die Pandemie hinterlässt ihre Spuren: Geschäftspartner sind verschwunden, Kundenbeziehungen unterbrochen, Lehrstoff an Schulen und Unis nachzuholen. Jetzt ist die Zeit, geschäftlich, beruflich und privat neue Chancen zu nutzen und einen Schritt weiter zu gehen. Wir stellen die Weichen, unseren Kunden und Partnern hier zu helfen.

Um die richtigen Strategien zu entwickeln, um erfolgreiche Konzepte zu planen und gesicherte Wege zu gehen, Unternehmen nach der Corona-Krise wirklich zu helfen, ist der Aus- und Weitblick auf der Meta-Ebene besonders geeignet. Wir schauen uns die wichtigsten Bereiche, Branchen, Firmen und Institutionen näher an - mit täglich mehreren hundert Pressemeldungen, die bei unserem Partnermagazin HANSEVALLEY eingehen. Im Mittelpunkt stehen für uns diese Fragen: 

  • Was machen die Akteure heute mitten in der Krise? 
  • Wer traut sich bereits aus dem Windschatten heraus?
  • Welche Ideen und Konzepte werden jetzt angegangen?
  • Was sind interessante Entwicklungen für die Zukunft?

Die deutsche Gesellschaft:

Wir sehen Nachbarschaftshilfe beim Einkauf für Bedürftige. Wir sehen Beistand mit minutenlangem Applaus in Hamburger Straßen. Wir sehen Fensterkonzerte - auch auf Balkonen und an Haltestellen in Hamburg, Lübeck und Rostock. Wir sehen eine Gesellschaft, die zusammenrückt und aus der Situation das Beste macht - mit allein 770 Helfern bei den Hamburger Freiwilligenagenturen. Doch wir sehen auch professionelle Hamsterkäufer und rücksichtslose Supermarktkunden. Welches Bild wollen wir der Welt zeigen?

Die deutsche Wirtschaft:

Wir sehen den Shutdown zahlreicher Branchen und die Krise für hunderttausende Arbeitnehmer in Hamburg, der Region und Norddeutschland. Wir sehen Player im Hanseraum, die die Krise offen kommunizieren und Player, die so tun, als wäre alles beim Alten. Und wir sehen die Transformation ganzer Branchen - von Lebensmittel-Lieferungen bis zu Bildung und Weiterbildung. Welche Branchen entdecken jetzt die digitalen Möglichkeiten?

Der deutsche Handel:

Wir sehen Hamburger und Wedeler Online-Händler, die uns in der Isolation "Schicke Looks für den besonderen Augenblick im kleinen Kreis" und "Stilvolle Möbel für Zuhause - Arbeiten im Home Office" verkaufen wollen. Ein Social Media-Netzwerk verspricht "Woche 2 im Home Office: Mehr Spaß bei Videokonferenzen dank Snap Camera Lenses". Ein Startup wirbt: "Teamplace statt Coronaferien – Euer digitales Klassenzimmer". Und wir sehen Hamburger Agenturen, die Lockvogel-Kampagnen fürs Ebay-Wachstum verbreiten. Ist Online-Marketing in einer todbringenden Krise jedes Mittel recht?

Die deutsche Politik:

Wir sehen eine Selektion in Entschlossene und Ver-/Zögerer: z. B. Söder vs. Tschentscher, Spahn vs. Altmeier. Dazu ein Wettstreit der Bundesländer um die Meinungshoheit: z. B. Bayern gegen den Rest der Republik. Wir sehen tägliches Gerangel zwischen Ländern und dem Bund. Wir sehen neuen Streit um Kompetenzen und Finanzierung. Disruptiert sich die Spitzenpolitik dank Krisenversagen weiter?

Die deutschen Medien:

Wir sehen einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der seinen Auftrag (wieder) wahrnimmt: Mit Bildungsangeboten für die Jüngsten, mit Kulturangeboten in schweren Zeiten und mit verlässlichen Informationen ohne Schranken. Und wir sehen gierige Verlage mit hochgezogenen Paywalls und der Hoffnung, die Gatekeeperfunktion zurückzugewinnen. Werden egoistische Verlage jetzt abgestraft?

Die deutsche Kultur:

Wir sehen Live-Streams und kostenlose Aufzeichnungen im Web. Wir sehen Couch-Konzerte und Social TV. Wir sehen Freunde und Familien, die über das Netz miteinander singen und feiern. Wir sehen Kunst und Kultur, die über das Internet lebendig ist, wie nie zuvor. Und wir sehen Chancen für neue Formen der Präsentation, des Austausches und der Möglichkeiten. Kommen wir jetzt in eine digital-vernetzte Kultur?

Der deutsche Fußball:


Wir sehen Vereine und Verbände in der Schockstarre. Wir hören das Pfeifen im Walde für ein schnelles Fortsetzen des Profifussballs. Damit verbunden sehen wir den Kollaps der Geschäftsmodelle: keine verkauften Stadiontickets, kaum verkaufte Fanartikel, wegbrechende TV-Einnahmen. 13 von 36 Liga-Clubs stehen laut "Kicker" bereits vor der Insolvenz. Die zarten Pflänzchen des eSport wurden kaum gehegt. Das ändert sich plötzlich mit virtuellen Turnieren an jedem Wochenende. Läuft der Fussball jetzt mit Tempo in die digitale Transformation? 

Die deutschen Kirchen:

Wir sehen Gemeinden, die Gottesdienste und Andachten auf Webseiten, auf YouTube und Fernsehkanälen im Internet streamen. Wir sehen eine Kirche, die mit Streaming-Übersicht und Social Wall auf der Höhe der Zeit ist und die Chance hat, neue Bedeutung zu gewinnen. Wir sehen eine katholische Kirche, die auf dem Weg ist. Wir sehen die Bedeutung der Seesorge in Zeiten der Isolation - und die Chance für die Kirchen. Wird der Glaube nach der Krise eine neue Bedeutung haben?

Brechen wir an dieser Stelle aus gesellschaftlichen Bereichen, betroffenen Branchen und hoffnungsvollen Bildern runter auf das Konsumklima. Auch hier hat die Beratungsgesellschaft "Concept M" in ihrer Studie "Corona - Wie der Virus die globale Kultur infiziert" schlüssige Indikatoren geliefert:


Was macht das Corona-Virus mit uns und unserem Leben?
Foto: Gerd Altmann, Pixabay

1. Konsum in der Inkubation: 
  • Keine Kaufzurückhaltung
  • Supermarktregale sind gefüllt
  • Konsum ermöglicht etwas Normalität
  • Shopping ist eine kurzfristige Ablenkung 
  • Der E-Commerce läuft unverändert weiter

2. Konsum in latenter Panik (aktuell):
  • Hamsterkäufe in Deutschland
  • Lebensmittel für die eigene Sicherheit
  • Hygieneartikel für eigene Handlungsfähigkeit
  • Mode und Beauty-Produkte haben keine Priorität
  • Anschaffungen wie PKW und Möbel werden verschoben

3. Konsum in der Isolation (aktuell):
  • Konsum auf Grundbedürfnisse reduziert
  • E-Commerce wird bedeutende Bezugsquelle
  • Haushaltsgeräte werden nachgefragt und günstig
  • Amazon fährt höhere Umsätze als zu Weihnachten
  • Hoher Anstieg von Videosstreaming und Onlinegames

4. Konsum in der Neuausrichtung (nächster Schritt):
  • Neue digitale Services werden ausprobiert
  • E-Learning-Angebote werden stärker gefragt
  • Die Ausstattung des Home Office wird forciert
  • Chancen für neue und etablierte Marken im Netz

5. Konsum in der Normalisierung:
  • Rückkehr zu normalen Konsumgewohnheiten
  • Shopping vor Ort bekommt eine neue Bedeutung
  • Sicherheit gebende Lieferanten sind die Online-Gewinner
  • Chancen für neue und etablierte Marken im Netz und vor Ort

Diese Übersicht beansprucht nicht, vollständig zu sein. Sie basiert auf den Ergebnissen der Studie von "Concept M" - ergänzt durch Details und Erfahrungen aus unserer Arbeit in Kommunikation und Marketing. Zu guter Letzt wollen wir als ALSTERCOMPANY mit einer Reihe von offenen Fragen anregen, die eigene Situation, das eigene Geschäft und die eigene Zukunft zu überdenken:


Shutdown der Wirtschaft: Wie geht's für Unternehmen weiter?
Foto: Tim Mossholder, Unsplash

Wie sehr sind Ihre Branche und ihre Produkte vom Shutdown betroffen?
Gibt es Unterschiede bei der Abstinenz in verschiedenen Absatzmärkten?

Ist Ihre heutige Kommunikation noch sinnvoll, oder eher doch "over the top"?
Wann ist für Ihre Angebote der Stimmungswandel in der Kundschaft erreicht?

Wie wollen Sie in einem digitalen und vernetzten Business erfolgreich sein?
Welche Produkte und Dienstleistungen eignen sich für die neue, digitale Welt?

Wo sehen Sie Ihre Hausaufgaben, um nach der Corona-Krise vorn dabei zu sein?
Welche Fragen dürfen wir beantworten, um Lösungen für Ihr Geschäft zu finden?

HANSEVALLEY hat in seinem Corona-Spezial die Entwicklung so zusammengefasst:

"Wenn Deutschland bis ca. Mitte April d. J. in der 2. Stufe der Panik-Phase verharren wird und sich zunehmend in der Isolations-Phase wiederfindet, kommt die Republik möglicherweise zu Pfingsten psychologisch in die Phase der Neubesinnung. Unterm Strich würde das heißen, dass wir eventuell zu den Sommerferien die Normalisierung erreicht haben können." 

Dieses Rechenbeispiel ist natürlich nur eine Annahme auf Grund der Erfahrungen der Verläufe der Pandemie in China und Italien - und keine Garantie für die Wiederaufnahme des gesellschaftlichen Lebens. Bereits nach den Osterferien ind ie Normalität zurückzukehren, ist hingegen eher unwahrscheinlich. Dennoch können wir jetzt anfangen nachzudenken, wie unser Leben nach Corona aussehen wird. 


moin@alstercompany.de

Die Hamburg Digital Relations sind der spezialisierte Service für die professionelle Kommunikation in der neuen, digital-vernetzten Welt. ALSTERCOMPANY bietet fortschrittliches Denken für neue Chancen im Geschäft. Wir stehen an der Seite von Unternehmen und Organisationen im Norden, die jetzt die Zukunft anpacken - für ein erfolgreiche Entwicklung in der vernetzten Welt.

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 Hanse Digital Background: 
* Update 06.04.2020 *

HANSEVALLEY: Fachbeitrag "Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt":
hv.hansevalley.de/2020/03/hansespecial-wie-hamburg-aus-dem-corona.html

Absatzwirtschaft: Fachbeitrag "Andere Länder, gleicher Umgang: Die 5 Phasen des Coronavirus":

Donnerstag, 2. April 2020

#CoronaSoforthilfeHH: Was haben Sie an “sofort” nicht verstanden, Herr Senator?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT
von Landeskorrespondent Gerd Kotoll

Verantwortlicher Finanzsenator Andreas Dressel in Erklärungsnot.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Er feiert sich mit roten und grünen Parteifreunden, Senatspersonal, Kostgängern und Subventionsrittern auf Facebook selber: Finanzsenator Andreas Dressel in seinem Social Media Stream: “Haben sich die vielen Telefonkonferenzen doch gelohnt *smile*”. Der SPD-Landespolitiker mit Seitenhieb gegen die Bremer Soforthilfe zum Ausdrucken und getrennten Anträgen: “Soforthilfe Bund & Land digital & aus einer Hand *grünes Häckchen”. 

Dabei hat der Hamburger Lokalpolitiker nur gut 24 Stunden zuvor Freiberuflern, Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmern mit einer peinlichen Selbstoffenbarung und einer dreisten Zumutung für die viel gepriesene “Hamburg Corona-Soforthilfe” mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Landeskorrespondent Gerd Kotoll mit Fakten und Fragen zur neuesten “Hamburg-Alles im Blick-Peinlichkeit” aus dem Rathaus:

Vergangenen Freitag-Nachmittag, auf der Landespressekonferenz mit Corona-Folgen-bekämpfenden Vertretern des Senats erklärt Hamburgs Erster Kassenwart Andreas Dressel das geplante Prozedere zum Online-Antrag für die “Hamburg Corona-Soforthilfe” über die Website der Investitions- und Förderbank in Hamburg. Start: Montag-Morgen. Mit an Bord: “externe Server”. Da konnte man eigentlich schon ahnen, das was kommen wird …

Die artigen Fragen der per Videokonferenz zugeschalteten Journalisten konnte das Dreigestirn Tschentscher, Prüfer-Storcks und Dressel noch nicht aus der Fassung bringen. Bis die letzte Frage kam, von unserem Chefredakteur Thomas Keup, isoliert und doch einsatzbereit in seinem Berliner Home-Office. Von dort fragte er brav per Mail, wie Hamburg denn technisch aufgestellt sei - im Fall von mehr als 130.000 Hilfesuchenden in Berlin in nur 5 Stunden.

Hintergrund: Die seit Freitag-Mittag in Berlin freigeschaltete Online-Lösung der dortigen Förderbank IBB für die “Hauptstadt Corona-Soforthilfe” wies nach 5 Stunden 139.000 Wartenummern aus - bei bereits abgearbeiteten 7.000 hilfesuchenden Freiberuflern, Solo-Selbständigen und Kleinunternehmern und einer Bearbeitungszeit von rd. 10 Minuten - macht einen stündlichen Antragsdurchsatz des Berliner Portals von 6.000 Datensätzen.

Senat mit live übertragener Schnappatmung

Landespressekonferenz aka Hamburg Märchenstunde.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Da war es mit der gemütlichen Plauderstunde der Landespressekonferenz mit dem Ersten Kassenwart und seinem Ersten Senatspräses vorbei, denn mit solchen Zahlen (mehr als 130.000 Hilfesuchende in wenigen Stunden) hatte man offenbar nicht auf einmal gerechnet. Nach der Schnappatmung der IBB-Server in der Millionenmetropole im Osten schnappten nun die Senatsmitglieder im Norden nach Luft für ihre mehr oder weniger überzeugenden, sich leider doch nur im Kreis drehenden Antworten. Thomas Keup schrieb brav mit.


So werde auch über das Wochenende fieberhaft geprobt und getestet, dass am Montag die Freischaltung des Antrags sichergestellt werden könne. Im Nebensatz erwähnte SPD-Finanzchef Dressel den Einsatz von “externen Servern”. Was er gegenüber der versammelten Hamburger Journaille lieber nicht verriet: Senat, Finanz- und Wirtschaftsbehörde, Förderbank und IT-Dienstleister überließen den kompletten Online-Antrag … SAP. Genau, die mit der leicht nutzbaren ERP-Lösung … Und das verhieß nichts Gutes.

“Gehen Sie weiter! Es gibt nichts zu sehen!”

Am Montag passierte dann zunächst … wir schauen noch mal nach … Moment ... genau: nichts. Nicht um 9.12 Uhr, nicht um 12.37 Uhr, nicht um 15.08 Uhr, nicht mal zum Feierabend um 18.55 Uhr. Entsprechend zerknirscht kam um 18.57 Uhr eine Pressemeldung aus der Senatskanzlei, dass leider leider .... wir schauen noch mal genau hin … genau .. leider eine Verzögerung eingetreten sei. Aber man müsse sich keine Sorgen machen, Geld sei genug da. Und: man könne ja bis Ende Mai d. J. die Anträge stellen. Richtig gelesen!

Dies verteidigt die zuständige Sprecherin der beteiligten Wirtschaftsbehörde, durch deren Hände die peinliche Pressemeldung ebenfalls ging, auch 2 Tage nach der Unmöglichkeit. Mehr noch: Die bekannte PR-Frau zeigt auf dem Facebook-Account von Senator Andreas Dressel lieber mit nacktem Finger auf die Berliner Datenpanne mit insgesamt 390 fehlgeleiteten Antragsbestätigungen - bei 6.000 verarbeiteten Anträgen pro Stunde. Susanne Meinicke: “So sieht das dann aus, wenn Schnelligkeit vor Gründlichkeit geht.” So, so, Hamburger Gründlichkeit ...

Genug Geld, genug Zeit - kein Grund zur Eile.

Bemerkenswert: Dass genug Geld da sei, hörte man ja bisher eher selten in Politiker-Statements. Eigentlich heißt es ja sonst immer, dass eben nicht genug Geld da sei. Aber in Zeiten der Krise wollen wir das mal nicht kommentieren. Gleichwohl, der klitzekleine Hinweis sei erlaubt: Berlin hat bereits am Montag gemeldet, dass die veranschlagten 100 Mio. € nicht ausreichen würden und man bei mittlerweile rd. 300 Mio. € Antragsvolumen sei. Und sich darum kümmere.

Und auch wenn es ab 23.57 Uhr mit den Anträgen der “Hamburg Corona-Soforthilfe” - trendig “HCS” abgekürzt (dürfte demnächst wie Dressels #CoronaSoforthilfeHH auch als Hashtag die sozialen Medien erobern) - funktionierte: eine Soforthilfe, Herr Senator, soll sofort helfen. Sofort. Und nicht erst Ende Mai. Denn im Mai wird es viele Selbständige und Kleinunternehmen schlicht nicht mehr geben, wenn diese nicht sofort Hilfe bekommen. Sofort.

Peinliche Bankrott-Erklärung der Senatoren Dressel und Westhagemann.
Screenshot: HANSEVALLEY

Das gilt für den Barmbeker Hausmeister-Service ebenso, wie für die kleinen Friseursalons in Harburg, Wandsbek und Ottensen, bei denen der mühsam ersparte und gegen alle Widerstände hart erarbeitete Traum der Selbständigkeit nun zu platzen droht - weil diese mutigen Unternehmerinnen und Unternehmer aus Sicht der “die ganze Stadt im Blick”-habenden SPD-Senatsbehörde nicht geduldig genug sind. Zitat Senator Andreas Dressel, Landespressekonferenz, Freitag, 27.03.2020, 18.28 Uhr: “Aber ein bisschen Geduld und Verständnis glaube ich wäre jetzt in der Startphase etwas, das für alle Beteiligten wichtig ist."

Was für eine Haltung, was für eine Denke ist das?

Was ist das für eine Haltung, auf Geduld zu verweisen? Während Niedersachsen oder Schleswig-Holstein bereits ausgezahlt haben, um nicht nur mit dem bösen Osten und dem reichen Süden zu “stänkern”. Was ist das für eine Denke, das angesichts der drohenden Pleite unzähliger kleiner Boutiquen, Läden und Gastronomiebetriebe, als “erste hilfreiche” Maßnahmen Steuerstundungen und -herabsetzungen der Vorauszahlungen anzubieten? Herabgesetzt wurden hier nur die selbständigen Steuerzahler.

Facebook-Post hilfesuchender Solo-Selbständiger in Hamburger.
Screenshot: HANSEVALLEY
Dass Hamburg einmal mehr technisch hinter anderen Ländern her hinkt, ist schon schwer zu akzeptieren - überrascht aber auch nur die, die den offiziellen Verlautbarungen des Senats zum technischen Fortschritt der Stadt immer geglaubt haben (vgl. “Digital First”, vgl. “Mobile First”, vgl. “Digitale Stadt” und so weiter und so weiter). Jetzt zeigt sich, dass die Stadt bei Weitem nicht so toll aufgestellt ist, wie in den politischen Sonntagsreden gern behauptet wird. Und das ist keine Einbildung einer kleinen Ansammlung besserwissender Tech-Journalisten.

Dass Sie Herr Senator sich hinstellen und auf Zeit spielen, ist einfach nur eines: unverantwortlich. Dass Sie damit der Hamburger Geschichte und Tradition als Hansestadt ehrbarer Kaufleute nicht gerecht werden: geschenkt (man sollte sich angesichts einer gefälschten Hafengründungsurkunde vielleicht auch nicht soviel auf seine Traditionen einbilden). Dass Sie damit die Sorgen und Nöte hart arbeitender, selbständiger Menschen in der Stadt nicht ernst (genug) nehmen, macht fassungslos.

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 Hamburg Digital Background: 


HANSEVALLEY: Gastbeitrag "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt."

HANSESTATEMENT: "Die Zögerlichen": Wie Hamburg den Vorsprung gegen das Corona-Virus verspielt.
hv.hansevalley.de/2020/03/hansestatement-zoegerlich-hamburg-senat.html

HANSEVALLEY: Fachbeitrag "Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt":
hv.hansevalley.de/2020/03/hansespecial-wie-hamburg-aus-dem-corona.html 

Samstag, 28. März 2020

"Die Zögerlichen": Wie Hamburg den Vorsprung gegen das Corona-Virus verspielt.


EIN HAMBURG DIGITAL STATEMENT
von Landeskorrespondent Gerd Kotoll


Wahlkampfplakat der Hamburger SPD zur Bürgerschaftswahl 2020.
Grafik: SPD Hamburg

Hilflose Appelle an die menschliche Vernunft, deren Halbwertszeit beim Anblick leerer Klopapier-Paletten im Discounter und zugleich gefüllter Strassencafés bereits abgelaufen ist. Eine völlig unverständliche und damit verantwortungslose Salami-Taktik bei der Kommunikation und Umsetzung der notwendigen Maßnahmen: In Hamburg ist man nicht Vorreiter, man schleicht feige den anderen Bundesländern hinterher und macht bestenfalls nur das, was die bereits machen. Handeln aus eigener Erkenntnis oder gar Überzeugung? Nee, lieber nicht. Landeskorrespondent Gerd Kotoll spricht Tacheles:

So versucht man sich in Hamburg durch die Corona-Krise zu lavieren


Angeführt von einem Bürgermeister, bei dem man eigentlich hätte erwarten können, dass etwas mehr Sachverstand vorhanden wäre; immerhin ist er Mediziner. Sekundiert von einer amtsmüden Gesundheitssenatorin, die sich von Journalisten auf der Pressekonferenz erstmal auf den aktuellen Stand bringen lassen musste, dass am Vorabend Italien komplett mit einer Ausgangssperre belegt wurde. Willkommen in Hamburg.


Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks:
Die 20.00 Uhr Tagesschau immer fest im Blick.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Als würden Nachrichten heute immer nur um 20.00 Uhr zur Verfügung stehen - vor allem die Tagesschau aus Lockstedt, die Leib- und Magensendung des gepflegten Senatsmitglieds an Alster und Elbe. Die Nutzung digitaler Medien könnte einer Situation wie dieser … aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt. Kurz vor der Rente wird in Hamburg wie im Bund die unausweichliche Entscheidung lieber hinausgezögert.

Und dann ist da noch der Bildungssenator, der bei Exponentialfunktionen lieber bei anderen abguckt und deswegen anderen Bundesländern bei Schulschließungen den Vortritt lässt, um sich dann, weil es ja nun alle machen, doch noch zu bewegen. Das war vor gut einer Woche, in der Zwischenzeit wurde die Schulschließung spontan von Ende März auf den 19. April verlängert. Dass dann die Schule wieder Präsenzunterricht machen können wird, glaubt in Hamburg nur einer: der Präses der Schulbehörde.

Übrigens ging die Nachricht der Schulschließungsverlängerung abends über einen regionalen TV-Sender auf die Reise. Schulleitungen und Kollegien wurden erst am nächsten Tag informiert, was an anderer Stelle mit dem berechtigten Feierabend des Pressesprechers begründet wurde. Gut, dass wir keine Ausnahmesituation in der Stadt haben - Helmut Schmidt würde sich bei dieser Art Amtsauffassung im Grabe umdrehen.

Man stelle sich vor, ein Senator würde anweisen, dass die Homepage der eigenen Behörde auch noch nach 17.00 Uhr unter Missachtung jeglicher behördlicher Arbeitszeiterfassung auf den neuesten Stand zu bringen sei. Womöglich noch aus dem Home Office, Gott bewahre. 


Schulsenator Ties Rabe und seine Schulschließungen.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Nein, das wäre wirklich schier unerträglich und überhaupt unvorstellbar. Der Feierabend muss auch digitaler Freiraum sein können. Echt jetzt? Genau diese Haltung ist es, die die digitale Entwicklung der Stadt verzögert. Smart City entsteht aber nur durch smart decisions - by smart people. Okay, also wird das erstmal nichts mit der smarten Stadt. 

Kurz wurde der Senator doch noch einmal mutig. "Die Abiturprüfungen werden stattfinden!“, verkündete er von der Kanzel, somit sei sichergestellt, dass alle Abiturientinnen und Abiturienten ihr Studium pünktlich beginnen könnten. Die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Exil-Hamburgerin Karin Prien legte noch einen drauf: Sie wollte so eine Art "Durchschnitts-Abi" für alle. Und wurde damit von der Kultusministerkonferenz vom gemeinsamen Schul-/Hof gejagt.

Währenddessen sind die Schulleitungen und Lehrer hoch engagiert dabei, den Kindern auf allen möglichen digitalen Wegen das notwendige Wissen zu vermitteln. Übrigens: Eduport - die hauseigene Bildungsplattform der Schulbehörde BSB - ist es seit der zunehmenden Nutzung in der vergangenen Woche oft-immer wieder-fast täglich ... nicht. 


Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar mag kein Skype.
Foto: HmbBfDI

Was den Hamburger Datenschutzbeauftragten nicht davon abhält, auf die Datenunsicherheit von Skype-Konferenzen hinzuweisen und ein 20-seitiges Pamphlet zur sicheren Internetnutzung herauszugeben. Skype würde ja - so Johannes Caspar - einen Einblick ins Private ermöglichen, was unbedingt verhindert werden müsse. Es fällt schwer, an dieser Stelle keine Wortspiele mit dem Namen des Mannes zu machen. 

Wenn Sonderwege zu Irrwegen werden

Ist es einfach deutsche Dummheit oder Überheblichkeit, die unsere Regierungen im Land wie im Bund mal wieder Sonderwege gehen lassen? Sind die anderen europäischen Länder allesamt doof und von Unfähigen regiert, weil sie relativ konsequent – und vor allem: früher als wir - die Grenzen geschlossen und umfangreiche Ausgangsverbote beschlossen haben?

Warum schauen wir nicht auf die Maßnahmen, die in anderen asiatischen Ländern getroffen wurden? Damit ist nicht das chinesische Zuschweißen der Wohnungstüren bei Infizierten gemeint, sondern zum Beispiel die konsequenten Massentestungen (und bedarfsweisen Isolationen) etwa in Südkorea, mit denen die Neuansteckungsrate wirksam verlangsamt werden konnte.

"Wir können die Grenzen nicht schließen!“ hieß es stattdessen mantraartig aus dem Kanzleramt. Diese seit fünf Jahren behauptete “Alternativlosigkeit" ist nichts anderes als eine Lüge, wie wir mittlerweile wissen: natürlich können wir unsere Grenze schließen - aber unsere Regierung wollte das nicht.

Stattdessen bleibt jetzt, als Ultima Ratio, die Ausgangssperre. Anstatt rechtzeitig das Land abzuschotten, müssen wir jetzt jeden einzelnen Menschen abschotten. Ultima Ratio Ausgangssperre? Nein! Es hätte auch einen anderen Weg gegeben: Testen. Testen, Testen, Testen, Testen!! Massiver Einsatz von Tests mit konsequenter medizinischer Isolation positiv Getesteter. Und Quarantäne der Hochrisikogruppen.

Wie im Bund, so im Land - oder der Stadt

In Hamburg getestet werden? Probieren Sie das mal aus. Wenn Sie nicht fiebern und husten und nicht aus einem Risikogebiet kommen und/oder mit einem Infizierten Kontakt hatten … dann, ja, dann wird sich das mit dem Test für Sie leider etwas verzögern, so die Rückmeldung aus Hamburger Arztpraxen.

Gut, in Hamburg machen Bürgermeister und Gesundheitssenatorin ja auch noch Werbung für den Impfpass auf Papier. Dass es längst intelligentere und praktischere digitale Lösungen der Krankenkassen gibt, war nicht Bestandteil der Impf-Werbeaktion. Wir sind ja in Hamburg ...


Peter Tschentscher ist um die Gesundheit der Hamburger bemüht.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Aber wenn Sie nicht getestet werden, sind Sie in guter Gesellschaft. Oder: zumindest nicht allein. Denn in Hamburg werden auch die Menschen nicht getestet, die aus einem Flieger mit Abflug im Iran oder anderen Risikogebieten aussteigen. Die werden vielleicht beim Zoll gefilzt, aber danach: Herzlich Will… röchelräusperhüstel…kommen in der Freien und Viren-… ääh… Ansteckungs- - pardon - Hansestadt Hamburg.

Oh, ich höre schon, wie sich jetzt einige “Hanseaten” ohne zu zögern(!) darüber echauffieren werden, wie ich denn so etwas schreiben könne. Denen antworte ich: Sehen Sie sich die Steigerungsrate der Infizierten, der Behandlungsbedürftigen und der Intensivpatienten an. Und dann warten Sie eine Woche und schauen Sie sich das nochmal an. Wenn Sie das dann immer noch nicht verstanden haben, dann dürfen Sie sich auch weiter so richtig “gut regiert” fühlen.

Liebe Ischgl-Rückkehrer: Da nich für ...

Ja, ich weiß: Hanseaten halten zusammen. Dieser beinahe inzestuöse, in jedem Fall so arrogant wie dämliche, Slogan einer Hamburger Oppositionspartei wurde am letzten Ferienwochenende auch umgesetzt, nur anders: Alkoholselig lagen sich die Rückkehrer aus den Ski- und jetzt Risikogebieten mit den Daheimgebliebenen in den Armen und feierten auf dem Kiez ihr Wiedersehen.

Dass es auch andernorts sog. Corona-Partys gab, weil man als Angehöriger der jungen Generation ja vermeintlich nicht betroffen ist, zeigt nicht nur, wie wirkungslos Appelle an den gesunden Menschenverstand sind. Das bringt uns auch zu der Frage, wie weit es denn mit dem Verantwortungsbewusstsein der Generation her ist, die sich vor kurzem noch in schulschwänzender Weise Freitags (nicht in den Ferien!) aufschwang, der älteren Generation den Klima-Moral-Spiegel vorzuhalten. 

Diverse Äußerungen von "Klima-Luise" & Co. zeigen, dass sie diesbezüglich nichts verstanden haben – und erst recht nicht, was eine Exponentialfunktion ist. Mathe war wohl immer freitags ... Exponentiell dumm ist übrigens auch dieser "Lasst-die-Alten-doch-verrecken"-Sketch vom WDR.

Ganz Deutschland liegt also im politischen Entscheidungsunfähigkeitsfieber. Moment! Nicht das ganze Deutschland. Immerhin zeigen die Bayern, dass es auch anders, evtl. besser, in jedem Fall schneller gehen kann: Schulschließungen, Grenzkontrollen, Ausgangssperren. Jedes Mal waren die Bayern schneller als der Rest der Republik. Und weisen damit dem Kabinett Merkel den Weg, wie man's richtig machen kann.


Bürgermeister Peter Tschentscher auf der Corona-PK im Rathaus.
Foto: Senatskanzlei Hamburg



Das Hamburgs Erster sich öffentlich in bester Kanzlerkandidaten-Manier ohne zu zögern über den vermeintlichen Alleingang der Bayern empörte, zeigte nur, dass er nicht das ganze Land im Blick hat/te. Als Norddeutsche kann man da nur feststellen: Deiche taugen halt nicht als Feldherrenhügel.

Ein löchriges Hamburger Rettungsschirmchen 

Hinter der Handelskammer, also: im Rathaus, gibt man sich zaghaft und zögerlich. Zwar präsentierte die Troika Dressel, Brosda und Westhagemann die Rahmenbedingungen für einen Hamburger Rettungsschirm für Unternehmen und Kulturschaffende. Aber die drei Musketiere hatten kaum Pulver im Rohr und kamen nicht nur wegen der miserablen Tonqualität mehr als Ritter der traurigen Gestalt rüber.

So sollten zunächst nur Unternehmen unter dem löchrigen Schirm Schutz finden, die direkt von den Allgemeinverfügungen betroffen sind. Allen anderen wurde ernsthaft der Weg zum Sozialamt gewiesen. Erinnern Sie sich noch an den Wahlkampfslogan, dass man “die ganze Stadt im Blick” habe? Nicht mal einem Monat nach der Wahl will im Senatsgehege lieber niemand daran erinnert werden. Wir haben mal das Plakat als Beitragsmotiv ausgesucht. 

Ebenso wenig will man übrigens an die zahlreichen Versprechen zum digitalen Ausbau der Stadt erinnert werden, der jetzt bitter fehlt, weil er zu spät begonnen und dann nie umgesetzt wurde und wird. Wir sind gespannt, was das dynamische Duo IFB & Dataport mit Freischaltung des Online-Formulars für die Sofort-Hilfe abliefert. In Berlin warteten am Auftakt-Freitag 132.000 Hilfesuchende, dass es weiter geht - eventuell nächste Woche, nächsten Monat oder so.


Finanzsenator Dressel hofft auf eine reibungslose Sofort-Hilfe.
Foto: Senatskanzlei

"Hamburg hilft", so ist die Pressemitteilung unseres Senats überschrieben. In Wahrheit muss es heißen: Hamburgs Finanzsenator heuchelt. Und zwar bis zur Landespressekonferenz am Freitag, als die Bundeshilfen beschlossen wurden. Wir sind mal ganz mutig und tippen beim Beantragen der Sofort-Hilfe auf a) die Webseite der IFB bricht zusammen, b) man bietet ein PDF zum ausdrucken an und c) verzichtet man Schluss auf alle Formalitäten, wie es die Bundesagentur für Arbeit macht. 

Norddeutsch, ja, klassisch hanseatisch zurückhaltend, war man, als es um konkrete Zahlen zur Sofort-Hilfe ging: Während sich die Künstler der Stadt zur Verteilung von 25 Mio. € anstellen dürfen, wird das Schälchen für die Wirtschaft mit sagenhaften ... Achtung, Trommelwirbel! ... 10 Mio € (in Worten: zehn Millionen Euro) gefüllt. Damit will Hamburg die laut Kanzlerin “größte Herausforderung seit Ende des zweiten Weltkrieges” angehen. So, so.

Damit sind für Solo-Selbständige, sofern betroffen und auch nur dann, unglaubliche 2.500,- € vorgesehen. Einmalig. Logisch. Ist ja so vieles einmalig in “Hamburch”. Tja, liebe Solo-Selbständige, in anderen Bundesländern wärt ihr mehr Wert. In Thüringen zum Beispiel 5.000,- €, in Berlin werden ebenfalls 5.000,- € geboten (aus einem 100 Mio. €-Topf!) und in Bayern sogar bis zu 20.000,- €. Aber wir sind ja in ... richtig! - "Hamburgch"!

Eine süddeutsche Zeitung wirbt übrigens gerade: „An der Elbe wird man nur mit Substanz zur Instanz.“

Genau: Substanz. Nicht Zögern.

* * *

Freitag, 20. März 2020

HANSESPECIAL: Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt.

HAMBURG DIGITAL SPEZIAL 
*Update 20./21./22./23.03.2020*
- 1.500+ Leser. Und Sie. -


Dunkle Wolken über der stolzen Kaufmannsstadt: Hamburg in der Corona-Krise
Foto: HANSEVALLEY

Hamburger Online-Händler - von "About You" über "Peek & Cloppenburg" bis zu "Tchibo" - versichern uns dieser Tage in ihren Newslettern, an unserer Seite zu stehen - um 3 Absätze später auf ihre Online-Shops und verlängerte Rückgabefristen hinzuweisen. Verständnis für ihre Kunden? Gemeinsam gegen das Virus? Jedenfalls eine interessante Kommunikation. HANSEVALLEY verfügt über 28 Jahre journalistischen Background und 23 Jahre kommunikatives Engagement. Chefredakteur Thomas Keup beleuchtet Entwicklung, Kommunikation und Auswüchse der "Größten Herausforderung seit Ende des Zweiten Weltkrieges" - mit einem sicheren Blick, was danach kommen wird:


"Die Corona-Krise beschleunigt Entwicklungen, die bereits in der Luft liegen."

In diesen Tagen zeigt Hamburg, wie es tickt: Kaum sind Hamburger Bürger wie Prominente im Krisenmodus, sabbelt die C- bis Z-Prominenz im "Corona-Podcast" bei der "Mopo" mehr oder weniger dummes Zeug. Die Promi-Bewohner der "Hafen-Container" haben noch nicht verstanden, was jetzt überflüssig ist: Storytelling aka Podcasten aka Dauersabbeln - ob von einer PR-Agentur initiiert oder einer Ex-SPD-, Ex-"Gruner+Jahr"-, Ex-"DuMont"-"Qualitätszeitung" verspammt. Zum Glück müssen wir uns den kleinen Philipp und andere egozentrierte Möchtegern-Besserwisser dank qualifizierter Medienangebote in den kommenden Wochen der Quarantäne nicht wirklich antun.

Um keine falschen Hoffnungen auf einen Shitstorm aufkommen zu lassen: Wir schätzen journalistische Podcasts, wie "Wir und Corona" von "RTL" und "Stern", "tagesschau.de" des "NDR", den "Stimmenfang" des "Spiegel" sowie "Explore" vom "TÜV Nord". Wir schätzen sachliche Politiker/innen, wie Melanie Leonhard. Und wir respektieren die journalistische Leistung von Boulevard-Medien, auf den Punkt zu bringen, was ist. Unsere Arbeit basiert auf der Erfahrung bei einem der ersten deutschen Privatradios - und den Grundsätzen des Boulevards. Damit dürfen sich Hamburgs Hatespeecher und Shitstormer wieder um ihre exponentiell scheiternden Medien-/Startups kümmern.

Klopapier durch die "Frischepost" mit "Corona-Rabatt" - Echt jetzt?


Wenn der Senat keine anderen Probleme hat, als einen Hashtag.
Grafik: Senatskanzlei Hamburg

Kommen wir zu den wichtigen Dingen dieser Tage in Hamburg und ganz Deutschland. Und damit meinen wir keine vermeintlich coolen Hashtags a la #CoronaHH und #flattenthecurve, um klarzumachen, dass man den Ernst der Lage nicht verstanden hat. Ebenso wenig wichtig ist da ein - extra fett gedruckt - verfügbares (Bio-)Klopapier mit - kein Scherz! - "Corona-Rabatt" eines Online-Hofladens, promotet von der mit Steuergeldern finanzierten Storytelling-Seite "Hamburg News" aus der "Hamburg Invest"-Senatsblase. Wir meinen auch nicht Spezialisten aus Hamburg, die ihren 1. Wohnsitz nach Sylt verlegen wollten, um weiter auf die Insel zu dürfen. Wie hirnverbrannt muss man sein ...


Zehntausende Betriebe drohen laut Handelskammer Konkurs zu gehen: Freiberufler, Dienstleister, Einzelhändler und Gastronomen sind akut in ihrer Existenz bedroht. Der "Leaders Club Deutschland" aus Hamburg warnt, dass bei mehr als 50% der Mitgliedsunternehmen die Umsätze in der vergangenen Woche zwischen 30% und 65% eingebrochen sind. 90% haben bereits Kurzarbeit angemeldet, max. 8 Wochen halten die Betriebe durch. Selbstständige und Freiberufler stehen nach Wegbruch ihres Geschäfts schon heute vor dem Aus. 

Fakten fernab von #flattenthecurve und anderem Schwachsinn:

Gehen wir auf die Meta-Ebene, um aus dem Wahnsinn täglicher Horrormeldungen, dem Schwachsinn modischer Hashtags und der Unfähigkeit von Lokal- und Bundespolitikern herauszukommen. Sehen wir uns an, was persönlich und kommunikativ bei jedem Einzelnen im Moment passiert - auch bei unseren Redakteuren und Korrespondenten an ihren heimischen Schreibtischen in Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main. Das Marktforschungsinstitut "Concept M" hat in der ersten psychologischen Studie in China, Italien, Deutschland und den USA herausgefunden, welche emotionalen Auswirkungen die Corona-Krise auf uns alle hat.

Wie allerorts zu erleben, stehen aktuell Hamsterkäufe hoch im Kurs: Hygieneartikel, wie hartes bis zartes Toilettenpapier, Waschlotionen und Desinfektionsmittel, haltbare Lebensmittel - wie Nudeln, Reis und Konserven sind seit gut einer Woche Mangelware in Supermärkten und Discountern. Auch die Online-Shops von "Amazon", "EDEKA", "Netto" und "REWE" wurden bereits geplündert. Konsequenz: "Amazon" räumt seine Lager für Medizinprodukte und Hygieneartikel, nimmt Lieferungen anderer Marktplatzprodukte bis 5. April d. J. nicht mehr an. Laut HANSEVALLEY-Informationen aus Frankfurt/Main fährt der Online-Riese aktuell Umsätze wie sonst nur zu Weihnachten. Entscheidet sich damit endgültig die Vorherrschaft im deutschen Online-Handel zwischen Seattle und Bramfeld? Wir ahnen Böses ...

Schauen wir uns das für Hamburg entscheidende Konsumklima an:


"Gemeinsam gegen Corona" - die vereinte Aktion der Bertelsmann-Medien.
Grafik: Gruner + Jahr

Amazon zeigt, was für Millionen Menschen in Hamburg, Deutschland und Europa im Moment ebenso Vorrang hat, wie in den USA. Laut Informationen unserer Korrespondentin in der Metropolregion Rhein-Main bestellen deutsche Amazon-Kunden aktuell neben Drogerieartikeln - wie Toilettenpapier und Desinfektionsmittel - u. a. Lehrmittel für Schüler, z. B. DVDs, dazu Spiele und ... Sexartikel. Wir sind nach Home Office, Kinderbetreuung und de facto Quarantäne gespannt auf die zu erwartende Babywelle ab Jahresende - und wünschen "schöne Stunden" zwischen Schreibtisch und Streamingvideos.

In der nächsten Phase wird's spannend: Was konsumiert Deutschland in der Isolation? Unsere Nachricht vom Donnerstag-Morgen zeigt, was kommen wird: In China schnellte der Konsum von Onlinespielen in die Höhe, in Italien, Spanien und der Schweiz verdient sich "Netflix" eine goldene Nase. Der Internet-Traffic stieg so exponentiell (der Traum jedes Hamburger Marketing-Startups) an, dass Telekommunikationsanbieter und Regierungen zu "verantwortungsvoller" Nutzung aufriefen. Das Hamburger Schulnetz mit Anschluss an "Eduport" von "Dataport" krachte am 1. Tag der Schulschließung bereits bei läppischen 10 Gigabyte Unterrichtsmaterialen zusammen. Gern geschehen, Herr Rabe!


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Fernab des Hamburger "Klein-Klein" zeigt die Unternehmensberatung BCG, welche Branchen es in der aktuellen Corona-Pandemie besonders hart treffen wird: Mit Automobilproduktion, Chemie- und Pharmaherstellern, Kunststoffindustrie, Luftfahrt und Tourismus berührt nur eine der genannten Schlüsselbranchen aktuell die Hamburger Wirtschaft, sprich die Luftfahrtindustrie mit 14.000 Beschäftigten bei Airbus und 8.000 Mitarbeitern bei Lufthansa Technik. Dagegen macht die bundesweite Schließung von Geschäften auch den Hamburger Familienunternehmen Angst, von Fielmann über Peek & Cloppenburg bis zu Tchibo.  

Erste psychologische Studie zu Corona und der Entwicklung:

Die aktuelle Studie von "Concept M" zeigt: Bei Konsumenten in Peking, Rom, Berlin, Köln und New York (Sorry: Hamburg kommt leider erst kurz nach Peking ...) passiert immer das Gleiche - in 5 definierten Stufen, so das Kernergebnis der Tiefeninterviews. Die Experten nennen dies den "Trauma-Prozess". Anfang März d. J. war China bereits durch die 5 Phasen hindurch - bestätigt durch die veröffentlichte Statistik von 57.000 Genesenen bei 81.000 Infizierten und nahezu keinen Neuinfektionen in Wuhan und anderen Großstädten (Quelle: John Hopkins University, 18.03.2020). Die 5 Phasen in der linearen Reihenfolge:

1. Inkubation und Zwiespalt (in Deutschland: u. a. "Corona-Parties")
  • Aufregung und Bagatellisierung: Die Bevölkerung spaltet sich in zwei Lager. Die Einen warnen vor der "leichten Schulter", die anderen halten erste Meldungen für völlig übertrieben. Da der Erreger nicht sichtbar ist und Informationen über symptomfreie Erkrankungen die Runde machen, beherrschen beide Meinungen das Geschehen - und schaukeln sich dank der lieben Kollegen in den Redaktionen weiter auf. Ja, Medien benutzen Menschen und: Medien machen Meinung.



2. Panik und Angst (in Deutschland: u. a. Hamsterkäufer, Aktienverkäufe)
  • Kämpfen oder Flüchten: Aus den Horrormeldungen zwischen Mitte Januar und Ende Februar d. J. wurden Panikattaken. Die Verantwortlichen von "Concept M" sehen 3 maßgebliche Folgen als Reaktion: 1. Angst führt zu Angstattacken. Folge: Hamsterkäufe. Wir Deutschen bunkern Klopapier, die Franzosen Rotwein, die Italiener Grappa und die Amerikaner decken sich mit Waffen ein. 2. Angst wird zu Existenzangst. Folge: Panikverkäufe an der Börse. "Dow Jones" & "DAX" rauschen in den Keller. Zu guter Letzt: 3. Angst führt zur Abschottung. Folge: Kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitung. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Geplündertes Klopapierregal bei der EDEKA-Tochter Netto.
Foto HANSEVALLY

3. Isolation und Depression (in Deutschland: u. a. Home Office-Arbeit)
  • Shutdown und Soziale Distanz: Ob mit oder ohne Ausgangssperre, Fakt ist: Deutschland bleibt zu Hause, verbunkert sich, bis der Sturm vorbei ist. Die Folge: Arbeiten und Leben auf engem Raum, Eltern und Kinder im 24-Stunden-Dauerstress. Ablenkung muss her. Die "Telekom" hat ihre Netze in den Krisenmodus geschaltet, der Internet-Knoten "DE-CIX" einen deutlichen Anstieg beim Traffic registriert. Mehr als 9 Terrabyte gehen hier pro Sekunde durch - mit einem Anstieg bei Videokonferenzen um 50% und Videoplattformen um 25%. Jetzt ist die Stunde für Games und Esports sowie Videostreams. Konsequenz: "Amazon Prime Video", "Facebook", "Instagram", "Netflix" und "YouTube" drosseln die Videoauflösung von HD- auf SD-Qualität.

4. Besinnung und Perspektiven (in Hamburg: Visionär Oliver Rössling weist den Weg)
  • Freiräume und Spielräume: Die Zwangspause hat aus Sicht der Studienmacher mehrere positive Effekte. Nach dem Stress kommt die Besinnung - und damit das Entdecken neuer Möglichkeiten, z. B. mit Freunden und Familie neu in Kontakt zu kommen. Arbeitnehmer gewinnen am heimischen PC neue Selbstständigkeit gegenüber ihren nicht anwesenden Chefs. Und aus Sicht von "Concept M" heißt Isolation für Unternehmer, aus der täglichen Tretmühle rauszukommen und sich wie sein Geschäft (neu) sortieren zu können.

5. Erholung und Normalisierung (aktuell: China)
  • Erleichterung und Aufräumen: Die aktuellen Bilder aus China zeigen, was kommen wird. Die Menschen nehmen ihre Stadt wieder in Besitz. Allerdings hinterlässt der Pandemie ihre Spuren: Unternehmen sind verschwunden, Kundenbeziehungen unterbrochen, Lehrstoff an Schulen und Unis nachzuholen. Jetzt ist die Chance, neue Möglichkeiten zu nutzen und einen Schritt weiter zu gehen. Aus unserer Sicht gilt dies nicht zuletzt im Umgang mit der Digitalisierung.

Hinweis auf die Corona-Ambulanz in Hamburg-Barmbek.
Foto: HANSEVALLEY

Deutschland im Krisenmanagement: Die Probe aufs Exempel.

Die Forscher haben für alle an der Studie beteiligten Nationen den aktuellen Stand der Pandemie-Entwicklung erarbeitet. Das Interessante: Auf Grund der Vergleichbarkeit der Phasen können wir in etwa voraussagen, wie die Befindlichkeit unserer Nation - und damit auch der Freien und Hansestadt - in den kommenden Wochen und Monaten aussehen wird. Bis ca. Mitte April d. J. wird sich die Situation in Deutschland weiter zuspitzen - und das Land in "Panik und Angst" verharren. Die Experten liefern im Magazin "Absatzwirtschaft" auch gleich die Faktoren zur Überwindung der Krise mit. Dies sind im Kern

- Schonungslose Transparenz 
  (Wenn die Kanzlerin das Ruder übernimmt)

- Besonnene und entschlossene Entscheidungskompetenz 
  (Bayern macht's wieder allen vor)

- Diszipliniertes Durchhaltevermögen
  (Das gilt besonders für unsere feiernden Ischgl-Heimkehrer)

- Offenheit für neue Perspektiven
  (Besonders für die 10.000 bedrohten Unternehmer)

- Wiederentdeckung solidarischer Werte 
  (Wie die NDR-Aktion "Der Norden hält zusammen")

- Bewusstsein einer globalen Schicksalsgemeinschaft 
  (Da dürfen einige Hamburger nochmal ihre Hausaufgaben machen ...)

Wenn Deutschland bis Mitte April d. J. in der 2. Stufe der Panik-Phase verharren wird und sich zunehmend in der Isolations-Phase wiederfindet, kommt die Republik möglicherweise zu Pfingsten psychologisch in die Phase der Neubesinnung. Unterm Strich würde das heißen, dass wir eventuell zu den Sommerferien die Normalisierung erreicht haben können. Dieses Rechenbeispiel ist natürlich nur eine Annahme auf Grund der Berechnungen des Verlaufs in China und Italien - und keine Garantie für die Wiederaufnahme des gesellschaftlichen Lebens. Dennoch können wir schon jetzt anfangen nachzudenken, wie unser Leben nach Corona aussehen kann.

Der Digitalverband Bitkom hat einen Status Quo zum Thema Home Office erstellt. Danach arbeitet mittlerweile jeder 2. Angestellte mit "White-collar Job" in den eigenen 4 Wänden. 33% der Angestellten sind erstmals in ihrer Karriere fernab von Kantine und Mittags-Lunch tätig. Bei 43% der Arbeitnehmer wurden die bestehenden Home Office-Regelungen mit der Zwangsverlagerung ausgeweitet. Mecklenburg-Vorpommern nutzt die Chance, und führt für alle allgemeinbildenden Schulen flächendeckend die Dresdner Online-Lernplattform "Fuxmedia" ein - neben den digitalen Lehr- und Lernmitteln des gemeinsamen "Deutschen Bildungsservers" aus Frankfurt/Main.

Hilfen für Selbständige: 2.500,- € in Hamburg, 5.000,- € in Berlin.

Und wie hilft Hamburg vor allem den tausenden Selbstständigen? Am Donnerstag verkündeten die drei "Hamburg Schutzschirm Musketiere" Brosda, Dressel und Westhagemann: Selbständige bekommen einmalig 2.500,- € Zuschuss. Allerdings nur, wenn sie von den offiziellen Verfügungen - z. B. dem Verbot von Veranstaltungen - direkt betroffen sind. Alle anderen wurden auf die Grundsicherung für Selbstständige verwiesen - auf Sozialhilfe-Niveau. In der Startuphauptstadt gilt unterdessen "Klotzen statt Klein-Klein": Berlins Regierender Peter Müller kündigte ein 100 Mio. € Hilfspaket für Kleinstunternehmer - wie Kreative und Dienstleister - an. 20.000 Berliner Freiberuflicher und Selbständige sollen jeweils 5.000,- € Hilfe bekommen. 


Wenn sich die Wolken lichten und die Zukunft Einzug hält.
Foto: HANSEVALLEY

Bitkom-Präsident Achim Berg spricht aus, wo es hingegen kann: „Dass mobiles Arbeiten und mobiles Lernen zum Standard werden könnten, schien bislang undenkbar. Jetzt aber werden wie unter einem Brennglas die immensen Potenziale sichtbar, die digitale Technologien grundsätzlich bieten – im Kampf gegen das Virus wie auch in der Reduzierung des Berufsverkehrs und verkehrsbedingter Emissionen. Alle Unternehmen sind gefordert, Homeoffice für die dafür geeigneten Tätigkeiten einzuführen. Die Politik muss das Arbeitsrecht zwingend modernisieren, etwa indem aus der Zeit gefallene Regelungen wie die elfstündige ununterbrochene Mindestruhezeit gestrichen und der starre Acht-Stunden-Tag durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden.



Hamburgs Visionär Oliver Rössling bringt's auf den Punkt.
Quelle: Facebook


Wenn man die aktuellen Entwicklungen bei Home Office und Digitalem Lernen zu Grunde legt, wenn man den Wunsch zu neuen Chancen im Geschäft in den Mittelpunkt stellt und wenn man 3 Monate nach vorn schaut, kommen wir zu folgenden Fragen in Bezug auf die Schlüsselthemen in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft:

Unternehmen & Verwaltungen:
  • Wie gewinnt Deutschland durch die alternativlos notwendige Nutzung digitaler Tools?
  • Wie werden Unternehmen und Verwaltungen digitale Lösungen künftig annehmen?
Zukunft vs. Vergangenheit:
  • Welche Geschäftsmodelle werden durch die Corona-Krise endgültig überflüssig?
  • Welche innovativen Digitalmodelle fernab von Online-Marketing sind im Kommen?
Beratung & Zusammenarbeit:
  • Werden Textchat und Videoberatung zu führenden Kanälen im Kontakt zu Kunden?
  • Werden Videokonferenzen im Geschäftsleben viele Geschäftsreisen einsparen?
Lebensmittel & Lieferungen:
  • Werden Lebensmittel-Lieferdienste im Alltag deutscher Kunden zur ersten Wahl?
  • Welche Online-Branchen profitieren noch vom veränderten Konsumverhalten?
Hoch-/Schule & Studium:
  • Wieweit werden Online-Kurse die Präsenz im Hoch-/Schulbetrieb massiv verändern?
  • Was fordern Schüler und Studenten in Zukunft digital von Ihren Hoch-/Schulen ab?
Events & Communities:
  • Wird die Krise eine Verschiebung von Meetups, Talks & Co. ins Netz bedeuten?
  • Welche digitalen Tools helfen Veranstaltern und bieten Teilnehmern Komfort?
Kunst & Kultur im Internet:
  • Werden wir künftig alle Theater-, Konzert- und Kunstevents online nutzen können?
  • Wie werden sich digitale Kulturangebote - wie z. B. Social-TV - künftig durchsetzen?

Diese Fragen stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar. Sie sind hierarchisch von Sektoren und Geschäftsmodellen über Nutzungsverhalten zu Aktivitäten heruntergebrochen. Jeder ist eingeladen, eigene Fragen zu entwickeln. Gern ergänzen wir unsere Aufstellung um weitergehende Ideen und Möglichkeiten: hanse@hansevalley.de.

Redaktionelle Schlussbemerkung:
* Update 23.03.2020 *

Unternehmen, öffentliche Hand und jeder einzelne Bürger sind gefordert, sofort Konsequenzen zu ziehen. Das Gebot der Stunde heißt: Erstens Verzicht und zweitens möglichst viel in den digitalen Raum verlegen. Man kann nur hoffen, dass die Appelle der Kanzlerin von den Menschen gehört werden und auch bei den schwer Belehrbaren ein Bewusstseinswandel eintritt“, warnt Bitkom-Chef Achim Berg.

Hamburg wird aus dem Corona-Trauma herauskommen - hoffentlich mit wenigen Blessuren. Ebenso, wie die anderen Städte und Gemeinden bei uns in Norddeutschland. Mit dem Shutdown und der Umstellung auf digitale Tools hat die Zukunft bereits begonnen. Digitale Lösungen werden im persönlichen und privaten, beruflichen und geschäftlichen Umfeld zur Selbstverständlichkeit. 

Die Unternehmensberatung BCG hat die Folgen von Wirtschaftskrisen der vergangenen 100 Jahre untersucht, die durch Epidemien ausgelöst wurden. Kernergebnis: In allen Fällen erholte sich die Wirtschaft wieder sehr schnell. Allerdings: Dieses mal sind die Auswirkungen durch den Shutdown größer denn je.

Wir sind der Überzeugung: Storytellende Stellvertreter aus dem Online-Marketing haben bei echter Digitalisierung, tiefgreifender Transformation und nachhaltigem Kulturwandel ausgedient. Und dies kommt auf uns zu. Die Realität lässt die Filterblasen platzen. Wir sind gespannt auf die Themen von Morgen. Gemeinsam mit unseren Lesern in Hamburg, der Metropolregion und dem ganzen Norden.

Bitte, bleiben Sie gesund!

 Hanse Digital Background: 
* Update 06.04.2020 *


HANSEVALLEY: Gastbeitrag "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt."


Hamburg@work: Fachbeitrag "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu neuen Perspektiven kommt":
digitalcluster.hamburg/de/news-archiv/2020/20200325_NEWS-Keup-ueber-Corona 

Absatzwirtschaft: Fachbeitrag "Andere Länder, gleicher Umgang: Die 5 Phasen des Coronavirus":