Montag, 26. April 2021

HANSESTARTUPS: Nect zeigt, wie KI Kurzarbeitern und Unternehmen auch nach Corona hilft.

 HANSE STARTUP MAGAZIN

Nect-Gründer Benny Bennet Jürgens setzt auf KI bei der Online-Identifikation.
Foto: Nect/Matthias Friel

Bis zu 700.000 Hilfesuchende, die sich seit Frühjahr 2020 beim Arbeitsamt als arbeitslos oder in Kurzarbeit meldeten. Die Notwendigkeit der Bundesagentur, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen - mit bis zu 5.000 Online-Identifikationen pro Stunde. Und ein ID-Verfahren über Nacht bei der IFB in Hamburg, damit Unternehmer die Corona-Soforthilfe bekommen konnten. 2020 schlug die Stunde für “Selfie-Ident” aus Hamburg. Das HANSESTARTUP “Nect” gehört seit der Pandemie zu den führenden Online-ID-Anbietern - und hat den elektronischen Personalausweis ebenso auf die Plätze verwiesen, wie Video-Ident-Dienstleister.


Zeit für das Hanse Startup Magazin nachzufragen, wie das Team um Benny Bennet Jürgens und Carlo Ulbrich bis zu 700.000 “Selfie-Idents” auf dem Handy gepackt hat, was die mehr als 60 Mitarbeiter - davon rd. 30 Techis - vom Großen Burstah in diesem Jahr vorhaben - und wohin die Reise des jungen norddeutschen Technologieanbieters geht. Chefredakteur Thomas Keup nutzte die KI-Identifikation selbst bei HEK und HKK - und sprach anlässlich des 4-jährigen Bestehens mit Gründer und Geschäftsführer Benny Bennet Jürgens über Status Quo und Ausblick:


Nect in der Corona-Pandemie


Mit der Pandemie mussten schnell digitale Lösungen geschaffen werden:
Die Bundesagentur für Arbeit entschied sich für Nect aus Hamburg.
Illustration: Gerd Altmann, Pixabay

Ihr seid seit geraumer Zeit in Richtung Versicherungswirtschaft unterwegs, habt im vergangenen Jahr die Bundesagentur für Arbeit als großen Kunden gewonnen. Wie gewinnt ein Tech-Startup aus Hamburg einen bundesweiten Großbetrieb wie die Bundesagentur für Arbeit?


Im letzten Jahr war es so, dass es aufgrund der Pandemie Ausnahmen gab, damit Vergaben beschleunigt stattfinden konnten. Die Bundesagentur für Arbeit hat ein Research gemacht, wie Ihr Problem gelöst werden kann und ist dabei u. a. auf unsere Technologie gestoßen. Über eine Ausschreibung konnten wir dann ein Angebot abgeben.


Es gibt diverse Authentifikationsverfahren mit Videoagenten, mit Personalausweisen die man fröhlich in die Kamera hält, mit Verfahren die mehr oder weniger sicher sind - Stichwort “N26” in der Vergangenheit. Habt Ihr im Nachgang erfahren, wie die Bundesagentur auf Euch gekommen ist bzw. was war der BA besonders wichtig?


Der Kernpunkt war, dass es ein automatisiertes Verfahren sein musste, weil mindestens 5.000 Idents pro Stunde verarbeitbar sein sollten. Es hatten sich im Mai/Juni vergangenen Jahres rd. 600.000 bis 700.000 Arbeitslosmeldungen angesammelt, die möglichst schnell abgearbeitet werden mussten, damit die Leute weiterhin ihr Geld bekommen konnten. Mit einem Video-Ident wäre das gar nicht möglich gewesen. Bei 5.000 Idents die Stunde braucht man wahrscheinlich 1.000 Mitarbeiter, die man auch erst schulen müsste. Deshalb ein automatisiertes Verfahren. 


Die Bundesagentur für Arbeit ist ja nicht immer und überall nur als digital-fortschrittlicher Dienstleister bekannt. Nicht immer werden die u. a. durch Unternehmensberater eingeführten Abläufe als hilfreich und damit kundenorientiert wahrgenommen. Welche Erfahrungen habt Ihr in den rd. drei Wochen gemacht, als Ihr “Selfie-Ident” im Frühsommer vergangenen Jahres bei der Nürnberger Bundesagentur eingerichtet habt?


Ich war sehr, sehr positiv überrascht, wie die Bundesagentur für Arbeit im Inneren arbeitet - sehr fortschrittlich, sehr kundenorientiert. Natürlich kennt man die Storys und sicher gibt es auch negative Erfahrungen bei der Arbeitslosmeldung. Gleichzeitig muss ich sagen, dass sich in der Zusammenarbeit für mich ein komplett anderes Bild entwickelt hat. Und so hat sich denn auch gezeigt, dass die Entscheidung nicht als reiner Kostenfaktor gewertet wurde. Die Bundesagentur hat Umfragen unter allen Teilnehmern des Selfie-Idents gemacht, wie man das bewertet und möchte man das auch in Zukunft haben. Es ist eher eine Entscheidung auf Nutzerseite getroffen worden. Deshalb soll es auch weiter gehen.


Ihr seit auch bei privaten Versicherern unterwegs. Werdet Ihr tatsächlich zum Dienstleister für Authentifizierungsverfahren der öffentlichen Hand?


Wir sehen uns in dem Sweetspot, in dem wir alle großen Kunden mit unserer Lösung bedienen. Wir haben angefangen mit den großen Schwergewichten, mit einer R+V zum Beispiel. Auch ich habe vorher zehn Jahre in einem Versicherungskonzern gearbeitet. Wir wissen gut, wie wir mit denen umgehen müssen - und das macht einfach auch Spaß. Wir sehen uns aktuell sehr stark bei großen Versicherungshäusern, bei großen Banken und auch Behörden gehören dazu. Wir bieten nicht die ‘eine Lösung für besondere Einzelfälle’, unser Fokus sind die großen Schwergewichte, ebenso wie der Mittelstand. 


Ausblick Produkt + Entwicklung

Die Nect-App mit Selfie-Ident und wiederverwendbarer ID.
Illustration: Nect

Für 2021 ff.: Was dürfen Eure Kunden in diesem Jahr und darüber hinaus an Neuerungen erwarten?


Das nächste große Produkt, das wir auf den Markt bringen, ist die E-Signatur; dass wir unsere Identitätsbestätigung auch dafür nutzen, um digital Verträge unterzeichnen zu können. Hier sind wir auf dem höchsten regulatorischen Level, der qualifizierten elektronischen Signatur, so dass auch die Schriftform ersetzt werden kann mit unserer Nect-Signatur. Was für uns dann auch sehr wichtig auf dem Plan steht, ist das Thema Internationalisierung. Wir wollen dieses Jahr möglichst auch die ersten Kunden aus dem Ausland gewinnen und nicht nur in Deutschland.


Bei vielen Apps ist es so: einmal benutzt und dann nie wieder angefasst. In wiefern erwartet Ihr, dass Eure Lösung, nachdem sie einmal z. B. bei einer Krankenkasse genutzt wurde, besser auf dem Smartphone bleibt, weil man sie in Zukunft wieder brauchen könnte?


Wir sehen jetzt schon eine relativ hohe Quote an Leuten, die die App mehrfach verwenden, weil sie mehrere Versicherungen haben. Ein Beispiel: Ich habe eine gesetzliche Krankenversicherung und dann habe noch eine Haftpflicht bei einer R+V oder einer HUK Coburg. Da haben wir dann schon zwei Fälle, wo man unsere App verwenden kann. Meist ist es aber so, dass man nicht nur eine oder zwei Versicherungen, sondern vier, fünf, sechs Versicherungen hat. Und wir haben schon einen relativ hohen Marktanteil im Versicherungssegment - jetzt auch bei den Krankenkassen. Daher ist es sinnhaft, die App mehrfach weiterzuverwenden, denn es wird für viele Menschen immer häufiger die Chance dazu geben. Die Möglichkeit dazu schafft Nect mit einer wiederverwendbaren ID in der App.


Künstliche Intelligenz in Hamburg


Schafft es die Hafenstadt Hamburg, zur Heimat für Software und KI zu werden?
Foto: HANSEVALLEY

Blick aus der Vogelperspektive: Hamburg als Startup-Standort unter den großen Metropolen Nr. 3 nach Berlin und München, unter den Bundesländern Nr. 4 nach Berlin, Bayern und NRW. Es gab letztes Jahr zum Startup-Monitor bei PwC massive Kritik. Wie bewertest Du heute 2021 auch unabhängig von Corona den Startup-Standort Hamburg?


Ich glaube es ist eine Frage, welchen Blickwinkel man darauf hat: Ich bewerte den Standort deswegen positiv, weil wir als Deep-Tech-Unternehmen einen schönen Standort haben, um gute Talente zu finden, ohne in den Riesen Wettbewerb gehen zu müssen. Ich habe in der Stadt mit vielen Einwohnern und Universitäten schon mal per se gute Möglichkeiten, um Talente zu gewinnen. Es ist eine wunderschöne Stadt, in der auch viele Leute leben wollen, d . h., ich kann auch Leute von außerhalb überzeugen, hierherzuziehen. Aber in allen Bereichen habe ich nur relativ wenig Wettbewerb - vor allem auf der Startup-Ebene.


“Die Firma verdanke ich dem Standort.”


Ich habe natürlich viel Wettbewerb, wenn ich in Richtung Philips oder Dermalog gucke. Die haben ja auch Computer-Vision-Talente am Start. Aber als Arbeitnehmer kann es ja auch eine Entscheidung sein, jetzt Lust zu haben, in einem Startup mitzuarbeiten oder auch in einem Scaleup, wie wir uns jetzt schimpfen dürfen. Wenn ich diese bewusste Entscheidung treffe, dann habe ich in Hamburg halt gar nicht so viel Auswahl. Das ist für uns vom Standort her dann erstmal ganz gut, dass man Talente finden kann. Und auch, dass man von der Stadt Hamburg eine gute Förderung bekommt. Ich bin der Überzeugung, dass es uns nicht geben würde, hätten wir damals nicht die Förderung von der IFB Hamburg bekommen.


Natürlich gibt es nicht nur einen “War of Talents”, sondern auch einen “War of Regions” - z. B. im Wettbewerb mit Lübeck und der Universitätsmedizin oder in Niedersachsen mit dem autonomen Fahren und der Autoindustrie. Wo siehst Du denn Stärken bzw. besondere Chancen für KI in Hamburg?   


Wir haben ja viel optische Kompetenz in Hamburg. Wir haben Philips, wir haben Olympus, wir haben Dermalog. Wir haben viele große, namhafte Unternehmen, die aus Tradition mit optischer Verarbeitung unterwegs sind. Ich sehe allgemein KI im Rahmen der optischen Erfassung und Verarbeitung als extrem wertvoll an. Wir haben eine gute Chance, die Kompetenzen die man in Hamburg versammelt hat, dann auch mit KI zu nutzen, um sich dort zu positionieren. 


Durch die Presse gegangen, hart aufgeschlagen, wir waren da ganz vorn mit dabei: keine Anschlussfinanzierung für “Ahoi Digital”, die Informatik-Initiative der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Chance auf 35 zusätzliche Informatik-Professuren ab 2021 nicht mehr da. Wie beurteilst Du die Informatik-Ausbildung und was sollte die Stadt machen, um Tech-Unternehmen wie Euch die Chance auf neue, zusätzliche Talente zu bieten?


Ich würde auch da weiter vorn anfangen: Allgemein ist in Deutschland Informatik und Software - alles was nicht klassisches Ingenieurwesen ist - immer noch sehr stiefmütterlich behandelt - und ist in Deutschland auch nicht als das wertvolle Handwerk angesehen. Das ist - glaube ich - das Problem. Wenn man erkennen würde, wie wertvoll das Handwerk Software ist, dann würde man vielleicht auch andere Entscheidungen treffen.  


DIE HAMBURG-FRAGE Ich bin bei Dir: stiefmütterlich? Ja! Kulturfrage? Ja! Ich möchte Dich an der Stelle aber nicht entlassen wollen mit ‘Es ist eine Kulturfrage’. Ich bleibe bei Hamburg, ich komme nochmal zurück: Was kann, was sollte der Hamburger Senat machen, um die Informatik aus der Kellerecke herauszuholen?


Ich finde, es ist am Ende des Tages eine Marketing-Aufgabe, indem ich jede Gelegenheit nutze darüber zu reden, welche Vorteile dem einzelnen Bürger durch Software entstehen, und vielleicht auch noch Porträts über entsprechende Leute machen, die das ganze Thema ins rechte Licht rücken. Das ist etwas, das begleitet mich schon seit 15 Jahren. Der Beziehungsstatus von Deutschland und Software ist immer noch 'kompliziert'. 


Natürlich gibt es positive Beispiele, z. B. das ganze Thema Deep Fakes, was viel durch die Presse gelaufen ist. Eine der Kernkompetenzen für Deep Fake sind dann auch an einer Uni in München. D. h., wir haben ja positive Beispiele in Deutschland, die sich auf die ganze Welt auswirken - und das muss man dann vielleicht noch stärker nutzen im eigenen Marketing, um zu sagen, was das für einen Impact hat. Das ist natürlich das, was Menschen immer gern wollen, einen Impact. Vielen ist bei Software nicht so ganz klar: Was habe ich denn für einen Impact? Das kann ich ja gar nicht greifen.


Nect-Gründer Benny Bennet Jürgens und Carlo Ulbrich:
Digitale Zukunft entwickelt in Sichtweite des Hamburger Rathauses.
Foto: Nect

Das ist das, wo eine Uni oder eine Stadt Hamburg anpacken muss, wenn sie einen Standort in diese Richtung fördern will. Wenn sie es nicht will, weil sie sagt, wir leben weiter von dem klassischen Handwerk und vom Hafen, ist das ja auch ok. Das kann ja eine Entscheidung sein. Ob ich jetzt die Entscheidung so treffen würde, ich glaube nicht. Wenn man in Richtung Software gehen will, ist das eine große Marketing-Aufgabe.  


Vielen Dank für die offenen Worte!

Das Interview führte Thomas Keup.


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 Hanse Digital Background:  


Spotifiy Podcast:

4 Jahre Nect - Interview mit Benny Bennet Jürgens

 https://open.spotify.com/


HANSESTARTUPS:

Nect - Damit Benny auch wirklich Benny ist

hansevalley.de/2018/01/hansestartups-nect.html




Montag, 19. April 2021

HANSECOMMERCE: Wie man gut und günstig bei Aliexpress einkauft - Teil 2.

HANSE ECOMMERCE SPEZIAL
* Update 23.04.2021 *

Die Aliexpress-App bietet günstigere Preise als das Portal.
Screenshot: App Store

Die chinesische Marktplatz-Plattform "Aliexpress" ist auf dem Weg, europäische Kunden von Paris über Berlin bis Moskau zu beglücken. Schon 2018 war der Endkunden-Onlinehändler die absolute Nr. 4 in der Schweiz. Im vergangenen Jahr eröffnete der Mutter-Konzern "Alibaba" am belgischen Flughafen von Liege auf 220.000 qm sein erstes europäisches Zentrallager. Bis 2025 hat die Logistik-Tochter "Cainaio" ein Ziel: Jeder Kunde soll seine Bestellung über die chinesische Shopping-Plattform innerhalb von 72 Stunden geliefert bekommen. 

Hier: Wie man gut und richtig günstig bei "Aliexpress" einkauft - mit aktuellen Tricks für die niedrigsten Preise, wichtigen Tipps zu Kostenfallen und Kleidergrößen, allen Infos zu Versand und Sicherheit, Zahlungsabwicklung, Käuferschutz und Garantien sowie dem Kundendienst von "Aliexpress". Chefredakteur Thomas Keup verrät als Smart-Shopper und "Diamant"-Kunde, wie man auf "Aliexpress" gut und günstig shoppt - und bringt seine aktuellen Insides aus chinesischem Neujahrsfest und Ostersale einEin Hanse Ecommerce Spezial - Teil 2:

Die Schnäppchenjagd

Trick Nr. 1 für den günstigsten Preis auf "Aliexpess" kennen Sie bereits: Suchen, finden und shoppen via App - nicht via Website. Hier kommt Trick Nr. 2: Fotografieren Sie einen online oder mobil bei "Aliexpress" gefundenen Artikel. Jetzt lassen Sie die Fotosuche über den Screenshot laufen - und werden sehen, das viele Händler den identischen Artikel zu unterschiedlichen Konditionen anbieten - denn "Aliexpress" schickt seine Marktplatzhändler in direkten Wettbewerb zueinander. Die Suchergebnisse können Sie nach aufsteigendem Preis sortieren lassen - und schon steht der niedrigste Produktpreis oben - fast. Denn nicht selten handelt es sich um flexible Preise, die je nach Lieferland variieren, was mit den Versandkosten zu tun hat. So können zwei Backofen-Handschuhe plus zwei Topflappen mit 8,27 bis 8,60 € ausgepreist sein. Erst mit Auswahl des konkreten Artikels, der Farbe oder Größe sowie der Anzahl bekommen Sie den aktuell für Deutschland gültigen Preis.

Neben dem Preisvergleich über die Artikelsuche spielen die Versandkosten eine wichtige Rolle: So sollten Sie beim Vergleich den für Versand nach Deutschland gültigen Verkaufspreis plus die darunter stehenden Lieferkosten zusammenrechnen. Trick Nr. 3: Wählen Sie 2-3 günstige Optionen für einen Artikel + Versand aus und legen diese in den Warenkorb. Anschließend klicken Sie im Warenkorb die verschiedenen Bezugsmöglichkeiten einzeln nacheinander an und schauen, welcher Endpreis Ihnen vor dem Gang zur Kasse angezeigt wird. Nicht selten ist ein höherer Verkaufspreis ohne Versandkosten günstiger, als ein niedriger Preis plus Versand. So lassen sich bei einem Artikel locker 1,- bis 2,- € sparen. Bei fünf oder zehn Artikeln im Warenkorb summiert sich die Ersparnis schon mal auf 6,- € bis 8,- € - nur durch Vergleichen.

Vorsicht vor Kostenfallen!

Ein weiterer, brandaktueller Trick: Bietet Ihnen der Händler einen reduzierten Preis zum "Sofortkauf" ohne Versandkosten an, greifen Sie ggf. zu. Legen Sie den Artikel nur in Ihren Warenkorb, kommen möglicherweise Versandkosten hinzu. Ist der Preis für den Wunschartikel mit der "Sofortkauf"-Option ideal, weil Sie ihn bereits über die Foto-/Suche mit Preisen anderer Händler verglichen haben, warten Sie nicht zu lange, denn die Sofort-Schnäppchen verschwinden auch wieder. Noch ein Trick zur Preissuche: Geben Sie alternativ zur Fotosuche auch mal Stichworte in die Suchleiste von "Aliexpress". Manchmal kommen die günstigsten Preise per Zufall in einer Stichwortsuche zum Vorschein, nicht per Fotoscan. Probieren Sie einfach die verschiedenen Möglichkeiten aus.

Eine erste Warnung möchte ich an dieser Stelle mitgeben: Wollen Sie nicht einen Artikel, sondern zwei, drei oder vier identische Artikel kaufen, passen Sie auf die Versandkosten auf! Grund: Oft fallen bei höherer Anzahl Ihres Wunschartikels plötzlich Versandkosten an - oder sie summieren sich auf. So müssen Sie auf einmal für drei Artikel zusammen bestellt 2,54 € Versand bezahlen - bei gerade einmal 1,89 € Warenwert, während die drei kleinen Helferlein jeder allein versandkostenfrei wären. Die Lösung: Bestellen Sie dreimal einen Artikel ohne Versandkosten. Speichern Sie dazu den Artikel mit dem roten Herz als Wunschartikel ab, um ihn schnell das zweite und dritte Mal in den Warenkorb legen zu können. So sparen Sie sich plötzlich "explodierende" Versandkosten. Die drei Artikel werden anschließend sowieso zusammen verschickt. 

Die Frage nach dem Zoll.

Grundsätzlich müssen wir als Verbraucher bei Kauf und Import von Artikeln aus China Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Diese beträgt für die meisten Artikel wie in Deutschland 19 %, für Bücher, Blumen oder Lebensmittel 7 % - wie im Laden um die Ecke. Import-Steuern unter 5,- € werden in Deutschland in der Regel jedoch nicht eingefordert. Damit sind chinesische Artikel auf "Aliexpress" und anderen Marktplätzen nicht nur per Freigrenze bis 22,- € inkl. Versandkosten, sondern praktisch sogar bis zu 26,- € steuerfrei - und zwar je Artikel inkl. Porto. Entscheidend ist, was als Zolldeklaration auf der Versandverpackung steht und ob diese vom Zoll in Frankfurt/Main geprüft oder - wie meist - mit einem grünen Aufkleber durchgewunken und an die Post zur lokalen Zustellung übergeben wird. 

Nicht selten deklarieren Händler die Artikel mit wenigen Euros und Cent. Das kann gut gehen - oder man landet als Empfänger (eher selten) auf dem lokalen Zollpostamt. Dann heißt es Kaufbeleg vorzeigen (und unbedingt vorab ausdrucken oder auf dem Handy bereithalten) und nicht rot werden, wenn man vor dem Zöllner die heiß ersehnte Ware aus der Kategorie "Erwachsenen-Unterhaltung" auspacken und vorzeigen muss. Gerät eine Sendung in die Zollkontrolle, bekommen Sie eine Nachricht von der "Deutschen Post". Liegt der Artikel unter 26,- € inkl. Versand, können Sie sich entspannt eine Wartemarke ziehen, den Fall gegenüber dem Zöllner aufklären und die Ware mitnehmen. Ansonsten kann es teuer werden - ab 150,- € Einfuhrwert zzgl. Zollgebühren. Also gut aufpassen, was man zu welchem Preis bestellt.

Warengrößen und Versionen

Besonderes Augenmerk ist bei Kleidung von chinesischen Fabrikbändern geboten. Der Grund: Chinesische Größen sind in aller Regel zwei Nummern unter den deutschen bzw. europäischen Größen angesiedlet. Heißt: eine deutsche "L" ist fast immer eine chinesische "XXL". Daher ist es nicht verwunderlich, dass die angebotenen Kleidergrößen z. T. bis 3XL, 4XL oder sogar 5XL gehen - bitte nicht verwirren lassen. Entscheidend ist die Größentabelle auf der Produktseite! Hier finden Sie die Angaben in cm und inch, um den richtigen Umfang von Brust, Taille und Hüfte auszuwählen. Bestimmte Artikel werden mittlerweile auch in "westlichen" Größen für EU und US ausgewiesen. Wichtig: Hat der Händler die Angaben zu den Maßen korrekt gemacht und bietet keine kostenlose Rückgabe an, bleiben Sie auf den zu kleinen oder zu großen Klamotten sitzen. Also: Größentabelle checken oder im Zweifelsfall den Händler vor der Bestellung über die Chatfunktion anschreiben und Ihre Größe nachfragen.

Im Rahmen der Markterschließung europäischer und vor allem deutscher und italienischer Kunden bieten eine Reihe von Marktplatz-Händlern für Kleidungsstücke eine kostenlose Rücksendung mit Rückerstattung von Kaufpreis und Versandkosten an. Achten Sie bei einem Preisvergleich über die Bilder-/Suche bei Kleidungsstücken auch auf eine Information zur kostenlosen Rückgabe. Es kann sich lohnen, bei Shirts, Shorts und Sneakers ein paar Euro mehr auszugeben, die Ware aber im Falle eines Falles u. a. an die aktuell Berliner Retourenadresse mit kostenlosem UPS-Etikett zurückschicken zu können. Die Rücksendung aktivieren Sie in der Bestellübersicht mit wenigen Klicks, laden sich das Etikett herunter und verschicken die Artikel an das Retourenzentrum. Ihr Geld haben Sie wenige Tage nach Eintreffen der Ware wieder auf dem Konto, wozu Sie eine Nachricht per Mail bekommen.

Verpackung der Sendung

Kleine graue Chinatüten erobern Deutschlands Haushalte.
Foto: HANSEVALLEY

Handelt es sich von Größe und Gewicht nicht um eine klassiche Paketsendung, werden die Artikel in zumeist weißen, hellgrauen oder schwarzen Plastiktüten verschickt. In den reißfesten Tüten wird die Ware bei Bedarf mit Luftpolsterfolie oder Schaumstoff geschützt. Die eigentliche Ware wird wiederum in zumeist durchsichtigen Plastiktüten oder Pappschachteln verpackt. Die Pappschachteln sind vom Transport oft leicht zerdrückt, was der einwandfreien Lieferung von Plastik- oder Metallartikeln nicht unbedingt schadet. Sollte tatsächlich ein Artikel verbogen oder angebrochen sein, kann man im Portal oder in der App eine Beschwerde ("Open Despute") einreichen. Wichtig: Keine Erstattung ohne Beweis per Foto oder Video. Können Sie eine Beschädigung nachweisen, haben Sie wenige Tage später das Geld zurückgebucht bekommen.

Da identische Artikel von verschiedenen Marktplatz-Händlern verkauft werden, haben die Produktverpackungen meist nur englische Produktangaben und ggf. englische Anleitungen. Bei Elektroartikeln achten Sie auf EU-Stecker bzw. eine "internationale Version". Im Zweifelsfall gibt es auf "Aliexpress" einen Adapter für 1-2,- €. Die Handelswaren werden auf dem Marktplatz auch unter verschiedenen Produktbezeichnungen angeboten. Ein Vergleich der Produktfotos bei verschiedenen Händlern via Fotosuche im Portal oder in der App hilft herausfinden, ob es sich womöglich immer um ein und das selbe Produkt handelt. Vorsicht geboten ist bei Artikeln mit westlichen Labels. Hier kann es sich leicht um Fälschungen handeln, die spätestens teuer werden, wenn Sie vom Zoll rausgefischt und Sie als Empfänger zur Kasse gebeten werden.  

Versand der Waren

Bei einer Bestellung auf "Aliexpress" werden in der Regel direkt die günstigten Versandkosten für das im Kundenkonto vorab eingestellte Zielland (hier: Deutschland) ausgewiesen. Vorsicht: Auch wenn in der Produktauswahl eine kostenlose Lieferung angezeigt wird, können im Warenkrob pötzlich Lieferkosten auftauchen (s. o.) - also lieber einmal mehr genau hinschauen. Der günstigste Versand ist ein Standard-Versand ohne Express-Lieferung (z. B. via "Aliexpress" oder "Cainaio"). In den Versandoptionen können schnellere und teurere Alternativen ausgewählt werden, z. B. ein Express-Versand via "DHL" oder "EMS". Dabei klettern die Kosten gern auf 30,-, 40,-, 50,- € oder mehr. Der Expressversand bietet sich nur an, wenn er kostenlos oder für wenige Euro aus einem europäischen Versandlager erfolgt (z. B. "7-Tages-Lieferung aus DE/BE/PL/ES"). In allen anderen Fällen kauft man alternativ - z. B. hochwertige Elektroartikel - noch günstiger, schneller und sicherer bei "Amazon" oder via "Ebay" ein.

Die zumeist kompakten Sendungen werden als Einschreibebriefe per "Cainaio", "China Mail", "China Post" oder anderen Logistikern direkt aus den Warenlagern der Händler oder Logistiker verschickt. Der Versand geschieht meist per Luftfracht von Hong Kong nach Frankfurt am Main, alternativ auch nach Amsterdam oder Liege. Der Versand via Containerschiff mit aktuell rd. 49 Tagen auf der China-Nordrange nach Bremerhaven oder Hamburg ist einfach zu langsam. Von den Luftfrachtzentren werden die Sendungen einzeln oder gebündelt über chinesische Logistikpartner (z. B. in Mörfelden-Waldorf und Niederaula) zu uns nach Hause transportiert. Hier kommen lokal der Briefdienst der "Deutschen Post" und international Dienstleister wie "BPost" (via Belgien) oder "PostNL" (via Niederlande) zum Einsatz. Sendungen mit einer Paket-ID und der Endung "...DE" sowie von europäischen Warenlagern kommen zumeist per "DHL" oder Briefbote (z. B. als Warenpost), in Einzelfällen auch per "Hermes". 

Zahlungs-Abwicklung

Zur Bezahlung seiner Waren hat man bei "Aliepexress" mittlerweile neben Kreditkarten, wie "Amex", "Mastercard" oder "Visa" in einer konzerneigenen "Alipay"-Wallet auch die Möglichkeit, per "Paypal" auszuchecken und so einen zusätzlichen Käuferschutz für den Fall der Fälle. Darüber hinaus kann man per Sofortüberweisung von "Klarna" oder per "Giropay" der Banken und Sparkassen über sein Konto bezahlen. In der App gibt es zudem unter "Alipay" diverse Möglichkeiten, Guthaben zu sammeln und mit den Käufen verrechnen zu lassen, z. B. bei dreimaliger Zahlung via "Alipay"-Wallet statt über "Paypal". Wie überall in Asien liebt man auch bei "Aliexpress" Gamification. So können Sie an einem virtuellen Glücksrad oder beim Pflanzengießen Punkte sammeln und in virtuelle Münzen umtauschen. Beim Checkout werden die Münzen zur Preisreduzierung eingesetzt und man kann zudem gefundene Gutscheine eingeben, wenn diese aktuell sind und (nicht nur) für Neukunden waren (siehe Teil 1). Ist ein Gutschein nicht (mehr) gültig, werden Sie darüber informiert. 

Solange die Ware vom Händler noch nicht als versandt markiert und mit einer Sendungs-Nr. versehen wurde, kann man den Kauf stornieren, auch ohne einen Grund angeben zu müssen. Dazu haben Sie normalerweise ein bis ca. drei Tage Zeit - vereinzelt dauert der Versand auch mal ein oder zwei Wochen. Die Rückerstattung der stornierten Zahlung erfolgt auf das Konto, die Karte oder das Wallet der Originalzahlung innerhalb von rd. 14 Tagen. Dazu bekommen Sie eine Nachricht von "Aliexpress". Gleiches gilt auch bei Rückerstattung auf Grund von Nichtlieferung oder Erstattung wegen Beschädigungen. Das Handling für die Zahlungen wird grundsätzlich über eine Payment-Tochter von "Alibaba" in Singapur übernommen, während der eigentliche Kauf über eine "Alibaba"-Abteilung in Hong Kong läuft. 

Versand-Informationen

In der Rubrik Versand möchte ich eingangs eine kleine Warnung vor nicht 100 % zuverlässigen Händlern aussprechen: Kaufen Sie z. B. einen "Mi"-Rucksack im Rahmen einer Aktion ohne Versandskosten für 5,- statt regulär 12,- €, kann es Ihnen passieren, dass der Händler sich mit einer Nachricht über das Chat-System bei Ihnen meldet und bedauert, den ausverkauften Artikel in dieser Farbe oder generell nicht mehr liefern zu können. Vorsicht! Nicht selten hat der Händler in einem solchen Fall schlicht vergessen, die Versandkosten einzurechnen oder auszuweisen und droht nun, Verlust zu machen. Da Sie einen verbindlichen Kauf abgeschlossen haben, lassen Sie sich nicht "breitquatschen". Warten Sie, bis der Händler den Kauf entweder selbst storniert oder die Ware plötzlich doch auf dem Weg zu Ihnen ist.

Bei tatsächlich oder vermeindlich nicht verfügbaren Waren oder erheblichen Lieferverzögerungen hat der Händler im Zweifelsfall die "L"-Karte in der Hand und bekommt von "Aliexpress" "Bullshit"-Punkte, weil er sich nicht gemäß der Richtlinien verhalten hat. Ganz doofe Idee in China und von Marktplatz-Händlern gemieden, wie die Pest. Um nicht den schwarzen Peter zu kassieren, wird man Sie als Kunde bitten, den Kauf Ihrerseits zu stornieren. So wandert die Verantwortung für den abgebrochenen Verkauf vom Händler zu Ihnen. Lassen Sie sich nur darauf ein, wenn Ihnen ein Artikel nicht so wichtig ist. Das Geld bekommen Sie nach dem Auslösen des Stornos ebenfalls in 2 Wochen auf Ihr ursprüngliches Zahlungsmittel zurückgebucht. Andernfalls können Sie zunächst auf der Bestellseite die Lieferzeit verlängern und dem Händler mehr Zeit einräumen. Dies ist interessant, wenn Ihnen das Produkt wichtig ist.

"Cianaio"- Frachtflieger der "Alibaba"-Gruppe.
Foto: Alizila

Sendungsverfolgung

Zur Nachverfolgung der verschickten Sendungen gibt es nach dem Versand und einer Benachrichtigung per E-Mail oder Smartphone-Notiz direkt über das Portal oder die App die Möglichkeit, den Verlauf und den aktuellen Status jeder einzelnen Sendung zu verfolgen. Dies gilt für einen Cent-Artikel ebenso, wie für Handy oder Computer. Per Klick kann bei "Cainaio" oder "DHL E-Commerce Asia" nachverfolgt werden, wo die Bestellung gerade steckt. Doch Vorsicht: Die Angaben in den Portalen sind nicht immer aktuell und vollständig. Ein Blick auf die Sendungsverfolgung kann lediglich einen Zwischenstand geben. Erst wenn die Sendung als zugestellt deklariert wird, aber nicht angekommen ist, wird das Tracking wichtig für die Gutschrift von Kaufpreis und ggf. der Versandkosten.

Wird eine Sendung unkorrekterweise als zugestellt getrackt, zur Abholung in der Postfiliale ausgewiesen aber nicht hinterlegt oder nach vermeindlich erfolglosen Zustellversuchen als zurückgeschickt markiert (alles schon passiert), sollte man abwarten, bis die Bestellung zur Beschwerde ("Open Dispute") freigegeben wird. Dies geschieht spätestens 59 Tage bzw. zwei Monate nach dem Versandbeginn. Solange hat der Versender normalerweise Zeit, seine Lieferung zu uns bringen zu lassen. Ist die Sendung zur Beschwerde freigegeben, kann auf der Bestellseite via Formular Einspruch gegen die Nichtzustellung inkl. unkorrektem Tracking eingelegt werden. Hier hat "Aliexpress" mittlerweile einen aus eigener Erfahrung kundenfreundlichen Prozess mit schneller und korrekter Rückerstattung eingeführt. Das war nicht immer so.

Käuferschutz und Garantie

Ist die Sendung zugestellt, bittet "Alipexpress" um Bestätigung des Erhalts der Ware, wie alle chinesischen Marktplätze. Erst jetzt bekommt der Händler sein Geld. Und jetzt haben wir als Verbraucher nur 15 Tage Zeit, das Produkt zu reklamieren, z. B. wenn das Küchenregal völlig verbogen angekommen ist, der Reißverschluss der Jacke beim ersten Ausprobieren kaputt geht oder das neue Zimmerthermometer falsche Angaben macht. Dazu muss man auf der Bestellseite "Open Dispute" anklicken, ein Formular mit den wichtigsten Angaben ausfüllen und einen Beweis als Foto oder Handy-/Video hochladen. Tipp: Nutzen Sie dazu die App, da hier keine Größenbegrenzung für die Bilder besteht - im Gegensatz zum Online-Portal via PC oder Laptop. Ganz wichtig: Im Gegensatz zu "Amazon" haben Sie auf "Alibaba" kein uneingeschränktes Rückgaberecht. Zudem gibt es keine deutsche oder europäische Garantie - da Sie in China shoppen gehen. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn es um höherwertige Elektronikartikel geht.

Generell wichtig: Verpasst man die 2-Wochen-Frist zur Beschwerde, gilt der Verkauf als abgeschlossen. Öffnet man eine Beschwerde nach dem Kauf, springt der Kundendienst ein. Die Anfrage wird im Hintergrund geprüft und im Regelfall die Rückerstattung eingeleitet. Sie müssen sich bei einem Disput nicht mit dem Händler rumschlagen. Ihr Ansprechpartner ist die Plattform. Dazu bekommt man eine Mail mit dem Link zum Beschwerdeverlauf auf Portal bzw. in der App. Beobachten Sie den Verlauf Ihrer Beschwerde. Ein einigen Fällen müssen Sie der Lösung - z. B. einer Rückerstattung - ausdrücklich zustimmen. Ist man mit der Lösung - z. B. einer Teilerstattung - nicht einverstanden, kann man online eine weitergehende Beschwerde öffnen. Hier versagt "Aliexpress" allerdings auf ganzer Linie. Heißt: Ob man eine Beschwerde zur Entscheidung einlegt oder in China ein Sack Reis umfällt, läuft aufs Gleiche hinaus: keine Reaktion, keinerlei Antwort, keinerlei Hilfe. Ein echter Fail und meine schärfste Kritik. So darf es nicht bleiben!

Kunden-Kommunikation

Einen Kundendienst-Mitarbeiter von "Aliexpress" direkt zu erreichen, ist nicht möglich. Was bei "Amazon" und "Ebay" via vorgeschalteter Fragen & Antworten, asynchronem Chat oder versteckter Telefonfunktion möglich ist, ist beim chinesischen Marktplatz lediglich ein KI-basierter Chat - und der ist unterirdisch schlecht und hilft in keiner Weise. Zum Einen werden Fragen vom Deutschen oder Englischen ins Chinesische übersetzt, zum Anderen werden die Antworten vom Chinesischen ins Englische unsauber zurück geliefert. Zwar hat mir die KI versprochen, in oben genanntem Beschwerdefall einer Teilerstattung zu helfen - hier können wir als Verbraucher aber auch gleich das Geld im Gulli versenken. Passsieren tut ... nichts. Noch einmal: Offene Kritik eines Verbrauchers an diesen Machenschaften!

Das Portal und die App lassen sich generell ins Deutsche übersetzen. Teile des Portals bleiben jedoch Englisch. Weniger schön ist es nach der Bestätigung des Erhalts der Ware über die Website: Dann landet man schon mal auf der spanischen oder russischen Version der Übersetzung. Grundsätzlich empfiehlt es sich, mit englischen Grundkenntnissen auf "Aliexpress" einkaufen zu gehen - auch wenn die Lokalisierung zunehmend besser geworden ist. Englisch macht u. a. direkte Nachfragen bei Händlern über den Chat einfacher, z. B. bei Rückfragen zu empfohlenen Größen bei Kleidung, zum unsauberen Tracking der Lieferung oder der Anforderung einer Rechnung für die Betriebskosten. Stichwort Rechnung: Da Sie bei einem chinesischen Händler in China bestellen, bekommen Sie auf einer Rechnung keine deutsche Mehrwertsteuer ausgewiesen - im Gegensatz zu chinesischen Händlern auf "Amazon" oder "Ebay".

Mein Aliexpress-Fazit:

Heute können Sie weitgehend risikofrei über "Aliexpress" Badezimmerausstattungen, Haushaltsartikel, Computerzubehör oder Sportkleidung online shoppen. Die Prozesse bei einer Beschwerde sind klar und mit einfachen Auswahlmenüs standardisiert. Der chinesische Marktplatz hat gelernt, welche Erwartungen und Ansprüche deutsche und europäische Kunden haben. Die Preise der chinesischen Händler auf "Aliexpress" sind - unabhängig von der Zollbefreiung - in den meisten Fällen weiterhin konkurrenzlos günstig. Da der Versand heute in rd. zwei bis vier Wochen vor allem über die konzerneigene Logistik-Drehscheibe in Liege/Belgien über die Bühne geht, muss ich als Verbraucher auch nicht mehr unnütz lange auf meine Ware warten. Aus dieser Sicht steht einem Shopping-Bummel in China nichts im Weg.

Die Qualität der Stoff-, Kunststoff- oder Metallartikel entspricht heute weitgehend westlichen Standards - lediglich bei Versand von empfindlichen Gütern ist für mich Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Noch immer verpacken einige Händler ihre Waren nicht 100 % stoßsicher, auch wenn dies zunehmend die Ausnahme ist. Hochwertige Unterhaltungselektronik, Smartphones oder Computer würde ich im Zusammenhang mit Garantie und Gewährleistung nicht aus China importieren lassen, weil das Risiko von Zollgebühren und fehlenden Reklamationsmöglichkeiten auf Gund chinesischem Rechts eher schwierig sind. Ausnahmen sind Lieferungen aus EU-Lagern auch mit ausgewiesener Garantie. Grundsätzlich gilt auf "Aliexpress" wie auf jeder anderen Shopping-Plattform, im Falle eines Falles schnell und konsequent zu reklamieren. 

Wer bei "Aliexpress" shoppt und sich an die Preise gewöhnt, ist perspektivisch für "Amazon" und "Ebay" ein "versauter" Kunde, denn einmal die wahren Konditionen aus China im Hinterkopf, lässt man sich nicht mehr mit vielfach überhöhten Preisen aus Deutschland über den Tisch ziehen - vom "Pornoaufschlag" für "Erwachsenen-Unterhaltung" in einschlägigen Online-/Shops ganz abgesehen. Grundsätzlich gilt: Auf "Aliexpress" gibt es fast nichts, was man nicht kaufen kann. Dabei sollte man natürlich darauf achten, das gefährliche Artikel nicht in den Warenkorb gehören - von offensichtlichen Produktfälschungen westlicher Markenartikel ganz zu schweigen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Shoppen und empfehle Ihnen den verlinkten Neukunden-Rabatt über 25,- $ bzw. 21,- €.

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 Hanse Digital Service: 

25,- $/21,- € in Gutscheinen via "Aliexpress"-Kunden werben Kunden:
aliexpress.com/_vYhFBb

Gutscheinen von Marktplatz-Händern auf "Aliexpress":

Gutscheine für Neu- oder Bestandskunden bei "Mydealz":
mydealz.de

Homepage für deutschen Zugang zu "Aliexpress":
www.aliexpress.de

Zollrechner für importierte Waren aus China:

Versandverfolgung des "Alibaba"-Logistikers "Cainaio":
für Sendungen u. a. mit der Endung "...BE" (via "BPost") oder "...NL" (via "PostNL")
global.cainiao.com

Versandverfolgung von "DHL" E-Commerce Asia:
für Sendungsnummern mit der Endung "...DE" ("DHL"-Paket)

 Hanse Digital Background: 

HANSECOMMERCE -
Ein Shopping-Guide für Schnäppchen aus China - Teil 1:

"Alibaba"-Group Corporate-Video:

Aktuelle Zahlen über "Alibaba" 2020:

Single Day 2020 auf "Alibaba"-Portalen: 

Status Quo und Ausblick "Cainaio":

Montag, 12. April 2021

HANSECOMMERCE: Ein Shopping-Guide für Schnäppchen aus China - Teil 1.

HANSE ECOMMERCE SPEZIAL
* Update: 25.04.2021 *

Die Marktplatz-Homepage von "Aliexpress"
Screenshot: HANSEVALLEY

Drei von fünf Chinesen kaufen auf einem Marktplatz des "Alibaba"-Konzerns aus der 9 Mio. Einwohner zählenden Handelsmetropole Hangzhou unweit von Shanghai. Rd. 120.000 Mitarbeiter erwirtschaften für den privaten Technologieriesen einen weltweiten Handelsumsatz von 72 Mrd. $ mit mehr als 800 Mio. Kunden im vergangenen Jahr. Auf der B2B-Mutterplattform "Alibaba" tummeln sich mehr als 53 Mio. Verkäufer und die chinesische B2C-Plattform "TMall" verzeichnete im vergangenen Jahr zum Single Day am 11.11. stolze 583.000 Bestellungen - pro Sekunde. Fazit: 2,38 Mrd. Sendungen zum Single Day - transportiert von Konzernlogistiker "Cainaio" und Partnern. Dazu kommt die Auktionsplattform "Taobao" und eine 72-Stunden-Garantie für die Zustellung innerhalb Chinas.

Seit gut 5 Jahren macht sich die zum Konzern gehörende B2C-Plattform "Aliexpress" auf den Weg, europäische Kunden von Paris über Berlin bis Moskau zu beglücken. Dazu gibt es einen eigenen Countrymanager in München für die DACH-Region, Mittel- und Osteuropa sowie die Türkei. Schon 2018 war der Endkunden-Onlinehändler die absolute Nr. 4 in der Schweiz. Im vergangenen Jahr eröffnete "Alibaba" am belgischen Flughafen von Liege auf 220.000 qm sein erstes europäisches Zentrallager. Bis 2025 hat die Logistik-Tochter "Cainaio" ein klares Ziel: Jeder Kunde soll seine Bestellung über die chinesische Shopping-Plattform innerhalb von 72 Stunden geliefert bekommen. Damit geht "Alibaba" den "Amazon"-Weg: schnell, schneller, direkt.

Chefredakteur Thomas Keup ist seit mehr als 6 Jahren Smart-Shopper auf "Aliexpress" - und lässt für Haushaltsartikel, Elektronikzubehör und Freizeitkleidung bekannte Marktplätze wie "Amazon" und "Ebay" zunehmend links liegen. Hauptgründe: unschlagbar günstige Preise, vernünftige Qualität, zunehmend schnellere Lieferung und ein weitgehend funktionierender Kundendienst. Heute plaudert er aus dem Nähkästchen, wie Online-Shopping auf der chinesischen Plattform funktioniert, wie man dumme Fehler vermeidet und vor allem, wie man die besten Preise auf "Aliexpress" bekommt. Ein Hanse Ecommerce Spezial:

In 16 Sprachen verkauft der zum chinesischen "Alibaba"-Konzern gehörende Marktplatz aus der "Alibaba Cloud" seit 2010 an Privat- wie Geschäftskunden in aller Welt. Neben Deutschland boomt das internationale Geschäft von "Aliexpress" auch in Brasilien, Indien, Russland oder Spanien - also überall dort, wo das verfügbare Einkommen deutlich niedriger ist, als in den "Amazon"- und "Ebay"-Hochburgen USA, West-Europa oder Großbritannien. Kein Wunder: Die internationale Shopping-Plattform verkauft ausschließlich Marken- und Noname-Artikel aus China, die über Groß- und Einzelhändler internationalen Kunden aus Europa, Fernost oder Südamerika direkt geliefert werden. 

Badezimmer- und Küchenutensilien, Computer- und Handyzubehör, Freizeit- und Partyklamotten: Über 580 Bestellungen bei "Aliexpress" seit Oktober 2014, Diamant-Status mit größten Kundenrabatten seit Dezember 2020. Das ist meine persönliche Zwischenbilanz aus 6,5 Jahren Online-Shopping bei einem der weltweit größten Online-Marktplätze "Made in China". Was mit dem Ausprobieren neuer Online-Händler wie "Banggood, Joom, Shein und Wish" begann, ist heute gezieltes Einkaufen günstiger Artikel aus zahlreichen Produkt-Kategorien. Dabei verkaufen chinesische Hersteller und Marktplatz-Händler über die Online-Plattform heute so gut wie alles, was nicht niet- und nagelfest ist: 

Von Kifferzubehör bis SM-Sextoys - der global agierende Marktplatz-Rivale von "Amazon, Ebay" & Co. ist dank Dumpingpreisen längst in deutschen Homeoffices, Schlafzimmern und auf Privatparties angekommen. Sichtbare Folge: Zehntausende vornehmlich hellgrauer Versandtüten laufen täglich als Luftfracht durch das Zollpostamt am Flughafen Frankfurt Rhein-Main, um als Einschreiben vom Postboten zugestellt zu werden, denn: internationale Postabkommen sichern u. a. Händlern und ihren Lieferanten die Zustellung von Briefsendungen im Zielland ohne Extrakosten zu. Davon profitieren heute vor allem die chinesischen Exporteure - denn die Einschreiben sind offiziell Briefsendungen.

Was vor gut fünf Jahren mit Lieferzeiten von vier bis sechs Wochen und einem Risiko des Sendungsverlusts in Deutschland begann, ist heute in rd. zwei bis vier Wochen rund doppelt so schnell bei uns, zunehmend auch innerhalb von 7-10 Tagen Express-Lieferung - mit nahezu lückenloser Sendungsverfolgung. So kommen die kleinen und großen Chinatüten nicht mehr nur per Flieger aus Hong Kong oder Shenzhen über Frankfurt am Main zu uns. Der "Alibaba"-eigene Versender "Cainaio" und andere Logistiker importieren ebenso über Amsterdam und Liege. Dazu kommen Lagerhäuser von Partnern z. B. in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Russland, Spanien oder der Tschechei - vor allem für höherwertige Artikel, wie E-Schooter, Luftreiniger, Saugroboter oder Ventilatoren von "Xiaomi" & Co.

In der "Alibaba"-Zentrale in Hangzhou wird die Strategie für "Aliexpress" geschmiedet.
Foto: Alibaba

Deutsche Marktplatz-Händler auf "Amazon", "Ebay" und notfalls auch auf "Otto.de" müssen sich warm anziehen: Der globale Zugang zu Waren über chinesische Marktplätze wie "Aliexpress, Banggood, China Gadgets, DHGate, Joom, Light in the Box, Shein, Wish" & Co. ist keine Ausnahme mehr, sondern zunehmend die Regel - wie die offene Kritik von "Otto Group"-Vorstand Alexander Birken bereits 2019/2020 zeigte. Dabei rollen die asiatischen Plattformen das Geschäft mit günstigen, risikoarmen Kunststoff- und Metallartikeln sowie Freizeit- und Sporttextilien von unten auf. Das Nachsehen haben längerfristig Postenhändler, die vergleichbare Discountware zu deutlich höheren Preisen auf "Amazon" oder "Ebay" anbieten - von chinesischen Händlern auf den amerikanischen Plattformen ganz abgesehen.

Der China-Shopping-Start

Wie bei allen Online-Einkäufen sollten Neukunden zunächst auf Schnäppchen- und Gutscheinportalen nach Neukundenrabatten für "Aliexpress" schauen. Diese sind nahezu immer verfügbar und belaufen sich auf rd. 10 % des Einkaufswertes, berechnet in US-Dollar, z. B. 3,- $ Rabatt auf 30,- $ Einkauf. Die Plattform rechnet gegenüber ihren Händlern international in Dollar ab. Schwankende Wechselkurse führen so auch tagesaktuell zu leicht unterschiedlichen Endkundenpreisen. Die Rabatte und Preise werden beim Einkauf im Portal automatisch in Euro umgerechnet, wenn man zuvor in den Einstellungen neben der Sprache auch die Währung für sich angepasst hat. Teilweise bietet "Aliexpress" sogar Gutscheine an, die den erstmaligen Einkauf fast umsonst machen, z. B. 4,- $ Rabatt bei 5,- $ Bestellwert. 

Als zumeist zuverlässige Quelle für Rabattcodes hat sich das größte deutsche Schnäppchenportal "Mydealz" mit einer eigenen Kategorie für "Aliexpress"-Gutscheine etabliert. Hier finden sich auch Neukunden-/Gutscheine aus anderen EU-Ländern, die z. T. auch für deutsche Kunden nutzbar sind. Besonders interessant sind Gutscheine, die von bestehenden Kunden verteilt werden können. Hier biete ich aktuell Gutscheine für jeden Neukunden über 25,- $/21,- € via "Kunden werben Kunden" an. Zur Information: Für jeden erfolgreich geworbenen Kunden erhalte ich selbst eine Prämie von 5,- $  bzw. 4,- € als Gutschein. Die Summen werden beim Einkauf auch hier in Euro umgerechnet. Ich finde, das ist für Neukunden ein interessantes Angebot - greifen Sie gern zu und schreiben Sie mir, ob es geklappt hat! 

Kein Einkauf ohne Rabatt

Zu besonderen Anlässen - wie dem chinesischen Neujahrsfest, dem Plattformgeburtstag, dem Single Day oder dem Black Friday bietet "Aliexpress" wie andere Marktplätze reduzierte Preise auf viele Artikel an. Meist ist der Preisnachlass bei wenigen Cent oder gerade einmal einem Euro. Interessanter und kombinierbar sind zu den Schnäppchen-Aktionen die von "Aliexpress" veröffentlichten Kampagnen-Gutscheine auf Schnäppchenportalen und in den Online-Shops seiner Händler. Hier kann man bei Einkäufen auch mehr als 10 % Rabatt abstauben. Das ist besonders bei größeren Anschaffungen interessant, wie z. B. bei Elektroartikeln oder einer größeren Anzahl vorab im Warenkorb gesammelter Artikel, da die Rabattpreise vorher auf den Produktseiten bekannt gegeben werden und man so Einkäufe sammeln und sich auf das Rabatt-Shopping vorbereiten kann.

Die Portal-Gutscheine sind am Starttag der Aktion (i. d. R. Montags mit Beginn um 9.00 Uhr unserer Zeit) meist innerhalb einer halben Stunde vergriffen. Oftmals gibt es einen Nachschlag an Gutscheinen nach drei bis vier Tagen, die jedoch ebenfalls schnell vergriffen sind. Interessanter sind bei diesen Aktionsgutscheinen jene Rabattcodes, die auf den Marktplatzseiten der Online-Händler direkt veröffentlicht werden. Diese Rabatte sind u. a. an den Aktionszeitraum, eine Mindestbestellsumme und den Versand aus einem deutschen oder europäischen Warenlager gebunden. Daher tauchen die Codes auch auf den Seiten auf, die höherwertige Artikel aus europäischen Lagern z. B. innerhalb einer Woche ohne Zollabfertigung verschicken. Die Waren sind schon in die EU importiert.

Groß geworden mit günstigen Haushaltsartikeln aus Plastik und Metall.
Foto: Markus Winkler, Unsplash

Die Portal-Anmeldung

Nachdem ich meine Shopping-Tour auf "Aliexpress" via Webbrowser auf dem Notebook begonnen habe, nutze ich heute fast ausschließlich die App zum Stöbern, Shoppen, Tracken, für Bestellbestätigungen oder zum Öffnen einer Beschwerde. Grund: Die App beschränkt sich auf die wichtigsten Funktionen, während die Website aus früheren Tagen überfrachtet wirkt, ähnlich wie es auch bei "Amazon" der Fall ist. Der Clou: Die Preise sind in der App oft günstiger, als auf dem Portal - jedoch identisch unter "Android" und "iOS" (ganz im Gegenteil zu "Otto", wie uns ein Marktplatzhändler verriet). Dies einmal gewußt, sucht man nach Bad- oder Küchenausstattung nur noch in der App und kauft direkt darüber ein. Weiterer Vorteil: Während man regelmäßig aus dem Online-Portal ausgebucht wird und mühseelig wieder anmelden muss, bleibt man in der App automatisch als aktiver Nutzer eingeloggt.

Nach der Anmeldung kommt die Qual der Wahl: Wo finde ich was? Und wer bietet es zum besten Preis an? Ähnlich wie bei "Amazon" und "Ebay" hilft die Suche, mit geeigneten Begriffen und Kombinationen die richtigen Artikel zu finden. Ein Tipp: Fotografieren Sie vergleichbare Artikel bei "Amazon", "Ebay" oder "Otto" z. B. per Screenshot und lassen Sie die Fotosuche per "Alibaba"-KI finden. Sie werden erstaunt sein, wieviele identische Artikel aus den westlichen Marktplätzen ebenso auf dem chinesischen Portal angeboten werden. Dies gilt noch mehr für Artikel des Haushalts-Versenders "Die moderne Hausfrau" aus der "Wenz"-Gruppe oder den Elektronik-Onlinehändler "Pearl". Gerade die kleinen Helfer für Alltag und Büro schlagen bei "Aliexpress" zu einem Bruchteil der Preise zu Buche.

Im 2. Teil unserer HANSECOMMERCE-Story: Wie man gut und richtig günstig bei Aliexpress einkauft - mit aktuellen Tricks für die niedrigsten Preise, wichtigen Tipps zu Kostenfallen und Kleidergrößen, allen Infos zu Versand und Sicherheit, Zahlungsabwicklung, Käuferschutz und Garantien sowie dem Kundendienst von "Aliexpress". Bleiben Sie neugierig und probieren schon mal den Gutschein aus!

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 Hanse Digital Service: 

25,- $/21,- € in Gutscheinen via "Aliexpress"-Kunden werben Kunden:
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Montag, 29. März 2021

HANSEFUTURE: Ein digital-vernetztes Niedersachsen zwischen Autoproduktion und Landwirtschaft

 HANSE DIGITAL ZUKUNFT

Hoch zu Roß auf dem Weg in die Digitalisierung: Niedersachsen 2030.
Foto: Pxhere, Lizenz: CC0

Eine 11-köpfige Expertenkommission hochrangiger Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz hat einen 75-seitigen Empfehlungskatalog zur Zukunft des größten norddeutschen Bundeslandes vorgestellt. "Niedersachsen 2030" beleuchtet die Herausforderungen, Chancen und Optionen für das wirtschaftlich vor allem durch Automobilproduktion, Landwirtschaft und Tourismus geprägte Küstenland mit 5 Mio. Einwohnern. 

Chefredakteur Thomas Keup hat die Empfehlungen namhafter Experten aus Berlin, Freiburg, Hamburg, Kassel, München, Potsdam, Rostock und Zürich zur digitalen Zukunft von Bildung und Arbeit, zu Landwirtschaft und Mobilität, Forschung und Innovationen, zu Hightech-Strategie mit KI und Robotik sowie zur Digitalisierung des Landes unter die Lupe genommen und zusammengefasst.

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die erfolgreiche Bewältigung der fünf alles überragenden Herausforderungen für Niedersachsen, Norddeutschland, die Bundesrepublik und ganz Europa: den demografischen Wandel, Klimaschutz, die Globalisierung, die Digitalisierung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der von der rot-schwarzen Landesregierung einberufene "Zukunftsrat" bringt auf den Punkt, was passiert, wenn nichts passiert: gesellschaftliche Verwerfungen, Verteilungskämpfe und soziale Ungerechtigkeit.

Zehn Themenfelder zu den Herausforderungen der Zukunft.

Die Kommissionsmitglieder aus den Forschungsfeldern Demografie, Migration, Sozialforschung und Psychologie, Klimaforschung und Umweltsysteme, Stadt- und Raumplanung, Wirtschaft und Innovationen sowie Künstliche Intelligenz und Robotik gehen in ihren Forderungen an die Landesregierung auf die Themen Demografie und Generationen, Zuwanderung und Diversität, Arbeit, Beschäftigung und Weiterbildung, Gesundheit und Pflege, Energie und Klimawandel, Agrar- und Ernährungswirtschaft, Mobilität sowie die digital relevanten Bereiche Forschung und Innovationen, Hightech-Strategie, Robotik und KI sowie der Digitalisierung ein.

Ein Digitalisierungsministerium mit zentraler Verantwortung.

Eine Kernforderung der seit Juli 2019 unter Vorsitz von Prof. Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovationen und Wettbewerb in München, und mit Beteiligung von Ministerpräsident Stephan Weil entstandenen Thesen ist: die Aufgaben Digitalisierung einschl. der digitalen Infrastruktur, Cybersicherheit, Datenzugangs- und Plattformstrategien müssen zentral von der Landesregierung im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie geregelt werden. Dazu muss die Zuständigkeit für die Digitalisierung in einem Ministerium gebündelt werden, und nicht zwischen CDU-Wirtschafts- und SPD-Innenministerium aufteilt sein. Ein Problem, das auch in den anderen Nordländern herrscht.

Breitband- und Mobilfunkausbau unter dem Dach des Landes.

Als Grundlage muss das Land den flächendeckenden Breitbandausbau und die 5G-Versorgung zentral in die eigene Hand nehmen. Die Landesregierung soll im Rahmen einer Grundversorgung dafür verantwortlich werden, gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen die digitale Infrastruktur sicherzustellen. Das bestehende Breitbandzentrum soll dazu ausgebaut werden und den Auftrag bekommen, regionale Schwerpunkte der Versorgung auszu- und weitergehend eine 5G-Strategie zu erarbeiten. 

Ein Cyberabwehrzentrum für die Herausforderungen im Netz.

Ein weiterer Schlüsselaspekt für ein digitales Niedersachsen in 2030 ist die Regelung zur Nutzung von Plattformen des Landes (Service-Portale), der Kommunen (Smart City-Portale) und internationaler Plattformen von Microsoft, Google Co. Hier fordern die Autoren eine einheitliche Strategie des Landes - unter Berücksichtigung von digitaler Souveränität der Einwohner und des Datenschutzes für die regionale Wirtschaft. Dazu gehört auch eine Vision für die digital-transformierte Verwaltung im Jahr 2030. Parallel dazu sollte das Land über das "Computer Emergency Response Team" (N-Cert) hinaus ein schlagkräftiges Cyberabwehrzentrum einrichten - vergleichbar der Einrichtungen in Baden-Württemberg und Bayern.

Zugang zu digitalen Lerninhalten für alle Schüler in Niedersachsen.

Um eine digitale Gesellschaft zu erreichen, fordern die Wissenschaftler bereits bei der digitalen Bildung in den Schulen nachzulegen. So sollen alle Schüler im Land einen direkten Zugang zu digitalen Lernmitteln haben, z. B. Laptops, Lernportalen und WLAN-Anbindung in den Klassenräumen. Die Experten fordern dazu, die notwendigen Mittel an die Hand zu nehmen - ähnlich wie es Bremen beispielhaft im Norden vormacht. Auch bei der Nutzung digitaler Möglickeiten in Arbeit und Weiterbildung muss Niedersachsen Gas geben. Hier soll die Digitalagentur zur zentralen Drehscheibe werden und die Verzahnung des geplanten "KI-Observatoriums" und der "Zukunftszentren" des Bundes sichergestellt werden.

Digitale Präzisionslandwirtschaft mit ordentlicher Mobilfunkabdeckung.

Ein zentrales Augenmerk richten die Zukunftsforscher im Auftrag der Landesregierung auf die großen Wirtschaftsthemen im Agrar- und Autoland zwischen Nordsee und Harz. Im Bereich Agrarwirtschaft setzen die Experten die digitalen Themen Präzisionslandwirtschaft und -bewässerung, autonome Landmaschinen, ein digitales Emissionsmonitoring oder die vernetzte Humusbilanzierung auf die Tagesordnung. Grundlage dafür ist eine ordentliche, durch das Land gewährleistete Mobilfunkabdeckung in der Fläche, wie in den Forderungen gegenüber der Landesregierung eingangs positioniert.

Vernetzte Mobilität mit gemeinsamen Daten im Autoland Niedersachsen.

Auch beim Automobilthema Mobilität spielt eine leistungsfähige 5G-Abdeckung eine entscheidende Rolle - neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und dem öffentlichen Nahverkehr. Einen eigenen Absatz widmen die Forscher aus Deutschland und der Schweiz der intelligent-vernetzten Mobilität mit anbieterübergreifenden Plattformen. Sie fordern die Bereitstellung von Infrastrukturdaten der öffentlichen Verwaltung ebenso, wie mobilitätsbezogener Datenbestände der öffentlichen Verkehrsbetriebe und ihrer Kommunen. Auch die privaten Verkehrsbetriebe mit exklusiven Aufträgen des Landes sollen ihre Daten in einen gemeinsamen Pool geben. Das Ziel: neue, vernetzte Mobilitätsplattformen im Land.

Ausbau von Tests und Transfer für das autonome Fahren der Zukunft.

Ein wichtigen Beitrag zur Mobilität sollen Labore, Experimentierfelder und Innovatoren im Zusammenspiel mit Forschung und Wissenschaft leisten. Dazu sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen wenn erforderlich angepasst werden. So wünschen sich die Zukunftsforscher praktische Tests mit autonomer Mobilität - wie bereits auf den Autobahnen rund um Braunschweig oder in der Hamburger Innenstadt vorgemacht. Die verschiedenen Testfelder sollen miteinander verbunden werden. Mit dem "Open Hybrid Lab Factory"-Ansatz sollen die Ergebnisse schneller in die Praxis kommen - nicht zuletzt für die Modernisierung der Automobilindustrie mit VW, seinen sechs Werken und 120.000 Beschäftigten im Land.

Eine landesweite Strategie für smarte Forschung und Innovationen. 

Aufbauend auf der Innovationsstrategie "RIS3 " ("Regional Innovation Strategy for Smart Specialisation") aus April 2020 soll das Land seine Aktivitäten für Forschung und Transfer in einer zentralen Landesstrategie bündeln und entwickeln - über die nächste Runde des Exzellenzwettbewerbs um Cluster und Hochschulen hinaus. Für die Herausforderungen der Zukunft fordern die Wissenschaftler eine ausreichende, stabile und steigende Grundfinanzierung. Mit strategischen Initiativen zu neuen Forschungsfeldern wie Quantencomputing oder Wasserstoffwirtschaft soll die Landesregierung eigene inhaltiche Impulse setzen. 

Künstliche Intelligenz und Robotik für KMUs und Startups im Land.

Den Transfer von Forschungsergebnissen in KMUs sieht das Gremium in Verbindung mit der praxisorientierten Entwicklung an den Fachhochschulen - ähnlich wie es Bremen beim KI-Transfer für KMUs in Bremerhaven mit einem Transferhub plant. Innovations- und Digitalisierungsgutscheine sollen kleine und mittlere Firmen motivieren, sich mit Unterstützung des Landes zukunftsweisende Forschung zu erschließen. Auch bei der Startup-Förderung muss Niedersachsen mit seinen gerade einmal 103 Neugründungen im vergangenen Jahr Tempo machen. Die Experten schlagen vor, auf die Zukunftsthemen KI und Robotik zu setzen - in Verbindung mit zusätzlichen Ausbildungsangeboten an den Hochschulen und thematischer Finanzierungsförderung. 

Konzertierte Aktion in der Spitzenentwicklung mit KI und Robotik.

Bei der Spitzenforschung fokussieren die international rennomierten Wissenschaftler für das Land Niedersachsen vor allem auf die Themen künstliche Intelligenz und Robotik. Für eine landesweite "Robonatives-Community" soll die Landesregierung flächendeckende Investitionen bereitstellen. Die Spannbreite beginnt in der digitalen Bildung an den Schulen, geht über den Ausbau der MINT-Fächer an weiterbildenden Schulen und reicht bis zur Weiterbildung der Bürger und der Gewinnung künftiger Fachkräfte.

Hannover und Göttingen im Wettbewerb mit Bremen, Lübeck & Co.

Mit einer stärkeren Grundfinanzierung der Hochschulen in den Technologiefeldern und mindestens zehn zusätzlichen, durch das Land erstklassig ausgestatteten Lehrstühlen für Robotik und KI soll das Autoland seine Zukunftsfähigkeit sichern. Als Forschungsstandorte schlagen die Autoren des Zukunftskonzepts die Universitätsstädte Hannover und Göttingen vor. Sie werden - wenn alles nach Plan läuft - im direkten Wettbewerb mit dem KI- und Robotik-Standort Bremen und den KI-Clustern in Lübeck und Greifswald stehen - von der künftigen Entwicklung Hamburgs abgesehen.

KI-Forschungszentrum plus Innovations- und Kompetenzzentrum.

Als Speerspitze fordern die über 1,5 Jahre mit der Zukunftsstrategie beschäftigten Experten ein "missionsbassiertes Forschungszentrum" für Robotik und KI - ausgestattet mit langfristigen Finanzmitteln, vergleichbar des KI-Standortes "IAI" an der Universität Bremen mit dem angeschlossenen DFKI-Komplex. In dem Zentrum sollen neben der Grundlagenforschung auch die gesellschaftlichen Auswirkungen und eine Auswertung der übegordneten  Erkenntnisse, Methoden und Technologien erfolgen. Dazu soll ein eigenes Innovations- und Kompetenzzentrum kommen, um die Technologien in die Breite und vor allem in die Wirtschaft und hier in KMUs zu bringen. 

Keine Blaupause aber Wegweiser für das Niedersachsen 2030

Die Kommission empfiehlt insgesamt Maßnahmen, die bereits mittelfristig wirksam sind, damit Niedersachsen die sozial-ökologische Transformation bis zum Jahr 2030 gestalten kann. Ministerpräsident Weil sagte anlässlich der Übergabe der Ergebnisse: Die überreichten Empfehlungen sind keine Blaupause, aber sie können uns durch den wissenschaftlichen Blick von außen dabei helfen, die anstehenden Transformationsprozesse in die richtige Richtung zu steuern." Der Kommissionsvorsitzende Prof. Harhoff pointiert: „Wir zeigen allgemeine Entwicklungstrends auf, die zum Teil für Niedersachsen besonders relevant sind."

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Hanse Digital Service: 

Staatskanzlei: Pressemitteilung 25.03.2021:
"Kommission übergibt Gutachten „Niedersachsen 2030 – Potenziale und Perspektiven“ an die Landesregierung"

Staatskanzlei: Die "Kommission Niedersachsen 2030":
"Niedersachsen 2030"

Staatskanzlei: Die Arbeitsergebnisse - Download Gutachten und Kernforderungen:
"Niedersachsen 2030 - Potenziale und Perspektiven"

 Hanse Digital Background: 

HANSENEWS Freie Hanse Hansestadt Bremen:
"Innovationsstudie zeigt Bremens digitale Zukunft nach Corona auf."

HANSESTATEMENT Freie und Hansestadt Hamburg:

HANSEFUTURE Mecklenburg-Vorpommern:

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