Mittwoch, 3. Juni 2020

HANSEPOLITICS: Wie Rot-Grün Hamburg in die digitale Zukunft bringen will.

HAMBURG DIGITAL POLITICS
*Update 04. Juni 2020*

Der rot-grüne Koalitionsvertrag 2020: Hamburg in der digitalen Glaskugel.
Foto: Moritz Kindler, Unsplash

Die neue rot-grüne Koalition im Rathaus hat am Dienstag ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Die Digitalisierung an Alster und Elbe findet sich in 195 Erwähnungen wieder. In der Präambel erklären die Fraktionsspitzen zu den Herausforderungen durch die digitale Transformation: "Als Zukunftsstadt nutzen wir die Chancen der Digitalisierung und etablieren Hamburg als Standort für gute Bildung und für Spitzentechnologie aus Zukunftsbranchen."

Die Hanse Digital Redaktion hat die 205 Seiten in einer journalistischen Analyse auf die Themen Digitalisierung, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Innovationen durchgearbeitet und in einem Deep Dive die digitalen Aspekte nach Themen und Ressorts des rot-grünen Senats aufgearbeitet. Chefredakteur Thomas Keup stellt die kommenden 5 Jahren digitales Rot-Grün in Hamburg vor:

"Es gilt, Hamburg als Zukunftsstadt zu gestalten und mit neuen Impulsen in die 20er Jahre zu führen" gibt Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sein Statement zu den Koaltionsverhandlungen zu Protokoll. Mit alten, bekannten, bereits finanzierten sowie mit einzelnen neuen, unbekannten und unter Finanzierungsvorbehalt stehenden Aktivitäten beschäftigt sich der Senat in den kommenden 5 Jahren auch mit digitalen Themen.

Der digitale Senat 2020 bis 2025

Der Hamburger Haushalt


Bereits mit dem Haushalt 2020 sollen die digitalen Aktivitäten der Stadt finanziell weiter unterstützt werden. Bei Innovationen der Verwaltung soll neben Mobilitätsthemen und Klimaneutralität auch die Digitalisierung vorkommen. Als einziges kurz-, mittel- und längerfristiges Finanzpaket benennt Rot-Grün im Koalitionsvertrag den "Digitalpakt Schule" mit 128 Mio. € aus Bundesmitteln und 12 Mio. € Ergänzung aus dem Landeshaushalt.

Die Hamburger Behörden

Der Koalitionsvertrag pointiert, dass Digitalisierung eine Kernaufgabe jeder einzelnen Behörde ist. Dies geschieht immer öfter ressortübergreifend und über klassische Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Die Behörden werden - so die rot-grünen Autoren - "mehr und mehr „digitales Denken“ in sämtliche Arbeits- und Organisationszusammenhänge integrieren". Als Dreh- und Angelpunkt wird das unter Regie der Senatskanzlei stehende Amt für IT und Digitalisierung mit Chief Digital Officer Christian Pfromm genannt.

Die Hambur
ger Verwaltung

Zur Wettbewerbsfähigkeit der Verwaltung in Sachen Fachkräften plant der Tschentscher-Senat ein digitales Bewerbungsverfahren und ein digitalisiertes Personalmanagement. Dazu kommt eine "digitale Beihilfe" und die Möglichkeit zum Home Office durch flexible Arbeitszeitmodelle. In der Verwaltung soll künstliche Intelligenz genutzt werden. Dabei plant der Senat, im Interesse der Transparenz Algorithmen zu veröffentlichen. Für Unternehmen soll es ein digitales "Track & Trace" zum Stand von Anträgen geben. Baugenehmigungen für den Hafen sollen auch digital eingereicht werden können. 

Die digitale Verwaltung 2020 bis 2025

Die Hamburger Infrastruktur

Wie im Wahlkampf angekündigt, will der neue Senat das Breitbandnetz in der Hamburger Innenstadt zu einem Glasfaser-Netz aufrüsten. Dabei will Rot-Grün zum Erreichen der Zahlen auch das landeseigene Verwaltungsnetz mit einplamnen. Im Verbund der beiden größten Anbieter der Region - Wilhelm.tel und Willy.tel - sind zudem bereits heute rd. 50% des Netzes mit Glasfaser ausgerollt. Darüber hinaus wirbt der Senat mit dem Ausbau des privaten Hamburger WLAN-Netzes "Mobyklick" sowie einer "5G-City-Hamburg" durch die Mobilfunk-Netzbetreiber.

Die Hamburger Fachverfahren

Im Gegensatz zur früheren Microsoft-Politik des städtischen IT-Dienstleisters Dataport will Hamburg Verwaltungsprogramme wenn möglich künftig auf Open Source-Basis entwickeln und nutzen. Ziel ist, die Steuerung der Verwaltungs-IT in der eigenen Hand zu haben. Hier zieht die Koalition Konsequenzen aus misslungenen Projekten bei Jugend- und Sozialhilfesoftware. Open Source-Lösungen, offene Schnittstellen und Angebote von Startups sollen bei der Auftragsvergabe gleichberechtigt berücksichtigt werden. 

Die Hamburger Datenwelt

Rot-Grün plädiert für den Ausbau einer gemeinsamen Datenplattform, um öffentliche Daten zu sammeln und bereitzustellen. Grundlage dafür ist die "Urban Data Platform" des Geoinformations-Amts. Über sie sollen verschiedene Datenquellen und IT-Systeme datenschutzkonform verbunden werden. Als Beispiel der vernetzten Verwaltung nennt die Koalition die Digitalisierung der  Bauleitplanung einschl. digitalen Bauantrags- und Genehmigungsfahren und "BIM" (Building Information Modelling) mit "digitalen Zwillingen" und allen Gebäudedaten. 

Die Hamburger Sicherheit

Die Koalition spricht von einer "Smart Police" mit zeitgemäßen IT-Anwendungen, digitaler Ermittlungsunterstützung einschl. KI und flächendeckender Ausstatttung mit WLAN auf allen Hamburger Wachen sowie Ausstattung der Beamten mit Smartphones. Ein gemeinsames Beweismittelmanagement soll Polizei und Justiz bei ihrer Arbeit unterstützen. Polizei und Staatsanwaltschaft sollen sich verstärkt um die Bekämpfung der Cyber-Kriminalität kümmern und technische wie personelle Unterstützung bekommen. Auch in der Justiz sollen digitale Infrastrukturen eingezogen werden, einschl. der elektronischen Akte bis 2026.

Die digitalen Grundlagen 2020 bis 2025

Der Hamburger Verbraucherschutz

Die Stadt plant eine digitale Verbraucherzentrale mit Online-Beratung ins Leben zu rufen. Dafür soll das Budget der Verbraucherschutzorganisation aufgestockt werden. Rot-Grün will Online-Verfahren unterstützen, die von Legaltech-Startups aufgesetzt werden und Verbraucherrechte durchzusetzen. Beim Tierschutz sollen Algorithmen helfen, eine Forschung ohne Tierversuche zu ermöglichen. Damit reagiert die neue Koalition auf den Tierversuchs-Skandal an der Elbe.

Die Hamburger Wirtschaft

Bei der Wirtschaft setzt der Senat auf den bisherigen Branchenmix aus Dienstleistungen, Handwerk, Hafen und Industrie. Digitalisierung, KI und Robotik werden allgemein als chancenreich benannt. Die Hamburger Cluster für Logistik, Luftfahrt, Life Sciences, Medien, Erneuerbare Energien, Gesundheitswirtschaft, Kreativwirtschaft und Maritime Wirtschaft sollen weiterentwickelt und besser verzahnt werden. Zudem denkt Rot-Grün über ein Cluster für die Finanzbranche nach, dass auf den Finanzplatz e. V. aufsetzen dürfte.

Die Hamburger Kreativwirtschaft

Startups, Digitalunternehmen und die Kreativwirtschaft sollen stärker in die Entwicklung der Stadt einbezogen bezogen. KMUs sollen im bestehenden "Digital Hub Logistics“ und im privaten Digitalcampus "Hammerbrooklyn“ in Kontakt mit Startups, Kreativen und Hochschulen kommen. Der "Hamburg Innovation Summit" soll zum städtischen "Digitalforum" umgebaut werden. Die mehrfach relaunchte Initiative "Next Media Hamburg" soll mit den Themen "Hamburg als Tech-Standort“, "Digital Experts" aka "Fachkräfte" und "Räume für Innovation“ belebt werden. 

Die digitale Mobilität 2020 bis 2025

Der Hamburger Hafen

Die Koalitionäre haben einen neuen Hafenentwicklungsplan unter dem Titel "Innovationshafen Hamburg 2040“ verabredet. Zentrale Ziele sollen u. a. Digitalisierung, Klimaneutralität und notwendige Infrastrukturen sein. Im Rahmen der bereits bestehenden HPA-Strategie "Smart Port“ soll Digitalisierung den Hafen wettbewerbsfähig halten und Innovationen fördern, die auch international vermarktet werden können.

Der Hamburger Verkehr

Beim Verkehr soll eine digitale Verkehrssteuerung den Wirtschaftsverkehr in der Innenstadt unterstützen und die zunehmende Digitalisierung von Transportketten sollen durch den Senat gefördert werden. Unter dem neuen grünen Verkehrssenator soll die U-Bahn-Steuerung digitalisiert werden, um kürzere Zugtakte zu ermöglichen. Software-Pannen wie bei den neuen S-Bahn-Zügen plant man, durch eine vorausschauende Fahrzeugplanung von Senat und S-Bahn zu vermeiden.



Die digitale Entwicklung 2020 bis 2025

Die Hamburger Forschung

Bei den Forschungsclustern wollen SPD und Grüne neue Exzellenzen für Hamburg entwickeln lassen, u. a. im Themenfeld Data Science. Die Koalitionspartner wollen Hamburg als Standort f
ür Forschung und Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz platzieren. Dafür soll die Ansiedlung neuer Forschungseinrichtungen geprüft werden. "Clusterbrücken" wie das KI-Netzwerk ARIC sollen über die bisherigen Cluster-Silos hinweg Innovationen fördern.

Die Hamburger Innovationen

Zur Fortentwicklung plant der Senat eine "Initiative Mittelstand Hamburg“, die Ideen und Konzepte für die Zukunftsthemen Innovation, Digitalisierung, Klimaschutz und Entrepreneurship entwickeln soll. Übergeordnet wollen Rot und Grün ein neues Förderprogramm "Innovation im Digitalen“ einrichten, um Hamburg als "Innovationsmetropole des europäischen Nordens" zu positionieren. Dazu passend soll die TUHH zur "führenden Technischen Universität im Norden" entwickelt werden. 

Die Hamburger Startup-Szene

Der neue Senat will perspektivisch alle Förder- und Beratungsangebote für Startups in einem "One-Stop-Shop" bündeln. Als Begründung wird angeführt, die "IFB- Fördermöglichkeiten dadurch noch transparenter zu gestalten und die Rahmenbedingungen für junge und schnell wachsende Unternehmen zu verbessern". Zudem will man ein Netzwerk aus Startups, Forschungseinrichtungen, Risikokapitalgebern, Vertretern der staatlichen Kreativgesellschaft und der Kreativbranche, Experten und etablierten Unternehmen einrichten und fördern.

Die digitale Bildung 2020 bis 2025

Die Hamburger Weiterbildung

Der neue Senat plant, für KMUs ein "Innovations- und Transfercenter Arbeit 4.0" als Beratungsstelle einzurichten. Außerdem sollen die Anforderungen der Digitalisierung ein eigenständiges Thema im Fachkräftenetzwerk der Stadt werden. Die Angebote der Volkshochschule sollen im geplanten "Haus der digitalen Welt" gebündelt werden, ebenso wie die Zentralbibliothek und Klassenausflüge zur digitalen Zukunft. Die VHS soll zudem Bildungsangebote zur Digitalisierung auf den Markt bringen. 

Die Hamburger Wissenschaft

In den staatlichen Hochschulen will der neue Senat innovative Lernformen einschließlich Blended Learning, digitale Lehrangebote und Team Teaching fördern. An der Staats- und Universitätsbibliothek sollen Open Archive-Infrastrukturen ausgebaut und der Zugang zu Open Access-Publikationen verstärkt werden. Die bei Professuren und Studienplätzen bis heute nicht erfolgreiche Informatikplattform "Ahoi Digital" soll unverändert weiter gefördert werden. 

Die Hamburger Bildung

Bildungspläne sollen künftig digitale Kompetenzen inkl. Programmieren berücksichtigen. Künftig soll das Arbeiten mit digitalen Medien zur Ausbildung von Lehrkräften gehören. Zudem soll eine Lernplattform für Lehrer aufgebaut werden, um sich beim Thema digitales Lernen auszutauschen. Lehrer sollen sich in den Schulen gegenseitig weiterbilden. Aus den Erfahrungen mit zusammengebrochenen E-Mail-Servern von Dataport plant der Senat eine neue, digitale Kommunikationsplattform für Lehrer, Eltern und Schüler via Smartphone.



Die digitale Sammlung 2020 bis 2025

Die weiteren Themen

Der führende Games-Standort der Republik kommt mit ganzen 2 Sätzen und dem Begriff "Creative Gaming" im Koalitionspapier vor. Auch beim Thema Mobilitätslösungen setzt Rot-Grün auf Altbewährtes und kündigt erneut den Ausbau von "SwitchHH" zu einer Plattform einschl. Sammeltaxen und Nutzung einer gemeinsamen App an. Auch die "Hamburg Box" als Paketboxen von Hermes und DPD wird im Koalitionsvertrag mit geplanten 50 Standorten erwähnt.

Die Hamburger Region

Der Senat will die von der OECD scharf kritisierte, mangelnde "Zusammenarbeit mit den Schwerpunkten bei der Verkehrs-, Wirtschafts- und Energiepolitik sowie bei der Digitalisierung fortführen." Einzige Themen des neuen rot-grünen Senats sind dabei die Energiewende und über Ländergrenzen hinweggehende Infrastrukturprojekte. Der Senat kündigt die Unterstützung einer "Norddeutschen Innovationsagentur" mit dem Ziel einer regionalen Entwicklungsgesellschaft für Innovationen an, wie von der OECD gefordert.



Der digitale Überblick 2020 bis 2025

Der Erste Bürgermeister

Hamburgs alter und neuer Bürgermeister Peter Tschentscher erklärte zu den Innovationen in dem 205-seitigen Koalitionsvertrag: "Es gilt, Hamburg als Zukunftsstadt zu gestalten und mit neuen Impulsen in die 20er Jahre zu führen."  Peter Tschentscher fasst in seiner Erklärung zum Koalitionsvertrag zusammen: "Wir setzen auf Stabilität und Verlässlichkeit, indem wir die erfolgreiche Arbeit der letzten Legislaturperiode fortsetzen.

Die Hamburger Übersicht

Der neue Koalitionsvertrag fasst die Grundeinstellung des neuen Hamburger Senats zur Digitalisierung wie folgt zusammen: "Hamburg will die Chancen der Digitalisierung nutzen, für eine klimaschonende Mobilität, für eine bürgerfreundliche Verwaltung, für barrierefreie und umfassende Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen und für eine starke Wirtschaft. Wir wollen aktiv daran mitwirken, dass die Digitalisierung zu mehr Solidarität und zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führt und bestehende Ungleichheiten nicht verstärkt werden."

Die Autoren des Papiers ergänzen: "Wir werden den digitalen Wandel weiterhin aktiv gestalten und die Digitalisierung zu einem Schwerpunkt der Legislaturperiode machen. Dabei verstehen wir diese als ressortübergreifendes Querschnittsthema von höchster Bedeutung, das mit der Digitalstrategie für Hamburg ein umfassendes inhaltliches Programm und mit dem Amt für IT und Digitalisierung im Senat eine Struktur bekommen hat, die geeignet ist, dieser großen Aufgabe gerecht zu werden und eine umfassende Digitalisierungspolitik mit dem Blick fürs große Ganze umzusetzen." 

Die digitale Kritik 2020 bis 2025

Das "impulsfreie" Hamburg

Deutliche Kritik und eine befriedigende Beurteilung des neuen Koalitionsvertrags kommt von den Unternehmerverbänden in Hamburg und Schleswig-Holstein. UVNord-Präsident Uli Wachholtz erklärte: "Wie sich die Stadt nach der Corona-Pandemie weiterentwickelt, wie neue Geschäftsplattformen gefördert und wissenschaftlicher Sachverstand noch mehr abgefordert werden kann – in diesen wichtigen Themenfeldern bleibt der Koalitionsvertrag zugeknöpft bis impulsfrei."

Die Hamburger Forderungen

Handelskammer-Präses Prof. Norbert Aust stellte zur neuen Koalitionsvereinbarung fest: "Die Fortsetzung der Mittelstandsinitiative mit Kammern und Verbänden ist ein Schritt in die richtige Richtung, um wichtige Maßnahmen für die kleinen und mittleren Betriebe gemeinsam anzugehen. Eine solche Maßnahme könnte das neue Förderprogramm ‚Innovation im Digitalen‘ werden – in der Ausgestaltung gern dem von uns geforderten Digitalbonus entsprechend, mit dem die digitale Transformation im Mittelstand vorangetrieben werden kann."

Die Opposition in Hamburg

Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Fraktion, erwiderte den am Dienstag vorgestellten Koalitionsvertrag mit den Worten: “14 Wochen, ein bisschen Streit, mehr SPD, weniger Grün, 205 Seiten und am Ende steht über allem der Finanzierungsvorbehalt. Auch ansonsten werden viele bereits längst bekannte Projekte nur wiederholt aufgelistet und man fragt sich, worüber SPD und Grüne in den letzten Wochen tatsächlich verhandelt haben. So kommt Hamburg nicht gestärkt aus der Krise."

Das Hanse Digital Magazin wird sich in einem ausführlichen HANSESTATEMENT mit dem Abgleich der alten und neuen Vorhaben, den Erfahrungen und Enttäuschungen aus 5 Jahren rot-grüner Digitalpolitik der Jahre 2015 bis 2020 sowie zu den erwartenden Hoffnungen des Koalitionsvertrages von SPD und Grünen für das digitale Hamburg in den kommenden 5 Jahren beschäftigen - hier auf HANSEVALLEY.

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 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Verwaltung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
https://hv.hansevalley.de/2020/02/hansepolitics-stadtentwicklung-hamburg-2020.html

Digitalisierung und Verwaltung
HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020


Montag, 11. Mai 2020

HANSESTATEMENT: Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies.

HAMBURG DIGITAL STATEMENT
- von Chefredakteur Thomas Keup -
* Update 14.05.2020 *


So hat sich Hamburg noch 2016 in Göteborg selbst vermarket.
Foto: Hamburg Marketing Mediaserver / Hamburg Convention Bureau

Er geht. Johannes Kahrs will und darf nicht mehr. Der SPD-Strippenzieher nimmt seinen Hut. Eine viel diskutierte Personalie ist Geschichte. Ich habe den Geldbeschaffer für SPD-Prestigeprojekte nie persönlich kennengelernt. Ich hatte auch kein ein Bedürfnis dazu. Denn Johannes Kahrs gehört zu einer Kategorie Politiker, die in der Hauptstadt mit dem Mauerfall vor 30 Jahren ihre Bedeutung verloren hat. Als Berliner kannte ich Peter Kittelmann, Bundestagsabgeordneter aus Tiergarten, Geldbeschaffer für CDU-Prestigeprojekte, graue Eminenz hinter einem Regierenden Bürgermeister mit "fliegenden" Kreisverbänden. Kahrs wie Kittelmann stehen für eine Generation von Strippenziehern in Hinterzimmern. 

Als ich im Sommer 2016 nach Hamburg kam, ahnte ich eines nicht: Bis zur Corona-Krise funktionierte die Freie und Hansestadt wie die Mauerstadt Berlin. Eine Einheitsgemeinde, in der sich Lokalpolitiker, Baulöwen, Banker und Polizeipräsidenten im Puff trafen. Als Redakteur beim einflussreichsten Radiosender der Neunziger war ich mittendrin, nicht nur dabei: Pressetermin in genau jenem Puff am Olympiastadion, Audienz bei genau jenem Banker, der Immobilienkredite auf Empfehlung des "Regierenden" vergab und mit politischen "Freunden", die schon mal eine Pressekonferenz verschoben, bis das Hauptstadtradio auch da war. Willkommen im Dorf.

Hamburg im Wachkoma. Norddeutschland auf dem Weg.


Hamburg vom Stadtpark aus der Luft betrachtet.
Foto: Hamburg Marketing Mediaserver / Doublevision

Anfang diesen Jahres begannen wir, HANSEVALLEY zu relaunchen: Seit Januar 2020 berichten wir aus dem ganzen Norden - aus beiden Freien (und) Hansestädten und allen drei norddeutschen Flächenländern. Die Entwicklung hat uns Recht gegeben: Die täglich drei Hanse Digital Nachrichten haben bundesweite Qualität, Niedersachsen und Schleswig-Holstein laufen digital vorne weg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen holen auf. Und Hamburg? Anfang des Jahres fragte ich mich: Was muss passieren, damit Helmut Schmidts "schlafende Schöne" aus ihrem digitalen Wachkoma kommt? Für mich war das "Digitale Hamburg" Anfang 2020 mehr oder weniger - sagen wir mal - "relativiert".

Plötzlich ist nichts mehr, wie es war: Die alten Geschäfte stehen still. Die alten Lieferketten brechen auseinander. Die alten Seilschaften funktionieren nicht mehr. Die feinen Kaufleute können gar nicht schnell genug nach der Soforthilfe greifen. Und wie im Rest der Republik rufen Wirtschaftsverbände an Alster und Elbe nach einer schnellen Öffnung. Nur das übliche Unternehmerjammern wie in der Finanzkrise? Nur eine oft geübte Show, um möglichst viele Staatsgelder möglichst billig abzugreifen? Bei einigen sicherlich. Aber der Shutdown von Wirtschaft und Gesellschaft hat noch einen anderen Effekt: Die Beschleunigung der globalen Veränderungen - mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Nichts lag näher als geschlossene Haspa-Filialen.

Fernab gefühlt hunderter mehr oder weniger inhaltsgeschwängerter Podcasts von mehr oder weniger interessanten "Sabbelbacken" und digital-verpacktem Marketing-"Gedödel" passiert in Hamburg gerade einiges, das wir die kommenden 10, 20, 30 Jahre nicht vergessen werden. Da bröckelt der schöne Schein einer "Haspa" und das Branchenmedium "Finanz-Szene" offenbart, dass die größte deutsche Sparkasse alles andere als gut dasteht. Nicht wegen Corona - sondern auf Grund des weggebrochenen Zinsgeschäfts, eines nicht mehr funktionierenden Kreditersatzgeschäfts und fehlender Dynamik beim Umbau zum Digitalplayer der nächsten Generation.


Mit Papier und Schließfächern gegen Challenger Banken.
Foto: HANSEVALLEY

Schon im Herbst vergangenen Jahres fragten wir uns in der Redaktion: Kann eine Stadtteil-App "Kiekmo" mit angeschlossenen Lokal-Events den digitalen Trend eines durch die Bankenkrise zerrütteten, durch Regularien konsolidierten sowie digitalisierten Bankenmarkts aufhalten? Kann eine Jugend-App "Aino" den Trend zu Challenger- aka Neobanken wie "N26" und "Revolut" oder "Kontist" und "Penta" bei Privat- wie Geschäftskunden verhindern? Und wir fragten uns, wo die "Haspa" all die Milliarden von Euro verdient? Mit dem Corona-Lockdown dürfte das bislang funktionierende Immobilien- und Handelsgeschäft weitere Probleme mit sich bringen.

100% Hamburg - und schön den Schein wahren. 

Die "Haspa" steht für eine Kultur, eine Stadt und ihre Wirtschaft: 100% Hamburg, 150% engagiert - und bloß nicht durchscheinen lassen, dass etwas nicht stimmen könnte. Genauso geben sich der "Erste" und seine Senatoren bei der wöchentlichen Pressekonferenz im Rathaus: 'Wir haben in Hamburg schon sehr früh reagiert. Wir sind in Hamburg - auch im internationalen Vergleich  - führend'. Diese "Großkotzigkeit" hat mich schon die letzten 1,5 Jahre bei Senator "Westwasserstoffman" angewidert. Ein Blick auf den ganzen Norden zeigt: Hamburg ist in der Corona-Krise überhaupt nicht "führend" - manchmal sogar Wochen hinterher. Gerade hat das Land Berlin mit der "Soforthilfe IV" ein Finanzpaket über 30 Mio. € für Kulturbetriebe angeschoben - mit bis zu 500.000,- € pro Betrieb. Und Niedersachsen unterstützt kleine Kulturbetriebe mit insgesamt 2,5 Mio. €. Und Sie, Herr Brosda? Ach, vergessen wir's ...

Wenn man seit dem 9. März - und damit seit nunmehr rd. 2 Monaten - im Home Office sitzt, täglich mehrere hundert Pressemeldungen aus ganz Nord-/Deutschland sichtet, Fotos aus 540 Themen aussucht, täglich 3 Hanse Digital Nachrichten bringt und die Chance hat, Hamburg mit wohlwollender Sympathie zu vergleichen, komme ich immer wieder zu einem Ergebnis: Hamburg ist wie das alte (West-)Berlin: nach außen verschlossen - sei es durch eine Berliner Mauer oder eine Mauer in den Köpfen. Hamburg wird wie das alte (West-)Berlin regiert: von einem Club Lokalpolitiker, die sich im Bezirk Mitte über Jugendhilfemittel Seilschaften gesponnen haben (vgl. Johannes K.) und auf PR-Events Quietschentchen angeln (Nicht wahr, lieber Andy?!).

Die "OMR" - Ein Mittelpunkt des digitalen Universums?


Hamburg vom Steinweg-Terminal aus der Luft gesehen.
Foto: C. Steinweg 

Keine Frage: Lokalpolitiker und Provinzfürsten gibt es zwischen Nord- und Ostsee mehr, als wir befürchten. Aber ich spreche von einer Stadt mit fast 2 Mio. € Einwohnern und 1 Mio. Angestellter. Ich spreche von einer Stadt mit überalterter Wirtschaft in traditionellen Dienstleistungsbranchen, von einer Stadt, in der Digitalisierung gern als Feigenblatt in Sonntagsreden missbraucht wird, in der man die "Online Marketing Rockstars" für den Mittelpunkt des digitalen Universums hält, sich als "digitaler Vorreiter" im Kammer-Magazin abfeiern lässt und mit - ich wiederhole mich - sinnbefreiten Podcasts selbst beweihräuchert. Schließlich sind wir in der deutschen Podcast-Hauptstadt. Und das ist wirklich ein schlechter Scherz.

Die Corona-Kehrseite außerhalb des bisherigen Paradieses der "Vermögensillustion": 77.500 Menschen ohne Arbeit, eine auf 7,3% gekletterte Arbeitslosenquote - im Norden nur knapp hinter Mecklenburg-Vorpommern. 19.200 Betriebe an Alster und Elbe haben Kurzarbeit beantragt, 273.000 Angestellte sind betroffen, haben nur noch 60% ihres Lohns in einer der teuersten Städte Deutschlands in der Tasche. Das sind 27% aller Angestellten in der schönsten Arbeitslosenstadt der Welt. Und die Krise ist gerade am Anfang der Entwicklung. Das kommende Quartal wird das ganze Ausmaß offenbaren. Vor 2021 wird es kaum einen Aufschwung geben, sagt HWWI-Chefökonom Prof. Dr. Henning Vöpel.

Otto Group eingekeilt zwischen Amazon und Alibaba.

Die Lage der Hamburger Wirtschaft ist dramatisch“, betont Prof. Norbert Aust, neuer Präses der Handelskammer Hamburg. 3/4 der rd. 160.000 Hamburger Gewerbebetriebe befürchten Einbrüche durch die Corona-Krise. Das sind 120.000 Betriebe. Der Geschäftsklimaindex ist auf 38,6 Punkte abgestürzt - gegenüber 108,3 zum Jahreswechsel 2019/2020. Selbst in der Finanzkrise lag der Index mit 72,2 doppelt so hoch. Im Klartext: Einbruch in der Logistik von 80,4 auf 24,4 Punkte und - unfassbar - im Gastgewerbe von 115,8 auf 4,8. 55% der Gastronomen müssen laut Umfrage der Universität Osnabrück auch privat den Euro 2x umdrehen. Womit wir bei der Frage sind: Wie wird Hamburg die Krise überstehen?

Um einen Ausblick wagen zu können, bedarf es einer schonungslosen Analyse:


Der Online-Händler ist mitten im Umbau zum Digital-Player.
Foto: HANSEVALLEY

1. Die Handelsmetropole bekommt den rauen Wind amerikanischer und asiatischer Plattformen zu spüren. Die "Otto Group" hat außer dem Inkasso-Dienstleister "EOS" kaum zukunftsfähige "Assets", wie die BWL-"Fuzzis" in Bramfeld die Geschäftsbereiche nennen. Der Paketsklaven-Treiber - pardon - Paketdienst "Hermes" steht zum Verkauf, womöglich an "Fedex". "Otto.de" kämpft mit der Öffnung als Plattform und bekommt neben "Amazon" und "Ebay" nun auch chinesische Player wie "Aliexpress" als Konkurrenten. Aus zahlreichen Ländern hat sich "Otto" bereits zurückgezogen, die Töchter "Heine" und "Schwab" werden fusioniert. Der Lack ist ab.

Die Zukunft der Logistik findet nicht in Hamburg statt.

2. Ein drittklassiger europäischer Hafen mit gefälschter Freihandels-Urkunde ist kein Grund zum Ab-/Feiern. Unabhängig von nicht beförderten oder halbleeren Containern in der Corona-Krise rutscht der "Hamburg Port" im Wettbewerb mit Rotterdam und Antwerpen seit Jahren ab - nicht durch Verluste, sondern durch fehlendes Wachstum. Das gern gefeierte Terminal Altenwerder ist aus Sicht hoch digitalisierter Brücken und Warehouses in den Niederlanden und Belgien lächerlich. Und da man für Steinwerder-Süd auf Intervention der "HHLA" die Chinesen mit "CCCC", "ZPMC" und "Alibaba" nicht haben wollte, zieht die Zukunft halt weiter - Bremen wartet schon. Da helfen leider auch keine Zukäufe osteuropäischer Terminals.

3. Der "Airbus"-Standort mit allein 15.000 Beschäftigten droht angesichts eines Zusammenbruchs des internationalen Luftverkehrs massiv zu schrumpfen, wie die Drohungen von Airbus-Chef Guillaume Faury gegenüber seiner Belegschaft ahnen lassen. Zusammen mit "Lufthansa Technik" und rd. 300 Zulieferern hängen in der Metropolregion mehr als 40.000 Jobs an der Luftfahrt. Allein die "Lufthansa" streicht 10% ihrer Flieger. Die Branche wird nach Expertenschätzungen erst in rd. 10 Jahren das Niveau vor Corona zurückgewinnen können. Damit steht das industrielle Standbein der Hansestadt zur Disposition, wie das "Hamburger Abendblatt" Ende April d. J. testierte.

Gastronomie und Tourismus vor Corona-Kollaps.


Schluss mit Lustig: Hamburg in Schwierigkeiten.
Foto: HANSEVALLEY
4. Die "sündigste Meile der Welt" als Sinnbild für den durch Kreuzfahrer seit Jahren steigenden Tages- und Stadttourismus vermisst in Zeiten des Shutdowns wohl kaum einer. Allerdings: rd. 100.000 Jobs in 11.000 vornehmlich kleinen und mittleren Betrieben hängen an Tourismus und Gastronomie rund um Alster und Elbe. Sie trifft es mit am Härtesten. Die Handelskammer fordert einen Masterplan Tourismus und Freizeitwirtschaft, um der hart getroffenen Branche das Überleben zu sichern. Haben Sie das verstanden, Herr Westhagemann? Auch wenn Handel und Tourismus in den kommenden Wochen schrittweise wieder möglich werden, mit Feiern aufm Kiez und Flanieren am Jungfernstieg hat das wenig zu tun.

Wie wird sich Hamburg entwickeln - unter einer neuen, alten Koalition mit dem "Peter" und der "Mutti"? Und was wird sich in Hamburg verändern - mit Handelshäusern aus der Offline-Zeit, einem weiter geschwächten Hafen, fehlender Digitalisierung der Logistik und einer katastrophalen Situation im Tourismus? Schon vor Kahrs und Corona stellte ich mir diese Frage. Meine bescheidene Antwort aus 14 Jahren West-/Berlin und fast 4 Jahren Hamburg aus redaktioneller Perspektive und journalistischem "Deep Dive" lautet: Die Hansestadt lebte bislang in der Vergangenheit, in einer "Vermögensillusion". Durch und nach Corona wird es ein "Weiter so" nicht geben. 

Die Zukunft liegt an Land - und nicht am Wasser.

Internet-, Medien- und Kulturhauptstadt ist die "Hammaburg" schone lange nicht mehr. Zukunftsweisende Technologie-Startups - wie FinTechs - haben sich in Berlin angesiedelt. Zukunftsweisende Handels-Startups - wie Zalando - lachen über ein Corporate-Startup "About You" aus der "Otto Group". Und auch hier hatten wir bereits im vergangenen Jahr einen Riecher, wo Hamburg wirklich punkten kann: Die Freie und Hansestadt hat ein namhaftes Forschungscluster in der Virologie. Die Gesundheitswirtschaft gewinnt durch und nach Corona an Bedeutung. Wenn Hamburg anfangen würde, seine Wissenschaft zu leben und zu lieben, wäre dies ein echtes "Asset".


Wahre Liebe kennt kein Lockdown.
Foto: Guido Hofmann, Unsplash

Auch wenn ich mich wiederhole: "Die Zukunft Hamburgs liegt an Land, und nicht am Wasser" mahnte Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi in seiner ersten Bürgermeister-Rede vor dem "Übersee-Club" - 1983. Nachdem alte Bank-/Fassaden brökeln, nachdem alte Partei-/Strukturen aufbrechen,  ist es an der Zeit, der Zukunft in die Augen zu sehen - eine Zukunft mit digitalem Rückgrat und nachhaltiger Ausrichtung, einer Zukunft mit diversifizierten Geschäftsmodellen und einer echten Offenheit für Neues und neue Player. Denn das ist die Realität der vergangenen Jahre in der wiedervereinten Hauptstadt Berlin - ohne den Provinzmief von Sandkasten-Kumpeln und lokalen Strippenziehern. Wäre mal eine Idee. 


*  *  *
 Hanse Digital Background: 

HANSESPORTS: "Aus dem Home Office digital in ein bewegtes Leben":

HANSEVALLEY: "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":
hansevalley.de/2020/04/hansefuture-die-welt-wird-eine-andere.html

HANSEVALLEY: "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

Mittwoch, 6. Mai 2020

HANSESPORTS: Aus dem Home Office digital in ein bewegtes Leben.

HANSE DIGITAL AUTOREN

Sportwissenschaftler Marcel Werner von Sportup Berlin bei den Pitchfreunden in Berlin.
Foto: Kny Photographie, Berlin

„Für gesunde Bewegung müssen Sie Ihren Komfortbereich nicht verlassen, Bewegung ist der Komfortbereich.“

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Dr. Volkmar Feldt, Gründer des Sport-Gesundheitspark, Berlin 2018
Die internationale Unternehmensberatung Accenture hat Anfang April d. J. mehr als 3.000 Verbraucher in 15 Ländern zu ihren Gewohnheiten in der Corona-Krise befragt. Ergebnis: Die Menschen entwickeln während des Lockdowns im Home Office neue digitale Präferenzen: 25% kaufen Lebensmittel online ein, 32% beziehen Produkte und Dienstleistungen online - Tendenz steigend. 60% kümmern sich im Shutdown stärker um sich und ihr Wohlbefunden, 57% betreiben zu Hause in der entschleunigten Welt mehr Sport. 

Der Berliner Sportwissenschaftler Marcel Werner baut für den größten Breitensport-Anbieter der Hauptstadt - den Sport-Gesundheitspark Berlin - mit 7.000 Mitgliedern und 900 Trainingsgruppen das digitale Sportprogramm der Zukunft auf. Mit Sportup Berlin betreut der junge Sportexperte bundesweit Startups und etablierte Unternehmen beim Aufbau eines professionellen Firmenfitness fürs Home Office.  Für HANSEVALLEY schreibt der langjährige Personal Trainer unseres Chefredakteurs, wie Fitness digital am Bildschirm klappt:

Gefangen auf dem eigenen Sitzplatz

Viel Sitzen und wenig Bewegung ist eine tödliche Kombination. Die WHO führt 3,2 Millionen Todesfälle auf die „Krankheit“ Sitzen zurück. Andere titulieren letzteres als das neue Rauchen. Doch wie ist es möglich, diesem „Leid“ zu entkommen? Maßnahmen wie Home Office und soziale Isolation verstärken diese Effekte oftmals noch. Der Durchschnittsdeutsche sitzt 7,5 Stunden am Tag - und das schon vor Corona. Es soollten also Lösungen gefunden werden, die die Menschen und Mitarbeiter eines Unternehmens zu mehr Bewegung bewegen – digitale Lösungen!


Ein fester Sitz

Beim Sitzen werden die Bauch- und die Gesäßmuskeln inaktiv. Der Hüftbeuger wird fester und fester und zieht die Wirbelsäule in ein Hohlkreuz. Daraus resultieren Schmerzen im unteren Rückenbereich. Zudem wird der Kopf oftmals in die Überstreckung gebracht und die Schultern fallen nach vorne. Die Folgen sind Verspannungen und Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich. Langfristige Folgen können unter anderem Atemprobleme, Diabetes, Übergewicht und koronare Herzerkrankungen sein. Und das sage ich nicht nur als Sportwissenschaftler.

„Das kann ich morgen noch machen“

Eine betriebliche Gesundheitsförderung kann und muss aktuell digital erfolgen. Selbstverständlich gibt es tausende Videos bei diversen Online-Plattformen, die man ausprobieren kann und die helfen. Einige kostenlose Angebote finden sich auch im HANSESERVICE. Die Halbwertzeit von solchen Videos sind aber oft begrenzt, da die Motivation und Teilnahme schnell nachlassen. Wie kann ich es also schaffen, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbieter an Bewegungsprogrammen über einen längeren Zeitraum erfolgreich und mit Freude teilnehmen? 

Individuell, terminiert und persönlich

Die Angebote müssen individualisiert, terminiert und persönlich sein. Die beste Planung nützt nichts, ohne zeitliche Vorgaben. Wenn der Tag und die Zeit fix sind, wird die Bewegung und die Freude daran zur Routine. Auch wenn dieser Aspekt sehr banal klingt, ist er einer der zentralen Aspekte für den Erfolg. Individualisierte Bewegungsprogramme für eine Gruppe von Mitarbeitern sind ebenso wie die persönliche Beratung der Feinschliff für eine erfolgreiche betriebliche Gesundheitsförderung.


Bewegung kann so einfach sein

Sportup Berlin steht seit über 10 Jahren für gesunde Bewegung, Entspannungstraining, Beratung und gesundheitsrelevante Vorträge. Die Erfolge, die diese Bewegung mit sich bringt, sind wissenschaftlich bestätigt und werden sowohl von Startups wie auch von DAX-Unternehmen in Anspruch genommen. Aktuell werden alle Angebote digital ausgeführt – vom Erstkontakt bis zum Training, zur Beratung oder zum Vortrag.


Gesunde Kontrolle


Videokonferenz-Tools ermöglichen ein gesundes, kontrolliertes Training. Bewegungen können vom Trainer ausgeführt und anschließend via Video bei den Mitarbeitern kontrolliert werden. Die Basis für ein erfolgreiches Training ist die Bewegungskontrolle bzw. Bewegungsvorgabe. Ein erfahrener Trainer – wie bei Sportup Berlin - weiß, welche Übungen an welchen Stellen oftmals falsch ausgeführt werden und kann mögliche Fehlerquellen im Vorhinein aufzeigen. 

Emotionale Gesundheit 

Zudem ermöglicht ein digitales bewegtes oder auch entspanntes Treffen einen sozialen und emotionalen Austausch. Jeder von uns hat in den letzten Wochen wahrgenommen, wie eine soziale Isolation zu einer psychischen Herausforderung werden kann. Sportup Berlin ermöglicht Teilnehmern eine kleine Pause vom Alltag. Viele Studien belegen die Wirksamkeit von sogenannten Mikropausen, die die Arbeitsleistungen und die kognitiven Fähigkeiten signifikant verbessern. 

Gesundheit ist eine Chance

Die aktuelle Situation benötigt digitale Lösungen und das in allen Lebensbereichen. Die Gesundheit ist das höchste Gut und jeder Mensch hat die Möglichkeit etwas dafür zu tun – sowohl physisch wie auch psychisch. Neben den gesundheitsrelevanten Aspekten steigt die Identifikation mit der eigenen Firma und dieses Tool kann eine erfolgreiche Mitarbeiter-Rekrutierung unterstützen. Unternehmen sollten diese Chance nutzen und sich mit gesunden, motivierten und erholten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und in eine gesunde Zukunft starten.

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Ein Gastbeitrag von Marcel Werner, Gründer von Sportup Berlin.
Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.



 Hamburg Digital Autor Marcel Werner

Direktkontakt:

Marcel Werner, Sportwissenschaftler
Gründer von Sportup Berlin

Digitale Betriebliche Gesundheitsförderung
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Dienstag, 14. April 2020

HANSEFUTURE: Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona.

HANSE DIGITAL VISION
* Update: 17.04.2020 *

+++ Digitaler Wandel der Wirtschaft +++ Digitale Arbeitswelt im Home Office +++ Digitaler Lebensunterhalt nach Corona +++ Digitaler Konsum und Marken +++ Digitale Wirtschaft lokal und global +++ Digitale Wertschöpfung im Business +++ Digitale Perspektiven nach dem Shutdown +++

Ein Blick in die Hamburg-Glaskugel der Zukunft nach Corona.
Foto: Moritz Kindler, Unsplash

"Die Welt wird eine andere sein" bringt Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in seiner außergewöhnlichen Osteransprache zu Beginn des vergangenen Wochenendes auf den Punkt. Was unser Staatsoberhaupt 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands als Wendepunkt in der Frage von Zusammenhalt vs. Egoismus zuspitzt, greifen wir unter gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf. Eine Hamburg Digital Vision von Thomas Keup:

Wir haben in den vergangenen Tagen interessante Interviews und visionäre Beiträge anerkannter Forscher, Volkswirte und Wirtschaftslenker analysiert und ausgewertet. Dabei verzichten wir bewusst auf das Pfeifen im Walde übereifriger Lokalpolitiker aus Hamburg, NRW und dem Bund sowie prämiengetriebener Firmenvorstände, in der Hochzeit der Pandemie und des Sterbens über eine "Exit-Strategie" und zügige Lockerungen zu diskutieren. Wenn Südeuropa Ausgangsperren und Kontaktverbote verschärft, ist es nicht an der Zeit, leichtsinnig und profitfixiert ins Unheil zu laufen. Unsere Meinung.


"Wir sind völlig geeicht auf eine planbare Zukunft. Das ganze Leben ist auf Erwartung hin getaktet. Und jetzt haben wir das gerade nicht. Keine Sau weiß, wie es weitergeht. Und das macht den Druck aus."
Harald Walzer, Soziologe und Sozialpsychologie


In unserem Leitbeitrag "Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt" haben wir auf Grundlage einer internationalen Studie zu den 5 Stufen der Pandemie - von der Verleugnung über die Panik zur Isolation und von der Erneuerung zur Rückkehr ins normale Leben - gesagt: 'Unterm Strich würde das heißen, dass wir eventuell zu den Sommerferien die Normalisierung erreicht haben können.' Heute bekräftigen wir unsere Position: Wir gehen nach Abgleich der Aussagen namhafter Wissenschaftler von einer Lockerung in Richtung Pfingsten aus und erwarten eine gewisse Normalisierung mit Beginn der Sommerferien Mitte Juni d. J. - und schließen uns der Bewertung von Prof. Ulrich Reinhardt an, dem Leiter der Hamburger "Stiftung für Zukunftsfragen" (vorm. "BAT"-Institut). 


Digitaler Wandel durch Corona:

"Ich denke, daß es zu einer Rückkehr des Lokalen kommen wird, daß wir Digitalisierung als Ersatz für globale Aktivitäten nutzen."
Thomas Straubhaar, Ökonom und Migrationsforscher

Unter dem Titel "Zeit der Erneuerung" kommen in der "Welt Hamburg" der Direktor des "HWWI", Prof. Dr. Henning Vöpel, und der Vorstandsvorsitzende der "Haspa", Dr. Harald Vogelsang, zu Wort. Jurist Vogelsang spitzt zu: "Wir haben gemerkt, wie verwundbar wir als Wirtschaft und Gesellschaft sind." Der analytische Banker zieht den Schluss: "Wir werden die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten in vielen Bereichen überprüfen und reduzieren müssen." Bereits im Oktober 2018 fragten wir die "Hafen-Königin", "HHLA"-Chefin und Ex-Postlerin Angela Titzrath: 'Braucht es nicht eine "Hamburger Hafen Logistik und Produktions AG?'. Ein nicht unbeachtlicher Teil der Wertschöpfung wird künftig lokal per 3D-Druck und anderen Technologien möglich sein. Die Notwendigkeit zu größerer Unabhängigkeit wird uns dahin bringen.

Bremen: Bei lokalen Handelsplattformen vorneweg.
Foto: Jürgen Howaldt, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Volkswirt Henning Vöpel fokussiert gegenüber der "Welt": "Die Infrastruktur des Alltags ändert sich. Die Wertschätzung für regionale und lokale Anbieter, die in dieser Krise plötzlich systemrelevant werden, wächst." Der Hamburger macht klar: "Viele Verbraucher, aber auch Anbieter merken gerade, welche Chancen im digitalen Vertrieb liegen". Eine Umfrage des Handelsverbandes "HDE" bestätigt: 2/3 aller betroffenen Händler bauen Ihr Geschäft in Richtung Internet um. Die Bremer Handelskammer hat mit "Jetzt kaufen in Bremen" sowie "Jetzt kaufen in Bremerhaven" innerhalb kürzester Zeit lokale Plattformen gestartet. Zwischenergebnis: Mehr als 700 Händler, Gastronomen und Dienstleister sind mit ihren Produkten und Services präsent, 30.000 Interessenten in weniger als 2 Wochen auf die Seiten gekommen. Ein Wunsch, den wir auch an die Handelskammer in Hamburg richten.

 "Die Schere scheint sich nicht zwischen arm und reich zu öffnen, sondern zwischen angestellt und selbstständig."
Andreas Hackethal, Ökonom


Besonders für Selbständige ist der Shutdown seit Mitte März d. J. eine große Herausforderung: 41% der Befragten Einzelunternehmer bestätigen in einer aktuellen Umfrage die Unterbrechung ihres Geschäfts. Hingegen sind nur 17% der angestellten Hauptverdiener in 7.000 befragten Haushalten von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen. Allerdings sind generell 54% aller Haushalte finanziell geschwäcjt, so eine Analyse des "IFH" in Köln. "Die Schere scheint sich nicht zwischen arm und reich zu öffnen, sondern zwischen angestellt und selbstständig", sagt Andreas Hackethal, Ökonom am "Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE", der "FAS". Eine 2. Umfrage fasst zusammen: 

Rd. 1/3 hat Angst, fast die Hälfte sieht keine oder kaum Veränderungen, rd. 1/5 hat sogar mehr zu tun.

Im Home Office per Video-Chat mit Kollegen konferieren, die Hausaufgaben in der Home Schooling-Plattform bearbeiten, E-Books aus der E-Bücherhalle leihen, Einkaufen beim Lieblingsladen im Netz, ein Sofa-Konzert zum Feierabend per Video-Stream geniessen und die erste Arzt-Sprechstunde per Video-Chat - vieles wird auch nach Lockdown und Kontaktverbot bleiben. "Wir erleben im besten Fall einen Innovationsschub, neue Dynamik", gibt Henning Vöpel zu Protokoll. Digitale Konferenzen, Digitaler Unterricht, Digitale Bildung, Digitale Kultur und Digitale Medizin - nur 5 Beispiele, was in Bremen, Hamburg, Hannover, Kiel, Lübeck oder Rostock plötzlich funktioniert. Und unsere Liste empfehlenswerter Angebote im HANSESERVICE wächst täglich über aktuell 80+ Servicelinks hinaus.

Digitale Arbeitswelt nach Corona:

"In naher Zukunft werden wir über die Einführung der Vier-Tage-Woche diskutieren."
Peter Wippermann, Zukunftsforscher

Für 55% der deutschen Arbeitnehmer sind Home Office und Video-Konferenzen seit 4 Wochen zur Normalität geworden. Für 30% ist "Mobiles Arbeiten" statt "Präsenzkultur" eine Premiere, analysiert "Immowelt" in einer Umfrage. Das könnte massive Auswirkungen auf die künftige Arbeitswelt von kaufmännischen Angestellten haben. Das "Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung IAB" in Nürnberg sagt: Bis zu 30% aller Schreibtischjobs können von zu Hause aus erledigt werden. Der Hamburger Zukunftsforscher Peter Wippermann zieht im Interview mit dem "BKK VBU"-Magazin die Konsequenzen: "Heute erledigen wir anfallende Arbeitsmengen in anderen Zeitblöcken als früher, vielleicht werden wir an wenigen Tagen viele Stunden in Home-Office arbeiten."

Von Aktivitäten zu Momenten.
Quelle: Microsoft One

Was für "Digital Natives" und "Startupper" seit gut 6 Jahren sowie aktuell für 82% aller Selbständigen Normalität ist, wird jetzt für "Otto Normal" Realität: Das Leben verschiebt sich von "Aktivitäten" - wie 1/3 Arbeiten + Familie + Freizeit - zu "Momenten" mit individueller und flexibler Einteilung des Tages - zwischen Video-Konferenzen, Hausaufgaben der Kinder, Hilfe in der Familie und Telefonaten mit Freunden. Für 58% ist das kein Problem, so "Immowelt". Schon 2014 schreibe ich für den "Netfox"-Firmenblog: 'Die Zukunft heißt: Arbeiten wann, wo und wie du willst’. Die Konsequenz ist ein 'Work-Life-Blur' - ein Verschwimmen von Arbeit und Freizeit, wie es für 320.000 Mitarbeiter von Microsoft seit Jahren Normalität ist.

Doch die digital-vernetzte Arbeitswelt der Zukunft hat weitere, gesellschaftliche Auswirkungen. Peter Wippermann spricht von einer Polarisierung der Gesellschaft. "Es wird zu erhöhter Spannung kommen zwischen denjenigen, die in der Lage sind, in ihrem beruflichen Umfeld die digitalen Technologien zu nutzen, und denjenigen, die in der sogenannten ersten Realität ihre Arbeitsplätze haben, etwa Pfleger oder Kassiererinnen." Auch wenn wir die Arbeit der Helfer in Krankenhäusern und Supermärkten heute wertschätzen. Die forcierte Digitalisierung sorgt für noch größere Gräben - zwischen denjenigen, die Digitales gestalten und denjenigen, die von digitalen Entwicklungen bestimmt werden. Darauf haben wir alle bislang keine Antworten gefunden.


Digitaler Lebensunterhalt nach Corona:

"Maximal 8 Wochen überleben Firmen in Hamburg, der Metropolregion und Deutschland die Schließung ihrer Betriebe."
IHK Nord-Umfrage zur Corona-Krise

Für die Wirtschaft ist nach Soforthilfen, Krediten und Bürgschaften noch lange nicht das rettende Ende schwerer See in Sicht. 55,7% der Selbständigen glaubt laut Umfrage von "Civey" nicht daran, daß die existenzielle Bedrohung ihres Betriebs durch die COVID 19-Pandemie abgewendet ist. Die Wirtschaftsinstitute "DIW" Berlin, "Ifo" München, "IfW" Kiel, "IWH" Halle und "RWI" Essen gehen für die Bundesregierung von einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts zwischen April und Juni d. J. von 9,8% aus - der größte Einbruch seit Messung im Jahr 1970, verbunden mit bis zu 5,9% Arbeitslosenquote und 2,4 Millionen Kurzarbeitern. Desto länger das öffentliche Leben stillsteht, desto größer sind die Folgen. Dennoch rechnet "HWWI"-Chef Hennig Vöpel nicht mit einer Inflation.

Je länger Shutdown und Soziale Distanz das Leben lahmlegen, je enger wird es mit den finanziellen Reserven. Im Gastbeitrag der ALSTERCOMPANY im Hanse Digital Magazin ist zu lesen: '92% von 4.500 norddeutschen Unternehmen sind laut einer IHK Nord-Umfrage von der Corona-Krise direkt betroffen. 12.000 Hamburger Firmen haben bereits Kurzarbeit für ihre Beschäftigten beantragt - 200 bis 300 kommen jeden Tag dazu. Maximal 8 Wochen überleben Firmen in Hamburg, der Metropolregion und Deutschland die Schließung ihrer Betriebe. Hamburg ist in der größten Krise seit 1945.' Deadline: Mitte Mai d. J. Diese Tatsache könnte in Hamburg und bundesweit zu einem Umdenken in Sachen Arbeitsleben und Lebensunterhalt führen.

"Das Virus macht uns alle gleich, warum sollten wir in dieser Situation nicht auch alle wirtschaftlich gleich leben."
Henning Vöpel, Volkswirt

Abwarten und Teetrinken? Das Corona-Virus hat unser Leben im Griff.
Foto: Gerd Altmann, Pixabay

"Man könnte überlegen, ob man ein temporäres, bedingungsloses Grundeinkommen organisiert. In dieser Situation könnte es eine Alternative sein, für den Fall, dass die Pandemie länger andauert und wir über mehr als 2, 3 Monate reden" bringt Henning Vöpel die interessiert wie skeptisch betrachtete Idee ins Spiel. "Dann geht es darum, die Liquidität aufrecht zu erhalten. Und das geht nur, indem wir direkte Einkommenstransfers an die Haushalte leisten. Das Virus macht uns alle gleich, warum sollten wir in dieser Situation nicht auch alle wirtschaftlich gleich leben." Stellt sich die Frage, ob wir über einen Stillstand von mehr als 2-3 Monaten sprechen? Und stellt sich die Frage, ob "Hubschrauber-Geld" a la "Trump-Checks" für Deutschland ein Modell sein können.

Einer herbei diskutierten, schnellen Erholung setzt der "HSBA"-Professor eine klare Prognose entgegen: "Ich glaube nicht, dass wir ein sogenanntes 'V' haben, dass es sehr schnell runter geht und dann genauso schnell wieder hoch. Die internationale Wirtschaft, die Wertschöpfungsketten werden noch relativ lange gestört bleiben, auch die Absatzmärkte natürlich. Wir müssen davon ausgehen, dass es eher ein 'U' ist, eine eher langgezogene Delle" so Vöpel im "NDR Fernsehen". Womit der Hamburger Hafen als Jobmotor für 156.000 Arbeitnehmer vor einer großen Herausforderung steht - fernab wenig glaubwürdiger Hinhalteparolen der PR-Abteilung von "Hamburg Hafen Marketing" zu Beginn der Krise im "NDR Hamburg Journal".

Digitaler Konsum nach Corona:

"Die Überlebensfähigkeit von Marken wird auf eine harte Probe gestellt."
Jürgen Gietl, Markenberater

Für den Binnenmarkt gehen "McKinsey" und die Hamburger Werb
eagentur "Jung von Matt" im White Paper "Post-Pandemie-Konsum - Gedankenanstöße und Phänomene der Marken in einer Welt nach der Krise" vor allem vom Anstieg digitaler Angebote aus, wie Online-Services und E-Commerce - z. B. in den Bereichen Home Entertainment und Lieferdienste. Auch der digitale Medienkonsum profitiert davon, in der Krise schnell und zuverlässig informiert werden zu wollen. Dies gilt für Fernseh-Nachrichten und Online News (z. B. 30-fach höhere Views beim Hanse Digital Magazin), Streaming-Angebote und auch für Tageszeitungen. Laut HANSEVALLEY-Informationen gehen auch beim "Hamburger Abendblatt" die Zugriffszahlen des Online-Angebots "durch die Decke".

Zu den Perspektiven für Marken sagen die Marketing-Autoren: "Der Wirkungsraum, in dem Marken in der Post-Corona-Zeit agieren werden, ist schlichtweg nicht mehr der gleiche." Sie gehen aus den Erfahrungen in der Krise von 3 Spannungsfeldern aus: 1. Globale Zusammenarbeit vs. lokale Lösungsansätze. Dies hat eine Auseinandersetzung mit digital-vernetzter Kommunikation einerseits sowie Heimat und Region andererseits zur Folge. 2. Sozialer Mehrwert vs. technische Möglichkeiten. Heißt: Solidarität mit der Nachbarschaft und Chancen durch digitale Technologien. Und 3. Wertschöpfende Firmenwerte ("Purpose") vs. purer Produktpreis. Der Wert von Marken steht im Wettbewerb mit Preiskämpfen und Promotions ums Überleben. So weit, so bekannt, so allgemein gehalten.

Internationale Studie von "Concept M" zu den 5 Stufen der Pandemie.
Screenshot: HANSEVALLEY

Im Fachmagazin "Absatzwirtschaft" schreibt Jürgen Gietl unter dem Titel "Stresstest für Marken in Zeiten von Corona": "In einer Zeit, in der Menschen unsicher, voller Ungewissheit und Angst vor einer schweren Krankheit oder Jobverlust und mit existentielleren Nöten konfrontiert sind, hat der Konsum nur noch eine nachgelagerte Bedeutung. Die Überlebensfähigkeit von Marken wird dadurch auf eine harte Probe gestellt." Der Magazin-Beitrag macht klar: "Gemessen wird eine Marke zukünftig daran, ob sie weiterhin versucht, Kunden zu verführen oder ob sie sich für die Menschen, für den Zusammenhalt und die Lösung gegen das Coronavirus und andere gesellschaftliche Herausforderungen wirklich interessiert und einsetzt."

Dirk Ziems, Geschäftsführer von "Concept M" und Herausgeber der tiefenpsychologisch erarbeiteten und HANSEVALLEY vorliegenden Studie zu den 5 Stufen der Corona-Pandemie macht in einem Gastbeitrag für die "Absatzwirtschaft" klar: "Die Unternehmen sind gefragt, jetzt Stellung zu beziehen und Haltung zu zeigen". Der visionäre Unternehmensberater weiter: "Marken können in der aktuellen Krisensituation für die Konsumenten und für die gesamte Gesellschaft Hilfestellungen leisten, um dem Gefühl der Destabilisierung entgegenzuwirken und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu vermitteln." Drei Werte sieht der Spezialist dabei im Fokus:

1. "Empowerment": Materielle Unterstützung und tatkräftiger Einsatz. 

Beispiel 1: Der Wolfsburger VW-Konzern lässt mit seinen 3D-Druckern z. Zt. Bauteile für Beatmungsgeräte fertigen, anstatt Prototypen von Fahrzeugteilen.

Beispiel 2: Der Hamburger Beiersdorf-Konzern hat seine Produktionslinien in Eimsbüttel z. T. umgestellt und produziert für Feuerwehr und UKE Desinfektionsmittel.

2. "Enabling": Menschen helfen, die Krise besser zu bewältigen. 

Beispiel 1: Der Hamburger Sammelfahrdienst "Moia" ist wie die Taxidienste Teil eines HVV-Hol- und Bringdienstes für Krankenschwestern und andere Nachtarbeiter.

Beispiel 2: Die Bremer Handelskammer hat zusammen mit dem "Weser Kurier" lokale Online-Plattformen für kleine Händler, Gastronomen und Dienstleister gelauncht.

3. "Encouragement": Mentale Unterstützung und Zuversicht.

Beispiel 1: Der "NDR" bietet mit "Der Norden hält zusammen" ebenso Beistand, wie die Hamburger Drogeriemarktkette "Budnikowski" ("Nachbarn halten zusammen").

Beispiel 2: HANSEVALLEY hat seine Redaktion mit Nachrichten, Magazin und Service weitgehend auf Informationen und digitale Hilfestellung in der Corona-Krise umgestellt.

"In Zeiten des Überflusses kaufen Menschen nicht mehr das “Was”, sondern das “Wie” und “Warum” einer Marke. Der Mehrheit der Markenverantwortlichen dürfte das mittlerweile bewusst sein. Fraglich ist, wie gut sie das bisher umgesetzt haben. Die Corona-Krise wird auch diesbezüglich zum Stresstest für Marken" sagt Jürgen Gietl. Und Dirk Ziems spricht vom "Call" - vom Aufruf in Krisenzeiten, eine neue Stufe der Entwicklung zu erreichen: "Die Marken zeigen beispielhaft: Jetzt gilt "Unselling" statt "Hardselling". Mit der richtigen Dosierung PR - nicht mit platter Kaltakquise, wie leider von einer Hamburger Agentur für "Ebay" per Pressemitteilung betrieben.

Digitale Wirtschaft nach Corona:

"Wir haben eine sehr ungewöhnliche Situation, die auch das Potenzial hat, in den nächsten Jahren Sprengstoff zu sein - nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich."
Henning Vöpel, Volkswirt

Globaler Krise, lokaler Shutdown: Die Corona-Pandemie
Foto: Martin Sanchez, Unsplash

Vöpel betrachtet die akute Krise der deutschen Volkswirtschaft im "NDR" noch von einer anderen Seite: "Not macht erfinderisch, wie man so schön sagt, und Unternehmergeist ist jetzt gefragt - auch in so schwierigen Zeiten, in Zeiten der Not und des Mangels vielleicht neue Lösungen finden, auch im Umgang mit Produkten, mit Prozessen, mit Kunden. Man sieht schon Ansätze, dass die Bereitschaft sich zu wandeln da ist und das ist ein gutes Zeichen". Der "HWWI"-Chef ergänzt:  "Einige vermuten, es gibt eine Re-Nationalisierung. Das sehen wir auch in Teilen". Wenn bisherige Absatzmärkte wegbrechen, wenn Lieferketten unterbrochen sind und wenn der Staat den Shutdown verordnet, sind kreative Unternehmer gefragt.

"Das ist jetzt nur der sichtbare Teil eines Eisbergs von riesigen Risiken, die mit unserem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell einhergehen. Wir haben diese großen Risiken vielleicht zu lange zu wenig ernst genommen und haben uns über kleine Risiken viel zu viele Gedanken gemacht."
Thomas Straubhaar, Ökonom

"Die Wirtschaft funktioniert wie ein riesiger Muskel, der kontrahiert und dabei besonders kleine und mittlere Firmen zerdrückt, sich dann aber wieder entspannen wird", fasst der Hamburger Strategieberater und Visionär Bernd Thomsen die aktuelle Entwicklung in einer "Handelsblatt"-Kolumne zusammen. Seine Empfehlung: Je schneller Unternehmer die 'kontraktile Zukunft" akzeptieren, desto kreativer und flexibler bleiben sie, um sich gemeinsam mit ihrer Belegschaft immer wieder neu zu erfinden. Der Familienvater geht in seinem Beitrag auch auf die Frage nach der "Re-/Nationalisierung" aka "Autarkie" ein. Er nennt dies "glokale" Produktion. 

Als konkretes Beispiel spricht Thomsen vom "Future Asset Safetainity" - zusammengesetzt aus "Certainty" (Gewissenheit) und "Safe" (Sicherheit). Womit wir vordergründig im Buzzword-Bingo angekommen sind. Doch hinter "Safetainity" steckt mehr: Lieferketten neu organisieren, regionale Produktion fördern, Lagerstände erhöhen - wie von "Haspa"-Chef Vogelsang vorhergesagt und von "HHLA"-Chefin Tizrath und ihrer global fixierten Beratertruppe gern ignoriert. Womit wir bei einer weiteren Fähigkeit sind, die für den Hamburger Unternehmensberater nach der Corona-Krise unabdingbar sein wird: Die Fähigkeit zur Reflektion.

"Letztendlich sind Krisen beides: Einmal schreckliche Ereignisse für direkt Betroffene. Aber für die Gesellschaft insgesamt unfassbar starke Elemente des Lernens, des Entwickelns neuer Technologien, des Suchens nach neuen Lösungen."
Thomas Straubhaar, Ökomom

Und wieder hilft unsere frisch heruntergeladene "Buzzword Bingo-App", um zu verstehen, wie ein kluger Berater kluge Gedanken an den nicht immer nur klugen Top-Manager bringt: Das "Future Asset Teccaptence" ist für Bernd Thomson der Schlüssel. Nicht schwer zu erraten, dass darin "Technology" und Acceptence" verborgen sind. Der Hamburger geht - wie wir - davon auf, dass die viel diskutierte Digitalisierung jetzt mit Nachdruck angepackt wird. Nicht zuletzt die Chance, in den Wochen des Lockdowns mit "Google Hangout", "Microsoft Teams", "Skype" oder "Zoom" den eigenen Betrieb am Laufen zu halten, zeigt die Effizienz und Effektivität digitaler Tools - im Home Office, im Betrieb und im global aufgestellten Business.

"Es gibt einen Unterschied zwischen zusammensein wollen und zusammensein müssen."
Harald Welzer, Soziologe und Sozialpsychologe


Open Innovation Barcamp: Zusammensein wollen oder müssen?
Foto: HANSEVALLEY

Statt "Lufthansa Lounge" und Business Class warten in diesen Wochen Home Office und Video-Konferenzen auf viel reisende Geschäftsleute. Nicht selten stellte ich in der "DB Lounge" und im "Bahn Comfort"-Bereich zwischen Berlin und Hamburg fest, dass die - neugieriger Weise von mir mitgehörten - Telefonate und Unterhaltungen in der Abteilung 'Kann man machen, ...' anzusiedeln sind. Nun bestätigt Prof. Harald Welzer von der Europa-Universität Flensburg meine Erlebnisse in den vergangenen Jahren: "Man wird feststellen, daß von 10 Meetings 9 überflüssig sind, und daß vieles an Kommunikation und Treffen und Verabreden und Geschäftsreisen redundant ist. Da kann man sicher viel neu sortieren und das eine oder andere auch runterfahren."

Der Hamburger Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt spitzt wie sein Flensburger Kollege Harald Walzer im "After Corona Club" zu: "Fernreisen werden zurückgehen". Das betrifft sowohl den Vetriebler-Tourismus als auch den Wochenend- und Ferienreiseverkehr. Die Lufthansa hat ihre innerdeutsche Low Cost-Tochter "Germanwings" gleich komplett eingemottet. Erstaunlich: Experten gehen in Zeiten größerer Distanz im Interesse der Gesundheit von einer Renaissance des Autos aus. Ganz oben auf der Tagesordnung: E-Autos - wegen der Kaufprämie. Und schon wird der Ruf nach weiteren finanziellen Anreizen laut, die deutsche Leitbranche Automobilbau wieder in Schwung zu bringen.

Digitale Wertschöpfung nach Corona:

"Der größte Auftrieb für die Digitalisierung in Deutschland aller Zeiten. Es wird sich viel verändern, um nicht zu sagen alles."
Hannes Ametsreiter, Geschäftsführer "Vodafone Deutschland"


Corona forciert die Digitalisierung in allen Bereichen.
Foto: Brian McGowan, Unsplash

Der Bremer Luftfahrt-Unternehmer Marco Fuchs stellt Ende März d. J. in einem Statement klar: "Die Welt nach Corona wird digitaler werden. Vieles, was wir gerade erleben, wird auch nach dem Ende dieses Ausnahmezustands nicht wieder verschwinden. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine digitale Globalisierung geben wird. Damit meine ich, dass die bislang noch überwiegend physischen Abläufe digitalen weichen werden. Es ist einfach ein Fakt von Krisen, dass man nur in diesen erkennt, wie es auch anders, vielleicht sogar effizienter gehen kann. Viel mehr noch ist es jedoch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft klar geworden, wie sehr sie auf dieses "digitale Rückenmark" angewiesen ist." Mit dem Geschäftsbereich "OHB Digital" geht der Familienunternehmer an der Weser vorneweg.

"Die Krise beschleunigt Entwicklungen, die bereits begonnen haben. Zeit, Weichen zu stellen."
Thomas Keup, Journalist und PR-Spezialist

Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar gibt im "NDR"-Interview zu bedenken, dass die jetzt forcierte Digitalisierung die jetzt diskutierten Veränderungen schon vor der Krise hervorbrachte: So konnten bereits in China ganze Häuser im 3D-Druck gefertigt werden und Wissenschaftler der "ETH Zürich" im Digitaldrucker Herzklappen aus Silicon entwickeln. Der gebürtige Schweizer dazu: "Ich denke, dass dieses Zurückholen der Produktion an den Ort, an dem es konsumiert wird, eine der Folgen dieser Coronavirus-Krise sein wird." Unsere (fast) liebevolle Frage nach der "HHLA"-Produktions AG hat genau hier ihren Ursprung: Im Aufbau eines lokalen 3D-Druck-Zentrums der "UPS" in Singapur - gemanagt von einem anerkannten Trust Center, wie z. B. einem Logistiker.

Digitale Perspektiven nach Corona:

"Wer es ablehnt, schnell mal neue Erfahrungen zu machen, der bleibt in der Welt gefangen, in die er damals von Prüfungsbehörden und Arbeitgeberanforderungen gezwungen wurde."
Gunter Dueck, Visionär

Wir wissen, dass wir zuverlässige Quellen nutzen sollten - das Gesundheitswesen, die Regierung, wissenschaftliche Quellen wie das Coronavirus-Dashboard der John Hopkins Universität - aber es ist oft einfacher, sich auf unsere Social-Media-Blasen zu verlassen. Schlimmer noch, angesichts eines so scheinbar endlosen Informationsflusses besteht die Tendenz, das Bizarre und Sensationelle herauszupicken", schreiben Prof. David Bawden und Dr. Lynn Robinson von der School of Mathematics, Computer Science and Engineering an der "City, University of London" in ihrem aktuellen Kapitelbeitrag "Information Overload: An Overview" in der "Oxford Encyclopedia of Political Decision Marketing".

"Für uns alle ist das neu, eine Krise, wie wir sie noch nie hatten. Ein sogenannter "schwarzer Schwan", ein sehr seltenes Ereignis, dass aber eine sehr große Wirkung hat auf die Gesellschaft."
Henning Vöpel, Volkswirt

"Aus der Not heraus müssen wir nun alle Erfahrungen machen." Gunter Dueck, Ex-Chefvisionär der "IBM Deutschland", fasst in seinen "Daily Dueck"-Gedanken unter dem Titel "Beyond Corona" zusammen: "Aber die neuen Zwangserfahrungen bleiben uns, jenseits von Corona. Wo sich viele verweigert hatten, sind nun Erfahrungen aus der Not gemacht. Die bleiben bei denen, die aus Erfahrungen lernen. Jetzt wird sich vieles verändern. Vieles Alte wird schneller vergehen, als man es befürchten musste. Vieles Neue kommt schneller, als man dachte. Denn der Erfahrungsraum hat sich vergrößert. Und dieser bestimmt die Welt, nicht der Wissensraum."

"Wie können wir vielleicht auch unsere Wirtschaft anders organisieren? Die Disruption zu nutzen, tatsächlich ein neues Modell aufzubauen, das wäre die Hoffnung."
Henning Vöpel, Volkswirt

Hamburg nach Corona - Das Tor zur Welt wird anders sein.
Foto: Polizei Hamburg

Visionär Ulrich Reinhardt bietet im "NDR" eine Achse für die Zeit nach Corona: "Andere Krisen haben gezeigt: Es dauert in der Regel zwischen sechs und neun Monate, bis eine große Krise überwunden ist." Dem schließt sich auch Volkswirt Henning Vöpel an. Im "DAS!"-Interview geht er von einer leichten Erholung der Wirtschaft in der 2. Jahreshälfte 2020 aus, verbunden mit einem möglichen Aufschwung ab Anfang 2021. "Die Chance besteht darin, dass fast alle Menschen auf der Welt jetzt zeitgleich ähnliche Erfahrungen machen. Diese kollektive Erfahrung kann helfen, einen Bewusstseinswandel auszulösen, der am Ende vielleicht dazu führt, dass wir unser Leben vielleicht anders betrachten, dass wir fragen 'Was sind eigentlich die wirklich wichtigen Werte?'"

Digital zu guter Letzt:

Der Flensburger Professor Harald Welzer teilt im "After Corona Club" gegenüber Anja Reschke kräftig aus: "Was mir total auf den Senkel geht, daß pausenlos irgendwelche tollen Sachen und lustige Filme produziert werden müssen. Man muß musizieren und singen und Briefe schreiben. Wer will das denn alles sehen und hören - das ganze Zeugs?" Der Soziologe und Sozialpsychologe kommt denn auch zur Sache: "Diese Phase der Pause, die ich für produktiv halte, die will ja noch gar nicht richtig einsetzen, weil wir ja dieses tolle Netz haben, wo man sich die ganze Zeit zuballern kann." Wahre Worte, denen wir uns als Online-Medium ohne Wenn und Aber anschließen.

Wir wünschen Ihnen vor allem: Bitte, bleiben Sie gesund.

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 Hanse Digital Service: 

Absatzwirtschaft: 
"Studien und Statistiken zu den Folgen des Coronavirus":

 Hanse Digital Background: 

HANSEVALLEY: Gastbeitrag
"Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

HANSEVALLEY: Fachbeitrag
"Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt":

Netfox-Blog:
"Die Zukunft der Arbeit: Von Aktivitäten zu Momenten":