Mittwoch, 26. August 2020

HANSEPERSONALITY Henning Fehrmann: Empowerment statt Mikromanagement für Hamburg.

HANSE DIGITAL INTERVIEW

Technologie-Unternehmer und Mittelstands-Vertreter: Henning Fehrmann.
Foto: Die Familienunternehmer e. V.

91.000 Menschen waren im Juli in Hamburg ohne Arbeit, 8,5% aller Beschäftigten, der höchste Stand seit 15 Jahren. Mit der Corona-Krise sind 368.000 Menschen in 24.000 Betrieben in Kurzarbeit geraten, mehr als 1/3 aller versicherungspflichtig Beschäftigten. Die Krise schlägt durch: Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen sind schwer getroffen, der Hafenumschlag ist um 12% eingebrochen.

Hamburg ist Kaufmannsstadt und Warendrehscheibe. Doch Handel und Hafen haben sich bis heute nicht digitalisiert. Corona wird zum Brennglas - und zum Brandbeschleuniger des Umbruchs. Was muss jetzt getan werden, um Hamburg aus dem Schlick zu ziehen? Wie kann die stolze Elbmetropole nach Corona und Krise wieder auf Kurs kommen? Unser HANSEPERSONALITY ist Familienunternehmer Henning Fehrmann:

Zu Ihrem Unternehmen Fehrmann Technologies gehören die Geschäftsbereiche "Alloys" mit Metallguss-Legierungen einschließlich 3D-Druck sowie "Windows" mit der Kernkompetenz für Schiffsfenster. Sie halten vier Patente, beschäftigen gut 40 Mitarbeiter, darunter 5 Doktoren und investieren im Jahr rd. 20% in Forschung und Entwicklung. Wo hat Sie der Shutdown getroffen und wie haben Sie die vergangenen Krisenwochen durchlebt?

In unserer Arbeitsweise hat uns der Shutdown nicht getroffen, weil unsere Infrastruktur bereits digital war. Homeoffice, Videokonferenzen etc. gehören bei uns seit Jahren zum Alltag. Deshalb waren wir frei, die Corona-Zeit zu nutzen, um Zukunftstechnologien wie Materialentwicklung für den 3D-Druck, Künstliche Intelligenz und Augmented Reality zu pushen und weitere Mitarbeiter einzustellen.

Unsere Geschäftsbereiche "Alloys" (Gussteile und 3D-Druck-Metallpulver) und "Windows" (Schiffs- und Spezialfenster) wurden unterschiedlich vom Shutdown tangiert. Bei der "Alloys" machte er sich kaum bemerkbar; die Auftragslage war und blieb gut, auch weil wir vorrangig für staatliche Endkunden mit lange laufenden Verträgen produzieren.


"Durch Corona haben wir einen Sprung nach vorn gemacht."

Einzig im 3D-Druck-Geschäft sorgte der Shutdown in den meisten F&E-Projekten für mehrmonatige Verzögerungen, doch hat diese Fertigungstechnologie durch die Corona-Krise enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. In der Industrie wächst das Bewusstsein dafür, dass 3D-Druck resilient, flexibel und autark macht und zudem die Ressourcen schont und einen geringen CO2-Footprint hat. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Hochleistungs-Metallpulvern, also der „Tinte“ für den 3D-Druck.


Bei den "Windows" haben wir ein V-Szenario erlebt: Einer unserer Lieferanten hatte einen kompletten Lockdown, was zur Störung der Lieferkette führte. Doch jetzt geht wieder die Post ab.

Sie sind seit Jahresbeginn Vorsitzender der Familienunternehmer e. V. in Hamburg, einer Stadt, die in der Krise steckt: Die Mehrheit der Logistikbranche ist laut BVL-Studie in der digitalen Umsetzungsfalle. Einzelhändler rund um die Mö melden bis zu 40% Einbrüche, der Umschlag im Hafen ist um 12% eingebrochen. Wie schlimm hat es die Hamburger Wirtschaft wirklich getroffen? Und in welchen Branchen müssen wir nach Ende des Insolvenzschutzes im 4. Quartal mit Konkursen rechnen?

Die Hamburger Wirtschaft ist insofern nicht schlecht aufgestellt, als dass sie keine Monokultur ist, die von einer einzigen Branche wie z.B. der ohnehin kriselnden Automobilindustrie abhängt. In unserer Stadt verfügen wir über eine große Bandbreite von Wirtschaftszweigen, entsprechend divers ist das Bild der Corona-Auswirkungen. Einige Bereiche wie Gastronomie, Hotellerie, Eventveranstalter und Entertainment wurden von dem staatlich verordneten Berufsverbot schwer getroffen, und es ist absehbar, dass nicht alle Unternehmen die Krise überleben werden. 

"Bei Branchen unter hohem Druck ist es egal, ob Corona oder nicht."

Andere Branchen gingen stabil durch die schwierige Phase, weil sie systemrelevant waren oder über die Möglichkeit verfügten, ihr Angebot an die veränderten Bedingungen anzupassen. Allerdings hat Corona den Druck auf alle Branchen weiter verstärkt, sich zu digitalisieren. Und ehemals starke Wirtschaftszweige wie die Luftfahrt stehen vor großen Herausforderungen, denn sie können für lange Zeit auf keinen Boom mehr hoffen.

Unser Erster Bürgermeister konnte Ihre Frage beim Neujahrsempfang der Familienunternehmer nicht nachvollziehen, 50% des Haushaltsüberschusses 2019 (500 Mio. €) in Digitalisierung zu investieren. In unseren Wahlprüfsteinen und in der Analyse des Koalitionsvertrags sind wir zu dem Ergebnis gekommen: Rot-Grün kann nicht digital. Wenn alles digitalisiert wird, was wird dann aus Hamburg in Zeiten des Umbruchs?

Im besten Fall wird dann aus Hamburg eine Stadt mit einem Verständnis für Kybernetik, also für die Informationsverarbeitung in dynamischen Systemen, deren Regelung und Steuerung. Denn eben dies ist die Basis für ein erfolgreiches Management von Komplexität. 

"Alles, was nicht digitalisiert ist, wird unter Druck geraten."

Politiker wie Unternehmenslenker werden lernen müssen, die durch Digitalisierung zugänglichen Informationen besser zu nutzen, Transparenz zu schaffen und statt Mikromanagement Empowerment zu betreiben. Dazu bedarf es unternehmerischer Qualitäten, die sich gerne auch Politiker zu eigen machen dürfen. Ich denke hierbei an Mut, Entscheidungsfähigkeit und Umsetzungsstärke.

Hamburgs Visionär Klaus von Dohnanyi stellt in seiner ersten Bürgermeisterrede im Übersee-Club 1983 fest: 'Die Zukunft Hamburgs liegt an Land, und nicht am Wasser'. Der niederländische Visionär Hendrik "Ed" Brinksma verlässt nach nur 2,5 Jahren die TU in Harburg. Aus allen staatlichen Hamburger Hochschulen kommen weniger Ausgründungen (2018: 14), als aus der Leuphana in Lüneburg allein (2018: 59). Sie sagen, Hamburg braucht eine Vision. Woher soll diese kommen?

Hamburg steigt im deutschen und europäischen Vergleich ab, weil die Vision fehlt. Deshalb ist es dringend erforderlich, der Stadt eine Vision zu geben. Und dann gilt es, dass sich Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dazu committen und alles dafür tun, sie umzusetzen. Der Verband der Hamburger Familienunternehmer hat für Hamburg bereits etwas formuliert. Wir nennen unsere Vision „Große Freiheit 5.0“. Sie nutzt die Stärken der Stadt, setzt auf Ermöglichen statt Behindern und führt sie ins digitale Zeitalter. 


"Nur mit Visionen haben wir eine Chance auf einen Aufbruch."

Machen wir uns einmal die Stärken Hamburgs bewusst: Hierzu gehört die Logistik, bei der wir darauf achten müssen, nicht den Anschluss zu verlieren. Unsere Metropolregion ist eine der weltweit führenden Regionen für 3D-Metalldruck. Zudem haben wir exzellente Cluster wie Material Science mit dem Leuchtturm DESY und dem Zentrum für Hochleistungsmaterialien - das setzt international Maßstäbe. 

Mit Philips, Olympus und etlichen anderen starken Unternehmen verfügt Hamburg über ein starkes Healthcare-Cluster. Und mit der nach wie vor guten Gaming-Szene ließe sich Hamburg als internationaler AR-/VR-/XR-Hotspot ausbauen. Dies sind nur einige der Hamburger Potenziale, die es besser zu nutzen gilt, damit die Stadt in Zukunft wieder an Strahlkraft gewinnt.

Schauen wir ein Stück in Ihre eigene Zukunft: Sie sagen, 'alles wird digitalisiert'. Sie haben mit Achim Tappe einen der führenden Datenspezialisten an Alster und Elbe als CDO an Bord geholt. Als forschendes Unternehmen beschäftigen Sie sich u. a. mit Augmented Reality in Schiffsfenstern. Wie werden Data Science und Software Ihr traditionelles Geschäft mit Bullaugen digitalisieren, die Ihr Großvater genormt hat?

Derzeit entwickeln wir etwas, das weltweiten Pionier-Charakter hat: Augmented Reality-Schiffsfenster, die wir zur SMM, der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft, im Februar 2021 vorstellen werden. Die Fenster bestehen aus beweglichen Head-up-Displays für mehrere User gleichzeitig, die den Augen folgen und den visualisierten Content situativ an das anpassen, was man durch das jeweilige Fenster gerade sieht. 

"Wer spart, will bewahren. Wer investiert, will etwas verändern."


Ihr großer Mehrwert: Alle relevanten Infos werden dort eingeblendet, wo man gerade hinschaut. Man hat also die Realität im Blick und erhält ergänzend digitale Informationen. Diese Fenstersysteme sind hochkomplex und nutzen bestehende wie auch von uns selbst entwickelte Technologien, um der Geschwindigkeit der Augen gerecht zu werden. Sobald sich unsere digitalen Fenster in Schiffen bewährt haben, beschäftigen wir uns damit, sie für andere Branchen nutzbar zu machen.

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Wir haben über die Notwendigkeit gesprochen, eine Vision für Hamburg zu entwickeln, Helmut Schmidts "schlafende Schöne" nach 2 Jahrzehnten Abwärtstrend (siehe CHE-Studie) auf Zukunftskurs zu bringen. Wie kann eine "Große Freiheit 5.0" für die Kaufmanns- und Hafenstadt an der Elbe aussehen? Was muss sich in Wissenschaft, Verwaltung und bei Hamburger Unternehmern ändern? Butter bei die Fische!

Beginnen wir mit der Hamburger Verwaltung: Sie muss vom Behinderer zum Ermöglicher werden. Wenn sie dereguliert und Gesetze und Verordnungen so gestaltet, dass sie Unternehmertum und Gestaltung ermöglicht, um Arbeitsplätze zu schaffen, hat sie ihre vordringlichste Aufgabe erledigt. Und – besonders vorteilhaft in Zeiten leerer Kassen – es kostet die Stadt keinen Cent. Allerdings ist die öffentliche Hand finanziell gefordert, übergreifende neue Technologien über die Wissenschaft zu etablieren. Dies können von Corona geschüttelte Unternehmen nicht leisten.

"Es braucht Personen, die Veränderungen wollen und umsetzen."

Was die Unternehmen hingegen leisten können und müssen, ist die Analyse ihrer Daten. Denn – das sollten wir uns bewusst machen – jedes Business ist datengetrieben. Die Daten gab es schon immer – doch dank digitaler Speicher- und Verarbeitungsmedien verfügen wir jetzt über Tools, um unsere Informationen über Kunden, Märkte, Wettbewerber, Produkte und Prozesse zu sammeln und auszuwerten. Data Science hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen, Kosten zu senken und unsere Effizienz zu steigern. Bei Fehrmann digitalisieren wir auf allen Ebenen: Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle. Für Unternehmen, die langfristig am Markt bestehen wollen, führt kein Weg daran vorbei.

Ganz nebenbei hat die Digitalisierung der Wirtschaft Auswirkungen, an die man zunächst nicht zwingend denkt. Arbeiten beispielsweise mehr Mitarbeiter im Homeoffice, reduziert sich der Platzbedarf und damit die Miete. Entgegen der spektakulären Stories digitaler Unternehmen führt Digitalisierung in den meisten Unternehmen erst einmal zu deutlich sinkenden Kosten. Ein Grund mehr, schnellstens damit zu beginnen.


Herzlichen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

*  *  *

 Hanse Digital Statements: 

Corona und Hamburg:
HANSESTATEMENT: Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies.
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html


Digitalisierung und Senat:
HANSESTATEMENT: 205 Seiten Hamburg analog: Oder warum Rot-Grün digital nicht kann.

hansevalley.de/2020/06/hansestatement-koalitionsvertrag-hamburg-2020-2025.html

Digitalisierung und Senat:
HANSEPOLITICS: Wie Rot-Grün Hamburg in die digitale Zukunft bringen will.
hv.hansevalley.de/2020/06/hansepolitics-koalitionsvertrag-hamburg-2020.html

Digitalisieirung und Verwaltung:
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft:
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

 Hanse Digital Background: 

Akademie der Wissenschaften: CHE-Vergleichsanalyse Metropolregion Hamburg:

OECD-Bericht zur Regionalentwicklung: Metropolregion Hamburg

Donnerstag, 20. August 2020

HANSESTATEMENT: Willkommen in der #CancelCulture - die Inquisition der Neuzeit.

Ein HANSE DIGITAL STATEMENT
- von Thomas Keup & Gerd Kotoll -
*Update 20.08.2020*

Kaberettistin und Provokateurin: Kunstfigur Lisa Eckhart, 2018
Foto: Richard Huber, CC BY-SA 4.0

War das ein Wirbel: 'Wie konnten sie nur?' 'Mit der Begründung?' 'Und ausgerechnet hier?' 'Und dann noch dieser Kultursenator!' Die österreichische Kunstfigur Lisa Eckhart wurde mit ihrem Debütroman "Omama" vom Literaturfestival "Harbour Front" der Freien und Hansestadt kurzerhand ausgeladen - und damit ausgesperrt. Die Veranstalter der von der Großspedition "Kühne + Nagel" und dem Hamburger Kultusenator gesponserten Veranstaltungsreihe sahen sich einer kollektiven Zensur von Autoren und Locationbetreibern konfrontiert. 

"Der berüchtigte Schwarze Block der Hafenstraße schlägt also den schwarzen Humor, und er muss dafür noch nicht mal randalieren. Das heißt, dass der Mob bestimmt, wer auftreten darf und wer nicht, und dass die Feigheit regiert."
Knut Cordson, "BR Kultur Bühne", 06.08.2020

Die ehrbare Kaufmannsstadt tappte mit dem Debütantensalon ihres ach so liberalen Vorzeigeevents in die "Cancel Culture"-Falle - und Diskursraumsenator Carsten Brosda mit einer Videoschalte als Notlösung vorneweg. Zwei Autoren lehnten es laut "Zeit" ab, mit der bekannt-aneckenden Nachwuchsautorin auf einer Bühne zu lesen. Ein alternativer Soloauftritt wurde von den offenbar verängstigten Betreibern des "Nochtspeichers" abgelehnt. Begründung: Drohender Krawall aus der Hafenstraße. Folge: Die Festival-Veranstalter drängten auf einen "freiwilligen Verzicht der Teilnahme".

Die laut "Zeit" an Alster und Elbe angekommene "Cancel Culture" ist gar nicht in Hamburg angekommen. Und sie ist auch kein Phänomen heutiger Tage. Die kollektive Zensur anläßlich der Nominierung des mit 10.000,- € dotierten "besten deutschsprachigen Romandebüts" inkl. Lesung am 14. September d. J. hat in der Heimat der Pfeffersäcke seit Fälschung der Hafenurkunde vor 821 Jahren Tradition. HANSEVALLEY ist ebenfalls ein Opfer der modernen Inquisition von ungeliebten Störenfrieden. Ein Hanse Digital Statement von Thomas Keup und Gerd Kotoll:

Hat die 27-jährige gebürtige Lisa Lasselsberger antisemitische Witze gemacht? Oder schlachtet die österreichische Kabarettistin antisemitische Klischees für schale Witze aus, wie es ihr die "Zeit" vorhält? Wer die steirische Künstlerin auf der Bühne oder im Fernsehen sieht, kann zu dem Ergebnis kommen: Hier konfrontiert eine Künstlerin der Worte und Gesten die feminine "Versace"-Eleganz mit frivoler Provokation. Wie 2018 in den "WDR-Mitternachtsspitzen", für die sie noch in diesem Jahr von "Gutunmenschen" mangels fehlender Anschwärz-Alternativen gesteinigt werden sollte. Hamburgs Wochenzeitung kritisiert sie bei ihrem zweiten von vier angekündigten Bühnenprogrammen für ein scheinbares Abdriften bei den Themen - vom Bildungsbürgertum zum Antisemitismus. 

Die Germanistin mit Masterabschluss ist sicher eines nicht: dumm. Schon an der Freien Universität Berlin beschäftigte sie sich mit dem Thema "Weiblichkeit und Nationalsozialismus". Thema einer Masterarbeit? Abgelehnt! Schade eigentlich ... hätte ein interessantes Stück deutsch-österreichischer Geschichte werden können. Ein Blick in die Wikipedia hätte auch den neunmalklugen Feuilletonisten geholfen. Aber wer recherchiert schon, wenn man eine gefestigte Meinung hat ... Eine Steiermärkerin, die über Graz und Wien nach Berlin kam - und weiter nach London (oder auch Amsterdam) reiste, um den Mief ihrer Kindheit zu verarbeiten? Ein gern genommener Weg dörflich gequälter Steirer in die große, weite Welt.

"Wenn man Hamburg und den Schwarzen Block in Hamburg kennt, von dem diese Drohungen wohl ausgegangen sind, muss man die ernst nehmen".
Veranstalter "Harbour Front"-Festival
"Deutschlandfunk Kultur", 14.08.2020

Anfang August d. J. meldet der "Spiegel" aus der Hafencity, die Leitung des "Harbour Front"-Festivals "sehe sich außer Stande, im Falle einer Lesung die Sicherheit der Besucher und der Künstlerin zu gewährleisten". Und das in einer Stadt, in der laut Olaf Scholz ein G20-Gipfel mit der Leichtigkeit eines Hafensgeburtstags gemeistert werden-können-sollte. Hat die Freie und Hansestadt ein ernsthaftes Sicherheitsproblem? Sind Hamburger Schutzleute in stylischen "Colani"-Uniformen so schwach, dass schon gegen die G20-Krawalle österreichische Unterstützung der Spezialeinheit "Cobra" einspringen musste? Ist Lisa Eckhart heuer Nachhilfelehrerin für die Hamburger Kultur?

Ok, Zynismus ist ein beißender Spott, den wir uns als unabhängige Redaktion in den vergangenen rd. vier Jahren zu Eigen gemacht haben, um uns über die gesellschaftlichen Konventionen von "Pfeffersäcken" (vgl. Ehrbare Kaufleute), "Boxenschubsern" (vgl. Container-Spediteure) und  "Kleingeistern" (vgl. Hamburger in mind. x-ter Generation) hinwegzusetzen. Zum Glück haben wir seit Jahresbeginn den parteiunabhängigen Blick auf den ganzen Norden - und nicht nur auf die Hammaburg hinterm Deich. Und damit konnten wir herzhaft lachen, als wir die "Cancel Culture"-Geschichte lasen - und mit unserer eigenen Geschichte abglichen.

"Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert".
Organisatoren "Nochtspeicher" Hamburg
"Spiegel", 05.08.2020

Die Strategie der kollektiven Zensur aka "Cancel Culture" ist so simpel wie perfide: Interessenvertreter werfen einer wortgewaltigen Künstlerin vor, noch gewaltiger mit rassistischen und antisemitischen Klischees zu arbeiten - und die Falle schnappt zu. Genau das ist des Pudels Kern: Ein Angriff auf der ethisch-moralischen Ebene - der einzigen Ebene unserer Kommunikation, die nicht von Argumenten geprägt und sachlich widerlegt werden kann: keine finanziellen oder technischen, keine organisatorischen oder zwischen-/menschlichen Aspekte (vgl. ETHOS-Prinzip). Hier spielen vermeintliche Gutmenschen  - Lisa Eckhart nennt Sie "Gutunmenschen" - auf der gesellschaftlichen Ebene mit idiologisch gefestigter Moral "Ene, mene, muh ...".

Bleiben wir bei moralischen Angriffen und Ausschlüssen: Fachleute unterscheiden zwischen fünf moralischen "Totsünden": Da gibt es 

  • die öffentliche Moral mit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft
  • die politische Moral mit Blick auf die Vorbildfunktion öffentlicher Vertreter (bitte nicht verwechseln mit dem Hamburger Innensenator "Andy-wir-gehen-heute-Corona-groten-Grote")
  • die juristische Moral mit gesetzlichen Verstößen
  • die religiöse Moral im Namen (christlicher) Grundwerte sowie 
  • die private Moral und Verantwortung gegenüber der Familie.

"Mit aggressiven Methoden sollen politische Widersacher zum Schweigen gebracht werden."
Malte Lehming, "Der Tagesspiegel",
Update 08.08.2020

Wurden Übeltäter im Mittelalter mit religiöser Moral gesteinigt, gehängt oder gar geköpft, landen heute vor allem Politiker auf dem Scheiterhaufen. Dabei ist ein handfester Skandal aka Shitstorm niemals Zufall - sondern in den meisten Fällen mit Neid - eigentlich mit Missgunst -, Hass, Bösartigkeit und öffentlicher Reichweite verbunden. Wie gut, dass es verlässliche soziale/Medien gibt, die niiiieeemals blutrünstig eine Hetzjagd veranstalten würden. Na gut, fast nie. Uns stellte im April 2017 ein Hamburger SPD-Hinterzimmer-Funktionär mit seiner aus "Scholz & Friends"-Zeiten geliehenen Social Media-Community und dreisten Unwahrheiten an den "Facebook"-Pranger.

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden."
Schrift von Rosa Luxemburg (1871-1919),
Mitbegründerin Kommunistische Partei Deutschlands

Es war die Keule öffentlicher Moral, die der "Sozi" in 2. Generation schwang: 'Wie konnte es ein Berliner Journalist wagen, kleine Hamburger "Versicherungshelden" öffentlich die Leviten zu lesen, die den "12min.me"-Startuppreis - einen eintägigen PR-Workshop - einfach schwänzten?' Um es zum Skandal hochzujazzen, half dem vierfachen holsteiner Familienvater (Nein, er ist kein Hamburger!) sein Job für einen Marketing-App-Inkubator und die verdrehte Wahrheit, Startups seien vom HANSEVALLEY-Chefrredakteur als "NMA"-Mentor enttäuscht gewesen. Und schon schnappt die Falle zu: Ein Interessenverterer (bei uns Social Media-Berater), der eine mediale Kritik an Rotzlöffeln der Startup-Szene umkehrt, um daraus als öffentlicher Wortführer eine Hetzjagd anzuzetteln. Wirklich sozial - und demokratisch ...

Die Inquisition - von Political Correctness bis Cancel Culture:
Moralischer Angriff, Schuldumkehr, Skandalisierung & Ausschluss.

AblaufBeteiligteFall Lisa EckhartFall HANSEVALLEY
Eins:Missgünstiglinge getarnt2 Autoren2 "Startup-Muttis"
Zwei:Vorwurf/SkandalisierungAntisemitismus-Witzeoffene Startup-Kritik
Drei:Täter-Opfer-UmkehrKünstlerin als "Täter"Journalist als "Täter"
Vier:Moralische Angriffreligiöse Moralöffentliche Moral

Fünf:Multiplikator/enVeranstalterInkubator-COO
Sechs:Künstliche Eskalation"Schwarzer Block"NMA-Ausschluss
Sieben:Öffentlicher Pranger"Qualitätsmedien"Soziale Medien
Acht:Offizieller AusschlussAusladungKündigung
Neun:"Im Namen der Moral""Sie muss sterben""Er soll verschwinden"
Zehn:Öffentliche HinrichtungSystemausschlussSystemausschluss

Damit haben wir einen Interessenvertreter, der seine wahren Beweggründe tarnt, sei es die Furcht, nicht mehr "King of the castle" im digitalen, verschlossenen Mittelalterdorf Hammaburg zu sein, sei es die freundliche Hilfestellung mit-für selbsternannte Startup-Muttis, die womöglich ihre Felle wegschwimmen sahen/sehen, wenn ein Journalist echte Geschichten über echte Startups schreibt. Entscheidend sind die folgenden Schritte des Dramas in zehn Szenen, die bei jedem moralischen Angriff zu einem kollektiven Ausschluss aka "Cancel Culture" führen - und mit Vorsatz die wirtschaftliche Vernichtung anstreben. An dieser Stelle wird es interessant, wie die Kaufmannsgilde in Hamburg tickt:

In drei Schritten zum Rausschmiss aus der Gesellschaft.

Wie ich bereits 2014 in einer Präsentation zum professionellen Krisenmanagement aufbereit habe (s. u.), folgt dem Angriff zumeist der Ausschluss - eine fiese Aufführung in drei Akten: 1. Akt - Abkehr vom Delinquenten und Verweigerung der Zusammenarbeit. Im Fall von Lisa Eckhart waren dies zwei vermeintlich betroffene Autoren, die mit der frech-frivolen Österreicherin nichts zu tun haben wollten. Im Fall von HANSEVALLEY kündigte mir o. g. SPD-Funktionär die Zusammenarbeit mit (s)einem Hamburger Marketing-Inkubator auf. Das ist der Steigbügel für den Systemausschluss.

In unserem Fall verwehrte Hamburgs Behörden-Inventar Jens Unrau - Chef des Medien-Referats - auf Betreiben seines Web 2.0-Kumpels anschließend die "Freundschaft". Wir verloren Medienpartnerschaften mit "Nextmedia Hamburg" und "Gamescity Hamburg". Zudem zogen zwei stadtbekannte Startup-Flüsterinnen ihre Strippen und diskreditierten uns bei "12min.me". Sina G. schrieb sogar Kunden an, um mich als Chefredakteur und PR-Spezialist schlechtzumachen. Womit die "Cancel Culture" mind. seit April 2017 in Hamburg zum Handwerkszeug von Missgünstig*innen gehört. Das ist der Anfang vom gemeingefährlichen Einsatz versteckter Dolche.

Wenn die Qualitätspresse mit dem Benzinkanister zündelt.

Im nächsten Schritt solidarisiert man sich empört mit anderen mehr oder weniger oder auch gar nicht Betroffenen: 2. Akt - Mediale Koalition gegen den Schuldigen. Hier kommen heute gern "Facebook", "Twitter" & Co. zum Einsatz, weil ja so schön anonym: 'Kann man ihn nicht zurückschicken, woher er kam?' titelte Sina G's beste Freundin Sanya S. auf "Facebook" (ja, wir haben den Post noch ...). Like vom "DPA"-Chefinnovator! Das die Hetzjagd nichts mehr mit sachlichen, fachlichen Argumenten zu tun hat, ist klar. Bei Lisa Eckhart waren es "FAZ" und "taz", "SZ" und "Zeit" mit mehr oder weniger intelligenten Kommentatoren, die als selbsternannte Qualitätsmedien ein wenig mit dem Benzinkanister rumzündelten. Kann ja Leser bringen ... man weiß ja nie.

"Lisa Eckhart muss sterben" brachte die niedergestreckte Kabarettistin die Debatte mit vier klaren Worten gegenüber dem "Spiegel" selbst auf den Punkt. Womit wir beim 3. - finalen - Akt der Hinrichtung wären: der Drohung mit Konsequenzen auf juristischer und publizistscher Ebene. In diesem Fall waren es die echten oder echt erscheinenden Drohungen der Nachbarschaft des "Nochtspeichers" - beunruhigte Community mit Angst vom schwarzem Block aus der Hafenstraße. Ja, wirklich! Damit würde das Schreckgespenst seine Wirkung zeigen - wäre es doch nicht nur eine dreiste Lüge. Die Giullotine fiel trotzdem. Aber das gibt es im liberal erscheinenden Hamburg öfter ...

Hamburg - die #CancelCulture Hauptstadt als Serienerfolg.

Da der rot-grüne Hamburger Senat mit kleinen Tickets systematisch ein Netzwerk von Vereinen und Initiativen gesponnen hat, ist es nicht verwunderlich, dass HANSEVALLEY in den vergangenen Jahren nach dem Systemausschluss immer wieder "vergessen" - oder sagen wir lieber gecancelt - wurde. Welche direkten und indirekten Drohnungen dabei eine Rolle spielten, Förderungen nicht bewilligt zu bekommen, arbeiten wir gern in weiteren Folgen der Kriminalreihe "Willkommen in der #CancelCulture Hauptstadt" auf. Wir sind sicher, so schräg kann man gar nicht denken, wie Ausgrenzung und Drohungen z. B. in "BKM" und "BW(V)I" - Insider wissen jetzt Bescheid - gelebt werden.

Lisa Eckhart nimmt die Aus-, Um- und wieder Einladung verirrter, verwirrter und vielleicht auch verklärter Hamburger Kulturveranstalter und -senatoren mit begrüßenswerter Souveränität. Gegenüber "NDR Kultur" erklärt sie, dass sich "die Lust extrem in Grenzen hält" und sie "nicht gewillt war, jemanden jetzt zu einem Schützer der Kunstfreiheit zu erklären, der sich das nicht verdient hat." Womit die Veranstalter des "Harbour Front"-Festivals ebenso raus sind, wie Hamburgs ehrbarer Videosenator Carsten Brosda und wer sich sonst noch der Empörung über die Empörung anschließen wollen-dürfen-musste. 

"Wir haben keine „Drohungen“ erhalten und das auch nicht gesagt. Wir haben Warnungen bezüglich einer Störung oder Sprengung der Veranstaltung erhalten, die uns plausibel schienen."
Organisatoren "Nochtspeicher", 
Pressemitteilung 14.08.2020

Das Gespenst der "Political Correctness" wird seit jeher gern von mehr oder weniger Betroffenen für ihre Interessen missbraucht. Die Täter-Opfer-Umkehr und der öffentliche Ausschluss von "Schuldigen" zu deren wirtschaftlicher Vernichtung mittels "Cancel Culture" funktionieren immer nach der gleichen pseucho-moralischen Methode. 

Heinrich Manns "Untertan": 'Nach oben buckeln, nach unten treten.'

Wenn wir uns dann noch in vorauseilendem Gehorsam einer Kultur des Schweigens mit Sprech- und Denkverboten unterwerfen, sind wir nicht mehr weit weg von einem neuen Unterdrückungsapparat im schlimmsten Untertanengeist - sei er Braun oder Rot. Gegen blinden Gehorsam als Nährboden haben wir alle aufzustehen.

"Wo bleiben diejenigen, die sich Sorgen machen, diese aber friedlich äußern möchten?"
Dr. Nikolas Hill, Co-Initiator "Haltung.Hamburg"
Zitat hamburg.de, 2017 

Wo war eigentlich die "demokratische Antwort" der Initiative namhafter Bürger mit dem Titel "Haltung.Hamburg" im Fall der freien Künstlerin Lisa Eckhart? Wo waren - Zitat - die #HHaltungen "Weltoffenheit, Toleranz und demokratische Grundwerte", die bekannte Hamburger noch zum G20-Gipfel für sich in Anspruch nahmen? Wo sind die öffentlichen "Diskursräume", die ein entlarvter Kultursenator in jedem Grußwort beschwört?

Hören wir bei der Patriotischen Gesellschaft von 1765 e. V. - gegründet in der Epoche der Aufklärung als "Hamburgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe" - auch nur beredtes Schweigen? Wir empfehlen einen Blick in die nahe Zukunft: Paris im Jahr 2022. Weitere Details unter dem Titel "Die Unterwerfung" beim "Deutschen Schauspielhaus" Hamburg.

Fortsetzung folgt: 
#CancelCulture in Zeichen von Datensammlung, Gesichtserkennung, Künstlicher Intelligenz und Überwachung von Städten. Bleiben Sie unabhängig ...

* * *

Verlagspräsentation "Lisa Eckhart" Roman "Omama"
hanser-literaturverlage.de

 Hanse Digital Chronik: 

14.08.2020 - Nochtspeicher Hamburg: Pressemitteilung "Richtigstellungen des Nochtspeichers zur Causa Lisa Eckhart"
14.08.2020 - Der Tagesspiegel: Interview "Vom Fundamentalismus der Gutunmenschen und rassistischen Omas"

11.08.2020 - NDR Kultur: Beitrag "Scharfe Kritik von Lisa Eckhart an Harbour Front"

10.08.2020 - NDR Zapp: Kommentar "Die konstruierte Debatte um Cancel Culture"

08.08.2020 - Die Zeit: Beitrag "Wie einmal die Cancel Culture nach Hamburg kam"

08.08.2020 - Der Tagesspiegel: Kommentar "Wie die Wächter über das Sagbare die Redefreiheit einschränken"

06.05.2020 - Die Zeit: Kommentar "Sich schön inkorrekt durchamüsieren"

05.08.2020 - Der Spiegel: Beitrag "Kabarettistin Lisa Eckhart von Literaturfestival ausgeladen"

07.04.2019 - Der Tagesspiegel: Porträt "Maulheldin in Versace":

 Hanse Digital Background: 

"Harbour Front" Literaturfestival Hamburg

Zsolney Verlag/Hanser Verlage: Leseprobe Lisa Eckhart "Omama"

Wikipedia Deutschland: Lisa Eckardt

Deutsches Schauspielhaus Hamburg: "Die Unterwerfung":

HANSEVALLEY: Hanse Digital Codex "HANSECODEX":

Thomas Keup: Präsentation "Crises Management"

Donnerstag, 6. August 2020

HANSESERVICE: Die Corona-Krise als Katalysator für den E-Commerce-Wandel

Ein Hanse Digital Service von
- Gastautor Marvin de Vries -

Die Corona-Krise hat den Vormarsch des E-Commerce beschleunigt.
Foto: Mark König, Unsplash 

Bis zu 40% Umsatzeinbruch des Einzelhandels in der Hamburger Innenstadt. Krisensitzungen der Top-Manager beim Shoppingcenter-Betreiber ECE in Poppenbüttel. Die Krise hat Hamburgs Wirtschaft voll erwischt. Was können kleine und mittlere Unternehmer jetzt tun? Wie können Sie Ihr Geschäft ins Internet verlegen? Unser Autor ist Hamburger Unternehmer, Inhaber einer E-Commerce-Agentur und teilt sein Wissen, wie man mit E-Commerce Schritt für Schritt aus der Krise kommen kann. Ein Hanse Digital Gastbeitrag von Marvin de Vries:

Das bisherige Jahr ist durch COVID-19 eines der schwierigsten Jahre für kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch für große Unternehmen. Die wirtschaftliche Nachfrage ging in sehr vielen Branchen enorm zurück. Im Speziellen ist der Einzelhandel sowie die Gastronomie stark betroffen und auch Kundenaufträge insbesondere im Dienstleistungsbereich sind um rund 90% eingebrochen.


Eine Wirtschaftskrise die sehr kurzfristig, auch durch Entscheidungen der Politik, eingetreten worden ist. Für den Großteil aller Unternehmen hieß es in einem ersten Schritt die Situation zu bewerten, erste Maßnahmen einzuleiten (z. B. Anträge auf Kurzarbeit und Kostenreduktionen). Wer schnell auf die veränderten Rahmenbedingungen reagierte, hat nicht nur seine Verluste reduziert sondern auch die Zeit gehabt kurz- und mittelfristige Maßnahmen zu treffen, um die wirtschaftliche Stabilität zu erhalten oder wieder herzustellen.

Ein sinnvoller 5-Punkte Plan, wie er von vielen Unternehmen in den vergangenen Wochen und Monaten durchgeführt worden ist:

1. Wirtschaftliche kritische Situation verstehen und offen analysieren
2. Business Continuity über Home Office und digitale Tools umsetzen
3. Ausgaben auf wirtschaftliche Ziele hin überprüfen und anpassen
4. Personalkapazitäten anpassen und u. a. über Kurzarbeit reduzieren
5. Status Quo definieren und nächste Schritte und Ziele festlegen


In den ersten zwei Wochen zu Beginn der Coronakrise haben wir den Markt genau beobachtet und live miterlebt, wie es einen regelrechten Ansturm auf digitale Lösung gegeben hat. Wie nie zuvor haben Unternehmen, insbesondere die ganze Gastronomie sowie der Einzelhandel feststellen müssen, wie elementar eine digitale Strategie und eine breite Aufstellung vom Business ist. Der stationäre Handel erlebte bereits in den letzten Jahren einen langsamen, aber stetigen Rückgang. 

Das sprunghafte Umdenken von Einzelhandel zum E-Commerce

Die Corona-Pandemie und die daraus resultierende vorübergehende Schließung von Läden, Restaurants, Bars sowie weiteren Betrieben war nicht der Auslöser für den Wandel zum E-Commerce, beschleunigte diesen aber enorm. Vielen Händlern und Betreibern war vor dem Beginn der Krise das Potenzial von digitalen Geschäftsmodellen und Plattformen nicht bewusst. Durch die Stilllegung des Einzelhandels erfolgte sprunghaft ein Umdenken in Richtung Digitalisierung, was den E-Commerce immens katalysierte. 

Für kleine Händler wurden provisorisch regionale Verkaufsplattformen aufgebaut oder Hilfe von größeren Unternehmen wie Ebay bereitgestellt. Die Plattformen kristallisierten sich zu einer schnellen und effektiven Lösung heraus, welche von den Konsumenten in die Krise akzeptiert wurden. Die Kunden haben in den vergangenen Monaten vermehrt die bequemen Vorteile des Online-Handels kennen und schätzen gelernt. 


Die Corona-Krise hat den Online-Handel beschleunigt.
Grafik: Adence

Digitale Geschäftsmodelle sind die Zukunft des Handels

Der E-Commerce punktet damit, im Vergleich zum stationären Handel Zeit und Aufwand einzusparen und der Möglichkeit, sich die Ware direkt nach Hause liefern zu lassen. Auch wenn wieder Normalität einkehrt, werden Verbraucher weiterhin stark darauf achten, was sie kaufen und vor allem, wo sie ihre benötigten Produkte erwerben. Das digitale Geschäftsmodell wird die Zukunft des Handels sein und ist bereits jetzt obligatorisch für Verkäufer. 

Vor allem kleine Händler sollten neben einem kurzfristigen Fahrplan, um den Bestand des Unternehmens abzusichern, ihren Fokus jetzt auf stabile Digitallösungen setzen. Händler sollten die Chance wahrnehmen mit dem Aufbau einer eigenen Website bzw. Webshop langfristig am Markt zu bestehen und nachhaltig einen Erfolg zu erzielen. 

Auch die Wirkung eines professionellen Online-Marketings, unter anderem die Rolle von Social-Media-Marketing, gewinnt immer mehr an Bedeutung und darf heutzutage nicht unterschätzt werden. Zum einen, um Kunden für sich zu gewinnen und zum anderen, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen.

Ich empfehle diese 8 Schritte für ein nachhaltige und strategische Aufstellung:

1. Mittel- und langfristige Entwicklung einer digitalen Strategie
2. Sortierung der Maßnahmen nach Priorität und Umsetzungszeit
3. Definition von messbaren Zielen nach Aufgaben und Zeiten (KPIs)
4. Fokussierte Entwicklung eines praktikablen Umsetzungsplans

5. Zuweisung der Maßnahmen an verantwortliche Mitarbeiter/innen
6. Verbindlicher Projektstart mit realistischen Meilensteinen
7. Regelmäßiges Tracking des Fortschritts und Optimierung
8. Checkpoints zur Evaluation des Return on Investment (ROI)


Mit dem 8-stufigen High-Level Plan haben Unternehmen die Möglichkeit, sich digital neu aufzustellen und zielgerichtet zu arbeiten. Wer bei der Planung und Umsetzung Hilfe benötigt, dem empfehle ich eine Agentur mit ins Boot zu holen, die Sie mindestens bei den Anfängen Ihrer digitalen Strategie unterstützt und Ihnen die Methoden an die Hand gibt, die Sie brauchen, um Ihr Unternehmen erfolgreich
digital aufzustellen.

Über den Autor:


Der Hamburger E-Commerce-Spezialist Marvin de Vries.
Foto: privat

Marvin De Vries ist Gründer und CEO der Online-Agentur ADence und des Stadtportals "We Love Hamburg" mit fast 200.000 Fans sowie weiteren Online- und Technologie-Projekten. Die Gruppe sitzt in Hamburg-Winterhude am Leinpfad und bietet für Unternehmen und Selbständige individuelle Leistungen rund um E-Commerce und Online-Marketing an. 

Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung und weitreichendem Know-how im Bereich E-Commerce ist Marvin de Vries ein ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet. Besonders gefällt ihm das Gefühl, etwas verändern zu können und Verantwortung für Kunden, Mitarbeiter und seine Stadt Hamburg zu tragen. 

Für Rückfragen steht der Autor unter mail@adence.de zur Verfügung. Weitere Informationen zur Arbeit von ADence gibt es unter www.ecommerce-agentur.hamburg 

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 Hamburg Digital Background 

HANSESTATEMENT Peter F. Schmid: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise.

Dienstag, 21. Juli 2020

HANSESTATEMENT Peter F. Schmid: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise.

Hanse Digital Autoren

Digitalunternehmer und Visionär: Peter F. Schmid, Visable
Foto: Visable

Seit mehr als vier Monaten befinden wir uns durch die Corona-Krise in einem weltweiten Ausnahmezustand. Zahlreiche Unternehmen und ganze Branchen bangen um ihre Existenz. Peter F. Schmid ist CEO von "Visable", dem Dach der europäischen B2B-Plattform "Europages" und des deutschen Marktführers im Bereich digitaler B2B-Marktplätze "Wer liefert was“ (WLW). Der Vorsitzende der Landesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft des Wirtschaftsrats Hamburg beobachtet die Situation von Beginn an und identifiziert sieben eindeutige Entwicklungen. Ein Gastbeitrag von Peter F. Schmid:

Das IfO-Institut prognostiziert bereits eine Insolvenzwelle für die kommenden Monate. In diesen Zeiten zeigt sich so deutlich wie noch nie, dass KMU ohne den Einsatz von digitalen Tools vor dem Aus stehen. Ich beobachte die Situation von Beginn an und identifiziere die folgenden sieben Entwicklungen:

1. Beschleunigung der Digitalisierung der KMU im Bereich Einkauf und Vertrieb

Die klassischen, bekannten und bewährten Marketing- und Vertriebstools standen mit einem Mal nicht mehr zur Verfügung. Die Absage von zahlreichen Messen sowie die Abordnung von Vertriebsmitarbeiterinnen- und Mitarbeitern ins Homeoffice brachte den Vertrieb in vielen Unternehmen kurzfristig zum Erliegen. Ohne den zeitnahen, gezielten Einsatz von digitalen Tools müssten eine Vielzahl von KMU in Europa um ihre Existenz fürchten. Zugespitzt bedeutet das: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise. 

Besonders im Vertrieb mussten und müssen neue Wege gegangen werden, um den Einkauf ohne persönlichen Besuch zu erreichen. Ob Sales-Pitches via Videocall oder der Einsatz eines virtuellen Messestands – die Möglichkeiten sind vielfältig und die Nachfrage nach Weiterbildung groß. Mehr als 350 Interessierte informierten sich beispielsweise in unserem Webinar zu dem Umgang mit neuen digitalen Vertriebslösungen. Das war ein toller Erfolg und eine erneute Bestätigung für Visable als digitaler Partner für KMU in Europa.

2. Messe als primäres Verkaufs- und Marketing-Tool nicht mehr zeitgemäß 


Jede vierte Messe wird es nach der Krise so nicht mehr geben. Schon vor dem Einsetzen der Coronakrise gab es die Diskussion um die Zweckmäßigkeit von vielen Messen weltweit. In Zeiten der Digitalisierung ist es weder zeitgemäß noch ökologisch und ökonomisch sinnvoll, komplexe Güter wie Maschinen um die halbe Welt zu transportieren, um sie für eine oder zwei Wochen auf einer Leitmesse auszustellen. Auch der enorme Reiseaufwand von Ausstellern und Besuchern sowie der Einsatz von finanziellen sowie ökologischen Ressourcen steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Erhalt der Messebranche als Selbstzweck sollte für die Zeit nach Corona hinterfragt werden.

3. Besonderes Bedürfnis nach persönlichem Austausch und Wissensvermittlung 

Für viele sind die jährlichen Messebesuche auch immer Anlass zum Austausch innerhalb der eigenen Branche. Key Notes, Experten-Panels und Masterclasses dienen außerdem zum Wissenstransfer und zur Inspiration. Das Bedürfnis nach persönlichen Treffen, zwischenmenschlichem Austausch und Networking wird auch nach Corona nicht verschwunden sein – im Gegenteil. Konferenzen und Summits kommen ganz ohne den gewohnten Druck aus, möglichst viele Leads oder Abschlüsse generieren zu müssen, sie bieten einen echten Mehrwert und werden deutlich stärker nachgefragt werden.

4. Ausgaben für Online-Marketing steigen massiv 

Das durch die Absage von Messen freigewordene Marketingbudget wird von vielen Unternehmen nun für Tools wie SEA, Content Marketing und Social Media eingesetzt werden. Einer Umfrage von "iBusiness" zufolge will mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) vermehrt auf virtuelle Lösungen setzen. Die Vorteile von Online-Marketing überzeugen auch in Krisenzeiten. Reichweite und Inhalte können gezielt gesteuert werden. Die Leadgenerierung via Plattformen ist einfach und flexibel möglich.

5. Die Bedeutung von Digital Sourcing in Europa wächst

Viele Unternehmen wurden Covid19-bedingt dazu gezwungen, ihre Beschaffungs-Strategie vollständig zu überdenken oder waren kurzfristig auf alternative Lieferquellen angewiesen, weil ihnen die etablierten Lieferketten weggebrochen sind. Auch rücken lokale, nationale und Anbieter aus den umliegenden Märkten mit kürzeren Lieferwegen wieder stärker in den Fokus. Der harte Shutdown am chinesischen Markt brach bewährte Lieferketten, die in den letzten 20 Jahren mit der Zuwendung nach Asien etabliert wurden. 

Sie überzeugten einst durch Flexibilität, Vielfältigkeit und günstige Konditionen. Jedoch wurde die Möglichkeit einer erneuten weltweiten Wirtschaftskrise von den meisten schlicht ignoriert. Durch Digital Sourcing sichert der Einkauf seine Lieferketten und kann schnell und flexibel auf Veränderungen durch Krisensituationen reagieren. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Beschaffung auf nur eine, enge Lieferantenbeziehung setzte. In eine solche Abhängigkeit wird sich besonders nach dieser Krise niemand mehr begeben wollen.

6. Noch nie waren Online-Plattformen für Europas B2B-Markt wichtiger

Ein schneller Überblick über alle verfügbaren Anbieter, Akquisitionen von neuen Kunden lokal bis weltweit, die Messbarkeit des Budgeteinsatzes und die Verfügbarkeit an 365 Tagen im Jahr sind nur einige Vorteile, die Plattformen wie "Europages" und "WLW" bieten. "Visable" konnte in den ersten Wochen nach dem deutschlandweiten Lockdown einen signifikanten Anstieg der Zugriffszahlen verzeichnen.

Der Traffic wuchs seit Beginn der Coronakrise im Mittel um mehr als 25 Prozent auf "WLW" und um 22 Prozent auf "Europages" im Vergleich zum Vorjahr. In Spitzen lag der Zuwachs auf beiden Plattformen sogar über 50 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche. Das Potenzial für den digitalen B2B-Markt ist nach wie vor enorm. Bereits vor Corona wuchs der Markt seit 2013 um durchschnittlich 13 Prozent jährlich. Prognosen zeigen, dass sich an diesem Wachstumstrend nichts ändern wird.

7. Der Einkauf nimmt die Schlüsselrolle des Unternehmens ein

Was vor der Coronakrise eher als ein Schattengewächs der Unternehmen galt, hat sich nun zu einer der wichtigsten Säulen eines Unternehmens entwickelt. Der Einkauf rückt durch den Ausfall der etablierten Lieferketten und Liefermärkte wie bspw. China in den Mittelpunkt und sichert durch schnelles Reagieren und die Nutzung von digitalen Tools das Überleben der Company. Es geht schon lange nicht mehr nur um den Einkauf von Waren. Mittlerweile ist es das Digitalisierungs-Know-how und das strategische Verhandlungsgeschick, was zum langfristigen Erfolg führt. 

Über den Autor:

Peter F. Schmid ist CEO des europäischen Plattformanbieters "Visable" mit den B2B-Marktplätzen "Europages" und "Wer liefert was". Visable unterhält Büros an den Standorten Hamburg, Berlin sowie Paris und beschäftigt heute in den Bereichen Marktplätze und Online-Marketing über 380 Mitarbeiter. Zusammen erreichen die Marktplätze der Hamburger Firmengruppe monatlich über 3,7 Millionen B2B- Einkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen. Insgesamt sind über 3,6 Millionen Firmen auf beiden Plattformen registriert. Weitere Informationen unter www.visable.com.

Ein Gastbeitrag von Peter F. Schmid. Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.
 
 Hanse Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Peter Schmid: Ein Leuchtturm für die Digitalwirtschaft in Hamburg.