Sonntag, 14. Mai 2017

HANSEPERSONALITY Henrik Falk: "Der Bedarf am privaten Fahrzeug wird nahezu ganz aufgelöst."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Die Hansestadt Hamburg und der Fahrzeugbauer Daimler schließen am kommenden Freitag eine umfassende Partnerschaft in den Bereichen Elektromobilität, Carsharing, Brennstoffzellen-Infrastruktur, digitale Mobilitätsplattformen, Elektro-Busse und Elektro-Transporter. Auf Daimler-Seite sind die Mobilitätsplattform Moovel und die Financial Services beteiligt, neben dem Senat ist auf Hamburger Seite die HOCHBAHN federführend dabei.

1,2 Mio. Fahrgäste nutzen täglich allein die Buss
e und Bahnen der Hamburger HOCHBAHN. 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen vor und hinter den Kulissen für einen reibungslosen Betrieb. Die HOCHBAHN ist ein wichtiges Rückgrat im Hamburger Verkehrsverbund. Jeder 2. Fahrgast nutzt die roten Busse und Bahnen. Mit neuen U-Bahnlinien, CO2-freien Bussen und digitalen Innovation ist die HOCHBAHN ein Taktgeber für Mobilität in unserer Stadt. Unser HANSEPERSONALITY ist HOCHBAHN-Vorstand Henrik Falk:


Führt den Hamburger Nachverkehr in die Zukunft:
Der neue Hochbahn-Chef Henrik Falk
Foto: Hochbahn
1978 nahmen 300.000 Hamburger auf dem Rathausmarkt Abschied von der letzten Straßenbahnlinie an der Elbe. In Zukunft sollen weniger erschlossene Gebiete, wie Billbrook oder der Hafen mit individuellen Busshuttlen angeschlossen werden. Dazu können sich Fahrgäste - z. B. von Firmen - per App einen Zubringerbus bestellen, gemanagt über eine digitale Dispositionsplattform. Wie sie das praktisch vor und hinter den Kulissen aus?


Aktuell beschäftigt sich der HVV innerhalb eines Projekts mit genau diesem Thema. Als Mobilitätsexperte sind wir hier natürlich als Partner mit im Boot. Zur konkreten Planung ist der HVV Ansprechpartner.

Ganz grundsätzlich verstehen wir uns als Organisator einer nachhaltigen Mobilität der Smart City Hamburg. Darum setzen wir uns laufend mit Trends und Entwicklungen urbaner Mobilität auseinander - von Digitalisierung bis Shareconomy. Heißt, wir treiben das Thema digitaler Mobilitätsplattformen selbst auch an verschiedenen Fronten: Sei es bei der Weiterentwicklung und Ausweitung unseres Projektes Switchh oder bei Partnergesprächen zum Thema potenziell neuer Ridesharing-Modelle.

Und nicht zu vergessen ist natürlich das Thema, welches gerade die halbe Welt bewegt: autonomes Fahren. Modelle und Technologien hierzu werden wir uns in den kommenden Jahren näher ansehen und voraussichtlich ab 2021 auch erste Pilotprojekte für mehrjährige Testreihen anstoßen. Derzeit laufen die ersten Gespräche dazu mit den Partnern. 


Die erste U-Bahn wurde in Hamburg 1912 eröffnet - es ist eine Ringlinie und die bekannte U3. Heute können Hamburger Fahrgäste in den U-Bahnhöfen Borgweg und Mönckebergstraße sowie in den Metrobus-Linien 3 (VHH) und 5 (HHA) kostenlos im WLAN surfen. Können wir in Hamburg künftig in allen Bussen und U-Bahnen kostenlos surfen und wenn ja, wie sehen die Ausbaupläne konkret aus?

Der Ausbau des WLAN-Netzes ist ein wichtiges Element unserer Strategie zum digitalen Kundenerlebnis. Aus der Auswertung unseres Pilotprojekts im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass wir damit den Nerv unserer Fahrgäste getroffen haben. Deshalb haben wir die WLAN-Ausrüstung beschlossen: Alle 91 U-Bahn-Haltestellen und unsere gesamten Busflotte mit rund 1 000 Fahrzeugen werden einen Internetzugang erhalten.

Damit knüpfen wir außerdem auch direkt an das Vorhaben der Freien und Hansestadt Hamburg an, im gesamten Stadtgebiet rund 900 WLAN-Accesspoints bereitzustellen. Die Ausstattung unserer Infrastruktur mit dem Internetzugang via "MobyKlick" erfolgt sukzessive. Bis Ende dieses Jahres wird unsere gesamte Hochbahn-Busflotte über einen WLAN-Zugang via Router verfügen. Bis Ende 2018 sollen dann alle U-Bahn-Haltestellen an das Glasfasernetz angeschlossen sein. 


Alles begann 1839 mit vier Pferdefuhrwerken und bis zu 13 Fahrgästen zwischen dem Hamburger Steintor und der Altonaer Palmaille. Künftig können Fahrgäste mit ihrem Handy mittels "Check-in/Be-out" in Bussen, Bahnen und Fähren unterwegs sein und müssen nicht mal mehr ein Ticket lösen. Wie funktioniert das und wann können wir das erstmals live - z. B. auf der Metrolinie 5 - ausprobieren?

Nun, die Grundidee von Check-in/Be-Out ergibt sich aus zwei wesentlichen Kundenwünschen: Erstens ist das Tarifsystem in Hamburg – und ganz ehrlicher Weise wohl in keiner Großstadt – selbsterklärend und als Fahrgast will ich mir nicht lange überlegen müssen, welches Ticket das richtige ist. Zweitens will ich ebensowenig hin- und her rechnen, ob ich gerade wirklich das günstigste Ticket gezogen habe. Für genau diese Ansprüche gibt es in verschiedenen Städten bereits unterschiedliche Lösungsansätze.

Unsere Vorstellung ist, dass Kunden mit ihren Smartphones und sogenannten iBeacons, also Standortmarkern, erkannt werden, sobald Sie eine Haltestelle beziehungsweise ein Fahrzeug betreten. Mit dem Bestätigen der ersten Fahrt trackt die App via Smartphone dann jede weitere automatisch und rechnet am Ende des Tages den günstigsten Gesamtpreis ab. Aktuell befinden wir uns in der Ausschreibungsphase für die Entwicklung einer solchen Lösung. Wir sind zuversichtlich, im kommenden Jahr einen ersten Piloten laufen zu haben. 


Seit 2013 gibt es mit der "Switchh-Card" ein deutschlandweit einmaliges Kombiangebot für Hamburger Fahrgäste, auch Mietwagen von Cambio, Car2Go und DriveNow sowie Fahrräder von StadtRad nutzen zu können. Im Sommer bekommt Hamburg einen neuen Anbieter für E-Scooter-Sharing. Wie erfolgreich ist das Mobilitätskonzept und wie wird das "Switchh"-Angebot weiter ausgebaut?


Switchh-Carsharing-Station am Berliner Tor
Foto: Hochbahn
Wenn wir in die Zukunft schauen, wird irgendwann jede Verkehrsmittelnutzung öffentlich sein, weil der Bedarf am privaten Fahrzeug sich durch die Angebote „geteilter Mobilität“ nahezu ganz auflöst. Wir sharen unsere Mobilitätsangebote – das ist nichts anderes als öffentlicher Nahverkehr. Diesem Gedanken folgend, haben wir das Projekt Switchh gestartet - einen innovativen Ansatz zur Verknüpfung des öffentlichen Nachverkehrs mit anderen Angebotsformen, wie Bike- oder Carsharing.

Mit dieser Idee hat die Hochbahn in Hamburg Neuland betreten. Daher – und gerade auch mit Blick auf ähnliche Projekte in anderen Städten wie Wien, Hannover oder Leipzig – war uns total klar, dass dieser Ansatz bei Nutzern erst einmal verstanden und auch gelernt werden muss. Und auch wir lernen dazu: Nach der Pilotphase haben wir das Angebot – das zunächst auf HVV-Abonnenten beschränkt war – im letzten Jahr auf alle HVV-Nutzer ausgedehnt. Mit dieser Ausweitung haben wir einen Anstieg der Kundenzahlen um 10 Prozent erreicht. Wir sehen also: 

Mit unserem Angebot erhöhen wir das Verständnis und Bewusstsein für die Nutzung geteilter Mobilitätsangebote. Das ist ein guter erster Schritt!

Seit 2014 gibt es in Blankenese mit der "elektrischen Bergziege" den deutschlandweit ersten Regelbetrieb mit Elektrobussen. Ab 2020 wird es in Hamburg nur noch abgasfreie Elektrobusse geben. Das Stromnetz in Hamburg ist dafür gerüstet, so eine aktuelle Studie. Was dürfen wir in Sachen Innovationen in Zukunft noch von der Hochbahn erwarten?

Mit dem Ziel, ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse zu beschaffen, stehen wir vor einer großen Aufgabe. Man muss sich klar machen, dass diese Entwicklung einer echten technologischen Revolution gleichkommt. Nicht nur, dass entsprechende Fahrzeuge bereitgestellt werden müssen. Auch die Infrastruktur und die IT-Systeme benötigen einen kompletten Wandel. Und das ist die eigentliche Mammut-Aufgabe. Neben der Herstellerfrage bezüglich der Entwicklung und Lieferung serienreifer Fahrzeuge beschäftigen wir uns daher eindringlich genau mit diesen Themen.


Hochbahn-Innovationslinie 109 im Elektobetrieb
Foto: Hochbahn
Derzeit zeichnet sich ab, dass Batteriebusse als Basistechnologie den Mobilitätsanforderungen der Zukunft am ehesten gerecht werden – gegebenenfalls mit ergänzenden Wasserstoffelementen. Darum planen wir heute schon unseren künftig größten Busbetriebshof Gleisdreieck so, dass er den entsprechenden Anforderungen gerecht wird und eine Lade-Infrastruktur für bis zu 250 E-Busse aufweist. Gleichzeitig prüfen wir anhand dieses Referenzprojektes, wie wir die IT-Systeme für die neuen Technologien gestalten. Damit schaffen die dann die Basis, künftig einen Betriebshof nach dem anderen umzurüsten. Zur Einordnung: Wir haben immerhin fünf dieser Höfe für insgesamt rund 1.000 Busse.

Zu guten Letzt unsere Hamburg-Frage: Ältester Verkehrsverbund der Welt, erste Millionenmetropole ausschließlich mit Elektrobussen - das klingt nach Weitsicht und kontinuierlichem Fortschritt. Welche Herausforderungen hat Hamburg mit seiner Hochbahn in Bezug auf die "wachsende Stadt" und eine immer attraktivere Touristenmetropole?


Neubau der U-Bahnlinie 4 zu den Elbbrücken
Foto: Hochbahn
Ganz klar: Wo Hamburg wächst, müssen wir es auch tun und unser Netz erweitern. Oder besser noch: Wir müssen heute schon berechnen, wo sich morgen Bedarfe für größere Kapazitäten ergeben werden und entsprechend planen. Bestes Beispiel hierfür ist der Ausbau der U4 durch die HafenCity bis zu den Elbbrücken. Hier gelingt es uns gerade, die Infrastruktur parallel zum wachsenden Bedarf eines sich im Ausbau befindlichen Stadtteils zu gestalten.

Aber auch dort, wo unsere Buslinien an ihre Grenzen stoßen, müssen wir Lösungen finden. Nehmen wir als Beispiel die Situation auf den Metrobus-Linien im Innenstadtbereich: Trotz der engst möglichen Bustaktung von zwei Minuten können wir das Fahrgastaufkommen hier langfristig – insbesondere zu Stoßzeiten – wahrscheinlich nicht abbilden. Deshalb treiben wir zur Entlastung der Metrobus-Linien 5 und 6 den Bau der U5 von Steilshoop über die Innenstadt bis zum Siemersplatz voran – ein Vorhaben, das Potential hat, das größte Infrastrukturprojekt der nächsten Jahrzehnte zu werden. Und die U5 wird auch technisch herausragend: sie wird vollautomatisch fahren. Denn nur so können wir auf einer U-Bahnlinie den Minutentakt und somit die maximale Auslastung abbilden. 


Zusammenfassend heißt das: Wir gestalten die Mobilität der Zukunft schon heute mit und unterstützen so die Hansestadt auf dem Weg zur Smart City. Unser Ziel ist nichts weniger als nachhaltige Mobilität langfristig im Hamburger Lifestyle zu verankern. Es soll künftig zum guten Ton gehören, auf das eigene Auto zu verzichten und Mobilität stattdessen ganz einfach zu teilen.



Vielen Dank für diese Rundreise!

Das Interview führte Thomas Keup.


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 Hamburg Digital Background: 

Hochbahn-Vorstand Henrik Falk:
hwww.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/Home/Unternehmen/Unser_Job_fuer_Hamburg/Der_Konzern/Der+Vorstand/Henrik+Falk

Hamburger Hochbahn im Überblick:

Neubau der U-Bahnlinie 4:
u4.hochbahn.de/

Fortschritt der U-Bahnlinie 4:
www.hamburg.de/u4-hamburg/

Planungen der U-Bahnlinie 5:
www.hamburg.de/u5/

Mobilitätsprojekt Switchh:
www.switchh.de

NDR-Heimatkunde: Die Hamburger U-Bahn:
www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Heimatkunde-U-Bahn,hamj53614.html

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Der Hamburger Verkehrsverbund im Überblick:
http://www.hvv.de/ueber-uns/der-hvv/uebersicht/



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