Mittwoch, 28. Februar 2018

HANSEMOBILITY: Elektrisch zur Mobilititätsmetropole Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

2.400 Elektroautos und Hybrid-PKW sind auf Hamburgs Straßen täglich unterwegs, in der Metropoleregion insgesamt rd. 3.800. 650 Ladepunkte hat der Senat im Stadtgebiet bis heute aufbauen lassen, ist rd. 1 Jahr hinter dem Plan. Der ADAC Hansa stellt fest: Die Ladeinfrastruktur ist eine der größten Hemmungen beim Kauf eines Elektroautos. Die schwache Infrastruktur sorgt dafür, dass nur wenige ein E-Auto kaufen. 



Ladeinfrastruktur an Alster und Elbe. Stand: Februar 2018.
Grafik: OpenStreetMap/stromnetz.hamburg.de

HANSEVALLEY ist dem 2014 beschlossenen Masterplan des Senats auf den Grund gegangen. Verantwortlich für den Aufbau der öffentlichen Ladesinfrastrukur ist Stromnetz Hamburg, ein Unternehmen der Stadt. Die Spezialisten für Elektrizität planen und errichten die Ladesäulen. Wie weit sind Hamburgs E-Mobility-Spezialisten auf dem Weg zum emissionsfreien Autoverkehr rund um Binnen- und Außenalster? Ein Hamburg Digital Report.


50 E-Golfs für die Mobilitätsmetropole Hamburg.
Foto: auto-medienportal.net/Volkswagen
Donnerstag vergangener Woche am Fischmarkt. Der in die Schlagzeilen geratene Autobauer Volkswagen übergibt an Firmen und Pendler in Hamburg 50 E-Golfs. Mit Unterstützung des Berliner Wirtschaftsministeriums werden die VWs in den kommenden 3 Jahren zusammen 1,5 Mio. km über Hamburgs Straßen rollen. Die Nutzer zahlen im Rahmen von "E-Drive 2018" pro Monat 218,- € reduzierte Leasing-Rate. Die Nutzer der sauberen Golfs sind u. a. die städtischen Beteiligungen Hamburg Airport, die Hafenbhörde HPA und Bezirksämter, außerdem der NDR, Hermes und Unilever.

"Der Zug ist abgefahren und geht klar in Richtung Elektromobilität", bringt Diplom-Verfahrenstechniker Stefan Zisler den Trend auf den Punkt. Zusammen mit seinen Kollegen im Innovationsmanagement kümmert sich der Kenner bei Stromnetz Hamburg seit 2015 aktiv um den Aufbau der Ladeinfrastruktur. Mit 29.000 km öffentlichen Stromtrassen, 55 Umspannwerken und 1,1 Mio. Stromzählern in Betrieben und Haushalten weiß die Stromnetz GmbH und frühere Vattenfall-Tochter, wie man Infrastrukturen aufbaut und betreibt. Dabei ist Elektromobilität in Hamburg bereits seit 1990 ein Thema. 

"Kein Bedarf mehr, ein eigenes Auto zu haben."

Erst jetzt schafft es die neueste Generation Batterien, mit einer Stromladung auch 300 km und mehr unterwegs zu sein - ein wichtiger Standard für die Anschaffung eines E-Autos im Privat- wie Flotteneinsatz. 35 bis 45 km fährt der durchschnittliche Autofahrer pro Tag. Für den langjährigen Experten ist die Kurzstrecke ein klares Argument für die Batterie, während Vertreter und Lieferanten künftig auf der Langstrecke mit Wasserstoffantrieb unterwegs sein werden. Stefan Zisler fährt selbst einen 24 Jahre alten Volvo 850, bringt im Interview aber auf den Punkt: "Ich sehe eigentlich keinen Bedarf mehr, im Ballungsraum ein eigenes Auto zu haben."


Inbetriebnahme 600. Ladestation durch Olaf Scholz im Oktober 2017.
Foto: Senatskanzlei Hamburg/Frederik Sperber
Für das neue Elektro-Ladesäulennetz an Hamburgs Straßen hat die Wirtschaftsbehörde mit dem Stadtplanungsbüro "Argus" n einem ausgeklügelten System die künftigen Standorte geplant und die Kosten kalkuliert. Für eine Wechselstrom-Ladesäule werden laut Liste rd. 8.000,- € fällig, für eine Gleichstrom-Schnelladesäule das Dreifache. Dazu kommen Anschlusskosten für Leitung und Zähler von 1.000,- bis 3.000,- €. Das gilt für jeweils eine Säule mit zwei Ladepunkten, sprich Steckern. Der E-Mobilitätsexperte Zisler ist stolz auf den Senat: "Keine andere Stadt treibt das so vehement wie Hamburg."

Ökostrom an Elbstrand, Strandperle & Ladestation.

Die Ladesäulen in der Mobilitätsmetropole werden über ein eigenes IT-Backend von Stromnetz Hamburg gemanagt. So können heute 7 Dienstleister mit 160.000 nationalen und internationalen Ladekarten auch an den Hamburger Ladesäulen abrechnen, rd. 40 Interessenten sind mit den Profis von Stromnetz Hamburg im Gespräch. Nutzer der Hamburger Ladesäulen können sowohl mit RFID-Chipkarten der zugelassenen Anbieter, aber auch direkt per E-Charging-App auf Android- und iPhones sowie per SMS ihre Stromrechnung an Ort und Stelle bezahlen.

Mit Umstellung der Car Sharing-Flotten von Car2Go und DriveNow sowie der Markteinführung von Moia werden auch sie die Hamburger Infrastruktur nutzen. "Jeder hat bei uns freien Zugang", betont Elektromobilitäts-Entwicker Zisler. Und die Kosten sind ebenfalls transparent: Je Vorgang werden einmalig 1,73 € fällig, dazu kommen pro Kilowattstunde 27 ct. im "Direct Pay"-Verfahren. Obendrauf fallen 19% Abrechnungsgebühr an. Ob via App, SMS oder eine der zertifizierten Ladekarten bezahlt: an Hamburgs E-Säulen kommt nur sauberer Ökostrom aus der Dose, nämlich aus 100% Wasserkraft - wie bei den "Energie Hamburg"-Tarifen "Elbstrand" und "Strandperle".

Genügend Ladesäuen? Niemals? & Schon immer!


1.000 Ladepunkte soll es bis 2019 in Hamburg geben.
Foto: HANSEVALLEY
Mittlerweile werden pro Monat rd. 10.500 Ladevorgänge an den 650 Hamburger Säulen gezählt, eine Verdoppelung zu den Vorjahren - Tendenz kräftig steigend. Bis 2019 sollen in ganz Hamburg insgesamt mindestens 1.000 Ladepunkte für Elektroautos zur Verfügung stehen, kommen jede Woche rd. 6 neue Ladesäulen im Straßengebiet dazu. Hinzu kommen laut Senat weitere 150 Ladepunkte an Switchh-Stationen für die dort parkenden Elektro-Smarts und -Minis der Car-Sharing-Anbieter. Bleibt die Gretchenfrage nach ausreichend Ladesäulen in und für Hamburg, wie vom ADAC aufgeworfen. 

Gesprächspartner Stefan Zisler hat darauf eine zwiespältige Antwort, zwischen "niemals" und "schon immer" - je nachdem, aus welcher Perspektive man das Thema beleuchtet. Einerseits steht Hamburg sowohl bei den täglich auf unseren Straßen emissionsfrei rollenden E-Autos bundesweit ganz vorn, ebenso wie bei den monatlich immer mehr werdenden Ladesäulen. Andererseits steht Deutschland bei der Elektromobilität generell noch ganz am Anfang. 


Ladesäulen und Fahrzeugflotte bei Stromnetz Hamburg
Foto: HANSEVALLEY
Bis 2030 sollen auf Hamburgs Straßen laut Metatudie mehr als 100.000 Elektroautos rollen. Das bedeutet auch: rd. 50 GWh Stromverbrauch pro Jahr zusätzlich. Stefan Zisler gibt zu bedenken: "Nur Benziner gegen Elektrofahrzeuge zu ersetzen, ist eine Sackgasse." Ein Thema, das bei HANSEVALLEY ganz oben auf der Tagesordnung bleibt.

 Hamburg Digital Background: 

Übersicht Elektromobilität Projekte + Nachrichten:
https://elektromobilitaethamburg.de/

Übersicht Elektromobiliät bei Stromnetz Hamburg:
www.stromnetz.hamburg/ueber-uns/innovationen/e-mobility/

Übersicht Abrechnungsmöglichkeiten in Hamburg:
www.stromnetz.hamburg/ueber-uns/innovationen/e-mobility/zugang-zur-ladeinfrastruktur/

Vergleich Ladekarten Hamburg und bundesweit:
www.energieheld.de/photovoltaik/elektromobilitaet/ladekarten-stromtankstellen#kosten-vergleich

Masterplan Ladeinfrastruktur Freie und Hansestadt Hamburg (PDF):
www.hamburg.de/contentblob/4479262/dcabd1a0157d6ac7c2ab1bfb06b22dc7/data/masterplan-ladeinfrastruktur.pdf

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