Freitag, 6. September 2019

HANSELOGISTICS: Wie man Schiffe, Daten und Container an die Block/-Kette legt.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Einladung zum "LogisticsTech Talk" mit "blockshipping.io" und "HVCC".
Screenshot: HANSEVALLEY

Die global-vernetzte Datenbank-Technologie Blockchain ist in aller Munde. Mit der "BLOCKCHANCE"-Konferenz, der Branchenvereinigung "Hanseatic Blockchain Institute" und einer wachsenden Business-Community hat sich Hamburg unter den Blockchain-Zentren Deutschlands mit an die Spitze gesetzt. Die Blockchain ist als "Trust Engine" ist eine der spannensten Technologien für die Logisitik - z. B. für das Containermanagement. Ein Event-Bericht vom LogsticsTech Talk Hafen-Spezial - Hamburg-Korrespondent Gerd Kotoll:

Dass Schiffe angekettet werden, ist nichts Neues, erst recht nicht in einer Hafenstadt wie Hamburg. Dass und wie man Container an die Kette legt, wusste Daniel Gerhardt, Nautiker und Blockchain-Architect bei Blockshipping zu berichten.

Tatsächlich stellt die Blockchain auch hier ihr ungeheures Potential sehr anschaulich unter Beweis, verdeutlicht am Beispiel der Global Shared Container Plattform (GSCP). Diese ist - vereinfacht dargestellt - ein Eigentumsnachweis zum jeweiligen Container. Wie notwendig ein vertrauenswürdiges Container-Register ist, zeigt der Skandal um die ruinöse Anlagebetrügerei der P+R-Gruppe, deren Schneeball-Modell einer Finanzierung letztlich nicht vorhandener Container einen Schaden von rd. 3,5 Mrd. € hinterlassen hat.

Die Blockshipping Global Shared Container Plattform

Tatsächlich kann durch die Blockchain-Technologie hier eine Lücke geschlossen werden. Dabei werden die Container-spezifischen Daten in einen individuellen Hash-Wert umgerechnet und in einen Token kopiert. Diesen digitalen Zwilling verwaltet der Container-Eigentümer dann über seine entsprechende Wallet. Damit wird nicht nur der Kauf und Verkauf dieser Container erleichtert (Stichwort Smart Contracts), auch die Finanzierung kann damit leichter und billiger werden. 

Screenshot blockshipping.io
Foto: HANSEVALLEY

Selbst Container-Sharing wird vor diesem Hintergrund leicht möglich, da man die Position und die Auslastung der Container jederzeit transparent verfolgen kann. Vor dem Hintergrund, dass rund 40% der transportierten Blechkisten leer aufs Schiff oder LKW gehen und an rd. 200 von 365 Tagen auch leer bleiben, zeigt das enorme Potential. 

Allerdings würde mit einer Public Blockchain-Technologie - wie etwa Ethereum - auch deutlich, wie es in den Büchern der Reeder und Spediteure aussehen dürfte. Das ist den (meist) Herren in den Führungsetagen dann doch zu viel des Guten, weswegen der funktionierende Prototyp noch auf seinen Einsatz wartet.

Deswegen versucht das dänische Unternehmen Blockshipping derzeit, Terminalbetreiber von der selbst entwickelten KI zu überzeugen, die vorherzusagen versucht, wie lange ein Container an der Kaikante stehen bleiben wird. Damit kann einerseits die Stauung am Terminal optimiert werden, gleichzeitig kann der Reeder besser kalkulieren, wann er den Container wieder einsetzen kann.

Das Hamburg Vessel Coordination Center HVCC

Einen großen Schritt weiter ist Gerald Hirt vom HVCC, dem Hamburg Vessel Coordinaton Center. Denn das HVCC legt Daten an die Kette, wenn auch noch nicht an die Blockchain. Immerhin gelingt es aber, die Schiffsbewegungen im Hafen und auf dem Weg dahin viel besser zu koordinieren und zu optimieren. Vorteil: die Schiffe verkürzen die Liegezeit im Hafen, sparen Treibstoff (und damit auch CO2-Emissionen) und damit bares Geld für die Reeder. 

Übersicht Vernetzung des HVCC
Grafik: HVCC

Auch die Dienstleister im Hafen profitieren davon, weswegen das HVCC die Software entlang der Nutzeranforderungen immer weiter optimiert. Das Schiffsmanagement erfolgt dabei in enger Abstimmung mit der HPA, der Hamburg Port Authority, die für die Sicherheit des Schiffsverkehrs im Hafen verantwortlich ist. So sollen im nächsten Schritt auch andere Häfen in den Datenaustausch eingebunden werden. Weiteres Optimierungspotential im Betrieb erwartet Hirt auch von der Fahrrinnenanpassung der Elbe. 

Die LogisticsTech Talks im HK 100 in Hamburg

Bei Pizza und kühlen Getränken wurde am 28. August d. J. im Anschluss an die Vorträge in den Räumen von "Forward Cargo" im Karo-Viertel weiter gefachsimpelt und genetzwerkt. Der nächste Logistik Tech Talk wird am 25. September stattfinden. Die LogisticsTech Talks sind eine Initiative von Philip John Mordechai, Gründer von Movemates und Forward mit Unterstützung vom HK100, dem Coworking-Space der Kravag. Unter dem Publikum waren auch interessierte Spezialisten der Hafenverwaltung HPA.

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