Dienstag, 14. April 2020

HANSEFUTURE: Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona.

HANSE DIGITAL VISION
* Update: 17.04.2020 *

+++ Digitaler Wandel der Wirtschaft +++ Digitale Arbeitswelt im Home Office +++ Digitaler Lebensunterhalt nach Corona +++ Digitaler Konsum und Marken +++ Digitale Wirtschaft lokal und global +++ Digitale Wertschöpfung im Business +++ Digitale Perspektiven nach dem Shutdown +++

Ein Blick in die Hamburg-Glaskugel der Zukunft nach Corona.
Foto: Moritz Kindler, Unsplash

"Die Welt wird eine andere sein" bringt Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in seiner außergewöhnlichen Osteransprache zu Beginn des vergangenen Wochenendes auf den Punkt. Was unser Staatsoberhaupt 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands als Wendepunkt in der Frage von Zusammenhalt vs. Egoismus zuspitzt, greifen wir unter gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf. Eine Hamburg Digital Vision von Thomas Keup:

Wir haben in den vergangenen Tagen interessante Interviews und visionäre Beiträge anerkannter Forscher, Volkswirte und Wirtschaftslenker analysiert und ausgewertet. Dabei verzichten wir bewusst auf das Pfeifen im Walde übereifriger Lokalpolitiker aus Hamburg, NRW und dem Bund sowie prämiengetriebener Firmenvorstände, in der Hochzeit der Pandemie und des Sterbens über eine "Exit-Strategie" und zügige Lockerungen zu diskutieren. Wenn Südeuropa Ausgangsperren und Kontaktverbote verschärft, ist es nicht an der Zeit, leichtsinnig und profitfixiert ins Unheil zu laufen. Unsere Meinung.


"Wir sind völlig geeicht auf eine planbare Zukunft. Das ganze Leben ist auf Erwartung hin getaktet. Und jetzt haben wir das gerade nicht. Keine Sau weiß, wie es weitergeht. Und das macht den Druck aus."
Harald Walzer, Soziologe und Sozialpsychologie


In unserem Leitbeitrag "Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt" haben wir auf Grundlage einer internationalen Studie zu den 5 Stufen der Pandemie - von der Verleugnung über die Panik zur Isolation und von der Erneuerung zur Rückkehr ins normale Leben - gesagt: 'Unterm Strich würde das heißen, dass wir eventuell zu den Sommerferien die Normalisierung erreicht haben können.' Heute bekräftigen wir unsere Position: Wir gehen nach Abgleich der Aussagen namhafter Wissenschaftler von einer Lockerung in Richtung Pfingsten aus und erwarten eine gewisse Normalisierung mit Beginn der Sommerferien Mitte Juni d. J. - und schließen uns der Bewertung von Prof. Ulrich Reinhardt an, dem Leiter der Hamburger "Stiftung für Zukunftsfragen" (vorm. "BAT"-Institut). 


Digitaler Wandel durch Corona:

"Ich denke, daß es zu einer Rückkehr des Lokalen kommen wird, daß wir Digitalisierung als Ersatz für globale Aktivitäten nutzen."
Thomas Straubhaar, Ökonom und Migrationsforscher

Unter dem Titel "Zeit der Erneuerung" kommen in der "Welt Hamburg" der Direktor des "HWWI", Prof. Dr. Henning Vöpel, und der Vorstandsvorsitzende der "Haspa", Dr. Harald Vogelsang, zu Wort. Jurist Vogelsang spitzt zu: "Wir haben gemerkt, wie verwundbar wir als Wirtschaft und Gesellschaft sind." Der analytische Banker zieht den Schluss: "Wir werden die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten in vielen Bereichen überprüfen und reduzieren müssen." Bereits im Oktober 2018 fragten wir die "Hafen-Königin", "HHLA"-Chefin und Ex-Postlerin Angela Titzrath: 'Braucht es nicht eine "Hamburger Hafen Logistik und Produktions AG?'. Ein nicht unbeachtlicher Teil der Wertschöpfung wird künftig lokal per 3D-Druck und anderen Technologien möglich sein. Die Notwendigkeit zu größerer Unabhängigkeit wird uns dahin bringen.

Bremen: Bei lokalen Handelsplattformen vorneweg.
Foto: Jürgen Howaldt, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Volkswirt Henning Vöpel fokussiert gegenüber der "Welt": "Die Infrastruktur des Alltags ändert sich. Die Wertschätzung für regionale und lokale Anbieter, die in dieser Krise plötzlich systemrelevant werden, wächst." Der Hamburger macht klar: "Viele Verbraucher, aber auch Anbieter merken gerade, welche Chancen im digitalen Vertrieb liegen". Eine Umfrage des Handelsverbandes "HDE" bestätigt: 2/3 aller betroffenen Händler bauen Ihr Geschäft in Richtung Internet um. Die Bremer Handelskammer hat mit "Jetzt kaufen in Bremen" sowie "Jetzt kaufen in Bremerhaven" innerhalb kürzester Zeit lokale Plattformen gestartet. Zwischenergebnis: Mehr als 700 Händler, Gastronomen und Dienstleister sind mit ihren Produkten und Services präsent, 30.000 Interessenten in weniger als 2 Wochen auf die Seiten gekommen. Ein Wunsch, den wir auch an die Handelskammer in Hamburg richten.

 "Die Schere scheint sich nicht zwischen arm und reich zu öffnen, sondern zwischen angestellt und selbstständig."
Andreas Hackethal, Ökonom


Besonders für Selbständige ist der Shutdown seit Mitte März d. J. eine große Herausforderung: 41% der Befragten Einzelunternehmer bestätigen in einer aktuellen Umfrage die Unterbrechung ihres Geschäfts. Hingegen sind nur 17% der angestellten Hauptverdiener in 7.000 befragten Haushalten von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen. Allerdings sind generell 54% aller Haushalte finanziell geschwäcjt, so eine Analyse des "IFH" in Köln. "Die Schere scheint sich nicht zwischen arm und reich zu öffnen, sondern zwischen angestellt und selbstständig", sagt Andreas Hackethal, Ökonom am "Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE", der "FAS". Eine 2. Umfrage fasst zusammen: 

Rd. 1/3 hat Angst, fast die Hälfte sieht keine oder kaum Veränderungen, rd. 1/5 hat sogar mehr zu tun.

Im Home Office per Video-Chat mit Kollegen konferieren, die Hausaufgaben in der Home Schooling-Plattform bearbeiten, E-Books aus der E-Bücherhalle leihen, Einkaufen beim Lieblingsladen im Netz, ein Sofa-Konzert zum Feierabend per Video-Stream geniessen und die erste Arzt-Sprechstunde per Video-Chat - vieles wird auch nach Lockdown und Kontaktverbot bleiben. "Wir erleben im besten Fall einen Innovationsschub, neue Dynamik", gibt Henning Vöpel zu Protokoll. Digitale Konferenzen, Digitaler Unterricht, Digitale Bildung, Digitale Kultur und Digitale Medizin - nur 5 Beispiele, was in Bremen, Hamburg, Hannover, Kiel, Lübeck oder Rostock plötzlich funktioniert. Und unsere Liste empfehlenswerter Angebote im HANSESERVICE wächst täglich über aktuell 80+ Servicelinks hinaus.

Digitale Arbeitswelt nach Corona:

"In naher Zukunft werden wir über die Einführung der Vier-Tage-Woche diskutieren."
Peter Wippermann, Zukunftsforscher

Für 55% der deutschen Arbeitnehmer sind Home Office und Video-Konferenzen seit 4 Wochen zur Normalität geworden. Für 30% ist "Mobiles Arbeiten" statt "Präsenzkultur" eine Premiere, analysiert "Immowelt" in einer Umfrage. Das könnte massive Auswirkungen auf die künftige Arbeitswelt von kaufmännischen Angestellten haben. Das "Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung IAB" in Nürnberg sagt: Bis zu 30% aller Schreibtischjobs können von zu Hause aus erledigt werden. Der Hamburger Zukunftsforscher Peter Wippermann zieht im Interview mit dem "BKK VBU"-Magazin die Konsequenzen: "Heute erledigen wir anfallende Arbeitsmengen in anderen Zeitblöcken als früher, vielleicht werden wir an wenigen Tagen viele Stunden in Home-Office arbeiten."

Von Aktivitäten zu Momenten.
Quelle: Microsoft One

Was für "Digital Natives" und "Startupper" seit gut 6 Jahren sowie aktuell für 82% aller Selbständigen Normalität ist, wird jetzt für "Otto Normal" Realität: Das Leben verschiebt sich von "Aktivitäten" - wie 1/3 Arbeiten + Familie + Freizeit - zu "Momenten" mit individueller und flexibler Einteilung des Tages - zwischen Video-Konferenzen, Hausaufgaben der Kinder, Hilfe in der Familie und Telefonaten mit Freunden. Für 58% ist das kein Problem, so "Immowelt". Schon 2014 schreibe ich für den "Netfox"-Firmenblog: 'Die Zukunft heißt: Arbeiten wann, wo und wie du willst’. Die Konsequenz ist ein 'Work-Life-Blur' - ein Verschwimmen von Arbeit und Freizeit, wie es für 320.000 Mitarbeiter von Microsoft seit Jahren Normalität ist.

Doch die digital-vernetzte Arbeitswelt der Zukunft hat weitere, gesellschaftliche Auswirkungen. Peter Wippermann spricht von einer Polarisierung der Gesellschaft. "Es wird zu erhöhter Spannung kommen zwischen denjenigen, die in der Lage sind, in ihrem beruflichen Umfeld die digitalen Technologien zu nutzen, und denjenigen, die in der sogenannten ersten Realität ihre Arbeitsplätze haben, etwa Pfleger oder Kassiererinnen." Auch wenn wir die Arbeit der Helfer in Krankenhäusern und Supermärkten heute wertschätzen. Die forcierte Digitalisierung sorgt für noch größere Gräben - zwischen denjenigen, die Digitales gestalten und denjenigen, die von digitalen Entwicklungen bestimmt werden. Darauf haben wir alle bislang keine Antworten gefunden.


Digitaler Lebensunterhalt nach Corona:

"Maximal 8 Wochen überleben Firmen in Hamburg, der Metropolregion und Deutschland die Schließung ihrer Betriebe."
IHK Nord-Umfrage zur Corona-Krise

Für die Wirtschaft ist nach Soforthilfen, Krediten und Bürgschaften noch lange nicht das rettende Ende schwerer See in Sicht. 55,7% der Selbständigen glaubt laut Umfrage von "Civey" nicht daran, daß die existenzielle Bedrohung ihres Betriebs durch die COVID 19-Pandemie abgewendet ist. Die Wirtschaftsinstitute "DIW" Berlin, "Ifo" München, "IfW" Kiel, "IWH" Halle und "RWI" Essen gehen für die Bundesregierung von einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts zwischen April und Juni d. J. von 9,8% aus - der größte Einbruch seit Messung im Jahr 1970, verbunden mit bis zu 5,9% Arbeitslosenquote und 2,4 Millionen Kurzarbeitern. Desto länger das öffentliche Leben stillsteht, desto größer sind die Folgen. Dennoch rechnet "HWWI"-Chef Hennig Vöpel nicht mit einer Inflation.

Je länger Shutdown und Soziale Distanz das Leben lahmlegen, je enger wird es mit den finanziellen Reserven. Im Gastbeitrag der ALSTERCOMPANY im Hanse Digital Magazin ist zu lesen: '92% von 4.500 norddeutschen Unternehmen sind laut einer IHK Nord-Umfrage von der Corona-Krise direkt betroffen. 12.000 Hamburger Firmen haben bereits Kurzarbeit für ihre Beschäftigten beantragt - 200 bis 300 kommen jeden Tag dazu. Maximal 8 Wochen überleben Firmen in Hamburg, der Metropolregion und Deutschland die Schließung ihrer Betriebe. Hamburg ist in der größten Krise seit 1945.' Deadline: Mitte Mai d. J. Diese Tatsache könnte in Hamburg und bundesweit zu einem Umdenken in Sachen Arbeitsleben und Lebensunterhalt führen.

"Das Virus macht uns alle gleich, warum sollten wir in dieser Situation nicht auch alle wirtschaftlich gleich leben."
Henning Vöpel, Volkswirt

Abwarten und Teetrinken? Das Corona-Virus hat unser Leben im Griff.
Foto: Gerd Altmann, Pixabay

"Man könnte überlegen, ob man ein temporäres, bedingungsloses Grundeinkommen organisiert. In dieser Situation könnte es eine Alternative sein, für den Fall, dass die Pandemie länger andauert und wir über mehr als 2, 3 Monate reden" bringt Henning Vöpel die interessiert wie skeptisch betrachtete Idee ins Spiel. "Dann geht es darum, die Liquidität aufrecht zu erhalten. Und das geht nur, indem wir direkte Einkommenstransfers an die Haushalte leisten. Das Virus macht uns alle gleich, warum sollten wir in dieser Situation nicht auch alle wirtschaftlich gleich leben." Stellt sich die Frage, ob wir über einen Stillstand von mehr als 2-3 Monaten sprechen? Und stellt sich die Frage, ob "Hubschrauber-Geld" a la "Trump-Checks" für Deutschland ein Modell sein können.

Einer herbei diskutierten, schnellen Erholung setzt der "HSBA"-Professor eine klare Prognose entgegen: "Ich glaube nicht, dass wir ein sogenanntes 'V' haben, dass es sehr schnell runter geht und dann genauso schnell wieder hoch. Die internationale Wirtschaft, die Wertschöpfungsketten werden noch relativ lange gestört bleiben, auch die Absatzmärkte natürlich. Wir müssen davon ausgehen, dass es eher ein 'U' ist, eine eher langgezogene Delle" so Vöpel im "NDR Fernsehen". Womit der Hamburger Hafen als Jobmotor für 156.000 Arbeitnehmer vor einer großen Herausforderung steht - fernab wenig glaubwürdiger Hinhalteparolen der PR-Abteilung von "Hamburg Hafen Marketing" zu Beginn der Krise im "NDR Hamburg Journal".

Digitaler Konsum nach Corona:

"Die Überlebensfähigkeit von Marken wird auf eine harte Probe gestellt."
Jürgen Gietl, Markenberater

Für den Binnenmarkt gehen "McKinsey" und die Hamburger Werb
eagentur "Jung von Matt" im White Paper "Post-Pandemie-Konsum - Gedankenanstöße und Phänomene der Marken in einer Welt nach der Krise" vor allem vom Anstieg digitaler Angebote aus, wie Online-Services und E-Commerce - z. B. in den Bereichen Home Entertainment und Lieferdienste. Auch der digitale Medienkonsum profitiert davon, in der Krise schnell und zuverlässig informiert werden zu wollen. Dies gilt für Fernseh-Nachrichten und Online News (z. B. 30-fach höhere Views beim Hanse Digital Magazin), Streaming-Angebote und auch für Tageszeitungen. Laut HANSEVALLEY-Informationen gehen auch beim "Hamburger Abendblatt" die Zugriffszahlen des Online-Angebots "durch die Decke".

Zu den Perspektiven für Marken sagen die Marketing-Autoren: "Der Wirkungsraum, in dem Marken in der Post-Corona-Zeit agieren werden, ist schlichtweg nicht mehr der gleiche." Sie gehen aus den Erfahrungen in der Krise von 3 Spannungsfeldern aus: 1. Globale Zusammenarbeit vs. lokale Lösungsansätze. Dies hat eine Auseinandersetzung mit digital-vernetzter Kommunikation einerseits sowie Heimat und Region andererseits zur Folge. 2. Sozialer Mehrwert vs. technische Möglichkeiten. Heißt: Solidarität mit der Nachbarschaft und Chancen durch digitale Technologien. Und 3. Wertschöpfende Firmenwerte ("Purpose") vs. purer Produktpreis. Der Wert von Marken steht im Wettbewerb mit Preiskämpfen und Promotions ums Überleben. So weit, so bekannt, so allgemein gehalten.

Internationale Studie von "Concept M" zu den 5 Stufen der Pandemie.
Screenshot: HANSEVALLEY

Im Fachmagazin "Absatzwirtschaft" schreibt Jürgen Gietl unter dem Titel "Stresstest für Marken in Zeiten von Corona": "In einer Zeit, in der Menschen unsicher, voller Ungewissheit und Angst vor einer schweren Krankheit oder Jobverlust und mit existentielleren Nöten konfrontiert sind, hat der Konsum nur noch eine nachgelagerte Bedeutung. Die Überlebensfähigkeit von Marken wird dadurch auf eine harte Probe gestellt." Der Magazin-Beitrag macht klar: "Gemessen wird eine Marke zukünftig daran, ob sie weiterhin versucht, Kunden zu verführen oder ob sie sich für die Menschen, für den Zusammenhalt und die Lösung gegen das Coronavirus und andere gesellschaftliche Herausforderungen wirklich interessiert und einsetzt."

Dirk Ziems, Geschäftsführer von "Concept M" und Herausgeber der tiefenpsychologisch erarbeiteten und HANSEVALLEY vorliegenden Studie zu den 5 Stufen der Corona-Pandemie macht in einem Gastbeitrag für die "Absatzwirtschaft" klar: "Die Unternehmen sind gefragt, jetzt Stellung zu beziehen und Haltung zu zeigen". Der visionäre Unternehmensberater weiter: "Marken können in der aktuellen Krisensituation für die Konsumenten und für die gesamte Gesellschaft Hilfestellungen leisten, um dem Gefühl der Destabilisierung entgegenzuwirken und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu vermitteln." Drei Werte sieht der Spezialist dabei im Fokus:

1. "Empowerment": Materielle Unterstützung und tatkräftiger Einsatz. 

Beispiel 1: Der Wolfsburger VW-Konzern lässt mit seinen 3D-Druckern z. Zt. Bauteile für Beatmungsgeräte fertigen, anstatt Prototypen von Fahrzeugteilen.

Beispiel 2: Der Hamburger Beiersdorf-Konzern hat seine Produktionslinien in Eimsbüttel z. T. umgestellt und produziert für Feuerwehr und UKE Desinfektionsmittel.

2. "Enabling": Menschen helfen, die Krise besser zu bewältigen. 

Beispiel 1: Der Hamburger Sammelfahrdienst "Moia" ist wie die Taxidienste Teil eines HVV-Hol- und Bringdienstes für Krankenschwestern und andere Nachtarbeiter.

Beispiel 2: Die Bremer Handelskammer hat zusammen mit dem "Weser Kurier" lokale Online-Plattformen für kleine Händler, Gastronomen und Dienstleister gelauncht.

3. "Encouragement": Mentale Unterstützung und Zuversicht.

Beispiel 1: Der "NDR" bietet mit "Der Norden hält zusammen" ebenso Beistand, wie die Hamburger Drogeriemarktkette "Budnikowski" ("Nachbarn halten zusammen").

Beispiel 2: HANSEVALLEY hat seine Redaktion mit Nachrichten, Magazin und Service weitgehend auf Informationen und digitale Hilfestellung in der Corona-Krise umgestellt.

"In Zeiten des Überflusses kaufen Menschen nicht mehr das “Was”, sondern das “Wie” und “Warum” einer Marke. Der Mehrheit der Markenverantwortlichen dürfte das mittlerweile bewusst sein. Fraglich ist, wie gut sie das bisher umgesetzt haben. Die Corona-Krise wird auch diesbezüglich zum Stresstest für Marken" sagt Jürgen Gietl. Und Dirk Ziems spricht vom "Call" - vom Aufruf in Krisenzeiten, eine neue Stufe der Entwicklung zu erreichen: "Die Marken zeigen beispielhaft: Jetzt gilt "Unselling" statt "Hardselling". Mit der richtigen Dosierung PR - nicht mit platter Kaltakquise, wie leider von einer Hamburger Agentur für "Ebay" per Pressemitteilung betrieben.

Digitale Wirtschaft nach Corona:

"Wir haben eine sehr ungewöhnliche Situation, die auch das Potenzial hat, in den nächsten Jahren Sprengstoff zu sein - nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich."
Henning Vöpel, Volkswirt

Globaler Krise, lokaler Shutdown: Die Corona-Pandemie
Foto: Martin Sanchez, Unsplash

Vöpel betrachtet die akute Krise der deutschen Volkswirtschaft im "NDR" noch von einer anderen Seite: "Not macht erfinderisch, wie man so schön sagt, und Unternehmergeist ist jetzt gefragt - auch in so schwierigen Zeiten, in Zeiten der Not und des Mangels vielleicht neue Lösungen finden, auch im Umgang mit Produkten, mit Prozessen, mit Kunden. Man sieht schon Ansätze, dass die Bereitschaft sich zu wandeln da ist und das ist ein gutes Zeichen". Der "HWWI"-Chef ergänzt:  "Einige vermuten, es gibt eine Re-Nationalisierung. Das sehen wir auch in Teilen". Wenn bisherige Absatzmärkte wegbrechen, wenn Lieferketten unterbrochen sind und wenn der Staat den Shutdown verordnet, sind kreative Unternehmer gefragt.

"Das ist jetzt nur der sichtbare Teil eines Eisbergs von riesigen Risiken, die mit unserem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell einhergehen. Wir haben diese großen Risiken vielleicht zu lange zu wenig ernst genommen und haben uns über kleine Risiken viel zu viele Gedanken gemacht."
Thomas Straubhaar, Ökonom

"Die Wirtschaft funktioniert wie ein riesiger Muskel, der kontrahiert und dabei besonders kleine und mittlere Firmen zerdrückt, sich dann aber wieder entspannen wird", fasst der Hamburger Strategieberater und Visionär Bernd Thomsen die aktuelle Entwicklung in einer "Handelsblatt"-Kolumne zusammen. Seine Empfehlung: Je schneller Unternehmer die 'kontraktile Zukunft" akzeptieren, desto kreativer und flexibler bleiben sie, um sich gemeinsam mit ihrer Belegschaft immer wieder neu zu erfinden. Der Familienvater geht in seinem Beitrag auch auf die Frage nach der "Re-/Nationalisierung" aka "Autarkie" ein. Er nennt dies "glokale" Produktion. 

Als konkretes Beispiel spricht Thomsen vom "Future Asset Safetainity" - zusammengesetzt aus "Certainty" (Gewissenheit) und "Safe" (Sicherheit). Womit wir vordergründig im Buzzword-Bingo angekommen sind. Doch hinter "Safetainity" steckt mehr: Lieferketten neu organisieren, regionale Produktion fördern, Lagerstände erhöhen - wie von "Haspa"-Chef Vogelsang vorhergesagt und von "HHLA"-Chefin Tizrath und ihrer global fixierten Beratertruppe gern ignoriert. Womit wir bei einer weiteren Fähigkeit sind, die für den Hamburger Unternehmensberater nach der Corona-Krise unabdingbar sein wird: Die Fähigkeit zur Reflektion.

"Letztendlich sind Krisen beides: Einmal schreckliche Ereignisse für direkt Betroffene. Aber für die Gesellschaft insgesamt unfassbar starke Elemente des Lernens, des Entwickelns neuer Technologien, des Suchens nach neuen Lösungen."
Thomas Straubhaar, Ökomom

Und wieder hilft unsere frisch heruntergeladene "Buzzword Bingo-App", um zu verstehen, wie ein kluger Berater kluge Gedanken an den nicht immer nur klugen Top-Manager bringt: Das "Future Asset Teccaptence" ist für Bernd Thomson der Schlüssel. Nicht schwer zu erraten, dass darin "Technology" und Acceptence" verborgen sind. Der Hamburger geht - wie wir - davon auf, dass die viel diskutierte Digitalisierung jetzt mit Nachdruck angepackt wird. Nicht zuletzt die Chance, in den Wochen des Lockdowns mit "Google Hangout", "Microsoft Teams", "Skype" oder "Zoom" den eigenen Betrieb am Laufen zu halten, zeigt die Effizienz und Effektivität digitaler Tools - im Home Office, im Betrieb und im global aufgestellten Business.

"Es gibt einen Unterschied zwischen zusammensein wollen und zusammensein müssen."
Harald Welzer, Soziologe und Sozialpsychologe


Open Innovation Barcamp: Zusammensein wollen oder müssen?
Foto: HANSEVALLEY

Statt "Lufthansa Lounge" und Business Class warten in diesen Wochen Home Office und Video-Konferenzen auf viel reisende Geschäftsleute. Nicht selten stellte ich in der "DB Lounge" und im "Bahn Comfort"-Bereich zwischen Berlin und Hamburg fest, dass die - neugieriger Weise von mir mitgehörten - Telefonate und Unterhaltungen in der Abteilung 'Kann man machen, ...' anzusiedeln sind. Nun bestätigt Prof. Harald Welzer von der Europa-Universität Flensburg meine Erlebnisse in den vergangenen Jahren: "Man wird feststellen, daß von 10 Meetings 9 überflüssig sind, und daß vieles an Kommunikation und Treffen und Verabreden und Geschäftsreisen redundant ist. Da kann man sicher viel neu sortieren und das eine oder andere auch runterfahren."

Der Hamburger Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt spitzt wie sein Flensburger Kollege Harald Walzer im "After Corona Club" zu: "Fernreisen werden zurückgehen". Das betrifft sowohl den Vetriebler-Tourismus als auch den Wochenend- und Ferienreiseverkehr. Die Lufthansa hat ihre innerdeutsche Low Cost-Tochter "Germanwings" gleich komplett eingemottet. Erstaunlich: Experten gehen in Zeiten größerer Distanz im Interesse der Gesundheit von einer Renaissance des Autos aus. Ganz oben auf der Tagesordnung: E-Autos - wegen der Kaufprämie. Und schon wird der Ruf nach weiteren finanziellen Anreizen laut, die deutsche Leitbranche Automobilbau wieder in Schwung zu bringen.

Digitale Wertschöpfung nach Corona:

"Der größte Auftrieb für die Digitalisierung in Deutschland aller Zeiten. Es wird sich viel verändern, um nicht zu sagen alles."
Hannes Ametsreiter, Geschäftsführer "Vodafone Deutschland"


Corona forciert die Digitalisierung in allen Bereichen.
Foto: Brian McGowan, Unsplash

Der Bremer Luftfahrt-Unternehmer Marco Fuchs stellt Ende März d. J. in einem Statement klar: "Die Welt nach Corona wird digitaler werden. Vieles, was wir gerade erleben, wird auch nach dem Ende dieses Ausnahmezustands nicht wieder verschwinden. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine digitale Globalisierung geben wird. Damit meine ich, dass die bislang noch überwiegend physischen Abläufe digitalen weichen werden. Es ist einfach ein Fakt von Krisen, dass man nur in diesen erkennt, wie es auch anders, vielleicht sogar effizienter gehen kann. Viel mehr noch ist es jedoch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft klar geworden, wie sehr sie auf dieses "digitale Rückenmark" angewiesen ist." Mit dem Geschäftsbereich "OHB Digital" geht der Familienunternehmer an der Weser vorneweg.

"Die Krise beschleunigt Entwicklungen, die bereits begonnen haben. Zeit, Weichen zu stellen."
Thomas Keup, Journalist und PR-Spezialist

Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar gibt im "NDR"-Interview zu bedenken, dass die jetzt forcierte Digitalisierung die jetzt diskutierten Veränderungen schon vor der Krise hervorbrachte: So konnten bereits in China ganze Häuser im 3D-Druck gefertigt werden und Wissenschaftler der "ETH Zürich" im Digitaldrucker Herzklappen aus Silicon entwickeln. Der gebürtige Schweizer dazu: "Ich denke, dass dieses Zurückholen der Produktion an den Ort, an dem es konsumiert wird, eine der Folgen dieser Coronavirus-Krise sein wird." Unsere (fast) liebevolle Frage nach der "HHLA"-Produktions AG hat genau hier ihren Ursprung: Im Aufbau eines lokalen 3D-Druck-Zentrums der "UPS" in Singapur - gemanagt von einem anerkannten Trust Center, wie z. B. einem Logistiker.

Digitale Perspektiven nach Corona:

"Wer es ablehnt, schnell mal neue Erfahrungen zu machen, der bleibt in der Welt gefangen, in die er damals von Prüfungsbehörden und Arbeitgeberanforderungen gezwungen wurde."
Gunter Dueck, Visionär

Wir wissen, dass wir zuverlässige Quellen nutzen sollten - das Gesundheitswesen, die Regierung, wissenschaftliche Quellen wie das Coronavirus-Dashboard der John Hopkins Universität - aber es ist oft einfacher, sich auf unsere Social-Media-Blasen zu verlassen. Schlimmer noch, angesichts eines so scheinbar endlosen Informationsflusses besteht die Tendenz, das Bizarre und Sensationelle herauszupicken", schreiben Prof. David Bawden und Dr. Lynn Robinson von der School of Mathematics, Computer Science and Engineering an der "City, University of London" in ihrem aktuellen Kapitelbeitrag "Information Overload: An Overview" in der "Oxford Encyclopedia of Political Decision Marketing".

"Für uns alle ist das neu, eine Krise, wie wir sie noch nie hatten. Ein sogenannter "schwarzer Schwan", ein sehr seltenes Ereignis, dass aber eine sehr große Wirkung hat auf die Gesellschaft."
Henning Vöpel, Volkswirt

"Aus der Not heraus müssen wir nun alle Erfahrungen machen." Gunter Dueck, Ex-Chefvisionär der "IBM Deutschland", fasst in seinen "Daily Dueck"-Gedanken unter dem Titel "Beyond Corona" zusammen: "Aber die neuen Zwangserfahrungen bleiben uns, jenseits von Corona. Wo sich viele verweigert hatten, sind nun Erfahrungen aus der Not gemacht. Die bleiben bei denen, die aus Erfahrungen lernen. Jetzt wird sich vieles verändern. Vieles Alte wird schneller vergehen, als man es befürchten musste. Vieles Neue kommt schneller, als man dachte. Denn der Erfahrungsraum hat sich vergrößert. Und dieser bestimmt die Welt, nicht der Wissensraum."

"Wie können wir vielleicht auch unsere Wirtschaft anders organisieren? Die Disruption zu nutzen, tatsächlich ein neues Modell aufzubauen, das wäre die Hoffnung."
Henning Vöpel, Volkswirt

Hamburg nach Corona - Das Tor zur Welt wird anders sein.
Foto: Polizei Hamburg

Visionär Ulrich Reinhardt bietet im "NDR" eine Achse für die Zeit nach Corona: "Andere Krisen haben gezeigt: Es dauert in der Regel zwischen sechs und neun Monate, bis eine große Krise überwunden ist." Dem schließt sich auch Volkswirt Henning Vöpel an. Im "DAS!"-Interview geht er von einer leichten Erholung der Wirtschaft in der 2. Jahreshälfte 2020 aus, verbunden mit einem möglichen Aufschwung ab Anfang 2021. "Die Chance besteht darin, dass fast alle Menschen auf der Welt jetzt zeitgleich ähnliche Erfahrungen machen. Diese kollektive Erfahrung kann helfen, einen Bewusstseinswandel auszulösen, der am Ende vielleicht dazu führt, dass wir unser Leben vielleicht anders betrachten, dass wir fragen 'Was sind eigentlich die wirklich wichtigen Werte?'"

Digital zu guter Letzt:

Der Flensburger Professor Harald Welzer teilt im "After Corona Club" gegenüber Anja Reschke kräftig aus: "Was mir total auf den Senkel geht, daß pausenlos irgendwelche tollen Sachen und lustige Filme produziert werden müssen. Man muß musizieren und singen und Briefe schreiben. Wer will das denn alles sehen und hören - das ganze Zeugs?" Der Soziologe und Sozialpsychologe kommt denn auch zur Sache: "Diese Phase der Pause, die ich für produktiv halte, die will ja noch gar nicht richtig einsetzen, weil wir ja dieses tolle Netz haben, wo man sich die ganze Zeit zuballern kann." Wahre Worte, denen wir uns als Online-Medium ohne Wenn und Aber anschließen.

Wir wünschen Ihnen vor allem: Bitte, bleiben Sie gesund.

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 Hanse Digital Service: 

Absatzwirtschaft: 
"Studien und Statistiken zu den Folgen des Coronavirus":

 Hanse Digital Background: 

HANSEVALLEY: Gastbeitrag
"Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

HANSEVALLEY: Fachbeitrag
"Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt":

Netfox-Blog:
"Die Zukunft der Arbeit: Von Aktivitäten zu Momenten":

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