Sonntag, 14. Mai 2017

HANSEPERSONALITY Henrik Falk: "Der Bedarf am privaten Fahrzeug wird nahezu ganz aufgelöst."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Die Hansestadt Hamburg und der Fahrzeugbauer Daimler schließen am kommenden Freitag eine umfassende Partnerschaft in den Bereichen Elektromobilität, Carsharing, Brennstoffzellen-Infrastruktur, digitale Mobilitätsplattformen, Elektro-Busse und Elektro-Transporter. Auf Daimler-Seite sind die Mobilitätsplattform Moovel und die Financial Services beteiligt, neben dem Senat ist auf Hamburger Seite die HOCHBAHN federführend dabei.

1,2 Mio. Fahrgäste nutzen täglich allein die Buss
e und Bahnen der Hamburger HOCHBAHN. 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen vor und hinter den Kulissen für einen reibungslosen Betrieb. Die HOCHBAHN ist ein wichtiges Rückgrat im Hamburger Verkehrsverbund. Jeder 2. Fahrgast nutzt die roten Busse und Bahnen. Mit neuen U-Bahnlinien, CO2-freien Bussen und digitalen Innovation ist die HOCHBAHN ein Taktgeber für Mobilität in unserer Stadt. Unser HANSEPERSONALITY ist HOCHBAHN-Vorstand Henrik Falk:


Führt den Hamburger Nachverkehr in die Zukunft:
Der neue Hochbahn-Chef Henrik Falk
Foto: Hochbahn
1978 nahmen 300.000 Hamburger auf dem Rathausmarkt Abschied von der letzten Straßenbahnlinie an der Elbe. In Zukunft sollen weniger erschlossene Gebiete, wie Billbrook oder der Hafen mit individuellen Busshuttlen angeschlossen werden. Dazu können sich Fahrgäste - z. B. von Firmen - per App einen Zubringerbus bestellen, gemanagt über eine digitale Dispositionsplattform. Wie sie das praktisch vor und hinter den Kulissen aus?


Aktuell beschäftigt sich der HVV innerhalb eines Projekts mit genau diesem Thema. Als Mobilitätsexperte sind wir hier natürlich als Partner mit im Boot. Zur konkreten Planung ist der HVV Ansprechpartner.

Ganz grundsätzlich verstehen wir uns als Organisator einer nachhaltigen Mobilität der Smart City Hamburg. Darum setzen wir uns laufend mit Trends und Entwicklungen urbaner Mobilität auseinander - von Digitalisierung bis Shareconomy. Heißt, wir treiben das Thema digitaler Mobilitätsplattformen selbst auch an verschiedenen Fronten: Sei es bei der Weiterentwicklung und Ausweitung unseres Projektes Switchh oder bei Partnergesprächen zum Thema potenziell neuer Ridesharing-Modelle.

Und nicht zu vergessen ist natürlich das Thema, welches gerade die halbe Welt bewegt: autonomes Fahren. Modelle und Technologien hierzu werden wir uns in den kommenden Jahren näher ansehen und voraussichtlich ab 2021 auch erste Pilotprojekte für mehrjährige Testreihen anstoßen. Derzeit laufen die ersten Gespräche dazu mit den Partnern. 


Die erste U-Bahn wurde in Hamburg 1912 eröffnet - es ist eine Ringlinie und die bekannte U3. Heute können Hamburger Fahrgäste in den U-Bahnhöfen Borgweg und Mönckebergstraße sowie in den Metrobus-Linien 3 (VHH) und 5 (HHA) kostenlos im WLAN surfen. Können wir in Hamburg künftig in allen Bussen und U-Bahnen kostenlos surfen und wenn ja, wie sehen die Ausbaupläne konkret aus?

Der Ausbau des WLAN-Netzes ist ein wichtiges Element unserer Strategie zum digitalen Kundenerlebnis. Aus der Auswertung unseres Pilotprojekts im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass wir damit den Nerv unserer Fahrgäste getroffen haben. Deshalb haben wir die WLAN-Ausrüstung beschlossen: Alle 91 U-Bahn-Haltestellen und unsere gesamten Busflotte mit rund 1 000 Fahrzeugen werden einen Internetzugang erhalten.

Damit knüpfen wir außerdem auch direkt an das Vorhaben der Freien und Hansestadt Hamburg an, im gesamten Stadtgebiet rund 900 WLAN-Accesspoints bereitzustellen. Die Ausstattung unserer Infrastruktur mit dem Internetzugang via "MobyKlick" erfolgt sukzessive. Bis Ende dieses Jahres wird unsere gesamte Hochbahn-Busflotte über einen WLAN-Zugang via Router verfügen. Bis Ende 2018 sollen dann alle U-Bahn-Haltestellen an das Glasfasernetz angeschlossen sein. 


Alles begann 1839 mit vier Pferdefuhrwerken und bis zu 13 Fahrgästen zwischen dem Hamburger Steintor und der Altonaer Palmaille. Künftig können Fahrgäste mit ihrem Handy mittels "Check-in/Be-out" in Bussen, Bahnen und Fähren unterwegs sein und müssen nicht mal mehr ein Ticket lösen. Wie funktioniert das und wann können wir das erstmals live - z. B. auf der Metrolinie 5 - ausprobieren?

Nun, die Grundidee von Check-in/Be-Out ergibt sich aus zwei wesentlichen Kundenwünschen: Erstens ist das Tarifsystem in Hamburg – und ganz ehrlicher Weise wohl in keiner Großstadt – selbsterklärend und als Fahrgast will ich mir nicht lange überlegen müssen, welches Ticket das richtige ist. Zweitens will ich ebensowenig hin- und her rechnen, ob ich gerade wirklich das günstigste Ticket gezogen habe. Für genau diese Ansprüche gibt es in verschiedenen Städten bereits unterschiedliche Lösungsansätze.

Unsere Vorstellung ist, dass Kunden mit ihren Smartphones und sogenannten iBeacons, also Standortmarkern, erkannt werden, sobald Sie eine Haltestelle beziehungsweise ein Fahrzeug betreten. Mit dem Bestätigen der ersten Fahrt trackt die App via Smartphone dann jede weitere automatisch und rechnet am Ende des Tages den günstigsten Gesamtpreis ab. Aktuell befinden wir uns in der Ausschreibungsphase für die Entwicklung einer solchen Lösung. Wir sind zuversichtlich, im kommenden Jahr einen ersten Piloten laufen zu haben. 


Seit 2013 gibt es mit der "Switchh-Card" ein deutschlandweit einmaliges Kombiangebot für Hamburger Fahrgäste, auch Mietwagen von Cambio, Car2Go und DriveNow sowie Fahrräder von StadtRad nutzen zu können. Im Sommer bekommt Hamburg einen neuen Anbieter für E-Scooter-Sharing. Wie erfolgreich ist das Mobilitätskonzept und wie wird das "Switchh"-Angebot weiter ausgebaut?


Switchh-Carsharing-Station am Berliner Tor
Foto: Hochbahn
Wenn wir in die Zukunft schauen, wird irgendwann jede Verkehrsmittelnutzung öffentlich sein, weil der Bedarf am privaten Fahrzeug sich durch die Angebote „geteilter Mobilität“ nahezu ganz auflöst. Wir sharen unsere Mobilitätsangebote – das ist nichts anderes als öffentlicher Nahverkehr. Diesem Gedanken folgend, haben wir das Projekt Switchh gestartet - einen innovativen Ansatz zur Verknüpfung des öffentlichen Nachverkehrs mit anderen Angebotsformen, wie Bike- oder Carsharing.

Mit dieser Idee hat die Hochbahn in Hamburg Neuland betreten. Daher – und gerade auch mit Blick auf ähnliche Projekte in anderen Städten wie Wien, Hannover oder Leipzig – war uns total klar, dass dieser Ansatz bei Nutzern erst einmal verstanden und auch gelernt werden muss. Und auch wir lernen dazu: Nach der Pilotphase haben wir das Angebot – das zunächst auf HVV-Abonnenten beschränkt war – im letzten Jahr auf alle HVV-Nutzer ausgedehnt. Mit dieser Ausweitung haben wir einen Anstieg der Kundenzahlen um 10 Prozent erreicht. Wir sehen also: 

Mit unserem Angebot erhöhen wir das Verständnis und Bewusstsein für die Nutzung geteilter Mobilitätsangebote. Das ist ein guter erster Schritt!

Seit 2014 gibt es in Blankenese mit der "elektrischen Bergziege" den deutschlandweit ersten Regelbetrieb mit Elektrobussen. Ab 2020 wird es in Hamburg nur noch abgasfreie Elektrobusse geben. Das Stromnetz in Hamburg ist dafür gerüstet, so eine aktuelle Studie. Was dürfen wir in Sachen Innovationen in Zukunft noch von der Hochbahn erwarten?

Mit dem Ziel, ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse zu beschaffen, stehen wir vor einer großen Aufgabe. Man muss sich klar machen, dass diese Entwicklung einer echten technologischen Revolution gleichkommt. Nicht nur, dass entsprechende Fahrzeuge bereitgestellt werden müssen. Auch die Infrastruktur und die IT-Systeme benötigen einen kompletten Wandel. Und das ist die eigentliche Mammut-Aufgabe. Neben der Herstellerfrage bezüglich der Entwicklung und Lieferung serienreifer Fahrzeuge beschäftigen wir uns daher eindringlich genau mit diesen Themen.


Hochbahn-Innovationslinie 109 im Elektobetrieb
Foto: Hochbahn
Derzeit zeichnet sich ab, dass Batteriebusse als Basistechnologie den Mobilitätsanforderungen der Zukunft am ehesten gerecht werden – gegebenenfalls mit ergänzenden Wasserstoffelementen. Darum planen wir heute schon unseren künftig größten Busbetriebshof Gleisdreieck so, dass er den entsprechenden Anforderungen gerecht wird und eine Lade-Infrastruktur für bis zu 250 E-Busse aufweist. Gleichzeitig prüfen wir anhand dieses Referenzprojektes, wie wir die IT-Systeme für die neuen Technologien gestalten. Damit schaffen die dann die Basis, künftig einen Betriebshof nach dem anderen umzurüsten. Zur Einordnung: Wir haben immerhin fünf dieser Höfe für insgesamt rund 1.000 Busse.

Zu guten Letzt unsere Hamburg-Frage: Ältester Verkehrsverbund der Welt, erste Millionenmetropole ausschließlich mit Elektrobussen - das klingt nach Weitsicht und kontinuierlichem Fortschritt. Welche Herausforderungen hat Hamburg mit seiner Hochbahn in Bezug auf die "wachsende Stadt" und eine immer attraktivere Touristenmetropole?


Neubau der U-Bahnlinie 4 zu den Elbbrücken
Foto: Hochbahn
Ganz klar: Wo Hamburg wächst, müssen wir es auch tun und unser Netz erweitern. Oder besser noch: Wir müssen heute schon berechnen, wo sich morgen Bedarfe für größere Kapazitäten ergeben werden und entsprechend planen. Bestes Beispiel hierfür ist der Ausbau der U4 durch die HafenCity bis zu den Elbbrücken. Hier gelingt es uns gerade, die Infrastruktur parallel zum wachsenden Bedarf eines sich im Ausbau befindlichen Stadtteils zu gestalten.

Aber auch dort, wo unsere Buslinien an ihre Grenzen stoßen, müssen wir Lösungen finden. Nehmen wir als Beispiel die Situation auf den Metrobus-Linien im Innenstadtbereich: Trotz der engst möglichen Bustaktung von zwei Minuten können wir das Fahrgastaufkommen hier langfristig – insbesondere zu Stoßzeiten – wahrscheinlich nicht abbilden. Deshalb treiben wir zur Entlastung der Metrobus-Linien 5 und 6 den Bau der U5 von Steilshoop über die Innenstadt bis zum Siemersplatz voran – ein Vorhaben, das Potential hat, das größte Infrastrukturprojekt der nächsten Jahrzehnte zu werden. Und die U5 wird auch technisch herausragend: sie wird vollautomatisch fahren. Denn nur so können wir auf einer U-Bahnlinie den Minutentakt und somit die maximale Auslastung abbilden. 


Zusammenfassend heißt das: Wir gestalten die Mobilität der Zukunft schon heute mit und unterstützen so die Hansestadt auf dem Weg zur Smart City. Unser Ziel ist nichts weniger als nachhaltige Mobilität langfristig im Hamburger Lifestyle zu verankern. Es soll künftig zum guten Ton gehören, auf das eigene Auto zu verzichten und Mobilität stattdessen ganz einfach zu teilen.



Vielen Dank für diese Rundreise!

Das Interview führte Thomas Keup.


* * *

 Hamburg Digital Background: 

Hochbahn-Vorstand Henrik Falk:
hwww.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/Home/Unternehmen/Unser_Job_fuer_Hamburg/Der_Konzern/Der+Vorstand/Henrik+Falk

Hamburger Hochbahn im Überblick:

Neubau der U-Bahnlinie 4:
u4.hochbahn.de/

Fortschritt der U-Bahnlinie 4:
www.hamburg.de/u4-hamburg/

Planungen der U-Bahnlinie 5:
www.hamburg.de/u5/

Mobilitätsprojekt Switchh:
www.switchh.de

NDR-Heimatkunde: Die Hamburger U-Bahn:
www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Heimatkunde-U-Bahn,hamj53614.html

--

Der Hamburger Verkehrsverbund im Überblick:
http://www.hvv.de/ueber-uns/der-hvv/uebersicht/



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Mittwoch, 10. Mai 2017

HANSEPERSONALITY Olaf Scholz: "Hamburg ist ein guter Ort für die Digitalisierung."

HAMBURG DIGITAL EVENT 

Get Started Gründerfrühstück mit Olaf Scholz


Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz im Betahaus
Foto: HANSEVALLEY
"Ich habe selbst so etwas wie ein Startup gegründet." Als Co-Founder seiner Anwaltskanzlei brach Hamburgs Erster Bürgermeister am Morgen vor mehr als 200 Gästen des Get Startup-Gründerfrühstücks der Bitkom-Startup-Initiative im Betahaus das Eis. "Was man sich gar nicht vorstellen kann ist, wie schwer es ist, loszulegen", pointierte Hamburgs Stadtoberhaupt an Beispielen, wie der Kontoeröffnung und langfristigen Gewerbemietverträgen die Probleme für Existenzgründer. "Langfristigkeit ist am Anfang gar nicht möglich", so Scholz sympathisch und bodenständig.

"Es stehen noch große Veränderungen vor uns"

Olaf Scholz stellte zum Auftakt des gut 1-stündigen Top-Events unter dem Titel "Start-up Politik in Hamburg" offen und ehrlich die Chancen und Herausforderungen der Freien und Hansestadt vor: Digitalisierung sei das, "womit in Zukunft neue Geschäftsmöglichkeiten und Einkommensmöglichkeiten entstehen." Scholz weiter: "Geld, Einkommen, Wohlstand gibt es durch die Dinge, die es noch nicht gibt." Zugleich betonte der SPD-Spitzenpolitiker, dass Innovationen nicht von Staatswegen her verordnet werden könnten.

"Ein Millieu, dass sich wechselseitig befruchtet"


Sprach Startups und Kreativen aus der Seele: Olaf Scholz
Foto: HANSEVALLEY
"Hamburg ist ein guter Ort für die Digitalisierung", unterstrich der SPD-Vize vor den anwesenden Vertretern aus Digital- und Kreativszene, Startups und Corporates, Politik und Wirtschaftsförderung. Als Beispiel nannte er die rund 10.000 Unternehmen der IT-, Medien- und Kreativbranche mit rd. 50.000 Beschäftigten. Gute Beispiele für erfolgreiche Neugründungen sind für ihn u. a. Tech-Firmen, wie InnoGames, MyTaxi, Parship oder Xing.  Als positive Beispiele aus dem Firmenumfeld nannte Scholz das Airbus BizLab, das G+J Greenhouse Innovation Lab oder den Philips Health Innovation Port.

Aus dem universitären Bereich hob der Erste Bürgermeister das "City Science Lab" der HafenCity Universität mit dem MIT, das HAW "Creative Space for Technical Innovations" und die "Hamburg Open Online University" an der TU Harburg hervor. Mit dem Blick nach vorn unterstrich Scholz, mit der Informatik-Plattform "Ahoi Digital" der öffentlichen Hamburger Hochschulen, 35 neuen Informatik-Professuren und 1.000 zusätzlichen Studienplätzen für IT-Studiengänge klare Akzente für den Technologiestandort zu setzen.

"Mal schauen, wie weit wir damit kommen."

Die "inspirierende Zusammenarbeit" der HafenCity Universität mit dem MIT gebe die "Chance zu sehen, auch was wir können." Die "Hamburg Open Online University" sei zudem eine Möglichkeit, die "Lehre neu zu organisieren".  Die Verwaltung sei ihrerseits dabei, mit der Initiative "Digital First" alle Prozesse der Stadt zu digitalisieren. Zugleich stellte der seit 2011 in Hamburg regierende Bürgermeister einen Wunsch auf: "Warum nicht manche Behördengänge mit dem Smartphone erledigen?"

"Wir müssen ein Millieu schaffen, indem das gut funktioniert"


Diskussion mit SPIEGEL-Redakteurin Ann-Kathrin Nezik
und Figo-Gründer André Bajorat
Foto: HANSEVALLEY
In der anschließenden Diskussion mit FinTech-Unternehmer André Bajorat ging es u. a. um die Chancen und Herausforderungen staatlicher Beteiligungen an wachstumsstarken Neugründungen. Olaf Scholz hob in diesem Zusammenhang vor allem die Anschubfinzierung "InnoRampUp" der IFB Innovationsstarter GmbH mit bis zu 150.000,- € und den "Innovationsstarter Fonds Hamburg II" mit Beteiligungen von bis zu 1 Mio. € und einem Gesamtvolumen von 12 Mio. € hervor. Figo-Gründer und Wahl-Hamburger André Bajorat ergänzte die Möglichkeiten um die teilstaatlichen Beteiligungen des High-Tech-Gründerfonds HGTF. 

Mit Blick auf die weitere Entwicklung der Freien und Hansestadt als innovative Metropole mit einer lebendigen Gründerszene unterstrich Olaf Scholz die Bemühungen um den geplanten "InnovationsWachstumsFonds": "Das ist eine gute Idee und es wird hart an den Rahmenbedingungen gearbeitet." Scholz lobte das Engagement der IFB Förderbank und der zuständigen Wirtschaftsbehörde. Im 2. Quartal sollen die konkreten Planungen in der Hamburgischen Bürgerschaft diskutiert werden, wie bereits zuvor bekannt wurde.


Organisierten das Get Started-Gründerfrühstück:
Niklas Veltkamp (r.) und Christian Rietz (l.)
Foto: HANSEVALLEY
Olaf Scholz machte in seinem Impuls-Vortrag wie in der offenen Diskussion deutlich, das Hamburg alle Chancen habe, die Herausforderungen durch die Digitalisierung erfolgreich zu meistern, nicht zuletzt auf Grund der hohen wirtschaftlichen Kraft und dem großen Liberalismus Hamburgs. Dabei machte Hamburgs Stadtoberhaupt auch klar: "Von den Dingen, die wir nicht ändern, können wir in 50 Jahren nicht mehr gut leben." 

 Hamburg Digital Background 

Get Started by Bitkom
https://getstarted.de/



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Sonntag, 7. Mai 2017

HANSPERSONALITY Arne Wolter: "Lernen, Ideen sammeln, Dinge anders machen - und die Transformation von G+J unterstützen."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg ist neben Berlin, Köln und München einer der großen deutschen Medienstandorte. Rd. 3.000 Unternehmen aus Presse und Rundfunk gibt es an Alster und Elbe. Rd. 2/3 der 25 auflagenstärksten Medien werden in der Hansestadt produziert. Zu den größten Playern gehören der Zeit-Verlag, die Spiegel-Gruppe sowie Gruner+Jahr. Die Bertelsman-Tochter ist mit rd. 500 gedruckten und digitalen Marken einer der größten Magazinverlage Europas.


G+J Chief Digital Officer Arne Wolter.
Foto: Gruner+Jahr
Seit fast 5 Jahren ist der langjährige Gruner+Jahr-Vertriebsexperte Arne Wolter für das Digitalgeschäft am Baumwall mit verantwortlich. Heute erzielt der Verlag in Deutschland und Frankreich jeden 4. Euro mit digitalen Angeboten. Wie die Digitalstrategie von Gruner+Jahr heute aussieht und wo die Reise in nächster Zukunft hingeht - unser HANSEPERSONALITY ist G+J Chief Digital Officer Arne Wolter:

Zum Auftakt eine zugespitzte Frage: Sehen Sie die Notwendigkeit, dass Gruner+Jahr perspektivisch seine Druckmaschinen abstellen muss, weil alle Medieninhalte nur noch online, mobil und sozial konsumiert werden? Oder haben bestimmte Printformate eine Zukunft in der digital-vernetzten Welt?

Wir bei G+J glauben, dass es für gut gemachte Inhalte immer eine Zukunft geben wird – in Print und Digital. Schauen Sie allein auf die letzten zwei Jahre: Wir haben 16 Printmagazine lanciert, darunter so erfolgreiche Titel wie BARBARA, STERN Crime oder FLOW, und neue digitale Angebote wie Club of Cooks, den SCHÖNER WOHNEN Shop und jüngst BARBARA Digital gestartet.

In Zeiten zunehmend granularer Angebote in Online und Social Mediakanälen steigt der Druck auf traditionelle Medienhäuser mit standardisierten, breitenwirksamen Massenmedien, z. B. Brigitte oder Stern. Was unternehmen Sie, um ihr Business auch in den sozialen Medien betreiben zu können?


Viel, daher hier nur ein paar Beispiele: Wir sind mit GALA Digital und BRIGITTE Digital sehr aktiv auf Facebook und Instagram, nutzen WhatsApp und Snapchat. Eigens aufgestellte Expertenteams bespielen die Plattformen, um die Marken kanalspezifisch und unverwechselbar zu präsentieren. Mit Facebook Live ist BRIGITTE beispielsweise regelmäßig mit einem Lifestyle- und Beauty-Format auf Sendung, aktuell zweimal wöchentlich um die Mittagszeit.


GALA bringt jeden Morgen die wichtigsten Meldungen rund um People und Fashion für die Facebook-Nutzer auf den Punkt. Und auf Snapchat und Instagram veröffentlichen BRIGITTE und GALA über den Tag verteilt Eindrücke aus dem Redaktionsalltag und kurze News-Updates als zusammenhängende Stories.

Der Umsatz des Digitalgeschäfts von G+J wuchs in Deutschland im Geschäftsjahr 2016 um 48 Prozent, über G+J gesamt um 36 Prozent. Welche Bereiche Ihres Digitalgeschäfts können Sie als "Star Products" bzw. als "Cash Cows" bezeichnen?

Wachstumsfelder waren zum einen der Ausbau des digitalen Geschäfts rund um unsere starken Marken – darunter STERN, BRIGITTE, GALA und Chefkoch – und zum anderen der Aus- und Aufbau von Vermarktungsgeschäften wie Ligatus, Anbieter von Programmatic Native-Lösungen, und unserer App-Marketing-Plattform AppLike.


Sie erweitern Ihr Geschäft um den Aufbau von Online-Communities und Content-Marketing-Angeboten. Welche Strategie verfolgen Sie mit der Erweiterung Ihres Geschäftes in den sozialen Medien sowie in mediennahen Bereichen, wie contentbasiertes Marketing?

Unsere Digitalstrategie fußt auf zwei strategischen Pfeilern:

1. Ausbau des digitalen Markengeschäfts sowohl hinsichtlich der Steigerung von Reichweite und Werbeumsätzen von bspw. STERN, BRIGITTE, GALA, ELTERN, ESSEN UND TRINKEN als auch mit Blick auf die Entwicklung erfolgreicher Zusatzgeschäfte und -Services wie unserem FoodTuber-Netzwerk Club of Cooks oder dem SCHÖNER WOHNEN Shop.

2. Entwicklung und Investitionen in digitale Neugeschäfte. Der Fokus liegt hierbei auf dem wachsenden Geschäft der international skalierbaren digitalen Vermarktung. Dazu zählt die bereits erwähnte Eigenentwicklung AppLike aber auch Zukäufe und Beteiligungen, wie Ligatus und LiquidM.

Beschleunigt wird beides – Digitales Markengeschäft und Aufbau digitaler Neugeschäfte – durch unsere Innovationsvehikel Greenhouse, G+J Digital Ventures und M&A.



Alle Welt stürzt sich auf Startups, beteiligt sich an jungen, manchmal noch nicht ausgereiften Firmen oder betreibt eigene Inkubatoren bzw. Acceleratoren. Wie beurteilen Sie die Innovationskraft von mediennahen Startups für Ihr Kerngeschäft und die Erweiterung auf neue Geschäftsfelder?

Wir haben vor knapp zwei Jahren einen Media-for-Equity-Fonds gegründet: G+J Digital Ventures. Mit ihm nutzen wir unsere Medialeistung in Print und Digital und beteiligen uns an kleineren Unternehmen, die für uns langfristig interessante Ansätze bieten, ohne dass wir direkt an einer Mehrheitsbeteiligung interessiert sind. Diese Startups müssen nicht zwingend mediennah sein, schon aber eine Nähe zu unseren Themen haben.

Zur selben Zeit haben wir zudem unser Innovation Lab Greenhouse gegründet. Es unterstützt interne und externe Start-Up-Teams dabei, ihre Ideen in drei Monaten strukturiert auf Machbarkeit und Marktpotenzial zu überprüfen. Der Fokus liegt auf digitalen Geschäftsmodellen, die etwa von der Bekanntheit unserer Marken oder unserer Vermarktungsstärke profitieren.

Das Ziel in beiden Fällen: Lernen, Ideen sammeln, Dinge anders machen, den Blickwinkel ändern – und die Transformation von G+J maßgeblich unterstützen. Das gelingt uns bislang ganz gut.


Sie sind nicht besonders begeistert von "bunten Garagen" diverser Unternehmen an der Spree und gehen davon aus, dass viele der Innovationsinitiativen nicht besonders fliegen werden. Was unterscheidet das G+J Greenhouse in der Hamburger Schanze von den Startup-Garagen in Berlin?

Ich glaube, dass es keine Blaupause für Innovationsinitiativen gibt. Jedes Unternehmen legt eigene Kriterien an. So ist das Greenhouse einerseits der Strategie von Gruner + Jahr angepasst und andererseits natürlich dem, was draußen in der Welt passiert. Mit dem Greenhouse sorgen wir dafür, gute Ideen schnell testen zu können. So entscheiden wir bereits nach drei Monaten, ob wir weiter Geld in die Idee, in das Projekt investieren wollen.

Anders als es häufig bei Konzernen der Fall ist, steht bei uns also die praktische Arbeit vor der großen Investition. Nur Ideen, die im (User-)Test bestehen, werden mit mehr finanziellen und personellen Ressourcen gefördert und weiterentwickelt. So können wir einen Großteil an Überraschungen von vornherein abwenden.


Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist einer der führenden Medienstandorte. Die Branche gehört zu den wirtschaftlichen Säulen der Stadt. Wo sehen Sie Stärken und besondere Herausforderungen in der Zukunft, damit Hamburg als Medienmetropole weiter vorn dabei ist?

Mit seiner Agenturlandschaft, führenden Verlagen und Medien bietet Hamburg perfekte Ressourcen und eine optimale Infrastruktur für die Entwicklung digitaler Innovationen. Ich denke jedoch, dass wir alle diese Vorteile noch stärker kommunizieren müssen, um auch die besten Digitaltalente anzuziehen.


Vielen Dank für die tiefen Einblicke!

Das Interview führte Thomas Keup.


*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

G+J Chief Digital Officer Arne Wolter bei XING:
https://www.xing.com/profile/Arne_Wolter

G+J Innovation Lab Greenhouse, Hamburg
http://greenhouse.media/

G+J Investmentarm Digital Ventures, Berlin
http://www.gujdv.com/de/home/


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  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

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  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
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Mittwoch, 3. Mai 2017

HANSEFUTURE mit Spherie: Eine Reise um die Welt in 360 Grad.

Spice VR-Co-Founder Nicolas Chibac bei der StartupNight.
Foto: HANSEVALLEY
HAMBURG STARTUP REPORT

Der voll besetzte Saal im Wirtschaftsministerium an der Berliner Invalidenstraße staunt nicht schlecht: Der Hamburger "Spice VR"-Gründer Nicolas Chibac enthüllt, die Geburt seines Sohnes vor 1 1/2 Jahren mit einer 360 Grad-Kamera gefilmt zu haben. Der Filmproduzent illustriert beim Dronemasters-Pitch auf der StartupNight Luft- und Raumfahrt die Möglichkeiten der 360°-Visualisierung - in Verbindung mit neuester Drohnentechnologie.

10 Tage später, in einem abgelegenen Gewerbegebiet am Rande der Hamburger Hafencity: Zwischen Oberhafen und neuem Lohsepark übt ein Drohnenbesitzer vor dem FilmFabrique Co-Working mit seiner neuen, ultrakompakten Drohne "DJI Mavic". Es ist der Auftakt zu einer faszinierenden Reise in die Welt der bewegten Bilder, die Welt des 37-jährigen Filmemachers und Visionärs Nicolas - jenes jungen Unternehmers, der kurz zuvor auf der großen Bühne vor Deutschlands Luft-und Raumfahrtelite die Zukunft präsentiert.


Die Küche im FilmFabrique-Coworking am Oberhafen.
Foto: HANSEVALLEY
Die Alte Bahnmeisterei im Oberhafenquartier - zwischen Vergangenheit und neuer Hafencity: Hier im 2. Stock ticken die Uhren anders. Die FilmFabrique ist das Zuhause für Filmemacher und ihre Projekte. In der Küche ein Regal mit alten Kameras, Filmrollen und Projektoren. Auf dem Klo historische Filmplakate - King Kong darf nicht fehlen. 

Mitten in der kreativen Büroetage: die Schreibtische der Hamburger Produktionsfirma Spice VR. Der Name täuscht ein wenig: Es geht um 360-Grad-Filme - z. B. für Werbung im Tourismus - und was man daraus machen kann.

Nicolas ist der Kopf, das Herz und der Macher hinter dem 8-köpfigen Kernteam. Anfang 2015 gründet er seine Produktionsfirma, entgeht beim Startups@Reeperbahn-Pitch im vergangenen September wegen technischer Pannen nur knapp einem Schiffbruch - kann Anfang diesen Jahres mit voller Förderung des IFB-Innovationsprogramms "InnoRampUp" voll durchstarten. Es ist die Geschichte eines Reisenden und seiner Bilder, die Geschichte eines Visionärs und seiner Drohnen. Ein Blick zurück:

Studium oder Weltreise? Aus 5 Monaten werden fast 10 Jahre.


Co-Founder und kreativer Kopf: Nicolas Chibac
Foto: Kevin McElvaney
2002 steht der Flensburger an einer entscheidenden Wegmarke: Filmregie studieren oder eine Weltreise machen. Er hat sich in Berlin und München beworben - und zieht hinaus in die Welt. 5 Wochen sollten es werden, 5 Monate sind es am Schluss. 2 Weltreisen unternimmt er als Fotograf und Werbefilmer, ist bis zu 6 Monate unterwegs - vornehmlich im Tourismus. Er macht 360-Grad-Fotos für Hotelketten, dreht Werbeclips. Immer wieder muss er für Projekte eigene Technik entwickeln. Am Anfang gibt es weder 360-Grad-YouTube-Videos noch VR-Brillen.

2010 startet im 5-Sterne-Ressort "Relais & Chateau" auf Bali seine erste Drohne zum Werbeflug. Doch der hoffnungsvolle Auftakt endet im Pool: Totalschaden für Drohne und Kamera - 6.000,- € versenkt. Der weit blickende Werbefilmer lässt sich nicht abschrecken. Mit dem Einsatz von Drohnen sieht er komplett neue Möglichkeiten - und eine Alternative zu teuren Hubschrauberflügen. 2014 bekommt er den Auftrag für seinen ersten Werbefilm in 360° für den Mobifunkprovider MTV Mobile Sunrise. Ein Jahr später darf er ein 360-Grad-Musikvideo für Warner Music mit Robin Schulz drehen. 

Die Zukunft virtueller, begehbarer Räume: Da geht noch mehr!

Im gleichen Jahr startet ein faszinierendes Projekt mit 360 Grad-Aufnahmen und anschließender Virtualisierung: Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Berlin Partner, der Berliner Universitätsklinik Charité, dem Netzwerkhersteller Cisco und dem Busbetreiber DB Regio erschafft Nicolas für die internationale Technologiekonferenz "Cisco Live" ein begehbares 3D-Modell des Impfmobils "Medibus". Am Nachmittag der "StartupNight" präsentieren die Partner vor 5.000 Zuschauern die Zukunft von virtuellen, begehbaren Räumen. Dem heimlichen Techi wird klar: Da geht noch mehr!


Die 360-Grad-Filmdrohne "Spherie"
Foto: HANSEVALLEY
Jetzt startet der Autodidakt die nächste Stufe seiner persönlichen Reise um die Welt. Im Mittelpunkt der Präsentation bei der Berliner StartupNight: "Spherie" - eine 360-Grad-Drohne. Wieder geht es ums Filmen, wieder geht es um 360°-Aufnahmen - allerdings mit einer ausgereiften Drohnentechnologie und ganz neuen Möglichkeiten. Jetzt sind 360-Grad-Filme ohne störende Kamera, Halterung und Drohne im Bild möglich. 

Die 360-VR-Drohne "Spherie"

Die Idee hinter der Kameradrohne: "Mit "Spherie" kann man die ganze Welt einscannen, um sie VR-fähig zu machen", erzählt der Wahl-Hamburger mit lechtenden Augen in der gemütlichen Wohnküche der FilmFabrique. Mit der Drohne sollen Räume in Zukunft fast automatisch abgescannt und aufgenommen werden. Aus den per Photogrammetrie aufgenommenen Bildern wird per Software ein fotorealistisches 3D-Modell - und daraus ein interaktiv begehbares Umfeld. Jeder Raum kann gescannt und anschließend virtualisierst werden.

1 1/2 Jahre dauert die Entwicklung, ein Sideprojekt, finanziert aus den Filmaufträgen. Fast 80.000,- € sind bis heute in die Zukunftstechnologie geflossen - u. a. in Prototypen, Kameratechnik und juristische Unterstützung. Die Erfindung ist zum Patent angemeldet. Das deutsche Patent- und Markenamt hat "Spherie" als patentfähig eingestuft. Konnten bislang nur grafische Abbildungen in 2D optimiert werden, können jetzt Räume in 3 Dimensionen erkannt, gescannt und virtualisiert werden - und das zunehmend automatisch, schnell und detailgenau.




Next Steps: "Digital Twins" und Virtuelle Reisen

Die Einsatzmöglichkeiten sind unbegrenzt. Schon heute zeigt "Google Tango", in welche Richtung es geht: Zuerst misst man seine Räume aus. Anschließend gestaltet man sie mit neuen Möbeln. Ein B2B-Szenario: Digitale Kopien von Schiffen oder Ölplattformen - für Sicherheitsschulungen und Einsatzoptimierung. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Erlebnisse von Urlaubsreisen virtualisieren, wie die Elphi, um Reiseziele zu entdecken. Desto besser die Technik, desto mehr wird das virtuelle Erlebnisse eine eigene Dimension.

Einer, der dabei vorn mitspielen könnte, ist der britische Unternehmer und Ballonfahrer Sir Richard Branson, Nach Virgin Airlines und Virgin Galactic könnte er mit Drohnen-Projekten der Zukunft auf die Sprünge helfen. Seit 2014 ist es ein Top-Thema auf Virgin.com. Im Rahmen der diesjährigen "Extreme Tech Challenge" auf Necker Island pitchen allein drei Startups mit Drohnen. Außerdem werden 6 Drohnen-Teams eingeladen, außerhalb der Wertung Necker Island auf den Britischen Jungferninseln abzufliegen. Mit dabei: Nicolas mit "Spherie" - und Richard Branson ist begeistert. 



Und wie geht es weiter? Schauen wir auf das Holodeck des Raumschiffs Enterprise. Dort können Besatzungsmitglieder durch virtuelle Räume laufen, Missionen trainieren und Sport treiben. Die Idee: Das Darstellen ganzer Welten. Der virtuelle Freizeitpark "The Void" zeigt den Weg - noch mit Brillen. Der nächste Schritt: die digitale Darstellung von Materie. Die Technologie dahinter: das Erzeugen elektromagnetischer Felder durch Überlagerung mehrerer Ultraschallwellen. Das Ziel: haptische Gefühle ohne einen Handschuh. Ein US-Startup arbeitet bereits daran.

Vor 15 Jahren entschied sich der damals 22-jährige Jungfotograf und Werbefilmer Nicolas Chibac, die Welt zu entdecken. Heute ist er dabei, mit "Spherie" die ganze Welt zu scannen. Zum Abschluss des spannenden Ausflugs gibt er uns mit auf den Weg: "Reisen ist wichtig, um Perspektiven wechseln zu können und Empathie entwickeln zu können." Noch kann VR das Reale nicht ersetzen. Künftig könnten Reisen in die virtuelle Welt auch dafür sorgen, dass uns das Reale im täglichen Leben wieder bewusster wird. Das wäre ein interessantes Reiseziel.

 Hamburg Digital Background: 

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http://spherie.net/

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Sonntag, 30. April 2017

HANSEPERSONALITY Ralf Scharnhorst: "Die Welt stellt sich gerade auf den Kopf."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Ich fand Marketing schon immer spannend", pointiert der bekannte Hamburger Medienexperte seine Passion. 1996 war er bei der DMS Mediaagentur einer von 5 Mediaplanern für Onlinewerbung in Deutschland. 1998 leitete der Diplom-Kaufmann als einer der ersten Mitarbeiter der Hamburger Marketingagentur SinnerSchrader die Mediaplanung. 


Mit seiner Agentur findet er heute neue Wege für effizientes Onlinemarketing. An der Macromedia Hochschule lehrt er Onlinewerbung und Mediaplanung. Als Boardmitglied der D3con unterstützt er eine der führenden Konferenzen zur Zukunft der Displaywerbung in unserer Stadt. Unser HANSEPERSONALITY ist Ralf Scharnhorst:



Hamburgs Online-Marketing-Experte Ralf Scharnhorst
Die Werbung ist im Umbruch. Bislang wurde mit großen Etats in Fernsehspots, Printanzeigen oder Plakatwerbung investiert. Heute spielen Plattformen, wie Facebook und Google ganz vorn mit. Was hat sich mit online verfügbaren Werbeplätzen geändert?

Wo Werbung ungebündelt vom Inhalt ausgespielt werden kann, entsteht eine Vielfalt der Zielgruppen-Auswahl. Die Frage ist nicht mehr nur: werbe ich auf RTL oder SAT1, im Spiegel oder der Bild. Es kann sein: Will ich Freunde von Kino-Fans erreichen, die nach einer Geschenkidee suchen - mit Werbung für einen Kino-Gutschein? Oder Profi-Fotografen, die nach Zubehör suchen?


Wie können kleine und mittelständische Unternehmen von Onlinewerbung - sei es als Text- oder Bild-Ads - profitieren? Und worauf sollten Sie achten, um Budgets nicht ineffizient zum offenen Fenster rauszuwerfen? Ihre Ratschläge als langjähriger Experte!

Mut schlägt Budget! Die kurzen Entscheidungswege von Mittelständlern sind da ein Vorteil. So können sie einerseits aufmerksamkeitsstärkere Inhalte produzieren. Andererseits kennen kleinere Unternehmen oft ihre Zielgruppe besser. Und sie sind oft in der Lage, ganz natürlich auf die Fragen zu antworten, die sie über Social Media erreichen - weil sie ihr Produkt kennen. 



Ich sehe da drei Evolutionsstufen: Als erstes gab es nur Maßschneider, die in direktem Kontakt mit ihrem Kunden waren. Dann kam die Massenproduktion mit Fabriken und Fliessbändern - sie brauchte Werbung in Massenmedien und hatte als Rückkanal nur die indirekte Marktforschung. Und jetzt befinden wir uns auf der dritten Stufe, wo sich nicht nur Produktionsmöglichkeiten, sondern auch Marketing und Vertrieb demokratisieren. 

Für Brauereien, deren Marke nur in halb Deutschland erhältlich war, war Fernsehwerbung immer halb so effizient wie für die „Fernseh-Brauereien“ mit national deckender Distribution. Online-Video-Ads dagegen lassen sich präzise auf das Vertriebsgebiet aussteuern. So bekommen kleinere Anbieter die gleiche Marketing-Effizienz, wie bisher nur die großen. 

Facebook und Google organisieren Roadshows, um Mittelständler für ihre Werbeformate zu gewinnen. Welche Werbekanäle sind neben den globalen Online- und Social Media Plattformen für Kundengruppen interessant?

Jeder Werbungtreibende findet seine Nische, oft ist es nur ein langer Weg bis dorthin. Für die meisten ist Suchmaschinen-Marketing der effizenteste Kanal, sie beginnen damit. Aber was, wenn nach dem Produkt nicht gesucht wird? Hier ist oft Facebook die erste Wahl - und auch sonst durch seine detaillierte Aussteuerbarkeit und Datenmenge oft eine Empfehlung. Im Prinzip ist das schon datengetriebenes Marketing, aber noch nicht ganz „Programatic“.

Das kann seine Vorteile ausspielen, wenn man alle erhältlichen Datenquellen zusammenführt. Gerade im Bereich der Business-to-Business-Kommunikation haben aber auch die Klassiker unter den Online-Kanälen noch ihre Berechtigung: E-Mail-Marketing, Sponsorings oder Festplatzierungen auf themenspezifischen Sites - wir scheuen uns da nicht, bei spezialisierten Websites die digitale Werbung noch mit einem Fax einzubuchen.

Henry Ford sagte: „Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.“ Wie hoch ist der Anteil ineffizient eingesetzter "Werbedollars" heute in Zeiten online messbarer Werbung?

Vorweg: „Man kann sich schlecht dagegen wehren, welche Zitate einem hundert Jahre später im Internet in den Mund gelegt werden“ - sagte angeblich Einstein. Aber egal, von wem das Zitat nun stammt: daran arbeitet der Berufsstand der Mediaplaner noch heute. Wir haben heute aber mehr Technik, Rechenleistung und Daten. Daher sind wir bei gefühlt nur noch 20%, gemessen aber manchmal bei 99% verschwendetem Budget, wenn nur bei jedem 100sten User ein Kauf gemessen werden kann. 

Anders gesehen: Man startet Kampagnen so wie man denkt, dass sie am besten funktionieren. Weil es aber so viele Einfluss-Faktoren gibt, sollte man gerade beim Start Vielfalt erlauben, damit man auch unerwartete Nischen nutzen kann. Und die Kombination aus menschlicher Erfahrung, Phantasie und technischer Rechenleistung führt dann dazu, dass die Kampagne anhand der gemessenen Ergebnisse immer weiter optimiert wird. 

Dennoch: so lange der Mensch nicht zum Konsum gezwungen wird, bleibt der Erfolg der Werbung immer risikobehaftet. 

Aus Zeitungen werden Portale, Aus Antennen-TV wird Streaming, aus Plakaten werden Bildschirme. Früher wurden Plakate für 10 Tage gebucht, heute kann Werbung im 15 Minuten-Takt geschaltet werden. Was erwartet uns als Nächstes in der digitalen Werbung?
Nach und nach werden alle Medien digital. Am Bahnhof hängen immer weniger Plakate und immer mehr Bildschirme. Das hat drei Effekte: Aus Standbild wird Video, kürzere und damit günstigere Zeiträume sind buchbar und es ergeben sich weitere Möglichkeiten, die Zielgruppe auszuwählen - in diesem Beispiel nach Uhrzeit und Wochentag. 

Medienunternehmen wie Verlage, aber auch MySpace und StudiVZ dachten irgendwann, ihre technische Entwicklung sei abgeschlossen. Es übernahmen die IT-Unternehmen. Von Google, Amazon, Facebook und Apple müssen wir lernen: Wir befinden uns noch am ersten Tag der Entwicklung.

Wie beurteilen Sie Natural User Interfaces, wie Amazon Alexa, Microsofts Hololens oder Snapchats Spectacles in Sachen Werbevermarktung? Entstehen hier gerade die milliardenschweren Marketingkanäle der nächsten Jahrzehnte?

Die Werbungtreibenden wollen Aufmerksamkeit, dabei ist ihnen das Medium zunächst egal. Sie folgen also der Mediennutzung der Zielgruppen. Die Menschen ändern ihre Gewohnheiten langsamer und eher am Nutzen orientiert als an den technischen Möglichkeiten. Dennoch sollten wir uns an der enormen Geschwindigkeit orientieren, mit der sich die IT weiterentwickelt. 

Das Moore’sche Gesetz ist bislang ungebrochen: Verdoppelung der Rechenkapazität ca. alle eineinhalb Jahre bei gleichbleibendem Preis - das kann man sich beispielsweise für Autos nicht vorstellen.
 
Das führte dazu, dass der Computer in kurzer Zeit seinen Weg aus dem Rechenzentrum im Keller auf den Schreibtisch und danach in unsere Hosentasche gefunden hat. Er setzt schon an zum nächsten Sprung. Für Werbung aber gilt: um so näher sie uns kommt, um so stärker kann sie stören. Daher brauchen wir mehr Fingerspitzengefühl bei der Entwicklung neuer Werbeformen. 

Aber freuen wir uns erst einmal darüber: Nach über zwei Jahrhunderten Tastatur und über 30 Jahren Maus kommt endlich Bewegung in die Schnittstelle Mensch-Maschine. Facebook arbeitet sogar gerade daran, dass wir direkt aus dem Gehirn posten können. Und da sich Facebook ausschliesslich durch Werbung finanziert, müssen sich zumindest die Werbungstreibenden keine Sorgen deshalb machen.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist einer der führenden Medien- und Marketingstandorte, einschl. der Vertriebsbüros amerikanischer Plattformen. Was sollte Hamburg heute unternehmen, um auch in Zukunft in Medien und Marketing vorn mitzuspielen?

Es gibt da ja die deutsche Haltung „Politik soll alles retten“ und die amerikanische: "Stadt und Staat sollten nur möglichst wenig stören". Meine liegt dazwischen: Die Stadt kann nur einen guten Nährboden schaffen. Und das geht durch Bildung für alle und erschwingliche, kurzfristig mietbare Büroräume, die Vernetzung ermöglichen. 

An der Hochschule versuche ich, den Studierenden die Alternative zum Angestellten-Leben aufzuzeigen: Wenn Ihr eine Idee habt, die Eure Chefs nicht verstehen, probiert sie selber aus! Und das haben schon einige getan. Ich glaube, es liegt nicht an den Studierenden, dass wir hier weniger Gründer haben als in den USA, sondern an den Hochschulen. Aber ich habe erlebt, wie Google und Facebook nach Hamburg kamen: am Ende ist es der reine Zufall, dass die richtigen Leute am richtigen Ort sind.

Vielen Dank für die tollen Insides!

Das Interview führte Thomas Keup.

Über Ralf Scharnhorst, Inhaber Scharnhorst Media

Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet und entwickelt Marketing-Strategien - oft mit anschliessender Umsetzung. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung. Mit dem Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt. Scharnhorst leitet den Competence Circle Media-Management im Deutschen Marketing Verband und lehrt an der Macromedia Hochschule. 


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 Hamburg Digital Background: 

Ralf Scharnhorst bei XING:
https://www.xing.com/profile/Ralf_Scharnhorst 

Ralf Scharnhorst: 10 Thesen zur Zukunft des Marketing

https://onlinemarketing.de/news/werbung-ohne-pc-zielgruppe-10-thesen-zukunft-marketing

Scharnhorst Media Beratung und Planung
https://www.scharnhorstmedia.com/


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