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Dienstag, 21. Juli 2020

HANSESTATEMENT Peter F. Schmid: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise.

Hanse Digital Autoren

Digitalunternehmer und Visionär: Peter F. Schmid, Visable
Foto: Visable

Seit mehr als vier Monaten befinden wir uns durch die Corona-Krise in einem weltweiten Ausnahmezustand. Zahlreiche Unternehmen und ganze Branchen bangen um ihre Existenz. Peter F. Schmid ist CEO von "Visable", dem Dach der europäischen B2B-Plattform "Europages" und des deutschen Marktführers im Bereich digitaler B2B-Marktplätze "Wer liefert was“ (WLW). Der Vorsitzende der Landesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft des Wirtschaftsrats Hamburg beobachtet die Situation von Beginn an und identifiziert sieben eindeutige Entwicklungen. Ein Gastbeitrag von Peter F. Schmid:

Das IfO-Institut prognostiziert bereits eine Insolvenzwelle für die kommenden Monate. In diesen Zeiten zeigt sich so deutlich wie noch nie, dass KMU ohne den Einsatz von digitalen Tools vor dem Aus stehen. Ich beobachte die Situation von Beginn an und identifiziere die folgenden sieben Entwicklungen:

1. Beschleunigung der Digitalisierung der KMU im Bereich Einkauf und Vertrieb

Die klassischen, bekannten und bewährten Marketing- und Vertriebstools standen mit einem Mal nicht mehr zur Verfügung. Die Absage von zahlreichen Messen sowie die Abordnung von Vertriebsmitarbeiterinnen- und Mitarbeitern ins Homeoffice brachte den Vertrieb in vielen Unternehmen kurzfristig zum Erliegen. Ohne den zeitnahen, gezielten Einsatz von digitalen Tools müssten eine Vielzahl von KMU in Europa um ihre Existenz fürchten. Zugespitzt bedeutet das: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise. 

Besonders im Vertrieb mussten und müssen neue Wege gegangen werden, um den Einkauf ohne persönlichen Besuch zu erreichen. Ob Sales-Pitches via Videocall oder der Einsatz eines virtuellen Messestands – die Möglichkeiten sind vielfältig und die Nachfrage nach Weiterbildung groß. Mehr als 350 Interessierte informierten sich beispielsweise in unserem Webinar zu dem Umgang mit neuen digitalen Vertriebslösungen. Das war ein toller Erfolg und eine erneute Bestätigung für Visable als digitaler Partner für KMU in Europa.

2. Messe als primäres Verkaufs- und Marketing-Tool nicht mehr zeitgemäß 


Jede vierte Messe wird es nach der Krise so nicht mehr geben. Schon vor dem Einsetzen der Coronakrise gab es die Diskussion um die Zweckmäßigkeit von vielen Messen weltweit. In Zeiten der Digitalisierung ist es weder zeitgemäß noch ökologisch und ökonomisch sinnvoll, komplexe Güter wie Maschinen um die halbe Welt zu transportieren, um sie für eine oder zwei Wochen auf einer Leitmesse auszustellen. Auch der enorme Reiseaufwand von Ausstellern und Besuchern sowie der Einsatz von finanziellen sowie ökologischen Ressourcen steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Erhalt der Messebranche als Selbstzweck sollte für die Zeit nach Corona hinterfragt werden.

3. Besonderes Bedürfnis nach persönlichem Austausch und Wissensvermittlung 

Für viele sind die jährlichen Messebesuche auch immer Anlass zum Austausch innerhalb der eigenen Branche. Key Notes, Experten-Panels und Masterclasses dienen außerdem zum Wissenstransfer und zur Inspiration. Das Bedürfnis nach persönlichen Treffen, zwischenmenschlichem Austausch und Networking wird auch nach Corona nicht verschwunden sein – im Gegenteil. Konferenzen und Summits kommen ganz ohne den gewohnten Druck aus, möglichst viele Leads oder Abschlüsse generieren zu müssen, sie bieten einen echten Mehrwert und werden deutlich stärker nachgefragt werden.

4. Ausgaben für Online-Marketing steigen massiv 

Das durch die Absage von Messen freigewordene Marketingbudget wird von vielen Unternehmen nun für Tools wie SEA, Content Marketing und Social Media eingesetzt werden. Einer Umfrage von "iBusiness" zufolge will mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) vermehrt auf virtuelle Lösungen setzen. Die Vorteile von Online-Marketing überzeugen auch in Krisenzeiten. Reichweite und Inhalte können gezielt gesteuert werden. Die Leadgenerierung via Plattformen ist einfach und flexibel möglich.

5. Die Bedeutung von Digital Sourcing in Europa wächst

Viele Unternehmen wurden Covid19-bedingt dazu gezwungen, ihre Beschaffungs-Strategie vollständig zu überdenken oder waren kurzfristig auf alternative Lieferquellen angewiesen, weil ihnen die etablierten Lieferketten weggebrochen sind. Auch rücken lokale, nationale und Anbieter aus den umliegenden Märkten mit kürzeren Lieferwegen wieder stärker in den Fokus. Der harte Shutdown am chinesischen Markt brach bewährte Lieferketten, die in den letzten 20 Jahren mit der Zuwendung nach Asien etabliert wurden. 

Sie überzeugten einst durch Flexibilität, Vielfältigkeit und günstige Konditionen. Jedoch wurde die Möglichkeit einer erneuten weltweiten Wirtschaftskrise von den meisten schlicht ignoriert. Durch Digital Sourcing sichert der Einkauf seine Lieferketten und kann schnell und flexibel auf Veränderungen durch Krisensituationen reagieren. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Beschaffung auf nur eine, enge Lieferantenbeziehung setzte. In eine solche Abhängigkeit wird sich besonders nach dieser Krise niemand mehr begeben wollen.

6. Noch nie waren Online-Plattformen für Europas B2B-Markt wichtiger

Ein schneller Überblick über alle verfügbaren Anbieter, Akquisitionen von neuen Kunden lokal bis weltweit, die Messbarkeit des Budgeteinsatzes und die Verfügbarkeit an 365 Tagen im Jahr sind nur einige Vorteile, die Plattformen wie "Europages" und "WLW" bieten. "Visable" konnte in den ersten Wochen nach dem deutschlandweiten Lockdown einen signifikanten Anstieg der Zugriffszahlen verzeichnen.

Der Traffic wuchs seit Beginn der Coronakrise im Mittel um mehr als 25 Prozent auf "WLW" und um 22 Prozent auf "Europages" im Vergleich zum Vorjahr. In Spitzen lag der Zuwachs auf beiden Plattformen sogar über 50 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche. Das Potenzial für den digitalen B2B-Markt ist nach wie vor enorm. Bereits vor Corona wuchs der Markt seit 2013 um durchschnittlich 13 Prozent jährlich. Prognosen zeigen, dass sich an diesem Wachstumstrend nichts ändern wird.

7. Der Einkauf nimmt die Schlüsselrolle des Unternehmens ein

Was vor der Coronakrise eher als ein Schattengewächs der Unternehmen galt, hat sich nun zu einer der wichtigsten Säulen eines Unternehmens entwickelt. Der Einkauf rückt durch den Ausfall der etablierten Lieferketten und Liefermärkte wie bspw. China in den Mittelpunkt und sichert durch schnelles Reagieren und die Nutzung von digitalen Tools das Überleben der Company. Es geht schon lange nicht mehr nur um den Einkauf von Waren. Mittlerweile ist es das Digitalisierungs-Know-how und das strategische Verhandlungsgeschick, was zum langfristigen Erfolg führt. 

Über den Autor:

Peter F. Schmid ist CEO des europäischen Plattformanbieters "Visable" mit den B2B-Marktplätzen "Europages" und "Wer liefert was". Visable unterhält Büros an den Standorten Hamburg, Berlin sowie Paris und beschäftigt heute in den Bereichen Marktplätze und Online-Marketing über 380 Mitarbeiter. Zusammen erreichen die Marktplätze der Hamburger Firmengruppe monatlich über 3,7 Millionen B2B- Einkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen. Insgesamt sind über 3,6 Millionen Firmen auf beiden Plattformen registriert. Weitere Informationen unter www.visable.com.

Ein Gastbeitrag von Peter F. Schmid. Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.
 
 Hanse Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Peter Schmid: Ein Leuchtturm für die Digitalwirtschaft in Hamburg.

Sonntag, 6. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Peter Schmid: Ein Leuchtturm für die Digitalwirtschaft in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg droht im Vergleich der Metropolen und Wirtschaftszentren Deutschlands abzurutschen. Zu diesem Ergebnis kommt die Landesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft des Wirtschaftsrats. Die Unternehmer warnen: Hamburgs Digitalwirtschaft verpasst den nationalen Anschluss. Senatspolitik und Wirtschaftsförderung haben sich zu lange auf den Lorbeeren von "Medienhauptstadt" und "Elbvalley" ausgeruht. Der Senat verschleudert jährlich einen Millionenbetrag für eine wirkungslose Landesinitiative "Next Media Hamburg".


Sorgt sich um den Digitalstandort Hamburg: Unternehmer Peter Schmid
Foto: WLW

Peter Schmid ist Vorsitzender der Landesfachkommission, seit 1995 mit Autoscout in der Internetwirtschaft zu Hause und als Geschäftsführer des an Alster und Elbe beheimateten B2B-Marktplatzes "Wer liefert was" einer der digitalen Köpfe Hamburgs. Wo läuft's noch richtig rund im "Elbvalley"? Wo knirscht es mächtig im Gebälk? Und wo ist der Zug für die Freie und Hansestadt schon abgefahren? Unser HANSEPERSONALITY ist Peter Schmid:

Die Hamburger Digitalwirtschaft aus Hard- und Softwarebranche sowie den Internetunternehmen spielt bundresweit nicht mehr in der ersten Liga mit. Nach wie vor ist die Stadt mit Facebook, Google, Smaato oder WLW ein führender Marketingstandort. Woran machen Sie als Autor der Studie den "Niedergang" der einst so stolzen "Internethauptstadt" fest?

Sie haben einige der hier ansässigen Digital-Unternehmen genannt. Aber nehmen wir zum Beispiel Google: Der deutsche Hauptsitz ist nach wie vor Hamburg. Aber warum baut Google einen neuen Standort für über 1.000 Mitarbeiter nicht in der Hansestadt, sondern in München? Warum investiert Google in die Münchner TU und nicht in eine Hamburger Institution? 

Darüber hinaus fehlt eine Exzellenz-Universität von wenigstens bundesweitem, noch besser internationalem Ruf und die regionale Politik malt rosarote Wolken, indem sie sagt, Hamburg gehöre immer noch zur digitalen Sperrspitze in Deutschland. Diese und weitere Punkte beleuchten wir in unserer Studie.

Schauen wir zusammen in Ihren Forderungskatalog für die Digitalwirtschaft unter dem Titel "Rahmenbedingungen verbessern - Perspektiven schaffen". Lassen Sie uns die wichtigsten Aspekte zusammenfassen. Welche Top 5-Themen schmerzen Sie als langjähriger Internetunternehmer u. a. bei Parship und WLW? Hand auf's Herz!

Was mir am meisten fehlt, ist ein digitales Leuchtturmprojekt, das eine Anziehungskraft auf die kreativen Köpfe der Digitalwirtschaft ausübt – quasi eine „Elphi der Digitalwirtschaft“. Das könnte zum Beispiel freies WLAN im gesamten Stadtgebiet sein. Wenn die kreativen Köpfe dann nach Hamburg kommen, müssen sie gute infrastrukturelle Rahmenbedingungen vorfinden, also ein funktionierendes Integrations- und Relocation-Programm. 

Eine Hochschule von internationalem Ruf hatte ich bereits angesprochen. Weitere Punkte sind eine strategische Vernetzung mit internationalen Hotspots wie dem Silicon Valley oder Tel Aviv in Israel sowie die Verbesserung des lokalen VC-Angebots, zum Beispiel durch die zügige Umsetzung des beschlossenen Innovations-Wachstumsfonds.

Das Wirtschaftsratspapier ist eine Metastudie aus mehr als 10 renommierten deutschen Datenquellen. Welche Quellen haben Sie für das Positionspapier herangezogen und welche Themenbereiche haben Sie besonders beleuchtet, um daraus eine Essenz der für Hamburg besonders relevanten Aufgaben herauszuschälen?

Es gibt zu den Themen Digitalisierung, Digitalstandort Deutschland, Startup-Standorte aber auch zur technischen Infrastruktur genügend jährlich aufbereitetes Datenmaterial, auf das wir zurückgreifen konnten. Darunter sind der "Startup-Monitor Deutschland" von KPMG und das "Startup Barometer" von Ernst & Young, das statistische Jahrbuch der Hansestadt Hamburg, Informationen des Bundesverbandes Breitbandkommunikation e. V. und des Bundeswirtschaftsministeriums sowie des Statistikportals Statista.

Aus diesen und weiteren Quellen haben wir die Informationen in den Themenbereichen „Hamburg als Startup-Standort“, „Gesellschaftliche Rahmenbedingungen“, „Hochschule und Netzwerke“ sowie „Technische Infrastruktur“ zu unserem Positionspapier zusammengefasst. Jedes Themengebiet schließt mit einem Katalog von drei bis sieben konkreten Forderungen an die Hamburger Politik.


In Ihrem Positionspapier fordern Sie die Umsetzung der zehn Jahre alten Forderungen zur flächendeckenden Gigabit-Vernetzung von Gewerbe- und Bürostandorten in ganz Hamburg. Hand aufs Herz: Warum lässt die Hamburger Politik die Hafenunternehmer mit USB-Sticks und schäbigem Kupferkabel allein? Was läuft in Rathaus und BWVI schief?

Wenn ich die Antwort darauf hätte, bräuchten wir die Forderung nicht aufzustellen. Fakt ist, dass es Unternehmen gibt, die aufgrund der schlechten technischen Infrastruktur in ihrer Leistungsfähigkeit limitiert sind und enorme Anstrengungen aufbringen müssen, um eine adäquate Lösung zu finden.


In einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland und in einer reichen Stadt wie Hamburg über Bandbreiten im Gigabit-Bereich überhaupt diskutieren zu müssen, wird dem Anspruch eines Digitalstandorts nicht ansatzweise gerecht. Hier muss dringend ein Umdenken und daraus resultierend eine Verschiebung von Prioritäten und Ressourcen einsetzen.

Hamburg hat mit der Elbphilharmonie einen "touristischen Leuchtturm". Sie fordern einen neuen Leuhtturm für die Digitalwirtschaft - und nicht nur viele kleinere Maßnahmen zur Schmerzlinderung. Ist die "Digital Society University" der entscheindende Schlüssel, um Hamburg aus der Mittelmäßigkeit der TU Harburg herauszuholen?

Warum bauen Google und Microsoft ihre Standorte in München aus? Warum ist Berlin der Digitalstandort Nummer 1? Und warum entwickelt sich um Karlsruhe oder Aachen die nächste ernstzunehmende Digitalregion? Bestimmt nicht wegen Isar, Spree und Rhein. Es ist die Nähe zu den Exzellenz-Universitäten. 

Die Unternehmen wissen, dass sie hier die am besten ausgebildeten Köpfe finden. Und die Studenten können bereits während des Studiums die ersten Karriereschritte bei attraktiven Arbeitgebern machen. Hier hat Hamburg das Nachsehen. Denn wegen des Elbstrands allein kommt niemand in die Hansestadt – weder Unternehmen, noch Absolventen oder Fachkräfte.

Sie sagen als Geschäftsführer von "Wer liefert was": Alles, was im Consumerbereich passiert ist, wird auch im B2B-Geschäft passieren. Müssen sich Maritime und Hafenwirtschaft, Logistik und internationale Dienstleistungen in Hamburg jetzt warm anziehen? Der Senat scheint ja vor allem auf "Weiter so" mit 7.000 Franzbrötchen für osteuropäische Brummifahrer zu setzen?

Ich bin aufgrund dieser Überzeugung bei „Wer liefert was“ eingestiegen und ich bin immer noch dieser Meinung. Auch wenn im B2B die Mühlen langsamer mahlen. Dennoch: Was digitalisiert werden kann, wird früher oder später digitalisiert werden. Man darf die digitale Revolution aber nicht stigmatisieren oder mystifizieren. 

Denn jede Revolution hat gezeigt, dass die Arbeitsplätze, die dadurch vernichtet wurden, in vielfacher Form an andere Stelle neugeschaffen wurden. Sei es bei der Erfindung des Rades oder bei der industriellen Revolution. Die traditionelle Hamburger Wirtschaft wird eine Lösung dafür finden, sie muss nur langsam mal aufwachen. 

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: 

Sie sind seit rd. 5 Jahren an Alster und Elbe zu Hause, seit gut 8 Jahren hier engagiert. Wenn wir mal ihre eigene Wünsche aus dem Positionspapier des Wirtschaftsrates nehmen: Was ist für Sie und ihre Familie besonders wichtig, was sich in Hamburg schleunigst ändern sollte? Kostenloses WLAN überall?

In Bezug auf den Digitalstandort Hamburg wäre das wie bereits erwähnt eine Möglichkeit. WLAN überall würde auch davor schützen, was passiert, wenn der private Router einmal ausfällt. Was meinen Sie, was bei mir zu Hause los ist, wenn kein Netflix oder Spotify mehr funktioniert. Aber Spaß beiseite: 

Neben dem Leuchtturm für die Digitale Wirtschaft ist bezahlbarer Wohnraum wichtig, damit sich Fachkräfte in Hamburg ansiedeln. Und die Elbphilharmonie hilft auf ihre Weise auch: Denn wenn Hamburg aktuell schon keine Strahlkraft aufgrund digitaler Themen entwickelt, dann immerhin auf kultureller und architektonischer Ebene. 



*  *  *

Vielen Dank für Ihre Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup

 Hamburg Digital Background: 

Wirtschaftsrat: Hamburgs Digitalwirtschaft verpasst nationalen Anschluss:
www.wirtschaftsrat.de/wirtschaftsrat.nsf/id/4A81E6BD8B41C27AC1258272004F2BC9/$file/WR%20HH_Digitalwirtschaft%20in%20Hamburg.pdf

IW Consult: Hamburg im Regional-Ranking auf dem Weg in die Mittelmäßigkeit
www.iwconsult.de/leistungen-themen/branchen-und-regionen/staedteranking-2017/

Abendblatt: Wirtschaftsrat warnt vor digitalem Abstieg Hamburgs:
www.abendblatt.de/hamburg/article214070779/Wirtschaftsrat-warnt-vor-digitalem-Abstieg-Hamburgs.html

Mittwoch, 11. April 2018

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group

HAMBURG DIGITAL REPORT

Am morgigen Donnerstag feiert Michael Otto seinen 75. Geburtstag. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hamburger Otto Group und Ratsvorsitzende der familieneigenen Stiftung hat zusammen mit seinem Sohn Benjamin den Kurs eines der weltgrößten Versandhäuser auf Zukunft ausgerichtet. Anläßlich des Jubiläums schauen wir hinter die Kulissen des Innovationsmanagements und der Business Intelligence in Bramfeld.

Das Hamburger Versandhaus Otto stellt in den kommenden 12 Monaten 580 weitere Techis in den Bereichen E-Commerce und Online Marketing, Business Intelligence und IT-Management ein. Kommunikationschef Martin Frommhold bestätigt: Otto wird zur Tech-Company. Auf einer Tour durch die rd. 300 Mitarbeiter starke Business Intelligence Unit wird klar: Das Familienunternehmen überlässt die digitale Zukunft nicht allein Amazon und Zalando.


Otto-Firmenzentrale in Hamburg-Bramfeld.
Foto: Otto Group
Was mit dem Corporate-Startup "Collins" begann, mit dem Einstieg von Benjamin Otto als "gestaltender Gesellschafter" verankert wurde, ist mit Kulturwandel 4.0 und New Work sichtbar geworden: Der Handels- und Dienstleistungsriese transformiert mit Technologien, Partnerschaften und Beteiligungen sein Geschäft und seine Arbeitswelt für die datenbasierte Zukunft. Ein Hamburg Digital Report aus dem Innovationsmanagement der Otto Group:

Hamburg, Werner-Otto-Straße: Die vier roten Buchstaben überstrahlen alles im Gewerbegebiet. Hinter den grauen Fassaden der 1959 erbauten Firmenzentrale bleibt allerdings kein Stein auf dem anderen. Der 1949 gegründete Versandhändler ist zwischen den milliardenschweren Rivalen Amazon und Zalando eingekeilt. Es ist Familiensproß Benjamin Otto, der 2013 mit "Collins" ein Tech-Startup initiiert, dass als Zalando-Konkurrent Fashion personalisiert an junge Kundinnen bringt und technische Möglichkeiten für den Konzern erarbeitet - der Concept Proof für den Umbau des deutschen Versandhändlers.


Otto-Coworking "Collabor8" in Bramfeld.
Foto: Otto Group
Zwei Jahre später übernimmt der damals 39-Jährige als "gestaltender Gesellschafter" Schlüsselfunktionen bei der tonangebenden Michael-Otto-Stiftung und im Gesellschafterrat der Otto Group. Benjamin Otto ist seit 2003 in Tech-Themen zu Hause, Gründer einer Smart Home-Company und Startup-Investor. Anfang 2017 präsentiert die Otto Group auf ihrem Campus ein 1.700 qm großes Coworkingspace namens "Collabor8", bietet 200 Mitarbeitern im 8. Stock flexibles Arbeiten - ein Meilenstein für "New Work" bei der Otto Group - mit offenen Arbeitsbereichen für die bis zu 7.000 Mitarbeiter auf dem Firmencampus.

Trüffelsucher für den "heissen Scheiss"

Im 6. Stock der Konzernzentrale hat sich eine 30 Mann starke "Task-Force E-Commerce" für die mehr als 120 Konzernfirmen und über 100 Onlineshops in mehr als 30 Ländern strategisch auf den Weg gemacht: Neben Business Intelligence und Data Analytics der Otto Group, User Experience- und Mobile Lab haben im Großraumbüro der Konzernzentrale die Bereiche E-Commerce-Strategie und Innovationsmanagement ihr Zuhause. Die Trüffelsucher bringen den "heissen Scheiss" nach Bramfeld. Kopf des Innovationsmanagements ist Diplom-Medieninformatiker Florian Hermsdorf.


Leitender "Trüffelsucher" der Otto Group: Florian Hermsdorf
Foto: Otto Group
"Ich sehe Technologien als Chance, neue geschäftliche Aktivitäten aufzubauen", betont der 37-jährige Wahl-Hamburger seine Intention, seit 12 Jahren bei der Otto Group neues Geschäft zu entwickeln. Damals kümmerte sich der Absolvent der FH Wedel um das zarte Pflänzchen Mobile, unterstützte den Aufbau eines ersten Mobile Shops und des Mobile Marketings. Es ist die Neugierde, die den 2-fachen Familienvater antreibt: "Was entsteht Neues daraus und was kann man damit machen?", sind für den gebürtigen Frankfurter entscheidende Fragen als Kopf eines 7 Mann starken Teams. Die Innovationen reichen von Kennzahlenoptimierung im Onlineabsatz bis zu neuen Geschäftsfeldern.

Zwischen Kreativität und Konzeption

"Internet macht mir Spaß", antwortet der Co-Founder des E-Commerce-Magazins "Kassenzone". Dabei geht es dem Spezialisten um die Kombination aus Kreativität und Konzeption. Zwei Aufgaben treiben den in Bremen aufgewachsenen Online-Experten an: 1. alle relevanten Innovationen in den drei Otto-Group Geschäftsfeldern Multi Channel-Retail, Logistik und Finanzdienstleistungen rechtzeitig erkennen und 2. die für den Konzern relevanten Themen zusammen mit den Geschäftsbereichen erfolgreich einführen. Rund 3 bis 6 Monate dauern die agil aufgesetzten Projekte im Schnitt.


Brainstorming des Innovations-Teams für neue Services
Foto: Otto Group
Es geht um die Reduzierung einer Idee auf den Kern. Dieser Kern wird im Rahmen eines Proof of Concept mit Usern getestet. Besonders spannend: Die Veränderungen einer Innovation im Laufe der Testphase. Für den Erfolg ist die offene Zusammenarbeit, die Transparenz von Informationen und schlanke Strukturen das A und O. Mit dem Rollout des "Kulturwandel 4.0" seit 2016 hat die Otto Group genau die Voraussetzungen geschaffen, um heute agil an Ideen für die eigene Zukunft zu arbeiten. 

Werteorientiertes Familienunternehmen


Protest gekündigter Zalando-Mitarbeiter
Twitter-Foto: Dimitri Lambrecht, @dilam77
Dreh- und Angelpunkt der Trüffelsuche sind Technologien. "Alle glauben, daß sie die Prozesse stark beeinflußen werden", bestätigt der verheiratete E-Commerce-Profi den Trend. "Maschine ersetzt Mensch" kommentieren die Medien Anfang März d. J. die Kündigungswelle bei Zalando. Bis zu 250 Online-Marketer werden beim Rivalen durch Algorithmen ersetzt, will das börsennotierte Rocket-Growup die Marketing-Automation vorantreiben. Hermsdorf sieht für das werteorientierte Familienunternehmen Otto Group derartige Trends nicht. Obwohl Daten auch für den Hamburger Konzern der entscheidende Treiber für Wachstum sind.

Als Beispiele nennt Hermsdorf die kontextbasierte Auswertung von Renzensionen auf Otto.de. "Aggregated Reviews" bieten Kunden die Chance, schnell einen Überblick über die Beurteilung gesuchter Produkte zu bekommen. Die Hamburger sind weltweit der erste Anbieter, der solch ein System im Einsatz hat - vor Erzrivale Amazon. Auch bei Chatbots müssen sich die Bramfelder nicht verstecken. "Clara" beherrscht die textbasierte Auswertung von Chats in den Otto-Onlineshops. Damit experimentiert der Versandhändler längst mit der Auswertung großer Datenmengen auf dem Weg zu künstlicher Intelligenz.

Augmented Reality-App mit Google

Bei der Tech-Tour durch die Business Intelligence Unit stellt Otto Ende März d. J. seine jüngste Entwicklung vor: eine automatisierte Auswertung von Bildern zur Produktsuche. Eine eigene App bietet Kunden in Kürze die Möglichkeit, Schnappschüsse von Kleidung oder Möbeln aus Prospekten, Schaufenstern oder von der Straße anonymisiert hochzuladen und in Sekundenschnelle relevante Informationen zu Produkt, Eigenschaften, Rezensionen und Preis zu bekommen. Mit der Data Science-Lösung zeigen die Hamburger, Amazon und Zalando in nichts nachzustehen.


AR-App für Möbelkauf per Smartphone und Tablet
Foto: Otto Group
Eine besondere Bedeutung messen die Innovatoren Geräten zu, über die Kunden künftig shoppen werden. Mit "Yourhome AR" hat Otto.de zusammen mit Google auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona eine Augmented Reality-App für Android-Devices gelauncht, um den Möbelkauf zu revolutionieren. Als einer von 5 Partnern des Online-Giganten Google ist Otto zugleich einziger E-Commerce-Launch Partner - und damit auf Augenhöhe mit Amazons AR-App. Die iOS-Version für Apple-Geräte stellten die Hamburger Ende März d. J. der Presse vor.

Das smarte Zuhause als Startpunkt


Das Versandhaus Otto auf dem Weg zur Tech-Company.
Foto: HANSEVALLEY
950 Mio. € setzte Otto im vergangenen Jahr mit Möbeln und Einrichtung um und ist Online-Marktführer in Deutschland - vor Amazon, Ikea, Home 24 und Tchibo. Strukturen, Texturen und die automatische Anpassung des Blickwinkels auf Smartphones und Tablet-PCs machen Möbel-Shopping zum visuellen Erlebnis. Nicht nur beim Möbelkauf ist Otto längst in unseren Wohn- und Schlafzimmern angekommen. Mit eigener "Action" für den Assistent in Google Home hören die Hamburger schon heute unseren Wünschen zu. Darüber hinaus experimentieren der Outletshop Limango und die Pakettochter Hermes in Großbritannien mit "Skills" in Amazon Echo - u. a. zur der Abfrage von Sendungsnummern.

In Zukunft wird das smarte Zuhause Startpunkt für den Kontakt zu den Otto-Onlineshops. Es ist die 3. Phase des Internets - in Waschmaschinen, Lautsprechern und Glühlampen. "Es ist eine Aufgabe für die Otto Group, in dieser Welt Fuß zu fassen", bringt es Visionär Hermsdorf auf den Punkt. Nachdem Geräte online vernetzt wurden und überall gesteuert werden können übernimmt die Hardware in Zukunft Services, vom Verkauf über Kundendienst bis zur -bindung. Die Einkaufsliste von Amazon Alexa zeigt, wo es hingeht. Für den seit 1995 mit PC und HTML aktiven Familienvater ist entscheidend, sich "flexibel auf neue Devices und Services einzustellen, um einen höheren Kundennutzen zu bieten".

300 mögliche Trends auf dem Radar


OTTO-Strategie: Auf dem Weg zur Handelsplattform
Foto: HANSEVALLEY
Mit dem Blick in die Zukunft bearbeitet Florian Hermsdorf mit seinem kleinen Team rd. 6 Fokusthemen pro Halbjahr, initiiert Pilotprojekte, bevor Ideen und Konzepte zu Produkten und Services in den Konzerngesellschaften werden. 3 bis 6 Monate dauert ein Projekt im Schnitt, bevor es produktiv im Konzern umgesetzt oder eingestellt wird. Dabei schaut das Innovationsmanagement der Otto Group durchaus mittel- und längerfristig in die Zukunft, beobachtet mit dem "Innovation Radar" 300 mögliche Trends bis 2030 und darüber hinaus. 

Eines der Themen ist die Blockchain-Technologie - für eine neue Supply Chain aka Lieferkette - von Rohstoff-Lieferanten über Hersteller und Großhändler, Logistiker, Versandhändler bis zum Endkunden. Michael Otto, seit vielen Jahren engagiert für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und eine lebenswerte Zukunft, präsentiert auf dem Symposium "Zukunftswerte" am Montag dieser Woche in der Elbphilharmonie ein ganz praktisches Anwendungsfeld:

Fälschungssichere Lieferketten dank Blockchain

Die Otto Group kann heute die Probleme jedes Rohstofflieferanten, jedes Herstellers und jedes Lieferanten in Sachen Umweltverträglichkeit und Arbeitsbedingungen benennen. Michael Otto bringt auf den Punkt: "Die Blockchain macht den Prozess vom Rohstoff bis zum Endkunden fälschungssicher". Florian Hermsdorf bestätigt: "Blockchain ist eine grundlegende Technologie, mit der man sich auseinandersetzen muss." Eine interessante Aussage eines leitenden Innovationsmanagers bei größtem Onlinehändler "Made in Germany". Wir sind gespannt.

Fast 14 Mrd. Mrd. € setzen die mehr als 52.000 Beschäftigten des Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group weltweit mit Multi Channel-Retail, Logistik- und Finanzdienstleistungen um. Mit fast 8 Mrd. € und mehr als 30 Marken ist die Hamburger Firmengruppe global erfolgreich im E-Commerce, 5,5 Mrd. € davon werden in Deutschland erwirtschaftet. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die größte Gesellschaft Otto.de inkl. 7 Spezialshops rd. 3 Mrd. €. 

 Hamburg Digital Reports: 

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
http://hh.hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
http://hh.hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html

 Hamburg Digital Background: 

Michael Otto schlug Amazon-Angebot über 100 Millionen aus
www.welt.de/wirtschaft/article175249145/Otto-Chefaufseher-Aerger-ueber-ausgeschlagenes-Bezos-Angebot.html

Benjamin Otto wird gestaltender Gesellschafter bei Otto
www.abendblatt.de/wirtschaft/article205265507/Benjamin-Otto-wird-gestaltender-Gesellschafter-bei-Otto.html

OTTO DIGITALSTRATEGIE:


Innovationsmanagement Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/

Technologieprojekte Otto Group:

www.ottogroup.com/de/dossier/Technologie-die-den-Menschen-begeistert-2018.php

OTTO INNOVATIONEN:


Kulturwandel 4.0 der Otto Group:
www.ottogroup.com/de/karriere/Unternehmenskultur/Kulturwandel-4.0.php

E-Commerce-Strategie Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/E-Commerce-Strategie-der-Otto-Group.php

Task Force E-Commerce Otto Group:
www.ottogroup.com/de/innovation/Exzellenz/Task-Force-fuer-den-E-Commerce.php

OTTO TRANSFORMATION:


Otto.de Market + Brand Connect:

www.otto.market/

Otto.de Developer Blog:

https://dev.otto.de/

Otto Group Konzernzentrale:
www.basicthinking.de/blog/2018/03/31/otto-hamburg/14/

DIE FAMILIE OTTO:

Zukunftswerte - Verantwortung für die Welt von Morgen - Das Buch:
www.zukunftswerte.net/buch.html

Benjamin Otto, Unternehmer und Erbe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Otto

Dr. Michael Otto, Unternehmer und Stifter:
http://michael-otto.info/

Werner Otto, Unternehmer und Mäzen:
http://www.werner-otto.info/

Mittwoch, 29. November 2017

HANSESTARTUPS: Einmal im Monat "verluncht" sich jemand über Lunchzeit.

Hamburg Digital Report

'Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship.' Mit dieser Analyse wirbt der Hamburger Marktführer unter den Singlebörsen für seinen Onlineservice. Dabei verlieben sich die meisten Menschen auf der Arbeit - und nicht am Computer. Auch wenn man "seinen Füller nicht in die Firmentinte stecken" sollte, bleibt das Problem: 


Wie lerne ich die richtigen Kollegen kennen, um nett lunchen zu gehen und für die eigenen Projekte einen kurzen Dienstweg aufzubauen. Tinder, Grindr & Co. kümmern sich um "Hopp oder Top" im Schlafzimmer. Das Hamburger Tech-Startup "Lunchzeit" um "Top oder Flop" am Schreibtisch. Die geheimen Bedürfnisse Hamburger Büroangestellter im Hamburg Digital Report:



"Amor" für die Mittagspause: Florian Gansemer
Foto: Lunchzeit
Er nennt es "Tinder für Kollegen". Dabei geht es dem 31-jährigen Florian Gansemer gar nicht darum, Amor zu spielen. Der gebürtige Koblenzer lebt seit 8 Jahren an der Alster und kann über erfolgreiche Zeiten bei Blau.de und Xing zurückblicken. Im Februar 2015 kam der Betriebswirt und gelernte Großhandelskaufmann zum führenden deutschsprachigen Karriere-Netzwerk. Bei Xing verantwortete er als "Business Owner" die Strategie und den Vertrieb der Xing-Anzeige - einer der Einnahmequellen des Hamburger Portals.

"Ich will eine App, in der alle Professionals drin sind."

Als neuer Mitarbeiter fragte sich der junge Manager, wie man in der fast 1.000 Mitarbeiter großen Tech-Company Kollegen kennenlernen kann - um mit ihnen zu lunchen und um wichtige Durchwahlnummern für Eventualitäten zu bekommen. In den meisten Firmen gibt es eine Mitarbeiterliste. Doch die "Bonzenschleuder" sagt wenig darüber, wer sich um was kümmert und wer für die eigenen Themen interessant sein kann. Florian formulierte für sich ein Ziel: "Ich will eine App, in der alle Professionals drin sind."
Co-Founder Damien Antipa: "Ich baue die App."
Foto: Lunchzeit

In Südafrika lernte er seinen heutigen Co-Founder Damien Antipa kennen. Der gebürtige Linzer war sofort Feuer und Flamme. Im Oktober 2016 war es soweit: "Jetzt ist die Zeit, etwas zu gründen", entschied sich der Wahl-Hamburger Florian. Er hatte eine spannende Idee und einen coolen Mitgründer. Zudem kam ihm die Zeit gelegen. Da er weder eine Familie zu versorgen hatte noch ein Haus zu finanzieren, konnte sich der Gründer in Ruhe um den Aufbau seines Startups kümmern.

Über Lunchzeit mit anderen Kollegen zum Mittag treffen.

Im Januar diesen Jahres ging er in die Selbstständigkeit. Wie viele Startups, wechselte er nach 3 Monaten das Geschäftsmodell - von B2C auf B2B. Im April wurden die Apps für Android und iOS gelauncht. Und weil in Hamburg gute Kontakte zu guten Kooperationen führen, wurde einer der ersten Lunch-Termine des jungen Unternehmers mit einem Xing-Vorstand zum Pilotprojekt. Seit Mai d. J. kommt die "Lunchzeit" beim Hamburger Social Network zum Einsatz.

Die B2B-App bietet Firmen die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter zum Lunch miteinander zu vernetzen. Dazu melden sich die Firmenangehörigen einmal mit ihrer Firmen-E-Maol-Adresse beim Online-Service an. Die Nutzer werden ihrer Firma zugeordnet und so einfach wiedergefunden. Nach Name, Funktion, Abteilung, Karrierelevel oder Zugehörigkeit können andere User nun Kollegen zum Lunch finden und sich direkt über den Clouddienst verabreden.

Einmal im Monat "verluncht" sich jemand über Lunchzeit.


Kollegen finden zum Lunchen.
Foto: Lunchzeit
Ein besonderes Highlight ist der "Random-Lunch". Dabei "verluncht" die App zwei zufällig ausgewählte Kolleg*innen miteinander zur verbindlichen Mittagszeit. Um keine ungewollten Verabredungen zu produzieren, müssen Teilnehmer den Service zum Zufalls-Lunch aktiv freischalten. Florian Gansemer kann von seinem früheren Arbeitgeber Gutes dazu berichten. Durch den "Würfelbecher" konnten sich bereits interessante Mitarbeiter bei Xing kennenlernen, die sich sonst nicht persönlich getroffen hätten.

Mit einem ausgeklügelten Algorithmus sorgt Lunchzeit dafür, dass keine Kollegen aus der selben Abteilung miteinander verkuppelt werden. Ebenso sorgt die Programmierung dafür, dass nur Mitarbeiter am gleichen Standort zum Lunchen eingeladen werden. Schließlich berücksichtigt der Service gemeinsame Interesse, die zuvor von beiden Seiten angegeben wurden. Das Schöne an der B2B-App: Es gibt keine wilde Mailerei oder gar Spam. Beide Seiten bestätigen ihr Lunch, bekommen eine Kalenderbestätigung und haben eine gute Zeit.

"Wir machen Dating, aber nicht mit der Absicht, ... "

Einzige Voraussetzung für das "Blind-Date" bei Brokkolicremesuppe und Hähnchenbrustfilet ist die Bereitschaft beider Seiten, dabei zu sein. Neben dem "Random-Lunch" bietet das Startup aus Eimsbüttel auch einen Team- oder Gruppen-Lunch an. Dabei startet ein Mitarbeiter einen offenen Lunch-Treff. Andere Kolleg*innen können sich dazu anmelden und einfach dabei sein. Seit Oktober d. J. ist der erste kommerzielle Nutzer an Board. Die neuartige Mobile-Nutzung gibt ab ca. 300,- €/Monat - und ist damit äußerst konkurrenzfähig. Mehr als 30 Firmen u. a. aus Hamburg testen die Lösung aktuell.


Einmal im Monat "verluncht" sich
jemand über Lunchzeit.
Foto: Lunchzeit
Seit Ende September d. J. ist das Hamburger Team im neuen "weXelerate" in Wien. Aus 1.000 Startups kamen nur 50 Jungunternehmen für den 1. Batch des internationalen Förderprogramms in die engere Auswahl. Lunchzeit konnte sich als Hamburger Vertreter gegen Konkurrenz aus 14 Ländern durchsetzen. Das Wiener Programm unterstützt die Hamburger Vermittler vor allem in den Themen Vertrieb und Internationalisierung. Eine Chance, die Hamburger Lunch-App in den Märkten professionell zu platzieren.

"Ich will etwas Gutes für die Mitarbeiter machen."

Zunächt bleibt Lunchzeit ein geschlossener Service, den Unternehmen für ihre Mitarbeiter buchen. Später könnte Lunchzeit auch als Networking-Tool auf Messen und Kongressen zum Einsatz kommen, als Feedback-App zur Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen und gar als Raucherpausen-App. Mit Fokus auf Personalabteilungen fasst der junge Hamburger Gründer Florian Gansemer zusammen: "Ich will etwas Gutes für die Mitarbeiter machen."

 Hamburg Digital Background: 

Lunchzeit Hamburg:
www.lunchzeit.com


Mittwoch, 5. Juli 2017

HANSEELBVALLEY: Die Dropbox von der Elbphilharmonie.

"Snapchat kommt nach Hamburg" strahlte Anfang Juni eine der bekannten Hamburger Presseansprechpartnerinnen im Sitzungssaal der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Wirtschaftshauptstadt Hamburg trug ihren Stolz an diesem Tag nur ein wenig nach außen. Und doch: Nach Dropbox, Facebook, Google, Twitch, Twitter und Yelp hatte sich ein weiterer US-Internetriese für das "Elbvalley" entschieden. Hamburg konnte wieder einmal punkten - als Medien- und Marketingmetropole der Republik. 

Doch warum kommen die Internetriesen nach Hamburg? Von geplatzten Baugenehmigungen für den Berliner Google-Campus einmal abgesehen. Seit einem Jahr fühlt sich auch der amerikanische Speicherdienst Dropbox aus San Francisco in der Hafencity äußerst wohl. Eine gute Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, was die Großen des Internets an Alster und Elbe zieht. Ein Hamburg Digital Report direkt von der Elbphilharmonie:


500 Millionen Menschen nutzen Dropbox weltweit, 200.000 Unternehmen haben den Speicherdienst in ihr Geschäft eingebunden. 16.000 Firmenkunden zählt der amerikanische Clouddienst in der DACH-Region. Zu den Großkunden mit mehr als 2.500 Mitarbeitern gehört Adidas mit seinen Marken Adidas, Reebok und TaylorMade und seiner Konzern- und IT-Zentrale in Herzogenaurach. Hier werkelt Dropbox als umfassende Kollaborationslösung, arbeiten rd. 50% aller Mitarbeiter mit der Speicherlösung. Bei weltweit 60.000 Mitarbeitern dürfte Dropbox allein beim deutschen Sportartikelhersteller rd. 30.000 Accounts betreiben. Dagegen wird die Dropbox bei Mittelständlern eher als einzelnes Tool eingesetzt.


Schnappschuss aus dem Konferenzraum auf die Elphi:
Dropbox DACH-Zentrale in der HafenCity.
Foto: HANSEVALLEY
Drei Teams kümmern sich bei Dropbox um die Geschäftskunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Die Vertriebspartner für den KMU-Sektor - z. B. IT-Systemhäuser - werden von Deutschlands IT-Standort München aus betreut, die mittelständischen Direktkunden in der Europazentrale in Dublin und Großkunden wie Adidas in Hamburg. Die Zahl der Key Accounts hat sich in nur einem Jahr auf 16.000 nahezu verdoppelt, dank des gebürtigen Berliners und langjährigen Vertriebsprofis Oliver Blüher. Seit gut 2 Jahren steuert der Country-Manager aus seinem Büro gegenüber der Elbphilharmonie in der HafenCity das Geschäft in der DACH-Region und den Nordics.

Oliver Blüher: "Der Tag hält viele Überasschungen bereit."

Zu den offiziell nicht bestätigten Referenzen an Alster und Elbe gehören wohl auch die Otto Group und MyTaxi vor seiner Übernahme durch Daimler. Aus Hamburg werden nicht nur deutsche Kunden betreut. Entscheidend ist der Sitz von Geschäftsführung und IT-Abteilung, wie bei der Adidas-Group. Über weitere Zahlen schweigt man sich in den lichtdurchfluteten Büros des Business Centers am Johannes-Dalmann-Haus am Kaispeicher A aus, um Analysten keine unnötigen Anhaltspunkte für Spekulationen und damit Bewertungsgrundlagen bei einem späteren Börsengang zu geben.

Für den 2-fachen Familienvater Blüher scheint Hamburg nur eine Station zu sein. Es ist sein 8. Umzug in 15 Jahren. Zuvor war er gut 2 Jahre für die SAP in Heidelberg, verantwortlich für Cloud Services des deutschen Softwareriesen - in Themen wie HR und Procuremnet, davor mehr als 4 Jahre für das internationale Geschäft der SAP als Chief Operation Officer in Moskau. Er sieht sich selbst als 'Aufbauer' bzw. 'Doer'. "Ich finde es spannender, Dinge in ihre Bahnen reinzubringen", bringt er es im Recherche-Gespräch auf den Punkt. Dropbox ist für ihn eine neue Herausforderung, beginnend Mitte 2015 in der Europa-Zentrale in Dublin.

Dropbox-Kultur: "Es ist ein Mix von Facebook, Google & Linkedin."


Dropbox-Countrymanager Oliver Blüher
Foto: Dropbox
"Da treffen sie Menschen, die sprechen 5 Sprachen fließend", ist der Country-Manager auch heute begeistert von den Fähigkeiten eines 28-jährigen Deutschen im Telefon-Vertrieb, in Deutsch, Englisch, Französisch, Portugiesisch und Rumänisch kommunizieren zu können. Auf die Frage, was für den erfahrenen Vertriebsmann das Besondere bei Dropbox ausmacht, kommt wie aus der Pistole geschossen: "Es sind die Leute, mit denen sie zusammenarbeiten." Bescheiden, intelligent, klar strukturiert, teamorientiert und zugleich erfahren seien sie. Das klingt ein wenig wie aus einer Stellenanzeige.

Tatsächlich scheint Hamburg aus diesem Grund ein nahezu ideales Pflaster für den US-Service zu sein. Auf die Frage, warum sich Dropbox für Hamburg entschieden habe, nennt der langjährige Westphale den Mitarbeiter-Austausch an Alster und Elbe - nicht zuletzt mit anderen Cloud-Anbietern und ihren Sales-Offices, wie Facebook, Google oder Twitter. Zudem ist Hamburg für den konzernerfahrenen Manager ein hervorragender Standort für die Akquise, schließlich ist die Hansestadt ein Hotspot für Medien, Marketing, Handel, Logistik und andere Dienstleistungen.

Dropbox für analytische, schöpferische und kreative Kopfarbeiter.


Für Dropbox ist der Dienstleistungsstandort Hamburg besonders interessant, denn das Speichertool richtet sich vornehmlich an Information- bzw. Knowledge-Worker, die "fallzentrisch" Aufgaben in Engineering, Design, Produktionsplanung, Marketing, PR, Event, Business Development oder Vertrieb erledigten. Dazu kommen koordinierende Berufsgruppen, wie Projektmanager, Linienmanager oder Executive Manager. Dabei positioniert sich der amerikanische Speicherdienst mit seinem Businessangebot vornehmlich an mittelgroße Kunden.

Kleinbetriebe scheint Dropbox an Google mit Gmail und Google Drive verloren zu haben, während Konzerne mit Office 365 und Sharepoint-Servern Microsofts Infrastrukturlösungen nutzen. Dropbox kommt von unten in die Organisationen: "Der Nutzer bringt es mit, weil es ihm hilft, seine Arbeit besser zu machen," erklärt Oliver Blüher den Erfolg des kalifornischen Anbieters. Deutsche Kunden können ihre Dropbox-Daten auf Wunsch auch bei Amazon in Frankfurt/Main hosten lassen. Man hat die deutschen Befindlichkeiten verstanden.

Bis zu 60% der Arbeitszeit gehen für deren Organisation drauf.

Drei eigene Rechenzentren betreibt Dropbox heute an Ost- und Westküste sowie im Landesinneren der USA. 2016 migrierte das kalifornische Speicher-Startup seine rd. 600 Petabyte Daten aus den Amazon Data Centern auf eigene Server. Hier dürften vor allem Kostengründe eine Rolle gespielt haben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Amazon Web Services bei großen Datenmengen auch einen "großen Schluck aus der Pulle" gönnt. So laufen die Backupspeicher 10 Jahre nach ihrer Gründung in eigenen Rechenzentren günstiger.

Mit seinen Account-Managern, Solution Architects und Service Mitarbeitern kümmert sich der Wahl-Hamburger um den Großkundenvertrieb und das Key Account-Management. Ein halber Gang des Hamburger Business Centers wird von Dropbox belegt. Mehr ist zum Thema Personalstamm auch nach hartnäckigem Nachfragen nicht zu entlocken. Laut Blüher arbeiten weltweit insgesamt weniger als 2.000 Mitarbeiter bei Dropbox, um die 500 Mio. Nutzer-Accounts zu managen. 

Status Quo Mittelstand: Blech unter der Treppe und im Abstellraum.

Als Beispiel für den professionellen Einsatz der cloudbasierten Kollaborationslösung zeichnet der Countrymanager die Supply Chain bei der Produktentwicklung nach - beginnend bei Ingenieuren und Designern, über Projektmanagern und Einkäufern bis zu Logistikern und Controllern. Verschiedene Disziplinen, Beteiligte, Daten und Inhalte - so werden im Zweifelsfall bis zu 60% der Arbeitszeit für die Organisation der Arbeit aufgewandt, fand McKinsey heraus. Im Fokus der Kritik: Unterschiedliche Tools, wie E-Mail, Messenger und File-Server.

Oliver Blüher wird noch deutlich, nicht ohne Hintergedanken. Zur IT-Infrastrukur bei einem typischen deutschen Mittelständler stellt er fest: "Da steht an 80 Standorten Blech (Anmerkung: IT-Jargon für Server) rum - unter der Treppe oder in Abstellräumen." Womit das in Deutschland gern genutzte Datenschutzargument an dieser Stelle keine Chance mehr haben dürfte. Der clevere Manager setzt noch einen drauf: "Bis 2030 werden bis 98% aller Fileserver in der Cloud erwartet." Vor allem bei neu aufgesetzten Speichern dürfte er recht behalten.

"Wir wollen der Leim sein, die verschiedenen Dienste zu nutzen."

Die wichtigsten Argumente für Dropbox im Unternehmenseinsatz sind u. a. die Integration in Microsofts Verzeichnisdienst Active Directory oder in das Salesforce-CRM. Genauso werden Adobe-, Autocat- und Google-Services unterstützt.  800-1.000 verschiedene Cloud-Services werden in einem Großunternehmen genutzt, viele davon müssen mit dem Datenspeicher harmonieren.  Das Hamburger Team wird für die Migration der Daten und die Integration von Dropbox von bekannten Partner unterstützt, wie Comparex, Ingram oder HP Enterprises. 150 Partner umfassend das Netzwerk über alle Businessservices und Marktsegmente hinweg.

Dropbox ist - wie bei einer US-Tech-Company zu erwarten - äußerst datengetrieben. Im Zweifelsfall gilt : "Was sagen die Daten dazu." Dropbox ist Cash Flow-positiv, EBITDA-profitabel und hat im Moment wohl (noch) nicht vor, einen Exit an der Börse hinzulegen. Stattdessen geht der Dienst mit seiner jüngsten Funktion "Paper" auf Konfrontationskurs zu Google Docs und Microsofts Office 365. "Paper" bietet mit einer Brainstorming-Funktion ein weißes Blatt Papier mit hinterlegten Office-Funktionen, ein Projektmanagementtool mit Basisfunktionen zur Organisation der Arbeit und eine Protokollfunktion, schnell, einfach und interaktiv Meeting-Minutes zur erstellen.

Der nächste große Office-Player neben Microsoft und Google.

Noch sieht die IT-Landschaft - nicht nur in der DACH-Region - äußerst bunt aus. Auf der einen Seite der bekannte "Software-Zoo" unzähliger Fachanwendungen auf Server und Clients. Auf der anderen Seite eine neue "Wölkchen-Bildung", bei der jeder Software-Anbieter die Kunden über hauseigene Speicher an sich bindet - von A wie Adobe über zu S wie SAP. 3 Millionen Organisationen gibt es allein in Deutschland, die ihre Daten speichern müssen. Zieht man 1 Mio. Organisationen ohne Mitarbeiter ab, verbleibt genug zu tun für Oliver Blüher und sein Team an der Elbphilharmonie. Doch davor hat der Speicherexperte aus der Hafencity keine Angst: "Ich bin hier, um etwas aufzubauen." Dafür hat er sich einen guten Standort ausgesucht.

Die schicken Räume der Dropbox in Hamburg:




 Hamburg Digital Background: 

Dropbox Business:
https://www.dropbox.com/de/business

Dropbox Paper:
https://www.dropbox.com/paper

Business Speicher:
https://trusted.de/business-cloud-speicher


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