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Montag, 29. März 2021

HANSEFUTURE: Ein digital-vernetztes Niedersachsen zwischen Autoproduktion und Landwirtschaft

 HANSE DIGITAL ZUKUNFT

Hoch zu Roß auf dem Weg in die Digitalisierung: Niedersachsen 2030.
Foto: Pxhere, Lizenz: CC0

Eine 11-köpfige Expertenkommission hochrangiger Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz hat einen 75-seitigen Empfehlungskatalog zur Zukunft des größten norddeutschen Bundeslandes vorgestellt. "Niedersachsen 2030" beleuchtet die Herausforderungen, Chancen und Optionen für das wirtschaftlich vor allem durch Automobilproduktion, Landwirtschaft und Tourismus geprägte Küstenland mit 5 Mio. Einwohnern. 

Chefredakteur Thomas Keup hat die Empfehlungen namhafter Experten aus Berlin, Freiburg, Hamburg, Kassel, München, Potsdam, Rostock und Zürich zur digitalen Zukunft von Bildung und Arbeit, zu Landwirtschaft und Mobilität, Forschung und Innovationen, zu Hightech-Strategie mit KI und Robotik sowie zur Digitalisierung des Landes unter die Lupe genommen und zusammengefasst.

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die erfolgreiche Bewältigung der fünf alles überragenden Herausforderungen für Niedersachsen, Norddeutschland, die Bundesrepublik und ganz Europa: den demografischen Wandel, Klimaschutz, die Globalisierung, die Digitalisierung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der von der rot-schwarzen Landesregierung einberufene "Zukunftsrat" bringt auf den Punkt, was passiert, wenn nichts passiert: gesellschaftliche Verwerfungen, Verteilungskämpfe und soziale Ungerechtigkeit.

Zehn Themenfelder zu den Herausforderungen der Zukunft.

Die Kommissionsmitglieder aus den Forschungsfeldern Demografie, Migration, Sozialforschung und Psychologie, Klimaforschung und Umweltsysteme, Stadt- und Raumplanung, Wirtschaft und Innovationen sowie Künstliche Intelligenz und Robotik gehen in ihren Forderungen an die Landesregierung auf die Themen Demografie und Generationen, Zuwanderung und Diversität, Arbeit, Beschäftigung und Weiterbildung, Gesundheit und Pflege, Energie und Klimawandel, Agrar- und Ernährungswirtschaft, Mobilität sowie die digital relevanten Bereiche Forschung und Innovationen, Hightech-Strategie, Robotik und KI sowie der Digitalisierung ein.

Ein Digitalisierungsministerium mit zentraler Verantwortung.

Eine Kernforderung der seit Juli 2019 unter Vorsitz von Prof. Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovationen und Wettbewerb in München, und mit Beteiligung von Ministerpräsident Stephan Weil entstandenen Thesen ist: die Aufgaben Digitalisierung einschl. der digitalen Infrastruktur, Cybersicherheit, Datenzugangs- und Plattformstrategien müssen zentral von der Landesregierung im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie geregelt werden. Dazu muss die Zuständigkeit für die Digitalisierung in einem Ministerium gebündelt werden, und nicht zwischen CDU-Wirtschafts- und SPD-Innenministerium aufteilt sein. Ein Problem, das auch in den anderen Nordländern herrscht.

Breitband- und Mobilfunkausbau unter dem Dach des Landes.

Als Grundlage muss das Land den flächendeckenden Breitbandausbau und die 5G-Versorgung zentral in die eigene Hand nehmen. Die Landesregierung soll im Rahmen einer Grundversorgung dafür verantwortlich werden, gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen die digitale Infrastruktur sicherzustellen. Das bestehende Breitbandzentrum soll dazu ausgebaut werden und den Auftrag bekommen, regionale Schwerpunkte der Versorgung auszu- und weitergehend eine 5G-Strategie zu erarbeiten. 

Ein Cyberabwehrzentrum für die Herausforderungen im Netz.

Ein weiterer Schlüsselaspekt für ein digitales Niedersachsen in 2030 ist die Regelung zur Nutzung von Plattformen des Landes (Service-Portale), der Kommunen (Smart City-Portale) und internationaler Plattformen von Microsoft, Google Co. Hier fordern die Autoren eine einheitliche Strategie des Landes - unter Berücksichtigung von digitaler Souveränität der Einwohner und des Datenschutzes für die regionale Wirtschaft. Dazu gehört auch eine Vision für die digital-transformierte Verwaltung im Jahr 2030. Parallel dazu sollte das Land über das "Computer Emergency Response Team" (N-Cert) hinaus ein schlagkräftiges Cyberabwehrzentrum einrichten - vergleichbar der Einrichtungen in Baden-Württemberg und Bayern.

Zugang zu digitalen Lerninhalten für alle Schüler in Niedersachsen.

Um eine digitale Gesellschaft zu erreichen, fordern die Wissenschaftler bereits bei der digitalen Bildung in den Schulen nachzulegen. So sollen alle Schüler im Land einen direkten Zugang zu digitalen Lernmitteln haben, z. B. Laptops, Lernportalen und WLAN-Anbindung in den Klassenräumen. Die Experten fordern dazu, die notwendigen Mittel an die Hand zu nehmen - ähnlich wie es Bremen beispielhaft im Norden vormacht. Auch bei der Nutzung digitaler Möglickeiten in Arbeit und Weiterbildung muss Niedersachsen Gas geben. Hier soll die Digitalagentur zur zentralen Drehscheibe werden und die Verzahnung des geplanten "KI-Observatoriums" und der "Zukunftszentren" des Bundes sichergestellt werden.

Digitale Präzisionslandwirtschaft mit ordentlicher Mobilfunkabdeckung.

Ein zentrales Augenmerk richten die Zukunftsforscher im Auftrag der Landesregierung auf die großen Wirtschaftsthemen im Agrar- und Autoland zwischen Nordsee und Harz. Im Bereich Agrarwirtschaft setzen die Experten die digitalen Themen Präzisionslandwirtschaft und -bewässerung, autonome Landmaschinen, ein digitales Emissionsmonitoring oder die vernetzte Humusbilanzierung auf die Tagesordnung. Grundlage dafür ist eine ordentliche, durch das Land gewährleistete Mobilfunkabdeckung in der Fläche, wie in den Forderungen gegenüber der Landesregierung eingangs positioniert.

Vernetzte Mobilität mit gemeinsamen Daten im Autoland Niedersachsen.

Auch beim Automobilthema Mobilität spielt eine leistungsfähige 5G-Abdeckung eine entscheidende Rolle - neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und dem öffentlichen Nahverkehr. Einen eigenen Absatz widmen die Forscher aus Deutschland und der Schweiz der intelligent-vernetzten Mobilität mit anbieterübergreifenden Plattformen. Sie fordern die Bereitstellung von Infrastrukturdaten der öffentlichen Verwaltung ebenso, wie mobilitätsbezogener Datenbestände der öffentlichen Verkehrsbetriebe und ihrer Kommunen. Auch die privaten Verkehrsbetriebe mit exklusiven Aufträgen des Landes sollen ihre Daten in einen gemeinsamen Pool geben. Das Ziel: neue, vernetzte Mobilitätsplattformen im Land.

Ausbau von Tests und Transfer für das autonome Fahren der Zukunft.

Ein wichtigen Beitrag zur Mobilität sollen Labore, Experimentierfelder und Innovatoren im Zusammenspiel mit Forschung und Wissenschaft leisten. Dazu sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen wenn erforderlich angepasst werden. So wünschen sich die Zukunftsforscher praktische Tests mit autonomer Mobilität - wie bereits auf den Autobahnen rund um Braunschweig oder in der Hamburger Innenstadt vorgemacht. Die verschiedenen Testfelder sollen miteinander verbunden werden. Mit dem "Open Hybrid Lab Factory"-Ansatz sollen die Ergebnisse schneller in die Praxis kommen - nicht zuletzt für die Modernisierung der Automobilindustrie mit VW, seinen sechs Werken und 120.000 Beschäftigten im Land.

Eine landesweite Strategie für smarte Forschung und Innovationen. 

Aufbauend auf der Innovationsstrategie "RIS3 " ("Regional Innovation Strategy for Smart Specialisation") aus April 2020 soll das Land seine Aktivitäten für Forschung und Transfer in einer zentralen Landesstrategie bündeln und entwickeln - über die nächste Runde des Exzellenzwettbewerbs um Cluster und Hochschulen hinaus. Für die Herausforderungen der Zukunft fordern die Wissenschaftler eine ausreichende, stabile und steigende Grundfinanzierung. Mit strategischen Initiativen zu neuen Forschungsfeldern wie Quantencomputing oder Wasserstoffwirtschaft soll die Landesregierung eigene inhaltiche Impulse setzen. 

Künstliche Intelligenz und Robotik für KMUs und Startups im Land.

Den Transfer von Forschungsergebnissen in KMUs sieht das Gremium in Verbindung mit der praxisorientierten Entwicklung an den Fachhochschulen - ähnlich wie es Bremen beim KI-Transfer für KMUs in Bremerhaven mit einem Transferhub plant. Innovations- und Digitalisierungsgutscheine sollen kleine und mittlere Firmen motivieren, sich mit Unterstützung des Landes zukunftsweisende Forschung zu erschließen. Auch bei der Startup-Förderung muss Niedersachsen mit seinen gerade einmal 103 Neugründungen im vergangenen Jahr Tempo machen. Die Experten schlagen vor, auf die Zukunftsthemen KI und Robotik zu setzen - in Verbindung mit zusätzlichen Ausbildungsangeboten an den Hochschulen und thematischer Finanzierungsförderung. 

Konzertierte Aktion in der Spitzenentwicklung mit KI und Robotik.

Bei der Spitzenforschung fokussieren die international rennomierten Wissenschaftler für das Land Niedersachsen vor allem auf die Themen künstliche Intelligenz und Robotik. Für eine landesweite "Robonatives-Community" soll die Landesregierung flächendeckende Investitionen bereitstellen. Die Spannbreite beginnt in der digitalen Bildung an den Schulen, geht über den Ausbau der MINT-Fächer an weiterbildenden Schulen und reicht bis zur Weiterbildung der Bürger und der Gewinnung künftiger Fachkräfte.

Hannover und Göttingen im Wettbewerb mit Bremen, Lübeck & Co.

Mit einer stärkeren Grundfinanzierung der Hochschulen in den Technologiefeldern und mindestens zehn zusätzlichen, durch das Land erstklassig ausgestatteten Lehrstühlen für Robotik und KI soll das Autoland seine Zukunftsfähigkeit sichern. Als Forschungsstandorte schlagen die Autoren des Zukunftskonzepts die Universitätsstädte Hannover und Göttingen vor. Sie werden - wenn alles nach Plan läuft - im direkten Wettbewerb mit dem KI- und Robotik-Standort Bremen und den KI-Clustern in Lübeck und Greifswald stehen - von der künftigen Entwicklung Hamburgs abgesehen.

KI-Forschungszentrum plus Innovations- und Kompetenzzentrum.

Als Speerspitze fordern die über 1,5 Jahre mit der Zukunftsstrategie beschäftigten Experten ein "missionsbassiertes Forschungszentrum" für Robotik und KI - ausgestattet mit langfristigen Finanzmitteln, vergleichbar des KI-Standortes "IAI" an der Universität Bremen mit dem angeschlossenen DFKI-Komplex. In dem Zentrum sollen neben der Grundlagenforschung auch die gesellschaftlichen Auswirkungen und eine Auswertung der übegordneten  Erkenntnisse, Methoden und Technologien erfolgen. Dazu soll ein eigenes Innovations- und Kompetenzzentrum kommen, um die Technologien in die Breite und vor allem in die Wirtschaft und hier in KMUs zu bringen. 

Keine Blaupause aber Wegweiser für das Niedersachsen 2030

Die Kommission empfiehlt insgesamt Maßnahmen, die bereits mittelfristig wirksam sind, damit Niedersachsen die sozial-ökologische Transformation bis zum Jahr 2030 gestalten kann. Ministerpräsident Weil sagte anlässlich der Übergabe der Ergebnisse: Die überreichten Empfehlungen sind keine Blaupause, aber sie können uns durch den wissenschaftlichen Blick von außen dabei helfen, die anstehenden Transformationsprozesse in die richtige Richtung zu steuern." Der Kommissionsvorsitzende Prof. Harhoff pointiert: „Wir zeigen allgemeine Entwicklungstrends auf, die zum Teil für Niedersachsen besonders relevant sind."

*   *   *

Hanse Digital Service: 

Staatskanzlei: Pressemitteilung 25.03.2021:
"Kommission übergibt Gutachten „Niedersachsen 2030 – Potenziale und Perspektiven“ an die Landesregierung"

Staatskanzlei: Die "Kommission Niedersachsen 2030":
"Niedersachsen 2030"

Staatskanzlei: Die Arbeitsergebnisse - Download Gutachten und Kernforderungen:
"Niedersachsen 2030 - Potenziale und Perspektiven"

 Hanse Digital Background: 

HANSENEWS Freie Hanse Hansestadt Bremen:
"Innovationsstudie zeigt Bremens digitale Zukunft nach Corona auf."

HANSESTATEMENT Freie und Hansestadt Hamburg:

HANSEFUTURE Mecklenburg-Vorpommern:

www.hansefuture.de


Sonntag, 17. Juni 2018

HANSEPERSONALITY Christian Pfromm: Digitalisierung ist Chefsache!

HAMBIRG DIGITAL INTERVIEW

Deutschlands Metropolen stehen im Wettbewerb: Modernste Forschung mit den klügsten Köpfen, starke Wirtschaft und erstklassige Infrastruktur, attraktive Jobs und gute Lebensbedingungen. Startups gehen nach Berlin, Tech-Companies nach München. Hamburg muss Tempo machen. Die Bahn schließt die Wirtschaftsmetropole noch schneller an die Hauptstadt an. Der Druck auf die Freie und Hansestadt wächst, die Digitalisierung wartet nicht.


Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Der Senat hat mit "Digitaler Stadt", "Digital First", intelligentem Verkehr und einem Chief Digital Officer Weichen gestellt. Jetzt kommt's drauf an: Wacht Helmut Schmidts "schöne Schlafende" endlich auf - oder "verpennt" sie es, wie es der Berliner sagt? Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm steht exklusiv Rede und Antwort, was auf der Brücke und im Maschinenraum der Digitalen und Hansestadt geplant ist. Ein Hamburg Digital Interview:

HAMBURG DIGITAL SERVICES:


Digital First-Plattform, Service-Konto und neue Dienste:

Staatsrat Dr. Christoph Krupp hat für den Herbst die "Digital First"-Plattform als Ablösung für das bisherig Behördenportal "Hamburg Gateway" angekündigt. 18,6 Mio. € hat die Bürgerschaft 2018 dafür bereitgestellt. Jeder Hamburger soll seine Behördengänge in Zukunft mit einem "Service-Konto" online erledigen können. Wie funktioniert die Plattform und was dürfen die Hamburger an neuen Möglichkeiten erwarten?

Über die neue Plattform "Digital First" werden die Hamburgerinnen und Hamburger neue und alte Online-Services der Stadt erreichen können. Als neue Services erarbeiten wir beispielsweise gerade die „Asbestmeldung“, die von Unternehmen bei Bauvorhaben abgegeben werden muss, falls eine Asbestbelastung vorliegt. Für Bürgerinnen und Bürger gibt es den Anwohnerparkausweis als neuen Online-Service. Und wir haben für dieses Jahr noch andere Angebote in der Pipeline, zum Beispiel die Themen Wohnraumschutz, Bewilligung von Sonn- und Feiertagsarbeit oder die Trassengenehmigung, die unter anderem für den Breitbandausbau relevant ist. 

Von der neuen Plattform-Technik selbst „sieht“ der Nutzer zunächst mal relativ wenig. Zwar überarbeiten wir auch die Nutzeroberflächen, vor allem aber erneuern wir auf der Plattform Funktionalitäten, über die sich Bürgerinnen und Bürger auch heute schon mit einer einmaligen Registrierung für das Service-Konto anmelden, den passenden Online-Service finden und wir den Datenverkehr zwischen den Online-Services und den jeweiligen städtischen Fachverfahren organisieren können. 


Wenn wir noch einen Stock tiefer im Maschinenraum hinabsteigen, geht es darum, dass wir mit der Plattform einen wichtigen Schritt in Richtung modularer IT gehen. Wenn ein Zahnrad hakt, müssen wir nicht gleich den ganzen Motor austauschen. Und bestimmte Funktionalitäten, wie zum Beispiel die Bezahlfunktion, werden einmal programmiert und vielfach wiederverwendet. So sparen wir Ressourcen und können Teilbereiche leichter modernisieren. Das kann uns auch bei der Umsetzung des OZG helfen. 


Kooperation mit Schleswig-Holstein und neue Dienste:

Peter Tschentscher und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther haben Ende Mai d. J. eine weitergehende Kooperation bei Digitalthemen verabredet. Im Mittelpunkt: Die Zusammenarbeit bei länderüberschreitenden Projekten. Hier werden u. a. die Themen Bildung, Daten und IT-Plattformen adressiert. Butter bei die Fische: Was soll künftig zusammen gemacht werden?

Schleswig-Holstein und Hamburg haben mit Dataport denselben IT-Dienstleister und arbeiten beim Service-Konto schon lange zusammen. Also haben wir uns verabredet, das „Interoperable Servicekonto für Norddeutschland“ weiterzuentwickeln. Darüber sollen Online-Services – also Verwaltungsdienstleistungen, die Sie übers Internet erreichen – gut zugänglich und leicht auffindbar sein. Egal, ob der für Sie relevante Service von Hamburg oder Schleswig-Holstein angeboten wird.

Außerdem müssen Online-Services so gestaltet sein, dass sie für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen intuitiv nutzbar sind. Daher werden wir in einer Entwicklungspartnerschaft die Nutzerperspektive ins Zentrum rücken und moderne technologische und methodische Ansätze wie zum Beispiel „Design Thinking“ anwenden. Schließlich erweitern wir den Zugang zum telefonischen Hamburg-Service um einen weiteren Kanal. In Hamburg projektieren wir hierzu in den kommenden zwei Jahren einen textbasierten Chatbot. Auch die hieraus gewonnen Erkenntnisse werden wir mit Schleswig Holstein in einer Kooperation teilen und vertiefen. 

Richtig verstandene Digitalisierung umfasst außerdem stets Prozessoptimierungen. Eine wichtige Grundlage im Baubereich bilden hierbei die Standards "XPlanung" und "XBau". Mit ihnen ist der Grundstein für die Etablierung digitaler Prozessketten im Bau- und Planungsbereich gelegt. Dies wollen wir nutzen und bis spätestens Ende 2018 eine Kooperationsvereinbarung abschließen und konkrete Schritte vereinbaren, die darauf abzielen, eine gemeinsame Planungsplattform zu entwickeln, Daten entsprechend auszutauschen und damit den Planungsprozess zu verbessern. Das erleichtert länderübergreifende Beteiligungsverfahren, bei denen regelmäßig die Einbeziehung der jeweils angrenzenden Gemeinden notwendig ist.

Schließlich werden wir bei der digitalen Bildung mit Blick auf eine eLearning Plattform zusammenarbeiten und entwickeln die Schulverwaltungssoftware weiter. Und im Bereich Beihilfe haben wir ganz unabhängig von der gemeinsamen Kabinettssitzung eine enge Kooperation vereinbart. 


Onlinezugangsverbesserungsgesetz und die Umsetzung:

Das Onlinezugangsverbesserungsgesetz (OZG) verpflichtet Sie, in 5 Jahren alle relevanten Bürgerservices auf kommunaler, Landes- und Bundesebene online bereitzustellen. Hand aufs Herz: Wie ist Hamburgs IT- & Digitalstrategie aufgestellt, 2022 nicht die "rote Laterne" der Republik zu tragen? Wie kann diese Mammutaufgabe gepackt werden?


Die Umsetzung des OZG ist eine Aufgabe, die alle Länder und auch den Bund vor erhebliche Herausforderungen stellt. Wenn wir das nicht umsetzungsorientiert, stringent und gemeinsam angehen, hält am Ende ganz Deutschland die rote Laterne in der Hand. Nicht nur ein einzelnes Land. 

Was sehr gut ist: Durch das Online-Zugangsgesetz wird das Thema der Nutzung von Online-Diensten ganzheitlich angegangen. Stichworte sind hier der Portalverbund mit "Online-Gateway" oder die bereits genannten interoperablen Servicekonten und zugehörigen Digitalisierungsprogramme.

Wenn wir auf Hamburg schauen wollen, sehe ich uns mit dem bestehenden Portal für Online-Dienste gut gerüstet. Außerdem wird dies von "Digital First" wie beschrieben modernisiert. "Digital First" hilft uns auch, vom Nutzer aus konzipierte Online-Services zu entwickeln. Und Dienste wie die Asbestmeldung könnten aufgrund ihres bundeseinheitlichen Charakters sogar von anderen Ländern übernommen werden. 

Den kooperativen Ansatz unterstützen wir, in dem Hamburg auf Bundesebene bei der Entwicklung des "Online-Gateways" mitarbeitet. 

HAMBURG DIGITAL VERWALTUNG:


Digitale Zuständigkeiten in der Hamburger Verwaltung:

Mit Ihnen gibt es 5 CDOs in der Verwaltung, neben der Senatskanzlei auch in der Wirtschafts- und in der Wissenschaftsbehörde, der Bildungsbehörde sowie gemeinsamen in der Stadtentwicklungs- und Umweltbehörde. Macht es Sinn, dass jede Verwaltung ihren eigenen CDO hat? Birgt dies nicht die Gefahr, das jedes Haus Digitalisierung auf eigene Faust unternimmt?

Wir haben uns in Hamburg entschieden, bei Digitalisierungsvorhaben auf zentrale Steuerung und dezentrale Umsetzung zu bauen. Das bedeutet für mich insbesondere, die Behörden zu befähigen, den Veränderungsprozess, den ich strukturiere und anstoße im Rahmen ihrer Ressortverantwortung auch umzusetzen. 

Das gilt natürlich auch für die CDOs der Behörden und die IT-Beauftragten. Die Kollegen in den Behörden sind für mich daher wichtige Partner, um unser gemeinsames Thema – nämlich die Digitalisierung – in den städtischen Einrichtungen zu verankern und voranzubringen. 

Folgerichtig ist mit dem neuen Amt auch eine zentrale Steuerung etabliert worden. Das heißt Leitplanken zu setzen und Priorisierungen festzulegen, etwa in den Bereichen IT-Planung und Controlling, Nutzerzentrierung bei Online-Services, Projektgrundsätze, zentrale IT-Architekturen oder "Digitale Stadt". Hier braucht es eine zentrale Stelle, die die Fäden in Händen hält und auch mal die Richtung vorgibt. 

Öffentliches Projektmanagement und Aktualisierung:

Ende Mai waren "fehlende Instrumente und Mechanismen im IT-Projektmanagement" im "Abendlichen Blätterwald" zu hören. Für alle IT-Projekte ab 350.000,- € gilt die "Verwaltungs-Vorschrift IT" von Dezember 2015. Wie gut ist das IT-Management in der FHH aufgestellt, gibt es eine übergeordnete Koordinierung und sind neue - agile - Methoden ein Thema?

Die Themen, die Sie ansprechen, liegen genau in meiner Zuständigkeit als CDO der Stadt. Und natürlich sind Projektmanagement und agile Methoden für uns ein Thema. Die VV IT-Projekte wird genau vor diesem Hintergrund weiterentwickelt. Neben der notwendigen Anpassung von Verwaltungsvorschriften brauchen wir aber auch eine geänderte Haltung, ein anderes „Mindset“ zum Thema Projekt- und Kostenmanagement. 

Lenkungsausschüsse müssen beispielsweise häufiger tagen und präziser prüfen, ob die Projektparameter noch stimmen. Wir planen Projekte in kleineren Schritten, um die leidvollen Erfahrungen mit Mammutprojekten in Zukunft möglichst zu vermeiden. Als zentrale Einheit stellen wir den Behörden außerdem Mitarbeiter aus unserem IT-Projektpool mit dem entsprechenden Projekt-Know-How zur Verfügung. 


Nachwuchskräfte in der IT- & Digitalverwaltung:

Zusammen mit Dataport und den 70 Mitarbeitern Ihrer Behörde in der Senatskanzlei arbeiten rd. 1.300 Mann in den Bereichen Hardware, Software und Services für die Stadt Hamburg. In der Hamburger "Welt-Presse" werden zusätzliche Kräfte angemahnt, z. B. für neue Verfahren. Kann ein duales Studium die Lösung sein? Welchen Ansatz der IT-Personalpolitik fahren Sie?

Wie es sich für so ein vielfältiges und zentrales Thema gehört, ist es bei uns Chefsache und wir verfolgen verschiedene Ansätze. So kooperieren wir sehr eng mit dem Personalamt – auch mit dem Thema duales Studium befassen wir uns. Wir haben in Hamburg seit 2004 Dataport als zentralen IT-Dienstleister etabliert. Damit ist eine Vielzahl der von Ihnen angesprochenen Skills bei unserem IT-Dienstleister vorhanden. Gleichwohl benötigen wir noch in vielen Bereichen der FHH „echte ITler“. 

Bei der Debatte kommt mir manchmal zu kurz, dass wir nicht mehr „nur“ über den klassischen IT-Techniker bzw. Informatiker sprechen. Vielmehr wandeln sich auch die Anforderungen an das Personal, das die zahlreichen Digitalisierungsvorhaben gestalten soll. Wir brauchen immer mehr IT-Manager, die sich mit den prozess- oder auch datenbezogenen Komponenten von Digitalisierungsprojekten befassen. Das ist ganz etwas anderes als klassische IT. Wenn wir dies umsetzen, können wir Prozesse neu denken und gestalten. Und eben nicht nur die Technik.

HAMBURG DIGITAL PERSPEKTIVEN:


Die Digitale und Hansestadt Hamburg in der vernetzten Welt:

Mit Ihrem Amtsantritt sind Sie für die "Digitale Stadt" verantwortlich geworden. Bei der Digitalisierung geht es um Geschäftsprozesse, Technologien und Digitale Services. Wo sehen Sie Ihre zentralen Aufgaben als CDO der Stadt und wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die FHH - nach innen wie nach außen?

Über viele inhaltliche Aspekte haben wir ja schon gesprochen: Digital First, das OZG, IT-Personal oder Projektmanagement und -controlling. All diese Themen stehen auf meiner Agenda. Darüber hinaus ist Digitalisierung ein tiefgreifender Veränderungsprozess, den wir aus dem neuen Amt auch kommunikativ begleiten müssen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt mitzunehmen. 

Bei den vielfältigen Vorhaben der Digitalen Stadt geht es somit um eine ganzheitliche Perspektive über die verschiedenen Themenfelder hinweg, wenn wir nicht nur die Verwaltung digitalisieren wollen, sondern auch andere Bereiche städtischen Lebens.

Wir brauchen die Brücke in die jeweilige Fachlichkeit, um Antworten auf die Frage zu finden: Wie verändern sich Schule, Universitäten, Verkehr und Mobilität oder Kultur in einer digitalisierten Welt, in der digitalen Stadt Hamburg? Auch hierfür sind wir auf Expertise und Verantwortlichkeit in den einzelnen Häusern angewiesen. Wir befassen uns auch mit neuen Technologien. Dafür brauchen wir Partner in Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um Lösungen zu finden, die unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen helfen. 

Mit der Strategie zu Intelligenten Transportsystemen (ITS), der Hamburg Open Online University oder der eCulture-Agenda haben wir schon gute erste Antworten gefunden. Diese und andere Initiativen müssen wir vertiefen, untereinander koordinieren und gesamtstädtisch präsenter machen. 


Glasfaserausbau in Hamburg und CDO-Unterstützung:

71% aller Haushalte - u. a. die SAGA-Wohnungen - sind mit "Fiber to the Home" angebunden. Peter Tschentscher will einen runden Tisch mit Telekom, Vodafone & Co. einberufen, damit auch die Gewerbegebiete z. B. im Hafen - angebunden werden. Das Thema liegt in der Kultur- und Medienbehörde. Was können Sie dazu beitragen, dass es keinen "Heldentot" stirbt, wie Breitband auf dem Land?

Das Thema ist bei den Kolleginnen und Kollegen in der Behörde für Kultur und Medien gut aufgehoben und die Position des Ersten Bürgermeisters gibt ja einen guten Hinweis auf dessen Stellenwert. 

Auch wir wissen natürlich: Ohne Glasfaser keine ordentliche Digitalisierung in der Stadt. Entsprechend unterstützen wir aus meinem Amt heraus. Etwa mit der Implementierung der Trassengenehmigung in DigitalFirst. Diese Genehmigungen brauchen die jeweiligen Unternehmen für die notwendigen Tiefbauarbeiten. 

Unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie sind ein halbes Jahr als "Chefdigitalisierer" der Stadt Hamburg im Amt, waren zuvor mehr als 6 Jahre verantwortlich für IT und Strategie der BHF-Bank in Frankfurt. Hand aufs Herz: Was läuft in IT und Digitalisierung der Freien und Hansestadt intern und extern richtig gut - und wo wünschen Sie sich noch ein bisschen mehr Dynamik?

Gut ist: Wir haben in der Stadt viele spannende IT- und Digitalisierungsvorhaben und sind konsequent dabei, uns perspektivisch noch besser aufzustellen. Greifbare Beispiele dafür werden die weiteren Online-Services von "Digital First" sein, von denen ich schon einige genannt habe. Und ich merke, dass sich wirklich viele Kolleginnen und Kollegen als Unterstützer erweisen. Dort wo noch Vorbehalte und Unsicherheiten bestehen, möchte ich diese abbauen – im besten Fall vollständig. 

Zudem bin ich gespannt, welche Lösungen beim Weltkongress zu Intelligenten Transportsystemen zu sehen sein werden. Auch wenn er erst 2021 in Hamburg stattfindet wird, ist dies für uns schon heute ein wichtiges Themenfeld. Auch mit dem Thema Künstliche Intelligenz befassen wir uns – ganz verwaltungstypisch erproben wir Technologien, um Dokumente in der elektronischen Akte automatisch zu verschlagworten. 

Was könnte besser sein? Ich glaube, gerade im Zusammenspiel von Bund und Ländern, nicht zuletzt mit Blick auf die OZG-Umsetzung, brauchen wir mehr Dynamik, um rechtliche Hürden pragmatisch aus dem Weg zu räumen, die Digitalisierungsvorhaben unnötig erschweren.

*  *  *

Vielen Dank für die tiefen Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 

HANSEEXKLUSIV: Peter Tschentscher fordert flächendeckendes Glasfaser:
https://hh.hansevalley.de/2018/03/hanseexklusiv-peter-tschentscher-glasfaser.html

Helmut Schmidts Brief an eine "schlafende Schöne" von 1962:
www.welt.de/regionales/hamburg/article149206055/Helmut-Schmidts-Brief-an-die-schlafende-Schoene.html

Sonntag, 12. November 2017

HANSEPERSONALITY Michael Kruse: Zukunft des Medienstandorts Hamburg auf der Tagesordnung

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Mit stolzen 10,2 Prozent liberaler Zweitstimmen zur Bundestagswahl und einem desaströsen Abschneiden der Scholz-SPD mit 23,5% weht ein rauherer Wind durchs Rathaus. Hamburgs 1. Liberaler knüpfte die Koalition zum Gewinn des ITS-Weltkongresses denn auch gleich als "Stauhauptstadt" mit "desolater Verkehrssituation" auf. 


Hamburgs digitaler Oppositionschef Michael Kruse
Michael Kruse ist mit 34 Jahren jüngster Co-Fraktionschef aller Zeiten in der Hamburgischen Bürgerschaft - aktuell vorgestellt bei den Kollegen der "Welt". Bereits als parlamentarischer Geschäftsführer der Hamburger Liberalen schenkte er dem Rot-Grünen Senat bei ihren Digitalisierungsprojekten und der Hafenpolitik kräftig ein. 

Wie beurteilt einer der engagiertesten Digitalpolitiker die Bemühungen der Stadt auf dem Weg zur vernetzten City? Was sagt der führende Liberale zu den digitalen Aktivitäten in Hafen und HHLA? Und was schreibt der Oppositionschef dem Senat ins Stammbuch? Unser HANSEPERSONALITY ist der neue Fraktionsvorsitzende der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft - Michael Kruse:


Digitale Verwaltung Hamburg

Bei unserem ersten Sonntags-Interview brachtest Du auf den Punkt: Die Digitalisierung führt bei Rot-Grün ein "stiefmütterliches Dasein". Mittlerweile ist der Senat einen Schritt weiter: Vier Behörden arbeiten an digitalen Themen. Künftig soll die Senatskanzlei die Aktivitäten koordinieren. Zufrieden?

Dass der Senat die Kompetenzen für den Digitalbereich erst aufsplittet, um sie dann wieder zusammenzuführen, hat wertvolle Zeit gekostet. Natürlich ist das Thema Digitalisierung so wichtig, dass die Kompetenzen an einem zentralen Ort gebündelt werden müssen. Ich habe aber Zweifel, ob eine rein koordinierende Rolle des neuen Amtes in der Senatskanzlei ausreichen wird.

Die Stadt hat ein Angebot für die Besetzung des Chief Digital Officer abgegeben. Nach Abschluss der Ausschreibungsphase scheint es jetzt loszugehen. Bringt ein CDO unterhalb der Staatsräteebene in den zuständigen Ressorts die gewünschte Dynamik in der digitalen Entwicklung der Hansestadt? 

Das muss das Ziel sein. Allerdings zeigt sich in dieser Position die verzweifelten Bemühungen des Senats, sich ein digitales Image zu verpassen, anstatt die Digitalisierung der Verwaltung tatsächlich voranzutreiben. Zunächst wurde die Stelle eines Chief Information Officer (CIO) eingerichtet, nun wurde ein weiterer außertariflicher, hoch dotierter Posten geschaffen. Eine zusätzliche Stelle ohne Weisungskompetenz bringt Hamburg aber nicht voran.


Digitaler Verkehr Hamburg

Zur Entscheidung, den ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme 2021 in Hamburg auszurichten hast Du die kleine Keule rausgeholt: Hamburg sei "Stauhauptstadt" mit "desaströser Verkehrssituation". Ist der ITS-Kongress keine Chance, zum "Musterschüler" zu werden?

Die erfolgreiche Bewerbung Hamburgs für den ITS-Weltkongress ist zu begrüßen: Das Großereignis wird die drastisch wachsenden Verkehrsprobleme Hamburgs schonungslos offenlegen. Im Bereich der Hafenverkehre trägt der Senat mit seiner Gebührenerhöhung für Binnenschiffer sogar aktiv dazu bei, dass ökologisch und ökonomisch vorteilhafte Transporte verteuert werden. Der ITS-Kongress ist eine Chance, aber ich sehe nicht, dass der Scholz-Senat sie nutzt.

Schauen wir uns die Projekte von HOCHBAHN, MOIA und switchh an, muss die Metropole Berlin eigentlich laut losheulen. Die Mobilitätspartnerschaften mit BMW, Daimler, Deutscher Bahn und VW sind doch richtig fortschrittlich. Wie will die FDP Hamburgs Straßenverkehr digital vernetzen? 

Der technologische Fortschritt verlangt leistungsfähige Kommunikationsnetze, bei denen z. B. Maschinen, Automaten und Fahrzeuge untereinander oder über Leitstellen verbunden sind. Die geplante Einstellung einzelner Projekte von "smartPORTlogistics" zeigt, dass Hamburg weit davon entfernt ist, intelligente Verkehrsprojekte zu präsentieren, die über die Pilotphase hinauskommen. 

Einführung des lange angekündigten Verkehrsmodells

Der Senat müsste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die notwendige Verkehrsbeschleunigung für eine Metropole zu erreichen. Dazu gehört die Einführung des lange angekündigten Verkehrsmodells, mit dem man Konfliktsituationen im Straßenraum bestmöglich abfedern kann, aber auch eine dynamische Ampelsteuerung, die nicht stumpf vor sich hinschaltet, egal, wie die Verkehrslage gerade ist.

Digitaler Hafen Hamburg

Die Digitalisierung im Hafen scheint nicht immer schon Realität zu sein: HHLA-Chefin Titzrath wiederholt seit Längerem den Wunsch, "Motor des Digitalen Wandels" werden zu wollen. Die Branche gilt nicht unbedingt als "digitale Boheme". Wie lange kann der Hafen hinter Rotterdam und Antwerpen hinterher laufen?


Kenner in Hafen- und Digitalwirtschaft: Michael Kruse
Hamburg verliert zunehmend den Anschluss – ohne die Fahrrinnenanpassung wird sich diese
Tendenz verstärken. Nur vier Prozent der Betriebe im Hafen verfügen über schnelles Internet, da müssen Senat und HPA endlich ihre Hausaufgaben machen. 

Unternehmen im Hafen besser als ihr Ruf

Tatsächlich sind die Unternehmen im Hafen aber fortschrittlicher als ihr Ruf: Die Truck-Appointment-Systeme der Terminalbetreiber in Hamburg zeigen, dass die Digitalisierungs-Fortschritte im Hamburger Hafen von privaten Unternehmen ausgehen. Ich freue mich, dass Frau Titzrath diesen Wandel mit der HHLA bestmöglich gestalten möchte.

Die Behörde BWVI ist dabei, die Logistik-Initiative neu und zukunftsweisend auszurichten. Der Digital Hub Logistics startet nach kurzer Anlaufphase in erste konkrete Digitalprojekte. Müsste die FDP nicht Applaus klatschen und einladen, mitzumachen?

Beide Initiativen sind wichtig für Hamburg, und deshalb unterstützen wir sie auch aus der Opposition heraus. Mit dem Leiter des Digital Hub Logistics habe ich mich gerade am Rande des 69. Eisbeinessens der Schiffsmakler ausgetauscht. Bei der Logistik-Initiative machen wir immer noch Druck, dass die Mitgliedschaft im ersten Jahr kostenlos wird für Start-ups. Das hatte die Bürgerschaft nämlich auf unsere Initiative hin Anfang des Jahres beschlossen.

Digitale Wirtschaft Hamburg

HANSEVALLEY hat die Medienförderung der Hansestadt als ineffektiv und verfilzt kritisiert. Neue Medienplayer, wie Microsoft, Ströer oder YouTube feiern ihre Newsrooms und damit die nächste Party in Berlin. Hat Hamburg als "Medienhauptstadt" den Anschluss gegen Berlin verloren?

Berlin hat lange Zeit Medien aus Hamburg weggelockt. Es ist wichtig, dass sich dies in Zukunft nicht fortsetzt. Hamburg und Berlin sind stark im Agenturbereich aufgestellt, gerade auch in Hamburg gibt es wichtige Medien- und Digitalagenturen. Weil wir aber auch kritische Entwicklungen im Print-Bereich sehen, wird der Ausschuss für Wirtschaft, Medien und Innovation sich am 23. November auf unsere Initiative hin mit der Zukunft des Medienstandorts Hamburg befassen.

Es gibt laut Monitoring mehr als 600 Startups an der Elbe, nach unserer Zählung allein mehr als 40 Startups in Logistik, Luftfahrt und Mobilität. Der Anfang 2016 mit den Stimmen der Opposition verabschiedete Wachstums-Fonds lässt jedoch auf sich warten. Verpasst Hamburg den Zug?

Wir hätten uns sehr gewünscht, dass der Innovations-Wachstumsfonds schneller an den Start geht. Allerdings geht es um viel Steuergeld und da haben wir als Freie Demokraten durchaus Verständnis dafür, dass der Senat lieber etwas vorsichtiger und bedachter vorgehen möchte, anstatt sich zu verlaufen. 

Startups und KMU bei der Entwicklung neuer Stadtteile berücksichtigen

Letztendlich ist dieser Fonds aber nur eines von vielen Instrumenten, um die Rahmenbedingungen für Startups am Standort Hamburg zu verbessern. Weitere Maßnahmen, wie die Einführung eines bürokratiefreien ersten Jahres, und die Berücksichtigung von kleineren Unternehmen und Startups bei der Entwicklung neuer Stadtteile – wie aktuell von uns gefordert beim Konzept Stromaufwärts an Elbe und Bille – müssen folgen.

Digitaler Ausblick Hamburg

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Gesetzt den Fall, die FDP kommt nach den nächsten Wahlen in die Regierung und stellt den Wirtschaftssenator der Hansestadt: Welche drei digitalen Aufgaben würdest Du der Koalition ins Regierungsprogramm schreiben?

1. Am Ende der nächsten Legislaturperiode muss Hamburg flächendeckend Breitbandinternet haben, und da reden wir nicht wie der rot-grüne Senat über 30 Mbit/s. 

2. Die Hamburger Verwaltung muss digitalisiert sein. Es kann doch nicht sein, dass der rot-grüne Senat unter Digitalisierung versteht, dass ich mir einen Termin online buchen kann. Kundenzentren als Service-Zentren am Bürger verstehen ist die Grundlage. Die Kür besteht darin, dass ich als Bürger für viele Dienstleistungen der Verwaltung nicht mehr zum Amt muss, sondern sie zuhause erledigen kann. 

3. Den konsequenten Einsatz von digitaler Technologie in den Lehr- und Lerneinrichtungen der Stadt. Für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg Hamburgs ist es wichtig, dass alle Menschen sicher und gut ausgebildet in die digitale Zukunft gehen. 

*  *  *

Vielen Dank für die interessanten Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

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HANSEPERSONALITY Michael Kruse:

HANSESTATEMENT:

Sonntag, 10. September 2017

HANSEPERSONALITY Adrian Ulrich: Wir wollen, dass möglichst viele auf der digitalen Bugwelle reiten.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Die Hamburger Handelskammer auf dem Weg in die Zukunft: Nach der Kammerwahl und dem "Rebellensieg" geht es an die Arbeit: Die altehrwürdige Vertretung muss sich umfassend modernisieren - in ihrer Organisation ebenso wie gegenüber der Unternehmerschaft. Ein Schlüsselelement ist die Digitalisierung.


Die drei Wahlbündnisse haben in unseren "Digitalen Wahlprüfsteinen" ihre Positionen zur digitalen Zukunft von Kammer und Wirtschaft platziert. Was passiert am Adolphsplatz, damit Hamburg nicht ins Hintertreffen gerät und die Kammer zukunftsfähig wird? Unser HANSEPERSONALITY ist Adrian Ulrich, Geschäftsführer und Leiter der Abteilung IT, Medien und Kreativwirtschaft der Handelskammer Hamburg:

EIN RÜCKBLICK:


Handelskammer-Digitalisierer Adrian Ulrich
Foto: Christian Stelling
Am 1. November vergangenen Jahres hat das "Kompetenzzentrum Hamburg – Mittelstand 4.0" seine Arbeit aufgenommen. Neben gemeinsamen Veranstaltungen stehen Projekte mit dem Hamburger Mittelstand im Fokus des 3-jährigen Projektzeitraums. Wie weit ist die Hamburger Wirtschaft bereits involviert, sich für die digital-vernetzte Geschäftswelt fit zu machen?

Über 90 Prozent unser Mitgliedsunternehmen sind nach eigenem Bekunden in ihren Geschäfts- und Arbeitsprozessen von der Digitalisierung betroffen. Positiv ist dabei, dass mehr als Drei-Viertel der Unternehmen in der Digitalisierung tendenziell eine große Chance für sich sehen. Hilfe wird jedoch benötigt, die digitale Transformation in den Unternehmen konkret umzusetzen. Mit unserem "Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum“ begleiten wir Unternehmen bei ihren Digitalisierungsprojekten vor Ort. Die Nachfrage von Seiten der Unternehmen ist bereits jetzt größer, als unser Angebot.

Aktuell begleiten wir Projekte in rund 10 mittelständischen Unternehmen. Dabei geht es sowohl um den Einsatz von cyber-physischen Systemen, etwa zur automatisierten Lokalisierung von Waren im Lagerbereich, als auch die digitale - und damit papierlose - Abbildung von Daten im Produktionsprozess oder um die Implementierung eines digitalen Wissensmanagements im Vertrieb. Allein diese drei Beispiele machen deutlich, dass mithilfe unseres "Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums" der digitale Transformationsprozess in Hamburg sehr konkret angeschoben wird.

DER EINBLICK:

Die Handelskammer Hamburg hat eine interne Arbeitsgruppe zur Digitalisierung der Organisation unter Leitung von HSBA-Geschäftsführer Uve Samuels eingerichtet. Welche Bereiche sind in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt und wo sehen Sie in den kommenden Monaten deutlichen Handlungsbedarf?


Mit einer Vielzahl an Basis-Informationsveranstaltungen zu Themen wie Website, SEO, Online Marketing, IT-Sicherheit etc. versuchen wir bereits seit längerem, grundlegendes digitales Wissen in alle Unternehmen zu transportieren. Der Wunsch nach Unterstützung bei der Transformation ist in manchen Unternehmen aber bereits jetzt deutlich tiefgehender. Daher nehmen wir uns z.B. mit der "Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0" seit etwa zwei Jahren auch branchenspezifischen Herausforderungen verstärkt an.

Unsere Erkenntnis ist, dass es den Unternehmen nicht immer nur um inhaltlichen Erkenntnisgewinn geht, sondern die Vernetzung mit anderen Unternehmen, die vor denselben Herausforderungen stehen, ein wesentlicher Mehrwert ist, den die Kammer bietet. Insofern werden wir in den kommenden Monaten unter anderem ein Hamburger 3D-Druck-Netzwerk ins Leben rufen, um genau diesen Erwartungen bei dieser innovativen Technologie gerecht zu werden.

Bezogen auf die Digitalisierung der eigenen Prozesse und der Erbringung von Dienstleistungen gegenüber unseren Mitgliedern sehen wir die klare Notwendigkeit, digitaler und damit effizienter zu werden. Wir haben in den vergangenen Wochen 50 bis 60 Projektideen in diesem Feld definiert, die allesamt auf dieses Ziel einzahlen und die wir jetzt - auch mit Unterstützung des gerade neu zusammengesetzten Ausschusses für Digitale Wirtschaft - priorisieren und anpacken wollen.


Die Handelskammer unterstützt zahlreiche Initiativen an der Schnittstelle zwischen "New Business" und "Old Economy" - z. B. mit dem Eventformat 12min.COM "Caps'N'Collars". Welche Initiativen halten Sie für nützlich und wo beabsichtigen Sie, in den kommenden Monaten Korrekturen im Kurs der Handelskammer vorzunehmen?

NextReality-Contest am 28.11.2017 in der Handelskammer.
Grafik: NextRealtiy Hamburg
Innovationen entstehen heutzutage vielfach dort, wo Startups und Corporates zusammenwirken. Unsere Handelskammer ist dafür der ideale Nährboden, da alle Unternehmen dort Mitglied sind. Mit innovativen Veranstaltungs-Formaten wie z.B. „12min.COM -Caps'N'Collars“ aber auch dem „App-Contest Hamburg“ haben wir uns auf den Weg gemacht, den Austausch beider Zielgruppen mit innovativen, häufig technologieorientierten Formaten zu ermöglichen, die in eher klassischen Vortragsformaten nicht ausreichend zusammengebracht wurden. Insofern sehe ich u.a. in der Hamburg Animation Conference aber auch in dem für Herbst stattfindenden „NextReality-Contest“ die richtigen Ansätze, um diesen Weg konsequent zu stärken.

Die Handelskammer hat vor wenigen Tagen auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Breitbandverfügbarkeit in Hamburg zu verbessern und deutliche Kritik an den bestehenden Aktivitäten des Hamburger Senats geübt. Woran fehlt es konkret und was fordert die Kammer für ihre Mitglieder?

Laut Breitbandatlas haben über 95 Prozent der Hamburger Haushalte die Möglichkeit auf einen Breitbandanschluss von mindestens 50 Mbit/s zuzugreifen. Damit ist Hamburg im Vergleich zu vielen ländlichen Regionen grundsätzlich gut aufgestellt. Man darf sich durch diese Zahl aber nicht darüber täuschen lassen, dass gerade in Gewerbegebieten diese Bandbreiten nicht in diesem Umfang zur Verfügung stehen. Dabei sind laut unserer Umfrage für 85 Prozent der Unternehmen 50 Mbit/s die Mindestvoraussetzung für den unternehmerischen Erfolg.

In drei bis fünf Jahren werden die Hälfte aller Hamburger Unternehmen sogar bereits mindestens 100 Mbit/s benötigen. Das jetzt im Herbst startendende Förderprogramm von Stadt und Bund reicht daher nicht aus. Vielmehr muss ein weiteres Förderprogramm sicherstellen, dass alle Hamburger Gewerbegebiete bis zum Jahr 2020 mit Glasfaser versorgt werden und damit ein leistungsfähiges Internet mit Bandbreiten von mindestens 1 Gbit/s haben.

EIN AUSBLICK:

Die Handelskammer stellt unter der neuen Führung kleine und mittelständische Firmen in den Mittelpunkt der Arbeit. Für KMUs sind qualifizierte Informationen zu den Herausforderungen der Digitalisierung besonders essenziell. Was unternimmt die Handelskammer in den nächsten Monaten, um KMUs hilfreich zur Seite zu stehen?

Zunächst haben wir die bereits bestehenden Angebote stärker gebündelt und vermarkten dies jetzt einheitlich unter dem Claim „Digital Voraus“. Gleichzeitig haben wir erkannt, dass neben den Mega-Themen wie z.B. Industrie 4.0 viele unserer Mitgliedsunternehmen weiterhin einen hohen Informationsbedarf bei digitalen Basis-Themen haben, wie der Nutzung von Social Media, Suchmaschinenoptimierung, Websitegestaltung, IT-Sicherheit etc. Mit einem „Digitalisierungs-Lotsten“ werden wir ab Oktober die Arbeit der Handelskammer an dieser Stelle sehr zielgerichtet ergänzen. 



Kammer-Initiative "Digital Voraus" zur Vernetzung der Wirtschaft
Grafik: Handelskammer Hamburg

Darüber hinaus zeigt unsere kürzlich durchgeführte Befragung zur Breitbandverfügbarkeit in Hamburger Unternehmen, dass es an vielen Stellen in Hamburg bereits an infrastrukturellen Grunderfordernissen zur Digitalisierung mangelt, insbesondere in den Hamburger Gewerbegebieten. Hier werden wir kurzfristig in den Dialog mit der Politik und den Infrastrukturanbieten treten, um diese Lücken zu schließen.

Die neue Kammerführung hat im Wahlkampf die Forderung aufgestellt, dass jeder Auszubildende und jeder Ausbilder in Hamburg mit einem Tablet ausgestattet werden sollte. Der Präses hat daher einen digitalen Ausbildungsgipfel angekündigt. Welche digitalen Themen und Schwerpunkte dürfen wir auf dem Gipfel erwarten?

Das Voranschreiten der Digitalisierung wird massive Veränderungen der Arbeitswelt und der beruflichen Tätigkeiten nach sich ziehen. Routinetätigkeiten werden vermutlich zukünftig in großem Maße automatisiert. Umgekehrt werden wir zukünftig aber vermehrt Arbeitsplätze haben, bei denen Abläufe und Prozesse überwacht und ggf. auftretende Probleme behoben werden. Die entscheidende Frage ist, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die berufliche Aus- und Weiterbildung haben werden.

Beim Digitalisierungsgipfel wollen wir deshalb vor allem beleuchten, wie wir unsere Berufsausbildung für die Zukunft fit machen und auch attraktiv halten können. Gemeinsam mit den Stakeholdern der Berufsbildung wollen wir darüber diskutieren, welche Ansätze für neue oder novellierte Aus- und Weiterbildungen bereits heute in Arbeit sind und welche wir zukünftig benötigen. Auch wird es um die Frage gehen, ob unsere derzeitigen Prozesse und Abläufe zur Neu- und Weiterentwicklung von Berufen geeignet sind, erforderliche Neuerungen schnell genug umzusetzen.

HAMBURG-FRAGE:

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Wie gut sehen Sie unsere Stadt in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung aufgestellt, die tiefgreifenden Umbrüche durch die fortschreitende Digitalisierung zu meistern und welche Forderungen haben Sie als führender Kammervertreter an die Politik, den "Digitalen Kurs" zu optimieren?

In den vergangenen drei Jahren ist in unserer Stadt an vielen Stellen eine Menge im Kontext der Digitalisierung passiert. Neben der sehr zu begrüßenden „Digital First“-Strategie der Stadt, den geplanten Investitionen von 23 Millionen zum Aufbau einer Informatik-Plattform an den Hochschulen unter dem Claim „Ahoi Digital“, und natürlich dem von Seiten der Wirtschaft forcierten „Smart Port“-Aktivitäten in unserem Hafen. Doch schon an dieser kurzen Aufzählung wird deutlich, dass es viele einzelne Bausteine sind, denen es an einer gemeinsamen Marke zur Innen- und Außenkommunikation fehlt. Wir laden daher alle Akteure Hamburgs ein, gemeinsam mit der Handelskammer „Digital Voraus“ gehen!

Vielen Dank für die klaren Worte!

Das Interview führte Thomas Keup.
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 Hamburg Digital Background:

"Digital Voraus" - Initiative der Handelskammer
www.digital-voraus.de 

Kompetenzzentrum Hamburg - Mittelstand 4.0
https://kompetenzzentrum-hamburg.digital/

Überblick IT-Wirtschaft in Hamburg
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/it/branchenueberblick/3162474

Überblick Medien und Kreativwirtschaft Hamburg
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/medienwirtschaft-kreativwirtschaft/branchenueberblick/3162582

Mittwoch, 31. Mai 2017

HANSEONLINE: Schnell und sicher ... geht in Deutschland eigentlich gar nicht!

Hamburg ist in Sachen Breitband vorn mit dabei: 95% aller Haushalte können schon heute mit 50 Mbit/s und schneller surfen. Mit 7,5 Mio. € aus dem Verkehrs- und Infrastrukturministerium und 15 Mio. € Mitteln aus der "Digitalen Dividende" will Hamburg ab Sommer die "weißen Flecken" schließen, vor allem in Wandsbek und am Altonaer Volkspark, in Vier- und Marschlande sowie Gebieten in Rissen und Sülldorf.

Was für Privathaushalte hoffnungsvoll aussieht, ist für Hamburgs Wirtschaft manchmal mehr als schwierig. Ein Viertel der 1.700 Betriebe im Hamburger Hafens werden erst jetzt im Rahmen der Initiative "Hafen-Internet Hamburg" durch 1&1 Versatel nach und nach mit Breitband erschlossen. Das hilft beim Zugang zum World Wide Web. Doch was ist mit dem schnellen Datenaustausch und der -speicherung?

Frank Brügman und Matthias Krueger sind Hamburgs Onliner der 1. Stunde. 1995 gründeten Sie an der Elbe die Broadnet AG, die aus dem Richtfunkanbieter Mediascape hervorging. Mit einem eigenen Backbone, DSL-Leitungen und Richtfunkstrecken versorgten die Hamburger 77 deutsche Städte mit schnellen Verbindungen. Jetzt sind die Internetpioniere wieder da - und lösen ein großes Problem. Ein Hamburg Digital Report:



Ein universeller Service für den Datenaustausch - Made in Hamburg.
Illustration: Cloudplan
Internetexperten nennen Sie die "letzte Meile". Für viele Anwender ist sie häufig sogar "das Letzte". Frank Brügman und Matthias Krueger nennen Sie den "Flaschenhals". Der Übergang vom öffentlichen zum privaten Netz in Bürohaus oder Gewerbebetrieb ist ein Ärgernis. Wenn es um große Datenmengen geht, wird der Flaschenhals zur Businessbremse. Asynchrone Leitungen bieten schnelle Downloads, doch beim Upload müssen meist wenige MBits reichen.

Medizinische Bilddateien über 30 GByte Größe, 4K-Videos von Multimediaagenturen, 2 GByte große Grafikdateien oder Builds von neuen Games auf dem Weg zu Lizenzgebern  - eine schnelle Anbindung im Upload ist immer mehr geschäftskritisch. Genau hier droht das Business stillzustehen. Für große Organisationen kein Problem. Sie bauen eine "Private Cloud" mit Rechenzentren, schnellen Datenleitungen, reduntanten Zugängen und Notfallmanagement auf.


Eine Postkarte in die Wolke schicken?

Viele kleine und mittlere Unternehmen lagern ihre Daten einfach in Cloud-Speichen aus - z. B. Amazon, Apple, Dropbox, Google oder Microsoft. Die US-Anbieter freuen sich über jeden Kunden und die Chance, die Daten auswerten zu können. Wenn sie selbst nicht neugierig sind, sorgt Vater Staat für tiefen Einblick. Mit dem "BND-Gesetz" kann die Abteilung "Horch & Guck" ganz legal auf den DE-CIX zugreifen und Telekom-Leitungen abhören.


Damit nicht genug: Ab Mai 2018 bekommen Firmen Schwierigkeiten, wenn sie die Daten ihrer Kunden nicht umfassend schützen. Mit der EU-Datengrundschutz-Verordnung GDPR werden professionelle Nutzer verpflichtet, sich um die Daten ihres Geschäfts zu kümmern. Doch kleine Betrieb können sich weder den Aufwand, noch die Kosten oder das Personal leisten, um selbst eine umfassende IT zu betreiben. Genau hier setzen die Hamburger Digitalunternehmer an.

Eine Private Cloud für jede Firma.
Highspeed-Datenaustausch über Firewalls hinaus.
Grafik: Cloudplan

Über 2 Jahre haben Sie am Prototypen gearbeitet, bis zu 12 Mann waren in der Aufbauphase damit beschäftigt. Anfang 2016 war es dann soweit: Mit einer umfassenden Anwendung für physische wie virtuelle Server, Desktops wie Laptops und Tablets wie Smartphone wollen die Gründer von Cloudplan die Officeumgebung revolutionieren. Dreh- und Angelpunkt ist eine direkte Verbindung zwischen allen wichtigen Geräten in Rechenzentrum, Großraumbüro und Hosentasche.

Dank Peer-to-Peer-Technologie können kleine wie größere Unternehmen ihre ganz eigene "Private Cloud" betreiben. Statt Dateien via Web unverschlüsselt Kollegen in öffentlichen Speichern abzulegen, tauscht man mit Hilfe von Cloudplan Dateien direkt aus - und das mit 256-bit AES-Verschlüsselung auf Militärstandard. Das funktioniert sowohl innerhalb eines Büros oder einer Firma als auch mit Kunden und Partnern am anderen Ende Stadt oder der Welt via Webzugriff.

Sicher vor und hinter der Firewall.

Die Apps auf Servern, Clients und Mobile Devices laufen sowohl vor als auch hinter Firewalls. Ein lokaler Server dient als Datenspeicher für die Geräte. So werden die Daten von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz und von Abteilung zu Abteilung in LAN-Geschwindigkeit innerhalb der eigenen Organisation verschickt. Mit einem lokalen Datenserver und einem optionalen Cloudspeicher kommen alle Geräte jederzeit zu neuen Daten und haben automatisch ein Datenbackup.


Erfahrenes Gründer- und Tech-Team von Cloudplan
Foto: Cloudplan
Mehr als 500 Kunden nutzen die neue Lösung aus Hamburg bereits, z. B. das Immobilienstartup "Hello Monday" vom Sandtorkai. Cloudplan bietet ein einfaches SaaS-Mietmodell, dass gerade für kleinere Firmen interessant ist: Mit 10,- €/Monat können 2 Desktops und 3 Mobile Devices vernetzt werden, für 17,- €/Monat gibt es dazu eine Serverlizenz einschl. Monitoring. Welches mobile Betriebssystem und welche Hardware zum Einsatz kommen, spielt keine Rolle.

Die private Cloud aus Winterhude.

Dateien können - wie bei Office-Dokumenten in öffentlichen Cloudspeichern - mit Lese-, Kommentar- und Schreibrechten versehen und diese auch wieder eingeschränkt werden. Im nächsten Schritt planen die Macher aus Winterhude, den Service weltweit über das WAN anzubieten. Denkt man das Konzept vernetzter Geräte inkl. Datenauschtausch weiter, ist die Vernetzung unter Maschinen im Internet of Things die logische Konsequenz.

Während viele darüber stöhnen, dass globale Dienste immer mehr Services erfolgreich anbieten, unternehmen Frank Brügman und Matthias Krueger im pfiffigen Hamburg etwas, damit unsere Daten sowohl intern als auch im Austausch mit Kunden sicher verschickt und empfangen werden können. Das die pfiffige Idee mit einer Finanzierung des neuen Innovationsstarter Fonds Hamburg II im oberen sechsstelligen Bereich finanziert wurde, ist vielleicht eine der besten Investitionen für unsere digitale Metropole Hamburg.





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 Hamburg Digital Background: 

Cloudplan P2P-Private Cloud
https://www.cloudplan.net/

Innovationsstarter Fonds Hamburg
http://innovationsstarter.com/home/innovationsstarter-fonds/


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________


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