Posts mit dem Label Förderung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Förderung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. März 2020

HANSEPERSONALITY Christian Rauda: Die Gamesbranche ist bei uns willkommen. Auf nach Hamburg!

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW
- 1.000+ Leser. Und Sie. -


Aktiver Förderer der Hamburger Games-Szene: Anwalt Christian Rauda
Foto: HANSEVALLEY


In diesem Jahr ist vieles anders. Ende Februar d. J. öffnete die Hamburg Games Conference mit doppelt so vielen Besuchern erstmals in den Zeise-Hallen ihre Pforten. Mit einer neu aufgestellten Brancheninitiative und einer neuen regionalen Prototypenförderung zog es die Branche aus Hamburg nach Ottensen. Medienpartner HANSEVALLEY hat Organisator und Brancheninsider Christian Rauda zu Neuerungen, Veränderungen und Entwicklungen gesprochen:

Die neu aufgestellte "Gamecity Hamburg" als aktiver Partner, eine neue Location mit mehr als 400 Teilnehmern, Apple Arcade mit 900.000 gelisteten Games sowie der künftige Markt des Onboard-Entertainments als aktuelle Themen. Wie war die 11. Ausgabe der Hamburg Games Conference aus Eurer Sicht?

Wir haben uns sehr über den Zuspruch gefreut, gerade auch über die Grenzen Hamburgs hinaus.

Seit Beginn der Konferenz im Jahr 2000 versuchen wir neben „Dauerbrenner“-Themen die Trendthemen zu erspüren, die die Branche im laufenden Jahr bewegen werden. Das ist uns in der Vergangenheit immer gut gelungen. Ich glaube auch in diesem Jahr wieder.

Außerdem möchten wir, dass die Gamesbranche mit anderen (Medien)branchen ins Gespräch kommt und so Neues entsteht. Viele Projekte sind durch Kontakte auf der Hamburg Games Conference entstanden.

Gehen wir zusammen ans Eingemachte: Du beschäftigst Dich seit vielen Jahren mit Games in Hamburg, bist tief mit der Szene vernetzt und hast mit Deinem Partner Ralph Graef die Konferenz ursprünglich aus der Taufe gehoben. Was waren aus Deiner Sicht die wichtigsten Themen für die Hamburger Games-Szene in diesem Jahr?


Top 1 war der Kampf um die bundesweite und die regionale Förderung. Hier sind erhebliche Erfolge erzielt worden, auch wenn eine ideale Welt natürlich anders aussieht. An vielen Stellen hakt es noch. Auch das war Thema während der Konferenz, als sich Vertreter des Digitalministeriums der Kritik gestellt haben.

Top 2 ist die Konsolidierung. Der Trend, dass deutsche Games-Unternehmen von ausländischen Unternehmen gekauft werden, hält weiter an.

Top 3 ist ein Thema, über das viele ungern öffentlich reden: die weiter steigende Relevanz des Datenschutzes. Wer hier schläft und kein Datenschutzmanagementsystem implementiert, kann sich auf ein böses Erwachen gefasst machen.

Ihr seid in diesem Jahr aus der Bucerius Law School in die Zeise-Hallen umgezogen. Damit konntet Ihr gut 400 Teilnehmer begrüßen und die Teilnehmerzahlen mehr als verdoppeln. Einige Teilnehmer holten sich jedoch ihre Jacken aus der Garderobe, weil es an einen Stellen etwas zugig war. Wie beurteilst Du die neue Location?


Die Bucerius Law School war ein schöner Rahmen, aber wir hatten ja 2020 zum ersten Mal drei inhaltliche Tracks parallel und mussten eine neue Location suchen. Die Zeise Hallen passen gut zur Branche.

Drinnen in den Kinos und im Restaurant Madrigal war es super, aber in der Tat war es vor den Kinos etwas frisch. Das soll nicht so sein. Nächstes Jahr werden wir dafür eine Lösung finden.

Schauen wir in die Zukunft aus Sicht Hamburger Games-Schmieden, Publisher und Dienstleister. Wie beurteilst Du die Entwicklung in der Hamburger Games-Branche und was dürfen wir in den kommenden 12 Monaten aus der einstigen Games-Hauptstadt der Republik erwarten? Gibt es sowas wie eine Aufbruchsstimmung?

Die Aufbruchstimmung ist definitiv da! Die Politik hat endlich erkannt, dass man in den Standort investieren muss, wenn man eine aktive Branche haben möchte, die Arbeitsplätze schafft und Steuern zahlt. Das rechnet sich dann auch finanziell. Wir haben mit Kultursenator Dr. Carsten Brosda und Medienamtsleiter Tim Angerer zwei Personen, die dem Digitalen gegenüber aufgeschlossen sind. Das ist eine Riesenchance.

Der Maßnahmenplan der „neuen“ Gamecity Hamburg von Dennis Schoubye und Egbert Rühl hat in der Branche Anerkennung gefunden und jetzt warten alle gespannt auf die Umsetzung. Die erfolgreiche Stärkung der Hamburg Games Conference war ja schon ein erster Teil davon.

Regionen wie Bayern, Berlin und NRW nehmen Millionenbeträge für die regionale Games-Förderung an die Hand. Berlins Regierender Bürgermeister lädt die E-Sportszene der Hauptstadt zum Runden Tisch, um die Themen der Branche kennenzulernen. Wie gut ist die "Games-City" Hamburg im schärfer werdenden Wettbewerb aufgestellt?

Hamburg ist immer noch DIE Gamecity in Deutschland. Hier sitzen viele der größten Studios. Die Branche reicht vom Indie bis zu Riesen wie InnoGames und Goodgame. Außerdem Tonstudios, Dienstleister, etc. Aber die anderen haben erheblich aufgeholt. Söder, Laschet, Müller - sie alle haben die Gamesbranche als Treiber entdeckt, wirken dabei aber wenig authentisch.

Hamburg wird niemals so viel Geld investieren können wie NRW oder Bayern. Dafür haben wir andere Vorteile, die wir als Stadtstaat ausspielen können: Kurze Wege, direkte Kontaktmöglichkeit zu den Branchengrößen sowie zu Google, Facebook, Twitter & Co. mit Sitz in Hamburg. Es sind einfach sehr viele relevante Player hier.

Zu guter Letzt die Frage nach den Herausforderungen, Hamburgs Games-Branche nach vorn zu bringen. Die neue Hamburger Prototypenförderung ermöglicht max. 5 Games-Firmen jeweils bis zu 80.000,- € Förderung für ein neues Spiel. Bei rd. 50.000,- € Gehalt für einen einzelnen Entwickler - wie weit kommen Hamburger Games-Schmieden damit?

Natürlich reicht das Geld nicht aus. Aber die regionale Förderung ist immens wichtig aus mehreren Gründen:

Erstens wird Hamburg von neugegründeten Studios als Standort nicht mehr automatisch aussortiert, nur weil es keine Förderung hat. 

Zweitens hat z. B. Berlin gezeigt, dass auch kleine Beträge pro Projekt die Suche weiterer Investoren erheblich vereinfacht. Förderung kann (wie im Film auch) immer nur ein Baustein sein.

Drittens ermöglicht die Förderung eben doch kleinen Teams von zwei, drei Leuten, Spiele zu entwickeln. Die hätten sonst gar keine Chance.

Viertens darf man die psychologische Komponente der Förderung nicht außer Acht lassen. Das bringt Wertschätzung zum Ausdruck und ist ein Bekenntnis von Hamburg: „Die Gamesbranche ist bei uns willkommen. Auf nach Hamburg!“.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke!
- Das Interview führte Thomas Keup -

*  *  *

Über Christian Rauda:

Christian Rauda ist Fachanwalt für IT-Recht, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht soiwe Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz (Marken- und Wettbewerbsrecht). Er ist Partner der Medienrechtskanzlei "GRAEF Rechtsanwälte" in Hamburg und Berlin sowie Dozent an zahlreichen Hochschulen (Hamburg Media School, HTW Berlin, Bucerius Law School). Seit vielen Jahren berät er nationale und internationale Medien- und IT-Unternehmen und ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Bücher und Aufsätze, darunter „Rechtssichere Werbung“ und „Recht der Computerspiele“.

Donnerstag, 23. Mai 2019

HANSESTATEMENT: Die DIN-Norm - ein "Jodeldiplom" für Startups. Im Ernst jetzt?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT 
von Gerd Kotoll


DIN-Institut in Berlin: Hauptgeschäftszweck: Normen erstellen und vermarkten.
Foto: DIN

Eine neue Idee geistert durch die Republik: eine deutsche DIN-Norm für Startups. Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, Beratern und Unternehmen plant mit der "SPEC 91354" Jungunternehmen zu regulieren. Das Hauptargument: Mit der Spezifikation sollen die hohen Ausfallquoten bei Startups verringert werden. 

Die Diskussion ist eröffnet. Nach der ersten Welle der Kritik ruderte das Konsortium hinter der Startup-Norm denn auch gleich zurückDer Leitfaden solle Investoren, Banken oder Gremien, die über die Vergabe von staatlichen Fördermitteln entscheiden, die Urteilsfindung bei Projekten erleichtern. 

Ein Hamburg Digital Statement von Startup-Experte Gerd Kotoll:

Während am Montag dieser Woche u.a. das Handelsblatt über die neue DIN Norm SPEC 91354 berichtete und verständlicher Weise von empörter Zurückweisung auf Seiten von Gründungsexperten, weist die Gründerszene darauf hin, dass es ja alles ganz anders gemeint sei.

Die neue Norm soll ein freiwilliges Angebot sein und eher eine bessere Checkliste. Je mehr Punkte davon das Startup erfülle, desto wahrscheinlicher sei bspw. eine Finanzierung durch Banken oder Risikokapitalgeber möglich – zumindest im Grundsatz.

So weit, so gut. Wer’s glauben mag.

Ein Blick hinter die Kulissen lässt etwas Anderes vermuten: der Verein, der das DIN-Institut trägt, generiert gut zwei Drittel seines Budgets durch Dienstleistungen gegenüber Dritten, vor allem durch den Verkauf von Normen.

Für dieses Oxymoron einer Startup-Norm haben laut DIN-Institut gleich eine ganze Reihe von Partnern, darunter Ernst & Young, die TU Darmstadt, verschiedene Patentanwälte u.a. gut 18 Monate gearbeitet und in eine 17-seitige Checkliste und Leitfaden gegossen (siehe Hamburg Digital Background).

Hinzu kommt, dass den Anstoß für diesen Leitfaden angeblich ein bekannter Seriengründer geliefert haben soll, der aber nicht genannt werden möchte. Womit wir den nächsten Widerspruch hätten, da Altruismus und Gründung sonst nur aus dem Bereich sozialer oder grüner Projekte bekannt sind, wo es in aller Regel eben nicht um Skalierung geht.

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, wann die bislang kostenfreie Zertifizierung durch politische Regelungswut eine (dann natürlich kostenpflichtige) Anforderung an die Gründer werden wird.

Es ist aber genau diese wuchernde Bürokratie, diese krude staatliche Allmachtsfantasie, alles regeln zu müssen, die Gründungen in Deutschland schwerer machen als anderswo.
Wir brauchen nicht mehr Regelungen, sondern viel viel weniger. 


DIN-Broschüre: „Die Anwender profitieren mit der DIN SPEC 91354 von wertvollen Expertentipps für ihr Start-up.“

Startups werden dann besonders erfolgreich, wenn sie eben die vermeintlich ehernen Regeln des Marktes brechen konnten. Verstöße gegen Arbeitsrecht, Datenschutzvorgaben oder andere rechtliche Regulierungen sind mit der Risikominimierung in der DIN-Spezifikation aber nicht gemeint - und werden durch eine DIN-Norm auch nicht erfasst.

Mein Fazit: Startups sollen sich auf ihr Geschäftsmodell und den Vertrieb konzentrieren können und nicht auf das Ausfüllen von Checklisten und Zertifizierungsanforderungen, denn damit verdient man kein Geld. Es sei denn, man ist das Deutsche Institut für Normung.


*  *  *

 Hamburg Digital Autor Gerd Kotoll: 

Gerd Kotoll vernetzt Entrepreneure mit potentiellen Partnern und Kunden - und berichtet von ausgewählten Events und Entwicklungen im Ökosystem der Hamburger Startup-Szene. 

Als unabhängiger Makler berät und betreut Gerd Kotoll er Vereine, Verbände und Unternehmen in Fragen der betrieblichen Absicherung. Besonderen Fokus legt er auf junge Unternehmen und Startups. 

Gerd Kotoll ist Freier Autor des Hamburg Digital Magazins.

Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

 Hamburg Digital Background: 

DIN-Institut: DIN SPEC 91354
https://www.din.de/blob/313462/ff9bf5d1099dc812b623ccc40d95fc50/broschuere-din-spec-91354-data.pdf

Handelsblatt: "Auch Start-ups sollen eine DIN-Norm bekommen – Gründer sind empört."
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/jungunternehmen-auch-start-ups-sollen-eine-din-norm-bekommen-gruender-sind-empoert/24360404.html

Gründerszene: "Keine Angst, es wird keine DIN-Norm für Startups geben."
https://www.gruenderszene.de/perspektive/din-norm-spec-91354-startups

t3n Magazin: "DIN-Norm für Gründer: Ein Jodeldiplom für die Startup-Szene."
https://t3n.de/news/din-norm-fuer-gruender-fuer-1164827

Sonntag, 24. März 2019

HANSEPERSONALITY Henning Schneider: Hamburg sollte sich den digitalen Vorsprung nicht nehmen lassen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW



Digitaler Innovator im Hamburger Krankenhaus-Sektor: CIO Henning Schneider
Foto: Asklepios

Seit Längerem gilt das Universitätsklinikum Eppendorf ein Spitzenreiter der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen zu sein. Mit einer papierlosen Patientenakte auf Rädern und Internet-Touchscreen-PCs am Krankenbett ist das UKE bis heute das Vorzeigeobjekt der Hamburger Politik. Jetzt meldet sich Hamburgs größter Krankenhausverbund Asklepios zu Wort. Mit zwei digitalisierten Kliniken in Rissen und Wandsbek rollt der Hamburger Klinikkonzern das Feld von hinten auf.

Genau jener verantwortlicher IT-Chef des UKE baut seit 2016 hinter den Kulissen an der digitalen Zukunft der Asklepios-Gruppe. Was der Chief Information Officer mit einem Großklinikum in Eppendorf unter Beweis stellte, setzt er nun aus Hamburg in einem bundesweiten Verbund mit 160 Einrichtungen um - vom neuen Klinik-IT-System über digitale Patientenservices bis zur Kollaboration mit wichtigen Partnern im Gesundheitssektor. Unser Hamburg Digital Interview mit Asklepios-CIO Henning Schneider:

Jeder Arzt verbringt am Tag 4 Stunden mit Dokumention von Behandlungen. Jede Krankenschwester verbringt am Tag 3 Stunden mit Dokumentation von Pflegeleistungen. So die Erfahrungswerte aus Ihrem Krankenhausalltag. Und das bei akutem Pflegenotstand und überforderten Ärzten auf den Stationen - nicht nur in Ihren Häusern. Hand auf Herz: Würden Sie noch mit einem guten Gefühl in eines der Krankenhäuser gehen, die Sie kennen?

Ich war selbst schon Patient in „meiner eigenen“ Klinik. Also ein klares 'Ja', weil ich auch weiß, wie sehr sich Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte verausgaben, um Patienten bestmöglich zu behandeln. 

Aber die heutigen Dokumentationsanforderungen im klinischen Alltag, ohne die ein Krankenhaus in Deutschland nicht mehr existieren kann, sind eine riesige Herausforderung, die nicht mehr zu dem Behandlungsprozess passen. Dazu kommt eine riesige Gruppe von Ärzten, die sich aus dem Klinikbetrieb verabschiedet haben und auf der „anderen Seite" beim MDK der Krankenversicherungen jedem Fehler in der Dokumentation nachgehen.

"So lange noch eine Papierdokumentation parallel oder auch nur teilweise dazu läuft, wird der Nutzen der Digitalisierung ausbleiben."


Gerade Dokumentations- und Routineaufgaben sind das, was Computer heute schon sehr gut machen können, wenn man sie richtig einsetzt. Dies bedeutet vor allem, dass man die Dokumentation schnell, direkt und vollständig auf digitale Daten umstellen muss. So lange noch eine Papierdokumentation parallel oder auch nur teilweise dazu läuft, wird der Nutzen der Digitalisierung ausbleiben.

Erst wenn alle Daten digital vorliegen, lassen sich Dokumentationsaufgaben erleichtern und die Suche nach Informationen vollständig vermeiden. Gleichzeit lassen sich dann aber auch Behandlungsprozesse für alle an der Behandlung Beteiligten transparent darstellen, Medikationsprozesse automatisieren und sich die Behandlung der Patienten erheblich verbessern. IT wird dann zu einer vollwertigen Unterstützung von Ärzten und Pflegekräften.

Sie haben in Hamburg 7 Krankenhäuser mit Maximal- und Schwerpunktversorgung und einer Größe von 600 Betten in Rissen und bis zu 1.500 Betten in Langenhorn. Sie führen in Hamburg - einem der größten europäischen Klinikcluster - mit "M-KIS" der Meierhofer AG ein neues, zentrales IT-Dokumentationssystem ein. Warum ist es aus ihrer Sicht wichtig, ein neues IT-System einzuführen. Sollten nicht an 1. Stelle optimale Krankenhausprozesse stehen?


Absolut richtig. Ohne sich zuerst auf einheitliche Prozesse für Behandlung und Dokumentation inkl. eines gemeinschaftlichen Rollen- und Aufgabenverständnis im gesamten Krankenhaus festzulegen, braucht man so ein Projekt gar nicht erst starten - und nicht immer muss dazu ein neues KIS (KIS - Krankenhaus-Informations-System) eingeführt werden. Genauso haben wir auch in Hamburg begonnen. 

Wir waren uns aber bei der Entscheidung 2015 sicher, dass wir diese digitalen Prozesse nur mit einem modernen IT-System erfolgreich abbilden können, das sowohl durch die Architektur, als auch mit Schnittstellen und Oberflächen die Flexibilität in sich trägt, um unseren Anforderungen und noch viel mehr den Erwartungen der Anwender gerecht zu werden.

"Wie muss dokumentiert werden, damit am Ende ein fast automatisch erzeugter Arztbrief entsteht?"

Die Eingabe in ein IT-System ist immer aufwendiger, als das schnelle notieren einer Information auf Papier. An diesem Vergleich scheitern bereits viele IT-Projekte. Erst wenn man wirklich den Dokumentationsprozess dahin verändert, dass Informationen weiter genutzt werden und nicht mehr doppelt und dreifach dokumentiert werden, entsteht der Nutzen durch IT. 

Wir haben daher viele Abläufe von hinten – also vom Dokumentationsabschluss – durchdacht. Wie muss dokumentiert werden, damit am Ende ein fast automatisch erzeugter Arztbrief entsteht? Genau hier und in der Übernahme von Daten aus anderen IT-Subsystemen liegt eine weitere Stärke von "M-KIS".

Neben den Prozessen und dem KIS-System gibt es zwei weitere wichtige Erfolgsfaktoren: Das eine ist die IT-Infrastruktur. Das KIS-System kann noch so gut sein, wenn man es nicht stabil, sicher und schnell betreiben kann. Fehlt das Vertrauen und die Akzeptanz der Anwender, macht sich sehr schnell Frust breit. Wir haben bereits vor dem Projektstart sehr viel in moderne Netz- und Rechenzentrumsinfrastruktur investiert. 

"In jedem Projekt gibt es mindestens das eine tiefe Tal, durch das man zusammen durchkommen muss."

So haben wir z.B. alle Kliniken in Hamburg vollständig mit WLAN ausgestattet, um auch den reibungslosen Einsatz von digitalen Visitenwagen zu ermöglichen. Alle 3.000 Server in unserem Rechenzentrum wurden auf virtuelle Umgebungen umgestellt, um so sehr viel schneller auf Performance-Anforderungen reagieren zu können.

Der zweite und überhaupt wichtigste Erfolgsfaktor sind aber die Menschen und die Organisation. Wenn ein solches Projekt nicht von der Krankenhausführung und - noch viel mehr - von Anwendern gewollt und getrieben wird, kann es nicht funktionieren. In jedem Projekt gibt es mindestens das eine tiefe Tal, durch das man zusammen durchkommen muss, um erfolgreich zu sein. Das geht nur gemeinsam und mit sehr viel Kommunikation und vor allem gemeinsamen Handeln.

Das klingt alles schön und gut. Im UKE brauchten Sie 2 Jahre zur Einführung des neuen KIS-Systems - einschl. angepasster Prozesse, neuer Technik und Akzeptanz der Nutzer in Medizin, Pflege und Verwaltung. In der Asklepios-Klinik in Rissen haben Sie dank Key-Usern die Einführung in 18 Monaten geschafft. Jetzt gehen Sie an die Kliniken in St. Georg und Harburg. Wieviele Jahre nehmen Sie sich Zeit, bis Asklepios in Hamburg digital sein wird?

Ja, das waren zwei harte, aber erfolgreiche und schöne Projekte, die allen Beteiligten viel Schweiß, Nerven und bei mir auch Haare gekostet haben.

In Rissen haben wir den Grundstein für ein Model aus Prozessen und IT gelegt, das nun exakt so auch in allen anderen Hamburger Asklepios-Krankenhäusern funktionieren soll. Bereits im UKE war ich sicher, dass das größte Problem an der Papierdokumentation die hohe Flexibilität ist. Jeder kann es anders nutzen und hat daher eigene Prozesse entwickelt, die nun, wenn man ein einheitliches System gemeinsam nutzen will, auf einmal nicht mehr zusammenpassen. 


"Voraussetzung ist der gemeinsame Wille zur Umsetzung und viel – sehr viel – Führung."

Ich war mir aber auch sicher, dass es möglich ist, wieder zu einer einheitlichen Dokumentation zurückzufinden, die nicht nur für ein Krankenhaus, sondern als Vorbild auch in anderen Krankenhäusern funktioniert. Voraussetzung ist der gemeinsame Wille zur Umsetzung und viel – sehr viel – Führung. In Rissen haben wir 18 harte Monate zusammen mit vielen Anwendern an diesem System gefeilt.

Der große Erfolg war danach der Rollout im Asklepios-Klinikum Wandsbek. Gemeinsam mit den dortigen Key-Usern ist es gelungen, bereits 6 Wochen nach Start des KIS-Systems am 1. Oktober die Papierakten im gesamten Krankenhaus beiseite zu lassen. Das ist ein riesen Erfolg, der sich herumspricht. Nachdem wir in Wandsbek knapp 40 Key-User hatten, melden sich nun für die nächsten Kliniken 100 in St. Georg und 120 Key-User in Harburg als unterstützenden Fachkräfte aus dem Krankenhaus für das Projekt. 

"Wir wechseln die Systeme meist über das Wochenende - aber im laufenden klinischen Betrieb."

Wie gesagt, halte ich diese Unterstützung für den wichtigsten Erfolgsfaktor und sehe dem weiteren Rollout sehr optimistisch entgegen. Trotz dieser sehr großen Unterstützung und dem stark vereinheitlichtem System bedarf es für jedes der einzelnen Krankenhäuser einer genauen Bestandsaufnahme der aktuellen Abläufe und der Organisation. Jeder Fachbereich, jede Station dieser sehr großen Krankenhäuser muss im KIS abgebildet werden. Jeder Benutzer muss einzeln angelegt und seine Rolle festgelegt werden, um die genauen Zugriffsrechte auf Daten und Funktionen haargenau festzulegen, damit auch alle datenschutzrechtlichen Vorgaben abgebildet werden. 

Die Umsetzung der OHKIS – der Datenschutzrichtlinie für IT-Systeme in Krankenhäusern – war ein weiterer Entscheidungsgrund für das M-KIS der Meierhofer AG. Diese Anpassungen müssen sehr genau gemacht und ausführlich getestet werden. Wir wechseln die Systeme meist über das Wochenende - aber im laufenden klinischem Betrieb. Da darf nichts falsch gemacht werden und es muss vorher ausführlich getestet werden. Dieser Aufwand führt dazu, dass wir trotz beschleunigtem und teilweise parallelem Rollout das letzte der sieben Asklepios-Häuser im Februar 2021 umstellen.

Aktuell gilt im Gesundheitswesen "Paragraph 1 - jeder kauft seins." Dies gilt für digitale Patientenakten auf dem Smartphone ebenso wie bei klinischen Informations-Systemen in Krankenhäusern. Sie haben sich für das webbasierte Termin-Management-Tool "Samedi" Ihrer Beteiligung Meierhofer AG entschieden und bereits 18 Häuser bundesweit angeschlossen. Sind Ihre Patienten damit nicht wieder allein auf weiter Flur?

Ja, der Trend geht leider hin zu Insellösungen, weil es in unserem Gesundheitssystem - verglichen mit den Nachbarländern - keine einheitlichen Vorgaben für den Austausch von Patientendaten gibt. Kliniken bauen eigene Patientenportale und Krankenversicherungen eigene Patientenakten für Ihre Versicherten. Auf der Strecke bleibt aus meiner Sicht der Patient, der weiterhin in verteilten Systemen seine Daten suchen muss, ohne dass es ein auf Ihn bezogenes Konzept gibt.


"Die Welt im Gesundheitssystem ist sehr viel vielseitiger, als es durch ein Krankenhausportal oder eine E-Akte abzubilden wäre."

Genau das wollen wir bei Asklepios nicht machen. Wir setzen auf offene Systeme – möglichst „White Label" – die von vielen Leistungserbringern und Patienten auch außerhalb von Asklepios genutzt werden. In der Realität ist ja auch ein Patient meist nicht nur Patient bei uns, sondern hat auch noch bei anderen Ärzten Behandlungen und neben seiner einen Krankenversicherung vielleicht noch eine Zusatzversicherung. Die Welt im Gesundheitssystem ist sehr viel vielseitiger, als es durch ein Krankenhausportal oder eine E-Akte bei einer Versicherung abzubilden wäre.

Wir haben uns für die Nutzung von Samedi entschieden, um dort für alle unsere Einrichtungen eine Online-Terminbuchung zu ermöglichen, weil vor uns dort bereits 1 Mio. anderer Patienten und 19.000 Ärzte bereits seit langem erfolgreich Termine managen. Wir erweitern dieses Angebot und wollen noch in diesem Jahr 100.000 Arzttermine einfach und flexibel über dieses Portal angeboten haben. Heute sind bereits 18 Krankenhäuser an Samedi angeschlossen und es ist bemerkenswert, wie viele Patienten das Angebot wahrnehmen, außerhalb der normalen Öffnungszeiten einer Praxis oder Ambulanz am Wochenende oder Werktags nach 18 Uhr Termine zu buchen.

Blicken wir in die digital-vernetzte Zukunft eines Krankenhaus-Patienten: Werden Sie und ich mit einer Patienten-App Spezialisten finden, Termine buchen, unseren Arztbrief zur Entlassung auf das Smartphone bekommen und einen digitalen Nachsorgeplan haben, der mit Sanitätshäusern und Reha-Einrichtungen vernetzt ist? Was wünschen Sie sich für die Asklepios-Patienten - u. a. in den 7 Hamburger Krankenhäusern?

Als im vorletzten Jahr die Krankenhäuser vom Gesetzgeber verpflichtet wurden, sich verantwortlich um die ordentliche Entlassung eines Patienten in die Nachsorge bzw. Reha zu kümmern, haben wir aus dieser „Not“ eine Tugend gemacht und diese Abläufe direkt zentral, digital und mit der Beteiligung von Krankenkassen und Sanitätshäusern sowie Reha-Einrichtungen geplant. 

Über dieses Entlassmanagement-Portal lassen sich die Entlassprozesse eines Patienten vom ersten Tag nach der Aufnahme in ein Krankenhaus mit dem Patienten und allen Beteiligten gemeinsam und transparent planen und sektorenübergreifend vorbereiten. Wieder fangen wir bei den Prozessen an und haben ein zentrales Entlassmanagement aufgebaut, das gerade diese Prozesse für alle Asklepios-Krankenhäuser einheitlich sicherstellt und durch die neue Plattform unterstützt wird.

Auch bei dieser Plattform gilt, dass wir sie als offene Plattform aufbauen, die genauso auch von anderen Krankenhäusern und Klinikketten genutzt werden kann, um ihren Patienten zukünftig den gleichen Entlass-Service zukünftig bieten zu können. Ich durfte bereits einen Blick auf dieses Portal werfen und kann ihre erste Frage nur ganz sicher mit 'Ja' beantworten.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Sie haben über 8 Jahre das UKE mit fast 500.000 Patienten/Jahr, davon rd. 100.000 stationären Fällen, 10.000 PC-Arbeitsplätzen und 2 Rechenzentren digitalisiert. Sie haben die Asklepios-Kliniken Rissen und Wandsbek digitalisiert und rollen digital-vernetzte Lösungen in allen 7 Hamburger Häusern aus. Hand aufs Herz: Was läuft in Hamburg schon richtig gut - und wo wünschen Sie sich mehr Unterstützung z. B. des Senats?

Wir haben in Hamburg herausragende Krankenhäuser, die sowohl in der medizinischen Versorgung, der Wissenschaft und insbesondere der Digitalisierung in Deutschland und darüber hinaus zur Spitzengruppe gehören. Diese Leistung findet aber nur innerhalb der Krankenhäuser statt. Die Sektorengrenzen – aber eigentlich das gesamte Gesundheitssystem - fördern die Zusammenarbeit im Sinne des Patienten und der Gesundheitskosten nicht. Doppeluntersuchungen, falsche Medikationsinformationen werden genauso hingenommen, wie getrennte, uneinheitliche IT-Systeme, Daten-Silos, Netz-Infrastrukturen und Rechenzentren. 

Jeder entwickelt eigene Inselkonzepte, die auch alle gefördert werden. Unabhängig davon, ob es nicht schon eine gute und vielleicht günstige Lösung gibt. Aktuell sollen seit 1.1.2019 alle Krankenhäuser ihre Kosten, die für IT-Sicherheit nach neuem IT-Sicherheitsgesetz anfallen, über den Krankenhausstrukturfonds fördern. Auf welche Art und wie teuer diese Maßnahmen werden, kann jedes Krankenhaus selbst und nach eigenem Verhandlungsgeschick mit IT-Dienstleistern bestimmen.

"Einfach darauf zu warten, dass sich die Parteien untereinander vielleicht zusammensetzen und dann noch von sich aus einigen, ist zu wenig." 

Hamburg hat mit dem Hafen bewiesen, dass es Öko-Systeme aufbauen und gedeihen lassen kann. Hamburg hat mit den Krankenhäusern wie UKE, Asklepios und vielen Leistungserbringern mehr, mit der KV, mit den Krankenkassen wie TK, Barmer und DAK und den Herstellern wie Philips, Johnson & Johnson eine starke Gesundheitswirtschaft. Aber einfach darauf zu warten, dass sich die Parteien untereinander vielleicht zusammensetzen und dann noch von sich aus einigen, ist zu wenig. 

Hier bedarf es einer digitalen Gesundheitsagenda, die beschreibt, wie Gesundheit in Hamburg digital für den Bürger, für die Patientenversorgung, die Wissenschaft und Wirtschaft abgebildet werden soll.

Andere Länder wie Dänemark haben es erfolgreich vorgemacht. Auch Bundesländer wie Bayern mit einheitlichen Vorgaben, welche KIS-Systeme an den Uni-Kliniken gemeinsam zu nutzen sind oder Berlin, die eine große Förderzusage planen, die daran geknüpft ist zwischen Charité und Vivantes eine Gesundheitsplattform aufzubauen, zeigen, dass es auch in Deutschland möglich ist, solche Wege zu gehen. Hamburg sollte sich diesen digitalen Vorsprung nicht nehmen lassen …

Herzlichen Dank für Ihre Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Marco Siebener: 
Ein gemeinsamer Rahmen für "E-Health (in) Hamburg".
https://hv.hansevalley.de/2018/01/hansepersonality-marco-siebener.html

HANSEPERSONALITY Helmut Gerhards: 
Wir erarbeiten für unsere Kunden eine elektronische Gesundheitsakte.


Sonntag, 12. Februar 2017

HANSEPERSONALITY Tobias Seikel: "Ich empfehle niemandem, nach Berlin zu gehen ..."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Es kommt Bewegung in die Hamburger Startupszene: Etablierte Anbieter in Medien, Marketing und Venture Capital spüren den Druck. Neue Medien, Inkubatoren, Acceleratoren und Company Builder erschließen den Markt, treten mit etablierten Playern an Elbe und Alster in den Wettbewerb. Family Offices und Banken treten als Finanziers und Trustcenter auf. Hamburgs Startupszene ist im Aufbruch. 



Bodenständiger Partner und COO: Tobias Seikel
Foto: Hanse Ventures
Tobias Seikel ist der operative Chef des Hamburger Company Builders Hanse Ventures. Seit 2011 ist der Diplom-Kaufmann und langjährige Verlags-Mitarbeiter im Internet Business beim Hamburger Startup-Förderer zu Hause.

Zu den aktuellen Ventures der Hafencity-Company gehören das Service-Portal pflege.de und das Second-Hand-Mode-Startup Rebelle. Wir stellen ihm Fragen, die Gründern helfen, sich zu orientieren. Unser HANSEPERSONALITY ist Tobias Seikel:

 Hanse Ventures 

Wie unterscheidet Ihr Euch von klassischen VCs und neuen "Corporate-Inkubatoren"?

Hanse Ventures ist ein Company Builder, der als institutioneller Co-Gründer bereits sehr früh in der Ideenentwicklung ansetzt. Wir sind an Ideen und Gründungen interessiert, die noch ganz am Anfang stehen und stellen für die Umsetzung Gründerteams zusammen, die dann gemeinsam mit uns das Startup aufbauen. Dabei bringen wir all unser Wissen, unsere Erfahrung und unser Netzwerk ein, um erfolgreiche Firmen hochzuziehen.

Während Corporate-Inkubatoren thematisch fokussiert auf ihre Branche sind, legen wir uns nicht fest, sind eher an unentdeckten Nischenthemen interessiert, die im besten Falle noch nicht in voller Konsequenz digitalisiert sind. Bei VCs ist es wiederum sehr breit gefächert - und daher schwer zu generalisieren: Von Early bis Later Stage, mit Themenschwerpunkt oder nicht, von einfachem Geldtransfer bis zum vollen Einsatz des Netzwerkes und Know- hows.

Inkubatoren wollen im wesentlichen neue Geschäftsmodelle, Services und Produkte in ihrer Branche für bestehende Kunden schaffen und sich zeitgleich potentielle Übernahmekandidaten heran züchten. VCs haben als oberstes Ziel ihre Rendite, aber da sie in viele Portfolios zeitgleich investiert sind, wird die Betreuung vernachlässigt. Als Company Builder fährt Hanse Ventures einen beratungs- und betreuungsintensiven Ansatz und ist eher professioneller Co-Founder als reiner Investor.

Wie sieht Eure längerfristige Erfolgsbilanz aus, unabhängig von einzelnen Erfolgen?

Hanse Ventures wurde 2010 mit dem Ziel gegründet, eigene Startups nachhaltig aufzubauen und bis zum Exit zu begleiten. Diesen Zeitraum haben wir damals bei vier bis acht Jahren angesiedelt. Die Hanse Ventures-Startups haben aktuell ein Durschnittsalter von rd. 2,5 Jahren, das heißt, dass gerade erst ein kleiner Teil anfängt, in diesen Korridor einzutreten. Vor diesem Hintergrund haben wir bisher auch lediglich Teil-Exits und Secondaries forciert, da wir überzeugt sind, dass unsere Portfolio-Companies künftig noch deutlich im Wert steigen werden.

Die Plattform, die wir mit Hanse Ventures aufgebaut haben, ist heute zugleich leistungsfähiger als je zuvor – was sich nicht nur in der Anzahl der möglichen Gründungsprojekte zeigt, sondern auch in der Betreuungsqualität des gesamten Hanse Ventures-Teams. Unser Gründungsansatz ist dabei nicht unendlich skalierbar, das ist allerdings auch nicht das Ziel. Wenn es uns gelingt, im Jahr zwei bis drei signifikante Gründungsprojekte zu starten und die bereits gegründeten Startups professionell weiterzuentwickeln, ist das für uns ausreichend.

Warum soll ein VC mit Hamburger Startups und Hanse Ventures zusammenarbeiten?

Durch den intensiven Support auf allen relevanten Ebenen, den wir unseren Startups bieten, sind die Portfolio-Unternehmen attraktive Investment-Objekte. Sie werden sehr professionell hochgezogen und von erfahrenen Gründern betreut, was das Risiko insgesamt reduziert. Unsere Gründer arbeiten hochkonzentriert und mit vollem Einsatz an ihren Gründungen. Wir versprechen zeitgleich keine Luftschlösser und verprassen nicht ziellos das Geld von Investoren – auch und nicht zuletzt, da wir selbst investiert und voll involviert sind.

Dieses Qualitätsversprechen kann ich natürlich nicht einfach auf alle Startups in Hamburg übertragen, aber ich lerne immer wieder Hamburger Gründer und Startups mit der richtigen Einstellung kennen. Sie werden hier durch gute Initiativen und Angebote unterstützt. Hamburg gehört ohne Frage auf die Agenda von VCs. Erfolgreiche Beispiele für VC-Investments in Hamburg sind neben unseren eigenen in Rebelle, Hausgold oder Pflege.de auch metrigo oder finanzcheck.de.

 Startup-Gründung 

Wann empfiehlst Du jungen Gründern, ernsthaft über Company Building nachzudenken?

Ein Company Builder bietet entscheidende Mehrwerte wie Zugang zu Expertise, Netzwerk, Geschwindigkeit und Erfahrung. Das bedeutet nicht, dass man seine Idee nicht auch im Alleingang stemmen könnte, aber es ist im Vergleich meistens schwerfälliger, langwieriger und riskanter. Mit uns kann man sein Startup in kurzer Zeit auf ein viel höheres Niveau bringen. Anders als häufig vermutet, können so auch sehr erfahrene Gründer von Company Buildern profitieren und kommen zu uns, um mit professioneller Unterstützung schneller und signifikanter zum Erfolg zu kommen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es zusätzlich auch sehr auf die Chemie ankommt und wollen mit Menschen gründen, die sich der Mehrwerte von Company Building bewusst sind. Gute Gründer sind für mich neugierig, ehrgeizig, motiviert, selbstkritisch und mit Leidenschaft bei der Sache. Sie verstehen, dass wir ihnen strategische Vorteile bieten können, die über Sieg und Niederlagen entscheiden können. Erkennt man an den entscheidenden Stellen einen Bedarf und bringt das passende Mind-Set mit, dann ist Hanse Ventures der richtige Gründungspartner.

Was macht Company Building im Kern aus? "Smart Money" versprechen viele in der Stadt?

Unser 25-köpfiges Team arbeitet ganz eng mit den Portfolio-Startups zusammen, unterstützt und berät sie mit allem Know-how in Fragen zu Online Marketing, Produkt, Business Intelligence, Service Center, HR, Design oder PR. Zudem bieten wir ein atemberaubendes Office in der Hamburger Hafencity mit Blick auf die Elbphilharmonie sowie Zugang zu unserem Netzwerk aus Investoren und Business Angels. Wir investieren darüber hinaus mit unserem eigenen Co-Investment-Vehikel, was gerade die Finanzierung in der Anfangsphase immens beschleunigt. Das macht Company Building für mich aus und ist ein Paket, das seines gleichen sucht, sprich extrem smart ist.

Wir haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber neueren Anbietern von „Smart Money“ in Hamburg, weil wir bereits seit mehr als sechs Jahren operieren. Vor allem die Erfahrung und das Netzwerk, aber auch die Reputation sind viel wert. So gelingt es uns bei jedem Thema, Fachexpertise mit in den Gesellschafterkreis zu bringen – was ein immenser Wettbewerbsvorteil sein kann, da diese Leute die jeweils betroffene Branche und ihre Charakteristika sowie Marktteilnehmer kennen und Türen öffnen können, die anderen verschlossen bleiben.

In welchen Fällen empfiehlst Du Gründern, nach Berlin zu gehen und sich auszuprobieren?

Ich empfehle niemandem nach Berlin zu gehen, weil man hier in Hamburg alles finden kann, was man für eine erfolgreiche Gründung braucht!

 Standort Hamburg 

Was habt Ihr in den letzten Jahren für den Startup-Standort Hamburg machen können?

Wir haben in den letzten sechs Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass die Belange von Startups Gehör finden, das Thema einer breiteren Masse näher gebracht und nicht zuletzt viele Arbeitsplätze geschaffen. Wir beschäftigen über 300 Mitarbeiter in unseren Firmen und tragen zum Wirtschaftswachstum der Stadt bei. Darüber hinaus transportieren wir auch eine gewisse Startup-Kultur nach außen, z.B. in Bezug auf Arbeitsplatzgestaltung und bauen Brücken zwischen New und Old Economy. 

Unser oberstes Ziel und gleichzeitig größte Herausforderung ist es, das alte Geld, das in den Handelsspeichern der Stadt schlummert, in neue digitale Projekte zu leiten. Dafür Interesse und Offenheit zu schaffen, ist uns gelungen - nicht zuletzt auch durch die Netzwerke unseres CEO Jochen Maaß sowie durch unsere Gründungsgesellschafter Rolf Schmidt-Holtz und Dr. Bernd Kundrun.

Abgesehen davon engagieren wir uns in Expertenkreisen der Handelskammer, organisieren z. B. mit "Ideensturm" oder dem "eBizzTalk" unterschiedliche Branchen-Events in unseren Räumlichkeiten und versuchen so immer wieder, die Branche zusammen zu bringen und den Austausch untereinander zu fördern. Das wollen und werden wir auch in Zukunft tun.

Was macht Hamburg als Startup-Standort aus - in Bezug auf den "project-ready"-Fokus?

Der Ausbau des Standortes Hamburg in Bezug auf die Interessen von Startups ist in Gange. Zumindest nehmen wir wahr, dass die Politik die Thematik verstanden hat und bereit ist, etwas voranzutreiben. Zeitlich dauert das etwas länger, als es uns lieb wäre. Aber wir meinen positive Zeichen auszumachen, dass sich etwas tut – und das ist gut.
Allgemein ist die Startup-Szene in Hamburg nach wie vor überschaubar und nicht so sehr an einem Ort konzentriert, was für Startups aber keineswegs unattraktiv ist. Die Infrastruktur ist sicherlich in kaum einer anderen Stadt so hervorragend.

Was fehlt dem Startup-Standort Hamburg und was wünschst Du Dir von den "Playern"?

Ich warte noch auf den sagenumwobenen Fonds, der in vieler Munde ist. Das wäre sicher eine wünschenswerte Entwicklung. Zudem wäre es schön, wenn wir noch mehr der traditionellen Vermögen für unsere Branche begeistern könnten. Ansonsten wünsche ich mir, dass die einzelnen, in Bezug mit der Startup-Branche stehenden oder darauf ausgerichteten Initiativen – sei es privater oder öffentlicher Natur – noch mehr in die gleiche Richtung zielen, um einen größtmöglichen Effekt zu haben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass da noch zu viel nebeneinander anstatt miteinander passiert.


*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Persönliche Biographie bei HANSE VENTURES:
http://hanseventures.com/team/tobias-seikel/

Tobias Seikel im Business-Netzwerk XING:
https://www.xing.com/profile/Tobias_Seikel

HANSE VENTURES Portfolio-Startups:
http://hanseventures.com/portfolio/

HANSE VENTURES Pitch-Contest:
https://www.ideensturm.de/

HANSE VENTURES E-Biz-Talk:
https://hanseventures.com/ebizztalk/


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

Nutzen Sie echten Journalismus - mit Editorial Marketing, Redaktion + Distribution:
  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
  • Begrüßen Sie passende Teilnehmer - auf Ihren Digitalevents.

Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:

Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten
für HANSEPARTNER, Netzwerk- und Redaktionspartner!

Freitag, 18. November 2016

HANSEPOLITICS: Eine aktuelle Diskussion um Startups.

Carsten Ovens, MdHB
Foto: CDU Hamburg
Carsten Ovens, Abgeordneter der Hamburger CDU und Landesvorsitzender der Jungen Union, hat einen aktuellen Redebeitrag zu Startups in Hamburg vor der Bürgerschaft auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.

Seine Empfehlung für ein einzelnes Startup-Netzwerk und die aus unserer Sicht nicht vollständig klaren Argumente haben uns dazu bewogen, dem Fachsprecher für Digitale Wirtschaft der CDU-Fraktion einige Fragen zu stellen:

  • Kann eine Stadt Startups besser vermarkten, als Unternehmer?
  • Wieviel Vernetzung braucht die Hamburger Szene noch?
  • Und macht die Förderbank nicht bereits genug?

Carsten Ovens hat uns auf Facebook geantwortet. Wir nehmen den Ball auf, veröffentlichen seine Antworten und haken nach, verbunden mit Hinweisen und Anregungen unsererseits.

Thema 1: Vermarktung und Förderung.

Carsten Ovens: Staat und Stadt sollen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft setzen, nicht selber Wirtschaft spielen. Zu den Rahmenbedingungen gehört auch die Wirtschaftsförderung, bzw. die Vermarktung des Standorts. Dazu muss die Stadt aber nicht alles selbst machen und das Rad neu erfinden, sondern sollte eng mit erfahrenen Playern zusammenarbeiten. Wenn es um die Vermarktung der Startup-Szene Hamburgs geht bietet sich beispielsweise Hamburg Startups als Partner an.

HANSEVALLEY: In Hamburg gibt es viele engagierte Netzwerke rund um die Startup-Szene, wie 12min.me, Betahaus, Digital Mesh, gamescity:Hamburg, nextMedia.Hamburg, Software Alliance Hamburg, Startup Guide Hamburg oder Startupdock. Wäre es nicht sinnvoll, alle relevanten Player an einen Tisch zu holen, die vielfältige Arbeit zu orchestrieren und gemeinsam voranzubringen, anstatt einen einzelnen, kommerziellen Player mit Fördermitteln versorgen zu wollen? In der von Ihnen zitierten HWWI-Studie wird genau dies im Handlungsfeld 1 mit der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung des regionalen Gründerökosystems gefordert.


Thema 2: Vernetzung und Internationalität.

Carsten Ovens: Mehr Vernetzung ist immer gut. Für Hamburg gilt das insbesondere im internationalen Bereich. So beschäftigen unsere Startups bundesweit am wenigsten ausländische Mitarbeiter (Startup-Monitor 2016). Zu den großen Hightech-Regionen der Welt gibt es nur eingeschränkte (offizielle) Beziehungen. Der rot-grüne Senat meint beispielsweise, Israel sei kein regionaler Schwerpunkt seiner Wirtschaftspolitik. Damit verschenken wir in Hamburg viel Potential.

HANSEVALLEY: Die Unterstützung Hamburger Startups bei der SXSW in Austin durch die Kreativgesellschaft, das intensive Engagement von US-Wirtschaftskonsul Michael Grey, das Netzwerkevent “Hamburg meets Israel” kommende Woche im Mindspace und das neue “Silicon Valley Desk” von Hamburg@Work sind qualifizierte Initiativen. Wir glauben, dass eine abgestimmte, internationale Standortwerbung erfolgversprechend sein kann. Wollen Sie lieber tausende ungelernter Praktikanten und Junior-Marketer in ”Hühnerställen” (Zitat eines Samwers) haben, wie es Rocket Internet in Berlin betreibt?


Thema 3: Förderung und Risikokapital.

Carsten Ovens: Die Investitions- und Förderbank bietet sicherlich eine gute Beratung und teilweise eine gute Förderung für Gründer. Dennoch reicht das nicht, wie u.a. die HWWI-Studie zum Startup-Standort im Auftrag der Wirtschaftsbehörde festgestellt hat. Deshalb haben wir auch den Innovations- und Wachstumsfond in der Bürgerschaft mitbeschlossen, der eine Lücke füllen soll. Mehr als 10 Monate später können SPD und Grüne jedoch immer noch kein Fonds-Konzept vorweisen, Zusagen von Investoren sind ebenfalls nicht bekannt.

HANSEVALLEY: Einen 100-Millionen-Fonds aufzusetzen, ist sicher eine Herausforderung, wenn private und öffentliche Partner zusammenarbeiten sollen. Es ist Ihre Aufgabe als Oposition, die Execusion beim Senat einzufordern. Aus unserer Sicht sollten vor allem die Stiftungen an Elbe und Alster motiviert werden, einen Teil ihrer Investments in die Assetklasse Venture Capital zu investieren, wie es im Handlungsfeld 4 der HWWI-Studie mit der Förderung regionaler Finanzierungen empfohlen wird. Dies ist eine Aufgabe für den Senat und die Vertretungen der Familienunternehmer.


One more thing:

Ihr Antrag für eine “Lange Nacht der Startups” hat bei uns Fragezeichen hervorgerufen: Das Event in Berlin ist eine private Initiative unter Führung der Telekom Innovation Labs - in diesem Jahr zusammen mit Deutscher Bank, Eon, Microsoft und VW - unterstützt von Berlin Partner und der IHK. Aus unserer Sicht bedarf es einer gemeinsamen, privaten Anstrengung, um ein vergleichbar interessantes Festival in Hamburg zu realisieren - kein öffentlich initiiertes.

Aus unserer Recherche der Hamburger Startupszene ergeben sich an Elbe und Alster eigene Stärken und Chancen für Gründer, Entwickler und Marketer: Im Vergleich zu Berlin ist Hamburg substanzieller und geschäftsorientierter. Das blinde Übernehmen Berliner Ideen und Initiativen ist für uns weniger sinnvoll, denn die Berliner Szene profitiert von einem globalen Image-Hype, unerfahrenen Expats und Risikokapital, dass dem Licht folgt.
Wir laden Sie herzlich ein, den Dialog fortzusetzen - gern in größerem Rahmen mit den Digital-Sprechern aller Parteien, den Vertretern des Senats und vor allem den Promotoren für ein digitales, zukunftsweisendes Hamburg - inkl. Hamburg Startups. Wir übernehmen als politisch und wirtschaftlich neutraler Partner gern die qualifizierte Moderation.

* * *

Hinweis in eigener Sache:

Als Hamburg Digital Magazin ergreifen wir keine Stimme für eine einzelne Partei, den Hamburger Senat oder die Opposition in der Bürgerschaft. Wir loben und kritisieren Aktivitäten, die aus der digitalen Sicht auf die Stadt erfolgversprechend oder optimierungswürdig sind. Dies ist der Rahmen für unsere Meinung.


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

Nutzen Sie echten Journalismus - mit Editorial Marketing, Redaktion + Distribution:
  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
  • Begrüßen Sie passende Teilnehmer - auf Ihren Digitalevents.

Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:


Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten
für HANSEPARTNER, Netzwerk- und Redaktionspartner!