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Montag, 9. Januar 2023

HANSEMETAVERSE: Alles im Norden wird digital - pardon - wird jetzt virtuell.

HANSE METAVERSE MAGAZIN
Digitaler Schnappschuss aus der virtuellen DXC-Vertriebskonferenz.
Grafik: DXC Technologies
Eines der kommenden Technologie-Topthemen heißt Metaverse. HANSEVALLEY führte in 2022 mit HANSEMETAVERSE dazu ein Themenmagazin ein. Nach World Wide Web, Mobile Web und Social Web rücken in den kommenden Jahren Möglichkeiten des Immersive Web in den Mittelpunkt. Im nächsten Schritt der Digitalisierung geht es nach Informationsmanagement und Kommunikation um die Zusammenarbeit auf digitalen Wegen.
Wenn alles virtuell werden wird - was heißt das für die professionelle Arbeits- und Lebenswelt von Unternehmen, Großevents und Sportvereinen. Das Fortune-500-Technologieunternehmen "DXC" hat sich mit fünf Trends rund um das Metaverse beschäftigt, die Geschäftswelt und unseren Alltag verändern werden. Hier die spannenden Einsichten im Überblick:
1. Virtueller Arbeitsplatz im Metaverse
Das Metaverse wird die Arbeitsplätze von Millionen von Menschen mit der künftigen Zusammenarbeit in virtuellen Räumen verändern: Die Teilnahme an Konferenzen findet nicht mehr nur in Besprechungsräumen oder im Videocall statt. Stattdessen nehmen die Kollegen Platz am Tisch eines virtuellen 3-D-Raumes.
Um die Vorteile des Metaverse zu nutzen, kombinieren Unternehmen heute bereits traditionelle Videokonferenzen mit immersiven Tools - beispielsweise, um mit Virtual-Reality-Brillen die Interaktion der Teilnehmer zu verbessern. Auch "DXC Technology" setzt das Metaverse für eigene Teams am Arbeitsplatz ein und beobachtet positiven Auswirkungen der virtuellen Welt auf die Produktivität, das Engagement und die Kreativität der Beschäftigten: 
DXC-Metaverse-Expertin Nathalie Vancluysen als digitaler Avatar.
Grafik: DXC Technologies
"Metaverse-Erfahrungen helfen den Mitarbeitern, sich besser zu konzentrieren und mehr Informationen zu erfassen", sagt Nathalie Vancluysen, Head of Extended Reality bei DXC Technology mit Arbeitsplatz in Flandern. "Virtuelle Welten helfen uns dabei, die Routine der Videokonferenzen zu verlassen und die Tür für mehr Zusammenarbeit und Innovation zu öffnen."
2. Virtuelle Großveranstaltungen
Das Metaverse ist ein Ort, an dem Tausende von Avataren aus der ganzen Welt zusammenkommen können, um sich auszutauschen und zu engagieren. Personalisierte 3D-Avatare, die von den Menschen am eigenen Rechner aus gesteuert werden, bewegen sich frei in einem nahezu unendlichen Raum und teleportieren sich mit nur einem Klick von einem Ort zum anderen. 
Diese Technologie macht Großveranstaltungen wie Konferenzen, Ausstellungen und Gipfeltreffen in virtuellen Welten möglich, wenn die Grafikleistung stimmt. Die Möglichkeit virtueller Events kann zu einer intensiveren Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg führen und den Zeitaufwand, die Ressourcen und den CO2-Fußabdruck für Reisen reduzieren.
Großes Auditorium der virtuell anwesenden DXC-Mitarbeiter.
Grafik: DXC Technologies
3. Virtuelle Gruppen und Vereine
In der Musik- und Sportbranche gibt es immer mehr virtuelle Veranstaltungsorte. Fans nehmen so von zu Hause aus an Konzerten und Spielen teil. Dating-Apps wie "Nevermet" und "Flirtual" bieten ebenfalls Dienste im Metaverse an. In den kommenden fünf Jahren werden den Verbrauchern neue interaktive und immersive Möglichkeiten angeboten, um über ihren digitalen Avatar in der virtuellen Welt wie in einer physischen Welt zu agieren.
4. Das Metaverse im Marketing
Virtuelle Kundenerlebnisse werden alltäglich werden, da Unternehmen für die Markenbindung nach neuen, interessanten Wegen suchen, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen und in Kontakt zu kommen. Große Einzelhandelsmarken wie "Adidas, Coca-Cola, Gucci, Louis Vuitton oder Nike" sowie Automobilhersteller wie "Ferrari, Nissan und Toyota" experimentieren bereits mit virtuellen Umgebungen und Augmented Reality. 
Das internationale Technologieunternehmen "DXC Technology" mit Standort in Hamburg erwartet, dass in den kommenden fünf Jahren immer mehr Unternehmen ihren Kunden in unterschiedlichsten Branchen die Möglichkeit anbieten, ihre Markenwelt, Produkte und Dienstleistungen in 3D zu erkunden - von Hotels über Städte bis hin zu Flughäfen.
5. Recruiting und Onboarding
Die Rekrutierung von Talenten ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg eines Unternehmens. Der erste Schritt besteht darin, Talente überhaupt zu erreichen. Bis 2027 werden Unternehmen zunehmend auf das Metaverse setzen, um auf moderne Weise mit Bewerbern in Kontakt zu treten. 
Die Durchführung von Vorstellungsgesprächen im Metaverse hilft Personalverantwortlichen, die gewünschten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuwählen, kennenzulernen und mehr zu erfahren, als traditionelle Lebensläufe liefern können. Was mit der Bewerbung im virtuellen Raum beginnt, setzt sich in der Einarbeitung der neuen Kollegen virtuell fort.
"Einzelpersonen und Unternehmen sollten die zahlreichen Möglichkeiten entdecken, die das Metaverse für den Nutzen im Alltag bietet", fasst die belgische Metaverse-Expertin Nathalie Vancluysen zusammen. Damit greift sie einen wichtigen Punkt auf: Viele Technologien sind erst durch die aktive Nutzung von Verbrauchern ins Business gekommen. Es bleibt spannend, wie sich das Metaverse entwickeln wird.
*  *  *
 Hanse Digital Background: 

Ein Best Practice, wie "DXC" seine europäische Vertriebskonferenz ins Metaverse verlagert hat und welches Mindset für den Erfolg im Metaverse notwendig ist, können hier nachgelesen werden.

Dienstag, 5. Januar 2021

HANSEVALLEY 2021: Der digitale Norden kommt.

HANSE DIGITAL VISION
*Update 26.01.2021*

+++ Egoistische Tagestouristen gefährden im Harz das Leben von Familie und Freunden +++ Deutschland auch 2021 fest im Griff der Pandemie +++ Leichte Entspannung frühestens zu den Sommerferien +++ Unbeschwerter Sommerurlaub bleibt Wunschtraum +++ Normalisierung erst im 4. Quartal erwartet +++ 

+++ Pleitewelle durch zu späten 2. Lockdown befürchtet +++ Digitalisierung forciert Umbruch des Einzelhandels +++ Eventbranche wird digital konsolidiert +++ Onlinehandel und digitale Medien sind Gewinner der Krise +++ Smart Home wird im Corona-Jahr zum Milliarden-Markt +++ Fernreisen durch Deutschland-Trend vor Veränderungen +++


  • BERLIN: DIW-Chef befürchtet nach zu spätem 2. Lockdown für 2021 große Pleitewelle und steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland.
  • KIEL: lfW-Prognose erwartet bis zu 600.000 verlorene Arbeitsplätze u. a. in Luftfahrt und Tourismus durch "Rückprall" nach der Corona-Krise.
  • HAMBURG: BAT-Zukunftsmonitor sieht mit 71 % Nennungen größere wirtschaftliche Schwierigkeiten, als im abgelaufenden Jahr 2020.
  • HAMBURG: Jahresabschlussevent "Ehrbarer Kaufmann" mit weniger als 500 "YouTube"-Zuschauem - statt 1.500 geladenen "Pfeffersäcken".
  • GOSLAR: Rodler und Wanderer zeigen Weihnachten und am Wochenende im Harz dicht gerdängt die hässliche Seite egoistischer Deutscher.

Liebe Freunde und Partner,
liebe Leserinnen und Leser:


Der Download für das neue Jahr hat begonnen!

Alle gesetzlich Versicherten können ab sofort eine elektronische Patientenakte auf ihrem Handy nutzen. Die norddeutschen Kassen "AOK" Nordost (für MV), Niedersachsen, Nordwest (für SH) und Rheinland-Hamburg,"DAK" und "HEK" (Hamburg), "HKK" (Bremen), "KKH" (Hannover), "Securvita BKK" und "TK" (Hamburg) sind vorbereitet. Ab 1. Januar können Versicherte zudem bereits nach 12 Monaten die Kasse wechseln - ein Antrag bei der neuen Kasse reicht, alles andere passiert von selbst. Im Juni '21 werden die UMTS­-Netze von "Vodafone" und "Telekom" abgeschaltet, zum Jahresende das 3G-Netz von "Telefonica" - zugunsten des neuen 5G-Standards. Bei "Google" entfällt zur Jahresmitte der unbegrenzte Fotospeicher in "Drive" für "Android"-User und für neue Smartphones gilt die Pflicht, mit "Android 11" zu launchen.

Wichtig für globale Smartshopper wie unseren Chefredakteur: Ab Juli '21 muss der Import von Waren aus nicht EU-Ländern wie China angemeldet und mit 19 % Umsatzeinfuhrsteuer verzollt werden. Bisher konnten "geringfügige Güter" unter 22,- € bei "Aliexpress", "Gearbest" & "Wish" praktisch zollfrei geshoppt werden. Im schlimmsten Fall musste man sich bei seinem örtlichen Zollpostamt in die Schlange stellen, um seine Einkäufe abzuholen. Künftig liefert die "Alibaba"-Logistiktochter "Cainiao"" u. a. aus Belgien, Polen, Spanien und Tschechien aus - mit dem Ziel, Kunden in max. 72 Stunden zu versorgen. Vorbild: Der hauseigene, flächendeckende 24-Stunden-Lieferdienst in China. Soweit der Schnelldurchlauf aus der Welt der Bits & Bytes.


Der digitale Norden nach dem 1. Corona-Jahr:

Nach unseren punktgenauen Prognosen zu Lockerungen und Normalität nach dem ersten Lockdown im Frühjahr und Sommer 2020 wagen wir heute zu Beginn des neuen Jahres eine Prognose für die Zeit nach dem zweiten Lockdown und den insgesamt vier Wellen von Impfungen: Wir gehen davon aus, dass nach dem bundesweiten Impf-Startschuss bis Pfingsten Ende Mai d. J. die ersten drei Gruppen weitgehend geimpft sein werden - sprich 1.) 80-Jährige, Heimbewohner und medizinisches Personal, 2.) 70-Jährige, Demenzpatienten, Schwerstbehinderte sowie Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Sicherheitskräfte sowie 3.) 60-Jährige, chronisch Kranke sowie Angehörige von Polizei, Feuerwehr, THW, Politik und Justiz.

Für die weitere Normalisierung heißt das mit Stand Januar '21 aus unserer Sicht: 

Bis zu den kurzen Winterferien Anfang/Mitte Februar d. J. wird die Situation bleiben, wie sie ist: harter Lockdown. Bis zum Ende der Sommerferien 2021 wird der Großteil der 15 Millionen Norddeutschen die Chance haben, sich impfen zu lassen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn zum Impfstart erklärte. Im 3. Quartal könnte Deutschland weitgehend "durchgeimpft" sein. Damit werden Oster-, Pfingst- und Sommerferien 2021 erneut im Pandemie-Modus stattfinden und ein unbeschwerter Urlaub rückt in weite Ferne. Eine Normalisierung des Lebens und eine Erholung der Wirtschaft wird frühestens im 4. Quartal d. J. möglich, wie zahlreiche Marktforschungsinstitute übereinstimmend prognostizieren.

Werden wir nach mehr als einem Jahr Entbehrungen durch kurzfristigem und angekündigtem Shutdown sowie leichtem und hartem Lockdown in einen analogen Nachhol-Rausch verfallen, mehr Feste feiern, als je zuvor und die berüchtigte "S.u rauslassen", wie wir es in hässlichen Bildern aus den über die Weihnachtsfeiertage geöffneteten Skigebieten in Österreich und der Schweiz fassungslos kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen mussten? Nicht besser verhielten sich asoziale, schneegeile Tagesausflügler beim Rodeltrip auf dem Harz über die Feiertage und am vergangenen Wochenende. Wie hirnverbrand muss man sein, sich in der Pandemie ohne Maske mit Fremden zu drängeln, Ordnungskräfte anzupöbeln oder sogar Polizisten anzuspucken, weil man schon "solange keinen Schnee mehr hatte"? Lust auf Intensivstation mit dem mutierten Virus?

Für uns stehen weiterhin vor allem die digitalen Aspekte der Corona-Krise im Mittelpunkt: Was bleibt von der Schulausstattung mit Tablets, WLAN, Lernportalen und Videoklassen nach den teilweise hanebüchenen Selbstbeweihräucherungen von Bildungsministern und -senatoren übrig? Ja, auch Schulen sind Ansteckungsherde und Hamburgs SPD-Schulsenator Ties Rabe hat mit seiner Pressekonferenz am 21. November '20 wohl eine Märchenstunde veranstaltet. Das Corona-Jahr hat gezeigt, dass man Bildungs- und Wissenschafts-, Wirtschafts- und Finanzminstern wie -senatoren auf die Finger schauen muss, was trotz großspuriger Ankündigungen nicht geklappt hat, z. B. bei der Corona-Hilfe. Wenn bei bürokratischer wie digitaler Stümperei Schüler und Lehrer, Gastronomen und Freelancer auf der Strecke bleiben, ist dies ein Thema, an dem wir dran sind - und dran bleiben werden.

Die zwei Leitfragen im neuen Jahr lauten für uns: 

1. Was ist von der analogen Welt nach Corona noch übrig? 
2. Wie digital wird der Norden nach Corona aussehen? 

48% der Jugendlichen wählten online das von "Langenscheidt" initiierte Jugendwort des Jahres: Mit "Lost" bringen junge Deutsche aus über 1 Mio. Votings ihr Gefühl über das Corona-Jahr auf den Punkt - ohne Umschweife, ohne Schöngerede. Was nach einem Jahr Entbehrungen, Verordnungen und sozialer Mangelerscheinungen bleiben wird, sind mehr oder weniger erfolgreiche Ansätze von Distanzlernen und Homeschooling, Videokonferenzen und Homeoffice sowie Onlineshopping mit Cocooning und Casualing. 27 % der von "Ipsos" befragten Deutschen gehen im neuen Jahr von Einsamkeit aus - mehr als 1/4 der Nation. Da helfen weder eine neue Webcam fürs Homesoffice, noch das neue Sofa mit 20 % Rabatt aus dem 1. Lockdown oder bequeme Jogginghosen für die nächste Videokonferenz.

Schauen wir uns einzelne zentrale Schlüsselthemen und ihre Digitalisierung fernab von Glaube und Hoffnung mit aktuellen Zahlen und Fakten genauer an. Im Fokus die digitalen Themen Zuhause, Bildung, Freizeit, Wirtschaft, Geschäft, Handel und Politik:

Das digitale Zuhause nach der Corona-Krise:

Fast 4,4 Mrd. € haben die Deutschen im abgelaufenen Jahr für WLAN-Steckdosen und -Glühlampen, digitale Licht- und Heizungssteuerung sowie die Online-Überwachung von Kinderzimmer und Haustür ausgegeben. Mit 21,5 % ist mittlerweile mehr als jedes 5. Zuhause zwischen Helgoland und Bodensee online vernetzt. Schon in 5 Jahren erwarten Marktforscher einen jährichen Umsatz mit Smart Home­-Tools von "Bosch" und "Philips","Sonoff", "Tado" & Co. von 8,5 Mrd. €. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 14,3 %, wie Statista aufzeigt. Die Statistiker errechneten pro Smart Horne eine durchschnittliche Investition von gut 480,- €, was unser Chefredakteur mit rd. 40 smart­ vernetzten Geräten in seinem Zuhause bestätigen kann. Mit den Baumarkt-Ausflügen im 1. Lockdowm und dem verstärkten Trend zum Cocooning in der Pandemie hat ein Milliarden schwerer Markt spätestens 2020 seinen Durchbruch erlebt.

Deutlich skeptischer sind wir Deutschen bei smarten Assistenten, wie "Amazon Alexa" und "Google Nest", vernetzten "Bosch"-Wasch- oder Spülmaschinen von "Otto" oder gar einem digtitalen Wohnungstür-Schloss. 56 % der Bundesbürger haben laut Verbraucherzentralen Skepsis, was mit ihren Daten passiert. 33 % sehen zugleich die Chancen der Nutzung digitaler Assistenten - ein Wert, der vergleichbar ist mit der Verbreitung von vernetzten Geräten. Wir sehen neben der Auswertung von Verbraucherdaten vor allem in der langfristigen Nutzung der Geräte inkl. Betriebssystemen ein altes Problem in neuer Verpackung: Werden wir bei WLAN-Steckdosen und -Glühlampen künftig ebenso zum ständigen Neukauf getrieben, weil die Betriebssysteme - wie auch immer vorsätzlich - veraltern oder nicht mehr aktualisiert werden (vgl. PCs, Notebooks, Tablets und Handys)?

Die digitale Bildung nach der Corona-Krise:

Stichwort Tablets: Blicken wir auf Schulen mit Präsenzunterricht und Distanzlernen. Wie die 6 Pilotschulen des Hamburger "BYOD"-Projekts "Start in die nächste Generation" von 2014 bis 2016 werden jene Bildungseinrichtungen Gewinner der Digitalisierung sein, die bereits begonnen haben, konsequent auf digitale Konzepte und Inhalte, digitale Ausstattung und damit auf digitales Lernen zu setzen. Jene Bundesländer werden perspektivisch vorn liegen, die flächendeckende Ausstattung, zusätzliche Eigenmittel, zuverlässige Plattformen und konsequente Umsetzung ermöglicht haben. Gute Chancen für all jene, die sich während der Pandemie nicht auf Bundesmitteln ausgeruht haben und am Ende des Tages ihren Schlingerkurs gegenüber rebellierenden Eltern rechtfertigen mussten. Ja, dies ist ein Vergleich zwischen Bremen und Hamburg: Werder führt.

Auch im neuen Jahr werden Onlinevorlesungen an vielen Hochschulen selbstverständlich sein - und langfristig bleiben. Viel beschworen und gern vorgeführt, stehen Startups für Innovationen, auch wenn man sie - wie an Alster und Elbe - gern am langen Arm verhungern lässt (Stichwort "Innovations-Wachstums-Fonds"). Wir sehen vor allem die Chance für pfiffige Absolventen wie Abbrecher, ihre Ideen mit KI-Lösungen zum Erfolg zu führen. Mit Bremen und Osnabrück, Lübeck und Lüneburg, Rostock und Greifswald zeigt sich, dass junge, schnell wachsende Geschäftsideen in Regionen fernab selbst ernannter oder gehypter Startupmetropolen entwickelt werden können. Hier hoffen wir auf den Nord-Westen ebenso, wie auf den Norden oder den Nord-Osten und freuen uns auf pfiffige und faire Jungunternehmer, über die wir im neuen Jahr berichten können - z. B. mit Lösungen, die tödliche Frachterunfälle wie den der Hamburger "MS Oceana" Mitte Dezember '20 vor Shanghai durch Predictive Maintenance u. a. für Lenkgetriebe vermeiden können.

Die digitale Freizeit nach der Corona-Krise:

Zehn Corona-Monate in den eigenen vier Wänden waren für digitale Medien die "Goldenen Zwanziger". Für Kinder und Eltern spielten Streaming-Dienste von "Amazon Prime Video", "Disney+", "Netflix" oder "Sky Go" eine grosse Rolle. Kein Wunder, das "Amazon" und "Apple" gleich im ersten Lockdown mit Gratis-Angeboten u. a. für Kids auf Kundenfang gingen. Der Anteil von Streaming-Nutzern lag im Jahr 2019 bei 39,5 % aller Deutschen ab 14 Jahren (davon 36,4 % für "Netflix" und 30,3 % für "Prime Video"). Im Corona-Jahr kletterte die Zahl der Nutzer laut "ARD-ZDF-Onlinestudie" auf 47 %, und damit auf nahezu jeden 2. Deutschen. In der wöchentlichen Nutzung gaben sich die "ARD-Mediathek" (18 %), die "ZDF-Mediathek" und "Netflix" (jeweils 17 %) sowie "Amazon Prime Video" (13 %) 2020 die Klinke in die Hand. Vorab-Veröffentlichungen von Filmen und Serien in den Mediatheken von ARD und ZDF zeigen, wohin die Reise geht: "Schauen Sie einfach wann Sie wollen und wo Sie wollen!" Die Corona-Gewinner werden dabei ganz vorn mitspielen.

In deutschen Wohnungen leuchteten 2020 nicht nur die Fernseher stundenlang. Auch PC-Monitore glühten rund um die Uhr: Bis zu 7 Stunden/Woche daddelten die Deutschen im Pandemie-Jahr pro Woche mehr mit "Playstation", "Xbox" & Co. 46 % aller Bundesbürger ab 16 Jahren - das sind 32 Mio. Menschen - spielten 2020 mindestens ab und zu Computerspiele - Kids unter 16 nicht mit eingerechnet. Für 61 % der daddelnden Deutschen sind Games eine gute Gelegeheit, abzuschalten - nicht nur vom Shutdown-Stress. 49 % der vom Digitalverband "Bitkom" bereits im Juni '20 Befragten sagten, dass ihnen in der Corona-Krise ohne Games "die Decke auf den Kopf gefallen" wäre. Dabei liegen Cashual-Games auf dem Handy bei Frauen und Senioren vorn, Ego-Shooter bei Kids auf PC und Konsole. In 2020 gaben Gamer 9,- € pro Kopf mehr für ihr Hobby aus - jeden Monat. Macht pro Jahr 108,- € Zuwachs bzw. 288,- € Umsatz, bei den 16- bis 29-Jährigen sogar bis zu 408,- € in einem Jahr. Der Anstieg wird nicht zurückgehen und die großen Hamburger Games-Schmieden auch weiterhin das nationale Ranking anführen.

Die digitale Wirtschaft nach der Corona-Krise:

Das Pfeifen im Walde der Wirtschaft wird wohl ein Pfeiffen bleiben: 77 % der Befragten des aktuellen "BAT-Zukunftsmonitors" erwarten größere wirtschaftliche Schwierigkeiten als 2020. Dies ist nicht wirklich verwunderlich: Bis zu 600.000 Jobs werden durch die Corona-Krise verloren gehen, vor allem in den norddeutschen Branchen Tourismus und Luftfahrt, die von der Pandemie besonders hart betroffen sind. Die aktuellen Zahlen stammen von Kieler Institut für Weltwirtschaft - "IfW'. Das geht für 2021 insgesamt von 3,1 % Wachstum aus. Die Hamburger Kollegen des "HWWI" erwarten 4,0 %. Dabei reicht die Spanne der Prognosen je nach Institut von 2,8 % (OECD) bis 4,9 % (RWI). Erst im 4. Quartal kann das wirtschaftliche Niveau der Vor-Corona-Zeit laut "HWWI" und der "IKB" eventuell wieder erreicht werden. Für die Arbeitsplätze gilt das jedoch nicht. Sie kommen erst mit Verzögerung zurück - wenn überhaupt.

26 % - und damit nur ein Viertel der Befragten aus der "Ipsos"-Prognose 2021 - sieht eine vollständige Erholung der Wirtschaft in diesem Jahr. Mit 42 % Nennungen zeigen deutsche Verbaucher, dass die Umsätze in Einkaufsstraßen und Shopping-Center nicht zurückkommen werden - sondern im Internet bleiben. Bis zu 121 Mrd. $ - das sind schlappe 104 Mrd. € - erwartet allein "Amazon" im abgelaufenen Quartal Q4 weltweit. Bei rd. 8 % Deutschland-Anteil wären das gut 8 Mrd. € - in drei Monaten. Damit wird sich der Umsatz von "Amazon" in Deutschland von 22,2 Mrd. € in 2019 mit großen Schritten in Richtung 30 Mrd. €-Marke bewegen. Größere Potenziale liegen vor allem in den Bereichen Haus & Garten sowie Sport & Freizeit, wie die Konsumswünsche 2021 des "BAT"-lnstituts zeigen. 

Das digitale Geschäft nach der Corona-Krise:

Mehr als 1/3 aller deutschen Arbeitnehmer ist im Homeoffice. Folge: Deutsche Unternehmen haben in den Top 7-Städten im 2. und 3. Quartal '20 laut des Maklers "Savills" nur halb soviele Flächen neu angemietet, wie im langjährigen Durchschnitt. Auch wir gehen davon aus, daß bis zu einem Drittel der bisherigen Büroflächen längerfristig leer stehen werden, auch wenn Homeoffice nicht bei allen Firmen beliebt ist. Viele Begegnungen finden so oder so per Videokonferenz u.a. via "Zoom" (mit allein 300+ Mio. neuen Nutzern weltweit während des 1. Lockdowns) statt. Wenn Bürokomplexe leer stehen: Was wird aus den Innenstädten von Bremen und Osnabrück, Hamburg und Hannover, Kiel und Lübeck sowie Rostock und Schwerin? Und was wird aus gehypten Coworking-Spaces mit unendlichen Überkapazitäten für Konkurs gegangene Freelancer, wie "We Work" mit 4 Standorten allein in Hamburg? Dazu kommen digitale Plattformen: Der Online-Vertrieb wächst. Mit 37 % nutzen mehr als 1/3 der deutschen Mittelständler bereits Plattformen, wie die "KfW" ermittelte.

Heute ist klar: Bis zu 50 % aller Geschäftsreisen sind überflüssig. Wenn sie nur noch bei wichtigen Anlässen in Frage kommen, was heißt das für Airbus und Airlines, Bahn und Backshops, Taxis und Uber, Hotels und Konferenzzentren? Die Nachfrage nach Business-Hotels wird abnehmen. Gewinner sind moderne Ketten, wie "Motel One" und "Premier Inn" - Low Cost lässt grüßen. Für die Eventbranche bedeutet der Wandel: Hybride Angebote vor Ort und vor dem Bildschirm werden zur Normalität. Dabei sehen wir den gleichen Fehler, wie vor 20 Jahren bei Online-News: Die meisten Vorträge und Diskussionen sind kostenlos abrufbar. Zugleich schauten beim "Ehrbaren Kaufmann" weniger als 500 Interessenten auf "YouTube" zu, statt 1.500 "Pfeffersäcke" am Silvester-Mittag in der Handelskammer zu Hamburg. Die Geschäftsmodelle von Kongressen und Messen verändern sich radikal und eine Konsolidierung des B2B-Eventmarktes wird stattfinden.

Der digitale Handel nach der Corona-Krise:

Mit einer Paketsteuer für Onlinehändler wird der Einzelhandel in den Innenstädten sicher nicht gerettet. Viel zu spät, viel zu inkonsequent haben alt ehrwürdige Kaufleute noch auf Geschäfte und Filialen in "besten Lagen" gesetzt. Dabei war die Lage längst ernst und die besten Geschäfte wurden auf Plattformen und in Onlineshops gemacht - laut E-Commerce-Verband "BEVH" von 72,6 auf 83,3 Mrd. € Steigerung in einem Jahr - befördert durch Lockdown 1 und 2. Jetzt hofft der Hamburger Distanzhändler "Otto" mit einem eingekauften Ex-"Amazon"-Manager, seinen Marktplatz doch noch zum Fliegen zu bekommen. Nach unserem Blick mit dem Brennglas auf die Kultur in Bramfeld haben wir erhebliche Zweifel, dass man beim "Otto.de"-Marktplatz, bei "Hermes"-Logistik und Kundendienst gegen "Amazon" noch aufholen kann. Zumal "Otto" sein Filialgeschäft von "Bonprix" bis "Manufactum" weiter betreiben will. Hier gilt: "Wer aufhört zu rudern, treibt zurück".

Derweil ist das Kapitel "Galeria Karstadt Kaufhof" nach 37 geschlossenen und 6 weiteren Kandidaten als Exemplar für den sterbenden Einzelhandel für uns erledigt, auch wenn eine Reihe von norddeutschen Häusern dank Lokalpolitikern und Fototerminen noch eine Extrarunde drehen dürfen. Oder glauben Sie, einem österreichischen Immobilienmagnaten geht es wirklich um Bettwäsche, Damenoberbekleidung und Parfüm in Hamburger Innenstadtlage? Die Umbrüche durch digitale Kundenansprache, Onlinelieferung und virtuellen Kundendienst sind nicht aufzuhalten und die Konzentration auf (neue) Plattform-/Händler die unumkehrbare Folge. Da helfen gemeinsame Onlineshops von Einkaufsstraßen ebenso wenig, wie Millionen Euro teure "Improvement-Distrikte" - z. B. rund um das Hamburger Rathaus und die Handelskammer ("BID Nikolaiquartier") mit schlappen 5,9 Mio. € Kosten in 5 Jahren - inkl. 1,3 Mio. € aus der Pulle für das Management von Bauträger "Otto Wulff". Solange einheitlich beigefarbene Gehwegplatten wichtiger sind als Zukunftskonzepte, wird das sicher nichts.

Die digitale Politik nach der Corona-Krise:

2021 ist ein Wahljahr - auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene: So entscheidet sich am 12. September '21, wer die Bürgermeister und Landräte im größten und mit 5 Mio. Einwohnern stärksten Bundesland Norddeutschlands stellt. Zu den Schlüsselfragen im ländlich, maritim und industriell geprägten Niedersachsen spielt die Breitbandanbindung ebenso eine wichtige Rolle, wie das Schließen der "Weißen Flecken" im Mobilfunk. Für uns sind darüber hinaus die digitalen Themen, wie autonomes Fahren rund um Braunschweig und Wolfsburg spannend, aber auch die digital-vernetzte Logistik in den Seehäfen von Brake, Cuxhaven, Emden, Papenburg oder Wilhelmshaven mit dem "Jade-Weser-Port" und die digital-gestützte Landwirtschaft rund um das "Digi-Schwein" im Oldenburger Land. 

Am 26. September '21 entscheidet sich, ob die Sozialdemokraten bei einer schwarz-grünen Bundesregierung endlich in die Opposition gehen (dürfen) ebenso, wie das Schicksal der großen Koalition im Schweriner Schloss. Nach ersten überzeugenden Schritten mit überdurchschnittlicher KMU-Digitalförderung mit bis zu 20.000,- €, sechs regionalen Innovationszentren für Startups und KMUs im Umfeld der Hochschulen und zunehmendem Tempo bei Breitbandausbau und Mobilfunkversorgung geht es für den Nord-Osten in den kommenden Jahren um neue, digitale Geschäftsmodelle - in Tourismus und Landwirtschaft, Hafenwirtschaft und Werften. Wir hoffen, dass die drei "MV Werften" in Wismar, Rostock und Stralsund nach der Corona-Krise wieder durchstarten können - und digitale Innovationen nutzen.  

Auf jeden Fall werden die Landtags- und Kommunalwahlkämpfe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wie auch das Wettrennen der gut 700 Kandidtaten um den 20. Deutschen Bundestag weitgehend digital laufen: Ansprachen auf "YouTube",  Bürgerforen via "Zoom", Sprechstunden per "WhatsApp" - für die auf Marktplatzstände, Straßenplakate und Großflächenwerbung fixierten Parteien wird 2021 ein Jahr des Umlernens. Jetzt hat die Digitalisierung auch die Parteiarbeit fernab von Hinterzimmern eingenommen. Im Online-Wahlkampf gilt wie in Online-Marketing und Online-Vertrieb: alles ist trackbar. Jeder "YouTube"-Stream ohne Zuschauer und jede "Zoom"-Diskussion ohne kritische Fragen werden sofort zum Bummerang für Sollte-Dürfte-Müsste-Forderungen. Ist das der Anfang vom Ende für Wischiwaschi-Parteipolitiker?

Die digitale Zukunft nach der Corona-Krise:

Wenn Visionäre darüber referieren, das alles digital wird, dann sind unsere Onlineeinkäufe während der Pandemie, das Distanzlernen unserer Jüngsten während der Shutdowns und die Videokonferenzen aus dem Homeoffice der Beweis, dass es genau so ist. Allen Stolpersteinen und Widerständen zum Trotz: Wenn es keine Alternative gibt, wenn es zur Notwendigkeit wird, dann setzen sich neue Möglichkeiten durch (außer vielleicht in Hamburg). Wenn Experten seit Langem prophezeien, dass "Vetrauenskultur" statt Präsenzpflicht in der Arbeitswelt einziehen muss und wird, dann sind die vergangenen Monate von Homeoffice und Videokonferenzen der Beweis, dass es funktioniert - auch ohne "New Work"-Diskussionen mit selbst ernannten "Expert*innen".  

Der viel beschworene "Digitalisierungsschub" im Corona-Jahr 2020 wird im neuen Jahr beweisen, wie er kleinere, mittlere und große Betriebe vorangebracht hat und weiter voranbringen wird - vorausgesetzt, die eigene Kultur stand und steht einem nicht im Weg. Wir gehen davon aus, dass aus dem "Casual-Freitag" ein Homeoffice-Tag wird und für Angestellte in "White Collar Jobs" auch 2 oder 3 Tage pro Woche im Homeoffice zum "New Normal" werden. Dabei rückt neben der Technik und der Organisation das dritte unserer Leitthemen in den Mittelpunkt: die Kultur des Wandels. Wir sind sicher, dass das Corona-Jahr 2020 im Rückblick zum Wendepunkt der Digitalisierung, der Transformation und des Kulturwandels im Norden und ganz Deutschland geworden sein wird. Wir machen dazu die Nachrichten.

Der digitale Norden ist unser Leitthema.


Die jährliche Studie des Marktforschungsinstituts "lpsos" zeigt, wohin der Norden, unser Land und die Welt tendieren: Mit 63 % gehen fast 2/3 der Bundesbürger davon aus, dass das neue Jahr insgesamt besser wird. Mit 46 % bezweifelt zugleich nahezu jeder 2. Deutsche, dass unser Land vollständig zur Normalität zurückkehren kann. Die Befragten des "Zukunftsmonitors" des "Instituts für Zukunftsfragen" an der Alster erwarten sogar zu 71 % weiter bestehende Einschränkungen im Jahr 2021. Die aktuellen Interviews mit führenden Virologen in der täglichen Presseschau zeigen ein ähnliches Bild. Und 64 % des Hamburger "BAT"-Panels gehen davon aus, dass die Gesellschaft im neuen Jahr weiter auseinander driftet.

Der digitale Norden - unsere Heimat an den zwei Meeren, in 5 Küstenländern, den 4 Metropolregionen, in 25 norddeutschen Hansestädten: 15 Millionen Menschen hoffen hier bei uns, dass es im neuen Jahr wirklich besser wird rund um Familie und Freunde sowie Job und Geld. Unser Rat für 2021 lautet: Schauen Sie dahin, wo die neuen und die verrückten Ideen zu finden sind. Schauen Sie dahin, wo es digital ist und gerade wird. Schauen Sie dahin, wo jetzt online, mobil und vernetzt neue Möglichkeiten angeboten werden. Denn da ist nicht nur die digitale Zukunft nach der Corona-Krise. Da ist die Zukunft für uns alle - in Ost und West, in Städten und Gemeinden sowie in Unternehmen und Verwaltungen.


In diesem Sinne: 
Bleiben Sie neugierig. Werden Sie digital. Und bitte bleiben Sie gesund! 

Ihre HANSEVALLEY-Redaktionsleitung

Thomas Keup und Gerd Kotoll 
Chefredakteur / Korrespondent Hamburg     
 
*  *  *

 Hanse Digital Background: 

Hanse Digital Review: HANSEVALLEY 2020 - Ein Jahr digitaler Norden.

HANSESERVICE: Die Corona-Krise als Katalysator für den E-Commerce-Wandel

HANSESTATEMENT: "Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies":
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html

HANSESPORTS: "Aus dem Home Office digital in ein bewegtes Leben":

HANSEVALLEY: "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":
hansevalley.de/2020/04/hansefuture-die-welt-wird-eine-andere.html

HANSEVALLEY: "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

Mittwoch, 23. Dezember 2020

HANSEVALLEY 2020: Ein Jahr digitaler Norden.

HANSE DIGITAL REVIEW




Liebe Freunde und Partner,
liebe Leserinnen und Leser:

Ein Jahr digitaler Norden - das war für uns ein Jahr voller Wow-Effekte, voller leuchtender Augen, aber auch ein Jahr herber Enttäuschungen zu vermeintlichen Leuchttürmen. Ohne Umschweife auf den Punkt gebracht: Aus unserer Sicht läuft Niedersachsen mit zahlreichen Initiativen u. a. in den Metropolregionen Hannover und Nord-West in Sachen Digitalisierung und Transformation in Norddeutschland vorneweg. Hannover auf den Fersen ist nach der Rückschau aus über 1.800 Hanse Digital Nachrichten vor allem Schleswig-Holstein mit eigenen Akzenten zur Digitalisierung im Schulterschluss mit Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung - aber auch mit Stiftungen, Verbänden und Vereinen.

Unser Überraschungsland 2020 im Reigen der fünf norddeutschen Küstenländer ist Bremen mit Bremerhaven. Hat uns in Niedersachsen vor allem der "Digitalbonus" zur Förderung digitaler Technologien und Geschäftsmodelle in KMUs überzeugt und im echten Norden das "Accelerator"-Programm zum Kennenlernen der Digitalisierung in den Städten und Gemeinden zwischen Flensburg und Lauenburg, begeistern uns die Bremer mit einer überzeugenden Digitalisierung der Bildung - mit Tablets für alle Schüler und Lehrer, mit Personal für Technik und Weiterbildung. Obendrein geht man an der Weser im Rahmen der neuen Innovationsstrategie 2030 offen mit den eigenen Herausforderungen um.

Der digitale Norden: Niedersachsen und der echten Norden laufen vorne Weg.

Der digitale Norden: www.hansevalley.de

Wenn wir über Bremen sprechen, müssen wir auch über Hamburg reden: Vor einem Jahr waren wir an dem Punkt, das Hamburg Digital Magazin zu schließen - denn die Provinzialität und Selbstverliebtheit an Alster und Elbe mögen für touristische Sprüche - "Weil wir Hamburg sind" - ausreichen, ebenso wie für Schaufenster-Projekte zum Klimaschutz (z. B. Sperrstreifen auf dem Jungfernstieg). Die hanseatischen "Pfeffersäcke" sind im digitalen Vergleich der norddeutschen Großstädte jedoch bestenfalls "so mittel". Einzige Ausnahme ist die Intelligente Mobilität - dank eines visionären Wirtschaftssenators Frank Horch. Zwar gibt es in der Handels- und Logistikmetropole zahlreiche Initiativen. Die meisten Projekte schaffen es jedoch nicht über den Deich hinaus.

Auch wenn Mecklenburg-Vorpommern mit der Aufrüstung um 4G-Masten zur Schließung von über 230 "weißen Flecken" und der flächendeckenden Breitbanderschließung eine Menge zu tun hat, die Digitalisierung ist im Nord-Osten ebenso ein Thema: Mit bis zu 20.000,- € "Digital-Trans"-Förderung für KMUs seit 2018 und 6 "Digitalen Innovationsräumen" für Gründer, KMUs und Einwohner hat die Landesregierung eine Grundlage gelegt. Die Startup-Zentren an den Universitäten Rostock und Greifswald zeigen, dass pfiffige Ideen, visionäre Geschäftsmodelle und zukunftsweisende Startups längst fernab von Berlin, München oder Hamburg in den Regionen entstehen. Trotz unterschiedlicher Koalitionen in den fünf Nordländern sehen wir unter dem Strich fast überall spannende, zukunftsweisende Ansätze auf dem Weg in die digitale Zukunft.

Der digitale Norden: Wer nicht jetzt auf KI setzt, hat schon verloren.

Das Hanse KI Magazin: www.hansemachine.de

Eines der Zukunftsthemen im digital-vernetzten Norden ist Künstliche Intelligenz. Unsere mehr als 53.000 Unique User der HANSENEWS konnten in diesem Jahr feststellen: Die beiden Leuchttürme für KI im Norden heißen Bremen mit umfassender Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie Lübeck mit gezielter Anwendungsentwicklung und Umsetzung v. a. in der Medizin. Gespannt schauen wir nach Hamburg, ob es die Hanseaten an der Elbe schaffen, aus ihren Initiativen "AI.Hamburg" und "ARIC" ein echtes KI-Wirtschafts- und Wissenschaftsnetzwerk und einen echten Leuchtturm zu entwickeln. Aus unserer Sicht hat Hamburg eine Chance in der praktischen Anwendung von Artifical Intelligence in den verschiedenen Wirtschaftsbranchen - über Neue und Alte Stadt-/Wälle hinaus.

Mit dem Blick auf den ganzen Norden haben wir im vergangenen Jahr unseren Fokus auch um die Forschung und den Transfer an Universitäten und Hochschulen erweitert. Mit 3 der 10 führenden Köpfe für KI und 2 von 10 maßgeblichen Technologien laut "KI 50" der Gesellschaft für Informatik spielt die Universität Bremen in einer Liga mit Aachen, Berlin, München oder Tübingen. Der künftige "KI-Campus" der "Jacobs University" und 2 KI-Transfer-Zentren für Industriepartner und KMUs werden die Position der Wesermetropole weiter stärken. Auch beim Thema Ausgründungen glänzen die Bremer laut Startup-Monitor bundesweit auf Platz 4. Hier schauen wir außerdem nach Lübeck und Lüneburg, Greifswald und Rostock, wo Startup-Förderung keine Insider-Veranstaltung von zugereisten Möchtegern-Innovatoren ist, wie an der Elbe. 

Der digitale Norden: Ein herzliches Dankeschön an alle Mitstreiter!

Sie wissen es zuerst: www.hansenews.de

Die Hanse Digital Nachrichten haben sich seit März 2017 mit heute mehr als 123.000 Lesern und dem Fokus auf 4+ Jahre Hamburg und 1+ Jahr digitalem Norden zu einer führenden Informationsquelle zur Digitalisierung zwischen Schleswig und Harz entwickelt. Dafür danken wir allen voran unseren tausenden treuen Leserinnen und Lesern, ebenso wie den unzähligen Digitalexperten, Pressesprechern und PR-Agenturen. Danke für die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Zulieferung von Fakten und Einordnungen, die die Hanse Digital Nachrichten erst möglich machen. Wir sind ein wenig stolz, durch Kontinuität und Beharrlichkeit jeden Morgen und jeden Mittag spannende Nachrichten liefern zu können.

Neben den Nachrichten spielten auch im Corona-Jahr 2020 unsere fast 40 aktuellen Fachbeiträge, exklusiven Reportagen, umfassenden Investigativ-Geschichten und meinungsstarken Statements eine entscheidende Rolle: Wir erinnern uns an die Millionen teuren Fischtreppen in Hamburg - und einer missratenen Informatik-Initiative "Ahoi digital". Wir schauen zurück auf die detaillierten Wahlprüfsteine für die Bürgerschaftsparteien in Hamburg - und die enttäuschenden Digitalkrümel auf 205 Seiten rot-grünem Koalitionsvertrag. Wir haben den 1. Lockdown in der Pandemie mit Lösungsvorschlägen für ein digitales Hamburg, einem heute aktuelleren HANSESERVICE denn je und offener Kritik an den wochenlangen Verzögerungen bei der "Corona-Soforthilfe" ganz vorn lösungsorientiert begleitet.

Der digitale Norden: Jede Menge "Weil wir Hamburg sind"

Nur die besten Startups: www.hansestartups.de

Wow, war das ein Aufstand am 4. März d. J. (siehe Handelsblatt-Beitrag), als sich die Hamburger Startupszene bei "PwC" ihrem Frust nach jahrelangen Enttäuschungen über die Startupförderung des Senats Luft machte. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel gebrochenes Vertrauen Gehör verschafft. Der Kultursenator und seine Off-Szene brachten es zur Jahresmitte ihrerseits fertig, mit Anlauf Cancel Culture gegen die Kabarettistin Lisa Eckardt Raum zu geben - um anschließend schlingernd zurückzueiern. Nicht besser verhielten sich namhafte Corporates: So sahen wir uns im Sommer genötigt, die zweifelhafte Geschäftspolitik der "Otto Group" unter die Lupe zu nehmen - zu der sich zum Jahresende die "Metro" mit juristischer Keule hinzugesellte

Wir sind nicht weniger stolz auf das Hanse Digital Interview mit dem ehemaligen Hamburger Verfassungsgerichtspräsidenten Friedrich-Joachim Mehmel und seinen Blick auf Algorithmen in der Verwaltung, ebenso wie auf die Forderung nach einer Vision für die Entwicklung der Freien und Hansestadt von Familienunternehmer und Technologievorreiter Henning Fehrmann. Neben HANSEPERSONALITY machten auch 2020 unsere HANSEINVESTIGATION von sich reden: Zu den Highlights zählen die detaillierte Beleuchtung des Hamburger Startup-Fördersumpfes mit mehr als 50 Mio. € Kosten in den vergangenen 3 Jahren, mind. 60 Mitarbeitern auf öffentlichen Gehaltslisten - und einem nach fast 5 Jahren beerdigten "Innovations-Wachstums-Fonds", womit wir wieder bei der Startup-Kritik vom 4. März. '20 sind.  

Die Hanse Digital Interviews: www.hansepersonality.de

Der digitale Norden: Ein Dauerlauf - kein Aktionismus.

Auch im neuen Jahr konzentrieren wir uns auf die drei Schlüsselthemen 1. Digitalisierung durch Technologien, 2. Transformation von Prozessen und Geschäftsmodellen sowie 3. dem Kulturwandel in Arbeitsleben und Gesellschaft. Auch wenn Klimaschutz seit 2019 mit "Heulsuse" Greta Thunberg und Freitagsdemos zum Lieblingsthema vermeintlich nachhaltiger Politiker - z. B. Porsche fahrender Grüner - geworden ist; auch wenn Wasserstoff 2020 mit Absichtserklärungen, hochtrabenden Kampagnen und aktionistischen bunten Logos zum Hypethema stilisiert wurde - die Digitalisierung ist neben der Urbanisierung, der Mobilität und dem Klimaschutz eines der zentralen Metathemen weltweit - auf globaler und nationaler, regionaler und lokaler Ebene - in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Unsere Entscheidung, die Digitalisierung im ganzen Norden zu beobachten, zu beleuchten und kritisch wie wohlwollend zu bewerten, ist eine Chance für alle Leserinnen und Leser in Bremen, Hamburg, Hannover, Kiel oder Schwerin, den Metropolregionen Hamburg, Hannover und Nord-West sowie den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorten. Der zweite große Pivot vom Startup- zum Digitalisierungsmagazin und vom Hamburg Digital- zum Hanse Digital Magazin ist nach einem Jahr digitalem Norden ein richtiger Schritt für kritischen wie konstruktiven Journalismus geworden. Und so verschreiben wir uns auch im neuen Jahr ganz unserer Heimat zwischen Nord- und Ostsee, zwischen Schleswig und Harz. Unser neues Motto für 2021 lautet

hansevalley.de - derdigitalenorden.de

Der digitale Norden: 2 Meere, 5 Länder, 1 digitale Chance.

Besondere Chancen sehen wir für unsere norddeutsche Heimat vor allem in den Technologiefeldern Künstliche Intelligenz, Data Science und Cyber Security. Im Backend wird die Blockchain ihren Weg gehen, ebenso wie Sensoren, die wiederum das Datenthema treiben. Die exponentielle Zunahme von Daten, Auswertungsmöglichkeiten und daraus entstehenden Geschäftsmodellen macht es besonders kleinen und mittleren Betrieben zunehmend schwer, den Anschluss zu finden, wenn sie nicht die notwendigen Zeit-, Personal- und Kapitalressourcen an die Hand nehmen (können). Die alternativlose Notwendigkeit, in der Corona-Krise auf digitale Tools und Plattformen zu setzen, wird auch nach Impfung und Normalisierung die Wirtschaft im Norden und ganz Deutschland verändern. 

Wir freuen uns auf ein Jahr 2021, in dem die Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit in Norddeutschland wieder in den Vordergrund rückt - mit allein 60,9 Mrd. € Steigerung des BIP in den 5 Küstenländern bis 2030 durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Wir freuen uns auf ein Jahr, in dem Events wieder zum Treffpunkt für Experten, Interessenten und Medien werden. Und wir freuen uns vor allem auf ein Jahr 2021 mit Ihnen - unseren Freunden, Partnern und Lesern. Wir begleiten den digitalen Norden auch 2021 mit Informationen und Hintergründen sowie Rat und Tat. Das ist unabhängiger Journalismus fernab von Storytelling und gefühlten Wahrheiten. 

Fünf Länder, eine Chance, unter www.hansevalley.de

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein paar ruhige, besinnliche und schöne Weihnachtstage. Lassen Sie sich nicht entmutigen und schauen Sie mit Zuversicht ins neue Jahr 2021 - geimpft und hoffentlich gestärkt. Wir werden gleich zu Jahresbeginn unsere Gedanken zum Wandel und zum Wahljahr 2021 veröffentlichen. Doch erst einmal wünschen wir Ihnen vor allen Dingen eines:

Bitte, bleiben Sie gesund!

Ihre HANSEVALLEY-Redaktionsleitung

Thomas Keup und Gerd Kotoll 
Chefredakteur / Korrespondent Hamburg       


P. S. Über die Feiertage empfehlen wir die topaktuelle, siebenteilige Videoreportage "Bild. Macht. Deutschland?" auf "Amazon Prime Video". Die sechsstündige Dokumentation über ein Jahr "Bild"-Redaktion während der Corona-Krise zeigt, wie Journalismus funktioniert - fernab feiger Haltungsdiskussionen und moralischer Fallen parteipolitischer Akteure. Wir nehmen uns ein Beispiel an Europas größter Medienmarke - nicht an sterbenden Lokalzeitungen mit austauschbarem Agenturmaterial.

DWDL: Interview mit Julian Reichelt ("Bild") und Alexandra Würzbach ("BamS"):
Julian Reichelt: "Wir machen keine Zeitung für die Stimme Twitters"

Kress: Stimmen von "Bildblog", "FAZ", "Süddeutscher", "Tagesspiegel" und "Zeit Online": 
"Umstrittene Bild-Doku: War Amazon zu nah an Julian Reichelt und Co. dran?"

Amazon.de: "Prime Video"-Übersicht und Kundenrezensionen:

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Hanse Digital Background: 

Hanse Digital Vision: HANSEVALLEY 2021 - Der digitale Norden kommt.
hansevalley.de/2020/12/hansedigital-vision-digitaler-norden-2021.html

HANSESERVICE: Die Corona-Krise als Katalysator für den E-Commerce-Wandel

HANSESTATEMENT: "Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies":
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html

HANSESPORTS: "Aus dem Home Office digital in ein bewegtes Leben":

HANSEVALLEY: "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":
hansevalley.de/2020/04/hansefuture-die-welt-wird-eine-andere.html

HANSEVALLEY: "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

Sonntag, 21. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Gunter Mengers: Ohne Werte geht es nicht - und Anstand ist immer modern!

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Vor 500 Jahren gründeten Hamburger Kaufleute die "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns" - als Gegengewicht zum "Ehrbaren Rat" der Hansestadt Hamburg. Im vergangenen Jahr entschied die Vereinigung VEEK e. V., sich von der 1665 durch die "Ehrbaren Kaufleute" gegründeten Handelskammer Hamburg zu trennen. Die 1.200 Mitglieder der weltgrößten wirtschaftsethischen Vereinigung gehen das Jahr 2018 mit Offenheit und neuen Kooperationen an. Ein Hamburg Digital Interview mit dem Vorsitzenden der "Ehrbaren Kaufleute zu Hamburg" Gunter Mengers:


VEEK-Vorsitzender Gunter Mengers bei den Familienunternehmern
Foto: HANSEVALLEY

Sehr geehrter Herr Mengers: Sie sagen: "Wir sind keine Moralapostel." und "Wir wissen, dass es nicht immer ehrbar zugeht." Schauen wir auf den zunehmenden Druck durch globalen Handel, digital-vernetzten Vertrieb und virtuelle Produkte: Was macht Ihnen digital heute wirklich Angst.

Es ist nicht die grundsätzliche Digitalisierung, die nachdenklich macht. Das ist ein Prozess, der viele Vorteile und Erleichterungen bringt. Mit der damit verbundenen Geschwindigkeit ist allerdings die Gefahr verbunden, dass Dinge nicht ausreichend durchdacht werden und wichtige Grundlagen vernachlässigt werden. Das bezieht sich einerseits auf die Umgangsformen, die manchmal stark darunter leiden, aber – aus meiner Sicht – sehr viel bedeutender ist bestimmt, bestimmte Regeln des Anstandes und der Zuverlässigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit darf nicht dazu führen, dass Fairness und werteorientiertes Handels an Bedeutung verliert, weil vielleicht davon ausgegangen wird, dass bei der schnellen Umsetzung von Themen dies keiner merkt. Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz derartige "Werte" berücksichtigen kann, oder soll.

Die "Ehrbaren Kaufleute" im VEEK sind alles andere, als verschlossene "Pfeffersäcke": Sie unterstützen mit 120 Mentoren aus dem Kreis Ihrer Mitglieder die jungen, internationalen Studenten der Wirtschaftshochschule HSBA, in Hamburg gut anzukommen. Wie sieht das ganz konkret aus?

Es gibt klare Vorgaben, was unter einer Mentorenschaft verstanden wird - und zwar für beide Teilnehmer. Der Mentor soll der jeweiligen Studentin oder dem Studenten behilflich sein, um sich in Hamburg einzuleben, Verbindungen schaffen zu Unternehmen, bei der beruflichen Entwicklung oder generell als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Wenn auch unterschiedlich im Einzelfall, so kann davon ausgegangen werden, dass 3-4 Treffen im Jahr stattfinden. Das Mentoring ist sehr erfolgreich und wird außerordentlich positiv von den Teilnehmern bewertet.Wir wollen das weiter ausbauen.

Es ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe eines Familienunternehmers, die "nächste Generation zu bilden - im Sinne des kaufmännischen Handelns". Wie können erfahrene Unternehmer in Zeiten digital-vernetzter Information und Kommunikation den Nachwuchs erfolgreich erreichen?


Gunter Mengers: "Ohne Werte geht es nicht."
Foto: HANSEVALLEY
Die Weitergabe von werteorientierten Handeln gilt natürlich nicht nur für Familienunternehmer, sondern ganz allgemein. Wir stellen fest, dass die Bereitschaft der nächsten Generation, sich mit diesen Themen zu befassen, ganz deutlich steigt. Die negativen Beispiele der letzten Zeit aus der Großindustrie machen klar: Ohne Werte geht es nicht – und Anstand ist immer modern!

Insofern kann fast von einer Renaissance der Werteorientierung gesprochen werden - ganz im Sinne "Des Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg". Das sehen wir mit Freude. Wir konnten allein im vergangenen Jahr 160 neue Damen und Herren für uns als neue Mitglieder gewinnen.

Ihre Vereinigung will sich im neuen Jahr stärker und die Vernetzung der etablierten mit der jungen Wirtschaft bemühen. Sie haben zum Jahresauftakt ein "Generationen übergreifendes Netzwerk" angekündigt. Wann und wie dürfen Startups sich freuen, etablierte Kaufleute kennenzulernen?

Wir haben vor, über verschiedene Projektgruppen – teilweise branchenbezogen - Damen und Herren zu erreichen. Dazu gehört auch die "Zielgruppe" der Startups, die sich ja auch in Hamburg stetig weiter entwickelt. Das nehmen wir jetzt zügig in Angriff und sind sicher, gute Gelegenheiten zum Gedankenaustausch bieten zu können. Da unsere Altersstruktur sehr breit angelegt ist, ergibt sich daraus ein Generationen übergreifendes Netzwerk. Eine erstklassige Grundlage für Gespräche.

Auf dem Neujahrsempfang der Familienunternehmer haben Sie in Ihrer Gastrede das Thema "Künstliche Intelligenz" angesprochen, verbunden mit der Ankündigung, sich mit dem Thema "Moral von Maschinen" beschäftigen zu wollen. Was dürfen wir vom Verein VEEK erwarten?

Das wir uns mit dem Thema "Moral von Maschinen" beschäftigen wollen, ist vielleicht missverständlich verstanden worden. Darauf werden wir wohl keinen direkten Einfluss haben. Siehe dazu auch meine Anmerkung zu Ziffer 1. Aber es ist sicherlich ein sehr ernst zu nehmendes Thema, um nicht die Entschuldigung zu bekommen: Das war die "unmoralische" Entscheidung der Maschine, da konnte ich nichts machen. Wehret also den Anfängen. Frage ist nur, wer ist dafür zuständig. Die Programmierer, oder die Anwender?

Bleiben wir einen Augenblick bei Ihrer Organisation und der Unabhängigkeit von Ihrer "Tochter", der Handelskammer mit einem "rebellierenden" Präsidium. Was heißt die Unabhängigkeit für Sie - insbesondere in Bezug auf Hamburger Zukunftsthemen, wie Digitalisierung und Bildung?

Hamburger Spitzen (v.l.n.r.): Gunter Mengers (VEEK),
Tobias Bergmann (HK), Olaf Scholz (FHH)
Foto: HANSEVALLEY

Wir waren ja als VEEK auch schon bisher weitgehend eigenständig, allerdings mit traditionell engen Bindungen an die Handelskammer. In Übereinstimmung mit der Handelskammer haben wir über eine kürzliche Änderung unserer Satzung nun weitergehende Möglichkeiten, Entwicklungen ganz eigenständig zu bestimmen.

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie haben vor den Familienunternehmern zu Jahresbeginn eine klare Botschaft gesetzt: "Gutes Verhalten kennt keine Grenzen." Sie sehen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kaufmännischem Streben und sozialem Engagement als Lösung. Was heißt das für unsere Stadt Hamburg in 2018?

Das ist natürlich eine kaum eindeutig zu beantwortende Frage, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Lösungsansätzen gibt. Da muss jeder Einzelne den Willen haben in dem Sinne zu agieren. Für Hamburg ist der gute Ruf den die Kaufmannschaft genießt natürlich sehr Bedeutungsvoll. Was natürlich grenzüberschreitend gilt. Also nicht nur für Hamburg und Umgebung.


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Vielen Dank für Ihre offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Interviews: 

HANSEPERSONALITY:
Kammer-Präses Tobias Bergmann: "Dialog auf Augenhöhe."


 Hamburg Digital Background: 

Der Verein "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg" e. V.:
www.veek-hamburg.de

Jahresschlussveranstaltung 2017 "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns":
https://youtu.be/AnpZjG7mQLo

Der VEEK e. V. in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Versammlung_Eines_Ehrbaren_Kaufmanns_zu_Hamburg

Der "Ehrbare Kaufmann" in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrbarer_Kaufmann