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Samstag, 6. Oktober 2018

HANSECODEWEEK: Roboter bauen, programmieren lernen und in 3D drucken.

HAMBURG DIGITAL SPEZIAL

Am vergangenen Samstag aht die Code Week Hamburg in der Zentralbibliothek am Hühnerposten ihre Pforten geöffnet. Ein gigantischer Roboter aus Luftballons begrüßte die Besucher und steht als Beispiel für das Verhältnis zwischen Mensch und Technik. 200 Kids und Jugendliche erwarteten Luftballonketten mit Computer-Geheimcodes, Workshops und Mitmachstationen, z. B. um LED-Schmuck zu gestalten, Roboter durch ein Labyrinth zu steuern oder ihr Informatik-Talent testen. Der Nachmittag war Auftakt für mehr als 90 Veranstaltungen der Code Week Hamburg vom 6. bis 21. Oktober '18.

Die Code Week Hamburg - ein Erlebnis für Kids und Jugendliche.
Grafik: Körber-Stiftung

Die Vereinigung der Hamburger IT- und Digitalexperten begrüßt die Code Week Hamburg. Der IT Executive Club unterstützt die gute Sache mit seinen Mitgliedsunternehmen und deren Workshops. HANSEVALLEY hatte die Chance, im Vorfeld der größten Veranstaltung ihrer Art mit dem Beauftragten für den IT- und Digitalnachwuchs der IT-Expertenvereinigung "ITEC" - Sven Heinsen - zu sprechen. Ein Hamburg Digital Spezial zur Code Week Hamburg 2018:

Lachende Schülerinnen beim Basteln ihrer eigenen VR-Brillen, konzentrierte Nachwuchsingenieure, die mit Lötkolben arbeiten, begeisterte Kids, die am Notebook die Faszination IT entdecken: 2 Wochen lang bekommen Schüler und Jugendliche in über 90 Events rund um Alster und Elbe ihre ganz persönliche Chance, IT und das Internet live zu entdecken. Damit ist unsere Stadt auf dem besten Weg, mit der 6. Code Week Hauptstadt des Tech-Nachwuchses zu werden. Mit bundesweit 425 Veranstaltungen im vergangenen Jahr ist die von der Europäischen Union initiierte Code Week eine der erfolgreichsten Eventreihen, Kinder und Jugendliche auf ein Leben in der digital-vernetzten Welt vorzubereiten.


Lachende Kinder mit VR-Brillen - gibt es etwas Schöneres?
Foto: Sandra Schinck 

Mitgliedsunternehmen des IT Executive Clubs laden Schüler und Jugendliche zu spannenden Aktionen ein: So bietet z. B. Otto.de am 11. Oktober einen Kurs zum Roboter programmieren mit "Lego Mindstorms" an. Der "ITEC" nutzt zudem seine Mitgliederplattform und sein Netzwerk, um die Relevanz der Initiative zu verdeutlichen und für die Zukunft noch mehr Unternehmen zu motivieren, Workshops bei der Code Week anzubieten. Es ist Sven Heinsen, Beauftragter für den IT- und Digitalnachwuchs besonders wichtig, dass möglichst viele Schüler und Jugendliche daran teilnehmen. Aber worum geht es eigentlich neben Spiel und Spaß?

Digital kompetent, wie man IT und das Internet nutzt.

Sven Heinsen vom IT Executive Club Hamburg erklärt die wichtigsten Aufgaben der 2 Wochen: „Digitale Souveränität bedeutet, digitale Medien selbstbestimmt und unter eigener Kontrolle zu nutzen und sich an die ständig wechselnden Anforderungen in einer digitalisierten Welt passen zu können. Wenn wir im IT Executive Club von digitaler Souveränität sprechen, geht es uns um zwei wichtige Elemente. 1. die digitale Kompetenz und 2. die digitale Mündigkeit von Schülern und Jugendlichen."


Bauklötzer staunen ... ist der Anfang von allem.
Foto: Sandra Schinck

Der Diplominformatiker macht klar, dass es sich bei digitaler Kompetenz um das Wissen rund um die IT-Welt handelt. Dazu gehören Kenntnisse in Coding, aber auch das Verständnis, wie Computer funktionieren. Zur digitalen Kompetenz gehört für den 49-Jährigen aber auch, zu wissen, wie Know how im Internet bestmöglich genutzt werden kann. Und das hat nicht zuletzt etwas mit IT-Nachwuchs zu tun: Der IT-Fachkräftemangel behindert Innovationen, Digitalisierung und Wachstum auch in Hamburg. Um diesem zu begegnen, ist es unverzichtbar, frühzeitig Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Informationstechnik spielerisch näher zu bringen.

Digital fit, was Internet-Dienste bewirken (können).

Die digitale Mündigkeit betrifft aus Sicht von Heinsen eher das Wissen um die Wirkung, die digitale Medien haben können. Viele Jugendliche lernen sehr schnell, digitale Plattformen zu bedienen, oftmals leider ohne gleichzeitig die enormen Risiken vermittelt zu bekommen. Stundenlanges "Binge Watching" auf Amazon Prime, Netflix oder YouTube ist eines der bekannten Beispiele. Der verantwortungsvolle Umgang sollte gelernt werden. Hier sind sowohl die Schule als auch die Eltern manchmal überfordert. Digitale Mündigkeit bedeutet aber auch zu lernen, wann man mal „abschaltet“.


Spannende Möglichkeiten, die man auch abschalten kann.
Foto: Sandra Schinck

Der Geschäftsmann und Nachwuchsbeauftragte begrüßt die Code Week Hamburg: "Sie ist aus unserer Sicht eine wichtige Initiative, weil sie hilft, eine Lücke zu schliessen, die im Bildungssystem noch herrscht bzw. im Übergang vom schulischen zum beruflichen Leben." Für Heinsen sind die einzelnen Aktionen im Rahmen der Code Week eine notwendige Erweiterung der schulischen Digitalbildung und helfen, sowohl die digitale Befähigung als auch die digitale Mündigkeit zu fördern. "Beides braucht unsere Gesellschaft und auch der Wirtschaftsstandort Hamburg, um seine führende Position beibehalten zu können."

IT-Professionals für den IT-Nachwuchs an der Alster.

Im Rahmen der Code Week kann man auf vielfache Art mit dem IT Executive Club und seinen Mitgliedern in Kontakt kommen. Am einfachsten ist es, wenn die Schüler und Jugendlichen direkt an den Aktionen der Unternehmen – z. B. der Otto Group – teilnehmen. 
Selbstverständlich wird der Club auch die Auftaktveranstaltung am 6.10. in der Zentralbibliothek am Hühnerposten begleiten.

Experimentieren und zum Experten werden - auf der Code Week.
Foto: Sandra Schinck

Die Bildungsinitiative des IT Executive Clubs greift aber noch weite: Sie unterstützt Schule, Ausbildung und Hochschule, jungen Menschen IT-Themen näher zu bringen und nachhaltiges Interesse sowie Kompetenz für IT und Digitalisierung zu fördern. Mit dem "ITEC Cares Award" honoriert und prämiert der Club jährlich drei herausragende Initiativen mit einem Preisgeld von 6.000,- €. "ITEC Cares" würdigt das Engagement und schafft Sichtbarkeit für die vielfältigen Ansätze. Damit will der IT Executive Club Verantwortung für die digitale Kompetenz und Mündigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen übernehmen.

"Digital Medien werden unsere zukünftige Entwicklung prägen."

Sven Heinsen hat eine klare Botschaft an die mehreren tausend jungen Teilnehmer in den zwei Wochen Hamburger Code Week: "Wir können alle Teilnehmer nur dazu aufrufen, sich mit digitalen Medien intensiv zu beschäftigen – sie werden unsere zukünftige Entwicklung prägen und fehlende Kenntnisse werden im Berufsleben ein echter Nachteil sein. Und, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt, kann man auch entdecken, wieviel Spass in diesem Themengebiet stecken kann und welche Chancen darin entstehen können." 


"It's cool, men". Kommt vorbei!
Foto: Sandra Schinck

Neben Sprachkenntnissen wird aus Sicht des Experten die Digitalkompetenz für die vernetzte und globalisierte Welt zum wichtigsten Erfolgsbaustein werden. Viele Jugendliche können diese Chance nicht nutzen, weil ihnen der richtige Zugang fehlt und später eine gewisse Furcht existiert. Die Körber-Stiftung und die Bücherhallen als Veranstalter der Code Week Hamburg ermöglichen diesen Zugang gemeinsam mit Initiativen der Coding- und Maker-Szene sowie Vertretern aus Hochschulen und Unternehmen. HANSEVALLEY leistet seinen Beitrag für das digitale Hamburg.

 Hamburg Digital Background: 

Code Week Hamburg 2018 Programmüberblick:

Code Week Hamburg: Otto.de - Lego Mindstorms Workshop

Donnerstag, 6. September 2018

HANSESTARTUPS: Acceleration - ein wenig wie "Zuckerbrot und Peitsche".

HAMBURG STARTUP REPORT

Das Startup-Business - geprägt von Inkubation, Acceleration und Funding. Venture Capital Geber und ihre Spielregeln dominieren die Szene. Schnelles Wachstum und die Verdoppelung des Unternehmenswertes als 18 bis 24 Monate gehören zur Pflicht. Startup-Brutkästen schleifen alle 3 bis 6 Monate neue Kandidaten durch Standard-Programme mit Business Modelling für Massenmärkte. Nach dem Demo Day ist meist Schluss, wie "halbtote" Startups nicht nur des Next Media Accelerator & Co. zeigen.


Speedup Europe in Hamburg: 100 Teams, 80% Erfolgsquote
Foto: Speedup Europe

Wer gründet, braucht mehr als 6 Monate Support. Wer gründet, braucht mehr als Standardfloskeln. Wer gründet, braucht einen Plan. Die Europäische Union weiß das. Mit dem Programm "Speed Up Europe" setzte sie auf Nachhaltigkeit bei der Förderung: 100 Startups wurden über 9 Monate begleitet. Nur 80% packten das intensive Programm aus Prototyping, Validierung und Markterschließung. Am Ende standen echte Kunden, echte Umsätze und echte Markterschließung. Vorbild für Hamburg und die Region? Ein Hamburg Startup Report.

Stefan Stengel ist kein Startupper, wie er im Bilderbuch steht: kein Hoodie und keine Skimütze, kein Hipster-Bart und keine Nerdbrille. Auch keine Ringelsöckchen und bunte Sneaekers. Der in Hamburg und Lübeck engagierte Berater würde bei Acceleratoren bzw. Inkubatoren bekannter M&A-Berater glatt als nicht imagekonform durchfallen. Dennoch steht auf seiner Visitenkarte 'Programm-Manager Accelerator'. Mit dem deutschen "Speedup Europe" Hub in Ottensen hat er bewiesen, das Startupförderung nachhaltig geht. 

Von September 2014 bis November 2015 ging es erstmals los. 96 Teams aus 13 Ländern Europas starteten zur 9-monatigen Reise in die Zukunft. 82% überlebten die jeweils 3-monatigen Entwicklungsstufen. Mit bis zu 30% "Verlusten" kalkulierten die Organisatoren. 2/3 der beteiligten Jungunternehmen sind auch 3 Jahre nach dem Start von "Speedup Europe" noch live, eine Quote bei der Hamburger Acceleratoren nicht mithalten können dürften. 


Hippstertum geht anders: Präsenzpflicht im "Speedup" Hub Hamburg
Foto: Speedup Europe

Kein "Bronze-Status" mit warmem Händedruck und Abzocke

Der Accelerator setzte auf Zukunftsthemen, wie Energie, Smart City und Mobility. Die betreuten Teammitglieder kamen aus ganz Europa, von Schweden über Deutschland und die Niederlande bis nach Großbritannien, von Frankreich und Italien bis Spanien. Bis heute sind über 60 Teams allein im Hamburger Hub dabei gewesen. Startups, die für das EU-Programm ausgewählt wurden, bekamen 50.000,- € pro Team. Einen "Bronze-Status" mit warmem Händedruck und abgezockten Firmenanteilen gab es nicht. 

Der Accelerator kümmerte sich über die 9 Monate vor allem um 2 Schlüsselfragen: 


Wo stecken die digitalen Geschäftsmodelle? 
Wie verdienen wir in Zukunft unser Geld?

200 Coaches begleiteten die fast 100 Teams. Dabei sind rd. 100 Expertenvorträge über die 9 Monate verpflichtend gewesen. Nicht genug: Hinzu kamen Coachings mit Bewertung durch die Coaches und Workshops zu allen Schlüsselthemen. Märchen, wie von NMA-Personal verbreitet, konnten hier nicht die Runde machen. Jedes Team musste wöchentliche Reports schreiben. Dazu kamen Reviews, ob es Probleme von Startuppern, den Teams oder den Startup-Projekten gab.

Hinzu kam die Bewertung der Pitches und die aktive Arbeit im Hub. Und die war zu 50% verpflichtend. Bei 3 Teammitgliedern hieß das 60 Stunden Präsenzzeit für das Team pro Woche. Hub-Leiter Stefan Stengel hatte selbst 16 Teams im Batch betreut. Entsprechend hoch war der Ergeiz des Unternehmers: "Ich wollte alle meine Teams durchbringen". Offenherzig gibt er zu: "Das hat schon was von Zuckerbrot und Peitsche." Damit gehört das EU-geförderte Programm eher nicht zu freiwilligen "Sperrholzmöbel-Fraktion".

Mit "Zuckerbrot und Peitsche" zum nachhaltigen Erfolg.

Die 30 besten Teams konnten sich nach 9 anstrengenden Monaten über die Chance auf die ganz große "Möhre" freuen. Im Rahmen der ECFI European Conference wurden die 5 besten Startups Europas gekührt. Mit Preisen von 50.000,- bis 200.000,- €. Krönender Abschluss des Batches war eine 1-wöchige Fahrt mit 45 Teilnehmern ins Silicon Valley einschl. Besuch einer Lean Startup-Konferenz. Eine gute Gelegenheit, nach erfolgreicher Entwicklung des eigenen MVP schon mal internationale Luft zu schnuppern.


Kennt das Startup-Business:
Unternehmer Stefan Stengel
Foto: Stefan Stengel
Der erfahrene Gründer Stefan Stengel betont, dass Startupper mit dem Habitus eines Elite-Absolventen bei "Speedup Europe" so gut wie nie zu finden waren - und kaum eine Chance hatten. "Quick & Dirty" war durch die 6-monatige Vorphase mit Auswahlprozess bei diesem Programm praktisch nicht möglich. Damit ist "Speedup Europe" für schnelle Geschäftsmodelle, entsprechend fokussierte Gründer und Investoren eher nichts. A und O des Programms war vor allem die Bereitschaft zur nachhaltigen Zusammenarbeit. 

Größte Motivation: Die Welt ein bisschen besser machen.

So kann der Hamburger Hub-Manager mit Stolz berichten, dass 3/4 der Teilnehmer aus dem Programm 2014/2015 es nicht gemacht haben, um reich zu werden. Statt dessen herrschte große Motivation, die Welt ein bisschen besser zu machen. So ist es kein Wunder, dass zahlreiche Geschäftsmodelle aus den Bereichen CleanTech und Smart City stammen. Beispiele aus Hamburg sind z. B. das Erfolgsstartup "Breeze" mit seinen Luftsensoren, aber auch "FashionCloud", die 2015 die Siegerprämie des EU-Ausscheids von 200.000,- € nach Hause holten.

Die Europäische Union ließ sich das Programm einiges kosten: 5,5 Mio. € investierte die EU in eine "Speedup Europe". 5,0 Mio. € flossen in die Startups, dazu eine halbe Million Euro Preisgeld des European Top-5-Awards. Auf die weitere Entwicklung angesprochen, hat der Hamburger Hub-Leiter eine klare Vorstellung, wo er hin will: Anfang kommenden Jahres gibt es nach "Speedup"-Vorbild einen Nachfolger mit 15 Teams bei uns in der Region - in Lübeck, unterstützt vom Land und den Clustern für Food und Life Science, Logistik und Smart City.


Lübeck - Heimat des neuen nachhaltigen EU-Accelerators 2019
Foto: mediaserver.hamburg.de / Geheimtipp Hamburg

Nach dem Bericht über die Hamburger Durchlauferhitzer fragten Leser: Wie können Alternativen zu den Next Acceleratoren aussehen? Die HANSESTARTUPS-Empfehlung sind intensive und nachhaltige Programme. Das neue Programm in Lübeck kann eine Alternative werden zu Abzocke, Bullshitting und Startups allein lassen. Und da lohnt sich vielleicht auch die Fahrt in die Hansestadt 45 Minuten vor den Toren unseres ehrbaren aber nicht immer nur nachhaltigen Hamburgs. Wäre nicht das erste Mal, das Hamburg seine Chancen verschläft. Wir werden berichten.

Hamburg Startup Background:

HANSESTARTUPS: Next Acceleratoren - Die Durchlauferhitzer des Bodo Kraeter.
hh.hansevalley.de/2018/08/hansestartups-next-acceleratoren.html

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.

hh.hansevalley.de/2018/01/hanseinvestigation-tutech-teil3.html

 Hamburg Digital Background: 

Stefan Stengel, Hamburg/Lübeck:
https://tec.tours/ueber-uns/

"Speedup Europe" - Hub Hamburg:
teams.speedupeurope.eu/?jetpack-portfolio-tag=hub-hamburg

European Community Foundation Initiative - ECFI:
communityfoundations.eu/home.html