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Donnerstag, 11. Januar 2018

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischen Metropole.



Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

Liebe Leserinnen, liebe Leser:


Herausgeber & Chefredakteur
Thomas Keup
Am 16. November 2016 besuchte ich mit großer Freude den jährlichen Pitch-Contest "Uni Pitch" der Hamburger Hochschulen im Forum Finkenau der HAW Hamburg. Ich war begeistert,  dass eine hochschulübergreifende Veranstaltung Studentinnen und Studenten aus Hamburg die Chance gibt, ihre Ideen für ein neues Geschäft in einem renommierten Wettbewerb zu präsentieren. Ein wenig verwundert war ich über die unübersehbare Präsenz des "Startup Dock". Als merkwürdig aufgefallen war mir der komplett eingekaufte Werbemittelkatalog - von Bierdeckeln bis zu Jutebeuteln. Damals dachte ich mir noch nichts dabei. Ein gutes Jahr später bin ich schlauer.

55 Mann "Wasserkopf", 7,5 Mio. € Personaletats, 4,5 Mio. € "Luxus-Sanierung".

In Hamburg hat sich mit TuTech, der Schwesterfirma Hamburg Innovation und ihrem "Startup Dock" allein ein Verwaltungsapparat von 55 Mitarbeitern in einem für 4,5 Mio. € sanierten "Luxus-Quartier" komfortabel eingerichtet. Ich selbst konnte bei einer Startup-Recherche am 29. August vergangenen Jahres die nagelneuen, ökologisch korrekten Glaskästen der Mitarbeiter*innen in der Harburger Schloßstraße in Augenschein nehmen. Noch bevor TuTech zu einem Investigations-Thema wurde wunderte ich mich, in welch' "Saus und Braus" eine öffentlich-rechtliche Technologie-Transfergesellschaft und ihre Startup-Förderung arbeiten. Heute bin ich mehr als schlauer.

Die Geschichte zur "Steuerverschwendung an der Süder-Elbe" war ursprünglich als Sachbeitrag über die Arbeit der Technologietransfersstelle gedacht. Bis mehrere Kenner von Harburg auf mich zukamen und sagten: "Schauen Sie sich das mal näher an." Zu diesem Zeitpunkt wußte ich weder von dem exorbitanten Personalschlüssel, noch von der Beinahe-Pleite, den mich schockierenden Rügen des Rechnungshofes oder gar den unfassbaren Mieten für Startups in Harburg hintern Fußgängertunnel. Nach Gesprächen mit Hamburger Insidern über die geplante Serie bekam ich immer wieder neue Hinweise, die letzten Fakten teilweise erst 24 Stunden vor der Veröffentlichung.

Jeder Politiker und Verwaltungsbeamter konnte die Zahlen und Fakten nachlesen.

Nahezu alle Informationen in den drei Investigativ-Beiträgen sind öffentlich zugänglich, für jedermann ohne Hürden abrufbare Dokumente, jedoch nicht aus dem Hamburger Transparenzportal. Denn daran nehmen TU und TuTech aus "gutem Grund" nicht teil. Warum die Sprecher der Fraktionen in der Bürgerschaft die Berichte des Rechnungshofes, der TU Harburg und der TuTech GmbH bislang nicht zum Anlass genommen haben, nachzufassen, kann ich nur mit mangelndem Interesse, blinder Gutgläubigkeit und falsch verstandener Sympathie erklären. Hinter den Kellertüren von TuTech roch es bereits vor dem jetzigen Geschäftsführer ziemlich streng. Leider hat sich seit der Übernahme durch Martin Mahn seit 1. Oktober 2014 offensichtlich nichts verändert. 

Mein Eindruck nach den persönlichen Reaktionen renommierter Protagonist*innen an Alster und Elbe, nach dem wütenden Aufschrei eines - natürlich nicht genannten - Mitarbeiters aus der Wirtschaftsbehörde (seine einzige Äußerung zur TuTech-Kritik: 'marktschreierische Darstellungen'), nach den Aufrufen meines Impressums und meiner Facebook-Seiten: hier habe ich offensichtlich in ein Wespennest gestochen. Nach der Veröffentlichung der drei Folgen zur finanziellen Situation, zum geplanten Gründerportal und zur Startup-Förderung kamen gut informierte Vertreter mit den Worten auf mich: "Weißt Du eigentlich schon das ...?".

Die TuTech ist ein Thema - und im Gegensatz zu den Reden - leider nicht positiv.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Erfolgsbeispiele der Startup-Förderung - von Breeze bis Vilisto - nicht von durchsichtiger PR ("80% der Startups sind erfolgreich") billig verwässert werden. Das Aufwärmen der eigenen Aktivitäten in "Hamburg News" und "Harburg Aktuell" mit unbestätigter Behauptung nach Pareto-Prinzip lässt die Arbeit der Fleißigen, Ehrlichen und Engagierten in Technologietransfer, Patentverwertung und Startupförderung in ein zweifelhaftes Licht rücken. Derweil lässt sich Martin Mahn in Harburg als "Mann mit Meinung" feiern, der den Mief im Bezirk "wegwischt". Vielleicht sollte er mal vor der eigenen Haustür anfangen, bevor er den Bundesminister für digitale Infrastruktur anpöbelt.

Diese Fragen stelle ich stellvertretend an die zuständigen Fachsprecher*innen für Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Technologie sowie Finanzen und Haushalt:
  • Wann wird die TuTech GmbH ihren überfälligen Geschäftsbericht 2016 veröffentlichen, damit jeder die testierten Fakten nachlesen kann?
  • Sind fast 1 Mio. € Notfall-Rettung und 55 Mann Verwaltung mit 7,5 Mio. € jährlichem Personalaufwand für eine lokale Transferstelle akzeptabel?
  • Ist die Harburger Schloßstraße für Technologie-Startups im internationalen Wettbewerb ohne innerstädtische Nähe heute wirklich eine gute Adresse?
  • Sind rd. 16,- €/qm Warmmiete für betreute Startups im 2. Jahr ff. noch ein vertretbarer Mietpreis oder schon Wucher gegenüber Jungunternehmen?
  • Sind 11 Mitarbeiter für 7 geförderte Jungunternehmen im Startup Dock womöglich eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?
  • Ist der "Gründerpate" Martin Mahn angesichts der nachzulesenden Fakten noch der geeignete Steuermann für die TuTech in Harburg?
  • Wie will der Senat die Geldverschwendung in den Griff bekommen und die Effizienz von TuTech auf ein akzeptables Niveau heben?

Es ist die Aufgabe der Bürgerschaft in Koalition und demokratischer Opposition, im Auftrag der Hamburger Steuerzahler dafür zu sorgen, dem "Dukatenesel" das "Freiticket" zu entziehen. Wenn der von Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörde geplante "Innovation Port Hamburg" nicht mit einem Geschmäckle von Steuerverschwendung und "Vetternwirtschaft" ans Netz gehen soll, ist jetzt die Zeit gekommen, in der Harburger Schloßstraße durchzufegen und auszumisten. Hierum wird sich in den kommenden Monaten auch das Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesrechnungshof kümmern müssen, da das "Startup Dock" mit BMWi-Geldern im Werbemittelkatalog shoppen war.

Olaf Scholz, Katharina Fegebank und Frank Horch haben Recht, Wissenschaft und Forschung, Wissenstransfer und wissensbasierte Startups in den Mittelpunkt der politischen Ambitionen für die Freie und Hansestadt zu stellen. Die digitale Transformation und die technologiebasierte Ausbildung der nächsten Generation sind das künftige Kapital, damit in Hamburg nicht mehr ein Kaffeesack nach dem anderen umfällt (wie z. B. Medien, Reederein, Banken und Versicherungen). Die Digital Hub Initiative von Bitkom und Wirtschaftsministerium zeigt: die 11 DE-Hubs neben Hamburg schlafen nicht. Niemand - und ich meine niemand - wird auf die Freie und schlafende Hansestadt warten.

Appell an weltstädtische Politik der echten Offenheit im Interesse der Zukunft.

Die Aufgabe eines Journalisten ist es, zu berichten, was ist. Eine Investigativ-Recherche über mehrere Monate, vertrauliche Gespräche und stundenlanges Studium ist sicher keine "Kuschelgeschichte".  Ja, es tut weh in Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörde. Und es ist im Interesse der Stadt, für die ich mich aus voller Überzeugung entschieden habe und jeden Tag stark mache. Eine Stadt, die ein paar "Sümpfe trocken legen" muss, Offenheit gegenüber anderen Meinungen lernen darf und ihre etwas "provinzielle Anmutung" in der Öffentlichkeit gern ablegen kann. Als langjähriger Wahl-Berliner darf ich sagen: Dann klappt's auch mit der Weltstadt. Und das wäre plietsch!

Vielen Dank für die Bereitschaft, sich eine andere Meinung durchzulesen!

Mit  herzlichen Grüßen

Ihr


Thomas Keup
Chefredakteur

 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

Mittwoch, 10. Januar 2018

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.
www.hanseinvestigation.de

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 3:

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank erklärt am 3. März 2017 zur Eröffnung des Innovation Campus Green Technology: „Gute Ideen und innovative Gründungsansätze brauchen das richtige Umfeld, um erfolgreich sein zu können. Ich freue mich, dass wir so einen Ort mit dem ICGT geschaffen haben. Das einzigartige Konzept der kurzen Wege, schnellem Austausch und der ganzheitlichen Betreuung bietet die Chance junge Talente zu gewinnen und Hamburg als attraktiven Innovationsstandort weiter auszubauen.

Eröffnungsakt nach der Sanierung: ICGT Harburg
Foto: Presseservice TU Harburg/StartupDock

Was steckt hinter dem Innovation Campus Green Technology? Welche Rolle spielt das lautstarke "Startup Dock" von TuTech? Und wie werden Hamburgs Tech-Startups zur Kasse gebeten - mit wucherähnlichen Mieten? Schließlich: Was plant Martin Mahn mit "Virtuellen Transferstellen"? HANSEVALLEY hat sich umgeschaut, weiter recherchiert und erstaunliche Zusammenhänge gefunden. Ergebnis: In Harburg wird offesichtlich ein Startup-Ökosystem mit virtueller Plattform und subventioniertem PR-Betrieb geschaffen - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft.


HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3: Die Startup-Abzocke von Harburg.

Es scheint festzustehen: Hamburg Innovation aka TuTech Innovation will auf Dauer Herr über das Gründungsthema an Hamburgs staatlichen Hochschulen werden. In der aktuellen Stellenausschreibung für "beyourpilot" steht: "Zunächst ist die Anstellung auf 5 Jahre befristet mit der Option auf Verlängerung, ggf. Entfristung." Nicht genug: Mit der Auschreibung für den "Startup Port" plant Hamburg Innovation offensichtlich auch gleich die PR für alle Hamburger Hochschulgründungen zu übernehmen. Beweis: ein ausgewiesener "Pressebereich" im Lastenheft der Onlineplattform (Punkt 20).

Unter Punkt 1.3 des Lastenheftes für "beyourpilot" ("Zukünftige Lösung") steht: "Durch die Virtualisierung bestehender Beratungsangebote soll die Schwelle zur Anfrage und Inanspruchnahme gesenkt werden." Unter 1.4 ("Langfristiges Projektziel") heißt es: "Insbesondere soll bei Mitarbeitern in Hochschulen sowie bei der Zielgruppe der Plattform – primär Wissensgründer aus dem Hochschulumfeld – die Plattform als zentrales Instrument bei der Beratung und Förderung von Gründern im Bewusstsein verankert werden." Unter 1.5 ("Ziele am Projektende") lesen wir: "Ziel ist eine von allen beteiligten Partnern und von den Mittelgebern gestützte Fortführung des Projekts nach Ende der vorgesehenen Projektdauer von bislang 60 Monaten". 

"beyourpilot" - Lock-in-Falle für Gründerförderung?


Hier baut sich anscheinend jemand auf Kosten des Stadtsäckels sein künftiges Geschäftsmodell auf, als "Gründerpate" aka "Projektkoordinator" - aber ohne Personal, weil dann virtuell. Dies wird in Punkt 4.7 ("Virtuelle Transferstellen") der Ausschreibung offensichtlich. Auch wenn alle Transferstellen der staatlichen Hochschulen eingeladen sind, ihre Leistungen über die Plattform zu erbringen. Wer betreibt künftig das Portal? Wer bestimmt laut Ausschreibung, wo die Plattform gehostet wird? Wer hat damit die Datenhoheit? Da ist er wieder, der "Fuchs im Hühnerstall" aus Harburg.

Als Feigenbaltt für die Gründeraktivitäten schickt der Harburger Martin Mahn gern seinen "Startup-Doktor" ins Rennen: Dieser berät die Harburger Uni-Startupszene mit sage und schreibe 14 Mann im hauseigenen "Startup Dock" - auf 300 qm luxussanierter Bürofläche. Nimmt man 3 dekorative Vizepräsidenten und Akademische Direktoren aus der Personalpräsentation heraus, bleiben stolze 11 Mann auf staatlichen Stellen - plus Aushilfen, plus Hund. Bei aktuell 7 geförderten Startups entfallen auf jede Gründung 1,5 Berater, plus Aushilfen plus (geteiltem) Hund. Aus Steuergeldern.

Die Startups sind nicht nur gut für den Personalschlüssel. Sie sind ersichtlich auch ein Profit-Center. So kassiert TuTech als Vermieterin von Startup-Büros nahezu Wucherpreise. Die Fakten aus gut unterrichteten Kreisen: Formal sind die Büros für EXIST-Ausgründungen mit rd. 10,- €/qm günstig, abzüglich 20% "Stammkunden-Rabatt". Der Trick: Als Vermieter lässt sich TuTech/Startup Dock 25% der Bürofläche obendrauf als Anteil für "Gemeinschaftsflächen" von den Startups bezahlen. Sprich: Küche, Klo & Co. gehen extra. Plus 5,- €/qm für Nebenkosten. Macht unterm Strich rd. 16,- € warm/qm - von jedem Startup im 2. Jahr ff. - in Harburg bei Hamburg - hinterm Fußgängertunnel.

Schaut man in das Mietkonzept, wundert man sich nicht wirklich: Für Startups stehen effektiv 578 qm Bürofläche zur Verfügung. Das "Startup Dock" belegt mit seiner Fußball-Mannschaft allein 300 qm, dazu das Institut für Entrepreneurship 200 qm und das TuTech-Büro weitere 160 qm - macht zusammen 660 qm allein für den "Wasserkopf". Dazu kommen 444 qm Meeting-Räume + 333 qm Eventfläche. Seite 4 der Drucksache 21/3101 der Hamburger Bürgerschaft zeigt, was der Spaß kostet: fast 800.000,- € im Jahr. Davon soll knapp die Hälfte durch Mieten erwirtschaftet werden. Volltreffer! Für den Steuerzahler dennoch ein Faß ohne Boden: In 5 Jahren versenkt TuTech in Harburg allein für die Immobile 3,1 Mio. €, plus Luxus-Sanierung, plus Notfall-Rettung.

"Nachhaltige Digitalisierung" - Was immer das ist?

Green Tech Campus "ICGT" in Harburg.
Foto: TuTech / J. Kilian
Bei explizierter Beschränkung der Förderungen auf "Green & Clean Technology", "Life Science" und "Nachhaltige Digitalisierung" (was auch immer das sein möge) im neuen Innovationscampus "ICGT", könnte der sorgfältige Haushälter die Frage stellen, wofür 4,5 Mio. € in eine ökologische Sanierung und Neugestaltung geflossen sind: Rechtfertigen aktuell 7 EXIST-geförderte und z. T. kräftig zur Kasse gebetene Startups mit 11 öffentlich bezahlten Beratern eine millionenschwere Immobilie und ein Beinahe-Konkurs? Mit einem EXIST-Programm, das von der Bundesregierung in diesem Jahr eingestampft wird.

Die TuTech mit ihrem "Startup Dock“ jubelt sich derweil im stadteigenen Nachrichtenportal "Hamburg News" in schwindelerregende Höhen. "Managing Director" Christian Salzmann rechnet sich in bester Pareto-Manier schön: „80 Prozent der Startups erweisen sich als Erfolg.“ Der Diplom-Soziologe und promovierte Wissenschaftsforscher vergisst leider die Einordnung: 80% von was? Von allen beratenen Tech-Startups? Von 80% der ausgesiebten EXIST-Startups? 80% von 6 Förderungen im 2016 oder 7 Förderungen in 2017? Bei aktuell 640 Startups laut Hamburger Monitor macht das den Kohl wohl auch nicht mehr fett.

Die erst 1980 in die Forschungs- und 1982 in den Lehrbetrieb gegangene Harbruger Hochschule hat gerade einmal 92 Professuren. Dahinter stehen 32 reguläre Studiengänge. 7.620 Student*innen zählt die Universität. 123 Mio. € kostet der Spaß den Hamburger Steuerzahler im Jahr. Zum Vergleich: Die Uni Hamburg hat rd. 43.000 Studenten in 174 Studiengängen mit 704 Professor*innen - einschl. UKE. Die HAW Hamburg zählt 16.800 eingeschriebene Studenten in 75 Studiengängen mit zusammen 386 Professor*innen. Was rechtfertigt einen nachgewiesen millionenschweren, laut Google-Analyse nur von 9 bis 5 überhaupt anwesenden, "Wasserkopf" in Transfer und Startup-Betreuung. 

Im vergangenen Jahr holte die TuTech im Rahmen ihres eigentlichen Geschäftszwecks - des Technologietransfers - 513 neue Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 12,8 Mio. € rein, wie der Geschäftsbericht der TU Hamburg-Harburg ausweist. Dabei rechnetete sie sich ihre Angebote so schön, dass kein anderer überhaupt eine Chance hatte, wie der Rechnungshof in seinem Bericht 2017 scharf angreift. Vielleicht sollte sich TuTech auf den eigentlichen Zweck konzentrieren und nicht versuchen, mit teuren Luftschlössern und einer handvoll Startups andere Player im Hamburger Forschungs- und Startupsystem zu übervorteilen - mit millionenschweren Steuersubventionen. 

Dazu im Hamburg Digital Magazin: 

  • Welche Fragen die Hamburger Bürgerschaft jetzt beantworten lassen sollte 
  • Wie der Senat sein hehres Ziel der Wissenschaftsmetropole retten kann
  • Wie unsere Stadt zur offenen und erfolgreichen Weltstadt werden wird 

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischen Metropole.



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 Hamburg Digital Recherche: 


HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.

 Hamburg Digital Background: 

Pressemitteilung BWFG 03.03.2017: 
www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/8292486/2017-03-03-bwfg-innovationcampus-green-technologies-icgt-eroeffnet/

Mietkonzept "Innovation Campus Green Technologies"
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/51431/haushaltsplan-2015-2016-haushaltsjahr-2016-einzelplan-3-2-der-beh%c3%b6rde-f%c3%bcr-wissenschaft-forschung-und-gleichstellung-nachbewilligung-gem%c3%a4%c3%9f.pdf

Dummi-Präsentation "beyourpilot":
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA?path=%2FPressematerial#pdfviewer

Unterlagen Vergabeverfahren "beyourpilot" 31.10.2017:
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA

Gründerservice Leuphana Universität Lüneburg:
www.leuphana.de/forschung/foerderung/existenzgruendung.html

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Montag, 8. Januar 2018

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 2:

Wirtschaftssenator Frank Horch erklärt am 5. September 2017 vor der Landespressekonferenz Hamburg: "Neue Technologien und deren Kommerzialisierung in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sind der Haupttreiber von Wohlstand und künftigem Wachstum in unserer Stadt. Dazu brauchen wir Gründerinnen und Gründer, die gemeinsam mit Wissenschaft und Wirtschaft die Zukunft Hamburgs gestalten."

Wirtschaftssenator Frank Horch vor der Landespressekonferenz Hamburg
Foto: Pressearchiv Hamburg Innovation

Der Spitzenpolitiker weiter: "Hamburg hat dazu die besten Voraussetzungen: eine lebendige, stetig wachsende Start-up-Szene und namhafte Industrieunternehmen und innovative Mittelständler, die die notwendige Expertise und Ressourcenausstattung für ein funktionierendes Gründungs- und Innovations-Ökosystem mitbringen. Gründungsförderung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist ein wichtiger Baustein des Wissens- und Technologietransfers. Ich freue mich daher über die gemeinsame Initiative von Hochschulen und DESY.

Was präsentiert Frank Horch an diesem Morgen vor Hamburgs Landespresse? Was steckt hinter "beyourpilot"? Ist der "Startup Port Hamburg" womöglich dreist abgekupfert? HANSEVALLEY hat die Ausschreibung gelesen, weiter recherchiert und hinter die Kulissen geschaut. Ergebnis: In Harburg wird mit mehr als einer halben Millionen Euro ein Portal mit Formular, Adressen und offensichtlich schon mal verkauften Bestandteilen geplant - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft. 

HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2: Ein Startup Port für Hamburg.

Harburgs vermeintlicher "Gründerpate" Martin Mahn ist 2017 durch die Förderszene an Alster und Elbe gezogen. Sein Ziel: Mitfinanzierer für eine geniale Idee: Ein von TuTech über Hamburg Innovation kontrolliertes Gründerportal. Wie der Hase bei "beyourpilot" läuft, ist in der aktuellen Stellenausschreibung für die Projektkoordinatoren nachzulesen: "Das Onlineangebot wird die Gründungsaktivitäten der genannten Einrichtungen vernetzen und Gründende sowie deren Beraterinnen und Berater in der jeweiligen Gründerservice-Einheit bei der Entwicklung der Geschäftsvorhaben mit digitalen Tools unterstützen. Offline-Angebote flankieren in den Einrichtungen vor Ort die Online-Funktionalitäten." 


Geplante Homepage für "beyourpilot"
Quelle: Pressepräsentation Hamburg Innovation

Hamburg Innovation fungiert laut öffentlicher Ausschreibung als "Projektkoordinator", übernimmt damit cleverer Weise die Federführung der auf 5 Jahre geplanten Plattform. Dazu kommen Sprechstunden und Meetups vor Ort - wie gesagt "flankierend". Von beschämenden 14 EXIST-geförderten Gründungen an Hamburger Hochschulen in 2016 wurden 6 - und damit fast die Hälfte - an der TU gestartet. Die anderen staatlichen Hochschulen liegen noch mehr unter ferner liefen. Womit feststeht, welcher "schlaue Fuchs" seine "positiven Erfahrungen" als "Erfolgsbeispiele" in den Ring wirft, nachzulesen in der aktuellen PR-Geschichte der stadteigenen "Hamburg News". Obwohl die TU Harburg gegen die Entrepreneur-Hochschule "Leuphana" in Lüneburg mit 55 EXIST-geförderten Beteiligungen im Jahr eigentlich zumachen könnte.


"beyourpilot" - Mehr als Formular & Adressbuch? 


Schauen wir uns die geplante Gründerplattform "Made in Harburg" genauer an. In der Pressemitteilung der TU Hamburg werden uns diese Elemente der "1. Ausbaustufe" im Detail verkauft:

Ein "Ideensteckbrief“: 'Wissensgründer sollen Gespräche mit den Gründungsberatern strukturiert vorbereiten können. Wichtige Fragestellungen, Terminologien u.ä. werden durch das Tool etabliert, das auf der Plattform und bei allen Plattformpartnern in den Standardprozessen eingesetzt wird.'
  • Im Klartext: Ein online bereitgestelltes Business Model Canvas-Formular zum Ausfüllen, wie die Ausschreibung mit dem Muster von Evers & Jung zeigt.
Ein "Expertenshop“: "Spezialisierte externe Fachexpertise rund um das Thema Gründungen wird auf einem „Marktplatz“ für die Wissensgründer transparent gemacht."
  • Im Klartext: Eine online durchsuchbare Datenbank mit noch zu findenden Fachleuten zu einzelnen Themen, wie das Lastenheft der Ausschreibung ausführt. 
Ein "Finanzierungskompass“: "Wissensgründer identifizieren mögliche Finanzierungsinstrumente und konkrete Förderprogramme – sowohl aus öffentlicher als auch aus privater Hand."
  • Im Klartext: Ein online zu beantwortender Fragenkatalog zum Finden regionaler und nationaler Förderprogramme, wie das Konzept von Evers & Jung zeigt.
Ein "Ressourcenfinder“: "Bietet Wissensgründern eine Übersicht zu vorhandenen Technologie- und Know-how-Ressourcen an Hamburger Wissensorganisationen und unterstützt den Zugang zu diesen."
  • Im Klartext: Die selbe Datenbank wie für den "Expertenshop", jedoch mit Adressen für Maker Spaces & Co., wie die öffentliche Ausschreibung darlegt.
Das ganze mit eigenem Event-Kalender (á la "Startup Guide Hamburg"), Startup-Meldungen (á la "HHS Net") und Startup-Porträts (wie bei HANSESTARTUPS). Konnte ja niemand wissen, dass es schon so etwas in und für Hamburg gibt - privat finanziert und regelmäßig aktualisiert - ohne einen Cent Steuergelder.


"beyourpilot" - Copycat der "Gründerplattform"?


Wer sich ein wenig in der Startup-Szene umschaut, stolpert über die von der KfW Förderbank und dem Bundeswirtschaftsministerium finanzierte, ebenfalls von der Hamburger Beratungsagentur Evens & Jung konzeptionierte und aktuell in der Beta-Phase befindliche "Gründerplattform". Recherchiert man die Module der für März 2018 annoncierten Plattform, trifft man auf diese kommunizierten Themenfelder:
  • "Einstieg & Motivation“
  • "Ideenwerkstatt“
  • "Geschäftsmodellentwicklung“
  • "Businessplan“ sowie
  • "Finanzierung & Förderung“

Beim Abgleich der Themenfelder von "beyourpilot" Hamburg mit der "Gründerplattform" Berlin werfen sich diese Fragen auf:

Kann es sein, dass im Hamburger "Ideenbrief" die gleichen Fragen erarbeitet werden, die in der KfW-"Ideenwerkstatt" durch einen strukturierten Prozess online gestellt, gewichtet und mit Persona-Beispielen beantwortet werden?

Genau das sieht der von Evers & Jung als Anlage 4.2 in die Ausschreibung aufgenommene "Ideenbrief" nach dem Vorbild des Business Model Canvas offensichtlich vor.

Kann es sein, dass in Hamburger "Expertenshop" und Ressourcenfinder" die gleichen Technologie- und Know how-Ressourcen angeboten werden, die auch in der selektiven Auswahl auf gruenderplattform.de erscheinen werden?

Genau das ist beim Lesen der Absätze im Lastenheft (Expertenshop/Beratungsfinder: Punkt 4.5 ab Seite 62, Ressourcenfinder: Punkt 4.6 ab Seite 71) schwer zu vermuten.

Kann es sein, dass im Hamburger "Finanzierungskompass" die selbe Technik steckt, die i. A. von KfW und BMWi Hilfe suchenden Startups regional herunter gebrochen passende Finanzierungsvorschläge und Förderinstrumente bereitstellt?

Genau das ist unter Punkt 1.4 des Lastenheftes auf S. 11/12 der Ausschreibung zu finden: "Außerdem sollen Finanzierungsangebobte auf lokaler wie auf Bundesebene mittels eines Finanzierungskompasses vorgestellt werden."


Gruenderplattform.de: Vorbild für ein Copycat aus Harburg?
Foto/Grafik: Hompepage Gründerplattform

Ideen-, Experten- und Finanzierungsfinder lassen sich die Partner des bundesweiten Portals gruenderplattform.de - Evers & Jung und die Berliner Agentur Business Pilot - offensichtlich bereits fürstlich vergolden. Aus unterrichteten Kreisen ist von einem "hohen einstelligen Millionenbetrag" aus Fördertöpfen die Rede - für Konzeption, Portalentwicklung und Betreuung. Dazu kommen Lizenzen für den "SmartBusinessPlan" von Evers & Jung aus Hamburg, der als lizensiertes Whitelabel-Angebot mit drin steckt.

Fragt sich, wann der Online Business Plan auch in Hamburg auftauchen könnte. Der USP von Jan Evers ist als Tool für 29,- €/Monat seit 2014 unter smartbusinessplan.de zu finden, wird Gründern über die Hamburger Sparkasse und den Finanzverbund schmackhaft gemacht, steckt in der 2007 von Jan Evers erdachten Gründungswerkstatt der Handelskammer und 38 weiteren IHKn - und als Whitelabel-Angebot eben in der neuen bundesweiten gruenderplattform.de von BMWi und Förderbank KfW. 

Und der Hamburger Senat? Nimmt die offensichtlichen Doppelungen zur Kenntnis - und sagt in der expliziten Anfrage des FDP-Fraktionschefs Michael Kruse vom 15.12.2017 ... so gut wie nichts, nachzulesen hier. Umso großzügiger scheint der Senat beim Füllhorn ausschütten zu sein: Für "beyourpilot" stellt die Wirtschaftsbehörde im Rahmen des Programms "Gründerland Hamburg" laut Ausschreibung eine Finanzierung von knapp einer halben Mio. € bereit. 500.000,- € für eine offensichtlich weitgehende Copycat-Plattform.


"beyourpilot" - mind. 580.000,- € an Steuergeldern.


Für die zur bundesweiten "Gründerplattform" ähnliche Vorarbeit bei "beyoupilot" bekam Evers & Jung bereits stolze 80.000,- €, wie eine frühere Anfrage des FDP-Abgeordneten Kruse zeigt. Wohl gemerkt: Für die "Grobkonzeption". Und die steckt samt Logo jetzt in der Ausschreibung - downzuloaden hierEin Schelm, wer auf die Idee kommen könnte, hier verkauft ein cleverer Berater das Konzept eines Businessplan-Moduls mit Service-Portal mehrmals - nämlich an Kammern, Sparkassen, Förderbanken und an die in der Selbstdarstellung große "Startupfabrik" aus Harburg. 


"beyourpilot" - bereits ein 3/4 Jahr hinter dem Plan.

Die Vergabe von Programmierung und Pflege des Hamburger Portals ist laut Ausschreibung bis zum 28.02.2018 geplant. Bis dahin müssen die Angebote gültig sein. Der rote Knopf für das "neuartige Unterstützungsangebot für Gründerinnen und Gründer" soll im 2. Halbjahr 2018 gedrückt werden, glaubt man den bislang kommunizierten Aussagen. Bei geplantem Programmieraufwand von 18 Monaten ab 01.03.2018 ist das Projekt laut Adam Riese bereits zur Ausschreibung mindestens ein 3/4 Jahr hinter dem Plan - im besten Fall. Roter Knopf? Nicht vor 2019. Auch wenn der Senat in seiner Antwort (s. o.) von "planmäßig" spricht, was auch immer das heißen mag. 


Macht "beyourpilot" die Gründungsberatung der Hochschulen überflüssig?
Foto/Grafik: Homepage Universität Hamburg 

Und die Partner? Sind die anderen Hamburger Hochschulen vom Modell der TuTech-Schwester Hamburg Innovation GmbH begeistert und geben gern ihre eigenen, bescheidenen Aktivitäten für das grosse Ganze auf? Warum hat die Universität Hamburg dann seit 1989 mit der Arbeitsstelle für Wissens- und Technologietransfer - AWiTT - eine Business-Unit mit 4 Stellen? Warum unterstützt Deutschlands größte Fachhochschule - die HAW Hamburg - dann mit einer Stabsstelle Forschung und Transfer drei Forschungs- und Transferzentren. Und warum gibt es an allen staatlichen Hochschulen EXIST-Ausgründungen?

Welche Rolle spielt das lautstarke "Startup Dock" von TuTech in den Plänen von Martin Mahn? Wie nimmt der Innovation Campus Green Technology Hamburgs Tech-Startups aus? Und was plant Hamburgs vermeintlicher "Gründerpate" in der Harburger Schloßstraße mit "Virtuellen Transferstellen"? HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3: Die Startup-Abzocke von Harburg: www.hanseinvestigation.de



*  *  *

 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

HANSESTATEMENT:
Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.

 Hamburg Digital Background: 

Dummi-Präsentation "beyourpilot":
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA?path=%2FPressematerial#pdfviewer

Pressemitteilung BWVI 05.09.2017:
www.hamburg.de/bwvi/medien/9454216/2017-09-05-bwvi-beyourpilot-startup-port-hamburg/

Unterlagen Vergabeverfahren "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA

Lastenheft EU-Ausschreibung "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA/download?path=%2FUnterlagen%20zu%20dem%20VgV-Verfahren%20zu%20der%20TED-publication%20364608-2017&files=Anlage%204.1%20-%20LASTENHEFT.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.06.2016
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/52724/wissensbasierte-gr%C3%BCnderplattform-%E2%80%93-fehlt-es-dem-senat-an-wissen-oder-an-gr%C3%BCndern-f%C3%BCr-die-plattform-.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.12.2017
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/60299/%E2%80%9Ebeyourpilot-%E2%80%93-startup-port-hamburg%E2%80%9C-%E2%80%93-wie-ist-der-aktuelle-stand-.pdf

Pressemitteilung BMWI Berlin 21.12.2017
www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/foerderrecherche,did=813798.html

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 1:

Am 28. November 2017 erklärte Hamburgs Erster Bürgermeister in seiner Grundsatzrede zum Wissenschaftsstandort Hamburg im Übersee-Club am Neuen Jungfernstieg: "Der Innovationscampus soll Ausgangspunkt für wissensbasierte Startups und Existenzgründungen aus allen Hamburger Hochschulen heraus werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen bei Green Technologies, Life Sciences und Digitalisierung.


Hamburgs Erster Bürgermeister vor dem Übersee-Club Hamburg
Foto: Universität Hamburg/FHH

Der SPD-Spitzenpolitiker weiter: "Das Wachstum (auf 15.000 Studenten in Harburg, die Red.) soll einhergehen mit einer noch besseren Vernetzung der TU mit der Hamburger Wirtschaft in den zentralen Branchen, mit einer fortschreitenden Verbesserung der Lehre und des wissenschaftlichen Transfers. Hier ist die TU mit der TuTech und dem Innovation Campus Green Technologies ... schon heute gut aufgestellt."

Was ist der "Innovation Campus Green Technologies"? Wer ist die von Olaf Scholz gelobte "TuTech"? Was passiert am Harburger Hafen vor und hinter den Kulissen? HANSEVALLEY hat Geschäftsberichte studiert, eigenständig recherchiert und Protagonisten interviewt. Ergebnis: In Harburg ist eine millionenschwere Steuervernichtung am Laufen - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft. 

HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1: Der Fuchs im Hühnerstall.

Sie erzielte 2016 Erlöse von 15 Mio. €, landete im Jahr zuvor mit sage und schreibe 3 Mio. € in den roten Zahlen, ist Eigentümerin des Laserzentrums Nord und besitzt mit dem "Innovation Campus Green Technologies" seit März 2017 eine für 4,5 Mio. € Steuergeldern modernisierte "Luxus-Herberge" - mit gut 3.000 qm Büros und Eventläche am Harburger Hafen, so der Jahresabschluss der TU Hamburg 2016. Die TuTech Innovation GmbH ist Unternehmerin, Gesellschafterin und Immobilienbetreiberin. Satte 227 Mitarbeiter stehen auf der Gehaltsliste, davon stolze 55 Mitarbeiter in der Verwaltung - plus 171 Projektbeschäftigte. Personalkosten: unglaubliche 7,5 Mio. € in 2016 - und es waren schon 8,5 Mio. €.


Heroisch wirkende Selbstdarstellung TuTech Innovation GmbH
Foto/Grafik: Homepage TuTech

Ohne eine Finanzspritze aka "Liquiditätsbeihilfe" von fast einer Million Euro in 2015 durch die Gesellschafter Technische Universität (51%) und Hamburger Senat (49%) wäre bei "TuTech Innovation" das Licht für immer ausgegangen, ohne Inanspruchnahme des Kontokorrents der Hausbank wäre die GmbH nicht mehr zahlungsfähig gewesen, weist der Jahresabschluss 2015 der TuTech GmbH (S. 25) aus. Bis heute hat die TuTech GmbH laut Bundesanzeiger keinen Geschäftsbericht für 2016 veröffentlicht, und damit Gesellschafter und die Bürgerschaft offensichtlich in Unkenntnis über die finanzielle Entwicklung gelassen.

Nach ihrer Rettung in letzter Minute versucht die lokale Technologietransfergesellschaft TuTech mit einem sanierten "Luxus-Campus" und einer dominierenden "Startup-Trommel"  mit ihrem - Zitat eines Insiders - "Möchtegern-Gründerpaten" in Hamburg das Thema Existenzgründungen zu besetzen. Dabei sind nicht alle Protagonisten an Alster und Elbe über die forschen Aktivitäten des seit Herbst 2014 agierenden Geschäftsführers Martin Mahn, seines Harburger "Wasserkopfes" und der Millionen schweren Geldvernichtung begeistert. 

Martin Mahn und seine GmbH lassen es sich richtig gut gehen. Der Rechnungshof kritisiert: Die TechTech GmbH hat Aufträge bis zu 25.000,- € einfach ohne Ausschreibung und ohne jede Prüfung veranlasst, nachzulesen im Jahresbericht 2017 des Rechnungshofs (Punkt 220-222, S. 82). Zugleich hat die GmbH Mitarbeiter der TU großzügig mit Honoraren versorgt und jede Menge Geld für Feiern - pardon: Repräsenationszwecke - locker gemacht, wie der Rechnungshof rügt. Nicht genug: Um bei Förderprojekten immer vorn dabei zu sein, hat die TuTech Personalkosten kleingerechnet und weitere Kosten geschönt, wie der Rechnungshof in den Punkten 213-216 auf S. 80/81 des Jahresberichts moniert.


TuTech: Dominanz über Hamburgs Hochschulen.

Eigentlich ist die TuTech eine "lokale Erscheinung". Als Transfergesellschaft der kleinen TU Harburg dürften 12,8 Mio. eingeworbene Fördermittel und 6 ausgegründete Tech-Startups in 2016 niemanden stören. Doch ein Blick auf die Website von TuTech zeigt: Hier ist "ein Fuchs im Hühnerstall" unterwegs. Das Vehikel heißt Hamburg Innovation GmbH. Größter Gesellschafter der 2004 gegründeten Servicegesellschaft: die TU Hamburg und ihre TuTech GmbH - mit zusammen 33% der Anteile. Damit haben die Harburger die Sperrminorität, können die anderen 7 staatlichen Hochschulen mit meist 3-10% Anteilen überstimmen. Zufällig ist Martin Mahn als Geschäftsführer der einen Firma auch Geschäftsführer der zweiten Firma, bewirtschaftet TuTech den Betrieb von Hamburg Innovation.


Sinnbildlich: Gut gepolsterte Sitze in sanierter Luxus-Immobilie.
Foto/Grafik: Ausschreibung Hamburg Innovation

Mit seiner Hamburger Transferfirma dominiert der Macher aus der Harburger Schloßstraße die anderen Player gleich mit. Aktuelles Beispiel: "beyourpilot". Die von der Hamburger Beratungsagentur Evers & Jung konzeptionierte Online-Plattform ist nicht nur Monate im Verzug, sie wurde durch die Hamburg Innovation GmbH auch gleich ihren Gesellschaftern als stadtweiter "Startup Port Hamburg" verkauft, wie Olaf Scholz in seiner Rede betonte. Die geplante Website ist eine Nachfolge-Initiative des bereits von TuTech mit öffentlichen Steuergeldern versenkten "HEP - Hamburger Existensgründungsprogramms".

Auch wenn das zu TuTech gehörende "Startup Dock" "beyourpilot" noch vor der Software-Entwicklung als Highlight 2018 feiert - die geplante Plattform ist alles andere, als ein geliebtes Wunschkind: Etablierte Startup-Förderer - wie die Hamburger Existenzgründerinitiative - H.E.I. - und der Gründerservice der Handelskammer Hamburg - sind trotz frühzeitiger Einladung nicht dabei, ebenso wenig, wie man die engagierten Privathochschulen nicht mit auf die Reise nehmen will. Auch wenn sich Hamburg Innovation als Mittler zwischen den Welten versteht, im Endeffekt beschränkt sich die Offenheit wohl auf jene staatlichen Partner, auf die man direkt Einfluss nehmen kann.

Was wird die neue Hamburger Gründer-Plattform "beyourpilot" bieten? Ist sie womöglich dreist abgekupfert worden? Wer verdient mit "beyourpilot"? Und was beabsichtigt TuTech-Geschäftsführer Martin Mahn mit einer zentralen Online-Plattform in Hamburgs Wissenschaftslandschaft? HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2: Ein Startup Port für Hamburg: www.hanseinvestigation.de.



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 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

HANSESTATEMENT:
Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.
 Hamburg Digital Background: 

Rede Olaf Scholz, 28.11.2017, Übersee-Club, Hamburg:
www.uni-hamburg.de/newsroom/videos/2017-11-30-scholz-wissenschaftsstandort.html

TuTech Innovation GmbH, Hamburg:
http://tutech.de/

Hamburg Innovation GmbH, Hamburg:
https://hamburginnovation.de/gesellschafter-und-partnerschaften/

Jahresabschluss 2015 TuTech Innovation GmbH, Hamburg:
www.firminform.de/unternehmen/217751/jahresabschluss

Jahresabschluss 2016 Technische Universität Hamburg:
www.hamburg.de/contentblob/8914242/ccb6faa2f51657de027d9aaa65830767/data/2016-tuhh-testierte-bilanz-technische-universitaet-hamburg2-harburg.pdf

Jahresbericht 2017 Rechnungshof der Freien und Hansestadt Hamburg:
http://daten.transparenz.hamburg.de/Dataport.HmbTG.ZS.Webservice.GetRessource100/GetRessource100.svc/1d17b155-cbe7-4b6b-8da7-514c379d2775/Akte_300.1204.007.pdf