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Dienstag, 26. November 2019

HANSESTATEMENT: Eine digitale Odyssee in Rot-Grün.

HAMBURG DIGITAL WAHLEN

Hanseatische Bescheidenheit zur Digitalisierung an Alster und Elbe.
Urheber: bekannt.

"
Ich wüsste schon, wen ich dort hin ... schicke", frotzelte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Bezug auf sein Raumfahrtprogramm und den Traum vom Flug zum Mond - in einer viel beachteten Rede vor dem CDU-Bundesparteitag am 23.11.19 in Leipzig. Hamburgs Ersten Bürgermeister und SPD-Chefwahlkämpfer Peter Tschentscher meinte er eher nicht. Denn die Freie und Hansestadt beschäftigt sich vor allem mit sich selbst und hat - wie immer - die Stadt und damit sich selbst im Blick, fernab politischer Impulse für die Zukunft.

Der CSU-Chef lobte in seiner Rede den Wissenschaftsstandort Berlin - mit drei kooperierenden Universitäten als einen Exzellenzstandort für die Zukunftsthemen unserer Zeit. Der angstfreie Regierungschef kündigte an, dem Beispiel der Hauptstadt zu folgen, und Hochschulen fernab von LMU und TUM zu regionalen Themenschwerpunkten und lokalen Projektschwerpunkten - vor allem für den geplanten KI-District Bayern - zusammenzuschließen. An die unbekannte Science City Bahrenfeld dachte er offenbar nicht.

"Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete.
Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen ...
Die Kunst ist auch, die Zukunft im Blick zu haben."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Suchen wir beim parteilosen, auf SPD-Ticket laufenden Wirtschaftssenator nach der Hamburger Zukunft. Am 30. September d. J. präsentierte Michael Westhageman voller Stolz die Gründung des Articial Intelligence Center Hamburg, einem privaten Zusammenschluss aus kleinen, mittleren und größeren Unternehmen sowie Hochschulen plus Technologietransfer-Experten. Der unermüdlich die Chancen der KI hervorhebende, scheidende Senator verspricht eine unglaubliche Unterstützung i. H. v. 400.000,- € pro Jahr - für max. 2 Jahre.

In Hamburg tüdeln drei Behörden mit Informatik-Plattform (BWFG), AI-Netzwerkförderung (BWVI) und KI-Prototypen-Förderung in Medien (BKM) herum. Und was macht Bayern? Der Süden investiert 360 Mio. €. Der Freistaat will allein 100 neue Lehrstühle nur zum Thema KI schaffen, davon 22 in der mit Hamburg durchaus vergleichbaren Stadt München - in Worten: "zwei-und-zwanzig". "Die KI ist die Dampfmaschine der neuen digitalen Welt und die Basis für eine grundlegende technische und industrielle Revolution", so Markus Söder.

"Das Tempo der Entscheidungen machen nicht wir,
aber die Geschwindigkeit der Reaktionen - das entscheiden wir."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Natürlich engagiert sich der Senat mit Bürgermeister*in-Kandidatin Katharina Fegebank für den Wissenschaftsstandort. Mit der Informatik-Plattform Ahoi Digital plant die Hansestadt mit 23 Mio. € Fördermitteln von Senat und zwangsweise mit zur Kasse gegebenen Hochschulen 35 neue Informatik-Professuren (auf dann 100 Stellen) und bis zu 1.500 zusätzliche IT-Studienplätze. Womit wir bei der Frage sind, wer den längeren Atem hat. Bayern plant 1.000 neue Professuren für noch einmal zusätzlich 10.000 Informatik- und Technologie-Studienplätze, plus 400 Mio. € für die Hochschulreform.

Zukunft vs. Hafen

Zurück zur rauen Wirklichkeit der Handels- und Logistikmetropole an Alster, Bille und Elbe. Während Markus Söder am 1. Juli d. J. in München die neue Raumfahrtfakultät an der TU einweiht, verbunden mit einem Förderprogramm von 700 Mio. €, einem eigenen Universitäts-Campus und dem Ziel, in Bayern Satelliten zu bauen, baggert man an der Hammaburg nach 17 Jahren Planung und diversen Prozessen zu den geschätzten Kosten einer Elbphilharmonie (866 Mio. €) den Schlick aus dem Fluss.

Gegensätze bringen auf den Punkt, worum es geht. Daher zitieren wir einmal mehr den Bayerischen Ministerpräsidenten: "Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete. Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen." Wo in Antwerpen und Rotterdam innovative Terminals schneller laden und hochautomatisierte Logistikzentren schneller drehen, investiert Bayern mit der Hightech-Agenda 2 Mrd. € in die Zukunft als KI- und SuperTech-Standort, z. B. für Robotik.

Zukunft vs. Games

Der Blick in die Hamburger Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörden lässt weder eine Strategie noch Visionen in Sachen digitaler Zukunft erkennen. Die für den Herbst erwartete neue Innovationsstrategie des Senats ist ein bis heute perfekt gehütetes Geheimnis. Schauen wir beim Senator für digitale Inhalte und Infrastruktur vorbei: Nach der Reanimation des staatlichen Branchenclusters für die Gameswirtschaft verkündet Scholz-Vertrauter Carsten Brosda zur Eröffnung der 1. Gamevention eine - zum 50 Mio. €-Paket von Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) - ergänzende, "scharf zugespitzte" Gamesförderung für Hamburg.

Großmütig gesteht er ein, dass die Branche ohne Förderung nicht auskommt. Sein Freund Scholz hatte die vom CDU-Senat eingeführte Prototypenförderung mit bis zu 1 Mio. € zinslosem Kredit 2011 kurzerhand gestrichen. Statt auf Zukunftskurs für die so führende Gamesbranche zu gehen, sammelt der SPD-Wahlkämpfer die Hoffnungen der Branche gleich wieder ein: Eine Förderung wie in Bayern mit 3 Mio. € oder NRW mit 2,4 Mio. € werde es in Hamburg nicht geben. Klingt nach Haushaltskrümeln und Dezember-Fieber der Medenbehörde. Senatskollegin Fegebank wusste bei der Messeeröffnung davon jedenfalls (noch) nichts.

Zukunft vs. Bücherei

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Digitalisierung, wenn man sich im Blitzlichtgewitter oder in Kameralampen wieder einmal sonnen will. Neueste Idee der - die Dächer der Stadt im Blick behaltenden - SPD ist ein "Haus der digitalen Welt". Das medial von der Lokalpresse kolportierte Leuchtturmprojekt soll ein "Bildungs- und Zukunftsort für alle Hamburgerinnen und Hamburger" werden. "Es wird ein bundesweit einzigartiger Ort, an dem Digitalisierung erlebbar und erlernbar wird", feiern sich die Sozialdemokraten für die Schnapsidee ihres am kommenden Samstag zu verabschiedenden Wahlprogramms.  

Was heißt "digitales Haus" auf Deutsch? Ein neuer Standort für die Zentralbibliothek vom Hühnerposten, verbunden mit einer handvoll digitaler Selbstverständlichkeiten - umgesetzt von den staatlich gängelten Bücherhallen und Volkshochschulen. Das Ganze zu einer Fast-schon-so-gut-wie-Revolution an der Kaikante hochgejazzt - und fertig ist ein weiteres Stückchen "Future Hamburg". Kann ja nicht jeder mal eben 4,5 Mio. € in die KI-Entwicklung stecken, wie das arme Schleswig-Holstein. Aber wir wollten ja bei Hamburg vs. Bayern bleiben ...

"Deutscher Provinzialismus in der Hoffnung, das zieht an uns vorbei,
war schon immer gefährlich."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Hamburg liegt unter den deutschen Städten mit den meisten Digitalexperten auf einem so mittleren Platz 3 - hinter Berlin und München, bei den meisten KI-Experten nicht einmal unter den Top 5 - noch hinter Frankfurt, Stuttgart und Köln. Nur bei den angestellten IT-Experten führt die Hansestadt knapp vor der Startuphauptstadt Berlin. Bei den angesiedelten Startups entgeht die Hansestadt nur um Haaresbreite einem peinlichen 4. Platz, durchgereicht von Stuttgart und Karlsruhe. Dafür wird Hamburg unter den Smart Cities in diesem Jahr von Köln auf den 2. Platz degradiert.

Der Senat reagiert auf Zahlen und Fakten mit eingekauften oder zahmgestellten Leuchtturmprojekten. Der heisseste Scheiss der rot-grünen Sandmännchen unter Mondfahrer Tschentscher ist der "Digital Campus Hammerbrooklyn". Nachdem die miesen Machenschaften von Art Invest aufflogen, schnappte sich Vorzeigemobilisierer Westhagemann das Terrain. Seit dem wird in den grünen Blechboxen die Zukunft der Mobilität diskutiert, alternativ die "Stadt der Zukunft" - also das geplante Büro- und Gewerbeimmobilienprojekt hinter dem Digitalpavillon. Wenigstens der Name ist digital ... 


"Ich kriege manchmal den Satz zu hören: 'Wir müssen der Fels in der Brandung sein.'
Dann stelle ich die Frage: Da, wo Du stehst, gibt's gar kein Wasser mehr?"
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Über die Grenzen der Elbe hinweg ist die Hansestadt in jüngster Zeit auch nicht durch Digitalkompetenz in Erscheinung getreten. Bei einem Spitzentreffen der Digitalminister, Staatssekretäre und Amtschefs glänzten SPD-Staatsrat Jan Pörksen und sein Chief Digital Officer Christian Pfromm mit Abwesenheit. Während Hamburg sich nicht mit den Unions-Gastgebern aus Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein an einen Tischen setzen wollte, hatten die Genossen aus Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen kein Problem mit der "Frankfurter Erklärung" zur Zusammenarbeit der Länder.

"Wir haben da Ambitionen, auch Anschluss zu finden."
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

HANSEVALLEY hat in den vergangenen 3 Jahren in 1.100+ Nachrichten und mehr als 270 Interviews, Reportagen, Beiträgen und Kommentaren gezeigt, was digital in Hamburg läuft - und was nicht. SPD und Grüne haben in der vergangenen Wahlperiode nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, Hamburg in die digital-vernetzte Zukunft zu führen. Die oppositionellen Christdemokraten freuen sich über mehr oder weniger visionäre Straßenbahnträume, um die Stadt im Blick zu behalten. Die steckt derweil weiter im Schlick fest - statt durchzustarten.


*  *  *

Ein Meinungsbeitrag von Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background:

Rede Markus Söder 23.11.19

youtu.be/s9NdPNB3uac

Frankfurter Erklärung der Länder

digitales.hessen.de/sites/digitales.hessen.de/files/Frankfurter%20Erkl%C3%A4rung%20der%20D17%20-%20beschlossen.pdf

Spieleförderung des Bundes
bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Computerspielefoerderung/computerspielefoerderung.html

Hightech Agenda Bayern

bayern.de/hightech-agenda-bayern/#I,1,3

Raumfahrt-Fakultät TU München

sueddeutsche.de/muenchen/tu-muenchen-neue-fakultaet-luftfahrt-raumfahrt-1.4507176

Donnerstag, 27. Juni 2019

HANSESTATEMENT: Von Winterhude auf der Elbe in die Welt - an der Digitalisierung vorbeigetrieben.

HAMBURG DIGITAL STATEMENT

Hafen Hamburg: Tourismus-Folklore statt Future Port?
Foto: HANSEVALLEY



Cover der "HW" Juni 2019.
Illustration: Handelskammer Hamburg
Ein lauer Sommerabend unweit der Alster in Winterhude. Hinter den roten Klinkern des Altbaus in der Gryphiusstraße steigt heute noch eine ganz besondere Feier. Wie gut, dass unser Hauptdarsteller auf dem Weg vom Büro in der Speicherstadt noch schnell bei seinem geliebten "Budni" diese weichen und saugstarken Design-Küchentücher mitgenommen hat. Der Strand von Övelgönne und der Blick auf die "Eurogate"-Terminals auf der Verpackung - ach, es ist einfach die schönste Stadt - zwischen Pinneberg und Lüneburg ...

Seine ganz persönliche Perle (Bekannter Status: "Es ist schwierig") ist mit Freundinnen unterwegs und die Lütten zum Glück schon in Träumen versunken. Mit einem guten Schlückchen hat es sich unser digitaler Vorreiter an seinem Schreibtisch bequem gemacht. In seiner Tasche steckt das Objekt seiner Begierde: Die druckfrische und noch jungfräuliche Ausgabe des Kammer-Magazins "HW". Mein Gott, dass er das erleben darf: Als Inbegriff für die digitale Zukunft seiner Stadt auf dem Cover eines Pflichtblatts. Endlich ist er im siebten Himmel - na ja, auf dem Weg dahin.

Wer interessiert sich schon für 20.000 Kopien von "Philipp" ...


Coverbild des Magazins "Philipp" April 2019.
Illustration: Hamburger Abendblatt
Das farblich perfekt abgestimmte Freizeithemd, der legere Sitz des Unkonventionellen, die Frisur dennoch perfekt gestylt, das Lächeln kann nicht strahlender sein, die Geste visionär - es ist zum selbst (ver-)lieben. Mit dieser sozialdemokratischen Souveränität stellt er selbst die Grand Dame der Hamburger Digitalwirtschaft neben sich auf dem Cover in den Schatten. Und dann die Zahl: 55.000 Exemplare in Hamburgs Unternehmen von Industrie, Handel und Gewerbe - ob sie wollen oder nicht.

Wer interessiert sich schon für 20.000 Kopien von "Philipp" - diesem Online-Marketer aus der Schanze? Und wer weiß schon, wie viele Stapel "Abendblatt für Werber" nach den "Online Marketing Rockstars" in den Papiercontainern von "Otto Dörner" hinter den Messehallen verschwunden sind? Ganz anders heute, hier und jetzt: 'Hamburg hat die gleiche DNA wie das Silicon Valley' titelt die Zwangspostille Hamburger Kaufleute. Wer hätte das gedacht, dass ihn sein Auslandsjahr in Berkeley noch einmal eine Titelgeschichte einbringt - damals, 1995, noch jung und (fast) unschuldig ...

Keiner weiß besser, wie lang, hart und beschwerlich der Weg ist ...

Die Vorhänge sind zugezogen, das Licht gedämmt, die Tür verschlossen. Es werden die schönsten Minuten dieses Abends - nach einem stressigen Tag mit Marketing-Startups, ihren Träumen, Pitchdecks und der Hoffnung, tatsächlich in einem Accelerator groß rauskommen zu können. Keiner weiß besser, wie lang, hart und beschwerlich der Weg ist, als er: Gesprächsleiter für seinen Parteivorstand, Sachverständiger einer regionalen Enquete Kommission, "Top 20 Web 2.0 Pionier", "Top 68 der die Internetwirtschaft bewegt", Social Media Direktor, vor allem aber bloggendes Gewissen seiner Partei. Eigentlich hat doch die Partei immer Recht?!

Der Datenschutz verbietet uns, weiter durch dieses sehr private Schlüsselloch in Winterhude zu schauen. Aber wir sind uns sicher, unser Protagonist erlebt in diesen Minuten eine Explosion voller Anerkennung und Hingebung. Wenns am Schönsten ist, ... Ja, Hamburg ist gut zu seinen Butjes. Diese Stadt, die in ihrer Besonderheit einfach unvergleichlich bleibt. Nicht so vorlaut, so verdreckt und gewöhnlich wie Berlin. Hier weiß man, was gut ist und wer die Stadt bewegt - in Politik und Gesellschaft. Das sieht auch der gebürtige Rostocker Oliver so.

Nein, Hamburg ist für Oliver nicht die digitale Hauptstadt ...

Oliver Rößling von 12min.me (re.) + SQUARE-Macher Uve Samuels (li.)
Foto: HANSEVALLEY

Der Basecap-Boy kann auf die größte Event-Community Deutschlands verweisen. Auch er hat Sendungsbewusstsein, wie unser gleich entspannter Cover-Boy aus Winterhude. Der Eppendorfer Familienvater ist ebenfalls Business Developer, "Maker" und "Leader", wie der Genosse von der anderen Seite der Alster. Dabei ist Oliver fast unhanseatisch dreist: Nein, Hamburg ist für ihn nicht die digitale Hauptstadt, sagt er frech der "Welt". Und legt nach: "Wenn Hamburg internationaler Standort sein will, dann müssen wir uns auch endlich öffnen“ - und zielt auf die Mauer in den Köpfen rund um Binnen- und Außenalster ab.

Wie recht er hat, zeigen die erschrockenen Gesichter bei seinem Event "Caps'n'Collars". Dem Innovationsdirektor der Investitionsbank bleibt fast der Wein des Monopol-Caterers der Kammer im Hals stecken: Berater Joachin Sörgel stellt das "Elbvalley" auf den Kopf: "Wachstum in der Welt bedeutet in Hamburg gar nichts". Der Hafenexperte zeigt mit nackten Fingern auf die schrumpfende Hafenwirtschaft - inkl. "HHLA". Während weltweit erhebliche Investitionen in den Ausbau des wachsenden Containerverkehrs gesteckt würden, habe man sich "im gallischen Dorf" Hamburg "eine Komfortzone zugelegt". Dagegen ist HANSEVALLEY in der Kommunikation ja eine Klosterbruderschaft ...
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Hafenmetropole verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Medienhauptstadt verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Designmetropole verloren? 

Oder anders gefragt:
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Internethauptstadt verloren? 
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Gameshauptstadt verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Fintech-Metropole verloren? 

Warum verliert Hamburg gerade den digital-vernetzten Anschluss unter den deutschen und europäischen Metropolen? 

Liegt es an Mitarbeitern der Wirtschaftsbehörde, die das Thema Digitalisierung - wie ihr Senator betont - stets nach bestem (Ge-)Wissen "vorbeigetrieben" haben? Liegt es an einer "Startup-Unit" mit 2 einsamen Mitarbeitern - aber umso mehr Flugmeilen? Liegt es an 2 "Kindergärtnerinnen" eines privaten Startup-Netzwerks, die versuchen alles wegzubeißen, was nicht nach ihrer Nase tanzt? Liegt es an der "Games-City Hamburg" mit jetzt 3 statt nur 1 Mitarbeiter - um endlich Skat kloppen zu können? Liegt es an Key Accountern der Wirtschaftsförderung, die satt, aber auf jeder Party umso durstiger sind? Oder liegt es an der Biotop-Pflege unter dem Titel "Unser Dorf soll schöner werden" - nachzulesen in den staatlichen "Hamburg News"? 


Visualisierung "Hammerbrooklyn Digital-Campus"
Illustration: Hammerbrooklyn Immobilien

Vielleicht liegt es ja auch am Verschieben eines 50 Mio. €-Grundstücks in "Hammerbrooklyn"? Man weiß es nicht, und ahnt es nur ... Wirtschaftssenator Westhagemann rühmt das unrühmliche Gewerbeimmobilien-Projekt in Hammerbrook vorsorglich als "Stadt der Zukunft". Die 2. Notlösung neben dem "Ersten" wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit - von Logistik-Interview über Grundsteinlegung bis Wirtschaftsvortrag - seine Lieblingsschlagworte 1. Mobilität, 2. Autonomes Fahren, 3. KI und 4. Wasserstoff zu platzieren, ob es passt oder auch öfter mal nicht. Die hanseatische Höflichkeit verbietet es uns, auch nur an "B.llshit-Bingo" zu denken. Passende Apps mit Freitext-Eingaben für die nächste Senatorenrede laden Sie bitte aus den App Stores herunter. *Werbung*

Nein, das tun wir unsern Lesern nicht (mehr) an ...

Wir sparen uns, über den unerschütterlichen Glauben der harmonisch vereinten Hafenwirtschaft zu schreiben, das "Umlaufbaggern" in der Elbe würde Hamburg seinen verdienten Platz in der ersten Reihe der Weltmetropolen (wieder)bringen. Wir ersparen uns Kommentare über eine spaßbefreite SPD, die mal eben 15% Vertrauen verloren hat und um ihre Führungsrolle bangt. Auch die mütterlichen Grünen sind für uns kein Thema, auch wenn sie sich auf Bezirksebene selbst klonen. Und die hoffnungsgeschwängerte CDU mit unermüdlichem Pfeifen im Walde ist auch kein Thema, ebenso wie ihre PR-Show, aus der 15%-Opposition "ganz nah am Wähler" die Regierungsmehrheit zu rocken. Nein, das tun wir unsern Lesern nicht (mehr) an ...

Der Schweizer Karl Golta könnte dem Geheimnis des "gallischen Dorfes" auf die Spur gekommen sein. In einem Gespräch für ein Hamburg Digital Interview antwortet er: "Vielleicht ist es die Kaufmannsdenke". Seit 19 Jahren lebt und arbeitet der Industrie-Designer an der Elbe, stellt die Menschen und ihr Handeln in den Mittelpunkt. Auf Nachfrage erklärt er, dass Kaufleute ein Produkt entwickeln (oder einkaufen), um es dann so oft und so lange wie möglich zu handeln. Der Prozess der Entwicklung ist damit abgeschlossen. Treffer! Die gute alte Krämerseele lebt in echten und zugereisten Hanseaten bis heute anscheinend fort.

Wenn nur die Digitalisierung mit der Notwendigkeit zur Technik nicht wäre ...

Selbst der analoge Vorzeige-Hamburger Karl Lagerfeld gab in einem Interview im Dezember 2017 gegenüber dem Abendblatt unumwunden zu: "Im Grunde bin ich ein Pfeffersack". Und ergänzt, die Stadt sei "wie eine Tapete" in seinem Hirn. Wenn ich heute die Grundschulklassen am Großen Burstah ihre Hamburg-Fragen beantworten sehe, weiß ich, dass es immer so bleiben wird - wie seit 1189, als sich die gar nicht so ehrbaren Pfeffersäcke ihren Zoll-Freihandels-Brief kurzerhand selbst schrieben - inkl. Signatur von König Barbarossa. Wenn heute nur diese dumme Digitalisierung mit dieser hässlichen Notwendigkeit zur Technik nicht wäre, diese Transformation mit dem Zwang sich anzupassen und dieser Kulturwandel, der uns Hanseaten so gar nicht gut tut ...

In einer illustren Runde von Wirtschaftsförderern aus Hamburg und der Welt bekomme ich an einem lauen Sommerabend eine weitere Bestätigung: Menschen, Städte und Länder, die wenig oder nichts haben, müssen innovativ sein, um etwas zu erreichen. Menschen, Städte und Länder, die alles haben, denken, sie müssen sich nicht bewegen. Das geht solange gut, bis die Hungrigen, die Zielstrebigen, die Kreativen an ihnen vorbei ziehen und die nächste Runde des Geschäfts übernehmen. Bis dahin klebt man in Hamburg den Begriff "Next" gern auf alles, was wenig bis gar nicht innovativ ist. Und da alle - von Sparkasse bis Marketing-Inkubator - mitmachen, fällt es fast gar nicht auf.

Vielleicht sollten wir die Berliner zurück in ihren ostdeutschen Slum schicken ...

Vielleicht sollten wir einen weiteren Preis neben 4.685 Ehrungen in Rathaus und Bezirken einführen - wenn uns schon niemand da draußen versteht. Vielleicht sollten wir auch die Berliner bei Hochbahn, TU Tech oder Uni Hamburg zurück in ihren ostdeutschen Slum schicken?! Denn das berüchtigte "Berlin-Hamburg-Ding" darf einfach nicht fehlen, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Und vielleicht sollten wir auch gleich eine neue Mauer bauen, nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch gegenüber "Nord-Italien" aka "Nord-Afrika"?! Vielleicht sollten wir weiterhin unsere Kaffeesäcke zählen und hoffen, dass die Welt um uns herum nicht mitbekommt, dass wir einem drittklassigen Hafen an einem verschlickten Fluss 6 Stunden Frachterfahrt hinter der Deutschen Bucht huldigen. 

Hier in Winterhude ist die Welt noch in Ordnung und die 80 Blatt dreifach saugfähigem "Budni"-Zellstoff in besten Händen. Ach, wäre doch ganz Hamburg so kuschelig - und nicht so gierig, wie die Bauträger in "Hammerbrooklyn", so unverschämt, wie die Subventationsritter in Harburg und so unverblümt, wie diese Digital-Blogger. Ach wäre die Welt doch schön ohne Subventionen, Skandale und zum Himmel schreiende Schiebereien. Wie gut, dass es diesen einen Moment gibt, wo er sich über alles selbst liebt - unser Cover-Boy in Baby-Blau. Und Morgen dreht sich wieder alles um dieses Internet und diese verdammten 12% Wählerschaft, die einem den Spaß am Spaß verderben können ...

Autor: Thomas Keup

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag entspricht nicht unbedingt der Meinung der Redaktion.

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

HANSESTATEMENT: 
Hamburg Innovation, Hamburg Future, Hamburg What?
hansevalley.de/2019/06/hansestatement-hamburg-innovation-future-something.html


HANSESTATEMENT:
Digitalisierung? Kein Thema mehr für die Hamburger CDU?
hansevalley.de/2019/06/hansestatement-cdu-ovens.html

HANSESTATEMENT:
"Future Hamburg" - ein büschen gestern ... noch morgen.

Mittwoch, 25. April 2018

HANSESTATEMENT: "Future Hamburg" - ein büschen gestern ... noch morgen.

HAMBURG DIGITAL STATEMENT

Zum "kraftvollen" Messeauftritt von Hamburg Invest auf der Hannover Messe hat Hamburg Marketing sein neues Content Marketing Portal "Future Hamburg" freigeschaltet. Seit rd. einem halben Jahr wird an Videos, Geschichten und einem Portal gebastelt, das Hamburg von seiner innovativen Seite präsentieren soll. 


Digitalisierung ist nur Glasfaser für Privathaushalte.
Foto: Groman123@Flickr

Herausgekommen ist ein klassisches Hamburg Marketing-Portal im klassischen Hamburg Design mit klassischen Hamburg Marketing-News, bekannten Harburger Subventionsrittern und ihren Startups. Dazu ein funkelnagelneuer Imagefilm mit viel Beat. Beat. Beat. - und Elphi, und Speicherstadt, und Hafen, und Schiffssirene. Ein schonungsloses Hamburg Digital Statement:



Jetzt geht's los: Beat. Beat. Beat. Schwarzer Background. Weisse Tagline. This is Hamburg. We are Innovation. Da geht was - denkt man. Ok, Elphi muss sein. Speicherstadt for ever. Tradition meets Innovation. Passt! Und dann das: Nivea Creme, Tesa Film und Hansaplast. Autsch! Jetzt rutscht's ab: Eis am Stiel. Schwimmflossen. Hamburg zeigt, was es kann. Naaa jaaa...

Innovatoren, die Hamburg lieben. Beiersdorf? Waren das die mit der Mauermentalität? Der Spiegel? Gerade suuuper erfolgreich mit seinem Digital-Modell... Deutsche Bahn? Die Mindbox steht immer noch in Berlin... HHLA? Altenwerder ist 18 Jahre alt... Philips? Was ist an einem Coworking innovativ... Wollen wir mal heute nicht so sein. Beat. Beat. Beat.

"Future Hamburg": Growth, Erde, Pflanzen, fader Gag.

Bei 107.542 Innovatoren wird nicht mehr mitgezählt. Zu großzügig. Was braucht es wirklich: Eine Idee - ok. Einen Erfinder - fein. Einen Gründer - passt. Eine Unternehmerin - wir sind ja politisch korrekt. Und dann der Gag: Growth, Erde, Pflanzen, falscher Film. Wir haben alle fast gelacht... Und dieses geistreiche Gesabbel in Text ... Aber jetzt: Beat. Beat. Beat.

Orte zum Wachsen: TU Harburg - mal schauen. TuTech-Haus? Wie bitte? Die Pleitegeier hinterm Fußgängertunnel mit ihren Wuchterpreisen? Viel Spaß in Harburg! Zurück in Hamburg: Hochbahn? Yepp. Hamburg Messe? Wenn's sein muss. DESY? Klar. Und wieder Elphi. Diesmal XFEL: 21, 22, 23 - das geht noch ein bisschen lääänger. Beat. Beat. Beat.

"Future Hamburg": Hamburg Tourismus wollte auch mal...

Jetzt driftets ab: New York Times: Eine der schönsten Hafenstädte Europas. Övelgönne, U-Bahnhof Hafencity Universität, Magellan-Terassen, ein bisschen Schanze, ein paar Styler. Sind wir im falschen Film? Hamburg Tourismus wollte auch mitspielen ;-) Is' ja alles ein Laden... Wir kommen zum Höhepunkt: Beat. Beat. Beat.

Wir sind Innovationen. Lighthouse-Projekt? Cap San Diego an den Landungsbrücken? Das nennt man Text-Bild-Schere... Und dann das Highlight: Das Polizeifoto aus dem Hubschrauber. We are Hamburg. Are we Innovation? Abbinder. Logo. Schiffssirene. Das ist sooo Hamburch. Das ist so 800 Jahre das Gleiche. Beat. Beat. Beat. Und aus!

Mal ehrlich:

Wo ist die faszinierende 360-Grad-Drohne von Spice VR? Wo ist die lebensrettende AR-Brille von Apoqlar? Wo ist die Spitzenforschung des UKE? Wo ist die zukunftsweisende 5G-Technologie im Hafen? Welcher Dorfredakteur hat hier tief und fest gepennt? Es geht um Menschen, Bilder, Emotionen - nicht um China-Frachter im Hafen.

Ist dieser Film faszinierend? Ist er reizvoll? Ist er mutig? Ist er 'Wir können cool wie Berlin'? Hamburg Marketing macht, was es immer macht: ein büschen gestern noch morgen. Vielleicht erklärt das, warum "Future Hamburg" auf dem toootaaal bekannten Vimeo läuft - und nicht auf YouTube, diesem komischen Google-Dingens.

Mein Tipp: Von Berlin lernen, heißt Promotion lernen. Alles andere endet mit den größten Hits der 70er, 80er und 90er -. bei Hansaplast Pflaster, Nivea Creme und Tesa Film. Aber das hatten wir schon ... In diesem Sinne: Strittmatter - setzen, Sechs! Und jetzt lernen, wie man sich als Wissenschaftsmetropole vermarktet. Los gehts:



Für alle, die lieber "Beat. Beat. Beat." wollen - auch das nur geklaut und kommt aus Berlin:



 Hamburg Digital Views: 

HANSESTATEMENT:
Hamburg - die Möchtegern-Hauptstadt der Besitzstandswahrer:

http://hh.hansevalley.de/2018/04/hansestatement-besitzstandswahrer.html

HANSERANKING: 
Die Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft:

 Hamburg Digital Background: 

"Future Hamburg" von Hamburg Marketing:
www.future.hamburg

"Braincity Berlin" von Berlin Partner:
https://braincity.berlin/

Mittwoch, 27. September 2017

HANSESTATEMENT: Hamburg, #daswarsmitmedien, oder?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

Am Donnerstag öffnet im traditionsreichen Kehrwieder-Theater zum mittlerweile 9. Mal das "Scoopcamp" seine Pforten. Die laut Eigenwerbung "Innovationskonferenz für Medien" diskutiert in diesem Jahr digitale Konzepte von fernen Kontinenten - aus Florida und Nigeria. Außerdem auf der Tagesordnung: eine "digitale Sozialreportage", Design Thinking bei "Zeit Online"und ein Medien-Prototyping, das den "gesamten öffentlichen Raum" umfassen soll. 


HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup
Foto: Stefan Kney
Sind Design Thinking, Prototyping und Sozialreportage geeignete Lösungsansätze für die in der Sturmflut befindliche Medienbranche Hamburgs? Werden interkultureller Austausch und trendige Kreativtechniken Hamburgs Blattmacher der Morgenpost wieder in Lohn und Brot bringen? Wie ist es bestellt um Arbeitsplätze und Standortpolitik in der einstigen Medienhauptstadt Deutschlands. Ein Hamburg Digital Statement:

Vor einem Jahr hörte ich Carsten Brosda auf dem "Scoopcamp" zum ersten Mal. Damals war mein Gedanke: Endlich ein Politiker, der die Medienbranche versteht und Klartext spricht. Endlich ein Praktiker, der die Leitbranche mit Rat und Tat unterstützt. Mit Weggang engagierter Mitarbeiter und dem Umzug des Medienamtes ist es schläfrig geworden in der Hamburgischen Medienförderung.

Ein Jahr, einen schmutzigen Shitstorm und einen häßlichen Hatespeech Hamburger Szene-Protagonist*innen später, komme ich zu dem Ergebnis: an der Elbe wird in Sachen Medien offensichtlich nur mit lauwarmem Wasser gekocht. 'The same procedure as every year' lautet offensichtlich die Devise in der kleinen Welt der "Next Media", finanzierter "Moonshot"-Konferenzen, "Leitevents" und Citylight-Poster. Im Gegenzug dazu sah ich in den vergangenen drei Monaten gleich drei "Medienflöcke", die nicht in Hamburg "eingeschlagen" wurden:

"Führende Publizistische Marke" in der digitalen Welt
  • Am 26. Juni d. J. eröffnete das Nachrichten-Portal "T-Online" mit 45 Redakteuren seinen neuen, zentralen Newsroom in ... der Torstraße, Berlin-Mitte. Das zum Werbevermarkter "Ströer" gehörende, mit 4.000 öffentlichen Videobildschirmen und 47 Millionen Nutzern pro Monat deutschlandweit reichweitenstärkste Portal soll zur "führenden publizistischen Marke" in der digitalen Welt ausgebaut werden. Flock 1.
Technologie-Showcase für die „Neue Welt des Arbeitens“
  • Am 31. Juli d. J. eröffnete der Software-Riese "Microsoft" mit über 70 Redakteuren zusammen mit der Content Marketing Agentur "C3" für die Online-Nachrichten-Marken "Bing, "Edge" und "MSN" seinen neuen, internationalen Newsroom in ... der Spandauer Straße, Berlin-Mitte. Für Microsoft ist der internationale Standort zugleich "Technologie-Showcase für die neue Welt des Arbeitens". Flock 2.
Europas größtes YouTuber-Festival mehr als 20.000 Besuchern
  • Am 24. und 25. August d. J. trafen mehr als 10.000 Fans der Generation "Z" aus ganz Deutschland auf 500 geladene YouTube-Stars mit zusammen mehr als 100 Mio. Fans ... in der Lanxess-Arena, Köln. Die "VideoDays" finden ihre Fortsetzung am 9. und 10. Dezember d. J. in ... der Mercedes-Benz Arena, Berlin. Flock 3.

Nextmedia-Studie bestätigt: Berlin ist Medienstandort Nr. 1

Die aktuelle Studie der Medieninitiative "Nextmedia Hamburg" zusammen mit dem Business-Netzwerk "Xing" bestätigt: Berlin ist der führende Medienstandort Deutschlands. Die meisten "Media Worker" sind an der Spree zu Hause. Mit 64.000 Journalisten und Kommunikateuren, Marketern und Kreativen liegt die Spreemetropole deutlich vor Hamburg mit 53.000 Medienschaffenden und München mit 50.000 Profis.

Mehr als 443.000 von insgesamt rd. 528.000 Medienschaffenden arbeiten laut Xing-Profiauswertung heute in klassischen Medien und Redaktionen - ein Anstieg von 18.000 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Ein Sechstel bzw. 84.000 arbeiten außerhalb von Medien und PR sowie Marketing und Kreation, vornehmlich in Internet- und IT-Unternehmen. Die Medien-, PR-, Marketing- und Werbebranche wächst.

Die Schlüsselfrage lautet:

Warum profitiert vor allem Berlin von neuen, digitalen Medienangeboten - wie dem "Microsoft"-Newsroom, dem "T-Online"-Newsroom und den "VideoDays"? 

Oder andersrum gefragt:

Warum schafft es Hamburg nicht, neue, digitale Medienangebote an die Elbe zu holen? Warum verliert unsere Stadt weiterhin an Boden gegenüber Berlin?

"Friends & Family"-Videos mit durchweg 2-stelligen Abrufraten 

Ein Blick von außen auf die Hamburger Szene schafft Klarheit: Schaue ich auf Plakate, Publikationen und Events von "Nextmedia Hamburg", sehe ich vornehmlich die gleichen Gesichter: einen "DPA"-Chefdigitalisierer, eine "NMA"-Vorzeigefrau, einen "OMR"-Frontmann, eine "Xing"-Chefredakteurin und einen "12min"-Co-Founder. Fast alle genannten Protagonist*innen profitieren von der Hamburger Medienförderung. Aber sind sie es auch, die Hamburgs gewaltige Medienbranche bewegen?

Bei allem Respekt vor der Arbeit der Medien- und Techmacher sowie vor Carsten Brosda: Wo sind die Innovatoren der laut Hamburg Marketing mehr als 3.000 Presse- und Rundfunkhäuser an Alster und Elbe? Wo sind die Innovationen der Zeitungs-, Zeitschriften-, Buch- und Fachverlage? In den "Friends & Family"-Filmchen mit Abrufraten im durchweg unteren zweistelligen Bereich jedenfalls nicht. Die Relevanz der kostspieligen Videos gleicht einem Versagen der beauftragten Agentur.

Medien in Florida und Nigeria - oder Hafencity und Neustadt?

Wo sind die Macher der digitalen Medienangebote im Social Web, wie "YouTube"? Warum lassen Medienamt und Medieninitiative die Veranwortlichen nach Berlin und Köln ziehen, um dort mit jeweils 500 Social Media Stars die nächste echte digitale Party zu feiern? Warum finden die "VideoDays" nicht in der "Hamburg Messe" statt? Ein Verweis auf das - wie der Name schon sagt - Marketing-Festival "OMR" ist an dieser Stelle nur bedingt geeignet.

Klar ist: Medientechnologien, wie Augmented- und Virtual Reality (gefördert durch "NextReality Hamburg") sowie Gamestechnologien (gefördert durch "Gamecity Hamburg") werden den Medienstandort nach vorn bringen. Allein der Carlsen-Verlag hat mehr als 20 interaktive Bücher mit AR-App herausgebracht - entwickelt seit 2015, vorgestellt am Dienstag-Abend in der Hamburg Digital Community NEXTHANSE. Unterstützung und Anerkennung der staatlichen Medienförderer für diese Medieninnovation? Nicht vorhanden ...

Diskussionen und Preisverleihungen zu Digitalprojekten in Florida oder Nigeria werden keinen einzigen neuen Arbeitsplatz zwischen Hafencity und Neustadt schaffen und den gefeuerten Mopo-Redakteuen wieder eine Chance auf ein sicheres Einkommen ermöglichen. Kein Medienjob in einem der 2.100 Verlage und rd. 1.000 Hörfunk-, Fernseh- und Produktionsstudios wird durch "Reisen in ferne Länder" gesichert. Das kuschlige Scoopcamp macht eher den Eindruck einer Filterblase gut genährter Profiteure.

"Kleingeistig wirkendes Verhalten und provinzielle Haltung"

Es mag sein, dass es an Alster und Elbe bislang nicht schicklich war, offensichtliche Missstände anzusprechen. Als Medienmacher mit mehr als 25 Jahren journalistischem Background und 19 Jahren kommunikativen Erfahrungen tut es mir jedoch leid zu sehen, wie die einstige Medienhauptstadt nach dem Aderlass durch "Axel Springer", "DPA" und "Studio Hamburg" auch digital massiv an Boden zu verlieren droht. Und ein Ende ist bis heute nicht in Sicht.

Diskussionswürdig dürfte auch das kleingeistige Verhalten der Veranstalter von "Next", "OMR", "Scoopcamp" oder "Voccer" sein. Fadenscheinige Argumente, um nicht hofberichterstattende Medien vor der Tür stehen zu lassen, zeigen das wahre Gesicht subventionierter Medien- und Marketingevents, ihrer Agenturen und die zutiefst provinzielle Haltung. Das ist weder Weltstadt, noch Tor zu Welt. Das ist unter dem Niveau der liberalen Hansestadt. Aber Liberalität endet für einige Spezialisten bekanntlich bei der eigenen Meinung.

"Beliebteste deutsche Medienstadt": das 'Pfeiffen im Walde'?

Die jüngsten Beispiele von neuen, digitalen Medienangeboten in Berlin zeigen mir, dass es den Verantwortlichen im Amt Medien trotz millionenschwerer Etats bislang nicht gelungen ist, überzeugende Konzepte zu entwickeln, dem Medienstandort von Rudolf Augstein, Gerd Bucerius, John Jahr und Axel Springer neues, digitales Leben einzuhauchen - fernab von US-Internetgrößen und Marketingplayern. Die Promotion um den "beliebtesten Medienstandort" erinnert mich an das berüchtigte 'Pfeiffen im Walde'.

Ohne Medien ist Marketing nur Reklame ohne Wert. Das haben die Verantwortlichen von "Facebook" und "Google" auf der "Dmexco" mehr als einmal betont. Oder wie es "Mr. Media" Thomas Koch auf den Punkt bringt: "Ohne Haltung ist Content nur noch mehr Müll auf der Werbehalde." Die "beliebteste deutsche Medienstadt" sollte sich bewusst werden, 1. woher sie kommt, 2. wofür sie wirklich steht und 3. wohin sie will. Sind Marketing-Krawall, Startup-Durchlauferhitzer und "Friends & Famliy"-Filmchen eine wirkungsvolle Förderung des Medienstandorts Hamburg? 

Hamburgs Medienszene an "Tag 2", gefangen im Stillstand?

Das Thema Tech hat der "MediaTech Hub Potsdam" besetzt - in Tradition von Albert Einstein und Hasso Plattner, mit Studio Babelsberg vor den Toren der Medienhauptstadt Berlin. Das Thema Startup-Support hat die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf auf die Tagesordnung gesetzt: 1.000,- € pro Monat über 1 Jahr für 1.000 Startups, um den Gründerstandort NRW einschl. der Medienstadt Köln zu fördern. Einzig die branchenübergreifende Zusammenarbeit von Kreativwirtschaft und traditionellen Branchen scheint ein Lichtblick mit Potenzial zu sein - entwickelt von der Kreativgesellschaft. 

Ist Hamburg noch in der Vitalität von "Tag 1", wie es Jeff Bezos fordert, besessen von Kunden, skeptisch gegenüber Lösungen im Schneckentempo, eifrig bei der Aufnahme neuer Trends und schnell beim Finden von Entscheidungen? Oder ist die Medienszene schon an "Tag 2", gefangen im Stillstand, gefolgt von Irrelevanz und einem qualvollem Niedergang? Die Tatsachen rund um "Microsoft", "T-Online" und "VideoDays" sowie die sinnfreien Abwehrgefechte lokaler "Medienprominenz" lassen nichts Gutes ahnen.

Hinweise, Anregungen und Kritik zum Hamburg Digital Statement sind herzlich willkommen unter hamburg@hansevalley.de.

* * *

 Hamburg Digital Background: 

Eröffnung des "T-Online"-Newsroom in Berlin
www.t-online.de/finanzen/boerse/news/id_81517664/eroeffnungsfeier-in-berlin-neuer-newsroom-fuer-t-online-de.html

Eröffnung des "Microsoft"-Newsroom in Berlin
https://news.microsoft.com/de-de/microsoft-startet-internationalen-newsroom-mit-c3-in-berlin/

Eröffnung der "VideoDays" 2017 in Köln
www.rp-online.de/nrw/staedte/koeln/videodays-2017-in-koeln-tausende-fans-treffen-youtube-idole-aid-1.7032650

 Hamburg Digital Statements: 

Wirtschaftscluster + Koordination:
HANSESTATEMENT: Ein digitaler Lotse auf der Hamburger Brücke.

Wirtschaftshauptstadt + Startupcity:
HANSESTATEMENT: Perspektiven für Erwachsene in der digitalen Hansestadt.


Mittwoch, 16. August 2017

HANSESPECIAL: Single trifft Affäre - unser ultimativer Hamburg-Berlin-Vergleich.

Ein wenig neidisch schauen die Hamburger Pfeffersäcke schon auf das Berliner Partyvolk: Die deutsche Hauptstadt feiert sich als Weltmetropole, da kann die schönste Stadt der Welt nur grummeln. Berlin, die "verhängnisvolle Affäre" klaut Hamburg, dem "langjährigen Single" regelmmäßig die Show. 

So bleibt Hamburg die norddeutsche Handelsmetropole an der Elbe und Berlin die ostdeutsche Politikmetropole an der Spree - zwei Städte, die im direkten Vergleich ihre ganz eigenen Stärken und Schwächen haben. Wir haben in Hamburg recherchiert und in Berlin geschrieben. Ein HANSESPECIAL, das nicht jedem schmecken wird.


 Der HANSEVALLEY STÄDTEVERGLEICH

ÜBERSICHT
BERLIN (B)
HAMBURG (HH)
Bevölkerung
rd. 3,5 Mio. Einwohner
rd. 1,8 Mio. Einwohner
Größe
rd. 882 qkm an der Spree
rd. 755 qkm an der Elbe
Symbol - alt
Quadriga: “Retourkutsche”
Michaeliskirche: “Michel”
Symbol - neu
Stadtschloss (ab 09.2019)
Elbphilharmonie (ab 01.2017)
Spitzname positiv
“Metropole”
“Perle”
Spitzname negativ
“Failed City”
“Second City”
Prägung
französisch + bömisch
angelsächsisch + dänisch
Leitfarbe
Rot
Blau



REGION
BERLIN
HAMBURG
Nachbar
Potsdam
Lüneburg
Wirtschaftsregion
Hauptstadtregion
Berlin-Brandenburg
Metropolregion
Hamburg
Klimazone
Kontinentalklima
Maritimes Klima
Witterung
trocken / heiß+kalt
feucht / gemäßigt
Naherholung
Spreewald + Usedom
Sylt + Timmendorfer Strand
Nachbarland
Brandenburg
Schleswig-Holstein
Nachbarschaft
“Pampa” (Brandenburg)
“Norditalien” (südlich Elbe)



EINORDNUNG
BERLIN
HAMBURG
Lage
Ostdeutschland
Norddeutschland
Ausrichtung
Ost-West-Handelsroute
Nord-Süd-Handelsroute
Sparringsstadt
Köln
Münster
Internationale Partner
Warschau + Moskau
Amsterdam + Kopenhagen



HISTORIE
BERLIN
HAMBURG
Gründung
1237 (Cöllner Spreeinsel)
832 (Hammaburg)
Ursprünge
Berlin + Cölln
Hammaburg + Altona
Ursprünglicher Zweck
Handelsstadt
Handelsstadt
Verankerung
Preußische Residenzstadt
Hanseatische Handelsstadt
Besetzer
Napoleon (1806)
Wikinger (845)
Religion
protestantisch
protestantisch



VERMARKTUNG
BERLIN
HAMBURG
Definition
Hauptstadt Berlin
Freie und
Hansestadt Hamburg
Symbol
Berliner Bär mit Krone
Burg mit Stadttor und Dom
Funktion
Deutsche Hauptstadt
Internationale Handelsstadt
Selbstverständnis
“Weltstadt”
“Tor zur Welt”
Leitthema
Politik (national + international)
Wirtschaft (national + international)
Internationalität
100+ Botschaften
100+ Konsulate



TOURISMUS
BERLIN
HAMBURG
Besucher/Nächte
12,7 Mio./30 Mio.
6,6 Mio./13 Mio.
Touristenmagnet
Berliner Mauer (seit 1990)
Elbphilharmonie (seit 2017)
Wachstumsfaktor
Wochenendtourismus
Kreuzfahrttourismus
Wahrzeichen
Brandenburger Tor
Elbphilharmonie
Touristenzentren
Pariser Platz/Unter den Linden
Hafencity/Jungfernstieg
Gute Stube
Gendarmenmarkt (Mitte)
Jungfernstieg (Binnenalster)
Schmuddelecke
Kurfürstenstraße (Schöneberg)
Reeperbahn (St. Pauli)
No-Go-Area
Kottbusser Tor
Mümmelmannsberg



KULTUR
BERLIN
HAMBURG
Leitkultur
Unterhaltung
Geschäftssinn
Slogan
“The place to be”
“Glaube, Liebe, Hoffnung”
Grundprinzip
Overselling
Understatement
Grundverhalten
unverbindlich
verlässlich
Geschwindigkeit
hektisch
entschleunigt
Problemstellung
Oberflächlichkeit
Verschlossenheit
Synonym
“Eine verhängnisvolle Affäre”
“Zu lange Single”



GESELLSCHAFT
BERLIN
HAMBURG
Bevölkerung
Arbeitermilieu
Angestelltenmilieu
Leitbild
“Herz & Schnauze”
“Wat mutt, dat mutt”
Kaufkraft/Einwohner
rd. 20.000,- €/Kopf (=91%)
rd. 24.000,- €/Kopf (=110%)
Glücksfaktor (Glücksatlas)
16 von 19
6 von 19
Un-/Glücksfaktoren
Gesundheit (-),
Einkommen (-)
Einkommen (+), Miete (-)
Naherholungszentren
Wannsee, Müggelsee, Tiergarten
Alster, Elbe, Stadtpark
Partyviertel Nr. 1
Revaler Straße (Friedrichshain)
Reeperbahn (St. Pauli)



POLITIK
BERLIN
HAMBURG
Stadtoberhaupt
Regierender Bürgermeister
Erster Bürgermeister
Status Quo
partikular
(keine Großpartei)
bürgerlich
Hauptproblem
Wirtschaftskraft
Wohnraum
Sozialer Friede
gestört
erhalten
Bauskandal
Großflughafen
Elbphilharmonie
Gescheiterte Projekte
Olympiabewerbung
Olympiabewerbung



WIRTSCHAFT
BERLIN
HAMBURG
Schwerpunkt
Kleingewerbe
Mittelstand
Sinnbild
“Hipster”
“Pfeffersäcke”
Top-Branchen (MA)
Gesundheit, Verkehr
Luftfahrt, Gesundheit, Handel
Kreativ-Branchen
Kultur, Mode
Design, Kommunikation
Pluspunkt individuell
Internationalität
Lebensqualität
Pluspunkt wirtschaftlich
Lebenshaltungskosten
Infrastruktur
Mentalität
“Abzocke”
“Sturheit”
Leitkultur
“Ich nehme, damit Du gibst”
“Ich gebe, damit Du gibst”



STARTUPS
BERLIN
HAMBURG
Digitales
“German Lab”
“Gateway to Market”
Tech-Startups
rd. 620 Startups (IFSE)
rd. 590 Startups (Monitor)
Mitarbeiter
rd. 13.200 (IFSE)
rd. 5.700 (Monitor)
Unicorns
(Wert 1+ Mrd. USD)
Auto1, Delivery Hero, Home24, SoundCloud, Zalando
keine
Top-Themen
B2C, Mobile, Commerce
Commerce, Logistics, Media
Corporate-Programme
90+ (Eigenrecherche)
70+ (Eigenrecherche)
Mittelpunkt
Rosenthaler Platz
Rödingsmarkt



Be Berlin - in der weltoffenen Metropole.

Visit Berlin - die Tourismus-Agentur der Hauptstadt - präsentiert das Lebensgefühl der Spreemetropole mit schnellen Beats, historischen Statements und harten Schnitten in einem Spannungsbogen von Historie und Politik bis zu Kultur und Party. Das Motto: "The place to be."



Hamburg Ahoi - in der schönsten Stadt der Welt.

Hamburg Marketing - die Marketing-Agentur der Hansestadt - präsentiert das Lebensgefühl der Elbmetropole mit ruhigen Beats, poetischen Worten und atmosphärischen Bildern in einem Spannungsbogen von Hafen und Luftfahrt bis zu Lebensqualität und Alternativen. Das Motto: "Leben, Lieben, Hamburg."



(c) HANSEVALLEY - Das Hamburg Digital Magazin. Redaktion: Thomas Keup, Stand: August 2017
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Quellen: wikipedia.org, berlin.de, hamburg.de, Eigenrecherche u. a.
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