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Donnerstag, 20. Februar 2020

HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE
- Teil 5 Digitalisierung und Stadtleben -

Panoramablick vom Atlantic-Haus in Altona auf Neustadt und Altstadt.
Foto: HANSEVALLEY

"Es ist nicht immer entscheidend, die Ist-Situation zu beschreiben. Wir brauchen die Transformation einer Metropole wie Hamburg."

Marcus Weinberg, Spitzenkandidat der CDU Hamburg,
Neujahrsempfang Wirtschaftsrat Hamburg, 19.02.2020

Mehr als 1,8 Millionen Einwohner, rd. 100.000 Zuzüge im Jahr, Tendenz für die Metropole: 2,0 Millionen Menschen. Dazu 3,5 Millionen Bewohner in der Metropolregion. 40% aller Einwohner Schleswig-Holsteins leben im direkten Einzugsbereich. Die "schönste Stadt der Welt" ist Magnet für junge Menschen mit Zukunftswünschen, die Metropole im Norden mit 42 Jahren Durchschnittsalter eine junge Großstadt mit hoher Geburtenrate.

330.000 Pendler täglich, 69% Mitarbeiter in KMU's. Mehr als 186.000 Beschäftigte in der größten Branche Gesundheitswirtschaft, 156.000 Arbeitsplätze rund um den Hafen. Dazu 75.000 Beschäftigte in Verwaltung, Betrieben und Beteiligungen des größten Arbeitgebers, der Freien und Hansestadt. Finanzen, Dienstleistungen und Immobilien sind mit rd. 31 Mrd. € größter Wirtschaftssektor, gefolgt von Handel, Verkehr, Gastronomie und IT mit rd. 30 Mrd. € Wertschöpfung. 

Doch Hamburg rutscht ab: Die Wertschöpfung - nur knapp über dem Jahr 2010. Was macht der Senat für die Zukunft der Hansestadt? Was fordert die Opposition an Maßnahmen für die Zukunft der Stadt? Wir haben die Parteien in der Bürgerschaft zu ihren digitalen Positionen und Visionen befragt. Auf der Tagesordnung: die 5 digitalen Top-Themen 1. Wirtschaft, 2. Wissenschaft, 3. Bildung, 4. Verwaltung und 5. Stadtleben. Heute: Die stadtpolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020:


 Hamburg Digital Wahlprüfsteine 
Digitalisierung und Stadtleben

Auf 23 Kilometern sollen zum ITS-Weltkongress im Oktober 2021 S-Bahnen auf der Linie 21 zwischen Berliner Tor und Bergedorf auf digitalisierten Schienen vollautomatisch verkehren. Alle 91 U-Bahnhöfe, 68 S-Bahnhöfe und rd. 1.000 Hochbahn-Busse bekommen kostenloses WLAN von Mobyklick. Bis 2025 soll die Hansestadt flächendeckend von Kupfer- auf Glasfaser-Verbindungen hochgerüstet werden. Die Digitalisierung hat Einzug gehalten Bergedorf und Blankenese.

1. Thema Digitale Services

Welche Service-Apps der Senatsbehörden halten Sie für sinnvoll und wo wirft die Landesregierung aus Prestigegründen Geld zum Fenster raus?

SPD Hamburg (2015: 59 Abgeordnete): "Hamburg- und Themen-Apps"

Es ist sehr zu begrüßen, dass über die „Hamburg-App“ ein zentraler Zugang zu den vielfältigen digitalen Angeboten der Stadt geschaffen ist, beispielsweise den Melde-Michel oder den Behördenfinder und weiteren Online-Services, wie etwa die Online-Terminvergabe für die Hamburger Kundenzentren oder die HVV-App. Viele weitere informative Dienstleistungen ergänzen dieses Angebot, wobei die jeweilige Bedeutung stets anlassbezogen vom aktuellen individuellen Bedarf der jeweiligen Nutzer abhängt. 

So hilft etwa die App „Zero-Waste-Map“ umweltbewussten Bürgerinnen und Bürgern bei der Müllvermeidung und die App „Stadtreinigung Hamburg“ bietet die Möglichkeit, Verschmutzungen in der Stadt einfach per Foto der Stadtreinigung zu melden, sodass die Sauberkeit der Stadt schnell erhöht werden kann.

CDU Hamburg (2015: 20 Abgeordnete): "Fragwürdiger Mut zur Lücke"

Das Hamburger Autobahnnetz ist stark ausgelastet und stellt die Verkehrsteilnehmer täglich vor immense Herausforderungen. Die App „A7-Nord“ hilft den Autofahrern, diese Herausforderung zu meistern. Beim „Dauernervthema Baustellen“ beweist der Senat hingegen einen fragwürdigen Mut zur Lücke und stemmt sich seit Jahren gegen eine von der CDU vorgeschlagene Service-App zu Straßenbaumaßnahmen in Hamburg. Gleiches gilt bspw. für eine App zur automatisierten Erkennung und Meldung von Schlaglöchern oder eine Anwendung, die die Verfügbarkeit von Ladezonen für Lkw und Kleintransporter in Echtzeit anzeigt.


GRÜNE Hamburg (2015: 15 Abgeordnete): "Erfolgreiche Hamburg-Apps"

Die Hamburg-App bietet den Hamburgerinnen und Hamburgern bereits einige handfeste Vorteile: mit dem Behördenfinder lässt sich nicht nur die zuständige Behörde bzw. Dienststelle für den vorliegenden Verwaltungsfall, sondern auch gleich Öffnungszeiten, Unterlagen und sogar die aktuellen Wartezeiten finden. Wichtig ist uns aber in dieser Frage auch, neben dem Digitalen weitere Angebote für die Bürgerinnen und Bürger nicht außer Acht zu lassen. 

Wir wollen daher die Behördennummer 115 weiterhin bekannter machen und verbessern.  Und auch die beiden Apps der Hamburger Stadtreinigung sind wirksam: mit der "sauberen App" lassen sich unter anderem Verdreckungen in der Stadt melden, die dann beseitigt werden, die „Zero Waste Map“ hilft bei Müllvermeidung.

LINKE Hamburg (2015: 11 Abgeordnete): "Nachrangige Apps mit Inseldasein"

Es gibt eine Reihe von Apps, deren Nutzergruppe eher beschränkt ist oder deren Sinnhaftigkeit im Meer der Apps auf den Mobilgeräten eher nachrangig erscheint. Hinzu kommt, dass die größere Zahl der Apps ein sehr spezielles Inseldasein führt und damit eine auch nur sehr beschränkte Verbreitung hat. 

Das Beispiel einer guten App liefert die Stadtreinigung mit der App "Stadtreinigung Hamburg", durch die vor allem Vermüllungen in der Stadt schnell und problemlos gemeldet werden können. Aber auch hier ist zu hinterfragen, ob man auf der Suche nach öffentlichen Toiletten auf die Idee kommt, dies in der App der Stadtreinigung zu tun.

Währenddessen ist die "Zero Waste Map"-App eher ein erzieherisches Programm. Beides hat aber durchaus seinen Sinn. Man sollte aber hinterfragen, was eine Hamburg-App, in der man die Reden des Bürgermeisters abrufen kann, nun wirklich darstellen soll. Je zielgerichteter der Zweck einer App ist, desto besser wird sie in den Alltag integriert werden.

FDP Hamburg (2015: 9 Abgeordnete): "Licht und Schatten bei App-Angeboten"

Zählstationen des Fahrradzählnetzes sind eher der Kategorie „Marketing‐Gag“ des rot-grünen Senats zuzurechnen als dass sie einen echten Mehrwert generieren. Im Bereich der Software‐Projekte gab es in der Vergangenheit auch einige „digitale Elbphilharmonien“; bspw. die neue Personalsoftware, bei der dem rot‐grünen Senat das Projektbudget derart aus dem Ruder gelaufen ist, dass am Ende ein knapp dreistelliger Millionenbetrag zu Buche schlägt. Das Geld fehlt nun teilweise bei andere Vorhaben.

Ein sinnvolles Alltagsbeispiel für die Hamburgerinnen und Hamburger ist der Melde‐Michel, der de facto auf einen Vorschlag zurückgeht, den wir Liberale bereits in der vergangenen Wahlperiode eingebracht hatten (vgl. Drs. 20/10125). Bürgerinnen und Bürger können damit der Verwaltung überquellende Mülleimer, defekte Straßenlaternen oder kaputte Radwege und Straßen etc. melden. Allerdings bedarf es hierzu noch einer ordentlichen App, die den Menschen das Melden solcher Missstände noch einfacher macht. 

Deutliche Verbesserungen bei Verkehrsführung und ‐fluss in der Stadt erhoffen wir uns außerdem vom IT‐Projekt DigitAll. Dieses soll hamburgweit insbesondere eine bessere Erfassung und Steuerung von Straßensperrungen aufgrund von Baustellen, Straßenfesten usw. sicherstellen. Hierbei kann man auf entsprechende Schnittstellen hoffen, damit die Daten auch schnell in die Navigationssysteme der Verkehrsteilnehmerinnen und ‐teilnehmer übertragen werden.

AfD Hamburg (2015: 8 Abgeordnete): "Nur sinnvolle Apps finanzieren"

Wir halten jene Service-Apps für sinnvoll, die von den Menschen in der Stadt genutzt und positiv rezipiert werden. Sinnlose Ausgaben aus Prestigegründen werden abgelehnt.

2. Thema Digitale Infrastruktur

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen des Senats, den Hamburgern mit digitalen Infrastrukturen Leben und Arbeiten an Alster und Elbe zu erleichtern?

SPD Hamburg (2015: 45,6%): "Flächendeckendes Glasfaser bis 2025"


Hamburg verfügt bereits heute über ein sehr gutes Angebot im Bereich der digitalen Infrastruktur, welches wir aber noch weiter ausbauen wollen. Bis Mitte der 20er Jahre wollen wir ein flächendeckendes Glasfasernetz ausbauen und mit einem Förderprogramm die letzten Lücken in der Breitbandversorgung schließen. Außerdem wollen wir im Citybereich, an touristischen Hotspots und in den Bezirkszentren ein offenes und kostenfreies WLAN-Angebot schaffen.


CDU Hamburg (2015: 15,9%): "Hamburg Card- und Tourismus-App vereinen"


Die Planungen für den ITS-Weltkongress haben die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf bei digitalen Mobilitätsangeboten geweckt. Projekte wie HEAT, bei dem autonome Kleinbusse in der HafenCity getestet werden, die digitale Parkstanderfassung oder das automatische Bezahlsystem für Bus und Bahn (CIBO = Check-In/Be-Out) bergen viel Potential. Ein einziger Kongress kann und wird aber nicht ausreichen, um Hamburg fit für die Mobilität der Zukunft zu machen. 

Ziele und Maßnahmen müssen weit über das Jahr 2021 hinaus geplant werden. Auch wenn der Senat sich zum Ziel gesetzt hat, Hamburg zu digitalisieren und bereits einige Projekte dazu angestoßen hat, mangelt es in der Umsetzung noch an vielen Stellen. Es ist gut, dass es mittlerweile eine Reihe an Mobilitäts- oder Freizeitangeboten gibt, die digital über eine App steuer- und abrufbar sind. 

Jedoch gestaltet sich das Angebot der zahlreichen Möglichkeiten derzeit sehr undurchsichtig. Hier brauchen wir eine klare Struktur bzw. eine anwenderfreundliche Bündelung der einzelnen Angebote. So müssen z. B. die Hamburg Card-App sowie die Hamburg Tourismus-App zusammengeführt werden. Alle Mobilitätsangebote der Stadt sollen in dieser App zu finden sein und den Nutzern einen unmissverständlichen Überblick liefern.

GRÜNE Hamburg (2015: 12,3%): "Ein offenes Hamburg Free WiFi für alle"

Kostenloses WLAN in Hamburger Bahnhöfen und Bussen hat direkten Mehrwert für die Menschen in ihrem Alltag und macht den ÖPNV in Hamburg noch attraktiver. Wir wollen aber noch deutlich weiter gehen: wir wollen öffentliches WLAN zusätzlich in Parks, auf wichtigen Plätzen und in städtischen Gebäuden. Zudem soll es Gewerbetreibenden und Privatpersonen (z.B. Freifunkern) gestattet sein, ohne bürokratische Hürden freie WLANs im öffentlichen Raum anzubieten, solange diese auf Nutzerregistrierung und Werbung verzichten. 

So können wir ein „Hamburg Free WiFi“ mit breiter Abdeckung erreichen, das Hamburg ein konsistentes Image als internetaffine, moderne und innovative Metropole verschafft. Der ITS in Hamburg ist ein Statement und ein Versprechen. Wenn Hamburg gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Gastgeber des weltweit größten Kongresses zum Thema Intelligente Verkehrssysteme und Services ist, erwarten wir uns für unsere Stadt Innovationen im Bereich der urbanen Mobilität, die die Verkehre in Hamburg mittel- und langfristig effizienter und umweltfreundlicher machen.

LINKE Hamburg (2015: 8,5%): "Kein flächendeckendes Breitband"

Die Maßnahmen sind eher zurückgeblieben. Das breite öffentliche WLAN hat Jahre vor sich hingeschmort, bevor es zumindest im Innenstadtbereich verfügbar war – mit dem Fokus auf Versorgung der Touristinnen und Touristen. Hier hätte es einer Strategie für die Bürgerinnen und Bürger bedurft, die auch in die Bezirkszentren hinausreicht.

Die Versorgung mit „schnellen Breitbandanschlüssen“ ist immer noch nicht flächendeckend gegeben – weder beim Wohnen, noch beim Arbeiten. Langsam kommt wieder Bewegung in die Entwicklung, aber es gibt auch in Hamburg Gebiete, in denen der 3G-Standard noch als schnell gelten kann, in denen ISDN-Geschwindigkeiten (ohne Kanalbündelung) das obere Ende darstellen. Ob sich hier nun endlich wirklich etwas bewegt werden wir genau betrachten müssen.

FDP Hamburg (2015: 6,3%): "Verschleppte Digitale Dividende"

Hamburg ist insbesondere seit Einführung eines Chief Digital Officers vor knapp zwei Jahren unterwegs in die richtige Richtung, allerdings bringt der rot‐grüne Senat einige wichtige Themen nur in einer Politik der Trippelschritte voran. So hat bspw. der Einsatz der Mittel aus der „Digitalen Dividende“ für den Breitbandausbau viel zu lange gedauert. Unternehmen im Hafengebiet und die Menschen in abgelegeneren Stadtteilen mussten und müssen dadurch viel zu lange auf schnelle Glasfaseranschlüsse warten – ein No‐Go für moderne Logistik‐Prozesse und den Aufbau einer flächendecken 5G‐Infrastruktur.

AfD Hamburg (2015: 6,2%): "Ältere Mitbürger digital begleiten"

Prinzipiell ist jede Maßnahme, die den Bürgern einen Mehrwert bietet, zu begrüßen. Die Service-Apps der Senatsbehörden erfüllen einen essentiellen Zweck, können in der heutigen Zeit von den Bürgern allerdings auch erwartet werden. Das Angebot muss stetig ausgebaut werden, um mit der Entwicklung schrittzuhalten. Um wirklich allen Hamburger Bürgern gerecht zu werden, muss sichergestellt sein, dass die digitale Infrastruktur nicht nur den Digital Natives dient, sondern auch und gerade älteren Mitbürgern.


3. Thema Digitaler Ausblick

In welchen Bereichen ist die Freie und Hansestadt bei digitalen Angeboten
für Hamburger und Gäste gut aufgestellt und wo gibt es Nachholbedarf?

SPD Hamburg (Fachsprecher: Hansjörg Schmidt): "Städtische Klima-App"

Für auswärtige Gäste und auch die Hamburger Bürgerinnen und Bürger gibt es ein Vielzahl von digitalen Angeboten, um die Stadt zu entdecken: Das hervorragend strukturierte Tourismus-Portal der Stadt gibt breit gefächert über alle touristische Sparten Auskunft – von Unterkunftsmöglichkeiten bis hin zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Apps, um die Stadt zu entdecken: 

Mit der App "Speicherstadt digital erleben" ist z.B. eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit des Hafens möglich. Mit der "Kulturpunkte"-App der Kulturbehörde Hamburg findet man alle kulturell interessanten Orte der Hansestadt. Oder die Hamburg-App – da hat ein jeder die ganze Stadt im Blick, vom Wetter bis hin zu Veranstaltungen ist alles verfügbar. Darüber hinaus gibt es zahlreiche digitale Angebote für Hamburger und Hamburgerinnen, die den bürokratischen Aufwand verringern - so können z. B. Termine in den Kundenzentren online gebucht oder auch Parkausweise online bestellt werden. 

Darüber hinaus werden wir eine Klima-App für Hamburg entwickeln, damit jede und jeder sein Verhalten überprüfen und anpassen kann. Die Idee: Jeder Einzelne hat ein definiertes Klimabudget zur Verfügung und kann mit der App überprüfen, welches Mobilitäts-, Wohn- und Konsumverhalten das Budget in welcher Weise reduziert. So entsteht ein größeres Bewusstsein in Bezug auf das eigene Verhalten.

CDU Hamburg (Fachsprecher: Carsten Ovens): "Ein digitales Rathaus"


Allen Beteuerungen zum Trotz herrscht in den öffentlichen Verkehrsmitteln und an den dazugehörigen Haltestellen weiterhin akute „WLAN-Armut“. Keine S- und U-Bahn, kein Zug der AKN und keine einzige Hafenfähre der HADAG ist mit WLAN ausgestattet. Dies ist insbesondere für Tagesgäste und Touristen schlecht. 

Eine vollständige und erfolgreiche Digitalisierung Hamburgs kann nur gelingen, wenn die fortschreitende Transformation in allen Branchen und Lebensbereichen aktiv gestaltet wird, um sie als Chance zu nutzen. Dazu braucht es eine gesamtheitliche Digitalisierungsstrategie für die ganze Stadt mit klaren Prioritäten. 

Neben der Unterstützung der Privatwirtschaft sehen wir auch die digitale Transformation der städtischen Verwaltung als Kernaufgabe an. Verfahren wie, z. B. Bewerbungen um öffentliche Ausschreibungen, müssen deutlich komprimiert und entzerrt werden. Für alle behördlichen Dienstleistungen, die nicht zwingend eine persönliche Anwesenheit erfordern, setzen wir konsequent auf ein digitales Rathaus, bei dem alles online beantragt werden kann. 

Dafür müssen wir zunächst die Prozesse digitalisieren, die entweder sehr häufig vorkommen oder sehr komplex sind. So wäre z. B. eine zentrale Termin-Homepage für die Verwaltung sinnvoll. Auch halten wir die Gründung eines Digitalrates aus unabhängigen Experten, der insbesondere den Einsatz sowie die Förderung von Zukunftstechnologien unterstützend begleiten soll, für sinnvoll. 

Andere machen es vor: So entwickeln und koordinieren beispielsweise die Smart Dubai Initiative und die Dubai Future Foundation die notwendigen Maßnahmen, um Dubai in eine Smart City zu transformieren. Diesen Ehrgeiz braucht Hamburg auch.

GRÜNE Hamburg (Fachsprecher: Farid Müller): "Offenes WLAN überall"

Gerade im Bereich der kostenlosen offenen zugänglichen WLAN's ist noch Luft nach oben. Hier können wir sowohl für die Hamburgerinnen und Hamburger als auch für Gäste noch deutlich mehr rausholen: in Japan stellt eine App bspw. offline Kartenmaterial und Reiseführer bereit und navigiert Gäste jeweils zum nächstgelegenen der über 200.000 öffentlichen WLAN-Zugänge.

Moskau und Seoul demonstrieren, dass auch U-Bahn-Fahrgäste 100 m unter der Erde nicht auf eine Verbindung verzichten müssen. In Estland, Österreich oder Schweden gibt es ebenfalls flächendeckend Zugänge in Behörden, auf öffentlichen Plätzen und in Bahnen. Wir stehen dafür, dass Hamburg hier den internationalen Anschluss schafft.

LINKE Hamburg (Fachsprecher: Norbert Hackbusch): "Hamburg.de werbefrei machen"

Ob die Freie und Hansestadt Hamburg in einem Bereich gut oder weniger gut aufgestellt ist, ist oftmals eine sehr subjektive Bewertung. So kann die Möglichkeit, Termine bei Bürgerämter digital zu buchen um Wartezeiten zu vermeiden und dabei sogar zwischen Bürgerämtern wählen zu können, sicherlich als Fortschritt gewertet werden, ebenso der Melde-Michel. Doch sind solche Angebote auch hinlänglich bekannt bei denjenigen die sie nutzen wollen? 

Wir wollen daher zunächst eine Bestandsaufnahme der digitalen Angebote der Stadt erstellen und die bisherigen Nutzungen evaluieren. Das Bereitstellen von Informationen und Diensten auf städtischen Internetseiten darf nicht weiter mit dem Verkauf persönlicher Daten der Benutzerinnen und Benutzer einhergehen. Die Digitalisierung der Hamburger Verwaltung muss dazu genutzt werden, eine werbefreie Plattform aufzubauen, auf der alle städtischen Dienstleistungen nutzer*innenfreundlich an einem zentralen Ort gebündelt sind und barriere- und kostenfrei beantragt und abgewickelt werden können. 

Laut Datenschutzbestimmungen von www.hamburg.de dürfen derzeit 117 externe Dienstleister*innen mittels Cookies oder anderer Technologien Nutzer*innendaten sammeln! Damit sich die Hamburger*innen frei im digitalen Raum bewegen können, muss der Schutz der persönlichen Daten zu jeder Zeit gewährleistet sein. Um dies in weit größerem Ausmaß als bisher zu gewährleisten, ist die beauftragte Person für Datenschutz mit entsprechenden finanziellen Mitteln und rechtlicher Durchsetzungskraft auszustatten. Geschäftsgeheimnisse dürfen die Arbeit der*des Datenschutzbeauftragten nicht einschränken.

FDP Hamburg (Fachsprecher: Michael Kruse): "Hamburg-App als zentraler Zugang"

In Hamburg gibt es grundsätzlich bspw. eine gute Verfügbarkeit von WLAN und auch LTE-Netzabdeckung in den U‐ und S‐Bahntunneln bzw. einigen Buslinien. Auch gibt es zahlreiche, per App nutzbare Sharing‐Angebote im Bereich der Mobilität. Diese stehen jedoch noch nicht in allen Stadtteilen zur Verfügung, in denen es sinnvoll erscheint; sie weisen teilweise einen noch zu starken Innenstadt‐Fokus auf.

Wir Liberale versprechen uns vom Online‐Zugangsgesetz bis 2022 noch viel mehr Vereinfachung und Digitalisierung von Behördengängen. Unter Rot‐Grün droht Hamburg hier ins Hintertreffen zu geraten. Auch die Hamburg‐App selber sollte als zentraler Zugang zur „Freien und digitalen Hansestadt“ deutlich verbessert und bspw. auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet werden (Einwohner, Touristen, Geschäftsleute etc.). 

Zum Melde‐Michel wurde und auch zur Verbesserung des Zugangs zu digitalen Verwaltungsdienstleistungen über hamburg.de wurde bereits weiter oben etwas gesagt.

AfD Hamburg (Fachsprecher: Peter Lorkowski): "Digitale Verwaltung wie Talin"

Für viele Anliegen der Bürger, für die ein persönliches Erscheinen bei der Behörde in der Sache eigentlich nicht erforderlich ist, fehlen immer noch die digitalen Zugänge und Erledigungsmöglichkeiten. Andere Städte sind diesbezüglich moderner aufgestellt. In diesem Bereich hat die estnische Hauptstadt Tallinn als Referenz zu gelten, deren Standard wir erreichen wollen.


 Hamburg Digital Wahlempfehlung 
Digitalisierung und Verwaltung

Ergebnis der redaktionellen Auswertung: 

Die Sozialdemokraten feiern ihre scheinbar sensationellen Service-Apps ab. Kein Wort der Selbstkritik, keine Idee für Visionen, die eine Stadt vorantreiben. Ausnahme: Beim Thema Klimaschutz zeigen die Staatsbehüter ihr wahres Gesicht: ein sozialistisches, anmaßendes. Willkommen in der "DDR 4.0 - Made in Hamburg". Als gebürtiger Mecklenburger darf und will ich das genau so sagen. Das hat mit einer großstädtischen, weltoffenen und zukunftsweisenden Politik nichts zu tun. 

Das ist Ersatzbefriedigung mit der Ökopapier-Küchenrolle. CO2 und Feinstaub werden sicher nicht durch eine bevormundende, städtische Klimabudget-App verringert werden. Selbst der grüne Koalitionspartner setzt auf offenes WLAN im öffentlichen Raum und fordert den internationalen Anschluss bei der Infrastruktur, statt die altlinken Positionen der GAL aus der Mottenkiste zu holen. Was hat die bevormundende Hamburger SPD an freier Gesellschaft bis heute nicht verstanden?

Christdemokraten und Liberale haben verstanden: Die bürgerliche Opposition sieht die Probleme in der ganzen Stadt: Schlaglöcher, Verkehrsstaus und Bürgerdienste - das interessiert die Hamburger - und nicht eine Klima-Verbots-App. Fehlendes WLAN in U- und S-Bahnen, AKN und Nordbahn. Zentrale Services per App - statt Prestige-Projekte für den Friedhof der Android- und iOS-Apps. Auch die Grünen zeigen, dass man digitale Infrastruktur und digitale Zugänge in den Mittelpunkt stellen sollte. Wie wär's wirklich mal mit einem digitalen Rathaus?!


Thomas Keup, Chefredakteur


 Hamburg Digital Background: 

Alle aktuell in der Bürgerschaft vertretenen Parteien haben die Möglichkeit bekommen, die Fragen zu den digitalen Wahlprüfsteinen zu beantworten. Die Antworten der Parteien werden in der Reihenfolge der Sitzverteilung von 2015 veröffentlicht: SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP und AfD. Eine Ausgrenzung von Parteien und ihren Positionen zur Digitalisierung in Hamburg - z. B. der AfD oder der Linken - findet nicht statt.

Wir machen keine Politik. Wir beobachten, bewerten und berichten.

Die Antworten werden in der Reihenfolge der Themen und Fragen veröffentlicht. Eine Kommentierung oder Kürzung der Antworten gibt es nicht. Auf Grundlage der Antworten erarbeitet die Redaktion eine sachlich begründete Wahlempfehlung zu jedem Themenkomplex sowie insgesamt zur Digitalpolitik. In die Wahlempfehlung fließen über 1.200 veröffentlichte Digitalnachrichten aus Hamburg, der Metropolregion und Norddeutschland sowie gut 280 Fachbeiträge, Interviews und Statements ein.



Wir brauchen gute Politik. Dazu braucht es Wähler, die wissen wen sie wählen.

Am 23. Februar d. J. entscheidet Hamburg, wie es in den kommenden fünf Jahren weiter geht: 1,4 Mio. Wahlberechtigte sind aufgerufen, in 17 Wahlkreisen 121 Abgeordneten von 15 Parteien in die Bürgerschaft zu entsenden. Wird SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher die ganze Stadt auch digital im Blick behalten oder die GRÜNE-Bürgermeisterin Katharina Fegebank Hamburg zum digitalen Labor entwickeln?

*   *   *

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Verwaltung
HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?
hv.hansevalley.de/2020/02/hansestatement-klimaschutz-chinaloesung.html

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

Freitag, 14. Februar 2020

HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE
- Teil 4 Digitalisierung und Verwaltung -

Die Chief Digital Officer von Senatskanzlei und Wirtschaftsbehörde:
Christian Pfromm (ITD) und Sebastian Saxe (BWVI) - v. l. n. r.
Foto: HANSEVALLEY


"Durch die Digitalisierung haben wir völlig neue Wege, Probleme zu lösen."


Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher,

IT-Strategietage Hamburg, Februar 2020


1,8 Mio. Einwohner, 1 Mio. versicherungspflichtig Beschäftigte, eine der Top 5 Wirtschaftsregionen in Europa. Die Handels- und Hafenstadt ist zu einer Millionen-Metropole gewachsen - mit allen Stärken und Schwächen. Was und wie Hamburger und Unternehmer täglich online und mobil an Services nutzen, wollen sie auch bei Behördengängen so erledigen. 

Der Senat will Hamburg in 10 Jahren zur führenden Digitalmetropole in Europa entwickeln - mit Bürgerportal, Onlineservices und "One-Stop-Shop". 33,2 Mrd. € Schulden hat die Freie und Hansestadt. 70.000 Beschäftigte arbeiten in Behörden, Landesbetrieben und Beteiligungen. Wie können Auskünfte, Anträge und Verfahren digital erledigt werden? Wie müssen Verfahren über Behördengrenzen hinweg digital organisiert sein? 

Der Senat hat erst 3 Jahre nach dem Koalitionsvertrag von 2015 zur "Digitalisierung der großen Stadt" einen Chief Digital Officer für die große Linie ernannt und mit "Digital First" einen dezentralen Ansatz ohne Digitalsenator verabschiedet. In den kommenden 5 Jahren sollen Problemlösungen nun über Behördengrenzen hinweg in "digitalen Handlungsräumen" entwickelt werden, z. B. für Wirtschaft und Arbeit oder Mobilität und Logistik. 

Wir haben die Parteien in der Bürgerschaft zu ihren digitalen Positionen und Visionen befragt. Auf der Tagesordnung: die 5 digitalen Top-Themen 1. Wirtschaft, 2. Wissenschaft, 3. Bildung, 4. Verwaltung und 5. Stadtleben. Heute: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020:

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine 
Digitalisierung und Verwaltung


Bis Ende 2022 werden im Bund, in allen 16 Ländern und 11.000 Kommunen insgesamt 575 Verwaltungsverfahren für Einwohner, Unternehmen und Behörden online angeboten. Hamburg kümmert sich unter Leitung des Amts für IT und Digitalisierung der Senatskanzlei im Besonderen um die digitalen Angebote für Unternehmen.


1. Thema: Digitale Strategie

Wie beurteilen Sie als politischer Insider den aktuellen Stand bei der "Digitalen Stadt" durch das Amt für IT und Digitalisierung und Dataport?

SPD Hamburg (2015: 59 Abgeordnete): "Behördenübergreifende Strategie"

Hamburg nutzt die sich mit der Digitalisierung ergebenen Chancen, um die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und den Unternehmen einen attraktiven Standort zu bieten. Mit der Schaffung des Amtes ITD verfolgt Hamburg erfolgreich einen behördenübergreifenden und ganzheitlichen Ansatz bei der Digitalisierung der Verwaltung und der anderen Lebensbereiche der Stadt. 

Hamburg belegt bereits heute bundesweit im Bereich der Digitalisierung einen Spitzenplatz, den wir weiter ausbauen wollen. Wir wollen eine bürgerfreundliche Verwaltung, die ihre Dienstleistungen konsequent vom Nutzer aus denkt, sich in ihrem Handeln an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientiert und Services umfassend online verfügbar macht. 

Mit dem Urban Data Hub schafft die Stadt darüber hinaus gerade ein leicht zugängliches Angebot urbaner Daten, auf das Unternehmen, öffentliche Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Stadtgesellschaft zugreifen können, um auf dieser Grundlage eigene urbane Anwendungen zu entwickeln. 


CDU Hamburg (2015: 20 Abgeordnete): "Dauerhafte strukturelle Überlastung"

Seit nunmehr bald zwei Jahren beschäftigt die Stadt einen Chief Digital Officer (CDO), doch der vom Senat teuer eingekaufte Experte ist immer noch dabei, das neue Amt IT und Digitalisierung aufzubauen. Und so sind von 134 Stellen erst 102 besetzt. Auch deswegen sind zahlreiche IT-Projekte nicht im Budget oder im Zeitplan. Da der Senat inzwischen auf Kleinteiligkeit setzt, geht es selten um große Summen, doch es zeigt sich, dass die Digitalisierung der Verwaltung ein mühsames Unterfangen ist. 

Fehlende Experten und Hinweise auf eine „dauerhafte, strukturelle Überlastung der Fachabteilung“ sind besorgniserregend. Und obwohl der Senat Anfang des Jahres 2019  ein neues Serviceportal online gestellt hat, wird dieses bisher nur wenig genutzt und nicht separat beworben. Die dort präsentierten Dienstleistungen sind auch noch sehr überschaubar. Viele von ihnen bestehen zudem nur aus Nennung einer Email-Adresse oder eines Links. Dies als Online-Angebot zu verkaufen, das ist schon fast peinlich.

Dataport als Dienstleister ist in den letzten Jahren durchaus professioneller geworden und hat auch deutlich Personal aufgestockt. Trotzdem darf der Senat sich nicht zu sehr auf Dataport verlassen und muss genügend Experten in der Verwaltung vorhalten, um die Arbeit von Dataport entsprechend delegieren und kontrollieren zu können.

GRÜNE Hamburg (2015: 15 Abgeordnete): "Open Source Fachverfahren"

Hamburg ist auf einem guten Weg zur „Digitalen Stadt“. In den Bereichen digitale Infrastruktur, digitale Daseinsvorsorge wie bspw. die Bereitstellung offen zugänglicher digitaler Bildungsangebote sowie digitaler Kommunikation wie bei dem Hamburger Transparenzportal oder dem Hamburg Service-Portal laufen bereits viele Projekte. 

Uns ist es dabei besonders wichtig, auch im weiteren Verlauf die Verwaltungsdienstleistungen niedrigschwellig und nutzerfreundlich zu gestalten und aus Gründen der Transparenz und der Unabhängigkeit auf Open Source Lösungen zu setzen. Es ist uns inzwischen gelungen mehr 40% aller IT-Anwendungen auf Open Source umzustellen. Auch streben wir Plattformneutralität und Zugangsgerechtigkeit an, damit digitales Wissen für viele zugänglich ist.

LINKE Hamburg (2015: 11 Abgeordnete): "Vier verlorene Digitalisierungsjahre"

Für uns stellt sich der Stand bei der „Digitalen Stadt" als eher bescheiden dar. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen wird 43 Mal „digital“ in verschiedenen Zusammenhängen aufgeführt und letztendlich ist bisher nur Stückwerk entstanden. Hier krankt es auch noch an ständigen Terminverzögerungen bei der Umsetzung des Stückwerks und allzu oft auch an Kostenüberschreitungen. Nach Koalitionsstart sind drei Jahre verloren gegangen, bis das neue Amt für IT und Digitalisierung 2018 geschaffen wurde und einen CDO (Chief Digital Officer) bekommen hat. Danach gab es auch nur mehr den Versuch, ein gewisses Framework für die weitere Strategie zu schaffen. 

Man kann also von mindestens vier verlorenen Digitalisierungsjahren in der Stadt sprechen, während derer weiter Stückwerk erstellt wurde. Ein operationelles Risiko bei der Digitalstrategie ist Dataport als zentraler Dienstleister. Die Vorstellung Hamburgs, dass in der Koordination der Projekte Hamburg, als größter Anteilseigner von Dataport, den Ton und die Richtung angibt, halten wir für weltfremd. Es besteht immer das Risiko der „vielen Köche“, die den digitalen Brei ungenießbar machen.

FDP Hamburg (2015: 9 Abgeordnete): "Unternehmensförderung nicht umgesetzt"

Die Strategie "Digitale Stadt“ soll die Innovationspotentiale digitaler Technologien für alle gesellschaftlichen und staatlichen Bereiche erkennen und fördern. Das ist ein guter Ansatz, leider ist hier bislang zu wenig geschehen. Die Digitalisierung führt unter Rot‐Grün ein viel zu stiefmütterliches Dasein. Schon im Koalitionsvertrag wurde dieses wichtige und entscheidende Zukunftsthema nur an wenigen Stellen aufgegriffen. 

Wir müssen in Hamburg aufpassen, dass wir die entscheidende Entwicklung dieses Jahrhunderts nicht verschlafen. So ist beispielsweise die angekündigte Förderung von Unternehmen und Prozessen, die die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreiben soll, bislang von Rot‐Grün nicht umgesetzt worden.

Zudem hinkt Hamburg bei der digitalen Infrastruktur hinterher: Fehlender Breitbandausbau in den Hamburger Randgebieten und im Hafen sind nur zwei Beispiele. Dabei müssen vor allem die Hamburger Unternehmen dringend wissen, wie sich der Standort weiterentwickeln soll. Um eine wirkliche "Digitale Stadt“ zu werden, hat Hamburg also noch sehr viel Entwicklungsbedarf.
Die Bündelung der Kompetenzen im Amt für IT und Digitalisierung geht einen Schritt in die richtige Richtung. Allerdings fehlt es an einer behördenübergreifenden und nachhaltigen Digitalstrategie für die FHH (Anm,: FHH = Freie und Hansestadt Hamburg, Die Red.)

AfD Hamburg (2015: 8 Abgeordnete): "Alte Behördendenke bestimmend"

Hamburg ist leider noch sehr weit davon entfernt, sich als digitale Stadt bezeichnen zu können. Anspruch und Realität klaffen auseinander. Andere Standorte, das beste Beispiel dafür ist Estland, haben das Thema E-Government mit wesentlich mehr Konsequenz verfolgt und können daher entsprechende Erfolge vorweisen. Die Strategie "Digitale Stadt" ist ambitioniert, ihre vollständige Umsetzung bedarf allerdings noch Zeit.

Zeit ist in der digitalen Welt jedoch eine äußerst knappe Ressource. Dataport ist immer noch zu wenig flexibel. Zuweilen bestimmt noch das alte Behördendenken die Geschäftsabläufe. In naher Zukunft muss es möglich sein, dass jeder Bürger jedes berechtigte Begehren ONLINE mit der Verwaltung erledigen kann.


2. Thema: Digitale Beteiligung



Welche Maßnahmen helfen den Senatsbehörden und Bezirksämtern, die digital-vernetzten Angebote den Hamburgern schmackhaft zu machen?



SPD Hamburg (2015: 45,6%): "Alle öffentlichen Angebote digital"



Wir wollen, dass die Hamburgerinnen und Hamburger alle Angebote der öffentlichen Verwaltung digital so in Anspruch nehmen können, wie sie es auch in ihrem sonstigen Lebensumfeld gewohnt sind. Bereits heute können Hamburgerinnen und Hamburger beispielsweise einen Bewohnerparkausweis online beantragen und mit dem auf Bundesebene ausgezeichneten Service „Kinderleicht zum Kindergeld“ werden junge Familien entlastet. 

Mit den vielfältigen Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit gilt es, die Bürgerinnen und Bürger über diese und künftige digitalen Verwaltungsdienstleistungen zu informieren. Aber genauso versprechen wir: Wer lieber ins Kundenzentrum oder eine Behörde gehen möchte, kann dies auch weiterhin tun. 

CDU Hamburg (2015: 15,9%): "Gefahr frustrierter Anwender"

Ein gutes Angebot setzt sich schnell durch, wenn es entsprechend zu Beginn beworben wird. Allerdings ist das jetzige Angebot noch so überschaubar, dass eine Bewerbung sich noch nicht wirklich lohnt. Schon jetzt besteht die Gefahr, dass jene Bürger, die versehentlich auf das Angebot stoßen, angesichts der vorhandenen Möglichkeiten eher frustriert reagieren.



GRÜNE Hamburg (2015: 12,3%): "IT-Sicherheit und Datenschutz"



Das Wichtigste ist bei dieser Frage, dass es nun mit „Digital First“ und „Digitale Stadt“ endlich umfassende Strategien für den digitalen Wandel in Hamburg vorliegen und diese auch konsequent verfolgt werden sollen. Das gibt einen inhaltlichen Rahmen und hilft den Behörden und Bezirksämtern. 


Zudem muss klar sein, dass die Digitalisierung auch auf Bezirksebene große Chancen mit sich bringt. Wichtig für die Akzeptanz der Hamburgerinnen und Hamburger ist, dass wir bei der Digitalisierung der Verwaltung einen großen Wert auf IT-Sicherheit und Datenschutz legen. Das haben wir Grüne in Senats- und Bürgerschaftsbeschlüssen immer wieder sichergestellt.

LINKE Hamburg (2015: 8,5%): "Mitarbeiter auf die Reise mitnehmen"

Zuerst kommt es vor allem darauf an, die digitalen Angebote den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Behörden und Bezirksämter schmackhaft zu machen. Viel zu oft stimmen die Bedarfsanalysen zum Arbeitsaufwand in der täglichen Arbeit nicht mit der Realität überein. Stattdessen steigt die Arbeitsdichte, während die Akzeptanz in den Ämtern rasant sinkt. Hamburgerinnen und Hamburger dürfen auf der anderen Seite nicht durch Einschränkungen der Servicezeit oder wegen Personalengpässe das Gefühl haben, zur Digitalisierung gezwungen zu werden. Netzausfälle oder ähnliches dürfen nicht dazu führen, dass man am Verwaltungsleben nicht mehr teilnehmen kann. 

Konkrete Akzeptanz für die Hamburgerinnen und Hamburger sollte vor allem mit einem Mehrwert verbunden sein. Zusammenhängende Verwaltungsangebote müssen auch in Form eines Cockpits erreichbar sein. Medienbrüche darf es nicht geben – also keine postalische Kommunikation, sondern Uploads oder auch, mit jeweiliger Zustimmung der Nutzer und Nutzerinnen, ein Zugriff auf vorhandene Datenbestände. Die Hoheit über die eigenen Daten muss ersichtlich bei den Bürgerinnen und Bürgern liegen.

FDP Hamburg (2015: 6,3%): "Digitale Leistungen bekannt machen"

Den Hamburgerinnen und Hamburgern muss vor allem erst einmal besser bekannt gemacht werden, wenn und welche Verwaltungsdienstleistungen online verfügbar sind. Eine gezielte Werbekampagne kann den Bürgerinnen und Bürgern den "Digital First“-Gedanken näherbringen, insbesondere sobald weitere Dienstleistungen digitalisiert wurden. Ein erster elementarer und ganz praktischer Schritt dahin wäre aber schon, wenn das "Hamburg Gateway" bzw. Serviceportal, über das digitalisierte Verwaltungsdienstleistungen bereits verfügbar sind, auf der Startseite von hamburg.de verlinkt wird.



Grundsätzlich hilft die Digitalisierung, Verwaltungsprozesse effizienter und ggf. auch transparenter zu gestalten. Der damit einhergehende Bürokratieabbau für Bürger und Unternehmen wird sich herumsprechen und so zu zunehmender Akzeptanz und Nutzung entsprechender Dienstleistungen führen.

AfD Hamburg (2015: 6,2%): "Bürger persönlich überzeugen"

Die Stadt und die Bezirke müssen für die Nutzung der Angebote werben. Dies geschieht derzeit schon im Internet, wo die Strategie und ihre einzelnen Projekte anschaulich dargestellt werden. Doch nicht jeder Bürger wird sich dies ansehen. Daher muss die Aufmerksamkeit der Bürger geweckt werden und es muss klar hervorgehoben werden, welchen Nutzen sie aus der Strategie "Digitale Stadt" ziehen können. Der Bürger sollte sich persönlich angesprochen fühlen.

3. Thema: Digitale Services

Wo sehen Sie mit Umsetzung der "Digitalen Stadt" und dem neuen "Hamburg Service"-Portal Chancen für die Wirtschaftsmetropole und ihre Einwohner?

SPD Hamburg (Fachsprecher: Hansjörg Schmidt): "Flächendeckendes Glasfaser"

Die Digitalisierung, Vereinfachung und nutzerfreundliche Umsetzung von Verwaltungsprozessen bedeutet einen niedrigschwelligen Zugang der Anwender und Betroffenen und ist für diese u. a. mit einem geringeren zeitlichen Aufwand verbunden. Digitale Verwaltungsverfahren, aber auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur, wie etwa der Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes sowie die Fortentwicklung Hamburgs zur 5G-Mobilfunk-Stadt werden zudem auch den Wirtschaftsstandort stärken.

Zudem werden bis Ende 2022 im Bund, in allen Ländern und Kommunen 575 Verwaltungsverfahren für Einwohner, Unternehmen und Behörden online angeboten. Hamburg kümmert sich unter Leitung des Amts für IT und Digitalisierung der Senatskanzlei im Besonderen um die digitalen Angebote für Unternehmen.

CDU Hamburg (Fachsprecher: Carsten Ovens): "Später Beginn, späte Ergebnisse"

So denn die Umsetzung in zwei, drei Jahren endlich erfolgt ist, die Zahl und die Qualität der digital verfügbaren Verwaltungsdienstleistungen adäquat ist, dann können Wirtschaft und Einwohner von den neuen Möglichkeiten definitiv profitieren. Die positiven Effekte sieht man ja bereits in jenen europäischen Ländern, die sich bereits früher auf den Weg gemacht haben. In Hamburg wurde das Thema erst in dieser Legislaturperiode entdeckt und bis den Worten Taten folgten, dauerte es zwei Jahre.

GRÜNE Hamburg (Fachsprecher: Farid Müller): "Ein intelligenter Smart Port"

Für Hamburg als Wirtschaftsmetropole ist beispielsweise die Idee des smartPORT der Hamburg Port Authority (HPA) innerhalb der „Digitalen Stadt“ von Bedeutung. Ein intelligenter Hamburger Hafen kann viele Vorteile mit sich bringen und die Hafenwirtschaft effizienter und nachhaltiger machen. Hier wollen wir vor allem im Bereich der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung noch weiter gehen und den digitalisierten Hamburger Hafen als positives Beispiel nach vorne stellen. 

Das Hamburg Service-Portal ist zudem eine tolle Chance für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für Firmen und Behörden in unserer Stadt: hier lassen sich auf einen Blick gesammelt viele Informationen und weiterführende Dienste der Behörden finden.

LINKE Hamburg (Fachsprecher: Norbert Hackbusch): "Überall schnelles Internet"

Eine kluge und vor allem modulare Digitalisierung bietet die Chance, dynamisch auf die Veränderungen in der Wirtschaftswelt zu reagieren. Zweifelsohne ist das Etikett „Digital“ für die Wirtschaft ein Faktor, der Hamburg mit dem Attribut „modern“ und damit zukunftsfähig ausstattet. 

Wer Verwaltungskommunikation 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, erledigen kann, wird sich über ausufernde Bürokratie und Schranken im Handeln zumindest weniger beschweren, soweit die Reaktion auch zeitnah erfolgt. Dazu gehört dann aber auch ein moderner Begriff von „schnellen Internetanbindungen“ und zwar überall in der Stadt. Unter diesen Rahmenbedingungen kann Hamburg zu einem attraktiven Magneten für Neuansiedlungen und -gründungen werden und zusätzlich Attraktivität bei Arbeitskräften gewinnen.

FDP Hamburg (Fachsprecher: Michael Kruse): "Von digitaler Stadt zu Innovationsmetropole"

Durch die Umsetzung der "Digitalen Stadt“ kann die Metropole Hamburg ihre Stellung als
Digitalstandort ausbauen und die Chance nutzen, um zur Innovationsmetropole Deutschlands aufzusteigen. Genehmigungen, Kundenfragen und Bescheide können schneller und unkomplizierter erstellt werden und für die Umsetzung von Projekten und Beantwortung von Fragen kann effizienter vorgegangen werden.

AfD Hamburg (Fachsprecher: Peter Lorkowski): "Chancen mit Hamburg Serviceportal"

Die digitale Stadt bietet sowohl den Hamburger Bürgern als auch der Wirtschaft enorme
Chancen. Eine moderne digitale Infrastruktur schafft Anreize zur Ansiedlung zukunftsorientierter Unternehmen. Diese Unternehmen schaffen Arbeitsplätze für die
Menschen in Hamburg und mehren den Wohlstand der Stadt und ihrer Bürger.

Das neue "Hamburg Serviceportal" macht B2G-Prozesse effizienter und komfortabler. Viele Behördengänge können mit dem Portal eingespart werden, wodurch Bürger und
Behörden auch entlastet werden. Effizienz in der Verwaltung ist zudem ein wichtiger Standortfaktor, da dies für Unternehmen ein Kriterium bei Neuansiedlungen ist.

 Hamburg Digital Wahlempfehlung 
Digitalisierung und Verwaltung

Ergebnis der redaktionellen Auswertung: 

Wieder einmal stellt sich heraus: Die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft benennt die Probleme beim Namen, entwickelt Lösungen, zeigt konstruktive Perspektiven auf. Wieder einmal beschäftigen sich CDU und FDP mit dem Thema Digitalisierung ohne Scheuklappen und ohne eitel Sonnenschein. Aber auch die Linke zeigt, dass sie verstanden hat, worum es wirklich geht.

Wieder einmal schwebt die Sozialdemokratie über den eigenen Wolken und sieht sich im Licht ihre vermeintlichen Erfolge, laufen die Grünen atemlos ohne nachhaltige Strategie als Anhängsel hinterher. Nach vier von fünf digitalen Themen verfestigt sich ein Eindruck, der für eine Millionenmetropole mit traditioneller Denke und traditionellen Branchen zum Verhängnis werden kann und wird. 


 Hamburg Digital Background: 

Alle aktuell in der Bürgerschaft vertretenen Parteien haben die Möglichkeit bekommen, die Fragen zu den digitalen Wahlprüfsteinen zu beantworten. Die Antworten der Parteien werden in der Reihenfolge der Sitzverteilung von 2015 veröffentlicht: SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP und AfD. Eine Ausgrenzung von Parteien und ihren Positionen zur Digitalisierung in Hamburg - z. B. der AfD oder der Linken - findet nicht statt. 



Wir machen keine Politik. Wir beobachten, bewerten und berichten.



Die Antworten werden in der Reihenfolge der Themen und Fragen veröffentlicht. Eine Kommentierung oder Kürzung der Antworten gibt es nicht. Auf Grundlage der Antworten erarbeitet die Redaktion eine sachlich begründete Wahlempfehlung zu jedem Themenkomplex sowie insgesamt zur Digitalpolitik. In die Wahlempfehlung fließen über 1.200 veröffentlichte Digitalnachrichten aus Hamburg, der Metropolregion und Norddeutschland sowie gut 270 Fachbeiträge, Interviews und Statements ein.



Wir brauchen gute Politik. Dazu braucht es Wähler, die wissen wen sie wählen.

Am 23. Februar d. J. entscheidet Hamburg, wie es in den kommenden fünf Jahren weiter geht: 1.4 Mio. Wahlberechtigte sind aufgerufen, in 17 Wahlkreisen 121 Abgeordneten von 15 Parteien in die Bürgerschaft zu entsenden. Wird SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher die ganze Stadt auch digital im Blick behalten oder die GRÜNE-Bürgermeisterin Katharina Fegebank Hamburg zum digitalen Labor entwickeln? 


Die Hamburg Digital Wahlprüfsteine - Thema Digitalisierung und Stadtleben - in der kommenden Woche nur hier auf HANSEVALLEY.



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 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
https://hv.hansevalley.de/2020/02/hansepolitics-stadtentwicklung-hamburg-2020.html

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?
hv.hansevalley.de/2020/02/hansestatement-klimaschutz-chinaloesung.html

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.