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Donnerstag, 23. Mai 2019

HANSESTATEMENT: Die DIN-Norm - ein "Jodeldiplom" für Startups. Im Ernst jetzt?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT 
von Gerd Kotoll


DIN-Institut in Berlin: Hauptgeschäftszweck: Normen erstellen und vermarkten.
Foto: DIN

Eine neue Idee geistert durch die Republik: eine deutsche DIN-Norm für Startups. Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, Beratern und Unternehmen plant mit der "SPEC 91354" Jungunternehmen zu regulieren. Das Hauptargument: Mit der Spezifikation sollen die hohen Ausfallquoten bei Startups verringert werden. 

Die Diskussion ist eröffnet. Nach der ersten Welle der Kritik ruderte das Konsortium hinter der Startup-Norm denn auch gleich zurückDer Leitfaden solle Investoren, Banken oder Gremien, die über die Vergabe von staatlichen Fördermitteln entscheiden, die Urteilsfindung bei Projekten erleichtern. 

Ein Hamburg Digital Statement von Startup-Experte Gerd Kotoll:

Während am Montag dieser Woche u.a. das Handelsblatt über die neue DIN Norm SPEC 91354 berichtete und verständlicher Weise von empörter Zurückweisung auf Seiten von Gründungsexperten, weist die Gründerszene darauf hin, dass es ja alles ganz anders gemeint sei.

Die neue Norm soll ein freiwilliges Angebot sein und eher eine bessere Checkliste. Je mehr Punkte davon das Startup erfülle, desto wahrscheinlicher sei bspw. eine Finanzierung durch Banken oder Risikokapitalgeber möglich – zumindest im Grundsatz.

So weit, so gut. Wer’s glauben mag.

Ein Blick hinter die Kulissen lässt etwas Anderes vermuten: der Verein, der das DIN-Institut trägt, generiert gut zwei Drittel seines Budgets durch Dienstleistungen gegenüber Dritten, vor allem durch den Verkauf von Normen.

Für dieses Oxymoron einer Startup-Norm haben laut DIN-Institut gleich eine ganze Reihe von Partnern, darunter Ernst & Young, die TU Darmstadt, verschiedene Patentanwälte u.a. gut 18 Monate gearbeitet und in eine 17-seitige Checkliste und Leitfaden gegossen (siehe Hamburg Digital Background).

Hinzu kommt, dass den Anstoß für diesen Leitfaden angeblich ein bekannter Seriengründer geliefert haben soll, der aber nicht genannt werden möchte. Womit wir den nächsten Widerspruch hätten, da Altruismus und Gründung sonst nur aus dem Bereich sozialer oder grüner Projekte bekannt sind, wo es in aller Regel eben nicht um Skalierung geht.

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, wann die bislang kostenfreie Zertifizierung durch politische Regelungswut eine (dann natürlich kostenpflichtige) Anforderung an die Gründer werden wird.

Es ist aber genau diese wuchernde Bürokratie, diese krude staatliche Allmachtsfantasie, alles regeln zu müssen, die Gründungen in Deutschland schwerer machen als anderswo.
Wir brauchen nicht mehr Regelungen, sondern viel viel weniger. 


DIN-Broschüre: „Die Anwender profitieren mit der DIN SPEC 91354 von wertvollen Expertentipps für ihr Start-up.“

Startups werden dann besonders erfolgreich, wenn sie eben die vermeintlich ehernen Regeln des Marktes brechen konnten. Verstöße gegen Arbeitsrecht, Datenschutzvorgaben oder andere rechtliche Regulierungen sind mit der Risikominimierung in der DIN-Spezifikation aber nicht gemeint - und werden durch eine DIN-Norm auch nicht erfasst.

Mein Fazit: Startups sollen sich auf ihr Geschäftsmodell und den Vertrieb konzentrieren können und nicht auf das Ausfüllen von Checklisten und Zertifizierungsanforderungen, denn damit verdient man kein Geld. Es sei denn, man ist das Deutsche Institut für Normung.


*  *  *

 Hamburg Digital Autor Gerd Kotoll: 

Gerd Kotoll vernetzt Entrepreneure mit potentiellen Partnern und Kunden - und berichtet von ausgewählten Events und Entwicklungen im Ökosystem der Hamburger Startup-Szene. 

Als unabhängiger Makler berät und betreut Gerd Kotoll er Vereine, Verbände und Unternehmen in Fragen der betrieblichen Absicherung. Besonderen Fokus legt er auf junge Unternehmen und Startups. 

Gerd Kotoll ist Freier Autor des Hamburg Digital Magazins.

Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.

 Hamburg Digital Background: 

DIN-Institut: DIN SPEC 91354
https://www.din.de/blob/313462/ff9bf5d1099dc812b623ccc40d95fc50/broschuere-din-spec-91354-data.pdf

Handelsblatt: "Auch Start-ups sollen eine DIN-Norm bekommen – Gründer sind empört."
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/jungunternehmen-auch-start-ups-sollen-eine-din-norm-bekommen-gruender-sind-empoert/24360404.html

Gründerszene: "Keine Angst, es wird keine DIN-Norm für Startups geben."
https://www.gruenderszene.de/perspektive/din-norm-spec-91354-startups

t3n Magazin: "DIN-Norm für Gründer: Ein Jodeldiplom für die Startup-Szene."
https://t3n.de/news/din-norm-fuer-gruender-fuer-1164827

Mittwoch, 16. Mai 2018

HANSESTARTUPS: REOS - das digitale Betriebssystem für digitale Häuser

HAMBURG DIGITAL REPORT

Die Immobilienbranche im Jahr 2018: mit Betongold handelnde Goldgräber für die nächsten hundert Jahre? Oder die nächste Branche vor der digitalen Sturmflut? Während die Immobilienmanager der Hamburger Familienunternehmen auf das Bewährte setzen, hat sich ein pfiffiger Jung-Hamburger am Brandsdorfer Deich auf den Weg gemacht, Gebäude zu digitalisieren. Der Prophet der digitalen Immobilienzukunft hat unweit des künftigen Elbtowers umgesetzt, wovon Immobilienverwalter nicht zu träumen wagen. 


Schrecken aller Immobilienmanager: Das digitale Gebäudemanagement
Foto: REOS

Der Neubau eines digital-vernetzten Studentenwohnheims in Berlin-Schöneweide, ein rd. 10-köpfiges Entwickler- und Business-Team am Brandshofer Deich nahe der Hafencity und ein zielstrebiger Informatiker und Betriebswirt sind die Grundlage für das erste digitale Betriebssystem im Immobilienmanagement. Ein Hamburg Digital Report über REOS - das Real Estate Operating System:


Künftiges Carnaby Living House in Berlin-Schöneweide
Grafik: Carnaby Capital
Berlin-Schöneweide, Ostendstraße 27/Ecke Slabystraße, zwischen Hauptverkehrsachse An der Wuhlheide und der Spree: Auf 3.111 qm Wohnfläche lässt der Immobilienunternehmer Tom Leppin 172 Studentenzimmer für 53 künftige 2er- und 3er-WG's errichten. Das 2015 auf einem früheren Parkplatz im Gewerbegebiet nahe des Waldowplatzes geplante und für das Wintersemester 2018/2019 zur Eröffnung vorgesehene "Carnaby Living House" ist nicht etwa ein schnöder Neubau der Studenten der nahegelegenen Hochschule für Technik. 

Der gebürtige Brandenburger Betriebswirt Leppin hat vor dem Baubeginn 300 Studenten der HTW Berlin als potenzielle künftige Mieter des Studentenwohnheims befragt, was ihnen in einem solchen Haus auf Zeit besonders wichtig ist. Das Ergebnis: 1. schnelle Internetanbindung mit zuverlässigem WLAN, 2. ein Pauschalpreis inkl. aller Nebenkosten und Möblierung und 3. das ganze für unter 500,- € Mietpreis pro Monat. Für den Wahl-Hamburger war die Befragung keine Schnappsidee, sondern eine wichtige Analyse vor dem Hintergrund seiner beruflichen Erfahrungen.

Ein Kasten voller herrenloser Wohnungs- und Zimmerschlüssel

2015 war der Gründer der Berliner Immobilienentwicklungsgesellschaft Carnaby Capital parallel in Berlin als Berater beim ersten WG-Entwickler und -Vermieter Medici Living engagiert, lernte als Organisationsberater das Geschäft mit Wohngemeinschaften kennen. Eine Erfahrung aus dieser Zeit ist das umfassende Know how, was sich bei bewirtschafteten Immobilien alles nicht automatisieren lässt - angefangen bei unzähligen herrenlosen Wohnungs- und Zimmerschlüsseln in einer simplen Kiste.

In einer Word-Datei fasst Tom Leppin persönlich die 5 wichtigsten Herausforderungen aus seiner Zeit bei Medici Living zusammen. 
  • Ein besonderer Schmerz ist der Mietvertragsabschluss einschl. Bonitätsprüfung. Dazu kommen Bürgschaften, Kautionszahlungen und ein gültiges Konto für gerade aus dem Ausland hergezogene Studenten oder Arbeitnehmer. Im Moment viel Papierkram für Verwalter.
  • Bei 2.000 Mietvorgängen im Jahr für rd. 1.000 WG's an 7 Standorten mit jeweils 3-4 vermieteten Studentenzimmern ist das Schlüsselmanagement ein Schlüsselthema. Ausgabe, Verlust und Ersatz, Rückgabe und Übersicht sind mit einem Schlüsselbrett nicht wirklich effizient. Zudem platzen rd. 10% aller Schlüsselübergaben durch Terminkollisionen. 
  • Die Beschriftung von Klingelbrettern und Briefkästen ist ebenfalls ein Leidensthema. Können Briefe von Senat, Bezirksämtern oder GEZ nicht zugestellt werden, landen Meldeanfragen beim Vermieter - von Einschreiben, Rechnungen oder Paketen ganz zu schweigen. 
  • Kein Vermieter - weder von bewirtschafteten noch unbewirtschafteten Immobilien - kennt die aktuellen Verbrauchswerte für Strom, Kalt- und Warmwasser sowie Heizung seiner Mieter. Nicht selten kommen die Abrechnungen der Ablesedienste erst 9 Monate und später.
  • Zu guter Letzt sind alle Tätigkeiten rund um Ablesungen und Austausch, Wartung und Pflege für Aufzüge, Heizungen und Gasthermen, aber auch Installation und Wartung von Internet- und Telefonleitungen noch immer mit hohem personellen Aufwand der Verwaltungen verbunden.

Organisationsberater Tom Leppin kommt im Gespräch zum Ergebnis: "Dafür hatte ich nach 1 Jahr bei Medici Living keine Lösungen. Da konnte ich nicht sagen: 'Das Unternehmen ist gut aufgestellt'." Der nimmer müde Unternehmer stellt sich 2 entscheidende Fragen: 1. Was kann in eine digitale Lösung gegossen werden? und 2. Was gibt es an nützlichen Software- und Hardware-Tools? Das Ergebnis seiner Recherchen: Es gibt nur unterstützende Software und keine Vernetzung mit Hardware.


Während seiner Zeit beim Rechenzentrumsbetreiber Telefonica absolvierte der Jungunternehmer ein Duales Studium zum Informatiker. Aus seinem Know how als Spezialist für Operator-Netzwerke sowie als Projekt- und Servicemanager bei Telefonica sowie als Vertriebsmanager für Makler-Software bei Immowelt und später bei Immonet weiß der 29-Jährige, worauf es technisch ankommt. Aus seinen praktischen Erfahrungen bei Medici Living entwickelt er diesen Fragenkatalog:

Informatiker und Betriebswirt Tom Leppin
Foto: Carnaby Capital
  • Wo kann ich im Vermietungsprozess manuelle Revisionspunkte durch Vernetzung automatisieren?
  • Wo kann ich das Schlüsselmanagement durch programmierbare Chipkarten und Mobile Apps ersetzen?
  • Wie kann ich Klingelanlage, Briefkästen und Paketboxen per Fernsteuerung flexibel programmieren?
  • Wie kann ich Zähler digital vernetzen und möglichst automatisch auslesbar arbeiten lassen?
  • Wo und wie kann ich Vertragsmanagement und Kommunikation mit Mietern digitalisieren?

Das Lösungskonzept ist der klassische Ansatz in der Digitalisierung von Dienstleistungen: Ich lege einen digitalen Prozess horizontal über den Lebenszyklus des Mietverhältnisses - von der 1. virtuellen Besichtigung, der Kontaktaufnahme und den Vertragsabschluss, den Einzug und die Übergabe, die regelmäßigen Tätigkeiten zu Abrechnung, Wartung und Pflege bis zur Kündigung, dem Auszug und der Rückgabe des Mietobjektes. Anfang 2016 sucht Tom Leppin genau solch eine IT-Lösung für sein "Carnaby Living House" in Schöneweide - vergebens.

Am Markt gibt es lediglich Einzellösungen für einzelne Aufgaben, keine Lösung vernetzt einsetzbare Hardware mit bestehenden Software-Systemen. Kein System bietet eine zentrale Steuerung der elektronischen Möglichkeiten in einer modernen, digital-vernetzen Immobilie. Zudem handelt es sich meist um geschlossene Systeme, die der heutige Hamburger vorfindet. "Wir müssen für die Bewirtschaftung unseres Hauses in Berlin eine bessere Lösung finden", entscheidet Leppin.

Betriebskosten beeinflussen Beleihungswert und Verkaufswert

Digitales Immobilien-Management am PC
Screenshot: REOS
Ein cleverer BWL'er rechnet zunächst alles in einer Excel-Tabelle durch, bevor er davon überzeugt ist, dass er richtig liegt. Die Finanzierung und der spätere Verkauf seiner Immobilie in Berlin lässt Tom Leppin richtig hellhörig werden: Bei 70-80% Fremdfinanzierung des Wohnheims ziehen die Gutachter der Banken laut Beleihungswertverordnung bei bewirtschafteten Immobilien - wie Studenwohnheimen, Serviceappartments oder Altenheimen - bis zu 25% vom Beleihungswert = Kreditvolumen pauschal ab. Bedeutet: Für den Bau ist ein deutlich höheres Eigenkapital erforderlich.

Nach ähnlichem Prinzip geht es beim Verkauf der Immobilie zu: Zur Berechnung des Verkaufswertes werden von den Gesamteinahmen die Neben- und Verbrauchskosten sowie die laufenden Bewirtschaftungskosten abgezogen. Daraus ergibt sich eine Nettokaltmiete die bei einem Faktor 20 den Wert der Immobile bestimmt. Bei niedrigeren Bewirtschaftungskosten ergibt sich laut Adam Riese eine höhere Nettokaltmiete und somit ein höherer Verkaufswert und ... höherer Gewinn. Und genau an diesem Punkt schlägt das Herz von Informatiker und Betriebswirt Tom Leppin höher.

Konkrete nennenswerte Vorteile bei Kreditvergabe und Verkauf

In Gesprächen mit den Gutachtern der Banken kann Leppin durch geplante Digitalisierung und Automatisierung bei händischen Aufgaben wesentlich niedrigere Abzüge bei den Bewirtschaftungskosten erreichen. Neben dem direkten, Eigenkapital schonenden, Nutzen geht Leppin ein Licht auf: "Ich brauche einen betriebswirtschaftlichen Nutzen, warum ich das machen soll." Mit Baubeginn Anfang 2016 vergleicht der Perfektionist mögliche Komponenten am Markt, tauscht sich in der Branche über Ideen aus, einen Layer zu entwickeln, der für jeden Verwalter nutzbar sein sollte.

Auf dem Weg zum Betriebssystem für seine eigene Immobile stellt der Gründer und Kopf hinter der Hamburger Softwareschmiede REOS ein Lastenheft auf:

  • Ein digitaler Gebäude-Manager sollte für jeden Vermieter, Verwalter, Mitarbeiter und Mieter nutzbar sein.
  • Es sollte kein technisches Know how erforderlich sein, weil die Immobilienbranche keine Techo-Branche ist.
  • Die Hardware - wie WLAN, Zentral-Einheit, Schließanlagen, Anzeigen und Messegeräte - sollte in Bestandsimmobilien nachrüstbar sein.
  • Für die Nachrüstung sollte keine zusätzliche Verkabelung der Gebäude und ihrer Einheiten erforderlich sein.
  • Es sollten überschaubare Investitionskosten notwendig sein, um ein gebäudeeigenes System zu implementieren.
  • Die Kosten für das Immobilien-Betriebssystem müssen auf die Betriebskosten der Mieter umlagefähig sein.

9 Monate entwickelt das Team der REOS Software vom Brandshofer Deich vor allem an den notwendigen Schnittstellen, um alle Komponenten miteinander lauffähig zu machen. Herzstück des Betriebssystems ist ein Rasperry PI mit zuverlässigem und systemoffenem Linux-Betriebskern. Das Meisterstück der Hamburger Entwickler ist der digitalisierte Vermietungsprozess - von der Vertragsgestaltung über die Unterschrift, Bonitätsprüfung und Kautionshinterlegung bis zum Dokumentenmanagement. Für die Mieter nicht nur in Schöneweide heißt das, in Zukunft über ein Mieterportal und eine iOS- und Android-App mit ihrem Vermieter in Kontakt zu kommen.


Das A und O: Durchgängige Service-Prozesse
Grafik: REOS

Am 20. April d. J. war es soweit. Mit Projektentwicklern, Hausverwaltern, Assetmanagern und Interessenten von rd. 30 Firmen und Verbänden feierte REOS an der östlichen Spitze der Hafencity vis-a-vis des künftigen Elbtowers den Launch von REOS. Bis zum August d. J. soll das Vermieterportal stehen - inkl. automatisierter Erhebung und Abrechnung von Verbrauchsdaten in Echtzeit. Bis zum Jahresende soll die vollautomatische und digitale Nebenkostenabrechnung Wirklichkeit werden. Herausforderung sind dabei u. a. verschiedene Wärmequellen, unterschiedlich gemanagte Wirtschaftseinheiten und mehrere Grundstücke in einer Immobilienanlage.

White Label-Lösung, Kundenzugang & Value Added Service

Wenn REOS als Betriebssystem Gebäude managen wird, wenn sich die Plattform-Lösung zwischen Vermieter und Verwalter auf der einen Seite und Mieter auf der anderen Seite schiebt, welche digital-vernetzten Geschäftsmodelle sind dann mit einem umfassenden Digitalsystem noch möglich? Tom Leppin sieht neben der White Label-Lösung seiner Mieter-App als Kundenzugang eine Reihe von "Value Added Services". Dazu gehören z. B.  der Betrieb von Waschmaschinen und Wäschetrocknern in Gemeinschaftskellern, die Vermietung von Car Sharing-Fahrzeugen, der Betrieb von E-Ladesäulen oder die Integration von Lieferdiensten, wie Pizzaboten oder Dienstleistern, wie Reinigungsdiensten.


Kosten senken, Mieterzufriedenheit gewinnen, Werte steigern
Grafik: REOS 

Denken wir an Smart Building der Zukunft, können Echtzeitdaten aus dem Betrieb von Immobilien für die Optimierung von Versorgungs- und Versicherungsverträgen nützlich sein, z. B. bei Tag-/Nachtstromtarifen und Gebäudeversicherungen mit einer frühzeitigen Wasserschadensmeldung. Dazu kommen Forschungsprojekte z. B. zum Thema Smart City. So werden pseudomisierte und anonymisierte Daten aus Hamburg in einem Projekt des City Science-Lab der Hafencity Universität Eingang finden und die öffentlichen Daten des Smart City-Datenpools ergänzen. 

In der Hafencity, in Hamburg und um Hamburg herum ...


Stadtentwicklungsobjekt Hafencity an der Elbe
Foto: mediaserver.hamburg.de / DoubleVision
In die Zukunft geblickt, könnte das smarte Betriebssystem für smarte Immobilien ein spannendes Thema sein - z. B. für den ab 2030 auf dem benachbarten Grasbrook geplanten Innovationsstadtteil mit 3.000 Wohnungen für 6.000 Bewohner in intelligent-vernetzten Gebäuden. So werden laut Planungen 40% der Tiefgaragen-Stellplätze mit E-Ladesäulen ausgestattet und 30% werden generell für Car Sharing-Fahrzeuge reserviert sein. Vertreter der verantwortlichen Hafencity GmbH unter Leitung des Visionäres Prof. Jürgen Bruns-Berentelg sollen bereits bei dem 10-köpfigen Team am Brandshofer Deich gesichtet worden sein, berichten gut unterrichtete Kreise. Mehr kann dazu aber wohl im Moment noch nicht verraten werden ...

 Hamburg Digital Background: 

REOS Software:
www.reos-software.com

Carnaby Living House Berlin:
http://livinghouse.berlin/

CityScienceLab@HCU Hamburg:
www.hcu-hamburg.de/research/csl/

Innovationsstadtteil Grasbrook:
www.hafencity.com/de/news/grasbrook-ein-neuer-urbaner-stadtteil-fuer-hamburg.html

Sonntag, 23. April 2017

HANSEPERSONALITY Heiko Milde: "Wir sollten noch mehr auf Hamburgs Stärken setzen."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Die Hamburgische Investitions- und Förderbank IFB ist mit ihrem Start am 1. August 2013 ein echter "Spätzünder" unter den landeseigenen Förderbanken. Für Hamburgs Startups ist die IFB Hamburg jedoch ganz weit vorn. Wie kaum eine Förderbank hat die IFB von Anfang erkannt, wo Startups in Gründung und Wachstum der Schuh drückt.

Hamburgs Startup-Förderer Dr. Heiko Milde
Foto: IFB Hamburg
Bundesweit bekannte und erfolgreiche Hamburger Startups, wie Baqend, LifeTime, Familonet und Tinitracks gehören zum Portfolio der IFB Startup-Tochter IFB Innovationsstarter GmbH. Federführend verantwortlich für die städtische Startup-Förderung ist Heiko Milde. Der Elektrotechniker und Informatiker versteht Startups - und ist ein beliebter Ansprechpartner. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Heiko Milde:

Du bist Geschäftsführer der IFB Innovationsstarter GmbH. Das klingt für einen außenstehenden Startup-Gründer auf den ersten Blick vielleicht wie ein Inkubator oder Accelerator. Was machst Du als Geschäftsführer bei IFB Innovationsstarter, wer steckt dahinter und warum bist Du mit Deinem Team interessant für Startups in unserer Stadt?

Die Frage, was wir machen, ist ganz einfach zu beantworten: Wir fördern Hamburgs Startups mit Geld. Junge innovative Unternehmen sind wichtig für die Zukunftsfähigkeit des Standorts, zugleich haben sie es besonders schwer, das erforderliche Startkapital aufzutreiben. Wir entschärfen diese Finanzierungslücke, indem wir als Tochter der Hamburgischen Investitions- und Förderbank den Startups Zuschüsse und Beteiligungskapital zur Verfügung stellen. Wir sind also kein Inkubator oder Accelerator, sondern ein öffentlicher Kapitalgeber.

Startups in der Gründungsphase haben oftmals noch keine Umsätze, jedoch von Anfang an Personal- und Entwicklungskosten. Einige Digitalpolitiker kritisieren die Angelszene an Alster und Elbe als zu klein. Mit "InnoRampUp" bietet Ihr eine Startfinanzierung ohne Rückzahlung an. Wie hoch ist die Förderung und was müssen Startups bei Euch einreichen?

Innovative Startups, die jünger als zwei Jahre sind und ihren Sitz in Hamburg haben, können wir mit Zuschüssen in Höhe von bis zu 150 TEUR pro Unternehmen unterstützen. Mit diesem „Seedmoney“ machen wir viele innovative Gründungen überhaupt erst möglich. 


Voraussetzungen sind neben einer überzeugenden Geschäftsidee vor allem ein gutes Team. Idealerweise schicken die Gründer uns ihre Unterlagen wie z.B. ein Pitch Deck per E-Mail zu. Wir prüfen das dann und laden das Team gegebenenfalls zu einem persönlichen Gespräch ein. Später muss das Startup noch einen unabhängigen Ausschuss von seiner Idee überzeugen. InnoRampUp ist ein einzigartig attraktives Programm, eine vergleichbare Förderung finden Startups in keinem anderen Bundesland.

Einige Oppositionspolitiker fordern ein stärkeres Engagement der Freien und Hansestadt bei der Unterstützung von Startups in der Wachstumsphase. Der "Innovationsstarter Fonds" ist seit 2012 ein Hamburger Instrument der Risikokapitalfinanzierung. Wie könnt Ihr konkret Startups unterstützen und welche Rahmenbedingungen müssen Startups erfüllen?

Der Innovationsstarter Fonds ist ein Venture Capital Fonds, der sich an Startups beteiligt und ihnen Eigenkapital zur Verfügung stellt. Dabei geht es um besonders innovative Hamburger Unternehmen, die jünger als fünf Jahre sind. Auch Unternehmen in der Wachstumsphase kommen in Frage. Geldgeber des Fonds sind zu 50 % die Freie und Hansestadt Hamburg und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Aufgrund der guten Nachfrage wurde der Fonds bereits aufgestockt.

Der Innovationsstarter Fonds investiert bis zu 1 Mio. EUR pro Startup. Voraussetzung ist eine wachstumsstarke Geschäftsidee, die auf einer selbstentwickelten Innovation basiert und von einem überzeugenden Team vorangetrieben wird. Idealerweise kommen die Startups zu uns, wenn sie bereits erste Kunden und Umsätze haben, insbesondere bei Deep-Tech Unternehmen ist das aber nicht erforderlich. Auch beim Innovationsstarter Fonds freuen wir uns, wenn die Gründer uns zuerst ihr Pitch Deck schicken.

So gut wie jedes Bundesland setzt heute auf Startups und innovative Firmengründungen in ihrer Förderpolitik. Ihr seid mit Euren Programmen seit 2012 aktiv, Startups und fortschrittliche Technologien zu unterstützen. Wie sieht Euer ganz persönlicher "Track-Record" als Förder- und Beteiligungsgesellschaft nach 5 Jahren aus?

Wir sind 2012 mit dem Innovationsstarter Fonds die ersten Beteiligungen eingegangen. In 2013 kam InnoRampUp dazu. Die beiden Programme ergänzen sich ideal: Viele ganz junge Unternehmen starten mit InnoRampUp und, wenn es passt, investiert später der Innovationsstarter Fonds weiteres Kapital. Mit InnoRampUp haben wir bisher 66 Startups gefördert, und der Innovationsstarter Fonds ist 27 Beteiligungen eingegangen. Damit sind wir der aktivste Kapitalgeber für Hamburger Startups. Zu den von uns unterstützen Unternehmen zählen z.B. Sonormed (Tinnitracks), Familonet, eBlocker, Connected Health (Lifetime), Channelpilot, bentekk, Baqend, Sofaconcerts und Nect.

Der Senat plant einen Innovations-Wachstums-Fonds mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio. €, 10 Mio. € davon aus dem Stadtsäckel. Wie weit sind die Planungen für das Public-Private-Partnership-Projekt mit privaten Investoren aus der Hamburger Wirtschaft fortgeschritten und wann können Hamburger Startups mit zusätzlicher Wachstumsfinanzierung rechnen?

Die Hamburgische Investitions- und Förderbank hat in Abstimmung mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation einen Bericht zum Innovations-Wachstumsfonds erstellt. Dabei haben wir mit externen Experten zusammengearbeitet. Nach meinem Kenntnisstand soll die Bürgerschaft vom Senat im zweiten Quartal 2017 informiert werden. Dann erfahren wir mehr.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: In den vergangenen gut 3 Jahren hat sich in der Hamburger Startupszene viel getan - dank privater und öffentlicher Initiativen. Heute haben wir rd. 600 bekannte Startups in Hamburg. Wie beurteilst Du den Startup-Standort Hamburg und wo können Politik, Verwaltung, Investoren und Wirtschaft noch eine "Schüppe drauflegen"?

Es ist richtig, in den letzten Jahren hat sich viel getan: Unternehmen wie Kreditech, Facelift, Statista, Finanzcheck und Dreamlines haben stattliche Finanzierungsrunden eingeworben, und Smatoo hat einen schönen Exit hingelegt. Mit den Online Marketing Rockstars, Startups@Reeperbahn, dem Hamburg Innovation Summit, der Solutions.Hamburg und der d3con haben sich erfolgreiche neue Veranstaltungsformate etabliert. Eine große Anzahl von Co-Working Spaces wurde eröffnet und verschiedene Acceleratoren wie z.B. der New Media Accelerator sind gestartet. Zur Vernetzung der Startup-Szene trägt Hamburg Startups bei. 


Aber auch die öffentliche Förderung wurde massiv ausgebaut: NextMedia.Hamburg wurde gestartet und mit InnoRampUp und dem Innovationsstarter Fonds haben wir ein erfolgreiches Fördertandem aufgestellt, das deutschlandweit seinesgleichen sucht. Hamburg ist daher sicherlich ein sehr attraktiver Standort für Startups. 

Die in der ganzen Stadt herrschende Aufbruchsstimmung sollten wir nutzen und dabei noch mehr auf Hamburgs Stärken setzen. Ich denke da primär an Luftfahrt, Hafen und Logistik aber auch an das private Kapital, das sich gegenüber Startups stärker öffnen könnte. Zudem wird es spannend zu sehen, was aus den Aktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird, die sich gerade alle mit dem Thema Startups befassen.

Vielen Dank für das tolle Interview!

Das Interview führte Thomas Keup.
*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Heiko Milde bei Linkedin

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Sonntag, 8. Januar 2017

HANSEEXKLUSIV: Millionen-Investment für LifeTime aus Hamburg

Mit aktuellen Updates:


Das Hamburger Digital Health-Startup Connected-health.eu GmbH aus Altona erhält eine millionenschwere Finanzierung der Stuttgarter Verlagsgruppe Thieme und des Altgesellschafters High-Tech Gründerfonds aus Bonn. Das erfuhr das Hamburg Digital Magazin HANSEVALLEY exklusiv vorab aus Branchenkreisen. 

Gründer und Geschäftsführer Dr. Johannes Jacubeit spricht in einer Stellungnahme zur Finanzierung von einem 1. Teilabschnitt der Series-A. Mit dem Kapital soll vor allem der Vertrieb bei Ärzten und medizinischen Einrichtungen in Hamburg und in der Metropolregion ausgebaut werden.
Series-A-Finanzierung zur deutschlandweiten Expansion

Es ist zu erwarten, dass Connected-health bald mit weiteren Inve
storen der Series-
A eine bundesweite Markterschließung plant. Vor einem Jahr erhielt Connected-health eine erste Millionensumme durch den HGTF im Rahmen der Seed-Finanzierung. Connected-health.eu ist laut eigener Angaben nach der aktuellen Finanzierung mit über 3 Mio. € kapitalisiert. 

*Update* Das hoch spezialisierte Tech-Startup bietet mit der Patienten-App "LifeTime" und einem digitalen Lesegerät für Arztpraxen namens "LifeTime-Hub" ein Anbieter-übergreifendes und sicheres System zur Übermittlung, Speicherung und Weitergabe von Patientendaten an. Derzeit laufen bereits mehr als 150 Hubs in Praxen und Einrichtungen an Elbe und Alster und nutzen das "LifeTime-System" zum Datentransfer.

Zu den Partnern des Altonaer Jungunternehmens gehören u. a. die AOK, die Barmer GEK, die Optimedia AG, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie die Freie und Hansestadt Hamburg. Künftig soll das "LifeTime-System" um medizinische Fachinformationen aus dem Fachverlag des neuen Gesellschafters Thieme-Gruppe erweitert werden.


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