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Sonntag, 15. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Jens Assmann: So lange wir das "Beamen" nicht erfunden haben, brauchen wir physische Transportmittel.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Design Thinking, Digitalisierung, Transformation: Der Reeder fragt ich bei diesen Buzzwords: 'Was soll ich damit?' Und der Spediteur wundert sich: 'Seit wann kann man Container beamen?' Bei aller hanseatischen Zurückhaltung tut sich dennoch etwas zwischen Alster und Elbe: Ein Campus, ein Hub und ein Lab wollen der Logistik in die Zukunft verhelfen, ebenso, wie ein Netzwerk, ein Testfeld und diverse Runden.

Die Digitalisierung ist an Kaimauern, Terminals und Blocklagern angekommen. Die ersten fünf Startups haben den Digital Hub Logistics Hamburg bezogen. Etablierte Player laden zu Workshops und Meetups, um den Anschluss nicht zu verpassen. Mittendrin: die Handelskammer Hamburg mit dem langjährigen Kenner und Leiter Verkehr, Hafen und Schifffahrt. Unser HANSEPERSONALITY ist Jens Assmann:

Gehen wir gleich in die Vollen: Wo sehen Sie als langjähriger Kenner von Schifffahrt, Hafenwirtschaft und Logistik die besonderen Chancen als auch die speziellen Herausforderungen durch die Digitalisierung von Dienstleistungen und ganzen Geschäftsbereichen?

Die etablierten Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Geschäftsmodelle von Firmen herausgefordert werden, die bislang nicht zu ihren klassischen Konkurrenten gehören. Ein Start-up in der Logistik muss nicht zwingend aus dem Güterverkehr kommen, um diesen revolutionieren zu wollen.

Dadurch, dass vor allem die maritime Logistik sehr auf B2B-Beziehungen und weniger B2C-Kontakte ausgerichtet ist, sind sie bislang noch nicht so im Visier der Transformation durch Branchenfremde gewesen. Eines ist aber klar: „Lange Lunte, großer Knall“ - wie es eine Deloitte-Studie für die Logistik genannt hat - heißt zwar, dass man eine längere Vorwarnzeit als z. B. die Medienbranche hat, es bedeutet aber auch, dass der „Knall“ folgen wird und der „Digitalisierungs-Kelch“ an dieser Branche nicht vorüber geht.

Laut ihrem Hamburger Logistikbarometer sind die Hamburger Logistikunternehmen bereit, ihre Prozesse zu digitalisieren, hoffen aber darauf, dass der Kelch an ihren Dienstleistungen vorbeigeht. Was haben Kammer und Verbände versäumt, um Hafen und Logistik frühzeitig einzustimmen?

Sie sind durchaus eingestimmt. Wenn man über Digitalisierung redet, sind aber drei Ebenen zu unterscheiden: Digitalisierung von Prozessen, Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen und schließlich die Digitalisierung des Geschäftsmodells. In der Logistik gibt es noch zahlreiche Prozesse, die nicht vollständig digitalisiert sind und Medienbrüche aufweisen. Mit dieser Einstiegsebene der Digitalisierung haben sich viele Firmen schon vor etlichen Jahren auseinandergesetzt, andere haben ihn noch vor sich. Das Erstellen neuer Produkte und Dienstleistungen, die durch digitale Transformation ermöglicht werden, ist schon anspruchsvoller. 


Die Königsdisziplin ist dann die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells, quasi die Disruption von innen. Es gibt einige interessante Beispiele, bei denen große Firmen selbst ein Startup gründen. Wenn es gut läuft, bekommt es große Freiheiten und das Team kann ohne die „Legacy“ der Firma innovativen Ideen freien Lauf lassen. Am Ende des Tages muss man aber auch festhalten, dass wir, solange wir das „Beamen“ nicht erfunden haben, zum Transport von Gütern auch weiterhin „analoge“ und physische Transportmittel und Wege benötigen und Digitalisierung nicht alles auf den Kopf stellen wird.

Der Verband Deutscher Reeder lädt zu einem Blockchain-Workshop ein, die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler wird während der "Eisbein-Woche", im Digital Hub Logistics Unternehmen mit Startups vernetzen. Was werden Sie künftig unternehmen?


Gerade in diesem Jahr haben wir unsere Aktivitäten zur digitalen Transformation der Logistik in der Handelskammer deutlich ausgebaut. Bereits im Mai haben wir die fünf Hamburger Güterverkehrsverbände zu einem Workshop eingeladen, um gemeinsam über die raschen Veränderungen durch Digitalisierung im Markt zu sprechen. Im Juli haben wir dann eine große Veranstaltung zum Thema durchgeführt, bei der u.a. Frau Titzrath für die HHLA und Herr Dr. Rodi für Kühne+Nagel darüber berichtet haben, wie sich ihre Firmen auf die digitalen Transformation einstellen. 

Die Frage, ob die Blockchain-Technologie Lieferketten revolutioniert, haben wir dann in einer Veranstaltung im September erstmals diskutiert. In der kommenden Woche steht eine branchenübergreifende Delegationsreise unserer Handelskammer zu den Disruptoren ins Silicon Valley an und für 2018 planen wir bereits weitere Digitalisierungsveranstaltungen.

Der Chief Digital Officer der HPA - Dr. Sebastian Saxe - lädt auf HANSEVALLEY alle Player im Hafen - inkl. DAKOSY und HHLA - ein, die gewaltigen Herausforderungen der Digitalisierung im Schulterschluss zu meistern. Wie stehen Sie zu dem Vorschlag?

Die Logistikstandort Hamburg hat gerade mit seiner einmaligen Kompetenz im maritimen Bereich die Chance, ein Taktgeber der Digitalisierung zu werden. Ein Zusammenspiel der Hamburg Port Authority mit ihrer Zuständigkeit für die Digitalisierung der Hafeninfrastruktur mit den Firmen entlang der Wertschöpfungskette, die sich um die Digitalisierung der Prozesse beim Transport von Gütern kümmern, existiert bereits und sollte weiter intensiviert werden. 

Warum sollte sich Hamburg nicht zum Ziel setzen, der erste Standort in der Welt zu sein, der seine maritime Lieferkette als Prozess nicht nur digitalisiert, sondern komplett auf der Blockchain abbildet?

Dr. Alexander Geisler, Geschäftsführer der Hamburger Schiffsmakler und -agenten, fordert auf HANSEVALLEY eine stärkere Verbundausbildung, um dem Nachwuchs die ganze Bandbreite der durch die Digitalisierung zersplitterten Berufe zu vermitteln. Was werden Sie unternehmen?

Wir haben die maritimen Spitzenverbände in der letzten Woche zu einem Auftaktgespräch zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf maritime Berufsbilder eingeladen. Es geht darum, dass wir uns vor Augen führen, was sich bei dualen Berufen wie dem Schifffahrtskaufmann oder dem Kaufmann für Spedition und Logistik verändern wird und diskutieren, wie wir dies in die Berufsbilder einbringen wollen. Ende November wird es dann einen branchenübergreifenden Roundtable in unserer Handelskammer geben, der eine große Konferenz zur digitalen Transformation der Arbeitswelt für 2018 vorbesprechen wird.

Hamburgs "Kammer-Digitalisierer" und HSBA-Hochschulchef Uve Samuels fordert in seinem aktuellen Buch "Das Kapital 4.0" eine digitalisierte Kammer als Netzwerk für die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Was sagen Sie zu dieser mutigen Forderung?

Ich finde das spannend. Die zentrale Frage lautet: Was macht eine solche digitale Handelskammer für ihre Mitglieder besser, schneller, effektiver? Wie fördert sie den Erfolg der Unternehmen im Kontext der Digitalisierung optimal? Um das herauszuarbeiten, haben wir in der Handelskammer das umfassende Digitalisierungsprojekt "Digital Voraus" gestartet und stellen dabei unsere Prozesse und Angebote grundlegend auf den Prüfstand.

Unsere Hamburg-Frage an Sie: Es gibt zahlreiche Initiativen zur Digitalisierung, wie den "Digital Hub Logistics Hamburg", den "Hammerbrooklyn Digital Campus" und das geplante "Deutsche Maritime Zentrum". Was wünschen Sie sich von der Stadt, damit die Initiativen erfolgreich sind?

Das ist ein Thema, das mich sehr umtreibt. Neben den genannten Initiativen gibt es noch das "Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg" in der Handelskammer, das sich ebenso mit Logistik beschäftigt, das Netzwerk rund um die Bewerbung Hamburgs für den ITS-Kongress sowie das "Digitale Testfeld Hamburger Hafen" vom Bundesverkehrsministerium. So schön es ist, dass viele virtuelle und physische Plattformen zur Logistik entstehen, so sehr müssen wir darauf achten, dass Schnittstellen zwischen den Plattformen definiert werden. 

Für den Kunden dieser städtischen und privaten Angebote sollte schnell ersichtlich sein, welche Kernkompetenz angeboten wird und was die Unterschiede sind. Hamburgs Ziel muss es sein, dass diese Plattformen Etablierte und Start-ups zusammenbringen, damit ein organisiertes und ständiges Herausfordern und in Frage stellen stattfindet. Wenn das gelingt, werden die nächsten digitalen Logistikinnovationen aus Hamburg kommen.


Vielen Dank für die offenen Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.


* * *

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels:
Blockchain ist unsere Chance!

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe:
Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt

HANSEPERSONALITY Dr. Alexander Geisler:
Probleme vor Ort lassen sich selten in einen digitalen Prozess fassen.

01.11.2017: "EISBEIN-STARTUPS" - Logistics meets Digital
www.eventbrite.com/e/eisbein-startups-logistics-meets-digital-tickets-38800888502

Handelskammer Hamburg: Logistikbarometer 2017

Sonntag, 1. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Alexander Geisler: Probleme vor Ort lassen sich selten in einen digitalen Prozess fassen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Sie sind die Mittler zwischen Häfen, Terminals und Reedereien. Sie kümmern sich um Schiffe, Fracht und Crews - Schiffsagenten und Schiffsmakler sind die Vertrauensinstanz zwischen den Playern im Hafen. Mit Blockchain-Technologie im Internet der Werte ändert sich alles: Informationen und Verträge können digital vertrauensvoll vermittelt werden - ohne langjährig verbundene Agenten.

Was bedeutet die Digitalisierung von Geschäftsprozessen und ganzen Geschäftsbereichen für Hamburgs Schiffsagenten und Schiffsmakler? Wie müssen die Mitarbeiter für die Zukunft ausgebildet werden? Und wie sieht die einflussreiche Gilde der Schiffsmakler die Umbrüche im Hamburger Hafen. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Alexander Geisler:


Ihre Schiffsagenten und -makler arbeiten an den Häfen der Welt mit allen Möglichkeiten elektronischer Kommunikation. Die Digitalisierung bricht neben Information und Kommunikation jedoch auch ganze Geschäftsmodelle um. Haben Sie Angst vor digitalen Agenturplattformen?

Nein, keine Angst, aber Respekt. Allerdings gehören der elektronische Datenaustausch und der Aufbau digitaler Lieferketten bereits seit Jahren zum Berufsalltag in der maritimen Branche. Die lokalen Linienagenturen bilden die Schnittstelle zwischen den globalen Headquarters der Reedereien und den hiesigen Terminals, Spediteuren sowie den Verladern. 


"Es ist heute völlig egal, wo z. B. die Abteilungen zur Rechnungserstellung oder für die Dokumentationen sitzen." 

Diese berufsbedingte Begeisterung unserer Branche für die Technik hat den Aufbau der notwendigen digitalen Infrastruktur geschaffen und damit papierlose Häfen ermöglicht. Gleichwohl hat die Entwicklung durch die neuen technischen Entwicklungen einen erheblichen Schub erfahren. Und so manches Mal ist die Digitalisierung Fluch und Segen für die Branche:
  • Segen, weil sie einen zeitnahen Datenaustausch ermöglicht und damit die Kommunikation mit den Partnern und Kunden - global und lokal - erhöht. Dazu haben auch wettbewerbsneutrale Datenplattformen beigetragen. Dadurch konnten neue Geschäftsfelder erschlossen und bestehende vertieft werden. 
  • Fluch, weil die Arbeitsprozesse standardisiert und austauschbar wurden. Es ist heute völlig egal, wo z. B. die Abteilungen zur Rechnungserstellung oder für die Dokumentationen sitzen. Die Daten können (fast) ohne Zeitverzögerung rund um den Erdball geschickt werden. 
Dies kann im Ergebnis den Wegfall von Arbeitsfeldern und bisherige Aufgaben bedeuten. Allerdings haben die Erfahrungen gezeigt, dass es trotzdem immer einen Bedarf an Schiffsmaklern und Schiffsagenten geben wird, da die digitalen Prozesse nur solange gut funktionieren, wie es keine Probleme gibt. Und Probleme vor Ort lassen sich selten in einen digitalen Prozess fassen, der ggf. sogar von einem Rechner in einem anderen Land gesteuert wird. Die Lösung solcher Fragen bedarf immer besonderer Erfahrungen und dieses wird immer die Chance für die lokalen Schiffsmakler und -agenten bleiben.

Wenn die Blockchain-Technologie den vertrauensvollen Austausch von Informationen und Verträgen über das "Internet der Werte" ermöglicht, sind Schiffsmakler und -agenten als "Trust Center" in der globalen Schifffahrt doch überflüssig?! Haben Sie schon ein neues Betätigungsfeld gefunden?

Die Suche nach neuen Betätigungsfeldern war stets ein Antrieb der Schiffsmakler und -agenten und das wird auch so bleiben. Daher beschäftigen sich unserer Mitglieder immer mit neuen Technologien. Und in der Tat, die Blockchain-Technologie bietet das Potenzial, die Abwicklung von Zahlungen und Wertpapiergeschäften erheblich zu vereinfachen, gleichwohl stehen wir bei dieser Technik noch am Anfang.

Hinzu kommt, dass es nach wie vor an einem verbindlichen nationalen Rechtsrahmen fehlt. Hier sind komplexe Fragen zu lösen, die zum Teil über das Verhältnis Linienagenten und Kunde hinausgehen. Derzeit ist die Frage, ob solche elektronischen Dokumente auch genutzt werden können, um öffentlich-rechtliche Verpflichtungen zu erfüllen und die für die Transportabwicklung erforderlichen Nachweise zu erbringen. Oder anders ausgedrückt: Die Frage, ob von Papier auf Elektronik umgestellt werden kann, hängt weniger der Technik ab, als vielmehr von den einschlägigen öffentlich-rechtlichen Normen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.



"Wirklich spannend wird die Diskussion dann, wenn Zahlungsströme per Bitcoin oder anderen Krypowährungen erfolgen sollen"

Allerdings benötigt eine global operierende Industrie keine nationale Insellösung, sondern weltweit einheitliche Standards, um Wettbewerbsverzerrungen durch Rechtszersplittungen zu vermeiden. Und ein solches internationales Regime ist derzeit ebenfalls noch nicht in Sicht.

Wirklich spannend wird die Diskussion dann, wenn Zahlungsströme per Bitcoin oder anderen Krypowährungen erfolgen sollen. Während die Schließung mehrerer Bitcoin-Handelsplätze in China und Singapur oder die Maßnahmen der Schweizer Finanzbehörden gegen Anbietern von Krypowährungen wegen Betrugsvorwürfen einen erheblichen Zweifel der dortigen Aufsichtsbehörden erkennen lassen, wurde der Bitcoin in Japan zu Jahresbeginn als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Es bleibt daher abzuwarten, welcher Standard sich ggf. mit welchen Kontrollauflagen durchsetzt.

Bis diese Fragen geklärt sind und auch darüber hinaus, besteht weiterhin ein Bedarf an sog. Trust Centern. Blocks müssen verwaltet werden und Kunden werden einen Ansprechparter vor Ort einfordern, nicht nur für den Vertrieb, sondern auch für die Bereinigung eventueller Fehler in der Blockchain, die es durch das Anlegen neuer Blocks zu korrigieren gilt. Zudem darf man anhand des Beispiel Japans davon ausgehen, dass die Notenbanken eine Rechnungslegung für die Digitalwährung durch eine nationale Vertretung vorschreiben werden. Wenn man es also genauer betrachtet, gibt es für Agenten auch weiterhin ein breites Feld von Tätigkeiten, auch wenn sich die eingesetzten Technologien ändern.

Die Digitalisierung bricht nahezu alle kaufmännischen und organisatorischen Berufsbilder im Hafen um. Einfache Tätigkeiten werden in Software gegossen, komplexe parzelliert oder ausgelagert. Wie ist es um die digitale Ausbildung von Fachkräften in Ihren Mitgliedsunternehmen bestellt?

Ja, in der Tat. Hier könnten die Auswirkungen der Digitalisierung schon recht bald sichtbar werden. Schon heute ist es möglich, große Mengen von Daten sicher und fast in Echtzeit über weite Entfernungen zu transportieren und dieses führte bereits zu einer Umstrukturierung von Arbeitsprozessen und wenn man ehrlich ist, zum Wegfall von Arbeitsplätzen am Standort.

So wurden ganze Abteilungen, z.B. die Rechnungserstellung oder die Dokumentation, von international tätigen Logistikunternehmen zentral für alle Niederlassungen an einem Standort konzentriert. In der Folge gibt es bereits heute Unternehmen am Hamburger Standort, die selber keine Rechnungen oder sonstige Transportdokumente mehr erstellen, sondern digitale Zulieferungen von anderen Standorten des Unternehmens erhalten, die noch nicht mal mehr auf demselben Kontinent sein müssen. Allerdings wurden auch anderen Aufgaben der Unternehmen am Hamburger Standort zusammengezogen.

"Es besteht die Gefahr, dass klassische Berufsfelder, wie die Schifffahrtskaufleute in den Linien, weiter parzelliert werden und von kurzfristig angelernten Kräften ausgeführt werden."


Dieser Trend wird sich mit den neuen Technologien noch weiter verstärken. Es besteht die Gefahr, dass klassische Berufsfelder, wie die Schifffahrtskaufleute in den Linien, weiter parzelliert werden und die verschiedenen Teiltätigkeiten von kurzfristig angelernten Kräften ausgeführt werden, die diese Tätigkeit - neun bis zwölf Teilschritte an der Tastatur - anhand von Handbüchern erklärt bekommen, wenn sie denn nicht irgendwann komplett automatisiert werden.

Die in Hamburg spürbare Folge ist, dass es bereits heute Ausbildungsbetriebe gibt, die nicht mehr alle praktischen Kenntnisse vermitteln können, da diese Tätigkeiten an anderen Orten konzentriert sind. Lücken bei der Wissensvermittlung können nur durch eine stärkere Verschulung der Ausbildung an den Berufsschulen oder durch eine stärkere Verbundsausbildung geschlossen werden. Meines Erachtens täten die Verbände, die Berufsschule und die Kammer gut daran, Initiativen zur Verbundsausbildung noch stärker zu fördern.

Auf der anderen Seite bietet die Digitalisierung natürlich die Chance, zukünftig in Berufen zu arbeiten, die es heute noch nicht gibt. Mit Blick auf das Tempo des technischen Fortschritts und der daraus resultierenden Veränderungen der Arbeitswelt sowie der Berufsbilder ist die Umsetzung von "lebenslangem Lernen“ als zentrales Konzept der beruflichen Weiterbildung unverzichtbar. Die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte ist eine wichtige Zukunftsaufgabe für die Unternehmen und die Bildungseinrichtungen.

Sie vertreten die Interessen der Linienagenten (DHLI) im Aufsichtsrat des IT-Dienstleisters DAKOSY. HPA-Chefdigitalisier Dr. Sebastian Saxe hat DAKOSY und HHLA eingeladen, sich an einen Tisch zu setzen  und die Digitalisierung im Hafen gemeinsam anzugehen. Wie stehen Sie dazu?

Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass es dazu einer gesonderten Einladung bedürfte. DAKOSY, HPA und HHLA arbeiten bereits seit vielen Jahren eng sowie vertrauensvoll zusammen. Und es gibt keinen Grund, warum sie das nicht auch in Zukunft machen sollten. Das gilt im Übrigen gleichermaßen für Eurogate und die anderen Terminals oder auch den Speditionen und Reedereien. Als Mitglied im Aufsichtsrat der DAKOSY AG saß Dr. Saxe bereits viele Jahre mit den Vertretern der Spediteure, der Reedereien und Hafenunternehmen zusammen und es gab einen engen inhaltlichen Austausch.

Aus dieser Situation heraus entstanden viele gemeinsame Projekte und die HPA konnte beim Aufbau eigener digitaler Strukturen im erheblichen Maße von der Innovationskraft und dem technischen Knowhow der DAKOSY AG profitieren. Ich gehe davon aus, dass mit der Wahl des HPA-Chefs, Jens Meier, diese Zusammenarbeit weiter vertieft wird. 


Eine führende Reederei hat versucht, die Hamburger Hafenplayer in ihr "Port System" zu bringen. Reedereien, Spediteure und Tech-Startups bauen eigene Datenplattformen auf. Wie kann der Hamburger Hafen dem "Angriff" von diversen Seiten standhalten?

Es ist völlig natürlich, dass die Unternehmen, insbesondere die globalen Containerlinienreedereien prüfen, inwiefern sie neue Technologien einsetzen können, um die eigenen Abläufe zu optimieren und wie sie dadurch Kosten sparen können. Daher nutzen viele Unternehmen die digitalen Möglichkeiten bereits sehr intensiv und der Aufbau sog. umfassender Digital Supply Chains ist im vollen Gange.


"Jede am Transport beteiligte Partei möchte im Bestfall nur eine Schnittstelle in einem mit allen Beteiligten abgestimmten Format haben."

Einen Angriff auf die bestehenden Strukturen im Hafen sehe ich darin aber nicht, denn zwecks Organisation eines reibungslosen Gütertransportes müssen Daten mit anderen Beteiligten geteilt werden. Und hierfür bieten sich die wettbewerbsneutralen Plattformen an. Schließlich möchte jede am Transport beteiligte Partei im Bestfall nur eine Schnittstelle in einem mit allen Beteiligten abgestimmten Format haben, um die notwendigen Meldungen zu machen.

Jede neue Plattform, jedes neue System bedeutet aber auch immer eine neue Schnittstelle, einen neuen Übertragungsweg, den es zu integrieren gilt. Ich zweifle sehr daran, dass in Zukunft hierzu die Bereitschaft besteht. Schließlich sollen die neuen Technologien zu einer Vereinfachung führen und nicht dazu, dass jedes Unternehmen seinen eigenen Standard etabliert.


Schauen wir in die Zukunft: 3D-Druck bringt neue, dezentrale Produktion. Der Hafen verliert weiter an Boden gegenüber Rotterdam und Antwerpen. Die Wareneinfuhren aus Asien sinken, der Rohstoffumschlag nimmt zu. Wo liegt die künftige Wertschöpfung im Hafen?

In der Tat könnten der 3D-Druck und auch die politische gewünschte Re-Industrialisierung der USA und Europas zu einem Rückgang bestimmter Gütermengen führen. Gleichzeitig steigen aber die Weltbevölkerung und auch der Wohlstand in vielen Volkswirtschaften. Es wird daher auch zukünftig einen nicht unerheblichen Bedarf an einem Güteraustausch per Schiff bestehen.

Zudem würde von dieser Entwicklung im Wesentlichen der Containerbereich betroffen sein. Solange Kohle, Eisenerz, Öle und Getreide nicht gedruckt werden können, wird es einen zunehmenden Transport im Massengutbereich geben. Daher wäre der Hamburger Hafen gut beraten, nicht nur auf Container und Kreuzfahrt zu setzen, sondern seinen Anspruch ein Universalhafen zu sein, weiter mit Leben zu füllen.



"Hafennutzung sollte grundsätzlich Vorrang vor der Wohnbebauung haben." 

Aus unserer Sicht muss zudem alles getan werden, um Ladung und Reedereien an den Standort zu binden. Die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Hafen, um den Loco-Anteil zu erhöhen, ist eine Möglichkeit, die es zu nutzen gilt. Dafür müssen aber auch ausreichende Hafenflächen vorgehalten werden. Hafennutzung sollte daher auch grundsätzlich Vorrang vor der Wohnbebauung haben.

Eine andere Möglichkeit ist die Beteiligung von Reedereien an den Terminals. Auch die Ansiedlung von Anbietern, wie Alibaba auf Steinwerder, ist ein guter Weg, um Ladung an den Standort zu binden. Ohne solche Maßnahmen droht langfristig die Gefahr, dass Hamburg seine besondere Stellung für den Chinahandel verliert, da die chinesischen Unternehmen gerade massiv in Standorte wie Triest und Piraeus investieren, die ihnen auch Zugang zum klassischen Hinterland bieten. 


Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Was müssen Landespolitik, Wirtschaftsbehörde und die beteiligten Player - von Reedereien über Spediteure und Terminalbetreiber bis zu IT-Dienstleistern - aus Ihrer Sicht unternehmen, um den Hafen als Wirtschaftsmotor nicht zu gefährden?

Von der Landespolitik würde ich mir wünschen, dass der Hafen nicht mehr zur parteipolitischen Profilierung genutzt wird. Jüngste Bespiel hierfür sind die vermeintlichen Umweltrabatte beim Hafengeld. Da Hamburg natürlich nicht die weltweit geltenden Umweltstandards der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) einseitig aufkündigen kann, wurden die Gebühren – maßvoll – erhöht und ein kompliziertes System ersonnen, wie ein sehr kleiner Teil dieses Mittel wieder als Rabatt ausgekehrt werden kann.

Anstatt ein solches „Bonus/Malus-System“ zu ersinnen, das nur Ressourcen bei der HPA bindet und dessen Lenkungswirkung zu vernachlässigen ist, hätte die Landespolitik umweltpolitisch viel mehr erreichen können, wenn sie sich früher und vehementer gegenüber dem Bund für eine Befreiung der Landstromversorgung von der EEG eingesetzt hätten. Gerade hier haben insbesondere die Grünen mehr als zwei Jahre Diskussion verschlafen.



"Wir werden uns als Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten e.V. z. in die Arbeit des Digital Hub for Logistics einbringen."

Auch wenn das Thema „Digitalisierung“ nicht wirklich neu ist, scheinen die Gründungen der verschiedenen Initiativen und auch die zur Verfügung stehenden Fördermittel eine gewisse „Goldgräberstimmung“ hervorgerufen zu haben. Auch wenn wir die Förderung der Entwicklung grundsätzlich begrüßen, darf nicht zu einem reinen Selbstzweck für Beratungsunternehmen werden. Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn unsere Mitgliedsunternehmen möglichst bald einen echten spürbaren Vorteil spüren. In diesem Sinne werden wir uns als Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten e.V. z. B. in die Arbeit des Digital Hub for Logistics einbringen und hoffen, dadurch einen echten Mehrwert für die Mitglieder erzeugen zu können.

Während aber auf der Unternehmensseite bereits „ganz große digitale Rad“ gedreht wird, fehlt bei der Verwaltung vielfach noch die grundlegenden Infrastruktur. Und das betrifft die Bundes- wie die Landesverwaltung gleichermaßen. Hamburg hat da in den letzten Monaten ordentlich aufgeholt, obwohl auch hier noch Lücken bestehen.

Schaut man auf die Bundesebene, so fehlt es auf der deutschen Bucht und auf anderen Seerevieren noch an einer für den schnellen Datenaustausch notwendigen Netzabdeckung. Auch der maritime EU-Binnenmarkt könnte schon Realität sein, wenn man die nationalen Zollbehörden die technischen Möglichkeiten zur Schiffsüberwachung nur nutzen werden würden. 


 Hamburg Digital Background: 

Vereinigung Hamburg Schiffsmakler und Schiffsagenten
www.vhss.de/

Interessenvertretung DIHLA als Gesellschafter der DAKOSY
www.dihla.de/

 Hamburg Digital Interviews: 

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe:
Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt.

Sonntag, 17. September 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe: Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt. 

HAMBURG DIGITAL SPEZIAL

Ein exklusives Spezial zum Digitalen Kristallisationspunkt "SmartPORT" und den Erfolgsfaktoren für den Digitalen Hafen und die Digitale Stadt Hamburg:


DIGITALER HAFEN:
  • HPA prüft AR und VR für Katastropheneinsätze
  • LoRaWAN-Netz für "Internet der Dinge" geplant
  • Cluster Stenzelring 2018 mit Glasfaser versorgt
DIGITALE PARTNER:
  • CDO der HPA begrüßt neuen CDO bei der HHLA
  • Zusammenarbeit aller digitalen Partner im Hafen
  • HPA wird neben HHLA Partner des Digital Hubs
DIGITALES HAMBURG:
  • Digitales Gründerland mit Steuererleichterungen
  • Koordination digitaler Aktivitäten von HPA+HHLA
  • Agile Verwaltung mit "Digital First" vorantreiben

Hafen und Hansestadt Hamburg sind auf dem Weg zu "SmartPORT" und "SmartCity". Ein Erfolgsfaktor dafür sind die Wechselwirkungen zwischen Hafen und Stadt. Der Hafen wird als "Innovationslabor" der Stadt Hamburg gesehen. Der eine kann vom anderen lernen, transferieren, skalieren - und Dinge können im "Kleinen"  - dem Hafen mit 7200 Hektar - erprobt und evaluiert werden.

Zuständig für Digitalisierung bei der HPA:
Chief Digital Officer Dr. Sebastian Saxe
Foto: HPA / Holger Grabtsch

Ein gebürtiger Hamburger, ein Kenner der Szene, Buchautor zur Digitalisierung und mit zuständig für die interessante Entwicklung zwischen Hafen und Stadt ist der Chief Digital Officer der Hamburg Port Authority, HPA. Wir haben mit Hamburgs Digitalem Hafenexperten gesprochen. Unser HANSPERSONALITY im Hamburg Digital Spezial ist Dr. Sebastian Saxe:


 Hafen und Hansestadt: 

Gehen wir gleich mitten hinein in die Chancen: Was kann die Stadt aus den Erfahrungen im Hafen - z. B. mit digitalen Verkehrsprojekten - lernen? Und bedarf es eines Rahmens mit klaren digitalen Akzenten für die "Werkstatt der Digitalen Stadt Hamburg"?

Mit der IAPH Konferenz im Jahre 2015 und der SmartPORT-Philosophie hat sich die HPA zu einer "Werkstatt für die Digitale Transformation" entwickelt. In dieser Werkstatt sind bei den SmartPORT-Projekten - die sich auf die Optimierung der straßen-, schienen- und wasserstraßen-seitigen Geschäftsprozesse beziehen - Erfahrungen, Prototypen und Produkte entstanden.


Multitouch-Tisch der HPA bei der Solutions Hamburg 2017
Foto: HANSEVALLEY
Um mit letzterem zu beginnen, ist mit der Nautischen Zentrale eine Leitstands- und Steuerzentralen-Architektur für die Wasserstraße entstanden, im SmartPORT Projekt „SmartRoad“ wurden neue Sensoren für den Verkehrsweg Straße getestet und evaluiert und mit dem Multitouch-Tisch wurden Erfahrungen hinsichtlich neuer Arbeitsweisen und -methoden mit neuen Endgeräten in Entscheidungssituationen im "Daily Business" in der Nautischen Zentrale zur Schiffsimulation oder bei Sturmfluten inkl. digitaler Überflutungskarte gesammelt.

Diese Erfahrungen muss die Stadt Hamburg auf ihrem Digitalisierungsweg nicht erneut machen. Teilhabe in diesem Zusammenhang bedeutet für die Stadt: von den Digitalen Erfahrungen des Hafens lernen und profitieren sowie entstandene Lösungen vom Hafen in die Stadt zu transferieren bzw. skalieren oder andersherum. So haben zum Beispiel die guten Erfahrungen mit dem Einsatz des Multitouch-Tisches im Hafen dazu geführt, dass eine solche Lösung mittlerweile auch von anderen städtischen Institutionen für eigene Zwecke eingesetzt wird – zum Beispiel für die Baustellenkoordinierung beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG).

 Hafen, Hubs & Handling: 

Wie kann der Hamburger Hafen bei der Digitalisierung im Wettbewerb mit Rotterdam und Antwerpen standhalten? Welche Planungs-, Steuerungs- und Koordinierungsaufgaben bedürfen welche organisatorischen Verankerung in Hamburg auf Landesebene?

Für eine erfolgreiche Digitalisierung Hamburgs und speziell des Hamburger Hafens benötigen Politik und Verwaltung Experimentierräume auf allen Ebenen und in allen Feldern. Politisch und administrativ Verantwortliche für digitale Infrastrukturen und digitale Anwendungen müssen durch Mittel, Fachkompetenz und Zuständigkeit in die Lage versetzt werden, ihre Vorhaben ohne Abstimmungsnotwendigkeiten selbstständig umsetzen zu können.

Im Gegenzug muss die faire Anhörung aller Interessenträger und eine sehr viel höhere Transparenz zwischen den Stakeholdern und Digitalisierungsaktivitäten gewährleistet werden. Konkret sind solche Experimentierräume der „Digital Hub Logistics Hamburg“ für das Feld Logistik - die einer der bedeutendsten Branchen in unserer Stadt ist - und der „Digital-Space Hammerbrooklyn“ für das Feld Mobilität - das im Fokus unserer Bewerbung für den ITS-Weltkongress 2021 steht.

Die Wirtschaft ist eine starke Treiberin der Digitalisierung. Hamburg muss sich zum digitalen Wirtschaftsstandort und digitalen Gründerland entwickeln. Deshalb sind alle bürokratischen Regelungen zu überprüfen, die das Entstehen von Innovationen, Gründungsprozessen und das erfolgreiche Agieren von Start-ups betreffen. Weitere staatliche Anreize für Unternehmensgründung und -tätigkeit, etwa vorübergehende Steuererleichterungen oder steuerliche Förderungsmöglichkeiten, sind zu unterstützen. 

 Hafen Hamburg Hoch 3: 

Stichwort Hafenplayer und IT: Wieso ist in Hinblick auf die Digitalisierung eine Abstimmung aller Beteiligten im Hamburger Hafen – unter Berücksichtigung von DAKOSY und der HHLA – für die erfolgreiche Transformation aus Ihrer Sicht wichtig? 

Teilhabe im Kontext der Digitalisierung berührt in der Stadt und im Hafen noch einen anderen Aspekt: Vernetzte Herausforderungen in der Stadt und im Hamburger Hafen erfordern vernetzte Lösungen. Dafür ist es zum Beispiel im Hamburger Hafen wichtig, dass alle Player sich stärker für gemeinsame Strategien engagieren. Bei klassischen IT-Applikationen wird dies vorbildhaft gelebt. Dieses zeigt die Verständigung der Hafenwirtschaft auf einen gemeinsamen Dienstleister für Hafenapplikationen. Diese Verständigung gilt es auch bei der Digitalisierung zu gestalten.

Die Hamburger Hafenwirtschaft hängt davon ab, dass sie Digitalisierung als Chance begreift: Denn Digitalisierung eröffnet neue Märkte – für etablierte Player in dem Segment und solche, die branchenfremd und bisher nicht aufgetreten sind, wie zum Beispiel Google, Amazon und Alibaba. Die Wirtschaft selbst ist eine starke Treiberin von Innovation sowie Gestaltung, und auch lokale Wirtschaftsunternehmen müssen sich dieser Rolle bewusst sein.

Ein Ort dafür kann der im Hafen entstehende „Digital Hub Logistics Hamburg“ – initiiert vom Bundeswirtschaftsministerium und von Digitalverband Bitkom - unter Schirmherrschaft der BWVI sein, an dem sich auch die HPA beteiligt. Dort werden Gründer und KMU, Wissenschaft und Forschung, Großunternehmen sowie Kapitalgeber an einem Ort zusammengebracht, um die digitale Transformation der Logistikbranche zu befeuern.

 Hamburg, HPA & HHLA: 

Sie plädieren für eine faire Zusammenarbeit der städtischen Akteure im Hafen: Wie könnten Rahmenbedingungen für die Player der Stadt aussehen und wie bekommt man zusammen mehr Tempo in die Entwicklung des Wirtschaftsmotors? 

Beschäftigte im Hamburger Hafen müssen für die Digitalisierung sensibilisiert und ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten müssen regelmäßig weiterentwickelt werden. Die Mitarbeiter/innen sollten nicht mehr von der Digitalisierung Betroffene sein, sondern die Entwicklung aktiv mitgestalten.

Der eingeschlagene Weg, Strukturen und Prozesse in der Hamburger Politik und Verwaltung neu auszurichten und weiter zu professionalisieren, muss konsequent fortgesetzt werden. Dazu ist eine umfassende übergeordnete Strategie für den Hafen erforderlich, die in einem iterativen Prozess dezentraler Innovationen und zentraler staatlicher (Re-)Aktionen entsteht.

Den organisatorischen Rahmen bildet ein Multi-Stakeholder-Ansatz, der die wesentlichen Akteure - Politik, Verwaltung, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft - vernetzend einbezieht. Um die Digitalisierungsaktivitäten der öffentlichen Unternehmen zu bündeln und ganzheitlich zu fokussieren, wäre beispielsweise der Einsatz einer übergreifenden, virtuellen Vernetzungseinheit sinnvoll. Nur so, können die teilweise voneinander losgelösten, sektoriellen Initiativen der einzelnen Stakeholder auf eine übergeordnete Vision einzahlen.


 Hafen & Highspeed: 

Sprechen wir über ein heiß diskutiertes Thema: Wie steht es aktuell um die Glasfaserversorgung im Hamburger Hafen? Hier gab es zuletzt scharfe Kritik der Handelskammer und einiger Hafenunternehmen.

Im Februar 2017 fand ein erstes Treffen mit allen Stakeholdern und der HPA statt. In dem konstruktiven Austausch waren sich alle Teilnehmer einig, dass eine kurzfristige Verbesserung notwendig ist. Die Deutsche Telekom und 1&1 Versatel stellten ihre konkreten Konzepte im Hafen vor und warben um Interessenten. Im Übrigen ist der Ausbau des Breitbands auch finanziell öffentlich förderbar. &1 Versatel hat die Initiative ergriffen und mit diversen Unternehmen der Hafenwirtschaft Kontakt aufgenommen. Teilweise wurden erste Breitbandverträge unterzeichnet.

Das überzeugende Angebot von 1&1 Versatel: Sobald in einem bestimmten Hafengebiet genügend Kunden zur Unterzeichnung von Neuverträgen gefunden wurden, wird der Ausbau mit Glasfasernetz sowie die Anbindung des Kunden auf eigene Kosten durchgeführt. Es entstehen keine Erschließungskosten für die hochmoderne, performante Glasfaserinfrastruktur. Im Gegenzug binden sich die Kunden für 5 Jahre an das Unternehmen. Für die zweite Jahreshälfte 2017 plant 1&1 bereits, weite Teile des Hafen Hamburgs mit mind. 1 Gbit/s und mehr an das eigene Glasfasernetz anzubinden.

Voraussetzung ist, dass sich ausreichend Unternehmen in einem Gebiet für die Anbindung entscheiden. Nach aktuellem Stand haben bereits zahlreiche Cluster die kritische Grenze erreicht, so dass sich 1&1 Versatel sich dazu entschlossen hat, die grünen Cluster in diesem und kommendem Jahr auszubauen. Der Cluster Stenzelring (dunkelgrün) soll als erstes ausgebaut werden. Die Baumaßnahmen sollen noch in diesem Jahr beginnen. In den gelben und roten Clustern ist die kritische Masse noch nicht erreicht, so dass sich der Ausbau noch nicht lohnt.



Geplante Bereiche zur Breitband-Versorgung im Hafen.
 Hafen & Hightech: 

Glasfaser ist für digitale Prozesse im Hafen unerlässlich. Warum ist zudem der Aufbau eines sogenannten LoRaWAN-Netzes für den Hafen interessant und wieso bringt es Geschwindigkeit bei der Realisierung von Projekten für das Internet der Dinge (IoT)? 

Das Thema Internet der Dinge spielt bei der Digitalisierung im Hamburger Hafen eine immer größer werdende Rolle. Da das Hafengebiet durch zahlreiche Hindernisse durchzogen ist, sind bauliche Maßnahmen schwierig. Um das Thema kostengünstig und kurzfristig im Hafen zu ermöglichen, bedarf es eines Funknetz, um Geräte und Sensoren miteinander zu vernetzen. Das avisierte Funknetz ist ein sog. LoRaWAN-Netz (Low Range Wide Area Network). Wie wir von Rotterdam, dem Leipziger als auch vom Hamburger Flughafen lernen, läßt sich so ein Netz in wenigen Wochen installieren.

Das LoRaWAN („Long Range Low Power“) ist in Rotterdam flächendeckend verfügbar. Das Besondere ist, dass es sich für Geräte eignet, die wenig Strom und geringe Bandbreite benötigen – ob es um Sensoren zur Messung der Wasserhöhe geht, um eine App, die verfügbare LKW-Parkplätze übermittelt, oder um Sensoren, die Echtzeitmessungen der Luftqualität ermöglichen. Objekte, wie Boote und Autos, die Infrastruktur im Hafen, Abfallcontainer und Lichtmasten sowie Lichtsignalanlagen (Ampeln) können mit diesem Netz Anweisungen erhalten (an/aus, auf/zu) und Informationen weitervermitteln (Auslastung, Feinstoffbelastung).

Für 2018 wird der Aufbau eines LoRaWAN-Netzes im Hamburger Hafen angestrebt, da so kurzfristig eine geeignete Infrastruktur zur Anbindung von Sensoren im Hafen bereitgestellt werden kann. Dies stärkt die Nachhaltigkeit des Hafens und Infrastrukturen lassen sich zunehmend intelligent überwachen.


Wenn wir über Funknetze im Hafen sprechen, müssen wir auch über den Mobilfunk sprechen: Welche Chancen und Perspektiven bringt das Projekt „5G-Monarch“ dem Hamburger Hafen und der Handelsstadt?

Parallel zur LoRaWAN-Entwicklung wurde Hamburg von der EU als Forschungslabor für den neuen Mobilfunkstandard 5G auserkoren. Die 5. Mobilfunk-Generation soll Datenraten von bis zu 10 Gibt/s erreichen. Das wäre etwa 10-mal so schnell, wie der aktuelle LTE-Standard. Gleichzeitig bietet 5G technische Neuerungen ,wie das Network-Slicing. Der Vorteil ist, dass "geslicte Netze" unterschiedliche, sogar widersprüchliche Eigenschaften haben können, und so spezifischen Anforderungen eines bestimmten Anwendungsfalls gerecht werden können. Damit sind die Netze hochflexibel und zuverlässig.

Ab 2021 planen die Mobilfunkbetreiber, den neuen Netzstandard flächendeckend einzuführen. Gleich mehrere europäische Städte buhlten um die Fördergelder – am Ende erhielten nur Venedig und Hamburg den Zuschlag für das "5G-MoNArch"-Projekt. In Hamburg steht die industrielle Nutzung im Mittelpunkt. Um die Möglichkeiten der mobilen Datenübertragung zur Vernetzung von Maschinen zu testen, stellt der Hamburger Hafen ein ideales Testareal dar.

Mehrere 5G-Mobilfunkmasten – verteilt über das gesamte Hafengelände – werden dazu errichtet und sollen technische Anlagen mittels Sensoren überwachen und später über Aktoren steuern. Die Testphase hat an 01.07.2017 begonnen und endet im Juni 2019. Ab 2021 soll 5G in Deutschland ausgerollt werden. Als Drehkreuz im Norden Europas, als Vorreiter in Sachen Digitalisierung und als Medienhauptstadt ist Hamburg prädestiniert, 5G flächendeckend als "First Mover“ einzuführen. Wir sollten alles tun, dass Hamburg nach dem Forschungsprojekt eine der ersten Städte sein wird, wo 5G flächendeckend eingeführt wird.

 Hafen vs. Hacker: 

Wieso ist für die Digitalisierung eine sichere IT-Infrastruktur ein so wichtiger Faktor? Sollte es aus Ihrer Sicht z. B. auch einen Cyber-Sicherheitsrat-IT im Hafen geben? 

Für das Gelingen der Digitalisierung in Hamburg und im Hamburger Hafen ist die IT-Sicherheit ein wesentlicher Faktor. Sie ist eine Aufgabe für alle. Eine sichere IT erfordert klare Verantwortlichkeiten. Ein weiterer Baustein ist eine Technologie- und Industriepolitik, die auf Souveränität und Sicherheitsinnovation setzt. Flankiert werden muss dies durch einen Ausbau der digitalen Kompetenz sowie Fortbildung und Ausbau der Sicherheitsbehörden bei der Cybersicherheit.

Digitalisierung erfordert eine hohe Priorität beim Schutz von Daten im öffentlichen und im privaten Bereich sowie die Datensouveränität jedes Einzelnen. Ein digitales Hamburg darf sich gleichwohl die Innovationschancen der Digitalisierung nicht durch überzogenen Datenschutz verbauen. Vor diesem Hintergrund müssen die datenschutzrechtlichen Bestimmungen sensibel und mit gebotenem Pragmatismus reflektiert und angepasst werden.

Darüber hinaus kommt dem Staat und den Unternehmen die Aufgabe zu, kritische digitale Infrastrukturen so zu schützen, dass vernetzte Daten, Objekte und Systeme nicht von außen durch Dritte manipuliert oder gar von ihnen gesteuert werden können. Dies gilt insbesondere für den Hafen in Bezug auf das Thema Internet der Dinge: weder ein mit Sensoren ausgestatteter Van Carrier noch eine über Aktoren gesteuerte Schleuse oder Brücke darf durch Dritte beeinflusst werden.

Da die IT-Sicherheit im Hafen eine gesamthafenwirtschaftliche Aufgabe ist, gilt es Interaktion, Kommunikation und die Organisation zwischen Staat, Unternehmen, Bürger/innen und Gesellschaft neu zu justieren. Diese Aufgabe könnte im Hafen ein Cyber-Sicherheitsrat leisten. In ihm würde sich auch der politische Wille widerspiegeln, die IT-Systeme des Hafens bestmöglich zu sichern.


 HH, Digital & Analog: 

Kommen wir zu einem anderen Thema: Was kann man sich unter "Assistenz-Infrasrukturen" in einer Digitalen Stadt Hamburg vorstellen? Welche Bedeutung haben diese für die digitale Entwickung der Hansestadt?

Neben dem Zugang zu digitaler Infrastruktur ist die Gewährleistung digitaler Souveränität ein wichtiges Ziel. Um die Nutzung der Digitalisierung in Hamburg zu fördern, sollte eine – nicht nur digitale, sondern auch eine physische Infrastrukturen aufgebaut werden. Sie hilft, bisher abseits stehenden Bevölkerungsgruppen, die Chancen der Technologien (z.B. in Gesundheit, Bildung und im Verkehr) zu nutzen. Darüber hinaus sollten bezahlbare und unabhängige Angebote und Werkzeuge für eine sichere Kommunikation und die Interaktion zwischen Playern in der Stadt bereitgestellt werden. 

Ein Beispiel hierfür ist der im Wettbewerb „Land der Ideen“ ausgezeichnete Medizincontainer für Flüchtlinge. Die Medizincontainer wirken wie simple Baucontainer. Sie beherbergen aber eine Arztpraxis mit Internetanschluss, über den ein Dolmetscher live zugeschaltet werden kann. So wird ein Problem gelöst, mit dem Ärzte täglich konfrontiert sind: die Sprachenvielfalt der Hilfesuchenden. Über den Video-Dolmetscherdienst SAVD stehen Übersetzer in rund 50 Sprachen sofort bereit. Das spart Zeit und vermeidet Missverständnisse zwischen Arzt und Patient.


 Hamburg & Haltung: 

Kommen wir nach Strukturen und Technologien zu einem weiteren Faktor: Wieso ist die Digitalisierung eigentlich mehr als Technik? Warum ist der Umgang mit ihr für Sie auch eine Frage der Haltung und warum erfordert dies ein grundsätzliches Umdenken?

Digitalisierung verändert alle Bereiche unseres Lebens – grundlegend, schnell, unumkehrbar. Nicht nur die Hamburger Wirtschaft, Politik und die Gesellschaft insgesamt, auch die Lebenswelt jedes Einzelnen ist davon betroffen. Zwei schöne Beispiele aus dem Hamburger Hafen sind das digitale Arbeiten in der Nautischen Zentrale und die digitalen Abläufe auf dem Container Terminal Altenwerder (CTA). Gleichzeitig ist die Digitalisierung im Hinblick auf Zukunftsperspektiven der hier lebenden Menschen ein immer wichtigerer Baustein für ihren Alltag und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit.

Verwaltungsangebote werden in Hamburg zunehmend einfacher und kundenfreundlicher digital zur Verfügung gestellt. Dies wird seitens der Stadt mit dem Programm „Digital First“ vorangetrieben. Aber auch jenseits des klassischen E-Government bzw. der digitalen Verwaltung setzen verschiedene Einrichtungen der Stadt digitale Angebote um, z. B. die geplante digitale Kulturvermittlung beim Spaziergang durch das Weltkulturerbe Speicherstadt.

Damit alle Menschen und Regionen am digitalen Fortschritt teilhaben können, muss der Hamburger Senat konsequent die sich aus der Digitalisierung ergebenden Veränderungen fokussiert gestalten und positiv nutzbar machen. Digitalisierung ist mehr als Technik: Der Umgang mit ihr ist vor allem eine Frage der Haltung und erfordert ein grundsätzliches Umdenken: 

Nicht Risiken und Ohnmacht, sondern Chancen und Gestaltungspotential müssen im Vordergrund stehen. Diese Haltungsänderung gilt es anzusprechen, indem die Lust auf Digitalisierung geweckt und ihre Chancen durch positive Bilder der Zukunft in den Vordergrund gestellt werden. Im Mittelpunkt der Digitalisierung muss immer der Mensch stehen. Auch Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe in Hamburg müssen und können in diesem Zusammenhang neu gestellt und beantwortet werden.

 Hamburg & die Welt: 

Zu guter Letzt: Warum brauchen wir in Deutschland - und damit in Hamburg und im Hamburger Hafen - mehr Geschwindigkeit bei der digitalen Transformation? 

Wenn Deutschland sich vom digitalen Entwicklungsland zu einem digitalen Champion entwickeln soll, brauchen wir vor allem ein höheres Tempo: flächendeckend mehr Geschwindigkeit für die Internetzugänge und insbesondere mehr Tempo bei der Schaffung adäquater Rahmenbedingungen. Heruntergebrochen ist dieses auch zu bewerkstelligen in unserer Digitalen Stadt und unserem Digitalen Hafen – wobei wir dort jeweils auf gutem Weg sind.

Zu erreichen ist der deutsche Aufholprozess nur bei konstant hoher Geschwindigkeit und konsequenter Umsetzung. Gepaart sein muss die Digitalisierung daher mit Agilität bei Unternehmen und Verwaltung, mit Mut und Weitsicht - und mit gesunden Pragmatismus.
In Hamburg sind wir auf gutem Kurs: Digitalisierung umfasst als Querschnittsthema alle Lebens- und Politikbereiche. Sie stellt uns somit vor umfassende Planungs-, Steuerungs- und Koordinierungsaufgaben im Stadtstaat, die eine adäquate organisatorische Verankerung von Zuständigkeiten erfordern. Daher sind diese Aufgaben in Hamburg auch in der Senatskanzlei bei der Leitstelle Digitale Stadt angesiedelt und für die Stadt wird die Stelle eines CDO eingerichtet. Die übergreifende Herausforderung liegt hier vor allem darin, leistungsfähige digitale Infrastrukturen zu schaffen, Fragen der Datensouveränität und Sicherheit zu konkretisieren, die Vernetzung zwischen Akteuren und Institutionen zu unterstützen sowie einen ordnungspolitischen Rahmen zu etablieren.

Die Interaktion zwischen öffentlicher Verwaltung, Bürgerschaft und Unternehmen wird mit dem Ziel einer agileren Verwaltung neu auszurichten sein. Grundsätzlich sollten Prozesse so aufgesetzt werden, dass der Nutzen für die Menschen (also die Bürger) und eine intuitive, einfache „User Experience“ im Vordergrund stehen. Insbesondere sollte die Möglichkeit genutzt werden, Echtzeitdaten aufzunehmen, zu verarbeiten und darauf aufbauend Entscheidungen zu unterstützen. Diese Nutzerzentrierung ist einer der zentralen Leitgedanken des schon angesprochenen Vorhabens „Digital First“.

Übergreifende Steuerung und Koordinierung wird aber auch im Hamburger Hafen etabliert. Neben der HPA hat jetzt auch die HHLA einen CDO implementiert. Digitale Lösungskompetenz wird daher nun auch bei der HHLA im Rahmen der gegebenen Fachlichkeit entwickelt – und der Anspruch ist groß: Schließlich will die HHLA Motors des digitalen Wandels im Hamburger Hafen werden.

Vielen Dank für die klaren Worte!
Das Gespräch führte Thomas Keup.


*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

HAFEN & LOGISTIK

HPA-Projekt "SmartPort"

Digital Hub Logistics Hamburg

Dienstag, 18. April 2017

HANSEBUSINESS: DAKOSY - Der digitale Lotse im Hamburger Hafen.

HAMBURG DIGITAL HAFEN

5.000 Container-Schiffe weltweit, 129 Millionen Standard-Container pro Jahr. Liniendienste und Container-Logistik sind ein globales Geschäft. 150 Stahlboxen werden pro Stunde allein an Europas größtem Terminal in Altenwerder umgeschlagen, 8,9 Mio. Standard-Container waren es in Hamburg im vergangenen Jahr.

Der Hamburg Port ist Deutschlands größter Universal- und Europas Containerhafen Nr. 2. 10.000 Schiffe machen jährlich an der Norderelbe fest. Unser Themenschwerpunkt in dieser Woche: Der Hamburger Hafen und seine digitalen Chancen. Ein Hamburg Digital Report:

Hamburg-Neustadt, Mattentwiete 2, in der Nähe des Nikolaifleets. Über den Türen des unscheinbaren Bürogebäudes findet sich der goldfarbene Schriftzug "Hafenhaus". Nichts Besonderes in direkter Nachbarschaft zur Speicherstadt. Im Treppenhaus ein weiteres Indiz: In den bunten Scheiben der Glasfront ist zu lesen "Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft". Es ist der ehemalige Sitz des Hamburger Personaldienstleisters für Zeitarbeitskräfte - früher "unstätige Arbeiter" genannt. 


Treppenhaus der ehem. Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft
Foto: HANSEVALLEY / Thomas Keup 
Heute wird in dem Bürogebäude der Hamburger Hafen am Laufen gehalten. Waren es früher Tagelöhner, die von hier aus in Hafen- und Lagerlogistik eingesetzt wurden, ist es heute ein umfassendes Computersystem: PCS - das Port Community System - des IT-Dienstleisters der Seehafenverkehrswirtschaft DAKOSY vernetzt 2.200 Unternehmen aus Schifffahrt, Spedition, Transport und der Logistik von Großkunden in Handel und Industrie. Ein Hamburg Digital Report:

Täglich werden im Hamburger Hafen rd. 25.000 TEU umgeschlagen - importiert, exportiert und gelagert. 8,9 Mio. TEU waren es 2016. Daran beteiligt: Spediteure, Reedereien, Terminals und Verlader. Dazu kommen Lotsen, Schlepper, Festmacher, Zoll, Veterenär- und Einfuhramt. 

Für den Weitertransport kommen Feederdienste, Binnerschiffer, Bahnbetriebe und LKW-Transporteure zum Zug. Allein 1.500 Betriebe leisten rund um die Uhr im Hamburger Hafen ihren Dienst. Ohne IT-Unterstützung und klar definierte Prozesse schwer vollstellbar.

Hamburg Port: Was kommt rein, was geht aus raus?


Container-Terminal Burchardkai, im Hintergrund Tollerort
Foto: HHLA/Thies Rätzke
Bis 1982 war der Container- und Stückgutumschlag in Hamburg eine Angelegenheit mit viel Papier: Schiffszettel zum Löschen, Inhaltslisten, Zollpapiere und Empfängerinformationen - all das wurde händisch von einem Dienstleister zum nächsten gereicht - per Fax, Kurier und die gute, alte Briefpost. Die Informationen liefen regelmäßig den Containern hinterher, Vorausplanung war praktisch nicht möglich. Und bei Problemen wußte niemand so recht Bescheid.

35 Jahre später: Rd. 50 verschiedene Prozesse verbinden die Logistikpartner im Hamburg Port. "Alle Export-Prozesse für Hamburg kann man über Dakosy abwickeln", freut sich Vorstand Ulrich Wrage im Gespräch. Und fast alle machen mit. Das "Port Community System" ist der "digitale Integrator" im Hamburger Hafen. Wo andere Branchen noch davon träumen, ihre Faxgeräte verschrotten zu können, ist die Hamburger Hafenwirtschaft international digital vorn mit dabei.

Das Geheimnis hinter dem "Single Window" für die Logistik-Prozesse an der Norderelbe sind die Gesellschafter der DAKOSY AG. Es sind zu 1/3 die in Hamburg aktiven Reeder und Linienagenten - von der chinesischen Cosco über die deutsche Hapag-Lloyd bis zur dänischen Maersk. Ein weiteres Drittel wird von den wichtigen Spediteuren gehalten, wie die Logistikriesen Dachser, DHL, Kühne+Nagel und Schenker bis zur Hamburger Spedition A. Hartrodt. Dazu kommen die Terminalbetreiber, wie Eurogate,  HHLA und Steinweg.

Hafen-IT: Vom Datenpostamt zum Datenworkfkow.


Die Bedeutung von Dakosy kommt aber erst bei diesen Fakten richtig zum Tragen: Die Logstik-Kette besteht aus vielen, unterschiedlichen Partnern, wie Spediteure, Hochsee-Carrier oder Hafenterminal. 
Die Dakosy-Kommunikationspartner im Überblick
Grafik: Dakosy AG
Nicht alle diese Partner haben eine direkte Geschäftsbeziehung untereinander. Und doch sind sie auf Informationen voneinander angewiesen, Dahinter stehen Themen, wie Verfügbarkeit, Sicherheit, Datenschutz und Wettbewerbsschutz. 

"Als Kunde muss ich mich nicht darum kümmern, wie die Informationen die richtigen Empfängenr erreichen", so Geschäftsführer Wrage. Das ist die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite: "Wenn das System 5 Minuten ausfällt, fängt es draußen an zu ruckeln"; fasst es der längjährige IT-Kenner zusammen. Im Detail geht es zumeist um Im- und Export. 

DAKOSY: Ein digitaler Lotse im Hamburger Hafen 

Beim weltweiten Import von Waren sieht recht komplex aus: Beginnend mit dem Import-Manifest, der Entladeliste und der Löschmeldung, von der Behördenanmeldung bis zur -freigabe und dem Transportauftrag - bei all diesen Schritten ist das Port Community System mit seinem "Single Window IMP" der erste Kontakt für Waren im Hamburger Hafen - digital vorbereitet auf ihrem Weg durch den Zoll in Fabriken, Hochregallager, Kaufhäuser und Supermärkte.

Dakosy dient als Trust-Center für alle beteiligten Partner - und steht nicht im Verdacht, einen oder bestimmte Stakeholder zu vertreten oder zu bevorzugen. Der Vertrauensvorschuss ist das Erfolgsrezept: 22 Mio. € Umsatz haben die 160 Mitarbeiter im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Über 2.000 internationale Kunden, darunter ca. 1.000 Spediteure zählt der Hamburger IT-Dienstleister zu seinen Partnern. Allein deshalb ist die Dakosy ein digitaler Lotse im Hafen. Und damit nicht genug.
Das neue Truckgate-System
Grafik: Dakosy

Service: von der Deutschen Bucht bis ins Hinterland
Der Hamburger Hafen liegt 100 km hinter der Deutschen Bucht und ist damit ein Binnenhafen. Die Revierfahrt über den engen Strom ist für die dicken Pötte nicht ungefährlich. Themen, wie Tiefgang, Begegnungen mit größeren Schiffen oder Kreuzfahrern sind an der Tagesordnung. Für optimale Sicherheit sorgt eine lückenlose IT-Unterstützung mit zahlreichen Antennen entlang der Fahrrinne und das "Port River System Elbe" (PRISE) im Auftrag der Terminal-Betreiber HHLA und Eurogate. Damit können Reeder, Frachter, Lotsen, Schlepper und Festmacher jederzeit in Echtzeit informiert werden. 

Doch die Entwicklung wartet nicht: Seit Ende November vergangenen Jahres müssen sich LKW-Transporteure elektronisch anmelden, bevor sie Container abholen können. Heute werden darüber täglich 9.000 Abholungen und Anlieferungen gesteuert. Ab Ende diesen Jahres sollen sich Transporteure an feste Zeitfenster halten. Verpassen sie diese, benötigen sie eine neue Abholzeit. Um all diese Transportsthemen kümmert sich das neue Dakosy-System "Truckgate" - ebenfalls im Auftrag der großen Hamburger Terminal-Betreiber.


"Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.“ 

Der papierlose Hafen ist in Hamburg damit größtenteils bereits Realität. Doch am Wichtigsten sind die Mitarbeiter - im Aufsetzen der Prozesse ebenso wie im Rund-um-die-Uhr Support. Damit wird aus einer IT-Plattform ein lebendiges System, eine "Plattform mit Seele", wie es Ulrich Wrage pointiert. Gut, dass es bei aller Digitalisierung solch einen "persönlichen Lotsen" in Hamburg gibt.



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 Hamburg Digital Reports: 

HANSESHIPPING: Hapag-Lloyd - Vom Gießkannendienst zu Data in Action.
http://hh.hansevalley.de/2017/04/hanseshipping-hapag-lloyd.html

HANSEPERSONALITY Willem van der Schalk: "Das Rad nicht neu erfinden!"
http://hh.hansevalley.de/2017/03/HANSEPERSONALITY-van-der-Schalk.html



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