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Mittwoch, 17. März 2021

HANSEMOBILITY: Wie Volkswagen zum Software-Hersteller für Elektrofahrzeuge werden will.

HANSE DIGITAL MOBILITY
* Update 3.2 - 24.03.2021 *

+++ Software-Updates für "VW OS" aus Wolfsburg ab Juni '21 +++ Agile Software-Einheit "ID digital" soll Update-Chaos verhindern +++ Online-Shopping für "ID 3" und "ID 4" ab Sommer d. J. +++ Virtuelle "Audi"-Showroom-Beratung kommt von "Sinner-Schrader" aus Hamburg +++

+++ Einheitsbatterie für 80 % aller Konzernmodelle ab 2023 aus Salzgitter +++ "VW"-Elektromodelle für Emden, Hannover, Osnabrück und Wolfsburg geplant +++ "Tesla"-Jäger "Artemis" von "Audi" läuft ab Ende 2024 in Wolfsburg vom Band +++ 

+++ Volkswagen testet LiDAR-Infrarot-Technologie für autonomes Fahren in Hamburg +++ Digital-vernetztes Werk in Wolfsburg ab 2026 für "VW"s erstes Robotercoupé "Trinity" +++ "Moia" aus Hamburg und Hannover wird zum autonomen Shuttle-Service +++ Autonomer Shuttle-Bus "ID Buzz" kommt aus Hannover  +++

Volkswagen-Präsentation in der gläsernen Fabrik in Dresden.
Foto: HANSEVALLEY

Der "Volkswagen"-Konzern setzt in den kommenden Jahren vor allem auf Elektromobilität auf Basis einer einheitlichen Produktions- und einer eigenen Softwareplattform mit dem im Jahr 2020 eingeführten, konzernweiten Betriebssystem "VW OS". Das ist eine der zentralen Kernaussagen des "VW"-Vorstands anlässlich der Jahrespressekonferenz 2021 zur technologischen Entwicklung beim Wolfsburger Autobauer. Die Digitalisierung beim größten europäischen PKW-Hersteller besteht aus drei zentralen Themenfeldern: 1. einem eigenen Betriebssystem, 2. automomem Fahren und 3. digitalen Mobilitätsdienstleistungen. Innovationstreiber im Konzern ist der elektrische Vorreiter "Audi". 

Thomas Keup mit allen aktuellen Daten und Fakten aus Wolfsburg und Ingolstadt:

Die digital-vernetzte Zukunft der Elektromobilität hat für den Diesel-Sünder "Volkswagen" vor gut einem Jahr alles andere als hoffnungsvoll begonnen: Mit Einführung seiner neuen IT im "E-Golf 8" und im "ID 3" geriet "VW" auf Grund fehlerhafter Funktionen massiv in die Kritik. Bis zu 2,7 % aller neuen "ID 3" kreppierten nach Insiderangaben - pro Tag im Großraum Hannover allein bis zu sechs Stück, so Medienrecherchen. Auch bei der Edeltochter "Porsche" lief es nicht so ganz rund: Für ein Software-Udate des bis zu 186.000,- € teuren Elektro-"Taycan" wurden die Kunden schnellstmöglich in die Werkstätten beordet. Statt "Over-the-Air" gab es "
Over-the-Workbench" lästerte die Community.

In den vergangenen Monaten waren in Interviews, Beiträgen und Veröffentlichungen erste Fakten zur Zukunft fernab von Pleiten, Pech und Pannen bekanntgegeben worden, ganz zum Mißfallen von Großaktionär Wolfgang Porsche. In den drei Jahrespressekonferenzen des Konzerns und der Marken "Audi" und "VW" im März d. J. kam eine hoffnungsvolle Zukunft auch nur stückchenweise zum Vorschein. Mit der Sortierung aller Zahlen und Daten zu Elektromobilität, Bauplattformen, Betriebssystem, Entwicklung und künftigen Geschäftsmodellen beginnt am Himmel über Wolfsburg ein wenig die solare Zukunft durchzuscheinen. 

NEUE PLATTFORM-STRATEGIE:

Einheitliche Hardware, Software und Batterien für alle Segmente.
Grafik: VW AG

Der niedersächsische Automobil-Konzern konzentriert seine PKW-Produktion mit z. Zt. gut 9 Mio. Fahrzeugen im Jahr zunehmend auf die konzerneigene E-Mobilitätsplattform für Volumenfahrzeuge namens "MEB", die bereits in den beiden aktuellen Elektromodellen "ID 3" und "ID 4" eingesetzt wird. Sie besteht aus einem "Batterie-Skatebord" unter der Fahrgastzelle sowie Antriebseinheiten an Vorder- und Hinterrädern, benötigt nur noch drei digitale Steuereinheiten, statt bislang bis zu 16 Rechnern in einem "E-Golf". Die "MEB"-Bauplattform wird in den kommenden gut vier Jahren vor allem in kleinen und mittleren Fahrzeugen der Volumenmarken, wie "VW", Seat" und "Skoda" zum Einsatz kommen. 

Eine Bauplattform für kleine Volumenpflitzer, eine Plattform für dicke Schiffe.

Bereits ab Juni dieses Jahres sind Software-Updates für die Elektro-Fahrzeuge "ID 3" und "ID 4" - wie bereits bei Konkurrent "Tesla" - per Mobilfunk und WLAN geplant. Im kommenden Jahr wird die "MEB"-Plattform um eine Premium-Plattform für Elektromobilität ("PPE") von "Audi" und "Porsche" ergänzt, parallel dazu mit einem Update des konzernweiten Software-Stacks auf "VW OS" 1.2. Dann laufen Coupés, Limousinen und Sportwagen von "Audi", "Bentley", "Lamborghini" und "Porsche" Stück für Stück auf einer gemeinsamen, leistungsstarken Batteriegrundlage. Künftig unterscheiden sich Elektro-Autos von "Audi", "Porsche", "Skoda" oder "VW" vor allem über die unterschiedliche Batterieleistung, nicht mehr über Antriebskonzepte und Motoren. 

Die "MEB"-Plattform für Volumenfahrzeuge von "VW" & Co.
Grafik: VW AG

Ab 2024 eine Batterie- und Produktionsplattform für 80% alle E-Mobile.

So verspricht die "PPE" schnellere Batterieladezeiten, höhere Endgeschwindigkeiten, kürzere Beschleunigung und eine größere Reichweite. Ab Ende 2024 setzt der "VW"-Konzern schließlich eine neue, gemeinsame Batterieplattform in bis zu 80 % aller Neufahrzeuge ein - beginnend mit dem im vergangenen Jahr angekündigten "Tesla"-Jäger "Artemis" aus Ingolstadt - einer "Audi"-Limousine oberhalb des "A8", die im "VW"-Nutzfahrzeuge-Werk in Hannover vom Band rollen soll. Die neue Batterieeinheit ist Basis für die gleichzeitig ausgerollte "Scalable System Platform - SSP" für die meisten Konzern-Elektromodelle - verbunden mit einem neuen Geschäftsmodell: zusätzlich freischaltbarer Batterieleistung. In Verbindung mit einem neuen Major-Release von "VW OS" auf die Version 2.0 folgt "Volkswagen" dem "Tesla"-Konzept eines erweiterbaren Computers auf vier Rädern - wenn sie es denn schaffen.

Digital-vernetzte Produktion in Neckarsulm - und dann in Wolfsburg.

Die Kernkompetenz für Elektromobilität im "Volkswagen"-Konzern liegt in Ingolstadt: "Audi" brachte vor 3 Jahren mit dem "E-Tron" den ersten serienreifen Stromer auf die Straße - ein Modell, dass heute international neben "Tesla" führend unterwegs ist, in Norwegen sogar vor allen Benzinern. In vier Jahren wollen die Ingolstädter weltweit mehr als 20 vollelektrische Modelle auf den Markt bringen - mit einem Drittel Elektroflitzern unter allen zugelassenen Neuwagen. Bei "Audi" wird die Kompetenz u. a. im Stammwerk Neckarsulm gebündet - mit digital-vernetzter Produktion des küfntigen "Q6 E-Tron" auf einer ehemaligen "A3"-Linie und einer neuen Batterieproduktion mit allein 70 Robotern. Dazu kooperiert "Audi" in der Rhein-Neckar-Region mit der IT-Industrie sowie der TU in München.

Sechs Gigafabriken in Deutschland, Schweden, der Tschechei und Katalonien.

Neben der "Audi"-Gigafabrik in Neckarsulm spielt vor allem der "VW"-Standort Salzgitter mit einer Gigafactory für die Einheitszelle des Konzerns eine Rolle, die ab 2023 in rd. 80 % aller Fahrzeuge und ab 2024 über die neue "SSP"-Plattform zum Einsatz kommt. Neben den beiden großen Konzernmarken und Standorten in Deutschland baut auch "Skoda" eine Gigafactory in der Tschechei und "Seat" zusammen mit "Iberdrola" in Katalonien. Als erste Fabrik wird "Volkswagen" zusammen mit seiner schwedischen Beteiligung "Northvolt" 2023 im südschwedischen Skellatea mit der eigenen Batterieproduktion starten, Im Moment pilotiert der Konzern seine Batterieentwicklung am Komponentenstandort Salzgitter in Ost-Niedersachsen. 

KONZERNWEITE SOFTWARE:

Mit "VW OS" zum Computer auf vier elektrisch angetriebenen Rädern. 

Eine integrierte Software-Plattform für Automobil-Bereiche.
Grafik: VW AG

"VW" will seine einheitliche Software-Plattform "VW OS" für elektrische Antriebe, intelligente Assistenzsysteme, vernetzte Fahrzeuge, autonomes Fahren sowie digitale Anwendungen und Mobilitätsservices zu rd. 60 % selbst entwickeln - um alle kritischen, prüfungsrelevanten Funktionen im Griff zu haben. Dies betrifft den eigentlichen Betriebssystemkern von "VW OS" ebenso, wie alle entscheidenden Fahrzeugfunktionen - z. B. Bremsen und Notfallsysteme. Aktuell sind es rd. 10 % "VW"-Eigenleistung bei der PKW-Software. Noch läuft es bei der Fortentwicklung von "VW OS" jedoch eher in Trippelschritten, so Insider. Auch künftig soll nicht jede Mobilitäts- und Service-App von der eigenen Software-Group entwickelt werden, wie Kooperationen mit "Accenture" (bei "Audi") oder "IBM" (bei "Volkswagen") zeigen.

TECHNOLOGIE-ENTWICKLUNG:

Die neue gemeinsame Datenplattform für autonomes Fahren bei VW.
Grafik: VW AG

"VW" entwickelt für das autonome Fahren zusammen mit "Microsoft" eine "Automated Driving Platform - ADP" (nachzulesen auf HANSEMACHINE.de). Die Cloud-, Daten- und Machine-Learning-Dienste von "Microsoft Azure" werden Basis für den Aufbau der zentralen Entwicklungsumgebung für die weltweiten Teams der Software-Organisation sein. Die Belegschaft für die Entwicklung des autonomen Fahrens bei der Software-Gruppe soll in den nächsten Jahren zudem weiter ausgebaut werden. Als Sollbruchstelle für autonomes Fahren nannte "VW"-Konzernchef Dies den "Big Loop"-Prozess mit Auswertung von Kamerabildern. Hier soll auch mehr Einfluss auf die Grafikchip-Hersteller, wie "Mobile Eye" und "Nvidia" genommen werden.

Die Vision: Millionen von "Volkswagen" online-vernetzt unterwegs.

Ab 2026 - so ist es in einer Meldung der "VW"-PKW-Sparte zu entnehmen - wird "Volkswagen" damit beginnen, den dann an den Start gehenden "Trinity" - aus dem digitalisierten, vernetzten und damit intelligenten Stammwerk in Wolfsburg - und alle weiteren autonomen und online ansprechbaren Fahrzeuge zu einem neuronalen Netz zu verknüpfen. So sollen die elektrisch rollenden Computer auf vier Rädern kontiulierlich Daten austauschen - z. B. zu Wetterbedingungen, Straßenlage oder Unfällen. Millionen von Fahrzeuge von "Audi" über "Cugar" bis zu "Porsche", von "Seat über "Skoda" bis zu "VW" werden eine vernetzte Flotte bilden, so das Konzept. 

Software-Group als größter deutscher Technologie-Anbieter nach "SAP".

Langfristig sieht der nicht unumstrittene Konzernchef Herbert Dies die "Car Software Group" des "Volkswagen"-Konzerns als zweite führende Software-Gesellschaft aus Deutschland - nach "SAP" aus Waldorf. Software für den Automomobilsektor sei die einzige verbliebene Chance für digitale Technologien aus Europa, so der Vorstand. "Volkswagen" sieht sich in diesem Zusammenhang künftig als einer von wenigen globalen Anbietern umfassender Software-Plattformen für die Automobilbranche. Aktuell integriert der Konzern dafür 15 IT-Töchter und übernommene Beteiligungen. Bereits ab 2023 wird die Software-Plattform auch bei "Ford" in Köln für ihre Elektrofahrzeuge eingesetzt werden.

AUTONOMES FAHREN:

Sammeln in Hamburg Daten für autonome Mobilitäts-Dienste von VW.
Foto: Moia

Automomes Fahren in der vollen Ausbaustufe Level 4 soll ab 2024 bei der Premium-Tochter "Audi" serienmäßig möglich werden. Basis für das autonome Fahren sind die Assistenzsysteme von "VW Travel Assist" (mit Level 2+). "Audi" hat Anfang 2020 die Führung für die - aus den "Audi"- und "VW"-IT-Töchtern entstandene - Software-Entwicklung im Konzern übernommen (die HANSENEWS berichteten). Die Hälfte aller Mitarbeiter der neuen "Car Software Group" mit bis zu 10.000 Ingenieuren in 2025 beschäftigt sich bereits heute mit autonomen Funktionen. Aktuell arbeiten rd. 4.000 Mitarbeiter an der einheitlichen Software-Plattform für die 12 Konzernmarken aus sieben europäischen Ländern und das autonome Fahren.

Der "Trinity" aus Wolfsburg: das "Software Dream Car"?!

Mit "Trinity" hat sich "VW" eine besonders große "Möhre" vor die Nase gehangen - "Software Dream Car" genannt. Das erste vollautonome Elektrofahrzeug der Marke soll ab 2026 im dann digital-vernetzten Werk in Wolfsburg vom Band laufen. Mit dem Flachsitzer plant der Konzern auch neue Geschäftsmodelle einzuführen. Dazu gehören neben der digitalen Erweiterung von Entertainment-Funktionen - z. B. mittels Augmented Reality in der Frontscheibe - digitale Services für Zeit zu Zweit via Videofunktion oder ein digital vernetzter Arbeitsplatz, wenn  Autofahrer ohne Hände am Lenkrad über die Autobahn rollen. Markenvorstand Ralf Brandstätter träumt bereits von einer "Zeitmaschine, die Kunden Zeit schenkt und Stess erspart".

Das erste "VW"-Massenmodell für autonomes Fahren.

Konzeptstudie des autonomen "VW Buzz" für den US-Markt und Flotten.
Grafik: VW AG

Das autonome Fahren wird ein kostenpflichtiger Digitalservice werden. Brandstätter verspricht zugleich, "Trinity" für viele Kunden bezahlbar zu machen. Dabei sollen die in vielen Fahrzeugen genutzten Komponenten beitragen, wie die einheitliche Produktionsplattform (dann "SSP"), das gemeinsame Betriebssystem ("VW OS") und neue, günstige Produktionsverfahren in Wolfsburg, wie die Leichtbauweise. Parallel zu "VW" entwickelt die Technologieschmiede "Audi" in Ingolstadt unter dem Projektnamen "Apollon" autonome Fahrzeuge im Luxussegment, z. B. SUVs, während das "VW"-Projekt "Trinity" auf Flachsitzer wie Coupés und Limousinen abzielt. 

Jedermann auf der Autobahn - und "Moia" in der Innenstadt.

Parallel zum autonomen Fahren außerhalb der Städte treibt "Volkswagen" mit dem amerikanischen Joint Venture "Argo AI" autonome Services für Flotten voran. Auf Basis der Infrarotlicht-Technologie "LiDAR" wird "Argo" als Beteiligung von "Ford" und "VW" autonome Mobilitäts- und Transport-Services ("MaaS" + "TaaS") entwickeln. Die Besonderheit liegt auf komplexen Umgebungen in Innenstädten mit Fußgängern, Radfahrern und Hunden - bei gleichzeitig geringer Geschwindigkeit. Das testet der Konzern aktuell in Hamburg rund um die Alster und in der Hafencity im Rahmen des Senats-Projekts "TAVF". In Zukunft wird das "Argo-LiDAR"-System, der elektrische "Bulli"-Nachfolger "ID Buzz" aus Hannover und der Shuttleservice "Moia" aus Hamburg und Hannover zu einem neuen Mobilitätsangebot vereint.

DIGITALE GESCHÄFTSMODELLE:

Vierstufige Strategie zu Elektrifizierung und Digitalisierung.
Grafik: VW AG

Neben aktuell bereits bestehenden Assistenzsystemen, zunehmend intelligenten Fahrzeuggehäusen sowie digital-vernetzten und künftig kontinuierlich upgedateten Automobilen, dem eigenen Software-Betriebssystem und dem automomen Fahren über die gemeinsame Datenplattform "ADP" sowie die "LiDAR"-Technologie wird "VW" seine Mobilitätsdienstleistungen weiter vorantreiben. Dazu gehören die Kurzzeit-/Vermietungsservices von "We Share" ebenso, wie die Fahrdienste von "Moia" und neuartige Geschäftsmodelle, wie Fahrzeug-Abonnements - vergleichbar mit "Volvo". Die ersten Abos sollen bei "VW" in diesem Jahr zunächst in sechs deutschen Städten für den "ID 3" verfügbar sein. Abos sollen neue, junge Käuferschichten für Mobiltität auf eigenen vier Rädern zurück-/gewinnen. 

Nutzungsmodelle von Stunden und Tagen über Monate bis zu Jahren.

Auch die bayerische Tochter "Audi" setzt ab 2. Quartal '21 auf Abo-Modelle - und erläutert, wie die All-Inklusive-Pakete einzuordnen sind: Während die Kurzzeit-Nutzung von Fahrzeugen über Minuten und Stunden bis zu max. 28 Tagen mittels "Pay-per-Mile" läuft, sind Pauschal-Abonnements für eine Nutzungsdauer von einem bis 12 Monaten angedacht. Darauf aufbauend kommen die Leasingmodelle für ein bis drei Jahre - oder länger. Was in Ingolstadt mit der eigenen Abo-Plattform über die Digitalservices "Audi on demand" vorgedacht wurde, wird so und ähnlich auch bei "VW", "Seat", "Skoda" & Co. in Zukunft für verschiedene Kundengruppen wiederzufinden sein. Unter dem Strich fließen die Erfahrungen in eine gemeinsame Vermarktungsplattform der Braunschweiger "Financial Services" ein.

Abos, Flatrates und individuelle Angebote für digitale Fahrzeugnutzer.

Schließlich denkt man in den "VW"-Digitallaboren über buchbare Zusatzfunktionen für die künftig vollvernetzten vier Räder nach. Dazu gehört eine Ladeflatrate, die bei hohem kW-Bedarf ad-hoc zugebucht werden kann. Auch das gute, alte Infotainmentsystem steckt voller Zusatzgeschäfte, wie z. B. individuell buchbarer Navigationsrouten. Die Ideen sollen zunächst bei Elektromodellen ausgerollt und später bei allen Fahrzeugmodellen Wirklichkeit werden. Unter dem Strich will der Fahrzeughersteller zu einem "softwareorientierten Mobilitätsanbieter" werden. "Audi"-Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann unterstrich in der Jahrespressekonferenz, dass die Services von "Audi", "VW" & Co. allerdings nicht vergleich- und austauschbar sein sollen.

Von Elektromobilität über autonomes Fahren bis zu digitalem Business.

Das einheitliche Betriebssystem "VW OS" und eine neue agile Projekteinheit tragen vor allem zum Erfolg der digitalen Geschäftsmodelle bei: "ID digital" kümmert sich um die alle 3 Monate geplanten Software-Updates "over-the-air" mit Verbesserungen und neuen Anwendungen für die "ID"-Elektroflotte. Schon in 2 Jahren sollen insgesamt 500.000 vernetzte "VW"-Elektrofahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein und regelmäßig upgedated werden - Grundlage für die künftige neuronale Vernetzung. Die "ID"-Produktfamilie wird damit neben "Audis E-Tron" zum Vorreiter für skalierbare, softwarebasierte Individualmobilität - mit dem "ID 4" in Europa ebenso, wie in China und den USA. In den kommenden Jahren erwartet der Konzernvorstand Erlöse aus digitalen Services in dreistelliger Millionenhöhe.

FEHLENDE COMPUTERCHIPS:

VW-Konzernchef Herbert Dies muss für die Zukunft Farbe bekennen.
Foto: VW AG

"Wir sind im Häuserkampf" pointierte Konzern-Beschaffungs-Vorstand Murat Aksel zur "VW"-Marken-Pressekonferenz die kritische Situation bei der Zulieferung von 54 Nanometer-Chips beim weltweit produzierenden Autobauer mit seinen 118 Werken in 30 Ländern Europas, Amerikas und Asiens (von "Ducati" über alle Automarken bis zu "MAN" und "Scania"). Grund: "VW" steht z. Zt. in direktem Konkurrenzkampf um die - mit der Corona-Pandemie in den Branchen IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik - verstärkt nachgefragten Prozessoren, z. B. mit "Apple", "Huawei" oder "Samsung". Mit dem Anziehen der Nachfrage nach Fahrzeugen im 4. Quartal '20 geriet der Hersteller wie viele seiner Konkurrenten in Produktionsengpässe für die - vor allem durch "Bosch" und "Continental" - zugelieferten Steuerungseinheiten mit den integrierten Chips.

100.000 nicht produzierte Fahrzeuge durch weltweit akuten Chipmangel. 

Konzernchef Herbert Dies geht aktuell von einem Verlust von 100.000 nicht produzierten Fahrzeugen, Vorstandskollege Aksel von Engpässen über das gesamte Jahr 2021 aus. "VW" PKW-Finanzvordand Alexander Seitz rechnet frühestens im 2. Halbjahr mit einer leichten Entlastung, u. a., da der Konzern auf eine alternative Rechnerarchitektur zurückgreifen will. Bis dahin sorgt eine 40-köpfige Task Force weltweit jeden Tag für eine einigermaßen ausreichende Chipversorgung in den Werken. "Audi"-Finanzvorstand Arno Antlitz bestätigte in der Ingolstädter Jahrespressekonferenz vor den internationalen Medien, dass sich die angespannte Situation bei der Chipversorgung frühestens im kommenden Jahr entspannen werde. Voraussetzung: Neue Chip-Fabriken, was im Schnitt 18 bis 24 Monate dauert.

Direktbezug von Mikrochips - wie bei seltenen Rohstoffen für PKW.

Konzern-Chef Dies kündigte an, Halbleiter in Zukunft - wie bereits andere seltende und global gehandelte Rohstoffe - z. B. beim führenden Lieferanten "Infinion" - selbst einzukaufen und sich nicht mehr auf die großen Automobil-Zulieferer, z. B. "Bosch" und "Continental", (allein) zu verlassen (HANSEVALLEY berichtete). Unter dem Strich haben die Zulieferer ihre OEM-Kunden wohl unverhofft hängen gelassen, während die Chiphersteller ihre Chancen im Corona-Lockdown für Smartphones und Tablet-PCs, Laptops und Webcams genutzt haben. Das Klima zwischen den Tier 1-Lieferanten und den OEM-Produzenten in der Automobilindustrie gilt aktuell edenfalls als äußerst angespannt.

STANDORTE FÜR ELEKTROMOBILITÄT:

Das "VW"-Stammwerk in Wolfsburg produziert ab 2026 den "Trinity".
Foto: VW AG

"Volkswagen" erwartet, dass bereits in vier Jahren 20 % aller ausgelieferten Fahrzeuge elektrisch angetrieben sein werden. Bei "VW" waren es im vergangenen Jahr 212.000 Stück, 2021 werden bis zu 450.000 verkaufte Fahrzeuge vor allem vom Typ "ID 3" und "ID 4" erwartet. In 2030 plant der deutsche Autobauer weltweit über alle Marken hinweg 50 % seiner Modelle mit Elektroantrieb herzustellen. Bei der Wolfsburger Stammmarke sollen es sogar 70 % sein - europaweit. In neun Jahren sieht der Konzernvorstand den generellen Durchbruch der Elektromobilität bei der Zulassung von Fahrzeugen im Vergleich zu konventionellen Antrieben. 2035 sollen dann bereits rd. 40 % aller Fahrzeuge weltweit auch autonom unterwegs sein. Übergeordnetes Ziel für den "Diesel-Schmutzfink": CO2-neutral bis 2050.

Die Heimat der Elektroproduktion wird in Niedersachsen sein.

Norddeutschland spielt beim Wandel zur Elektromobilität für den Konzern eine herausragende Rolle. Allein in Niedersachsen arbeiten rd. 120.000 Menschen für "VW" (3 % aller Beschäftigten im Flächenland). So werden die Werke in Emden ("ID"-Klein- und Mittelklassewagen) und Hannover ("ID Buzz") ab kommendem Jahr E-Fahrzeuge produzieren, das Werk in Wolfsburg (Projekt "Trinity") ab 2026. Dazu kommt ein neuer Hybrid in Osnabrück ("Arteon Shooting Brake") und eventuell ein "ID 3" für die Friedensstadt. Schließlich spielt die Produktion von Komponenten in Braunschweig und Salzgitter (Batterien) eine Rolle. Heute baut "VW" seine Elektrofahrzeuge an den sächsischen Standorten Dresden mit der "Gläsernen Fabrik" ("ID 3") und ("Sachsenring") Zwickau ("ID 3", "ID 4" + 4 künftige Konzernmodelle).

Zukunftsweisende Elektromobilität aus Martorell bei Barcelona.

Die Zukunft der Elektromobilität "Made by VW" wird allerdings ganz woanders entwickelt: Der "Seat"-Standort Martorell unweit von Barcelona soll mit millionenschwerer Förderung aus den Corona-Mitteln der Europäischen Union und Unterstützung der spanischen Zentralregierung zum "E-Mobility-Hub" für den Konzern werden. Die Entwicklung der im Süden populären Kleinwagen wird hier u. a. im Fokus stehen. 
Lässt sich "Tesla" mit Millionen-Beiträgen in Brandenburg fördern, setzt "Volkswagen" auf Katalonien. Zugleich macht die Luxustochter "Audi" in Ingolstadt zusammen mit "VW" im Geheimprojekt "Artemis" in einem eigenen Startup-Schnellboot Jagd auf "Tesla" - auf Grund der mangelnden Reife von "VW OS" allerdings bereits mit sechs Monaten Verzögerung, so "Business Insider". Der "Landjet" soll es mit der dann neuesten Generation des "Tesla Model S" aufnehmen.

SEAT-Headquarter und R&D-Standort in Martorell bei Barcelona.
Luftbild: Seat SA

ALLES WIRD DIGITAL BEI "VW":

Auch beim größten deutschen Automobilbauer ist die Zukunft online eingezogen: 2020 führte die Marke "VW" in 112 Ländern eine neue, einheitliche Website ("One Hub") mit einem neuen Konfigurator ein. Erste messbare Erfolge: Bislang schauten sich über 430 Mio. Besucher auf der "VW"-Seite um. 87 Mio. mal konfigurierten Interessierte einen neuen Wagen - 35 % mehr als über die alte Website im Jahr zuvor. Daraus entstanden rd. 700.000 Kundenkontakte, die an die Händler gingen. Aktuell können Kunden ihren neuen "ID 3" oder "ID 4" komplett online konfigurieren. Ab Sommer '21 startet "Volkswagen" auch den Kaufabschluss über das Internet - einschließlich Leasing und Finanzierung. Dazu kommt ein Online-Marktplatz für Lagerfahrzeuge und Gebrauchtwagen - zunächst für Deutschland, gefolgt von weiteren EU-Ländern.

Vom Autohändler zur Onlineberatung zum E-Commerce-Erlebnis.

Wie das Thema E-Commerce in der weiteren Ausbaustufe aussehen kann, zeigt ebenfalls die Innovationstochter "Audi": Hier startet mit der starken Jahreshälfte im Herbst '21 eine umfassende Online-Shopping-Plattform - von der Konfiguration über die Bestellung inkl. Leasing und Finanzierung, von der verbindlichen Reservierung von Lager- und Gebrauchtfahrzeugen bis zum Buchen von Wartungs- und anderen Servicepaketen. Was 2017 mit einem Online-Marktplatz in Ingolstadt begann, wird bei "Audi" in diesem Jahr (noch) gemeinsam mit seinen Händlern zu einem umfassenden Online-Shopping-Angebot, dass den Besuch im Autohaus weiter zur Rarität werden lassen könnte.

Beratung via Virtual Reality - powered by "Sinner-Schrader" Hamburg.

Wie die Zukunft aussehen kann, zeigen die Ingolstädter in ihrer während der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr gestarteten Live-Beratung. Dabei gehen Kundenberater mit einer AR-Brille durch den Showroom und zeigen dem Kunden am Bildschirm zu Hause Fahrzeuge, Fahrgastzellen, Ausstattungsdetails und Optionen für Lackierung und Innenausstattung. Heute bieten laut aktueller "Audi"-Mitteilung alle Händler deutchlandweit den AR-Service mit der virtuellen Beratung über das Netz an. Dahinter steht neben der "Audi Business Innovation GmbH" auch die bekannte Hamburger Digitalagentur "Sinner-Schrader" - heute ein Teil von "Accenture digital".

Der neue virtuelle "VW"-Autosalon im Internet.
Illustration: VW AG

Für den "Volkswagen"-Konzern geht es in den kommenden Jahren um nicht weniger als einen Paradigmenwechsel vom Fahrzeugbauer mit der Denke in Marken und Fahrzeugen sowie Plattformen und Bauteilen zu einem Dienstleister für nachhaltige Konzepte und digitale Kundenerlebnisse rund um individuelle Mobilität. Mit einem eigenen "TE-Masterplan" will die "Volkswagen AG" den Wandel mit einem neuen Modell der Zusammenarbeit meistern. 

Bei "Audi" haben agile Methoden bereits bei der Entwicklung digitaler Angebote Einzug gehalten. Der Software-Stack wird immer wichtiger, als die Blechkarosserie. Zugleich werden die Ingolstädter sowohl die "PPE"-Plattform als auch neue Produkte mit der schwäbischen Schwester "Porsche" aus Zuffenhausen zusammen entwickeln, die Elektromobilität mit der neuen Stiefschwester "Bentley" in England - Kollaboration unter Luxusmarken.

Der Kulturwandel für die weltweit gut 660.000 Belegschaftsangehörigen bei "Volkswagen" in 30 Ländern rund um den Globus wird die Archillesverse, ob es der Automobilkonzern mit Volumenherstellern, Luxusmarken sowie Motorrad- und Sportwagen-Manufakturen in die nachhaltige, digital-vernetzte Zukunft schafft - oder von "Tesla" & Co. auf die Plätze verwiesen werden wird. Im Moment wird laut Insidern "Porsche" mangelndes Interesse an "Artemis" vorgeworfen und "Audi" ein schlechtes Projektmanagement. Und auch die Fusion der konzernweiten IT zur "Software Group" schmeckt einigen Marken gar nicht.

Die Chancen für die Wolfsburger Top-Manager mit ihrer skalierbaren Plattformdenke sind mit den neuesten Strategien durchaus realistisch, wenn sie - wie Wolfgang Porsche es jüngst im Kreis der Eigentümerfamilie fordert - "den Mund nicht so voll nehmen", heißt: weniger Sabbeln, mehr schaffen.

Die Rede von "VW"-Konzernchef Herbert Dies kann hier abgerufen, von "VW"-Markenchef Ralf Brandstätter hier gedownloaded werden. Einen Überblick zur Elektromobiltität bei "VW" gibt es auf der Konzern-Presseseite.

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Hanse Digital Service:


Das Hanse Mobility Magazin: hansemobility.de



Mittwoch, 28. Februar 2018

HANSEMOBILITY: Elektrisch zur Mobilititätsmetropole Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

2.400 Elektroautos und Hybrid-PKW sind auf Hamburgs Straßen täglich unterwegs, in der Metropoleregion insgesamt rd. 3.800. 650 Ladepunkte hat der Senat im Stadtgebiet bis heute aufbauen lassen, ist rd. 1 Jahr hinter dem Plan. Der ADAC Hansa stellt fest: Die Ladeinfrastruktur ist eine der größten Hemmungen beim Kauf eines Elektroautos. Die schwache Infrastruktur sorgt dafür, dass nur wenige ein E-Auto kaufen. 



Ladeinfrastruktur an Alster und Elbe. Stand: Februar 2018.
Grafik: OpenStreetMap/stromnetz.hamburg.de

HANSEVALLEY ist dem 2014 beschlossenen Masterplan des Senats auf den Grund gegangen. Verantwortlich für den Aufbau der öffentlichen Ladesinfrastrukur ist Stromnetz Hamburg, ein Unternehmen der Stadt. Die Spezialisten für Elektrizität planen und errichten die Ladesäulen. Wie weit sind Hamburgs E-Mobility-Spezialisten auf dem Weg zum emissionsfreien Autoverkehr rund um Binnen- und Außenalster? Ein Hamburg Digital Report.


50 E-Golfs für die Mobilitätsmetropole Hamburg.
Foto: auto-medienportal.net/Volkswagen
Donnerstag vergangener Woche am Fischmarkt. Der in die Schlagzeilen geratene Autobauer Volkswagen übergibt an Firmen und Pendler in Hamburg 50 E-Golfs. Mit Unterstützung des Berliner Wirtschaftsministeriums werden die VWs in den kommenden 3 Jahren zusammen 1,5 Mio. km über Hamburgs Straßen rollen. Die Nutzer zahlen im Rahmen von "E-Drive 2018" pro Monat 218,- € reduzierte Leasing-Rate. Die Nutzer der sauberen Golfs sind u. a. die städtischen Beteiligungen Hamburg Airport, die Hafenbhörde HPA und Bezirksämter, außerdem der NDR, Hermes und Unilever.

"Der Zug ist abgefahren und geht klar in Richtung Elektromobilität", bringt Diplom-Verfahrenstechniker Stefan Zisler den Trend auf den Punkt. Zusammen mit seinen Kollegen im Innovationsmanagement kümmert sich der Kenner bei Stromnetz Hamburg seit 2015 aktiv um den Aufbau der Ladeinfrastruktur. Mit 29.000 km öffentlichen Stromtrassen, 55 Umspannwerken und 1,1 Mio. Stromzählern in Betrieben und Haushalten weiß die Stromnetz GmbH und frühere Vattenfall-Tochter, wie man Infrastrukturen aufbaut und betreibt. Dabei ist Elektromobilität in Hamburg bereits seit 1990 ein Thema. 

"Kein Bedarf mehr, ein eigenes Auto zu haben."

Erst jetzt schafft es die neueste Generation Batterien, mit einer Stromladung auch 300 km und mehr unterwegs zu sein - ein wichtiger Standard für die Anschaffung eines E-Autos im Privat- wie Flotteneinsatz. 35 bis 45 km fährt der durchschnittliche Autofahrer pro Tag. Für den langjährigen Experten ist die Kurzstrecke ein klares Argument für die Batterie, während Vertreter und Lieferanten künftig auf der Langstrecke mit Wasserstoffantrieb unterwegs sein werden. Stefan Zisler fährt selbst einen 24 Jahre alten Volvo 850, bringt im Interview aber auf den Punkt: "Ich sehe eigentlich keinen Bedarf mehr, im Ballungsraum ein eigenes Auto zu haben."


Inbetriebnahme 600. Ladestation durch Olaf Scholz im Oktober 2017.
Foto: Senatskanzlei Hamburg/Frederik Sperber
Für das neue Elektro-Ladesäulennetz an Hamburgs Straßen hat die Wirtschaftsbehörde mit dem Stadtplanungsbüro "Argus" n einem ausgeklügelten System die künftigen Standorte geplant und die Kosten kalkuliert. Für eine Wechselstrom-Ladesäule werden laut Liste rd. 8.000,- € fällig, für eine Gleichstrom-Schnelladesäule das Dreifache. Dazu kommen Anschlusskosten für Leitung und Zähler von 1.000,- bis 3.000,- €. Das gilt für jeweils eine Säule mit zwei Ladepunkten, sprich Steckern. Der E-Mobilitätsexperte Zisler ist stolz auf den Senat: "Keine andere Stadt treibt das so vehement wie Hamburg."

Ökostrom an Elbstrand, Strandperle & Ladestation.

Die Ladesäulen in der Mobilitätsmetropole werden über ein eigenes IT-Backend von Stromnetz Hamburg gemanagt. So können heute 7 Dienstleister mit 160.000 nationalen und internationalen Ladekarten auch an den Hamburger Ladesäulen abrechnen, rd. 40 Interessenten sind mit den Profis von Stromnetz Hamburg im Gespräch. Nutzer der Hamburger Ladesäulen können sowohl mit RFID-Chipkarten der zugelassenen Anbieter, aber auch direkt per E-Charging-App auf Android- und iPhones sowie per SMS ihre Stromrechnung an Ort und Stelle bezahlen.

Mit Umstellung der Car Sharing-Flotten von Car2Go und DriveNow sowie der Markteinführung von Moia werden auch sie die Hamburger Infrastruktur nutzen. "Jeder hat bei uns freien Zugang", betont Elektromobilitäts-Entwicker Zisler. Und die Kosten sind ebenfalls transparent: Je Vorgang werden einmalig 1,73 € fällig, dazu kommen pro Kilowattstunde 27 ct. im "Direct Pay"-Verfahren. Obendrauf fallen 19% Abrechnungsgebühr an. Ob via App, SMS oder eine der zertifizierten Ladekarten bezahlt: an Hamburgs E-Säulen kommt nur sauberer Ökostrom aus der Dose, nämlich aus 100% Wasserkraft - wie bei den "Energie Hamburg"-Tarifen "Elbstrand" und "Strandperle".

Genügend Ladesäuen? Niemals? & Schon immer!


1.000 Ladepunkte soll es bis 2019 in Hamburg geben.
Foto: HANSEVALLEY
Mittlerweile werden pro Monat rd. 10.500 Ladevorgänge an den 650 Hamburger Säulen gezählt, eine Verdoppelung zu den Vorjahren - Tendenz kräftig steigend. Bis 2019 sollen in ganz Hamburg insgesamt mindestens 1.000 Ladepunkte für Elektroautos zur Verfügung stehen, kommen jede Woche rd. 6 neue Ladesäulen im Straßengebiet dazu. Hinzu kommen laut Senat weitere 150 Ladepunkte an Switchh-Stationen für die dort parkenden Elektro-Smarts und -Minis der Car-Sharing-Anbieter. Bleibt die Gretchenfrage nach ausreichend Ladesäulen in und für Hamburg, wie vom ADAC aufgeworfen. 

Gesprächspartner Stefan Zisler hat darauf eine zwiespältige Antwort, zwischen "niemals" und "schon immer" - je nachdem, aus welcher Perspektive man das Thema beleuchtet. Einerseits steht Hamburg sowohl bei den täglich auf unseren Straßen emissionsfrei rollenden E-Autos bundesweit ganz vorn, ebenso wie bei den monatlich immer mehr werdenden Ladesäulen. Andererseits steht Deutschland bei der Elektromobilität generell noch ganz am Anfang. 


Ladesäulen und Fahrzeugflotte bei Stromnetz Hamburg
Foto: HANSEVALLEY
Bis 2030 sollen auf Hamburgs Straßen laut Metatudie mehr als 100.000 Elektroautos rollen. Das bedeutet auch: rd. 50 GWh Stromverbrauch pro Jahr zusätzlich. Stefan Zisler gibt zu bedenken: "Nur Benziner gegen Elektrofahrzeuge zu ersetzen, ist eine Sackgasse." Ein Thema, das bei HANSEVALLEY ganz oben auf der Tagesordnung bleibt.

 Hamburg Digital Background: 

Übersicht Elektromobilität Projekte + Nachrichten:
https://elektromobilitaethamburg.de/

Übersicht Elektromobiliät bei Stromnetz Hamburg:
www.stromnetz.hamburg/ueber-uns/innovationen/e-mobility/

Übersicht Abrechnungsmöglichkeiten in Hamburg:
www.stromnetz.hamburg/ueber-uns/innovationen/e-mobility/zugang-zur-ladeinfrastruktur/

Vergleich Ladekarten Hamburg und bundesweit:
www.energieheld.de/photovoltaik/elektromobilitaet/ladekarten-stromtankstellen#kosten-vergleich

Masterplan Ladeinfrastruktur Freie und Hansestadt Hamburg (PDF):
www.hamburg.de/contentblob/4479262/dcabd1a0157d6ac7c2ab1bfb06b22dc7/data/masterplan-ladeinfrastruktur.pdf

Mittwoch, 9. August 2017

HANSEMOBILITY: Hinter den Kulissen von Moovel - der neuen Heimat von Familonet.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Es ist die Sensation des Startup-Sommers: Der Daimler-Mobilitätsdienstleister Moovel hat zum 1. August d. J. das Hamburger Geolocation-Startup Familonet übernommen. Die 13 Entwickler, Supporter und Marketer arbeiten ab sofort an der Elbe mit den Developern und Experten von Moovel zusammen. Unweit des Hamburger Fischmarktes wird der Mobilitäts- und Techstandort auf 40 Spezialisten ausgebaut.
Moovel ist seit 2015 an der Elbe zu Hause. Was mit einer Kooperation und technischer Unterstützung begann, ist neben der Zentrale in Stuttgart und einem weiteren Büro u. a. mit Datenservices in Berlin ein Leuchtturm des Techstandortes Hamburg. HANSEVALLEY hatte die Gelegenheit, hinter die Kulissen vis-a-vis des Containerterminales Tollerort zu schauen. Ein Hamburg Digital Report:



Hamburg Hoch 3: MyTaxi via Moovel am Rathaus.
Foto: Moovel Group
Rathausmarkt, 13. Mai d. J.: Die Hansestadt und der Stuttgarter Autobauer Daimler vereinbaren eine umfassende Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt der Mobilitätspartnerschaft: 400 elektrische Smarts von Car2Go in Hamburg, 1.000 öffentliche Ladesäulen für Elektroautos und die Kooperation mit der Hochbahn-Mobilitätsplattform Switchh. Mit auf der Tagesordnung: der Ausbau der Zusammenarbeit mit den Daimler-Mobilitätsservices und Moovel.

Neben Stuttgart ist Hamburg eine der ersten Städte Deutschlands, in der man Fahrräder, Bus- und Bahntickets, Car Sharing und Taxi über Moovel buchen und bezahlen kann. Die Zusammenarbeit der City-App mit Hamburg hat lange Tradition. An der Elbe sitzen auf rd. 600 qm zusammen mit dem Familonet-Team nun rd. 40 Entwickler und Supporter von Moovel, um Mobilität deutschlandweit noch mehr zum Erlebnis zu machen. Was in einem Shared Office mit 9 Arbeitsplatzen begann, ist zu seinem stattlichen Standort des Corporate Startup herangewachsen.

Beratung & Umsetzung zu Prozessen und Software


Hauke Windmüllers neuer Chef:
Moovel-CPO John David von Oertzen.
Foto: Moovel Group
"Mobilität wird sich drastisch verändern", spitzt es John David von Oertzen, Chief Product Officer der Moovel Group, im Interview mit Blick auf die Elbe zu. Der gebürtiger Hamburger ist Techi und Business-Profi in Einem: Nach seinem Studium zum Wirtschaftsinformatiker begleitete er über 5 Jahre IT-Projekte bei der P3 Ingenieurgesellschaft - u. a. für Airbus oder Otto. 2011 macht er sich mit seiner Firma Infinit selbständig, kümmert sich um Auftragsarbeiten im Bereich Softwareentwicklung für Lufthansa Technik, Hamburg Süd und die Otto Group.

Einer der Kunden des Co-Founders von Inifinit: Der Mobilitätsdienstleister Moovel. Der gebürtige Niendorfer unterstützt die Daimler-Tochter mit Beratung und Umsetzung zu Prozessen und Software. "Ich bin Techi", pointiert John David die persönliche Verankerung. Seine Spezialität: Wie kann man das Geschäft und Prozesse in Software gießen. Zu seinen bevorzugten Programmiersprachen zählen das Java-Derivat "Groovy" oder auch "Scala". 2015 setzt Moovel sein Ziel um, die komplette Softwareentwicklung ins eigene Haus zu holen. Das Hamburger Entwicklerteam von Infinit wechselt zur Moovel-Group.

Suchen, Buchen & Bezahlen schnell und einfach

Rund die Hälfte der Produktentwicklung der Mobilitätsplattform Moovel kommen heute aus Hamburg - unterstützt von den 13 Geolocation-Experten des Neuzugangs Familonet. Für das ehemalige Infinit-Team hat sich mit der Integration damals auch etwas an der Kultur im 2. Stock des Gewerbehauses geändert: Es geht es um die Entwicklung eines Produktes und nicht mehr um den Verkauf von Beratungs- und Entwicklungsstunden. Und Moovel hat es in sich: Das "Betriebssystem für Städte" hat mehr als 100 Schnittstellen zu externen Systemen - von der Bahn bis zur Hochbahn.

Eine der Herausforderungen: Spezielle Tarife für einzelne Personengruppen - wie Kinder, Kleingruppen oder Touristen. Sie können nicht standardisiert eingepflegt und automatisiert bereitgestellt werden. Dazu kommen verschachtelte Ticketkonzepte mit Ringen, Zonen und Spezialitäten sowie versplitterte Auskunftsdienste zu Bussen und Bahnen in den Verkehrsverbünden. Es ist eine große Herausforderung, eine nationale Plattform zu betreiben, die lokales Suchen, Buchen und Bezahlen schnell und einfach machen soll.

Moovel und Switchh - 2 ähnliche Plattformen


Neuer Arbeitsplatz des Familonet-Teams:
Das Großraumbüro von Moovel an der Elbe.
Foto: HANSEVALLEY
Es sind große Verkehrsträger mit großen IT-Plattformen, die mit den Echtzeitlösungen von Moovel zusammenarbeiten sollen. Mit der Integration aller Verkehrsträger in Hamburg einschl. HVV-Tickets ist unsere Stadt nach Stuttgart die 2. deutsche City, in der User alles aus einer App bekommen. Die Hochbahn als Partner ist für den Moovel-Produktchef eine Ausnahmeerscheinung: "Im deutschen Markt ist die Hochbahn einer der Vorreiter". Von Oertzen sieht die Partner aus der Steinstraße "in allen Themen sehr weit vorn" und "äußerst aufgeschlossen".

Auch auf die Frage zum Wettbewerb mit der Mobilitätsplattform Switchh kommt der Top-Manager nicht ins Schwimmen: "Es handelt sich um zwei sehr unterschiedliche Plattformen mit einem ähnlichen Ziel." Dabei fokussiert Moovel auf Städte, wie Hamburg, Karlsruhe und Stuttgart. Im Rahmen der Mobilitätspartnerschaft des Senats mit Daimler sitzen HVV, Hochbahn und Moovel mit am Tisch und arbeiten an konkreten Plänen zur Kooperation ihrer Plattformen.

Hamburg mit Car2Go, Moovel und MyTaxi

Der Wahl-Eimsbütteler lobt Hamburg auch insgesamt als sehr innovativ. Kein Wunder: Die Daimler-Tochter MyTaxi sitzt nur wenige Häuser weiter, zusammen mit Ablegern des Daimler-Carsharing-Service Car2Go. Die Zusammenarbeit mit den Städten ist von großer Bedeutung für Moovel. Hier profitiert das Team von der langen Tradition in der Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Daimler. Bei Daimler ist das Thema Mobilitätsangebote in der Daimler Financial Services ganz oben aufgehangen. Der Stuttgarter Autobauer sieht Moovel als Investition in die eigene Zukunft.

Über 3 Mio. Kunden hat Moovel heute weltweit und 10 Mio. Transaktionen allein von Januar bis Juli '17 abgewickelt. Für die Zukunft kann sich John David gut vorstellen, weitere Anbieter einzubinden. So ist der Carsharing-Dienst Drive Now ein "potenziell spannender Partner". Eventuell ja im Rahmen der in den Medien immer wieder diskutierten Fusion mit Car2Go. Und neben Nextbike ist man bei Moovel auch "offen für Gespräche" mit dem Fahrrad-Verleih Call-A-Bike (in Hamburg: Stadtrad) der Deutschen Bahn. "Wir sind offen gegenüber jedem, der auf der Plattform sein möchte", fasst es der Produktchef diplomatisch zusammen.


Hinter dieser Glastür hat alles angefangen:
Das erste Büro von Moovel in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY

Doch zunächst wird man sich auf die Integration der nächsten Städte mit Bus und Bahn konzentrieren. Auch in Hamburg wird es in Zukunft noch mehr Moovel vor und hinter den Kulissen geben. So plant die Hochbahn-Plattform Switchh, Car2Go einschließlich Buchen und Bezahlen in den eigenen Dienst zu integrieren. Dabei werden die Techis vis-a-vis des Terminals Tollerort ganz praktisch helfen. Und die Stadt unterstützt Moovel, an Alster und Elbe noch bekannter und beliebter zu werden, wie im Kooperationspapier von Senat und Daimler nachzulesen ist.



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 Hamburg Digital Background: 

Moovel Mobilitäts-App
www.moovel.com/de/de

Hochbahn Jobs & Karriere