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Mittwoch, 11. September 2019

HANSEPERSONALITY Hendrik Klindworth: Neue Prototypenförderung für Hamburg.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

InnoGames Mitgründer und Geschäftsführer Hendrik Klindworth.
Foto: Thies Rätzke

Es ist eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der Gamescity Hamburg: Mit aktuell gut 160 Mio. € Umsatz und 20 Mio. € Gewinn ist InnoGames eine Klasse für sich. Gegründet 2003 als Hobby, ist die zum schwedischen Medienkonzern Modern Times Group gehörende Free2play-Gamesschmiede mit mehr als 400 Mitarbeitern in Hammerbrook ein stiller Riese geworden. 



Das Team von Innogames beim Sommerfest 2019.
Foto: InnoGames

Mit "Die Stämme", "Elvenar", "Forge of Empires", "God Kings", "Grepolis", "Warlords of Aternum", "The West" und "Tribal Wars 2" hat InnoGames langfristig erfolgreiche Simulations- und Strategiespiele entwickelt und damit heftigen Stürmen in der Spielebranche widerstanden. Mit insgesamt mehr als 500 Mio. € Umsatz in 7 Jahren melden die Gebrüder Klindworth für "Forge of Empires" einen Allzeitrekord in der deutschen Gamesindustrie.

Mobile Games auf Android- und iPhones, E-Sports und eine virtuelle Fußball-Bundesliga sind längst ein Massenmarkt und ein nicht zu unterschätzender Teil der Digitalndustrie an Alster und Elbe. Ein Hamburg Digital Interview mit Geschäftsführer und Mitgründer Hendrik Klindworth aus der 6.000 QM-Zentrale in der City Süd: 


Lieber Hendrik Klindworth: Sie kommen ursprünglich aus Stade, haben 2003 neben ihrem Studium an der Universität Oldenburg mit der Programmierung der "Stämme" begonnen und 2007 ihre erste Gamesfirma gegründet. Hand aufs Herz: Was hat Sie damals als angehender IT'ler daran fasziniert, ein Computerspiel zu programmieren?

Unser erstes Spiel "Die Stämme" ist als Hobby entstanden. Mein Bruder Eike und unser gemeinsamer Kindergarten-Freund Michael Zillmer wollten damals ein Spiel für uns und unsere Freunde schaffen. Antrieb war also vor allem unsere Leidenschaft für gute Strategiespiele. 


2019: Forge of Empires erobert den Mars.
Grafik: InnoGames

Als wir kurze Zeit später den Passwortschutz für das Spiel aufgehoben haben gingen die Registrierungen durch die Decke. Wegen des anhaltenden Erfolgs des Spiels, der übrigens bis heute anhält, haben wir uns 2007 dazu entschlossen, InnoGames zu gründen und unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Weiter-/Entwicklung von Spielen zu widmen.

Ihre Hauptnutzergruppe sind junge Männer ab 25 Jahren, beim History Game "Forge of Empires" gut 10 bis 15 Jahre älter, beim Fantasy Game "Elvenar" sind die User sogar 40+. Was fasziniert nicht nur Männer, einst mit dem Mauszeiger und heute mit dem dicken Daumen bis zu 12 mal am Tag zu spielen?

Online- und Mobile-Spiele sind eine moderne Form des Entertainments. Wenn wir uns die Statistiken anschauen, werden Spiele in allen Altersgruppen und geschlechterübergreifend gespielt. Smartphones haben einen wesentlichen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. 

Während man früher erst den PC starten musste, um unsere Spiele zu spielen, ist das heute bequem zwischendurch möglich. Anreiz bieten wir vor allem durch die hohe strategische Tiefe und Multiplayer-Aspekte in unseren Spielen. Gerade die Interaktion mit anderen Spielern macht sie so interessant. 

Ein Spiel kostet allein in der Entwicklung zwischen 2 und 5 Mio. € - und es dauert gut 2 Jahre, bis ein neuer Titel auf den Markt kommt. Sie sagen: "Wenn man ein Spiel veröffentlicht hat, geht die Arbeit eigentlich erst los." Wie sieht eine Spieleentwicklung aus und was für Spezialisten sind daran alles beteiligt?

Wir nehmen uns bewusst Zeit für die Entwicklung unserer Titel. Bei uns wird Qualität groß geschrieben. Unsere Spiele sind Free-to-Play-Games und zeichnen sich durch fortlaufende inhaltliche Updates aus. Schließlich möchten wir unseren Spielern immer wieder neue Inhalte bieten. Bei "Forge of Empires" zum Beispiel sorgen wir im Zwei-Wochen-Rhythmus für Updates, so dass Spieler um die fünf Jahre benötigen, um "Forge of Empires" "durchzuspielen".

Um diese Spieltiefe zu erreichen, ist das Zusammenspiel verschiedener Experten nötig: Vom Game Design über Analyse-Teams hin zu Programmierern, Grafikern und natürlich den Kollegen im Marketing. In der Vermarktung unserer Titel spielen wir ganz vorne mit und pflegen enge Partnerschaften mit zum Beispiel Google, Apple oder Facebook.

InnoGames gilt eine der langfristig erfolgreichsten Gamesfirmen zu sein, Sie verweisen auf 15 Jahre "gesteuertes Wachstum" und ein nachhaltiges Business. Die Stämme sind stolze 15 Jahre alt und "Forge of Empires" mittlerweile 7 Jahre im ununterbrochenen Wachstum. Hand aufs Herz: Was ist das Geheimnis ihres Erfolgs?


Der Paladin wacht über InnoGames.
Foto: InnoGames

Was unseren Erfolg ausmacht, ist immer noch vor allem die Leidenschaft für gute Spiele. Daneben sind regelmäßige Updates, neue Features und Erweiterungen der Schlüssel zu unserem Erfolg. Um immer neue Anreize zu schaffen, stehen wir außerdem in engem Kontakt zu unseren Spielern. Wir fragen nach Wünschen, Anregungen und Vorschlägen und nehmen das Feedback der Community sehr ernst. Für uns stehen die Spieler ganz vorne.

Vor 15 Jahren spielten die Meisten mit Flash im Browser ihres PCs, heute zu rd. 40% mit HTML5 auf stationären Rechnern. Mit 60% Mobile Games via Smartphone-Apps hat sich ihr Business spätestens seit 2014 weitgehend gedreht. Schauen wir zusammen in die Zukunft: VR-Games können nur schwer in den Alltag eingebunden werden. Gehört AR- bzw. Mixed Reality die Zukunft der Games?

Richtig, der Trend geht immer mehr Richtung Mobile. Smartphones und Mobile Games sind ein fester Bestandteil im Alltag verschiedenster Nutzergruppen geworden. Gegenüber VR bin ich allerdings skeptisch. InnoGames steht für Spiele, die verbinden. Das ist mit VR wegen der Abschottung von der Umwelt im Prinzip nicht möglich. AR hingegen ist da schon interessanter. Auch hier müssen aber viele Faktoren zusammenkommen um herausragende Erfolge zu erzielen, etwa wie bei "Pokémon Go" vor ein paar Jahren. 

Auf der anderen Seite beobachten wir einen Trend zu immer größeren Displays bei mobilen Endgeräten. Das kommt unseren Titeln natürlich zugute. Wir sind nicht zuletzt auch daher zuversichtlich, mit unseren Spielen auch in den kommenden Jahren weitere Millionen von Spielern weltweit begeistern zu können.


Die Firmenzentrale von InnoGames in Hammerbrook.
Foto: InnoGames

Unser traditionelle Hamburg-Frage: Sie haben rd. 30 offene Stellen in Hamburg. Ihre Mitarbeiter kommen aus mehr als 30 Ländern. Ihre Firmensprache ist seit 2009 Englisch. Hamburg gilt in der Gamesszene eine international bekannte Großstadt zu sein. Was wünschen Sie sich von der Hamburger Verwaltung, aber auch an besseren Bedingungen für Ihre Mitarbeiter?

InnoGames wächst seit 2007 kontinuierlich und ist nachhaltig erfolgreich. Trotzdem wünschen wir uns bessere Bedingungen auf lokaler und nationaler Ebene - vor allem um die Standorte Hamburg und Deutschland voranzubringen. Aktuell haben wir einige regionale Förderprojekte in Deutschland. 

Die Prototypenförderung wurde in Hamburg bekanntlich schon vor Jahren abgeschafft. Dabei profitiert der Standort heute noch von dem Programm. Daran muss die Politik wieder anknüpfen.

Die bundesweite Förderung wurde mit dem Gamesfonds in Höhe von 50 Millionen Euro angekündigt, ausgezahlt wurde davon bisher aber noch nichts. Wenn Hamburg weiterhin Games-Hauptstadt bleiben soll und Deutschland international nicht den Anschluss an andere Länder wie zum Beispiel Kanada verlieren möchte, muss die Politik dringend tätig werden. Da wir viele internationale Kollegen beschäftigen, ist uns außerdem die Digitalisierung aller Verwaltungsdienstleistungen ein großes Anliegen. Und natürlich der Wohnraum. Der ist in Hamburg knapp, gerade was vertretbare Mietpreise angeht.

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Vielen Dank für die offenen Worte!
Das Gespräch führte Thomas Keup.





 Hamburg Digital Service: 

Aktuelle Pressemeldungen von InnoGames:
innogames.com/de/presse/presseinformationen/#c933

Deutsche Startups: 
InnoGames wächst auf 160 Millionen Umsatz – Gewinn: 20 Millionen
deutsche-startups.de/2019/06/24/innogames-zahlencheck-2017/

Der Tagesspiegel:
Hamburg gegen den Rest der Welt
tagesspiegel.de/wirtschaft/die-games-branche-waechst-hamburg-gegen-den-rest-der-welt/24215036.html

Presseportal:
InnoGames steigert mobile Umsätze um 37 Prozent - Spieleentwickler wächst nach 12 Jahren am Markt prozentual im zweistelligen Bereich
presseportal.de/pm/79624/4185552

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Oliver Redelfs:
Privater Investmentfonds mit internationalen Experten für Hamburgs Gamesbranche.

http://hv.hansevalley.de/2017/10/hansepersonality-oliver-redelfs.html

Sonntag, 22. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Oliver Redelfs: Privater Investmentfonds mit internationalen Experten für Hamburgs Gamesbranche.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Es ist ein 100 Mrd. Dollar-Markt, dominiert von Global Playern, wie "Activision", "Microsoft", "Nintendo", "Sony" und "Ubisoft". Mit 2,9 Mrd. € in 2016 gehört die Gamesbranche zu den großen Tech- und Kreativbranchen Deutschlands. So rasant das Wachstum ist, so rasant ist die Achterbahnfahrt auch der Hamburger Player: "Bigpoint" und "Goodame Studios" haben schmerzhafte Anpassungen erfolgreich überstanden, während "InnoGames" weiter auf einer Erfolgswelle schwimmt und Mitte d. J. von der schwedischen Modern Times Group übernommen wurde.


Hamburgs Gamesbranche versetzt wieder Container ...
Illustration: Gamecity Hamburg

Wo befindet sich die deutsche Gamesindustrie an Alster und Elbe heute? Wohin geht die Reise an einem der größten Entwicklerstandorte der Republik? Wie sieht die Gamesförderung in Hamburg aktuell aus? Und wie können Wirtschaft und Senat die "Gamescity" Hamburg sinnvoll fördern. Unser HANSEPERSONALITY ist Branchensprecher Oliver Redelfs:

Der internationale Gamesmarkt ist in den vergangenen Jahren kräftig durchgewirbelt worden. Heute dominieren "Free-to-Play"-Games, die großen Digital-Stores und "Games-as-a-Service" den Markt. Wie hat die Hamburger Gamesbranche die Umbrüche gemeistert? 


Sprecher der Hamburger Gamesbranche: Oliver Redelfs
Foto: Gamecity Hamburg
Wenn etwas in der Gamesbranche sicher ist, dann ist es der ständige Fortschritt und Wandel. Kein anderer Wirtschaftsbereich ist so schnelllebig und saugt Innovationen mit einer derart hohen Geschwindigkeit auf, um sie in neue Produkte oder Geschäftsmodelle für den Massenmarkt zu transferieren. Die Hamburger Unternehmen haben sich trotz großer Herausforderungen mit unterschiedlichen Strategien wacker geschlagen. 

"Die Gamecity ist erstaunlich gut durch die großen Herausforderungen gesegelt."

Vom langsamen und nachhaltigen Firmenaufbau, dem Besetzen von Nischenmärkten über Effizienzsteigerungen und Kostenreduktion bis hin zum Wachstum durch Zukäufe hat jede Firma sein individuelles Erfolgsrezept gebraut. Insgesamt ist die "Gamecity" als Ganzes erstaunlich gut und ohne langfristige Schäden durch die großen Herausforderungen und Marktveränderungen gesegelt, die aktuell weltweit alle Player im Gamesmarkt beschäftigen. 


Der Markt konzentriert sich auf neue, innovative Games aus Asien, Europa und Nordamerika. Durch den Wettbewerb bei "Free-to-Play"-Games sind immer innovativere Spielkonzepte, teurere Entwickungsetats und hohe Marketingbudgets unabdingbar. Wie schlagen sich da die Hamburger Anbieter?

Die "Free-to-Play"-Welle (F2P) hat die gesamte Spieleindustrie nachhaltig verändert. Um erfolgreich mit F2P-Spielen zu sein, ist ein tiefes Verständnis und die ständige Analyse der Metriken und Spieler nötig. Ohne permanente Datenanalyse ist ein Bestehen im internationalen Wettbewerb und bei den sich fortlaufend ändernden Interessen der Spieler kaum mehr möglich.

"Die Indie-Startups sind das Nachwuchsspielfeld für die Zukunft der Branche."

Die Gamecity gilt mit Bigpoint, Bytro Labs, Goodgame Studios, InnoGames, Gamigo und Xyrality als Hochburg der deutschen F2P-Anbieter, die alle diese Kunst beherrschen und im Unternehmen entsprechende Strukturen aufgebaut haben. Alle genannten Firmen sind in diesem Segment sehr erfolgreich und für die Zukunft gut gerüstet. Gleichzeitig gibt es in der Stadt eine hochinnovative Indie-Szene, angeführt vom Branchenprimus Daedalic sowie zahlreichen kleineren Nachwuchsteams. Dank ihrer Schnelligkeit und Kreativität entstehen hier ständig spannende Innovationen. Die Indie Startups sind das Nachwuchsspielfeld für die Zukunft der Branche. 

5 der 10 größten Gamesfirmen Deutschlands sitzen an Alster und Elbe. Die Hamburger Anbieter gehören nicht durch die Bank weg zum neuen Typus von Gamesschmieden. Wie es der Hamburger Gamesmarkt aktuell strukturiert?


Aktuelle Marktanalyse der "Gamecity Hamburg"
Quelle: Nextmedia Hamburg
Die bereits genannten großen F2P-Anbieter dominieren die regionale Gameszene, sowohl mit ihren hohen Umsätzen wirtschaftlich, als auch mit ihren großen Mitarbeiterzahlen. Mit Daedalic wurde aber gleichzeitig auch die deutsche Spielefirma mit den meisten Auszeichnungen beim Deutschen Computerspielpreis und dem Deutschen Entwicklerpreis (30!) in der Stadt gegründet. Daedalic ist mit qualitativ hochwertigen Adventures, also narrativen Spielen, groß geworden und gilt in diesem Bereich als führend. Inzwischen hat das Unternehmen sein Portfolio diversifiziert und stellt auch erfolgreiche Spiele im Strategie-Genre her. 

HAW Games Master-Studiengang: "Kaderschmiede der deutschen Gamesbranche"

Daneben gibt es in der Stadt sehr erfolgreiche Indie-Studios und eine lebendige Szene für den Nachwuchs. Alle guten Newcomer-Studios aufzuzählen sprengt hier den Rahmen. Ein wichtiger Kristallisationspunkt der Nachwuchsszene ist der Hamburger Indie-Treff, wo Wissensaustausch und Netzwerken ein Zuhause gefunden haben. Viele Neugründungen kommen aus dem Umfeld der HAW – Hochschule für angewandte Wissenschaften -, deren Games Master-Studiengang ich oft als Kaderschmiede der deutschen Gamesbranche bezeichne. 


Deutsche Hersteller verdienen rd. 40% ihres Umsatzes in aller Welt. Im Gegenzug kommen nur rd. 5-7% der in Deutschland verkauften Games auch aus deutschen Entwicklerschmieden. Standorte, wie Berlin gehen massiv in die Förderung. Wie sieht die Förderung in Hamburg heute aus?
Networking bei der Hamburger Gameskonferenz 2017
Foto: HANSEVALLEY

Aktuell gibt es in Hamburg keine gezielte und explizite Gamesförderung. Mögliche Förderkonzepte werden jedoch innerhalb der Stadt fortlaufend geprüft. Hamburg war immerhin das erste deutsche Bundesland, in dem Spiele mit einer Prototypenförderung gezielt gefördert wurden. Mit dieser auf eine begrenzte Laufzeit initiierten Maßnahme konnte einigen der heute erfolgreichen Spielefirmen der Start in der Hansestadt erleichtert werden. Aufgrund des dynamischen und sich stark gewandelten Marktes wäre eine solche Prototypenförderung heute aber nicht mehr zeitgemäß und funktional. 

Du bist Gründer der "Gamecity Hamburg" und seit vielen Jahren u. a. als Redakteur, Berater und Business Developer im Hamburger Medien- und Gamesmarkt zu Hause. Hand aufs Herz: Wie kann man die spannende Techbranche in Hamburg am Besten fördern?

Ohne eine dezidierte und substanzielle Gamesförderung wird Deutschland als Produktionsstandort niemals seinen Rückstand aufholen und vermutlich bald in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Selbst Polen hat mit einem überschaubaren Geldeinsatz einen gesunden Nährboden für eine prosperierende Spieleindustrie geschaffen. Weltweit haben alle großen und erfolgreichen Entwicklungsstandorte gezielte Förderinstrumente entwickelt. Die deutsche Branche kämpft hier mit Bleischuhen und muss ständig einen gravierenden Standortnachteil ausgleichen. Auf Dauer ist es aber unmöglich allein mit Effizienz, Innovation und Kreativität gegen den Wettbewerbsnachteil zu bestehen. 

"Jetzt sind Schritte nötig, die kein Bundesland stemmen kann."

Jetzt ist die zukünftige Bundesregierung am Zug, endlich eine substanzielle Förderung für die hiesigen Firmen aufzubauen, denn alle Parteien einer möglichen Regierungskoalition bekennen sich erstmals zu Unterstützungsmaßnahmen für die Spieleindustrie. Um international mitspielen zu können, sind jetzt Schritte nötig, die kein Bundesland stemmen kann. Während der "GAME"-Bundesverband 100 Millionen Euro für die Gamesbranche fordert, setzt der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) auf ein international bewährtes „Tax-based funding model“.

Daher muss auch in der Hansestadt unbedingt etwas passieren, und zwar schnell und effizient. Doch nur nach staatlicher Hilfe zu rufen oder einfach nur die regionalen Förderinstrumente der anderen Bundesländer nachzuahmen, ist ein Irrweg. Die Möglichkeiten hier sind durch stark limitierte Fördersummen aufgrund der Länderhaushalte immer begrenzt und auch die Erfolgsbilanz bestehender Programme löst aktuell keine Jubelstürme aus. 

"Mir schwebt ein Fondsmodell vor, um strategische Investitionen vorzunehmen."

Meiner Meinung nach muss die gesamte Spieleförderung neu gedacht und mit zusätzlichen Instrumenten ausgestattet werden. Hier sehe ich vor allem die klassische Wirtschaft, private sowie institutionelle Investoren und natürlich auch die Gamesbranche selbst in der Pflicht. Mir schwebt ein Fondsmodell mit ausreichender Einlagensumme vor, um strategische Investitionen in etablierte Firmen und Indie-Studios vornehmen zu können. 

 "Es geht um Public-Private-Partnership, indem der Staat weiterer Investitionspartner ist."

Games-Präsentation auf der GamesConf '17 in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY
Zur Risikominimierung der Investitionen in diesem Hochrisikomarkt, der aber gleichzeitig gigantische Gewinnchancen bietet, müssen Investitionsentscheidungen von Spieleprofis getroffen werden und den finanzierten Firmen ein Pool mit den besten Branchenexperten während der gesamten Produktion zur Seite stehen. Nur so können in dieser rasanten Branche Entscheidungen schnell und unbürokratisch getroffen werden. Gerade diese Punkte sind die größten Probleme aller derzeit existierenden staatlichen Förderinstrumente. Letztlich geht es um ein Public-Private-Partnership, indem der Staat die regulatorischen Bedingungen schafft und lediglich als weiterer Investitionspartner mit an Bord ist.

Zu guter Letzt: Warum ist die Gamesbranche aus Deiner Sicht besonders förderwürdig. Als Außenstehender würde man doch eher von "verspielten Nerds" reden, oder? Was bringt die Spieleindustrie Hamburg an besonderen Assets?

Die Gamesbranche ist einer der wichtigsten Innovationleader und Vorreiter bei der Digitalisierung. Um dies Verstehen genügt ein kurzer Blick, warum hier Zukunftsforschung mit Softwareprodukten erfolgt, die sich sofort in einem kompetitiven und komplett internationalisierten Massenmarkt bewähren müssen. Durch die schnelle, iterative Gamesentwicklung profitieren durch die Analyse und Erkenntnisse später alle Wirtschaftszweige. Der Fortschritt in der Computerhardware wurde maßgeblich durch die ständig ansteigenden Leistungsanforderungen der Spieleindustrie vorangetrieben. 

"Content Marketing ist seit Jahren fester Bestandteil der Gamesbranche."

Gleiches gilt für die Softwareentwicklung, wo jedes Spiel die Grenzen des technisch und kreativ machbaren neu auslotet. Die bei Gamedevs gängigen Grafikengines wie Unity und Unreal gelten inzwischen als das "Microsoft Word"-Programm für die Entwicklung von VR- und AR-Anwendungen. Das aktuell angesagte Content-Marketing oder Video Advertising sind bereits seit Jahren fester Bestandteil bei den PR- und Marketingprofis in der Gamesbranche. Und auch der Aufstieg der Influencer wurde erst durch die "Let´s Player"-Szene möglich. Hier wurde die Basis für den Influencer-Trend gelegt. Dementsprechend kommen auch heute noch die größten und erfolgreichsten Influencer Channels aus dem Gamingsektor.

"Ich vermisse die Anerkennung und Unterstützung etablierter Firmen."

Kein Wunder, dass ein Großteil der Entrepreneure in der Startup-Szene in irgendeiner Form einen relevanten Gaming-Background besitzt. Die klassischen Industrien rekrutieren seit Jahren hochqualifizierte Mitarbeiter aus der Gamesbranche, die für sie für den digitalen Changeprozess so dringend benötigen. Dieser fortlaufende Brain-Drain ist natürlich auch für die Gamesbranche selbst eine große Herausforderung. Denn gerade die erfahrenen und gut ausgebildeten Mitarbeiter werden sehr oft von in traditionelle Branchen gelockt. 

Ich vermisse deshalb die Anerkennung und Unterstützung etablierter Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen. Wo bleibt das Bekenntnis zur Gamebranche als Zukunftswerkstatt für die deutsche Industrie? Wieso findet keine gezielte Zusammenarbeit der deutschen Wirtschaft mit der Spielindustrie statt, um damit den digital bestens ausgebildeten Nachwuchs zu fördern? Selbst die Granden der Politik haben inzwischen die Bedeutung der Gamesbranche für die Digitalisierung erkannt. 

"Endlich das außergewöhnliche Potenzial der Gamesbranche nutzen."

Ich erwarte, dass die Wirtschaft schon aus Eigeninteresse endlich Chancen ergreift, die von der Spieleindustrie ausgehen. Wer Games immer noch als Spielkram belächelt, verspielt seine eigene Zukunft. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich Firmen, Investoren und Institutionen bei mir melden, um gemeinsam Ideen und Strategien zu entwickeln, um endlich das außergewöhnliche Potenzial der Gamesbranche effektiv zu nutzen.

Vielen Dank für die tiefgehenden Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.


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 Hamburg Digital Background: 

Games-Standort Hamburg 2017 - Abendblatt

Games-Markt Deutschland 2017 - HMS-Studie

Branchen-Netzwerk "Gamecity Hamburg"

Studiengang "Games Master" HAW Hamburg