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Mittwoch, 13. April 2022

HANSEFUTURE: Der Onlinezugang und die digitale Illusion der Verwaltung.

HANSE DIGITAL FUTURE
- Stand: 27.04.2022, Version: 1.3 -

"Die Beamtenmentalität muss ins digitale Zeitalter transformiert werden."
Sven Jung, Manager Public Sector, ReqPool Deutschland

Die digitalen Services der Kommunen hinken noch massiv hinterher.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Formulare ausfüllen, Nachweise kopieren, Anträge einschicken. Wochenlang warten, Ämtern hinterher laufen, keine klaren Auskünfte bekommen: Die Arbeit vieler Verwaltungen in Städten und Landkreisen ist auf gut deutsch "unter aller S.u". Das Verwaltung nicht schell sein kann, ist bei ängstlichen Mitarbeitern auf geschützten Arbeitsplätzen verständlich. Das Verwaltung aber schusselig, schlusig und schlampig daher kommt, ist nicht verzeihbar. Mit digitalen Wegen soll das eigentlich der Vergangenheit angehören.

Anhand topaktueller Entwicklungen in den ehrwürdigen Rathäusern der Hansestädte Hamburg und Lübeck zeigt HANSEVALLEY systematisch auf, wie man die Digitalisierung kommunal organisieren kann und sollte - neun Monate, bevor in Bund, Ländern und Kommunen der große Hammer fällt. Ein Deep Dive zur Digitalisierung - und wer sich doch mal besser einen Berater holen sollte. Thomas Keup mit Facts & Figures fernab des üblichen Gesabbels:

Zum 1. Januar kommenden Jahres müssen Bund, Länder und Kommunen insgesamt 575 Verwaltungsleistungen online oder mobil über Service-Portale bzw. Service-Apps für Einwohner, Unternehmen und die Verwaltung anbieten. So steht es im bereits 2017 auf Bundesebene verabschiedeten Onlinezugangsgesetz - kurz: OZG. Der Bund hat für die Digitalisierung der Verwaltung im Coronajahr 2020 noch einmal 3 Mrd. € aus Corona-Hilfsmitteln auf den Tisch gepackt.

Damit wollte und will die Politik aus der jahrelangen Lethargie um die Modernisierung der Verwaltung aka E-Government endlich herauskommen und mit Online-Services und Mobile Apps doch mal den Anschluss an die digital-vernetzte Realität bekommen. Der Normenkontrollrat im Bundeskanzleramt - die zentrale Kontrollinstanz für Bürokratiekosten auf Bundesebene - watschte in seinem 6. Monitor zur "Modernen Verwaltung" Anfang September '21 Politik und Verwaltung jedoch hart ab:

"Die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes ist bis Ende 2022 nicht mehr zu schaffen."

Ende 2021 rückt auch der Bund mit der Wahrheit raus: Bundes-CIO Markus Richter verkündet auf dem "Zukunftskongress Staat & Verwaltung" kleinlaut: "Es wird uns nicht gelingen, alles flächendeckend in jeder Kommune digital zu haben". Mit Stand Dezember '21 sind zwar 90 der 115 Verwaltungsleistungen auf Bundesebene digitalisiert. Bei 460 Leistungen der Länder und Kommunen sieht es dagegen düster aus: Hier gibt es ein Jahr vor dem Stichtag gerade einmal 50 "Referenzimplementierungen" in mind. einer Kommune - 50 von 460, die bis Ende 2022 bundesweit flächendeckend am Start sein müssen. 100 werden zurzeit laut Medienberichten umgesetzt, 100 weitere sind in Planung.

Von wegen "digitale Verwaltung". Die INSM zeigt die bittere Wahrheit.
Grafik: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Ende März dieses Jahres wird die schlimme Befürchtung durch weitere harte Fakten erneut bestätigt. Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" bringt auf den Punkt: Bis heute sind gerade einmal 80 der insgesamt 575 Verwaltungsleistungen digital verfügbar. 495 Leistungen sind gar nicht oder nicht flächendeckend online nutzbar. Dabei sollen sich Bund, Länder und Kommunen nach dem Prinzip "Einer für alle" die digitalen Anwendungen teilen. Geschäftsführer Hubertus Pellengahr tritt der Ampel-Koalition kräftig auf die Füße, befürchtet weitere 30 Jahre bis zur Behörden-Digitalisierung:
 
"Es kann nicht sein, dass die Behörden nur für amerikanische Elektroautohersteller serviceorientiert und schnell arbeiten."

Bereits im Juli vergangenen Jahres kritisiert der junge und ambitionierte Bürgermeister der Hansestadt Lübeck - Jan Lindenau - auf offener Bühne im "Hansetalk" zum "Digitaltag 2021" des "EnergieClusters Digitales Lübeck": "Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung ist in den letzten 15 Jahren nur bedingt ein Thema gewesen." Lindenau gibt seiner Verwaltung auf einer Skala ganze 3 Punkte - 3 von 10. Der SPD-Lokalpolitiker wird noch deutlicher: 

"Die wirklich großen Veränderungen stehen noch vor uns, und sie werden mit Sicherheit noch Jahre dauern, bis sie konsequent umgesetzt werden." 

Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die meisten der 575 Verwaltungsleistungen Ende des Jahres lediglich oberflächlich digital daherkommen. Auf Grund veralteter und inkompatibler Software - sogenannter Fachverfahren - werden die meisten Anfragen auf Auskunft und Anträge zur Genehmigung weiter per Hand bearbeitet - inkl. Faxen, Ausdrucken und Abtippen. Dazu kommt die lästige Verpflichtung für Bürger und Betriebe, auch weiterhin Nachweise auf Papier vorlegen zu müssen. Medienbruchfreie Geschäftsprozesse in der digital-vernetzten Welt? Im Rathaus eher Fehlanzeige. 

Lübecks Bürgermeister Lindenau geht davon aus, dass Anfragen und Anträge erst 2030 voll digital erledigt werden können - von der einmaligen Eingabe persönlicher Daten im Service-Portal, der Übernahme von bereits erhobenen Daten bis zur automatischen Bearbeitung und Entscheidung von Anträgen und Genehmigungen. Wie Teile der Wirtschaft hat auch die Kommunalpolitik mit ihrer Verwaltung kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem, wie das Beispiel Lübeck zeigt. Vollversagen von Politik und Verwaltung im Jahr 5 des OZG - Made in Norddeutschland.

Wenn die Lokalpresse Hofberichterstattung macht, muss der Rechnungshof ran.
Foto: HANSEVALLEY

Mitte Februar dieses Jahres platzt eine weitere OZG-Bombe im Norden: Der Rechnungshof der ehrwürdigen Kaufmannsstadt Hamburg stellt in seinem Jahresbericht für 2021 fest: "Die Freie und Hansestadt droht von den anderen Bundesländern abgehangen zu werden". Grund: Für alle von Hamburg erarbeiteten und vom Bund bezahlten Programme vor allem im Bereich "Unternehmensführung & -entwicklung" mussten bis Juli '21 die Konzepte vorliegen, um die digitalen Dienste bis Ende des Jahres an den Start zu bekommen. Dazu gehören so entscheidende Themen wie Mutterschutz, Arbeitsschutzregelungen und die Hilfe für Menschen mit Behinderungen.

Die bittere Realität bei den Pfeffersäcken: Das zuständige Amt für IT und Digitalisierung unter Chief Digital Officer Christian Pfromm mit fast 150 Beamten und Verwaltungsangestellten in der Verantwortung der Senatskanzlei von SPD-Staatsrat Jan Pörcksen schaffte es für NICHT EIN EINZIGES Programm, die Frist einzuhalten. Damit nicht genug: Der Hamburger Senat weiß weder, wie viel Geld für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes an Alster und Elbe notwendig ist, noch wie viel der Betrieb Hamburg in den kommenden Jahren kosten wird, so der Rechnungshof in seinem Jahresbericht

Das völlig ahnungslose Amt für IT und Digitalisierung des Senats

Statt die notwendigen Hausaufgaben zur Vermeidung einer Bruchlandung fünf Jahre nach Verabschiedung des OZG zu erledigen, feiert sich der Hamburger Senat für den Vorsitz 2021 im "IT-Planungsrat" von Bund und Ländern - und damit für die Koordinationsrolle beim bereits im vergangenen Jahr als gescheitert erkennbaren OZG. Der Senat setzt einen eigenen Chief Digital Officer für die Bezirke ein, der erst sechs Monate später im Februar '22 überhaupt Personal und Mittel durch Rot-Grün bewilligt bekommt und nun für die Digitalprojekte auf Bezirksebene verantwortlich sein soll. Bezirks-CDO Benjamin Schock bringt in der hauseigenen Pressemeldung offenherzig auf den Punkt:

"Der Startschuss ist gesetzt!"
Fünf Jahre nach Verabschiedung des Digitalisierungsgesetzes - OZG.

Mittwoch, 6. April '22: Die Pressestelle des Hamburger Senats verkündet stolz den Start eines neuen Portals unter dem hochtrabenden Namen "Hamburg digital". Hier soll - Zitat - "eine Vielzahl von Hamburger Digitalisierungsprojekten und -prozessen gebündelt präsentiert werden" - zusammen mit allen Behörden. Unter der Regie des laut Rechnungshof ahnungslosen Amts für IT und Digitalisierung feiert sich der Senat gemäß seiner - von uns auseinander gepflückten - 60 bunten Seiten "Digitalstrategie" in acht "digitalen Räumen", die alle Lebenssituationen rund um Alster und Elbe abdecken sollen - und müssen.

Hier träumt der Senat mit seinen Behörden, Betrieben und Beteiligungen vom digitalen Leader hinterm Deich. Highlights der Eigentor-PR aka Schaufenster-Seite: 

- eine Homepage von "Hamburg Tourismus" mit Musical-Tickets und Hotel-Paketen, wie sie jede Stadt und jeder Kreis online auf die Kette bekommt. Es gilt: "Weil wir Hamburg sind."

- ein "digitaler Zugang zur Kultur" aka "eCulture" ... ohne ein einziges, praktisches Projekt - dafür aber mit einer - Achtung! - 127 Seiten dicken Strategie der Kulturbehörde BKM - erarbeitet 2019.

- Manager stadteigener Behörden und Betriebe, die sich ganz weltmännisch zweisprachig! loben ... u.z. über sich selbst und ihre eigenen Schaufensterprojekte. Kein Kommentar.

- ein verschlossener "KI-Showroom" (s. u.) inkl. des allseits abgenudelten "Starship"-Zustellroboters, vom überdimensionalen Empfangstresen ganz abgesehen. "KI - Made in Hamburg".  

- ein "Haus der digitalen Welt", das Kultursenator Brosda in Helsinki abguckte - und bis heute nicht mehr als ein feuchter Traum ohne Baugenehmigung und Budget ist. Kosten: mind. 120 Mio. €.


"Hier stellen wir eine Auswahl städtischer Digitalisierungsprojekte aus allen Bereichen vor."
- Zitat "Hamburg digital" -

KI-Showroom der KI-Initiative "ARIC" in der Nordakademie Hamburg.
Foto: ARIC

Um nicht in den Verdacht zu geraten, mit bösem Rosinenpicken die Freie und Hansestadt kritisieren zu wollen, ergänzend ein paar Zahlen und Fakten aus den "digitalen Räumen" von "Hamburg digital": Gesundheit - 3 Projekte, Wirtschaft - 3 Projekte, Sicherheit & Recht - 3 Projekte, Achtung: Verwaltung - 4 Projekte. Dazu kommt eine Vorstellung von Verkehrsprojekten namens "TLF", "HaRaZäN" oder "aVME" sowie Stadtprojekten, wie "CUT", "DIPAS", "eWA" sowie "UDP" und "DigITAll", z.T. rauskopiert aus der "Digitalstrategie" von 2020. Das unaussprechliche Sammelsurium von Behördenhighlights macht den Blindflug der "Digitalen Stadt Hamburg" für jedermann sichtbar. Vielen Dank!

Hamburg Digital, Future Hamburg, Stadt der Zukunft ... und überhaupt.

Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre: Die Stadt hat bereits einen toten Gaul - pardon - ein totes Portal mit dem hochtrabenden Titel "Future Hamburg" der Wirtschaftsförderung - inkl. der Lieblingsthemen des finanzierenden Senators Michael "Westwasserstoffman" - nämlich Wasserstoff, Klimaschutz und Impact Startups. Hier präsentiert die städtische Werbeabteilung "Hamburg Marketing" die "Stadt der Zukunft", mit Abrufraten der "Future Talks" im unteren zweistelligen Bereich, dafür aber mit den Buzzword-Themen IoT, KI und Blockchain sowie Startups und Drohnen. Das ganze wird angereichert mit gegoogelten Fakten und vermeintlich führenden, auf jeden Fall aber subventionierten Initiativen, Projekten und Konferenzen, die schon in Norderstedt und Lüneburg keine S.u kennt.

Damit sind wir am verschlickten Grund der digitalen Verwaltung angekommen. Wenn die meisten der 575 Verwaltungsleistungen für Einwohner und Unternehmen im Norden auch in den kommenden Jahren hinter den Kulissen analog von fleißigen Behördenbienchen inkl. Faxgerät abgearbeitet werden, wie kommt dann eine analoge Stadt - wie Hamburg oder Lübeck - zu einer wirklich digital-vernetzten Stadt? Oder sind mehr als 200 Mio. € Mehrkosten für maßgebliche Digitalprojekte Hamburgs, ganze 25 termingerechte von 83 Hamburger IT-Projekten der Maßstab für "Hamburg digital"? Das sagt zumindest der Rechnungshof. 

Die Hansestadt Lübeck will bei der kommunalen Digitalisierung aufholen.
Foto: KarinKarin, Pixabay

Wieder einmal ist eine Diskussion bei der benachbarten Königin der Hanse ein erleuchtender Moment - und nein, wir werden nicht für das Szenario "Gutes Lübeck, böses Hamburg" bezahlt. Unter dem Titel "Quo vadis, Digitalisierung" quälen sich Anfang April d. J. zwei mehr oder eher weniger im Thema fitte Lokaljournalisten der "Lübecker Nachrichten" mit brav vorformulierten Stichwortkarten über fast 4,5 Stunden durch die Themen a) Kundenzugang durch globale Plattformen vs. analoge Kommunen, b) echte Digitalisierung in der lokalen Wirtschaft und c) Landespolitiker und ihre Versprechen im Wahlkampf. 4,5 Stunden, weisste Bescheid ...

Den echten Impuls auf der Promotionbühne der "Stadtwerke Lübeck Gruppe" gibt Christoph Bornschein, der ein wenig schlusig wirkende aber umso hochtrabender argumentierende Gründer und Geschäftsführer der Berliner Digitalberatung "TLGG". Der laut "Handelsblatt "Young Global Leader" (was immer das auch sein mag) skizziert einen "Bottom-up Wandel", bei dem die gut 11.000 Kommunen in den 16 Bundesländern die Digitalisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge treiben sollten. Wir kennen den Grundsatz bereits aus der Wirtschaft, nämlich "think global, act local". Wird uns hier von einem cleveren Berater alter Wein in neuen Schläuchen verkauft?

"All business is local" heißt nicht Hofberichterstattung

Bornschein holt die Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Wirtschaft und Wissenschaft ab, wo sie leben - lokal, vor Ort. Hier werden von den Menschen all die Leistungen abgefordert, um die es jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr geht: die lokale Versorgung mit Strom, Gas und Wasser, um Müllabfuhr und Stadtreinigung, um Tickets für Busse und Bahnen, um Öffnungszeiten und Eintrittkarten für Schwimmbad und Museen, um Kindergartenplätze, die richtige Schule und das Studium. Der CEO der "TLGG" stellt fest:

"Eigentlich ist der Verbund der öffentlichen Unternehmen zusammen mit der Kommune oder dem Land der Träger von Identitätsleistungen und muss die Frage beantworten, wie der Fahrschein für den öffentlichen Personennahverkehr mit der selben App erworben werden kann, mit der ich auf der anderen Seite den Kindergartenplatz beantragen kann."

Wir haben uns die Empfehlungen des Unternehmensberaters näher angeschaut und fern ab von Reklameblöcken Schicht für Schicht die Digitalisierung der Verwaltung auf kommunaler Ebene näher zur Brust genommen und um Erfahrungen und Empfehlungen ergänzt:

Das "Hamburg Service"-Portal: 180 Online-Dienste und viel Luft nach oben.
Screenshot: HANSEVALLEY

Die kommunale Identität:

Grundlage für Leistungen unter einem Dach ist eine einheitliche "Bürger ID". Sie erfüllt drei Aufgaben: 1. den zentralen Zugang zu den öffentlichen Verwaltungsleistungen einer Stadt oder eines Kreises, 2. die Nutzung weitergehender, vernetzter Services, z. B. der (öffentlichen) Unternehmen und 3. die Nutzung von digitalen Leistungen über den Deich hinaus - z. B. Landes- und Bundesleistungen. In Hamburg ist das Service-Konto für den "Hamburg Service" der Ansatz - für Bürger, Betriebe und Behörden - ein digitalisierter Bürgerservice, wie auch in Bremen, Hannover, Kiel, Lübeck oder Rostock. Der Streit findet hinter den Kulissen zwischen Verwaltungen und Unternehmen statt, so Bornschein. Hier geht es um die Kundenschnittstelle und wer Herr des Kundenkontakts ist, wird oder bleibt.

Die kommunalen Services:

Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung für das Zusammenleben vor Ort sind öffentliche Dienstleister, die die Federführung zum Aufbau einer vertrauenswürdigen Infrastruktur und vernetzter Anwendungen und Plattformen übernehmen sollten. An Alster und Elbe ist dies u. a. die städtische "Hochbahn" - mit einer eigens entwickelten Mobilitäts-App zur intelligenten Vernetzung von Bussen, Bahnen und Shared Services für E-Scooter, Fahrräder, Mitfahrgelegenheiten und Mietwagen. Knackpunkt: Bis auf "Miles", "Moia", Sixt" und "Tier" ist kaum jemand dabei. Hier scheinen unrealistische "Hochbahn"-Träume wichtige Player abzuschrecken, oder warum sind bei der privaten Hamburger Konkurrenz von "Free Now" alle dabei?

Die kommunale Strategie:

Dreh- und Angelpunkt jeder Digitalisierung ist eine Strategie, was man wie digital aufstellen will oder muss. Genau hier scheitern die Kommunen. Sven Jung von der Berliner Software-Beratung "ReqPool" spitzt zu: 

„Im OZG, dem Online-Zugangs-Gesetz, ist häufig vom ‚digitalen Amt‘ die Rede. Kommunen, Landkreise und staatliche Verwaltungen arbeiten daran, viele Prozesse digital zu ermöglichen. Leider ist das wenig konzertiert und viel Stückwerk.“ 

Das entspricht ziemlich genau der Inhaltsangabe von "Hamburg digital". Jung erinnert an die Schmerzen bei der Beantragung der Corona-Hilfen für Unternehmen: "Da nutzt es nichts, wenn der Antrag digital eingereicht wird. Es müsste auch unmittelbar digital entschieden werden – in Kenntnis aller Faktoren und Rahmenbedingungen.“ Autsch! Jung verabschiedet sich an dieser Stelle von der aktuellen Stümperei in den Amtstuben und fordert einen Schritt weiter die "selbstfahrende Organisation" mit Hilfe von KI-basierter Software, die auch entscheidet. 

Hier scheint die Landesregierung in Kiel den Schuss gehört, und mit dem neuen Digitialisierungsgesetz die Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz in der Verwaltung gesetzt zu haben. Bleibt zu hoffen, dass Städte und Kreise von ihren vereinzelt digitalisierten Analogprozessen zu einer strategischen Denke mit zukunftsweisenden Ansätzen kommen. Der Ansatz des Digitalberaters: die Beamtenmentalität muss ins digitale Zeitalter transformiert werden. Denn Digitalisierung beginnt bei Kulturwandel, nicht bei analogen Prozessen. Mal so als Tipp für tote Gäule, wie "Hamburg digital" und Future Hamburg" ...

Das kommunale Portal:

Auch wenn die meisten digitalen Services in Hamburg noch in weiter Ferne liegen, eines hat das laut Rechnungshof ahnungslose Amt ITD bereits hinbekommen: ein zentrales Services-Portal auf einer neuen, webbasierten Plattform - nicht zuletzt dank der Unterstützung des öffentlichen norddeutschen IT-Dienstleisters "Dataport", und damit für alle Kommunen in den "Dataport"-Ländern. Im Moment ist das 2003 gestartete und 2017 aufgefrischte "Hamburg Service"-Portal noch vor allem eines: Eine strukturierte Sammlung von Fragen, weniger von Antworten. Mit Stand heute gibt es zwar rd. 180 Online-Dienste, diese stammen großteils aber noch aus der Vor-OZG-Zeit und reichen von "quick & dirty" bis neu und zukunftsweisend.

Die kommunale Infrastruktur:

Die Grundlagen der kommunalen Digitalisierung im Norden.
Grafik: Dataport

Grundlage für jedes Portal ist die flexible Arbeitsebene - z. B. die "Online-Service-Infrastruktur" der "Dataport", gemeinsam gebaut für Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. Seit 2018 wurde die Basis für das "Service-Portal" in Hamburg einführt, rd. 80 alte Service-Leistungen an die neue Struktur angepasst. Diese besteht aus Basismodulen für personenbezogene Daten, die Kommunikation und Bezahlmöglichkeiten. Dreh- und Angelpunkt ist das API-Gateway, dass externe Dienste an die Plattform anbinden soll. Darunter liegen dann die Fachanwendungen aus Bund, Ländern und Kommunen, die die eigentliche Arbeit machen und teilweise 10 Jahre und älter sind. Was die Sache schwierig bis unmöglich macht.

Die kommunale Datenhaltung:

Nach millardenschweren Investitionen der US-Techriesen - wie "Amazon" in "AWS", "Google" in seine Cloud und "Microsoft" in "Azure" scheint in Deutschland die Gefahr einer Abhängigkeit bei der Datenhaltung und Verarbeitung bittere Realität zu werden - vergleichbar mit zwingend notwendigen Gas- und Öllieferungen aus Russland. Hier kommen die kommunalen Rechenzentren wie "Dataport" für Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, "DVZ M-V" und "IT Niedersachsen" ins Spiel. Nur wenn Daten frei von kommerzieller Vermarktung erhoben und genutzt werden, werden Menschen die dazu gehörenden Services auch online in Anspruch nehmen. Dies ist für sensible Bereiche, wie Anträge auf öffentliche Hilfsleistungen essenziell. Hier haben "Amazon", "Google" und "Microsoft" nichts zu suchen.

Die kommunale Sicherheit:

Das neue Cyber Defence Center für die Hauptstadt Berlin.
Foto: ITDZ Berlin

Eine Sollbruchstelle digitaler Daseinsvorsorge ist für Berater Bornschein aus Berlin die kritische Infrastruktur. Jeder per LoRaWAN angeschlossene Sensor an Mülltonnen, Straßenlaternen und öffentlichen Parkpätzen ist ein möglicher Angriffspunkt für Attacken auf die Netze von Kommunen. Allein in Hamburg gibt es mit Stand August '21 über 10.000 öffentliche Sensoren, von tausenden weiterer durch die acht Partner des Hamburger Projekts unter Leitung von "Stromnetz Hamburg" geplanter Funksensoren ganz zu Schweigen. Berlin hat bereits ein eigenes, lokales "Security Defence Center" für sein Landesnetz in Betrieb genommen. Die Botschaft der Lübecker Diskussion: Bislang haben die meisten weggeguckt und sich nicht mit den immer größeren Gefahren durch Cyber-Security beschäftigt. Wie traurig und brandgefährlich.

Die kommunale Entwicklung:

Hinter Konten, Portalen, Services, Datenhaltung und Infrastruktur steht wie immer in der Digitalisierung das Thema Software. Hier bietet sich ein mehrstufiger Weg der Zusammenarbeit an - von der Unterstützung kommunaler Entwicklungen durch extern angedockte Experten, über die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen und deren Dienstleistern (z. B. Rechenzentren und IT-Töchtern von Stadtwerken), der gemeinsamen Entwicklung mit lokalen oder regionalen IT-Partnern bis zur Beteiligung an Startups, um deren Kompetenz z. B. für Identitätslösungen und Cyber-Security langfristig zuverlässig nutzen zu können.

Auch hier ist - man höre und staune - das bei Kosten ahnungslose und bei seinen "Digital First"-Projekten fünf Jahre in Verzug geratene Hamburger Amt für IT und Digitalisierung bereits einen Schritt weiter: Mit einem modularen Softwarebaukasten - dem "Modul F" - sollen vor allem für kleinere Fachanwendungen erforderliche Bausteine wiederverwendet werden können. Dies gilt z. B. für Registerabfragen, die Vier-Augen-Prüfung, die Ausstellung von Bescheinigungen oder die Archivierung von Vorgängen. Der Innenstaatssekretär und Bundes-CIO Markus Richer fasst es treffend in einen Satz:

"Mit einer standardisierten Vorgehensweise wird das MODUL-F den Transfer von analogen Verwaltungsleistungen in das digitale Zeitalter beschleunigen."

Bislang wurden Programme Schritt für Schritt händisch geschrieben.
Fotro: RAEng_Publications

Das Besondere: Die Module werden auf Basis von "Low Code" mit visuellen Tools geplant und mit vorgefertigten Elementen zusammengesetzt. Klassischerweise werden Programme in Textform geschrieben und anschließend in maschinenlesbaren Quellcode umgewandelt, was mehr Zeit erfordert und fehleranfälliger ist. 11,6 Mio. € legt der Bund aus Corona-Konjunkturmitteln für "Modul-F" in den Korb. Die Bundesebene und Hamburg leiten die Entwicklung. Die Software-Bausteine können dann sowohl in Hamburg, allen anderen Städten, Ländern und auf Bundesebene genutzt werden. 

Der kommunale Treiber:

Um die lahmende Digitalisierung der Verwaltung auf kommunaler Ebene in Schwung zu bringen, bedarf es eines zentralen Mitspielers, der nicht Verwaltung heissen kann, weil Verwaltung per Definition sorgfältig, damit aber nicht schnell ist - vgl. Hamburg. Hier kommt das Modell der öffentlichen Stadtwerke ins Spiel, die es in zentraler Form in Lübeck, aber nicht in der zersplitterten Landschaft Hamburger Landesbetriebe gibt. Drei Funktionen sollte ein kommunaler Treiber für kommunale Digitalservices übernehmen: 
  • Die Abstimmung von Anforderungen für Verwaltungs- und weitere kommunale Leistungen (wie Energie, ÖPNV, Bildung oder Kultur) inkl. der Beschaffung digitaler Lösungen, der Beauftragung von Softwareentwicklung und der Zusammenarbeit z. B. mit Startups
  • Die Beteiligung an kommunalen Digitalprojekten anderer Einrichtungen, z. B. von Hochschulen und Forschungsinstituten, privaten Unternehmen mit interessanten Möglichkeiten (wie "Dräger") und von jungen, innovativen Firmengründungen
  • Die Investition in kommunale und regionale Startups und ihre Govtech-Lösungen, um langfristig Zugriff auf technische Entwicklungen und Ressourcen zu haben, z. B. für künftige Problemlösungen. Hier kann eine eigene Beteiligungsgesellschaft Sinn machen. 

Unsere Erfahrung zeigt, dass eine kommerzielle Struktur, die auch investieren kann, häufig gut als Katalysator für sowas wirkt, die Dinge die Verwaltung nicht schnell machen darf, dann schnell zu erledigen.
- Christoph Bornschein, CEO TLGG Group -

Die kommunalen Partner:

In Hamburg hat man gerade zögerlich den Einstieg für Startups in die Digitalisierung der Verwaltung gewagt: Das städtische Projekt "TechGovHH" soll als Anknüpfungspunkt zur Stadt dienen, mit Austausch und Vernetzung sowie Abstimmung und Vermittlung. Zwar ist Projektleiter und Ex-HPA-Nachwuchs Paulo Kalkhake rundherum fit. Von kommerzieller Beauftragung oder Beteiligung an passenden Startups ist die One-Man-Show jedoch meilenweit entfernt. Hier verweist man auf die teilweise zweifelhaften Machenschaften der IFB-Förderbank und ihres Startup-Arms "Innovationsstarter". Damit ist schnell und flexibel an dieser Stelle in Hamburg tot, mausetot.

Auf Bundesebene werben "Tech4Germany" um Talente und "Work4Germany" um Kooperationen unter der Schirmherrschaft des Kanzleramts. Vergleichbare Programme lassen sich auch auf Kommunal- und Landesebene einrichten. Hier gilt es tatsächlich einmal, das viel gepriesene und noch häufiger missbrauchte "Hub"-Modell aus der Schublade zu holen, wie es z. B. "Philips" in Hamburg mir dem "Health Innovation Port" für interessante Startups im Bereich Healthtech nutzt. Voraussetzung ist jedoch eine privatwirtschaftliche Denke für kundenzentrierte Lösungen. Das ist mit Verwaltungsdenke praktisch ausgeschlossen. Eine Chance für Lübeck könnte z. B. das Accelerator-Programm "Gateway 49" sein. 

Das kommunale Netzwerk:

Neben neuen, auch jungen Ideen und Produkten spielt die Beteiligung von Einwohnern, Unternehmern und Interessenten eine entscheidende Rolle bei der Digitalisierung - nicht nur - auf kommunaler Ebene. Das "EnergieCluster Digitales Lübeck" ist Beispiel für "Alle an einen Tisch", weil es sichtbar macht, was bereits passiert ist, Ideen aufnimmt und gemeinsam in eigenen Arbeitskreisen an Lösungen arbeitet, die Abhilfe bzw. Verbesserung schaffen können. Das ist weit mehr als tote Webseiten mit krampfhaft zusammengekehrten Schaufensterprojekten der Hamburger Verwaltung ... 

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau verrät den interessierten Teilnehmern der Diskussionsveranstaltung in den "Media Docks", wie man über Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft hinaus zu einer digital-funktionierenden Stadt kommen kann:

"Wenn man in der Stadtgesellschaft was gemeinsam erreichen will, dann geht das nur zusammen - und vor allem nicht so zu tun, als hätte man in der Stadt nicht genügend Know how."

Wie wäre es, wenn sich die arrogante - pardon - stolze Elbmetropole Hamburg mal dazu herablassen würde, neben mehr oder weniger sinnfreien Schaufenster-Webseiten wie "Hamburg digital" oder "Future Hamburg" die wirklich digital in der Stadt Engagierten offen an einen Tisch zu bringen; und damit meinen wir nicht den runden Tisch des Ersten Bürgermeisters als Closed Shop Event der mehr oder weniger exklusiven Gästeliste aus der Kulturbehörde BKM, eingerichtet noch unter Olaf Scholz. Wie der teilnehmende SPD-Funktionär Nico Lumma Digitalisierung versteht, durften wir gerade mit dem 9 Mio. € schweren, gescheiterten SPD-Verschiebebahnhof für einen sinnfreien Fintech-Accelerator erleben. 

Die kommunale Zukunft:

Sehenden Auges wird die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes zum 31.12.22 scheitern, so die Fakten. Zugleich brüten die Bundesländer einen Nachfolger - das "OZG 2.0" - aus. Damit sollen Themen, wie die Modernisierung öffentlicher Register, die Schaffung einer dezentralen Verwaltungs-Cloud und Fachverfahren zentral bereitgestellt werden. Komisch, dass man erst fünf Jahre nach dem Beschluss für ein OZG an den Punkt kommt, so entscheidende Themen, wie die Zusammenarbeit von Kommunen, Ländern und Bund sowie die essenzielle, vertrauensvolle Datenhaltung anzugehen.

Schaut man sich die von Bayern federführend entwickelten "Essentials" für neun der 16 Bundesländer einschl. Bremen (den "G9") an, fragt man sich, warum auch bei der Fortsetzung der Digitalisierung in der Verwaltung wieder jeder sein eigenes Süppchen kochen muss. Oder wo ist z. B. Hamburg, wo ist z. B. Niedersachen? Zudem stellt sich die entscheidende Frage, warum die "OZG-Steuerung und Finanzierung" erst nach dem Scheitern des "OZG 1.0" jetzt "effizienter und transparenter" werden soll. Wäre das nicht eine Aufgabe in den vergangenen fünf Jahren gewesen? 

"Dieses Jahr müsasen die Weichen für die Weiterentwicklung zu einem "OZG 2.0" gestellt werden."
Markus Richer, Bundes-CIO und amtierender Vorsitzender des IT-Planungsrates

61 % der Bundesbürger wünschen sich lokale Services zentral in einer App - zusammen mit Dienstleistungen und Angeboten. Bei der jungen Generation sind es mit 76 % sogar mehr als drei Viertel. Auch die Senioren fordern mit 53 % laut aktueller "Bitkom"-Umfrage mehrheitlich, alles Wichtige zentral auf dem Handy erledigen zu können.

Für 60 % der Deutschen sind digitale Bürgerservices der Verwaltung äußerst wichtig. Die Bundesbürger wünschen sich den Gang aufs virtuelle Amt ohne Wartenummer sogar mehr als Online-Shopping. Serviceportale und -Apps sollten dabei schnell und einfach Auskünfte und Genehmigungen möglich machen. 

Mehr als die Hälfte der Deutschen erwartet außerdem eine zentrale digitale Dokumentenablage im Netz, ohne Genehmigungen oder Belege immer wieder kopieren, einschicken oder hochladen zu müssen. Das sind die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage des Berliner Marktforschungsinstituts "Civey" im Auftrag des Softwareherstellers "Salesforce".  Aber das werden wir wohl doch erst in 30 Jahren erleben.

*  *  *

 Hanse Digital Background: 

22.01.2020 - HANSESTATEMENT: 
Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

29.04.2019 - HANSEPERSONALITY Jan Pörcksen: 
"Die Dienstleistungen des Staates vom Nutzer her denken."

17.06.2018 - HANSEPERSONALITY Christian Pfromm: 

Sonntag, 17. Oktober 2021

5 Jahre digitaler Norden. Das ist erst der Anfang.

 HANSE DIGITAL MAGAZIN
* Update 18.10.2021 *


Liebe Leserinnen, liebe Leser:

"Es bedarf mehr medialer Aufmerksamkeit und Bericherstattung, welche Chancen die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft bietet". Mit dieser Aussage mogelten sich Politiker auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene jahrelang aus der Verantwortung, Digitalisierung mit greifbaren Aktivitäten, politischen Rahmenbedingungen und angemessener Förderung zum Fliegen zu bringen. Seit fünf Jahren ist das in Hamburg, der Metropolregion und in den fünf norddeutschen Bundesländern nicht mehr ganz so einfach. Denn mit mehr als 2.200 Nachrichten und rd. 330 Beiträgen zeigt HANSEVALLEY, was digital tatsächlich passiert - und wer sich mit Sonntagsreden und Buzzwords, Schönwetterprognosen und leeren Versprechen vom Acker machen will.

Am 15. Oktober 2016 ging der erste Beitrag von HANSEVALLEY online. Das damalige Hamburg Digital Magazin berichtete unter dem Titel "Be Berlin? Hamburg Ahoi? Wer die Wahl hat ..." über die Unterschiede der beiden größten deutschen Millionenstädte, über ihre Stärken und Schwächen. Noch am selben Tag zitierten wir mit "Startups in Hamburg? “Deutschland hat nicht nur ein Paris.” die erfolgreiche Serienunternehmerin Verena Pausder und verglichen die Startupszenen an Elbe und Spree. So begann unser Weg als Digitalmagazin für Hamburg, die Metropolregion und seit Ende 2019 für alle fünf norddeutschen Bundesländer - inkl. digitaler Highlights, wie der künstlichen Intelligenz, Quantencomputing und dem autonomen Fahren.

HANSEVALLEY war ursprünglich nicht als Digitalmagazin geplant. Eigentlich sollte es ein Startupmagazin names "GRÜNDERMETRO" werden - in Anlehnung an das von mir in Berlin betreute Magazin gleichen Namens. Doch neben einem bereits existierenden Startupblog ergab das wenig Sinn. Unser Wingman Oliver Rössling brachte uns als Rostocker Hanseat bei einer Küchenparty des Altonaer Startups "Lifetime" auf unseren heutigen Namen. In unserer Startupberichterstattung im Hanse Startup Magazin HANSESTARTUPS fokussieren wir uns nun seit fast fünf Jahren auf die Jungunternehmen, die fernab heißer Luft, zweifelhafter Geschäftsmodelle und bunter Pudelshows echte Innovationen entwickeln und nicht zu den Lieblingen einzelner Startupmuttis gehören, wie "FashionCloud", "NautilusLog" oder "Nect". 

Mehr als 1 Mio. Views für 2.200+ News und 330 redaktionelle Beiträge.

Konnten sich unsere ersten Beiträge über jeweils gut 280 Leser freuen, wuchs die Leserschaft auf bis zu 2.200 Views auf besonders erfolgreichen Beiträgen an, z. B. bei unserem Hamburger Jahresrückblick 2017, unserem Bericht über "FashionCloud", die Bananen-Software von "Moia", unser Corona-Special für Hamburg oder die Methoden des Hamburger Versandhändlers "Otto". Gleiches gilt für unsere Themenmagazine, mit denen wir heute interessanten Entwicklungen einen eigenen Platz bieten. Wie bei unserem Namen haben wir auch bei den Schwerpunkten einen Pivot hingelegt. So berichten wir heute regelmäßig über die digitalen Aktivitäten an Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstituten im Norden. Die aktuellen Meldungen gibt es im Hanse Science Magazin HANSESCIENCE. Mit dem Hanse Health Magazin und dem Hanse Quantum Magazin gehen in Kürze unsere jüngsten Rubriken an den Start.

Womit wir beim wahrscheinlich wichtigsten Grundsatz unserer fünfjährigen Entwicklung sind: der Unabhängigkeit - z. B. von Politikern und Funktionären, und der Unerschrockenheit - z. B. vor Pressesprechern einzelner, vor allem Hamburger Unternehmen, die wir heute schwarz auf weiß benennen. Neben unseren im März 2017 gestarteten Hanse Digital Nachrichten HANSENEWS per Liveblog und über 143.000 Lesern erfreuen sich vor allem das Hanse Startup Magazin HANSESTARTUPS mit 20.000+ Lesern, das Hanse KI Magazin HANSEMACHINE mit 13.000+ und das Hanse Champion Magazin HANSECHAMPIONS mit 12.000+ Lesern großer Beliebtheit. Dort finden sich auch die entsprechenden Nachrichten zu den Schwerpunkten wieder. Unter dem Strich freuen sich unsere Redakteure aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen über mehr als 1 Mio. Views.

Shitstorm von SPD-Funktionär*in Nico Lumma: Hass ist keine Meinung.

Ein halbes Jahr nach unserer Gründung fingen wir uns einen Shitstorm des Hamburger SPD-Funktionärs, Web 2.0-Veteran*in und hauptberuflicher Startup-Hebamme Nico Lumma ein. An seiner/ihrer Seite: Die beiden Macher*innen des Hamburger Startupblogs. Aufhänger: Wir hatten es gewagt, die Machenschaften des Versicherungs-Startups "Haftpflichthelden" (heute "Helden.de") scharf zu kritisiert. Unter den Shitstormer*innen mit hasserfüllten Tiraden befanden sich so prominente Spezialist*innen, wie "About You"-Co-Founder*in Tarek Müller und der/die/das Hamburger Personalberater*in Dwight Cribb. Das Bundesamt für Justiz stellte nach 1,5 Jahren fest: Nico Lumma und seine Hamburger Kumpel*innen haben geltendes Recht gebrochen, sich strafbar gemacht und gehören auf die Anklagebank. Unsere Stellungnahme dazu gibt es auf der Seite des Hanse Digital Codex HANSECODEX.

Wenn man den Mund aufmacht, Missstände kritisiert und sich nicht einschüchtern lässt, werden die Nattern in der Schlangengruppe aka Subventionssumpf bissig. Schließlich steht in unserer Stellenbeschreibung nichts von "kriech brav und schleim vor den Hamburger Seilschaften" oder "sei ein harmloser Marketing-Dödel und verbreite blind die Staats-PR". So wurden wir über die Jahre auch von einigen Pressesprecher*innen angegriffen und man versuchte uns - Zitat - "in die Schranken zu weisen". Allen voran dürfen wir die unfair agierenden Zeitgenoss*innen von "Beiersdorf" (im Ruhestand), des Terminalbetreibers "HHLA", der Hamburger "Hochbahn" (der mit den Schranken ...) und der "Otto Group" nennen. Letzterer Chef*innensprecher meinte uns, schriftlich beleidigen zu müssen. Vielleicht ist er aber auch nur sauer, dass sein Klamotten- und Möbelversand von Jahr zu Jahr mehr Boden gegen "Amazon" verliert.

Chef*innensprecher, Liebesdiener*innen und andere Spezialist*innen. 

Über die vergangenen fünf Jahre haben wir uns ein Profil erarbeitet, das man u. a. mit 'zugespitzt und unverblümt', 'kritisch und investigativ' beschreiben kann. Unsere Enthüllungen finden Sie u. a. im Hanse Recherche Magazin HANSEINVESTIGATION. Fakt ist: Journalismus ist kein Storytelling, Berichterstattung kein Content-Marketing und ein Onlinemagazin kein Ad-Channel. Auch wenn Social Media Marketer*innen wie Nico Lumma und Philip Westermeyer nur zu gern Content für Reklame-Kampagnen benutzen. Geht es in unabhängiger Recherche und Redaktion um Tatsachen was passiert ist, versuchen genannte Protagonist*innen, bunte Bildchen aka GIFs, Gesabbel aka Podcasts und falsche Etiketten als "Medienmacher*innen" zu verkaufen. Dabei dienen die Liebesdiener*innen tief gebügt vor allem der werbetreibenden Wirtschaft. Das hat mit Glaubwürdigkeit im Geschäftsleben eher nichts zu tun.

Womit wir beim nicht weniger unappetitlichen Thema des Genderns sind: In der Redaktion haben wir - zwei "alte weiße Männer" (auch das ist übrigens diskriminierend!) und eine jüngere weisse Geschäftsfrau - uns entschlossen, den Genderwahnsinn nicht mitzumachen. Schauen Sie sich unsere Leitlinien im Hanse Digital Codex HANSECODEX an. Bekommen wir genderte Statements, werden diese von uns gekürzt oder weggelassen. So, wie 80 % von über 71.000 "FAZ"-Lesern,  86 % von 26.000 Befragten des "MDR" und 94 % von über 1.500 Lesern der "Berliner Zeitung" gendern für überflüssig halten, bringt es keiner Frau für 5 Cent mehr Respekt, Chancengleichheit und Anerkennung. Denn hier geht es nicht um eine feige (Mitläufer-)Haltung, sondern um Werte, wie man mit anderen Menschen zusammen lebt und arbeitet. Und die können nicht durch grammatikalisch falsche, politisch motivierte und moralisch überhöhte Sprache aufgezwungen werden.

Der digitale Norden: KI-Forschung, KI-Bildgebung & autonomes Fahren. 

Die Zukunft des Nordens mit Handel und Häfen, Autos und Logistik, Landwirtschaft und Tourismus liegt in Technologien. Eine unserer entscheidenden Leitfragen lautet: Wo passieren im Norden die spannenden Dinge rund um Digitalisierung, Transformation und Kulturwandel? Die Freie Hansestadt Bremen brilliert im 50. Jahr des Bestehens ihrer Universität mit dem Thema künstliche Intelligenz. Mit einem DFKI-Standort, dem Institut für künstliche Intelligenz und dem Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik, dem Fraunhofer Institut für Digitale Medizin und dem künftigen KI-Schwerpunkt der "Jacobs University" ist die Wesermetropole einer der führenden KI-Forschungsstandorte in Deutschland. Jetzt geht es darum, die KI-Forschung in die Wirtschaft zu bringen. Hierzu soll es mit dem "Digital Hub Industry" im Technologiepark und an der FH in Bremerhaven zwei Transferzentren für Industrie und Mittelstand geben. Lesen Sie mehr dazu im Hanse KI Magazin HANSEMACHINE.

Bremens Erzrivale, die Freie und Hansestadt Hamburg, punktet - unabhängig eines hochgejazzten Verkehrskongresses - mit digital-vernetzter Mobilität. Mit Projekten zum autonomen Fahren inkl. einer Teststrecke für PKW in der Hamburger Neustadt, einer Teststrecke für autonome Kleinbusse in der Hafencity, einem künftig autonomen Sammel-Fahrdienst, autonomen LKW-Transporten im Hafen und einer jetzt autonom zu spät kommenden S-Bahn sammelt die Stadt Erfahrungen. Eine Übersicht dazu bietet das Hanse Mobility Magazin HANSEMOBILITY. Dank Verkehrswende-Diskussionen und spendablem Bundesverkehrsminister passen die Projekte wunderbar in die Klimaschutz-Duselei des rot-grünen Senats. Ein weiteres Zukunftsthema an Alster und Elbe ist die KI-gestützte Bildgebung - dank starker Player aus der Wirtschaft, wie der Klinikgesellschaft "Asklepios", dem Biometrie-Marktführer "Dermalog", dem Mikroskopie-Spezialisten "Olympus", der Röntgensparte von "Philips" und dem jungen KI-Identitätsspezialisten "Nect".

Digitaler Norden: Smart Farming, Smart Villages & ein Quantencomputer.

Womit wir bei den Küstenländern wären: Mecklenburg-Vorpommern ist zwar kein Vorreiter bei Industrie und Dienstleistungen. Die sechs digitalen Innovationszentren an den Standorten Greifwald und Neubrandenburg, Rostock und Schwerin sowie Stralsund und Wismar sind aus unserer Sicht jedoch vorbildliche Startpunkte z. B. für die flächendeckende Digitalisierung in KMUs und in der Verwaltung. Neben der Verknüpfung von Hochschulen, Startupsberatung, Mittelstandsförderung und lokaler Interessenten hat der Nord-Osten laut eines unabhängigen Zukunftsprogramms besondere Chancen in den Themen Smart Farming und Smart Villages. Mehr dazu gibt es Bereich MV des Hanse Future Magazins HANSEFUTURE. Mit der bereits 2018 eingeführten "Digitrans"-Förderung mit bis zu 50.000,- € für KMUs kann man in Schwerin über die "Digitalbonus"-Spätstarter Bremen, Hamburg und SH nur lächeln. Jetzt ist MV gefordert, mit seiner Mobilfunkmastgesellschaft schleunigst die 230 weißen Flecken zwischen Westmecklenburg und Vorpommern zu schließen.

In Niedersachsen spielen drei digitale Themenfelder eine Rolle: Rund um Hannover steht die digital-gestütze Elektromobilität und das ab 2015 erwartete autonome Fahren im Mittelpunkt. Hier kommen eine 280 km lange Teststrecke auf den Autobahnen zwischen Hildesheim, Hannover, Braunschweig und Wolfsburg zum Zug, die Forschung der TU Braunschweig und die digitale Transformation von "Continental" in Hannover und in den Werken von "Volkswagen" in Wolfsburg ("Trinity"), Hannover ("ID Buzz") und Salzgitter (Batterien). Am Stammsitz von "VW" wird an der Coding-School "42 Wolfsburg" der Nachwuchs für die "VW"-Softwareschmiede "Cariad" trainiert. Ein Verbund rund um die Leibniz-Universität, die TU und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig, das Max-Planck-Institut für Gravitationstechnik und das DLR-Institut für Satellitengeodäsie und Inertialsensorik in Hannover entwickelt mit 25 Mio. € Förderung bis 2025 einen eigenen Quantencomputer - im "Quantum Valley Lower Saxony". Ein Thema, das wir künftig mit einem Hanse Quanten Magazin HANSEQUANTUM covern.

Digitaler Norden: Oldenburg, Osnabrück, Lübeck und ganz viel Intelligenz.

Schauen wir in den Westen des mit 8 Mio. Einwohnern größten und stärksten Bundeslandes im Norden: In der Metropolregion Nord-West machen sich die beiden Universitätsstädte Oldenburg und Osnabrück einen Namen als digitale Zukunftsschmieden: Hier stehen vor allem die KI-Themen Smart Farming (u. a. das "Digischwein"), Smart Enterprise Engineering, Marine Perception und interaktives maschinelles Lernen im Fokus. Das Engagement wird durch das OFFIS - Institut für Informatik an der Uni Oldenburg mit den Bereichen Energie, Gesundheit, Produktion und Verkehr und dem KI-Campus an der Uni Osnabrück mit Landwirtschaft sowie dem Schwerpunkt Vernetzung von Maschinen und Prozessen unterfüttert. Die Landesregierung will mit Oldenburg und Osnabrück einen eigenen DFKI-Standort etablieren. Dank der Technologieförderung durch die "Volkswagen-Stiftung" setzt Niedersachsen Akzente in der digitalen Entwicklung. Eine Übersicht zu den Digital- und KI-Strategien gibt es bei der Hanse Digital Initiative HANSEDIGITAL.

Ähnlich wie MV ist auch Schleswig-Holstein durch Landwirtschaft und Tourismus geprägt. Umso spannender ist die millionenschwere Förderung des KI-Standortes Lübeck mit Universität und dem Uniklinikum UKSH. Geht Bremen in die Breite der Grundlagen- und der Nord-Westen in die Anwendungsforschung, konzentriert man sich in Lübeck auf KI in der Medizin und an der TH um die Chancen von KI in der Verwaltung. Mit einem gerade verabschiedeten Digitalisierungsgesetz öffnet die Jamaika-Koalition die Chance, KI praktisch in der Verwaltung anzuwenden. Über einen Top-Down-Ansatz stößt die Landesregierung in Landwirtschaft und Produktion ebenso Digitalprojekte an, wie bei der Verwaltung mit Serviceportal und Glasfaser-Vernetzung in Stadt und Land. Sieben digitale Demonstrationszentren nehmen die Menschen im echten Norden per VR-Brille und 3D-Drucker mit auf die Reise in die digitale Zukunft. Die spannensten Entwicklungen zur Zukunft gibt es nach Nordländern sortiert im 
Hanse Future Magazins HANSEFUTURE.

Der digitale Norden: Die führenden Smart Citys an Nord- und Ostsee.

Jedes Jahr wertet die auf E-Government aka Verwaltungsmoderisierung spezialisierte Beratungsagentur "Haselhorst" 403 Städte in Deutschland mit mind. 30.000 Einwohnern auf ihre digitale Entwicklung aus. Beste Smart City im Norden ist 2021 - wie bereits im "Bitkom"-Ranking - Hamburg, dieses Mal auf Platz 2 nach München. Eine weitere Smart City unter den Top 10 ist die Autostadt Wolfsburg auf Platz 7. Auf den weiteren Plätzen folgen die Glasfasercity Norderstedt auf Platz 11, die TU-Heimat Braunschweig auf Platz 15, die KI-Metropole Bremen auf Platz 20, die Landeshauptstadt Kiel auf Platz 21, die Universitätsstadt Osnabrück auf Platz 25, das Wirtschaftszentrum Hannover auf Platz 29 sowie die Unistadt Oldenburg auf Platz 30. Damit erreichen alle Metropolen und Landeshauptstädte in den alten Bundesländern des Nordens gute oder sehr gute Platzierungen. Mehr dazu in den Hanse Digital Nachrichten HANSENEWS.

Womit wir bei der Frage sind: Wer interessiert sich für digitale Themen in den norddeutschen Bundesländern und hier vor allem in den vier Metropolregionen Hamburg, Hannover, Nord-West und Stettin? Unsere kontinierliche Analyse zeigt: Frauen wie Männer sind gleichermaßen an digitalen Neuigkeiten interessiert - auch ohne Rumgendere. Grundsätzlich sind die jungen Leser zwischen 25 und 34 Jahren mit fast 60 % unsere größte Nutzergruppe. 40 % sind Entscheider im Berufs- und Geschäftsleben zwischen 35 und 54 Jahren. Auch heute kommt im Jahresdurchschnitt fast ein Drittel (29 %) unser Leser aus Hamburg, gefolgt von Schleswig-Holstein und Niederachsen mit 10 bzw. 8 %. Die aktuellen Zahlen finden Sie laufend aktualisiert im Hanse Digital Marketing HANSEMARKETING. Interessant: 8,5 % unser Leser sitzen in Berlin. Womit jede digitale Hamburger Peinlichkeit sofort für Spass an der Spree sorgt. 

HANSEVALLEY: Bis zu 200 Neuigkeiten jeden Tag, 365 Tage im Jahr.

Jeden Tag bekommen wir bis zu 200 Mitteilungen, Newsletter und Einladungen. Wir wählen die neuesten, zukunftsweisensten und außergewöhnlichsten Geschichten für unsere Früh-, Mittags- und Spätmeldungen in den Hanse Digital Nachrichten HANSENEWS aus, die parallel auf unseren Social Media Kanälen gefeatured werden. Wir schauen online in Pressetermine, Dikussionen und Startupmeetings, um auf dem aktuellen Stand und einen Schritt weiter zu sein. Mit dem "digitalen Norden" setzen wir den Anspruch, vorn dabei zu sein, wenn es um die Entwicklungen an Hochschulen, die Digitalisierung in Wirtschaft und Verwaltung und die Chancen für uns Norddeutsche und für die Unternehmen geht. Ja, wir sind stolz, auf das was zwischen Ems und Weser, Leine und Elbe, zwischen Heide und Holstein, an Nord- und Ostsee sowie zwischen Warnemünde und Schweriner Schloss sowie Seenplatte und Strelasund digital läuft.

Als Hanse Digital Magazin haben wir drei essentielle Aufgaben: 1. zu beobachten, was passiert. Im Journalismus heißt das Recherche. 2. zu bewerten, ob die Fakten echt und für unsere Leser relevant sind. Im Journalismus heißt das Redaktion. Journalisten sind die Profis gegen Fake News. Und 3. zu berichten, wie es zu bewerten ist und welche Auswirkungen es hat. Im Journalismus nennt man das Publizieren. Mit täglicher Presseschau zu allen digitalen Themen im Norden und auf Bundesebene,
 Zugriff auf eine der größten Datenbanken mit 188 Mio. Beiträgen von Agenturen, Magazinen und Zeitungen, mit mehr als 4.200 archivierten Pressemeldungen sowie mehr als 7.000 thematischen Presse- und PR-Fotos + Illustrationen besitzen wir einen starken Backbone für Bewertung und Berichterstattung ohne Buzzwords und Bullshit.

Neugier, Offenheit und Begeisterung - trotz Schmuddelkindern.

Auch im neuen Jahr können Sie sich auf das führende norddeutsche Onlinemagazin zur Digitalisierung verlassen: Wir lassen uns keine (Hamburger) Schaufensterprojekte als Weltsensation andrehen. Wir fallen nicht auf vermeindliche Leuchttürme rein, bei denen nicht mal ein Teelicht den Weg weist. Wir nehmen keine Rücksicht auf Politiker oder Unternehmen, die uns den Mund verbieten wollen. Wir benennen Schmuddelkinder als genau das, was sie sind - auch wenn man uns mit der juristischen Keule plattmachen will (Danke für den Angriff, "Otto Group". Gut zu wissen, wie man Sie einordnen muss). Wir sprechen aus, wenn der Fisch anfängt, zu stinken. Und wir schreiben, was fakt ist, und nicht was sich Spindoktoren in Stabs- und Pressestellen ausgedacht haben, um ihre Organisation in ein besseres Licht zu rücken. 

Unser Antrieb ist die positive und nachhaltige Entwicklung unserer norddeutschen Heimat. Unsere Themen orientieren sich an den Chancen und Perspektiven der offenen und freien Gesellschaft, in der wir leben. Unser Fokus liegt auf den Möglichkeiten der Digitalisierung, der Transformation von Unternehmen, Verwaltungen und der Gesellschaft sowie auf dem Kulturwandel, der das möglich macht. Die Digitalisierung hat gerade erst begonnen und wir begleiten sie - mit leidenschaftlicher Neugier, unverrückbarer Offenheit und einem Sendungsbewußtsein für das, was uns begeistert. 
Im Namen des ganzen Teams bedanke ich mich bei Ihnen für jede einzelne Minute, uns Ihre Aufmerksamkeit zu schenken, Ihr Interesse für die digitalen Neuigkeiten wecken zu dürfen und gemeinsam jeden Tag einen noch vielfältigeren Norden mit digitaler Vernetzung zu entdecken. 

Ich wünsche Ihnen ganz persönlich für die vor uns liegende kalte und dunkle Jahreszeit vor allem eine starke Gesundheit. Bitte, lassen Sie sich impfen, sollten Sie dazu noch keine Gelegenheit gehabt haben. Schauen Sie in unseren Hanse Digital Service HANSESERVICE mit vielen Links zu aktuellen Informationen zum Thema Corona. Geimpft schützen Sie sich, ihre Lieben, ihre Familie, Freunde und Kollegen. Und sie geben uns allen die Chance, schon bald wieder ein nahezu uneingeschränktes Leben zu leben. 

Und bitte, vergessen Sie eines nicht: Bei allen digitalen Möglichkeiten auf Smartphones, in selbstfahrenden Autos, Bussen und Bahnen sowie in einem vernetzten Smart Home: Manchmal sollte man einfach den Bildschirm auslassen, sich etwas Gutes tun, mit einem lieben Menschen sprechen oder Musik hören und ein wenig träumen. Nach mehr als 1,5 Jahren Einschränkungen mit Schutzmaske, Lockdown und Regeln sollten wir alle das Leben genießen, wann immer es möglich ist. Das kann ich nach 19 Monaten Homeoffice nur unterstreichen.


Mit herzlichen Grüßen des ganzen Teams

Ihr Thomas Keup

Gründer und Herausgeber,
HANSEVALLEY - Das Hanse Digital Magazin


Mittwoch, 26. August 2020

HANSEPERSONALITY Henning Fehrmann: Empowerment statt Mikromanagement für Hamburg.

HANSE DIGITAL INTERVIEW

Technologie-Unternehmer und Mittelstands-Vertreter: Henning Fehrmann.
Foto: Die Familienunternehmer e. V.

91.000 Menschen waren im Juli in Hamburg ohne Arbeit, 8,5% aller Beschäftigten, der höchste Stand seit 15 Jahren. Mit der Corona-Krise sind 368.000 Menschen in 24.000 Betrieben in Kurzarbeit geraten, mehr als 1/3 aller versicherungspflichtig Beschäftigten. Die Krise schlägt durch: Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen sind schwer getroffen, der Hafenumschlag ist um 12% eingebrochen.

Hamburg ist Kaufmannsstadt und Warendrehscheibe. Doch Handel und Hafen haben sich bis heute nicht digitalisiert. Corona wird zum Brennglas - und zum Brandbeschleuniger des Umbruchs. Was muss jetzt getan werden, um Hamburg aus dem Schlick zu ziehen? Wie kann die stolze Elbmetropole nach Corona und Krise wieder auf Kurs kommen? Unser HANSEPERSONALITY ist Familienunternehmer Henning Fehrmann:

Zu Ihrem Unternehmen Fehrmann Technologies gehören die Geschäftsbereiche "Alloys" mit Metallguss-Legierungen einschließlich 3D-Druck sowie "Windows" mit der Kernkompetenz für Schiffsfenster. Sie halten vier Patente, beschäftigen gut 40 Mitarbeiter, darunter 5 Doktoren und investieren im Jahr rd. 20% in Forschung und Entwicklung. Wo hat Sie der Shutdown getroffen und wie haben Sie die vergangenen Krisenwochen durchlebt?

In unserer Arbeitsweise hat uns der Shutdown nicht getroffen, weil unsere Infrastruktur bereits digital war. Homeoffice, Videokonferenzen etc. gehören bei uns seit Jahren zum Alltag. Deshalb waren wir frei, die Corona-Zeit zu nutzen, um Zukunftstechnologien wie Materialentwicklung für den 3D-Druck, Künstliche Intelligenz und Augmented Reality zu pushen und weitere Mitarbeiter einzustellen.

Unsere Geschäftsbereiche "Alloys" (Gussteile und 3D-Druck-Metallpulver) und "Windows" (Schiffs- und Spezialfenster) wurden unterschiedlich vom Shutdown tangiert. Bei der "Alloys" machte er sich kaum bemerkbar; die Auftragslage war und blieb gut, auch weil wir vorrangig für staatliche Endkunden mit lange laufenden Verträgen produzieren.


"Durch Corona haben wir einen Sprung nach vorn gemacht."

Einzig im 3D-Druck-Geschäft sorgte der Shutdown in den meisten F&E-Projekten für mehrmonatige Verzögerungen, doch hat diese Fertigungstechnologie durch die Corona-Krise enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. In der Industrie wächst das Bewusstsein dafür, dass 3D-Druck resilient, flexibel und autark macht und zudem die Ressourcen schont und einen geringen CO2-Footprint hat. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Hochleistungs-Metallpulvern, also der „Tinte“ für den 3D-Druck.


Bei den "Windows" haben wir ein V-Szenario erlebt: Einer unserer Lieferanten hatte einen kompletten Lockdown, was zur Störung der Lieferkette führte. Doch jetzt geht wieder die Post ab.

Sie sind seit Jahresbeginn Vorsitzender der Familienunternehmer e. V. in Hamburg, einer Stadt, die in der Krise steckt: Die Mehrheit der Logistikbranche ist laut BVL-Studie in der digitalen Umsetzungsfalle. Einzelhändler rund um die Mö melden bis zu 40% Einbrüche, der Umschlag im Hafen ist um 12% eingebrochen. Wie schlimm hat es die Hamburger Wirtschaft wirklich getroffen? Und in welchen Branchen müssen wir nach Ende des Insolvenzschutzes im 4. Quartal mit Konkursen rechnen?

Die Hamburger Wirtschaft ist insofern nicht schlecht aufgestellt, als dass sie keine Monokultur ist, die von einer einzigen Branche wie z.B. der ohnehin kriselnden Automobilindustrie abhängt. In unserer Stadt verfügen wir über eine große Bandbreite von Wirtschaftszweigen, entsprechend divers ist das Bild der Corona-Auswirkungen. Einige Bereiche wie Gastronomie, Hotellerie, Eventveranstalter und Entertainment wurden von dem staatlich verordneten Berufsverbot schwer getroffen, und es ist absehbar, dass nicht alle Unternehmen die Krise überleben werden. 

"Bei Branchen unter hohem Druck ist es egal, ob Corona oder nicht."

Andere Branchen gingen stabil durch die schwierige Phase, weil sie systemrelevant waren oder über die Möglichkeit verfügten, ihr Angebot an die veränderten Bedingungen anzupassen. Allerdings hat Corona den Druck auf alle Branchen weiter verstärkt, sich zu digitalisieren. Und ehemals starke Wirtschaftszweige wie die Luftfahrt stehen vor großen Herausforderungen, denn sie können für lange Zeit auf keinen Boom mehr hoffen.

Unser Erster Bürgermeister konnte Ihre Frage beim Neujahrsempfang der Familienunternehmer nicht nachvollziehen, 50% des Haushaltsüberschusses 2019 (500 Mio. €) in Digitalisierung zu investieren. In unseren Wahlprüfsteinen und in der Analyse des Koalitionsvertrags sind wir zu dem Ergebnis gekommen: Rot-Grün kann nicht digital. Wenn alles digitalisiert wird, was wird dann aus Hamburg in Zeiten des Umbruchs?

Im besten Fall wird dann aus Hamburg eine Stadt mit einem Verständnis für Kybernetik, also für die Informationsverarbeitung in dynamischen Systemen, deren Regelung und Steuerung. Denn eben dies ist die Basis für ein erfolgreiches Management von Komplexität. 

"Alles, was nicht digitalisiert ist, wird unter Druck geraten."

Politiker wie Unternehmenslenker werden lernen müssen, die durch Digitalisierung zugänglichen Informationen besser zu nutzen, Transparenz zu schaffen und statt Mikromanagement Empowerment zu betreiben. Dazu bedarf es unternehmerischer Qualitäten, die sich gerne auch Politiker zu eigen machen dürfen. Ich denke hierbei an Mut, Entscheidungsfähigkeit und Umsetzungsstärke.

Hamburgs Visionär Klaus von Dohnanyi stellt in seiner ersten Bürgermeisterrede im Übersee-Club 1983 fest: 'Die Zukunft Hamburgs liegt an Land, und nicht am Wasser'. Der niederländische Visionär Hendrik "Ed" Brinksma verlässt nach nur 2,5 Jahren die TU in Harburg. Aus allen staatlichen Hamburger Hochschulen kommen weniger Ausgründungen (2018: 14), als aus der Leuphana in Lüneburg allein (2018: 59). Sie sagen, Hamburg braucht eine Vision. Woher soll diese kommen?

Hamburg steigt im deutschen und europäischen Vergleich ab, weil die Vision fehlt. Deshalb ist es dringend erforderlich, der Stadt eine Vision zu geben. Und dann gilt es, dass sich Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dazu committen und alles dafür tun, sie umzusetzen. Der Verband der Hamburger Familienunternehmer hat für Hamburg bereits etwas formuliert. Wir nennen unsere Vision „Große Freiheit 5.0“. Sie nutzt die Stärken der Stadt, setzt auf Ermöglichen statt Behindern und führt sie ins digitale Zeitalter. 


"Nur mit Visionen haben wir eine Chance auf einen Aufbruch."

Machen wir uns einmal die Stärken Hamburgs bewusst: Hierzu gehört die Logistik, bei der wir darauf achten müssen, nicht den Anschluss zu verlieren. Unsere Metropolregion ist eine der weltweit führenden Regionen für 3D-Metalldruck. Zudem haben wir exzellente Cluster wie Material Science mit dem Leuchtturm DESY und dem Zentrum für Hochleistungsmaterialien - das setzt international Maßstäbe. 

Mit Philips, Olympus und etlichen anderen starken Unternehmen verfügt Hamburg über ein starkes Healthcare-Cluster. Und mit der nach wie vor guten Gaming-Szene ließe sich Hamburg als internationaler AR-/VR-/XR-Hotspot ausbauen. Dies sind nur einige der Hamburger Potenziale, die es besser zu nutzen gilt, damit die Stadt in Zukunft wieder an Strahlkraft gewinnt.

Schauen wir ein Stück in Ihre eigene Zukunft: Sie sagen, 'alles wird digitalisiert'. Sie haben mit Achim Tappe einen der führenden Datenspezialisten an Alster und Elbe als CDO an Bord geholt. Als forschendes Unternehmen beschäftigen Sie sich u. a. mit Augmented Reality in Schiffsfenstern. Wie werden Data Science und Software Ihr traditionelles Geschäft mit Bullaugen digitalisieren, die Ihr Großvater genormt hat?

Derzeit entwickeln wir etwas, das weltweiten Pionier-Charakter hat: Augmented Reality-Schiffsfenster, die wir zur SMM, der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft, im Februar 2021 vorstellen werden. Die Fenster bestehen aus beweglichen Head-up-Displays für mehrere User gleichzeitig, die den Augen folgen und den visualisierten Content situativ an das anpassen, was man durch das jeweilige Fenster gerade sieht. 

"Wer spart, will bewahren. Wer investiert, will etwas verändern."


Ihr großer Mehrwert: Alle relevanten Infos werden dort eingeblendet, wo man gerade hinschaut. Man hat also die Realität im Blick und erhält ergänzend digitale Informationen. Diese Fenstersysteme sind hochkomplex und nutzen bestehende wie auch von uns selbst entwickelte Technologien, um der Geschwindigkeit der Augen gerecht zu werden. Sobald sich unsere digitalen Fenster in Schiffen bewährt haben, beschäftigen wir uns damit, sie für andere Branchen nutzbar zu machen.

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Wir haben über die Notwendigkeit gesprochen, eine Vision für Hamburg zu entwickeln, Helmut Schmidts "schlafende Schöne" nach 2 Jahrzehnten Abwärtstrend (siehe CHE-Studie) auf Zukunftskurs zu bringen. Wie kann eine "Große Freiheit 5.0" für die Kaufmanns- und Hafenstadt an der Elbe aussehen? Was muss sich in Wissenschaft, Verwaltung und bei Hamburger Unternehmern ändern? Butter bei die Fische!

Beginnen wir mit der Hamburger Verwaltung: Sie muss vom Behinderer zum Ermöglicher werden. Wenn sie dereguliert und Gesetze und Verordnungen so gestaltet, dass sie Unternehmertum und Gestaltung ermöglicht, um Arbeitsplätze zu schaffen, hat sie ihre vordringlichste Aufgabe erledigt. Und – besonders vorteilhaft in Zeiten leerer Kassen – es kostet die Stadt keinen Cent. Allerdings ist die öffentliche Hand finanziell gefordert, übergreifende neue Technologien über die Wissenschaft zu etablieren. Dies können von Corona geschüttelte Unternehmen nicht leisten.

"Es braucht Personen, die Veränderungen wollen und umsetzen."

Was die Unternehmen hingegen leisten können und müssen, ist die Analyse ihrer Daten. Denn – das sollten wir uns bewusst machen – jedes Business ist datengetrieben. Die Daten gab es schon immer – doch dank digitaler Speicher- und Verarbeitungsmedien verfügen wir jetzt über Tools, um unsere Informationen über Kunden, Märkte, Wettbewerber, Produkte und Prozesse zu sammeln und auszuwerten. Data Science hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen, Kosten zu senken und unsere Effizienz zu steigern. Bei Fehrmann digitalisieren wir auf allen Ebenen: Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle. Für Unternehmen, die langfristig am Markt bestehen wollen, führt kein Weg daran vorbei.

Ganz nebenbei hat die Digitalisierung der Wirtschaft Auswirkungen, an die man zunächst nicht zwingend denkt. Arbeiten beispielsweise mehr Mitarbeiter im Homeoffice, reduziert sich der Platzbedarf und damit die Miete. Entgegen der spektakulären Stories digitaler Unternehmen führt Digitalisierung in den meisten Unternehmen erst einmal zu deutlich sinkenden Kosten. Ein Grund mehr, schnellstens damit zu beginnen.


Herzlichen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

*  *  *

 Hanse Digital Statements: 

Corona und Hamburg:
HANSESTATEMENT: Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies.
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html


Digitalisierung und Senat:
HANSESTATEMENT: 205 Seiten Hamburg analog: Oder warum Rot-Grün digital nicht kann.

hansevalley.de/2020/06/hansestatement-koalitionsvertrag-hamburg-2020-2025.html

Digitalisierung und Senat:
HANSEPOLITICS: Wie Rot-Grün Hamburg in die digitale Zukunft bringen will.
hv.hansevalley.de/2020/06/hansepolitics-koalitionsvertrag-hamburg-2020.html

Digitalisieirung und Verwaltung:
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft:
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

 Hanse Digital Background: 

Akademie der Wissenschaften: CHE-Vergleichsanalyse Metropolregion Hamburg:

OECD-Bericht zur Regionalentwicklung: Metropolregion Hamburg