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Dienstag, 21. Juli 2020

HANSESTATEMENT Peter F. Schmid: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise.

Hanse Digital Autoren

Digitalunternehmer und Visionär: Peter F. Schmid, Visable
Foto: Visable

Seit mehr als vier Monaten befinden wir uns durch die Corona-Krise in einem weltweiten Ausnahmezustand. Zahlreiche Unternehmen und ganze Branchen bangen um ihre Existenz. Peter F. Schmid ist CEO von "Visable", dem Dach der europäischen B2B-Plattform "Europages" und des deutschen Marktführers im Bereich digitaler B2B-Marktplätze "Wer liefert was“ (WLW). Der Vorsitzende der Landesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft des Wirtschaftsrats Hamburg beobachtet die Situation von Beginn an und identifiziert sieben eindeutige Entwicklungen. Ein Gastbeitrag von Peter F. Schmid:

Das IfO-Institut prognostiziert bereits eine Insolvenzwelle für die kommenden Monate. In diesen Zeiten zeigt sich so deutlich wie noch nie, dass KMU ohne den Einsatz von digitalen Tools vor dem Aus stehen. Ich beobachte die Situation von Beginn an und identifiziere die folgenden sieben Entwicklungen:

1. Beschleunigung der Digitalisierung der KMU im Bereich Einkauf und Vertrieb

Die klassischen, bekannten und bewährten Marketing- und Vertriebstools standen mit einem Mal nicht mehr zur Verfügung. Die Absage von zahlreichen Messen sowie die Abordnung von Vertriebsmitarbeiterinnen- und Mitarbeitern ins Homeoffice brachte den Vertrieb in vielen Unternehmen kurzfristig zum Erliegen. Ohne den zeitnahen, gezielten Einsatz von digitalen Tools müssten eine Vielzahl von KMU in Europa um ihre Existenz fürchten. Zugespitzt bedeutet das: Nur wer digitalisiert, überlebt diese Krise. 

Besonders im Vertrieb mussten und müssen neue Wege gegangen werden, um den Einkauf ohne persönlichen Besuch zu erreichen. Ob Sales-Pitches via Videocall oder der Einsatz eines virtuellen Messestands – die Möglichkeiten sind vielfältig und die Nachfrage nach Weiterbildung groß. Mehr als 350 Interessierte informierten sich beispielsweise in unserem Webinar zu dem Umgang mit neuen digitalen Vertriebslösungen. Das war ein toller Erfolg und eine erneute Bestätigung für Visable als digitaler Partner für KMU in Europa.

2. Messe als primäres Verkaufs- und Marketing-Tool nicht mehr zeitgemäß 


Jede vierte Messe wird es nach der Krise so nicht mehr geben. Schon vor dem Einsetzen der Coronakrise gab es die Diskussion um die Zweckmäßigkeit von vielen Messen weltweit. In Zeiten der Digitalisierung ist es weder zeitgemäß noch ökologisch und ökonomisch sinnvoll, komplexe Güter wie Maschinen um die halbe Welt zu transportieren, um sie für eine oder zwei Wochen auf einer Leitmesse auszustellen. Auch der enorme Reiseaufwand von Ausstellern und Besuchern sowie der Einsatz von finanziellen sowie ökologischen Ressourcen steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Erhalt der Messebranche als Selbstzweck sollte für die Zeit nach Corona hinterfragt werden.

3. Besonderes Bedürfnis nach persönlichem Austausch und Wissensvermittlung 

Für viele sind die jährlichen Messebesuche auch immer Anlass zum Austausch innerhalb der eigenen Branche. Key Notes, Experten-Panels und Masterclasses dienen außerdem zum Wissenstransfer und zur Inspiration. Das Bedürfnis nach persönlichen Treffen, zwischenmenschlichem Austausch und Networking wird auch nach Corona nicht verschwunden sein – im Gegenteil. Konferenzen und Summits kommen ganz ohne den gewohnten Druck aus, möglichst viele Leads oder Abschlüsse generieren zu müssen, sie bieten einen echten Mehrwert und werden deutlich stärker nachgefragt werden.

4. Ausgaben für Online-Marketing steigen massiv 

Das durch die Absage von Messen freigewordene Marketingbudget wird von vielen Unternehmen nun für Tools wie SEA, Content Marketing und Social Media eingesetzt werden. Einer Umfrage von "iBusiness" zufolge will mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) vermehrt auf virtuelle Lösungen setzen. Die Vorteile von Online-Marketing überzeugen auch in Krisenzeiten. Reichweite und Inhalte können gezielt gesteuert werden. Die Leadgenerierung via Plattformen ist einfach und flexibel möglich.

5. Die Bedeutung von Digital Sourcing in Europa wächst

Viele Unternehmen wurden Covid19-bedingt dazu gezwungen, ihre Beschaffungs-Strategie vollständig zu überdenken oder waren kurzfristig auf alternative Lieferquellen angewiesen, weil ihnen die etablierten Lieferketten weggebrochen sind. Auch rücken lokale, nationale und Anbieter aus den umliegenden Märkten mit kürzeren Lieferwegen wieder stärker in den Fokus. Der harte Shutdown am chinesischen Markt brach bewährte Lieferketten, die in den letzten 20 Jahren mit der Zuwendung nach Asien etabliert wurden. 

Sie überzeugten einst durch Flexibilität, Vielfältigkeit und günstige Konditionen. Jedoch wurde die Möglichkeit einer erneuten weltweiten Wirtschaftskrise von den meisten schlicht ignoriert. Durch Digital Sourcing sichert der Einkauf seine Lieferketten und kann schnell und flexibel auf Veränderungen durch Krisensituationen reagieren. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Beschaffung auf nur eine, enge Lieferantenbeziehung setzte. In eine solche Abhängigkeit wird sich besonders nach dieser Krise niemand mehr begeben wollen.

6. Noch nie waren Online-Plattformen für Europas B2B-Markt wichtiger

Ein schneller Überblick über alle verfügbaren Anbieter, Akquisitionen von neuen Kunden lokal bis weltweit, die Messbarkeit des Budgeteinsatzes und die Verfügbarkeit an 365 Tagen im Jahr sind nur einige Vorteile, die Plattformen wie "Europages" und "WLW" bieten. "Visable" konnte in den ersten Wochen nach dem deutschlandweiten Lockdown einen signifikanten Anstieg der Zugriffszahlen verzeichnen.

Der Traffic wuchs seit Beginn der Coronakrise im Mittel um mehr als 25 Prozent auf "WLW" und um 22 Prozent auf "Europages" im Vergleich zum Vorjahr. In Spitzen lag der Zuwachs auf beiden Plattformen sogar über 50 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche. Das Potenzial für den digitalen B2B-Markt ist nach wie vor enorm. Bereits vor Corona wuchs der Markt seit 2013 um durchschnittlich 13 Prozent jährlich. Prognosen zeigen, dass sich an diesem Wachstumstrend nichts ändern wird.

7. Der Einkauf nimmt die Schlüsselrolle des Unternehmens ein

Was vor der Coronakrise eher als ein Schattengewächs der Unternehmen galt, hat sich nun zu einer der wichtigsten Säulen eines Unternehmens entwickelt. Der Einkauf rückt durch den Ausfall der etablierten Lieferketten und Liefermärkte wie bspw. China in den Mittelpunkt und sichert durch schnelles Reagieren und die Nutzung von digitalen Tools das Überleben der Company. Es geht schon lange nicht mehr nur um den Einkauf von Waren. Mittlerweile ist es das Digitalisierungs-Know-how und das strategische Verhandlungsgeschick, was zum langfristigen Erfolg führt. 

Über den Autor:

Peter F. Schmid ist CEO des europäischen Plattformanbieters "Visable" mit den B2B-Marktplätzen "Europages" und "Wer liefert was". Visable unterhält Büros an den Standorten Hamburg, Berlin sowie Paris und beschäftigt heute in den Bereichen Marktplätze und Online-Marketing über 380 Mitarbeiter. Zusammen erreichen die Marktplätze der Hamburger Firmengruppe monatlich über 3,7 Millionen B2B- Einkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen. Insgesamt sind über 3,6 Millionen Firmen auf beiden Plattformen registriert. Weitere Informationen unter www.visable.com.

Ein Gastbeitrag von Peter F. Schmid. Die inhaltliche Verantwortung des Autorenbeitrags liegt beim Urheber.
 
 Hanse Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Peter Schmid: Ein Leuchtturm für die Digitalwirtschaft in Hamburg.

Sonntag, 13. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Tilo Böhmann: Digitalisierung ist richtig umparken im Kopf.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Informatik und Wirtschaftsinformatik, Data Science und Mensch-Maschine-Interaktion: 2.400 Studierende werden aktuell an der Universität Hamburg zu Tech-Profis ausgebildet. Jährlich kommen 400 Erstsemester hinzu. Mit 5 Bachelor-, 5 Master- und Lehramtsstudiengängen ist der Fachbereich Informatik der Universität Hamburg die größte Ausbildungsstätte für den Tech-Nachwuchs an Alster und Elbe. 


Vorreiter mit Hamburgs Informatikplattform "ahoi.digital": Tilo Böhmann
Foto: Universität Hamburg

"Wir leisten gute Arbeit, aber keiner redet darüber", sagt Prof. Dr. Tilo Böhmann. Der stv. Leiter des Fachbereichs, Leiter des Arbeitsbereichs IT-Management und Mit-Initiator der Informatikplattform "Ahoi Digital" spricht aus, was dem interessierten Beobachter auffällt. Mit Besuch von Olaf Scholz auf dem Campus in Stellingen hat sich seit 2014 der "Schlafende IT-Riese" auf den Weg gemacht. Unser HANSEPERSONALITY ist Prof. Dr. Tilo Böhmann:

Die Universität Hamburg ist der größte Informatik-Ausbilder rund um die Alster. Aber: Gute Lehre gibt es sicher an zahlreichen Hamburger Hochschulen. Gehen wir ans Eingemachte: Welche außergewöhnlichen Forschungsschwerpunkte setzen Sie auf dem Campus in Stellingen? Und warum?

Im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg bieten wir die volle Breite der Informatik, was Studierenden umfassende Wahlmöglichkeiten für ihre individuellen Schwerpunkte gibt. Für uns als Fachbereich gilt: wir sind begeistert von den technischen Möglichkeiten der Informatik, gestalten aber menschenzentriert und mit der gesellschaftlichen Verantwortung klar im Blick. Aktive Partner aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung bieten Studierenden und Forschenden tolle Möglichkeiten, gemeinsam an digitaler Innovation und Transformation zu arbeiten.


Kognitive Systeme mit Neurowissenschaften und Psychologie


Bei aller Breite in der Ausbildung haben die Forscherinnen und Forscher in der Informatik der Universität klare gemeinsame Forschungsschwerpunkte. Seit vielen Jahren geht es bei uns um das hoch aktuelle Thema der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. In diesem Bereich, den wir “Kognitive Systeme” nennen, arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus der Informatik eng mit den Neurowissenschaften und der Psychologie zusammen, um Lernprozesse im Menschen besser zu verstehen und daraus bessere lernende Systeme in der Informatik zu gestalten.

Lösungen für Datensouveränität, wenn Daten das neue Öl sind

Ein zweiter Schwerpunkt ist “Information Governance Technologies”. Hier geht es um technische Lösungen für Datensouveränität - eine zentrale Zukunftsherausforderung, wenn Daten das neue Öl sind und immer mehr IT in die Cloud geht. Auch hier arbeiten wir Interdisziplinär, z.B. unter engem Einbezug ethischer und juristischer Kompetenz an zukunftsweisenden Lösungen. Als Drittes entwickeln wir zusammen mit anderen Disziplinen an der Universität und Hochschulen die Kompetenz im Bereich “Data Science” als neues Querschnittsfeld, das sowohl in Wissenschaft als auch Wirtschaft große Bedeutung hat.

In Forschung und Lehre profitieren wir von den Möglichkeiten einer Volluniversität, so dass wir auf vielen Gebieten interdisziplinär forschen können. Genauso wichtig ist aber auch die Zusammenarbeit mit den Informatik-Partnern von ahoi.digital. Gemeinsam arbeiten wir, gerne auch zusammen mit unseren aktiven Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung, an Lösungen für die Zukunft.

Der Hamburger Senat spricht gern übe die im Februar 2017 angekündigte Informatikplattform "Ahoi Digital". Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen bis zu 35 neue Informatik-Professuren an Hafencity Universsität, HAW Hamburg, Uni Hamburg und TU Harburg sowie bis zu 1.500 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Wie kann das dem IT-Standort Hamburg nützen?

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats und auch unsere Analysen aus dem Initiatorenkreis von ahoi.digital zeigen klar: dem IT- und Digitalstandort Hamburg fehlen Köpfe in den Hochschulen. In Berlin und München sind das bislang fast doppelt so viele Professuren. Daher sind wir äußerst froh, dass wir durch den deutlichen Zuwachs an Professuren mehr Studierende ausbilden können und mit erheblich mehr Rückenwind Forschungsschwerpunkte ausbauen können. 

"Dem IT- und Digitalstandort Hamburg fehlen Köpfe in den Hochschulen"

Wir wollen hart daran arbeiten, dass mehr Menschen Kompetenzen in Informatik als neuer Schlüsseldisziplin erwerben können. Wenn die Köpfe fehlen, bleiben Chancen ungenutzt oder Lösungen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Man kann heute nicht die Lösungen für Morgen mit der Informatik von Gestern gestalten. Daher müssen aus meiner Sicht mehr Informatikerinnen und Informatiker in Hamburg her. 

Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hat erstmals in seiner Übersee-Club-Rede 1983 auf den Punkt gebracht: Die Zukunft Hamburgs liegt auf dem Land - und nicht im Wasser. Sind die Aktivitäten des Hamburger Senats mit Begutachtung durch den Wissenschaftsrat 2015, der Einführung eines MINT-Forschungsrats 2016 und "Ahoi Digital" im Jahr 2017 nicht viel zu spät - und viel zu langsam?

Ich persönlich erlebe eine richtige Aufbruchsstimmung in der Wissenschaft in Hamburg und auch gerade im Thema der Digitalisierung. Den Zeitpunkt der Entwicklung mögen andere beurteilen, entscheidend ist aus meiner Sicht, dass etwas passiert. Und so arbeiten wir mit Hochdruck an der Umsetzung von ahoi.digital. 

"Universität nicht als verlängerte Werkbank der Wirtschaft nützlich"

Ich nehme auch wahr, dass gerade Wissenschaft und Stadt ihre wechselseitigen Einschätzungen ändern. Als ich 2010 an die Universität Hamburg berufen wurde, begegnete mir manchmal die Erwartung aus Politik und Wirtschaft, die Universität solle sich als eine Art verlängerte Werkbank der Wirtschaft nützlich machen. Eine solche Erwartung wird aus meiner Sicht der Wissenschaft und ihrer eigenständigen Kraft im Erkenntnis- und Innovationsprozess überhaupt nicht gerecht. 

Heute gibt es sehr erfolgreiche Beispiele der Co-Innovation, wo mit vereinten Kräften Lösungen für die Zukunft erdacht und erprobt werden. Diese Begegnung auf Augenhöhe erlebe ich beispielsweise konkret in unserem Netzwerk IT-Management und -Consulting, wo wir gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung danach fragen, wie Wege der digitalen Transformation gelingen können, damit Arbeit und Wertschöpfung aus Hamburg erfolgreich in die digitale Zukunft geführt werden können. 

Die Landesfachkomission Internet & Digitale Wirtschaft des Hamburger Wirtschaftsrats fordert einen echten Leuchturm für die Digitalwirtschaft an Alster und Elbe, statt "Klein-klein". Was halten Sie von der Idee einer eigenständigen "Digital Society University" - mit internationaler Strahlkraft, um Hamburg aus dem "Technologie-Tiefschlaf" herauszuholen?

Der Weg von ahoi.digital, die vorhandenen Stärken in Kooperation massiv auszubauen, ist aus meiner Sicht Erfolg versprechend und schon ein solcher Leuchtturm. Neue Wissenschaftsinstitutionen brauchen eine lange Zeit, bis sie wirklich voll funktionsfähig sind. Auch gilt aus meiner Sicht: die Bedeutung von Digitalisierung, Data Science und Informatik ist in meiner persönlichen Einschätzung an allen staatlichen Hamburger Hochschulen klar erkannt. Deshalb kommt ahoi.digital gerade recht, um diesen Rückenwind aufzugreifen und in Aktion umzusetzen. 

"Weitere Anstrengungen im Bereich Co-Innovation und Technologietransfer erforderlich"

Allerdings darf man meiner Meinung nach auch jetzt nicht nachlassen oder sich ausruhen. Weitere Anstrengungen sind - und das sagt auch das ahoi.digital-Konzept - im Bereich der Co-Innovation und des Technologietransfers erforderlich. Hier kann man noch besser werden, um die Forscherinnen und Forscher der Hochschulen mit den Innovatoren in Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu verzahnen. Wir haben dafür gute Voraussetzungen, können aber hier noch bessere Brücken bauen, damit die erforderliche Informatik-Kompetenz auch in allen relevanten Bereichen ankommt. Dafür braucht es auch attraktive Orte, an denen diese Co-Innovation besonders leicht entstehen kann. 

Sie sind Gründungsmitglied der "Interface Society - This!" von BWVI- und HPA-Chief Digital Officer Dr. Sebastian Saxe. Was macht aus Ihrer Sicht die Hamburger Perspektive für Digitalisierungsthemen aus - insbesondere auf Grund des besonderen Wirtschaftsprofils unserer Stadt? Wo sehen Sie die Tech-Zukunft Hamburgs?

Zunächst freue ich mich sehr, dass Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sich mit uns gemeinsam auf den Weg machen, um Impulse für die Digitalisierung aus Hamburg zu geben. Die "Interface Society" drückt schon im Namen aus, dass in der Digitalisierung Neues an sich neu formenden Schnittstellen zwischen bislang unverbundenen Bereichen entsteht. Ich persönlich glaube, dass Hamburg eine besondere Chance im Bereich einer menschenzentrierten Digitalisierung hat. 

"Schnittstelle zu Menschen eine Herausforderung für Produkte und Dienstleistungen"

Wir haben mit Medien und Kultur starke Bereiche in der Stadt, bei denen menschliches Erleben und schöpferische Interaktion im Mittelpunkt stehen. Diese menschenzentrierte Perspektive strahlt aus, nicht zuletzt, weil wir gewohnt sind, unsere digitalen Alltagsinteraktionen als einfach und gebrauchstauglich, vielleicht sogar als inspirierend und kreativ zu erleben. Diese Erwartung tragen wir zunehmend in alle Lebensbereiche hinein und damit wird die Schnittstelle zu uns Menschen eine Herausforderung für viele Produkte und Dienstleistungen, z. B. bei neuen Wegen in der Mobilität, Luftfahrt, im Handel oder in der Gesundheitswirtschaft. 

Will man diesen Weg beschreiten, braucht es aber gleichzeitig ein neues Verständnis für verantwortliches Handeln in der Digitalisierung. Ein einfaches laissez-faire wird der großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der Digitalisierung aus meiner Sicht nicht mehr gerecht. Eine Verständigung dazu will die Interface Society fördern.

Von Deutschlands neuer Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär über Hamburgs bürgerlicher Opposition bis zu den Organisatoren der Hamburger Hacker School steht die Forderung im Raum, Informatik als Pflichtfach einzuführen? Was halten Sie davon - und was bringt es z. B. kreativen Schülern, einen Rasberry Pi zu programmieren?

Ich persönlich stütze die Forderung nach einem Pflichtfach Informatik nachdrücklich. Für mich ist aber das Motiv dafür nicht etwa die Idee, alle Schülerinnen und Schüler zu Programmierern zu machen. Vielmehr geht es aus meiner Sicht darum, dass alle Kinder und Jugendlichen einmal die Rolle der Nutzerin oder des Nutzers von Informationstechnologie verlassen. 

"Technologien drücken menschliche Möglichkeiten zur Gestaltung aus"

Es gilt, die Black-Box der Technologie öffnen und zu sehen, dass diese Technologien von Menschen gestaltbar sind und wie diese gestaltet werden können. Dazu gehört sicher auch die konkrete Programmiererfahrung. Um es sehr frei nach Kant zu sagen: Es geht um dem Ausgang des Menschen aus einer – zumindest in Teilen – selbstverschuldeten Technologieunmündigkeit. Für mich ist Informatik im Zeitalter der Digitalisierung ein zutiefst aufklärerisches Fach und gehört unbedingt in den Kanon der Allgemeinbildung.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Schauen wir zusammen über Wissenschaft, Forschung und Lehre hinaus in Wirtschaft, Verwaltung und Stadtleben: Wo ist unsere Stadt aus Ihrer Sicht digital schon richtig zukunftsweisend aufgestellt? Und wo sollte Hamburg kräftig an Tempo zulegen?

Aus meiner Sicht sind viele Weichen grundsätzlich schon in die richtige Richtung gestellt. Nun kommt es auf die beharrliche Umsetzung und gelingende Kooperation an. Dabei werden wir gut beraten sein, auf die Stärken der Stadt und ihrer Netzwerke zu schauen. Jedoch sollten wir mehr daran arbeiten, dass das, was wir in und für Hamburg für richtig halten, auch politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich Spuren legt für die nationale und europäische Debatte. 

Ein Digitalisierungsrat für die Freie und Hansestadt Hamburg

Gerade wegen der vielen Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung wäre ein Digitalisierungsrat nach schwedischem Vorbild eine Option für Hamburg. Dieser könnte helfen, aus Hamburger Sicht zentrale Themen zu identifizieren und zu transportieren sowie Profilstärken weiter zu entwickeln. Damit könnte uns noch besser gelingen, Hamburg im besten Sinne als „Pfadfinder“ für die Digitalisierung zu positionieren. 

*  *  *

Vielen Dank für die tiefen Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Universität Hamburg - Fachbereich Informatik

Universität Hamburg - Arbeitsbereich IT-Management und -consulting

Ahoi Digital - Informatikplattform der Hamburger Hochschulen

The Interface Society (ThIS) - Expertenrat der Digitalisierung e.V.

Wirtschaftsrat: Hamburgs Digitalwirtschaft verpasst nationalen Anschluss

Mittwoch, 7. Februar 2018

HANSESTARTUPS: Von Foodporn zu sexy Daten für Food.



HAMBURG DIGITAL REPORT

Kein Food, kein Food, kein Food ... und keine Fahrradanhänger. Das ist einer der wirklich wenigen Grundsätze von HANSEVALLEY. Das Geheimnis des Online-Wirtschaftsmagazins ist allerdings, auch mal eine Ausnahme zu machen. Fahrradanhänger mit Hilfsmotor finden wir immer noch nicht wirklich "sexy". Aber ein "Tinder für Food" hat uns aufhorchen zu lassen. Zumal, wenn es am Schulterblatt zwischen vielen leckeren Lokalen entsteht.



Ein junger Student der Macromedia Hochschule aus der Neustadt fasziniert das Thema "Hospitality". Während seiner Ausbildung in Medienmanagement arbeitet er für Red Bull - und lernt Hotels, Brauereien und Restaurants kennen. Das über 4 Jahre aufgebaute Netzwerk ist Grundlage für das erste Food-Startup, bei dem wir schwach werden, weil es ein echtes HANSESTARTUP ist. Ein Swipe in die Welt des "Foodguide" aus der Schanze:


Berlin, Hamburg, Köln und München - überall gibt es tolle Restaurants. Und überall suchen Gäste zu Lunch und Dinner die richtige Location. Was in Deutschland täglich stresst, ist in den angesagtesten Metropolen Europas nicht viel leichter: ob Amsterdam, London, Paris oder Barcelona - Essen ist ein Stück Kultur: "Ich fand es genial, was für ein zentraler Angelpunkt Essen für die Tailänder ist", bringt der 24-jährige Gründer Malte Steiert auf den Punkt, was er während seines Auslandssemesters 2013/2014 erleben durfte. 

Szenenwechsel: In der Diskussion mit Hamburgs CDU-Digitalexperte Carsten Owens begeistert der gebürtige Marburger beim Jungen Wirtschaftstag Anfang November '17 bei "EY" am Rothenbaum Jungunternehmer aus ganz Deutschland. Offen und ehrlich berichtet er von seiner Begeisterung, von seinen Anlaufschwierigkeiten und seinem nicht immer ganz leichten Weg. Gut, dass der seit August 2015 mit "Foodguide" engagierte Jungunternhmer keine Fahrradanhänger baut ...

Ein echter "Foodie" oder  doch "schnell, billig, viel"?

"Ich konnte nie stillsitzen, und ich habe kein ADS. Das wurde auch geprüft", bringt Malte in seinem portugiesischen Stammlokal "Transmontana" beim Interview kurz vor Weihnachten schmunzelnd rüber. Ein Instagram-Blog mit Essensfotos von Freunden ist der Anfang. Und wir sind gedanklich noch einmal in Thailand: Gastfreundschaft, Geselligkeit und Verbundenheit - all' diese Werte verbindet der Sohn einer Lehrerin und eines Pädagogen mit Essen in Thailand. "Jeder Thailänder ist ein Foodie", skiziert Malte den Unterschied zum deutschen 'Schnell, Billig, Viel'. 

Mit 50 anderen Studenten war er unterwegs in dem ostasiatischen Land, viele von ihnen von der Macromedia Hochschule an der Getrudenstraße. Und immer wieder die gleiche Frage: "Wo können wir hingehen?". Nach 3-4 Ausflügen viel kaum jemandem mehr etwas ein. Google, Yelp und Tripavisor? Für 20-22 Jährige nicht unbedingt das Non plus ultra: kaum Bilder, schlechte Texte, keine Preise. Alles, was einen Studenten nicht vom Hocker reißt. Gute Bilder gibt es bei Instagram. Food ist weltweit nach Mode und Reisen das Top-Thema Nr. 3. Also: "Foodporn" könnte die Lösung sein.

1.000 Follower nach 2 Monaten: "Foodporn" zieht.


"Foodporn" geht immer - gerade auf Instagram.
Screenshot: HANSEVALLEY
Malte Steinert macht sich ans Werk, fragt Freunde nach ihren Essensfotos: 'Was ist das? Woher hast Du das? und: Was kostet das'? Die Idee ist geboren: Schweinebauch, Bacon & Baked Beans, Bullerei in der Schanze, 13,50 €, gut! Veganer dürfen jetzt wegklicken ... Anfang 2014 startet der junge Medienexperte eine eigene WhatsApp-Gruppe mit Instagram-Fotos. Noch privat posten seine Buddies die angesagtesten Geheimtipps. Spezielle Empfehlung: Asiate "O-ren Ishii" am Speersort, mittlerweile als "Top 10"-Tipp in allen Stadtführern gelistet. Im Mai d. J. startet Malte mit den WhatsApp-Fotos einen Instagram-Channel - und reserviert sich eines Nachts den Titel "Foodguide".


Der nimmermüde Nachwuchs-Medienmacher lädt die besten Essensbilder hoch: Hashtags und Kommentare inklusive. Nach nur 2 Monaten hat er die ersten 1.000 Follower an Board - "Foodporn" zieht immer. Freunde schicken ihm Bilder, sein Bekanntenkreis ist voll dabei, eine Community entsteht. "Schickt mir Eure Bilder", ruft Malte im August '14 im Instagram-Blog als Motto aus. Täglich treffen zwischen 10 und 20 Fotos ein, Hyperuser schicken ihm ganze Ordner inkl. internationaler Tipps. Im Herbst ist eine systematische Content-Produktion entstanden: 4 Städte, 4 "Community-Manager", 20.000 Follower.

"Foodguide" ist kein Umsatz-, aber ein Netzwerkthema.


Jedem Foodie sein "Foodporn" ...
Foto: Foodguide App
Der seit gut 5 Jahren in Hamburg lebende Malte ahnt, das sein "eskaliertes Hobby" (Sorry, bei 12min.me geliehen) mehr werden kann. An der Macromedia Hochschule belegt er einen Lehrgang für Entrepreneurship. Sein Wunsch: "Wie kann ich einen Businessplan für Foodguide bauen?" Anfang 2015 fährt er während des Praxissemesters seinen Channel hoch. Erste Gastronomen wollen sich listen lassen, doch der Instagram-Kanal soll neutral sein. Foodora-Gutscheine? O.k. Einzelne Restaurant-Empfehlungen? Eher nicht. Im August '15 baut der Wahl-Hamburger mit seinem Entwickler Nico den Prototypen für "Food-Tinder".

Malte Steinert gründet im Spätersommer sein erstes eigenes Unternehmen. Im Herbst d. J. dann der Concept-Proof: "Foodguide" lädt die Community ein, mitzumachen. Das Team gewinnt jede Menge neuer Ideen - und die Sicherheit, dass es einen "Need" gibt. 80.000 Fans hat der "Foodguide" bereits bei Instagram. Am 1. Tag der neuen App kommen 3.000 User dazu. Bis Ende des Jahres werden es bereits 20.000 App-Nutzer sein. Bereits jetzt führt Malte erste Gespräche mit Business Angeln. Schnell wird klar: "Foodguide" ist kein Umsatz- sondern ein Netzwerkthema.

Die "Höhle der Löwen": Auf zur nächsten Stufe.

Anfang 2016 macht der Jungunternehmer seinen Bachelor in Digital Media Management und stellt im Februar seinen ersten Praktikanten für Marketing und Sales ein. Im Sommer gehts für 3 Monate in den "Plug & Play-Accelerator von Axel Springer - ein bewußter Schritt: "Deutschlandweit sind die am weitesten, deshalb haben wir uns für sie entschieden", so Malte auf die Frage, warum kein Hamburger Programm erste Wahl war. Alle 10 Tage pendelt er zwischen Metropole und Hansestadt. Das Team wächst auf einen Mitgründer, 2 Junior-Sales-Manager und 2-3 Praktikanten.

"Foodguide" verdient sein erstes Geld, 2.000,- € jeden Monat. Im Juli lernt Malte seinen heutigen Mitgründer Finn Fahrenburg kennen. Der Techi wird zum Treiber für die technische Entwicklung. Ende 2016 bekommen Malte und Finn einen Kontakt zum deutschen Frühphasen-Fonds "Seed & Speed". Mit dem 2 Jahre älteren Partner zieht es "Foodguide" 2017 in die "Höhle der Löwen". Der Lohn für die Vorbereitung: 450.000,- € Investment. Hannovers Starinvestor hilft dem jungem Startup auf die nächste Stufe der Entwicklung. 

Carsten Maschmeyer ahnt, dass mehr dahinter stecken kann.
Foto: Foodguide App
Von Instagram-Channeln zum Datenlieferanten.

Im Sommer vergangenen Jahres professionalisiert sich "Foodguide": Praktikanten raus - Angestellte
rein. Das Team wächst von 8 auf 20 Mitarbeiter, der Fokus schwenkt auf internationale Märkte, Country Manager kümmern sich um Nutzerwachstum und Vermarktung in Amsterdam, Barcelona, London, Madrid oder Paris. Mittlerweile erzielt das Startup im Marketing jeden Monat zwischen 20.000 und 30.000,- € Umsatz, sind Gastronomen wichtige Vertragspartner. Nach wie vor ist Instagram der Motor, mit Traffic für die Apps und Gutscheinen für Lokale. 


Sie machen in der Schanze das "Tinder für Food".
Foto: Foodguide App
"Foodguide" ist heute in fast allen größeren Städten Deutschlands zu Hause. Die Nutzer sind im Schnitt rd. 27 Jahre jung, meist in Städten zu finden und zu sage und schreibe 75% weiblich. Über 650.000 Fans zählt "Foodguide" heute auf seinen gut 20 Instagram-Channeln in aller Welt. Sie alle werden aus dem jungen Büro im Schanzenviertel betreut. Was wie ein nettes Medien-Marketing-Modell aussieht, entwickelt sich zunehmend zu einem handfesten Daten-Lieferanten für die Industrie:

Alle Vorgänge rund ums Essen in einer App.


"Was soll 2019 auf die Pizza gelegt werden?", fragt Malte bei seinem Lieblings-Portugiesen mit einem Schmunzeln. Und ergänzt: "Wird Quinoa (eine Art Hirse) in 2 Jahren in den Supermarkttegalen liegen?". Mikrotrends in der "Foodguide"-Tinder-App über Likes und Dislikes können zu Makrotrends hochgerechnet werden. Nur ein Schritt auf dem Weg zur disruptiven Tech-Company. Im Nachrichtenmagazin "Stern" ist Malte Steiert denn auch überzeugt, mit "Foodguide" noch viel mehr zu erreichen:


"Unsere Vision ist es, alle Vorgänge rund um das Thema Essen in unserer App zusammenlaufen zu lassen und dem User ein Service-Hopping zu ersparen. In fünf Jahren wollen wir ganz klar nicht nur den Food Market disrupted haben, sondern in weitere Verticals - wie Hotellerie, Travelling und Nightlife - vorgedrungen sein. Aktuell fokussieren wir uns aber erst einmal auf das Vertical Gastronomie.

Das Erfolgsteam der Foodguide App: Malte + Finn
Foto: Foodguide App
Womit die Frage beantwortet werden kann, warum ein weitsichtiger Carsten Maschmeyer in den beiden Jungs aus der Schanze mehr sieht, denn Frank Thelen; warum eine Tinder-App für Gastronomen und Lebensmittler äußerst spannend sein kann und warum "Foodguide" ein HANSESTARTUP ist. Denn nur die besten Startups sind HANSESTARTUPS, auch wenn sie Food machen (und natürlich Tech).

Wir wünschen "Foodguide" auf Ihrem Weg alles Gute und jeden erdenklichen Erfolg! 






 Hamburg Digital Background: 

Malte Steiert im Business-Netzwerk "Xing":
www.xing.com/profile/Malte_Steiert/

"The Foodguide App" bei Instagram:
www.instagram.com/foodguideapp/

"The Foodguide App" Blog:
www.thefoodguide.de/de/blog/

"Foodguide"-Beitrag im Magazin "Stern":
www.stern.de/wirtschaft/hoehle-der-loewen---foodguide----soziales-netzwerk-fuer-alles-rund-ums-essen-7679928.html

Sonntag, 28. Mai 2017

HANSEPERSONALITY SPEZIAL: Die Hamburg-Frage an Hamburgs Meinungsführer.

HAMBURG DIGITAL SPEZIAL

Mehr als 2 Dutzend HANSEPERSONALITIES aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Startupszene haben in den vergangenen gut sechs Monaten HANSEVALLEY Rede und Antwort gestanden. Im Mittelpunkt: Die fortschreitende Digitalisierung der Freien und Hansestadt in allen Arbeits- und Lebensbereichen. Mit der "Hamburg-Frage" haben wir unsere exklusiven Interviewpartner zu den besonderen Herausforderungen befragt. Und sie haben geantwortet:

Hamburgs "Chefdigitalisierer" Dr. Carsten Brosda hat bei uns den Start des "Digital First"-Projekts verkündet. Wirtschaftsrats-Vorsitzender Dr. Henneke Lütgerath stellte auf HANSEVALLEY den "Digitalisierungskatalysator" mit einer internationalen Fachmesse für Digitale Produkte vor. Hammerbrooklyn-Initiator Prof. Dr. Henning Vöpel kündigte im Hamburg Digital Magazin den künftigen Ort für die Transformation "Hammerbrooklyn" an.

Hamburgs "Finanzprimus" Dr. Harald Vogelsang forderte bei uns eine "Digitale Agenda" und eine Bildungsoffensive 4.0 für die Hansestadt. "Startupförderer" Dr. Heiko Milde wünscht sich gegenüber HANSEVALLEY ein stärkeres Engagement des privaten Kapitals in Startups. Und Chief Digital Officer Arne Wolter fordert gegenüber dem Hamburg Digital Magazin, die Vorteile Hamburg stärker zu kommunizieren, um die besten Digitaltalente anzuziehen.

Hier unsere ausgewählten HANSEPERSONALITIES mit Ihren Antworten auf die "Hamburg-Frage" zur Digitalisierung der Freien und Hansestadt:


 HAMBURGER SENAT 

Dr. Carsten Brosda, Senator der Behörde für Kultur und Medien, zur Digitalisierung der Hamburger Verwaltung:

Hamburgs Chefdigitalisierer Dr. Carsten Brosda
Foto: Jörn Kipping
Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie angesichts der aktuell bestehenden Schuldenbremse und unterschiedlichster IT-Infrastrukturen in der Hamburger Verwaltung?

Hamburg steht heute im Ländervergleich gut da, was die IT-Ausstattung, Infrastruktur und Datensicherheit angeht. Weil die Digitalisierung aber zunehmend auch die öffentliche Infrastruktur und den öffentlichen Raum erfasst, rückt immer mehr die Stadt im Ganzen in den Fokus.

Wir wollen die städtischen Infrastrukturen und öffentlichen Räume mit digitalen Schnittstellen und Angeboten weiter optimieren. Dazu zählen Bildungs- und Kulturangebote ebenso, wie die Systeme einer integrierten Verkehrsstrategie und einer intelligenten Energieversorgung. Digitale Techniken erlauben uns hier, Steuerungsleistungen und Angebote zu entwickeln, die Effizienz steigern und Qualität verbessern.

Für all dies brauchen wir die passende IT-Infrastruktur. Vorhandene Daten und Fachsysteme der städtischen Institutionen wollen wir vernetzen, den Datenaustausch automatisieren und Anwendungen für den vielseitigen Zugriff auf die Daten bereitstellen. Im Übrigen stehen die Schuldenbremse der Hamburgischen Verfassung und des Grundgesetzes nicht im Widerspruch zu Investitionen in den digitalen Wandel – beide helfen uns dabei, unsere Stadt für die Zukunft gut aufzustellen.


Das Hamburg Digital Interview mit Dr. Carsten Brosda:
HANSEPERSONALITY Dr. Carsten Brosda: "Digital First"-Projekt nimmt seine Arbeit auf.


 HAMBURGER POLITIK 

Dr. Henneke Lütgerath, Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrats in Hamburg, zur Digitalisierung in Politik, Verwaltung und Wissenschaft:


Hamburgs Wirtschaftsrats-Chef
Dr. Henneke Lütgerath
Foto: Wirtschaftsrat Hamburg
Wenn Sie die Aktivitäten des Hamburger Senats mit der Standortinitiative "Digitale Stadt", der Behördeninitiative "Digital First" und der Hochschulinitiative "Ahoi.Digital" überblicken: Wie gut ist unsere Wirtschaftsmetropole auf die "Digitale Bugwelle" vorbereitet oder wie weit müssen wir uns auf "Hochwasser" in Hamburgs Wirtschaft gefasst machen?
Ein konkretes Wort zu „Ahoi.Digital“: Die 35 neuen Professuren und bis zu 1.500 zusätzlichen Informatik-Studienplätze sind gut, aber nicht ausreichend. Berlin plant zum Vergleich 100 neue Professuren für IT & Entrepreneurship, 50 davon sind nach unserem Kenntnisstand schon auf dem Weg. 

Bislang hat der Hamburger Senat die Informatik vernachlässigt, auf dem Arbeitsmarkt fehlen Experten. Viele Start-ups sourcen aus diesem Grund Entwicklungsarbeiten nach Osteuropa und Russland aus. Google eröffnet sein neues Entwicklungszentrum mit bis 800 IT-Ingenieuren nicht am Standort Hamburg, sondern in München, da LMU & TU in diesem Bereich wesentlich besser aufgestellt sind als die Hamburger Hochschulen.

Das Hamburg Digital Interview mit Dr. Henneke Lütgerath:
HANSEPERSONALITY Dr. Henneke Lütgerath: Eine internationale Messe für digitale Produkte in Hamburg.


 HAMBURGER WISSENSCHAFT 


Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, zur Digitalisierung der Freien und Hansestadt in Politik und Wirtschaft:

Hammerbrooklyn-Initiator  Prof. Dr. Henning Vöpel
Foto: HWWI
Wie gut ist unsere Stadt in Politik und Wirtschaft aufgestellt, um die digitalen Herausforderung in den kommenden Jahren zu meistern?

Insgesamt gut, aber in einigen Bereichen müssen wir Tempo aufnehmen und eine Vorstellung darüber entwickeln, wie wir die Stadt aus dem Status quo in ihre digitale Zukunft transformieren. Wichtig wäre es, einen Ort für digitale Transformation zu schaffen, an dem Digital real wird, also konkret in das urbane Leben einfließt. Über einen solchen Ort ließe sich die notwendige Agilität des doch noch eher traditionellen Wirtschaftsstandortes Hamburg erzeugen.

Innovationen entstehen im digitalen Zeitalter anders als früher. Dafür müssen wir die Innovationsstrukturen umbauen, wir benötigen ein experimentelles, interdisziplinäres und kollaboratives Innovationssystem, das zwischen Wirtschaft und Wissenschaft viel offener und durchlässiger ist und alle Akteure zusammenbringt.

Das Hamburg Digital Interview mit Prof. Dr. Henning Vöpel:
HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Henning Vöpel: Wer zu spät kommt, fliegt raus.


 HAMBURGER FINANZWIRTSCHAFT 

Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse, zur Digitalisierung in der Hamburger Wirtschaft:



Hamburgs "Finanzprimus" Dr. Harald Vogelsang
Foto: HASPA
In welchen Bereichen sehen Sie die Wirtschaft und die Politik der Hansestadt gut aufgestellt, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern? Und wo sehen Sie kritische Aspekte, auf die Senat, Handelskammer und Unternehmen reagieren sollten?

Aktuell ist es um die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs gut bestellt. Damit das so bleibt, muss sich die Wirtschaft noch stärker digital transformieren. Hierfür brauchen wir eine digitale Agenda und steigende öffentliche Investitionen in die digitale Infrastruktur.

Auch bei den privaten Investitionen in Innovationen gibt es noch Luft nach oben. All das sollte Hand in Hand gehen mit einer digitalen Bildungsoffensive. Gut ausgebildete Fachkräfte sind das A&O für die erfolgreiche Positionierung eines Wirtschaftsstandorts Hamburg 4.0.

Das Hamburg Digital Interviews mit Dr. Harald Vogelsang:
HANSEPERSONALITY Dr. Harald Vogelsang: Digitale Agenda, Investitionen und Bildungsoffensive für Hamburg 4.0.


 HAMBURGER STARTUPFÖRDERUNG 

Dr. Heiko Milde, Geschäftsführer der IFB Innovationsstarter GmbH, zur Digitalisierung der Hamburger Wirtschaft mit Unterstützung innovativer Startups:

Hamburgs "Startupförderer" Dr. Heiko Milde
Foto: IFB Hamburg
In den vergangenen gut 3 Jahren hat sich in der Hamburger Startupszene viel getan - dank privater und öffentlicher Initiativen. Heute haben wir rd. 600 bekannte Startups in Hamburg. Wie beurteilst Du den Startup-Standort Hamburg und wo können Politik, Verwaltung, Investoren und Wirtschaft noch eine "Schüppe drauflegen"?

Die in der ganzen Stadt herrschende Aufbruchsstimmung sollten wir nutzen und dabei noch mehr auf Hamburgs Stärken setzen. Ich denke da primär an Luftfahrt, Hafen und Logistik aber auch an das private Kapital, das sich gegenüber Startups stärker öffnen könnte. Zudem wird es spannend zu sehen, was aus den Aktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird, die sich gerade alle mit dem Thema Startups befassen.


Das Hamburg Digital Interview mit Dr. Heiko Milde:
HANSEPERSONALITY Heiko Milde: "Wir sollten noch mehr auf Hamburgs Stärken setzen."


 HAMBURGER MEDIENWIRTSCHAFT 

Wolter, Chief Digital Officer des Verlagshauses Gruner + Jahr, zur Digitalisierung in der Medienmetropole Hamburg:

G+J Chief Digital Officer Arne Wolter.
Foto: Gruner+Jahr
Hamburg ist einer der führenden Medienstandorte. Die Branche gehört zu den wirtschaftlichen Säulen der Stadt. Wo sehen Sie Stärken und besondere Herausforderungen in der Zukunft, damit Hamburg als Medienmetropole weiter vorn dabei ist?
Mit seiner Agenturlandschaft, führenden Verlagen und Medien bietet Hamburg perfekte Ressourcen und eine optimale Infrastruktur für die Entwicklung digitaler Innovationen. Ich denke jedoch, dass wir alle diese Vorteile noch stärker kommunizieren müssen, um auch die besten Digitaltalente anzuziehen.

Das Hamburg Digital Interview mit Arne Wolter:
HANSPERSONALITY Arne Wolter: "Lernen, Ideen sammeln, Dinge anders machen - und die Transformation von G+J unterstützen."






Am kommenden Sonntag freuen wir uns auf einen neuen HANSEPERSONALITY im Hamburg Digital Interview.



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Sonntag, 21. Mai 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Henneke Lütgerath: Eine internationale Messe für digitale Produkte in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Es wir alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann," spitzt Deutschlands EU-Kommissar Günther Oetinger auf dem Norddeutschen Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats am 11. Mai d. J. im Grand-Eysee Hotel Hamburg zu. Die Digitalisierung werde ganze Branchen umwälzen, fokussiert Wirtschaftsrats-Präsident Werner Bahlsen. Der Landesvorsitzende der Hamburger CDU-Wirtschaftsorganisation, Dr. Henneke Lüttgerath, mahnt: "Die Art zu wirtschaften, steht in grundsätzlichem Wandel."

Die Hamburger Christdemokraten haben anläßlich des 6. Wirtschaftstages der Hanseländer mit Ihrer Wirtschaftsorganisation ein Positionspapier zur digitalen Zukunft der Freien und Hansestadt veröffentlicht. Mit umfassenden Forderungen zu Digitaler Bildung, Digitalen Plattformen, Digitalen Technologien und Digitalen Lösungen setzt die Union an Alster und Elbe ein Zeichen. Ein guter Anlaß, konkret nachzufragen. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Henneke Lütgerath, Landesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrats in Hamburg:



Hamburgs Wirtschaftsrats-Chef
Dr. Henneke Lütgerath
Foto: Wirtschaftsrat Hamburg
Schule und Studium zählen zu den entscheidenden Stützpfeilern, als Wirtschaftsmetropole auch in Zukunft geeignete Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Die Elternkammer fordert drahtloses Internet in allen Klassenzimmern. Der neue Handelskammer-Präses fordert Tablets für alle Auszubildenden und Ausbilder. Welche Ansätze verfolgen Sie in den Bereichen Digitale Bildung und Digitaler Campus?

Digitale Bildung bedeutet vor allem, die Lernmethoden zu ändern, nicht aber die Inhalte.
Das Lehren und Lernen mit digitalen Medien muss – wie Lesen, Schreiben und Rechnen – zur selbstverständlichen Praxis im Unterricht werden. Wie gut das funktioniert, hängt letztlich von der digitalen (Aus-)Bildung der Lehrkräfte ab. Der Einsatz digitaler Medien muss daher zum integralen Bestandteil der Lehreraus- und Fortbildung werden. In der öffentlichen Diskussion kommt dieser Aspekt oft zu kurz. Die rein technische Ausstattung sagt noch gar nichts über die Qualität der Digitalen Bildung aus.

Anders als der Begriff es vielleicht vermuten lässt, denken wir beim Stichwort Digitaler Campus nicht an eine Onlineuniversität. Ähnlich dem "Einstein Center Digital Future“ in Berlin fordern wir ein Kooperationsprojekt zwischen den drei großen Hochschulen der Hansestadt (UHH, TUHH, HAW) und ortansässigen Unternehmen, insbesondere KMUs. Ziel sollen angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie der Technologietransfer in für Hamburgs praxisrelevanten Informatikbereichen sein, z.B. Smart Logistics, Smart Harbour oder E-Government.

Eine solche Kooperation, die wir "Hamburg Digital“ nennen, kann ein wegweisender Accelerator sein, in dem kreative Köpfe digitale Geschäftsideen entwickeln und diese in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Kunden, also Unternehmen, Konsumenten und Behörden, zur Marktreife bringen.


Die Hamburger Wirtschaft ist geprägt von starken, internationalen Dienstleistungsbranchen, wie Schifffahrt, Logistik, Handel oder Medien. Der Senat unterstützt Zukunftsinitiativen, wie das "Deutsche Maritime Zentrum", den "Digital Logistics Hub" und den "Digial-Space Hammerbrooklyn". Welche Technologien und Initiativen helfen aus Ihrer Sicht, die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs zu sichern und zu stärken?

Durch die Digitalisierung forciert, hat der E-Commerce in den letzten zwei, drei Jahren drastisch zugelegt – und damit auch der Lieferverkehr. Hamburgs ohnehin volle Straßen sind noch stärker belastet. Und dieser Trend wird sich fortsetzen, wenn mehr und mehr Onlinehändler Same-Day Delivery anbieten. 

Deshalb halten wir das von der Logistik-Initiative Hamburg ins Leben gerufene Projekt "Smart Last Mile Logistics“ – kurz SMILE – für eines der wichtigsten Digitalprojekte der Hansestadt. Durch alternative Zustellprozesse, alternative Antriebe, ein intelligentes Verkehrsmanagement und alternative Transportsysteme soll die Lieferung auf der „letzten Meile“ nachhaltiger und effizienter werden. Das schont nicht nur die Nerven der Verkehrsteilnehmer, sondern senkt auch die Schadstoffbelastung – ganz ohne Fahrverbote!

Genauso wichtig ist für uns die Innovationsallianz NEW 4.0 zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Das Projekt erforscht u. a. am Energie-Campus CC4E in Bergedorf innovative Lösungen für das Jahrhundertprojekt Energiewende. Dabei geht es um Echtzeitvernetzung, Datenanalyse, Sektorkopplung, Power-to-X-Lösungen – letztlich die ganzheitliche Systemintegration von Erneuerbaren Energien. Die Technologien, die hier in der Metropolregion Hamburg erforscht werden, haben großes Potenzial Auslandsmärkte zu erschließen und die deutsche Energiewende zu einem Exportschlager zu machen. 

Der Senat plant mit der HOCHBAHN und zusammen mit Daimler in Zukunftsthemen, wie Elektromobilität, Brennstoffzellen-Infrastruktur und digitale Mobilitätsplattformen zu kooperieren. Welche Zukunftstechnologien sehen Sie im Fokus für neue wirtschaftliche Chancen und was sollte der Senat hier konkret unternehmen?

Aus unserer Sicht ist Medizin 4.0 ein heißes Thema für Hamburg. Aufgrund des demografischen Wandels und der Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen bietet allein der Markt der Patientenüberwachung, wo digitale Telemedizin-Lösungen gefragt sind, ein ungeheures Potenzial. Schätzungen zufolge wird das globale Marktvolumen für mobile Gesundheitsanwendungen bis 2020 auf 50 bis 60 Milliarden US-Dollar anwachsen. Wer sich als Vorreiter im Markt der Patientenüberwachung bzw. der Telemedizin positioniert, erschließt einen Zukunftsmarkt. Mit einer ohnehin starken Gesundheitswirtschaft im Rücken bringt Hamburg hierfür alle Voraussetzungen mit.

Das Problem sind die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland, die die Anwendung von Telemedizin erschweren. Daher fordern wir vom Senat u. a., dass er sich auf Länder- und Bundesebene für die Klärung haftungs-, datenschutz- und berufsrechtlicher Fragen einsetzt, auf eine Modifikation des Fernbehandlungsverbots hinwirkt und für einheitliche regulatorische Rahmbedingungen, z.B. hinsichtlich der Datenformate, eintritt. Auch sollten Gründungen und Ausgründungen im Bereich Telemedizin incentiviert werden.

Es gibt diverse Netzwerke und Initiativen, die die Digitalisierung begleiten, z. B. das IT-Netzwerk "Hamburg@Work", die Branchencluster der Hansestadt und die Hamburg Digital Community NEXTHANSE. Sie fordern einen "Digitalisierungskatalysator" für Hamburg in Zusammenarbeit mit Handelskammer, Messe und Hochschulen. Was können wir uns darunter vorstellen?

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um technische und wirtschaftliche Aspekte. Auch rechtliche, ethische und soziale Fragen müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Dafür braucht es internationale, anwendungsorientierte Plattformen, die die Digitalisierung antreiben und gestalten. Diese bezeichnen wir als Digitalisierungskatalysatoren. Wir fordern, dass sich Hamburg zum Initiator und Betreiber eines solchen Katalysators macht.

Konkret stellen wir uns drei Foren vor, die durch Hamburg organisiert und moderiert werden:

  • Eine internationale Präsenzmesse für digitale Produkte und Leistungen mit angeschlossenem Präsenzkongress im Zweijahresrhythmus
  • eine virtuelle, im Quartalsrhythmus zu wechselnden Schwerpunktthemen stattfindende Fachmesse für digitale Produkte und Leistungen und 
  • ein permanenter virtueller Kongress, der als Diskurs- und meinungsbildender Raum zu verschiedenen, auch interdisziplinären Themen dient.

Die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit dieses Katalysators muss gewährleistet sein. Daher schlagen wir für die Trägerschaft eine Stiftung vor, deren Entscheidungsgremien sich so zusammensetzen und erneuern, dass Fremdeinflüsse so weit wie möglich ausgeschlossen sind. Die laufenden Kosten sollen idealerweise über Teilnahmegebühren und Eintrittsgelder gedeckt werden.

Der Senat arbeitet mit seiner "Digital First"-Strategie an elektronischen Bürgerservices rund um hamburg.de und das geplante Servicekonto. Über das "HamburgGateway" sind laut Senator Carsten Brosda bereits rd. 80 Verwaltungsverfahren verfügbar. Was fordern Sie vom Hamburger Senat in Sachen "Digital First" besser oder mehr zu machen?

Wir haben noch unsere Zweifel, dass hinter "Digital First“ auch wirklich eine ausgereifte Strategie steckt. Die Digitalisierung der Verwaltung muss bedeuten, auch den ganzen Apparat hinter den Kulissen zu digitalisieren. Wenn die Bürger oder Firmen online einen Antrag stellen, in den Behörden aber alles wieder ausgedruckt wird, ist das keine Digitalisierung. Zudem braucht es eine zukunftssichere, technologische Basis. Das Wort "Blockchain“ haben wir im Kontext von "Digital First" aber noch nicht gehört. Ganz konkret fordern wir außerdem, dass Unternehmensanmeldungen, also Gründungen, komplett digital möglich und binnen 24 Stunden abgeschlossen sein müssen.

Die Idee des Servicekontos finden wir gut und zeitgemäß. Es liefert die Basis für die vom Wirtschaftsrat geforderte „Behörden-App“, die den Hamburgern unterwegs Zugriff auf sämtliche Funktionen ihres Servicekontos bieten und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Mobilgeräten im Alltag ausschöpfen soll. Ein Beispiel: Über den Beschleunigungssensor des Smartphones könnte die App während der Autofahrt Schlaglöcher identifizieren und die Geodaten weiterleiten. Quasi ohne Personalaufwand wüsste die Stadt genau, wo Straßenarbeiten notwendig sind. Solche Ideen müssen Eingang in "Digital First“ finden.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage. Wenn Sie die Aktivitäten des Hamburger Senats mit der Standortinitiative "Digitale Stadt", der Behördeninitiative "Digital First" und der Hochschulinitiative "Ahoi.Digital" überblicken: Wie gut ist unsere Wirtschaftsmetropole auf die "Digitale Bugwelle" vorbereitet oder wie weit müssen wir uns auf "Hochwasser" in Hamburgs Wirtschaft gefasst machen? 

Ein konkretes Wort zu „Ahoi.Digital“: Die 35 neuen Professuren und bis zu 1.500 zusätzlichen Informatik-Studienplätze sind gut, aber nicht ausreichend. Berlin plant zum Vergleich 100 neue Professuren für IT & Entrepreneurship, 50 davon sind nach unserem Kenntnisstand schon auf dem Weg. Bislang hat der Hamburger Senat die Informatik vernachlässigt, auf dem Arbeitsmarkt fehlen Experten. Viele Start-ups sourcen aus diesem Grund Entwicklungsarbeiten nach Osteuropa und Russland aus. Google eröffnet sein neues Entwicklungszentrum mit bis 800 IT-Ingenieuren nicht am Standort Hamburg, sondern in München, da LMU & TU in diesem Bereich wesentlich besser aufgestellt sind als die Hamburger Hochschulen.

Vielen Dank für die offenen Antworten!

Das Interview führte Thomas Keup.

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 Hamburg Digital Background: 

Positionspapier Digitale Agenda für Hamburg:

Impressionen Norddeutscher Wirtschaftstag:

CDU-Wirtschaftsrat Hamburg:


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