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Samstag, 28. Juni 2025

Wie Berlin - nur geiler: Diese millionenschweren Prestige-Projekte hat der rot-grüne Hamburger Senat mit seinen Subventionsrittern in den Sand gesetzt.

HANSE DIGITAL INVESTIGATION


Wie Berlin, nur geiler: Finanzsenator Dressel (2. v. l.) und Ex-Wirtschaftssenator Westhagemann (rechts).
Hamburger Senatoren wissen, wie man Millionen in den Sand setzt, um einen auf "dicke Hose" zu machen.
Foto: Senat Hamburg

Der rot-grüne Senat ist gern mal großspurig, auch mal großkotzig und immer wieder größenwahnsinnig, wenn er seine neuesten Lieblingsprojekte mit lokal-begrenztem Pressewirbel in Hamburg hinterm Deich verkündet. Da werden Provinzprojekte als Weltsensation verkauft - natürlich kein zweites Mal in Deutschland oder Europa zu finden. Oft vergleichen die Kleinstadt-Senatoren ihre vermeintlichen Errungenschaften dann mit chinesischen Metropolen - kein Scherz, z. B. "Westwasserstoffman"! 

Die unhanseatische aus Minderwertigkeitskomplexen gegenüber Berlin heraus praktizierte Protzerei wäre eventuell noch vertretbar, wenn die Millionen von Steuer-Euros zu echter wirtschaftlicher Entwicklung führen würden, neue Arbeitsplätze schafften und der modernden Hafenspilunke von Pfeffersäcken an der Norderelbe neue Zukunftschancen einhauchen würden. Das Problem: Die vermeintlichen Leuchttürme enden wenige Jahre später als abgebrannte Teelichter in Vergessenheit - mit Garantie. Und das ist nicht nur beim vermeintlich einzigartigen "Hamburg-Takt" der Fall.

Profitieren tun an Alster und Elbe immer die selben "Akteur*innen" aka geldgierige Subvenstionsritter - aka "Hamburg Innovation" von "TU-Tech Innovation", Handelskammer Hamburg, Logistik-Initiative Hamburg, die stadteigene Kreativgesellschaft und natürlich die landeseigenen Schuldenbetriebe, wie z. B. die Hamburger Hochbahn. Das macht auch nichts - denn das merkt auch keiner. Oder besser: Es redet niemand darüber, schon gar nicht, wenn er selbst auf Subventionen aus dem Hamburger Steuersäckel hofft oder bekommt. Genau da ist der Hamburger Senat konsequent: 

Mit einem kleinen oder größeren Geld-Köfferchen werden potenzielle "Rivalen", "Konkurrenten" oder Kritiker "eingefangen". Frei nach der Devise "Dessen Brot ich ess', dessen Lied ich sing'" traut sich kaum ein Kostgänger der Lokalfürsten aus der Hammaburg, noch ein kritisches Wort zu sagen. Mit dem Gieskannenprinzip wird der hoffnungsvollste Versuch einer Innovation abgewürgt, denn der Senat redet garantiert kräftig mit rein und verhunzt auch die beste Idee im Sinne rot-grüner Provinzialität - wie wir aus gut unterrichteten Kreisen wissen - und beim jüngsten Leuchtturm - pardon - Teelicht names "Impossible Founders" sehen. Oder warum lungert ein Staatsrat im Beirat rum?

Wir haben die "Teelichter", "Rohrkrepierer" und "Millionengräber" der vergangenen gut acht Jahre HANSEVALLEY-Berichterstattung einmal detailliert zusammengetragen. Einige sind zum Glück mausetot, einige wurden solange umbenannt, bis niemand mehr fragte, ob es immer die selben "Abzocker" waren und sind, die hier in die Tasche der Steuerzahler greifen (Stichwort "Hamburg Innovation"). Und einige krepeln bis heute vor sich her - auch gern immer wieder mit frischer Senatskohle am wohlverdienten Ableben gehindert. 

Wir konzentrieren uns in unserer Aufstellung vor allem auf die Bereiche Digitalisierung, Forschung und technische Innovationen einschließlich Startup-Förderung - und damit auf unsere inhaltlichen Schwerpunkte der HANSEVALLEY-Berichterstattung in den Nachrichten und im norddeutschen Digitalmagazin. Hier ist die lange Liste der "Leichen" und "Scheintoten" mit aktuell mehr als 60 größtenteils versenkten und am Abgrund stehenden Projekten des Hamburger Senats in den vergangenen gut acht Jahren, seiner willfährigen Handlanger und weiterer auch privater Initiativen ohne Senatsgeruch:

In alphabetischer Reihenfolge (in Klammern hauptverantwortliche "Akteur*Innen"):

  • 12hrs.us (12min.me)
  • Ahoi digital (Hamburg Innovation)
  • AI Startup Hub (AI Group Hamburg, Bund BMWE/BWMK)
  • AINO-App (Haspa)
  • AINO-Podcast (Haspa)
  • Alike mit 10.000 autonomen Moia- und Holon Shuttles (Senat BVM, Hochbahn, Moia)
  • Aufbruch Hamburg (Caps'n Collars, Senat BWI)
  • Beyourpilot (Hamburg Innovation, TUTech Innovation)
  • Blockhance Conference (Fabian Friedrich, Hamburg)
  • Bonprix Connect (Otto Group)
  • Deutscher Startup Monitor Hamburg (Startup-Verband, PWC)
  • Digital Kindergarten (Agentur Achtung)
  • Digitale S-Bahn Hamburg - außer Teilprojekt S21 - (DB InfraGo, Senat BVM)
  • Digitales Stellwerk Hamburg-Mitte (DB InfraGo, Senat BVM)
  • Discovery Dock Hafencity (Mopo)
  • E-Sports Arena Hamburger Ding (Home United)
  • Fintech Agentur Hamburg - halbtot - (Finanzplatz Hamburg, HK Hamburg)
  • Gesundheitswirtschaft Hamburg (Senat Soziales + HK Hamburg)
  • Hamburg Innovation Campus HHIC (HK Hamburg, HSBA)
  • Hamburg News - Wirtschaftsnachrichten (Hamburg Marketing Senat BWI)
  • Hamburg@SXSW-Präsenz (Hamburg Marketing / Senat BWI, Hamburg Startups u. a.)
  • Hamburg-Takt - in 5 Min. zu Bus & Bahn (Senat BVM, HVV, Hochbahn)  
  • Hammerbrooklyn Digital Campus - ohne Factory Berlin (Senat BWI + SK u. a.)
  • Hanseatic Bank Innovation Lab/Solutions Labs (SG Group + Otto Group)
  • HEAT Hafencity (Senat BWI, Hochbahn u. a.)
  • Heute in Hamburg HiH (Haspa)
  • Homecoming Homeport Hamburg (HPA)
  • HVV Any - Abschaltung von "Check in-Be out" - (Hochbahn, HVV)  
  • HVV Switch-App - Fusion mit BVG-App MAX - (Hochbahn, HVV)
  • Hyperloop + Hyperport (HHLA, Senat BWI)
  • E-Busflotte - 100% bis 2030 - (Hochbahn, Senat BVM)
  • Fintech Week Hamburg (Beese)
  • Future Hamburg Award (Hamburg Marketing - Senat BWI)
  • Gamevention (Senat BKM, Hamburg Messe)
  • Junger Finanzplatz Hamburg (Finanzplatz, HK Hamburg)
  • Jupiter Kulturkaufhaus (Kreativgesellschaft, Senat BKM)
  • Kieko-App (Haspa)
  • Kieko-Schließfächer (Haspa)
  • Mobiklick-Ausbau - 100 % innerhalb Ring 2 - (Senat BKM)
  • Next Culture Accelerator - nie umgesetzt -
  • Next Logistics Accelerator NLA (Skillnet, Senat BWI, Haspa, Fiege u. a.)
  • Plug and Play Hamburg - H2 und Supply Chain - (PnP California)
  • PortXL-Events und -Networking (Port of Rotterdam)
  • Prof. Ed Brinksma als Präsident (TU Hamburg)
  • Rcadia (Home United)
  • Smart Mobility Hafencity (Senat BVM)
  • Solutions Hamburg - Regionale Leitkonferenz mit Sommerfest - (Silpion)
  • Speedup Hamburg - regulär beendet, keine Kooperation mit Senat - (Bund)
  • Starthub Beratung (Hamburg Marketing)
  • Startup Guide Hamburg (Startup Guide-Verlag, Berlin/Lissabon)
  • Startupdock (Hamburg Innovation, TUTech Innovation)
  • Startupport (Hamburg Innovation, TUTech Innovation)
  • Startups@Reeperbahn (Hamburg Startups)
  • Square Innovation Hub - HSBA + Hamburger Ding - (Uve Samuels + Partner, z. B. Hamburger Ding / Home United, Microsoft)
  • United Cyber Spaces (Home United)
  • Yomo-Konto / Joker-Jugendkonto (Starfinanz, SSK München, Haspa)
  • Zukunftsstadt Strategie Hamburg (Peter Tschentscher, Senat SK)
  • Zusammenhub Bhf. Veddel (Hochbahn, Senat BKM)

Millionengräber in Planung:

  • Haus der digitalen Welt (Zentralbibliothek) - Ex-HSH/Perle Hamburg - (Senat BKM)
  • Hyperloop Autobahn A24 Hamburg-Kiel (DRO, Senat BVM + BIS, NMS-Hochbahn)
  • Impossible Founders / Startupfactory Hamburg (Hochschulen, Heinrich-Herz- und Michael-Otto-Stiftung, Senat im Beirat)
  • Science Center Hamburg: Baakenhafen - jetzt Standort für neue Oper (Senat BWFG)
  • Science City Bahrenfeld - fehlende Anbindung, Olympiaplanung (SK Hamburg, Senat BWFG)
(Stand der Veröffentlichungen: 1.6, 03.04.2026)

Haben wir ein totes "Teelicht" übersehen, einen relevanten "Rohrkrepierer" vergessen oder ein ministrables "Millionengrab" ausgelassen? Oder sind wir über die Stränge geschlagen und haben einen "Halbtoten" zu früh "beerdigt"? Schreiben Sie gern an hanse@hansevalley.de. 

Wir werden diese Aufstellung fortlaufend vervollständigen und komplettieren. Damit jeder Hamburger weiß, wofür seine Steuern u. a. von Wirtschafts-, Wissenschafts- und Verkehrs- sowie Kultur- und Medienbehörde weitgehend unnütz verballert werden. Schließlich war es ihr Geld ...

P. S. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie konzentriert sich auf vornehmlich öffentlich geförderte Projekte in den Bereichen Digitalisierung, Forschung und Innovationen. Stand: November 2025. Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

Freitag, 14. Januar 2022

HANSEINVESTIGATION: “Sie werden es wieder versuchen, sich Steuermillionen zuzuschieben.”

 HANSE DIGITAL RECHERCHE

Spricht Klartext in Sachen Hamburg: Chefredakteur Thomas Keup.
Foto: Huawei Germany

Unser Hamburger Landeskorrespondent Gerd Kotoll ist mehr als 30 Jahre in der Finanzindustrie verankert, u. a. in Private Banking und Insurance. Der an Alster und Elbe beheimatete Journalist und Finanzexperte hat die Entwicklungen im SPD-Subventionsskandal um Finanzsenator Andreas Dressel und seinen Partei-Buddy Nico Lumma von der ersten Minute an begleitet.

Nach dem Vergabestopp der 9 Mio. € Corona-Mittel zugunsten des "NMA"-Geschäftsführers stellt er Chefredakteur Thomas Keup kritische Fragen zu den Stärken und Schwächen des Startup-Standorts, den realen Chancen eines Fintech-Accelerators, den Herausforderungen der Hamburger Finanzwirtschaft und der in Hamburger Startup-Kreisen kritisch diskutierten Wirtschaftsförderung:

Gerd Kotoll: Hamburgs SPD-Finanzsenator Andreas Dressel hat als Hauptverantwortlicher im SPD-Subventionsskandal den Vertrag mit seinem Partei-Buddy Nico Lumma kurzfristig gecancelt. Freust Du Dich, dass der “Next Media Accelerator” nicht die 9 Mio. € für ein Fintech-Förderprogramm bekommt?

Thomas Keup: Ich freue mich, dass keine 9 Mio. € Corona-Hilfsgelder aus dem Steuersäckel in die von Anfang an schwachsinnige, weil aussichtslose Idee eines Fintech-Accelerators für Hamburg versenkt werden - unabhängig davon, wer solch einen Accelerator anschließend in den Sand gesetzt hätte. Als Mitbegründer des größten Fintech-Stammtisches in der Startup-Hauptstadt Berlin und mit heute zehn Jahren Background in den Startup-Szenen von Barcelona, Berlin und Hamburg frage ich:

Wie soll ein Startup-Förderprogramm für vornehmlich junge Gründer mit lediglich einer Idee im Hinterkopf oder einem Pitch Deck auf dem Macbook den angeschlagenen und sich digital konsolidierenden Finanzstandort Hamburg bis 2025 retten? Das ist das explizite Ziel des hinter der Idee stehenden “Masterplans Finanzwirtschaft Hamburg” von Finanzbehörde, Handelskammer und Branchenverband “Finanzplatz Hamburg”. Nachzulesen im veröffentlichten Dokument.

Dressel hat in seinem Statement vor dem Haushaltsausschuss die Absage an den Accelerator damit begründet, dass die öffentliche Diskussion “die Lage beschädigt habe” und sich “kaum noch Investoren finden” ließen. Haben wir als Presse Schuld am Scheitern?

‘Haltet den Dieb!’ schreit der clevere Kriminelle und zeigt mit nackten Fingern auf angezogene Passanten. Im Haushaltsausschuss warfen die Genossen der Presse lautstark und pauschal plakative, oberflächliche und falsche Berichterstattung, vorschnelle Beurteilung und die unfaire Ausschreibung einer Belohnung vor. Merkst Du selbst, oder? Haushaltsexperte David Stoop von der Linken forderte zurecht eine “Selbstreflektion” der bellenden Meute. Aber so ist das, wenn man sich ertappt fühlt …

5 Mio. € VC-Kapital sollten kurzfristig eingeworben werden, um 5 Millionen von Dressel zu kriegen. Eine Million soll zugesagt worden sein: Wo sind die “Letter of Intent” über die Investments? Ach, sind noch gar nicht unterschrieben? So, so … Wenn man ablaufende Haushaltsmittel ohne Ausschreibung schnell verschieben muss, wie soll es dann bei noch knapperer Zeit mit dem Einsammeln der VC-Gelder klappen? Jedes Startup braucht sechs, neun Monate oder länger, um die nächste Finanzierung zu closen. Bei einem Punkt hat Dressel Recht: Kapital ist ein scheues Reh. Wenn Opposition und einige mutige Stadtmedien die SPD-Spezis bei einer Schieberei ertappen und auf die Bühne zerren, finden Investmentmanager das eben gar nicht lustig.

Aber Startups sind doch unbestritten eine große Chance für traditionelle Unternehmen und Branchen, wie Banken und Versicherungen? Hamburg ist schließlich Finanzstandort Nr. 2 hinter Frankfurt am Main?! Sind Fintechs keine Chance für Hamburg?

Hamburg ist mit seinen rd. 10.000 Unternehmen und mehr als 50.000 Mitarbeitern, davon 110 Versicherungen und 39 Banken trotz des Schrumpfungsprozesses auf Grund der Digitalisierung und unabhängig von Fintechs ein großer Finanzstandort. Allerdings ist Hamburg laut “German Fintech Report 2021” im Startup-Vergleich nur ein schwache Nr. 5 mit gerade einmal 55 Fintechs - nach Berlin mit 182 Startups, Rhein-Main mit 118, München mit 109 Jungunternehmen und Rhein-Ruhr mit 63 Nachwuchsunternehmen rund um die Finanzindustrie. Selbst mit der Zählweise des brancheneigenen “Fintech Monitors” werden es nicht mehr als 77 Fintechs, und die haben es laut aktuellem “Startup-Barometer 2020-2021” von "EY" immer schwerer, finanziert zu werden.

Was um Himmelswillen hat den “Arbeitskreis Masterplan” geritten, aus Hamburg einen Fintech-Hub machen zu wollen? Hier gibt es weder ein etabliertes Investment-Ökosystem wie in Berlin, ein erfolgreiches Fintech-Ökosystem wie in Frankfurt, den Tech-Fokus wie in München oder das Einzugsgebiet wie in NRW. Das bestätigt unsere Korrespondentin in Frankfurt am Main. Sie ist 18 Jahre im Corporate Banking und damit in der Finanzindustrie zu Hause. Nicht genug: Die Beteiligten um Handelskammer und “Finanzplatz” wollen sich vor allem um digitales Wealth-Management kümmern, also die Vermögensverwaltung von “Rich Kids” via Handy. Warburg hat mit “Ownly” bereits eine eigene App.

Ist das nicht zu schwarz-weiss gemalt? Muss man einem Standort wie Hamburg nicht auch die Chance geben, sich mit neuen Themen und damit neuen Perspektiven weiterentwickeln zu können? Sollte man den “Akteuren” nicht diesen Mut zugestehen?

Wenn eine Finanzbranche wie in Hamburg seit hunderten von Jahren auf der Handelsfinanzierung, der Transportversicherung und der Vermögensverwaltung bei “Berenberg” (“Hamburgs ältestes Startup”) und “Warburg” beruht, sollten sich die Beteiligten in diesem traditionellen Umfeld ernsthaft überlegen, wo sie in Zukunft wirklich neue Märkte entwickeln können, die echtes Wachstumspotenzial besitzen und nicht schon besetzt worden sind. Bringen “Rich Kids”- und Digital Health-Apps zur Abrechnung von Krankenversicherungen wirklich tausende neuer Arbeitsplätze und damit Wohlstand an die Elbe? Die App-Ideen sind laut “Masterplan” der volle Ernst von “Finanzplatz Hamburg” & Co.

Haben Ex-Social-Media-Berater Nico Lumma, Ex-Organisationsberater Christoph Hüning und zwei zuständige laut Linkedin Junior-Mitarbeiter/innen das Know how, eine erste Adresse für Fintechs in Europa mit Sogwirkung für Investoren zu schaffen, wenn Hamburg heute nur 6 Fintechs vor Schlusslicht Stuttgart liegt? Bedarf es nicht einer starken Fintech-Expertise, um nur den Hauch einer Chance zu haben, in fünf bis 10 Jahren einen echten Leuchtturm zu errichten, der neue Unicorns mit tausenden Arbeitsplätzen schafft, und nicht nur ein "Ikea"-Teelicht? Payment-Profi André Bajorat hätte die Expertise in einem Zukunftsthema. Aber der hat was besseres zu tun.

Spricht da nicht eine gewisser Neid, nach dem Rausschmiss durch Nico Lumma, nicht mehr Mentor des “NMA” sein zu dürfen? Ist das nicht ein Kleinreden der Stärken, um sich für den Shitstorm von Nico Lumma Anfang April 2017 zu revanchieren? Butter bei die Fische!

In der Tat kann man so argumentieren, wenn man 1. unsere Entscheidung für die 5.000,- €-Belohnung zur Aufklärung des Subventionsskandals in Misskredit bringen will und 2. die “Mopo” gleich mit in den Dreck zu ziehen möchte, weil sie unsere Ausschreibung zur Headline eines Artikels machte. Ach ja, der SPD-Lautsprecher “Tagesjournal” hat ja genau das getan… Wenn wir uns auf diese hinterlistige Hamburger Masche einlassen, haben wir irgendwann nur noch einen Sumpf voller subventionierter Klapperschlangen in der “Hammaburg”.

Thema Shitstorm: Das Bundesamt für Justiz hat im Dezember 2019 juristisch festgestellt: Der Shitstorm von Nico Lumma über den “Facebook”-Account des “NMA” war ein Rechtsbruch, damit ein Verstoß nach dem von ihm selbst hochgejubelten NetzDG und ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Mit unserer Berichterstattung im Magazin und unter www.hansecodex.de Anfang Januar 2020 ist das Thema unsererseits zu den Akten gelegt worden. Bleibt eine Frage: Was hat der Shitstorm von Nico Lumma mit dem Versuch des Verschiebens von 9 Mio. € Steuergeldern durch SPD-Finanzkumpel Dressel zu tun?

Du hast die 5.000,- € Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls genannt: War es nötig, ein “Kopfgeld” auf Finanzsenator Dressel und “NMA”-Geschäftsführer Lumma auszuloben? Ist das nicht unseriös, wie SPD-Haushälter Milan Pein kritisierte?

Die Belohnung für Hinweise zur Aufklärung war ist vor allem eines: ein legitimes Mittel, unter dem besonderen Informantenschutz die Chance zu erhöhen, den SPD-Subventionsfilz in Hamburg aufzuklären. Und deshalb bleibt die Summe im Topf, bis die Finanzbehörde die Vergabeakte rausgerückt und diese schwarz auf weiss belegt, wie der 9 Mio.-Deal gelaufen ist. Medien kaufen Informationen an - ob Fotos und Videos zu Kriminalfällen, ob Interviews und Exklusivbilder von C- bis Z-Promis. Wir haben aktuell ein Interview zur Digitalisierung im Hafen in der Pipeline, das wir ankaufen. Bleibt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit im Fall Dressel-”Lummaland”?

Ein “Abendblatt”-Redakteur fragte mich nach der Veröffentlichung, ob wir das ernst meinten oder es doch eher Satire sei. Abgesehen von der weltfremden Sicht, sich nicht vorstellen zu können, dass jemand dafür Geld auf den Tisch legt: Mit der angemessenen Belohnung, die weiter zur Verfügung steht, mit aktuell elf sauber recherchierten Beiträgen der “Mopo” und einer vorbildlichen Oppositionsarbeit der uns nicht nahestehenden Linkspartei konnte Dressel die Subventionierung seines Social-Media-Kumpels Lumma nicht mehr unter den Hamburger Perserteppich kehren. Das ist gelebte Demokratie - und gut für alle Hamburger Steuerzahler.

Zurück zum Thema: Sollte der Hamburger Senat mit der Finanzwirtschaft einen neuen Anlauf unternehmen, ein Fintech-Förderprogramm inkl. Ausschreibung aufzusetzen? Wie kann solch in Accelerator erfolgreich funktionieren?

Aus meiner Sicht mit dem Startup-Background u. a. als ehem. Chefredakteur des Startup-Magazins “Gründermetropole Berlin” und unseres Hanse Startup Magazins sage ich: ein Accelerator mit Risikofinanzierung, der eigentlich ein Inkubator für Ideen ist, kann-nichts-werden! Entweder gebe ich Gründern ausreichend Geld ohne Bedingungen, dazu Raum und Kontakte für die Entwicklung der Ideen und ein nachhaltiges Förderprogramm für Soft- und Hardskills - oder ich baue ein Venture Capital Fonds mit Risikofinanzierung und VC-”Hamsterrad” auf. Gründer mit einer Idee werden nicht in drei Monaten “Next-Accelerator”-Batch fit für ein Investment - und haben das spätestens nach jedem “NMA”-Pitch Day selbst feststellen müssen.

Ich selbst war Mentor im 3. Batch des “NMA”. Ich habe mit offenen und mutigen, visionären und risikobereiten Gründern an ihren Ideen und ihrer Kommunikation gearbeitet - und sie waren glücklich, eine ehrliche Meinung zu bekommen, auch wenn Nico Lumma in seinem Shitstorm erwartungsgemäß etwas anderes behauptet hat. Diese jungen Gründer brauchen nicht nur drei Monate “NMA” - im Zweifelsfall ohne einen Euro Unterstützung (“NMA”-Sprech: “Bronze Status”). Sie brauchen neun, zwölf oder mehr Monate, um mit einer überarbeiteten Idee (“Pivot”), einem funktionierenden Prototypen ("MVP") und Klarheit durch Coaching zur Marktreife (“Market fit”) zu kommen.

Wenn das Prinzip des “Next Media Accelerators” nicht funktioniert, was funktioniert dann? Gibt es in Hamburg und der Metropolregion Beispiele, die für weitere Startup-Programme Vorbild sein können?

Ja, es gibt Programme in der Region, die Startups eine echte Chance bieten, z. B. das Programm “Gateway 49” des Technikzentrums Lübeck. Die Fakten: 12 Startups, neun Monate Coaching mit drei Meilensteinen, 30.000,- € pro Startup Unterstützung und keine Anteile, die abgegeben werden müssen. Dazu eine Fokussierung auf die Kernbranchen in Lübeck, in der “Hansebelt”-Region und Schleswig-Holstein, wie Food, Health oder Smart City. In neun Monaten kann aus einer Idee ein erster Produktentwurf (“MVP”) werden, den man Investoren und Partnern vorstellen kann. So baut man Unternehmen und Partnerschaften auf. Heute ist Schleswig-Holstein die Nr. 2 unter den Flächenländern bei Neugründungen von Startups. Wir sind stolz, Medienpartner von “Gateway 49” zu sein.

Beispiel 2: der “Digital Hub Logistics Hamburg”. Das vom Senat anfangs mit der Kneifzange angefasste Projekt am maritimen Standort Hamburg ist dank Fokussierung auf die Leitbranche, dem Verzicht auf Venture Capital und einer wirklich erstklassigen Vernetzung mit Unternehmen und Behörden zu einem Erfolgsmodell geworden. Ich selbst habe in den ersten sechs Monaten die Pressearbeit für den Hub aufgebaut und über Erfolgsgeschichten, wie das erste und weiter wachsende Hub-Startup “NautilusLog” mehrfach berichtet. Es geht auch in Hamburg, wenn man nicht größenwahnsinnig ist. Dagegen ist die “NMA”-Schwester “Next Logistics Accelerator - NLA” im November ‘20 still und leise in einem Notverkauf an “Fiege Logistics” gegangen. Eines der “Next-Erfolgsmodelle” …

Für CDU-Fraktionschef Dennis Thering ist SPD-Finanzsenator Andreas Dressel nach dem Rückzieher des Lumma-Auftrags “angezählt”. Das Canceln des 9 Mio-Vorhabens komme einem Schuldeingeständis gleich. Muss Dressel nun seinen Hut nehmen?

Finanzsenator Dressel ist angezählt. Er selbst sagte im Haushaltsausschuss, in den vergangenen Tagen mit Handelskammer und Branchenverband beraten zu haben, wie man aus der öffentlichen Diskussion (von Linkspartei, “Morgenpost” und HANSEVALLEY) herauskommt. Das ist kein Statement eines souveränen Spitzenpolitikers. CDU-Haushaltsexperte Tilo Kleibauer kommentierte die Rede Dressels mit den Worten: “Das war (30 Minuten Redezeit) ganz schön lange dafür, dass Sie nichts verkehrt gemacht haben”. Und dann ließ der SPD-Senator gefühlt die halbe Finanzbehörde antreten, um zu erklären warum er ja nur notgedrungen die Transparenzerklärung persönlich unterschreiben musste und die eigentliche (Drecks-)Arbeit von Beamten erledigt wurde. Stichwort: ‘werde nicht schuld gewesen-sein-können-dürfen’.

Mit dem Stoppschild in der Hand hat Dressel versucht, sich a) Luft und damit Beinfreiheit zu verschaffen, b) nicht bundesweit in die Schlagzeilen zu geraten, da der “Spiegel” bereits die Lunte aufgenommen hatte und c) zu verhindern, die eigene Karriere mit Volldampf gegen die Mauer zu setzen. Also musste Parteifreund Lumma das Bauernopfer spielen. Aber die Geschichte ist damit nicht vom Tisch. Der Versuch, Millionen an einen Parteigenossen zu verschieben kann angesichts der Erfahrungen mit der SPD an Alster und Elbe jeden Tag in eine neue Runde gehen - auch wenn die ach so günstige Gelegenheit der Corona-Hilfsgelder für einen schnellen Verschiebebahnhof erstmal vom Tisch ist.

Ich frage nochmal nach: Muss SPD-Finanzsenator Dressel selbst seinen Hut nehmen? Und was wird aus der Startup-Förderung in Hamburg? Haben Startups in der Hansestadt nicht auch eine Chance verdient, von der Stadt unterstützt zu werden?

Nach der Sitzung des Haushaltsausschusses sind CDU und Linke zu dem Ergebnis gekommen, dass die freihändige Vergabe der Corona-Mittel rechtlich wohl möglich war. Aber: Dressel hat im Ausschuss nicht die ganze Wahrheit gesagt, was die Verpflichtung zu einer ausführlichen Marktanalyse angeht. Jetzt muss er - wie von CDU und Linkspartei gefordert - die Vergabeakte rausrücken. Das würde ihn entlasten … oder auch nicht. Die Verschiebung unter Partei-Buddys und der rote Filz sind am Tag nach dem Aus durch die Stadt gegangen - und wie! Ich gehe davon aus, dass sie es erneut versuchen, sich Steuermillionen zuzuschieben, wie es die Finanzbehörde mit 1,3 Mio. € für den Aufbau eines Clusternetzwerks für die Finanzbranche bereits gemacht hat. Übrigens sind es immer dieselben Subventionsritter von Adolphsplatz, Wexstraße und aus Harburg, die sich die Taschen voll schaufeln.

Jedes Jahr werden Millionen in Hamburg für Startup-Initiativen aus dem Fenster geworfen - ohne Erfolg für den Standort. Grob überschlagen waren es aus dem Hamburger Haushalt von 2018 bis 2020 allein rd. 50 Mio. Euro, wie wir nach der Beerdigung des Startup-Fonds durchgerechnet haben. Unter Hamburgs Startup-Förderern gilt allerdings ´Paragraph Eins - jeder scheffelt seins’. Wir zählten im November ‘20 mehr als 60 Startup-Berater, davon bei “Be your pilot” 11 Team-Mitglieder, “IFB Innovationsstarter” 11 Finanzierungsprofis, “Ahoi.digital” 8 Hochschul-Koordinatoren, Handelskammer 5 Gründungsprofis, “HEI Hamburg” 4 Gründungsprofis, “IKS Hamburg” 4 Transferprofis, “DESY Startup Office” 4 Gründungsberater und so weiter und so fort.

Und wo bleiben die Startups? Auf der Strecke? Kann Hamburg endgültig einpacken, wenn es im Wettlauf als Deutschlands Nr. 4 unter den Startup-Regionen hinter Berlin, München und Rhein-Ruhr hinterher hechelt?

Seit Jahren versaut es die Elbmetropole bei Gründern und Geldgebern. Das hat der “Deutsche Startup Monitor 2021” des Startup-Verbandes im März ‘21 erneut festgestellt. Mit Recht: Nur noch 38 % der hiesigen Startups - 16 % weniger als 2020 - sind mit der Unterstützung der Stadt zufrieden. 42 % der Gründer bewerten die Kapitalbeschaffung in der Wirtschaftsmetropole als “kritisch”. 53 % der Jungunternehmen wünschen sich eine bessere finanzielle Unterstützung durch den Senat. Der brachte es in fast fünf Jahren nicht fertig, den von der Bürgerschaft geforderten “Innovations- und Wachstumsfonds” mit 100 Mio. € VC-Kapital für Startups im Wachstum auf die Beine zu stellen.

Mein Fazit: Ein Fintech-Accelerator ohne Sinn und Verstand heißt verschwendete Steuermillionen - ob zugunsten eines Partei-Spezis oder nicht. Hamburg hat seinen Ruf als Medienhauptstadt an Berlin verloren, seinen Ruf als Finanzstandort dank Cum-Ex selbst versaut. Der Hafen wird früher oder später mit Bremen und Wilhelmshaven fusionieren. Der rote-grüne Senat hat keinen Plan, Hamburg politisch auf Zukunftskurs zu bringen. Das darf ich mit 16 Jahren politischem Background sagen. Stattdessen wird es laut “Masterplan” eine Werbekampagne für den Finanzstandort geben. Das ist wie mit den Fähnchen der SPD an den Wahlkampfständen - und dem quietscheroten, eingestaubten Werbe-Krimskrams in den “Haspa”-Filialen. 'Weil wir Hamburg sind'. 

Vielen Dank für die offenen Antworten, Thomas!
Das Interview führte Landeskorrespondent Gerd Kotoll

*  *  *
Hanse Digital Redaktion:

Nico Lumma und Next Media Accelerator bekommen keine 9 Mio. € Corona-Landesmittel.
hansevalley.de/2022/01/hanseextra-.html

Wer wird Millionär? Die 9-Millionen-Euro-Frage im Lummaland.
hansevalley.de/2022/01/hanseinvestigation-lummaland-fragen.html

5.000,- € Belohnung zur Aufklärung des 9 Mio. € schweren Hamburger SPD-Subventionsskandals.
hansevalley.de/2022/01/hanseinvestigation-whistleblower-recherche.html

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