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Montag, 29. März 2021

HANSEFUTURE: Ein digital-vernetztes Niedersachsen zwischen Autoproduktion und Landwirtschaft

 HANSE DIGITAL ZUKUNFT

Hoch zu Roß auf dem Weg in die Digitalisierung: Niedersachsen 2030.
Foto: Pxhere, Lizenz: CC0

Eine 11-köpfige Expertenkommission hochrangiger Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz hat einen 75-seitigen Empfehlungskatalog zur Zukunft des größten norddeutschen Bundeslandes vorgestellt. "Niedersachsen 2030" beleuchtet die Herausforderungen, Chancen und Optionen für das wirtschaftlich vor allem durch Automobilproduktion, Landwirtschaft und Tourismus geprägte Küstenland mit 5 Mio. Einwohnern. 

Chefredakteur Thomas Keup hat die Empfehlungen namhafter Experten aus Berlin, Freiburg, Hamburg, Kassel, München, Potsdam, Rostock und Zürich zur digitalen Zukunft von Bildung und Arbeit, zu Landwirtschaft und Mobilität, Forschung und Innovationen, zu Hightech-Strategie mit KI und Robotik sowie zur Digitalisierung des Landes unter die Lupe genommen und zusammengefasst.

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die erfolgreiche Bewältigung der fünf alles überragenden Herausforderungen für Niedersachsen, Norddeutschland, die Bundesrepublik und ganz Europa: den demografischen Wandel, Klimaschutz, die Globalisierung, die Digitalisierung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der von der rot-schwarzen Landesregierung einberufene "Zukunftsrat" bringt auf den Punkt, was passiert, wenn nichts passiert: gesellschaftliche Verwerfungen, Verteilungskämpfe und soziale Ungerechtigkeit.

Zehn Themenfelder zu den Herausforderungen der Zukunft.

Die Kommissionsmitglieder aus den Forschungsfeldern Demografie, Migration, Sozialforschung und Psychologie, Klimaforschung und Umweltsysteme, Stadt- und Raumplanung, Wirtschaft und Innovationen sowie Künstliche Intelligenz und Robotik gehen in ihren Forderungen an die Landesregierung auf die Themen Demografie und Generationen, Zuwanderung und Diversität, Arbeit, Beschäftigung und Weiterbildung, Gesundheit und Pflege, Energie und Klimawandel, Agrar- und Ernährungswirtschaft, Mobilität sowie die digital relevanten Bereiche Forschung und Innovationen, Hightech-Strategie, Robotik und KI sowie der Digitalisierung ein.

Ein Digitalisierungsministerium mit zentraler Verantwortung.

Eine Kernforderung der seit Juli 2019 unter Vorsitz von Prof. Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovationen und Wettbewerb in München, und mit Beteiligung von Ministerpräsident Stephan Weil entstandenen Thesen ist: die Aufgaben Digitalisierung einschl. der digitalen Infrastruktur, Cybersicherheit, Datenzugangs- und Plattformstrategien müssen zentral von der Landesregierung im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie geregelt werden. Dazu muss die Zuständigkeit für die Digitalisierung in einem Ministerium gebündelt werden, und nicht zwischen CDU-Wirtschafts- und SPD-Innenministerium aufteilt sein. Ein Problem, das auch in den anderen Nordländern herrscht.

Breitband- und Mobilfunkausbau unter dem Dach des Landes.

Als Grundlage muss das Land den flächendeckenden Breitbandausbau und die 5G-Versorgung zentral in die eigene Hand nehmen. Die Landesregierung soll im Rahmen einer Grundversorgung dafür verantwortlich werden, gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen die digitale Infrastruktur sicherzustellen. Das bestehende Breitbandzentrum soll dazu ausgebaut werden und den Auftrag bekommen, regionale Schwerpunkte der Versorgung auszu- und weitergehend eine 5G-Strategie zu erarbeiten. 

Ein Cyberabwehrzentrum für die Herausforderungen im Netz.

Ein weiterer Schlüsselaspekt für ein digitales Niedersachsen in 2030 ist die Regelung zur Nutzung von Plattformen des Landes (Service-Portale), der Kommunen (Smart City-Portale) und internationaler Plattformen von Microsoft, Google Co. Hier fordern die Autoren eine einheitliche Strategie des Landes - unter Berücksichtigung von digitaler Souveränität der Einwohner und des Datenschutzes für die regionale Wirtschaft. Dazu gehört auch eine Vision für die digital-transformierte Verwaltung im Jahr 2030. Parallel dazu sollte das Land über das "Computer Emergency Response Team" (N-Cert) hinaus ein schlagkräftiges Cyberabwehrzentrum einrichten - vergleichbar der Einrichtungen in Baden-Württemberg und Bayern.

Zugang zu digitalen Lerninhalten für alle Schüler in Niedersachsen.

Um eine digitale Gesellschaft zu erreichen, fordern die Wissenschaftler bereits bei der digitalen Bildung in den Schulen nachzulegen. So sollen alle Schüler im Land einen direkten Zugang zu digitalen Lernmitteln haben, z. B. Laptops, Lernportalen und WLAN-Anbindung in den Klassenräumen. Die Experten fordern dazu, die notwendigen Mittel an die Hand zu nehmen - ähnlich wie es Bremen beispielhaft im Norden vormacht. Auch bei der Nutzung digitaler Möglickeiten in Arbeit und Weiterbildung muss Niedersachsen Gas geben. Hier soll die Digitalagentur zur zentralen Drehscheibe werden und die Verzahnung des geplanten "KI-Observatoriums" und der "Zukunftszentren" des Bundes sichergestellt werden.

Digitale Präzisionslandwirtschaft mit ordentlicher Mobilfunkabdeckung.

Ein zentrales Augenmerk richten die Zukunftsforscher im Auftrag der Landesregierung auf die großen Wirtschaftsthemen im Agrar- und Autoland zwischen Nordsee und Harz. Im Bereich Agrarwirtschaft setzen die Experten die digitalen Themen Präzisionslandwirtschaft und -bewässerung, autonome Landmaschinen, ein digitales Emissionsmonitoring oder die vernetzte Humusbilanzierung auf die Tagesordnung. Grundlage dafür ist eine ordentliche, durch das Land gewährleistete Mobilfunkabdeckung in der Fläche, wie in den Forderungen gegenüber der Landesregierung eingangs positioniert.

Vernetzte Mobilität mit gemeinsamen Daten im Autoland Niedersachsen.

Auch beim Automobilthema Mobilität spielt eine leistungsfähige 5G-Abdeckung eine entscheidende Rolle - neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und dem öffentlichen Nahverkehr. Einen eigenen Absatz widmen die Forscher aus Deutschland und der Schweiz der intelligent-vernetzten Mobilität mit anbieterübergreifenden Plattformen. Sie fordern die Bereitstellung von Infrastrukturdaten der öffentlichen Verwaltung ebenso, wie mobilitätsbezogener Datenbestände der öffentlichen Verkehrsbetriebe und ihrer Kommunen. Auch die privaten Verkehrsbetriebe mit exklusiven Aufträgen des Landes sollen ihre Daten in einen gemeinsamen Pool geben. Das Ziel: neue, vernetzte Mobilitätsplattformen im Land.

Ausbau von Tests und Transfer für das autonome Fahren der Zukunft.

Ein wichtigen Beitrag zur Mobilität sollen Labore, Experimentierfelder und Innovatoren im Zusammenspiel mit Forschung und Wissenschaft leisten. Dazu sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen wenn erforderlich angepasst werden. So wünschen sich die Zukunftsforscher praktische Tests mit autonomer Mobilität - wie bereits auf den Autobahnen rund um Braunschweig oder in der Hamburger Innenstadt vorgemacht. Die verschiedenen Testfelder sollen miteinander verbunden werden. Mit dem "Open Hybrid Lab Factory"-Ansatz sollen die Ergebnisse schneller in die Praxis kommen - nicht zuletzt für die Modernisierung der Automobilindustrie mit VW, seinen sechs Werken und 120.000 Beschäftigten im Land.

Eine landesweite Strategie für smarte Forschung und Innovationen. 

Aufbauend auf der Innovationsstrategie "RIS3 " ("Regional Innovation Strategy for Smart Specialisation") aus April 2020 soll das Land seine Aktivitäten für Forschung und Transfer in einer zentralen Landesstrategie bündeln und entwickeln - über die nächste Runde des Exzellenzwettbewerbs um Cluster und Hochschulen hinaus. Für die Herausforderungen der Zukunft fordern die Wissenschaftler eine ausreichende, stabile und steigende Grundfinanzierung. Mit strategischen Initiativen zu neuen Forschungsfeldern wie Quantencomputing oder Wasserstoffwirtschaft soll die Landesregierung eigene inhaltiche Impulse setzen. 

Künstliche Intelligenz und Robotik für KMUs und Startups im Land.

Den Transfer von Forschungsergebnissen in KMUs sieht das Gremium in Verbindung mit der praxisorientierten Entwicklung an den Fachhochschulen - ähnlich wie es Bremen beim KI-Transfer für KMUs in Bremerhaven mit einem Transferhub plant. Innovations- und Digitalisierungsgutscheine sollen kleine und mittlere Firmen motivieren, sich mit Unterstützung des Landes zukunftsweisende Forschung zu erschließen. Auch bei der Startup-Förderung muss Niedersachsen mit seinen gerade einmal 103 Neugründungen im vergangenen Jahr Tempo machen. Die Experten schlagen vor, auf die Zukunftsthemen KI und Robotik zu setzen - in Verbindung mit zusätzlichen Ausbildungsangeboten an den Hochschulen und thematischer Finanzierungsförderung. 

Konzertierte Aktion in der Spitzenentwicklung mit KI und Robotik.

Bei der Spitzenforschung fokussieren die international rennomierten Wissenschaftler für das Land Niedersachsen vor allem auf die Themen künstliche Intelligenz und Robotik. Für eine landesweite "Robonatives-Community" soll die Landesregierung flächendeckende Investitionen bereitstellen. Die Spannbreite beginnt in der digitalen Bildung an den Schulen, geht über den Ausbau der MINT-Fächer an weiterbildenden Schulen und reicht bis zur Weiterbildung der Bürger und der Gewinnung künftiger Fachkräfte.

Hannover und Göttingen im Wettbewerb mit Bremen, Lübeck & Co.

Mit einer stärkeren Grundfinanzierung der Hochschulen in den Technologiefeldern und mindestens zehn zusätzlichen, durch das Land erstklassig ausgestatteten Lehrstühlen für Robotik und KI soll das Autoland seine Zukunftsfähigkeit sichern. Als Forschungsstandorte schlagen die Autoren des Zukunftskonzepts die Universitätsstädte Hannover und Göttingen vor. Sie werden - wenn alles nach Plan läuft - im direkten Wettbewerb mit dem KI- und Robotik-Standort Bremen und den KI-Clustern in Lübeck und Greifswald stehen - von der künftigen Entwicklung Hamburgs abgesehen.

KI-Forschungszentrum plus Innovations- und Kompetenzzentrum.

Als Speerspitze fordern die über 1,5 Jahre mit der Zukunftsstrategie beschäftigten Experten ein "missionsbassiertes Forschungszentrum" für Robotik und KI - ausgestattet mit langfristigen Finanzmitteln, vergleichbar des KI-Standortes "IAI" an der Universität Bremen mit dem angeschlossenen DFKI-Komplex. In dem Zentrum sollen neben der Grundlagenforschung auch die gesellschaftlichen Auswirkungen und eine Auswertung der übegordneten  Erkenntnisse, Methoden und Technologien erfolgen. Dazu soll ein eigenes Innovations- und Kompetenzzentrum kommen, um die Technologien in die Breite und vor allem in die Wirtschaft und hier in KMUs zu bringen. 

Keine Blaupause aber Wegweiser für das Niedersachsen 2030

Die Kommission empfiehlt insgesamt Maßnahmen, die bereits mittelfristig wirksam sind, damit Niedersachsen die sozial-ökologische Transformation bis zum Jahr 2030 gestalten kann. Ministerpräsident Weil sagte anlässlich der Übergabe der Ergebnisse: Die überreichten Empfehlungen sind keine Blaupause, aber sie können uns durch den wissenschaftlichen Blick von außen dabei helfen, die anstehenden Transformationsprozesse in die richtige Richtung zu steuern." Der Kommissionsvorsitzende Prof. Harhoff pointiert: „Wir zeigen allgemeine Entwicklungstrends auf, die zum Teil für Niedersachsen besonders relevant sind."

*   *   *

Hanse Digital Service: 

Staatskanzlei: Pressemitteilung 25.03.2021:
"Kommission übergibt Gutachten „Niedersachsen 2030 – Potenziale und Perspektiven“ an die Landesregierung"

Staatskanzlei: Die "Kommission Niedersachsen 2030":
"Niedersachsen 2030"

Staatskanzlei: Die Arbeitsergebnisse - Download Gutachten und Kernforderungen:
"Niedersachsen 2030 - Potenziale und Perspektiven"

 Hanse Digital Background: 

HANSENEWS Freie Hanse Hansestadt Bremen:
"Innovationsstudie zeigt Bremens digitale Zukunft nach Corona auf."

HANSESTATEMENT Freie und Hansestadt Hamburg:

HANSEFUTURE Mecklenburg-Vorpommern:

www.hansefuture.de


Dienstag, 5. Januar 2021

HANSEVALLEY 2021: Der digitale Norden kommt.

HANSE DIGITAL VISION
*Update 26.01.2021*

+++ Egoistische Tagestouristen gefährden im Harz das Leben von Familie und Freunden +++ Deutschland auch 2021 fest im Griff der Pandemie +++ Leichte Entspannung frühestens zu den Sommerferien +++ Unbeschwerter Sommerurlaub bleibt Wunschtraum +++ Normalisierung erst im 4. Quartal erwartet +++ 

+++ Pleitewelle durch zu späten 2. Lockdown befürchtet +++ Digitalisierung forciert Umbruch des Einzelhandels +++ Eventbranche wird digital konsolidiert +++ Onlinehandel und digitale Medien sind Gewinner der Krise +++ Smart Home wird im Corona-Jahr zum Milliarden-Markt +++ Fernreisen durch Deutschland-Trend vor Veränderungen +++


  • BERLIN: DIW-Chef befürchtet nach zu spätem 2. Lockdown für 2021 große Pleitewelle und steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland.
  • KIEL: lfW-Prognose erwartet bis zu 600.000 verlorene Arbeitsplätze u. a. in Luftfahrt und Tourismus durch "Rückprall" nach der Corona-Krise.
  • HAMBURG: BAT-Zukunftsmonitor sieht mit 71 % Nennungen größere wirtschaftliche Schwierigkeiten, als im abgelaufenden Jahr 2020.
  • HAMBURG: Jahresabschlussevent "Ehrbarer Kaufmann" mit weniger als 500 "YouTube"-Zuschauem - statt 1.500 geladenen "Pfeffersäcken".
  • GOSLAR: Rodler und Wanderer zeigen Weihnachten und am Wochenende im Harz dicht gerdängt die hässliche Seite egoistischer Deutscher.

Liebe Freunde und Partner,
liebe Leserinnen und Leser:


Der Download für das neue Jahr hat begonnen!

Alle gesetzlich Versicherten können ab sofort eine elektronische Patientenakte auf ihrem Handy nutzen. Die norddeutschen Kassen "AOK" Nordost (für MV), Niedersachsen, Nordwest (für SH) und Rheinland-Hamburg,"DAK" und "HEK" (Hamburg), "HKK" (Bremen), "KKH" (Hannover), "Securvita BKK" und "TK" (Hamburg) sind vorbereitet. Ab 1. Januar können Versicherte zudem bereits nach 12 Monaten die Kasse wechseln - ein Antrag bei der neuen Kasse reicht, alles andere passiert von selbst. Im Juni '21 werden die UMTS­-Netze von "Vodafone" und "Telekom" abgeschaltet, zum Jahresende das 3G-Netz von "Telefonica" - zugunsten des neuen 5G-Standards. Bei "Google" entfällt zur Jahresmitte der unbegrenzte Fotospeicher in "Drive" für "Android"-User und für neue Smartphones gilt die Pflicht, mit "Android 11" zu launchen.

Wichtig für globale Smartshopper wie unseren Chefredakteur: Ab Juli '21 muss der Import von Waren aus nicht EU-Ländern wie China angemeldet und mit 19 % Umsatzeinfuhrsteuer verzollt werden. Bisher konnten "geringfügige Güter" unter 22,- € bei "Aliexpress", "Gearbest" & "Wish" praktisch zollfrei geshoppt werden. Im schlimmsten Fall musste man sich bei seinem örtlichen Zollpostamt in die Schlange stellen, um seine Einkäufe abzuholen. Künftig liefert die "Alibaba"-Logistiktochter "Cainiao"" u. a. aus Belgien, Polen, Spanien und Tschechien aus - mit dem Ziel, Kunden in max. 72 Stunden zu versorgen. Vorbild: Der hauseigene, flächendeckende 24-Stunden-Lieferdienst in China. Soweit der Schnelldurchlauf aus der Welt der Bits & Bytes.


Der digitale Norden nach dem 1. Corona-Jahr:

Nach unseren punktgenauen Prognosen zu Lockerungen und Normalität nach dem ersten Lockdown im Frühjahr und Sommer 2020 wagen wir heute zu Beginn des neuen Jahres eine Prognose für die Zeit nach dem zweiten Lockdown und den insgesamt vier Wellen von Impfungen: Wir gehen davon aus, dass nach dem bundesweiten Impf-Startschuss bis Pfingsten Ende Mai d. J. die ersten drei Gruppen weitgehend geimpft sein werden - sprich 1.) 80-Jährige, Heimbewohner und medizinisches Personal, 2.) 70-Jährige, Demenzpatienten, Schwerstbehinderte sowie Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Sicherheitskräfte sowie 3.) 60-Jährige, chronisch Kranke sowie Angehörige von Polizei, Feuerwehr, THW, Politik und Justiz.

Für die weitere Normalisierung heißt das mit Stand Januar '21 aus unserer Sicht: 

Bis zu den kurzen Winterferien Anfang/Mitte Februar d. J. wird die Situation bleiben, wie sie ist: harter Lockdown. Bis zum Ende der Sommerferien 2021 wird der Großteil der 15 Millionen Norddeutschen die Chance haben, sich impfen zu lassen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn zum Impfstart erklärte. Im 3. Quartal könnte Deutschland weitgehend "durchgeimpft" sein. Damit werden Oster-, Pfingst- und Sommerferien 2021 erneut im Pandemie-Modus stattfinden und ein unbeschwerter Urlaub rückt in weite Ferne. Eine Normalisierung des Lebens und eine Erholung der Wirtschaft wird frühestens im 4. Quartal d. J. möglich, wie zahlreiche Marktforschungsinstitute übereinstimmend prognostizieren.

Werden wir nach mehr als einem Jahr Entbehrungen durch kurzfristigem und angekündigtem Shutdown sowie leichtem und hartem Lockdown in einen analogen Nachhol-Rausch verfallen, mehr Feste feiern, als je zuvor und die berüchtigte "S.u rauslassen", wie wir es in hässlichen Bildern aus den über die Weihnachtsfeiertage geöffneteten Skigebieten in Österreich und der Schweiz fassungslos kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen mussten? Nicht besser verhielten sich asoziale, schneegeile Tagesausflügler beim Rodeltrip auf dem Harz über die Feiertage und am vergangenen Wochenende. Wie hirnverbrand muss man sein, sich in der Pandemie ohne Maske mit Fremden zu drängeln, Ordnungskräfte anzupöbeln oder sogar Polizisten anzuspucken, weil man schon "solange keinen Schnee mehr hatte"? Lust auf Intensivstation mit dem mutierten Virus?

Für uns stehen weiterhin vor allem die digitalen Aspekte der Corona-Krise im Mittelpunkt: Was bleibt von der Schulausstattung mit Tablets, WLAN, Lernportalen und Videoklassen nach den teilweise hanebüchenen Selbstbeweihräucherungen von Bildungsministern und -senatoren übrig? Ja, auch Schulen sind Ansteckungsherde und Hamburgs SPD-Schulsenator Ties Rabe hat mit seiner Pressekonferenz am 21. November '20 wohl eine Märchenstunde veranstaltet. Das Corona-Jahr hat gezeigt, dass man Bildungs- und Wissenschafts-, Wirtschafts- und Finanzminstern wie -senatoren auf die Finger schauen muss, was trotz großspuriger Ankündigungen nicht geklappt hat, z. B. bei der Corona-Hilfe. Wenn bei bürokratischer wie digitaler Stümperei Schüler und Lehrer, Gastronomen und Freelancer auf der Strecke bleiben, ist dies ein Thema, an dem wir dran sind - und dran bleiben werden.

Die zwei Leitfragen im neuen Jahr lauten für uns: 

1. Was ist von der analogen Welt nach Corona noch übrig? 
2. Wie digital wird der Norden nach Corona aussehen? 

48% der Jugendlichen wählten online das von "Langenscheidt" initiierte Jugendwort des Jahres: Mit "Lost" bringen junge Deutsche aus über 1 Mio. Votings ihr Gefühl über das Corona-Jahr auf den Punkt - ohne Umschweife, ohne Schöngerede. Was nach einem Jahr Entbehrungen, Verordnungen und sozialer Mangelerscheinungen bleiben wird, sind mehr oder weniger erfolgreiche Ansätze von Distanzlernen und Homeschooling, Videokonferenzen und Homeoffice sowie Onlineshopping mit Cocooning und Casualing. 27 % der von "Ipsos" befragten Deutschen gehen im neuen Jahr von Einsamkeit aus - mehr als 1/4 der Nation. Da helfen weder eine neue Webcam fürs Homesoffice, noch das neue Sofa mit 20 % Rabatt aus dem 1. Lockdown oder bequeme Jogginghosen für die nächste Videokonferenz.

Schauen wir uns einzelne zentrale Schlüsselthemen und ihre Digitalisierung fernab von Glaube und Hoffnung mit aktuellen Zahlen und Fakten genauer an. Im Fokus die digitalen Themen Zuhause, Bildung, Freizeit, Wirtschaft, Geschäft, Handel und Politik:

Das digitale Zuhause nach der Corona-Krise:

Fast 4,4 Mrd. € haben die Deutschen im abgelaufenen Jahr für WLAN-Steckdosen und -Glühlampen, digitale Licht- und Heizungssteuerung sowie die Online-Überwachung von Kinderzimmer und Haustür ausgegeben. Mit 21,5 % ist mittlerweile mehr als jedes 5. Zuhause zwischen Helgoland und Bodensee online vernetzt. Schon in 5 Jahren erwarten Marktforscher einen jährichen Umsatz mit Smart Home­-Tools von "Bosch" und "Philips","Sonoff", "Tado" & Co. von 8,5 Mrd. €. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 14,3 %, wie Statista aufzeigt. Die Statistiker errechneten pro Smart Horne eine durchschnittliche Investition von gut 480,- €, was unser Chefredakteur mit rd. 40 smart­ vernetzten Geräten in seinem Zuhause bestätigen kann. Mit den Baumarkt-Ausflügen im 1. Lockdowm und dem verstärkten Trend zum Cocooning in der Pandemie hat ein Milliarden schwerer Markt spätestens 2020 seinen Durchbruch erlebt.

Deutlich skeptischer sind wir Deutschen bei smarten Assistenten, wie "Amazon Alexa" und "Google Nest", vernetzten "Bosch"-Wasch- oder Spülmaschinen von "Otto" oder gar einem digtitalen Wohnungstür-Schloss. 56 % der Bundesbürger haben laut Verbraucherzentralen Skepsis, was mit ihren Daten passiert. 33 % sehen zugleich die Chancen der Nutzung digitaler Assistenten - ein Wert, der vergleichbar ist mit der Verbreitung von vernetzten Geräten. Wir sehen neben der Auswertung von Verbraucherdaten vor allem in der langfristigen Nutzung der Geräte inkl. Betriebssystemen ein altes Problem in neuer Verpackung: Werden wir bei WLAN-Steckdosen und -Glühlampen künftig ebenso zum ständigen Neukauf getrieben, weil die Betriebssysteme - wie auch immer vorsätzlich - veraltern oder nicht mehr aktualisiert werden (vgl. PCs, Notebooks, Tablets und Handys)?

Die digitale Bildung nach der Corona-Krise:

Stichwort Tablets: Blicken wir auf Schulen mit Präsenzunterricht und Distanzlernen. Wie die 6 Pilotschulen des Hamburger "BYOD"-Projekts "Start in die nächste Generation" von 2014 bis 2016 werden jene Bildungseinrichtungen Gewinner der Digitalisierung sein, die bereits begonnen haben, konsequent auf digitale Konzepte und Inhalte, digitale Ausstattung und damit auf digitales Lernen zu setzen. Jene Bundesländer werden perspektivisch vorn liegen, die flächendeckende Ausstattung, zusätzliche Eigenmittel, zuverlässige Plattformen und konsequente Umsetzung ermöglicht haben. Gute Chancen für all jene, die sich während der Pandemie nicht auf Bundesmitteln ausgeruht haben und am Ende des Tages ihren Schlingerkurs gegenüber rebellierenden Eltern rechtfertigen mussten. Ja, dies ist ein Vergleich zwischen Bremen und Hamburg: Werder führt.

Auch im neuen Jahr werden Onlinevorlesungen an vielen Hochschulen selbstverständlich sein - und langfristig bleiben. Viel beschworen und gern vorgeführt, stehen Startups für Innovationen, auch wenn man sie - wie an Alster und Elbe - gern am langen Arm verhungern lässt (Stichwort "Innovations-Wachstums-Fonds"). Wir sehen vor allem die Chance für pfiffige Absolventen wie Abbrecher, ihre Ideen mit KI-Lösungen zum Erfolg zu führen. Mit Bremen und Osnabrück, Lübeck und Lüneburg, Rostock und Greifswald zeigt sich, dass junge, schnell wachsende Geschäftsideen in Regionen fernab selbst ernannter oder gehypter Startupmetropolen entwickelt werden können. Hier hoffen wir auf den Nord-Westen ebenso, wie auf den Norden oder den Nord-Osten und freuen uns auf pfiffige und faire Jungunternehmer, über die wir im neuen Jahr berichten können - z. B. mit Lösungen, die tödliche Frachterunfälle wie den der Hamburger "MS Oceana" Mitte Dezember '20 vor Shanghai durch Predictive Maintenance u. a. für Lenkgetriebe vermeiden können.

Die digitale Freizeit nach der Corona-Krise:

Zehn Corona-Monate in den eigenen vier Wänden waren für digitale Medien die "Goldenen Zwanziger". Für Kinder und Eltern spielten Streaming-Dienste von "Amazon Prime Video", "Disney+", "Netflix" oder "Sky Go" eine grosse Rolle. Kein Wunder, das "Amazon" und "Apple" gleich im ersten Lockdown mit Gratis-Angeboten u. a. für Kids auf Kundenfang gingen. Der Anteil von Streaming-Nutzern lag im Jahr 2019 bei 39,5 % aller Deutschen ab 14 Jahren (davon 36,4 % für "Netflix" und 30,3 % für "Prime Video"). Im Corona-Jahr kletterte die Zahl der Nutzer laut "ARD-ZDF-Onlinestudie" auf 47 %, und damit auf nahezu jeden 2. Deutschen. In der wöchentlichen Nutzung gaben sich die "ARD-Mediathek" (18 %), die "ZDF-Mediathek" und "Netflix" (jeweils 17 %) sowie "Amazon Prime Video" (13 %) 2020 die Klinke in die Hand. Vorab-Veröffentlichungen von Filmen und Serien in den Mediatheken von ARD und ZDF zeigen, wohin die Reise geht: "Schauen Sie einfach wann Sie wollen und wo Sie wollen!" Die Corona-Gewinner werden dabei ganz vorn mitspielen.

In deutschen Wohnungen leuchteten 2020 nicht nur die Fernseher stundenlang. Auch PC-Monitore glühten rund um die Uhr: Bis zu 7 Stunden/Woche daddelten die Deutschen im Pandemie-Jahr pro Woche mehr mit "Playstation", "Xbox" & Co. 46 % aller Bundesbürger ab 16 Jahren - das sind 32 Mio. Menschen - spielten 2020 mindestens ab und zu Computerspiele - Kids unter 16 nicht mit eingerechnet. Für 61 % der daddelnden Deutschen sind Games eine gute Gelegeheit, abzuschalten - nicht nur vom Shutdown-Stress. 49 % der vom Digitalverband "Bitkom" bereits im Juni '20 Befragten sagten, dass ihnen in der Corona-Krise ohne Games "die Decke auf den Kopf gefallen" wäre. Dabei liegen Cashual-Games auf dem Handy bei Frauen und Senioren vorn, Ego-Shooter bei Kids auf PC und Konsole. In 2020 gaben Gamer 9,- € pro Kopf mehr für ihr Hobby aus - jeden Monat. Macht pro Jahr 108,- € Zuwachs bzw. 288,- € Umsatz, bei den 16- bis 29-Jährigen sogar bis zu 408,- € in einem Jahr. Der Anstieg wird nicht zurückgehen und die großen Hamburger Games-Schmieden auch weiterhin das nationale Ranking anführen.

Die digitale Wirtschaft nach der Corona-Krise:

Das Pfeifen im Walde der Wirtschaft wird wohl ein Pfeiffen bleiben: 77 % der Befragten des aktuellen "BAT-Zukunftsmonitors" erwarten größere wirtschaftliche Schwierigkeiten als 2020. Dies ist nicht wirklich verwunderlich: Bis zu 600.000 Jobs werden durch die Corona-Krise verloren gehen, vor allem in den norddeutschen Branchen Tourismus und Luftfahrt, die von der Pandemie besonders hart betroffen sind. Die aktuellen Zahlen stammen von Kieler Institut für Weltwirtschaft - "IfW'. Das geht für 2021 insgesamt von 3,1 % Wachstum aus. Die Hamburger Kollegen des "HWWI" erwarten 4,0 %. Dabei reicht die Spanne der Prognosen je nach Institut von 2,8 % (OECD) bis 4,9 % (RWI). Erst im 4. Quartal kann das wirtschaftliche Niveau der Vor-Corona-Zeit laut "HWWI" und der "IKB" eventuell wieder erreicht werden. Für die Arbeitsplätze gilt das jedoch nicht. Sie kommen erst mit Verzögerung zurück - wenn überhaupt.

26 % - und damit nur ein Viertel der Befragten aus der "Ipsos"-Prognose 2021 - sieht eine vollständige Erholung der Wirtschaft in diesem Jahr. Mit 42 % Nennungen zeigen deutsche Verbaucher, dass die Umsätze in Einkaufsstraßen und Shopping-Center nicht zurückkommen werden - sondern im Internet bleiben. Bis zu 121 Mrd. $ - das sind schlappe 104 Mrd. € - erwartet allein "Amazon" im abgelaufenen Quartal Q4 weltweit. Bei rd. 8 % Deutschland-Anteil wären das gut 8 Mrd. € - in drei Monaten. Damit wird sich der Umsatz von "Amazon" in Deutschland von 22,2 Mrd. € in 2019 mit großen Schritten in Richtung 30 Mrd. €-Marke bewegen. Größere Potenziale liegen vor allem in den Bereichen Haus & Garten sowie Sport & Freizeit, wie die Konsumswünsche 2021 des "BAT"-lnstituts zeigen. 

Das digitale Geschäft nach der Corona-Krise:

Mehr als 1/3 aller deutschen Arbeitnehmer ist im Homeoffice. Folge: Deutsche Unternehmen haben in den Top 7-Städten im 2. und 3. Quartal '20 laut des Maklers "Savills" nur halb soviele Flächen neu angemietet, wie im langjährigen Durchschnitt. Auch wir gehen davon aus, daß bis zu einem Drittel der bisherigen Büroflächen längerfristig leer stehen werden, auch wenn Homeoffice nicht bei allen Firmen beliebt ist. Viele Begegnungen finden so oder so per Videokonferenz u.a. via "Zoom" (mit allein 300+ Mio. neuen Nutzern weltweit während des 1. Lockdowns) statt. Wenn Bürokomplexe leer stehen: Was wird aus den Innenstädten von Bremen und Osnabrück, Hamburg und Hannover, Kiel und Lübeck sowie Rostock und Schwerin? Und was wird aus gehypten Coworking-Spaces mit unendlichen Überkapazitäten für Konkurs gegangene Freelancer, wie "We Work" mit 4 Standorten allein in Hamburg? Dazu kommen digitale Plattformen: Der Online-Vertrieb wächst. Mit 37 % nutzen mehr als 1/3 der deutschen Mittelständler bereits Plattformen, wie die "KfW" ermittelte.

Heute ist klar: Bis zu 50 % aller Geschäftsreisen sind überflüssig. Wenn sie nur noch bei wichtigen Anlässen in Frage kommen, was heißt das für Airbus und Airlines, Bahn und Backshops, Taxis und Uber, Hotels und Konferenzzentren? Die Nachfrage nach Business-Hotels wird abnehmen. Gewinner sind moderne Ketten, wie "Motel One" und "Premier Inn" - Low Cost lässt grüßen. Für die Eventbranche bedeutet der Wandel: Hybride Angebote vor Ort und vor dem Bildschirm werden zur Normalität. Dabei sehen wir den gleichen Fehler, wie vor 20 Jahren bei Online-News: Die meisten Vorträge und Diskussionen sind kostenlos abrufbar. Zugleich schauten beim "Ehrbaren Kaufmann" weniger als 500 Interessenten auf "YouTube" zu, statt 1.500 "Pfeffersäcke" am Silvester-Mittag in der Handelskammer zu Hamburg. Die Geschäftsmodelle von Kongressen und Messen verändern sich radikal und eine Konsolidierung des B2B-Eventmarktes wird stattfinden.

Der digitale Handel nach der Corona-Krise:

Mit einer Paketsteuer für Onlinehändler wird der Einzelhandel in den Innenstädten sicher nicht gerettet. Viel zu spät, viel zu inkonsequent haben alt ehrwürdige Kaufleute noch auf Geschäfte und Filialen in "besten Lagen" gesetzt. Dabei war die Lage längst ernst und die besten Geschäfte wurden auf Plattformen und in Onlineshops gemacht - laut E-Commerce-Verband "BEVH" von 72,6 auf 83,3 Mrd. € Steigerung in einem Jahr - befördert durch Lockdown 1 und 2. Jetzt hofft der Hamburger Distanzhändler "Otto" mit einem eingekauften Ex-"Amazon"-Manager, seinen Marktplatz doch noch zum Fliegen zu bekommen. Nach unserem Blick mit dem Brennglas auf die Kultur in Bramfeld haben wir erhebliche Zweifel, dass man beim "Otto.de"-Marktplatz, bei "Hermes"-Logistik und Kundendienst gegen "Amazon" noch aufholen kann. Zumal "Otto" sein Filialgeschäft von "Bonprix" bis "Manufactum" weiter betreiben will. Hier gilt: "Wer aufhört zu rudern, treibt zurück".

Derweil ist das Kapitel "Galeria Karstadt Kaufhof" nach 37 geschlossenen und 6 weiteren Kandidaten als Exemplar für den sterbenden Einzelhandel für uns erledigt, auch wenn eine Reihe von norddeutschen Häusern dank Lokalpolitikern und Fototerminen noch eine Extrarunde drehen dürfen. Oder glauben Sie, einem österreichischen Immobilienmagnaten geht es wirklich um Bettwäsche, Damenoberbekleidung und Parfüm in Hamburger Innenstadtlage? Die Umbrüche durch digitale Kundenansprache, Onlinelieferung und virtuellen Kundendienst sind nicht aufzuhalten und die Konzentration auf (neue) Plattform-/Händler die unumkehrbare Folge. Da helfen gemeinsame Onlineshops von Einkaufsstraßen ebenso wenig, wie Millionen Euro teure "Improvement-Distrikte" - z. B. rund um das Hamburger Rathaus und die Handelskammer ("BID Nikolaiquartier") mit schlappen 5,9 Mio. € Kosten in 5 Jahren - inkl. 1,3 Mio. € aus der Pulle für das Management von Bauträger "Otto Wulff". Solange einheitlich beigefarbene Gehwegplatten wichtiger sind als Zukunftskonzepte, wird das sicher nichts.

Die digitale Politik nach der Corona-Krise:

2021 ist ein Wahljahr - auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene: So entscheidet sich am 12. September '21, wer die Bürgermeister und Landräte im größten und mit 5 Mio. Einwohnern stärksten Bundesland Norddeutschlands stellt. Zu den Schlüsselfragen im ländlich, maritim und industriell geprägten Niedersachsen spielt die Breitbandanbindung ebenso eine wichtige Rolle, wie das Schließen der "Weißen Flecken" im Mobilfunk. Für uns sind darüber hinaus die digitalen Themen, wie autonomes Fahren rund um Braunschweig und Wolfsburg spannend, aber auch die digital-vernetzte Logistik in den Seehäfen von Brake, Cuxhaven, Emden, Papenburg oder Wilhelmshaven mit dem "Jade-Weser-Port" und die digital-gestützte Landwirtschaft rund um das "Digi-Schwein" im Oldenburger Land. 

Am 26. September '21 entscheidet sich, ob die Sozialdemokraten bei einer schwarz-grünen Bundesregierung endlich in die Opposition gehen (dürfen) ebenso, wie das Schicksal der großen Koalition im Schweriner Schloss. Nach ersten überzeugenden Schritten mit überdurchschnittlicher KMU-Digitalförderung mit bis zu 20.000,- €, sechs regionalen Innovationszentren für Startups und KMUs im Umfeld der Hochschulen und zunehmendem Tempo bei Breitbandausbau und Mobilfunkversorgung geht es für den Nord-Osten in den kommenden Jahren um neue, digitale Geschäftsmodelle - in Tourismus und Landwirtschaft, Hafenwirtschaft und Werften. Wir hoffen, dass die drei "MV Werften" in Wismar, Rostock und Stralsund nach der Corona-Krise wieder durchstarten können - und digitale Innovationen nutzen.  

Auf jeden Fall werden die Landtags- und Kommunalwahlkämpfe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wie auch das Wettrennen der gut 700 Kandidtaten um den 20. Deutschen Bundestag weitgehend digital laufen: Ansprachen auf "YouTube",  Bürgerforen via "Zoom", Sprechstunden per "WhatsApp" - für die auf Marktplatzstände, Straßenplakate und Großflächenwerbung fixierten Parteien wird 2021 ein Jahr des Umlernens. Jetzt hat die Digitalisierung auch die Parteiarbeit fernab von Hinterzimmern eingenommen. Im Online-Wahlkampf gilt wie in Online-Marketing und Online-Vertrieb: alles ist trackbar. Jeder "YouTube"-Stream ohne Zuschauer und jede "Zoom"-Diskussion ohne kritische Fragen werden sofort zum Bummerang für Sollte-Dürfte-Müsste-Forderungen. Ist das der Anfang vom Ende für Wischiwaschi-Parteipolitiker?

Die digitale Zukunft nach der Corona-Krise:

Wenn Visionäre darüber referieren, das alles digital wird, dann sind unsere Onlineeinkäufe während der Pandemie, das Distanzlernen unserer Jüngsten während der Shutdowns und die Videokonferenzen aus dem Homeoffice der Beweis, dass es genau so ist. Allen Stolpersteinen und Widerständen zum Trotz: Wenn es keine Alternative gibt, wenn es zur Notwendigkeit wird, dann setzen sich neue Möglichkeiten durch (außer vielleicht in Hamburg). Wenn Experten seit Langem prophezeien, dass "Vetrauenskultur" statt Präsenzpflicht in der Arbeitswelt einziehen muss und wird, dann sind die vergangenen Monate von Homeoffice und Videokonferenzen der Beweis, dass es funktioniert - auch ohne "New Work"-Diskussionen mit selbst ernannten "Expert*innen".  

Der viel beschworene "Digitalisierungsschub" im Corona-Jahr 2020 wird im neuen Jahr beweisen, wie er kleinere, mittlere und große Betriebe vorangebracht hat und weiter voranbringen wird - vorausgesetzt, die eigene Kultur stand und steht einem nicht im Weg. Wir gehen davon aus, dass aus dem "Casual-Freitag" ein Homeoffice-Tag wird und für Angestellte in "White Collar Jobs" auch 2 oder 3 Tage pro Woche im Homeoffice zum "New Normal" werden. Dabei rückt neben der Technik und der Organisation das dritte unserer Leitthemen in den Mittelpunkt: die Kultur des Wandels. Wir sind sicher, dass das Corona-Jahr 2020 im Rückblick zum Wendepunkt der Digitalisierung, der Transformation und des Kulturwandels im Norden und ganz Deutschland geworden sein wird. Wir machen dazu die Nachrichten.

Der digitale Norden ist unser Leitthema.


Die jährliche Studie des Marktforschungsinstituts "lpsos" zeigt, wohin der Norden, unser Land und die Welt tendieren: Mit 63 % gehen fast 2/3 der Bundesbürger davon aus, dass das neue Jahr insgesamt besser wird. Mit 46 % bezweifelt zugleich nahezu jeder 2. Deutsche, dass unser Land vollständig zur Normalität zurückkehren kann. Die Befragten des "Zukunftsmonitors" des "Instituts für Zukunftsfragen" an der Alster erwarten sogar zu 71 % weiter bestehende Einschränkungen im Jahr 2021. Die aktuellen Interviews mit führenden Virologen in der täglichen Presseschau zeigen ein ähnliches Bild. Und 64 % des Hamburger "BAT"-Panels gehen davon aus, dass die Gesellschaft im neuen Jahr weiter auseinander driftet.

Der digitale Norden - unsere Heimat an den zwei Meeren, in 5 Küstenländern, den 4 Metropolregionen, in 25 norddeutschen Hansestädten: 15 Millionen Menschen hoffen hier bei uns, dass es im neuen Jahr wirklich besser wird rund um Familie und Freunde sowie Job und Geld. Unser Rat für 2021 lautet: Schauen Sie dahin, wo die neuen und die verrückten Ideen zu finden sind. Schauen Sie dahin, wo es digital ist und gerade wird. Schauen Sie dahin, wo jetzt online, mobil und vernetzt neue Möglichkeiten angeboten werden. Denn da ist nicht nur die digitale Zukunft nach der Corona-Krise. Da ist die Zukunft für uns alle - in Ost und West, in Städten und Gemeinden sowie in Unternehmen und Verwaltungen.


In diesem Sinne: 
Bleiben Sie neugierig. Werden Sie digital. Und bitte bleiben Sie gesund! 

Ihre HANSEVALLEY-Redaktionsleitung

Thomas Keup und Gerd Kotoll 
Chefredakteur / Korrespondent Hamburg     
 
*  *  *

 Hanse Digital Background: 

Hanse Digital Review: HANSEVALLEY 2020 - Ein Jahr digitaler Norden.

HANSESERVICE: Die Corona-Krise als Katalysator für den E-Commerce-Wandel

HANSESTATEMENT: "Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies":
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html

HANSESPORTS: "Aus dem Home Office digital in ein bewegtes Leben":

HANSEVALLEY: "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":
hansevalley.de/2020/04/hansefuture-die-welt-wird-eine-andere.html

HANSEVALLEY: "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

Freitag, 14. Februar 2020

HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE
- Teil 4 Digitalisierung und Verwaltung -

Die Chief Digital Officer von Senatskanzlei und Wirtschaftsbehörde:
Christian Pfromm (ITD) und Sebastian Saxe (BWVI) - v. l. n. r.
Foto: HANSEVALLEY


"Durch die Digitalisierung haben wir völlig neue Wege, Probleme zu lösen."


Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher,

IT-Strategietage Hamburg, Februar 2020


1,8 Mio. Einwohner, 1 Mio. versicherungspflichtig Beschäftigte, eine der Top 5 Wirtschaftsregionen in Europa. Die Handels- und Hafenstadt ist zu einer Millionen-Metropole gewachsen - mit allen Stärken und Schwächen. Was und wie Hamburger und Unternehmer täglich online und mobil an Services nutzen, wollen sie auch bei Behördengängen so erledigen. 

Der Senat will Hamburg in 10 Jahren zur führenden Digitalmetropole in Europa entwickeln - mit Bürgerportal, Onlineservices und "One-Stop-Shop". 33,2 Mrd. € Schulden hat die Freie und Hansestadt. 70.000 Beschäftigte arbeiten in Behörden, Landesbetrieben und Beteiligungen. Wie können Auskünfte, Anträge und Verfahren digital erledigt werden? Wie müssen Verfahren über Behördengrenzen hinweg digital organisiert sein? 

Der Senat hat erst 3 Jahre nach dem Koalitionsvertrag von 2015 zur "Digitalisierung der großen Stadt" einen Chief Digital Officer für die große Linie ernannt und mit "Digital First" einen dezentralen Ansatz ohne Digitalsenator verabschiedet. In den kommenden 5 Jahren sollen Problemlösungen nun über Behördengrenzen hinweg in "digitalen Handlungsräumen" entwickelt werden, z. B. für Wirtschaft und Arbeit oder Mobilität und Logistik. 

Wir haben die Parteien in der Bürgerschaft zu ihren digitalen Positionen und Visionen befragt. Auf der Tagesordnung: die 5 digitalen Top-Themen 1. Wirtschaft, 2. Wissenschaft, 3. Bildung, 4. Verwaltung und 5. Stadtleben. Heute: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020:

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine 
Digitalisierung und Verwaltung


Bis Ende 2022 werden im Bund, in allen 16 Ländern und 11.000 Kommunen insgesamt 575 Verwaltungsverfahren für Einwohner, Unternehmen und Behörden online angeboten. Hamburg kümmert sich unter Leitung des Amts für IT und Digitalisierung der Senatskanzlei im Besonderen um die digitalen Angebote für Unternehmen.


1. Thema: Digitale Strategie

Wie beurteilen Sie als politischer Insider den aktuellen Stand bei der "Digitalen Stadt" durch das Amt für IT und Digitalisierung und Dataport?

SPD Hamburg (2015: 59 Abgeordnete): "Behördenübergreifende Strategie"

Hamburg nutzt die sich mit der Digitalisierung ergebenen Chancen, um die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und den Unternehmen einen attraktiven Standort zu bieten. Mit der Schaffung des Amtes ITD verfolgt Hamburg erfolgreich einen behördenübergreifenden und ganzheitlichen Ansatz bei der Digitalisierung der Verwaltung und der anderen Lebensbereiche der Stadt. 

Hamburg belegt bereits heute bundesweit im Bereich der Digitalisierung einen Spitzenplatz, den wir weiter ausbauen wollen. Wir wollen eine bürgerfreundliche Verwaltung, die ihre Dienstleistungen konsequent vom Nutzer aus denkt, sich in ihrem Handeln an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientiert und Services umfassend online verfügbar macht. 

Mit dem Urban Data Hub schafft die Stadt darüber hinaus gerade ein leicht zugängliches Angebot urbaner Daten, auf das Unternehmen, öffentliche Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Stadtgesellschaft zugreifen können, um auf dieser Grundlage eigene urbane Anwendungen zu entwickeln. 


CDU Hamburg (2015: 20 Abgeordnete): "Dauerhafte strukturelle Überlastung"

Seit nunmehr bald zwei Jahren beschäftigt die Stadt einen Chief Digital Officer (CDO), doch der vom Senat teuer eingekaufte Experte ist immer noch dabei, das neue Amt IT und Digitalisierung aufzubauen. Und so sind von 134 Stellen erst 102 besetzt. Auch deswegen sind zahlreiche IT-Projekte nicht im Budget oder im Zeitplan. Da der Senat inzwischen auf Kleinteiligkeit setzt, geht es selten um große Summen, doch es zeigt sich, dass die Digitalisierung der Verwaltung ein mühsames Unterfangen ist. 

Fehlende Experten und Hinweise auf eine „dauerhafte, strukturelle Überlastung der Fachabteilung“ sind besorgniserregend. Und obwohl der Senat Anfang des Jahres 2019  ein neues Serviceportal online gestellt hat, wird dieses bisher nur wenig genutzt und nicht separat beworben. Die dort präsentierten Dienstleistungen sind auch noch sehr überschaubar. Viele von ihnen bestehen zudem nur aus Nennung einer Email-Adresse oder eines Links. Dies als Online-Angebot zu verkaufen, das ist schon fast peinlich.

Dataport als Dienstleister ist in den letzten Jahren durchaus professioneller geworden und hat auch deutlich Personal aufgestockt. Trotzdem darf der Senat sich nicht zu sehr auf Dataport verlassen und muss genügend Experten in der Verwaltung vorhalten, um die Arbeit von Dataport entsprechend delegieren und kontrollieren zu können.

GRÜNE Hamburg (2015: 15 Abgeordnete): "Open Source Fachverfahren"

Hamburg ist auf einem guten Weg zur „Digitalen Stadt“. In den Bereichen digitale Infrastruktur, digitale Daseinsvorsorge wie bspw. die Bereitstellung offen zugänglicher digitaler Bildungsangebote sowie digitaler Kommunikation wie bei dem Hamburger Transparenzportal oder dem Hamburg Service-Portal laufen bereits viele Projekte. 

Uns ist es dabei besonders wichtig, auch im weiteren Verlauf die Verwaltungsdienstleistungen niedrigschwellig und nutzerfreundlich zu gestalten und aus Gründen der Transparenz und der Unabhängigkeit auf Open Source Lösungen zu setzen. Es ist uns inzwischen gelungen mehr 40% aller IT-Anwendungen auf Open Source umzustellen. Auch streben wir Plattformneutralität und Zugangsgerechtigkeit an, damit digitales Wissen für viele zugänglich ist.

LINKE Hamburg (2015: 11 Abgeordnete): "Vier verlorene Digitalisierungsjahre"

Für uns stellt sich der Stand bei der „Digitalen Stadt" als eher bescheiden dar. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen wird 43 Mal „digital“ in verschiedenen Zusammenhängen aufgeführt und letztendlich ist bisher nur Stückwerk entstanden. Hier krankt es auch noch an ständigen Terminverzögerungen bei der Umsetzung des Stückwerks und allzu oft auch an Kostenüberschreitungen. Nach Koalitionsstart sind drei Jahre verloren gegangen, bis das neue Amt für IT und Digitalisierung 2018 geschaffen wurde und einen CDO (Chief Digital Officer) bekommen hat. Danach gab es auch nur mehr den Versuch, ein gewisses Framework für die weitere Strategie zu schaffen. 

Man kann also von mindestens vier verlorenen Digitalisierungsjahren in der Stadt sprechen, während derer weiter Stückwerk erstellt wurde. Ein operationelles Risiko bei der Digitalstrategie ist Dataport als zentraler Dienstleister. Die Vorstellung Hamburgs, dass in der Koordination der Projekte Hamburg, als größter Anteilseigner von Dataport, den Ton und die Richtung angibt, halten wir für weltfremd. Es besteht immer das Risiko der „vielen Köche“, die den digitalen Brei ungenießbar machen.

FDP Hamburg (2015: 9 Abgeordnete): "Unternehmensförderung nicht umgesetzt"

Die Strategie "Digitale Stadt“ soll die Innovationspotentiale digitaler Technologien für alle gesellschaftlichen und staatlichen Bereiche erkennen und fördern. Das ist ein guter Ansatz, leider ist hier bislang zu wenig geschehen. Die Digitalisierung führt unter Rot‐Grün ein viel zu stiefmütterliches Dasein. Schon im Koalitionsvertrag wurde dieses wichtige und entscheidende Zukunftsthema nur an wenigen Stellen aufgegriffen. 

Wir müssen in Hamburg aufpassen, dass wir die entscheidende Entwicklung dieses Jahrhunderts nicht verschlafen. So ist beispielsweise die angekündigte Förderung von Unternehmen und Prozessen, die die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreiben soll, bislang von Rot‐Grün nicht umgesetzt worden.

Zudem hinkt Hamburg bei der digitalen Infrastruktur hinterher: Fehlender Breitbandausbau in den Hamburger Randgebieten und im Hafen sind nur zwei Beispiele. Dabei müssen vor allem die Hamburger Unternehmen dringend wissen, wie sich der Standort weiterentwickeln soll. Um eine wirkliche "Digitale Stadt“ zu werden, hat Hamburg also noch sehr viel Entwicklungsbedarf.
Die Bündelung der Kompetenzen im Amt für IT und Digitalisierung geht einen Schritt in die richtige Richtung. Allerdings fehlt es an einer behördenübergreifenden und nachhaltigen Digitalstrategie für die FHH (Anm,: FHH = Freie und Hansestadt Hamburg, Die Red.)

AfD Hamburg (2015: 8 Abgeordnete): "Alte Behördendenke bestimmend"

Hamburg ist leider noch sehr weit davon entfernt, sich als digitale Stadt bezeichnen zu können. Anspruch und Realität klaffen auseinander. Andere Standorte, das beste Beispiel dafür ist Estland, haben das Thema E-Government mit wesentlich mehr Konsequenz verfolgt und können daher entsprechende Erfolge vorweisen. Die Strategie "Digitale Stadt" ist ambitioniert, ihre vollständige Umsetzung bedarf allerdings noch Zeit.

Zeit ist in der digitalen Welt jedoch eine äußerst knappe Ressource. Dataport ist immer noch zu wenig flexibel. Zuweilen bestimmt noch das alte Behördendenken die Geschäftsabläufe. In naher Zukunft muss es möglich sein, dass jeder Bürger jedes berechtigte Begehren ONLINE mit der Verwaltung erledigen kann.


2. Thema: Digitale Beteiligung



Welche Maßnahmen helfen den Senatsbehörden und Bezirksämtern, die digital-vernetzten Angebote den Hamburgern schmackhaft zu machen?



SPD Hamburg (2015: 45,6%): "Alle öffentlichen Angebote digital"



Wir wollen, dass die Hamburgerinnen und Hamburger alle Angebote der öffentlichen Verwaltung digital so in Anspruch nehmen können, wie sie es auch in ihrem sonstigen Lebensumfeld gewohnt sind. Bereits heute können Hamburgerinnen und Hamburger beispielsweise einen Bewohnerparkausweis online beantragen und mit dem auf Bundesebene ausgezeichneten Service „Kinderleicht zum Kindergeld“ werden junge Familien entlastet. 

Mit den vielfältigen Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit gilt es, die Bürgerinnen und Bürger über diese und künftige digitalen Verwaltungsdienstleistungen zu informieren. Aber genauso versprechen wir: Wer lieber ins Kundenzentrum oder eine Behörde gehen möchte, kann dies auch weiterhin tun. 

CDU Hamburg (2015: 15,9%): "Gefahr frustrierter Anwender"

Ein gutes Angebot setzt sich schnell durch, wenn es entsprechend zu Beginn beworben wird. Allerdings ist das jetzige Angebot noch so überschaubar, dass eine Bewerbung sich noch nicht wirklich lohnt. Schon jetzt besteht die Gefahr, dass jene Bürger, die versehentlich auf das Angebot stoßen, angesichts der vorhandenen Möglichkeiten eher frustriert reagieren.



GRÜNE Hamburg (2015: 12,3%): "IT-Sicherheit und Datenschutz"



Das Wichtigste ist bei dieser Frage, dass es nun mit „Digital First“ und „Digitale Stadt“ endlich umfassende Strategien für den digitalen Wandel in Hamburg vorliegen und diese auch konsequent verfolgt werden sollen. Das gibt einen inhaltlichen Rahmen und hilft den Behörden und Bezirksämtern. 


Zudem muss klar sein, dass die Digitalisierung auch auf Bezirksebene große Chancen mit sich bringt. Wichtig für die Akzeptanz der Hamburgerinnen und Hamburger ist, dass wir bei der Digitalisierung der Verwaltung einen großen Wert auf IT-Sicherheit und Datenschutz legen. Das haben wir Grüne in Senats- und Bürgerschaftsbeschlüssen immer wieder sichergestellt.

LINKE Hamburg (2015: 8,5%): "Mitarbeiter auf die Reise mitnehmen"

Zuerst kommt es vor allem darauf an, die digitalen Angebote den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Behörden und Bezirksämter schmackhaft zu machen. Viel zu oft stimmen die Bedarfsanalysen zum Arbeitsaufwand in der täglichen Arbeit nicht mit der Realität überein. Stattdessen steigt die Arbeitsdichte, während die Akzeptanz in den Ämtern rasant sinkt. Hamburgerinnen und Hamburger dürfen auf der anderen Seite nicht durch Einschränkungen der Servicezeit oder wegen Personalengpässe das Gefühl haben, zur Digitalisierung gezwungen zu werden. Netzausfälle oder ähnliches dürfen nicht dazu führen, dass man am Verwaltungsleben nicht mehr teilnehmen kann. 

Konkrete Akzeptanz für die Hamburgerinnen und Hamburger sollte vor allem mit einem Mehrwert verbunden sein. Zusammenhängende Verwaltungsangebote müssen auch in Form eines Cockpits erreichbar sein. Medienbrüche darf es nicht geben – also keine postalische Kommunikation, sondern Uploads oder auch, mit jeweiliger Zustimmung der Nutzer und Nutzerinnen, ein Zugriff auf vorhandene Datenbestände. Die Hoheit über die eigenen Daten muss ersichtlich bei den Bürgerinnen und Bürgern liegen.

FDP Hamburg (2015: 6,3%): "Digitale Leistungen bekannt machen"

Den Hamburgerinnen und Hamburgern muss vor allem erst einmal besser bekannt gemacht werden, wenn und welche Verwaltungsdienstleistungen online verfügbar sind. Eine gezielte Werbekampagne kann den Bürgerinnen und Bürgern den "Digital First“-Gedanken näherbringen, insbesondere sobald weitere Dienstleistungen digitalisiert wurden. Ein erster elementarer und ganz praktischer Schritt dahin wäre aber schon, wenn das "Hamburg Gateway" bzw. Serviceportal, über das digitalisierte Verwaltungsdienstleistungen bereits verfügbar sind, auf der Startseite von hamburg.de verlinkt wird.



Grundsätzlich hilft die Digitalisierung, Verwaltungsprozesse effizienter und ggf. auch transparenter zu gestalten. Der damit einhergehende Bürokratieabbau für Bürger und Unternehmen wird sich herumsprechen und so zu zunehmender Akzeptanz und Nutzung entsprechender Dienstleistungen führen.

AfD Hamburg (2015: 6,2%): "Bürger persönlich überzeugen"

Die Stadt und die Bezirke müssen für die Nutzung der Angebote werben. Dies geschieht derzeit schon im Internet, wo die Strategie und ihre einzelnen Projekte anschaulich dargestellt werden. Doch nicht jeder Bürger wird sich dies ansehen. Daher muss die Aufmerksamkeit der Bürger geweckt werden und es muss klar hervorgehoben werden, welchen Nutzen sie aus der Strategie "Digitale Stadt" ziehen können. Der Bürger sollte sich persönlich angesprochen fühlen.

3. Thema: Digitale Services

Wo sehen Sie mit Umsetzung der "Digitalen Stadt" und dem neuen "Hamburg Service"-Portal Chancen für die Wirtschaftsmetropole und ihre Einwohner?

SPD Hamburg (Fachsprecher: Hansjörg Schmidt): "Flächendeckendes Glasfaser"

Die Digitalisierung, Vereinfachung und nutzerfreundliche Umsetzung von Verwaltungsprozessen bedeutet einen niedrigschwelligen Zugang der Anwender und Betroffenen und ist für diese u. a. mit einem geringeren zeitlichen Aufwand verbunden. Digitale Verwaltungsverfahren, aber auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur, wie etwa der Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes sowie die Fortentwicklung Hamburgs zur 5G-Mobilfunk-Stadt werden zudem auch den Wirtschaftsstandort stärken.

Zudem werden bis Ende 2022 im Bund, in allen Ländern und Kommunen 575 Verwaltungsverfahren für Einwohner, Unternehmen und Behörden online angeboten. Hamburg kümmert sich unter Leitung des Amts für IT und Digitalisierung der Senatskanzlei im Besonderen um die digitalen Angebote für Unternehmen.

CDU Hamburg (Fachsprecher: Carsten Ovens): "Später Beginn, späte Ergebnisse"

So denn die Umsetzung in zwei, drei Jahren endlich erfolgt ist, die Zahl und die Qualität der digital verfügbaren Verwaltungsdienstleistungen adäquat ist, dann können Wirtschaft und Einwohner von den neuen Möglichkeiten definitiv profitieren. Die positiven Effekte sieht man ja bereits in jenen europäischen Ländern, die sich bereits früher auf den Weg gemacht haben. In Hamburg wurde das Thema erst in dieser Legislaturperiode entdeckt und bis den Worten Taten folgten, dauerte es zwei Jahre.

GRÜNE Hamburg (Fachsprecher: Farid Müller): "Ein intelligenter Smart Port"

Für Hamburg als Wirtschaftsmetropole ist beispielsweise die Idee des smartPORT der Hamburg Port Authority (HPA) innerhalb der „Digitalen Stadt“ von Bedeutung. Ein intelligenter Hamburger Hafen kann viele Vorteile mit sich bringen und die Hafenwirtschaft effizienter und nachhaltiger machen. Hier wollen wir vor allem im Bereich der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung noch weiter gehen und den digitalisierten Hamburger Hafen als positives Beispiel nach vorne stellen. 

Das Hamburg Service-Portal ist zudem eine tolle Chance für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für Firmen und Behörden in unserer Stadt: hier lassen sich auf einen Blick gesammelt viele Informationen und weiterführende Dienste der Behörden finden.

LINKE Hamburg (Fachsprecher: Norbert Hackbusch): "Überall schnelles Internet"

Eine kluge und vor allem modulare Digitalisierung bietet die Chance, dynamisch auf die Veränderungen in der Wirtschaftswelt zu reagieren. Zweifelsohne ist das Etikett „Digital“ für die Wirtschaft ein Faktor, der Hamburg mit dem Attribut „modern“ und damit zukunftsfähig ausstattet. 

Wer Verwaltungskommunikation 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, erledigen kann, wird sich über ausufernde Bürokratie und Schranken im Handeln zumindest weniger beschweren, soweit die Reaktion auch zeitnah erfolgt. Dazu gehört dann aber auch ein moderner Begriff von „schnellen Internetanbindungen“ und zwar überall in der Stadt. Unter diesen Rahmenbedingungen kann Hamburg zu einem attraktiven Magneten für Neuansiedlungen und -gründungen werden und zusätzlich Attraktivität bei Arbeitskräften gewinnen.

FDP Hamburg (Fachsprecher: Michael Kruse): "Von digitaler Stadt zu Innovationsmetropole"

Durch die Umsetzung der "Digitalen Stadt“ kann die Metropole Hamburg ihre Stellung als
Digitalstandort ausbauen und die Chance nutzen, um zur Innovationsmetropole Deutschlands aufzusteigen. Genehmigungen, Kundenfragen und Bescheide können schneller und unkomplizierter erstellt werden und für die Umsetzung von Projekten und Beantwortung von Fragen kann effizienter vorgegangen werden.

AfD Hamburg (Fachsprecher: Peter Lorkowski): "Chancen mit Hamburg Serviceportal"

Die digitale Stadt bietet sowohl den Hamburger Bürgern als auch der Wirtschaft enorme
Chancen. Eine moderne digitale Infrastruktur schafft Anreize zur Ansiedlung zukunftsorientierter Unternehmen. Diese Unternehmen schaffen Arbeitsplätze für die
Menschen in Hamburg und mehren den Wohlstand der Stadt und ihrer Bürger.

Das neue "Hamburg Serviceportal" macht B2G-Prozesse effizienter und komfortabler. Viele Behördengänge können mit dem Portal eingespart werden, wodurch Bürger und
Behörden auch entlastet werden. Effizienz in der Verwaltung ist zudem ein wichtiger Standortfaktor, da dies für Unternehmen ein Kriterium bei Neuansiedlungen ist.

 Hamburg Digital Wahlempfehlung 
Digitalisierung und Verwaltung

Ergebnis der redaktionellen Auswertung: 

Wieder einmal stellt sich heraus: Die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft benennt die Probleme beim Namen, entwickelt Lösungen, zeigt konstruktive Perspektiven auf. Wieder einmal beschäftigen sich CDU und FDP mit dem Thema Digitalisierung ohne Scheuklappen und ohne eitel Sonnenschein. Aber auch die Linke zeigt, dass sie verstanden hat, worum es wirklich geht.

Wieder einmal schwebt die Sozialdemokratie über den eigenen Wolken und sieht sich im Licht ihre vermeintlichen Erfolge, laufen die Grünen atemlos ohne nachhaltige Strategie als Anhängsel hinterher. Nach vier von fünf digitalen Themen verfestigt sich ein Eindruck, der für eine Millionenmetropole mit traditioneller Denke und traditionellen Branchen zum Verhängnis werden kann und wird. 


 Hamburg Digital Background: 

Alle aktuell in der Bürgerschaft vertretenen Parteien haben die Möglichkeit bekommen, die Fragen zu den digitalen Wahlprüfsteinen zu beantworten. Die Antworten der Parteien werden in der Reihenfolge der Sitzverteilung von 2015 veröffentlicht: SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP und AfD. Eine Ausgrenzung von Parteien und ihren Positionen zur Digitalisierung in Hamburg - z. B. der AfD oder der Linken - findet nicht statt. 



Wir machen keine Politik. Wir beobachten, bewerten und berichten.



Die Antworten werden in der Reihenfolge der Themen und Fragen veröffentlicht. Eine Kommentierung oder Kürzung der Antworten gibt es nicht. Auf Grundlage der Antworten erarbeitet die Redaktion eine sachlich begründete Wahlempfehlung zu jedem Themenkomplex sowie insgesamt zur Digitalpolitik. In die Wahlempfehlung fließen über 1.200 veröffentlichte Digitalnachrichten aus Hamburg, der Metropolregion und Norddeutschland sowie gut 270 Fachbeiträge, Interviews und Statements ein.



Wir brauchen gute Politik. Dazu braucht es Wähler, die wissen wen sie wählen.

Am 23. Februar d. J. entscheidet Hamburg, wie es in den kommenden fünf Jahren weiter geht: 1.4 Mio. Wahlberechtigte sind aufgerufen, in 17 Wahlkreisen 121 Abgeordneten von 15 Parteien in die Bürgerschaft zu entsenden. Wird SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher die ganze Stadt auch digital im Blick behalten oder die GRÜNE-Bürgermeisterin Katharina Fegebank Hamburg zum digitalen Labor entwickeln? 


Die Hamburg Digital Wahlprüfsteine - Thema Digitalisierung und Stadtleben - in der kommenden Woche nur hier auf HANSEVALLEY.



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 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
https://hv.hansevalley.de/2020/02/hansepolitics-stadtentwicklung-hamburg-2020.html

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?
hv.hansevalley.de/2020/02/hansestatement-klimaschutz-chinaloesung.html

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.