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Sonntag, 29. April 2018

HANSEPERSONALITY Petra Vorsteher: Man muss an seine Idee glauben und restlos von ihr begeistert sein.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg: E-Commerce-Hauptstadt & Marketing-Metropole. Einst waren es Jung von Matt, Scholz & Friends oder Springer & Jacobi, die über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus strahlten. Heute sorgen Facebook, Google oder Snap für das leuchtende Image des Elbvalley. Im 19. Stock des Emporio-Towers am Valentinskamp schaut man direkt in die gläsernen Büros der US-Internet-Giganten.



Im größten Standort des Mobile Advertising-Vermarkters Smaato sieht die Welt ganz besonders aus. Als börsenunabhängige Plattform mit mehr als 90.000 Publishern, über 10.000 Advertisern und 500 Plattformpartnern spielt das von Petra Vorsteher mitgegründete Unternehmen von San Fransico über New York und Hamburg bis Shanghai in einer Liga mit Google und Facebook.

Als Chief Alliance Officer von Smaato, stellvertretende Vorsitzende von Hamburg@work und Hamburg Abassador in San Francisco ist Petra Vorsteher eine der führenden Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft an Alster und Elbe. Unser HANSEPERSONALITY ist Smaato-Mitbegründerin, Business Developerin und Repräsentantin Petra Vorsteher:


Ich würde gern persönlich in unser Interview einsteigen: Du lebst seit 1981 in San Francisco und Hamburg und hast Dich vor 37 Jahren für das Silicon Valley entschieden. Was hat Dich bewogen, in die Bay Area zu ziehen und was fasziniert Dich bis heute als Hamburg Ambassador in San Francisco, auch im sonnigen Kalifornien zu Hause zu sein?

Ich habe mich schon beim ersten Besuch in San Francisco verliebt und dort zuhause gefühlt. Nicht nur die Schönheit der Stadt und das wunderbare Wetter haben mich angezogen, sondern auch die positive Lebenseinstellung und eine DNA, die der Hamburger sehr ähnlich ist: Internationalität, Hanseatische Werte, Tugenden wie Anstand und Fairness sind dort tief verwurzelt. Man hilft einander, ohne Angst zu haben, dass dieser Vertrauensvorschuss ausgenutzt wird. 

Man nennt dies paying forward - irgendwann könnte man selbst Hilfe gebrauchen, dann kann man sich aufeinander verlassen. Ein absolut funktionierendes Ecosystem mit einer ungeheuren Innovationskraft – man tauscht sich rund um die Uhr aus und inspiriert sich. Selbst in schlechten Zeiten herrscht dort Aufbruchsstimmung. Ich habe wirklich Glück gehabt, das Silicon Valley wachsen zu sehen und Teil des Ganzen zu sein. Dafür bin ich dankbar.

Fliegen wir von den USA nach China. Im Gegensatz zu Google und Facebook seit Ihr auch in China aktiv, kooperiert u. a. mit der populären Plattform "Baidu" und habt seit Dezember 2016 einen chinesischen Eigentümer. Welche Bedeutung hat aus Deiner Sicht die Öffnung nach China für Euch als Unternehmen und die Handelsmetropole Hamburg?

Die Übernahme Smaato's durch den chinesischen Marketing-Riesen Spearhead war von Anfang an auf Win-Win ausgerichtet. Die Frage lautete: Wie können wir einander helfen und unsere Stärken füreinander nutzen. Smaato war seit der Gründung in 2005 in San Francisco international ausgerichtet und konnte so ein großes, starkes und loyales globales Netzwerk an Partnern aufbauen. 

Spearhead ist in China im traditionellen Marketing eine der führenden Firmen mit über 2.000 Mitarbeitern und Büros in Peking und Shanghai, hat aber noch keinen mobilen Footprint oder Business außerhalb Chinas. Insofern ist diese Partnerschaft perfekt. Spearhead kann durch Smaato’s Technologie und globale Präsenz ihr Geschäft sehr schnell und effektiv globalisieren sowie mobilisieren, und wir können im großen Chinesischen Markt mit so einem starken Partner wesentlich schneller erfolgreich sein.

Hamburg ist in Europa schon sehr lange eine der wichtigsten Handelspartner für China. Der Hafenverkehr sowie jetzt auch der Bahnverkehr sind ein wichtiger Bestandteil der Hamburger Wirtschaft. Der Hamburg Summit, die erfolgreiche Städtepartnerschaft mit Shanghai und der rege Austausch in kultureller wie sportlicher Hinsicht, sind außerdem ein deutlicher Beweis für die lebendige Partnerschaft und blühenden wirtschaftlichen Beziehungen. Konstellationen wie bei Smaato sind gut für alle Beteiligten.


Smaato ist in diesem Jahr 13 Jahre jung. Ihr seid eine Tech- und Marketing-Company, und Hamburg ist Euer wichtigster Entwickler-Standort. Du kümmerst Dich u. a. um Eure Standorte, die Kultur und die Partnerschaften. Was macht Smaato aus Deiner persönlichen Sicht so besonders?

Passion: Unsere Passion für Smaato! Alle Mitarbeiter sind mit Herz und Seele engagiert und sind sehr loyal. Es ist eine große Freude und auch Ehre, Mitglied einer so besonderen, globalen Smaato Family zu sein! Auch viele unserer Partner haben eine Leidenschaft für Smaato und wir wertschätzen das Vertrauen und die Loyalität, die uns entgegengebracht werden sehr. Innovation: Smaato war, was mobile Technologie betrifft, schon immer seiner Zeit voraus. Wir haben die Firma 2005 als mobile Company gegründet. Noch bevor es das iPhone gab. Innovation ist in den Smaato-Genen und die Entwicklung von Leading Edge Technologie zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. 

Global: Smaato ist eine der führenden Mobile-Firmen der Welt. Eines der wesentlichen Erfolgskriterien ist natürlich auch, dass wir von Anfang an global tätig sowie präsent waren, und so langfristige Beziehungen und ein riesiges Netzwerk aufbauen konnten. Auch unser Team ist international, wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Nationen. Allein im Hamburger Büro sind 30 Nationalitäten vertreten, das heißt, die Firmenkommunikation verläuft auf Englisch. Wir bieten aber Deutsch-, Englisch- und Chinesisch-Kurse an, für alle, die sich weiterbilden möchten. 

Teamwork und Toleranz werden bei uns großgeschrieben, wir vertrauen unseren Mitarbeitern. Wir sind dadurch extrem offen, innovativ und agil, sind in der Lage Trends sehr schnell zu erkennen und schneller als andere umzusetzen.

An Eurem Hamburger Standort im Emporio-Tower arbeiten gut 150 Mitarbeiter*innen mit mehr als 30 Nationalitäten. Weltweit arbeiten in Eurem Headquarter in San Francisco, Eurem Sales Department in New York, in Hamburg, Jakarta, Shanghai und Singapur rd. 250 Mitarbeiter. Was schätzt Du am Standort Hamburg?

In einem Satz zusammengefasst ist Hamburg innovativ, weltoffen, modern, wirtschaftlich sowie kulturell spannend – und natürlich wunderschön. Im Detail schätze ich den Pragmatismus und die Handschlag-Mentalität. Hamburg ist eine etablierte Kaufmannsstadt und sehr offen, was die wirtschaftliche Entwicklung und Anwendung von Informationstechnologien angeht. Hamburg fördert Unternehmen aus der IT- und Digitalbranche, vor allem durch starke Vernetzung und Austausch. Hiesige Universitäten wie die Technische Universität Hamburg schaffen zudem eine starke Basis für gut ausgebildeten Nachwuchs. 

Vereine wie Hamburg@work haben exzellente Events sowie ein nationales wie internationales Netzwerk, und das schon seit 20 Jahren. Das Amerikanische Konsulat sowie auch der American Club bieten regelmäßig Veranstaltungen an, die für den kulturellen Austausch sorgen, der heute wichtiger denn je ist. In der Hamburger und insgesamt deutschen Arbeitskultur ist die Fluktuation von guten Mitarbeitern übrigens nicht so ausgeprägt wie in den USA. Bei uns arbeiten heute noch viele Kollegen, die schon seit kurz nach der Gründung dabei waren.

Smaato’s Erfolgskonzept für unsere Plattform: Silicon Valley Innovation kombiniert mit German Engineering. Aus diesem Grunde befindet sich unsere Entwicklung mit 150 Mitarbeitern in Hamburg.


In nur 150 Millisekunden findet Ihr über Eure Auktionsplattform weltweit Werbeanzeigen für App-Publisher. Davon gibt es jeden Tag rd. 20 Mrd. Auktionen, sprich 20 Mrd. ausgespielte Anzeigen - in den USA, China und Großbritannien, wie in Japan oder Australien. Wie könnt Ihr sicherstellen, bei 40% Fraud im Markt möglichst nur qualifizierte Anzeigen auszuspielen?

Uns war es schon immer immens wichtig, Transparenz für den Kunden sicherzustellen und sichtbare Werbemittel auszuliefern. Unsere Umfelder sind definitiv brand-safe und die Werbeplätze fraud-free. Smaato erreicht dies durch eine Kombination von sich stetig weiterentwickelnden Analytics-Tools mit einem exklusiven Team zur Qualitätssicherung.

Seit Eurer Gründung in den USA 2005 habt mehrfach einen Pivot hingelegt: Von der App-Developer-Schmiede zur In-App-Werbe-Company zum Ad-Network und schließlich zur Programmatic Ads-Plattform mit Echtzeit-Auktionen. Welchen guten Tipp hast Du für Tech-Startups in Hamburg, erfolgreich ihren Weg gehen zu können?

Passion! Leidenschaft! Man muss an seine Idee glauben und restlos von ihr begeistert sein. Wenn die Idee wirklich innovativ und ihrer Zeit voraus ist, wird sie trotzdem nicht jeder verstehen! Davon muss man ausgehen. Dann ist es besonders wichtig, dass man den Spirit nicht verliert und sich nicht entmutigen lässt. Beim Money raisen kann das sehr schnell passieren. Oder wenn mal harte Zeiten kommen. 

Junge Unternehmer sollten auch den sogenannten Elevator Pitch beherrschen, sprich ihre Firma und Geschäftsmodel kurz und knackig zwischen Ein- und Ausstieg auf den Punkt bringen können. Wer erst stundenlang erklären muss, was er eigentlich macht, wird vermutlich nicht nur bei Investoren, sondern auch beim Kunden scheitern. Aber wenn man Visionen hat, muss man daran glauben und durchhalten, auch wenn alle anderen sagen, dass es unmöglich ist.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage:

Du vertrittst als Hamburg Ambassador unsere Stadt in San Francisco und knüpfst mit Deinem Hamburg Office in der Smaato-Zentrale u. a. Kontakte für das führende Business-Netzwerk an Alster und Elbe, Hamburg@work. Was läuft in Sachen Digitalisierung in Hamburg aus Deiner Sicht schon richtig gut, und wo würdest Du Dir ein wenig mehr Mut wünschen?

In puncto Digitalisierung passiert in Hamburg im Vergleich zu vielen anderen Städten schon viel und es gibt auch viele Initiativen von Firmen und der Handelskammer, die zum Beispiel dem Mittelstand helfen, die neuen Anforderungen der Digitalisierung zu meistern um sich für die Zukunft zu rüsten. Hamburg ist lokal wie global schon sehr innovativ und ist auch ein Meister der Netzwerke. 

Die Hamburg Ambassadors sind ein gutes Beispiel. Hier hat Hamburg ein internationales Netzwerk von 32 ehrenamtlichen Botschaftern, die die Freie und Hansestadt mit großer Leidenschaft in ihren Regionen in den verschiedensten Bereichen vertreten und Verbindungen aufbauen und pflegen. Das ist einmalig auf der Welt und wird sehr bewundert.

Hamburg@work verbindet hunderte Unternehmen aus der Informationstechnologie, dem Venture Capital und der Startup-Szene. Es hat Branchenevents, Kreativ-Awards, die IT Strategietage und den IT Executive Club und ist international vernetzt. NextMedia.Hamburg und Digital Media Women - nur um einige zu nennen - sind sehr aktiv. In der Hamburger Startup-Szene passiert unglaublich viel. In Deutschland sind die meisten Gründungen in Hamburg. Ich würde mir wünschen, dass dies international noch bekannter wäre.



*  *  *

Herzlichen Dank für Deine Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

Über die Smaato Inc.

Smaato ist die führende unabhängige globale Echtzeit Werbeplattform und verbindet über 10.000 Advertiser, darunter 91 der Top 100 Ad Age-Marken, mit über 90.000 App-Entwicklern und mobilen Web-Publishern. Das Unternehmen managt bis zu 20 Milliarden mobiler Ad Impressionen täglich und erreicht pro Monat über eine Milliarde Unique Mobile Users. 

Smaato wurde 2005 von den mobilen Pionieren Ragnar Kruse und Petra Vorsteher gegründet und verfügt neben seinem internationalen Hauptsitz in San Francisco über Niederlassungen in Hamburg, Singapur, Shanghai, sowie New York und beschäftigt insgesamt 250 Mitarbeiter. Weitere Informationen unter www.smaato.com

 Hamburg Digital Background: 

Petra Vorsteher: Hamburg und das Silicon Valley haben die gleiche DNA, Hamburg News:
www.hamburg-news.hamburg/de/medien-it-kreativwirtschaft/hamburg-und-das-silicon-valley-die-gleiche-dna/

Das Digital-Cluster Hamburg@work:
www.digitalcluster.hamburg

Der IT-Executive Club bei Hamburg@work:
www.digitalcluster.hamburg/projekte#it-executive-club


Sonntag, 30. April 2017

HANSEPERSONALITY Ralf Scharnhorst: "Die Welt stellt sich gerade auf den Kopf."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Ich fand Marketing schon immer spannend", pointiert der bekannte Hamburger Medienexperte seine Passion. 1996 war er bei der DMS Mediaagentur einer von 5 Mediaplanern für Onlinewerbung in Deutschland. 1998 leitete der Diplom-Kaufmann als einer der ersten Mitarbeiter der Hamburger Marketingagentur SinnerSchrader die Mediaplanung. 


Mit seiner Agentur findet er heute neue Wege für effizientes Onlinemarketing. An der Macromedia Hochschule lehrt er Onlinewerbung und Mediaplanung. Als Boardmitglied der D3con unterstützt er eine der führenden Konferenzen zur Zukunft der Displaywerbung in unserer Stadt. Unser HANSEPERSONALITY ist Ralf Scharnhorst:



Hamburgs Online-Marketing-Experte Ralf Scharnhorst
Die Werbung ist im Umbruch. Bislang wurde mit großen Etats in Fernsehspots, Printanzeigen oder Plakatwerbung investiert. Heute spielen Plattformen, wie Facebook und Google ganz vorn mit. Was hat sich mit online verfügbaren Werbeplätzen geändert?

Wo Werbung ungebündelt vom Inhalt ausgespielt werden kann, entsteht eine Vielfalt der Zielgruppen-Auswahl. Die Frage ist nicht mehr nur: werbe ich auf RTL oder SAT1, im Spiegel oder der Bild. Es kann sein: Will ich Freunde von Kino-Fans erreichen, die nach einer Geschenkidee suchen - mit Werbung für einen Kino-Gutschein? Oder Profi-Fotografen, die nach Zubehör suchen?


Wie können kleine und mittelständische Unternehmen von Onlinewerbung - sei es als Text- oder Bild-Ads - profitieren? Und worauf sollten Sie achten, um Budgets nicht ineffizient zum offenen Fenster rauszuwerfen? Ihre Ratschläge als langjähriger Experte!

Mut schlägt Budget! Die kurzen Entscheidungswege von Mittelständlern sind da ein Vorteil. So können sie einerseits aufmerksamkeitsstärkere Inhalte produzieren. Andererseits kennen kleinere Unternehmen oft ihre Zielgruppe besser. Und sie sind oft in der Lage, ganz natürlich auf die Fragen zu antworten, die sie über Social Media erreichen - weil sie ihr Produkt kennen. 



Ich sehe da drei Evolutionsstufen: Als erstes gab es nur Maßschneider, die in direktem Kontakt mit ihrem Kunden waren. Dann kam die Massenproduktion mit Fabriken und Fliessbändern - sie brauchte Werbung in Massenmedien und hatte als Rückkanal nur die indirekte Marktforschung. Und jetzt befinden wir uns auf der dritten Stufe, wo sich nicht nur Produktionsmöglichkeiten, sondern auch Marketing und Vertrieb demokratisieren. 

Für Brauereien, deren Marke nur in halb Deutschland erhältlich war, war Fernsehwerbung immer halb so effizient wie für die „Fernseh-Brauereien“ mit national deckender Distribution. Online-Video-Ads dagegen lassen sich präzise auf das Vertriebsgebiet aussteuern. So bekommen kleinere Anbieter die gleiche Marketing-Effizienz, wie bisher nur die großen. 

Facebook und Google organisieren Roadshows, um Mittelständler für ihre Werbeformate zu gewinnen. Welche Werbekanäle sind neben den globalen Online- und Social Media Plattformen für Kundengruppen interessant?

Jeder Werbungtreibende findet seine Nische, oft ist es nur ein langer Weg bis dorthin. Für die meisten ist Suchmaschinen-Marketing der effizenteste Kanal, sie beginnen damit. Aber was, wenn nach dem Produkt nicht gesucht wird? Hier ist oft Facebook die erste Wahl - und auch sonst durch seine detaillierte Aussteuerbarkeit und Datenmenge oft eine Empfehlung. Im Prinzip ist das schon datengetriebenes Marketing, aber noch nicht ganz „Programatic“.

Das kann seine Vorteile ausspielen, wenn man alle erhältlichen Datenquellen zusammenführt. Gerade im Bereich der Business-to-Business-Kommunikation haben aber auch die Klassiker unter den Online-Kanälen noch ihre Berechtigung: E-Mail-Marketing, Sponsorings oder Festplatzierungen auf themenspezifischen Sites - wir scheuen uns da nicht, bei spezialisierten Websites die digitale Werbung noch mit einem Fax einzubuchen.

Henry Ford sagte: „Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.“ Wie hoch ist der Anteil ineffizient eingesetzter "Werbedollars" heute in Zeiten online messbarer Werbung?

Vorweg: „Man kann sich schlecht dagegen wehren, welche Zitate einem hundert Jahre später im Internet in den Mund gelegt werden“ - sagte angeblich Einstein. Aber egal, von wem das Zitat nun stammt: daran arbeitet der Berufsstand der Mediaplaner noch heute. Wir haben heute aber mehr Technik, Rechenleistung und Daten. Daher sind wir bei gefühlt nur noch 20%, gemessen aber manchmal bei 99% verschwendetem Budget, wenn nur bei jedem 100sten User ein Kauf gemessen werden kann. 

Anders gesehen: Man startet Kampagnen so wie man denkt, dass sie am besten funktionieren. Weil es aber so viele Einfluss-Faktoren gibt, sollte man gerade beim Start Vielfalt erlauben, damit man auch unerwartete Nischen nutzen kann. Und die Kombination aus menschlicher Erfahrung, Phantasie und technischer Rechenleistung führt dann dazu, dass die Kampagne anhand der gemessenen Ergebnisse immer weiter optimiert wird. 

Dennoch: so lange der Mensch nicht zum Konsum gezwungen wird, bleibt der Erfolg der Werbung immer risikobehaftet. 

Aus Zeitungen werden Portale, Aus Antennen-TV wird Streaming, aus Plakaten werden Bildschirme. Früher wurden Plakate für 10 Tage gebucht, heute kann Werbung im 15 Minuten-Takt geschaltet werden. Was erwartet uns als Nächstes in der digitalen Werbung?
Nach und nach werden alle Medien digital. Am Bahnhof hängen immer weniger Plakate und immer mehr Bildschirme. Das hat drei Effekte: Aus Standbild wird Video, kürzere und damit günstigere Zeiträume sind buchbar und es ergeben sich weitere Möglichkeiten, die Zielgruppe auszuwählen - in diesem Beispiel nach Uhrzeit und Wochentag. 

Medienunternehmen wie Verlage, aber auch MySpace und StudiVZ dachten irgendwann, ihre technische Entwicklung sei abgeschlossen. Es übernahmen die IT-Unternehmen. Von Google, Amazon, Facebook und Apple müssen wir lernen: Wir befinden uns noch am ersten Tag der Entwicklung.

Wie beurteilen Sie Natural User Interfaces, wie Amazon Alexa, Microsofts Hololens oder Snapchats Spectacles in Sachen Werbevermarktung? Entstehen hier gerade die milliardenschweren Marketingkanäle der nächsten Jahrzehnte?

Die Werbungtreibenden wollen Aufmerksamkeit, dabei ist ihnen das Medium zunächst egal. Sie folgen also der Mediennutzung der Zielgruppen. Die Menschen ändern ihre Gewohnheiten langsamer und eher am Nutzen orientiert als an den technischen Möglichkeiten. Dennoch sollten wir uns an der enormen Geschwindigkeit orientieren, mit der sich die IT weiterentwickelt. 

Das Moore’sche Gesetz ist bislang ungebrochen: Verdoppelung der Rechenkapazität ca. alle eineinhalb Jahre bei gleichbleibendem Preis - das kann man sich beispielsweise für Autos nicht vorstellen.
 
Das führte dazu, dass der Computer in kurzer Zeit seinen Weg aus dem Rechenzentrum im Keller auf den Schreibtisch und danach in unsere Hosentasche gefunden hat. Er setzt schon an zum nächsten Sprung. Für Werbung aber gilt: um so näher sie uns kommt, um so stärker kann sie stören. Daher brauchen wir mehr Fingerspitzengefühl bei der Entwicklung neuer Werbeformen. 

Aber freuen wir uns erst einmal darüber: Nach über zwei Jahrhunderten Tastatur und über 30 Jahren Maus kommt endlich Bewegung in die Schnittstelle Mensch-Maschine. Facebook arbeitet sogar gerade daran, dass wir direkt aus dem Gehirn posten können. Und da sich Facebook ausschliesslich durch Werbung finanziert, müssen sich zumindest die Werbungstreibenden keine Sorgen deshalb machen.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist einer der führenden Medien- und Marketingstandorte, einschl. der Vertriebsbüros amerikanischer Plattformen. Was sollte Hamburg heute unternehmen, um auch in Zukunft in Medien und Marketing vorn mitzuspielen?

Es gibt da ja die deutsche Haltung „Politik soll alles retten“ und die amerikanische: "Stadt und Staat sollten nur möglichst wenig stören". Meine liegt dazwischen: Die Stadt kann nur einen guten Nährboden schaffen. Und das geht durch Bildung für alle und erschwingliche, kurzfristig mietbare Büroräume, die Vernetzung ermöglichen. 

An der Hochschule versuche ich, den Studierenden die Alternative zum Angestellten-Leben aufzuzeigen: Wenn Ihr eine Idee habt, die Eure Chefs nicht verstehen, probiert sie selber aus! Und das haben schon einige getan. Ich glaube, es liegt nicht an den Studierenden, dass wir hier weniger Gründer haben als in den USA, sondern an den Hochschulen. Aber ich habe erlebt, wie Google und Facebook nach Hamburg kamen: am Ende ist es der reine Zufall, dass die richtigen Leute am richtigen Ort sind.

Vielen Dank für die tollen Insides!

Das Interview führte Thomas Keup.

Über Ralf Scharnhorst, Inhaber Scharnhorst Media

Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet und entwickelt Marketing-Strategien - oft mit anschliessender Umsetzung. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung. Mit dem Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt. Scharnhorst leitet den Competence Circle Media-Management im Deutschen Marketing Verband und lehrt an der Macromedia Hochschule. 


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 Hamburg Digital Background: 

Ralf Scharnhorst bei XING:
https://www.xing.com/profile/Ralf_Scharnhorst 

Ralf Scharnhorst: 10 Thesen zur Zukunft des Marketing

https://onlinemarketing.de/news/werbung-ohne-pc-zielgruppe-10-thesen-zukunft-marketing

Scharnhorst Media Beratung und Planung
https://www.scharnhorstmedia.com/


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________


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