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Dienstag, 7. Juli 2020

HANSEBUSINESS: Assets statt Anstand - Der tiefe Fall des Otto-Versands.

Hanse Digital Background
- 2.400+ Leser. Und Sie. -

+++ Abwimmeln von Kundenbeschwerden +++ Herabsetzung von Stammkunden +++ Launische Konzernpressesprecher +++ Verleumdung von Journalisten +++ Aussperren von Redaktionen +++ Intolleranz gegenüber Amazon +++

Otto Group Flaggen vor der Firmenzentrale in Bramfeld
Der Schein trügt: Stolze Flaggen vor der Otto-Zentrale in Bramfeld.
Foto: HANSEVALLEY
*Update 09.08.2022*


Eine Otto.de-Supporterin zickt am Telefon: "Sie hätten ja nicht bei uns zu kaufen brauchen". Otto Asset-Geschäftsführer Tarek Müller pöbelt auf Facebook: "Auch wir hatten Interaktion mit ihm. Da war ich fassungslos über Umgangsform, Verhalten und Geltungsbedürfnis." Otto Group-Sprecher Thomas Voigt betreibt gleich direkt Verleumdung: "Ihre Mails sind nun schon seit Jahren von Verunglimpfungen gegenüber führenden Persönlichkeiten des Konzerns oder den Kommunikationsverantwortlichen geprägt." So reden Otto Group-Mitarbeiter öffentlich über Kunden und Multiplikatoren - ohne die Behauptungen zu belegen - und sperren Journalisten aus ihren Presseverteilern aus. Willkommen in der Welt der Otto Group. Willkommen in Bramfeld.

Kunden anpöbeln oder Journalisten verunglimpfen zeigt, wie man hier denkt. Und damit zeigt man, wie man agiert. Unabhängig der vorsätzlichen Pöbeleien bringt eine Tatsache auf den Punkt, worum es dem Hamburger Otto-Personal nur noch geht: "Assets". Das ist der Fachbegriff der Finanzindustrie u. a. für Unternehmensteile oder Geschäftsbereiche. Die Absolventen von privater FH Wedel oder HSBA denken nicht etwa an Kunden, sondern an "Assets". Genau diese BWL- und Berater-Denke macht hemmungslose Pöbeleien gegenüber denjenigen möglich, die für das Unternehmen entscheidend sind - nämlich Kunden und Multiplikatoren (vgl. Amazon-Kundenzentrierung).


Gestellte Otto-Welt: Mit Ex-BCG-Berater Sebastian Klauke (links)
keinen "Day One"-Experten im Vorstand.
Foto: Marc Ackermann

Der Unterschied zwischen Otto und Amazon: Ein kleines Kino im Hamburger Westen. Die Presseabteilung von Amazon Prime lädt zur Premiere einer neuen Serie in die Hansestadt. Beim anschließenden Interview mit dem zuständigen Deutschland-Geschäftsführer unterbricht eine Agentur-Mitarbeiterin unversehens das Gespräch. Der Hinweis gegenüber den Presseverantwortlichen sorgt für sofortige Abhilfe. Die PR-Frau wird aus dem Verkehr gezogen, das Interview kann ungestört beendet werden. Hier hat man verstanden, dass es um ein gemeinsames, publizistisches Ziel geht. Das nennt man Professionalität in der Pressearbeit.


„Tag zwei bedeutet Stillstand, gefolgt von Bedeutungslosigkeit, gefolgt von einem fürchterlichen, schmerzvollen Niedergang, gefolgt von Tod. 
Und deswegen ist immer Tag eins.“
Jeff Bezos, Gründer und CEO, Amazon.com Inc.
Aktionärsbrief, 2017

Während Otto-Supporterinnen auch 2020 nicht auf Konflikt- oder Krisensituationen souverän regieren können, regeln Amazon-Supporter im ersten Telefonat fast alle Fälle offen, ehrlich und fair. Denn Sie bekommen die notwendigen Tools an die Hand. Hier entscheidet sich die Schlacht um die Kunden, hier entscheidet sich, ohne Gutschein oder nur mit 20% oder mehr Rabatt einzukaufen. Hier haben die BWL-Experten der "Asset"-Fraktion aus Bramfeld verloren. Der Unterschied zwischen der "Day One"-Philosophie eines Jeff Bezos und "Müssen nicht bei uns kaufen"-Arroganz der Hamburger Firmengruppe. Für Otto ist das der Anfang vom Ende. Und das beweise ich:


Nicht gegendertes Vorstands-Klo im Otto-Hochhaus:
So digital geht's hier wirklich zu.
Foto: HANSEVALLEY

*Update 06.08.2020*

Von lokal zu regional, von national zu global: Bereits bei dieser Entwicklung ist die Otto Group auf dem Abstellgleis. Beweis: Der Rückzug aus Ländern und die de facto Gleichschaltung von Baur, Otto, Schwab und Witt. Während Amazon Flugzeuge und Schiffe kauft, um die globale Logistik zu steuern und Aliexpress, Joom & Wish die nationalen Märkte erobern, ziehen sich die Bramfelder zurück. Während Amazon ein eigenes nationales Logistiknetz mit aktuell 15 Umschlagzentren und 30 Verteilstationen gespannt und mit 20 weiteren Niederlassungen ausbaut, jammert die oberste Otto-Heeresleitung über einen unfairen Wettbewerb. Der hat am Beispiel Amazon in den vergangenen 20 Jahren 20.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen, 28 Mrd. € investiert und im vergangenen Jahr 1,6 Mrd. € Steuern gezahlt - in Deutschland.


Seit 2018 verspricht Otto.de zum Marktplatz zu werden, integriert im 1. Jahr gerade einmal rd. 70 Händler - per Faxlisten. Konzernvorstand und HSBA-Absolvent Alexander Birken erinnert sich noch heute an die Frage auf der Bilanz-Pressekonferenz. Mit jeder Jahresbilanz versprechen Birken und sein Lautsprecher Voigt, jetzt tausende Händler zu onboarden - verantwortet von einem nur bedingt kund*innenorientierten Ex-BCG-Berater Klauke. Im vergangenen Jahr weist die Group-Bilanz 166 Mio. € Kosten für den Plattform-Umbau aus. Bis heute dominieren konzerneigene Händler, wie Mirapodo. Das ist die Sollbruchstelle und der Genickbruch.


1. Otto-Versand Standort 1949 in Hamburg-Schnelsen
1949 in Hamburg-Schnelsen: So fing alles mit Schuhversand an.
Foto: Otto Group

Der Schnellere frisst den Größeren: 1994 wurde Amazon in Bellevue, Washington, gegründet. 25 Jahre später weist Amazon allein in Deutschland offiziell mit 19,9 Mrd. € insgesamt 19% aller E-Commerce-Umsätze aus - eine Steigerung in nur einem Jahr um 11,8%. Der Amazon.de-Marketplace erwirtschaftet hierzulande mit gut 30 Mrd. € weitere 29% aller E-Commerce-Umsätze. Damit dominiert Amazon mit rd. 50 Mrd. € Umsatz und fast 50% alle E-Commerce-Käufe in Deutschland. Global macht Amazon 58% mit seinen Händlern - und nicht selbst. Damit wird klar, wer heute das Geld verdient, wenn man kein Fax mehr benutzt. Stand heute hat Otto.de gerade einmal 500 Marktplatz-Händler, die zumeist über Wochen händisch integriert wurden.

1949 gründet Werner Otto in Hamburg-Schnelsen mit drei Mitarbeitern einen Schuhversand - mit Geld der Sparkasse. 70 Jahre später weist die Otto Group in Deutschland E-Commerce-Umsätze von 5,4 Mrd. € aus - eine Steigerung von 5,9% - die Hälfte des vergleichbaren Zuwachses im deutschen Onlinehandel. Deutlich erkennbar: Die Otto Group ist in Deutschland nur noch 1/4 so groß wie Amazon.de - und das ohne den milliardenschweren Amazon-Marktplatz. 2018 lag das Verhältnis noch bei 1:3. Mit 3,5 Mrd. € ist Otto.de das einzige Milliarden-"Asset" der Gruppe. Das ist der Unterschied von Geschwindigkeit zu einstiger Größe. Und Otto läuft die Zeit weg, weil man bis heute rd. 3 Jahre gebraucht hat, einen automatisch funktionierenden Marktplatz zu entwickeln.

Übersicht Otto Brand Connect Strategie
Bunte Folien im Kampf gegen die bösen Plattformen: Otto Brand Connect
Foto: HANSEVALLEY

Der Gewinner von gestern - wie gesagt: Wir haben die Otto Group im April 2018 im Hamburg Digital Ranking zum hoffnungsvollsten Unternehmen in Sachen Digitalisierung an Alster und Elbe gekürt. Im Vergleich zu den damaligen Verfolgern HPA, Haspa, Hapag-Lloyd & Co. stimmte das auch. Nur zwei Jahre später sieht die Welt in Hamburg jedoch bereits ganz anders aus: Während Otto sein neues "Mitmach-Intranet" abfeiert, hat sich Marc Fielmann mit der Digitalisierung von Optikerleistungen ebenso auf den Weg gemacht, wie Lufthansa Technik mit Aviator eine digitale Plattform für Verkehrsflugzeuge anbietet und DNV GL den digitalen Zwilling für Handelsschiffe ermöglicht.

Auch heute gibt es neue, spannende Beispiele für Digitalisierung, Transformation und Kulturwandel an Alster und Elbe. Fernab von Sonntagsreden der Verbandsvertreter und Halbherzigkeiten im Koalitionsvertrag von Rot-Grün machen sich Firmen wie z. B. Fehrmann aus Hamburg daran, ihr Geschäft in die digital-vernetzte Zukunft mit 3D-Druck und Blockchain-Technologien zu führen. Was 1995 bei Otto.de mit einem der ersten deutschen Online-Shops begann, mit Projekt Collins und About You seit 2014 - im Gegensatz zu Zalando - bis dato kein Millarden-Überflieger geworden ist, droht durch globale Plattformen zur Hamburgensie zu verkümmern.

AR-App für die Möbel-Einrichtung mit Otto.de
Nettes Otto.de-Schaufenster-Projekt: Die AR-Möbel-App
Foto: HANSEVALLEY

Wenn Firmen zu Ladenhütern werden: Durch unseren Blick auf beide Freien (und) Hansestadtstaaten, die vier Metropolregionen und alle fünf norddeutschen Bundesländer rund um Nord- und Ostsee haben wir den direkten Vergleich auf Industrien in Bremen und Oldenburg, in Hannover und Braunschweig, in Rostock und Schwerin sowie in Lübeck und Kiel. Unser Fazit zur Otto Group lautet heute: Wer mit einzelnen Pilotprojekten - wie Paketauskunft via Google Home, Spültab-Bestellung der Bosch-Spülmaschine oder Wohnungseinrichtung via AR-App - glaubt, die Zukunft des E-Commerce zu gewinnen, der lebt hinterm Deich: in Hamburg. Gegenbeispiel: Amazon - ein Technologiekonzern mit eigener Hardware, eigener Infrastruktur, eigenen Software-, Apps-, Medien- und Datenservices. Denn alles wird digital, alles.

Die aktuelle Studie das Handelsinstituts EHI aus Köln untermauert unsere persönlichen Erfahrungen: Wenn wir auf Nr. Sicher gehen, dass alles klappt und im Falle eines Falles nicht den Schaden haben wollen, kaufen wir bei Amazon und auf dem Marktplatz. Wenn wir für alltägliche Artikel so wenig Geld wie möglich ausgeben wollen, kaufen bei wir Aliexpress, Joom & Co. Aber nicht bei Otto. Das sage auch ich mit rd. 2.500,- € Amazon-Umsatz im Jahr und “Diamant”-Status bei Aliexpress. Gut 18% Amazon-Pakete allein bei DHL im Jahr (heisst: rd. 288 Mio. Sendungen) und Berge über Berge von grauen China-Einschreibetüten in den Postfilialen zeigen, dass ich nicht allein bin.

Amazon Prime Mehrwert-Dienste im Zeitstrahl
Mit Systematik zu glücklichen Stammkunden: Amazon Prime.
Grafik: Amazon Presse

Zwischen Sicherheit und Schnäppchen: Wer Kunden anpöbelt, wer Journalisten beleidigt, zeigt, was er nicht kann: Zahlungsbereite Geschäftspartner mit herausragenden Leistungen bei Produkt und Service zu begeistern und so langfristig überzeugend an sich zu binden. Das ist dagegen die Philisophie der "Amazon Leadership Principals". Herausragende Leistungen können ein goldener Prime-Käfig bei Amazon mit Next Day-Delivery, freundlichen Kurierfahrern und neuen Streaming-Serien sein. Herausragende Leistungen können ebenso Spottpreise von chinesischen Direktversendern sein - ohne Gewinnmargen für Importeure und Versandhändler.

Wenn Sicherheit oder Schnäppchen die erste Wahl sind, bleibt dem E-Commerce von Otto nicht viel übrig. Die seit Jahren gebetsmühlenartig wiedergekaute Argumentation von verantwortungsvollem Handeln wird von den eingangs erwähnten Protagonisten Müller, Voigt & Co. öffentlich mit Füssen getreten. Wenn in den Online-Shops überall die gleichen Sneakers aus Vietnam, die gleichen T-Shirts aus Bangladesh und die gleichen Jeans aus China verkloppt werden, sind die von Michael Otto aufgebauten Bemühungen für eine nachhaltige Produktion und fairen Handel spätestens mit laufend offerierten 20-, 25- und 30%-Gutscheinen der Konkurrenz passé.

Die Otto Group Imagewand in der Konzernzentrale
Der Lack ist ab - der Firmenname ist auch schon ramponiert.
Foto: HANSEVALLEY
*Update 06.08.2020 *


Die Vermögensillusion von Bramfeld: Solange die Umsätze bei Otto.de & Co. die strukturellen Probleme übertünchen, solange das Hamburger Öko-System den Otto-Machern mit einem “Weiter so” auf die Schulter klopft, solange Kleinanleger mit nachrangigen Anleihen der Familie Otto frisches Kapital ins Haus spülen und die Familie auch in Krisenzeiten kräftig Geld rauszieht, wird sich an der Werner-Otto-Straße nichts ändern. Damit reiht sich der Closed Minded-Händler mit seinem Paketsklavendienst Hermes und dem Geldeintreiber EOS in die Reihe der Unternehmen ein, die mit Schaufensterprojekten ihre Lage gern öffentlich übertünchen.

Diese Projekte fliegen den Otto's auch gleich um die Ohren - z. B. das Vorgaukeln schneller Lieferungen bei Otto Group-Shops über die 6 Hermes-Hauptumschlagbasen. Entweder die Lieferung Corona-Masken wird nach 4 Wochen Wartezeit unversehens gecancelt (Danke, Otto.de!) oder Hermes braucht bis zu 2 Wochen, um in die Hufen zu kommen, wie Chip.de im Test bestätigt. Von den dreisten Lügen in den konzerneigenen Online-Shops, in 2-3 Werktagen zu liefern, ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass die Familie ihr ungeliebtes Schmuddelkind lieber heute als Morgen loswerden will und clevere Pressesprecher lieber heute denn morgen zur Mutter nach Bramfeld flüchten ...

Die Corona-Fakten sprechen eine eigene Sprache: Tausende jetzt wegfallender Jobs bei Airbus, Galeria, Lufthansa Industry Solutions und Lufthansa Technik, über 90.000 bereits arbeitslose Hamburger - gut 30% mehr als vor einem Jahr -, 368.000 Kurzarbeiter bei 24.000 Betrieben in Industrie, Hafen, Logistik und Medien - das sind fast 40% aller 1 Mio. Arbeitnehmer an Alster und Elbe. Die Zahlen zeigen der Freien und Hansestadt, über Jahre hinweg die Augen vor der Wahrheit - insbesondere der allumfassenden Digitalisierung ihrer Industrien, Dienstleistungsbranchen und der Gesellschaft - verschlossen und den Menschen rot-grünen Öko-Sand in die Augen gestreut zu haben.

Bedrohte Galeria Filiale im AEZ Shopping-Center Hamburg Pfuhlsbüttel.
Von der Schließung bedrohte Galeria im ECE-Shoppingcenter AEZ.
Foto: HANSEVALLEY

Die Beispiele sind erst der Anfang: Mit Mietausfällen, Ladenkündigungen und rückläufigen Umsätzen steht die ECE als nächster Kandidat aus der Otto-Familie zur Restrukturierung an: Hamburgs Einzelhändler melden laut City-Managerin Brigitte Engler Umsatzeinbrüche von 35-40%. Vom Wegbruch des für die eigenen “Schäfchen” genutzten Gewerbeimmobilienmarktes durch 30% weniger Büroarbeitsplätze und 50% weniger Geschäftsreisen - wie von Allianz-Chef Oliver Bäte profezeit - sowie de facto 75% Einbrüchen bei Hotelübernachtungen ganz zu schweigen. So viele Büro- und Gewerbeimmobilien in Hamburger Alt- und Neustadt können gar nicht in bezahlbare Wohnungen umgewandelt werden. Womit es ans Eingemachte selbstherrlicher Pfeffersäcke, ihrer Makler, Verwalter, Anwälte und Notare geht. Willkommen in der Krise.

Hamburgs Senats-Chefvernebler “WildWestWasserstoffMan” aka Michael Westhagemann übt sich noch in Selbstbeweihräucherung für das großzügige Verteilen von Bundeshilfen, während 1.600 Unternehmer durch den Shutdown bereits zu Sozialfällen wurden und der Export u. a. über den Hamburger Hafen im April und Mai d. J. jeweils um 30% eingebrochen ist. Das ist der ganze Blick auf die Krisen- und Katastrophenstadt Hamburg, deren vermeintliche Musterschüler Otto & Co. längst wanken und keinen Plan haben, wie sie nach Verlust der Medien- und Internethauptstadt nun den Bedeutungsverlust der Handels- und Logistikmetropole verhindern können. Stattdessen versucht man es mit Unisex-Toiletten auf dem Otto-Campus und fremden Starship-Robotern auf der “letzten Meile” - weil man damit ja die Handelskriege von Amazon und Alibaba gewinnen kann ...

Starship Roboter im Hermes Praxis-Test in Hamburg.
Mit Starship-Robotern in Hamburg im Kampf gegen die Plattformen.
Foto: Hermes Logistik


Hamburg Digital Background:

HANSEINVESTIGATIV: Die Machenschaften des Otto-Marktplatzhändlers Alexander Mendler.

HANSECHAMPIONS: Otto.de macht ernst mit digitalem Firmenumbau.

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group
hansevalley.de/2018/04/hansechampions-otto-group-innovationen.html

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html

Dienstag, 26. März 2019

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels: Stanford-Innovationen gibt es jetzt am Adolphsplatz.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


SQUARE-Initiator, HSBA-Geschäftsführer und Vordenker Dr. Uve Samuels.
Foto: HANSVALLEY

Es ist der neue Stern am Adolphsplatz: Zwischen digital-fortschrittlicher Haspa und traditionell-analoger Handelskammer präsentiert die Wirtschaftshochschule HSBA einen außergewöhnlichen Innovation-Hub. Im ehemaligen Campus der früheren Handelskammer-Hochschule entsteht eine Innovationsplattform für Wirtschaft und Wissenschaft. Nach dem Vorbild der Stanford-Universität und auf Empfehlung führender Stanford-Innovatoren führt der "SQUARE" Innovation Hub die Freie und Hansestadt aus ihrem Hafentraum(a).



SQUARE-Grand Opening mit Otto Group-Vorstand Alexander Birken (re.)
Foto: HANSEVALLEY

HANSEVALLEY durfte als Medienpartner der HSBA vorab hinter die Kulissen des neuen Innovation-Hubs, des Netzwerk-Knotens und eines spannenden Digitalisierungs-Standorts schauen. Im Fokus des Interesses: Die Besonderheiten im Innovationsmanagement der Wirtschaftshochschule und seiner gut 250 Partnerunternehmen in der Metropolregion. Mit einer "Innovationssraße" und einer "Tech-Box" geht die HSBA neue Wege. Unser HANSPERSONALITY ist SQUARE-Initiator und HSBA-Geschäftsführer Dr. Uve Samuels:

Am Donnerstag-Abend fand im großen Festsaal des Rathauses auf Einladung des Senats mit über 500 Ehrengästen der Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Universität Hamburg statt. Auf der anderen Seite des Rathauses läuteten gut 250 Innovatoren, Firmenvertreter und Wissenschaftler eine neue Ära der digitalen Zukunft Hamburgs ein. Hand aufs Herz: Hättest Du Dich nicht auch viel lieber unter den Deckenfresken, Wandgemälden und Holztäfelungen im Rathaus wiedergefunden?

Beides ist wichtig. Es ist wichtig, dass die Uni diese Würdigung erfährt, da wären wir auch gerne dabei gewesen. Bei uns war aber auch richtig was los: mehr als 250 Innovatoren, CEOs, Startups, Professoren und Studenten waren vor Ort. Wir haben den Anspruch exponentielle Innovation zu entwickeln, das ist die Zukunft für Hamburg! Auf unserer Innovationsstraße gehen Forschung und Praxis einen gemeinsamen Weg und können so die Wirtschaft neu erfinden; Hochschule und Unternehmen verschmelzen in SQUARE. Wir laden Professoren aller Hochschulen ein, dabei zu sein.

"Wir leben in Zeiten exponentieller Entwicklungen: In immer kürzer Zeit werden immer schneller immer größere Veränderungen eingeläutet."


Exponentielle Entwicklung am Beispiel des Smartphones.
Grafik: HSBA/SQUARE

Die HSBA ist seit 1975 die Hochschule der Hamburger Wirtschaft mit 1.000 Studenten im dualen Studium zum Bachelor und Master. Ihr arbeitet seit Herbst 2018 unabhängig von der Handelskammer und habt mit dem Verein Eines Ehrbaren Kaufmanns einen starken Partner der Hamburger Wirtschaft als Gesellschafter. Wie ist die erste Resonanz aus dem Kreis Eurer 250 Partnerunternehmen, aus dem VEEK und aus der Stadt auf Eure Initiative, mit "SQUARE" einen hochschulübergreifenden, wirtschaftsnahen Innovationshub aus der Taufe zu heben?

Es gibt breite Zustimmung bei Innovatoren und Unternehmen, denn wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir brechen Silos auf und helfen, Ideen umzusetzen. Für unser Board of Innovators konnten wir herausragende Persönlichkeiten gewinnen, die unsere Idee unterstützen: 

Christoph Wöhlke, Geschäftsführer von Budnikowsky, leitet das Board of Innovators bei SQUARE. Weitere Mitglieder sind Stephan Uhrenbacher, Gründer und Geschäftsführer von Density Venture, Henrik Falk, Vorstand der Hamburger Hochbahn AG, Prof. Dr. Edlira Shehu von der Copenhagen Business School, Dr. Hariolf Wenzler CSO bei Baker McKenzie und Vorsitzender des Board of Governors der HSBA, Matthias Schrader, Gründer und Geschäftsführer von SinnerSchrader, Jörg Rheinboldt, Geschäftsführer APX sowie Franziska von Lewinski, Vorstand bei fischerAppelt.

"Die Frage ist: Wieviele unserer 250 Partnerunternehmen sind gefährdet? Und wieviele unserer Studenten gehen künftig online fremd?"

Innovatoren aus Hamburgs Wissenschaft und Wirtschaft:
Dr. Uve Samuels, HSBA und Christoph Wöhlke, Budnikowsky (v.l.n.r.)
Foto: HANSEVALLEY

Der Senat sucht nach dem von HANSEVALLEY Anfang Dezember '18 mit aufgedeckten Skandal um den "Digital-Campus Hammerbrooklyn" verzweifelt nach einer "Hamburger Lösung", um das millionenschwere Immobilienprojekt um den Kölner Skandal-Investor Art Invest und die Hamburger Werbe-Agentur Nordpol doch noch zu retten. Auf der Einladung zur "SQUARE"-Premiere steht HSBA nur klein in der Unterschrift. Wie ist Euer Innovationshub organisatorisch und rechtlich aufgestellt?

Die SQUARE GmbH ist eine eigenständige Schwester der HSBA, Gesellschafterin ist die Stiftung zur Förderung der HSBA. Unser Geschäftsmodell orientiert sich an dem „Pay as you go“- Prinzip. Wir bieten Dienstleistungen nach Bedarf im benötigten Umfang, um auch die Unternehmen abzuholen, die sich keine allumfassende Digitalstrategie oder Stabsabteilung leisten können. Wir freuen uns über jede Art von Förderung oder Unterstützung, vor allem natürlich aber über Projekte!


Hat mit der HSBA-Selbstständigkeit die Segel neu gesetzt: Uve Samuels.
Foto: HANSVALLEY

Nun haben Accenture, BCG, Deloitte, KPMG, McKinsey & Co. als Unternehmensberatungen eigene Digital-Units und Innovation-Hubs sowie jahrelange Erfahrungen in der Beratung großer Firmen. Welche handfesten Vorteile haben Unternehmer, CIOs und CDOs, wenn Sie ihre Innovationsprojekte mit "SQUARE" und einer Wirtschaftshochschule wie der HSBA umsetzen, und nicht mit einer Unternehmensberatung?

Wir kombinieren unterschiedliche Perspektiven für mehr Tiefgang! Unser Know-how aus Forschung und Wissenschaft in Kombination mit den Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit 250 Partnerunternehmen bietet eine fundierte Basis, die wir mit Expertenwissen und neuen Gedanken anreichern. Wir sind interdisziplinär gut vernetzt, die Lage ist zentral in der City und wir haben Räume für kreatives Denken.

"Wir erfinden Wirtschaft neu - von der Idee über die Evaluierung bis zur praktischen Umsetzung, und dass mit mutigen Partnern."


Rundum-Sicht auf die Innovationsmatrix des SQUARE Innovation Hub.
Grafik: SQUARE

Gehen wir ans Eingemachte: Du sagst, Ihr macht ganz praktisches Company Building und ihr habt dazu 4 Module: Auf Hochschulseite Education + Research for Innovation. Auf Unternehmensseite Technology + Community for Innovation. Nun seit ihr eine klassische Business-School und duale Hochschule. Woher bekommt Ihr das technologische Wissen und Können? Und wie sieht Eure (künftige) Innovatoren- und Tech-Community aus?

Wir arbeiten interdisziplinär und blicken so über den Tellerrand der Betriebswirtschaft hinaus. Wichtig sind uns Partner aus den verschiedensten Bereichen, die uns ergänzen. Zum Beispiel aus der Industrie, wie NXP, einer der größten Halbleiterhersteller Europas. Das macht es uns möglich, Formate wie Tech Nights, Hackathons oder die Tech Box anzubieten.


Von der Idee zum Innovtions-Hub: Das SQUARE-Modell
Grafik: SQUARE

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Es gibt mit "Ahoi Digital" eine städtische Initiative für 100 neue Hochschulprofessuren und 1.500 zusätzliche Studienplätze in den MINT-Berufen. Es gibt mit "Digital First" eine Behörden-übergreifende Senats-Strategie zur Digitalisierung der Verwaltung und ihrer Leistungen. Was läuft in Sachen Digitalisierung und Transformation in der Freien und Hansestadt bereits rund? Und wo wünscht Du Dir als ein Innovator unter Hamburgs Hochschul-Chefs mehr Mut, mehr Engagement und mehr Offenheit?

Innovation bekommt einen immer höheren Stellenwert. Das ist gut. Für Hamburg wünsche ich mir mehr Kollaboration von staatlichen und privaten Institutionen, ein Miteinander der verschiedenen Disziplinen aus verschiedenen Perspektiven. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um den Anschluss nicht zu verlieren!


Vorbild für Hamburg: Das Netzwerk der HSBA mit 250 Unternehmen.
Grafik: HSBA

"Es geht nur noch um Mut. Du kannst in einer Zeit, in der sich die Dinge fundamental ändern, nicht halbherzig rangehen."


*  *  *

Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Backgrund: 

SQUARE HSBA Innovation Hub:
www.squareinnovationhub.de

HANSEEDUCATION: Eine Digitale Toolbox für die Hamburger Wirtschaft.
https://hv.hansevalley.de/2017/11/hanseeducation-digital-toolbox.html

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels: Blockchain ist unsere Chance!
"https://hv.hansevalley.de/2017/10/hansepersonality-dr-uve-samuels.html

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels: Global, dual, digital - Made in Hamburg.
https://hv.hansevalley.de/2017/03/hansepersonality-uve-samuels.html

Donnerstag, 5. Juli 2018

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösungen aus der Werft für den Linienbetrieb.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Hamburg, Neue Börse am Adolphsplatz. Einmal wöchentlich treffen sich Agenten, Makler, Assecuradeure und Sachverständige, um Transport- und Industrierisiken wie z. B. Feuer abzusichern. Seit dem Recht der Kaufleute von 1558, eine Börse zu betreiben, entwickelte sich die Versicherungsbörse zur wichtigsten Sparte  - wichtiger als Café, Getreide, Immobilien oder Wertpapiere. 


Altehrwürdige Eingangstüren der Hamburger Versicherungsbörse.
Foto: HANSEVALLEY

460 Jahre später drohen Versicherer den Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren, schieben sich Plattformen dazwischen, übernehmen Startups mit schnellen Geschäftsmodellen Teile des Geschäfts. Jetzt müssen die Versicherer handeln. An Deutschlands drittgrößtem Standort brennt es unter den Dächern lichterloh. Eine neue Werft soll Hamburgs und Norddeutschlands Anbietern helfen, sturmfest zu werden. Ein Hamburg Digital Report:

Ein Ende mit Schrecken: Die jeden Donnerstag um 13.30 Uhr öffnende Präsenzbörse der Hamburger Versicherungsbranche schließt nach 460 Jahren täglichem Betrieb in diesem Monat ihre Pforten. Ein Opfer der Digitalisierung. Schluß mit offenen Briefen, die im Börsensaal ausgetauscht werden, um mit einer Signatur das Risiko für Geschäfte abzusichern. Die Digitalisierung macht vor der Heimat der Feuergilde als weltweit erster Versicherung von 1591 nicht halt. Hamburgs Versicherer sind mittendrin im Sturm.

Rund 20.000 Beschäftigte arbeiten in rd. 370 Unternehmen der Branche. Die Handelskammer zählt aktuell 4.000 Versicherungsvermittler, davon 1.500 unabhängige Makler. Doch wie sieht die Zukunft aus? Berlin, Köln und München haben eigene Innovationshubs für die Versicherungsbranche gegründet. Verschläft die Freie und Krämerstadt einen wichtigen Trend? Verliert Hamburg seine Position als Nr. 3 unter den Versicherungsstandorten der Republik. Am Großen Burstah denkt man weiter.



Versteht sich als Think- und Work Tank: Die Insurtech Werft
Foto; HANSEVALLEY

Tilman Freyenhagen ist seit 1996 in der Branche, hat bei der Condor gelernt, 2002 ein duales Studium zum Vertriebsökonomen absolviert. Er war Maklerbetreuer, Vertriebsdirektor bei der Ideal und Prokurist bei Condor und R+V Leben. Risikomanagement liegt ihm im Blut, 20 Jahre "Stallgeruch" haben ihre Spuren hinterlassen. Mit Alsterspree gibt er das Fachmagazin "Procontra" heraus, betreibt mit "Profino" eine digitale Online-Plattform für den Austausch der Branche. Mit sehendem Auge kümmert er sich jetzt darum, dass die Branche ihre Augen öffnet.


Insurtech-Innovator Tilman J. Freyenhagen
Foto: Alsterspree
"Wir sind mit unseren innovativen Ideen bei den Versicherungen abgeprallt", bringt der Wahl-Hamburger zunächst auf den Punkt. Für Versicherungen geht es darum, Bestände zu migrieren, Regulierung zu beherrschen und Effizienzen zu steigern. Digitalthemen gehören nicht zum Alltagsgeschäft. Hinzu kommt: Mittelgroße Anbieter, wie die norddeutschen Anbieter Hanse-Merkur, Itzehoer oder Uelzener haben nicht die Ressourcen der Großkonzerne, um eigene Labore zu betreiben.

Die Idee von Startups, das Maklergeschäft anzugreifen, zielt zu kurz.

Prof. Dr. Florian Elert, Spezialist für Versicherungsmanagement an der Wirtschaftshochschule HSBA und Partner der gemeinsamen Insurtech Werft Hamburg sagt, wie man den norddeutschen Versicherern helfen will: "Unsere Idee ist, dass die Versicherungen möglichst schnell und mit wenig Aufwand neue Dinge ausprobieren können." Der Veranstalter des 1. Hamburg Insurance Innovation Days macht klar: Die Idee vieler Startups, das Maklergeschäft anzugreifen, zielt zu kurz. So, wie Versicherungen nicht immer schnell genug sind, so haben Startups nicht den Zugang zu Kunden und Daten.


Rapid Prototyping der InsurTech Werft im DI-Lab der HSBA
Foto: InsurTech Werft
Die Insurtech Werft geht einen anderen Weg: Auf der einen Seite engagieren sich Versicherer mit ihren Innovatoren, die offen sind für neue Ideen und die Umsetzung. Auf der anderen Seite stehen ausgewählte Startups. 6x im Jahr treffen sich die Partner, um einen Use Case in die Praxis umzusetzen.
Dreh- und Angelpunkt: Die digitale Musterversicherung "Fury“ als Sandbox. Umgesetzt an einem Tag zusammen mit dem Hamburger Startup „Kasko“, dass wir vorgestellt haben. Mittlerweile hat Fury einen Chatbot und ein Robotics-Tool bekommen, mit dem Geschäftsvorfälle automatisch und ohne Schnittstelle bearbeitet werden können.

Die praktische Zusammenarbeit an konkreten Themen ist der Kern der Insurtech Werft von Alsterspree, HSBA und Gründungspartner Hanse-Merkur. 16 Corporates und Startups sind aktuell dabei, widmen sich 6x im Jahr im DI-Lab gegenüber der Neuen Börse der Zukunft der Versicherungsbranche. Das Besondere: Alle Partner erarbeiten gemeinsam Konzept, Funktionen und Umsetzung einer Idee. Am Ende des Tages können die Beteiligten den fertigen Prototypen mit in Ihre Companies nehmen - und nutzen.

Versicherungen, Startups und Dienstleister freiwillig in einem Boot

"Wir sind der Meinung, dass das operative Arbeiten der große Unterschied ist, betont Vordenker Tilman Freyenhagen die Idee des Rapid Prototyping-Ansatzes. Während die bayerischen Versicherungen im "Insurtech Hub" München Blockchain-Strategien erarbeiten und im größten deutschen Lab in Köln Hackathons im Mittelpunkt stehen, geht es in Hamburg um konkrete Entwicklungen und schnelle Ergebnisse. "Unser Wunsch war, etwas sehr nah am Unternehmensalltag zu machen", betont Florian Elert. Im April vergangenen Jahres wurde die Idee geboren, im September kam die Hanse-Merkur an Board, im März diesen Jahres gab es den ersten Workshop.


Versicherungsexperte Prof. Dr. Florian Elert von der HSBA
Foto: HSBA
Die Partnerschaft mit den beteiligten Unternehmen geht über mindestens 1 Jahr, beinhaltet 6 eintägige Sprints im DI-Lab der HSBA mit vorabendlichen Netzwerk-Events und bis zu 2 Vertretern pro Unternehmen am Puls der Zeit. Zu den wünschenswerten Mitarbeitern zählen Innovationsmanager, Tech- und Themenspezialisten, leitende Mitarbeiter und Vorstände. Die Kosten richten sich nach Größe und Funktion und liegen für Startups, Dienstleister und Versicherer zwischen 4.900,- € und 14.900,- € im Jahr. 

Alle Unterstützung für Hamburger und norddeutsche Versicherer 

Dabei arbeitet die Hamburger Innovationswerft selbst nach der Lean-Startup-Methodik, spart sich kostspielige Strukturen. Zweimal im Jahr trifft sich ein "Steering-Komitee" mit aktuell 9 Vorständen der Partner und den Organisatoren, um das Konzept weiterzuentwickeln und die nächsten Themen abzustimmen. Drei Grundsätze verfolgt die neuartige Innovationswerft: 1. Es geht um Support der Branche in Hamburg und Norddeutschland, 2. Offenheit für neue Ideen ist A und O, und 3. Dienstleister dürfen mit max. 20% nur eingeschränkt dabei sein.

Mit der Sommerpause ist die Aufbauphase der Insurtech Werft abgeschlossen. Ab Herbst geht es um die Frage, wie das Programm weiterentwickelt wird und welche Themen in Zukunft auf der Agenda stehen. Außerdem sollen die Erfahrungen in den beteiligten Häusern vertieft werden und breit zum Einsatz kommen. Tilman Freyenhagen fokussiert zum Abschluss, dass "Fury" als Sandbox zu einem digitalen Versicherer ausgebaut werden wird. Prof. Dr. Florian Elert ergänzt: "Welche Ideen die Partner aufgreifen und in den Häusern umsetzen, liegt bei den Unternehmen." 

 Hamburg Digital Backgrund: 

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html

GESTERN:

Älteste Feuerversicherung der Welt: 
www.wasistwas.de/archiv-geschichte-details/die-aelteste-feuerversicherung-der-welt.html

Älteste Seeversicherung der Welt: 
http://versicherungswirtschaft-heute.de/dossier/seeversicherung-die-alteste-sparte-der-welt/

HEUTE:

Hamburger Versicherungsbörse:
http://hamburger-versicherungsboerse.de/

Hamburg Insurance Innovation Day:
www.hsba.de/hsba/unsere-hochschule/team/1-hamburg-insurance-innovation-day-start-ups/

Versicherungsstandort Hamburg:
www.vfvh.de/index.php/projekte

MORGEN:

Insurtech Werft, Hamburg:
https://insurtech-werft.de/

Insurhub, Berlin:
https://www.insurhub.de/

Insurlab Germany, Köln:
www.insurlab-germany.com/

Insurtech Hub, München:
www.insurtech-munich.com/

Werk 1 - W1 Insurtech, München:
www.werk1.com/branchen-programme/w1-insurtech/

Sonntag, 14. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Kammer-Präses Tobias Bergmann: "Dialog auf Augenhöhe."

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HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Die Mitarbeiter der Kammer und die Hamburger Wirtschaft sollten nicht zu einem Versuchslabor für unklare Ideen und Vorstellungen werden." Mit scharfen Worten kritisierte Gunter Menges, Vorsitzender des Vereins "Versammlung Eines Ehrbahren Kaufmanns", den amtierenden Handelskammer-Präses vor 1.700 Vertretern der Kaufmannschaft, aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Medien bei der Jahresabschlussveranstaltung am 29. Dezember 2017 am Adolphsplatz.


Tobias Bergmann: "Tapfer geschlagen" nach scharfer Kritik.
Foto: HANSEVALLEY
"Es geht darum, in den Dialog zu treten", entgegnete Kammer-Präses Tobias Bergmann den Wink mit der Container-Brücke. In der - laut Medien mit Hilfe einer McKinsey-Redenschreiberin entwickelten - Ansprache ging Hamburgs ungeliebter Kammerchef auf die Digitalsierung der Ausbildung, die Internationalisierung des Arbeitsmarktes, Innovationsstandorte in Hamburg, die digitale Disruption und die Mentalität der Kaufmannschaft sowie auf die Gründerkultur der Handelskammer ein.

HANSEVALLEY hat die Rede studiert, sie mit den Aussagen der "Rebellen" aus dem Kammer-Wahlkampf verglichen und die jüngsten Entscheidungen des Kammer-Präsidiums Revue passieren lassen. Das Ergebnis ist ein Fragenkatalog, der den kritischen Dialog anbietet - ohne Schönfärberei und Tabuthemen. Ein HANSEPERSONALITY mit Handelskammer-Präses Tobias Bergmann:

Digitalisierungsgipfel für Ausbildung der Handelskammer:

Tobias Bergmann: Sie haben vor der Kaufmannschaft die Bedeutung der Berufsausbildung bekräftigt und einen Digitalisierungsgipfel für Ausbildung im 1. Halbjahr 2018 angekündigt. Schaue ich in Ihre Wahlkampf-Aussagen, wollten Sie den Digitalgipfel bereits im 2. Halbjahr 2017 durchführen:

Warum liegen Sie mit Ihrem Versprechen für die Jugend 1 Jahr im Hintertreffen? 
Warum beschränken Sie Aktivitäten auf den Nachwuchs? Was ist mit Fachkräften?

Berufsbildungsrecht ist im ganz Wesentlichen eine Sache des Bundes. Um mit dem Bund verbindlich über die nötigen Entwicklungen diskutieren zu können, braucht man eine Bundesregierung als Gesprächspartner. Diese muss sich aber bekanntermaßen erst noch finden – dass das so lange dauert, hat ganz Deutschland überrascht. 

Deshalb findet der Gipfel 2018 statt. Ich freue mich bis dahin über ein erfolgreiches Ausbildungsjahr 2017. Die Handelskammer hält übrigens eine Menge an Fortbildungsangeboten für das lebenslange Lernen von Fachkräften bereit und entwickelt diese Angebote ständig weiter.

Ansiedlung und Förderung internationaler Fachkräfte:

Sie kritisieren die geringe Quote von nur 9% internationalen Fachkräften in Hamburg und fordern einen Wandel. Sie haben mit der HSBA eine internationale Nachwuchsschmiede - mit 35 weltweiten Partnern, davon 22 Hochschulen, fast 1/3 internationalen Studierenden pro Jahrgang sowie weitgehend englischsprachigen Bachelor- und Masterstudiengängen - vor die Tür gesetzt. 

Wie passen Ihre Forderungen und das zerschlagene HSBA-Porzellan zusammen?Was kann die Kammer gegen den immer größer werdenden Fachkräftemangel tun?


Tobias Bergmann: Gute Mine zum bösen "Rebellen-Spiel"?
Foto: Handelskammer Hamburg/Ulrich Perey
Gegen den Fachkräftemangel helfen exzellente Aus- und Fortbildung, ein starker Wissenschaftsstandort und gute Ansiedlungs- und Lebensbedingungen in unserer Stadt inklusive besserer Start-Angebote für neue Fachkräfte aus dem Ausland. An allen diesen Themen arbeitet die Kammer intensiv. 

Für die HSBA haben wir eine sehr gute Lösung gefunden, mit der sowohl die Hochschulgremien als auch der Senat zufrieden sind und die Studierenden- und Absolventenzahlen stabil lässt - und die Beitragszahler sind aus der Haftung.

Innovationen durch Wissenschaft und Jungunternehmen:

Sie schlagen vor, einen "Urbanen Innovationspark" als "Leuchturm" auf dem Kleinen Grasbrook zu errichten. Dort sollen - in 20 Jahren bebaut - Forschung, Startups und Corporates innovieren. Der Senat plant aktuell in Altona (DESY), Bergedorf (HAW), Finkenwerder (ZAL) und Harburg (TUHH) integrierte F&I-Parks. 2017 gab es laut Startup-Monitor keine 60 Neugründungen in Hamburg, die Überlebens-Quote liegt bei 10%. 

Wie sehen Ihre konkreten Vorschläge für die kommenden 3, 5 und 10 Jahre aus?Was wollen Sie in 20 Jahren im neuen Stadtteil ansiedeln, wenn es keinen Bedarf gibt?

Der Senat hat sich entschlossen, den Kleinen Grasbrook zu entwickeln. Jetzt geht es darum, für Stadt und Wirtschaft das Beste herauszuholen. Wenn man es richtig anpackt, kann der Grasbrook ein Kristallisationspunkt für die Ansiedlung neuer Startups werden – es geht ja gerade darum, über den heutigen Status Quo hinauszukommen und mehr Ansiedlungen zu schaffen. 

Konkret muss es als Erstes einen Entwicklungsplan in diesem Sinne geben, bei dessen Entstehung die Interessen von Startups und etablierten Unternehmen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Digitale Disruptionen und Mentalität der Kaufmannschaft:

Sie sprechen von Disrpuptionen, Digitalisierung und Lösungen, die alte Geschäftsmodelle in 2 bis 3 Jahren aus dem Markt drängen. Vergangene Hamburger Wachstumstreiber, wie Medienwirtschaft und Versicherungen, haben - korrekt angemerkt - an Kraft verloren. 

Wie wollen Sie als Vertreter der gewerblichen Wirtschaft die Mentalität der Kaufmannschaft, in Dekaden zu denken, mit Ihrer Politik durchbrechen?

Das Denken verändert sich ja in vielen Teilen der Wirtschaft bereits. Unsere Aufgabe als Handelskammer ist dabei vor allem Wissens- und Methodentransfer. Wir vernetzen diejenigen, die voran marschieren, mit den traditionelleren Unternehmen. Unsere Aufgabe ist außerdem, Trends zu antizipieren und den Unternehmen möglichst früh die nötigen Informationen und damit Vorbereitungsmöglichkeiten zu geben.

Handelskammer als zentraler Ort für Hamburgs Gründer:

In Ihrer Rede laden Sie Gründer ein, die Börse als ihren Ort zu nutzen, sich zu vernetzen und Geschäfte zu machen. Im Wahlkampf klang das anders: 'Keine Startup-Unternehmerin braucht den Rat eines „Kammerbeamten“, wie sie den digitalen Wandel meistern soll'. Vor einem Jahr forderten Sie eine "Digitale DNA" für die Kammer. 

Hat sich die Kammer mit dem Verzicht der digitalen Kompetenz aus der HSBA mit Anlauf in die Zeit der Hammaburg zurück katapultiert?

Den logischen Zusammenhang zwischen unserer Einladung an die Mitgliedsunternehmen, sich in der Kammer zu vernetzen, dem angeführten Zitat zum digitalen Wandel müssten Sie mir erklären. Aber davon mal abgesehen: Die Handelskammer hat eine Menge digitaler Kompetenz – denken Sie nur an das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0. 

Auch darüber hinaus haben wir 2017 Kompetenzen in Sachen Digitalisierung aufgebaut, die es vorher in diesem Maße nicht gab. Die digitale Kompetenz der HSBA geht uns übrigens auch nicht verloren, es ist vereinbart, dass es auch weiter eine Partnerschaft geben wird.

Zukunft der Handelskammer nach den Erlebnissen 2017:

Sie sprechen in Ihrer Rede von Transparenz der Prozesse, gemeinsamer Meinungsbildung und Entscheidungen mit der Mitgliederschaft. Sie wollen mit der Kammer wieder "Impulsgeber für wichtige wirtschaftspolitische Diskussionen der Stadt" sein. Im Moment scheinen sich wichtige Player eher abzuwenden und Alternativen zu entwickeln, wie die angekündigte Kooperation der VEEK mit der HSBA.

Wieso wussten und wissen die Mitglieder nichts von HSBA-Rauswurf und IHK Nord?Wie setzen Sie die Budgetkürzung von 20 Mio. € "auf Augenhöhe" + "im Dialog" um?

Noch nie hat die Handelskammer mehr Mitglieder an Ihrer Meinungsbildung beteiligt, als seit der Wahl 2017. Außerdem haben wir die Satzung geändert, um den ehrenamtlichen Ausschüssen mehr Einfluss zu geben. Insofern sind wir klar auf Kurs, was Partizipation und Transparenz der Interessenvertretung angeht, und das wird 2018 Früchte tragen. 

Die Übertragung der HSBA-Anteile an die Trägerstiftung war Gegenstand einer offenen und auch öffentlichen Diskussion, die Zukunft der Handelskammer in der IHK Nord ist es noch. Über die organisatorischen Veränderungen sprechen wir vor allen anderen mit den Mitarbeitern offen und binden ihre Ideen ein. Es gibt eine Betriebsvereinbarung, die die aktive Mitgestaltung der Belegschaft als Recht und Pflicht regelt und zugleich betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.
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Vielen Dank für Ihre offenen Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

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G. Mengers (VEEK), T. Bergmann (HK), O. Scholz (FHH)
Foto: HANSEVALLEY
"Befreien Sie uns von unserer Skepsis und geben Sie uns Sicherheit, dass die Handelskammer ... zum Wohle Hamburgs und der hiesigen Wirtschaft denkt und auch entsprechend handeln wird", forderte Hamburgs Ehrbarer Kaufmann, Gunter Menges zum Abschluss des Jahres 2017.

Haspa-Chef Dr. Harald Vogelsang wurde noch deutlicher: "Wenig konstruktiv ist es aus meiner Sicht, wenn man viel Gutes, was über die Jahre entstanden ist, einfach mit der Abrissbirne zerstört. (...) jahrzehntelange Kontakte werden in Minutenschnelle eingerissen, langjährige Partner verprellt, erpresst, frustriert."


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 Hamburg Digital Background:  

Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg:
Jahresabschlussveranstaltung 2017 - Video und Rede(n)

Nachbericht Hamburger Abendblatt 29.12.2017
hwww.abendblatt.de/hamburg/article212967737/Buergermeister-Olaf-Scholz-fordert-wirtschaftliches-Wachstum.html

Nachbericht Welt Hamburg 29.12.2017
www.welt.de/regionales/hamburg/article172033642/Versammlung-Eines-Ehrbaren-Kaufmanns-Kammerpraeses-ueberrascht.html

Nachbericht Bild Hamburg 29.12.2017
www.bild.de/regional/hamburg/party/beim-ehrbaren-kaufmann-54326592.bild.html

Kritik Harald Vogelsang Welt Hamburg 28.12.2017
www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article171999564/Triumphe-und-Tragoedien-die-Geschichten-des-Jahres-Harald-Vogelsang-ueber-die-Revolution-in-der-Handelskammer.html

Kritik Alt-Präsides Welt Hamburg 23.12.2017
www.welt.de/regionales/hamburg/article171856033/Hamburger-Handelskammer-Der-hanseatische-Handschlag-gilt-nichts-mehr.html