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Montag, 26. April 2021

HANSESTARTUPS: Nect zeigt, wie KI Kurzarbeitern und Unternehmen auch nach Corona hilft.

 HANSE STARTUP MAGAZIN

Nect-Gründer Benny Bennet Jürgens setzt auf KI bei der Online-Identifikation.
Foto: Nect/Matthias Friel

Bis zu 700.000 Hilfesuchende, die sich seit Frühjahr 2020 beim Arbeitsamt als arbeitslos oder in Kurzarbeit meldeten. Die Notwendigkeit der Bundesagentur, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen - mit bis zu 5.000 Online-Identifikationen pro Stunde. Und ein ID-Verfahren über Nacht bei der IFB in Hamburg, damit Unternehmer die Corona-Soforthilfe bekommen konnten. 2020 schlug die Stunde für “Selfie-Ident” aus Hamburg. Das HANSESTARTUP “Nect” gehört seit der Pandemie zu den führenden Online-ID-Anbietern - und hat den elektronischen Personalausweis ebenso auf die Plätze verwiesen, wie Video-Ident-Dienstleister.


Zeit für das Hanse Startup Magazin nachzufragen, wie das Team um Benny Bennet Jürgens und Carlo Ulbrich bis zu 700.000 “Selfie-Idents” auf dem Handy gepackt hat, was die mehr als 60 Mitarbeiter - davon rd. 30 Techis - vom Großen Burstah in diesem Jahr vorhaben - und wohin die Reise des jungen norddeutschen Technologieanbieters geht. Chefredakteur Thomas Keup nutzte die KI-Identifikation selbst bei HEK und HKK - und sprach anlässlich des 4-jährigen Bestehens mit Gründer und Geschäftsführer Benny Bennet Jürgens über Status Quo und Ausblick:


Nect in der Corona-Pandemie


Mit der Pandemie mussten schnell digitale Lösungen geschaffen werden:
Die Bundesagentur für Arbeit entschied sich für Nect aus Hamburg.
Illustration: Gerd Altmann, Pixabay

Ihr seid seit geraumer Zeit in Richtung Versicherungswirtschaft unterwegs, habt im vergangenen Jahr die Bundesagentur für Arbeit als großen Kunden gewonnen. Wie gewinnt ein Tech-Startup aus Hamburg einen bundesweiten Großbetrieb wie die Bundesagentur für Arbeit?


Im letzten Jahr war es so, dass es aufgrund der Pandemie Ausnahmen gab, damit Vergaben beschleunigt stattfinden konnten. Die Bundesagentur für Arbeit hat ein Research gemacht, wie Ihr Problem gelöst werden kann und ist dabei u. a. auf unsere Technologie gestoßen. Über eine Ausschreibung konnten wir dann ein Angebot abgeben.


Es gibt diverse Authentifikationsverfahren mit Videoagenten, mit Personalausweisen die man fröhlich in die Kamera hält, mit Verfahren die mehr oder weniger sicher sind - Stichwort “N26” in der Vergangenheit. Habt Ihr im Nachgang erfahren, wie die Bundesagentur auf Euch gekommen ist bzw. was war der BA besonders wichtig?


Der Kernpunkt war, dass es ein automatisiertes Verfahren sein musste, weil mindestens 5.000 Idents pro Stunde verarbeitbar sein sollten. Es hatten sich im Mai/Juni vergangenen Jahres rd. 600.000 bis 700.000 Arbeitslosmeldungen angesammelt, die möglichst schnell abgearbeitet werden mussten, damit die Leute weiterhin ihr Geld bekommen konnten. Mit einem Video-Ident wäre das gar nicht möglich gewesen. Bei 5.000 Idents die Stunde braucht man wahrscheinlich 1.000 Mitarbeiter, die man auch erst schulen müsste. Deshalb ein automatisiertes Verfahren. 


Die Bundesagentur für Arbeit ist ja nicht immer und überall nur als digital-fortschrittlicher Dienstleister bekannt. Nicht immer werden die u. a. durch Unternehmensberater eingeführten Abläufe als hilfreich und damit kundenorientiert wahrgenommen. Welche Erfahrungen habt Ihr in den rd. drei Wochen gemacht, als Ihr “Selfie-Ident” im Frühsommer vergangenen Jahres bei der Nürnberger Bundesagentur eingerichtet habt?


Ich war sehr, sehr positiv überrascht, wie die Bundesagentur für Arbeit im Inneren arbeitet - sehr fortschrittlich, sehr kundenorientiert. Natürlich kennt man die Storys und sicher gibt es auch negative Erfahrungen bei der Arbeitslosmeldung. Gleichzeitig muss ich sagen, dass sich in der Zusammenarbeit für mich ein komplett anderes Bild entwickelt hat. Und so hat sich denn auch gezeigt, dass die Entscheidung nicht als reiner Kostenfaktor gewertet wurde. Die Bundesagentur hat Umfragen unter allen Teilnehmern des Selfie-Idents gemacht, wie man das bewertet und möchte man das auch in Zukunft haben. Es ist eher eine Entscheidung auf Nutzerseite getroffen worden. Deshalb soll es auch weiter gehen.


Ihr seit auch bei privaten Versicherern unterwegs. Werdet Ihr tatsächlich zum Dienstleister für Authentifizierungsverfahren der öffentlichen Hand?


Wir sehen uns in dem Sweetspot, in dem wir alle großen Kunden mit unserer Lösung bedienen. Wir haben angefangen mit den großen Schwergewichten, mit einer R+V zum Beispiel. Auch ich habe vorher zehn Jahre in einem Versicherungskonzern gearbeitet. Wir wissen gut, wie wir mit denen umgehen müssen - und das macht einfach auch Spaß. Wir sehen uns aktuell sehr stark bei großen Versicherungshäusern, bei großen Banken und auch Behörden gehören dazu. Wir bieten nicht die ‘eine Lösung für besondere Einzelfälle’, unser Fokus sind die großen Schwergewichte, ebenso wie der Mittelstand. 


Ausblick Produkt + Entwicklung

Die Nect-App mit Selfie-Ident und wiederverwendbarer ID.
Illustration: Nect

Für 2021 ff.: Was dürfen Eure Kunden in diesem Jahr und darüber hinaus an Neuerungen erwarten?


Das nächste große Produkt, das wir auf den Markt bringen, ist die E-Signatur; dass wir unsere Identitätsbestätigung auch dafür nutzen, um digital Verträge unterzeichnen zu können. Hier sind wir auf dem höchsten regulatorischen Level, der qualifizierten elektronischen Signatur, so dass auch die Schriftform ersetzt werden kann mit unserer Nect-Signatur. Was für uns dann auch sehr wichtig auf dem Plan steht, ist das Thema Internationalisierung. Wir wollen dieses Jahr möglichst auch die ersten Kunden aus dem Ausland gewinnen und nicht nur in Deutschland.


Bei vielen Apps ist es so: einmal benutzt und dann nie wieder angefasst. In wiefern erwartet Ihr, dass Eure Lösung, nachdem sie einmal z. B. bei einer Krankenkasse genutzt wurde, besser auf dem Smartphone bleibt, weil man sie in Zukunft wieder brauchen könnte?


Wir sehen jetzt schon eine relativ hohe Quote an Leuten, die die App mehrfach verwenden, weil sie mehrere Versicherungen haben. Ein Beispiel: Ich habe eine gesetzliche Krankenversicherung und dann habe noch eine Haftpflicht bei einer R+V oder einer HUK Coburg. Da haben wir dann schon zwei Fälle, wo man unsere App verwenden kann. Meist ist es aber so, dass man nicht nur eine oder zwei Versicherungen, sondern vier, fünf, sechs Versicherungen hat. Und wir haben schon einen relativ hohen Marktanteil im Versicherungssegment - jetzt auch bei den Krankenkassen. Daher ist es sinnhaft, die App mehrfach weiterzuverwenden, denn es wird für viele Menschen immer häufiger die Chance dazu geben. Die Möglichkeit dazu schafft Nect mit einer wiederverwendbaren ID in der App.


Künstliche Intelligenz in Hamburg


Schafft es die Hafenstadt Hamburg, zur Heimat für Software und KI zu werden?
Foto: HANSEVALLEY

Blick aus der Vogelperspektive: Hamburg als Startup-Standort unter den großen Metropolen Nr. 3 nach Berlin und München, unter den Bundesländern Nr. 4 nach Berlin, Bayern und NRW. Es gab letztes Jahr zum Startup-Monitor bei PwC massive Kritik. Wie bewertest Du heute 2021 auch unabhängig von Corona den Startup-Standort Hamburg?


Ich glaube es ist eine Frage, welchen Blickwinkel man darauf hat: Ich bewerte den Standort deswegen positiv, weil wir als Deep-Tech-Unternehmen einen schönen Standort haben, um gute Talente zu finden, ohne in den Riesen Wettbewerb gehen zu müssen. Ich habe in der Stadt mit vielen Einwohnern und Universitäten schon mal per se gute Möglichkeiten, um Talente zu gewinnen. Es ist eine wunderschöne Stadt, in der auch viele Leute leben wollen, d . h., ich kann auch Leute von außerhalb überzeugen, hierherzuziehen. Aber in allen Bereichen habe ich nur relativ wenig Wettbewerb - vor allem auf der Startup-Ebene.


“Die Firma verdanke ich dem Standort.”


Ich habe natürlich viel Wettbewerb, wenn ich in Richtung Philips oder Dermalog gucke. Die haben ja auch Computer-Vision-Talente am Start. Aber als Arbeitnehmer kann es ja auch eine Entscheidung sein, jetzt Lust zu haben, in einem Startup mitzuarbeiten oder auch in einem Scaleup, wie wir uns jetzt schimpfen dürfen. Wenn ich diese bewusste Entscheidung treffe, dann habe ich in Hamburg halt gar nicht so viel Auswahl. Das ist für uns vom Standort her dann erstmal ganz gut, dass man Talente finden kann. Und auch, dass man von der Stadt Hamburg eine gute Förderung bekommt. Ich bin der Überzeugung, dass es uns nicht geben würde, hätten wir damals nicht die Förderung von der IFB Hamburg bekommen.


Natürlich gibt es nicht nur einen “War of Talents”, sondern auch einen “War of Regions” - z. B. im Wettbewerb mit Lübeck und der Universitätsmedizin oder in Niedersachsen mit dem autonomen Fahren und der Autoindustrie. Wo siehst Du denn Stärken bzw. besondere Chancen für KI in Hamburg?   


Wir haben ja viel optische Kompetenz in Hamburg. Wir haben Philips, wir haben Olympus, wir haben Dermalog. Wir haben viele große, namhafte Unternehmen, die aus Tradition mit optischer Verarbeitung unterwegs sind. Ich sehe allgemein KI im Rahmen der optischen Erfassung und Verarbeitung als extrem wertvoll an. Wir haben eine gute Chance, die Kompetenzen die man in Hamburg versammelt hat, dann auch mit KI zu nutzen, um sich dort zu positionieren. 


Durch die Presse gegangen, hart aufgeschlagen, wir waren da ganz vorn mit dabei: keine Anschlussfinanzierung für “Ahoi Digital”, die Informatik-Initiative der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Chance auf 35 zusätzliche Informatik-Professuren ab 2021 nicht mehr da. Wie beurteilst Du die Informatik-Ausbildung und was sollte die Stadt machen, um Tech-Unternehmen wie Euch die Chance auf neue, zusätzliche Talente zu bieten?


Ich würde auch da weiter vorn anfangen: Allgemein ist in Deutschland Informatik und Software - alles was nicht klassisches Ingenieurwesen ist - immer noch sehr stiefmütterlich behandelt - und ist in Deutschland auch nicht als das wertvolle Handwerk angesehen. Das ist - glaube ich - das Problem. Wenn man erkennen würde, wie wertvoll das Handwerk Software ist, dann würde man vielleicht auch andere Entscheidungen treffen.  


DIE HAMBURG-FRAGE Ich bin bei Dir: stiefmütterlich? Ja! Kulturfrage? Ja! Ich möchte Dich an der Stelle aber nicht entlassen wollen mit ‘Es ist eine Kulturfrage’. Ich bleibe bei Hamburg, ich komme nochmal zurück: Was kann, was sollte der Hamburger Senat machen, um die Informatik aus der Kellerecke herauszuholen?


Ich finde, es ist am Ende des Tages eine Marketing-Aufgabe, indem ich jede Gelegenheit nutze darüber zu reden, welche Vorteile dem einzelnen Bürger durch Software entstehen, und vielleicht auch noch Porträts über entsprechende Leute machen, die das ganze Thema ins rechte Licht rücken. Das ist etwas, das begleitet mich schon seit 15 Jahren. Der Beziehungsstatus von Deutschland und Software ist immer noch 'kompliziert'. 


Natürlich gibt es positive Beispiele, z. B. das ganze Thema Deep Fakes, was viel durch die Presse gelaufen ist. Eine der Kernkompetenzen für Deep Fake sind dann auch an einer Uni in München. D. h., wir haben ja positive Beispiele in Deutschland, die sich auf die ganze Welt auswirken - und das muss man dann vielleicht noch stärker nutzen im eigenen Marketing, um zu sagen, was das für einen Impact hat. Das ist natürlich das, was Menschen immer gern wollen, einen Impact. Vielen ist bei Software nicht so ganz klar: Was habe ich denn für einen Impact? Das kann ich ja gar nicht greifen.


Nect-Gründer Benny Bennet Jürgens und Carlo Ulbrich:
Digitale Zukunft entwickelt in Sichtweite des Hamburger Rathauses.
Foto: Nect

Das ist das, wo eine Uni oder eine Stadt Hamburg anpacken muss, wenn sie einen Standort in diese Richtung fördern will. Wenn sie es nicht will, weil sie sagt, wir leben weiter von dem klassischen Handwerk und vom Hafen, ist das ja auch ok. Das kann ja eine Entscheidung sein. Ob ich jetzt die Entscheidung so treffen würde, ich glaube nicht. Wenn man in Richtung Software gehen will, ist das eine große Marketing-Aufgabe.  


Vielen Dank für die offenen Worte!

Das Interview führte Thomas Keup.


* * *


 Hanse Digital Background:  


Spotifiy Podcast:

4 Jahre Nect - Interview mit Benny Bennet Jürgens

 https://open.spotify.com/


HANSESTARTUPS:

Nect - Damit Benny auch wirklich Benny ist

hansevalley.de/2018/01/hansestartups-nect.html




Dienstag, 5. Januar 2021

HANSEVALLEY 2021: Der digitale Norden kommt.

HANSE DIGITAL VISION
*Update 26.01.2021*

+++ Egoistische Tagestouristen gefährden im Harz das Leben von Familie und Freunden +++ Deutschland auch 2021 fest im Griff der Pandemie +++ Leichte Entspannung frühestens zu den Sommerferien +++ Unbeschwerter Sommerurlaub bleibt Wunschtraum +++ Normalisierung erst im 4. Quartal erwartet +++ 

+++ Pleitewelle durch zu späten 2. Lockdown befürchtet +++ Digitalisierung forciert Umbruch des Einzelhandels +++ Eventbranche wird digital konsolidiert +++ Onlinehandel und digitale Medien sind Gewinner der Krise +++ Smart Home wird im Corona-Jahr zum Milliarden-Markt +++ Fernreisen durch Deutschland-Trend vor Veränderungen +++


  • BERLIN: DIW-Chef befürchtet nach zu spätem 2. Lockdown für 2021 große Pleitewelle und steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland.
  • KIEL: lfW-Prognose erwartet bis zu 600.000 verlorene Arbeitsplätze u. a. in Luftfahrt und Tourismus durch "Rückprall" nach der Corona-Krise.
  • HAMBURG: BAT-Zukunftsmonitor sieht mit 71 % Nennungen größere wirtschaftliche Schwierigkeiten, als im abgelaufenden Jahr 2020.
  • HAMBURG: Jahresabschlussevent "Ehrbarer Kaufmann" mit weniger als 500 "YouTube"-Zuschauem - statt 1.500 geladenen "Pfeffersäcken".
  • GOSLAR: Rodler und Wanderer zeigen Weihnachten und am Wochenende im Harz dicht gerdängt die hässliche Seite egoistischer Deutscher.

Liebe Freunde und Partner,
liebe Leserinnen und Leser:


Der Download für das neue Jahr hat begonnen!

Alle gesetzlich Versicherten können ab sofort eine elektronische Patientenakte auf ihrem Handy nutzen. Die norddeutschen Kassen "AOK" Nordost (für MV), Niedersachsen, Nordwest (für SH) und Rheinland-Hamburg,"DAK" und "HEK" (Hamburg), "HKK" (Bremen), "KKH" (Hannover), "Securvita BKK" und "TK" (Hamburg) sind vorbereitet. Ab 1. Januar können Versicherte zudem bereits nach 12 Monaten die Kasse wechseln - ein Antrag bei der neuen Kasse reicht, alles andere passiert von selbst. Im Juni '21 werden die UMTS­-Netze von "Vodafone" und "Telekom" abgeschaltet, zum Jahresende das 3G-Netz von "Telefonica" - zugunsten des neuen 5G-Standards. Bei "Google" entfällt zur Jahresmitte der unbegrenzte Fotospeicher in "Drive" für "Android"-User und für neue Smartphones gilt die Pflicht, mit "Android 11" zu launchen.

Wichtig für globale Smartshopper wie unseren Chefredakteur: Ab Juli '21 muss der Import von Waren aus nicht EU-Ländern wie China angemeldet und mit 19 % Umsatzeinfuhrsteuer verzollt werden. Bisher konnten "geringfügige Güter" unter 22,- € bei "Aliexpress", "Gearbest" & "Wish" praktisch zollfrei geshoppt werden. Im schlimmsten Fall musste man sich bei seinem örtlichen Zollpostamt in die Schlange stellen, um seine Einkäufe abzuholen. Künftig liefert die "Alibaba"-Logistiktochter "Cainiao"" u. a. aus Belgien, Polen, Spanien und Tschechien aus - mit dem Ziel, Kunden in max. 72 Stunden zu versorgen. Vorbild: Der hauseigene, flächendeckende 24-Stunden-Lieferdienst in China. Soweit der Schnelldurchlauf aus der Welt der Bits & Bytes.


Der digitale Norden nach dem 1. Corona-Jahr:

Nach unseren punktgenauen Prognosen zu Lockerungen und Normalität nach dem ersten Lockdown im Frühjahr und Sommer 2020 wagen wir heute zu Beginn des neuen Jahres eine Prognose für die Zeit nach dem zweiten Lockdown und den insgesamt vier Wellen von Impfungen: Wir gehen davon aus, dass nach dem bundesweiten Impf-Startschuss bis Pfingsten Ende Mai d. J. die ersten drei Gruppen weitgehend geimpft sein werden - sprich 1.) 80-Jährige, Heimbewohner und medizinisches Personal, 2.) 70-Jährige, Demenzpatienten, Schwerstbehinderte sowie Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Sicherheitskräfte sowie 3.) 60-Jährige, chronisch Kranke sowie Angehörige von Polizei, Feuerwehr, THW, Politik und Justiz.

Für die weitere Normalisierung heißt das mit Stand Januar '21 aus unserer Sicht: 

Bis zu den kurzen Winterferien Anfang/Mitte Februar d. J. wird die Situation bleiben, wie sie ist: harter Lockdown. Bis zum Ende der Sommerferien 2021 wird der Großteil der 15 Millionen Norddeutschen die Chance haben, sich impfen zu lassen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn zum Impfstart erklärte. Im 3. Quartal könnte Deutschland weitgehend "durchgeimpft" sein. Damit werden Oster-, Pfingst- und Sommerferien 2021 erneut im Pandemie-Modus stattfinden und ein unbeschwerter Urlaub rückt in weite Ferne. Eine Normalisierung des Lebens und eine Erholung der Wirtschaft wird frühestens im 4. Quartal d. J. möglich, wie zahlreiche Marktforschungsinstitute übereinstimmend prognostizieren.

Werden wir nach mehr als einem Jahr Entbehrungen durch kurzfristigem und angekündigtem Shutdown sowie leichtem und hartem Lockdown in einen analogen Nachhol-Rausch verfallen, mehr Feste feiern, als je zuvor und die berüchtigte "S.u rauslassen", wie wir es in hässlichen Bildern aus den über die Weihnachtsfeiertage geöffneteten Skigebieten in Österreich und der Schweiz fassungslos kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen mussten? Nicht besser verhielten sich asoziale, schneegeile Tagesausflügler beim Rodeltrip auf dem Harz über die Feiertage und am vergangenen Wochenende. Wie hirnverbrand muss man sein, sich in der Pandemie ohne Maske mit Fremden zu drängeln, Ordnungskräfte anzupöbeln oder sogar Polizisten anzuspucken, weil man schon "solange keinen Schnee mehr hatte"? Lust auf Intensivstation mit dem mutierten Virus?

Für uns stehen weiterhin vor allem die digitalen Aspekte der Corona-Krise im Mittelpunkt: Was bleibt von der Schulausstattung mit Tablets, WLAN, Lernportalen und Videoklassen nach den teilweise hanebüchenen Selbstbeweihräucherungen von Bildungsministern und -senatoren übrig? Ja, auch Schulen sind Ansteckungsherde und Hamburgs SPD-Schulsenator Ties Rabe hat mit seiner Pressekonferenz am 21. November '20 wohl eine Märchenstunde veranstaltet. Das Corona-Jahr hat gezeigt, dass man Bildungs- und Wissenschafts-, Wirtschafts- und Finanzminstern wie -senatoren auf die Finger schauen muss, was trotz großspuriger Ankündigungen nicht geklappt hat, z. B. bei der Corona-Hilfe. Wenn bei bürokratischer wie digitaler Stümperei Schüler und Lehrer, Gastronomen und Freelancer auf der Strecke bleiben, ist dies ein Thema, an dem wir dran sind - und dran bleiben werden.

Die zwei Leitfragen im neuen Jahr lauten für uns: 

1. Was ist von der analogen Welt nach Corona noch übrig? 
2. Wie digital wird der Norden nach Corona aussehen? 

48% der Jugendlichen wählten online das von "Langenscheidt" initiierte Jugendwort des Jahres: Mit "Lost" bringen junge Deutsche aus über 1 Mio. Votings ihr Gefühl über das Corona-Jahr auf den Punkt - ohne Umschweife, ohne Schöngerede. Was nach einem Jahr Entbehrungen, Verordnungen und sozialer Mangelerscheinungen bleiben wird, sind mehr oder weniger erfolgreiche Ansätze von Distanzlernen und Homeschooling, Videokonferenzen und Homeoffice sowie Onlineshopping mit Cocooning und Casualing. 27 % der von "Ipsos" befragten Deutschen gehen im neuen Jahr von Einsamkeit aus - mehr als 1/4 der Nation. Da helfen weder eine neue Webcam fürs Homesoffice, noch das neue Sofa mit 20 % Rabatt aus dem 1. Lockdown oder bequeme Jogginghosen für die nächste Videokonferenz.

Schauen wir uns einzelne zentrale Schlüsselthemen und ihre Digitalisierung fernab von Glaube und Hoffnung mit aktuellen Zahlen und Fakten genauer an. Im Fokus die digitalen Themen Zuhause, Bildung, Freizeit, Wirtschaft, Geschäft, Handel und Politik:

Das digitale Zuhause nach der Corona-Krise:

Fast 4,4 Mrd. € haben die Deutschen im abgelaufenen Jahr für WLAN-Steckdosen und -Glühlampen, digitale Licht- und Heizungssteuerung sowie die Online-Überwachung von Kinderzimmer und Haustür ausgegeben. Mit 21,5 % ist mittlerweile mehr als jedes 5. Zuhause zwischen Helgoland und Bodensee online vernetzt. Schon in 5 Jahren erwarten Marktforscher einen jährichen Umsatz mit Smart Home­-Tools von "Bosch" und "Philips","Sonoff", "Tado" & Co. von 8,5 Mrd. €. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 14,3 %, wie Statista aufzeigt. Die Statistiker errechneten pro Smart Horne eine durchschnittliche Investition von gut 480,- €, was unser Chefredakteur mit rd. 40 smart­ vernetzten Geräten in seinem Zuhause bestätigen kann. Mit den Baumarkt-Ausflügen im 1. Lockdowm und dem verstärkten Trend zum Cocooning in der Pandemie hat ein Milliarden schwerer Markt spätestens 2020 seinen Durchbruch erlebt.

Deutlich skeptischer sind wir Deutschen bei smarten Assistenten, wie "Amazon Alexa" und "Google Nest", vernetzten "Bosch"-Wasch- oder Spülmaschinen von "Otto" oder gar einem digtitalen Wohnungstür-Schloss. 56 % der Bundesbürger haben laut Verbraucherzentralen Skepsis, was mit ihren Daten passiert. 33 % sehen zugleich die Chancen der Nutzung digitaler Assistenten - ein Wert, der vergleichbar ist mit der Verbreitung von vernetzten Geräten. Wir sehen neben der Auswertung von Verbraucherdaten vor allem in der langfristigen Nutzung der Geräte inkl. Betriebssystemen ein altes Problem in neuer Verpackung: Werden wir bei WLAN-Steckdosen und -Glühlampen künftig ebenso zum ständigen Neukauf getrieben, weil die Betriebssysteme - wie auch immer vorsätzlich - veraltern oder nicht mehr aktualisiert werden (vgl. PCs, Notebooks, Tablets und Handys)?

Die digitale Bildung nach der Corona-Krise:

Stichwort Tablets: Blicken wir auf Schulen mit Präsenzunterricht und Distanzlernen. Wie die 6 Pilotschulen des Hamburger "BYOD"-Projekts "Start in die nächste Generation" von 2014 bis 2016 werden jene Bildungseinrichtungen Gewinner der Digitalisierung sein, die bereits begonnen haben, konsequent auf digitale Konzepte und Inhalte, digitale Ausstattung und damit auf digitales Lernen zu setzen. Jene Bundesländer werden perspektivisch vorn liegen, die flächendeckende Ausstattung, zusätzliche Eigenmittel, zuverlässige Plattformen und konsequente Umsetzung ermöglicht haben. Gute Chancen für all jene, die sich während der Pandemie nicht auf Bundesmitteln ausgeruht haben und am Ende des Tages ihren Schlingerkurs gegenüber rebellierenden Eltern rechtfertigen mussten. Ja, dies ist ein Vergleich zwischen Bremen und Hamburg: Werder führt.

Auch im neuen Jahr werden Onlinevorlesungen an vielen Hochschulen selbstverständlich sein - und langfristig bleiben. Viel beschworen und gern vorgeführt, stehen Startups für Innovationen, auch wenn man sie - wie an Alster und Elbe - gern am langen Arm verhungern lässt (Stichwort "Innovations-Wachstums-Fonds"). Wir sehen vor allem die Chance für pfiffige Absolventen wie Abbrecher, ihre Ideen mit KI-Lösungen zum Erfolg zu führen. Mit Bremen und Osnabrück, Lübeck und Lüneburg, Rostock und Greifswald zeigt sich, dass junge, schnell wachsende Geschäftsideen in Regionen fernab selbst ernannter oder gehypter Startupmetropolen entwickelt werden können. Hier hoffen wir auf den Nord-Westen ebenso, wie auf den Norden oder den Nord-Osten und freuen uns auf pfiffige und faire Jungunternehmer, über die wir im neuen Jahr berichten können - z. B. mit Lösungen, die tödliche Frachterunfälle wie den der Hamburger "MS Oceana" Mitte Dezember '20 vor Shanghai durch Predictive Maintenance u. a. für Lenkgetriebe vermeiden können.

Die digitale Freizeit nach der Corona-Krise:

Zehn Corona-Monate in den eigenen vier Wänden waren für digitale Medien die "Goldenen Zwanziger". Für Kinder und Eltern spielten Streaming-Dienste von "Amazon Prime Video", "Disney+", "Netflix" oder "Sky Go" eine grosse Rolle. Kein Wunder, das "Amazon" und "Apple" gleich im ersten Lockdown mit Gratis-Angeboten u. a. für Kids auf Kundenfang gingen. Der Anteil von Streaming-Nutzern lag im Jahr 2019 bei 39,5 % aller Deutschen ab 14 Jahren (davon 36,4 % für "Netflix" und 30,3 % für "Prime Video"). Im Corona-Jahr kletterte die Zahl der Nutzer laut "ARD-ZDF-Onlinestudie" auf 47 %, und damit auf nahezu jeden 2. Deutschen. In der wöchentlichen Nutzung gaben sich die "ARD-Mediathek" (18 %), die "ZDF-Mediathek" und "Netflix" (jeweils 17 %) sowie "Amazon Prime Video" (13 %) 2020 die Klinke in die Hand. Vorab-Veröffentlichungen von Filmen und Serien in den Mediatheken von ARD und ZDF zeigen, wohin die Reise geht: "Schauen Sie einfach wann Sie wollen und wo Sie wollen!" Die Corona-Gewinner werden dabei ganz vorn mitspielen.

In deutschen Wohnungen leuchteten 2020 nicht nur die Fernseher stundenlang. Auch PC-Monitore glühten rund um die Uhr: Bis zu 7 Stunden/Woche daddelten die Deutschen im Pandemie-Jahr pro Woche mehr mit "Playstation", "Xbox" & Co. 46 % aller Bundesbürger ab 16 Jahren - das sind 32 Mio. Menschen - spielten 2020 mindestens ab und zu Computerspiele - Kids unter 16 nicht mit eingerechnet. Für 61 % der daddelnden Deutschen sind Games eine gute Gelegeheit, abzuschalten - nicht nur vom Shutdown-Stress. 49 % der vom Digitalverband "Bitkom" bereits im Juni '20 Befragten sagten, dass ihnen in der Corona-Krise ohne Games "die Decke auf den Kopf gefallen" wäre. Dabei liegen Cashual-Games auf dem Handy bei Frauen und Senioren vorn, Ego-Shooter bei Kids auf PC und Konsole. In 2020 gaben Gamer 9,- € pro Kopf mehr für ihr Hobby aus - jeden Monat. Macht pro Jahr 108,- € Zuwachs bzw. 288,- € Umsatz, bei den 16- bis 29-Jährigen sogar bis zu 408,- € in einem Jahr. Der Anstieg wird nicht zurückgehen und die großen Hamburger Games-Schmieden auch weiterhin das nationale Ranking anführen.

Die digitale Wirtschaft nach der Corona-Krise:

Das Pfeifen im Walde der Wirtschaft wird wohl ein Pfeiffen bleiben: 77 % der Befragten des aktuellen "BAT-Zukunftsmonitors" erwarten größere wirtschaftliche Schwierigkeiten als 2020. Dies ist nicht wirklich verwunderlich: Bis zu 600.000 Jobs werden durch die Corona-Krise verloren gehen, vor allem in den norddeutschen Branchen Tourismus und Luftfahrt, die von der Pandemie besonders hart betroffen sind. Die aktuellen Zahlen stammen von Kieler Institut für Weltwirtschaft - "IfW'. Das geht für 2021 insgesamt von 3,1 % Wachstum aus. Die Hamburger Kollegen des "HWWI" erwarten 4,0 %. Dabei reicht die Spanne der Prognosen je nach Institut von 2,8 % (OECD) bis 4,9 % (RWI). Erst im 4. Quartal kann das wirtschaftliche Niveau der Vor-Corona-Zeit laut "HWWI" und der "IKB" eventuell wieder erreicht werden. Für die Arbeitsplätze gilt das jedoch nicht. Sie kommen erst mit Verzögerung zurück - wenn überhaupt.

26 % - und damit nur ein Viertel der Befragten aus der "Ipsos"-Prognose 2021 - sieht eine vollständige Erholung der Wirtschaft in diesem Jahr. Mit 42 % Nennungen zeigen deutsche Verbaucher, dass die Umsätze in Einkaufsstraßen und Shopping-Center nicht zurückkommen werden - sondern im Internet bleiben. Bis zu 121 Mrd. $ - das sind schlappe 104 Mrd. € - erwartet allein "Amazon" im abgelaufenen Quartal Q4 weltweit. Bei rd. 8 % Deutschland-Anteil wären das gut 8 Mrd. € - in drei Monaten. Damit wird sich der Umsatz von "Amazon" in Deutschland von 22,2 Mrd. € in 2019 mit großen Schritten in Richtung 30 Mrd. €-Marke bewegen. Größere Potenziale liegen vor allem in den Bereichen Haus & Garten sowie Sport & Freizeit, wie die Konsumswünsche 2021 des "BAT"-lnstituts zeigen. 

Das digitale Geschäft nach der Corona-Krise:

Mehr als 1/3 aller deutschen Arbeitnehmer ist im Homeoffice. Folge: Deutsche Unternehmen haben in den Top 7-Städten im 2. und 3. Quartal '20 laut des Maklers "Savills" nur halb soviele Flächen neu angemietet, wie im langjährigen Durchschnitt. Auch wir gehen davon aus, daß bis zu einem Drittel der bisherigen Büroflächen längerfristig leer stehen werden, auch wenn Homeoffice nicht bei allen Firmen beliebt ist. Viele Begegnungen finden so oder so per Videokonferenz u.a. via "Zoom" (mit allein 300+ Mio. neuen Nutzern weltweit während des 1. Lockdowns) statt. Wenn Bürokomplexe leer stehen: Was wird aus den Innenstädten von Bremen und Osnabrück, Hamburg und Hannover, Kiel und Lübeck sowie Rostock und Schwerin? Und was wird aus gehypten Coworking-Spaces mit unendlichen Überkapazitäten für Konkurs gegangene Freelancer, wie "We Work" mit 4 Standorten allein in Hamburg? Dazu kommen digitale Plattformen: Der Online-Vertrieb wächst. Mit 37 % nutzen mehr als 1/3 der deutschen Mittelständler bereits Plattformen, wie die "KfW" ermittelte.

Heute ist klar: Bis zu 50 % aller Geschäftsreisen sind überflüssig. Wenn sie nur noch bei wichtigen Anlässen in Frage kommen, was heißt das für Airbus und Airlines, Bahn und Backshops, Taxis und Uber, Hotels und Konferenzzentren? Die Nachfrage nach Business-Hotels wird abnehmen. Gewinner sind moderne Ketten, wie "Motel One" und "Premier Inn" - Low Cost lässt grüßen. Für die Eventbranche bedeutet der Wandel: Hybride Angebote vor Ort und vor dem Bildschirm werden zur Normalität. Dabei sehen wir den gleichen Fehler, wie vor 20 Jahren bei Online-News: Die meisten Vorträge und Diskussionen sind kostenlos abrufbar. Zugleich schauten beim "Ehrbaren Kaufmann" weniger als 500 Interessenten auf "YouTube" zu, statt 1.500 "Pfeffersäcke" am Silvester-Mittag in der Handelskammer zu Hamburg. Die Geschäftsmodelle von Kongressen und Messen verändern sich radikal und eine Konsolidierung des B2B-Eventmarktes wird stattfinden.

Der digitale Handel nach der Corona-Krise:

Mit einer Paketsteuer für Onlinehändler wird der Einzelhandel in den Innenstädten sicher nicht gerettet. Viel zu spät, viel zu inkonsequent haben alt ehrwürdige Kaufleute noch auf Geschäfte und Filialen in "besten Lagen" gesetzt. Dabei war die Lage längst ernst und die besten Geschäfte wurden auf Plattformen und in Onlineshops gemacht - laut E-Commerce-Verband "BEVH" von 72,6 auf 83,3 Mrd. € Steigerung in einem Jahr - befördert durch Lockdown 1 und 2. Jetzt hofft der Hamburger Distanzhändler "Otto" mit einem eingekauften Ex-"Amazon"-Manager, seinen Marktplatz doch noch zum Fliegen zu bekommen. Nach unserem Blick mit dem Brennglas auf die Kultur in Bramfeld haben wir erhebliche Zweifel, dass man beim "Otto.de"-Marktplatz, bei "Hermes"-Logistik und Kundendienst gegen "Amazon" noch aufholen kann. Zumal "Otto" sein Filialgeschäft von "Bonprix" bis "Manufactum" weiter betreiben will. Hier gilt: "Wer aufhört zu rudern, treibt zurück".

Derweil ist das Kapitel "Galeria Karstadt Kaufhof" nach 37 geschlossenen und 6 weiteren Kandidaten als Exemplar für den sterbenden Einzelhandel für uns erledigt, auch wenn eine Reihe von norddeutschen Häusern dank Lokalpolitikern und Fototerminen noch eine Extrarunde drehen dürfen. Oder glauben Sie, einem österreichischen Immobilienmagnaten geht es wirklich um Bettwäsche, Damenoberbekleidung und Parfüm in Hamburger Innenstadtlage? Die Umbrüche durch digitale Kundenansprache, Onlinelieferung und virtuellen Kundendienst sind nicht aufzuhalten und die Konzentration auf (neue) Plattform-/Händler die unumkehrbare Folge. Da helfen gemeinsame Onlineshops von Einkaufsstraßen ebenso wenig, wie Millionen Euro teure "Improvement-Distrikte" - z. B. rund um das Hamburger Rathaus und die Handelskammer ("BID Nikolaiquartier") mit schlappen 5,9 Mio. € Kosten in 5 Jahren - inkl. 1,3 Mio. € aus der Pulle für das Management von Bauträger "Otto Wulff". Solange einheitlich beigefarbene Gehwegplatten wichtiger sind als Zukunftskonzepte, wird das sicher nichts.

Die digitale Politik nach der Corona-Krise:

2021 ist ein Wahljahr - auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene: So entscheidet sich am 12. September '21, wer die Bürgermeister und Landräte im größten und mit 5 Mio. Einwohnern stärksten Bundesland Norddeutschlands stellt. Zu den Schlüsselfragen im ländlich, maritim und industriell geprägten Niedersachsen spielt die Breitbandanbindung ebenso eine wichtige Rolle, wie das Schließen der "Weißen Flecken" im Mobilfunk. Für uns sind darüber hinaus die digitalen Themen, wie autonomes Fahren rund um Braunschweig und Wolfsburg spannend, aber auch die digital-vernetzte Logistik in den Seehäfen von Brake, Cuxhaven, Emden, Papenburg oder Wilhelmshaven mit dem "Jade-Weser-Port" und die digital-gestützte Landwirtschaft rund um das "Digi-Schwein" im Oldenburger Land. 

Am 26. September '21 entscheidet sich, ob die Sozialdemokraten bei einer schwarz-grünen Bundesregierung endlich in die Opposition gehen (dürfen) ebenso, wie das Schicksal der großen Koalition im Schweriner Schloss. Nach ersten überzeugenden Schritten mit überdurchschnittlicher KMU-Digitalförderung mit bis zu 20.000,- €, sechs regionalen Innovationszentren für Startups und KMUs im Umfeld der Hochschulen und zunehmendem Tempo bei Breitbandausbau und Mobilfunkversorgung geht es für den Nord-Osten in den kommenden Jahren um neue, digitale Geschäftsmodelle - in Tourismus und Landwirtschaft, Hafenwirtschaft und Werften. Wir hoffen, dass die drei "MV Werften" in Wismar, Rostock und Stralsund nach der Corona-Krise wieder durchstarten können - und digitale Innovationen nutzen.  

Auf jeden Fall werden die Landtags- und Kommunalwahlkämpfe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wie auch das Wettrennen der gut 700 Kandidtaten um den 20. Deutschen Bundestag weitgehend digital laufen: Ansprachen auf "YouTube",  Bürgerforen via "Zoom", Sprechstunden per "WhatsApp" - für die auf Marktplatzstände, Straßenplakate und Großflächenwerbung fixierten Parteien wird 2021 ein Jahr des Umlernens. Jetzt hat die Digitalisierung auch die Parteiarbeit fernab von Hinterzimmern eingenommen. Im Online-Wahlkampf gilt wie in Online-Marketing und Online-Vertrieb: alles ist trackbar. Jeder "YouTube"-Stream ohne Zuschauer und jede "Zoom"-Diskussion ohne kritische Fragen werden sofort zum Bummerang für Sollte-Dürfte-Müsste-Forderungen. Ist das der Anfang vom Ende für Wischiwaschi-Parteipolitiker?

Die digitale Zukunft nach der Corona-Krise:

Wenn Visionäre darüber referieren, das alles digital wird, dann sind unsere Onlineeinkäufe während der Pandemie, das Distanzlernen unserer Jüngsten während der Shutdowns und die Videokonferenzen aus dem Homeoffice der Beweis, dass es genau so ist. Allen Stolpersteinen und Widerständen zum Trotz: Wenn es keine Alternative gibt, wenn es zur Notwendigkeit wird, dann setzen sich neue Möglichkeiten durch (außer vielleicht in Hamburg). Wenn Experten seit Langem prophezeien, dass "Vetrauenskultur" statt Präsenzpflicht in der Arbeitswelt einziehen muss und wird, dann sind die vergangenen Monate von Homeoffice und Videokonferenzen der Beweis, dass es funktioniert - auch ohne "New Work"-Diskussionen mit selbst ernannten "Expert*innen".  

Der viel beschworene "Digitalisierungsschub" im Corona-Jahr 2020 wird im neuen Jahr beweisen, wie er kleinere, mittlere und große Betriebe vorangebracht hat und weiter voranbringen wird - vorausgesetzt, die eigene Kultur stand und steht einem nicht im Weg. Wir gehen davon aus, dass aus dem "Casual-Freitag" ein Homeoffice-Tag wird und für Angestellte in "White Collar Jobs" auch 2 oder 3 Tage pro Woche im Homeoffice zum "New Normal" werden. Dabei rückt neben der Technik und der Organisation das dritte unserer Leitthemen in den Mittelpunkt: die Kultur des Wandels. Wir sind sicher, dass das Corona-Jahr 2020 im Rückblick zum Wendepunkt der Digitalisierung, der Transformation und des Kulturwandels im Norden und ganz Deutschland geworden sein wird. Wir machen dazu die Nachrichten.

Der digitale Norden ist unser Leitthema.


Die jährliche Studie des Marktforschungsinstituts "lpsos" zeigt, wohin der Norden, unser Land und die Welt tendieren: Mit 63 % gehen fast 2/3 der Bundesbürger davon aus, dass das neue Jahr insgesamt besser wird. Mit 46 % bezweifelt zugleich nahezu jeder 2. Deutsche, dass unser Land vollständig zur Normalität zurückkehren kann. Die Befragten des "Zukunftsmonitors" des "Instituts für Zukunftsfragen" an der Alster erwarten sogar zu 71 % weiter bestehende Einschränkungen im Jahr 2021. Die aktuellen Interviews mit führenden Virologen in der täglichen Presseschau zeigen ein ähnliches Bild. Und 64 % des Hamburger "BAT"-Panels gehen davon aus, dass die Gesellschaft im neuen Jahr weiter auseinander driftet.

Der digitale Norden - unsere Heimat an den zwei Meeren, in 5 Küstenländern, den 4 Metropolregionen, in 25 norddeutschen Hansestädten: 15 Millionen Menschen hoffen hier bei uns, dass es im neuen Jahr wirklich besser wird rund um Familie und Freunde sowie Job und Geld. Unser Rat für 2021 lautet: Schauen Sie dahin, wo die neuen und die verrückten Ideen zu finden sind. Schauen Sie dahin, wo es digital ist und gerade wird. Schauen Sie dahin, wo jetzt online, mobil und vernetzt neue Möglichkeiten angeboten werden. Denn da ist nicht nur die digitale Zukunft nach der Corona-Krise. Da ist die Zukunft für uns alle - in Ost und West, in Städten und Gemeinden sowie in Unternehmen und Verwaltungen.


In diesem Sinne: 
Bleiben Sie neugierig. Werden Sie digital. Und bitte bleiben Sie gesund! 

Ihre HANSEVALLEY-Redaktionsleitung

Thomas Keup und Gerd Kotoll 
Chefredakteur / Korrespondent Hamburg     
 
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 Hanse Digital Background: 

Hanse Digital Review: HANSEVALLEY 2020 - Ein Jahr digitaler Norden.

HANSESERVICE: Die Corona-Krise als Katalysator für den E-Commerce-Wandel

HANSESTATEMENT: "Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies":
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HANSEVALLEY: "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":
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