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Donnerstag, 27. September 2018

HANSEHEALTH: Die Techniker auf dem Weg zur digitalen Krankenkasse.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Berlin, 24. April d. J., Bundespressekonferenz, im Regierungsviertel unweit von Reichstag und Kanzleramt: Deutschlands größte Krankenkasse stellt ihre digitale Gesundheitsakte "TK-Safe" vor. Der Datensafe wird in Hamburg gemeinsam mit der IBM entwickelt. 40.000 Betauser probieren bundesweit die "eGA" bereits aus - bis zu 10,2 Mio. "TK"-Versicherte können ihren Patientensafe in Zukunft auf iPhone und Android-Smartphone nutzen. 


Digitalisierung im Mittelpunkt des Engagements: Die Techniker Krankenkasse
Foto: HANSEVALLEY

Die "Techniker" geht als größte Ersatzkasse in der Digitalisierung voran - verfolgt von Deutschlands Nr. 2 - der Hamburger "DAK-Gesundheit" - mit ihrem IT-Dienstleister Bitmarck, der digitalen Gesundheitsassistentin "Vivy" und 13,5 Mio. möglichen Nutzern ihrer App. Mit mehr als 440.000 Versicherten an Alster und Elbe, 27% Marktanteil und einem "Digital Office ist die "Techniker Krankenkasse" ein maßgeblicher Entwickler der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Ein Hamburg Digital Report.

110 gesetzliche Krankenkassen gibt es in Deutschland, dazu kommen 42 private Krankenversicherungen. 72 Mio. Menschen sind bei AOKn, Barmer und BKKn, DAK, IKKn und TK versichert. Mit der im Auftrag der Allianz für den Hamburger IT-Dienstleister Bitmarck entwickelten  und am 5. juni d. J. in Berlin vorgestellten "Vivy"-App kommt Bewegung in die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Denn: Wenn sich die Krankenkassen mit ihren Lösungen nicht durchsetzen, droht die Gefahr, durch Amazon, Apple und Google einen weiteren Sektor an US-Technologiegiganten zu verlieren.


Expertin als Startup-Gründerin und Accelerator-Managerin:
Juliane Zielonka aus dem "TK"-Digital Office
Foto: Juliane Zielonka

Juliane Zielonka ist eine von 4 Beratern im Team des "Digital Office" der "Techniker", das zur Unternehmensentwicklung gehört. Hinzu kommen 4 Coaches und 4 Projekt-Consultants in der Zentrale an der Bramfelder Straße. Die 1884 gegründete "Hilfskasse für Architekten, Ingenieure und Techniker" weiß: Mit neuen Plattformen kann es schnell ungemütlich werden im Gesundheitsmarkt. Wer die Hoheit über die Daten hat, bestimmt den Kundenzugang. "Wir können gestalten, bis wir gestaltet werden", fasst die Wahl-Hamburgerin im persönlichen Gespräch zusammen.

Agiles Arbeiten bei der "Techniker" - für neue Möglichkeiten

"Wie können wir das Bestehende mit dem Neuen verbinden - und das aus der digitalen Perspektive." Für die Startup-Gründerin und frühere Managing Direktorin des "Startupbootcamp Digital Health Berlin" stehen interne und externe Aufgaben auf der Agenda. Auf der internen Seite des mit rund 14.000 Mitarbeitern arbeitenden Gesundheitsdienstleisters stehen Themen wie agiles Arbeiten im Fokus. Die Expertin stellt zur Diskussion: "Wie können wir uns selbst optimieren?" Das ist bei einer öffentlich-rechtlichen Struktur nicht das Einfachste. 


Vorschlag der "TK" für Risikoklassen bei digitale Produktenƒ.
Grafik: Techniker Krankenkasse

Spannend wird es auf der externen Seite: Hier arbeitet die "Techniker" daran, Medizinprodukte - wie die Hamburger Tinnitus-App "Tinnitracks" - für die Versicherten anzudocken, ebenso wie die "Migräne-App" der Schmerzklinik Kiel. Während Fitness-Tracker und Wellness-Angebote zum 2. Gesundheitsmarkt gehören, will die "TK" vor allem digitale Angebote für den 1. Gesundheitsmarkt finden und bereitstellen. Die langjährige Berlinerin fasst zusammen: "Wie können wir für unsere Versicherten das Optimale erzielen?"

Kooperation mit Startups - für Produkte im 1. Gesundheitsmarkt

Eine Brücke zu neuen digitalen Angeboten für ihre Versicherten ist der Kontakt zu Startups, z. B. im "Health Innovation Port" des Geräteherstellers Philips an der Röntgenstraße unweit des Flughafens Hamburg, den die "TK" von Anfang an unterstützt. Zudem veranstaltet die Krankenkasse seit 2016 jährlich ein eigenes Accelerator-Programm und den gemeinsamen Wettbewerb "Health-i" mit dem Handelsblatt - auf der Suche nach den hoffnungsvollsten Talenten. Zuletzt hatten sich 160 Talente, Startups und junge Unternehmen beworben.


Startup-Förderung - bei der "TK" mit Sinn und Zweck praktiziert.
Foto: Techniker Krankenkasse

Für die "Techniker" sind digitale Angebote nicht allein ein Marketing-Instrument. Laut Satzung können sich Versicherte im Jahr digitale Hilfsmittel für bis zu 300,- € erstatten lassen. Voraussetzung: Es handelt sich um nachgewiesene Medizinprodukte, die vom Arzt verschrieben werden - und damit im 1. Gesundheitsmarkt zu Hause sind. Die größte Krankenkasse würde sehr gern schneller digitale Lösungen anerkennen und einsetzen lassen. Das Problem: Es braucht im Schnitt 5 Jahre bis zur Zulassung. Die "TK" würde dies gern mit einer auf 2 Jahre befristeten Zulassung beschleunigen. Denn die Angebote von Apple, Google & Co. warten nicht.

Wer bestimmt künftig über digitale Angebote für Patienten?

Die Befürchtung ist berechtigt, unterstreicht Juliane Zielonka: "Wenn wir mit unseren Stakeholden nicht zusammen eine eigene Plattform aufbauen, kann es ein, dass wir den Staffelstab an einen anderen Player verlieren." Auf Nachfrage fasst die Digitalexpertin zusammen, wer mit Boot sein sollte: die gesetzlichen und die privaten Versicherer, Ärzte und Labore, Krankenhäuser, Dienstleister und die Gesundheitsindustrie. Und nicht zu vergessen: die Patienten. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, dass die "TK" mit IBM einen mobilen Datentresor für medizinische Daten als Plattform entwickeln lassen hat.


"TK"-Vizevorstand Thomas Ballast stellt den "TK-Safe" in Hamburg vor.
Foto: HANSEVALLEY

Beim "IBM-Safe" sind auch die privaten Versicherungen DKV, Generali und Signal-Iduna mit dabei. Als Klinikgesellschaft konnten für den "TK-Safe" bereits die 16 Agaplesion-Kliniken gewonnen werden. Weitere Partner, wie das UKE, sind in Planung. "TK"-Vorstand Thomas Ballast macht beim Kongress der Gesundheitswirtschaft im Grand Hotel Elyseé in Hamburg deutlich, dass letztendlich der Patient entscheidet, wie er seine digitale Gesundheitakte nutzt: "Das könnte dann zum Beispiel die Impfhistorie sein, eine Auflistung der Medikamente oder die Arzt- und Zahnarztbesuche inklusive Diagnosen."

"Vivy" und "TK-Safe" oder Amazon, Apple & Google?

Auf dem Gesundheitskongress versichern führende Vertreter von "TK" wie von "DAK-Gesundheit": Es geht nicht um "TK-Safe" gegen "Vivy". Beide mobilen Systeme werden kompatibel sein. Der Versicherte soll bei einem Kassenwechsel seine Daten in den anderen Safe mitnehmen können. Ab Mitte kommenden Jahres erwarten die Anbieter eine einheitliche Schnittstelle zum Datenaustausch mit allen 178 Praxisprogrammen. Damit wird klar: Hier geht es um das Gesundheitssystem im Wettbewerb mit globalen Datensammeln, die aus Gesundheitsdaten Geschäft generieren wollen.

Vorstellung des "TK-Safe" in der Bundespressekonferenz in Berlin:




Neben konkreten Angeboten im 1. Gesundheitsmarkt und einer digitalen Gesundheitsakte für bis zu 10,2 Mio. "TK"-Versicherte, kümmert sich das "Digital Office" der "TK" auch um Sekundärprävention, also der Verhinderung von Folgeerkrankungen z. B. bei jungen Chronikern. Bei Diabetes Typ 2 und weiteren Erkrankungen hat die "Techniker" mit "Transfit" ein Projekt zur ergänzenden Videoberatung mit den DRK-Kliniken Berlin initiiert. So können sich 12- bis 24-Jährige und ihre Eltern per App und Chatroom ergänzend beraten und begleiten lassen. Das Ziel des wissenschaftlich begleiteten Projekts ist ein selbstständiges Management der chronischen Erkrankungen durch die jungen Patienten selbst.

Mit Spannung können wir die weitere digitale Entwicklung bei der Techniker Krankenkasse beobachten. So sind aus der Zusammenarbeit mit Philips im "Health Innovation Port" erst konkrete Ideen und Möglichkeiten entstanden. Juliane Zielonka deutet an, dass es zwar noch keine spruchreifen Ergebnisse, aber hoffnungsvolle Ansätze gibt. Das klingt doch nach einer "Technologisch digital-aufgestellten Krankenkasse" der Zukunft - oder kurz: einer "digitalen TK".

 Hamburg Digital Background: 

Elektronische Gesundheitsakte "TK-Safe" der IBM
tk.de/tk/themen/digitale-gesundheit/elektronische-gesundheitsakte-tk-safe/981794

Digitale Angebote der "Techniker" für ihre Mitglieder
tk.de/tk/themen/digitale-gesundheit/digitale-angebote/723220

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"Transfit"-Projekt der "TK" mit den DRK-Kliniken Berlin
tk.de/techniker/service/gesundheit-und-medizin/igv-vertraege/transfit-fuer-den-uebergang-zur-erwachsenenmedizin-2024816

"Migräne-App "von Schmerzklinik Kiel und "TK"
tk.de/techniker/gesund-leben/digitale-gesundheit/apps/migraene-app-2025392

"Tinnitracks-App" von "Sonomed" bei der "TK"
tk.de/techniker/gesund-leben/digitale-gesundheit/tinnitracks-tinnitus-app-2010642

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Startup-Förderung und "TK-Accelerator"
tk.de/tk/themen/digitale-gesundheit/start-up-foerderung/959200 

"Health-i" Wettbewerb von "Handelsblatt" und "TK"
health-i.de/de/

"Health Innovation Port" von Philips und "TK"
healthinnovationport.de/

"Digital Health Hub Hamburg" - GWHH & Partner
gwhh.de/digital-health-hub-hamburg/

--

Techniker Krankenkasse in Hamburg:
tk.de/tk/hamburg/tk-landesvertretung/die-tk-in-hh/170484#

Techniker Krankenkasse auf einen Blick:
tk.de/tk/ueber-das-unternehmen/unternehmens-und-finanzdaten/die-tk-auf-einen-blick/109214

 Hamburg Digital Reports: 

HANSESTARTUPS:
"Digital Dudes" treffen "Röntgen-Riese" im Health Innovation Port.

HANSEPERSONALITY Helmut Gerhards: 

Donnerstag, 12. Juli 2018

HANSEINSURANCE: Aus dunklen Datenkellern in neue Servicewelten.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Airbnb, Netflix, Spotify & Co. - globale Plattformen erobern Märkte, besetzen Kundenzugänge, bieten Mehrwerte, machen Anbieter zu unsichtbaren Lieferanten. Keine Dienstleistung ist vor ihren Ökosystemen sicher. Beispiel: Die Versicherungsbranche. Das Münchener Vergleichsportal Check24 ist in den Markt eingebrochen, bestimmt die Regeln bei Auswahl, Entscheidung und Belieferung mit der traditionellen Leistung der Risikoabsicherung.





Amazons Apothekendienst, Apple Health und Googles Verily saugen über E-Commerce, Smartphones, Smartwatches und Sprachassistenten persönliche Daten - blasen zur Eroberung des nächsten großen Marktes: der Gesundheitsindustrie. In Hamburg rüstet sich ein Konsortium um die Signal-Iduna, den GAFAs das Feld nicht zu überlassen. Im Mittelpunkt: eine Echtzeit-Datenplattform, eigene Kundenzugänge und Kollaboration mit externen Partnern. Ein Hamburg Digital Report:



SDA-Direktor Dr. Stephan Hans
Foto: SDA
Service Dominierte Logik, kurz: SDL - die Idee hinter Plattformen ist eigentlich ein alter Hut. Seit 2004 forschen Wissenschaftler an der Ablösung der Industriedenke. Die Idee: Produkte werden unbedeutender, Leistungen werden wichtiger. "Eigentlich kauft man nicht mehr das Produkt, sondern das Bündel der Services drumherum", erklärt der 39-jährige Kommunikationswissenschaftler Dr. Stephan Hans im quirligen WeWork am Axel-Springer-Platz. Der Ostfriese ist Geschäftsführender Direktor der SDA, einer europäischen AG. "Open Industry Solutions" steht auf seine Visitenkarte, aber was heißt das?

Es geht um die von Steve Vago und Robert Lusch maßgeblich forcierte Service-Philosophie, mehr 10 Jahre alten IT-Systemen bei Deutschlands Versicherungs-Dinosauriern und dem heran rollenden Tsunami durch Tech-Giganten und ihrem ungestillten Hunger auf Daten, um das nächste Geschäftsfeld für sich zu erobern. Nach Musik- und Filmindustrie, nach Hotel- und Taxidienstleistungen geht es der Versicherungsbranche an den Krage. Den seit 2009 in Hamburg beheimateten Wissenschaftler treibt eine Frage um: "Wie sieht die IT-Zukunft in einer Service-Welt aus?"

Im Keller der Versicherer lagern ungehobene Datenschätze.


SDA-Aufsichtsrat Dr. Markus Warg
Foto: Signal-Iduna
Prof. Dr. Markus Warg ist nicht nur Sparringspartner des Chief Business Development Officers und zweifachen Familienvaters. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der SDA, IT-Vorstand der in Hamburg und Dortmund beheimateten Signal-Iduna Versicherung und Professor für Service Design und Risikomanagement. In seiner Doppelrolle stellt der Ökonom und langjährige Bank- und Versicherungsexperte die richtigen Fragen: Was will der Kunde wirklich? Wie will der Kunde einen Service buchen - und wieder loswerden? Welche Abrechnung ist für den Nutzer am Interessantesten?

Während Startups - wie das von uns vorgestellte Kasko - mittels Whitelabelservices digitale Vertriebskanäle für neue Versicherungsprodukte unabhängig von den Branchentankern aufbauen, lagern in den Kellern von Signal-Iduna, Hanse-Merkur & Co. ungehobene Datenschätze. Ideal zur Befriedigung echter Kundenbedürfnisse - fernab von schnellen und kurzfristig generierten Absatzmärkten. Genau um diese Schätze in steinzeitlich anmutenden Datenbanken und mit vorsinnflutlichen Schnittstellen kümmert sich das Hamburger Gemeinschaftsunternehmen SDA - mit seinen Investoren Signal-Iduna, IBM und dem IT-Dienstleister MSG.

Ökosysteme, um mit Dienstleistungen Werte zu schaffen.

Die Idee von SDA ist so einfach wie logisch: Auf der einen Seite stehen Frontend-Services für B2C und B2B - online, mobil oder voice - um mit Interessenten und Versicherten zu kommunizieren. Auf der zweiten Seite stehen Zugänge zu Partnern, die Dienstleistungen erbringen, z. B. Dienste zum Scannen oder Drucken sowie Abrechnugnsdienste für Rechnungsprüfung und Bezahlung. Auf der dritten Seite stehen die Versicherungen mit dunklen Kellern voller Daten und einem Software-Zoo voller Fachanwendungen. Dazwischen sitzt die SDA, zusammen mit IBM als Cloud- und Datenprofi und der MSG als Profil im "Keller". Das, was SDA mit der Signal-Iduna entwickelt, ist mit Open Source Technologien von Anfang ein offener Ansatz, denn im Keller sieht es fast überall genauso aus.

Im Gegensatz zu anderen Tech-Riesen denkt man in Hamburg nicht über Plattformen nach, weil es Plattforen sind. Vielmehr geht es um Ökosysteme, die mittels Dienstleistungen neue Werte schaffen - für Nutzer wie für Anbieter. Das ist auch unbedingt notwendig. Denn der Krankenversicherer Signal-Iduna hat diverse Partner, mit denen er kooperiert: Agenten und Makler, Praxen und Krankenhäuser, Apotheken und Pharmahersteller. Dabei steht der Kundenkontakt im Mittelpunkt. Ist er verloren, sind alle Bemühungen umsonst. Umso wichtiger ist es, die Datensilos mit der Historie seiner Kunden zu heben und zu nutzen. Denn der Versicherer SignalIduna hat diverse Partner, mit denen er bereits kooperiert oder in Zukunft zusammenarbeiten möchte.


Kunden-App mit intelligenter Anbindung ans Data-Backend
Grafik: SDA SE

Richtig Spaß macht der Plattform-as-a-Service-Ansatz, denkt man künftige Möglichkeiten z. B. im Gesundheitssektor. Wenn die Gesundheitsakte von Techniker Krankenkasse und IBM, die Fallakte von UKE, Vivantes oder Helios und die Fitness-Apps von Adidas aka Runtastic im Rahmen gesetzlicher Möglichkeiten zusammenspielen, können anonymisierte Daten eine Qualität in Diagnose, Therapie und Kur bringen, die sonst nur den großen Datensammlern aus den USA möglich sind. Was für den Gesundheitssektor möglich wird, ist ebenso im Pflegesektor machtbar, was im Pflegesektor machbar ist, könnte ebenso in der Altersvorsorge entwickelt werden.

Die im Sommer 2016 zunächst innerhalb der Signal-Iduna getestete Plattform-Technologie wurde im Dezember des Jahres ein eigenes Unternehmen. Aktuell arbeitet das Hamburger Team mit 20 festen Mitarbeitern und fast 80 Köpfen Manpower einschl. Mitarbeitern bei IBM Global Business Services und MSG. Die sorgen dafür, dass Services im Frontend in Echtzeit laufen können, die Datenverarbeitung im Backend davon aber abgekoppelt sein kann. Und sie gewährleisten, dass die zertifizierte, regulierte Backend-Systeme ohne Sorge angekoppelt werden können.

Kein Fuß in der Haustür der Kunden ist kritisch bis tödlich.

Stephan Hans hat eine klare Botschaft an Versicherer: "Ihr seid für den Kunden in Zukunft nur relevant, wenn ihr Servicewelten in einem eigenem Ökosystem aufbaut": Geht des Kundenkontakt an Check24, ist er für lange Zeit verloren. Ist die Schnittstelle von einem fremden Ökosystem besetzt, gibt es keine aktuellen Daten zum Aufbau von Serviceangeboten. Ein Teufelskreislauf, der kaum zu durchbrechen ist. Der langjährige Berater warnt: Im nächsten Schritt lauert die künstliche Intelligenz. Hier keinen Fuß in der Haustür der Kunden zu haben, ist kritisch bis tödlich.

Haben Startups das Asset schneller und flexibler Kundeninteraktionen liegt für die Versicherer der Goldschatz im eigenen Keller: die Datenhistorie aus den Kundenbeziehungen. Und die wird bis heute selten bis nie genutzt, um besser zu werden und sich gegen  neue Herausforderer aus der Plattform-Ökonomie zu wappnen. Einige Player haben den Schuss gehört, z. B. die Allianz mit der DAK, ihrem IT-Dienstleister Bitmarck, dem IT-Riesen Atos und einer Reihe von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen oder die Techniker zusammen mit IBM, den Krankenversicherern Central, DKV, Signal-Iduna, dem UKE und den Klinikriesen Helios und Vivantes aus Berlin.

Das Rennen ist eröffnet. Der Wettlauf um Partner, Daten und Services hat begonnen. Die SDA von Signal-Iduna, IBM und MSG setzt auf eine offene Cloudarchitektur, die modulare, quelloffene Docker-Entwicklungsumgebung. Als einer der ersten externen Partner konnte die Alte Leipziger/Hallesche für eine eigene Gesundheitsplattform gewonnen werden. Dreh- und Angelpunkt des Ansatzes sind Schnittstellen und Adapter, die alles mit allem lauffähig machen können. Schauen wir mal, welches Konsortium das Rennen macht - und ob die US-Techriesen noch zu stoppen sind.



 Hamburg Digital Background: 

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösugnen aus der Werft für den Linienbetrieb.
https://hh.hansevalley.de/2018/07/hanseinsurtech-insurtech-werft.html

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html


Dr. Stephan Hans, SDA SE:
www.xing.com/profile/Stephan_Hans2/cv

Prof. Dr. Markus Warg, FH Wedel:
www.fh-wedel.de/mitarbeiter/mwa/

Service-Dominierte Logik:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service-Dominant_Logic

Service-Dominierte Architektur:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service_Dominierte_Architektur

Mittwoch, 11. Oktober 2017

HANSESTARTUPS: "Digital Dudes" treffen "Röntgen-Riese" im Health Innovation Port.

HAMBURG DIGITAL REPORT


Philips-Zentrale in der Röntgenstraße
Foto: HANSEVALLEY
Heute Abend ist es soweit: Auf dem Werksgelände von Philips an der Röntgenstraße in Fuhlsbüttel eröffnet der neue Health Innovation Port "HIP" offiziell seine Pforten. Unter den Ehrengästen des Openingevents für Wirtschaft, Wissenschaft, Startupszene und Medien: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Philips-CEO Peter Vullinghs, Techniker Krankenkassen-Vorstand Karen Walkenhorst sowie Ex-Fußballprofi Marcel Jansen.

HANSEVALLEY hatte die Gelegenheit, bereits vor der offiziellen Eröffnung hinter die Kulissen der 550 qm großen Co-Working- und Event-Area zu schauen, mit ausgewählten Startups des seit Frühjahr arbeitenden Healthcare-Innovationshubs zu sprechen und einen eigenen Eindruck des Startup-Standorts von Philips, Techniker Krankenkasse & Co. zu gewinnen. Ein Hamburg Digital Report:

Hamburg-Fuhlsbüttel, Röntgenstraße 24. Am Produktionsstandort von Philips werden seit fast 100 Jahren Röntgengeräte gefertigt, arbeiten rd. 3.000 Mitarbeiter in Forschung, Entwicklung und Produktion sowie Vertrieb, Marketing und Kommunikation. Mittendrin das unscheinbare Haus "P". In den 6 Meter hohen Hallen werden u. a. Durchleuchtungsgeräte gefertigt. Im 4. Stock direkt neben einer Fertigungshalle ist die Zukunft eingezogen - der Health Innovation Port "HIP".

"Be HIP" leuchtet es in überdimensionalen Lettern an der Rückwand des großzügigen und lichtdurchfluteten Coworking-Space. 8 Startup-Teams sind als erste Mieter seit März d. J. zu einem symbolischen Mietpreis bei Philips und Co-Founder Techniker Krankenkasse eingezogen. 6 Monate dauert die Schnupper- und Testphase zwischen "Digital Dudes" und "Röntgen-Riese". Insgesamt 8 Mitarbeiter betreuen im Auftrag der Geschäftsführung von Philips in der DACH-Region den spannenden Technologie-Nachwuchs.

Startups über ganze Bandbreite des Gesundheitswesens

Der Health Innovation Port für Healthcare-Startups
Foto: Philips
Die Palette der Jungunternehmen ist so breit, wie das gesamte Gesundheitswesen. Aktuell im Innovation-Port dabei: die AR-OP-Unterstützung "ApoQlar", der Patienten-Chatbot "Clucare", die Phobien-Bekämpfer von "Don't be afraid", das Krebspatienten-Netzwerk "Don't be patient", die Röntgenbild-Auswerter "Jung Diagnostics", die 3D-Prothesen-Drucker von "Mecuris", die Logopädie-App "Neolexion" und die Klinik-Behandlungssoftware "360 Grad Medical". Eine spannende Mischung auch für den Co-Founder Techniker Krankenkasse.

Die TK hat Ihrerseits die ersten Startups in den Innovation-Port geschickt. Darunter ist das 3D-Prothesen-Startup "Mecuris". Im "HIP"-eigenen Makerspace hinter der Coworking-Area können die vielfachen Award-Gewinner an den bereitgestellten 3D-Druckern neue Prototypen entwickeln. Orthopädie-Mechaniker erheben die individuellen Patientendaten, diese werden im Computer zu 3D-Daten umgewandelt. Das Ergebnis ist eine perfekte Prothese.

Das Besondere im Philips Innovations-Programm: Die Startups werden unabhängig vom Entwicklungsstand ausgesucht, eine Verbindung zu bestehenden Philips Produkten und Services gibt es nicht, eine strategische Selektion findet nicht statt. Vielmehr geht es um Offenheit und Professionalität. 'Passt es von den Leuten?' und 'Passt es zu unseren Themen?' sind laut Startup-Managerin Silvana Hansmann die Entscheidungskriterien. Schließlich geht es um neue Ideen und Möglichkeiten für die Zukunft.

MRT-Bilder in 3D mit der "HoloLens" live im OP

Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks bei ApoQlar im "HIP"
Foto: Philips
Für das Team des Augmented Reality-Startups "ApoQlar" ist der Tag unseres Besuchs ein ganz Besonderer: An diesem Vormittag soll die OP-Unterstützung "Virtual Surgery Intelligence" (VSI) erstmals in einem Hamburger Krankenhaus im Rahmen einer Operation live getestet werden. So sollen Gehirnoperationen mittels MRT-Bildern in 3D besonders präsize durchgeführt werden können, z. B. zur Behandlung von Epilepsiepatienten. Anfang September d. J. hatten Oberärzte dreier Hamburger Kliniken den Einsatz von MRT-Bildern in 3D mittels "HoloLens" erstmals getestet.

Bis zum Jahresende soll die OP-Unterstützung marktreif sein. Marketing-Leiterin Nadja Parfenov bestätigt im Interview die besonderen Chancen durch die Zusammenarbeit im Health Innovation Port: "Philips ist ein starker Partner." Insbesondere bei rechtlichen Themen, wie der Zulassung als Medizinprodukt, und beim Marketing erhofft sich die junge Mannschaft um Gründer Silko Pelzl und dem Hamburger Chirugen Dr. Hans-Jürgen von Lücken aktive Unterstützung durch die Experten von der Röntgenstraße.

Event im Health Innovation Port
Foto: Philips
Das Philips-Team im Health Innovation Port berät bei allen wichtigen Schlüsselthemen - wie der Genehmigung von Medizinprodukten -, öffnet Türen zu geschlossenen Branchenevents, unterstützt mit Mentoren aus dem globalen Firmennetzwerk, hilft bei der Vernetzung mit potenziellen Partnern, vermittelt bei Bedarf passende Investoren und sorgt gemeinsam mit den Partnern für eine Chance, neue Produkte und Services im hoch regulierten Gesundheitsmarkt zu entwickeln und zu platzieren.

Heute Abend feiern führende Vertreter aus Gesundheitswirtschaft, Wissenschaft und Politik aber erstmal den erfolgreichen Start des neuen Branchenhubs für die Zukunft der Gesundheitswirtschaft an Alster und Elbe. Das Hamburg Startup Magazin HANSESTARTUPS berichtet vor Ort.

 Hamburg Digital Background: 

"Health Innovation Port" von Philips und Techniker Krankenkasse

TK-Accelerator der Techniker Krankenkasse