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Samstag, 28. Juni 2025

Wie Berlin - nur geiler: Diese millionenschweren Prestige-Projekte hat der rot-grüne Hamburger Senat mit seinen Subventionsrittern in den Sand gesetzt.

HANSE DIGITAL INVESTIGATION


Wie Berlin, nur geiler: Finanzsenator Dressel (2. v. l.) und Ex-Wirtschaftssenator Westhagemann (rechts).
Hamburger Senatoren wissen, wie man Millionen in den Sand setzt, um einen auf "dicke Hose" zu machen.
Foto: Senat Hamburg

Der rot-grüne Senat ist gern mal großspurig, auch mal großkotzig und immer wieder größenwahnsinnig, wenn er seine neuesten Lieblingsprojekte mit lokal-begrenztem Pressewirbel in Hamburg hinterm Deich verkündet. Da werden Provinzprojekte als Weltsensation verkauft - natürlich kein zweites Mal in Deutschland oder Europa zu finden. Oft vergleichen die Kleinstadt-Senatoren ihre vermeintlichen Errungenschaften dann mit chinesischen Metropolen - kein Scherz, z. B. "Westwasserstoffman"! 

Die unhanseatische aus Minderwertigkeitskomplexen gegenüber Berlin heraus praktizierte Protzerei wäre eventuell noch vertretbar, wenn die Millionen von Steuer-Euros zu echter wirtschaftlicher Entwicklung führen würden, neue Arbeitsplätze schafften und der modernden Hafenspilunke von Pfeffersäcken an der Norderelbe neue Zukunftschancen einhauchen würden. Das Problem: Die vermeintlichen Leuchttürme enden wenige Jahre später als abgebrannte Teelichter in Vergessenheit - mit Garantie. Und das ist nicht nur beim vermeintlich einzigartigen "Hamburg-Takt" der Fall.

Profitieren tun an Alster und Elbe immer die selben "Akteur*innen" aka geldgierige Subvenstionsritter - aka "Hamburg Innovation" von "TU-Tech Innovation", Handelskammer Hamburg, Logistik-Initiative Hamburg, die stadteigene Kreativgesellschaft und natürlich die landeseigenen Schuldenbetriebe, wie z. B. die Hamburger Hochbahn. Das macht auch nichts - denn das merkt auch keiner. Oder besser: Es redet niemand darüber, schon gar nicht, wenn er selbst auf Subventionen aus dem Hamburger Steuersäckel hofft oder bekommt. Genau da ist der Hamburger Senat konsequent: 

Mit einem kleinen oder größeren Geld-Köfferchen werden potenzielle "Rivalen", "Konkurrenten" oder Kritiker "eingefangen". Frei nach der Devise "Dessen Brot ich ess', dessen Lied ich sing'" traut sich kaum ein Kostgänger der Lokalfürsten aus der Hammaburg, noch ein kritisches Wort zu sagen. Mit dem Gieskannenprinzip wird der hoffnungsvollste Versuch einer Innovation abgewürgt, denn der Senat redet garantiert kräftig mit rein und verhunzt auch die beste Idee im Sinne rot-grüner Provinzialität - wie wir aus gut unterrichteten Kreisen wissen - und beim jüngsten Leuchtturm - pardon - Teelicht names "Impossible Founders" sehen. Oder warum lungert ein Staatsrat im Beirat rum?

Wir haben die "Teelichter", "Rohrkrepierer" und "Millionengräber" der vergangenen gut acht Jahre HANSEVALLEY-Berichterstattung einmal detailliert zusammengetragen. Einige sind zum Glück mausetot, einige wurden solange umbenannt, bis niemand mehr fragte, ob es immer die selben "Abzocker" waren und sind, die hier in die Tasche der Steuerzahler greifen (Stichwort "Hamburg Innovation"). Und einige krepeln bis heute vor sich her - auch gern immer wieder mit frischer Senatskohle am wohlverdienten Ableben gehindert. 

Wir konzentrieren uns in unserer Aufstellung vor allem auf die Bereiche Digitalisierung, Forschung und technische Innovationen einschließlich Startup-Förderung - und damit auf unsere inhaltlichen Schwerpunkte der HANSEVALLEY-Berichterstattung in den Nachrichten und im norddeutschen Digitalmagazin. Hier ist die lange Liste der "Leichen" und "Scheintoten" mit aktuell mehr als 60 größtenteils versenkten und am Abgrund stehenden Projekten des Hamburger Senats in den vergangenen gut acht Jahren, seiner willfährigen Handlanger und weiterer auch privater Initiativen ohne Senatsgeruch:

In alphabetischer Reihenfolge (in Klammern hauptverantwortliche "Akteur*Innen"):

  • 12hrs.us (12min.me)
  • Ahoi digital (Hamburg Innovation)
  • AI Startup Hub (AI Group Hamburg, Bund BMWE/BWMK)
  • AINO-App (Haspa)
  • AINO-Podcast (Haspa)
  • Alike mit 10.000 autonomen Moia- und Holon Shuttles (Senat BVM, Hochbahn, Moia)
  • Aufbruch Hamburg (Caps'n Collars, Senat BWI)
  • Beyourpilot (Hamburg Innovation, TUTech Innovation)
  • Blockhance Conference (Fabian Friedrich, Hamburg)
  • Bonprix Connect (Otto Group)
  • Deutscher Startup Monitor Hamburg (Startup-Verband, PWC)
  • Digital Kindergarten (Agentur Achtung)
  • Digitale S-Bahn Hamburg - außer Teilprojekt S21 - (DB InfraGo, Senat BVM)
  • Digitales Stellwerk Hamburg-Mitte (DB InfraGo, Senat BVM)
  • Discovery Dock Hafencity (Mopo)
  • E-Sports Arena Hamburger Ding (Home United)
  • Fintech Agentur Hamburg - halbtot - (Finanzplatz Hamburg, HK Hamburg)
  • Gesundheitswirtschaft Hamburg (Senat Soziales + HK Hamburg)
  • Hamburg Innovation Campus HHIC (HK Hamburg, HSBA)
  • Hamburg News - Wirtschaftsnachrichten (Hamburg Marketing Senat BWI)
  • Hamburg@SXSW-Präsenz (Hamburg Marketing / Senat BWI, Hamburg Startups u. a.)
  • Hamburg-Takt - in 5 Min. zu Bus & Bahn (Senat BVM, HVV, Hochbahn)  
  • Hammerbrooklyn Digital Campus - ohne Factory Berlin (Senat BWI + SK u. a.)
  • Hanseatic Bank Innovation Lab/Solutions Labs (SG Group + Otto Group)
  • HEAT Hafencity (Senat BWI, Hochbahn u. a.)
  • Heute in Hamburg HiH (Haspa)
  • Homecoming Homeport Hamburg (HPA)
  • HVV Any - Abschaltung von "Check in-Be out" - (Hochbahn, HVV)  
  • HVV Switch-App - Fusion mit BVG-App MAX - (Hochbahn, HVV)
  • Hyperloop + Hyperport (HHLA, Senat BWI)
  • E-Busflotte - 100% bis 2030 - (Hochbahn, Senat BVM)
  • Fintech Week Hamburg (Beese)
  • Future Hamburg Award (Hamburg Marketing - Senat BWI)
  • Gamevention (Senat BKM, Hamburg Messe)
  • Junger Finanzplatz Hamburg (Finanzplatz, HK Hamburg)
  • Jupiter Kulturkaufhaus (Kreativgesellschaft, Senat BKM)
  • Kieko-App (Haspa)
  • Kieko-Schließfächer (Haspa)
  • Mobiklick-Ausbau - 100 % innerhalb Ring 2 - (Senat BKM)
  • Next Culture Accelerator - nie umgesetzt -
  • Next Logistics Accelerator NLA (Skillnet, Senat BWI, Haspa, Fiege u. a.)
  • Plug and Play Hamburg - H2 und Supply Chain - (PnP California)
  • PortXL-Events und -Networking (Port of Rotterdam)
  • Prof. Ed Brinksma als Präsident (TU Hamburg)
  • Rcadia (Home United)
  • Smart Mobility Hafencity (Senat BVM)
  • Solutions Hamburg - Regionale Leitkonferenz mit Sommerfest - (Silpion)
  • Speedup Hamburg - regulär beendet, keine Kooperation mit Senat - (Bund)
  • Starthub Beratung (Hamburg Marketing)
  • Startup Guide Hamburg (Startup Guide-Verlag, Berlin/Lissabon)
  • Startupdock (Hamburg Innovation, TUTech Innovation)
  • Startupport (Hamburg Innovation, TUTech Innovation)
  • Startups@Reeperbahn (Hamburg Startups)
  • Square Innovation Hub - HSBA + Hamburger Ding - (Uve Samuels + Partner, z. B. Hamburger Ding / Home United, Microsoft)
  • United Cyber Spaces (Home United)
  • Yomo-Konto / Joker-Jugendkonto (Starfinanz, SSK München, Haspa)
  • Zukunftsstadt Strategie Hamburg (Peter Tschentscher, Senat SK)
  • Zusammenhub Bhf. Veddel (Hochbahn, Senat BKM)

Millionengräber in Planung:

  • Haus der digitalen Welt (Zentralbibliothek) - Ex-HSH/Perle Hamburg - (Senat BKM)
  • Hyperloop Autobahn A24 Hamburg-Kiel (DRO, Senat BVM + BIS, NMS-Hochbahn)
  • Impossible Founders / Startupfactory Hamburg (Hochschulen, Heinrich-Herz- und Michael-Otto-Stiftung, Senat im Beirat)
  • Science Center Hamburg: Baakenhafen - jetzt Standort für neue Oper (Senat BWFG)
  • Science City Bahrenfeld - fehlende Anbindung, Olympiaplanung (SK Hamburg, Senat BWFG)
(Stand der Veröffentlichungen: 1.6, 03.04.2026)

Haben wir ein totes "Teelicht" übersehen, einen relevanten "Rohrkrepierer" vergessen oder ein ministrables "Millionengrab" ausgelassen? Oder sind wir über die Stränge geschlagen und haben einen "Halbtoten" zu früh "beerdigt"? Schreiben Sie gern an hanse@hansevalley.de. 

Wir werden diese Aufstellung fortlaufend vervollständigen und komplettieren. Damit jeder Hamburger weiß, wofür seine Steuern u. a. von Wirtschafts-, Wissenschafts- und Verkehrs- sowie Kultur- und Medienbehörde weitgehend unnütz verballert werden. Schließlich war es ihr Geld ...

P. S. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie konzentriert sich auf vornehmlich öffentlich geförderte Projekte in den Bereichen Digitalisierung, Forschung und Innovationen. Stand: November 2025. Irrtümer und Änderungen vorbehalten.

Dienstag, 11. Januar 2022

HANSEEXTRA: Nico Lumma und Next Media Accelerator bekommen keine 9 Mio. € Corona-Landesmittel.

HANSE DIGITAL EXTRA
* Update 13.01.2022 *

Andreas Dressel kippt im Haushaltsauschuss den Fintech-Accelerator.
Screenshot: HANSEVALLEY
Hamburg: SPD-Finanzsenator Andreas Dressel hat am Dienstag (11.01.2021) vor dem Haushaltsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft mitgeteilt, dass die geplante Finanzierung des Fintech-Accelerators unter Leitung des "Next Media Accelerators" gestoppt wird. In einer von Dressel vorgelesenen gemeinsamen Erklärung der Hamburger Finanzbehörde, der Handelskammer Hamburg und des Branchenverbandes "Finanzplatz Hamburg" heißt es, dass "von einem Vertragsschluss zwischen der Finanzbehörde und dem Betreiber abgesehen" wird.
"Einen Accelerator aus Corona-Mitteln wird es nicht mehr geben", erläuterte der SPD-Senator. Als einziges Element aus dem geplanten Accelerator-Programm soll die Anwerbung von Fintechs aus Europa mit bis zu 2,5 Mio. € kurzfristig durch die landeseigene Förderbank IFB organisiert werden. Dressel nannte als Hauptgrund für den Rückzug die mediale Diskussion bei "Morgenpost", HANSEVALLEY & Co. Dadurch sei das Einwerben von Drittmitteln für den geplanten VC-Fonds von erforderlichen min. 5 Mio. € "erheblich erschwert" worden.
SPD-Abgeordneter Milo Pein nannte als einen Grund für das Scheitern das Ausloben von 5.000,- € Belohnung zur Aufklärung des SPD-Subventionsskandals durch das Hanse Digital Magazin HANSEVALLEY. Der finanzpolitische Sprecher der Linken - David Stoop - wies in einer ersten Stellungnahme im Ausschuss die Kritik an der medialen Debatte zurück und forderte eine Selbstreflektion der Beteiligten von SPD und Finanzbehörde. Der Finanzexperte verwies explizit auf die mangelnde Expertise des "NMA"-Geschäftsführers und SPD-Parteigenossen Nico Lumma.
Dressel betonte, dass die bisherigen Vorarbeiten des "NMA" u. a. mit einer Rechtsanwaltskanzlei und einer externen Fondsverwaltungsgesellschaft zum Aufbau eines Venture Capital Fonds ivon Lumma und seinen Partnern begonnen worden seien. Die Vorbereitungen wurden ab 22. September '21 mit Genehmigung der Finanzbehörde gestartet. Wie die "Hamburger Morgenpost" bereits mitteilte, wurde bislang kein Dienstleistungsvertrag mit den Beteiligten geschlossen. Bis heute ist dahe auch kein Geld aus den geplanten 9 Mio. € geflossen.
Jörg Arzt-Mergemeier, Abteilungsleiter für Beteiligungsmanagement der Finanzbehörde, erklärte im Haushaltsausschuss, dass sich die Behörde jetzt mit den Verantwortlichen des Accelerator-Programms zusammensetzen werde, um über die entstandenen Kosten vor allem seitens der involvierten Rechtsanwaltskanzlei zu verhandeln. In diesem Zusammenhang forderten CDU und Linke eine uneingeschränkte Offenlegung durch die Finanzbehörde. Die anderen der insgesamt 12 Punkte aus der gemeinsamen Landesstrategie zur Stärkung des Finanzstandortes Hamburg sollen laut Dressel wie geplant umgesetzt werden.
HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup erklärt dazu:
"Die demokratische Debatte seitens der Hamburger Oppositionsparteien - vor allem der Linksfraktion - sowie in Hamburg engagierter Medien - unter Führung der Hamburger Morgenpost - haben dafür gesorgt, dass der rot-grüne Senat nicht einfach 9 Mio. € Coronahilfen aus Hamburger Steuermitteln einem SPD-Genossen zuschustern konnte.
Wenn SPD-Abgeordnete im Ausschuss von plakativer, oberflächlicher und falscher Berichterstattung, vorschneller Beurteilung und unfairer Ausschreibung von Belohnungen redeten, steht fest: die Demokratie hat funktioniert, die Hamburger Steuerzahler werden verschont und die aktiv beteiligten Medien haben ihre verfassungsmäßige Kontrollfunktion wahrgenommen. Glückwunsch, Hamburg!"
Die ganze Entwicklung des SPD-Subventionsskandals ist im Hanse Recherche Magazin HANSEINVESTIGATION nachzulesen.

Montag, 22. November 2021

HANSETECHTEST: Das Chaos im Gorillas-Käfig.

HANSE DIGITAL TECHTEST

Live-Test aus der "Bananen-Republik":
Ersatzlos gestrichen: 10 Minuten Lieferzeit - gewollt, aber nicht gekonnt.
Foto: HANSEVALLEY

Sie brüllen lauter. Sie laufen schneller. Sie liefern ... schlechter.  Die "Gorillas" des gleichnamigen Berliner Tech-Startups sind der letzte Schrei ... im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre USPs: alte Milch, alter Quark und leere Regale. Dazu: ungültige Gutscheine, misslungene Online-Zahlungen, eine kaputte iPhone-App. Obendrauf: lange Lieferzeiten und tagelanges Warten auf den Service.

Was mit falschen Abrechnungen und kaputten Bikes, wilden Streiks, gefeuerten und sich organisierenden Ridern durch die Presse läuft, ist gegen das Chaos gegnüber ihren Kunden fast paradiesisch. HANSEVALLEY testete den Schnelllieferdienst aus Berlin im Oktober und November d. J. fünfmal hintereinander auf Herz und Nieren - Thomas Keup mit unschönen Ergebnissen:

Donnerstag, 21. Oktober '21, unser "erstes Mal". Und beim "ersten Mal" tuts bekanntlich weh ... Das ist beim "Getgoodys"-Gründer Kağan Sümer, dem Ex-"Hellofresh"-COO Jörg Kattner und dem libanesischen Unternehmer Ronny Shibley nicht anders. Die drei Berliner Jungs bieten ihren weiblichen und männlichen Kunden einen echten "Quickie": Klicke auf Cola, Schokolade und Chips - und die "Gorillas" "besorgens" Dir in nur 10 Minuten - so das vor-/laute Versprechen auf Werbeflächen u. a. in Berlin und Hamburg. Leider wird aus dem "Quickie" bei unserem "ersten Mal" ein ziemlich lahmer "F.ck". Dabei kommt sogar "alte Milch" raus ... 

Immer wieder fast abgelaufene Milch bei "Gorillas".
Foto: HANSEVALLEY

Auf den Punkt: Vier länger frische Milchpackungen unserer 20,- € Lieferung haben gerade einmal 3 Tage Mindesthaltbarkeit - in Worten: drerei Tage. Bei der Reklamation stürzt der Chatbot in der sich später auch noch aufhängenden "iPhone"-App zweimal hintereinander ab. Die im Chat versprochene Klärung durch einen Agenten lässt mehr als 20 Stunden auf sich warten, während der Bürozeit von 10.00 bis 17.00 Uhr hebt ohnehin niemand das Telefon ab. Willkommen in der "Bananen-Repubik" "Gorillas": Hier reift der Service beim Kunden - oder lieber nicht, kostet nämlich Geld.

10 Minuten Lieferzeit: 1 x gehalten. 4 x gebrochen. Ersatzlos gestrichen.

Fairerweise muss man auch sagen: Der Lieferfahrer an diesem kalten Donnerstag-Abend ist freundlich und zuvorkommend - und hält die versprochenen 10 Minuten ein (das erste und das letzte Mal). Auch Schichtleiter Titus gibt sich im Depot am Tag nach der Lieferung alle Mühe, gibt uns sofort frische Milch - und muss dabei weitere alte Milchpackungen aussortieren. Der Kundendienst ist 21 Stunden nach der Reklamation ebenfalls professionell und kulant: Der Kaufpreis für die alte Milch wird samt Lieferkosten ohne Diskussionen gutgeschrieben. So weit, so gut, im Gegenteil zu "Getir": Hier verspricht uns ein Supporter das Blaue vom Himmel - und erstattet die fehlende Cola-Flasche nicht. Das nennen wir Betrug!

Unser 2. Test, vier Tage später: das "zweite Mal". Nein, wir haben keine sadomasochistischen Züge und schreien auch nicht nach Schmerz. Immerhin: Beim zweiten "Quickie" sind erneut alle bestellten Artikel in der Tüte, keine unpassenden Austauschartikel (wie zuckerhaltige Limonade für Diabetiker bei einem früheren Test mit Rewe) und wir sind nicht auf den Kosten für die fast abgelaufene Milch sitzen geblieben. Dafür geben sich die "Gorillas" beim zweiten Anlauf alle Mühe, ihr Zeitversprechen zu brechen: satte 20 Minuten braucht der Fahrer für unsere Bestellung - vom gerade einmal 900 Meter entfernten Depot. 

Schnell, schneller, ausverkauft: kein Brot, keine Milch und auch kein Bier. 

Warenwirtschaft für Gorillas 
ein echtes Fremdwort.
Screenshot: HANSEVALLEY
Allerdings zeigt das offenbar rücksichtslos mit seinen zumeist jungen, ausländischen Fahrern umspringende Startup, was es nicht kann: nämlich alle in der App angeboten Produkte auch liefern zu können. Wie unsere insgesamt fünf Bestellungen zeigen, fängt der Bruch des Kundenversprechens bei so alltäglichen Produkten wie Brot und Eiern an. Das ist einerseits verständlich, bei haltbaren Lebensmitteln, wie Kaffeekapseln, Cola und alkoholfreiem Bier hört das Verständnis auf. Offenbar hat "Gorillas" seine Warenwirtschaft nicht im Griff. Zugleich setzen setzt das Startup aus der Berliner "Factory" die Latte bei der Produktbreite erstaunlich hoch, während "Getir" fast hinterherhechelt und sein Produktangebot erst jetzt von Kiosk-Niveau auf Vollsortiment hochfährt.

Alles, was man nicht kaufen kann, bringt keinen Umsatz in die Kasse - egal, ob selbst bezahlt oder mit großzügigen Gutscheinen eingekauft, um Investoren aufgehübschte Kennzahlen für die nächste Finanzierung zu präsentieren. Unser 2. Test zeigt aber auch, was die Disruptoren können, nämlich ein bisschen App-Technologie: das Bezahlen per "Apple Pay" mit ein, zwei Mausklicks ist noch einfacher und schneller, als per "Paypal". Auch die Echtzeitanzeige, wann die Bestellung bearbeitet wird, der Fahrer unterwegs ist und die bestellten Lebensmittel vor der Tür stehen, ist State-of-the-Art. Allerdings schafft der türkische Konkurrent "Getir" das genauso gut.

Wie schaffen die 10 Minuten? Neun Minuten früher als zugestellt tracken.

So schafft es jeder in 10 Minuten:
Auftrag einfach mal beenden.
Screenshot: HANSEVALLEY
Nachdem wir beim 2. Liefertest auf leicht verderbliche Artikel verzichtet haben, starten wir am 29. Oktober d. J. den großen Frischetest. Und wieder zeigt der "Gorillas"-Zirkus, was gar nicht geht: Wieder bekommen wir vier länger frische Milchpackungen - mit gerade einmal 6 Tagen Restlaufzeit. Unser Bestellhinweis in der App auf die Haltbarkeit zu achten, wird weder gelesen noch berücksichtigt. Nicht genug Pleiten, Pech und Pannen: Frischfleisch? Nicht verfügbar. Frische Eier? Was erwarten Sie? "Gorilla Favs" zu bestellen? Vier von sieben beworbenen Artikeln gibts einfach nicht. Ist das ein bedauerlicher Einzelfall? Nein, über Tage beobachten wir die Verfügbarkeit. Unser Zwischenfazit: Viele ausverkaufte Artikel sind bei "Gorillas" dauerhaft Normalität.

Doch "Gorillas" kann noch mehr: Neun Minuten vor der Ankunft wird die Lieferung einfach als zugestellt gemeldet. So gaukelt "Gorillas" das großmäulige Versprechen von nur 10 Minuten Lieferzeit offenbar vor - von einem unmotivierten Fahrer beim dritten Test ganz abgesehen. Doch zu jedem Test gehören zwei Seiten: Auch beim Frischetest sind die Milchpackungen kalt und das bestellte Eis gefroren. Das ist aber wohl nicht immer so, wie kritische Stimmen in "Google"-Kommentaren zum Berliner Depot in der Martin-Luther-Straße zeigen. Fast abgelaufene Frischeartikel gehen aus Verbrauchersicht gar nicht. Hier hat "Gorillas" uns das zweite Mal gezeigt, daß Qualitätskontrollen in den Depots offensichtlich nicht existieren. Aber das merkt ja (fast) keiner ...

Auch die "iPhone"-App von "Gorillas" ein unerwartetes Ärgernis. 

Achtung! Wir vera.schen Kunden.
Ihre "Gorillas Tech"-App
Screenshot: HANSENVALLEY
Wir wären keine unabhängigen Journalisten, wenn wir einem schrill werbenden Startup nicht auf den Zahn fühlen würden. Unsere vierte Runde am 1. November d. J. gilt der Geschwindigkeit in einer echten Rushhour, gerade nachdem wir die Mogelei beim Tracken erleben mussten. Es ist Montag-Abend kurz nach 21.00 Uhr: bequeme Singles, gestresste Familien und Partypeople bringen die "Gorillas" unter Zeitdruck: Die App kündigt 28 Minuten Lieferzeit an, einen Tag später sogar eine volle halbe Stunde. Von 10 Minuten kann keine Rede mehr sein. Doch wir können gar keine Bestellung abschicken: Unser bis Ende Dezember gültiger Gutschein wird nicht akzeptiert. Erst das Löschen und Neuinstallieren der offenbar fehlerhaften "iPhone"-App bringt Abhilfe. 

14 Tage nach unserer Premiere schließen wir unseren Langzeittest ab. 

Wieder ist der Neukundengutschein nicht gültig. Zum Glück meldet sich eine Support-Mitarbeiterin nach unserer vierten Bestellung - erst volle 2 Tage später. Diese katastrophale Verzögerung beklagen auch andere "Gorillas"-Opfer bei "Google". Offenbar will sich das nur durch Risikokapital finanzierende Startup den Kundendienst lieber einsparen - ein Fehler im Startup-System, den wir schon kennen, z. B. mit 3 Wochen Wartezeit auf eine "Home 24"-Abholung und eine selbständig weg fließende Aubergine von "Hellofresh". Aus Fehlern nichts gelernt - warum auch?

Die Leistung der "Affen":
Immer wieder schlecht.
Screenshot: HANSEVALLEY
Nachdem wir in der Bestellrunde zuvor Stress mit einem nicht akzeptierten Gutschein hatten, lernen wir jetzt die unausgereifte Software des sich selbst als Tech-Anbieter tetulierenden Jungunternehmens kennen. Trotz funktionierender Bezahldienste von "Apple Pay" und "Paypay" will die App uns nichts verkaufen. Als Verbraucher heben wir an dieser Stelle die Hand, verbunden mit dem Urteil, das sie unser Geld nicht wollen ... Wieder müssen wir die App neu laden, um ordern zu können. Und wieder schummeln die Affen bei der Lieferzeit, geben lediglich 15 Minuten an - und schaffen es erst in 21 Minuten - bei 5 Minuten Lieferweg.

Erst mit unserer fünften Bestellung bekommen wir von "Gorillas" endlich mal wirkliche frische Milch, die länger als 7 Tage haltbar ist. Endlich bekommen wir Bioeier, die ebenfalls frisch sind - auch wenn wir davon ausgehen müssen, dass dies auf Grund unserer mehrfach negativen Erfahrungen eher ein Zufall aus der Abteilung "Lotto, Toto, Spiel mit den Gorillas" ist. Nach fünf Tests haben wir uns ein klares Urteil gebildet, was wir von dem schnell wachsenden und sein Liefersprechen - gemäß des Werbeslogans "Faster than you" - einkassierenden Startup halten.


Das HANSETECHTEST-URTEIL:

Wer gern das Risiko eingeht, alte Lebensmittel zu bestellen, sich mit einer mehrfach nicht funktionierenden App und "Zero Level"-Support mit bis zu 48 Stunden Wartezeit herumärgern will, ist bei bis zu 100 % teueren Lebensmitteln von "Gorilllas" aus der "Bananen-Republik" genau richtig. Guten Appetit!

Wer sicher sein will, wirklich frische Lebensmittel zu bekommen, das Regale nicht leer sind wie in England, wer nicht bis zu 100 % Aufschlag zahlen will und für wen die Sicherheit eines schnellen Kundendienstes wichtig ist, der sollte sich von den laut brüllenden "Gorillas" fern halten.

Der "Gorillas" Lebensmittel-Lieferdienst:
"AUSSEN HUI, INNEN ZIEMLICH PFUI."

Hinweis: Wir haben im Testzeitraum parallel Käufe mit "Getir" gemacht, um einen direkten Vergleich der Lebensmittel-Schnelllieferdienste zu haben. Auf Grund des Umstands, dass unsere Lieferadresse außerhalb des Zustellbereichs von "Flink" liegt, konnten wir keinen direkten Vergleich mit diesem Anbieter unternehmen. Klassische Lebensmittel-Lieferdienste, wie "Bring", die "EDEKA"-Partner "Bringmeister" und "Pic Nic" sowie "Rewe" wurden aktuell nicht getestet. 

Montag, 26. April 2021

HANSESTARTUPS: Nect zeigt, wie KI Kurzarbeitern und Unternehmen auch nach Corona hilft.

 HANSE STARTUP MAGAZIN

Nect-Gründer Benny Bennet Jürgens setzt auf KI bei der Online-Identifikation.
Foto: Nect/Matthias Friel

Bis zu 700.000 Hilfesuchende, die sich seit Frühjahr 2020 beim Arbeitsamt als arbeitslos oder in Kurzarbeit meldeten. Die Notwendigkeit der Bundesagentur, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen - mit bis zu 5.000 Online-Identifikationen pro Stunde. Und ein ID-Verfahren über Nacht bei der IFB in Hamburg, damit Unternehmer die Corona-Soforthilfe bekommen konnten. 2020 schlug die Stunde für “Selfie-Ident” aus Hamburg. Das HANSESTARTUP “Nect” gehört seit der Pandemie zu den führenden Online-ID-Anbietern - und hat den elektronischen Personalausweis ebenso auf die Plätze verwiesen, wie Video-Ident-Dienstleister.


Zeit für das Hanse Startup Magazin nachzufragen, wie das Team um Benny Bennet Jürgens und Carlo Ulbrich bis zu 700.000 “Selfie-Idents” auf dem Handy gepackt hat, was die mehr als 60 Mitarbeiter - davon rd. 30 Techis - vom Großen Burstah in diesem Jahr vorhaben - und wohin die Reise des jungen norddeutschen Technologieanbieters geht. Chefredakteur Thomas Keup nutzte die KI-Identifikation selbst bei HEK und HKK - und sprach anlässlich des 4-jährigen Bestehens mit Gründer und Geschäftsführer Benny Bennet Jürgens über Status Quo und Ausblick:


Nect in der Corona-Pandemie


Mit der Pandemie mussten schnell digitale Lösungen geschaffen werden:
Die Bundesagentur für Arbeit entschied sich für Nect aus Hamburg.
Illustration: Gerd Altmann, Pixabay

Ihr seid seit geraumer Zeit in Richtung Versicherungswirtschaft unterwegs, habt im vergangenen Jahr die Bundesagentur für Arbeit als großen Kunden gewonnen. Wie gewinnt ein Tech-Startup aus Hamburg einen bundesweiten Großbetrieb wie die Bundesagentur für Arbeit?


Im letzten Jahr war es so, dass es aufgrund der Pandemie Ausnahmen gab, damit Vergaben beschleunigt stattfinden konnten. Die Bundesagentur für Arbeit hat ein Research gemacht, wie Ihr Problem gelöst werden kann und ist dabei u. a. auf unsere Technologie gestoßen. Über eine Ausschreibung konnten wir dann ein Angebot abgeben.


Es gibt diverse Authentifikationsverfahren mit Videoagenten, mit Personalausweisen die man fröhlich in die Kamera hält, mit Verfahren die mehr oder weniger sicher sind - Stichwort “N26” in der Vergangenheit. Habt Ihr im Nachgang erfahren, wie die Bundesagentur auf Euch gekommen ist bzw. was war der BA besonders wichtig?


Der Kernpunkt war, dass es ein automatisiertes Verfahren sein musste, weil mindestens 5.000 Idents pro Stunde verarbeitbar sein sollten. Es hatten sich im Mai/Juni vergangenen Jahres rd. 600.000 bis 700.000 Arbeitslosmeldungen angesammelt, die möglichst schnell abgearbeitet werden mussten, damit die Leute weiterhin ihr Geld bekommen konnten. Mit einem Video-Ident wäre das gar nicht möglich gewesen. Bei 5.000 Idents die Stunde braucht man wahrscheinlich 1.000 Mitarbeiter, die man auch erst schulen müsste. Deshalb ein automatisiertes Verfahren. 


Die Bundesagentur für Arbeit ist ja nicht immer und überall nur als digital-fortschrittlicher Dienstleister bekannt. Nicht immer werden die u. a. durch Unternehmensberater eingeführten Abläufe als hilfreich und damit kundenorientiert wahrgenommen. Welche Erfahrungen habt Ihr in den rd. drei Wochen gemacht, als Ihr “Selfie-Ident” im Frühsommer vergangenen Jahres bei der Nürnberger Bundesagentur eingerichtet habt?


Ich war sehr, sehr positiv überrascht, wie die Bundesagentur für Arbeit im Inneren arbeitet - sehr fortschrittlich, sehr kundenorientiert. Natürlich kennt man die Storys und sicher gibt es auch negative Erfahrungen bei der Arbeitslosmeldung. Gleichzeitig muss ich sagen, dass sich in der Zusammenarbeit für mich ein komplett anderes Bild entwickelt hat. Und so hat sich denn auch gezeigt, dass die Entscheidung nicht als reiner Kostenfaktor gewertet wurde. Die Bundesagentur hat Umfragen unter allen Teilnehmern des Selfie-Idents gemacht, wie man das bewertet und möchte man das auch in Zukunft haben. Es ist eher eine Entscheidung auf Nutzerseite getroffen worden. Deshalb soll es auch weiter gehen.


Ihr seit auch bei privaten Versicherern unterwegs. Werdet Ihr tatsächlich zum Dienstleister für Authentifizierungsverfahren der öffentlichen Hand?


Wir sehen uns in dem Sweetspot, in dem wir alle großen Kunden mit unserer Lösung bedienen. Wir haben angefangen mit den großen Schwergewichten, mit einer R+V zum Beispiel. Auch ich habe vorher zehn Jahre in einem Versicherungskonzern gearbeitet. Wir wissen gut, wie wir mit denen umgehen müssen - und das macht einfach auch Spaß. Wir sehen uns aktuell sehr stark bei großen Versicherungshäusern, bei großen Banken und auch Behörden gehören dazu. Wir bieten nicht die ‘eine Lösung für besondere Einzelfälle’, unser Fokus sind die großen Schwergewichte, ebenso wie der Mittelstand. 


Ausblick Produkt + Entwicklung

Die Nect-App mit Selfie-Ident und wiederverwendbarer ID.
Illustration: Nect

Für 2021 ff.: Was dürfen Eure Kunden in diesem Jahr und darüber hinaus an Neuerungen erwarten?


Das nächste große Produkt, das wir auf den Markt bringen, ist die E-Signatur; dass wir unsere Identitätsbestätigung auch dafür nutzen, um digital Verträge unterzeichnen zu können. Hier sind wir auf dem höchsten regulatorischen Level, der qualifizierten elektronischen Signatur, so dass auch die Schriftform ersetzt werden kann mit unserer Nect-Signatur. Was für uns dann auch sehr wichtig auf dem Plan steht, ist das Thema Internationalisierung. Wir wollen dieses Jahr möglichst auch die ersten Kunden aus dem Ausland gewinnen und nicht nur in Deutschland.


Bei vielen Apps ist es so: einmal benutzt und dann nie wieder angefasst. In wiefern erwartet Ihr, dass Eure Lösung, nachdem sie einmal z. B. bei einer Krankenkasse genutzt wurde, besser auf dem Smartphone bleibt, weil man sie in Zukunft wieder brauchen könnte?


Wir sehen jetzt schon eine relativ hohe Quote an Leuten, die die App mehrfach verwenden, weil sie mehrere Versicherungen haben. Ein Beispiel: Ich habe eine gesetzliche Krankenversicherung und dann habe noch eine Haftpflicht bei einer R+V oder einer HUK Coburg. Da haben wir dann schon zwei Fälle, wo man unsere App verwenden kann. Meist ist es aber so, dass man nicht nur eine oder zwei Versicherungen, sondern vier, fünf, sechs Versicherungen hat. Und wir haben schon einen relativ hohen Marktanteil im Versicherungssegment - jetzt auch bei den Krankenkassen. Daher ist es sinnhaft, die App mehrfach weiterzuverwenden, denn es wird für viele Menschen immer häufiger die Chance dazu geben. Die Möglichkeit dazu schafft Nect mit einer wiederverwendbaren ID in der App.


Künstliche Intelligenz in Hamburg


Schafft es die Hafenstadt Hamburg, zur Heimat für Software und KI zu werden?
Foto: HANSEVALLEY

Blick aus der Vogelperspektive: Hamburg als Startup-Standort unter den großen Metropolen Nr. 3 nach Berlin und München, unter den Bundesländern Nr. 4 nach Berlin, Bayern und NRW. Es gab letztes Jahr zum Startup-Monitor bei PwC massive Kritik. Wie bewertest Du heute 2021 auch unabhängig von Corona den Startup-Standort Hamburg?


Ich glaube es ist eine Frage, welchen Blickwinkel man darauf hat: Ich bewerte den Standort deswegen positiv, weil wir als Deep-Tech-Unternehmen einen schönen Standort haben, um gute Talente zu finden, ohne in den Riesen Wettbewerb gehen zu müssen. Ich habe in der Stadt mit vielen Einwohnern und Universitäten schon mal per se gute Möglichkeiten, um Talente zu gewinnen. Es ist eine wunderschöne Stadt, in der auch viele Leute leben wollen, d . h., ich kann auch Leute von außerhalb überzeugen, hierherzuziehen. Aber in allen Bereichen habe ich nur relativ wenig Wettbewerb - vor allem auf der Startup-Ebene.


“Die Firma verdanke ich dem Standort.”


Ich habe natürlich viel Wettbewerb, wenn ich in Richtung Philips oder Dermalog gucke. Die haben ja auch Computer-Vision-Talente am Start. Aber als Arbeitnehmer kann es ja auch eine Entscheidung sein, jetzt Lust zu haben, in einem Startup mitzuarbeiten oder auch in einem Scaleup, wie wir uns jetzt schimpfen dürfen. Wenn ich diese bewusste Entscheidung treffe, dann habe ich in Hamburg halt gar nicht so viel Auswahl. Das ist für uns vom Standort her dann erstmal ganz gut, dass man Talente finden kann. Und auch, dass man von der Stadt Hamburg eine gute Förderung bekommt. Ich bin der Überzeugung, dass es uns nicht geben würde, hätten wir damals nicht die Förderung von der IFB Hamburg bekommen.


Natürlich gibt es nicht nur einen “War of Talents”, sondern auch einen “War of Regions” - z. B. im Wettbewerb mit Lübeck und der Universitätsmedizin oder in Niedersachsen mit dem autonomen Fahren und der Autoindustrie. Wo siehst Du denn Stärken bzw. besondere Chancen für KI in Hamburg?   


Wir haben ja viel optische Kompetenz in Hamburg. Wir haben Philips, wir haben Olympus, wir haben Dermalog. Wir haben viele große, namhafte Unternehmen, die aus Tradition mit optischer Verarbeitung unterwegs sind. Ich sehe allgemein KI im Rahmen der optischen Erfassung und Verarbeitung als extrem wertvoll an. Wir haben eine gute Chance, die Kompetenzen die man in Hamburg versammelt hat, dann auch mit KI zu nutzen, um sich dort zu positionieren. 


Durch die Presse gegangen, hart aufgeschlagen, wir waren da ganz vorn mit dabei: keine Anschlussfinanzierung für “Ahoi Digital”, die Informatik-Initiative der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Chance auf 35 zusätzliche Informatik-Professuren ab 2021 nicht mehr da. Wie beurteilst Du die Informatik-Ausbildung und was sollte die Stadt machen, um Tech-Unternehmen wie Euch die Chance auf neue, zusätzliche Talente zu bieten?


Ich würde auch da weiter vorn anfangen: Allgemein ist in Deutschland Informatik und Software - alles was nicht klassisches Ingenieurwesen ist - immer noch sehr stiefmütterlich behandelt - und ist in Deutschland auch nicht als das wertvolle Handwerk angesehen. Das ist - glaube ich - das Problem. Wenn man erkennen würde, wie wertvoll das Handwerk Software ist, dann würde man vielleicht auch andere Entscheidungen treffen.  


DIE HAMBURG-FRAGE Ich bin bei Dir: stiefmütterlich? Ja! Kulturfrage? Ja! Ich möchte Dich an der Stelle aber nicht entlassen wollen mit ‘Es ist eine Kulturfrage’. Ich bleibe bei Hamburg, ich komme nochmal zurück: Was kann, was sollte der Hamburger Senat machen, um die Informatik aus der Kellerecke herauszuholen?


Ich finde, es ist am Ende des Tages eine Marketing-Aufgabe, indem ich jede Gelegenheit nutze darüber zu reden, welche Vorteile dem einzelnen Bürger durch Software entstehen, und vielleicht auch noch Porträts über entsprechende Leute machen, die das ganze Thema ins rechte Licht rücken. Das ist etwas, das begleitet mich schon seit 15 Jahren. Der Beziehungsstatus von Deutschland und Software ist immer noch 'kompliziert'. 


Natürlich gibt es positive Beispiele, z. B. das ganze Thema Deep Fakes, was viel durch die Presse gelaufen ist. Eine der Kernkompetenzen für Deep Fake sind dann auch an einer Uni in München. D. h., wir haben ja positive Beispiele in Deutschland, die sich auf die ganze Welt auswirken - und das muss man dann vielleicht noch stärker nutzen im eigenen Marketing, um zu sagen, was das für einen Impact hat. Das ist natürlich das, was Menschen immer gern wollen, einen Impact. Vielen ist bei Software nicht so ganz klar: Was habe ich denn für einen Impact? Das kann ich ja gar nicht greifen.


Nect-Gründer Benny Bennet Jürgens und Carlo Ulbrich:
Digitale Zukunft entwickelt in Sichtweite des Hamburger Rathauses.
Foto: Nect

Das ist das, wo eine Uni oder eine Stadt Hamburg anpacken muss, wenn sie einen Standort in diese Richtung fördern will. Wenn sie es nicht will, weil sie sagt, wir leben weiter von dem klassischen Handwerk und vom Hafen, ist das ja auch ok. Das kann ja eine Entscheidung sein. Ob ich jetzt die Entscheidung so treffen würde, ich glaube nicht. Wenn man in Richtung Software gehen will, ist das eine große Marketing-Aufgabe.  


Vielen Dank für die offenen Worte!

Das Interview führte Thomas Keup.


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 Hanse Digital Background:  


Spotifiy Podcast:

4 Jahre Nect - Interview mit Benny Bennet Jürgens

 https://open.spotify.com/


HANSESTARTUPS:

Nect - Damit Benny auch wirklich Benny ist

hansevalley.de/2018/01/hansestartups-nect.html




Mittwoch, 20. Dezember 2017

HANSESTARTUPS: Mit Vilisto aus dem Green Tech Campus nie mehr aus dem Fenster heizen.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Die kalte Jahreszeit ist da. Die Heizungen laufen auf Hochtouren. Die Betriebskosten schnellen in die Höhe. In Deutschlands Büros kommt die Wärme aus den Heizkörpern. Kaum jemand interessiert sich in Unternehmen für Temperaturregelung und Kosteneinsparungen. Mitarbeiter erwarten ein warmes Büro, drehen die Heizung im Zweifel hoch. Doch was passiert nach Büroschluss? Wie siehts aus in Konferenz- und Besprechungsräumen? Warum werden Empfangszonen und Bürogänge rund um die Uhr befeuert?

Am Bürostandort Hamburg werden wie überall in Deutschland Heizungen vor allem aufgedreht. Abends, Nachts und an den Wochenenden heizen Firmen in Altstadt und Neustadt aus dem Fenster. Bis zu 80% der Zeit werden Büroräume nicht genutzt. Zig-tausende von Euro werden jedes Jahr in jeder Firma umsonst verpulvert. Ein junges Hamburger Startup hat sich auf den Weg gemacht, das zu ändern. Bei Vilisto im "Innovation Campus Green Technology" sp@kiielt das Wetter dabei ein besondere Rolle - mit erstaunlichen Möglichkeiten. Denn die besten Startups sind HANSESTARTUPS:


Sie kennen sich seit mehr als 6 Jahren, u. a. vom Segeln auf der Kieler Woche. Sie sind Regelungstechniker und Informatiker. Und Sie sind Startup-Gründer in Hamburg: Christoph Berger und Co-Founder Lasse Stehnken wollen Deutschlands Büros revolutionieren. Zusammen mit Co-Founder und Volkswirt Christian Brase können sie dank eines intelligenten Thermostats Deutschlands Büros effizient klimatisieren. Was mit dem EXIST-Stipendium und der Beteiligung durch den europäischen Investor "KIC InnoEnergy" seinen Lauf nahm. wird zu einem Wachstumsunternehmen in Hamburg.


Das Vilisto-Gründerteam aus Hamburg
Foto: Vilisto
Der Wahl-Harburger und Fachmann für Thermodynamik Christoph Berger ist begeistert vom Weg seines Teams: Dank aktueller Wetterdaten können die drei Gründer vernetzten Thermostaten beibringen, wann diese den Raum durchheizen und wann es ausreicht, auf halber Kraft zu fahren. Die Idee kam ihm im Masterstudium, genauer gesagt in einer Projektarbeit. Dabei entwickelte der gebürtige Bremer eine Steuerung durch Wetter- und Raumdaten. "Es geht nicht darum, 100%-ig genaue Wetterdaten zu haben, sondern die Tendenz muss stimmen", berichtet der Wahl-Hamburger im Interview.

Pivot, Baby: Von Privatwohnungen zu Gewerbeimmobilien.  

Auf die nächsten 24 Stunden gelten Wetterdaten heute als überaus genau, auf die kommenden 48 Stunden noch als relativ verlässlich, bestätigt der Deutsche Wetterdienst DWD in Hamburg den Tüftlern und Gründern. Mit Vilisto haben Sie ihren Traum umgesetzt: Anfang 2016 gründeten die drei Absolventen ihr Startup. Bei ersten Testkunden im Rhein-Ruhr-Gebiet konnten Christoph, Lasse und Christian Einsparungen von bis zu 30% nachweisen - allein durch die intelligente Steuerung von Heizungsthermostaten.

Wie bei vielen Startups stand auch bei Vilisto am Anfang ein Pivot an. Und wie bei vielen Jungunternehmen drehte sich der Fokus von Endkunden zu Geschäftskunden - und hier von Privatwohnungen zu Gewerbeimmobilien. Bei einem Pilotprojekt mit dem Eisenbahn-Bauverein in 36 Gebäuden und 19 vernetzten Wohnungen kam heraus: Für Verwaltungen, Genossenschaften und Wohnungseigentümer macht ihre Lösung nur begrenzt Sinn. Mieter regeln ihre Heizkörper zumeist selbst. Anders sieht es da in Unternehmen aus.

Für Büros, Schulen, Verwaltungen und Coworking-Spaces.

Immer, wenn kräftig durchgeheizt wird, wenn Räume nur zeitweise genutzt werden, wenn sich in ungedämmten Gebäuden nur teilweise Personen aufhalten - dann macht eine intelligente Heizungssteuerung Spaß. In drei Jahren soll sich die von Vilisto angebotene Lösung aus vernetzten Thermostaten plus zentralem Gateway für Gewerbeimmobilien rechnen. Ein Thermostat kostet 129,- €, das Gateway ist ohne Berechnung Teil der Lösung. Ein interessantes Angebots auch für Kindergärten und Schulen, Verwaltungen und Behörden, Coworking-Spaces und Technologieparks. Im Normalfall wird die Heizung auch dort pauschal 24x7 angeboten - jedoch nur während der Bürozeiten gebraucht.


Das selbstlernende Thermostat "Ovis"
Foto: Vilisto

Einer der ersten Partner des Hamburger Tech-Startups ist der Energieversorger RheinEnergie. Mittlerweile haben die Jungunternehmer die Serienproduktion in Auftrag gegeben. Im Direktvertrieb werden 50 bis 70 Thermostate für ein einzelnes Objekte ebenso angeboten, wie für große Immobilienbetreiber mit mehreren hundert Einheiten. Neben dem Stromversorger als Kooperationspartner sind Facility Services eine interessante Kundengruppe. Im Rahmen von Mietlösungen können Verwalter für die von ihnen betreuten Objekte Vorteile für alle Seiten generieren.

Selbstlernendes Doppel: Schäfer (Shepherd) + Schaf (Ovis)

Im kommenden Frühjahr planen die jungen Heizungsoptimierer eine Series A-Runde zu raisen und hoffen auf einen unteren Millionenbetrag für das weitere Wachstum. Nach zweckgebundener Förderung durch RheinEnergie und einen 6-stelligen Betrag in der Seed-Phase mit "KIC InnoEnergy" geht es jetzt ums Ganze. Dann wird sich zeigen, ob das selbstentwickelte Gateway "Shepherd"  und das intelligente Thermostat "Ovis" halten, was sie versprechen. Und das soll eine ganze Menge sein:

Neben dem online-vernetzten Heizkalender aus automatisch verarbeiteten Wetterdaten spielen Sensoren eine Rolle: Wie feucht ist die Luft im Raum? Sind aktuell Fenster geöffnet? Befinden sich überhaupt Mitarbeiter vor Ort? All dies ist mit Sensoren und ausgewerteten Daten eine intelligente Grundlage, um Räume optimal zu heizen - und es sich bei Bedarf zu sparen. Der USP liegt in dem selbstlernenden System. Hier ist keine Programmierung oder Steuerung per Mobile App erforderlich. Und mit den Daten im System lässt sich noch eine ganze Menge mehr anstellen.

Von Heizung über Klima zum digitalen Facility Management.

So können die Raumsensoren auch feststellen, wo Mitarbeiter über den Tag präsent waren. So muss die Putzkolonne nur unterwegs sein, wo es auch über den Tag hinweg Betrieb gab. Facility Manager können mit den Bewegungsdaten wertvolle Auswertungen über die Auslastung von Räumen ebenso bekommen, wie über Zustände in ihren Gebäuden - sei es die Temperatur, sei es das Klima, seien es mögliche Belastungen. So wird aus einer schicken Thermostat-Lösung mit etwas Glück längerfristig ein spannendes Datenbusiness, bei dem die Wetterdaten nur der Anfang waren.

Darauf gefragt, wo die 3 cleveren Klimaprofis in 5 Jahren stehen wollen, bekommen wir eine mutige Antwort: Mit ihrer Thermostat-Lösung wollen sie dann in Deutschland marktführend unterwegs sein und in den wichtigsten Ländern Europas sowie der Schweiz erfolgreich verkaufen. Dabei fokussieren sich die sympathischen Jungunternehmer vor allem auf die DACH-Region, auf Skandinavien und Großbritannien. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und begleiten die Arbeit des Harburger HANSESTARTUPS mit viel Sympathie.

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 Hamburg Digital Background: 

Vilisto GmbH, Hamburg

KIC InnoEnergy Germany GmbH