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Sonntag, 21. Mai 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Henneke Lütgerath: Eine internationale Messe für digitale Produkte in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Es wir alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann," spitzt Deutschlands EU-Kommissar Günther Oetinger auf dem Norddeutschen Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats am 11. Mai d. J. im Grand-Eysee Hotel Hamburg zu. Die Digitalisierung werde ganze Branchen umwälzen, fokussiert Wirtschaftsrats-Präsident Werner Bahlsen. Der Landesvorsitzende der Hamburger CDU-Wirtschaftsorganisation, Dr. Henneke Lüttgerath, mahnt: "Die Art zu wirtschaften, steht in grundsätzlichem Wandel."

Die Hamburger Christdemokraten haben anläßlich des 6. Wirtschaftstages der Hanseländer mit Ihrer Wirtschaftsorganisation ein Positionspapier zur digitalen Zukunft der Freien und Hansestadt veröffentlicht. Mit umfassenden Forderungen zu Digitaler Bildung, Digitalen Plattformen, Digitalen Technologien und Digitalen Lösungen setzt die Union an Alster und Elbe ein Zeichen. Ein guter Anlaß, konkret nachzufragen. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Henneke Lütgerath, Landesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrats in Hamburg:



Hamburgs Wirtschaftsrats-Chef
Dr. Henneke Lütgerath
Foto: Wirtschaftsrat Hamburg
Schule und Studium zählen zu den entscheidenden Stützpfeilern, als Wirtschaftsmetropole auch in Zukunft geeignete Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Die Elternkammer fordert drahtloses Internet in allen Klassenzimmern. Der neue Handelskammer-Präses fordert Tablets für alle Auszubildenden und Ausbilder. Welche Ansätze verfolgen Sie in den Bereichen Digitale Bildung und Digitaler Campus?

Digitale Bildung bedeutet vor allem, die Lernmethoden zu ändern, nicht aber die Inhalte.
Das Lehren und Lernen mit digitalen Medien muss – wie Lesen, Schreiben und Rechnen – zur selbstverständlichen Praxis im Unterricht werden. Wie gut das funktioniert, hängt letztlich von der digitalen (Aus-)Bildung der Lehrkräfte ab. Der Einsatz digitaler Medien muss daher zum integralen Bestandteil der Lehreraus- und Fortbildung werden. In der öffentlichen Diskussion kommt dieser Aspekt oft zu kurz. Die rein technische Ausstattung sagt noch gar nichts über die Qualität der Digitalen Bildung aus.

Anders als der Begriff es vielleicht vermuten lässt, denken wir beim Stichwort Digitaler Campus nicht an eine Onlineuniversität. Ähnlich dem "Einstein Center Digital Future“ in Berlin fordern wir ein Kooperationsprojekt zwischen den drei großen Hochschulen der Hansestadt (UHH, TUHH, HAW) und ortansässigen Unternehmen, insbesondere KMUs. Ziel sollen angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie der Technologietransfer in für Hamburgs praxisrelevanten Informatikbereichen sein, z.B. Smart Logistics, Smart Harbour oder E-Government.

Eine solche Kooperation, die wir "Hamburg Digital“ nennen, kann ein wegweisender Accelerator sein, in dem kreative Köpfe digitale Geschäftsideen entwickeln und diese in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Kunden, also Unternehmen, Konsumenten und Behörden, zur Marktreife bringen.


Die Hamburger Wirtschaft ist geprägt von starken, internationalen Dienstleistungsbranchen, wie Schifffahrt, Logistik, Handel oder Medien. Der Senat unterstützt Zukunftsinitiativen, wie das "Deutsche Maritime Zentrum", den "Digital Logistics Hub" und den "Digial-Space Hammerbrooklyn". Welche Technologien und Initiativen helfen aus Ihrer Sicht, die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs zu sichern und zu stärken?

Durch die Digitalisierung forciert, hat der E-Commerce in den letzten zwei, drei Jahren drastisch zugelegt – und damit auch der Lieferverkehr. Hamburgs ohnehin volle Straßen sind noch stärker belastet. Und dieser Trend wird sich fortsetzen, wenn mehr und mehr Onlinehändler Same-Day Delivery anbieten. 

Deshalb halten wir das von der Logistik-Initiative Hamburg ins Leben gerufene Projekt "Smart Last Mile Logistics“ – kurz SMILE – für eines der wichtigsten Digitalprojekte der Hansestadt. Durch alternative Zustellprozesse, alternative Antriebe, ein intelligentes Verkehrsmanagement und alternative Transportsysteme soll die Lieferung auf der „letzten Meile“ nachhaltiger und effizienter werden. Das schont nicht nur die Nerven der Verkehrsteilnehmer, sondern senkt auch die Schadstoffbelastung – ganz ohne Fahrverbote!

Genauso wichtig ist für uns die Innovationsallianz NEW 4.0 zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Das Projekt erforscht u. a. am Energie-Campus CC4E in Bergedorf innovative Lösungen für das Jahrhundertprojekt Energiewende. Dabei geht es um Echtzeitvernetzung, Datenanalyse, Sektorkopplung, Power-to-X-Lösungen – letztlich die ganzheitliche Systemintegration von Erneuerbaren Energien. Die Technologien, die hier in der Metropolregion Hamburg erforscht werden, haben großes Potenzial Auslandsmärkte zu erschließen und die deutsche Energiewende zu einem Exportschlager zu machen. 

Der Senat plant mit der HOCHBAHN und zusammen mit Daimler in Zukunftsthemen, wie Elektromobilität, Brennstoffzellen-Infrastruktur und digitale Mobilitätsplattformen zu kooperieren. Welche Zukunftstechnologien sehen Sie im Fokus für neue wirtschaftliche Chancen und was sollte der Senat hier konkret unternehmen?

Aus unserer Sicht ist Medizin 4.0 ein heißes Thema für Hamburg. Aufgrund des demografischen Wandels und der Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen bietet allein der Markt der Patientenüberwachung, wo digitale Telemedizin-Lösungen gefragt sind, ein ungeheures Potenzial. Schätzungen zufolge wird das globale Marktvolumen für mobile Gesundheitsanwendungen bis 2020 auf 50 bis 60 Milliarden US-Dollar anwachsen. Wer sich als Vorreiter im Markt der Patientenüberwachung bzw. der Telemedizin positioniert, erschließt einen Zukunftsmarkt. Mit einer ohnehin starken Gesundheitswirtschaft im Rücken bringt Hamburg hierfür alle Voraussetzungen mit.

Das Problem sind die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland, die die Anwendung von Telemedizin erschweren. Daher fordern wir vom Senat u. a., dass er sich auf Länder- und Bundesebene für die Klärung haftungs-, datenschutz- und berufsrechtlicher Fragen einsetzt, auf eine Modifikation des Fernbehandlungsverbots hinwirkt und für einheitliche regulatorische Rahmbedingungen, z.B. hinsichtlich der Datenformate, eintritt. Auch sollten Gründungen und Ausgründungen im Bereich Telemedizin incentiviert werden.

Es gibt diverse Netzwerke und Initiativen, die die Digitalisierung begleiten, z. B. das IT-Netzwerk "Hamburg@Work", die Branchencluster der Hansestadt und die Hamburg Digital Community NEXTHANSE. Sie fordern einen "Digitalisierungskatalysator" für Hamburg in Zusammenarbeit mit Handelskammer, Messe und Hochschulen. Was können wir uns darunter vorstellen?

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um technische und wirtschaftliche Aspekte. Auch rechtliche, ethische und soziale Fragen müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Dafür braucht es internationale, anwendungsorientierte Plattformen, die die Digitalisierung antreiben und gestalten. Diese bezeichnen wir als Digitalisierungskatalysatoren. Wir fordern, dass sich Hamburg zum Initiator und Betreiber eines solchen Katalysators macht.

Konkret stellen wir uns drei Foren vor, die durch Hamburg organisiert und moderiert werden:

  • Eine internationale Präsenzmesse für digitale Produkte und Leistungen mit angeschlossenem Präsenzkongress im Zweijahresrhythmus
  • eine virtuelle, im Quartalsrhythmus zu wechselnden Schwerpunktthemen stattfindende Fachmesse für digitale Produkte und Leistungen und 
  • ein permanenter virtueller Kongress, der als Diskurs- und meinungsbildender Raum zu verschiedenen, auch interdisziplinären Themen dient.

Die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit dieses Katalysators muss gewährleistet sein. Daher schlagen wir für die Trägerschaft eine Stiftung vor, deren Entscheidungsgremien sich so zusammensetzen und erneuern, dass Fremdeinflüsse so weit wie möglich ausgeschlossen sind. Die laufenden Kosten sollen idealerweise über Teilnahmegebühren und Eintrittsgelder gedeckt werden.

Der Senat arbeitet mit seiner "Digital First"-Strategie an elektronischen Bürgerservices rund um hamburg.de und das geplante Servicekonto. Über das "HamburgGateway" sind laut Senator Carsten Brosda bereits rd. 80 Verwaltungsverfahren verfügbar. Was fordern Sie vom Hamburger Senat in Sachen "Digital First" besser oder mehr zu machen?

Wir haben noch unsere Zweifel, dass hinter "Digital First“ auch wirklich eine ausgereifte Strategie steckt. Die Digitalisierung der Verwaltung muss bedeuten, auch den ganzen Apparat hinter den Kulissen zu digitalisieren. Wenn die Bürger oder Firmen online einen Antrag stellen, in den Behörden aber alles wieder ausgedruckt wird, ist das keine Digitalisierung. Zudem braucht es eine zukunftssichere, technologische Basis. Das Wort "Blockchain“ haben wir im Kontext von "Digital First" aber noch nicht gehört. Ganz konkret fordern wir außerdem, dass Unternehmensanmeldungen, also Gründungen, komplett digital möglich und binnen 24 Stunden abgeschlossen sein müssen.

Die Idee des Servicekontos finden wir gut und zeitgemäß. Es liefert die Basis für die vom Wirtschaftsrat geforderte „Behörden-App“, die den Hamburgern unterwegs Zugriff auf sämtliche Funktionen ihres Servicekontos bieten und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Mobilgeräten im Alltag ausschöpfen soll. Ein Beispiel: Über den Beschleunigungssensor des Smartphones könnte die App während der Autofahrt Schlaglöcher identifizieren und die Geodaten weiterleiten. Quasi ohne Personalaufwand wüsste die Stadt genau, wo Straßenarbeiten notwendig sind. Solche Ideen müssen Eingang in "Digital First“ finden.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage. Wenn Sie die Aktivitäten des Hamburger Senats mit der Standortinitiative "Digitale Stadt", der Behördeninitiative "Digital First" und der Hochschulinitiative "Ahoi.Digital" überblicken: Wie gut ist unsere Wirtschaftsmetropole auf die "Digitale Bugwelle" vorbereitet oder wie weit müssen wir uns auf "Hochwasser" in Hamburgs Wirtschaft gefasst machen? 

Ein konkretes Wort zu „Ahoi.Digital“: Die 35 neuen Professuren und bis zu 1.500 zusätzlichen Informatik-Studienplätze sind gut, aber nicht ausreichend. Berlin plant zum Vergleich 100 neue Professuren für IT & Entrepreneurship, 50 davon sind nach unserem Kenntnisstand schon auf dem Weg. Bislang hat der Hamburger Senat die Informatik vernachlässigt, auf dem Arbeitsmarkt fehlen Experten. Viele Start-ups sourcen aus diesem Grund Entwicklungsarbeiten nach Osteuropa und Russland aus. Google eröffnet sein neues Entwicklungszentrum mit bis 800 IT-Ingenieuren nicht am Standort Hamburg, sondern in München, da LMU & TU in diesem Bereich wesentlich besser aufgestellt sind als die Hamburger Hochschulen.

Vielen Dank für die offenen Antworten!

Das Interview führte Thomas Keup.

 * * *

 Hamburg Digital Background: 

Positionspapier Digitale Agenda für Hamburg:

Impressionen Norddeutscher Wirtschaftstag:

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Sonntag, 22. Januar 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Carsten Brosda: "Digital First"-Projekt nimmt seine Arbeit auf.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

HANSEHIGHLIGHT Themen-Special: Digitale Stadt oder digitale Diaspora.


Staatsrat und "CDO" Hamburgs: Dr. Carsten Brosda
Foto: Senatskanzlei Hamburg / J
örn Kipping
Er ist der "Chief Digital Officer"der Freien und Hansestadt. Dr. Carsten Brosda - bisher Staatsrat für Kultur, Medien und Digitales und jetzt neuer Kultursenator. Der gelernte Journalist steht vor eine Mammutaufgabe:

Wie wird aus der Handelsstadt mit 750 Jahren Hanse eine digitale Stadt mit Zukunft?

Seit 2011 leitet er das Amt Medien in der Senatskanzlei, das wichtige Zukunftsthemen wie IT, traditionelle und Neue Medien sowie die Transformation Hamburgs zu einer Digitalen Stadt mitgestaltet. Wir hatten die Gelegenheit, den Staatsrat zu den Schlüsselthemen Medien-Standort und Digitale Stadt zu befragen. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Carsten Brosda:

 Thema "Medien-Standort" 


Hamburg hat eine starke, traditionelle Medienindustrie rund um Produktion, Distribution und Vermarktung. Sie planen, den Standort auf die nächste Stufe zu heben. Inwiefern sind Augmented und Virtuell Reality als Medientechnologien erfolgversprechend, Hamburger Content-Produzenten - von Informationen bis zu Unterhaltung - einen erfolgreichen Weg in die Zukunft zu ermöglichen?


Virtual Reality hat alle Chancen, einer der spannendsten Bereiche digitaler Entwicklung zu werden. Wann und inwieweit sich aber auf Basis von VR/AR-Technologien und -Anwendungen erfolgreiche Business-Cases aufbauen lassen, kann man aktuell nur schwer prognostizieren. Klar ist aber, dass sie das Potenzial haben, mehrere Sparten der Medienbranche grundlegend zu verändern. Mittels VR lassen sich beispielsweise Konsumenten von Inhalten auf völlig neue Weise in Reportagen und Geschichten einbinden.

So werden wortwörtlich neue Perspektiven eröffnet. Nicht ohne Grund hat die New York Times eine eigene VR-Abteilung gegründet. Aber auch junge Unternehmen – wie die Hamburger Startups wie NOYS oder SpiceVR - zeigen zunehmend, wie es geht. Aufgrund der Bedeutung des Themas für die Contentindustrie werden wir auch die VR-Aktivitäten in einem ersten Schritt an die Initiative nextMedia.Hamburg andocken.

Wie werden Sie die Themen AR und VR im Rahmen Ihrer Fördermöglichkeiten unterstützen - und wo liegen die Schwerpunkte? Sind es vornehmlich Technologien, die Vernetzung oder die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen?


Aktuell machen wir gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der Hamburger VR-Szene eine Bestandsaufnahme zu laufenden Aktivitäten, der Forschungsinfrastruktur sowie Anwendern und Anbietern am Standort. Es gibt z. B. bereits diverse gute Veranstaltungen rund um das Thema VR. Hier muss entschieden werden, wie man das vorhandene Angebotsportfolio sinnvoll weiterentwickelt und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen eine möglichst große Hebelwirkung erzielt.

Konzentrieren werden wir uns zu Anfang sicherlich auf die Bereiche Vernetzung und Marketing. Dabei wird neben der überregionalen Positionierung des VR-Standorts Hamburg auch um die Vermittlung der Potenziale der Technologien für Hamburger Anwender gehen.

Welche weiteren Technologien sehen Sie als interessante Medienthemen, die die Hamburger Medien, Produzenten und Vermarkter an der Spitze der Wertschöpfung halten können? Was sagt Ihre Marktbeobachtung?

Alle Technologien rund um das Thema Daten werden für die Contentindustrie immens an Bedeutung gewinnen. So werden bereits heute Inhalte nicht nur aufgrund von Daten kuratiert, sondern bauen auch darauf auf: Netflix konnte anhand des ausgewerteten User-Verhaltens vorhersehen, dass die Serie „House of Cards“ ziemlich sicher erfolgreich sein wird. Aber eigentlich halte ich es mit Mark Twain: „Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn Sie die Zukunft betreffen“.


 Thema "Digitale Stadt" 

Sie planen, mittel- und längerfristig zentrale Dienstleistungen der Stadt und ihrer Betriebe mit einem einheitlichen Servicekonto online nutzbar zu machen. Wie weit sind die Vorbereitungen auch in Verbindung mit der "Digitalen Leitstelle" fortgeschritten und wann können die Hamburger den ersten Behördengang mobil erledigen?

Bereits heute sind über das "HamburgGateway" rund 80 Verwaltungsverfahren online angebunden. Allerdings wollen wir erstens mehr Services online erbringen und zweitens das Angebot den heutigen Erwartungen anpassen. Wir wollen, dass es von zuhause geht und dass es einfach ist.

Wir orientieren uns an der Leitlinie „Digital First“. Das heißt: Die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger und auch der Unternehmen sollen künftig, soweit möglich, proaktiv und antragslos erledigt werden. Vorgangsbearbeitung, Entscheidungsfindung und -übermittlung sollen auf Seiten der Verwaltung möglichst automatisiert erfolgen. Die Verwaltung wird zunehmend digital kommunizieren. Wer Hilfe bei der digitalen Kommunikation braucht, wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Für Unternehmen steht ausschließlich der elektronische Weg offen.

Die Herausforderungen sind groß: Es müssen technische und rechtliche Fragen geklärt werden. Es müssen Prozesse und Arbeitsstrukturen neu abgestimmt werden. „Digital First“ wird für die Bürger und die Mitarbeitenden umso erfolgreicher verlaufen, je mehr es im Sinne eines Prozesses verstanden wird. Das Projekt, das über mehrere Jahre diesen digitalen Transformationsprozess vorantreiben soll, nimmt derzeit seine Arbeit auf.

Wie lauten Ihre zentralen Argumente, die Hausleitungen von Betrieben und Behörden trotz individueller Voraussetzungen und der unterschiedlichen Historien zur Zusammenarbeit zu gewinnen?

In der Senatskanzlei haben wir eine Leitstelle für die digitale Stadt eingerichtet, die den Überblick über die vielfältigen Projekte und Aktivitäten der Stadt sichert, für deren Koordinierung sorgt und die strategische Weiterentwicklung gewährleistet. Die Digitalisierung wurde zudem als prioritäre Regelaufgabe aller Politikbereiche definiert – und zwar vom gesamten Senat, also allen Hausleitungen gemeinsam. 

Um der Innovationsdynamik und den damit verbundenen erhöhten Anforderungen an das staatliche Wissens- und Innovationsmanagement Rechnung zu tragen, wurde ergänzend an der HafenCity Universität in einer Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology das City Science Lab eingerichtet, auch um die Stadt und ihre Akteure im Transformationsprozess zu begleiten und zu beraten.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie angesichts der aktuell bestehenden Schuldenbremse und unterschiedlichster IT-Infrastrukturen in der Hamburger Verwaltung?


Hamburg steht heute im Ländervergleich gut da, was die IT-Ausstattung, Infrastruktur und Datensicherheit angeht. Weil die Digitalisierung aber zunehmend auch die öffentliche Infrastruktur und den öffentlichen Raum erfasst, rückt immer mehr die Stadt im Ganzen in den Fokus. 

Wir wollen die städtischen Infrastrukturen und öffentlichen Räume mit digitalen Schnittstellen und Angeboten weiter optimieren. Dazu zählen Bildungs- und Kulturangebote ebenso, wie die Systeme einer integrierten Verkehrsstrategie und einer intelligenten Energieversorgung. Digitale Techniken erlauben uns hier, Steuerungsleistungen und Angebote zu entwickeln, die Effizienz steigern und Qualität verbessern.

Für all dies brauchen wir die passende IT-Infrastruktur. Vorhandene Daten und Fachsysteme der städtischen Institutionen wollen wir vernetzen, den Datenaustausch automatisieren und Anwendungen für den vielseitigen Zugriff auf die Daten bereitstellen.

Im Übrigen stehen die Schuldenbremse der Hamburgischen Verfassung und des Grundgesetzes nicht im Widerspruch zu Investitionen in den digitalen Wandel – beide helfen uns dabei, unsere Stadt für die Zukunft gut aufzustellen.

Vielen Dank für das spannende Interview.

Das Gespräch führte Thomas Keup.
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 Außerdem im Hamburg Digital Magazin: 

HANSEBUSINESS: Die Digitalen Wahlprüfsteine - Teil III: 
Die Digitale Stadt - Verwaltung, Unternehmensservices und Arbeitsmarkt.


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