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Donnerstag, 20. Februar 2020

HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE
- Teil 5 Digitalisierung und Stadtleben -

Panoramablick vom Atlantic-Haus in Altona auf Neustadt und Altstadt.
Foto: HANSEVALLEY

"Es ist nicht immer entscheidend, die Ist-Situation zu beschreiben. Wir brauchen die Transformation einer Metropole wie Hamburg."

Marcus Weinberg, Spitzenkandidat der CDU Hamburg,
Neujahrsempfang Wirtschaftsrat Hamburg, 19.02.2020

Mehr als 1,8 Millionen Einwohner, rd. 100.000 Zuzüge im Jahr, Tendenz für die Metropole: 2,0 Millionen Menschen. Dazu 3,5 Millionen Bewohner in der Metropolregion. 40% aller Einwohner Schleswig-Holsteins leben im direkten Einzugsbereich. Die "schönste Stadt der Welt" ist Magnet für junge Menschen mit Zukunftswünschen, die Metropole im Norden mit 42 Jahren Durchschnittsalter eine junge Großstadt mit hoher Geburtenrate.

330.000 Pendler täglich, 69% Mitarbeiter in KMU's. Mehr als 186.000 Beschäftigte in der größten Branche Gesundheitswirtschaft, 156.000 Arbeitsplätze rund um den Hafen. Dazu 75.000 Beschäftigte in Verwaltung, Betrieben und Beteiligungen des größten Arbeitgebers, der Freien und Hansestadt. Finanzen, Dienstleistungen und Immobilien sind mit rd. 31 Mrd. € größter Wirtschaftssektor, gefolgt von Handel, Verkehr, Gastronomie und IT mit rd. 30 Mrd. € Wertschöpfung. 

Doch Hamburg rutscht ab: Die Wertschöpfung - nur knapp über dem Jahr 2010. Was macht der Senat für die Zukunft der Hansestadt? Was fordert die Opposition an Maßnahmen für die Zukunft der Stadt? Wir haben die Parteien in der Bürgerschaft zu ihren digitalen Positionen und Visionen befragt. Auf der Tagesordnung: die 5 digitalen Top-Themen 1. Wirtschaft, 2. Wissenschaft, 3. Bildung, 4. Verwaltung und 5. Stadtleben. Heute: Die stadtpolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020:


 Hamburg Digital Wahlprüfsteine 
Digitalisierung und Stadtleben

Auf 23 Kilometern sollen zum ITS-Weltkongress im Oktober 2021 S-Bahnen auf der Linie 21 zwischen Berliner Tor und Bergedorf auf digitalisierten Schienen vollautomatisch verkehren. Alle 91 U-Bahnhöfe, 68 S-Bahnhöfe und rd. 1.000 Hochbahn-Busse bekommen kostenloses WLAN von Mobyklick. Bis 2025 soll die Hansestadt flächendeckend von Kupfer- auf Glasfaser-Verbindungen hochgerüstet werden. Die Digitalisierung hat Einzug gehalten Bergedorf und Blankenese.

1. Thema Digitale Services

Welche Service-Apps der Senatsbehörden halten Sie für sinnvoll und wo wirft die Landesregierung aus Prestigegründen Geld zum Fenster raus?

SPD Hamburg (2015: 59 Abgeordnete): "Hamburg- und Themen-Apps"

Es ist sehr zu begrüßen, dass über die „Hamburg-App“ ein zentraler Zugang zu den vielfältigen digitalen Angeboten der Stadt geschaffen ist, beispielsweise den Melde-Michel oder den Behördenfinder und weiteren Online-Services, wie etwa die Online-Terminvergabe für die Hamburger Kundenzentren oder die HVV-App. Viele weitere informative Dienstleistungen ergänzen dieses Angebot, wobei die jeweilige Bedeutung stets anlassbezogen vom aktuellen individuellen Bedarf der jeweiligen Nutzer abhängt. 

So hilft etwa die App „Zero-Waste-Map“ umweltbewussten Bürgerinnen und Bürgern bei der Müllvermeidung und die App „Stadtreinigung Hamburg“ bietet die Möglichkeit, Verschmutzungen in der Stadt einfach per Foto der Stadtreinigung zu melden, sodass die Sauberkeit der Stadt schnell erhöht werden kann.

CDU Hamburg (2015: 20 Abgeordnete): "Fragwürdiger Mut zur Lücke"

Das Hamburger Autobahnnetz ist stark ausgelastet und stellt die Verkehrsteilnehmer täglich vor immense Herausforderungen. Die App „A7-Nord“ hilft den Autofahrern, diese Herausforderung zu meistern. Beim „Dauernervthema Baustellen“ beweist der Senat hingegen einen fragwürdigen Mut zur Lücke und stemmt sich seit Jahren gegen eine von der CDU vorgeschlagene Service-App zu Straßenbaumaßnahmen in Hamburg. Gleiches gilt bspw. für eine App zur automatisierten Erkennung und Meldung von Schlaglöchern oder eine Anwendung, die die Verfügbarkeit von Ladezonen für Lkw und Kleintransporter in Echtzeit anzeigt.


GRÜNE Hamburg (2015: 15 Abgeordnete): "Erfolgreiche Hamburg-Apps"

Die Hamburg-App bietet den Hamburgerinnen und Hamburgern bereits einige handfeste Vorteile: mit dem Behördenfinder lässt sich nicht nur die zuständige Behörde bzw. Dienststelle für den vorliegenden Verwaltungsfall, sondern auch gleich Öffnungszeiten, Unterlagen und sogar die aktuellen Wartezeiten finden. Wichtig ist uns aber in dieser Frage auch, neben dem Digitalen weitere Angebote für die Bürgerinnen und Bürger nicht außer Acht zu lassen. 

Wir wollen daher die Behördennummer 115 weiterhin bekannter machen und verbessern.  Und auch die beiden Apps der Hamburger Stadtreinigung sind wirksam: mit der "sauberen App" lassen sich unter anderem Verdreckungen in der Stadt melden, die dann beseitigt werden, die „Zero Waste Map“ hilft bei Müllvermeidung.

LINKE Hamburg (2015: 11 Abgeordnete): "Nachrangige Apps mit Inseldasein"

Es gibt eine Reihe von Apps, deren Nutzergruppe eher beschränkt ist oder deren Sinnhaftigkeit im Meer der Apps auf den Mobilgeräten eher nachrangig erscheint. Hinzu kommt, dass die größere Zahl der Apps ein sehr spezielles Inseldasein führt und damit eine auch nur sehr beschränkte Verbreitung hat. 

Das Beispiel einer guten App liefert die Stadtreinigung mit der App "Stadtreinigung Hamburg", durch die vor allem Vermüllungen in der Stadt schnell und problemlos gemeldet werden können. Aber auch hier ist zu hinterfragen, ob man auf der Suche nach öffentlichen Toiletten auf die Idee kommt, dies in der App der Stadtreinigung zu tun.

Währenddessen ist die "Zero Waste Map"-App eher ein erzieherisches Programm. Beides hat aber durchaus seinen Sinn. Man sollte aber hinterfragen, was eine Hamburg-App, in der man die Reden des Bürgermeisters abrufen kann, nun wirklich darstellen soll. Je zielgerichteter der Zweck einer App ist, desto besser wird sie in den Alltag integriert werden.

FDP Hamburg (2015: 9 Abgeordnete): "Licht und Schatten bei App-Angeboten"

Zählstationen des Fahrradzählnetzes sind eher der Kategorie „Marketing‐Gag“ des rot-grünen Senats zuzurechnen als dass sie einen echten Mehrwert generieren. Im Bereich der Software‐Projekte gab es in der Vergangenheit auch einige „digitale Elbphilharmonien“; bspw. die neue Personalsoftware, bei der dem rot‐grünen Senat das Projektbudget derart aus dem Ruder gelaufen ist, dass am Ende ein knapp dreistelliger Millionenbetrag zu Buche schlägt. Das Geld fehlt nun teilweise bei andere Vorhaben.

Ein sinnvolles Alltagsbeispiel für die Hamburgerinnen und Hamburger ist der Melde‐Michel, der de facto auf einen Vorschlag zurückgeht, den wir Liberale bereits in der vergangenen Wahlperiode eingebracht hatten (vgl. Drs. 20/10125). Bürgerinnen und Bürger können damit der Verwaltung überquellende Mülleimer, defekte Straßenlaternen oder kaputte Radwege und Straßen etc. melden. Allerdings bedarf es hierzu noch einer ordentlichen App, die den Menschen das Melden solcher Missstände noch einfacher macht. 

Deutliche Verbesserungen bei Verkehrsführung und ‐fluss in der Stadt erhoffen wir uns außerdem vom IT‐Projekt DigitAll. Dieses soll hamburgweit insbesondere eine bessere Erfassung und Steuerung von Straßensperrungen aufgrund von Baustellen, Straßenfesten usw. sicherstellen. Hierbei kann man auf entsprechende Schnittstellen hoffen, damit die Daten auch schnell in die Navigationssysteme der Verkehrsteilnehmerinnen und ‐teilnehmer übertragen werden.

AfD Hamburg (2015: 8 Abgeordnete): "Nur sinnvolle Apps finanzieren"

Wir halten jene Service-Apps für sinnvoll, die von den Menschen in der Stadt genutzt und positiv rezipiert werden. Sinnlose Ausgaben aus Prestigegründen werden abgelehnt.

2. Thema Digitale Infrastruktur

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen des Senats, den Hamburgern mit digitalen Infrastrukturen Leben und Arbeiten an Alster und Elbe zu erleichtern?

SPD Hamburg (2015: 45,6%): "Flächendeckendes Glasfaser bis 2025"


Hamburg verfügt bereits heute über ein sehr gutes Angebot im Bereich der digitalen Infrastruktur, welches wir aber noch weiter ausbauen wollen. Bis Mitte der 20er Jahre wollen wir ein flächendeckendes Glasfasernetz ausbauen und mit einem Förderprogramm die letzten Lücken in der Breitbandversorgung schließen. Außerdem wollen wir im Citybereich, an touristischen Hotspots und in den Bezirkszentren ein offenes und kostenfreies WLAN-Angebot schaffen.


CDU Hamburg (2015: 15,9%): "Hamburg Card- und Tourismus-App vereinen"


Die Planungen für den ITS-Weltkongress haben die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf bei digitalen Mobilitätsangeboten geweckt. Projekte wie HEAT, bei dem autonome Kleinbusse in der HafenCity getestet werden, die digitale Parkstanderfassung oder das automatische Bezahlsystem für Bus und Bahn (CIBO = Check-In/Be-Out) bergen viel Potential. Ein einziger Kongress kann und wird aber nicht ausreichen, um Hamburg fit für die Mobilität der Zukunft zu machen. 

Ziele und Maßnahmen müssen weit über das Jahr 2021 hinaus geplant werden. Auch wenn der Senat sich zum Ziel gesetzt hat, Hamburg zu digitalisieren und bereits einige Projekte dazu angestoßen hat, mangelt es in der Umsetzung noch an vielen Stellen. Es ist gut, dass es mittlerweile eine Reihe an Mobilitäts- oder Freizeitangeboten gibt, die digital über eine App steuer- und abrufbar sind. 

Jedoch gestaltet sich das Angebot der zahlreichen Möglichkeiten derzeit sehr undurchsichtig. Hier brauchen wir eine klare Struktur bzw. eine anwenderfreundliche Bündelung der einzelnen Angebote. So müssen z. B. die Hamburg Card-App sowie die Hamburg Tourismus-App zusammengeführt werden. Alle Mobilitätsangebote der Stadt sollen in dieser App zu finden sein und den Nutzern einen unmissverständlichen Überblick liefern.

GRÜNE Hamburg (2015: 12,3%): "Ein offenes Hamburg Free WiFi für alle"

Kostenloses WLAN in Hamburger Bahnhöfen und Bussen hat direkten Mehrwert für die Menschen in ihrem Alltag und macht den ÖPNV in Hamburg noch attraktiver. Wir wollen aber noch deutlich weiter gehen: wir wollen öffentliches WLAN zusätzlich in Parks, auf wichtigen Plätzen und in städtischen Gebäuden. Zudem soll es Gewerbetreibenden und Privatpersonen (z.B. Freifunkern) gestattet sein, ohne bürokratische Hürden freie WLANs im öffentlichen Raum anzubieten, solange diese auf Nutzerregistrierung und Werbung verzichten. 

So können wir ein „Hamburg Free WiFi“ mit breiter Abdeckung erreichen, das Hamburg ein konsistentes Image als internetaffine, moderne und innovative Metropole verschafft. Der ITS in Hamburg ist ein Statement und ein Versprechen. Wenn Hamburg gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Gastgeber des weltweit größten Kongresses zum Thema Intelligente Verkehrssysteme und Services ist, erwarten wir uns für unsere Stadt Innovationen im Bereich der urbanen Mobilität, die die Verkehre in Hamburg mittel- und langfristig effizienter und umweltfreundlicher machen.

LINKE Hamburg (2015: 8,5%): "Kein flächendeckendes Breitband"

Die Maßnahmen sind eher zurückgeblieben. Das breite öffentliche WLAN hat Jahre vor sich hingeschmort, bevor es zumindest im Innenstadtbereich verfügbar war – mit dem Fokus auf Versorgung der Touristinnen und Touristen. Hier hätte es einer Strategie für die Bürgerinnen und Bürger bedurft, die auch in die Bezirkszentren hinausreicht.

Die Versorgung mit „schnellen Breitbandanschlüssen“ ist immer noch nicht flächendeckend gegeben – weder beim Wohnen, noch beim Arbeiten. Langsam kommt wieder Bewegung in die Entwicklung, aber es gibt auch in Hamburg Gebiete, in denen der 3G-Standard noch als schnell gelten kann, in denen ISDN-Geschwindigkeiten (ohne Kanalbündelung) das obere Ende darstellen. Ob sich hier nun endlich wirklich etwas bewegt werden wir genau betrachten müssen.

FDP Hamburg (2015: 6,3%): "Verschleppte Digitale Dividende"

Hamburg ist insbesondere seit Einführung eines Chief Digital Officers vor knapp zwei Jahren unterwegs in die richtige Richtung, allerdings bringt der rot‐grüne Senat einige wichtige Themen nur in einer Politik der Trippelschritte voran. So hat bspw. der Einsatz der Mittel aus der „Digitalen Dividende“ für den Breitbandausbau viel zu lange gedauert. Unternehmen im Hafengebiet und die Menschen in abgelegeneren Stadtteilen mussten und müssen dadurch viel zu lange auf schnelle Glasfaseranschlüsse warten – ein No‐Go für moderne Logistik‐Prozesse und den Aufbau einer flächendecken 5G‐Infrastruktur.

AfD Hamburg (2015: 6,2%): "Ältere Mitbürger digital begleiten"

Prinzipiell ist jede Maßnahme, die den Bürgern einen Mehrwert bietet, zu begrüßen. Die Service-Apps der Senatsbehörden erfüllen einen essentiellen Zweck, können in der heutigen Zeit von den Bürgern allerdings auch erwartet werden. Das Angebot muss stetig ausgebaut werden, um mit der Entwicklung schrittzuhalten. Um wirklich allen Hamburger Bürgern gerecht zu werden, muss sichergestellt sein, dass die digitale Infrastruktur nicht nur den Digital Natives dient, sondern auch und gerade älteren Mitbürgern.


3. Thema Digitaler Ausblick

In welchen Bereichen ist die Freie und Hansestadt bei digitalen Angeboten
für Hamburger und Gäste gut aufgestellt und wo gibt es Nachholbedarf?

SPD Hamburg (Fachsprecher: Hansjörg Schmidt): "Städtische Klima-App"

Für auswärtige Gäste und auch die Hamburger Bürgerinnen und Bürger gibt es ein Vielzahl von digitalen Angeboten, um die Stadt zu entdecken: Das hervorragend strukturierte Tourismus-Portal der Stadt gibt breit gefächert über alle touristische Sparten Auskunft – von Unterkunftsmöglichkeiten bis hin zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Apps, um die Stadt zu entdecken: 

Mit der App "Speicherstadt digital erleben" ist z.B. eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit des Hafens möglich. Mit der "Kulturpunkte"-App der Kulturbehörde Hamburg findet man alle kulturell interessanten Orte der Hansestadt. Oder die Hamburg-App – da hat ein jeder die ganze Stadt im Blick, vom Wetter bis hin zu Veranstaltungen ist alles verfügbar. Darüber hinaus gibt es zahlreiche digitale Angebote für Hamburger und Hamburgerinnen, die den bürokratischen Aufwand verringern - so können z. B. Termine in den Kundenzentren online gebucht oder auch Parkausweise online bestellt werden. 

Darüber hinaus werden wir eine Klima-App für Hamburg entwickeln, damit jede und jeder sein Verhalten überprüfen und anpassen kann. Die Idee: Jeder Einzelne hat ein definiertes Klimabudget zur Verfügung und kann mit der App überprüfen, welches Mobilitäts-, Wohn- und Konsumverhalten das Budget in welcher Weise reduziert. So entsteht ein größeres Bewusstsein in Bezug auf das eigene Verhalten.

CDU Hamburg (Fachsprecher: Carsten Ovens): "Ein digitales Rathaus"


Allen Beteuerungen zum Trotz herrscht in den öffentlichen Verkehrsmitteln und an den dazugehörigen Haltestellen weiterhin akute „WLAN-Armut“. Keine S- und U-Bahn, kein Zug der AKN und keine einzige Hafenfähre der HADAG ist mit WLAN ausgestattet. Dies ist insbesondere für Tagesgäste und Touristen schlecht. 

Eine vollständige und erfolgreiche Digitalisierung Hamburgs kann nur gelingen, wenn die fortschreitende Transformation in allen Branchen und Lebensbereichen aktiv gestaltet wird, um sie als Chance zu nutzen. Dazu braucht es eine gesamtheitliche Digitalisierungsstrategie für die ganze Stadt mit klaren Prioritäten. 

Neben der Unterstützung der Privatwirtschaft sehen wir auch die digitale Transformation der städtischen Verwaltung als Kernaufgabe an. Verfahren wie, z. B. Bewerbungen um öffentliche Ausschreibungen, müssen deutlich komprimiert und entzerrt werden. Für alle behördlichen Dienstleistungen, die nicht zwingend eine persönliche Anwesenheit erfordern, setzen wir konsequent auf ein digitales Rathaus, bei dem alles online beantragt werden kann. 

Dafür müssen wir zunächst die Prozesse digitalisieren, die entweder sehr häufig vorkommen oder sehr komplex sind. So wäre z. B. eine zentrale Termin-Homepage für die Verwaltung sinnvoll. Auch halten wir die Gründung eines Digitalrates aus unabhängigen Experten, der insbesondere den Einsatz sowie die Förderung von Zukunftstechnologien unterstützend begleiten soll, für sinnvoll. 

Andere machen es vor: So entwickeln und koordinieren beispielsweise die Smart Dubai Initiative und die Dubai Future Foundation die notwendigen Maßnahmen, um Dubai in eine Smart City zu transformieren. Diesen Ehrgeiz braucht Hamburg auch.

GRÜNE Hamburg (Fachsprecher: Farid Müller): "Offenes WLAN überall"

Gerade im Bereich der kostenlosen offenen zugänglichen WLAN's ist noch Luft nach oben. Hier können wir sowohl für die Hamburgerinnen und Hamburger als auch für Gäste noch deutlich mehr rausholen: in Japan stellt eine App bspw. offline Kartenmaterial und Reiseführer bereit und navigiert Gäste jeweils zum nächstgelegenen der über 200.000 öffentlichen WLAN-Zugänge.

Moskau und Seoul demonstrieren, dass auch U-Bahn-Fahrgäste 100 m unter der Erde nicht auf eine Verbindung verzichten müssen. In Estland, Österreich oder Schweden gibt es ebenfalls flächendeckend Zugänge in Behörden, auf öffentlichen Plätzen und in Bahnen. Wir stehen dafür, dass Hamburg hier den internationalen Anschluss schafft.

LINKE Hamburg (Fachsprecher: Norbert Hackbusch): "Hamburg.de werbefrei machen"

Ob die Freie und Hansestadt Hamburg in einem Bereich gut oder weniger gut aufgestellt ist, ist oftmals eine sehr subjektive Bewertung. So kann die Möglichkeit, Termine bei Bürgerämter digital zu buchen um Wartezeiten zu vermeiden und dabei sogar zwischen Bürgerämtern wählen zu können, sicherlich als Fortschritt gewertet werden, ebenso der Melde-Michel. Doch sind solche Angebote auch hinlänglich bekannt bei denjenigen die sie nutzen wollen? 

Wir wollen daher zunächst eine Bestandsaufnahme der digitalen Angebote der Stadt erstellen und die bisherigen Nutzungen evaluieren. Das Bereitstellen von Informationen und Diensten auf städtischen Internetseiten darf nicht weiter mit dem Verkauf persönlicher Daten der Benutzerinnen und Benutzer einhergehen. Die Digitalisierung der Hamburger Verwaltung muss dazu genutzt werden, eine werbefreie Plattform aufzubauen, auf der alle städtischen Dienstleistungen nutzer*innenfreundlich an einem zentralen Ort gebündelt sind und barriere- und kostenfrei beantragt und abgewickelt werden können. 

Laut Datenschutzbestimmungen von www.hamburg.de dürfen derzeit 117 externe Dienstleister*innen mittels Cookies oder anderer Technologien Nutzer*innendaten sammeln! Damit sich die Hamburger*innen frei im digitalen Raum bewegen können, muss der Schutz der persönlichen Daten zu jeder Zeit gewährleistet sein. Um dies in weit größerem Ausmaß als bisher zu gewährleisten, ist die beauftragte Person für Datenschutz mit entsprechenden finanziellen Mitteln und rechtlicher Durchsetzungskraft auszustatten. Geschäftsgeheimnisse dürfen die Arbeit der*des Datenschutzbeauftragten nicht einschränken.

FDP Hamburg (Fachsprecher: Michael Kruse): "Hamburg-App als zentraler Zugang"

In Hamburg gibt es grundsätzlich bspw. eine gute Verfügbarkeit von WLAN und auch LTE-Netzabdeckung in den U‐ und S‐Bahntunneln bzw. einigen Buslinien. Auch gibt es zahlreiche, per App nutzbare Sharing‐Angebote im Bereich der Mobilität. Diese stehen jedoch noch nicht in allen Stadtteilen zur Verfügung, in denen es sinnvoll erscheint; sie weisen teilweise einen noch zu starken Innenstadt‐Fokus auf.

Wir Liberale versprechen uns vom Online‐Zugangsgesetz bis 2022 noch viel mehr Vereinfachung und Digitalisierung von Behördengängen. Unter Rot‐Grün droht Hamburg hier ins Hintertreffen zu geraten. Auch die Hamburg‐App selber sollte als zentraler Zugang zur „Freien und digitalen Hansestadt“ deutlich verbessert und bspw. auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet werden (Einwohner, Touristen, Geschäftsleute etc.). 

Zum Melde‐Michel wurde und auch zur Verbesserung des Zugangs zu digitalen Verwaltungsdienstleistungen über hamburg.de wurde bereits weiter oben etwas gesagt.

AfD Hamburg (Fachsprecher: Peter Lorkowski): "Digitale Verwaltung wie Talin"

Für viele Anliegen der Bürger, für die ein persönliches Erscheinen bei der Behörde in der Sache eigentlich nicht erforderlich ist, fehlen immer noch die digitalen Zugänge und Erledigungsmöglichkeiten. Andere Städte sind diesbezüglich moderner aufgestellt. In diesem Bereich hat die estnische Hauptstadt Tallinn als Referenz zu gelten, deren Standard wir erreichen wollen.


 Hamburg Digital Wahlempfehlung 
Digitalisierung und Verwaltung

Ergebnis der redaktionellen Auswertung: 

Die Sozialdemokraten feiern ihre scheinbar sensationellen Service-Apps ab. Kein Wort der Selbstkritik, keine Idee für Visionen, die eine Stadt vorantreiben. Ausnahme: Beim Thema Klimaschutz zeigen die Staatsbehüter ihr wahres Gesicht: ein sozialistisches, anmaßendes. Willkommen in der "DDR 4.0 - Made in Hamburg". Als gebürtiger Mecklenburger darf und will ich das genau so sagen. Das hat mit einer großstädtischen, weltoffenen und zukunftsweisenden Politik nichts zu tun. 

Das ist Ersatzbefriedigung mit der Ökopapier-Küchenrolle. CO2 und Feinstaub werden sicher nicht durch eine bevormundende, städtische Klimabudget-App verringert werden. Selbst der grüne Koalitionspartner setzt auf offenes WLAN im öffentlichen Raum und fordert den internationalen Anschluss bei der Infrastruktur, statt die altlinken Positionen der GAL aus der Mottenkiste zu holen. Was hat die bevormundende Hamburger SPD an freier Gesellschaft bis heute nicht verstanden?

Christdemokraten und Liberale haben verstanden: Die bürgerliche Opposition sieht die Probleme in der ganzen Stadt: Schlaglöcher, Verkehrsstaus und Bürgerdienste - das interessiert die Hamburger - und nicht eine Klima-Verbots-App. Fehlendes WLAN in U- und S-Bahnen, AKN und Nordbahn. Zentrale Services per App - statt Prestige-Projekte für den Friedhof der Android- und iOS-Apps. Auch die Grünen zeigen, dass man digitale Infrastruktur und digitale Zugänge in den Mittelpunkt stellen sollte. Wie wär's wirklich mal mit einem digitalen Rathaus?!


Thomas Keup, Chefredakteur


 Hamburg Digital Background: 

Alle aktuell in der Bürgerschaft vertretenen Parteien haben die Möglichkeit bekommen, die Fragen zu den digitalen Wahlprüfsteinen zu beantworten. Die Antworten der Parteien werden in der Reihenfolge der Sitzverteilung von 2015 veröffentlicht: SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP und AfD. Eine Ausgrenzung von Parteien und ihren Positionen zur Digitalisierung in Hamburg - z. B. der AfD oder der Linken - findet nicht statt.

Wir machen keine Politik. Wir beobachten, bewerten und berichten.

Die Antworten werden in der Reihenfolge der Themen und Fragen veröffentlicht. Eine Kommentierung oder Kürzung der Antworten gibt es nicht. Auf Grundlage der Antworten erarbeitet die Redaktion eine sachlich begründete Wahlempfehlung zu jedem Themenkomplex sowie insgesamt zur Digitalpolitik. In die Wahlempfehlung fließen über 1.200 veröffentlichte Digitalnachrichten aus Hamburg, der Metropolregion und Norddeutschland sowie gut 280 Fachbeiträge, Interviews und Statements ein.



Wir brauchen gute Politik. Dazu braucht es Wähler, die wissen wen sie wählen.

Am 23. Februar d. J. entscheidet Hamburg, wie es in den kommenden fünf Jahren weiter geht: 1,4 Mio. Wahlberechtigte sind aufgerufen, in 17 Wahlkreisen 121 Abgeordneten von 15 Parteien in die Bürgerschaft zu entsenden. Wird SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher die ganze Stadt auch digital im Blick behalten oder die GRÜNE-Bürgermeisterin Katharina Fegebank Hamburg zum digitalen Labor entwickeln?

*   *   *

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Verwaltung
HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?
hv.hansevalley.de/2020/02/hansestatement-klimaschutz-chinaloesung.html

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

Mittwoch, 15. Januar 2020

HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

HAMBURG DIGITAL WAHLSTOLPERSTEIN
- von Landeskorrespondent Gerd Kotoll -

Das Hamburger Rathaus: Die Heimat der Hamburgischen Bürgerschaft.
Foto: HANSEVALLEY


Anhand der Wahlprüfsteine hätten wir gerne eine eindeutige Wahlempfehlung für das Thema Digitalisierung und Wirtschaft ausgesprochen. Am Ende sehen wir aber davon ab. Warum?

In allen Antworten auf unsere Fragen kommen von allen Bürgerschaftsparteien wohlklingende Formulierungen und Ketten nahezu unendlicher Absichtserklärungen vor. Weder in der realen Politik der noch laufenden Legislatur, noch in den Haushaltsansätzen der kommenden Jahre finden sich diese Absichten jedoch wieder.

Schlimmer noch: Anstatt eine eigene Vision und ein eigenes Bild von einem digitalen Hamburg zu entwerfen, wird verstohlen auf mehr oder weniger interessante Initiativen andernorts geblickt und diese als leuchtendes Vorbild für Hamburg angesehen. Das Hamburg der neue digitale Stadtmaßstab werden könnte, ist nicht einmal vorstellbar.

Konsequenter Weise fehlen deswegen auch Überlegungen, welche Rolle Hamburg in der Metropolregion und in Deutschland spielen kann, spielten sollte. Ebenso wenig wird angedacht, wie eine mögliche und u. E. notwendige Rolle Hamburgs innerhalb Europas aussehen könnte.

Hamburg 2020: Leuchttürme ohne Licht

Es wird deutlich, dass wir in der Hamburger Politik einen Fachkräftemangel haben: es mangelt an Menschen, die IT- und Digital-Know how im täglichen Leben anwenden und weitergeben. Das merkt man nicht nur beim regelmäßigen digital-politischen Buzzword-Bingo, sondern auch in der Umsetzung von Bürgerschaftsbeschlüssen und Senatsinitiativen: 'Alles so'n büsschen* ... aber nichts wirklich richtig.

Das ist einfach zu wenig. Erst Recht in einem Bereich, in dem nicht die Großen die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen. Hamburg ist langsam. Die vermeintlich digitalen Leuchttürme, die Hamburg geschaffen zu haben glaubt, ragen kaum über die Deichkrone hinaus und bieten daher auch keine Orientierung.

Allzu oft haben sie noch nicht mal Licht, das weit strahlen könnte, sondern eine (finanziell) "kleine Funzel" - siehe die halbherzige Prototypen-Förderung aus der Abteilung Spielgeld für die Games-Branche als jüngstes Beispiel.

Hamburg ist eben nicht die smarteste Stadt Deutschlands, auch wenn das in zahlreichen Reden auf den diesjährigen Neujahrsempfängen freudig erregt gern behauptet wird. Längst haben andere deutsche Städte wie Köln und selbst Karlsruhe die Hansestadt überholt.

Aber das kann und möchte man in Hamburg nicht sehen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Die jüngste OECD-Studie mahnt, dass zur Abschottung reichender Selbstgefälligkeit kein Anlass besteht. Andere Bundesländer sind da schon weiter, haben die Notwendigkeit erkannt und sich auf den Weg gemacht – und das überaus erfolgreich, wie ein Blick in die schleswig-holsteinische Nachbarschaft zeigt.

Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg

Wer Digitalisierung und Innovationen ernst nehmen will, muss mehr liefern, als wohlfeil klingende, jedoch inhaltsbefreite Absichtserklärungen. Dazu gehört aber eine nachhaltige Änderung im politischen Mindset: Wer ernsthaft immer noch in Wettbewerb zwischen Hochschulen und deutschen Städten denkt, anstatt kollaborativ Chancen zu entwickeln, wird üher den Tellerrand des eigenen politischen Unvermögens nicht hinauskommen.


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 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?
hv.hansevalley.de/2020/02/hansestatement-klimaschutz-chinaloesung.html

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
https://hv.hansevalley.de/2020/02/hansepolitics-stadtentwicklung-hamburg-2020.html

Digitalisierung und Verwaltung
HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020


Donnerstag, 19. Dezember 2019

H A N S E V A L L E Y - Das Hanse Digital Magazin für den ganzen Norden.

HANSE DIGITAL VISION


Die HANSEVALLEY-Redaktion aus Hamburg, Berlin und Rhein-Main.
Foto: HANSEVALLEY

Liebe Freunde und Leser,
liebe Kunden und Partner: 

Ein ereignisreiches Jahr 2019 neigt sich dem Ende. Unsere tägliche Arbeit lieferte uns dabei erneut spannende und manchmal auch skurile Geschichten; über den kleinen Philipp - die neue Barbara für Hamburg, einen Monsieur Martens und seine merkwürdigen Methoden, chancenlose Startups bei Schummeleien@Reeperbahn, MOIA's Mobilitäts-Märchen, einen roten Coverboy in Babyblau, eine lügende Leiterin der Landesvertreung sowie ganz aktuell unser Hamburger Herbergsduo Katharina und Peter beim Schaufenstern.

Besonders bemerkenswert sind aus unserer Sicht jedoch die Highlights unter den HANSEPERSONALITY - unseren Hamburg Digital Experten. Besonders stolz sind wir dabei auf unsere Interviews mit Asklepios-Chefdigitalisierer Henning Schneider, Digitalisierungs-Staatsrat Jan Pörksen, Haspa-Digitalvordenker Tobias Lücke, Digital-Innovator Karel J. Golta, Blockchain-Förderer Christoph Lymbersky, Games-Primus Hendrik Klindworth und AI-Förderer Nick Gehrke



HANSEVALLEY erweitert den Horizont: Nach unserer Botschaft "Das Hamburg Digital Magazin" im Auftaktjahr und "Wissen, was wichtig wird" im Aufbaujahr haben wir im vergangenen Jahr "Im Auftrag des Wandels" berichtet. HANSEVALLEY bringt im neuen Jahr auf den Punkt, was werden wird: "Die nächste Hanse wird digital". Das heißt: aus dem fokussierten Hamburg Digital Magazin wird das weitsichtige Hanse Digital Magazin.


Die Medienplattform für den digitalen Norden.

Mit Blick auf echte Chancen im ganzen Hanseraum vernetzt HANSEVALLEY als Medien-Plattform für den digitalen Norden Unternehmen, Initiativen und das digitale Engagement von Flensburg bis Göttingen und von Papenburg bis Stralsund. Unsere Autoren aus Hamburg, Mecklenburg und Niedersachsen wissen, worüber sie schreiben: über 5 Länder im digitalen Umbruch, mit digitalen Initiativen, mit ganz unterschiedlichen Perspektiven für ihre digital-vernetzte Zukunft.



Unser Concept Proof Hamburg war ein voller Erfolg. Mit bis zu 2.700 Lesern pro Beitrag, über 270 Experteninterviews, Fachbeiträgen, Reportagen, Wahlprüfsteinen und kritischen Statements, was in Hamburg leider schief läuft. Mit 1.200 Nachrichten allein über das digitale Hamburg - in Wirtschaft, Verwaltung und Stadtleben. Damit bietet HANSEVALLEY einen der reichweitenstärksten Nachrichtenkanäle - ab sofort für den ganzen Norden, inkl. Hamburg und spannenden News aus Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

HANSEVALLEY. Das Hanse Digital Magazin

Unsere Themen-, Branchen- und Spezialkategorien erweitern ihren Fokus auf den digitalen Norden: Vom Hanse Blockchain Magazin über das Hanse KI Magazin bis zum Hanse Games Magazin. Von den Hanse Digital Champions über das Hanse Startup Magazin bis zu den Hanse Digital Interviews. Denn Technologien, Unternehmen und echtes Engagement kennen keine Grenzen - weder von Verwaltungsgebieten noch in den Hinterköpfen echter Nordlichter. Denn die nächste Hanse ist digital.

HANSEVALLEY. Das digitale Terminal für die Themen von Welt.

Innovative Entwicklungen und die digitale Transformation sind in Hamburg ebenso wichtige Zukunftsthemen wie in Lübeck oder Lüneburg, in Bremen oder Oldenburg, in Hannover oder Braunschweig sowie in Rostock oder Schwerin. Wir sind der Überzeugung, dass eine wertschöpfende Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft in Verbindung mit digitalen Hotspots die Lösung für ein florierendes Norddeutschland sind. HANSEVALLEY ist dafür das digitale Terminal, die Themen in die Welt zu tragen.


HANSEVALLEY. Tolle Themen aus Hamburg - und dem Tollhaus.

Unser Weg führt uns von Hamburg über die Metropolregion in den ganzen Hanseraum. Wir werden auch im neuen Jahr tolle Themen aus Hamburg covern - und das manchmal spezielle Tollhaus im Auge behalten. Doch wir brennen genauso für bis zu 9 Mio. Zähne im Jahr in 3D-Druck aus Lütjenburg im Kreis Plön, wie für die KI in der Medizin aus Lübeck. Wir freuen uns auf fussballspielende Roboter aus Bremen wie aus Harburg. Wir sind gespannt auf die digitale Zukunft aus der Rostocker Aida-Welt, wie der Wolfsburger Autostadt. Denn als Nordlichter sind wir so.

Wir danken unsern Gast-/Autoren, Informanten und Ratgebern für ein spannendes und manchmal auch spezielles Redaktionsjahr. Wir danken unseren Interview- und Recherchepartnern sowie den vielen offenen und engagierten Pressestellen und PR-Agenturen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und wir danken all jenen, die HANSEVALLEY kritisch betrachten und begleiten und uns damit helfen, wach zu sein - im Interesse unserer Leserinnen und Leser.

Wir wünschen besonders Ihnen - liebe Userinnen und User in Hamburg, der Region und ganz Deutschland - einen besinnlichen Jahresausklang und wundervolle Tage im Kreis Ihrer Lieben. Lassen Sie sich reich beschenken und kommen Sie gut und sicher ins neue Jahr. Für 2020 wünschen wir Ihnen vor allem eine starke Gesundheit, viele neue Ideen und spannende Kontakte - und für Ihre ganz persönliche digitale Transformation viel Glück und Erfolg!

Herzliche Grüße

Ihr/Eurer


Thomas Keup und Gerd Kotoll


HANSEVALLEY - Das Hanse Digital Magazin

P. S. Gleich zu Jahresbeginn beschäftigen wir uns mit den Parteien zur Hamburger Bürgerschaftswahl: Bringen Regierung oder Opposition die Freie und Hansestadt digital nach vorn? Welche handfesten Forderungen haben Substanz? Und welche Buzzwords können wir uns schenken? Bleiben Sie gespannt und entdecken Sie die digitalen Wahlprüfsteine 2020!

Montag, 2. April 2018

HANSEEXKLUSIV Klaus von Dohnanyi: "Alles bleibt anders."

HAMBURG DIGITAL EXKLUSIV
in Zusammenarbeit mit Hamburg@work

Hamburgs Vordenker Klaus von Dohnanyi.
Foto: Exspect
Die Digitalisierung ist der größte Umsturz, den die Menschheit je gehabt hat.

Nichts wird so bleiben, wie es war. Weder in der Geschäftswelt noch in der persönlichen Welt. Alles wird anders. Anders. weil die zeitgleiche, umfassende, weltweit umspannende Information und dieser weltweite Dialog, der dadurch möglich wird, eine totale Veränderung der Beziehungen der Menschen und der Politik und der Wirtschaft und der Wissenschaft bedeutet.

Dem kann man sich nicht entziehen. Das ist wie aller technischer Fortschritt. Es ist wenig sinnvoll, sich gegen die Digitalisierung zu stemmen, wie gegen die Eisenbahn oder das Telefon oder das Radio und das Fernsehen. Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup:

'Alle Unternehmen werden in einer digital-vernetzen Welt Nachbarn', brachten Sie anläßlich des Neujahrsempfangs des "IT Executive Club" am 12. Januar d. J. im Norddeutschen Regattaverein auf den Punkt. Sie sprechen von einer Veränderung der Kommunikation, die eine Veränderung der Gesellschaft zur Folge hat. Was meinen Sie damit?

Es ist eine ganz tiefgreifende Veränderung der Kommunikation. Ursprünglich redeten die Menschen miteinander, indem sie sich in die Augen sahen. Jetzt ist man in der Lage, mit einem chinesischen Geschäftspartner oder mit einer Freundin in Tokyo zeitgleich zu korrespondieren, nicht nur, in dem man miteinander redet, man kann sich auch per Skype sehen. Man überwindet alle Distanzen, in denen Menschen miteinander gelebt haben. Das verändert die menschlichen Beziehungen, verändert die Unternehmen, verändert aber auch die Politik. Die Digitalisierung ist der größte Umsturz, den die Menschheit je gehabt hat.

Olaf Scholz mahnte immer wieder unermüdlich und in klaren Worten, dass die Digitalisierung alle Bereiche unserer Gesellschaft umfassen wird und wir es uns nicht leisten können, abzuwarten. Wie nehmen Sie mit ihrem Erfahrungsschatz die Entwicklung der Digitalisierung wahr, welche Themen faszinieren und welche Themen verängstigen Sie ganz persönlich?

"Uns fehlt die Infrastruktur für die Geschwindigkeiten"

Es ist ein vitales Element der Konkurrenz geworden. Man kann sich dem schon deswegen nicht entziehen, weil man in der weltweiten Konkurrenz zurückfallen würde. Das ist das, was auch Olaf Scholz und alle, die sich mit dem Thema befassen, beschäftigt. Deutschland ist in einer Beziehung sehr gut. z. B. bei der Umsetzung von Industrie 4.0. Auf der anderen Seite fehlt uns noch die notwendige technische Infrastruktur, um die erforderlichen Geschwindigkeiten der Kommunikation über das digitale Netz zu ermöglichen.

"Die wirklich guten Leute haben of gar keine Ausbildung"

Wir kommen auch deshalb nicht so gut damit zurecht, weil wir ein hierarchisches System haben, in dem z. B. in der Verwaltung die Beförderungen nach Grundsätzen von Ausbildungsformalitäten entschieden werden. Die wirklich guten Leute im digitalen Handwerk kommen oftmals aus ganz anderen Ausbildungen oder haben gar keine formale Ausbildung - und sind trotzdem mit die besten Leute. Da kommt der deutsche Staat mit seinen formalisierten Vorstellungen natürlich nicht mit voran, weder in der Beurteilung der Befähigung noch in der entsprechenden Bezahlung. Da verliert er zwangsläufig im Wettbewerb mit der Wirtschaft.

"Ihr dürft Kinder nicht zu früh am Netz operieren lassen"

Mich besorgt, dass eine so tiefgreifende strukturelle Veränderung in der Kommunikation auch Nebenfolgen hat, die man nicht übersehen darf. Es gibt Warnungen von klugen Pädagogen, die sagen, ihr dürft die Kinder nicht zu früh am Netz operieren lassen. Sie werden Fähigkeiten der Empathie, der sozialen Zusammenhänge nicht mehr richtig lernen. Und dann gibt es Probleme des Datenschutzes. Es gibt eben nichts in dieser Welt, dass neben seinen positiven Seiten nicht auch negative Folgen hätte und Probleme aufwerfen würde. Um die müssen wir uns auch kümmern.

THEMA POLITIK:

Politisches Engagement findet in engen Systemgrenzen von Parteien und Karrieren statt. Unsere Bürgergesellschaft interessiert sich vor allem für eine lebenswerte Stadt. Welche Impulse und Initiativen bedarf es, dass wir in Zeiten digitaler Verunsicherung nicht nur Klientelgruppen in der politischen Willensbildung von Parlamenten wiederfinden?



Mahnende Worte von Klaus von Dohnanyi.
Foto: HANSEVALLEY
Die Beratung innerhalb der Volksparteien findet in einem relativ geschlossenen Kreis relativ fester Überzeugungen statt - und wird oft auch mit einem recht begrenzten Informationshorizont geführt. Aber auch die politischen Aufgaben und die Methoden der Politik verändern sich natürlich. Wir sehen gegenwärtig, dass in den USA der Präsident keines der klassischen Informationsmittel der Politik überhaupt noch ernst nimmt, geschweige denn bedient. Ihn interessieren nicht Gespräche mit den großen Zeitungen, die eine Auflage von einer halben Millionen haben, er twittert und erreicht fast 50 Mio. Follower.

"Manch altes Gebäude wird dem Sturm nicht gewachsen sein"

Das verändert die Politik, das verändert auch die Chancen in der Politik. Ich glaube, dass wir deswegen auch einen tiefgreifenden Wandel in der Parteienstruktur bekommen werden, vielleicht sogar in der Demokratie wie wir sie gewohnt sind. Wir müssen uns intensiver als bisher um diese Entwicklung bemühen. Trump war kein Zufall. Ich vermute, dass auch in dieser Beziehung die USA nur weiter in der Entwicklung sind. Manches, was heute als altes Demokratie-Gebäude steht, wird dem Ansturm der neuen digitalen Welt nicht gewachsen sein.

Es gibt verschiedene gesellschaftliche Möglichkeiten, sich mit dem Status Quo von Unsicherheit oder Unzufriedenheit auseinanderzusetzen: z. B. durch Anpassung, den Ausstieg oder die Rebellion. Welchen Weg empfehlen Sie Menschen, die sich mit der für sie z. T. dramatisch verändernden Welt nicht zufrieden geben und etwas verändern wollen?

Klare Worte beim IT Executive Club.
Foto: HANSEVALLEY
Mein erster Tipp ist, dass jeder wissen muss, was er für sich selbst braucht und will, und das muss er lernen. Und wenn sich die Welt verändert muss er lernen, wie er in der Welt so sein kann, wie er gern möchte. Mehr bewusste Eigenverantwortung heißt die Devise! Man kann sich nämlich selbst auch manchem Einfluss der Digitalisierung entziehen.


"Wahrgenommene Eigenverantwortung ist die Rettung"

Ich versuche mich jenseits von Twittern und Apps immer noch in der Tiefe zu informieren. Andere mögen das anders sehen, aber das hängt davon ab, wie sie sich selbst verstehen. Mein Rat an alle ist, sich selbst zu betrachten und zu überlegen, was kann ich, was will ich, was will ich tun, was muss ich dafür lernen - also: eine wahrgenommene Eigenverantwortung ist die Rettung vor einer Vermassung durch die digitalisierte Welt.

THEMA TECHNOLOGIEN:

Die Metropolregion ist ein traditionsreicher Produktionsstandort mit Schiff- und Flugzeug-, Anlagen- und Maschinenbau. Industrie 4.0 bietet mit digital-vernetzten Produktions- und Lieferprozessen sowie Echtzeitdaten neue Chancen zur Entwicklung weltweit erfolgreicher Produkte? Reicht das aus Ihrer Sicht aus oder wird die Industrie in Europa zwischen den USA und China zerrieben?

Das hängt sehr davon ab, wie wir damit umgehen. Die Vielfalt in Europa - die auch Brüssel nicht versuchen sollte sinnlos einzuebnen - hat dazu geführt, dass die letzten Jahrhunderte europäische Jahrhunderte waren. Europa hat eine große Chance, wenn wir uns auf das besinnen, was wir können, wenn wir die Dinge, die im großen Stil gemacht werden müssen - wie z. B. den Airbus -, gemeinsam machen. Und wenn wir zugleich in Hamburg, in Lübeck, in Osnabrück, in Frankfurt, in Stuttgart - getragen durch gute kommunale Politik - unsere unterschiedlichen Kräfte entfalten. Das ist nämlich erst wirklich "europäisch": Dezentralisation, Vielfalt und Unterschiede.

In den digitalen Angeboten von Amazon, Apple, Facebook oder Google verbirgt sich bereits künstliche Intelligenz zum Erkennen von Befehlen und Übersetzen von Sprachen. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie in der Nutzung von Artifical Intelligence - insbesondere für den internationalen Dienstleistungsstandort Hamburg mit zehntausenden Arbeitsplätzen?

Die Artifical Intelligence ist ein nächster Schritt und wiederum: wer sich dagegen versucht zu stemmen, wäre verloren. Aber die Auswirkungen von AI sind heute noch unüberschaubar, also müssen wir den Prozess auch steuern, soweit das geht. Eine schwierige Aufgabe für die Politik.

THEMA ARBEIT:

Unsere zentrale Ausbildung mit Lehrling, Geselle und Meister stammt aus dem 13. Jahrhundert. Wir haben eine erfolgreiche Entwicklung der Universitäten seit dem 19. Jahrhundert. Wie kann ein lineares Bildungssystem für eine flexible und individuelle Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts geöffnet und erfolgreich weiterentwickelt werden?

Wir haben ein Bildungssystem, das einen großen Erfolg hinter sich hat. Sie können den deutschen Erfolg des vergangenen Jahrhunderts nicht denken ohne ein erfolgreiches Bildungssystem. Jetzt ändert sich natürlich viel. Man muss dafür sorgen, dass auch in den Schulen digitale Instrumente genutzt werden. Aber ich würde das nicht zu früh machen. Ich glaube, Kinder machen heute genug mit dem Smartphone, schon wenn sie 3 Jahre alt sind und man braucht ihnen das in der Grundschule nicht auch noch beizubringen. Rechnen und Lesen lernen ist in diesem Alter vermutlich wichtiger.

Zwischen 10 und 20 Mio. Arbeitsplätze könnten durch Digitalisierung und Transformation in Deutschland in den nächsten Jahren wegfallen. Die Herausforderung wird mit einem bedingungslosen Grundeinkommen als Chance für neue, Sinn stiftende Wertschöpfung diskutiert. Wie stehen Sie zu dem von DM-Gründer Götz Werner in die Diskussion gebrachten Modell?


Da bleibe ich zunächst einmal sehr skeptisch. Ich glaube, dass der Mensch auch eine Anregung braucht, um zu arbeiten. Wenn man ihm das Arbeiten sozusagen wegfinanziert, weil er das gar nicht mehr machen müsste, wird das weder zum Frieden in der Gesellschaft beitragen, noch zur Beseitigung der Unterschiede. Aber es ist auch ein von sehr intelligenten Menschen vorgetragenes Konzept und es wird immer weiter diskutiert werden und vielleicht eines Tages sogar kommen.

"In die Richtung lenken, in der sie einen guten Beruf finden"

Im Übrigen glaube ich nicht Ihre These von den 10 oder 20 Mio. Arbeitsplätzen. Aber es kommt deswegen schon jetzt darauf an, dass man die Arbeitsplätze die Zukunft haben könnten, heute durch eine entsprechende Ausbildung fördert. Ich halte nicht soviel davon, dass so viele Leute an der Universität Kulturwissenschaften studieren, anstatt Informatik. Da muss man die Leute schon ein wenig mehr in die Richtung lenken, in der sie am Ende auch wirklich einen zukunftssicheren Beruf finden werden.

THEMA HAMBURG:

Hamburg ist geprägt von traditionellen Branchen, wie der maritimen Wirtschaft, der Transportlogistik, dem Groß-, Außen- und Einzelhandel. Die Dienstleistungen von Banken, Versicherungen und Medien unterlagen in den vergangenen Jahren erheblichen Umbrüchen. Wie gut ist Hamburg aufgestellt, um die kommenden Herausforderungen zu meistern?

"Ein Fehler, den Wissenschaftsstandort Hamburg zu unterschätzen"

Klaus von Dohnanyi im Dialog mit Olaf Scholz.
Foto: HANSEVALLEY

Hafen und Handel sind heute natürlich lebenswichtig für Hamburg. Und wir müssen alles tun, um hier stark zu bleiben. Aber Transport, Logistik und Handel werden durch Digitalisierung und die Globalisierung im Kern getroffen. Hamburg braucht ein zweites Standbein. Deswegen glaube ich machen wir einen Fehler, indem wir die Bedeutung eines Wissenschaftsstandortes Hamburg noch immer unterschätzen.

"Hamburg wird ohne Wissenschaftsmetropole nicht überleben"


Ich habe deswegen schon 1983 in meiner ersten Übersee-Club-Rede gesagt: 'Hamburgs Zukunft liegt auf dem Land und nicht auf dem Wasser'. Ich bleibe bei dieser Überzeugung: Hamburg wird auf die Dauer ohne einen Schwerpunkt Wissenschaftsmetropole nicht erfolgreich überleben, gerade wenn die Chinesen jetzt ihre Seidenstraße über die Schiene ausbauen und ihren Schiffsverkehr zum Teil nach Südeuropa lenken. An dieser Stelle sind wir noch nicht gut aufgestellt.

"Versuchen, nicht erneut vom Süden abgehängt zu werden."

Das führt natürlich auch dazu, dass wir z. B. bei Startups nicht vorn sind, sondern München oder Berlin. Und das führt auch dazu, dass wir bei anderen Schwerpunkten, z. B. bei Banken von Frankfurt überlagert werden, weil dort das Zentrum der Banken entstanden ist. Wir müssen deswegen mit Wissenschaft versuchen nicht erneut vom Süden abgehängt zu werden. Bürgermeister Scholz hat jetzt versucht, in diese Richtung etwas zu tun, aber nach meiner Meinung ist das noch immer nicht genug.

Der Erfolg unserer Stadt basierte bislang zu einem Großteil auf der weltweit geschätzten Verlässlichkeit - und dies über Generationen hinaus. Reichen in Zeiten digital beschleunigter Veränderungen und global forciertem Wettbewerb hamburgische und hanseatische Werte aus - und welche Werte empfehlen Sie den Hamburgern für die Zukunft?

Die Werte reichen aus, aber sie werden derzeit unterspült von den digitalen Medien. D. h., man verhält sich natürlich anders im Geschäft mit Leuten, die man nicht persönlich kennt. Der "Ehrbare Kaufmann" in Hamburg, bei dem nicht mal ein Handschlag notwendig war und ein gegenseitiger Blick in die Augen reichte, wird durch die großen Entfernungen bei Geschäften und die immer größere Anonymität der Geschäfte vermutlich so nicht fortbestehen.

Es geht nicht darum, das wir neue Werte brauchen. Die große Frage ist, wie wir die alten Werte, mit denen Deutschland so gut gelebt hat, in einer digitalen Welt erhalten werden. Und da sollten wir sorgsam hinschauen.



Ein visionärer Blick in die Zukunft: Klaus von Dohnanyi
Foto: HANSEVALLEY

Herzlichen Dank für die inspirierenden Worte!
Das Interview führte Thomas Keup persönlich.

Das Hamburg Digital Exklusiv ist in Zusammenarbeit mit Hamburg@work entstanden und ab 3. April 2018 auf dem Portal www.digitalcluster.hamburg veröffentlicht.

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 Hamburg Digital Background: 

Klaus von Dohnanyi in der Wikipedia:

Klaus von Dohnanyi in der "F.A.Z":

Klaus von Dohnanyi in der "Welt":