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Mittwoch, 6. November 2019

HANSEPOLITICS: Hamburg sucht den Impfpass - und Peter Tschentscher vorne weg ...

HAMBURG DIGITAL STATEMENT


Mit gutem Beispiel vorn: Mit Papier zum Impfstatus: Gesundheitssenatorin
Prüfer-Storcks und Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher (v.l.n.r.)
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Impfen? Ja, impfen! Da kann es ernsthaft keine zwei Meinungen geben.

So sehen das auch Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und seine Gesundheitssenatorin, Cornelia Prüfer-Storcks - und lassen sich deswegen werbewirksam per Hausbesuch im Rathaus wie Privatpatienten impfen, um mit gutem Beispiel voran zu gehen. Vorbildlich! Möchte man meinen.

Tatsächlich muss man sich aber fragen, warum der Regierungschef eines deutschen Bundeslandes offenbar bisher doch Lücken in seinem Impfstatus hatte. Und, ebenso offenbar, ist er nicht der Einzige in seinem Kabinett. Wie viele Senatsmitglieder sind wohl noch ohne umfassenden Impfschutz unterwegs?

Vorbildlich wäre es gewesen, wenn eine Impfung ausweislich des dazugehörigen Passes nicht notwendig gewesen wäre. Dass es nicht so ist, erschreckt nicht nur, weil es um den Ersten Bürgermeister Hamburgs geht, der nicht richtig geschützt war-ist-gewesen wäre!? Vor allem irritiert es, weil Peter Tschentscher auch Arzt ist, und es dann eigentlich besser wissen müsste.

Wieder einmal gilt: Gut gemeint ist nicht immer gut PR-mäßig gemacht.


Deutschland sucht den Impfpass ... in Papier

Mit diesem Slogan versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit 2012 die Bevölkerung für die Aktualisierung ihres Impfstatus zu sensibilisieren. Zuletzt steigende Zahlen von Maserninfektionen zeugen vom mäßigen Erfolg dieser Aktion.

Dabei gibt es bereits funktionierende digitale Lösungen, die das Suchen des Impfpasses unnötig machen, weil die relevanten Daten griffbereit immer dabei sind. Denn das eigene Smartphone wird selten lange gesucht - nicht nur wegen aktueller WhatsApp-Nachrichten.

Mit den von Hamburger Krankenkassen frühzeitig eingeführten mobilen Patientenakten "Smart Health" der HEK und "TK-Safe" der Techniker Krankenkasse sowie "Vivy" der DAK und zahlreicher BKKn hat man heute und in Zukunft mit wenigen Klicks Klarheit über den eigenen Impfstatus - auch ohne medienwirksam in Szene gesetzte Senatoren.

Vorbildlich wäre es gewesen, auch die Information über die digitalen Möglichkeiten für einen möglichst vollständigen Schutz – um im Bild zu bleiben – einzuimpfen. Aber vielleicht braucht die Hamburger Politik noch ein bisschen Nachhilfe, dass digital-vernetzt bei jedem selbst anfangen sollte.

Redakteur: Gerd Kotoll
*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Pressemitteilung Gesundheitsbehörde Hamburg, 05.11.2019
https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/13167132/2019-11-05-bgv-senatsimpfen/

Sonntag, 11. Februar 2018

HANSEPERSONALITY Helmut Gerhards: Wir erarbeiten für unsere Kunden eine elektronische Gesundheitsakte.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

72 Mio. Deutsche sind Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. Hamburg ist mit der AOK Rheinland-Hamburg, Deutscher Angestellten-Krankenkasse, Hanseatischer Krankenkasse, Securvita Krankenkasse und Techniker Krankenkasse einer der großen Versicherungsstandorte der Republik. Doch die digitale Sturmflut kommt auch auf Hamburg zu: Private Anbieter wie "Amazon Health Care", "Ottonova" und "Oscar" zeigen, woher der Wind weht.

400.000 Mitglieder zählt Deutschlands Nr. 3 - die DAK Gesundheit - an Alster und Elbe. 1,3 Mio. Versicherte und ihre Familien vertrauen der Ersatzkrankenkasse im Hanseraum. Chief Digital Officer und IT-Stratege Helmut Gerhards hat sich mit seinem Team vor 1,5 Jahren auf den Weg gemacht, die Krankenkasse aus Hammerbrook durch den digitalen Sturm zu navigieren. Unser HANSEPERSONALITY ist DAK-Chefdigitalisierer Helmut Gerhards:


Helmut Gerhards: Sie haben zwei erwachsene Söhne von 26 und 27 Jahren, die als junge, digital aktive Mitglieder der DAK Vorbild seien können, wohin die Reise der drittgrößten Krankenkasse mit 5,8 Mio. Mitgliedern geht. Was lernen Sie als Chief Digital Officer und IT-Strategiechef der DAK von Ihren Söhnen für den digitalen Wandel der Krankenkasse?

Nun, zunächst einmal leben wir in einer spannenden Zeit, in der wir eine kommunikative Revolution erleben - und dies durchdringt unseren Alltag, auch in meiner Familie, mit rasender Geschwindigkeit. Meine beiden Söhne haben Informatik studiert und kennen keine Telefonwählscheiben. Zudem schreibt von der jungen Generation auch keiner mehr einen Brief.

Alleine diese beiden Beobachtungen müssen uns aufhorchen lassen, welches veränderte Kommunikationsverhalten in den nachfolgenden Generationen auf uns – und bald ja ausschließlich - auf Unternehmen zukommen wird. „Allways on“ und „Echtzeit“ bestimmen den Takt und revolutionieren ganze Geschäftsmodelle. Für die DAK-Gesundheit bedeutet dies natürlich vor dem Hintergrund unseres Anspruches, Qualitätsführer zu sein, ein Neudenken bisheriger Prozesse. Dies machen wir konsequenterweise aus Kundensicht.


Gehen wir in die Vollen: Das Holtzbrinck-Venture "Ottonova" und die Google-Schwester "Oscar" zeigen, wie digitale Krankenversicherung künftig geht: Digitaler Arztbesuch, digitale Diagnosen, digitaler Krankenschein, digitale Therapiebegleitung. Sie haben rd. 2,4 Mio. Senioren als Mitglieder sowie rd. 2,5 Mio. chronische Patienten. Wie können Sie den digitalen Wettlauf gewinnen?

Die neuen disruptiven Player am Markt haben in der Tat den Vorteil einer „Neugründung auf der grünen Wiese“ und können sich komplett auf ein volldigitales Geschäftsmodell konzentrieren. Wir bestehen seit 245 Jahren und haben eine gewachsene Struktur und richtigerweise sehr heterogene Kunden: vom Digital Native bis zum Pflegebedürftigen müssen wir eine durchgängig gute Betreuung und Versorgung sicherstellen. 

"Diagnostische Verfahren mit digitalen Anwendungen unterstützen"

Dies gelingt uns, in dem wir unser Geschäftsmodell „hybrid“ umgestalten und ausbauen. Wir bieten unseren Kunden z. B. eine Online-Filiale an, in der die Hauptprozesse unserer Kunden volldigital abgebildet sind. Kein langes Fahren und Warten, damit Zeit gewinnen - einfach und bequem vom Sofa aus. 

Bezogen auf die Versorgung arbeiten wir an digitalen Versorgungsangeboten, die dem Kunden ein Stück mehr Lebensqualität verschaffen, indem wir auch hier die Abläufe digitalisieren und teilweise auch diagnostische Verfahren mit digitalen Anwendungen unterstützen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist das Modell der chronischen Wundversorgung zusammen mit dem UKE Hamburg. Hochspezialisierte Fachleute des UKE unterstützen dabei die ambulante Versorgung, indem sie digitale Fotos der Wunden und des Heilungsverlaufs bewerten und ihre niedergelassen Kollegen beraten.

Bleiben wir bei Ihrer IT: Sie haben Ihre EDV in die Tochter "Bitmarck" von DAK, BKKn und IKKn ausgelagert. Ab September 2018 werden gut 9.000 Mitarbeiter an bundesweit 350 Standorten über das neue DAK-System "Bitmarck 21c/ng" Leistungen im Wert von jährlich mehr als 20 Mrd. € managen. Wie digital und automatisiert ist die 1776 gegründete Krankenkasse bereits?

Mit der Umstellung der Kernanwendung auf 21c/ng setzen wir ab September 2018 auf ein integriertes Vollsystem modernster Art, dass im Bitmarck-Verbund mit ca 100 anderen Krankenkassen genutzt wird. Workflowgestaltung, Dunkelverarbeitung und Datenaustausch sind dann der Standard.


DAK-Sprachdialogsystem mit semantischer Erkennungslogik

Wir haben bereits vor einigen Jahren den kompletten Posteingang im Unternehmen in drei Digitalisierungszentren konzentriert und überführen die gewonnenen Daten in Dunkelverarbeitungsverfahren. Selbst ein so kompliziertes Verfahren wie ein Antrag auf Zahnersatz wird heutzutage von uns eingelesen und in der Dunkelverarbeitung „autogenehmigt“ - und dies mit einer Quote von fast 80 Prozent der Anträge. Zudem setzen wir an der Schnittstelle Scan-Fachverfahren schon Anwendungen der künstlichen Intelligenz ein.

Wichtig ist aber auch die Digitalisierung der Kundenschnittstelle. Bundesweit setzt die DAK-Gesundheit als erste und einzige Krankenkasse seit April 2017 ein Sprachdialogsystem ein und steuert mit semantischer Erkennungslogik das Telefonrouting, das ebenfalls dem „all-over-ip-Konzept“ folgt. Dies bauen wir aktuell auf ein Omnikanalmanagement aus, damit der Kunde zukünftig auch zwischen den Kanälen wechseln kann - ohne Informationsverlust. 


Ihr großer Hamburger Wettbewerber, die Techniker Krankenkasse, ist mit der "TK-App" auf dem Weg, eine persönliche Patientenakte auf dem Smartphone zu platzieren. Die DAK bietet mobil eine Scan-App und einen viel beachteten Pflegeguide an. Möchten Sie Ihren Söhnen und anderen jüngeren Mitgliedern nicht auch die rd. 75 Services Ihres Online-Portals mobil anbieten?

Wir entwickeln aktuell für unsere Kunden noch viel mehr: Die Kunden der DAK werden zukünftig Ihre DAK-Gesundheit in der Hosentasche als Service-App haben. Hier vernetzen wir dann die verschiedenen Services. Unser Kunde kann selber die Inhalte konfigurieren und für die Life-Style-Ecke gibt es dann auch den persönlichen Gesundheitsscore. Über diese App können sie dann auch die Funktionen unserer Online-Geschäftsstelle inklusive der automatisierten Prozesse nutzen.

Neue DAK-Service-App mit selbst konfigurierbaren Inhalten

Ziel ist es, unseren Kunden in allen Lebenslagen zur Seite stehen zu können. Letztlich bestimmt der Kunde, wie digital seine Beziehung zu uns ist und ober er die lieber mobil oder über den Desktop oder doch lieber persönlich gestaltet.

Ihre Digital-Strategie sieht - wie bei anderen Unternehmen - die drei Schritte 1. Digitalisierung der Geschäftsprozesse, 2. Digitalisierung des persönlichen Kontakts und 3. Digitalisierung von Produkten vor. Schauen wir in die Zukunft: Was können wir von der "Digitalen Angestellten Krankenkasse" in Zukunft bei Prävention und Behandlung erwarten?

Ich stelle die These auf, dass sich das Krankenkassengeschäft sehr stark auf den Bereich der Prävention und der Gesunderhaltung ausdehnen wird. "Dr. Google" kennen wir schon, aber die Datenanalytik wird noch ganz andere Möglichkeiten bieten. Prominentestes Beispiel für Behandlung aufgrund einer Datenanalyse ist dabei wohl Angelina Jolie.


"Für Familien sehen Angebote anders aus, als für Singles."

Wir müssen also auf die Erwartungen einer zunehmend auf Prävention und Gesundheit orientierten Gesellschaft reagieren. Zukünftig werden unsere Kunden gerade im Bereich der Gesunderhaltung neben unseren bisherigen digitalen Coaching-Angeboten zu den Themen Ernährung, Stress und gesunder Schlaf auch weitere lebensphasenbezogene Digitalangebote mit Schnittstelle zu einer Vielzahl von Sensoren nutzen können. Dabei werden die Angebote auf individuelle Lebenssituationen zugeschnitten. Für Familien mit Kindern sehen sie anders aus, als für Singles.

Auch die aktuellen digitalen betrieblichen Gesundheitsmanagement-Angebote für die Beschäftigten bauen wir Zug um Zug aus. Wir koppeln das physische Angebot z. B. von Rückenschul-Trainings demnächst mit digitalen Angeboten. Letztlich entscheidet auch hier der Kunde dann, ob er einen Rückenkurs besucht, das digitale Angebot oder beides nutzt.

Sie haben für Ihre Mitglieder eine digitale Akte, Arztpraxen haben künftig digitale Patientenakten, Versorgungsnetzwerke haben digitale Informationen und Kommunikation, im UKE und immer mehr Kliniken gibt es eine digitale Fallakte. Wenn immer mehr Angebote digital verfügbar ist, wie wird daraus eine digitale Versorgungskette im Interesse des Mitgliedes?

Das Zauberwort heißt „ Interoperabilität“. Das Thema der Vernetzung ist auch in der neuen Regierung bzw. im Koalitionsvertrag hoch priorisiert. Es darf nicht sein, dass jeder für sich eine proprietäre Lösung bastelt und der Datenfluss dann nicht mehr funktioniert.

"eGesundheitsakte, mit der der Kunde Gesundheitsmanager sein kann."

Wir setzen bezüglich der Datentransfers klar auf die Entwicklungen der elektronischen Gesundheitskarte der Gematik. Diese muss den Austausch der Arztdaten zunächst einmal sicherstellen. Zudem soll die eGK auch eine Patientenakte und ein Patientenfach beinhalten. Allerdings fehlt dieser übergeordneten Infrastrukturlösung die Möglichkeit der Personalisierung bzw. der Individualisierung z. B. der Versorgungsangebote.

Wir wiederum erarbeiten zurzeit für unsere Kunden eine elektronische Gesundheitsakte (eGA), mit der der Kunde sein eigener Gesundheitsmanager sein kann: Seine Gesundheits- u und Vitaldaten kann er dort ebenso ablegen, wie seine Medikamenteneinnahme dokumentieren. Diese sehr individuelle eGA wird gegen die Schnittstelle der eGK der Gematik entwickelt, sodass eine Interoperabilität und der Datentransfer untereinander gewährleistet wird.

Ich komme zurück zur privaten Debeka-Beteiligung "Ottonova" und "Oscar" von Google: Ihnen ist mein Nokia-Fitnesstracker am Handgelenk aufgefallen. Sie planen Präventationsangebote in ihre 2. Service-App zu bringen. Wenn Vitaldaten und Risikomanagement, Konsultationen und Kundendialog, Genehmigungen und Abrechnungen digital möglich sind: wie sieht die digitale Krankenkasse der Zukunft aus?

Das Geschäftsmodell der Krankenkassen wird sich schleichend vom hybriden zum volldigitalen Modell entwickeln. Sie werden also in nicht ganz so weiter Ferne alle Anliegen volldigital realisieren können. Dazu zählt übrigens auch die Orchestrierung von Versorgungsprozessen, die unseren Kunden heute noch viel Aufwand und Mühe kosten. Warum soll ein Patient mit einer chronischen Wunde mehrfach in die Praxis fahren, wenn es möglich ist, per Smartphone täglich ein Bild in die Praxis zu schicken. Das ergibt sogar den Vorteil, dass der behandelnde Arzt einen täglichen Verlauf der Wunde verfolgen und den richtigen Interventionszeitpunkt bestimmen kann.

"Der Patient wird bestimmen, welche Daten nutzbar gemacht werden."

Zudem sehe ich eine klare politische Stärkung der Patientensouveränität – der Kunde und Patient wird bestimmen, welche Daten für ihn nutzbar gemacht werden sollen, mit welchem Arzt er seine Daten teilen will oder auch nicht. Zunehmend können aus einfachen Vitaldaten sehr gute Empfehlungen für das Verhalten und somit als Beitrag zur Gesunderhaltung gegeben werden. Das ist auch eine Bereicherung für die Versorgung durch den niedergelassen Mediziner. Wir haben dazu gerade eine Untersuchung vorgelegt, die zeigt, dass hier bei den Medizinern eine große Offenheit besteht, derartige Innovationen zu nutzen.

Allerdings muss hier der Missbrauch ausgeschlossen werden: Ich gehe davon aus, dass es klare Regelwerke geben wird, wenn z.B. Vitaldaten als Rückschluss für Risikomanagement und Tarifierungen genutzt werden sollen. Die DAK-Gesundheit darf dies wie alle gesetzlichen Krankenkassen heute schon nicht, da dies ein klarer Verstoß gegen das Solidarprinzip der Krankenkassen wäre. Und das ist auch gut so. 


Unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie haben in Hammerbrook rd. 1.400 Mitarbeiter, in Landesvertretung, Leistungsabteilungen und in der Kundenbetreuung rd. 600 Mitarbeiter. Hinzu kommen rd. 500 Mitarbeiter in Ihrer Hamburger IT-Tochter "Bitmarck". Hand aufs Herz: Was wünschen Sie sich als großer Anbieter an der Alster vom Senat, damit die Digitalisierung im Gesundheitssektor erfolgreich wird?

Als großer regionaler Player in der Metropolregion Hamburg sind wir natürlich an einer guten Vernetzung zwischen Politik, Wirtschaft und Bildung sehr interessiert. Die Stadt Hamburg setzt mit der Initiative „Digital First“ und der Ernennung des ersten CDO - Herrn Christian Pfromm - die richtigen Weichen. Auch die Stadt schaut zunehmend aus der Kundenperspektive auf die Prozesse und Strukturen und ich glaube, dass sich hier noch viele gemeinsame Wege gehen lassen. 

Einfach Adressänderung mit der Freien und Hansestadt

Ob im Bereich der Innovationsentwicklung als auch in der Serviceentwicklung: Oftmals haben wir ein- und denselben Kunden. So ist aus der Kundensicht eine einfache Adressänderung nur einmal zu melden - und dann müsste er entscheiden können, ob dann auch gleich diese Information bei der Krankenkasse ankommen soll. Auch gemeinsame Gesundheits- oder Bildungsinitiativen könnte ich mir gut vorstellen. 

Mein Wunsch wäre, daran zum Wohle der Bürger und Kunden zu arbeiten und das Leben für alle etwas angenehmer und gesünder zu gestalten. Dabei sollten wir die gesellschaftspolitische Verantwortung der Digitalisierung nicht aus den Augen verlieren.


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Vielen Dank für die offenen Antworten!

Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 


Chief Digital Officer und DAK IT-Stratege Helmut Gerhards:
www.xing.com/profile/Helmut_Gerhards3

DAK-Digitalisierungsreport 2018:
www.dak.de/dak/bundes-themen/aerzte-befuerworten-e-health-loesungen-1963670.html

Mobiler Angehörigenbegleiter "DAK-Pflegeguide":
www.dak.de/dak/leistungen/app-dak-pflegeguide-1863678.html

Digitales Pilotprojekt "Netzwerk Leben Plus" in Hamburg:
www.die-freien-hh.de/pressemitteilung/details/hamburger-pilotprojekt-netzwerk-lebenplus-startet-laenger-selbststaendig-und-selbstbestimmt-leben/ 

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Datenmigration für 5,8 Mio. Versicherte durch Bitmarck:
www.cio.de/a/dak-migriert-daten-bei-it-grossprojekt,3260844

Nationaler IT-Dienstleister "Bitmarck" (für BKKn, DAK und IKKn):
 https://www.bitmarck.de/

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Private Krankenversicherung "Ottonova" (Holtzbrinck-Venture):
www.ottonova.de/

Private Krankenversicherung "Oscar" (Google-Konzern Alphabet):
www.hioscar.com/

Ankündigung "Amazon Health Care" mit Berkshire & J. P. Morgan
www.finanzen.net/nachricht/aktien/gesundheitsbranche-healthcare-aktien-unter-druck-berkshire-hathaway-amazon-und-jpmorgan-formen-giganten-5942005

Sonntag, 7. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Marco Siebener: Ein gemeinsamer Rahmen für "E-Health (in) Hamburg".



HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

10.000 PC-Arbeitsplätze, 1.900 WLAN-Access-Points, mehr als 100 Fachanwendungen. Beeindruckende Zahlen aus einem IT-Großbetrieb: dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Mit elektronischer Patientenakte auf Rädern und Touchscreen-Internet-PC am Patientenbett hat HANSEVALLEY im November 2017 das UKE als beispielhaftes Klinikum kennengelernt.


IT-Chef und IT-Stratege des UKE: Marco Siebener.
Foto: UKE
Der Herr über 2 moderne Rechenzentren, 1.900 Server und mehr als 130 Mitarbeiter ist der IT-Chef, IT-Stratege und Chief Information Officer. Ein besonderes Hamburg Digital Interview zum Jahresauftakt aus dem IT-Herzen der Hamburger Universitätsmedizin mit HANSEPERSONALITY Marco Siebener:

Lieber Marco Siebener: Sie sind Leiter des Geschäftsbereichs IT mit 5 Abteilungen und zugleich als CIO verantwortlich für die IT-Strategie am UKE. Geben Sie uns einen Überblick: Wie groß ist Ihr Geschäftsbereich und wo liegt der Schwerpunkt ihres Tagesgeschäfts?

Der Geschäftsbereich IT ist der zentrale IT-Dienstleister des UKE und damit für den operativen Betrieb der IT- Infrastruktur und Anwendungen eines digitalisierten Uniklinikums verantwortlich. Zudem ist die IT ein wichtiger strategischer Erfolgsfaktor in der bisherigen und auch in der zukünftigen Fortentwicklung des UKE. 

Der Geschäftsbereich IT ist mit seinen über 130 Mitarbeitern der größte Geschäftsbereich am UKE - mit einem recht starken Fokus auf die IT-Systeme in der medizinischen Versorgung, von der elektronischen Patientenakte, über die Diagnostiksysteme in der Radiologie oder auch den Laboren bis hin zu Logistik oder auch Abrechnungssystemen. Dem stärksten Wachstum unterliegt aber derzeit der Bereich der Forschungs-IT. Hier sind wir im Aufbau einer medizinischen Forschungsplattform für unsere Wissenschaftler/innen.

Ihr Klinikum hatte im Jahr 2016 insgesamt 430.000 Patienten, davon rd. 95.000 stationäre Patienten. Wieviele Datensätze müssen Sie verwalten und wieviele Mitarbeiter aus medizinischer Versorgung, pflegerischer Betreuung und kaufmännischem Management greifen auf Ihre Systeme zu? 

Das UKE hat über 10.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber in Hamburg. Für diese große Anzahl von Mitarbeitern stehen auch fast 10.000 IT-Arbeitsplätze zur Verfügung. Wir betreiben mehrere Hundert unterschiedliche IT-Anwendungen in 2 Rechenzentren auf über 1.900 Servern. In unserer elektronischen Patientenakte liegen über 30 Mio. Datensätze. 

Das Universitätsklinikum gilt eine der modernsten Kliniken in Sachen IT zu sein. Bei Ihnen in Eppendorf läuft kein Patient mehr mit einer Krankenakte unter dem Arm zum Röntgen. Wo setzt das UKE besondere Schwerpunkte im Kontext fortschrittlicher Technologien und Systeme?
Live-Einsatz in der UKE-Hautklinik:
Die elektronische Patientenakte auf Rädern.
Foto: HANSEVALLEY



Ja, wir sind eine sehr fortschrittliche Klinik bei der Digitalisierung und es gibt diese Krankenakte nur noch elektronisch. Damit können alle an der Behandlung beteiligten Ärzte/innen und die Pflege jederzeit und auch parallel auf alle relevanten Informationen zugreifen und auch dokumentieren. Auch im Falle von erneuten Behandlungen sind diese Daten verfügbar und müssen nicht erst mühsam aus einem Archiv gesucht werden. Das ist für die Qualität und auch die Sicherheit der Versorgung ein wichtiger Beitrag, den die IT hier leisten kann.

Besondere Schwerpunkte im Sinne von Technologien setzen wir derzeit im u. a. im Bereich des sogenannten Asset Trackings, also dem Orten von z. B. medizintechnische Geräten über unser nahezu flächendeckendes WLAN sowie im Bereich Unified Communications - für Video- bzw. Online-Konferenzen u. a. im Bereich der Fall- bzw. Tumorkonferenzen. Ebenfalls ein wichtiges Thema sind für uns die Entscheidungsunterstützungssysteme (Clinical Deciscion Support), die auf Basis von Algorithmen bzw. Regelwerken die medizinischen Informationen z. B. Laborwerte prüfen und Hinweise und Warnungen für Risiken geben. 


Bereits im Einsatz und üblich sind diese Systeme z. B. bei den Interaktionsprüfungen hinsichtlich Nebenwirkungen von Medikamenten. Zudem beschäftigen wir uns mit der Anwendung von NLP (Natural Language Processing) auf die medizinische Dokumentation, also dem Erkennen und Verstehen von häufig nicht strukturierten, medizinischen Texten. Ziel ist es, diese in strukturierte Informationen umzuwandeln und damit für die weitere Nutzung u. a. für die Forschung zu erschließen.

Sie arbeiten mit dem Siemens Klinik-System "Soarian Clinical" und einer elektronischen Patientenakte auf Basis von "Soarian Health Archive". Vor mehr als 6 Jahren wurde das UKE durch die Bundesbehörde BSI für ihre Sicherheit ausgezeichnet. Wie kann man bei verteilten genutzten Daten wirklich sicher sein? 

Geschlossener Kreislauf der medizinischen Unterstützung am UKE.
Grafik: UKE
Das UKE hat sich als eine der ersten Kliniken in Deutschland bereits 2011 vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) nach dem s. g. "BSI Grundschutz" prüfen und zertifizieren lassen. Hierbei steht die Sicherheit unserer elektronischen Patientenakte im Fokus. 

Ein konkretes Beispiel, wie wir die Patientendaten schützen ist die Tatsache, dass Sie hier im UKE an einem klinischen Arbeitsplatz keinen direkten Zugang zum Internet haben, nichts herunterladen können, nichts installieren und auch keine USB-Sticks verwenden können. Wir haben den Bereich der Krankenversorgung technisch getrennt von den Verwaltungsnetzen oder auch den Forschungsbereichen.

Seit 2016 sind Sie kommissarischer  Leiter der UKE-IT, seit diesem Jahr hauptverantwortlich für alle Bits & Bytes auf dem UKE-Campus an der Martinistraße. Welche persönlichen Schwerpunkte bzw. Akzente setzen Sie als CIO und IT-Chef in Strategie und operativem Betrieb? 

Meine persönlichen Schwerpunkte liegen neben dem sicheren, effizienten und zuverlässigen Betrieb unserer IT-Services vor allem in der strategischen Weiterentwicklung der IT am UKE. Besondere Schwerpunkte sind hierbei der bereits genannte Ausbau der Forschungs-IT und der weiteren Verbesserung und Ausweitung unseres Leistungsangebotes durch E-Health - bis hin zur direkten Einbindung des Patienten in unsere Versorgungsprozesse, egal wo der Patient sich gerade befindet.

Das Uniklinikum hat eine elektronische Patientenakte, ihre Krankenhaus-Apotheke arbeitet weitgehend digital vernetzt und Sie kooperieren u. a. mit der Techniker Krankenkasse mit dem Ziel einer gemeinsame Patientenakte. Wie gut ist das UKE für die digitale Zukunft aufgestellt? 

Unsere elektronische Patientenakte ist sozusagen unsere sehr gute Basis für die weitere digitale Zukunft der Gesundheitsversorgung in Hamburg. Die Digitalisierung endet aber heute leider meist noch an den Grenzen unseres Campus in Eppendorf. Leider wird hier häufig dann doch wieder ausgedruckt oder auch gefaxt in der Kommunikation mit anderen Kliniken und Niedergelassenen. Wir haben zwar hier auch Kooperationspartner mit denen wir elektronisch kommunizieren, aber leider ist dies heute noch die Ausnahme. 

Hier sind dann für uns Partner wie die Techniker Krankenkasse wichtig, die mit ihrer Initiative einer elektronischen Gesundheitsakte für ihre Versicherten weitere "digitale Brücken" bauen und vor allem den Patienten bzw. Versicherten involvieren. Wir sehen in dieser Initiative einen wichtigeren weiteren Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland und freuen uns darauf, bald den ersten TK-Versicherten Patienten-Dokumente in ihre persönliche Akte übermitteln zu können.

Sie kooperieren mit der Technike Krankenkasse und dem TK-Accelerator, schauen sich neue E-Health-Startups an und starten gemeinsame Projekte. Wie wichtig sind für Sie innovative Startups und was ist besonders wichtig bei der Zusammenarbeit? 

Eine der modernsten Kliniken in Deutschland: Das UKE
Foto: HANSEVALLEY
Wir sehen hier viel Potenzial und beschäftigen uns immer wieder mit neuen spannenden Ansätzen, die von den Health Startups entwickelt werden. Meine persönliche Erfahrung ist leider ein bisschen "durchwachsen“, da häufig mit doch etwas "einfachen" Vorstellungen agiert wird und einem dann doch eher eine frühe "Alpha"-Version einer Lösung präsentiert wird, die noch weit weg davon ist, sie wirklich in der Klinik einzusetzen. 

Dafür sind die Anforderungen und auch das Risiko, die durch Fehler passieren können zu groß, um mal eben schnell eine - entschuldigen Sie bitten diesen Ausdruck - "Bastellösung" zu installieren und zu nutzen. Mit einzelnen Startups haben wir diesen Weg in die Klinik aber bereits gemeistert und wir sind davon überzeugt, dass dies auch in einem gegenseitigen Nutzen ist.

Die exklusive HANSEVALLEY Hamburg-Frage:

Sie sind langjähriger IT-Experte, u. a. bei den Hamburger Asklepios-Kliniken und seit 2015 am UKE engagiert. Was läuft in der Digitalsierung des Gesundheitswesens in Hamburg richtig gut? Und wo haben Sie Wünsche, z. B. an die Gesundheitsbehörde, das Branchencluster oder Krankenkassen? 

Wir haben in Hamburg starke Akteure im Gesundheitswesen, sowohl auf der Klinik-Seite, den Krankenkassen und Versicherungen als auch der Industrie. Alle beschäftigen sich aktiv mit der Digitalisierung und es gibt eine Vielzahl von einzelnen Initiativen, auch auf Seiten der Stadt. Mein Wunsch wäre hier eine weitere Bündelung dieser Initiativen und einen gemeinsamen Rahmen für "E-Health (in) Hamburg“ zu schaffen, um hieraus auch gemeinsame Ansätze und Projekte für das zukünftige „digitalere“ Gesundheitswesen zu schaffen.


* * *

Herzlichen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Informationstechnologien am UKE:
www.uke.de/organisationsstruktur/gesch%C3%A4ftsbereiche/informationstechnologie/%C3%BCber-uns/index.html

E-Health an Norddeutschen Krankenhäusern (ab S. 8):
http://docplayer.org/53372946-Digital-vernetzt-wie-krankenhaeuser-und-krankenkassen-kuenftig-das-e-health-potenzial-ausschoepfen-wollen.html

Kooperationsportal LSN Xchange:
www.lsnxchange.de/

Unternehmensdatenbank eHDa Hamburg (im Aufbau):
www.ehealth-hamburg.de/kontakt-und-service/ehda-die-unternehmensdatenbank/