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Mittwoch, 16. Mai 2018

HANSESTARTUPS: REOS - das digitale Betriebssystem für digitale Häuser

HAMBURG DIGITAL REPORT

Die Immobilienbranche im Jahr 2018: mit Betongold handelnde Goldgräber für die nächsten hundert Jahre? Oder die nächste Branche vor der digitalen Sturmflut? Während die Immobilienmanager der Hamburger Familienunternehmen auf das Bewährte setzen, hat sich ein pfiffiger Jung-Hamburger am Brandsdorfer Deich auf den Weg gemacht, Gebäude zu digitalisieren. Der Prophet der digitalen Immobilienzukunft hat unweit des künftigen Elbtowers umgesetzt, wovon Immobilienverwalter nicht zu träumen wagen. 


Schrecken aller Immobilienmanager: Das digitale Gebäudemanagement
Foto: REOS

Der Neubau eines digital-vernetzten Studentenwohnheims in Berlin-Schöneweide, ein rd. 10-köpfiges Entwickler- und Business-Team am Brandshofer Deich nahe der Hafencity und ein zielstrebiger Informatiker und Betriebswirt sind die Grundlage für das erste digitale Betriebssystem im Immobilienmanagement. Ein Hamburg Digital Report über REOS - das Real Estate Operating System:


Künftiges Carnaby Living House in Berlin-Schöneweide
Grafik: Carnaby Capital
Berlin-Schöneweide, Ostendstraße 27/Ecke Slabystraße, zwischen Hauptverkehrsachse An der Wuhlheide und der Spree: Auf 3.111 qm Wohnfläche lässt der Immobilienunternehmer Tom Leppin 172 Studentenzimmer für 53 künftige 2er- und 3er-WG's errichten. Das 2015 auf einem früheren Parkplatz im Gewerbegebiet nahe des Waldowplatzes geplante und für das Wintersemester 2018/2019 zur Eröffnung vorgesehene "Carnaby Living House" ist nicht etwa ein schnöder Neubau der Studenten der nahegelegenen Hochschule für Technik. 

Der gebürtige Brandenburger Betriebswirt Leppin hat vor dem Baubeginn 300 Studenten der HTW Berlin als potenzielle künftige Mieter des Studentenwohnheims befragt, was ihnen in einem solchen Haus auf Zeit besonders wichtig ist. Das Ergebnis: 1. schnelle Internetanbindung mit zuverlässigem WLAN, 2. ein Pauschalpreis inkl. aller Nebenkosten und Möblierung und 3. das ganze für unter 500,- € Mietpreis pro Monat. Für den Wahl-Hamburger war die Befragung keine Schnappsidee, sondern eine wichtige Analyse vor dem Hintergrund seiner beruflichen Erfahrungen.

Ein Kasten voller herrenloser Wohnungs- und Zimmerschlüssel

2015 war der Gründer der Berliner Immobilienentwicklungsgesellschaft Carnaby Capital parallel in Berlin als Berater beim ersten WG-Entwickler und -Vermieter Medici Living engagiert, lernte als Organisationsberater das Geschäft mit Wohngemeinschaften kennen. Eine Erfahrung aus dieser Zeit ist das umfassende Know how, was sich bei bewirtschafteten Immobilien alles nicht automatisieren lässt - angefangen bei unzähligen herrenlosen Wohnungs- und Zimmerschlüsseln in einer simplen Kiste.

In einer Word-Datei fasst Tom Leppin persönlich die 5 wichtigsten Herausforderungen aus seiner Zeit bei Medici Living zusammen. 
  • Ein besonderer Schmerz ist der Mietvertragsabschluss einschl. Bonitätsprüfung. Dazu kommen Bürgschaften, Kautionszahlungen und ein gültiges Konto für gerade aus dem Ausland hergezogene Studenten oder Arbeitnehmer. Im Moment viel Papierkram für Verwalter.
  • Bei 2.000 Mietvorgängen im Jahr für rd. 1.000 WG's an 7 Standorten mit jeweils 3-4 vermieteten Studentenzimmern ist das Schlüsselmanagement ein Schlüsselthema. Ausgabe, Verlust und Ersatz, Rückgabe und Übersicht sind mit einem Schlüsselbrett nicht wirklich effizient. Zudem platzen rd. 10% aller Schlüsselübergaben durch Terminkollisionen. 
  • Die Beschriftung von Klingelbrettern und Briefkästen ist ebenfalls ein Leidensthema. Können Briefe von Senat, Bezirksämtern oder GEZ nicht zugestellt werden, landen Meldeanfragen beim Vermieter - von Einschreiben, Rechnungen oder Paketen ganz zu schweigen. 
  • Kein Vermieter - weder von bewirtschafteten noch unbewirtschafteten Immobilien - kennt die aktuellen Verbrauchswerte für Strom, Kalt- und Warmwasser sowie Heizung seiner Mieter. Nicht selten kommen die Abrechnungen der Ablesedienste erst 9 Monate und später.
  • Zu guter Letzt sind alle Tätigkeiten rund um Ablesungen und Austausch, Wartung und Pflege für Aufzüge, Heizungen und Gasthermen, aber auch Installation und Wartung von Internet- und Telefonleitungen noch immer mit hohem personellen Aufwand der Verwaltungen verbunden.

Organisationsberater Tom Leppin kommt im Gespräch zum Ergebnis: "Dafür hatte ich nach 1 Jahr bei Medici Living keine Lösungen. Da konnte ich nicht sagen: 'Das Unternehmen ist gut aufgestellt'." Der nimmer müde Unternehmer stellt sich 2 entscheidende Fragen: 1. Was kann in eine digitale Lösung gegossen werden? und 2. Was gibt es an nützlichen Software- und Hardware-Tools? Das Ergebnis seiner Recherchen: Es gibt nur unterstützende Software und keine Vernetzung mit Hardware.


Während seiner Zeit beim Rechenzentrumsbetreiber Telefonica absolvierte der Jungunternehmer ein Duales Studium zum Informatiker. Aus seinem Know how als Spezialist für Operator-Netzwerke sowie als Projekt- und Servicemanager bei Telefonica sowie als Vertriebsmanager für Makler-Software bei Immowelt und später bei Immonet weiß der 29-Jährige, worauf es technisch ankommt. Aus seinen praktischen Erfahrungen bei Medici Living entwickelt er diesen Fragenkatalog:

Informatiker und Betriebswirt Tom Leppin
Foto: Carnaby Capital
  • Wo kann ich im Vermietungsprozess manuelle Revisionspunkte durch Vernetzung automatisieren?
  • Wo kann ich das Schlüsselmanagement durch programmierbare Chipkarten und Mobile Apps ersetzen?
  • Wie kann ich Klingelanlage, Briefkästen und Paketboxen per Fernsteuerung flexibel programmieren?
  • Wie kann ich Zähler digital vernetzen und möglichst automatisch auslesbar arbeiten lassen?
  • Wo und wie kann ich Vertragsmanagement und Kommunikation mit Mietern digitalisieren?

Das Lösungskonzept ist der klassische Ansatz in der Digitalisierung von Dienstleistungen: Ich lege einen digitalen Prozess horizontal über den Lebenszyklus des Mietverhältnisses - von der 1. virtuellen Besichtigung, der Kontaktaufnahme und den Vertragsabschluss, den Einzug und die Übergabe, die regelmäßigen Tätigkeiten zu Abrechnung, Wartung und Pflege bis zur Kündigung, dem Auszug und der Rückgabe des Mietobjektes. Anfang 2016 sucht Tom Leppin genau solch eine IT-Lösung für sein "Carnaby Living House" in Schöneweide - vergebens.

Am Markt gibt es lediglich Einzellösungen für einzelne Aufgaben, keine Lösung vernetzt einsetzbare Hardware mit bestehenden Software-Systemen. Kein System bietet eine zentrale Steuerung der elektronischen Möglichkeiten in einer modernen, digital-vernetzen Immobilie. Zudem handelt es sich meist um geschlossene Systeme, die der heutige Hamburger vorfindet. "Wir müssen für die Bewirtschaftung unseres Hauses in Berlin eine bessere Lösung finden", entscheidet Leppin.

Betriebskosten beeinflussen Beleihungswert und Verkaufswert

Digitales Immobilien-Management am PC
Screenshot: REOS
Ein cleverer BWL'er rechnet zunächst alles in einer Excel-Tabelle durch, bevor er davon überzeugt ist, dass er richtig liegt. Die Finanzierung und der spätere Verkauf seiner Immobilie in Berlin lässt Tom Leppin richtig hellhörig werden: Bei 70-80% Fremdfinanzierung des Wohnheims ziehen die Gutachter der Banken laut Beleihungswertverordnung bei bewirtschafteten Immobilien - wie Studenwohnheimen, Serviceappartments oder Altenheimen - bis zu 25% vom Beleihungswert = Kreditvolumen pauschal ab. Bedeutet: Für den Bau ist ein deutlich höheres Eigenkapital erforderlich.

Nach ähnlichem Prinzip geht es beim Verkauf der Immobilie zu: Zur Berechnung des Verkaufswertes werden von den Gesamteinahmen die Neben- und Verbrauchskosten sowie die laufenden Bewirtschaftungskosten abgezogen. Daraus ergibt sich eine Nettokaltmiete die bei einem Faktor 20 den Wert der Immobile bestimmt. Bei niedrigeren Bewirtschaftungskosten ergibt sich laut Adam Riese eine höhere Nettokaltmiete und somit ein höherer Verkaufswert und ... höherer Gewinn. Und genau an diesem Punkt schlägt das Herz von Informatiker und Betriebswirt Tom Leppin höher.

Konkrete nennenswerte Vorteile bei Kreditvergabe und Verkauf

In Gesprächen mit den Gutachtern der Banken kann Leppin durch geplante Digitalisierung und Automatisierung bei händischen Aufgaben wesentlich niedrigere Abzüge bei den Bewirtschaftungskosten erreichen. Neben dem direkten, Eigenkapital schonenden, Nutzen geht Leppin ein Licht auf: "Ich brauche einen betriebswirtschaftlichen Nutzen, warum ich das machen soll." Mit Baubeginn Anfang 2016 vergleicht der Perfektionist mögliche Komponenten am Markt, tauscht sich in der Branche über Ideen aus, einen Layer zu entwickeln, der für jeden Verwalter nutzbar sein sollte.

Auf dem Weg zum Betriebssystem für seine eigene Immobile stellt der Gründer und Kopf hinter der Hamburger Softwareschmiede REOS ein Lastenheft auf:

  • Ein digitaler Gebäude-Manager sollte für jeden Vermieter, Verwalter, Mitarbeiter und Mieter nutzbar sein.
  • Es sollte kein technisches Know how erforderlich sein, weil die Immobilienbranche keine Techo-Branche ist.
  • Die Hardware - wie WLAN, Zentral-Einheit, Schließanlagen, Anzeigen und Messegeräte - sollte in Bestandsimmobilien nachrüstbar sein.
  • Für die Nachrüstung sollte keine zusätzliche Verkabelung der Gebäude und ihrer Einheiten erforderlich sein.
  • Es sollten überschaubare Investitionskosten notwendig sein, um ein gebäudeeigenes System zu implementieren.
  • Die Kosten für das Immobilien-Betriebssystem müssen auf die Betriebskosten der Mieter umlagefähig sein.

9 Monate entwickelt das Team der REOS Software vom Brandshofer Deich vor allem an den notwendigen Schnittstellen, um alle Komponenten miteinander lauffähig zu machen. Herzstück des Betriebssystems ist ein Rasperry PI mit zuverlässigem und systemoffenem Linux-Betriebskern. Das Meisterstück der Hamburger Entwickler ist der digitalisierte Vermietungsprozess - von der Vertragsgestaltung über die Unterschrift, Bonitätsprüfung und Kautionshinterlegung bis zum Dokumentenmanagement. Für die Mieter nicht nur in Schöneweide heißt das, in Zukunft über ein Mieterportal und eine iOS- und Android-App mit ihrem Vermieter in Kontakt zu kommen.


Das A und O: Durchgängige Service-Prozesse
Grafik: REOS

Am 20. April d. J. war es soweit. Mit Projektentwicklern, Hausverwaltern, Assetmanagern und Interessenten von rd. 30 Firmen und Verbänden feierte REOS an der östlichen Spitze der Hafencity vis-a-vis des künftigen Elbtowers den Launch von REOS. Bis zum August d. J. soll das Vermieterportal stehen - inkl. automatisierter Erhebung und Abrechnung von Verbrauchsdaten in Echtzeit. Bis zum Jahresende soll die vollautomatische und digitale Nebenkostenabrechnung Wirklichkeit werden. Herausforderung sind dabei u. a. verschiedene Wärmequellen, unterschiedlich gemanagte Wirtschaftseinheiten und mehrere Grundstücke in einer Immobilienanlage.

White Label-Lösung, Kundenzugang & Value Added Service

Wenn REOS als Betriebssystem Gebäude managen wird, wenn sich die Plattform-Lösung zwischen Vermieter und Verwalter auf der einen Seite und Mieter auf der anderen Seite schiebt, welche digital-vernetzten Geschäftsmodelle sind dann mit einem umfassenden Digitalsystem noch möglich? Tom Leppin sieht neben der White Label-Lösung seiner Mieter-App als Kundenzugang eine Reihe von "Value Added Services". Dazu gehören z. B.  der Betrieb von Waschmaschinen und Wäschetrocknern in Gemeinschaftskellern, die Vermietung von Car Sharing-Fahrzeugen, der Betrieb von E-Ladesäulen oder die Integration von Lieferdiensten, wie Pizzaboten oder Dienstleistern, wie Reinigungsdiensten.


Kosten senken, Mieterzufriedenheit gewinnen, Werte steigern
Grafik: REOS 

Denken wir an Smart Building der Zukunft, können Echtzeitdaten aus dem Betrieb von Immobilien für die Optimierung von Versorgungs- und Versicherungsverträgen nützlich sein, z. B. bei Tag-/Nachtstromtarifen und Gebäudeversicherungen mit einer frühzeitigen Wasserschadensmeldung. Dazu kommen Forschungsprojekte z. B. zum Thema Smart City. So werden pseudomisierte und anonymisierte Daten aus Hamburg in einem Projekt des City Science-Lab der Hafencity Universität Eingang finden und die öffentlichen Daten des Smart City-Datenpools ergänzen. 

In der Hafencity, in Hamburg und um Hamburg herum ...


Stadtentwicklungsobjekt Hafencity an der Elbe
Foto: mediaserver.hamburg.de / DoubleVision
In die Zukunft geblickt, könnte das smarte Betriebssystem für smarte Immobilien ein spannendes Thema sein - z. B. für den ab 2030 auf dem benachbarten Grasbrook geplanten Innovationsstadtteil mit 3.000 Wohnungen für 6.000 Bewohner in intelligent-vernetzten Gebäuden. So werden laut Planungen 40% der Tiefgaragen-Stellplätze mit E-Ladesäulen ausgestattet und 30% werden generell für Car Sharing-Fahrzeuge reserviert sein. Vertreter der verantwortlichen Hafencity GmbH unter Leitung des Visionäres Prof. Jürgen Bruns-Berentelg sollen bereits bei dem 10-köpfigen Team am Brandshofer Deich gesichtet worden sein, berichten gut unterrichtete Kreise. Mehr kann dazu aber wohl im Moment noch nicht verraten werden ...

 Hamburg Digital Background: 

REOS Software:
www.reos-software.com

Carnaby Living House Berlin:
http://livinghouse.berlin/

CityScienceLab@HCU Hamburg:
www.hcu-hamburg.de/research/csl/

Innovationsstadtteil Grasbrook:
www.hafencity.com/de/news/grasbrook-ein-neuer-urbaner-stadtteil-fuer-hamburg.html

Sonntag, 4. Juni 2017

HANSEPERSONLITY: Die Digitalisierungsexperten der Logistikuniversität.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg ist die führende Logistikmetropole Nordeuropas. 320.000 Menschen arbeiten in der Logistikregion. Player, wie DAKOSY, HHLA und HPA treiben die Digitalisierung in Hafen und Logistik voran. Neben Spediteuren, Reedereien, Terminals und IT-Dienstleistern sind Hochschulen für die Ausbildung künftiger Logistiker und Manager ein wichtiger Schlüssel für den Logistikstandort Hamburg. 


Die Kühne Logistik Universität in der Hafencity ist die Hamburger Universität für internationale Logistik und logistiknahe Branchen - und laut aktuellem Ranking eine der besten Hochschulen Norddeutschlands. Hier wird der Führungsnachwuchs für die digital-vernetzte Logistik ausgebildet. Anfang April d. J. lud die Kühne Logistik Universität 40 Bachelor-Studenten zum Bootcamp "Digitalization in Logistics" nach Hamburg ein. 

Zusammen mit Partnern, wie DPD, Lufthansa Technik sowie Kühne+Nagel erarbeiteten künftige Business-Absolventen neue digitale Wege zu Prozessoptimierung und Datenanalyse - begleitet von Professoren aus Computer Science, Data Sciences und Supply Chain Management. Heute im HANSEPERSONALITY-Interview - Prof. Dr. André Ludwig und Prof. Dr. Dimka Karastoyanova:


Prof. Dr. André Ludwig
Associate Professor of Computer Science in Logistics
Foto: KLU
Immer mehr Berufe erfordern für Geschäftsprozesse und Betriebsführung weitgehende IT-Kenntnisse. Mit der digitalen Vernetzung aller Geschäftsbereiche z. B. in der Logistik steigen die Anforderungen weiter. Wie wichtig ist die Vermittlung und die praktische Anwendung digitalen Grundwissens in Ihren Studiengängen?

Prof. Ludwig: Die Digitalisierung führt zu neuen Anforderungen an die Berufsbilder in der Logistik. Digitale Kompetenz von Mitarbeiter ist heute so wichtig wie Fach- und Sozialkompetenz. Aus diesem Grund ist die Vermittlung von IT-Kenntnissen z. B. in unserem Masterstudiengang Global Logistics and Supply Chain Management ein Pflichtfach. Wichtig ist dabei, sowohl theoretisches Grundwissen über IT-Strategien, -Prozesse und Technologien, als auch praktisches Anwendungswissen durch Fallstudienarbeit, Exkursionen und Gastbeiträge zu vermitteln.

Sie haben ein SAP-Laboratorium an der KLU. Was können die Studierenden dort ganz praktisch kennenlernen und ausprobieren? Und welche Vorteile bringt die Verzahnung Ihrer Lehre mit den Möglichkeiten eines führenden Softwareherstellers für die künftigen Herausforderungen des Logistiknachwuches?


Prof. Ludwig: Unser SAP-Laboratorium ist ein Seminar, bei dem Studierende ein führendes ERP-System näher kennenlernen können. Studierende schlüpfen im SAP-Laboratorium virtuell in die Rolle von Mitarbeitern eines Produktionsunternehmens und organisieren über die Software von SAP selbständig Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsprozesse. Daneben geben Gastredner Einblicke, wie die Software in der Praxis eingesetzt wird, wie sie zur Integration in der Supply Chain genutzt wird, aber auch welche Herausforderungen mit dem Einsatz verbunden sind.

SAP-Kenntnisse werden von vielen Logistikunternehmen bei Absolventen heute vorausgesetzt. Darauf möchten wir unsere Studierenden bestmöglich vorbereiten. Gleichwohl können die vermittelten Kenntnisse auch auf andere ERP-Systeme übertragen werden.

Ein Schlüssel des Erfolgs in der digital-vernetzten Logistik ist die Erhebung, Auswertung und Beurteilung von Daten. Sie bieten heute einen Kurs "Data Scientist" für Ihre Master-Studenten an und planen einen eigenen Studiengang. Welche Fähigkeiten benötigen künftige Führungskräfte im Kontext "Data Analytics"?

Prof. Dr. Dimka Karastoyanova
Associate Professor of Data Science and Business Intelligence
Foto: KLU
Prof. Karastoyanova: In unserem Kurs Data Science lernen die Studenten alle Phasen des Lebenszyklus´ von Data Science kennen und die entsprechenden Unternehmensrollen, die an jeder Phase beteiligt sind. Damit wird klar, dass es bei Data Analytics nicht nur um Datenverarbeitung und -auswertung geht, sondern auch um das Verstehen der verfügbaren Daten und die Erstellung der am besten passenden Modelle auf Basis dieser Daten für ein konkretes Geschäftsproblem oder Fragestellung.

Somit erfordert Data Science nicht nur IT-Kenntnisse und Beherrschung der datenanalytischen Methoden, sondern auch Fachkenntnisse. Das ist eine komplett neue Denkweise (auch data analytic thinking genannt), die auf Interdisziplinarität beruht und die geschäftlichen Fragestellungen im Vordergrund hat.

Neben der Lehre beschäftigen Sie sich auch in der Forschung mit der Datenanalyse. In welchen Themen konnten Sie mit den Unternehmen erfolgreich forschen?

Prof. Karastoyanova: Ein Forschungsschwerpunkt ist die Verbesserung von Geschäftsprozessen auf Basis der Erkenntnisse der Datenanalyse. Im Logistikbereich hat dieser Schwerpunkt zwei Aspekte: einerseits sollen die Prozesse erfasst und automatisiert werden, andererseits müssen die verfügbaren Daten dafür angewendet werden, um diese Prozesse im Bezug auf konkreten Leistungskennzahlen (KPIs) zu steuern bzw. zu verbessern. Zwei Herausforderungen sind in dieser Forschung gerade aktuell: die Erfassung und Analyse von IoT-Daten, sprich Daten, die von Sensoren, RFID-Tags, Geräten usw. produziert werden und die Anpassbarkeit der digitalisierten Geschäftsprozesse.

Sie haben mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriuns ein Projekt für die Kombination von stationärem, mobilem und elektronischen Handel zu Omnichannel-Einkaufserlebnissen gestartet. Mit dabei sind u. a. Checkmobile und Tchibo aus Hamburg. Wie können wir uns "Smart Shopping Services" in Zukunft vorstellen?

Prof. Ludwig: Der Handel verändert sich aktuell grundlegend. Nach einigen Jahren des Konkurrenzdenkens zwischen Online- und Offline-Handel wachsen die verschiedenen Handelskanäle aktuell zu kanalübergreifenden Einkaufslösungen zusammen, bei denen die sogen. Customer Experience im Mittelpunkt steht. Künftig wird nicht mehr nur das Produktangebot, sondern der angenehmste Liefer-, Bezahl- oder Beratungsservice die Kaufentscheidung des Kunden bestimmen.

Mit dem auf 3 Jahre angelegten und von der KLU geleiteten Projekt "SURTRADE" arbeiten wir mit unseren Forschungspartnern an einer Cloud-Integrationsplattform für den Einzelhandel. Dabei schauen uns auch an, wie sich neueste Technologien wie Augmented Reality-Brillen oder moderne Zustelldienste wie Micro-Depots auf der letzten Meile einbinden lassen. Schließlich werden wir auch untersuchen, wie das Einkaufszentrum der Zukunft aussehen wird und die Handelslagen in unseren Innenstädten attraktiv bleiben.
Anfang des Jahres luden Sie zum "Logistics Startup-Day" ein. Dabei waren die Speditionen Flexport, Freighthub und Instafreight, die Lieferanten Liefery und Seven Senders, die Dienstleister Cargoo-Bee, CargoFioo und Graphhopper und die Hamburger Startups Cargoo-Bee, Cargonexx und Evertracker. Wie wichtig sind Tech-Startups für die Logistik?

Prof. Ludwig: Tech-Startups bringen aktuell sehr viel frischen „disruptiven“ Wind in die Logistik. Nie zuvor war es einfacher mit einer IT-Lösung etablierte Logistikgeschäftsmodelle zu hinterfragen und herauszufordern. Die neuen Logistik-Startups stellen sich aktuell vor allem dort auf, wo die Kundeninteraktion dem digitalen Erwartungsbild – mit ein paar Klicks alles online machen zu können – nicht mehr entspricht. Auch die Möglichkeit über Cloud-Plattformen komplexe Prozesse besser zu integrieren, ist eine der Kernansätze vieler Startups.

Unsere Studierenden interessieren sich sehr für die oft recht unkonventionelle Art des Marktzugangs von Startups. Aber auch etablierte Unternehmen arbeiten aktuell intensiv daran, sich agiler zu organisieren, kundenzentrierter aufzustellen und Technologiepotenziale bestmöglich auszunutzen. Insofern profitiert die gesamte Branche von dieser Disruption.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist ein führender Logistikstandort in Deutschland und Nordeuropa. Wie gut ist unsere Stadt in den Bereichen Logistik und Digitalisierung sowie der Ausbildung von Fach- und Führungskräften aufgestellt? Und wo sehen Sie Herausforderungen für die Zukunft?

Prof. Ludwig: Hamburg ist zweifelsohne eine der spannendsten Logistikmetropolen Europas. Dass die Digitalisierung (auch) die Logistik grundlegend transformieren wird, haben die wichtigsten Akteure der Region weitestgehend erkannt. Auch die KLU stellt sich mit einem von drei Kompetenzfeldern zum Thema „Digitale Transformation in der Logistik“ darin auf.

Eine aktuell viel beachtete Großinitiative, an dem sich viele wichtige Player der Metropolregion beteiligen, das „Digital Hub Logistics" Hamburg, bietet für Hamburg viel Potenzial, eine führende Rolle in diesem Themengebiet einzunehmen. Ziel muss es hier sein, etablierte, global agierende Unternehmen, junge, dynamische Logistik-Startups, Hochschulen und die öffentliche Hand zusammenzubringen und mittels Leuchtturmprojekten eine Innovatorenrolle einzunehmen.

Prof. Karastoyanova: An der KLU kooperieren wir neuerdings mit drei renommierten Institutionen im Rahmen von drei gemeinsamen Berufungen in den Bereichen Data Law, Digital Economics und Data Science and Business Intelligence. Diese drei Kooperationsprofessuren und die Kooperationsinstitutionen haben wir offiziell am 23.05.2017 bei einer gemeinsamen Veranstaltung unter dem Motto “Digitalisierung in der Logistik” vorgestellt. Somit sind wir sehr gut gerüstet und startklar, als wissenschaftliche Hochschule mit starkem Praxisbezug unseren dezidierten Beitrag dazu zu leisten, dass Hamburg auch im digitalen Zeitalter seine Position als führender Logistikstandort behaupten kann.

Vielen Dank für die spannende Tour!

Das Interview führte Thomas Keup

* * *


 Über die KLU in Hamburg: 

Die Kühne Logistics University – Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) ist eine im Jahr 2010 gegründete private Hochschule mit Sitz in der Hamburger HafenCity. Die Schwerpunkte der unabhängigen, staatlich anerkannten Hochschule liegen in den Bereichen Logistik und Management. Die Forschung an der KLU konzentriert sich um die Kompetenzschwerpunkte Sustainability, Digital Transformation und Creating Value in den Bereichen Transport, globale Logistik und Supply Chain Management. 

Die Kühne Logistik Universität Hamburg

 Hamburg Digital Background: 

13.06.2017: HSBA Tech-Day: "Erleben Sie Digitalisierung live"
Ein Nachmittag mit Vorträgen und Ausstellung zur Digitalisierung
www.hsba.de/aktuelles/veranstaltungen/tech-day-erleben-sie-digitalisierung-live/

15.-16.06.2017: KLU Seminar "Digitale Transformation in der Logistik"

Von der Digital Preparedness zu Innovationen und Leadership in der Logistik


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
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Mittwoch, 19. April 2017

HANSESTARTUPS: Open Office Hour zieht in die Hafencity.


Alles neu macht der Mai: Pünktlich zum Frühling zieht die Medien Office Hour für Hamburgs Startups in die Hafencity. Ab 11. Mai d. J. können junge Tech-Firmen ihre Ideen, Produkte und Services der Redaktion von HANSEVALLEY in der neuen Friendsfactory vorstellen. Auch in Zukunft öffnet die Open Office Hour einmal im Monat ihre Pforten, um spannende Geschichten für das Ressort HANSESTARTUPS kennenzulernen.

Die Friendsfactory ist mit 2.400 qm der neue Coworking-Space 
für Startups, Corporates und innovative Firmen in der Hamburger Hafecity. In den Räumen einer ehemaligen Reederei bietet Unternehmer Gregor Gebhardt jedem Mieter grundsätzlich einen eigenen Schreibtisch und Platz für die eigenen Unterlagen. Shared Spaces, wie bei anderen Co-Working-Anbietern, gibt es in der Friendsfactory am Sandtorkai nicht.


Mit umgebauten Überseecontainern und einer gemütlichen Networking-Area setzt der bereits in Berlin, Frankfurt und München etablierte Anbieter mit einem frischen Konzept neue Akzente fernab standardisierter Glaskästen. Als "Motel One" für Startups und Corporates ist die Friendsfactory für Startups besonders interessant: 2-Mann-Büros mit 10 qm gibt es bereits ab 299,- € pro Monat.


Mit den Grundsätzen "Startup-friendly" und "Corporate-ready" auf einer gemeinsamen Plattform ist die Friendsfactory ein idealer Partner für das Hamburg Digital Magazin mit seinen Stories zu jungen und etablierten Digital-Unternehmen. Mit den geplanten Coaching-Workshops sowie Trainings- und Networking-Events bietet der bundesweit aktive Anbieter zudem weit mehr, als klassische Served-Office-Vermieter.


Die Open Office Hour ist eine gute Gelegenheit, die Friendsfactory persönlich kennenzulernen. Am 11. Mai d. J. habt ihr erstmals die Gelegenheit, als Tech-Companies uns Eure Ideen, Produkte und Services persönlich vorzustellen. Bitte meldet Euch dazu einfach an: officehour@hansevalley.de oder 0171 - 4 18 00 84. Wir freuen uns auf Euren Besuch und einen netten Schnack!


Die OPEN OFFICE HOUR @ FRIENDSFACTORY Hafencity
Donnerstag, 11. Mai 2017, 15.00 bis 17.00 Uhr
Am Sandtorkai 37, U3 Baumwall