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Dienstag, 7. Juni 2022

HANSESTATEMENT: Tarek Müller? Ach, wärst Du doch im Internet geblieben ...

HANSE DIGITAL STATEMENT
von Chefredakteur Thomas Keup
- 1.600+ Leser. Und Sie. -

"About You"-Chef Tarek Müller fällt schon mal aus der Rolle, auch wenn alle hingucken.
Screenshot: Hamburg Future Talk/YouTube

- Update: 08.08.2022 V - Es gibt kluge Menschen, die wissen, wann es besser ist, sich seinen Teil zu denken. Es gibt kluge Menschen, die dürfen - wie z. B. Journalisten - beruflich ihren Kommentar abgeben. Und es gibt "so mittel" kluge Zeitgenossen, die reißen ihre Schnauze auch dann noch weit auf, wenn der wirklich kluge Hamburger nur noch die Stirn runzelt. Ein Protagonist aus der Intelligenz-Kategorie "so mittel" ist der kleine Tarek aus dem Internet. Thomas Keup hat den Ex-Shisha-Dealer mal näher unter die Lupe genommen:

Eigentlich sollte er eine gute Erziehung genossen haben: Seine Eltern sind Ärztin und Radio-Journalist - also intelligente Menschen, die in der Lage sind, gut von schlecht und richtig von falsch zu unterscheiden. Der Abbruch der 12. Klasse des ehrenwerten Heisenberg-Gymnasiums kann eigentlich auch nicht der Grund für seine mehr oder weniger peinlichen Ausfälle sein. Ach ja, er hatte ja keinen Bock mehr auf Bildung, wie er in seiner "Open Source-Abbruch-Mail" offenherzig preisgab. Irgendwie scheint dem heute 33-jährigen Tarek aus Harburg jedoch eine Portion Offenheit, Ehrlichkeit und Fairness abhandengekommen zu sein. Wenn sie jemals da war.

Das Geheimnis des offensichtlichen Minderwertigkeitskomplexes unseres kleinen Onliners wird er wohl nur mit seinem Therapeuten teilen, wenn er so klug ist, sich nach "Facebook"-Shitstormen, Bürgermeister-Größenwahn und Vollsuff-Scooter-Tour mal einen zuzulegen. Das Geld dazu dürfte er aufbringen können - bei gut 128 Mio. € Bar- und Aktien-Vermögen durch seinen Online-Klamottenladen, so das Fachmagazin "Textilwirtschaft". Nun weiß nicht nur der Volksmund, dass Geld den Charakter zwar nicht versaut, dafür aber alle Untiefen offenlegt - und die sehen bei unserem kleinen "Otto"-Zögling ein wenig hässlich aus. Das "Manager Magazin" drückt es deutlich pointierter aus: "Gleich zwei zweifelsfrei 'Rießen-Mega-Scheiß-Ideen' hatte Müller allerdings in den vergangenen Monaten":


Aktuelle "Kununu"-Bewertung eines "About You"-Mitarbeiters:
Acht Jahre nach Gründung scheint immer noch Startup-Chaos zu herrschen.
Screenshot: HANSEVALLEY

Mit 128 Millionen fährt es sich auch besoffen fast wie grenzenlos frei ...

*Update*
Der 33-jährige Klamottenverkäufer aus dem "Otto"-Konzern kann es offensichtlich nicht lassen, von einem Fettnäppchen ins nächste ... sagen wir mal ... zu trampeln. So nutzte der Multimillionär nach einer heißen Nacht an einem kalten November-Tag morgens um 5.12 Uhr einen Leihscooter, um vom Hamburger Berg ins Bettchen zu rollern. Leider mit 1,3 Promille in der Birne und dem Pech, sich im Morgengrauen von Beamten der Davidswache beim Lieblingsspiel "Fang den Vollsuff-Vogel" an die Leine legen zu lassen. Dabei legt sich unser Vogel bei der Kontrolle laut Polizeiprotokoll auch noch selbst auf die F.esse. So weit, so gut, so verschmerzbar. Macht 30 Tagessätze á 50,- € = 1.500,- € für die Kasse von Möchtegern-Millionen-Verschieber Andreas SPD-Spezi Dressel und zehn Monate Führerschein zum Trocknen in Flensburg. 

Der clevere Hanseat mit eigenem Anlageberater würde sich an dieser Stelle einmal räuspern, die Tagessätze zugunsten der "Anynomen Alkoholiker" großzügig aufrunden, dem Finanzsenator als "Betriebsausgabe" unterjubeln und sich einen gepflegten Fahrdienst zulegen, frei nach der Devise 'wollte schon immer mal stressfrei ins Büro kommen'. Auch wenn er eigentlich immer im Homeoffice ist - außer er ist saufen ... Nicht so unser kleiner, rüder Racker. Der frühere Verkäufer von Pokerkoffern zockt an dieser Stelle eine Runde mit dem Gesetz - und legt Widerspruch ein. Das zuständige Amtsgericht eröffnet freudestrahlend das Verfahren. Denn jetzt wird's für unseren "Scooter-Suffkopp" richtig teuer - und es geht um "about you". Die Richterin will nämlich alle Konten sehen, nicht nur den Angstellten-Lohn. Aber man kann's ja mal versuchen ...

"Bild Hamburg" titelt: "Suff-Rollern kostet Mode-Millionär 80.000,- €"

*Update*
Am Dienstag, den 26. Juli d. J. kassiert der hochmütig wirkende 33-jährige Multi-Millionär mit 12 Mio.-Villa einschl. Elbblick am Falkensteiner Weg sein Urteil. Die Barmbeker Richterin Kerstin Meyer bringt auf den Punkt: "Es muss spürbar sein" - wie für jeden Arbeitnehmer. Das Urteil: 80.100,- € Geldstrafe - und damit schlappe 78.600,- Tacken mehr, als beim harmlosen Strafbefehl. Treffer versenkt! Aber wer Aktien im Wert von rd. 40 Mio. € besitzt, kann das eventuell auch noch verknusen. Und wer den Schaden hat, muss für den Spott bekanntlich nicht sorgen: In den ersten 16 Stunden liken gut 200 lustige "Facebook"-Leser bei "Bild Hamburg" und "NDR 90,3" den Fall des ungezogenen "Otto"-Zöglings. Die Kommentare reichen von Lobesbekundungen für die Amtsrichterin bis zu Anfragen nach dem Müller-Anwalt ... für die Blacklist.

 "Würde ich Herrn Müller mit 300 Euro bestrafen, würde er es gar nicht merken.“

*Update*
Leser von HANSEVALLEY kennen die merkwürdigen Macken des vermeintlichen "Mode-Magnaten" durch dieses HANSESTATEMENT bereits seit Anfang Juni d. J. So gibt es für uns als Redaktion an dieser Stelle keinen Grund, den großen Sack mit Spott auszuschütten. Viel schlimmer ist, dass ein hochmütig und beratungsresistent wirkender Empörling glaubt, machen zu können, was er will - und damit Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz beschäftigt. Auch unser 2. Fall ist ein Fall für die Justiz - und wieder sind es die Ausfälle des Herrn Müller:

Liebling minderjähriger Kund*innen - und Hamburger SPD-Shitstormer

Unser kleiner Tarek gibt sich in der Öffentlichkeit meist freundlich und friedlich. Hamburger Insider kennen ihn mit weniger gehobelten Manieren. Das beweist unser kleiner Tarek auch im Internet, da, wo seine Fans und Follower wohnen und wo er seine gar nicht immer so sozial produzierten Klamotten aus Bangladesch, Myanmar oder der Türkei verscherbelt - inkl. "europäische" Corona-Masken. Am 7. April 2017 zettelt der Hamburger SPD-Funktionär Lumma gegen HANSEVALLEY auf "Facebook" einen Shitstorm an, versucht unser Online-Magazin zusammen mit seinen Freund*Innen des "Next Media Accelerators" und den Gründer*Innen von "Hamburg Startups" plattzumachen. Strafbar, wie das Bundesamt für Justiz dummerweise feststellt.

Interessant an dem Shitstorm sind die "Fans & Friends" aus der Hamburger Community, die wir mal freundlicherweise archiviert haben: Dass "DPA"-Chefinnovator Meinolf Ellers als "NMA"-Initiator den Shitstorm seines Geschäftsführers liked - geschenkt. Nur weil "DPA" draufsteht, muss noch lange nichts Seriöses drinsein. Dass der Hamburger Personalvermittler Dwight Cribb meint, über mich herziehen zu müssen - zum Glück kann man sich seinen Personalvermittler selbst aussuchen ... Dass der Geschäftsführer von "About You" über einen Kunden und berichtenden Journalisten öffentlich pöbelt - da wird's interessant! Unser kleiner Tarek meint nämlich, in dem - wir wiederholen uns - strafbaren Shitstom mal seine richtig miesen Manieren herausholen zu dürfen:


Tarek Müller - selbsternannter Bürgermeister-Kandidat (dazu später mehr) - bedankt sich bei Chef-Shitstormer und SPD-Funktionär Nico Lumma, u. a. für die Behauptung, HANSEVALLEY liege "unter der medialen Wahrnehmungsgrenze" (was mit Enthüllung der versuchten "Dressel-Lummaland-Millionenschieberei" widerlegt sein dürfte), und das wir "OMR"-Gründer Philipp Westermeyer versuchen würden, "ans Bein zu pinkeln" (weil man uns auf Empfehlung spezieller Protagonist*Innen die Akkreditierung zur "OMR" verweigerte?). Lumma weiter: "Jedes Listicle über eingewachsene Fußnägel auf Buzzfeed ist interessanter und hat mehr Nachrichtenwert als der zusammengestümperte exklusive Textsalat auf Hansevalley." 

Das Urteil des Bundesamtes für Justiz am 2. Dezember 2020:

"Der Inhalt ist nach hiesiger Bewertung 
ein rechtswidriger Inhalt im Sinne des §1 Abs. 3 NetzDG." 
Punkt.

Leider hat sich auch unser kleiner "Müller-Meister" nicht im Griff und pöbelt selbst volle Kanne los: So wirft er mir als Betroffenem "Geltungsbedürfnis" vor. Spoiler: Der offenherzig austeilende "Facebook"-Shitstormer bezieht sich auf den Online-Einkauf eines Paar Sneakers, den die "Otto Group"-Tochter "About You" über die "Otto Group"-Tochter "Hermes" versucht hatte, zu verschicken. Um am Ende nicht mehr zu wissen, wo die Turnschuhe geblieben waren. Tja ... Die schriftliche Bankrott-Erklärung des Hamburger "Hermes"-Kundendienstes haben wir uns mal eingerahmt - als Erinnerung - aus der Kategorie "Weil es dir wichtig ist ..." kommt es noch lange nicht an:

"Dies ist ein Versagen auf ganzer Linie und ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass Sie der Leidtragende dieser Situation sind. Bedauerlicherweise hat er die Zustellung auch nicht korrekt dokumentiert, so dass ich momentan nicht nachvollziehen kann, bei wem die Sendung abgegeben wurde."
- Hermes Kundendienst, Hamburg, 30.11.2016 - 

Auf den Punkt gebracht: 

Tarek Müller zieht als Geschäftsführer der damaligen "Otto Group"-Konzerntochter "About You" in einem "Facebook"-Shitstorm öffentlich im Zusammenhang mit einem selbst vers.uten Geschäftsfall über einen Kunden her, der sich nach vergeblicher Suche seiner Turnschuhe als Journalist an die - leider zunächst nicht erreichbare und dann unprofessionell herumzickende - PR-Kraft wandte, um den Fall zu klären. Nur ein Corporate-Venture von Benjamim Otto mit schlechten PR-/Manieren? Oder doch Prinzip beim Hamburger "Klamotten-August" und seinen "Paket-Sklaven"?

Stellen sich ein paar interessante Fragen, nicht nur im Kontext des "Code of Conduct" der "Otto Group", den die Hamburger Konzernzentrale mal kurzerhand ersatzlos gestrichen und gelöscht hat (könnte einem ja noch mal auf die Füße fallen ...):

1. Darf der Geschäftsführer eines Unternehmens öffentlich - z. B. in sozialen Medien - über seine Kunden ersichtlich herablassend herziehen?

2. Ist die öffentliche Pöbelei des damaligen "Otto Group"-Mitarbeiters und heutigen Vorstands ein Vertrauensbruch der Geschäftsbeziehung?

3. Darf der Geschäftsführer eines Unternehmens öffentlich - z. B. in einem Shitstorm - über einen Journalisten herziehen, der über ihn berichtet?

Wenn es nach dem hauseigenen und vom kleinen Tarek als verantwortlichem Unternehmer verabschiedeten Verhaltenskodex ginge, dürfte er jetzt sein Büro räumen:

"About You" - Business Code of Ethics - "Protecting Privacy" e. g.:

"Personal data is any data that directly or indirectly identifies and describes an individual."

"The trust of our customers and partners is essential to our business."

"Therefore, About You must ensure that we use personal data only for legitimate purposes within the scope of our job description."

"We want to work and live together in a transparent working culture without hidden agendas. That includes also a clear and transparent communication on issues or potential issues instead of hiding them."

"... we have to be aware and it has to be clear that even a seemingly minor violation of this Code of Ethics could expose the company or individual employees to serious repercussions - from reputational harm to fines, termination of the employment or even imprisonment."


Eine glückliche Otto-Familie: Tarek Müller mit "About You"- und "Otto Group"-Chefetage.
Foto: Facebook/About You

Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der "Otto Group" (Foto rechts außen) und zum Zeitpunkt des Shitstorms wie heute Vertreter des größten Eigentümers wird auf den Seiten der konzerneigenen Compliance-Richtlinien mit folgenden Worten zitiert:

"Verantwortliches Handeln wird über kurz oder lang zur licence to operate".

Auf gut Deutsch: In Zeiten, in denen Produkte und Dienstleistungen zunehmend vergleichbar und damit austauschbar sind, entscheiden Kunden über Vertrauen oder Misstrauen anhand des Verhaltens. Das nimmt man in der Bramfelder Chefetage der "Otto Group" allerdings nicht wirklich ernst: Konzernsprecher Thomas Voigt deklariert die o. g. Pöbelei des kleinen Konzern-Angestellten Tarek kurzerhand als "persönliche Angelegenheit". Übrigens genauso, wie die aktuelle "About You" PR-Kraft die "Vollsuff-Scooter-Ralley" vom kleinen Tarek als "Privatangelegenheit" versucht, vom Tisch zu kriegen. Wie kann ein neugieriger "Bild"-Gerichtsreporter es auch wagen, in Gerichtsakten zu stöbern!? Geht ja gar nicht ...

Das Abwimmeln ist offenbar eine Standard-Methode der Familie Otto, sich bei aufgedeckten Skandalen des Personals herauszuwinden. Mehr noch: Konzernsprecher Voigt dreht den Spieß schon mal um, wirft uns schriftlich "Verunglimpfungen" seines ehrenwerten Fachpersonals vor. Das klären wir jetzt juristisch. In diesem Zusammenhang freuen wir uns, in einem öffentlichen Verfahren das Verhalten unseres kleinen Tarek detailiert zu diskutieren - und werden die Kolleginnen und Kollegen Hamburger Redaktionen gern einladen, die "Facebook"-Shitstorm-Fakten kennenzulernen. Danke liebe "Bild"-Kollegen für die Veröffentlichung der "Vollsuff-Scooter-Ralley"!

Vom Facebook-Shitstormer zum Ersten Bürgermeister von Hamburg?  

Wenn Online-Marketer wie Lumma, Müller, Westermeyer & Co. meinen, die Welt bestünde vor allem aus Klicks und Conversion - ok. Schauen wir mal interessiert, wie uns die "Marketing-Fuzzis" nach der Cookie-Ära versuchen weiter auszuspionieren, um uns anschließend erneut zu manipulieren, mehr bei ihren Kunden einzukaufen. Wenn einer dieser Spezialisten - sprich der kleine Tarek - 2023 sein 25-jähriges Jubiläum als Geschäftspartner des Hamburger Distanzhändlers "Otto" feiert, ist das immerhin eine gewisse Leistung, so die Wikipedia. Gratulation, Tarek! Brav gewesen ...

Wenn unser klickgeiler Paketschubser mit fragwürdigen Manieren allerdings allen Ernstes Erster Bürgermeister werden will, schauen wir doch noch mal eine Runde genauer hin. Mitte April d. J. gibt sich unser ab und zu böse bullshittender Bub die Ehre, beim fast noch ehrenwerten "Abendblatt" (das vom erfolgreichen Heisenberg-Absolventen Haider) eine nette Geschichte zu erzählen. Da wir nicht das ganze PR-Blabla abpinseln wollen, beschränken wir uns auf ein paar interessante Sätze, die der kleine Tarek tatsächlich rausgehauen hat, z. B.

"Ich bin der Meinung, es ist nicht verwerflich, Vermögen aufzubauen, wenn man dies auf moralisch vertretbare Art getan hat. Und das ist bei mir der Fall."

Gegenfrage: Meintest Du die blutigen Kinderhände der Fließband-Arbeiter*Innen in Bangladesch, Myanmar und der Türkei? Oder meintest Du in Ghettos lebende Chinesen, die in Italien für internationale Luxusmarken die Klamotten klöppeln? Ah, sorry! Du meintest sicherlich moralisch vertretbar, über einen Kunden im Rahmen eines "Facebook"-Shitstorms Deines SPD-Kumpels öffentlich mit eindreschen zu können?! Einfach weil Du es kannst und "die Freiheit hast", wie Du es dem "Abendblatt" ja in die Feder diktiert hast ...

"Ich glaube, wir brauchen aber eine Art soziale Marktwirtschaft 2.0. Meine persönliche Antwort darauf lautet: Ich leiste mir zu Lebzeiten einen überdurchschnittlichen, aber nicht übertriebenen Lebensstil."

Der "Lebensstil" - aka "Vollsuff-Ralley" - ist nun ein wenig überdurchschnittlich teuer geworden, da die Vermögenswerte des Herrn Müller durch die Richterin in dem Strafverfahren bewertet und zum Ansatz einer angemessenen Geldstrafe geführt haben: macht 80.100,- €. Aber ok, jeder darf gegenüber dem "Abendblatt" sagen, was er meint, sagen zu müssen ... Ob ihm das sechs Wochen später dann auf die Füße fällt, ist jedoch eine ganz andere Frage. Wir helfen gern, sie zu beantworten ...

"Ich möchte in der Tat spätestens 2030 aus der Wirtschaft raus und mich um gesellschaftspolitische Themen kümmern. Das heißt nicht, dass ich dann auch direkt in die Politik gehe. Aber eines Tages will ich dorthin."

Womit wir wohl bei den eingangs bereits schwer angenommenen Minderwertigkeitskomplexen wären. Das ist tatsächlich die "Privatangelegenheit" des kleinen Tarek. Na gut, fast. Denn er ist eine 128+ Mio. € schwere Person des öffentlichen Lebens, was bedauerlicherweise auch auf seine "Vollsuff-Scooter-Ralley" und sein "Facebook"-Shitstormen zutrifft. Womit die vermeintlichen "Privatangelegenheiten" der "Otto Group"-PR-Fuzzis vom Tisch sein dürften. Und wir in der Kategorie "höher, schneller, weiter" wären, aka Komplexe und so. Und dann kommt's:

"Mein Ziel ist es tatsächlich, Hamburger Bürgermeister zu werden.
Das ist aktuell mein Plan, meine Ambition."

Eine technokratische Partei will er gründen, aber nur lokal ("weil wir (in) Hamburg sind" ...). Sich als Multimillionär auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse (unser kleiner Schulabbrecher hat offenbar doch noch Ambitionen) um konkrete Probleme kümmern, wie - Zitat - "Bildung, Wohnen, Gesundheit, Straßen, Nahverkehr und Sicherheit" ... upps! Ausgerechnet Sicherheit? Wirklich, muss das denn sein, dass die "Bullen" morgens um Viertel nach Fünf ausgerechnet aufm Kiez rumlungern und harmlose, betrunkene Multimillionäre anhalten? Ja, muss sein! Weisste Bescheid ...

Das eigentlich nicht immer so wirklich kritische "Hamburger Tagesjournal" kommentiert die Verurteilung des kleinen Tarek wegen "Vollsuff-Scooter-Ralley" ausnahmsweise mal wirklich etwas journalistisch:

"So wird das nichts mit dem Bürgermeister".

Wir fassen zusammen: 

Unser kleiner Tarek will als besoffener Scooter-Fahrer, als shitstormender Lummaland-Fanboy und als Unternehmer mit 18 Jahren Erfahrungen u. a. im Verticken von Shishas, Pokerkoffern und teilweise in Kinderarbeit hergestellten Klamotten sowie als 128-facher Millionär u. a. auf Kosten seiner laut "Kununu" oft überforderten Junior-Angestellten in einer "toxischen Arbeitsatmosphäre" tatsächlich zum Wohltäter der Freien und Hansestadt werden - und ernsthaft als Kandidat für das Bürgermeisteramt kandidieren. 

Ist das alles nur ein weiterer PR-Gag, um den eigenen Namen mal wieder in die Presse zu bekommen, weil die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr gerade mal "so mittel" waren und die Aktie weiter abraucht? (Auch wenn die "Otto Group"-Pressestelle sich alle Mühe gibt, die Fakten mit einer rosaroten Brille aufzuhübschen) Oder ist unser kleiner Online-Händler aus dem Harburger "Ghettofaust-Quartier" jetzt größenwahnsinnig geworden?

Wie gut, dass sich wirklich innovative Menschen mit so spannenden Themen, wie Blockchain, künstlicher Intelligenz und Quantencomputing beschäftigen. Wie gut, dass wir uns nicht um Online-Marketing, E-Commerce und Bullshit-Bingo kümmern müssen - einfach, weil wir es als Journalisten können und die Freiheit dazu haben. Und so komme ich ebenso wie meine Kollegen in der Redaktion zu einer ganz einfachen Meinung über unseren kleinen Tarek: 

Ach, wärst Du doch im Internet geblieben.

*  *  *

 Hanse Digital Background 

HANSESTATEMENT: Assets statt Anstand - Der tiefe Fall des Otto-Versands.
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HANSETECHTEST: Die Schmuddelkinder des E-Commerce About You, Shoop & Co. 
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Donnerstag, 20. Mai 2021

HANSECOMMERCE: Amazon.de läuft Otto.de im Corona-Jahr 2020 davon.

HANSE DIGITAL COMMERCE
* Update 30.06.2021 *

Die Zentrale der "Otto Group" in Hamburg-Bramfeld.
Foto: Otto Group

50.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für den Hamburger Dienstleistungskonzern "Otto Group" mit seinen drei Geschäftsfeldern Handel (u. a. "Otto.de"), Paketversand ("Hermes") und Inkassodienst ("EOS"). 1995 war "Otto" einer der ersten Versandhändler im Internet. 25 Jahre später und ein Jahr nach Corona-Ausbruch sehen die Zahlen der Bramfelder auf den ersten Blick gut aus: 15,6 Mrd. € Konzern-Umsatz im vergangenen Jahr - mit 17,2 % Wachstum. Doch hinter den Kulissen rumort es. Nach 3 Jahren Umbau des "Otto.de"-Portals zum Marktplatz hängt Erzrivale "Amazon" die Hamburger bei Eigen- und Partnerumsätzen im deutschen Onlineshopping gnadenlos ab. Thomas Keup mit den aktuellen Zahlen und Fakten:

Der Bramfelder Versand-Händler "Otto.de" hat im vergangenen Geschäftsjahr (Stand 28. Februar '21) mit rd. 1.000 Marktplatz-Händlern in Deutschland einen Marktplatz-Umsatz von rd. 450 Mio. € erwirtschaftet - laut Konzern-Finanzvorständin Petra Scharner-Wolff rd. 10 % des Gesamtumsatzes von "Otto.de" im Pandemie-Zeitraum Februar 2020 bis 2021. Der Hamburger Familienkonzern hat nach 3-jährigem technischem Umbau des Online-Portals "Otto.de" mit offiziellen Investitionen von rd. 166 Mio. € Mitte vergangenen Jahres die Umstellung vom Onboarding per Fax zum digitalen Einstellen der Marktplatz-Produkte geschafft. Nach den Planungen zu Beginn des Jahres 2019 wollte "Otto.de" 3.000 Handelspartner bis 2020 auf den Marktplatz bringen.
1.000 statt 3.000 Marktplatz-Händler: Platz 6 in der Relevanz deutscher Online-Händler.
Die Zahlen bestätigen die aktuell geringe Relevanz für Marktplatz-Händler, ihre Waren den z. Zt. rd. 10 Mio. aktiven Kunden auf dem "Otto Market" anzubieten, davon rd. 3,7 Mio. Neukunden aus dem Corona-Jahr '20. Laut einer Umfrage des Hamburger Marktforschungsportals "Statista" vom März '21 gaben deutsche Online-Händler an, zu 62 % auf "Amazon.de" sowie zu 55 % über "Ebay.de" zu verkaufen. Auf den Plätzen folgen "Rakuten.de" mit 17 %, "Hood.de" und "Zalando.de" mit jeweils 9 %. Die Hamburger Distanzhandels-Plattform "Otto Market" folgt erst auf Platz 6 mit 8 % Präferenz deutscher Marktplatz-Händler. Zugleich wurden im vergangenen Jahr 44 % aller Online-Umsätze in Deutschland über Marktplätze erwirtschaftet. Dies waren 32,12 Mrd. € bzw. 36 % mehr als 2019. Experten gehen davon aus, dass mittelfristig maximal 5 E-Commerce-Plattformen den deutschen Online-Handel in einem Oligopol beherrschen werden.
Der Schein trügt: Die "Otto Group" ist mitten im harten Umbruch.
Foto: Otto Group
500 neue Marktplatz-Händler im Jahr 2020 auf Otto.de - 18.200 neue auf Amazon.de.
Während "Otto.de" die Zahl der Marktplatz-Partner seit Mitte 2020 von rd. 500 größtenteils händisch ongeboardeten Anbietern auf 1.000 Ende Februar 2021 verdoppeln konnte, gewann der Erzrivale "Amazon.de" im Pandemiejahr 2020 laut Angaben des Online-Dienstleisters "Finbold" mehr als 18.200 bzw. 6,6 % neue Händler für den deutschen Marktplatz hinzu. Damit sind auf "Amazon.de" mit Stand Ende 2020 rd. 276.000 unabhängige Händler aktiv - davon rd. 40.000 kleine und mittlere Anbieter. Im laufenden Geschäftsjahr wollen die Hamburger auf "Otto.de" die Zahl ihrer Marktplatz-Händler auf gut 2.000 verdoppeln.
4,5 Mrd. € Gesamt-Umsatz des "Assets" Otto.de in 2020 - 38,69 Mrd. € auf Amazon.de.
Die Hamburger "Otto Group" erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr weltweit im E-Commerce einen Umsatz von 9,9 Mrd. €, davon rd. 7,0 Mrd. € mit ihren deutschen Ablegern, wie "Bonprix", der "MyToys"-Gruppe, "Otto.de" und der "Witt"-Gruppe einschl. "Heine". Auf die Stammmarke "Otto.de" als größter deutscher Online-Möbelhändler entfielen in Deutschland rd. 4,5 Mrd. €. Zum Vergleich: "Amazon.de" erwirtschafte im Jahr 2020 laut Online-Handels-Monitor des "Handelsverbands" insgesamt 53 % des deutschen E-Commerce-Umsatzes bzw. 38,69 Mrd. €, davon 24,82 Mrd. € bzw. + 5,0 % durch den "Marketplace".
Auch im Jahr 2021 fokussiert sich die "Otto Group" auf Marktplätze.
Screenshot: HANSEVALLEY
Umsatz-Verhältnis Otto.de zu Amazon.de - 2018: 1 zu 3, 2019: 1 zu 4, 2020: 1 zu 6. 
Laut "Otto Group"-Finanzvorständin Scharner-Wolff ist in den kommenden Jahren nicht damit zu rechnen, wie "Amazon.de" den größeren Teil des Umsatzes auch auf "Otto.de" über Marktplatz-Händler zu erwirtschaften. Im laufenden Geschäftsjahr will sich die "Otto Group" dennoch um den Ausbau des Plattformgeschäfts bei "Otto.de" wie der vor Börsengang mit 53 % im Besitz der "Otto"-Gruppe befindlichen jungen Mode-Plattform "About You" kümmern. Die nicht direkt mehr zum "Otto"-Konzern gehörende Gesellschaft erwirtschaftete im vergangenen Jahr allein 1,1 Mrd. € Umsatz - eine Steigerung um 53 % gegenüber dem Berichtszeitraum 2019/2020. Zum Vergleich: Der große Berliner "About You"-Rivale "Zalando" erwirtschaftete im Corona-Jahr insgesamt rd. 8 Mrd. € Umsatz mit junger Mode - ein Zuwachs um 500 Mio. €.
Zusätzliche Informationen zum "Otto Market" gibt es auf den Händler-Seiten des Plattform-Anbieters. Eine ausführliche Meldung zur Vorstellung des Geschäftsberichts 2020/2021 der "Otto Group" einschließlich aktueller Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Hamburger Dienstleistungsgruppe einschl. des jungen Modehändlers "About You", des Inkassodienstes EOS" und des Paketdienstes "Hermes" ist auf den Presseseiten der "Otto Group" veröffentlicht. 
*  *  *
 Hanse Digital Background: 
Otto Group: Geschäftsbericht 2019/2020:

Handelsverband: Online Monitor 2021:
einzelhandel.de/

BEVH: Umsatz Produktgruppen Online-Handel 2019 zu 2020:

Statista: Umsatzanteil von Amazon am Online-Handel in Deutschland 2020:
statista.com/

Statista: Über welche Onlinemarktplätze verkaufen Online-Händler:

OMR: Die 100 größten Marktplatzhändler auf Amazon.de:

Dienstag, 7. Juli 2020

HANSEBUSINESS: Assets statt Anstand - Der tiefe Fall des Otto-Versands.

Hanse Digital Background
- 2.400+ Leser. Und Sie. -

+++ Abwimmeln von Kundenbeschwerden +++ Herabsetzung von Stammkunden +++ Launische Konzernpressesprecher +++ Verleumdung von Journalisten +++ Aussperren von Redaktionen +++ Intolleranz gegenüber Amazon +++

Otto Group Flaggen vor der Firmenzentrale in Bramfeld
Der Schein trügt: Stolze Flaggen vor der Otto-Zentrale in Bramfeld.
Foto: HANSEVALLEY
*Update 09.08.2022*


Eine Otto.de-Supporterin zickt am Telefon: "Sie hätten ja nicht bei uns zu kaufen brauchen". Otto Asset-Geschäftsführer Tarek Müller pöbelt auf Facebook: "Auch wir hatten Interaktion mit ihm. Da war ich fassungslos über Umgangsform, Verhalten und Geltungsbedürfnis." Otto Group-Sprecher Thomas Voigt betreibt gleich direkt Verleumdung: "Ihre Mails sind nun schon seit Jahren von Verunglimpfungen gegenüber führenden Persönlichkeiten des Konzerns oder den Kommunikationsverantwortlichen geprägt." So reden Otto Group-Mitarbeiter öffentlich über Kunden und Multiplikatoren - ohne die Behauptungen zu belegen - und sperren Journalisten aus ihren Presseverteilern aus. Willkommen in der Welt der Otto Group. Willkommen in Bramfeld.

Kunden anpöbeln oder Journalisten verunglimpfen zeigt, wie man hier denkt. Und damit zeigt man, wie man agiert. Unabhängig der vorsätzlichen Pöbeleien bringt eine Tatsache auf den Punkt, worum es dem Hamburger Otto-Personal nur noch geht: "Assets". Das ist der Fachbegriff der Finanzindustrie u. a. für Unternehmensteile oder Geschäftsbereiche. Die Absolventen von privater FH Wedel oder HSBA denken nicht etwa an Kunden, sondern an "Assets". Genau diese BWL- und Berater-Denke macht hemmungslose Pöbeleien gegenüber denjenigen möglich, die für das Unternehmen entscheidend sind - nämlich Kunden und Multiplikatoren (vgl. Amazon-Kundenzentrierung).


Gestellte Otto-Welt: Mit Ex-BCG-Berater Sebastian Klauke (links)
keinen "Day One"-Experten im Vorstand.
Foto: Marc Ackermann

Der Unterschied zwischen Otto und Amazon: Ein kleines Kino im Hamburger Westen. Die Presseabteilung von Amazon Prime lädt zur Premiere einer neuen Serie in die Hansestadt. Beim anschließenden Interview mit dem zuständigen Deutschland-Geschäftsführer unterbricht eine Agentur-Mitarbeiterin unversehens das Gespräch. Der Hinweis gegenüber den Presseverantwortlichen sorgt für sofortige Abhilfe. Die PR-Frau wird aus dem Verkehr gezogen, das Interview kann ungestört beendet werden. Hier hat man verstanden, dass es um ein gemeinsames, publizistisches Ziel geht. Das nennt man Professionalität in der Pressearbeit.


„Tag zwei bedeutet Stillstand, gefolgt von Bedeutungslosigkeit, gefolgt von einem fürchterlichen, schmerzvollen Niedergang, gefolgt von Tod. 
Und deswegen ist immer Tag eins.“
Jeff Bezos, Gründer und CEO, Amazon.com Inc.
Aktionärsbrief, 2017

Während Otto-Supporterinnen auch 2020 nicht auf Konflikt- oder Krisensituationen souverän regieren können, regeln Amazon-Supporter im ersten Telefonat fast alle Fälle offen, ehrlich und fair. Denn Sie bekommen die notwendigen Tools an die Hand. Hier entscheidet sich die Schlacht um die Kunden, hier entscheidet sich, ohne Gutschein oder nur mit 20% oder mehr Rabatt einzukaufen. Hier haben die BWL-Experten der "Asset"-Fraktion aus Bramfeld verloren. Der Unterschied zwischen der "Day One"-Philosophie eines Jeff Bezos und "Müssen nicht bei uns kaufen"-Arroganz der Hamburger Firmengruppe. Für Otto ist das der Anfang vom Ende. Und das beweise ich:


Nicht gegendertes Vorstands-Klo im Otto-Hochhaus:
So digital geht's hier wirklich zu.
Foto: HANSEVALLEY

*Update 06.08.2020*

Von lokal zu regional, von national zu global: Bereits bei dieser Entwicklung ist die Otto Group auf dem Abstellgleis. Beweis: Der Rückzug aus Ländern und die de facto Gleichschaltung von Baur, Otto, Schwab und Witt. Während Amazon Flugzeuge und Schiffe kauft, um die globale Logistik zu steuern und Aliexpress, Joom & Wish die nationalen Märkte erobern, ziehen sich die Bramfelder zurück. Während Amazon ein eigenes nationales Logistiknetz mit aktuell 15 Umschlagzentren und 30 Verteilstationen gespannt und mit 20 weiteren Niederlassungen ausbaut, jammert die oberste Otto-Heeresleitung über einen unfairen Wettbewerb. Der hat am Beispiel Amazon in den vergangenen 20 Jahren 20.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen, 28 Mrd. € investiert und im vergangenen Jahr 1,6 Mrd. € Steuern gezahlt - in Deutschland.


Seit 2018 verspricht Otto.de zum Marktplatz zu werden, integriert im 1. Jahr gerade einmal rd. 70 Händler - per Faxlisten. Konzernvorstand und HSBA-Absolvent Alexander Birken erinnert sich noch heute an die Frage auf der Bilanz-Pressekonferenz. Mit jeder Jahresbilanz versprechen Birken und sein Lautsprecher Voigt, jetzt tausende Händler zu onboarden - verantwortet von einem nur bedingt kund*innenorientierten Ex-BCG-Berater Klauke. Im vergangenen Jahr weist die Group-Bilanz 166 Mio. € Kosten für den Plattform-Umbau aus. Bis heute dominieren konzerneigene Händler, wie Mirapodo. Das ist die Sollbruchstelle und der Genickbruch.


1. Otto-Versand Standort 1949 in Hamburg-Schnelsen
1949 in Hamburg-Schnelsen: So fing alles mit Schuhversand an.
Foto: Otto Group

Der Schnellere frisst den Größeren: 1994 wurde Amazon in Bellevue, Washington, gegründet. 25 Jahre später weist Amazon allein in Deutschland offiziell mit 19,9 Mrd. € insgesamt 19% aller E-Commerce-Umsätze aus - eine Steigerung in nur einem Jahr um 11,8%. Der Amazon.de-Marketplace erwirtschaftet hierzulande mit gut 30 Mrd. € weitere 29% aller E-Commerce-Umsätze. Damit dominiert Amazon mit rd. 50 Mrd. € Umsatz und fast 50% alle E-Commerce-Käufe in Deutschland. Global macht Amazon 58% mit seinen Händlern - und nicht selbst. Damit wird klar, wer heute das Geld verdient, wenn man kein Fax mehr benutzt. Stand heute hat Otto.de gerade einmal 500 Marktplatz-Händler, die zumeist über Wochen händisch integriert wurden.

1949 gründet Werner Otto in Hamburg-Schnelsen mit drei Mitarbeitern einen Schuhversand - mit Geld der Sparkasse. 70 Jahre später weist die Otto Group in Deutschland E-Commerce-Umsätze von 5,4 Mrd. € aus - eine Steigerung von 5,9% - die Hälfte des vergleichbaren Zuwachses im deutschen Onlinehandel. Deutlich erkennbar: Die Otto Group ist in Deutschland nur noch 1/4 so groß wie Amazon.de - und das ohne den milliardenschweren Amazon-Marktplatz. 2018 lag das Verhältnis noch bei 1:3. Mit 3,5 Mrd. € ist Otto.de das einzige Milliarden-"Asset" der Gruppe. Das ist der Unterschied von Geschwindigkeit zu einstiger Größe. Und Otto läuft die Zeit weg, weil man bis heute rd. 3 Jahre gebraucht hat, einen automatisch funktionierenden Marktplatz zu entwickeln.

Übersicht Otto Brand Connect Strategie
Bunte Folien im Kampf gegen die bösen Plattformen: Otto Brand Connect
Foto: HANSEVALLEY

Der Gewinner von gestern - wie gesagt: Wir haben die Otto Group im April 2018 im Hamburg Digital Ranking zum hoffnungsvollsten Unternehmen in Sachen Digitalisierung an Alster und Elbe gekürt. Im Vergleich zu den damaligen Verfolgern HPA, Haspa, Hapag-Lloyd & Co. stimmte das auch. Nur zwei Jahre später sieht die Welt in Hamburg jedoch bereits ganz anders aus: Während Otto sein neues "Mitmach-Intranet" abfeiert, hat sich Marc Fielmann mit der Digitalisierung von Optikerleistungen ebenso auf den Weg gemacht, wie Lufthansa Technik mit Aviator eine digitale Plattform für Verkehrsflugzeuge anbietet und DNV GL den digitalen Zwilling für Handelsschiffe ermöglicht.

Auch heute gibt es neue, spannende Beispiele für Digitalisierung, Transformation und Kulturwandel an Alster und Elbe. Fernab von Sonntagsreden der Verbandsvertreter und Halbherzigkeiten im Koalitionsvertrag von Rot-Grün machen sich Firmen wie z. B. Fehrmann aus Hamburg daran, ihr Geschäft in die digital-vernetzte Zukunft mit 3D-Druck und Blockchain-Technologien zu führen. Was 1995 bei Otto.de mit einem der ersten deutschen Online-Shops begann, mit Projekt Collins und About You seit 2014 - im Gegensatz zu Zalando - bis dato kein Millarden-Überflieger geworden ist, droht durch globale Plattformen zur Hamburgensie zu verkümmern.

AR-App für die Möbel-Einrichtung mit Otto.de
Nettes Otto.de-Schaufenster-Projekt: Die AR-Möbel-App
Foto: HANSEVALLEY

Wenn Firmen zu Ladenhütern werden: Durch unseren Blick auf beide Freien (und) Hansestadtstaaten, die vier Metropolregionen und alle fünf norddeutschen Bundesländer rund um Nord- und Ostsee haben wir den direkten Vergleich auf Industrien in Bremen und Oldenburg, in Hannover und Braunschweig, in Rostock und Schwerin sowie in Lübeck und Kiel. Unser Fazit zur Otto Group lautet heute: Wer mit einzelnen Pilotprojekten - wie Paketauskunft via Google Home, Spültab-Bestellung der Bosch-Spülmaschine oder Wohnungseinrichtung via AR-App - glaubt, die Zukunft des E-Commerce zu gewinnen, der lebt hinterm Deich: in Hamburg. Gegenbeispiel: Amazon - ein Technologiekonzern mit eigener Hardware, eigener Infrastruktur, eigenen Software-, Apps-, Medien- und Datenservices. Denn alles wird digital, alles.

Die aktuelle Studie das Handelsinstituts EHI aus Köln untermauert unsere persönlichen Erfahrungen: Wenn wir auf Nr. Sicher gehen, dass alles klappt und im Falle eines Falles nicht den Schaden haben wollen, kaufen wir bei Amazon und auf dem Marktplatz. Wenn wir für alltägliche Artikel so wenig Geld wie möglich ausgeben wollen, kaufen bei wir Aliexpress, Joom & Co. Aber nicht bei Otto. Das sage auch ich mit rd. 2.500,- € Amazon-Umsatz im Jahr und “Diamant”-Status bei Aliexpress. Gut 18% Amazon-Pakete allein bei DHL im Jahr (heisst: rd. 288 Mio. Sendungen) und Berge über Berge von grauen China-Einschreibetüten in den Postfilialen zeigen, dass ich nicht allein bin.

Amazon Prime Mehrwert-Dienste im Zeitstrahl
Mit Systematik zu glücklichen Stammkunden: Amazon Prime.
Grafik: Amazon Presse

Zwischen Sicherheit und Schnäppchen: Wer Kunden anpöbelt, wer Journalisten beleidigt, zeigt, was er nicht kann: Zahlungsbereite Geschäftspartner mit herausragenden Leistungen bei Produkt und Service zu begeistern und so langfristig überzeugend an sich zu binden. Das ist dagegen die Philisophie der "Amazon Leadership Principals". Herausragende Leistungen können ein goldener Prime-Käfig bei Amazon mit Next Day-Delivery, freundlichen Kurierfahrern und neuen Streaming-Serien sein. Herausragende Leistungen können ebenso Spottpreise von chinesischen Direktversendern sein - ohne Gewinnmargen für Importeure und Versandhändler.

Wenn Sicherheit oder Schnäppchen die erste Wahl sind, bleibt dem E-Commerce von Otto nicht viel übrig. Die seit Jahren gebetsmühlenartig wiedergekaute Argumentation von verantwortungsvollem Handeln wird von den eingangs erwähnten Protagonisten Müller, Voigt & Co. öffentlich mit Füssen getreten. Wenn in den Online-Shops überall die gleichen Sneakers aus Vietnam, die gleichen T-Shirts aus Bangladesh und die gleichen Jeans aus China verkloppt werden, sind die von Michael Otto aufgebauten Bemühungen für eine nachhaltige Produktion und fairen Handel spätestens mit laufend offerierten 20-, 25- und 30%-Gutscheinen der Konkurrenz passé.

Die Otto Group Imagewand in der Konzernzentrale
Der Lack ist ab - der Firmenname ist auch schon ramponiert.
Foto: HANSEVALLEY
*Update 06.08.2020 *


Die Vermögensillusion von Bramfeld: Solange die Umsätze bei Otto.de & Co. die strukturellen Probleme übertünchen, solange das Hamburger Öko-System den Otto-Machern mit einem “Weiter so” auf die Schulter klopft, solange Kleinanleger mit nachrangigen Anleihen der Familie Otto frisches Kapital ins Haus spülen und die Familie auch in Krisenzeiten kräftig Geld rauszieht, wird sich an der Werner-Otto-Straße nichts ändern. Damit reiht sich der Closed Minded-Händler mit seinem Paketsklavendienst Hermes und dem Geldeintreiber EOS in die Reihe der Unternehmen ein, die mit Schaufensterprojekten ihre Lage gern öffentlich übertünchen.

Diese Projekte fliegen den Otto's auch gleich um die Ohren - z. B. das Vorgaukeln schneller Lieferungen bei Otto Group-Shops über die 6 Hermes-Hauptumschlagbasen. Entweder die Lieferung Corona-Masken wird nach 4 Wochen Wartezeit unversehens gecancelt (Danke, Otto.de!) oder Hermes braucht bis zu 2 Wochen, um in die Hufen zu kommen, wie Chip.de im Test bestätigt. Von den dreisten Lügen in den konzerneigenen Online-Shops, in 2-3 Werktagen zu liefern, ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass die Familie ihr ungeliebtes Schmuddelkind lieber heute als Morgen loswerden will und clevere Pressesprecher lieber heute denn morgen zur Mutter nach Bramfeld flüchten ...

Die Corona-Fakten sprechen eine eigene Sprache: Tausende jetzt wegfallender Jobs bei Airbus, Galeria, Lufthansa Industry Solutions und Lufthansa Technik, über 90.000 bereits arbeitslose Hamburger - gut 30% mehr als vor einem Jahr -, 368.000 Kurzarbeiter bei 24.000 Betrieben in Industrie, Hafen, Logistik und Medien - das sind fast 40% aller 1 Mio. Arbeitnehmer an Alster und Elbe. Die Zahlen zeigen der Freien und Hansestadt, über Jahre hinweg die Augen vor der Wahrheit - insbesondere der allumfassenden Digitalisierung ihrer Industrien, Dienstleistungsbranchen und der Gesellschaft - verschlossen und den Menschen rot-grünen Öko-Sand in die Augen gestreut zu haben.

Bedrohte Galeria Filiale im AEZ Shopping-Center Hamburg Pfuhlsbüttel.
Von der Schließung bedrohte Galeria im ECE-Shoppingcenter AEZ.
Foto: HANSEVALLEY

Die Beispiele sind erst der Anfang: Mit Mietausfällen, Ladenkündigungen und rückläufigen Umsätzen steht die ECE als nächster Kandidat aus der Otto-Familie zur Restrukturierung an: Hamburgs Einzelhändler melden laut City-Managerin Brigitte Engler Umsatzeinbrüche von 35-40%. Vom Wegbruch des für die eigenen “Schäfchen” genutzten Gewerbeimmobilienmarktes durch 30% weniger Büroarbeitsplätze und 50% weniger Geschäftsreisen - wie von Allianz-Chef Oliver Bäte profezeit - sowie de facto 75% Einbrüchen bei Hotelübernachtungen ganz zu schweigen. So viele Büro- und Gewerbeimmobilien in Hamburger Alt- und Neustadt können gar nicht in bezahlbare Wohnungen umgewandelt werden. Womit es ans Eingemachte selbstherrlicher Pfeffersäcke, ihrer Makler, Verwalter, Anwälte und Notare geht. Willkommen in der Krise.

Hamburgs Senats-Chefvernebler “WildWestWasserstoffMan” aka Michael Westhagemann übt sich noch in Selbstbeweihräucherung für das großzügige Verteilen von Bundeshilfen, während 1.600 Unternehmer durch den Shutdown bereits zu Sozialfällen wurden und der Export u. a. über den Hamburger Hafen im April und Mai d. J. jeweils um 30% eingebrochen ist. Das ist der ganze Blick auf die Krisen- und Katastrophenstadt Hamburg, deren vermeintliche Musterschüler Otto & Co. längst wanken und keinen Plan haben, wie sie nach Verlust der Medien- und Internethauptstadt nun den Bedeutungsverlust der Handels- und Logistikmetropole verhindern können. Stattdessen versucht man es mit Unisex-Toiletten auf dem Otto-Campus und fremden Starship-Robotern auf der “letzten Meile” - weil man damit ja die Handelskriege von Amazon und Alibaba gewinnen kann ...

Starship Roboter im Hermes Praxis-Test in Hamburg.
Mit Starship-Robotern in Hamburg im Kampf gegen die Plattformen.
Foto: Hermes Logistik


Hamburg Digital Background:

HANSEINVESTIGATIV: Die Machenschaften des Otto-Marktplatzhändlers Alexander Mendler.

HANSECHAMPIONS: Otto.de macht ernst mit digitalem Firmenumbau.

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group
hansevalley.de/2018/04/hansechampions-otto-group-innovationen.html

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html

Dienstag, 30. Juni 2020

HANSESTATEMENT: Wir alle sind ein Stück Wirecard.

Ein Hanse Digital Statement von
Chefredakteur Thomas Keup
* Update *

Nur ein Betrüger unter Deutschlands Wirtschaftsunternehmen: Wirecard.
Foto: Leo Molatore, Lizenz CC BY-SA 2.0

Blamage! Betrug! Beschiss! Die Kraftausdrücke zum "Wirecard"-Desaster können nicht kräftig genug sein. Schummelei! Sauerei! Skandal! Die Kommentatoren der Wirtschaftspresse haben alle Hände voll zu schreiben. Zumindest für ein, zwei Wochen - bis der nächste Aufreger übern Hof gejagt wird. Anders ausgedrückt: Der Beschiss ist an der Tagesordnung. Beispiele? Kursbetrug durch die "Deutsche Bank". Abgasbetrug durch "Volkswagen". Und jetzt Bilanzbetrug durch DAX-Neuling "Wirecard". Wir alle sind ein Stück "Wirecard" - jeden Tag, jeden Monat, immer wieder:

In Gesprächen mit unserer Frankfurt-Korrespondentin Yvonne Hess kam die langjährige Bankerin und Finanzmarkt-Expertin immer wieder zu einer rhetorischen Frage: 'Wieso gibt es Wirecard immer noch?' Nein, wir wissen als Digitalmagazin nicht mehr, als die britischen Kollegen der "Financial Times" und wir versuchen auch nicht, die Arbeit der Hamburger Kollegen von "finanz-szene.de" zu toppen. Aber durch unsere Einblicke in die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main sehen wir bestimmte Dinge. Und sind erschrocken.

Dreh- und Angelpunkt ist Gier.

Eigentlich wollte ich den systematischen und den Wirtschaftsprüfern von "Ernst & Young" offenbar bekannten Bilanzbetrug eines oberbayerischen Finanzdienstleisters nicht zum Thema machen, obwohl "Wirecard" als Zahlungsdienstleister für Bank- und Kreditkarten mit technologischen Vorteilen geworben hat. Inwiefern die frühere Bank hinter "N26", hinter "Allianz"-Mobile Payment sowie "Holvi"- und "Kontist"-Kreditkarten samt "Aldi"-Kartenterminals tatsächlich technologisch fortschrittlich ist, spielt nicht wirklich eine Rolle - dank digitaler Wettbewerber wie "Ayden" aus den Niederlanden oder "Concardis" aus Deutschland.

Der Dreh- und Angelpunkt des "Wirecard"-Betrugs ist ganz einfach: Gier. Gier, die wieder einmal eine Menge Hirn gefressen hat. Gier, die nicht etwa wenige verantwortungslose Top-Manager in der Chefetage von "Wirecard" in Aschheim bei München allein betrifft. Sondern eine Gier, die seit Ende der 70er Jahre zunächst in den USA, dann in West-/Europa und nun auch in Asien systematisch zum Geschäftsprinzip erhoben worden ist. Die Stichworte: "Business Administration" - statt Kaufmannslehre, "Business Opportunities" - statt Unternehmenswerte, "Quick Wins" - statt Nachhaltigkeit.

Asset Business Administration. 

Das alles erlernen "Business Administratoren" in Bachelor- und Master-Studium - statt Diplomstudiengängen - vor allem an "Business Schools" - statt Hochschulen. Die Folge: Eine "Otto Group", in denen genau jene Absolventen nach vermeintlich trackbaren KPIs die "Assets" wie "Otto.de" und Co. kaputt managen. Die Konsequenz: Kunden, die sich von überforderten Supporterinnen genervt und von überlasteten "Hermes"-Paketfahrern hängengelassen fühlen, flüchten zu "Amazon" und zu "Alibaba". Und die "Otto Group"? Deren Sprecher verunglimpft kritische Redakteure, sodass der Staatsanwalt das Wort bekommt.

Hinter der Trackbarkeit von allem und jedem steht eine Wirtschaftsphilosophie der Harvard Universität - einschl. kommerzieller Bachelor- und Masterstudiengänge. Mit US-Präsident Ronald Reagan wurde die Methode des gnadenlosen Kapitalismus Anfang der 1980er in den USA hoffähig, mit dem Export von Business Schools weltweit ausgerollt, mit der Übernahme von Bachelor und Master 1999 in Deutschland und Europa verankert. Bologna lässt grüßen. Genauso, wie die Politik: Mit den Hartz-Gesetzen von SPD-Kanzler Schröder und dem menschenverachtenden "Hartz IV" war 2005 der Dammbruch perfekt.

Wer im Glashaus sitzt, und so ...

Spätestens mit der kontinuierlichen Angst um den Verlust des eigenen Jobs, der eigenen Zahlungsfähigkeit und damit von Familie und Existenz gilt: "Geiz ist geil" - und das heißt in Psychologie-Deutsch: "Gier ist geil". Beispiel 1: Schnäppchenjäger*innen mit "Lidl-Ticket", die Geschäftsreisende hysterisch anbrüllen, wenn diese die für Vielfahrer reservierten Sitzplätze im ICE beanspruchen - verteidigt von der Chefkundendienstlerin der Bahn in Frankfurt. Weil man neue Kunden gewinnen will. Und da ist sie, die nimmersatte Gier. Beipsiel 2: Angestellte BWLer, die am Jahresende dank Verbrauchertipps auch die letzten Steuerschlupflöcher nutzen, um ihre Einkommenssteuer wegzudrücken.

Sie sind steuerehrlich? Sie sind niemals gierig? Dann werfen Sie bitte den ersten Stein. Doch Vorsicht! Vielleicht sitzen Sie ja doch im Glashaus. Das Grundprinzip der über Preis geweckten Gier macht sich auch Ihr Bankberater z. B. bei der Sparkasse zu Nutze, wenn er Ihnen mit Musterkurven hauseigene Verbundfonds und Versicherungen andreht. Das nennt man dann "Teaserprodukte". Die Möglichkeiten der globalen Abrufbarkeit von Informationen, Hintergründen und Einordnungen über das Internet haben Geschwindigkeit und Intensität des Beschisses an allen Ecken und Enden weiter massiv beschleunigt.

Die Online Marketing Abzocke.

Wenn die "Stiftung Warentest" in Sichtweite unseres Berliner Firmensitzes Verbrauchern empfiehlt, die "Vergleichsportale zu vergleichen", wenn Sie als Leser die nächste Anschaffung von Fernseher, Waschmaschine oder Bausparvertrag und Familienauto in nächtelanger Online-Recherche vorbereiten, sind sie mittendrin in der gesellschaftlich seit 2002 mit "Geiz ist geil" etablierten Form das Sparens, des Geizens, des Abzockens. Und das hat sich mit dem Online-Handel eine ganze Industrie zu Nutze gemacht: Die Online Marketing-Branche - einschließlich des vom Hamburger Senat mitfinanzierten AbzockMarketing-Festivals "OMR".

Wo wir bei rücksichtslosen Geschäftemachern sind: Jetzt ist der Aufschrei groß, "Facebook" toleriere Hass und gestatte Falschmeldungen. Jetzt schwingen sich 90+ Werbekunden als Gutmenschen auf. Jetzt, nachdem "Ben & Jerrys", "Coca-Cola", "The North Face" und "Unilever" uns über Jahre systematisch ausspioniert haben, nachdem ihre Marketing-Abteilungen über Jahre geschwiegen haben zum illegalen Verkauf von Nutzerdaten. Es ging ja nur um Werbung aka Profit. Wie verlogen ist das denn? Und wir alle wissen spätestens seit Anfang 2018 durch "Camebrigde Analytica", dass wir mit unseren vertraulichen Daten bezahlen. Aber die Gier nach einem Gratis-Account für bunte Essensbilder war größer.

Per Auktion zum Profit plus.

Warum verfolgen Sie Rucksäcke, Sneakers oder Fernseher über diverse Internetseiten hinweg, nachdem Sie diese in einem Onlineshop gesehen haben? Weil eine ganze Industrie darauf getrimmt ist, Sie zu verfolgen und zum "Checkout" zu treiben, damit Sie "konvergieren", so die neudeutschen Begriffe für Kassenzone und Kaufabschluss. Und weil der E-Commerce heute "Karstadt" und "Kaufhof" entgültig platt macht und Marktpätze morgen "Otto" und "ECE" das Genick brechen, haben sich die Online-Marketer gleich noch was einfallen lassen.

Was die Rinderauktion in Holstein und die Tulpenauktion in den Niederlanden können, das können Online Marketer schon lange: So werden Anzeigenplätze auf Internetseiten und in Mobile Apps per Auktion vergeben. Damit sind "Google", "Facebook" und die nach China verkaufte Mobile Advertising-Plattform "Smaato" groß und reich geworden. Nichts gegen Geldverdienen. Aber auch hier gilt das Prinzip der Gier, oder anders ausgedrückt: "Haben müssen" treibt den Preis hoch. Nicht Ihr Thema? Dann haben Sie noch nie alten Plunder über "Ebay" per Auktion vertickt? Sehen Sie? Nix anderes, als Online Marketing.

... und alle machen mit, gell!?

Was haben Schnäppchen-Angebote und Online-Auktionen mit "Wirecard" zu tun? Über die vergangenen 21 Jahre wurde der Shootingstar der deutschen Fintech-Szene systematisch gehypt - von Bankanalysten, die mehr Anleihen und Fondsanteile verticken konnten, von Wirtschaftsjournalisten, die mit der Erfolgsstory mehr Magazine und Online-Abos verhöckern konnten und von (bayerischen) Lokal-/Politikern, die den Traum vom ungebrochenen Wachstum mit 2018 testierten 2 Mrd. € Umsatz, rd. 350 Mio. € Gewinn und mehr als 5.000 Mitarbeitern für sich deklarieren konnten. Wenn das keine Story ist?!

Womit wir bei den kommunikativen Auswüchsen und katastrophalen Folgen des Gier-Prinzips sind: Ich rede von "Storytelling", "Sucess Stories" und "Rainmakern". Ja, wir wollen die Erfolgsgeschichten hören, ja wir wollen sie glauben und ja, wir fallen immer wieder auf das Storystelling nach den "Rainmaker principals" rein. Dabei sind wir gern bereit, den gesunden Menschenverstand abzuschalten. Jetzt wissen Sie, warum HANSEVALLEY so langweilig ist - weil wir kein "Storytelling" bringen und "Rainmaker" bei uns keine Experten für irgendwas sind - besonders keine Bachelor-Absolventen mit weißen Sneakern mit der nächsten weltverändernden "Cutting Edge"-Plattformidee. Danke, reicht.

Wenn VC zu Roulette wird.

Der erwartete Zusammenbruch von bis zu 50% der deutschen Startups in Folge der Corona-Krise, die nach dem amerikanischen Venture Capital-Prinzip (schnell aufsteigender "Rockets") alle 18 Monate ihren vermeintlichen Unternehmenswert verdoppeln, um für die nächste Runde der Risikofinanzierung weiter aufgebläht zu werden, sind das Beispiel für genau jenes US-Gier-Prinzip. Und "Wirecard" hat mit Finanzierungsrunden, Anleihen und schließlich dem Börsengang genau jene Karten gespielt, die jedes Tech-/Startup in Berlin, München oder Köln spielt - auch wenn Hamburg mit seinem "IFB"-Schnarchladen raus ist.

Um nicht auf einen falschen Pfad zu geraten: Wir brauchen mehr mutige Gründer - nicht nur "Copycat"-Startupper. Wir brauchen mehr fundierte Gründungen - wissensbasiert aus den Hochschulen heraus. Wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung - statt Gründer in den ersten Jahren über den Tisch zu ziehen und sie im VC-Laufrad im besten Fall 5-7 Jahre für Private Equity-Anleger schuften zu lassen. Die Wette nach dem VC-/Startup-Modell, dass eines von zehn "Unicorns" überhaupt zum fliegen kommen kann, ist sicher keine nachhaltige Idee für fundierte Jungunternehmen - auch wenn es einzelne Beispiele gibt.

Middelhof macht es uns vor.

Gier frist Hirn. Damit wurde und wird schon immer eine Menge Geld verdient. Und die verantwortlichen Manager von "Wirecard" sind einfach ein wenig gieriger gewesen, so, wie die Kollegen bei "Deutscher Bank" und "Volkswagen". Mit etwas Glück werden die ertappten Betrüger dank cleverer Rechtsverdreher eine milde Bewährungsstrafe kassieren, die Strafzahlungen aus der Portokasse bezahlen und im schlimmsten Fall wie Ex-Bertelsmann- und Ex-Karstadt-Plünderer Thomas Middelhof am Ende des Tages mit Büchern und Lesereisen ihr Gewissen erleichtern.

Ob Finanzsenator Olaf Scholz eine härtere Aufsicht fordert oder in China ein Sack Reis umfällt, läuft unterm Strich aufs Gleiche hinaus, denn ändern wird sich nichts. Wir haben das "Minimax-Prinzip" übernommen, bei minimalem Einsatz maximal abzukassieren - mit Schnäppchenjagd, Versteigerungen und hochriskanten Wetten. Das ist mit der Schlacht um die letzten Klopapierrollen bei der "Schlecker"-Leichenfledderei 2012 ebenso in widerlichen Bildern festgehalten worden, wie zu Beginn der Corona-Krise mit Hamsterkäufern und anschließenden "Ebay"-Auktionen von Klopapier. Wie krank kann man im Hirn sein?

Von wegen "ehrbar" handeln.

Wir haben gelernt, Kunden und Partner zu unserem Vorteil über den Tisch zu ziehen - auch und trotz "Ehrbarer Kaufleute" an Elbe und Weser. Eine ganze Zunft von Anwälten lebt davon, dass wir meinen, uns immer einen Schluck mehr aus der Pulle genehmigen zu dürfen. Natürlich kommen irgendwo irgendwelche cleveren "Game Changer" auf neue Tricks und Raffinessen, ihre Finger noch tiefer in die Torte stecken zu können - wie bei "Worldcon" 2001, "Enron" 2002 oder "Lehman Brothers" 2008 - den Originalen "Made in USA". Und so, wie wir das Gier-Prinzip übernommen haben, haben wir auch die Pleiten übernommen. "Wirecard" ist nicht der erste Betrügerladen - und sicher nicht der letzte.

Nein, wir haben nicht gelernt, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Nein, wir haben nicht verstanden, dass Werte erarbeitet und geschützt werden müssen. Nein, wir haben nicht kapiert, dass wir mit Sneakers "Made in Vietnam"; T-Shirts "Made in Bangladesh" und Handys "Made in China" Menschen ausbeuten - mit Hilfe globaler Logistikketten, die genau das ermöglichen. Jetzt müssen Hamburger Kaufleute sich nicht mehr die Finger schmutzig machen und afrikanische Sklaven in den USA gegen Rohstoffe eintauschen. Jetzt importieren sie einfach Sneakers, T-Shirts und Handys von blutigen Kinderhänden zusammengetackert.

Spreche ich mich von der Verantwortung frei? Nein, denn ich bin ein Teil genau dieses Systems - mit möglichst billigen Konsumgütern, die nach genau 2 Jahren kaputt gehen, mit Schnäppchenjagd und Online-Preisvergleich. Wie jeder von uns. Werden wir das Prinzip verändern können? Sicher nicht von heute auf morgen. Aber wir können unseren gesunden Menschenverstand wieder einschalten und versuchen, nicht zu betrügen - wie Redaktionen, die durch Datenanalyse Beiträge "Keyword-optimiert" texten, um Suchmaschinen zu bescheissen. Und warum? Aus Gier!

Auch wenn wir in tiefen Abhängigkeiten des Systems stecken, die Entscheidung zum harmlosen Schnäppchenjagen, zum eiskalt Abzocken oder zum systematisch Betrügen trifft am Ende des Tages jeder für sich. Niemand kann sich davon frei machen, denn die Gier regiert unseren Alltag, unsere Arbeit, unser Leben. Wir alle sind ein Stück "Wirecard" - und morgen gibt es eine neue Ralley um die Maximierung des eigenen Profits. Ich sehe schon die widerwärtigen Bilder bei der Leichenfledderei von "Galeria Kaufhof" und "Karstadt Sports" auf der Hamburger Mö. Traurig ... 



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