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Dienstag, 8. Januar 2019

HANSEBUSINESS: Digitale Lösungen für Einzelhandel und Handwerk in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Die Freie und Hansestadt in Digitalisierung und Transformation
Grafik: Handelskammer Hamburg/gutentag-hamburg.de

Das WeltWirtschaftsInstitut HWWI hat in einer aktuellen Studie für das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg Rahmenbedingungen für die Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in der Hansestadt erarbeitet. Zu den Hauptforderungen gehören die Kooperation des Einzelhandels wie auch das Handwerks untereinander, verbunden mit dem Aufbau gemeinsamer Onlineplattformen für den Vertrieb und gemeinsamer, digitaler Infrastrukturen für Fertigung und Logistik. Dazu sollten KMU ihre Mitarbeiter für das Geschäft in der digital-vernetzten Welt flexibel und fortlaufend schulen. Ein Hamburg Digital Report:

Für den lokalen Einzelhandel schlägt die Studie eine Digitalisierungstrategie mit gemeinsamen Vertriebsplattformen vor (vgl. "Online City Wuppertal") - inkl. gemeinsamer Shopsysteme, Schulungen und Lieferservices. So können lokale Betriebe auf der "letzten Meile" durch gemeinsame Lager vor Ort, taggleiche Lieferung, gemeinsame Paketstationen (vgl. "Kiekmo") und Kuriere mit Lastenfahrrädern (vgl. "City-Logistik" Hamburg) gegen Online-Riesen und nationale Paketdienste punkten.

Auch im regional verankerten Handwerk gehen die Wissenschaftler für die Zukunft von gemeinsamen digitalen Vertriebsplattformen aus. Die digitalen Systeme sollten auch Online-Schnittstellen für die Wartung von technischen Anlagen bei Kunden besitzen. Als besonders erfolgversprechend nennen die Autoren der Studie die Kooperation verschiedener Gewerke in einem Quartier mit dem Ziel eines ganzheitlichen, abgestimmten Angebots auf lokaler Ebene.

Vernetzung und Kooperation, Plattformen und Shared Services

In Sachen Infrastruktur schlagen die Herausgeber produzierenden Betrieben vor, sich in lokalen Gewerbehöfen (vgl. "Handwerkerhof Ottensen") zusammenzuschließen und dort digitale Technologien wie den 3D-Druck zu nutzen. 3D-Druckzentren könnten sowohl für gewerbliche wie für private Aufträge vor Ort zur Verfügung stehen und die Entwicklung von Konsumenten als Produzenten (vgl. "Prosumenten") im Quartier fördern.

Im Bereich Verkehr schlägt das Papier die Einführung einer City-Maut und ein Peak-Load-Pricing vor, um Stadtteile von Parksuchverkehr durch Pendler und unnötigen Lieferverkehren seitens LKW und Kleintransportern zu entlasten. Neben gemeinsamen Lagern und Zustellern lokaler Händler können z. B. Restaurants außerhalb der Öffnungszeiten als Abholstationen für Pakete dienen (vgl. "Shared Spaces"). Generell sollte die Stadt bei Ihren ITS-Moblitätsanstrengungen Arbeitsstätten und Einzelhandel in den Stadtteilen mit berücksichtigen.

HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel spricht Klartext.
Foto: HWWI

HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel sagt gegenüber HANSEVALLEY zu den Kernpunkten der Studie: 

"Die digitale Transformation von Unternehmen und Städten weist viele gemeinsame Handlungsfelder auf, so dass eine gemeinsame Strategie sinnvoll ist, um die Transformation wechselseitig zu beschleunigen. Quartiere können die Potenziale der Dezentralisierung, die aus der Digitalisierung resultieren, nutzen, um über Communities und Plattformen integrierte Lösungen zu entwickeln, z. B. im Bereich der Logistik und des Handwerks.

Als Bindeglied können laut Studie z. B. die öffentliche Verwaltung, Mobilitätsangebote und die Energieversorger dienen.

Als besondere Herausforderungen für Unternehmen nennt die Studie die zunehmende Geschwindigkeit der Veränderungen durch digitale Entwicklungen sowie parallel stattfindende Umbrüche. Dies birgt ebenso Risiken durch steigende Komplexität wie auch Chancen durch mögliche Synergien. Bei den Lösungen pointiert das HWWI sowohl auf branchenspezifische Veränderungen wie auf die Auflösung klassischer Branchengrenzen, z. B. durch Plattformen.

Geschwindigkeit und Komplexität, Branchen und Plattformen 

Die Studie legt ihren Schwerpunkt auf kleine und mittelständische Unternehmen. Mit 102.000 Betrieben stellen KMU mehr als 99% aller Unternehmen an Alster und Elbe. Die Studie beleuchtet u. a. die Chancen für 16.000 Einzelhandelsbetriebe und 5.200 Gastronomieeinrichtungen in den Bezirken. Mit 16.000 Handwerksbetrieben und 10.200 Produktionsunternehmen ist das verarbeitende Gewerbe ein weiterer wichtiger Faktor zur Transformation der Wirtschaft in Hamburg.

Damit kleine und mittelständische Unternehmen ihre Chancen wahrnehmen können, fordert die Erhebung im Auftrag des Hamburger Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0 berufs- und lebensbegleitende Bildungs- und Qualifizierungsangebote. Diese müssen zunehmend von Unternehmen selbst angeboten werden. Daneben sollte die Stadt öffentliche Angebote mit der betrieblichen Weiterbildung stärker abstimmen. Vermittler zwischen städtischen und privaten Aktivitäten können branchenübergreifende "Cross-Cluster"-Initiativen sein.

Ergebnisse und Herausforderungen, Lösungen und Best Practices

Am 31. Januar d. J. lädt das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg unter dem Titel "Die intelligente Stadt" zu einer Informationsveranstaltung in das HWWI ein. Dort werden die Ergebnisse der Studie sowie Lösungen und Best Practices im Detail vorgestellt und anschließend Chancen sowie Herausforderungen für Handel, Handwerk und Logistik diskutiert. Interessenten können sich online kostenlos anmelden. Die Studie "Mittelständische Unternehmen als Teil der Smart City" kann beim beim HWWi heruntergeladen werden. 

 Hamburg Digital Background: 

Studie "Mittelständische Unternehmen als Teil der Smart City" - HWWI:

Veranstaltung "Die intelligente Stadt" - Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg:

Infoportal Digitalisierung - Handelskammer Hamburg:

Mittwoch, 18. April 2018

HANSECHAMPIONS: Auf dem Weg zur digital-vernetzten Industrie 4.0

HAMBURG DIGITAL REPORT

8. Februar d. J., Albert-Schäfer-Saal in der Handelskammer am Adolphsplatz. Gut 150 Vertreter aus Großindustrie und Mittelstand, Wissenschaft, Kammer und Politik treffen sich zum 2. Dialogforum Industrie 4.0. Die Präsentationen, Workshops und Diskussionen sind das Follow-up der Anfang 2015 aus der Taufe gehobenen Plattform zur Sensibilisierung und Vernetzung der Hamburger Industrie - auf dem Weg in die digital-vernetzte Zukunft.


Industrieller Vordenker an der Alster: Andreas Pfannenberg
Foto: Pfannenberg Group

Diplom-Ingenieur Andreas Pfannenberg sitzt in der 1. Reihe, ist Initiator und Motor der industriellen Vernetzung rund um die Alster. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Industrieholding in Bergedorf und Sprecher der Dialogplattform Industrie 4.0. Was macht Industrie 4.0 aus? Und welche Chancen bieten sich für Hamburger Produzenten auf dem Weg in die Zukunft. Ein Hamburg Digital Report:

"Die Digitalisierung erlaubt, Dinge viel transparenter zu machen und den Kunden zielgerichteter zu analysieren und anzusprechen." Andreas Pfannenberg ist ein offen wirkender Unternehmer. Im Konferenzraum seiner Verwaltung im Industriegebiet von Moorfleet steht er Rede und Antwort. Gut 260 Mitarbeiter arbeiten in Hamburg für den Elektro- und Elektronikspezialisten, rd. 500 Mitarbeiter sind es weltweit in der Firmengruppe. Der Familienunternehmer produziert industrielle Kühlanlagen, Steuerungsanlagen für die Klimatisierung und Signaltechnologie. 


Pfannenberg-Kundenssoftware "PSS" zur Industrieanlagen-Planung
Foto: Pfannenberg Group

Pfannenberg ist Unternehmer in 2. Generation. Der Vater einer 28-jährigen Tochter hat mehr als 35 Jahre Industrieerfahrung. Der studierte Elektrotechniker ist 1987 ins Familienunternehmen eingestiegen. Der Wellingsbütteler ist stolz auf den Industriestandort: mit Kupfer, Aluminium und Stahl, mit Geräten und Maschinen und dem traditionsreichen Schiffs- und Flugzeugbau ist Hamburg der größte Industrieproduktionsstandort der Republik. Dazu kommen neue Kompetenzen, wie der 3D Druck, zunächst mit Metalldruck für Airbus & Co. - mittlerweile auch in Kunststoffen unterwegs. Das Laserzentrum Nord und die Partner im neuen 3D Druck-Netzwerk Hamburg machen's möglich.

Wer schiebt sich zwischen die eigenen Produkte und Kunden?

Industrie 4.0 ist eines der Buzzwords des Jahr: ob Dialogforum, Kompetenzzentrum oder Masterplan - die digital-vernetzte Industrie gilt neben der additiven Fertigung von Kunststoff- und Metallteilen eines der Wachstumsthemen zu sein. "Ich kann nicht verstehen, wenn Unternehmen sich mit der Digitalisierung nicht aktiv beschäftigen", fasst es der stellvertretende Vorsitzende des Industrieverbandes Hamburg zusammen. Es sei keine Zeit zu verlieren, denn die Gefahr ist da: Wer schiebt sich zwischen die eigenen Produkte und Kunden? Globale Plattformen - z. B. in schneller, agressiver Startup-Methodik - erobern immer mehr Bereiche des B2B-Sektors.


Fördern Industrie 4.0 in Hamburg: BWVI, DGB, HK und IVH
Foto: BWVI 

Der Dreh- und Angelpunkt: Wenn eine Plattform reine Leistung statt eines physischen Produkts anbietet, wird der Hersteller zum Lieferanten im Hintergrund - und ist austauschbar. Beispiele, wie Airbnb mit Privatunterkünften und Booking.com mit Hotelzimmern, Uber mit Limousinen und Amazon mit Marktplatzhändlern sprechen eine eigene Sprache. Der (End-)kunde kauft lediglich die Leistung, zusammen mit Kundendienst und Liefergarantien. Wie die Leistung erbracht wird und zu welchem Preis, tritt in den Hintergrund.

Mit veränderten Geschäftsmodellen steht Performance im Mittelpunkt

Andreas Pfannenberg sieht einen eindeutigen Wandel von Verkauf und Dienstleistungen zur Lieferung und Betreuung von Leistungen. Beispiel: Rolls Royce vermietet heute bereits Flugzeugtriebwerke auf Basis von Betriebsstunden. Der Wandel von der reinen Produktion zur Lieferung garantierter Leistung kommt. Und sie setzt industrielle Hersteller unter Druck. Standen bisher die Produktion, Fehlquote und der Absatz im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns nicht nur Hamburger Familienunternehmer, wird's in einer Welt garantierter Leistung knifflig.


Daten stehen im Mittelpunkt in Industrie und Dienstleistung.
Foto: HPA

Plötzlich stehen reale Daten in Echtzeit im Fokus des Interesses, um seinen Job machen zu können. Andreas Pfannenberg, neben Handelskammer und Industrieverband als Vorsitzender des Zentralverbandes der Elektroindustrie in Hamburg und Schleswig-Holstein engagiert, hat genau für die Herausforderung vor 4 Jahren die Dialogplattform Industrie 4.0 gegründet. Grund: Mit veränderten Geschäftsmodellen rund um garantierte Leistungen stehen nicht mehr nur Produkte und Garantien, sondern Performance und Kommunikation im Mittelpunkt des Geschäfts.

"Die Digitalisierung hilft, neue Geschäfte aufzubauen, die nicht möglich waren"

Damit ist weitgehende Transparenz in Fabrikhalle und Geschäftsbetrieb A und O für den Geschäftserfolg. Forschung und Entwicklung, Produktion und Geschäftsführung müssen ganz andere Fragen beantworten: Was muss ich tun, bevor etwas ausfällt? Um das zu wissen ist eine kontinuierliche Erfassung von Produktions- und Betriebsdaten notwendig - und genau das ist jetzt ohne größere Probleme möglich. Denn Daten bieten die Transparenz, mit servicebasierten Geschäftsmodellen nicht Schiffbruch zu erleiden. 


Engagiert für die digital-vernetzte Industrie: Die Handelskammer
Foto: HANSEVALLEY

"Die Digitalisierung hilft, neue Geschäfte aufzubauen, die bislang so nicht möglich waren"; gibt Andreas Pfannenberg im tiefgreifenden Gespräch auf Moorfleet zu Protokoll. In seiner eigenen Firmengruppe investiert er jährlich bis zu 7% weltweit in Forschung und Entwicklung. Und das ist auf Nachfrage ein Millionenbetrag. Zu den Geschäftsmodellen hat er eine logisch aufeinander aufbauende "Produkttreppe" für das künftige Geschäft mit garantierter Leistung zu marktgerechten Konditionen.

"Digitalisierung ist ein Enabler für neue Geschäftsmodelle."

Wurde in der Vergangenheit der Monteur gerufen, wenn die Maschine ausfiel, waren die Kosten durch Produktionsausfall, Reparaturleistung und Ersatzteile hoch. Von der reaktiven Instandsetzung sind wir zu vorausschauender Wartung (Preventive Maintenance) gekommen. Wie bei VW oder Airbus gehen auch Industriemaschinen in regelmäßige Wartung, um Verschleissteile auszutauschen und den Betrieb zu sichern. Dank realer Daten in Echtzeit sind nun vorausschauende Wartung und Pflege (Predictive Maintenance) möglich.


Daten schaffen Transparenz in der vernetzten Industrieproduktion
Foto: nIT Lemgo, Lizenz: CC BY-SA-30

Mit Echtzeit-Daten durch Sensoren und Sender können reale Erfahrungswerte analysiert und zu vorausschauenden Empfehlungen aufgewertet werden. Der Effekt: nicht nur vorausschauende Wartung von Industrieanlagen, sondern auch flexible Wartungsintervalle, wenn sie wirklich nötig ist. Damit erzeugen Hersteller als Betreiber der Maschinen wertvolle Informationen - und die sparen beim Kunden bares Geld. Digitalisierung in der Industrie heißt für den Hamburger Unternehmer Pfannenberg nicht umsonst: Wie erzeuge ich den Pull-Effekt? 

"Was wir lernen müssen, ist übergreifender zu kooperieren."


Bleibt die Frage, welche Rolle Startups spielen in einer Welt Daten und Geschwindigkeit. Andreas Pfannenberg - mit seinem Unternehmen seit 3 Jahren zusammen mit einem strategischen Partner am Hamburger Middleware-Softwarestartup "Cybus" beteiligt - hat einen klaren Blick für das Mögliche: "Die Skalierung im B2B ist wesentlich schwieriger." Zugleich sieht er pfiffige Tech-Startups durchaus als Chance für die Hamburger Wirtschaft. Und ermutigt Startups zugleich: "Die sollen auch ihre eigenen Märkte entwickeln." 

Kundenorientiert, schnell, flexibel: Startups helfen bei Innovationen
Foto: mediaserver.hamburg.de / Timo Sommer + Lee Maas

Wenn sich interessante Perspektiven ergeben, sieht der Familienunternehmer auch in Zukunft die Option, sich selbst zu beteiligen. Als Mentor von Jungunternehmen sieht er Kultur, Arbeitsweisen und die Kommunikation als Chance für traditionelle Firmen. "Was wir lernen müssen, ist übergreifender zu kooperieren." Pfannenberg greift die "Hamburger Bescheidenheit" auf. In kundenzentrierten Märkten spielen Daten und damit verbundene Services die Schlüsselrolle. Sie werden in der eigenen Produktion ebenso erhoben, wie in der Distribution und im Betrieb beim Kunden. Und das bedeutet Kollaboration. 

Hamburger Unternehmen sind nicht besonders gut im verschwinden.

Nachgefasst, wie es mit der Digitalisierung in der Pfannenberg-Gruppe aussieht, ist der Firmenlenker sympathisch direkt: "Das geht nicht von heute auf morgen." Er sieht im eigenen Haus eine offenere Kommunikation, mehr Projektstrukturen und eine übergreifende Zusammenarbeit der IT - im Datenmanagement ebenso, wie im Marketing. Die Herausforderung auf Moorfleet ist ebenso, wie überall der kulturelle Wandel. "Wir haben den Weg bewußt eingeschlagen und wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen. Aber wir denken nicht in Quartalen", fasst Andreas Pfannenberg zusammen.


Die Digitalisierung erfasst alle Bereiche der Hamburger Wirtschaft
Foto: mediaserver.hamburg.de / Doublevision

Auf die Herausforderung anderer Hamburger Familienunternehmer in Industrieverband, Elektroindustrie und Handelskammer, nach gut 800 Jahren Tradition erfolgreich in die digital-vernetzte Zukunft zu kommen, hat Andreas Pfannenberg zwei interessante Perspektiven: 1. "Digitalisierung allein kann ein Unternehmen nicht bewegen". Und 2.: "Wenn sie nicht innovativ sind, verschwinden sie. Ich glaube nicht, dass Hamburger Unternehmen besonders gut im verschwinden sind." Das wollen wir alle hoffen.

 Hamburg Digital Background: 

Nachbericht Dialogplattform 08.02.2018:
hwww.hk24.de/servicemarken/presse/pressemeldungen/pm-08-02-18-industrie40-mittelstand/3978100

Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0:
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/industrieplatz_hamburg/Industrie_4_0/Hamburger_Dialogplattform_Industrie_4_0/1152124

Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg:
https://kompetenzzentrum-hamburg.digital/

3D Druck-Netzwerk Hamburg:
www.3d-druckhamburg.de/

Branchenüberblick Industrie in Hamburg:
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/industrieplatz_hamburg/branchenueberblick/3162454

Handelskammer-Initiative "Digital Voraus":
www.hk24.de/produktmarken/beratung-service/digitalisierung

Sonntag, 10. September 2017

HANSEPERSONALITY Adrian Ulrich: Wir wollen, dass möglichst viele auf der digitalen Bugwelle reiten.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Die Hamburger Handelskammer auf dem Weg in die Zukunft: Nach der Kammerwahl und dem "Rebellensieg" geht es an die Arbeit: Die altehrwürdige Vertretung muss sich umfassend modernisieren - in ihrer Organisation ebenso wie gegenüber der Unternehmerschaft. Ein Schlüsselelement ist die Digitalisierung.


Die drei Wahlbündnisse haben in unseren "Digitalen Wahlprüfsteinen" ihre Positionen zur digitalen Zukunft von Kammer und Wirtschaft platziert. Was passiert am Adolphsplatz, damit Hamburg nicht ins Hintertreffen gerät und die Kammer zukunftsfähig wird? Unser HANSEPERSONALITY ist Adrian Ulrich, Geschäftsführer und Leiter der Abteilung IT, Medien und Kreativwirtschaft der Handelskammer Hamburg:

EIN RÜCKBLICK:


Handelskammer-Digitalisierer Adrian Ulrich
Foto: Christian Stelling
Am 1. November vergangenen Jahres hat das "Kompetenzzentrum Hamburg – Mittelstand 4.0" seine Arbeit aufgenommen. Neben gemeinsamen Veranstaltungen stehen Projekte mit dem Hamburger Mittelstand im Fokus des 3-jährigen Projektzeitraums. Wie weit ist die Hamburger Wirtschaft bereits involviert, sich für die digital-vernetzte Geschäftswelt fit zu machen?

Über 90 Prozent unser Mitgliedsunternehmen sind nach eigenem Bekunden in ihren Geschäfts- und Arbeitsprozessen von der Digitalisierung betroffen. Positiv ist dabei, dass mehr als Drei-Viertel der Unternehmen in der Digitalisierung tendenziell eine große Chance für sich sehen. Hilfe wird jedoch benötigt, die digitale Transformation in den Unternehmen konkret umzusetzen. Mit unserem "Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum“ begleiten wir Unternehmen bei ihren Digitalisierungsprojekten vor Ort. Die Nachfrage von Seiten der Unternehmen ist bereits jetzt größer, als unser Angebot.

Aktuell begleiten wir Projekte in rund 10 mittelständischen Unternehmen. Dabei geht es sowohl um den Einsatz von cyber-physischen Systemen, etwa zur automatisierten Lokalisierung von Waren im Lagerbereich, als auch die digitale - und damit papierlose - Abbildung von Daten im Produktionsprozess oder um die Implementierung eines digitalen Wissensmanagements im Vertrieb. Allein diese drei Beispiele machen deutlich, dass mithilfe unseres "Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums" der digitale Transformationsprozess in Hamburg sehr konkret angeschoben wird.

DER EINBLICK:

Die Handelskammer Hamburg hat eine interne Arbeitsgruppe zur Digitalisierung der Organisation unter Leitung von HSBA-Geschäftsführer Uve Samuels eingerichtet. Welche Bereiche sind in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt und wo sehen Sie in den kommenden Monaten deutlichen Handlungsbedarf?


Mit einer Vielzahl an Basis-Informationsveranstaltungen zu Themen wie Website, SEO, Online Marketing, IT-Sicherheit etc. versuchen wir bereits seit längerem, grundlegendes digitales Wissen in alle Unternehmen zu transportieren. Der Wunsch nach Unterstützung bei der Transformation ist in manchen Unternehmen aber bereits jetzt deutlich tiefgehender. Daher nehmen wir uns z.B. mit der "Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0" seit etwa zwei Jahren auch branchenspezifischen Herausforderungen verstärkt an.

Unsere Erkenntnis ist, dass es den Unternehmen nicht immer nur um inhaltlichen Erkenntnisgewinn geht, sondern die Vernetzung mit anderen Unternehmen, die vor denselben Herausforderungen stehen, ein wesentlicher Mehrwert ist, den die Kammer bietet. Insofern werden wir in den kommenden Monaten unter anderem ein Hamburger 3D-Druck-Netzwerk ins Leben rufen, um genau diesen Erwartungen bei dieser innovativen Technologie gerecht zu werden.

Bezogen auf die Digitalisierung der eigenen Prozesse und der Erbringung von Dienstleistungen gegenüber unseren Mitgliedern sehen wir die klare Notwendigkeit, digitaler und damit effizienter zu werden. Wir haben in den vergangenen Wochen 50 bis 60 Projektideen in diesem Feld definiert, die allesamt auf dieses Ziel einzahlen und die wir jetzt - auch mit Unterstützung des gerade neu zusammengesetzten Ausschusses für Digitale Wirtschaft - priorisieren und anpacken wollen.


Die Handelskammer unterstützt zahlreiche Initiativen an der Schnittstelle zwischen "New Business" und "Old Economy" - z. B. mit dem Eventformat 12min.COM "Caps'N'Collars". Welche Initiativen halten Sie für nützlich und wo beabsichtigen Sie, in den kommenden Monaten Korrekturen im Kurs der Handelskammer vorzunehmen?

NextReality-Contest am 28.11.2017 in der Handelskammer.
Grafik: NextRealtiy Hamburg
Innovationen entstehen heutzutage vielfach dort, wo Startups und Corporates zusammenwirken. Unsere Handelskammer ist dafür der ideale Nährboden, da alle Unternehmen dort Mitglied sind. Mit innovativen Veranstaltungs-Formaten wie z.B. „12min.COM -Caps'N'Collars“ aber auch dem „App-Contest Hamburg“ haben wir uns auf den Weg gemacht, den Austausch beider Zielgruppen mit innovativen, häufig technologieorientierten Formaten zu ermöglichen, die in eher klassischen Vortragsformaten nicht ausreichend zusammengebracht wurden. Insofern sehe ich u.a. in der Hamburg Animation Conference aber auch in dem für Herbst stattfindenden „NextReality-Contest“ die richtigen Ansätze, um diesen Weg konsequent zu stärken.

Die Handelskammer hat vor wenigen Tagen auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Breitbandverfügbarkeit in Hamburg zu verbessern und deutliche Kritik an den bestehenden Aktivitäten des Hamburger Senats geübt. Woran fehlt es konkret und was fordert die Kammer für ihre Mitglieder?

Laut Breitbandatlas haben über 95 Prozent der Hamburger Haushalte die Möglichkeit auf einen Breitbandanschluss von mindestens 50 Mbit/s zuzugreifen. Damit ist Hamburg im Vergleich zu vielen ländlichen Regionen grundsätzlich gut aufgestellt. Man darf sich durch diese Zahl aber nicht darüber täuschen lassen, dass gerade in Gewerbegebieten diese Bandbreiten nicht in diesem Umfang zur Verfügung stehen. Dabei sind laut unserer Umfrage für 85 Prozent der Unternehmen 50 Mbit/s die Mindestvoraussetzung für den unternehmerischen Erfolg.

In drei bis fünf Jahren werden die Hälfte aller Hamburger Unternehmen sogar bereits mindestens 100 Mbit/s benötigen. Das jetzt im Herbst startendende Förderprogramm von Stadt und Bund reicht daher nicht aus. Vielmehr muss ein weiteres Förderprogramm sicherstellen, dass alle Hamburger Gewerbegebiete bis zum Jahr 2020 mit Glasfaser versorgt werden und damit ein leistungsfähiges Internet mit Bandbreiten von mindestens 1 Gbit/s haben.

EIN AUSBLICK:

Die Handelskammer stellt unter der neuen Führung kleine und mittelständische Firmen in den Mittelpunkt der Arbeit. Für KMUs sind qualifizierte Informationen zu den Herausforderungen der Digitalisierung besonders essenziell. Was unternimmt die Handelskammer in den nächsten Monaten, um KMUs hilfreich zur Seite zu stehen?

Zunächst haben wir die bereits bestehenden Angebote stärker gebündelt und vermarkten dies jetzt einheitlich unter dem Claim „Digital Voraus“. Gleichzeitig haben wir erkannt, dass neben den Mega-Themen wie z.B. Industrie 4.0 viele unserer Mitgliedsunternehmen weiterhin einen hohen Informationsbedarf bei digitalen Basis-Themen haben, wie der Nutzung von Social Media, Suchmaschinenoptimierung, Websitegestaltung, IT-Sicherheit etc. Mit einem „Digitalisierungs-Lotsten“ werden wir ab Oktober die Arbeit der Handelskammer an dieser Stelle sehr zielgerichtet ergänzen. 



Kammer-Initiative "Digital Voraus" zur Vernetzung der Wirtschaft
Grafik: Handelskammer Hamburg

Darüber hinaus zeigt unsere kürzlich durchgeführte Befragung zur Breitbandverfügbarkeit in Hamburger Unternehmen, dass es an vielen Stellen in Hamburg bereits an infrastrukturellen Grunderfordernissen zur Digitalisierung mangelt, insbesondere in den Hamburger Gewerbegebieten. Hier werden wir kurzfristig in den Dialog mit der Politik und den Infrastrukturanbieten treten, um diese Lücken zu schließen.

Die neue Kammerführung hat im Wahlkampf die Forderung aufgestellt, dass jeder Auszubildende und jeder Ausbilder in Hamburg mit einem Tablet ausgestattet werden sollte. Der Präses hat daher einen digitalen Ausbildungsgipfel angekündigt. Welche digitalen Themen und Schwerpunkte dürfen wir auf dem Gipfel erwarten?

Das Voranschreiten der Digitalisierung wird massive Veränderungen der Arbeitswelt und der beruflichen Tätigkeiten nach sich ziehen. Routinetätigkeiten werden vermutlich zukünftig in großem Maße automatisiert. Umgekehrt werden wir zukünftig aber vermehrt Arbeitsplätze haben, bei denen Abläufe und Prozesse überwacht und ggf. auftretende Probleme behoben werden. Die entscheidende Frage ist, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die berufliche Aus- und Weiterbildung haben werden.

Beim Digitalisierungsgipfel wollen wir deshalb vor allem beleuchten, wie wir unsere Berufsausbildung für die Zukunft fit machen und auch attraktiv halten können. Gemeinsam mit den Stakeholdern der Berufsbildung wollen wir darüber diskutieren, welche Ansätze für neue oder novellierte Aus- und Weiterbildungen bereits heute in Arbeit sind und welche wir zukünftig benötigen. Auch wird es um die Frage gehen, ob unsere derzeitigen Prozesse und Abläufe zur Neu- und Weiterentwicklung von Berufen geeignet sind, erforderliche Neuerungen schnell genug umzusetzen.

HAMBURG-FRAGE:

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Wie gut sehen Sie unsere Stadt in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung aufgestellt, die tiefgreifenden Umbrüche durch die fortschreitende Digitalisierung zu meistern und welche Forderungen haben Sie als führender Kammervertreter an die Politik, den "Digitalen Kurs" zu optimieren?

In den vergangenen drei Jahren ist in unserer Stadt an vielen Stellen eine Menge im Kontext der Digitalisierung passiert. Neben der sehr zu begrüßenden „Digital First“-Strategie der Stadt, den geplanten Investitionen von 23 Millionen zum Aufbau einer Informatik-Plattform an den Hochschulen unter dem Claim „Ahoi Digital“, und natürlich dem von Seiten der Wirtschaft forcierten „Smart Port“-Aktivitäten in unserem Hafen. Doch schon an dieser kurzen Aufzählung wird deutlich, dass es viele einzelne Bausteine sind, denen es an einer gemeinsamen Marke zur Innen- und Außenkommunikation fehlt. Wir laden daher alle Akteure Hamburgs ein, gemeinsam mit der Handelskammer „Digital Voraus“ gehen!

Vielen Dank für die klaren Worte!

Das Interview führte Thomas Keup.
*  *  *

 Hamburg Digital Background:

"Digital Voraus" - Initiative der Handelskammer
www.digital-voraus.de 

Kompetenzzentrum Hamburg - Mittelstand 4.0
https://kompetenzzentrum-hamburg.digital/

Überblick IT-Wirtschaft in Hamburg
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/it/branchenueberblick/3162474

Überblick Medien und Kreativwirtschaft Hamburg
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/medienwirtschaft-kreativwirtschaft/branchenueberblick/3162582