Posts mit dem Label Transformation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Transformation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. Dezember 2020

HANSEVALLEY 2020: Ein Jahr digitaler Norden.

HANSE DIGITAL REVIEW




Liebe Freunde und Partner,
liebe Leserinnen und Leser:

Ein Jahr digitaler Norden - das war für uns ein Jahr voller Wow-Effekte, voller leuchtender Augen, aber auch ein Jahr herber Enttäuschungen zu vermeintlichen Leuchttürmen. Ohne Umschweife auf den Punkt gebracht: Aus unserer Sicht läuft Niedersachsen mit zahlreichen Initiativen u. a. in den Metropolregionen Hannover und Nord-West in Sachen Digitalisierung und Transformation in Norddeutschland vorneweg. Hannover auf den Fersen ist nach der Rückschau aus über 1.800 Hanse Digital Nachrichten vor allem Schleswig-Holstein mit eigenen Akzenten zur Digitalisierung im Schulterschluss mit Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung - aber auch mit Stiftungen, Verbänden und Vereinen.

Unser Überraschungsland 2020 im Reigen der fünf norddeutschen Küstenländer ist Bremen mit Bremerhaven. Hat uns in Niedersachsen vor allem der "Digitalbonus" zur Förderung digitaler Technologien und Geschäftsmodelle in KMUs überzeugt und im echten Norden das "Accelerator"-Programm zum Kennenlernen der Digitalisierung in den Städten und Gemeinden zwischen Flensburg und Lauenburg, begeistern uns die Bremer mit einer überzeugenden Digitalisierung der Bildung - mit Tablets für alle Schüler und Lehrer, mit Personal für Technik und Weiterbildung. Obendrein geht man an der Weser im Rahmen der neuen Innovationsstrategie 2030 offen mit den eigenen Herausforderungen um.

Der digitale Norden: Niedersachsen und der echten Norden laufen vorne Weg.

Der digitale Norden: www.hansevalley.de

Wenn wir über Bremen sprechen, müssen wir auch über Hamburg reden: Vor einem Jahr waren wir an dem Punkt, das Hamburg Digital Magazin zu schließen - denn die Provinzialität und Selbstverliebtheit an Alster und Elbe mögen für touristische Sprüche - "Weil wir Hamburg sind" - ausreichen, ebenso wie für Schaufenster-Projekte zum Klimaschutz (z. B. Sperrstreifen auf dem Jungfernstieg). Die hanseatischen "Pfeffersäcke" sind im digitalen Vergleich der norddeutschen Großstädte jedoch bestenfalls "so mittel". Einzige Ausnahme ist die Intelligente Mobilität - dank eines visionären Wirtschaftssenators Frank Horch. Zwar gibt es in der Handels- und Logistikmetropole zahlreiche Initiativen. Die meisten Projekte schaffen es jedoch nicht über den Deich hinaus.

Auch wenn Mecklenburg-Vorpommern mit der Aufrüstung um 4G-Masten zur Schließung von über 230 "weißen Flecken" und der flächendeckenden Breitbanderschließung eine Menge zu tun hat, die Digitalisierung ist im Nord-Osten ebenso ein Thema: Mit bis zu 20.000,- € "Digital-Trans"-Förderung für KMUs seit 2018 und 6 "Digitalen Innovationsräumen" für Gründer, KMUs und Einwohner hat die Landesregierung eine Grundlage gelegt. Die Startup-Zentren an den Universitäten Rostock und Greifswald zeigen, dass pfiffige Ideen, visionäre Geschäftsmodelle und zukunftsweisende Startups längst fernab von Berlin, München oder Hamburg in den Regionen entstehen. Trotz unterschiedlicher Koalitionen in den fünf Nordländern sehen wir unter dem Strich fast überall spannende, zukunftsweisende Ansätze auf dem Weg in die digitale Zukunft.

Der digitale Norden: Wer nicht jetzt auf KI setzt, hat schon verloren.

Das Hanse KI Magazin: www.hansemachine.de

Eines der Zukunftsthemen im digital-vernetzten Norden ist Künstliche Intelligenz. Unsere mehr als 53.000 Unique User der HANSENEWS konnten in diesem Jahr feststellen: Die beiden Leuchttürme für KI im Norden heißen Bremen mit umfassender Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie Lübeck mit gezielter Anwendungsentwicklung und Umsetzung v. a. in der Medizin. Gespannt schauen wir nach Hamburg, ob es die Hanseaten an der Elbe schaffen, aus ihren Initiativen "AI.Hamburg" und "ARIC" ein echtes KI-Wirtschafts- und Wissenschaftsnetzwerk und einen echten Leuchtturm zu entwickeln. Aus unserer Sicht hat Hamburg eine Chance in der praktischen Anwendung von Artifical Intelligence in den verschiedenen Wirtschaftsbranchen - über Neue und Alte Stadt-/Wälle hinaus.

Mit dem Blick auf den ganzen Norden haben wir im vergangenen Jahr unseren Fokus auch um die Forschung und den Transfer an Universitäten und Hochschulen erweitert. Mit 3 der 10 führenden Köpfe für KI und 2 von 10 maßgeblichen Technologien laut "KI 50" der Gesellschaft für Informatik spielt die Universität Bremen in einer Liga mit Aachen, Berlin, München oder Tübingen. Der künftige "KI-Campus" der "Jacobs University" und 2 KI-Transfer-Zentren für Industriepartner und KMUs werden die Position der Wesermetropole weiter stärken. Auch beim Thema Ausgründungen glänzen die Bremer laut Startup-Monitor bundesweit auf Platz 4. Hier schauen wir außerdem nach Lübeck und Lüneburg, Greifswald und Rostock, wo Startup-Förderung keine Insider-Veranstaltung von zugereisten Möchtegern-Innovatoren ist, wie an der Elbe. 

Der digitale Norden: Ein herzliches Dankeschön an alle Mitstreiter!

Sie wissen es zuerst: www.hansenews.de

Die Hanse Digital Nachrichten haben sich seit März 2017 mit heute mehr als 123.000 Lesern und dem Fokus auf 4+ Jahre Hamburg und 1+ Jahr digitalem Norden zu einer führenden Informationsquelle zur Digitalisierung zwischen Schleswig und Harz entwickelt. Dafür danken wir allen voran unseren tausenden treuen Leserinnen und Lesern, ebenso wie den unzähligen Digitalexperten, Pressesprechern und PR-Agenturen. Danke für die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Zulieferung von Fakten und Einordnungen, die die Hanse Digital Nachrichten erst möglich machen. Wir sind ein wenig stolz, durch Kontinuität und Beharrlichkeit jeden Morgen und jeden Mittag spannende Nachrichten liefern zu können.

Neben den Nachrichten spielten auch im Corona-Jahr 2020 unsere fast 40 aktuellen Fachbeiträge, exklusiven Reportagen, umfassenden Investigativ-Geschichten und meinungsstarken Statements eine entscheidende Rolle: Wir erinnern uns an die Millionen teuren Fischtreppen in Hamburg - und einer missratenen Informatik-Initiative "Ahoi digital". Wir schauen zurück auf die detaillierten Wahlprüfsteine für die Bürgerschaftsparteien in Hamburg - und die enttäuschenden Digitalkrümel auf 205 Seiten rot-grünem Koalitionsvertrag. Wir haben den 1. Lockdown in der Pandemie mit Lösungsvorschlägen für ein digitales Hamburg, einem heute aktuelleren HANSESERVICE denn je und offener Kritik an den wochenlangen Verzögerungen bei der "Corona-Soforthilfe" ganz vorn lösungsorientiert begleitet.

Der digitale Norden: Jede Menge "Weil wir Hamburg sind"

Nur die besten Startups: www.hansestartups.de

Wow, war das ein Aufstand am 4. März d. J. (siehe Handelsblatt-Beitrag), als sich die Hamburger Startupszene bei "PwC" ihrem Frust nach jahrelangen Enttäuschungen über die Startupförderung des Senats Luft machte. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel gebrochenes Vertrauen Gehör verschafft. Der Kultursenator und seine Off-Szene brachten es zur Jahresmitte ihrerseits fertig, mit Anlauf Cancel Culture gegen die Kabarettistin Lisa Eckardt Raum zu geben - um anschließend schlingernd zurückzueiern. Nicht besser verhielten sich namhafte Corporates: So sahen wir uns im Sommer genötigt, die zweifelhafte Geschäftspolitik der "Otto Group" unter die Lupe zu nehmen - zu der sich zum Jahresende die "Metro" mit juristischer Keule hinzugesellte

Wir sind nicht weniger stolz auf das Hanse Digital Interview mit dem ehemaligen Hamburger Verfassungsgerichtspräsidenten Friedrich-Joachim Mehmel und seinen Blick auf Algorithmen in der Verwaltung, ebenso wie auf die Forderung nach einer Vision für die Entwicklung der Freien und Hansestadt von Familienunternehmer und Technologievorreiter Henning Fehrmann. Neben HANSEPERSONALITY machten auch 2020 unsere HANSEINVESTIGATION von sich reden: Zu den Highlights zählen die detaillierte Beleuchtung des Hamburger Startup-Fördersumpfes mit mehr als 50 Mio. € Kosten in den vergangenen 3 Jahren, mind. 60 Mitarbeitern auf öffentlichen Gehaltslisten - und einem nach fast 5 Jahren beerdigten "Innovations-Wachstums-Fonds", womit wir wieder bei der Startup-Kritik vom 4. März. '20 sind.  

Die Hanse Digital Interviews: www.hansepersonality.de

Der digitale Norden: Ein Dauerlauf - kein Aktionismus.

Auch im neuen Jahr konzentrieren wir uns auf die drei Schlüsselthemen 1. Digitalisierung durch Technologien, 2. Transformation von Prozessen und Geschäftsmodellen sowie 3. dem Kulturwandel in Arbeitsleben und Gesellschaft. Auch wenn Klimaschutz seit 2019 mit "Heulsuse" Greta Thunberg und Freitagsdemos zum Lieblingsthema vermeintlich nachhaltiger Politiker - z. B. Porsche fahrender Grüner - geworden ist; auch wenn Wasserstoff 2020 mit Absichtserklärungen, hochtrabenden Kampagnen und aktionistischen bunten Logos zum Hypethema stilisiert wurde - die Digitalisierung ist neben der Urbanisierung, der Mobilität und dem Klimaschutz eines der zentralen Metathemen weltweit - auf globaler und nationaler, regionaler und lokaler Ebene - in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Unsere Entscheidung, die Digitalisierung im ganzen Norden zu beobachten, zu beleuchten und kritisch wie wohlwollend zu bewerten, ist eine Chance für alle Leserinnen und Leser in Bremen, Hamburg, Hannover, Kiel oder Schwerin, den Metropolregionen Hamburg, Hannover und Nord-West sowie den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorten. Der zweite große Pivot vom Startup- zum Digitalisierungsmagazin und vom Hamburg Digital- zum Hanse Digital Magazin ist nach einem Jahr digitalem Norden ein richtiger Schritt für kritischen wie konstruktiven Journalismus geworden. Und so verschreiben wir uns auch im neuen Jahr ganz unserer Heimat zwischen Nord- und Ostsee, zwischen Schleswig und Harz. Unser neues Motto für 2021 lautet

hansevalley.de - derdigitalenorden.de

Der digitale Norden: 2 Meere, 5 Länder, 1 digitale Chance.

Besondere Chancen sehen wir für unsere norddeutsche Heimat vor allem in den Technologiefeldern Künstliche Intelligenz, Data Science und Cyber Security. Im Backend wird die Blockchain ihren Weg gehen, ebenso wie Sensoren, die wiederum das Datenthema treiben. Die exponentielle Zunahme von Daten, Auswertungsmöglichkeiten und daraus entstehenden Geschäftsmodellen macht es besonders kleinen und mittleren Betrieben zunehmend schwer, den Anschluss zu finden, wenn sie nicht die notwendigen Zeit-, Personal- und Kapitalressourcen an die Hand nehmen (können). Die alternativlose Notwendigkeit, in der Corona-Krise auf digitale Tools und Plattformen zu setzen, wird auch nach Impfung und Normalisierung die Wirtschaft im Norden und ganz Deutschland verändern. 

Wir freuen uns auf ein Jahr 2021, in dem die Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit in Norddeutschland wieder in den Vordergrund rückt - mit allein 60,9 Mrd. € Steigerung des BIP in den 5 Küstenländern bis 2030 durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Wir freuen uns auf ein Jahr, in dem Events wieder zum Treffpunkt für Experten, Interessenten und Medien werden. Und wir freuen uns vor allem auf ein Jahr 2021 mit Ihnen - unseren Freunden, Partnern und Lesern. Wir begleiten den digitalen Norden auch 2021 mit Informationen und Hintergründen sowie Rat und Tat. Das ist unabhängiger Journalismus fernab von Storytelling und gefühlten Wahrheiten. 

Fünf Länder, eine Chance, unter www.hansevalley.de

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein paar ruhige, besinnliche und schöne Weihnachtstage. Lassen Sie sich nicht entmutigen und schauen Sie mit Zuversicht ins neue Jahr 2021 - geimpft und hoffentlich gestärkt. Wir werden gleich zu Jahresbeginn unsere Gedanken zum Wandel und zum Wahljahr 2021 veröffentlichen. Doch erst einmal wünschen wir Ihnen vor allen Dingen eines:

Bitte, bleiben Sie gesund!

Ihre HANSEVALLEY-Redaktionsleitung

Thomas Keup und Gerd Kotoll 
Chefredakteur / Korrespondent Hamburg       


P. S. Über die Feiertage empfehlen wir die topaktuelle, siebenteilige Videoreportage "Bild. Macht. Deutschland?" auf "Amazon Prime Video". Die sechsstündige Dokumentation über ein Jahr "Bild"-Redaktion während der Corona-Krise zeigt, wie Journalismus funktioniert - fernab feiger Haltungsdiskussionen und moralischer Fallen parteipolitischer Akteure. Wir nehmen uns ein Beispiel an Europas größter Medienmarke - nicht an sterbenden Lokalzeitungen mit austauschbarem Agenturmaterial.

DWDL: Interview mit Julian Reichelt ("Bild") und Alexandra Würzbach ("BamS"):
Julian Reichelt: "Wir machen keine Zeitung für die Stimme Twitters"

Kress: Stimmen von "Bildblog", "FAZ", "Süddeutscher", "Tagesspiegel" und "Zeit Online": 
"Umstrittene Bild-Doku: War Amazon zu nah an Julian Reichelt und Co. dran?"

Amazon.de: "Prime Video"-Übersicht und Kundenrezensionen:

-

Hanse Digital Background: 

Hanse Digital Vision: HANSEVALLEY 2021 - Der digitale Norden kommt.
hansevalley.de/2020/12/hansedigital-vision-digitaler-norden-2021.html

HANSESERVICE: Die Corona-Krise als Katalysator für den E-Commerce-Wandel

HANSESTATEMENT: "Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies":
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html

HANSESPORTS: "Aus dem Home Office digital in ein bewegtes Leben":

HANSEVALLEY: "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":
hansevalley.de/2020/04/hansefuture-die-welt-wird-eine-andere.html

HANSEVALLEY: "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt":

Dienstag, 9. Juni 2020

HANSESTATEMENT: 205 Seiten Hamburg analog: Oder warum Rot-Grün digital nicht kann.

Ein Hanse Digital Statement von
Landeskorrespondent Gerd Kotoll

* Update 10.06.2020 *

Handels- und Logistikmetropole an der Elbe: Freie und analoge Stadt Hamburg.
Foto: Bernd Staerck, Pixabay

195 mal taucht das Wort “digital” im neuen Koalitionsvertrag von Rot-Grün für Hamburg auf. Auf 205 Seiten stellen die Koalitionäre ihr Programm für die Senatspolitik der Jahre 2020 bis 2025 vor. HANSEVALLEY hat die digitalen Ideen, Konzepte und Pläne von SPD und Grünen in einer journalistische Analyse offengelegt. Landeskorrespondent Gerd Kotoll ordnet das vermeintliche Leitthema des neuen Senats neben Klimaschutz und Verkehrswende ein.

Dass man zum Abschluss eines langen Vertrages blumige Worte findet, ist üblich und zu erwarten. Leider war es ebenso erwartbar, dass diese Worte mit der Realität wenig zu tun haben. Von der Blumigkeit bleibt das schnelle Verwelken der inhaltlichen Relevanz der Worte. Hinzu kommt, dass die digitalen Innovationen - und was man im Senatsgehege dafür hält - unter einem allgemeinen Finanzierungsvorbehalt stehen. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns offenbar der einzig dauerhafte Bezug zum wirklichen Leben. 

Freie und analoge Stadt Hamburg

Da Hamburg in den letzten 9 Jahren vom überwiegend gleichen Personal regiert verwaltet wurde, kennt man es schon: Im allerschönsten Buzzword Bingo wird mit (d)englischen Begriffen um sich geworfen, ohne dass diese mit einer irgendeiner Bedeutung für Hamburg oder gar einem Nutzen für die Menschen in der Stadt gefüllt würden. Stattdessen wird das digitale Wolkenkuckucksheim versprochen, dass seinesgleichen - wenn überhaupt - nur noch in chinesischen Metropolen findet. Wir halten uns da an die PR-bewährten Vergleiche eines Wasserstoffsenators ... 

Man schwelgt in Träumen von Datenmengen, ohne geklärt zu haben, wer sie zu welchem Zweck nutzen kann und darf. Dieser juristisch belegbare Kritikpunkt ist übrigens bereits gut ein Jahr alt. Trotzdem gibt es dazu keine Klärung. Da ist es konsequent, dass weder aus der hastig, kurz vor der Wahl veröffentlichten digitalen Verwaltungs”strategie” des Senats noch aus den von uns veröffentlichten Wahlbausteinen von Rot oder Grün im Koalitionsvertrag nennenswerte Positionen auftauchen (nein, das “Haus der Digitalen Welt” ist nichts Besonderes, da eine geklaute abgekupferte Idee nach einem Helsinki-Ausflug). Da nützt auch die 195-fache Nutzung des Wortes “digital” nichts, wenn man es nur analog denkt.

Große Worte - k(l)ein(es) Budget

Wer morgen in einer sinnvoll nutzbaren digitalen Welt leben will, muss dafür heute die Grundlagen legen (ja, eigentlich hätten die schon längst liegen müssen...). Bildung & Wissenschaft sind der Schlüssel dafür. Zu dieser Erkenntnis sind auch die Landesregierungen von - lassen Sie mich kurz überlegen - genau: 4 der 5 Nordländer gekommen. Und wer hat den Unterricht geschwänzt? Stimmt, die Freie und Hansestadt. “Nicht an den Worten, sondern an den Taten sollt Ihr Sie erkennen!” Diese biblische Erkenntnis gilt auch heute noch - auch für die Hamburger Koalition, auch für den neuen Hamburger Senat unter Rot-Grün.

Schauen wir mal in die Schulen. Da gibt es den “Digitalpakt Schule”. Wie nötig der auch für Hamburgs Schüler und Lehrer ist, zeigt sich während der Corona-Schulschließungen mit größter Dramatik. Das Versenden von eingescannten Aufgaben ist zwar auch irgendwie digital, das war’s dann aber auch schon. Jetzt hofft der Senator medienwirksam, dass die aus den üppig klingenden 128 Mio. € Bundesmitteln für 340 allgemeinbildende Schulen in Hamburg angeforderten Laptops und Tablets zum Beginn des kommenden Schuljahres da sein werden, so dass für jeden fünften Schüler ein Gerät zur Verfügung stehen soll. Die rund 40 neu geplanten Schulen sind da übrigens nicht berücksichtigt. 

38.000 digitale Geräte für 20% Schüler

Ja, genau: 80 % der Schüler werden an den Schulen keinen Zugriff auf ein digitales Endgerät haben. Wie wenig sich der Senator an die Digitalisierung heran traut, zeigt sich, wenn man ihn an den Taten misst: Hamburg wird sagenhafte 12 Mio. € aus dem eigenen Haushalt zur Verfügung stellen. Vom Haushalt 2020 mit etwa 15,2 Mrd. € entspricht das 0,08 % - aufgerundet. So sieht in Hamburg das Bekenntnis zur digitalen Bildung jenseits blumiger Worte im Koalitionsvertrag faktisch aus. Würde dem Senat hierfür ein Zeugnis ausgestellt, wäre es nicht mal ein “mangelhaft” - es wäre ein Armutszeugnis. 

Das ist der nächste Schlag ins Gesicht der Lehrer und der Eltern schulpflichtiger Kinder. Der nächste? Ja, der nächste. Denn welcher Bereich wurde bei der Hamburger Corona-Soforthilfe “HCS” vollständig ausgespart? Richtig: der Bildungsbereich. Während andere Bundesländer eigene Mittel mobilisierten - z. B. Mecklenburg-Vorpommern 1 Mio. € aus dem Sozialfonds für sofort bereitgestellte Laptops zugunsten sozial schwacher Schüler -, wartete man in Hamburg ab, bis die Bundesmittel flossen. 

Tablets oder mehr digitales Know How?

Hamburg spart sogar noch mehr: Nämlich bei der digitalen Aus- und Fortbildung der Lehrer. So ist es heute immer noch möglich, praktisch ohne elektronische Unterstützung das Lehramtsstudium zu beenden. Ebenso bei der Fortbildung: die wurde seit März d. J. überhaupt erst spürbar digital begonnen. Ein hanseatischer Blick über die Stadtgrenzen zeigt: auch in diesem Punkt sind die Nachbarländer bereits unterwegs, z. B. Schleswig-Holstein, das die digitale Lehrerbildung bereits systematisch betreibt. 

Dafür lobt sich der Hamburger Senator öffentlich umso lieber selbst, am schnellsten am meisten Bundesmittel abgerufen zu haben. Anderer Leute Geld ausgeben ist natürlich leicht. Ist dies die weitgehend bekannte sozialdemokratische Regierungs(un)tugend?

Große Träume - noch weniger Budget?

Immerhin soll die TU Hamburg jetzt DIE “führende technische Universität im Norden” werden. Gut, das sollte sie in der letzten Legislatur auch schon. Immerhin wird schon mal fleißig gebaut. Ansonsten zeigen die Universitäten von Bremen, Lüneburg und Osnabrück, wo der Hammer bei den Zukunftsthemen Informatik, Entrepreneurship und Zukunftstechnologien hängt. Selbst die Hansestadt Greifswald gräbt parallel mit ihrer hanseatischen Schwester Lübeck beim Zukunftsthema KI und Medizin der Freien und analogen Hafenstadt das Wasser ab. Nochmal zum Mitschreiben: KI, Medizin, Greifswald, Lübeck, Punkt.

Noch vor Anker, im schlickigen Hafenbecken des politischen Unvermögens, liegt das Projekt “Ahoi Digital” (bei dieser Formulierung hatte ich wirklich Spaß …). Statt der gern gefeierten 35 Professuren sind jetzt vielleicht gerade mal fünf besetzt, die auch noch von den Hochschulen selbst mitfinanziert werden müssen. Wenn von den erwarteten 1.500 zusätzlichen Student*innen jetzt wenigstens weitere 200 die Angebote der Hamburger Universitäten im Bereich IT wahrnehmen könnten, dann wären es viele. Das hat selbst das Plenum der Handelskammer mittlerweile öffentlich gebrandmarkt.

Und wie soll jetzt die TU zur führenden Universität “ertüchtigt” werden? Mit dem vergleichbaren TU-Engagement, wie bei “Ahoi Digital”? Von den gleichen handelnden “Akteur*innen und Akteuren - m/w/d”, wie bei “Ahoi Digital”? Mit der gleichen getricksten Finanzierungsverpflichtung für die Hochschule, wie bei “Ahoi Digital”? Für das digitale Ahoi! waren rund 32 Mio. € bewilligt. Warum schaffen andere Städte in der Metropolregion mit weniger Geld eigentlich viel mehr für Ihre Universitäten? Ach, darüber spricht man lieber nicht? Stimmt: “Ahoi Digital” wurde von der Koalition auch nur einmal erwähnt, in einem Nebensatz. 

Ahnungslos, orientierungslos, mutlos

Wenn man sich die Pressestatements des Senats zur Bewältigung der Corona-Krise, aber auch zur Regierungsbildung ernsthaft ansieht, dann findet man viele Aussagen, Willensbekundungen und Absichtserklärungen - immerhin mit 195 mal “digital”. Ein Wort, das gleichzeitig eine Haltung ausdrückt, kommt aber nicht vor: “Mut”. Profi-Tipp für die Koalitionäre: “Mut” findet man als Botschaft am Eingang der Bucerius Law School - vis-a-vis des Helmut-Schmidt-Auditoriums. Nur zur Orientierung, sollten Sie das mal für Ihre Politik suchen. Könnte ja passieren ... 

Keinen “Mut” findet man in der Auflistung von allgemeinen Unverbindlichkeiten zum Thema Wirtschaft im Koalitionsvertrag. Kein Wort zu konkreten digitalen Impulsen für die meist kleinen und mittleren der 160.000 Hamburger Unternehmen nach Corona. Stattdessen das typische Hamburger Klein-Klein: überall ein bisschen, aber nichts richtig - ein bisschen Gießkanne und noch weniger Strategie. Zieldefinition? Fehlanzeige. Konkrete finanzielle Anreize zur eigenverantwortlichen Digitalisierung der Wirtschaft? Nicht geplant, nicht gewollt, nicht existent. 

Cluster und Brücken statt Zukunft

In Hamburg werden die analogen Branchen-Cluster gehegt, gepflegt und jetzt auch noch mit “Cluster-Brücken” gezwungen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Impulse für zukunftsweise Branchen? Null, null in Hamburg. Wie es besser geht? Mit 1.850 Anträgen seit September ‘19 ist der “Digitalbonus Niedersachsen” das beliebteste Förderprogramm der kleinen und mittleren Betriebe. Mit knapp 2.000 Anträgen wurden bislang 14,7 Mio. € bewilligt und lösten mehr als 41 Mio. € Investitionen in digitale Hardware, Software und IT-Sicherheit aus. Ursprünglich waren 15 Mio. € geplant. Auf Grund des Erfolgs wird das Volumen um weitere 10 Mio. € auf 25 Mio. € erhöht. Danke an die Handelskammer, den Ball aufgenommen zu haben. Aber bitte nicht zu viel Hoffnung für Hamburg.

Wo wir gerade über Hoffnung, Visionen, Zukunft plaudern: Erinnern Sie sich noch, wie oft in den zurückliegenden Jahren vom “ITS-Weltkongress 2021” in Hamburg in Koalitionsreden und Presseterminen die Rede war? Mindestens drei städtische Institutionen vernetzen, verplanen, verkaufen das Leuchtturmprojekt. Weil der Kongress doch DIE entscheidenden Impulse für die rot-grüne Verkehrswende bringen sollte. Und jetzt? Im Koalitionsvertrag kommt er noch auf einen bescheidenen Absatz. Einzig genanntes Projekt: der Ausbau der Dauerzählstellen für den Radverkehr. Impulse für einen autonomen Verkehr wie auf den 280 km Teststrecke in Niedersachsen? Bitte, wie kann man das in Hamburg nur fragen!

Bereits fast schon so gut wie China...

Die Buchstabenkombination “ITS” kommt übrigens mehr als 300 mal im Koalitionsvertrag vor - z. B. im Wort “bereits” (genau 88x). Womit deutlich wird, dass die rot-grünen Pläne (bereits) aus der Vergangenheit stammen und nicht (bereits) die Zukunft beschreiben. Deswegen finden sich auch keine Überlegungen, wie man (bereits) die Wettbewerbsfähigkeit als Medienstandort zurückgewinnen könnte oder welche Impulse als Standort für deglobalisierte Produktion (z.B. mit einem 3D-Druck-Zentrum im Hafen) (bereits) gesetzt werden könnten - von den Zukunftsbranchen IT, Internet und digitale Medien gar nicht erst zu reden. Der Zug ist längst in Berlin eingetroffen.

Bleiben wir bei was Bodenständigem: Der für 156.000 Arbeitsplätze wichtige Hamburger Hafen bekommt immerhin etwas ab. Das HPA-Projekt “Smart Port”, das es bereits in der Version 2.0 gibt und (bereits) in den vergangenen 5 Jahren mehrfach ausgebremst werden sollte und von der Hafenverwaltung über Jahre nur unter der Bettdecke vorangetrieben wurde. Jetzt ist der “Smart Port” laut Papier sogar Hoffnungsträger für exportierbare maritime IT-Anwendungen. Nein, bitte gucken Sie jetzt nicht nach Rotterdam und Antwerpen, um festzustellen, wie viel weiter die (bereits) sind. 

So wird das nichts für Hamburg

Es droht die größte anzunehmende Gefahr Wirklichkeit zu werden: ein “Weiter so”! Und zwar weitgehend unreflektiert und uninspiriert. Man versucht, es Jedem und Allen in der eigenen, subventionierten Community recht zu machen und möglichst Niemanden zu verprellen. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass! Das ist die Devise der neuen, alten, bekannten Senatoren von Rot und Grün. 

Natürlich, Politik ist die Kunst des Machbaren und lebt vom Kompromiss, erst Recht bei der Aushandlung einer Koalition, die fünf Jahre halten soll. Unter den erschwerten Rahmenbedingungen der Corona-Situation gilt das sicher ganz besonders. Aber warum muss es immer der kleinste gemeinsame Nenner sein, auf den man sich einigt? Warum werden Dinge vermengt, die per se nichts miteinander zu tun haben, erst recht wenn Perspektive und Strategie fehlen? 

Solange Digitalisierung vor allem Verkehrswende, Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit bedienen soll, werden wertvolle Chancen für eine 2 Mio.-Einwohner-Stadt mit 1 Mio. Arbeitnehmern in traditionellen, der Transformation unterworfenen, Branchen vertan. Natürlich können wir uns nicht alles leisten, was wünschenswert ist, erst recht nicht vor dem Hintergrund der Kosten für die Bewältigung der Shutdown-Folgen. Am allerwenigsten können wir uns aber leisten, Chancen nicht wahrzunehmen.

Dass sich diese gerade im Feld der Digitalisierung bieten könnten, scheint nicht im Bereich des Vorstellbaren dieses Senats zu liegen. Denn nur so ist zu erklären, dass es in Hamburg weder einen Digital-Senator noch Staatsrat geben wird - als einziges Land in der Metropolregion und darüber hinaus. 

Wo es an einem eigenständigen Werteverständnis für Digitalisierung als notwendige Grundlage für die technische, organisatorische aber auch die kulturelle Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft fehlt, gibt man das Heft des Handelns aus der Hand: so werden wir nicht transformieren, so werden wir aus den USA und China transformiert werden.

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPOLITICS: Wie Rot-Grün Hamburg in die digitale Zukunft bringen will.
hv.hansevalley.de/2020/06/hansepolitics-koalitionsvertrag-hamburg-2020.html

 Hamburg Digital Statements: 

Digitalisierung und Verwaltung
HANSESTATEMENT: Klimaschutz-App in Hamburg - auf dem chinesischen Weg?

Digitalisierung und Bildung
HANSESTATEMENT: Wenn Du einen toten Gaul durch die Schule reitest ... steig' ab!

Digitalisierung und Wissenschaft
HANSESTATEMENT: Das digitale Wolkenckuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

 Hamburg Digital Wahlprüfsteine: 

Digitalisierung und Stadtentwicklung
HANSEPOLITICS: Die stadtentwicklungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
https://hv.hansevalley.de/2020/02/hansepolitics-stadtentwicklung-hamburg-2020.html

Digitalisierung und Verwaltung
HANSEPOLITICS: Die verwaltungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Bildung
HANSEPOLITICS: Die bildungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020
HANSEPOLITICS: Die forschungspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Digitalisierung und Wirtschaft
HANSEPOLITICS: Die wirtschaftspolitischen Wahlprüfsteine zur Hamburger Bürgerschaftswahl 2020

Montag, 6. April 2020

HANSEBUSINESS: Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt.

HAMBURG DIGITAL RELATIONS
ALSTERCOMPANY Gastbeitrag     
* Update 17.04.2020 *                                                              



Seit 9. März d. J. arbeiten wir aus dem Home Office - 1 Woche vor Schließung der Schulen. Seit gut 4 Wochen verfolgen wir täglich die Nachrichten zu Corona und der Krise. Nach Shutdown des Alltags und Arbeiten in der Isolation machen wir uns Gedanken über die weitere Entwicklung und neue Perspektiven - nach Panik und Pandemie. 

In dieser Woche fährt die Diskussion um die Wiederbelebung der Wirtschaft hoch: Der NDR startet am Montag mit Anja Reschke online einen "After Corona Club" als Audio-Podcast mit Wissenschaftlern und Soziologen, Unternehmern und Politikern. Das neue Präsidium der Handelskammer Hamburg fordert Plenum, Ausschüsse und hauptamtliche Mitarbeiter auf, einen "wirtschaftspolitischen Maßnahmenplan" aus der Corona-Krise zu entwicklen.

Auf der Suche nach dem "Licht am Ende des Tunnels" haben wir bei unseren täglichen Recherchen eine Beitrag entdeckt: Das Institut "Concept M" hat in der ersten psychologischen Analyse die Entwicklung der Corona-Krisen in China, Italien, Deutschland und den USA untersucht. Ergebnis der Tiefeninterviews: Die Krise folgt überall auf der Welt 5 identischen Phasen.

Nach Abgleich der Erfahrungen aus 28 Jahren Journalismus, 23 Jahren Kommunikation und 15 Jahren in Technologiebranchen sagen wir: Das ist Lösung - und der Weg aus der von Angestellten, Kreativen, Dienstleistern, Einzelhändlern und allen anderen Unternehmern gefühlten Hilf- und Machtlosigkeit. Thomas Keup zeigt die Perspektiven für Sie und Ihr Geschäft auf:

92% von 4.500 norddeutschen Unternehmen einer IHK Nord-Umfrage sind von der Corona-Krise direkt getroffen. 12.000 Hamburger Firmen haben bereits Kurzarbeit für ihre Beschäftigten beantragt - 200 bis 300 kommenden jeden Tag dazu. Maximal 8 Wochen überleben Firmen in Hamburg, der Metropolregion und Deutschland die Schließung ihrer Betriebe. Hamburg ist in der größten Krise seit 1945.

Das Virus zieht uns allen den Boden unter den Füssen weg.


Home Office, Isolation, Shutdown - das Virus nimmt niemanden aus.
Foto: Congerdesign, Pixabay

Die ALSTERCOMPANY vorliegende Studie untermauert: Unser Leben ist in Gefahr, die wirtschaftliche Existenz von 10.000 Hamburger Unternehmen bedroht, die Planungen von bis zu 1 Mio. Arbeitnehmern allein an Alster und Elbe in Frage gestellt. Die zunehmende Eskalationsspirale zeigt ein hilfloses Hinterherlaufen der Politik. Dazu eine fragwürdige Medienbranche, die versucht, mit Paywalls wieder Gatekeeper zu spielen.

Das Virus zieht allen den Boden unter den Füssen weg: Paranoides Misstrauen macht sich breit: Schleswig-Holsteiner zanken mit Hamburger um die Einreise, Mecklenburg-Vorpommern macht ganz dicht. In Panik wird ein Intercity in Harburg gestoppt, alle 500 Fahrgäste müssen ihre Personalien abgeben. Nur mit Atemschutzmaske und Einweghandschuhen trauen sich verängstigte Hamburger, in Supermärkten einzukaufen, werden nur einzeln eingelassen und von einer Kassiererin hinter Schutzplane abkassiert.

Krisen-Analyse: Die 5 Phasen des Traumas in aller Welt.

Die Forscher von "Concept M" wissen, was in den Köpfen von gut 1,8 Mio. Menschen zwischen Bergedorf und Blankenese und von Wohldorf bis Marmstorf vor sich geht: Das Corona-Trauma. In 5 Phasen durchlaufen wir die Krise - von der Inkubation über die Panik, von der Isolation über die Besinnung bis zur Normalisierung. Deutschland steckt mitten in der Panik - auf dem Weg in die Isolation. Hier die 5 Phasen - ausformuliert gemeinsam mit dem Hanse Digital Magazin HANSEVALLEY:

 1. Inkubation und Zwiespalt (in Deutschland: u. a. "Corona-Parties")


Das Corona-Virus: Schlechter Witz oder echte Bedrohung?
Foto: Jackson Simmer, Unsplash
  • Aufregung vs. Bagatellisierung: Das Land spaltet sich in zwei Lager. Die einen warnen vor der leichten Schulter: Etwas Gefährliches ist außer Kontrolle. Die anderen spielen die Lage herunter: China ist weit weg. Der Erreger ist nicht sichtbar und Informationen über symptomfreie Erkrankungen machen die Runde. Meinungen beherrschen zunehmend die Schlagzeilen. Der schwelende Zustand nimmt immer mehr Raum ein.

2. Panik und Angst (in Deutschland: u. a. Hamsterkäufer, Aktienverkäufe)


Toilettenpapier als deutsches Symbol der Corona-Krise
Foto: Alexas Fotos, Pixabay 
  • Kämpfen oder Flüchten: Aus den Horrormeldungen von Mitte Januar bis Ende Februar d. J. wird latente Panik. Mit 3 maßgeblichen Folgen: 1. Angst führt zu Attacken. Folge: Hamsterkäufe. Deutschland versucht mit Putzen die Kontrolle zurück zu bekommen. 2. Angst wird zu Existenzangst. Folge: Panikverkäufe an der Börse. 3. Angst führt zur Abschottung. Aus "weißen Männern" 50+ werden Klopapier-Jäger und Prepper mit Überlebensausrüstung im Wohnzimmer. 

3. Isolation und Depression (in Deutschland: u. a. Home Office und E-Learning)

Gesperrte Plätze, gesperrtes Leben.
Foto: Claudio Schwarz Purzlbaum, Unsplash
  • Shutdown und Soziale Distanz: Deutschland bleibt zu Hause, verbunkert sich, bis der Sturm vorbei ist. Folge: Arbeiten und Leben auf engem Raum. Eltern und Kinder im 24-Stunden-Dauerstress. Die Krise wird zum Kriegsszenario: hinter verriegelter Wohnungstür, mit überquellendem Eisfach und Klopapierlager für den Notfall. Aus der Panik ist Handeln geworden. Zugleich fehlen Familie und Freunde: Hilflosigkeit wird zu handfester Depression. Die häusliche Gewalt nimmt zu. 

4. Besinnung und Perspektiven (in Deutschland: u. a. sein Geschäft überdenken)


Welche Chancen bieten Smartphones in der Corona-Krise?
Foto: Brian McGowan, Unsplash
  • Freiräume und Spielräume: Nach dem Stress kommt die Besinnung. Entschleunigung ist das Motto der Stunde. Mit den Alphawellen kommen die guten Ideen: Mit Freunden und Familie neu in Kontakt kommen. Am heimischen PC neue Selbstständigkeit gegenüber dem nicht anwesenden Chef gewinnen. Aus der Tretmühle rauskommen und sich neu sortieren. Hier steht die ALSTERCOMPANY aktuell. 

5. Erholung und Normalisierung (aktuell: China)


Wenn die Helfer unser Leben gerettet haben.
Foto: Ashkan Forouzani, Unsplash
  • Erleichterung und Aufräumen: Die Menschen nehmen ihre Stadt wieder in Besitz. Doch die Pandemie hinterlässt ihre Spuren: Geschäftspartner sind verschwunden, Kundenbeziehungen unterbrochen, Lehrstoff an Schulen und Unis nachzuholen. Jetzt ist die Zeit, geschäftlich, beruflich und privat neue Chancen zu nutzen und einen Schritt weiter zu gehen. Wir stellen die Weichen, unseren Kunden und Partnern hier zu helfen.

Um die richtigen Strategien zu entwickeln, um erfolgreiche Konzepte zu planen und gesicherte Wege zu gehen, Unternehmen nach der Corona-Krise wirklich zu helfen, ist der Aus- und Weitblick auf der Meta-Ebene besonders geeignet. Wir schauen uns die wichtigsten Bereiche, Branchen, Firmen und Institutionen näher an - mit täglich mehreren hundert Pressemeldungen, die bei unserem Partnermagazin HANSEVALLEY eingehen. Im Mittelpunkt stehen für uns diese Fragen: 

  • Was machen die Akteure heute mitten in der Krise? 
  • Wer traut sich bereits aus dem Windschatten heraus?
  • Welche Ideen und Konzepte werden jetzt angegangen?
  • Was sind interessante Entwicklungen für die Zukunft?

Die deutsche Gesellschaft:

Wir sehen Nachbarschaftshilfe beim Einkauf für Bedürftige. Wir sehen Beistand mit minutenlangem Applaus in Hamburger Straßen. Wir sehen Fensterkonzerte - auch auf Balkonen und an Haltestellen in Hamburg, Lübeck und Rostock. Wir sehen eine Gesellschaft, die zusammenrückt und aus der Situation das Beste macht - mit allein 770 Helfern bei den Hamburger Freiwilligenagenturen. Doch wir sehen auch professionelle Hamsterkäufer und rücksichtslose Supermarktkunden. Welches Bild wollen wir der Welt zeigen?

Die deutsche Wirtschaft:

Wir sehen den Shutdown zahlreicher Branchen und die Krise für hunderttausende Arbeitnehmer in Hamburg, der Region und Norddeutschland. Wir sehen Player im Hanseraum, die die Krise offen kommunizieren und Player, die so tun, als wäre alles beim Alten. Und wir sehen die Transformation ganzer Branchen - von Lebensmittel-Lieferungen bis zu Bildung und Weiterbildung. Welche Branchen entdecken jetzt die digitalen Möglichkeiten?

Der deutsche Handel:

Wir sehen Hamburger und Wedeler Online-Händler, die uns in der Isolation "Schicke Looks für den besonderen Augenblick im kleinen Kreis" und "Stilvolle Möbel für Zuhause - Arbeiten im Home Office" verkaufen wollen. Ein Social Media-Netzwerk verspricht "Woche 2 im Home Office: Mehr Spaß bei Videokonferenzen dank Snap Camera Lenses". Ein Startup wirbt: "Teamplace statt Coronaferien – Euer digitales Klassenzimmer". Und wir sehen Hamburger Agenturen, die Lockvogel-Kampagnen fürs Ebay-Wachstum verbreiten. Ist Online-Marketing in einer todbringenden Krise jedes Mittel recht?

Die deutsche Politik:

Wir sehen eine Selektion in Entschlossene und Ver-/Zögerer: z. B. Söder vs. Tschentscher, Spahn vs. Altmeier. Dazu ein Wettstreit der Bundesländer um die Meinungshoheit: z. B. Bayern gegen NRW gegen den Rest der Republik. Wir sehen tägliches Gerangel zwischen Ländern und dem Bund. Wir sehen neuen Streit um Kompetenzen und Finanzierung. Disruptiert sich die Spitzenpolitik dank Krisenversagen weiter?

Die deutschen Medien:

Wir sehen einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der seinen Auftrag (wieder) wahrnimmt: Mit Bildungsangeboten für die Jüngsten, mit Kulturangeboten in schweren Zeiten und mit verlässlichen Informationen ohne Schranken. Und wir sehen gierige Verlage mit Zweitverwertung via Corona-Newsletter, hochgezogenen Paywalls und der Hoffnung, die Gatekeeperfunktion zurückzugewinnen. Werden egoistische Verlage jetzt abgestraft?

Die deutsche Kultur:

Wir sehen Live-Streams und kostenlose Aufzeichnungen im Web. Wir sehen Couch-Konzerte und Social TV. Wir sehen Freunde und Familien, die über das Netz miteinander singen und feiern. Wir sehen Kunst und Kultur, die über das Internet lebendig ist, wie nie zuvor. Und wir sehen Chancen für neue Formen der Präsentation, des Austausches und der Möglichkeiten. Kommen wir jetzt in eine digital-vernetzte Kultur?

Der deutsche Fußball:


Wir sehen Vereine und Verbände in der Schockstarre. Wir hören das Pfeifen im Walde für ein schnelles Fortsetzen des Profifussballs. Damit verbunden sehen wir den Kollaps der Geschäftsmodelle: keine verkauften Stadiontickets, kaum verkaufte Fanartikel, wegbrechende TV-Einnahmen. 13 von 36 Liga-Clubs stehen laut "Kicker" vor der Insolvenz. Die zarten Pflänzchen des eSport wurden kaum gehegt. Das ändert sich plötzlich mit virtuellen Turnieren an jedem Wochenende. Läuft der Fussball jetzt mit Tempo in die digitale Transformation? 

Die deutschen Kirchen:

Wir sehen Gemeinden, die Gottesdienste und Andachten auf Webseiten, auf YouTube und Fernsehkanälen im Internet streamen. Wir sehen eine Nordkirche, die mit Streaming-Übersicht und Social Wall auf der Höhe der Zeit ist und die Chance hat, neue Bedeutung zu gewinnen. Wir sehen eine katholische Kirche, die auf dem Weg ist. Wir sehen die Bedeutung der Seesorge in Zeiten der Isolation - und die Chance für die Kirchen. Wird der Glaube nach der Krise eine neue Bedeutung haben?

Brechen wir an dieser Stelle aus gesellschaftlichen Bereichen, betroffenen Branchen und hoffnungsvollen Bildern runter auf das Konsumklima. Auch hier hat die Beratungsgesellschaft "Concept M" in ihrer Studie "Corona - Wie der Virus die globale Kultur infiziert" schlüssige Indikatoren geliefert:


Was macht das Corona-Virus mit uns und unserem Leben?
Foto: Gerd Altmann, Pixabay

1. Konsum in der Inkubation: 
  • Keine Kaufzurückhaltung
  • Supermarktregale sind gefüllt
  • Konsum ermöglicht etwas Normalität
  • Shopping ist eine kurzfristige Ablenkung 
  • Der E-Commerce läuft unverändert weiter

2. Konsum in latenter Panik (aktuell):
  • Hamsterkäufe in Deutschland
  • Lebensmittel für die eigene Sicherheit
  • Hygieneartikel für eigene Handlungsfähigkeit
  • Mode und Beauty-Produkte haben keine Priorität
  • Anschaffungen wie PKW und Möbel werden verschoben

3. Konsum in der Isolation (aktuell):
  • Konsum auf Grundbedürfnisse reduziert
  • E-Commerce wird bedeutende Bezugsquelle
  • Haushaltsgeräte werden nachgefragt und günstig
  • Amazon fährt höhere Umsätze als zu Weihnachten
  • Hoher Anstieg von Videostreaming und Onlinegames

4. Konsum in der Neuausrichtung (nächster Schritt):
  • Neue digitale Services werden ausprobiert
  • E-Learning-Angebote werden stärker gefragt
  • Die Ausstattung des Home Office wird forciert
  • Chancen für neue und etablierte Marken im Netz

5. Konsum in der Normalisierung:
  • Rückkehr zu normalen Konsumgewohnheiten
  • Shopping vor Ort bekommt eine neue Bedeutung
  • Sicherheit gebende Lieferanten sind die Online-Gewinner
  • Chancen für neue und etablierte Marken im Netz und vor Ort

Diese Übersicht beansprucht nicht, vollständig zu sein. Sie basiert auf den Ergebnissen der Studie von "Concept M" - ergänzt durch Details und Erfahrungen aus unserer Arbeit in Kommunikation und Marketing. Zu guter Letzt wollen wir als ALSTERCOMPANY mit einer Reihe von offenen Fragen anregen, die eigene Situation, das eigene Geschäft und die eigene Zukunft zu überdenken:


Shutdown der Wirtschaft: Wie geht's für Unternehmen weiter?
Foto: Tim Mossholder, Unsplash

Wie sehr sind Ihre Branche und ihre Produkte vom Shutdown betroffen?
Gibt es Unterschiede bei der Abstinenz in verschiedenen Absatzmärkten?

Ist Ihre heutige Kommunikation noch sinnvoll, oder eher doch "over the top"?
Wann ist für Ihre Angebote der Stimmungswandel in der Kundschaft erreicht?

Wie wollen Sie in einem digitalen und vernetzten Business erfolgreich sein?
Welche Produkte und Dienstleistungen eignen sich für die neue, digitale Welt?

Wo sehen Sie Ihre Hausaufgaben, um nach der Corona-Krise vorn dabei zu sein?
Welche Fragen dürfen wir beantworten, um Lösungen für Ihr Geschäft zu finden?

HANSEVALLEY hat in seinem Corona-Spezial die Entwicklung so zusammengefasst:

"Wenn Deutschland bis ca. Mitte April d. J. in der Isolations-Phase wiederfindet, kommt die Republik möglicherweise zu Pfingsten psychologisch in die Phase der Neubesinnung. Unterm Strich würde das heißen, dass wir eventuell zu den Sommerferien die Normalisierung erreicht haben können." 

Dieses Rechenbeispiel ist natürlich nur eine Annahme auf Grund der Erfahrungen der Verläufe der Pandemie in China und Italien - und keine Garantie für die Wiederaufnahme des gesellschaftlichen Lebens. Bereits nach den Osterferien in die Normalität zurückzukehren, ist hingegen eher unwahrscheinlich. Dennoch können wir jetzt anfangen nachzudenken, wie unser Leben nach Corona aussehen wird. 


coronahilfe@alstercompany.de

Die Hamburg Digital Relations sind der spezialisierte Service für die professionelle Kommunikation in der neuen, digital-vernetzten Welt. ALSTERCOMPANY bietet fortschrittliches Denken für neue Chancen im Geschäft. Wir stehen an der Seite von Unternehmen und Organisationen im Norden, die jetzt die Zukunft anpacken - für ein erfolgreiche Entwicklung in der vernetzten Welt.

*  *  *

 Hanse Digital Background: 
* Update 06.04.2020 *

HANSEVALLEY Fachbeitrag "Die Welt wird eine andere sein - der Norden nach Corona":

HANSEVALLEY: Fachbeitrag "Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt":
hv.hansevalley.de/2020/03/hansespecial-wie-hamburg-aus-dem-corona.html

Absatzwirtschaft: Fachbeitrag "Andere Länder, gleicher Umgang: Die 5 Phasen des Coronavirus":