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Montag, 12. November 2018

HANSEEXKLUSIV: Teamsport und KI in der Digitalen Stadt.

HAMBURG DIGITAL SPEZIAL

'Ich glaube aber im Bereich der Digitalisierung haben wir riesen Potenziale - und die durchziehen alle Bereiche, sowohl den Hafen wie den Verkehr wie auch die Mobilität.' Hamburgs neuer Wirtschaftssenator Michael Westhagemann macht in seinem ersten Interview klar: Digitalisierung, Transformation und Kulturwandel sind in der Freien und Hansestadt angekommen. Die "Digitale Stadt" kommt - mit Projekten im Hafen, rund um die Alster und für jeden einzelnen Hamburger.



Die Hamburger CDOs Christian Pfromm und Dr. Sebastian Saxe
wollen Hamburg zusammen digitalisieren. (v.l.n.r.)
Foto: HANSEVALLEY

Während die bürgerliche Opposition auf der Suche nach Wahlkampfthemen mit der Kuchengabel in IT-Projekten herumstochert, haben die Chief Digital Officer von Senatskanzlei, Wirtschaftsbehörde und Hafenmanagement eine andere Blickrichtung: nach vorn. Im Hamburg Digital Magazin stehen Christian Pfromm und Dr. Sebastian Saxe erstmals gemeinsam Rede und Antwort - in einem Hamburg Digital Spezial zu Zukunftsprojekten, einem Schulterschluss und einer Vision:

HANSEVALLEY: Wir haben Sie beide auf der "Solutions Hamburg" erleben dürfen. Erstmals haben Sie dort gemeinsam die Aktivitäten Hamburgs in Sachen Digitalisierung vorgestellt. Auffällig war, dass Sie nicht nur den Gemeinschaftsstand "Hamburg Digital“ unterstützt haben, sondern auch zusammen auf der Bühne waren und mit einer Stimme sprachen. Was hat es auf sich mit „Hamburg gemeinsam digitalisieren“ - Ihrem Titel für die Präsentation?

Christian Pfromm: Das Motto der "Solutions Hamburg" lautete in diesem Jahr „Digitalisierung ist Teamsport“. Dies sehen wir in der Stadtverwaltung ganz genauso. Digitalisierung ist ein Thema, das die gesamte Gesellschaft beeinflusst. Wichtig ist, dass wir die Chance nutzen und die Player auf Seiten der Verwaltung sensibilisieren und fit machen, um mit der Digitalisierung positive Effekte zu erzeugen, die Lebensqualität zu verbessern und wirtschaftliche Attraktivität zu steigern. 


Hamburgs CDOs im Schulterschluss für die "Digitale Stadt".
Foto: HANSEVALLEY

Mit dem gemeinsamen Auftritt "Hamburg Digital“ haben wir gezeigt, dass Zusammenarbeit ein entscheidender Aspekt der Digitalisierung ist. Hier zeigen sich Institutionen, die sich aktiv in die "Digitale Stadt" einbringen. So unterstreicht der Hafen - vertreten durch die Hamburg Port Authority - seine Rolle als Motor der Veränderung und Impulsgeber. Und dies nicht nur aufgrund seiner historischer Bedeutung für die Stadt, sondern eben auch mit Blick auf digitale Themen.

"Zusammenarbeit ein entscheidender Aspekt der Digitalisierung."

Dr. Sebastian Saxe: Wir erleben gerade einen digitalen Wandel, dem wir uns stellen müssen – und zwar in allen Lebenslagen und -bereichen. Der Hafen war und ist vielfältigen Einflüssen ausgesetzt, national wie international. Es liegt an uns, die Veränderungen zu steuern und geeignete Impulse zu setzen, dass sie zum Wohle der Stadt gedeihen. Wir haben in der Vergangenheit wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die die Basis unseres jetzigen Handelns sind. Solides Vorgehen schafft hier Vertrauen und dies müssen wir auch der Öffentlichkeit gegenüber deutlich machen. 

"Verwaltung arbeitet solide, aber aus Sicht vieler nicht besonders innovativ."

Die gemeinsame Präsentation demonstriert das funktionierende Zusammenspiel zwischen den Playern der Stadt und wie sich die Aktivitäten in die Gesamtstrategie einordnen. Das Stichwort lautet "Digitale Stadt“ - mit dem Teilaspekt Hafen und vielschichtigen Innovationen. Schauen wir einmal genauer hin: Was ist denn konkret neu oder anders als vorher? Die Verwaltung arbeitet solide, verlässlich aber aus Sicht vieler Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen nicht besonders innovativ. Was muss getan werden, um dies zu ändern?

HANSEVALLEY: Der Fachsprecher der CDU hat mit seiner kleinen Anfrage zu den IT-Projekten in der Hamburger Verwaltung und der Organisation des neu gegründeten Amts für IT und Digitalisierung auf operative Projekte und die Personalstruktur Ihrer Organisation abgehoben. Ist das neue Amt mit seinen Projekten doch eher 'alter Wein in neuen Schläuchen'? 

Christian Pfromm: Mit dem Amt für IT und Digitalisierung hat die Verwaltung an zentraler Stelle ein Team zusammengestellt, bestehend aus der Leitstelle "Digitale Stadt“ und insbesondere aus den Bereichen der "IT- und E-Government-Strategie“ (ehemals Finanzbehörde). Dies ist die Steuerungseinheit für die Digitalisierung der Stadt. Für das Gelingen einer strategischen Umsetzung der Digitalisierung ist es zwingend, dass verschiedene Akteure - innerhalb und außerhalb der Verwaltung - zusammenfinden, sich austauschen und Herangehensweise und Lösungen entwickeln.

Hamburgs CDO Christian Pfromm auf dem "Hamburg Digital"-Stand.
Foto: HANSEVALLEY

Aus unserer Sicht haben sich vier Eckpfeiler herauskristallisiert, die maßgeblich für eine erfolgreiche Digitalisierung stehen: 1. Die Transformation der Beziehung zwischen Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen mit der Verwaltung. 2. Die Gestaltung des Arbeitsalltags der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 3. Der weitere Ausbau der "Digitalen Stadt" und 4. die Automatisierung der Verwaltung – Stichwort ist hier unter anderem KI.

HANSEVALLEY: Da muss ich nachfragen: Künstliche Intelligenz - ein Thema für die Hamburger Verwaltung?

Christian Pfromm: KI ist ein großes Thema. Ich sehe hier das Zusammenspiel zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft. In vielen Bereichen wird KI diskutiert und nach Einsatzmöglichkeiten geschaut. Ein typisches, scheinbar eher staubiges Thema in der Verwaltung ist das Dokumentenmanagement. Also die Frage, wie wir unsere Akten rechtssicher archivieren und Inhalte auffindbar und damit langfristig zugänglich halten. Dafür müssen die Akten verschlagwortet und im richtigen Aktenzeichen elektronisch abgelegt sein. Dabei kann uns KI sehr gut unterstützen. Wir arbeiten in meinem Amt an einem Proof of Concept, der darauf abzielt, dass eine KI künftig in weiten Teilen die Archivierung von Dokumenten unterstützen oder übernehmen kann. 

"Die Mitarbeiter werden uns eine solche Lösung aus den Händen reißen."

Konkret: Aus Textzusammenhängen heraus werden Schlagworte generiert und das passende Aktenzeichen vorgeschlagen. Auf diese Weise werden Dokumente einheitlich abgelegt, übergreifend auffindbar und ein echter Mehrwert hinsichtlich der Verfügbarkeit geschaffen. Und die Mitarbeiter, die Akten nicht länger händisch verschlagworten müssen, werden uns eine solche Lösung vermutlich aus den Händen reißen. Auch bei der Auswertung von Stellungnahmen aus Beteiligungsverfahren kann der Einsatz von KI unterstützen. Algorithmen sollen die Auswertung vornehmen, aufbereiten und so mit ihren Analysen Anhaltspunkte geben.

Topthema Elbbefahrung: Sedimentmanagement mit KI statt Umlaufbaggern.

Dr. Sebastian Saxe: Um auch aus dem Hafen noch ein anschauliches Beispiel einzustreuen: Auch für uns ist die Künstliche Intelligenz eine sehr spannende und vielseitig einsetzbare Basistechnologie, die enorm viel Potenzial für künftige Fortschritte in verschiedenen Bereichen birgt. So evaluieren wir derzeit beispielsweise, ob das Sedimentmanagement mittels KI-Entscheidungsvorschlägen auf Basis vorhandener Daten -  u. a. Wetter- und Strömungsdaten - möglich ist. Genauso lassen sich aber auch diverse Verwaltungsprozesse unterstützen und hier stehen wir mit der Senatskanzlei im engen Austausch, um voneinander zu lernen und zu profitieren.

HANSEVALLEY: Bislang galt in der öffentlichen Verwaltung generell eher der Grundsatz 'Paragraph Eins: Jeder macht seins'. Nicht selten spielten dabei Budgets, Ressourcen und persönliche Anerkennung eine nicht ganz unwichtige Rolle. Wie wollen und können Sie die übergreifenden Vorhaben in der "Digitalen Stadt" über "liebgewonnene Gewohnheiten" hinweg anschieben und abstimmen?

Keine Angst vor offenen Fragen:
CDO Christian Pfromm (li.) auf der "Solutions Hamburg".
Foto: HANSEVALLEY

Christian Pfromm: Die Digitalisierung ist ein exzellentes Beispiel, an dem deutlich wird, wie wichtig es ist, dass Behörden selbst aktiv werden und Teilstrategien entwickeln. Bei allem Überblick, was die Entwicklung der Stadt angeht, sind wir auf das Zusammenspiel mit den fachlich zuständigen Behörden angewiesen, um echten Nutzen zu schaffen. Die Senatskanzlei nimmt dabei die Rolle des „Ermöglichers“ ein, die versucht durch strategische, technische oder rechtliche Beratung Hindernisse zu erkennen und aus dem Weg zu räumen, so dass ein Gesamtbild entsteht.

"Digitale Stadt": Gesamtbild, Teilstrategien, thematische Umsetzung.

Dr. Sebastian Saxe: Konkret leiten sich die Aktivitäten der Wirtschaftsbehörde BWVI aus den Leitplanken der Senatskanzlei ab. Übergreifende Impulse werden von uns im Diskurs erarbeitet. Da ich in Personalunion für das Hafenmanagement als CDO zuständig bin, kenne ich wiederum den Prozess aus Sicht der HPA - und deren Digitalisierungsaktivitäten leiten sich entsprechend von den BWVI-Leitplanken ab. Die Themenbereiche aber sind von der jeweiligen Behörde selbst zu füllen.

HANSEVALLEY: Das klingt ein wenig so, dass die Verwaltung in Hamburg schon „digital ready“ ist - oder zumindest den Einsatz ganz aktueller Entwicklungen und Möglichkeiten plant. Jetzt mal 'Butter bei die Fische': Wie sieht das konkret aus?

Christian Pfromm: Die Digitalisierung hat längst begonnen und wir sind mitten drin, wie das Stichwort „Urbane Daten“ zeigt. Als es darum ging, Flächen in der Hansestadt zu identifizieren, um mögliche Unterkünfte für Flüchtlinge zu planen, musste auf unterschiedliche Daten zurückgegriffen werden. Es hat sich gezeigt, dass wir über eine Vielzahl von Daten verfügen, diese bislang aber nicht vernetzt genutzt wurden. 'Wir befreien die Daten aus ihren Silos' klingt plakativ, ist aber genau das erforderliche Mittel. Die Vernetzung bestehender IT-Systeme macht urbane Daten erst fachübergreifend nutzbar. 

"Ein Vielzahl von Daten, bislang aber nicht vernetzt genutzt."

Als Institution hierfür haben wir Mitte 2017 den "Urban Data Hub" gegründet. Als Kooperationsvorhaben zwischen dem "City Science Lab" an der Hafencity Universität und dem Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung kümmert er sich technisch und organisatorisch darum, städtische Datenquellen übergreifend nutzbar zu machen. Und wir können schon jetzt erkennen, dass damit immer neue Themen im Sinne der "Digitalen Stadt" vorangetrieben werden können. So wird dort auch das genannte Vorhaben zu Flüchtlingsunterkünften für generelle Stadtentwicklungsprozesse weiterentwickelt.


"Viele Schritte sind ohne Wissenschaft und Wirtschaft nicht möglich."

Dr. Sebastian Saxe: Gerade im Bereich Verkehrswege und Logistik kann sich die Handels- und Logistikmetropole keinen Stillstand erlauben. Für manche wirkt der Hafen wie ein Experimentierfeld, was nicht von ungefähr kommt. Dabei müssen wir abwägen, welche Trends sich tatsächlich für die praktische Umsetzung eignen. Dies muss mit Augenmaß erfolgen, so dass es nicht zu Störungen im Betrieb kommt. Wir setzen an dieser Stelle ganz ausdrücklich auf Kollaboration. Viele Schritte sind ohne Beteiligung von Wissenschaft und Wirtschaft nicht möglich. 

Ein eingespieltes Hamburg Digital-Team (v.l.n.r.):
Christian Pfromm (FHH) und Dr. Sebastian Saxe (BWVI, HPA)
Foto: HANSEVALLEY

Das Hamburg hier auf dem richtigen Weg ist, zeigt der Gewinn des E-Government-Preises 2018 sowie die Ausrichtung des Weltkongresses für Intelligente Verkehrs- und Transportsysteme (ITS) in 2021. 

HANSEVALLEY: Zurück zu dem, was uns in naher Zukunft betrifft: Die Verwaltung bietet eine Vielzahl an Leistungen an, viele dieser Services finde ich heute aber noch nicht online. Was passiert, um wirklich zu einer "Digitalen Stadt" Hamburg für uns als Einwohner, für die Hamburger Wirtschaft und die Verwaltung zu kommen?

Christian Pfromm: Das Onlinezugangsgesetz des Bundes entfaltet gerade seine Wirkung. Es bedeutet, dass Bund und Länder dazu verpflichtet sind, alle Verwaltungsleistungen bis zum Jahr 2022 auch elektronisch zur Verfügung stellen zu müssen. Das sind gerade einmal 4 Jahre. Hier sehen wir eine Chance des Aufbruchs. Es ist wichtig, jetzt die Weichen zu stellen und Behörden zu befähigen, ihre Dienstleistungen online zu konsolidieren. Mit dem Programm "Digital First“ schaffen wir als Freie und Hansestadt eine „Factory“, die die Komplexität reduziert, so dass Services standardisiert online gehen können. 

Das Onlinezugangsgesetz: eine Chance des Aufbruchs.

Mit der Asbestmeldung und dem Anwohnerparken ist der Anfang gemacht. Darüber hinaus ist es eine gute und wichtige Gelegenheit, Kooperationen voranzutreiben. Hamburg hat da keine Berührungsängste und entwickelt gemeinsam mit Bremen „Kinderleicht zum Kindergeld“. Ein initialer Antrag stößt Dienste wie Namenbestimmung, Anzeige der Geburt, Bestellung der Geburtsurkunde und den Antrag auf Kindergeld an. Junge Eltern wissen, wie beschwerlich die Beantragung sein kann. 

Schon jetzt haben rund 500 Eltern ihr Kindergeld auf diesem Weg beantragt und sind begeistert, wie schnell dies funktioniert, wenn sich alle Beteiligten in den Verwaltungen an einen Tisch setzen. Obwohl der Prozess im Moment noch auf Papier ablaufen muss.

HANSEVALLEY: Lassen Sie uns in guter Tradition unserer Interviews einen praktischen Blick in die Zukunft wagen: 

Dr. Sebastian Saxe: Hinter vielen Erfolgen der Digitalisierung stehen nicht zuletzt Netzwerke mit ganz unterschiedlichen Disziplinen. Bereits in der Vergangenheit sind hier außergewöhnliche Ergebnisse erzielt worden, die Hamburg nach vorn gebracht haben. Urban Data hat beispielsweise bei der Frage nach Wohnungen bzw. Unterkünften entscheidende Impulse gegeben. Genauso haben wir bei der HPA erhebliche Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung im operativen Geschäft erwirkt. 

Robotergestützte Dienstleistungen mit autonomen Unterwasserdrohnen

Hier lohnt sich ein Blick auf den Multi-Touch-Tisch in der Nautischen Zentrale zur Schiffssimulation oder "Port Protect" zur Unterstützung von Lagebesprechungen im Katastrophenfall. Beides sind hervorragende Beispiele für erfolgreiche Digitalisierung. Ganz neu ist das Verbundprojekt "RoboVaaS" (Robotic Vessels-as-a-Service), bei dem wir uns auf robotergestützte Dienstleistungen mit autonomen und ferngesteuerten Schwimm- bzw. Unterwasserdrohnen konzentrieren.

CDO Dr. Sebastian Saxe mit einer klaren Botschaft: Teamwork.
Foto: HANSEVALLEY

Diese Services könnten in einem Hafen der Zukunft küstennahe maritime Operationen wie die Inspektion unterstützen oder sogar vollständig übernehmen. Etwaige Projekte sind ohne das Zusammenspiel von Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft jedoch nicht möglich. Digitalisierung ist Teamsport und verpflichtet zum Mitmachen und Mitgestalten. Wir haben auf der "Solutions Hamburg" ein Zeichen gesetzt und hoffen, dass dieser Impuls inspiriert und zum Mitmachen animiert.

HANSEVALLEY: Herzlichen Dank für die offenen Worte und die konkreten Einblicke in Ihre Arbeit!

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 Hamburg Digital Background: 

"Hamburg Digital": Gemeinschaftsstand Digitales Know-how auf der "Solutions Hamburg"

"Digitale Stadt": Steuerung, Projekte und Daten der Freien und Hansestadt Hamburg

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Hamburger Abendblatt: "Die Digitalisierung der Hamburger Verwaltung stockt" (26.10.2018)
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HANSEPERSONALITY Jens Meier: "Wir leben in einem Zeitalter der Veränderung – und das sollten wir als Chance sehen."
hv.hansevalley.de/2018/09/hansepersonality-jens-meier.html

HANSEPERSONALITY Christian Pfromm: "Digitalisierung ist Chefsache!"
hv.hansevalley.de/2018/06/hansepersonality-christian-pfromm.html

HANSEVISION: Von ehrbarer Kaufmannssiedlung zur Digitalen Metropole Hamburg.
hv.hansevalley.de/2018/01/hansevision-hamburg-digital-metropole.html

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe: Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt. 

Sonntag, 4. März 2018

HANSEEXKLUSIV Dr. Sebastian Saxe: ThIS! Der Expertenrat zur Digitalisierung.

HAMBURG DIGITAL EXKLUSIV





Am Dienstag, den 20. Februar d. J. trafen sich 27 namhafte Persönlichkeiten unserer Stadt auf Einladung des Senats im Gästehaus in Uhlenhorst. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hebt vor den Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft hervor: "Wir brauchen Zentren des Diskurses, die über das Jetzt hinausweisen und die Diskussionen zum Thema Digitalisierung auf einem hohen Niveau halten. Hamburg ist ein Knotenpunkt der Digitalisierung und der Innovation."



 Fordert den digitalen Diskus: Erster Bürgermeister Olaf Scholz
Foto: ThIS e. V.

Der exklusive Abend mit Vorständen, Innovatoren, Forschern und Spitzenpolitikern ist die Geburtsstunde von "The Interface Society - ThIS!" - den Expertenrat zur Digitalisierung in der Freien und Hansestadt sowie der Metropolregion. Initiator ist der führende Innovator in Wirtschaftbehörde BWVI und Hafenbehörde HPA, Dr. Sebastian Saxe. Das Hamburg Digital Magazin hatte die Gelegenheit, den Vorsitzenden des Expertenrats persönlich zu Intention, Ausrichtung und Zielen zu fragen. Ein Hamburg Digital Exklusiv:

Zum Einstieg ein kleiner Rückblick zur Ihrem Auftakt: 27 Interessenten waren am Mittwoch bei der Auftaktveranstaltung mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz im Senatsgästehaus an der Außenalster dabei. Wie ist das Feedback zu Ihrer Initiative?


  • Durchweg positiv, gute Atmosphäre, Aufbruchstimmung soiwe der Wille und die Kraft, etwas gemeinsam für unsere Stadt Hamburg zu machen. Es gab viele Gespräche in konstruktiver Atmosphäre.

Bringt die digitalen Leader zusammen: Dr. Sebastian Saxe
Foto: HPA

Sie haben die Gründung von "The Interface Society - ThIS" federführend initiiert. Was ist Ihr Leitgedanke, erfahrene Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an einen Tisch zu holen?


  • Kerngedanke ist, dass nicht nur eine getrennt technische, wirtschaftliche und wissenschaftliche, sondern eine ganzheitliche und gesellschaftliche Diskussion stattfinden muss. Ziele und Ausrichtungen der Digitalisierung müssen zwischen dem, was möglich ist und dem, was gesellschaftlich gemacht werden sollte, abgestimmt und harmonisiert werden. Um diesen kritischen Diskurs zu fördern und einen breiten Blick zu haben, gehören alle Akteure und Stakeholder an einen Tisch, die in einer solchen Diskussion einen wesentlichen, inhaltlichen Beitrag leisten können.

Es gibt mit dem "IT Executive Club" beim führenden norddeutschen Wirtschaftsverein Hamburg@work bereits einen Kreis der CIOs und CDOs an Alster und Elbe. Welche Gruppe von Repräsentanten sprechen Sie mit "ThIS" in erster Linie an?


  • "ThIS!" spricht alle Akteure im Thema Digitalisierung an und fokussiert bei Teilnehmern aus der Wirtschaft auf die Unternehmensführung, die die Veränderung durch die Digitalisierung ganzheitlich verantwortet. Der "IT Executive Club" ist im Kern eine IT-anwenderorientierte Vereinigung, die IT-Entscheider zusammenbringt und bereits viel in Hamburg in dieser Community und darüberhinaus bewegen konnte. Punktuell gibt es in den Zielgruppen und Themen Überschneidungen. Beide Plattformen ergänzen sich.

Ausgewählte Persönlichkeiten im Senatsgästehaus in Uhlenhorst.
Foto: ThIS e. V.

Ein wichtiger Baustein der "ThIS" ist die Erarbeitung wissenschaftlicher Thesen und Gutachten zur Digitalisierung. Gibt es dabei einen thematischen Fokus und was passiert mit den Ergebnissen?

  • Hierzu befinden sich die Gründungsmitglieder derzeit in der Abstimmung. Schwerpunkt wird aber u. a. das Themenfeld Digitalisierung und Ethik, die Herausforderungen zu Echtzeit-Intelligenz, der Bereich Smart City und nicht zuletzt das Metathema Daten sowie der sinnvolle und gesellschaftlich akzeptierte Umgang mit diesen Daten.

Sie sprechen von einer unabhängigen und interdisziplinären Plattform. Wie wird sich "The Interface Society" finanzieren und wie soll das Verhältnis zu Politik und Verwaltung gestaltet werden?


  • Über freiwillige Mitgliedsbeiträge. Bei "ThIS!" vernetzen wir Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Die Politik ist damit als eine der Säulen anzusehen. Wichtig ist uns, dass die Teilnehmer hierbei im Kern nicht als Vertreter ihrer Vereinigung, des Unternehmens oder als Politiker, sondern als Persönlichkeiten mit einem eigenen Interesse an dem Schwerpunkt des Vereins und nicht als Repräsentanten agieren.

Echte Aufbruchstimmung für das digitale Hamburg.
Foto: ThIS e. V.

Die "Interface Society" kooperiert mit der Plattform "Münchner Kreis". Wird es ähnlich wie in München neben dem Forschungsausschuss thematische Arbeitskreise geben, und wenn ja, welche?


  • Der Forschungsausschuss wird sich in thematische Arbeitskreise untergliedern. Welche können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschließend sagen. Bleiben Sie gespannt! Wir berichten gerne in einer der kommenden Ausgaben von HANSEVALLEY.

Laut Erklärung ist "The Interface Society" eine norddeutsche Plattform zur Vernetzung im Kontext der digitalen Transformation. Wie werden die anderen Küstenländer mit eingebunden werden?


  • Wie werden organisch wachsen: Vom Kern der Stadt Hamburg über die Metropolregion und darüber hinaus. Die „Internationalisierung“ ist durchaus gewünscht, soll aber nicht überstürzt sondern, sukzessive angegangen werden. Wir wolln ein gesundes Wachstum in unserem Verein.

Auftakt des Expertenrats "Interface Society - ThIS" in Hamburg.
Foto: ThIS e. V.

*  *  *

Vielen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

The Interface Society (ThIS) - Expertenrat der Digitalisierung e.V.
www.interface-society.de

Münchner Kreis, Übernationale Vereinigung für Kommunikationsforschung e.V.

Sonntag, 15. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Jens Assmann: So lange wir das "Beamen" nicht erfunden haben, brauchen wir physische Transportmittel.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Design Thinking, Digitalisierung, Transformation: Der Reeder fragt ich bei diesen Buzzwords: 'Was soll ich damit?' Und der Spediteur wundert sich: 'Seit wann kann man Container beamen?' Bei aller hanseatischen Zurückhaltung tut sich dennoch etwas zwischen Alster und Elbe: Ein Campus, ein Hub und ein Lab wollen der Logistik in die Zukunft verhelfen, ebenso, wie ein Netzwerk, ein Testfeld und diverse Runden.

Die Digitalisierung ist an Kaimauern, Terminals und Blocklagern angekommen. Die ersten fünf Startups haben den Digital Hub Logistics Hamburg bezogen. Etablierte Player laden zu Workshops und Meetups, um den Anschluss nicht zu verpassen. Mittendrin: die Handelskammer Hamburg mit dem langjährigen Kenner und Leiter Verkehr, Hafen und Schifffahrt. Unser HANSEPERSONALITY ist Jens Assmann:

Gehen wir gleich in die Vollen: Wo sehen Sie als langjähriger Kenner von Schifffahrt, Hafenwirtschaft und Logistik die besonderen Chancen als auch die speziellen Herausforderungen durch die Digitalisierung von Dienstleistungen und ganzen Geschäftsbereichen?

Die etablierten Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Geschäftsmodelle von Firmen herausgefordert werden, die bislang nicht zu ihren klassischen Konkurrenten gehören. Ein Start-up in der Logistik muss nicht zwingend aus dem Güterverkehr kommen, um diesen revolutionieren zu wollen.

Dadurch, dass vor allem die maritime Logistik sehr auf B2B-Beziehungen und weniger B2C-Kontakte ausgerichtet ist, sind sie bislang noch nicht so im Visier der Transformation durch Branchenfremde gewesen. Eines ist aber klar: „Lange Lunte, großer Knall“ - wie es eine Deloitte-Studie für die Logistik genannt hat - heißt zwar, dass man eine längere Vorwarnzeit als z. B. die Medienbranche hat, es bedeutet aber auch, dass der „Knall“ folgen wird und der „Digitalisierungs-Kelch“ an dieser Branche nicht vorüber geht.

Laut ihrem Hamburger Logistikbarometer sind die Hamburger Logistikunternehmen bereit, ihre Prozesse zu digitalisieren, hoffen aber darauf, dass der Kelch an ihren Dienstleistungen vorbeigeht. Was haben Kammer und Verbände versäumt, um Hafen und Logistik frühzeitig einzustimmen?

Sie sind durchaus eingestimmt. Wenn man über Digitalisierung redet, sind aber drei Ebenen zu unterscheiden: Digitalisierung von Prozessen, Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen und schließlich die Digitalisierung des Geschäftsmodells. In der Logistik gibt es noch zahlreiche Prozesse, die nicht vollständig digitalisiert sind und Medienbrüche aufweisen. Mit dieser Einstiegsebene der Digitalisierung haben sich viele Firmen schon vor etlichen Jahren auseinandergesetzt, andere haben ihn noch vor sich. Das Erstellen neuer Produkte und Dienstleistungen, die durch digitale Transformation ermöglicht werden, ist schon anspruchsvoller. 


Die Königsdisziplin ist dann die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells, quasi die Disruption von innen. Es gibt einige interessante Beispiele, bei denen große Firmen selbst ein Startup gründen. Wenn es gut läuft, bekommt es große Freiheiten und das Team kann ohne die „Legacy“ der Firma innovativen Ideen freien Lauf lassen. Am Ende des Tages muss man aber auch festhalten, dass wir, solange wir das „Beamen“ nicht erfunden haben, zum Transport von Gütern auch weiterhin „analoge“ und physische Transportmittel und Wege benötigen und Digitalisierung nicht alles auf den Kopf stellen wird.

Der Verband Deutscher Reeder lädt zu einem Blockchain-Workshop ein, die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler wird während der "Eisbein-Woche", im Digital Hub Logistics Unternehmen mit Startups vernetzen. Was werden Sie künftig unternehmen?


Gerade in diesem Jahr haben wir unsere Aktivitäten zur digitalen Transformation der Logistik in der Handelskammer deutlich ausgebaut. Bereits im Mai haben wir die fünf Hamburger Güterverkehrsverbände zu einem Workshop eingeladen, um gemeinsam über die raschen Veränderungen durch Digitalisierung im Markt zu sprechen. Im Juli haben wir dann eine große Veranstaltung zum Thema durchgeführt, bei der u.a. Frau Titzrath für die HHLA und Herr Dr. Rodi für Kühne+Nagel darüber berichtet haben, wie sich ihre Firmen auf die digitalen Transformation einstellen. 

Die Frage, ob die Blockchain-Technologie Lieferketten revolutioniert, haben wir dann in einer Veranstaltung im September erstmals diskutiert. In der kommenden Woche steht eine branchenübergreifende Delegationsreise unserer Handelskammer zu den Disruptoren ins Silicon Valley an und für 2018 planen wir bereits weitere Digitalisierungsveranstaltungen.

Der Chief Digital Officer der HPA - Dr. Sebastian Saxe - lädt auf HANSEVALLEY alle Player im Hafen - inkl. DAKOSY und HHLA - ein, die gewaltigen Herausforderungen der Digitalisierung im Schulterschluss zu meistern. Wie stehen Sie zu dem Vorschlag?

Die Logistikstandort Hamburg hat gerade mit seiner einmaligen Kompetenz im maritimen Bereich die Chance, ein Taktgeber der Digitalisierung zu werden. Ein Zusammenspiel der Hamburg Port Authority mit ihrer Zuständigkeit für die Digitalisierung der Hafeninfrastruktur mit den Firmen entlang der Wertschöpfungskette, die sich um die Digitalisierung der Prozesse beim Transport von Gütern kümmern, existiert bereits und sollte weiter intensiviert werden. 

Warum sollte sich Hamburg nicht zum Ziel setzen, der erste Standort in der Welt zu sein, der seine maritime Lieferkette als Prozess nicht nur digitalisiert, sondern komplett auf der Blockchain abbildet?

Dr. Alexander Geisler, Geschäftsführer der Hamburger Schiffsmakler und -agenten, fordert auf HANSEVALLEY eine stärkere Verbundausbildung, um dem Nachwuchs die ganze Bandbreite der durch die Digitalisierung zersplitterten Berufe zu vermitteln. Was werden Sie unternehmen?

Wir haben die maritimen Spitzenverbände in der letzten Woche zu einem Auftaktgespräch zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf maritime Berufsbilder eingeladen. Es geht darum, dass wir uns vor Augen führen, was sich bei dualen Berufen wie dem Schifffahrtskaufmann oder dem Kaufmann für Spedition und Logistik verändern wird und diskutieren, wie wir dies in die Berufsbilder einbringen wollen. Ende November wird es dann einen branchenübergreifenden Roundtable in unserer Handelskammer geben, der eine große Konferenz zur digitalen Transformation der Arbeitswelt für 2018 vorbesprechen wird.

Hamburgs "Kammer-Digitalisierer" und HSBA-Hochschulchef Uve Samuels fordert in seinem aktuellen Buch "Das Kapital 4.0" eine digitalisierte Kammer als Netzwerk für die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Was sagen Sie zu dieser mutigen Forderung?

Ich finde das spannend. Die zentrale Frage lautet: Was macht eine solche digitale Handelskammer für ihre Mitglieder besser, schneller, effektiver? Wie fördert sie den Erfolg der Unternehmen im Kontext der Digitalisierung optimal? Um das herauszuarbeiten, haben wir in der Handelskammer das umfassende Digitalisierungsprojekt "Digital Voraus" gestartet und stellen dabei unsere Prozesse und Angebote grundlegend auf den Prüfstand.

Unsere Hamburg-Frage an Sie: Es gibt zahlreiche Initiativen zur Digitalisierung, wie den "Digital Hub Logistics Hamburg", den "Hammerbrooklyn Digital Campus" und das geplante "Deutsche Maritime Zentrum". Was wünschen Sie sich von der Stadt, damit die Initiativen erfolgreich sind?

Das ist ein Thema, das mich sehr umtreibt. Neben den genannten Initiativen gibt es noch das "Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg" in der Handelskammer, das sich ebenso mit Logistik beschäftigt, das Netzwerk rund um die Bewerbung Hamburgs für den ITS-Kongress sowie das "Digitale Testfeld Hamburger Hafen" vom Bundesverkehrsministerium. So schön es ist, dass viele virtuelle und physische Plattformen zur Logistik entstehen, so sehr müssen wir darauf achten, dass Schnittstellen zwischen den Plattformen definiert werden. 

Für den Kunden dieser städtischen und privaten Angebote sollte schnell ersichtlich sein, welche Kernkompetenz angeboten wird und was die Unterschiede sind. Hamburgs Ziel muss es sein, dass diese Plattformen Etablierte und Start-ups zusammenbringen, damit ein organisiertes und ständiges Herausfordern und in Frage stellen stattfindet. Wenn das gelingt, werden die nächsten digitalen Logistikinnovationen aus Hamburg kommen.


Vielen Dank für die offenen Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.


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 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels:
Blockchain ist unsere Chance!

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe:
Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt

HANSEPERSONALITY Dr. Alexander Geisler:
Probleme vor Ort lassen sich selten in einen digitalen Prozess fassen.

01.11.2017: "EISBEIN-STARTUPS" - Logistics meets Digital
www.eventbrite.com/e/eisbein-startups-logistics-meets-digital-tickets-38800888502

Handelskammer Hamburg: Logistikbarometer 2017