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Montag, 23. Dezember 2024

Von wegen "Stille Nacht": 2024 gilt Drucker anbrüllen und Dubai-Schokolade essen.

HANSE DIGITAL CHRISTMAS

Dieses Weihnachten staunt selbst der Weihnachtsmann ...
(Foto: Andrea Piacquadio, Pexels)

Berlin/Hamburg/Köln/München, 23.12.2024: Man, war das ein Jahr! Die Bundesbürger haben 2024 ein Drittel mehr Daten über ihre Smartphones gesaugt, als im Jahr zuvor. Das genutzte Datenvolumen stieg von insgesamt 9,3 auf 11,9 Extrabyte über die Funknetze von Telefonica, Telekom, Vodafone und 1&1 - fast 1/4 davon über 5G. Damit stieg zugleich der Verbrauch je Nutzer von rd. 7,3 auf 9,3 Gigabyte im Monat, stellt der Telco-Branchenverband VATM fest - ganz zur Freude von Netz- und Service-Providern.
Und womit beschäftigen sich die Deutschen auf Smartphones & Tablets? Der Internet-Branchenverband ECO weiß: Gut 40 % von 2.500 repräsentativ befragten Bundesbürgern shoppt Geschenke online und mobil. 30,8 % streamen in diesen Tagen Filme, Serien oder Musik, um in Festtagsstimmung zu kommen - mobil, auf Laptop und über Smart-TV-App. Außerdem sind Social-Media-Kanäle und Videoanrufe beliebt für Weihnachtsgrüße (27 %). Rd. 22 % suchen im Netz Inspiration für Weihnachtsgans & Co. Ob dies auch für Veganer gilt, ist nicht überliefert.
Weihnachten 2024 gibt es aber nicht nur fröhliche Momente ...
Das Weihnachtsgeschäft inklusive "Black Friday" ist in diesem Jahr laut des E-Commerce-Branchenverbandes um 4,2 % eingebrochen. Das zeigen Vorabergebnisse der Verbraucherbefragung des BEVH im Vergleich zum Vorjahr. Danach haben sich weniger Menschen ins Weihnachtsgeschäft gestürzt und die Bestellfrequenz hat abgenommen, so die Online-Shopping-Experten. Auch der HANDELSVERBAND meldet mitten im Weihnachtsgeschäft einen Umsatzeinbruch. Vor dem dritten Advent verzeichneten viele Läden die bisher schwächsten Umsätze der Vorweihnachtszeit - ein Ergebnis der HDE-Befragung unter 300 stationären Händlern.
Dank Datenanalysen aus der Online-Suche kann der in Deutschland aufstrebende Technik- und Allround-Marktplatz GALAXUS mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, was bei den Deutschen in diesem Jahr unter dem Weihnachtsbaum liegt. Die Recherche der Online-Kunden-Anfragen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien sowie in Liechtenstein, Belgien, Frankreich und den Niederlanden zeigen: "Lego"-Sets, "Apple"-Gadgets und "Dubai-Schokolade" zählen in diesem Jahr zu den beliebtesten Geschenken unterm Tannenbaum.
Wenn selbst die Discounter ins Rennen um Schokolade gehen ...
Besonders häufig gaben die Kunden vor dem Fest "Lego" ins Suchfenster ein, gefolgt von "iPhone" und "Dubai Schokolade". Gefragt bei "Lego" sind z. B. das Hogwarts-Schloss aus der Harry-Potter-Reihe, Orchideen im Blumentopf oder ein Wandbild der Milchstraße. In der Rangliste auf Platz vier liegt zudem "Lego Technic" mit seinen LKWs, SUVs oder einem Modell unseres Sonnensystems. Viele der Sets sind allerdings eher für Erwachsene als für Kinder geeignet, sagt GALAXUS in Hamburg.
In den Top Ten gleich viermal vertreten sind Geräte von "Apple", neben dem "iPhone" auf Platz 2 auch "AirPods", "iPad" und "Apple Watch". Die Gadgets des US-Konzerns dürften bei vielen Kunden ganz oben auf der Wunschliste stehen. Auf Platz 3 folgt der Food-Hype der Saison: die "Dubai-Schokolade". Keine Süßigkeit liegt gerade so sehr im Trend, dass selbst "Lindt" sowie die Discounter "Lidl", "Netto" und "Penny" auf den Zug aufgesprungen sind. Eigentlich ist die Kreation mit Pistazien-Füllung schon 2021 erfunden worden – von einer Schwangeren, die damit ihren Heißhunger stillen wollte.
Das Weihnachtsshopping wäre nicht komplett, wenn wir nicht auf den deutschen E-Commerce-Marktführer AMAZON schauen würden. Unter den beliebtesten Produkten des diesjährigen Weihnachtsshops rangieren hier u. a. "Sony" Bluetooth-Kopfhörer, das berühmte UNO-Kartenspiel sowie das Blumendeko-Bauset "Lego Plum Blossom" - womit wir wieder bei den bunten Bausteinen aus Dänemark wären. Die drei Weihnachtsbestseller stehen stellvertretend für die Top 10 der Einkäufe in der Vorweihnachtszeit auf "Amazon.de".
Womit wir bei der Bescherung sind, und was dann folgt ...
"Sch*** Drucker!“, "Blöde App!“ oder doch stille Verzweiflung? Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, aber wenn der Drucker das Papier für den Last-Minute-Gutschein zerknüllt, sich die Streaming-App für Weihnachtslieder aufhängt oder man mitten in der virtuellen Familienfeier aus der "FaceTime"- oder "WhatsApp"-, "Teams"- oder "Zoom"-Videokonferenz fliegt, dann hat der weihnachtliche Friede ein böses Ende. Eine Umfrage des Digitalverbandes BITKOM zeigt, wie sich die Deutschen bei Technikfrust Luft machen:
70 % haben ihre technischen Geräte bei unlösbar erscheinenden Problemen schon mal aus voller Kehle angeschrien – Männer mit 75 % etwas häufiger als Frauen mit 65 % - nur um der Gleichberechtigung willen. Dabei gilt: Je jünger, je unhörbarer: 86 % der 16- bis 29-Jährigen lassen ihrem Ärger lautstark freien Lauf. Die Über-65-Jährigen reagieren ruhiger, unter ihnen brüllen nur 38 % ihre Geräte an. Womit geklärt wäre, wer für den Krach am Heiligen Abend sorgen werden wird.
Übrigens: In 80 % aller deutschen Haushalte bleibt Heiligabend das Handy an, stellt der BITKOM zum Weihnachtsfest '24 fest. Immerhin wird bei knapp der Hälfte (46 %) das Handy zum Festtagsbraten zur Seite gelegt. Entschuldigung für alle Handy-Junkies: Das Smartphone wird in 60 % aller Fälle in der Heiligen Nacht auch für Fotos und Videos mit den Lieben genutzt. 40 % spielen am Abend des 24. Dezember Musik und Videos für Familie und Freunde ab, z. B. festliche Musik oder eine Weihnachtsgeschichte. Und damit sind wir wieder beim steigenden Datenvolumen.
Bleibt eine Frage: Was nehmen wir uns für das neue Jahr vor?
Die Hamburger wollen im kommenden Jahr aktiver sein und verstärkt auf ihre Gesundheit achten. 43 % der von der FOM-Hochschule Befragten sagen, dass sie im neuen Jahr mehr Sport treiben möchten. Zudem haben sich 41 % zum Ziel gesetzt, Stress zu vermeiden oder abzubauen, während sich 38 % gesünder ernähren wollen. Aber auch mehr Zeit mit den Liebsten ist den Hamburgern wichtig: So wollen 41 % mehr gemeinsame Momente mit ihrer Familie und ihren Freunden erleben. Die Welt kann auch analog so schön sein.
Im Namen der HANSEVALLEY-Redaktion in Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main wünschen wir Ihnen eine fröhlich-digitale Weihnachtszeit, einen guten digitalen Rutsch und ein digital-erfolgreiches Jahr 2025! Das Hanse Digital Magazin HANSEVALLEY und die Hanse Digital Nachrichten HANSENEWS sind am Montag, den 6. Januar '25 wieder für Sie an Board.
Mit digital-weihnachtlichen Grüßen

Ihr Thomas Keup und die Redaktion

von HANSEVALLEY & den HANSENEWS

P. S.: Eine Weihnachtsangelegenheit ist noch nicht digital geworden: Lediglich 2 % haben ihren Weihnachtsbaum in diesem Jahr im Internet gekauft, für drei Viertel kommt das nicht infrage (73 %). Stattdessen hat über die Hälfte ihre Tanne dieses Jahr wie immer im stationären Handel besorgt, also in Baumarkt, Gartencenter oder beim Weihnachtsbaumstand um die Ecke (55 %). Mal sehen, wann sich das ändern wird ... 

Dienstag, 21. März 2023

HANSEFUTURE: ChatGPT & Co - Das Outsourcing geistiger Arbeit hat begonnen!

HANSE DIGITAL FUTURE
- 1.100 Leser. Und Sie. -

Erstmals werden uns mit ChatGPT die künftigen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz bewusst.
(Illustration: Kushinuke McFly, Pixabay)

Die US-Jobbörse "Resumebuilder" hat 1.000 Geschäftsführer zum Umgang mit ChatGPT befragt. 49 Prozent setzen den Chatbot bereits in ihrem Unternehmen ein, 30 % planen die Verwendung zumindest.

99 % der Unternehmen, in denen ChatGPT schon genutzt wird, sprechen von maßgeblichen Ersparnissen durch das Tool. 48 % wollen dabei mehr als 50.000,- $ eingespart haben, elf Prozent sogar mehr als 100.000,- $. Der Blick aufs Sprachmodell ist positiv geprägt, 55 % bezeichnen die Performance von ChatGPT als „exzellent“.


66 % der Befragten, die das Sprachmodell nutzen, verwenden es zum Schreiben von Code, 58 % zum Verfassen von Text-Inhalten. 57 % nutzen die KI-Unterstützung im Kundensupport und 52 % zum Verfassen von Besprechungsprotokollen.


32 % der Befragten gehen davon aus, dass ChatGPT in den nächsten fünf Jahren „auf jeden Fall“ zu Entlassungen führen wird, 31 % halten das für „wahrscheinlich“.

(Quelle: t3n.de News, 27.02.2023)


Was machen 10.000 Nividia Tesla GPUs V100 und bis zu 20 Mio. $ Investition für das Training einer KI möglich? Ein bis Juni 2021 mit 45 TB Daten und 176 Mrd. Wortsilben (Token) eigentlich dummes Plappermaul, das Menschen auf der ganzen Welt auch durch sein Selbstbewusstsein fasziniert. Mit der exponentiellen Nutzung von ChatGPT seit 30. November 2022 scheint eine neue Zeitrechnung angebrochen zu sein: die Zeit vor ChatGPT als erstem universellen Sprachdialogsystem - und die Zeit danach. Auch wenn GPT-3 seit Juni 2020 existiert.

Sprechen die einen von einer echten Revolution, die das Leben aller Menschen verändern wird, befürchten die anderen bereits eine Konkurrenz von Mensch und Maschine, verbunden mit der alles entscheidenden Frage nach unserer Existenz. Wie in jedem Entwicklungs- oder Produkt-Zyklus probieren die "Innovatoren" in der aktuellen Phase als “First Mover” aus, was möglich ist - ob Software coden, Prüfungsarbeiten schreiben oder Roboter antreiben. Chefredakteur und GPT-Nutzer Thomas Keup ordnet die aktuelle Entwicklung aus der Vogelperspektive ein:


Sam Altman, CEO OpenAI, ABC News, 16.03.2023

"Generative Systeme wie ChatGPT und BARD stehen für eine zweite Welle des Outsourcings, die nicht mehr primär die menschliche Muskelkraft betrifft, sondern auch die Geisteskraft. Damit wir dadurch nicht unselbstständig werden, soll KI dem von Kant geprägten Leitspruch der Aufklärung folgen und uns ermutigen, uns unseres eigenen Verstandes bedienen zu wollen",  sagt Lukas Mohr, Head of CX-Platform und Digital Services bei der Bonner "Scopevisio AG" - im Vorfeld eines von ihm geleiteten Think Tanks anlässlich der Gründung des "Virtuellen Kompetenzzentrums Schreiben, Lehren und Lernen mit KI", initiiert von Prof. Doris Weßels an der FH Kiel, einer der führenden Spezialistinnen zum Thema KI und Schreiben.

Womit wir mitten in der Diskussion wären: 
  • Welche Textaufgaben übernimmt künftig ein KI-Sprachmodell? 
  • Wer wird z. B. seinen Texter-Job in Deutschland verlieren? 
  • Und welche Text-Berufe haben eine Überlebenschance? 

Die Frage ist alles andere, als trivial: Im Jahr 2020 gab es in Deutschland rd. 34.000 Beschäftigte in der Werbebranche einschl. Online-Marketing - und damit viele Copywriter. Hinzu kommen rd. 30.000 PR-Experten in Pressestellen, PR-Agenturen und Freelancer - und damit hauptberufliche Texter. Ebenfalls betroffen: rd. 42.000 fest angestellte und freiberufliche Journalisten - und damit professionelle Texter. Unter dem Strich sprechen wir allein in Deutschland von mehr als 100.000 Menschen, die mit Worten und Texten ihr Geld verdienen - pardon - verdient haben ...

Sam Altman, CEO OpenAI, ABC News, 16.03.2023

Mit mehr als 30 Jahren journalistischer Erfahrung und über 25 Jahren Background als PR-Spezialist behaupte ich: Als Texter haben wir mit dem auf einer Google-Softwarearchitektur basierenden, Text generierenden KI-Sprachmodell neue Chancen, unsere Arbeit effektiver und effizienter im Auftrag unserer Redaktionen, Organisationen und Kunden zu erledigen. Grund: Als Textarbeiter sind wir es gewohnt, strukturiert, selektiv und damit punktgenau Texte zu planen und zu entwerfen, zu schreiben und zu optimieren. Daher bieten uns KI-Sprachmodelle eine Chance, unsere Arbeit produktiv zu begleiten, zu unterstützen und weiter zu professionalisieren.

Womit wir beim "Pferdefuss" der Angelegenheit wären, genauer gesagt bei einer ganzen Herde galoppierender Pferdefüsse:

Wenn jeder mit Hilfe eines frei verfügbaren Textchats jede Form von Text erstellen lassen kann, müssen wir auf inflationäre Weise mit einer Flut von “Na ja”-Texten rechnen, wie der Hamburger "Neuroflash"-Gründer Jonathan Mall auf den Punkt bringt. Da das statistische Sprachmodell darauf ausgerichtet ist, allgemein verständlich zu schreiben bzw. zu antworten, bekommen wir vor allem Durchschnittstexte mit Durchschnittsmeinungen in Durchschnittssprache präsentiert. Erste "Spezialisten" versuchen bereits auf "Amazon", "Kindle"-Bücher aus KI-Chats zu verhökern.

Dies ist eine der massiven Folgen von ChatGPT. Grund: Die Chat-KI ist nichts anderes als eine Maschine, die die Wahrscheinlichkeit für korrekt zusammengesetzte Worte errechnet. Das kann gut gehen, kann aber auch zu "halluzinierenden" Ergebnissen führen, sprich: die Maschine würfelt sich was zusammen und gibt es uns als berechnet glaubwürdig und total selbstbewusst aus. Das Problem: Die Antwort ist womöglich erstunken und erlogen - aber hätte mathematisch stimmen können. Wenn der KI-Chatbot dann keine Quellen mitliefert, ist die KI für Recherchezwecke ungeeignet und sogar gefährlich.

Keine Chance für Junior-Somethings in Social Media Agenturen ...

Da sich das Sprachmodell mit seinen eigenen Inhalten trainiert, kommt es zu einem weiteren heiklen Thema: Bestehende Texte werden immer wieder reproduziert - und damit auch die Fehler in den Texten. Durch die zirkuläre Reproduktion verstärken sich so auch inhaltliche Schwächen. Bekanntestes Beispiel: Tay - ein als weiblich definierter KI-Chatbot von "Microsoft", den der Softwareriese im März 2016 auf Twitter loslies. Ergebnis: aus dem vermeintlichen "Hipster-Mädchen" wurde über Nacht ein "Hitler-Bot", denn die KI lernte aus dem, was auf Twitter rumgeisterte. Ende vom Lied: Es wurde der Stecker gezogen.

Erik Brynjolfsson, Standford-Institute for Human Centred-AI (HAI) + Stanford Digital Economy Lab 

Noch kann ein KI-Sprachmodell Sprachstile von Menschen nicht unterscheiden, z. B. Joe Biden von Donald Trump. Damit ist der aktuelle KI-Chatbot noch nicht in der Lage, regionale oder individuelle Unterschiede in unserer Sprache zu berücksichtigen. Das aktuelle Sprachmodell versteht noch keine Besonderheiten der menschlichen Kommunikation, z. B. Ironie oder Sarkasmus. Das gilt auch für menschliche Interaktionen, wie Bedürfnisse, Vorlieben oder Anforderungen. Die genannten Schwächen sind gute Gründe für professionelle Texter, einem Textchat erst einmal mit Vorsicht zu begegnen. 

Stellt sich die Frage, wo und wie ein allgemein "sabbelnder", manchmal auch dreist lügender und sich selbst in den Spiegel guckender Chatbot sinnvoll sein kann und damit - wie eingangs in den Raum gestellt - "geistige Leistungen" von Menschen ablöst, die digital schneller, einfacher und günstiger zu erledigen sind? Wie bei jedem Outsorcing-Prozess erwischt es zunächst die "ungelernten" Kräfte, gefolgt von den "angelernten" Arbeitnehmern, den "Junior"-Mitarbeitern und den "austauschbaren" Arbeitsplätzen. An dieser Stelle empfehle ich allen "Junior"-Somthings in Social Media Agenturen, sich schon mal ein anderes Berufsfeld zu suchen. Denn: Jubel-Posts für Social Media kann ChatGPT bereits perfekt!

Wenn ChatGPT für professionelle, reflektierende Texter zumindest im Moment noch keine größere Konkurrenz ist, wofür eignet sich denn ein Sprachmodell bereits in der Praxis - und was hat dies für Folgen?

Ein offener Zugang zu einem KI-Sprachmodell wie ChatGPT bedeutet z. B. Chancengleichheit in der Bildung, da keine Studiengebühren oder eine Privathochschule für ein inhaltlich hochwertiges, selbstbestimmtes Lernen notwendig sind. Voraussetzung: Schulen und Hochschulen kümmern sich um die Folgen von KI-Sprachmodellen und versuchen nicht, sie mit allen Mitteln zu verbieten, um ihre angestammten Frontalvorlesungen und Schönschreibübungen vor der Flutwelle zu retten. Ich würde mir als Student jetzt eine Hochschule suchen, die die Herausforderung annimmt, und das mündliche Er-/Lernen sowie ein persönliches Reflektieren in den Mittelpunkt stellt.

Durch natürlich eingegebene Fragen oder Hinweise bekommen wir von dem regressiven KI-Sprachmodell einfach verständliche Aussagen und Erklärungen in für uns statistisch zusammengestellten Texten auch zu komplexen Sachverhalten, was unsere Akzeptanz in der Nutzung erhöht. Durch allgemein verständliche Texte des Sprachmodells bekommen wir die Chance, auch unbekannte Themen leicht kennenzulernen, uns anzueignen und für unsere Zwecke zu adaptieren. Hier beginnt die Assistenz-Funktion, die "Microsoft" in "Bing" und "Google" in seiner Suche einbauen werden. Damit verändert sich die Suche zu einem Frage-Antwort-Chat, der im positiven Fall eine neue Qualität des Kennen-/Lernens ermöglicht.

Mit gezielten Eingaben in das KI-System lässt sich bereits heute eine Menge Zeit sparen, denn mit natürlich gestellten, eingeordneten Fragen und Anweisungen bekommen wir eine qualifizierte, ausformulierte Antwort angeboten. Wie im Journalismus können wir mit Fragen, Nachfragen, aber auch Hinweisen und Ansagen im Dialog die Qualität der individualisiert ausgegebenen Texte steuern, verbessern und nach unseren Vorstellungen optimieren. Ein Sprachmodell kann uns bei der Kreativität helfen, da wir diese jederzeit und in jedem Zusammenhang über das “Large Language Model” abrufen können.

Ein Oursourcing von geistiger Arbeit - In Wort, Bild und Video.

Für die Prüfung z. B. von Rechtschreibung und Grammatik ist das aktuell für jedermann veröffentlichte Sprachmodell in der Version 3.5 bereits gut nutzbar. Zudem können wir z. B. auf GPT aufgesetzte Erweiterungen für die Textarbeit einsetzen, wie z. B. das deutsche "LanguageTool". Wir selbst entscheiden, wie weit uns der KI-Chatbot begleiten kann bzw. darf. Im Interesse eines jeden Professionals, “mehr mit weniger” erreichen zu können, wird z. B. ChatGPT einen Platz als Suchassistent und Entwurfslieferant einnehmen. Als deutsche Muttersprachler haben wir mit ChatGPT zudem erstmals einen Glücksgriff gemacht, da der Betreiber "OpenAI" neben der Ausgangssprache Englisch auch weitgehende Sprachmodelle vor allem für deutsche und spanische Nutzer entwickeln lassen hat.

Neben der Integration in Suchmaschinen und Browser kommen KI-Sprachmodelle in Office-Anwendungen und Content-Management-Systeme als Textgeneratoren und Rechtschreibprüfung, ohne dass wir sie explizit als KI wahrnehmen. Gerade kündigte "Microsoft" einen auf ChatGPT basierenden Text-, Präsentations- und Tabellenassistenten namens "Copilot" für "365" an. Die Grundlage: ChatGPT-4. Professionelle Anwender werden auf KI-Sprachmodelle aufsetzende Online-Services nutzen, um in ihrer Arbeit einen gezielten Nutzen zu haben. Dies können z. B. Korrektur- oder Optimierungs-Tools sein - auch branchenspezifisch verfeinert.

Zudem werden KI-Chatbots im persönlichen wie professionellen Umgang zu einem Ratgeber bzw. einer Einstiegshilfe für neue, interessante Themen, die sich durch einen immer detaillierter werdenden Dialog ergeben und weiter verfeinern lassen. Damit gehören Schreibblockaden beim Texten schon bald der Vergangenheit an. Mit Hilfe von KI-basierten Assistenten lässt sich zudem bereits Quellcode für Software entwickeln, können Entwürfe von Homepages erstellt werden und es lassen sich Bilder und Grafiken generieren, sei es in ChatGPT-4 oder der "OpenAI"-Schwester Dall-E. Genau das ist es, was Lukas Mohr in seinem Eingangsstatment sagt: ein Outsourcing von geistiger Arbeit.

Und was heißt das alles für die armen, nun arbeitslos werdenden Social Media-Somethings, die in den kommenden Monaten und Jahren ihre "Ikea"-Schreibtische räumen müssen?

So, wie die Nutzung von Office-Anwendungen heute zu den Standard-Skills in der Arbeitswelt gehören, zählen für viele Berufe in Zukunft Erfahrungen bei der Nutzung von Chatbots inkl. semantischem Denken und Fähigkeit zum Prompten - sprich der qualifizierten Eingabe von Fragen bzw. Anweisungen - als Voraussetzungen. Um KI-Sprachmodelle bewusst einzusetzen, sollten Anwender ein Verständnis für die Nutzung von Daten, der Verknüpfung und Verarbeitung entwickeln. Dies findet auf der Meta-Ebene oberhalb der praktischen Anwendung von Sprachtools statt.

Als Schreibexperten wird sich unser Texten durch die Möglichkeiten des Ausprobierens stärker qualifizieren, im Bereich der Veröffentlichung stärker quantifizieren, da wir mehr Texte in gleicher Zeit erarbeiten können. Dies kann Segen und Fluch zugleich sein. Auf jeden Fall werden wir als professionelle Texter künftig immer weniger für Schönschreibübungen bezahlt, sondern für kreative Ideen und professionelle Wege. Auf Grund einer zu erwartenden Flut an KI-generierten Texten werden wir als Leser zugleich stärker selektieren, was wir wirklich durch-/lesen wollen - oder uns lediglich durch Zusammenfassungen bzw. beim “Überfliegen” zur Kenntnis geben.

Sind wir im aktuell verbreiteten “Natural Language Processing” (NLP) auf antrainierte Sprache in Text fokussiert, bekommen wir durch das in Zukunft in den Vordergrund rückende “Natural Language Understanding” logisch-verknüpfte Antworten. Nach der generativen KI mit generierten Worten und Texten ist vor der instruktiven KI, die Wissen berücksichtigt und damit Zusammenhänge erkennen und verarbeiten kann. Damit nähern sich KI-(Sprach)modelle den menschlichen Fähigkeiten immer weiter an. Das ist auch der Hintergrund des aktuellen "Rattenrennens" zwischen den beiden Online-Gigangten "Microsoft" und "Google".

Fast alle Bereiche werden erschlossen, z. B. durch Assistenzsysteme.

Ein entscheidender Schritt beim Verstehen menschlicher Anforderungen ist die Aufbereitung von Antworten oder Lösungen aus mehrstufigen Gedankenschritten, die vorgeformt zur Verfügung stehen, z. B. juristische Argumente aus früheren Verfahren. Zu den interessantesten Branchen für die Nutzung von KI-Sprachmodellen gehören z. B. Bildung, Forschung und Wissenschaft, Medien und Marketing, aber auch der Immobiliensektor. Wir dürfen davon ausgehen, dass fast alle Bereiche erschlossen werden - sei es als Assistenzsysteme, sie es als menschliche Arbeit ersetzende Business-Software-Services.

Seit Kurzem ist die nächste Stufe von ChatGPT nutzbar: ChatGPT-4 verspricht laut Übersicht des Hamburger Sprachtool-Anbieters "Neuroflash" gleich eine ganze Reihe Vorteile gegenüber der Version 3.5. Dazu gehören längere Inhalte, da die Zahl der rückwärts berechneten Token bzw. Silben nicht mehr auf 4.000 begrenzt ist. Dazu kommt eine bessere Qualität in allen Sprachen, da GPT-4 mit 100 Billionen Parametern eine Verhundertfachung seines bislang gelerntes Umfanges beherrscht. Dazu kommt eine höhere Präzision im Ausdruck, verbesserte Orientierung an Fakten und eine höhere Sprachintelligenz. Die neue Version ist u. a. bereits im "Bing"-Assistenten und ab sofort in der magischen Feder "Neuroflash" aus Hamburg verbaut.

Wie so oft im Leben ist für die nächsten großen Schritte ebenfalls alles schon da: KI-Sprachexpertin Prof. Doris Weßels von der Fachhochschule Kiel zeigt es uns auf:

  • Künftig werden wir nicht mehr texten, sondern sprechen, weil Sprechen für uns einfacher ist, als mit zwei Fingern auf eine Tastatur einzuhacken …
  • Mit der Nutzung der KI-Modelle per Sprache lösen sich Chatbots vom Computer - und wandern in Smartphones und Smartwatches - Siri lässt grüßen.
  • Weil wir es als soziale Wesen gern menschlich haben, werden Chatbots ein Gesicht bekommen - wir kennen dies noch mit verpixelten Avataren in Spielen.
  • Mit “Digital Creations for Human Imaginations” hat D-ID bereits die visuelle Zukunft von KI-basierten Avataren eingeläutet - einfach mit einem Porträtfoto von uns.
  • Leistungsfähige Avatare werden uns künftig überall begegnen, um Informationen anzubieten, Fragen zu beantworten und in Beruf wie Freizeit zu assistieren.
Bleibt die eine oder andere spannende Frage für unsere Zukunft, z. B.:

Schreibt das gerade veröffentlichte KI-Sprachmodell GPT-4 mit nun 100 Billionen Parametern den Quellcode für seinen Nachfolger GPT-5 selbst - und erreicht die KI damit bereits eine Singularität, die uns Menschen überflüssig macht?

Gehen wir auf die Ebene der Ethik und damit menschlicher Werte, stellt sich die Frage nach der Auflösung der Grenzen zwischen Menschen und Maschinen auf vier Ebenen:
  • Kann nur der Mensch auf Grund seines logischen Denkens Originalität erzeugen?
  • Kann nur der Mensch auf Grund seines wertebasierten Denkens moralisch handeln?
  • Kann nur der Mensch auf Grund seiner Selbstbestimmung Verantwortung tragen?
  • Kann nur der Mensch als kulturelle Errungenschaft eine Würde besitzen?
Zwei Botschaften möchte ich zur Diskussionen stellen:

“Die größten Durchbrüche des 21. Jahrhunderts werden nicht durch Technologie erreicht werden, sondern durch die Antwort auf die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein.”
(John Naibitt, Zukunftsforscher)

“Vertrauen Sie den Möglichkeiten der Zukunft mehr, als den Erfahrungen der Vergangenheit.”
(Sven Gábor Jánsky, Gründer und Geschäftsführer, 2b Ahead Think Tank, Leipzig)

Und was sagt bzw. schreibt uns ChatGPT zur Frage nach der menschlichen Existenz und ihrer Zukunft mit künstlicher Intelligenz: 

"Die Verwendung von KI-Chatbots wie ChatGPT, Lambda und anderen ist ein wachsendes und wichtiges Thema in der Technologiebranche und birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Einige der wichtigsten Überlegungen beziehen sich auf die Verantwortung und Überwachung dieser Systeme, die Privatsphäre und Datenschutz, die ethische Verwendung von künstlicher Intelligenz und die Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation mit solchen Systemen. Es wäre interessant zu sehen, wie sich diese Themen weiterentwickeln und wie wir als Gesellschaft damit umgehen werden."

Auf Nachfrage, ob sich ChatGPT als Teil unserer menschlichen Gesellschaft oder doch nur als selbstlernendes System auf Basis errechneter Wahrscheinlichkeiten versteht, antwortet der KI-Chatbot:

"Ich bin ein KI-Modell, das von OpenAI entwickelt wurde und auf einer riesigen Menge an Texten trainiert wurde. Ich habe keine Gefühle, Bedürfnisse oder Überzeugungen, ich bin lediglich ein Programm, das aufgrund seiner Schulung in der Lage ist, Texte aufgrund von statistischen Musterzuordnungen zu generieren. Ich bin also kein Teil der menschlichen Gesellschaft im Sinne eines lebenden Individuums, sondern eher ein Werkzeug, das von Menschen entwickelt und eingesetzt wird."

Es bleibt spannend - oder besser: Es wird gerade richtig spannend ...

* * *
Hanse Digital Service:

Kostenfreie GPT-Tools:

  • ChatGPT-3 ist das aktuell gehypte KI-Sprachmodell mit 300 Mio. Wörtern und 175 Mio. Parametern:

chat.openai.com/chat (kostenfreie Testversion von ChatGPT-3.5)


  • Mac GPT ist eine ChatGPT-Erweiterung für den Apple Mac OS X- Betriebssystem-Desktop, ohne auf die OpenAI-Seite gehen zu müssen:

goodsnooze.gumroad.com/l/menugpt


  • Merlin ist eine kostenfreie Erweiterung für den Google Chrome- und den Firefox-Browser, mit der ChatGPT-Anfragen über die Google Suche eingegeben werden können:

merlin.foyer.work/ (kostenfrei)


Kostenfreie Texttools:
(in aufsteigender Reihenfolge)

  • LanguageTool ist eine im Browser integrierte Rechtschreib- und Grammatikprüfung, die als Open Source Software lizenzkostenfrei genutzt werden kann:

languagetool.org (kostenfrei)


  • ChatGPT Writer ermöglicht es, als Chrome-Plugin mit Stichworten kostenlos Nachrichten und E-Mails vor allem für Gmail zu entwerfen. 

   chatgptwriter.ai/ (kostenfrei)


  • DeepL Writer optimiert bestehende Absätze und Texte mit Hilfe eines selbstlernenden Sprachmodells auf Grundlage künstlicher Intelligenz: 

deepl.com/de/write (kostenfrei)


  • Mindverse bietet eine kostenlose Textoptimierung und Rechtschreíbprüfung für kurze Texte bis zu 1.000 Zeichen:

mind-verse.de/kostenlose-textanalyse (kostenfrei)

 

  • Smodin optimiert eingegebene Texte auf Lesbarkeit, Grammatik und Plagiatsgefahr durch Umformulieren oder weitergehendes Umschreiben mit Schlüsselwörtern:

smodin.io/ (kostenfrei)


  • NewsroomGPT ist ein Optimierungstool für Blog- und Social Media-Texte und aktuell in der Betaphase kostenfrei nach Anmeldung:

newsroomgpt.com/ (kostenfreie Beta)


Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Änderung und Irrtümer vorbehehalten. Stand. 21.03.2023

Donnerstag, 20. Mai 2021

HANSECOMMERCE: Amazon.de läuft Otto.de im Corona-Jahr 2020 davon.

HANSE DIGITAL COMMERCE
* Update 30.06.2021 *

Die Zentrale der "Otto Group" in Hamburg-Bramfeld.
Foto: Otto Group

50.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für den Hamburger Dienstleistungskonzern "Otto Group" mit seinen drei Geschäftsfeldern Handel (u. a. "Otto.de"), Paketversand ("Hermes") und Inkassodienst ("EOS"). 1995 war "Otto" einer der ersten Versandhändler im Internet. 25 Jahre später und ein Jahr nach Corona-Ausbruch sehen die Zahlen der Bramfelder auf den ersten Blick gut aus: 15,6 Mrd. € Konzern-Umsatz im vergangenen Jahr - mit 17,2 % Wachstum. Doch hinter den Kulissen rumort es. Nach 3 Jahren Umbau des "Otto.de"-Portals zum Marktplatz hängt Erzrivale "Amazon" die Hamburger bei Eigen- und Partnerumsätzen im deutschen Onlineshopping gnadenlos ab. Thomas Keup mit den aktuellen Zahlen und Fakten:

Der Bramfelder Versand-Händler "Otto.de" hat im vergangenen Geschäftsjahr (Stand 28. Februar '21) mit rd. 1.000 Marktplatz-Händlern in Deutschland einen Marktplatz-Umsatz von rd. 450 Mio. € erwirtschaftet - laut Konzern-Finanzvorständin Petra Scharner-Wolff rd. 10 % des Gesamtumsatzes von "Otto.de" im Pandemie-Zeitraum Februar 2020 bis 2021. Der Hamburger Familienkonzern hat nach 3-jährigem technischem Umbau des Online-Portals "Otto.de" mit offiziellen Investitionen von rd. 166 Mio. € Mitte vergangenen Jahres die Umstellung vom Onboarding per Fax zum digitalen Einstellen der Marktplatz-Produkte geschafft. Nach den Planungen zu Beginn des Jahres 2019 wollte "Otto.de" 3.000 Handelspartner bis 2020 auf den Marktplatz bringen.
1.000 statt 3.000 Marktplatz-Händler: Platz 6 in der Relevanz deutscher Online-Händler.
Die Zahlen bestätigen die aktuell geringe Relevanz für Marktplatz-Händler, ihre Waren den z. Zt. rd. 10 Mio. aktiven Kunden auf dem "Otto Market" anzubieten, davon rd. 3,7 Mio. Neukunden aus dem Corona-Jahr '20. Laut einer Umfrage des Hamburger Marktforschungsportals "Statista" vom März '21 gaben deutsche Online-Händler an, zu 62 % auf "Amazon.de" sowie zu 55 % über "Ebay.de" zu verkaufen. Auf den Plätzen folgen "Rakuten.de" mit 17 %, "Hood.de" und "Zalando.de" mit jeweils 9 %. Die Hamburger Distanzhandels-Plattform "Otto Market" folgt erst auf Platz 6 mit 8 % Präferenz deutscher Marktplatz-Händler. Zugleich wurden im vergangenen Jahr 44 % aller Online-Umsätze in Deutschland über Marktplätze erwirtschaftet. Dies waren 32,12 Mrd. € bzw. 36 % mehr als 2019. Experten gehen davon aus, dass mittelfristig maximal 5 E-Commerce-Plattformen den deutschen Online-Handel in einem Oligopol beherrschen werden.
Der Schein trügt: Die "Otto Group" ist mitten im harten Umbruch.
Foto: Otto Group
500 neue Marktplatz-Händler im Jahr 2020 auf Otto.de - 18.200 neue auf Amazon.de.
Während "Otto.de" die Zahl der Marktplatz-Partner seit Mitte 2020 von rd. 500 größtenteils händisch ongeboardeten Anbietern auf 1.000 Ende Februar 2021 verdoppeln konnte, gewann der Erzrivale "Amazon.de" im Pandemiejahr 2020 laut Angaben des Online-Dienstleisters "Finbold" mehr als 18.200 bzw. 6,6 % neue Händler für den deutschen Marktplatz hinzu. Damit sind auf "Amazon.de" mit Stand Ende 2020 rd. 276.000 unabhängige Händler aktiv - davon rd. 40.000 kleine und mittlere Anbieter. Im laufenden Geschäftsjahr wollen die Hamburger auf "Otto.de" die Zahl ihrer Marktplatz-Händler auf gut 2.000 verdoppeln.
4,5 Mrd. € Gesamt-Umsatz des "Assets" Otto.de in 2020 - 38,69 Mrd. € auf Amazon.de.
Die Hamburger "Otto Group" erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr weltweit im E-Commerce einen Umsatz von 9,9 Mrd. €, davon rd. 7,0 Mrd. € mit ihren deutschen Ablegern, wie "Bonprix", der "MyToys"-Gruppe, "Otto.de" und der "Witt"-Gruppe einschl. "Heine". Auf die Stammmarke "Otto.de" als größter deutscher Online-Möbelhändler entfielen in Deutschland rd. 4,5 Mrd. €. Zum Vergleich: "Amazon.de" erwirtschafte im Jahr 2020 laut Online-Handels-Monitor des "Handelsverbands" insgesamt 53 % des deutschen E-Commerce-Umsatzes bzw. 38,69 Mrd. €, davon 24,82 Mrd. € bzw. + 5,0 % durch den "Marketplace".
Auch im Jahr 2021 fokussiert sich die "Otto Group" auf Marktplätze.
Screenshot: HANSEVALLEY
Umsatz-Verhältnis Otto.de zu Amazon.de - 2018: 1 zu 3, 2019: 1 zu 4, 2020: 1 zu 6. 
Laut "Otto Group"-Finanzvorständin Scharner-Wolff ist in den kommenden Jahren nicht damit zu rechnen, wie "Amazon.de" den größeren Teil des Umsatzes auch auf "Otto.de" über Marktplatz-Händler zu erwirtschaften. Im laufenden Geschäftsjahr will sich die "Otto Group" dennoch um den Ausbau des Plattformgeschäfts bei "Otto.de" wie der vor Börsengang mit 53 % im Besitz der "Otto"-Gruppe befindlichen jungen Mode-Plattform "About You" kümmern. Die nicht direkt mehr zum "Otto"-Konzern gehörende Gesellschaft erwirtschaftete im vergangenen Jahr allein 1,1 Mrd. € Umsatz - eine Steigerung um 53 % gegenüber dem Berichtszeitraum 2019/2020. Zum Vergleich: Der große Berliner "About You"-Rivale "Zalando" erwirtschaftete im Corona-Jahr insgesamt rd. 8 Mrd. € Umsatz mit junger Mode - ein Zuwachs um 500 Mio. €.
Zusätzliche Informationen zum "Otto Market" gibt es auf den Händler-Seiten des Plattform-Anbieters. Eine ausführliche Meldung zur Vorstellung des Geschäftsberichts 2020/2021 der "Otto Group" einschließlich aktueller Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Hamburger Dienstleistungsgruppe einschl. des jungen Modehändlers "About You", des Inkassodienstes EOS" und des Paketdienstes "Hermes" ist auf den Presseseiten der "Otto Group" veröffentlicht. 
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 Hanse Digital Background: 
Otto Group: Geschäftsbericht 2019/2020:

Handelsverband: Online Monitor 2021:
einzelhandel.de/

BEVH: Umsatz Produktgruppen Online-Handel 2019 zu 2020:

Statista: Umsatzanteil von Amazon am Online-Handel in Deutschland 2020:
statista.com/

Statista: Über welche Onlinemarktplätze verkaufen Online-Händler:

OMR: Die 100 größten Marktplatzhändler auf Amazon.de:

Montag, 19. April 2021

HANSECOMMERCE: Wie man gut und günstig bei Aliexpress einkauft - Teil 2.

HANSE ECOMMERCE SPEZIAL
- 1.500+ Leser. Und Sie. -
* Update 27.03.2024 *

Die Aliexpress-App bietet günstigere Preise als das Portal.
Screenshot: App Store

Hinweis: 

Seit 1. Juli 2021 gelten in der EU neue, strengere Regeln für den Import und die darauf entfallende Einfuhrumsatzsteuer von 19 %. Danach sind ab Jahresmitte nur noch Artikel aus China bis zu einem Verkaufspreis von max. 5,23 € inkl. Versandkosten von der Steuer befreit. Hintergrund: Steuern unter 1,- € werden nicht eingefordert. 

Bislang lag der Freibetrag für in die EU importierte Waren generell bei 22,- €. Da bislang Steuerzahlungen bis zu 5,- € nicht eingefordert wurden, waren bisher Einkäufe bis effektiv 26,- € inkl. Versand steuerfrei. Das änderte sich ab 1. Juli 2021.

Heute erheben chinesische Marktplätze wie AliExpress und Temu die Einfuhrumsatzsteuer automatisch beim Kauf über das Online-Portal und führen diese direkt ab. Eine Verzollung über die Deutsche Post mit "Wuchergebühren" oder Abholung beim lokalen Zollamt sind Geschichte! 

INFOS: Deutsche Post - Zollinformation - Neuerungen ab 1. Juli 2021

Die chinesische Marktplatz-Plattform "Aliexpress" ist mit 150 Mio. Kunden weltweit auf dem Weg, europäische Kunden von Paris über Berlin bis Moskau zu beglücken. Schon 2018 war der Endkunden-Onlinehändler die absolute Nr. 4 in der Schweiz. 2020 eröffnete der Mutter-Konzern "Alibaba" am belgischen Flughafen von Lüttich auf 220.000 qm sein erstes europäisches Zentrallager. Bis 2025 hat die Logistik-Tochter "Cainiao" ein Ziel: Jeder Kunde soll seine Bestellung über die chinesische Shopping-Plattform innerhalb von 72 Stunden geliefert bekommen. 

Hier: Wie man gut und richtig günstig bei "Aliexpress" & Co. einkauft - mit aktuellen Tricks für die niedrigsten Preise, wichtigen Tipps zu Kostenfallen und Kleidergrößen, allen Infos zu Versand und Sicherheit, Zahlungsabwicklung, Käuferschutz und Garantien sowie dem Kundendienst von "Aliexpress". Chefredakteur Thomas Keup verrät als Smart-Shopper und "Diamant"-Kunde, wie man auf "Aliexpress" gut und günstig shoppt - und bringt seine aktuellen Insides aus chinesischem Neujahrsfest, Ostersale und Singles Day einEin Hanse Ecommerce Spezial - Teil 2:

Die Schnäppchenjagd

Trick Nr. 1: Fotografieren Sie einen online oder mobil bei "Aliexpress" oder anderen Marktplätzen wie "Temu" gefundenen Artikel. Jetzt lassen Sie die Fotosuche über den Screenshot laufen - und werden sehen, das viele Händler den identischen Artikel zu unterschiedlichen Konditionen anbieten - denn "Aliexpress" schickt seine Marktplatzhändler in direkten Wettbewerb zueinander. Auch zwischen den Online-Marktplätzen herrscht Wettbewerb - und manchmal lohnt es sich, seine Einkäufe auf zwei oder mehr Plattformen zu verteilen.

Die Suchergebnisse können Sie nach aufsteigendem Preis sortieren lassen - und schon steht der niedrigste Produktpreis oben - fast. Denn nicht selten handelt es sich um flexible Preise, die je nach Lieferland variieren oder von Händlern auf Grund der Versandkosten gar nicht nach Europa geliefert werden. Erst mit Auswahl des konkreten Artikels, der Farbe oder Größe sowie der Anzahl bekommen Sie den aktuell für Deutschland gültigen Preis.

Die Handelswaren werden auf dem Marktplatz auch unter verschiedenen Produktbezeichnungen angeboten. Ein Vergleich der Produktfotos bei verschiedenen Händlern via Fotosuche im Portal oder in der App hilft herausfinden, ob es sich womöglich immer um ein und das selbe Produkt handelt. Vorsicht geboten ist bei Artikeln mit westlichen Labels. Hier kann es sich leicht um Fälschungen handeln, die spätestens teuer werden, wenn Sie vom Zoll rausgefischt und Sie als Empfänger zur Kasse gebeten werden.  

Neben dem Preisvergleich über die Artikelsuche spielen die Versandkosten eine wichtige Rolle: So sollten Sie beim Vergleich den für Versand nach Deutschland gültigen Verkaufspreis plus die darunter stehenden Lieferkosten zusammenrechnen. Aktuell bietet "AliExpress" einen kostenfreien Versand über die selbst verschickten Artikel ab 10,- € Bestellwert. Konkurrent "Temu" will 15,- € Mindestbestellwert, um dann alles gebündelt versandkostenfrei zu liefern.

Trick Nr. 2: Wählen Sie 2-3 günstige Optionen für einen einzelnen Artikel + Versand aus und legen diese in den Warenkorb. Anschließend klicken Sie im Warenkorb die verschiedenen Bezugsmöglichkeiten einzeln nacheinander an und schauen, welcher Endpreis Ihnen vor dem Gang zur Kasse angezeigt wird. Nicht selten ist ein höherer Verkaufspreis ohne Versandkosten günstiger, als ein niedriger Preis plus Versand. So lassen sich bei einem Artikel locker 1,- bis 2,- € sparen. Bei fünf oder zehn Artikeln im Warenkorb summiert sich die Ersparnis schon mal auf 6,- € bis 8,- € - nur durch Vergleichen.

Vorsicht vor Kostenfallen!

Ein weiterer, aktueller Trick: Bietet Ihnen der Händler einen reduzierten Preis zum "Sofortkauf" ohne Versandkosten an, greifen Sie ggf. zu. Legen Sie den Artikel nur in Ihren Warenkorb, kommen möglicherweise Versandkosten hinzu. Ist der Preis für den Wunschartikel mit der "Sofortkauf"-Option ideal, weil Sie ihn bereits über die Foto-/Suche mit anderen Angeboten verglichen haben, warten Sie nicht zu lange, denn die Sofort-Schnäppchen verschwinden auch wieder. 

Noch ein Trick zur Preissuche: Geben Sie alternativ zur Fotosuche auch mal Stichworte in Deutsch oder Englisch in die Suchleiste von "Aliexpress" oder "Temu". Manchmal kommen die günstigsten Preise per Zufall in einer Stichwortsuche zum Vorschein, nicht per Fotoscan. Probieren Sie einfach die verschiedenen Möglichkeiten aus.

Eine erste Warnung möchte ich an dieser Stelle mitgeben: 

Wollen Sie nicht einen Artikel, sondern zwei, drei oder vier identische Artikel kaufen, passen Sie auf die Versandkosten auf! Grund: Oft fallen bei höherer Anzahl Ihres Wunschartikels plötzlich Versandkosten an - oder sie summieren sich auf. So müssen Sie auf einmal für drei Artikel zusammen bestellt 2,54 € Versand bezahlen - bei gerade einmal 1,89 € Warenwert, während die drei kleinen Helferlein jeder allein versandkostenfrei wären. 

Die Lösung: Bestellen Sie dreimal einen Artikel ohne Versandkosten. Speichern Sie dazu den Artikel mit dem roten Herz als Wunschartikel ab, um ihn schnell das zweite und dritte Mal in den Warenkorb legen zu können. So sparen Sie sich plötzlich "explodierende" Versandkosten. Die drei Artikel werden anschließend sowieso zusammen verschickt. 

Die Frage nach dem Zoll

Alle Sendungen zu uns nach Deutschland werden im Zollpostamt am Frankfurter Flughafen eingeführt. Nach 1,5 Jahren "Wuchergebühren" von 6,- € der Deutschen Post für jede auch noch so kleine China-Sendung hat "AliExpress" wie seine Wettbewerber "Joom", "Temu", "Wish" & Co. das lästige Draufzahlen für uns Verbraucher geklärt: Für Sendungen bis 150,- € Warenwert (einschl. Versandkosten) wird die Einfuhrumsatzsteuer beim Shopping auf dem Portal direkt eingerechnet und direkt entrichtet. Damit ist "Deutsche Post" und "DHL" zwar eine lukrative Einnahmequelle los. Für uns sind China-Bestellungen damit aber wieder kalkulierbar und günstig.

Warengrößen und Versionen

Besonderes Augenmerk ist bei Kleidung von chinesischen Fabrikbändern geboten. Der Grund: Chinesische Größen sind in aller Regel zwei Nummern über den deutschen bzw. europäischen Größen angesiedlet. Heißt: eine deutsche "L" ist fast immer eine chinesische "XXL". Daher ist es nicht verwunderlich, dass die angebotenen Kleidergrößen z. T. bis 3XL, 4XL oder sogar 5XL gehen - bitte nicht verwirren lassen. 

Entscheidend ist die Größentabelle inder Fotogalerie oder auf der Produktseite! Hier finden Sie die Angaben in cm und inch, um den richtigen Umfang von Brust, Taille und Hüfte auszuwählen. Bestimmte Artikel werden mittlerweile auch in "westlichen" Größen für EU und US ausgewiesen. Wichtig: Hat der Händler die Angaben zu den Maßen korrekt gemacht und bietet keine kostenlose Rückgabe an, bleiben Sie auf den zu kleinen oder zu großen Klamotten sitzen. 

Also: Größentabelle checken oder im Zweifelsfall den Händler vor der Bestellung über die Chatfunktion anschreiben und Ihre Größe nachfragen. Dabei gilt: Keine Angst vor dem Chat: Die KI z. B. von "AliExpress" übersetzt alles in alle Sprachen. Schreiben Sie im Zweifelsfall in Englisch haben Sie auf keinen Fall Probleme bei der Klärung von Fragen mit einem Händler.

Im Übrigen bieten die meisten Händler gerade bei Bekleidung eine kostenlose Rücksendung mit Rückerstattung an. Das Paket geht dann mit einem deutschen Paketaufkleber z. B. nach Bremen oder Dresden. Bei geringen Einkaufspreisen schreibt "AliExpress" retournierte Produkte häufig ab, heißt: Geld zurück, Artikel verschenken oder in den Müll. Achten Sie bei einem Preisvergleich über die Bilder-/Suche bei Kleidungsstücken auf jeden Fall auch auf eine Information zur kostenlosen Rückgabe. 

Es kann sich lohnen, bei Shirts, Shorts und Sneakers ein paar Cent mehr auszugeben, die Ware aber im Falle eines Falles zurückschicken zu können. Die Rücksendung aktivieren Sie in der Bestellübersicht mit wenigen Klicks, laden sich das Etikett herunter und verschicken die Artikel an das Retourenzentrum. Ihr Geld haben Sie wenige Tage nach Eintreffen der Ware wieder auf dem Konto, wozu Sie eine Nachricht per Mail bekommen. Bleibt die Retoure irgendwo hängen, bekommen Sie Ihr Geld i. d. R. nach 2 Wochen (15 Tages-Frist) automatisch rückerstattet.

Da identische Artikel von verschiedenen Marktplatz-Händlern verkauft werden, haben die Produkte oft nur englische Angaben und ggf. eine englische Anleitung. Bei Elektroartikeln achten Sie bitte umbedingt auf EU-Stecker bzw. eine "internationale Version". Im Zweifelsfall gibt es auf "Aliexpress" einen Adapter für 1-2,- €. Die "internationale Version" ist umso wichtiger, wenn Sie ein Handy, Tablet oder Elektroartikel mit App-Anbindung (z. B. Luftreiniger) kaufen. Erwischen Sie die China-Version haben Sie spätestens bei der Anbindung an die App Sprachprobleme und bekommen den Artikel womöglich auch nicht auf die international aktuelle Software-Version upgedatet.

Verpackung der Sendung

Kleine graue Chinatüten erobern Deutschlands Haushalte.
Foto: HANSEVALLEY

Handelt es sich von Größe und Gewicht nicht um eine klassiche Paketsendung, werden die Artikel in zumeist weißen, hellgrauen oder schwarzen Plastiktüten als Warenpost oder Einschreiben per "Deutsche Post" zugestellt. In den reißfesten Tüten wird die Ware bei Bedarf mit Luftpolsterfolie oder Schaumstoff geschützt. Die eigentliche Ware wird wiederum in zumeist durchsichtigen Plastiktüten oder Pappschachteln verpackt. Die Pappschachteln sind vom Transport oft leicht zerdrückt, was der einwandfreien Lieferung von Plastik- oder Metallartikeln nicht unbedingt schadet. 

Sollte tatsächlich ein Artikel verbogen oder angebrochen sein, kann man im Portal oder in der App eine Beschwerde einreichen. Wichtig: Keine Erstattung ohne Beweis per Foto oder Video - Vertrauen ist gut, Kontrolle in China noch wichtiger. Können Sie eine Beschädigung nachweisen, haben Sie wenige Tage später das Geld zurückgebucht bekommen - manchmal auch sofort. In 2023 hat "AliExpress" beim Kundendienst noch einmal deutlich nachgelegt und erstattet die Kosten nicht nur für kaputte sondern auch nicht mehr gewünschte Artikel mit geringem Kaufpreis schnell und kullant zurück. 

Versand der Waren

Bei einer Bestellung auf "Aliexpress" werden in der Regel direkt die günstigten Versandkosten für das im Kundenkonto vorab eingestellte Zielland (hier: Deutschland) ausgewiesen. Vorsicht: Auch wenn in der Produktauswahl eine kostenlose Lieferung angezeigt wird, können im Warenkrob pötzlich Lieferkosten auftauchen (s. o.) - also lieber einmal mehr genau hinschauen. Der günstigste Versand ist ein Standard-Versand ohne Express-Lieferung (z. B. via "Aliexpress" oder "Cainiao").

Seit 2023 bündelt AliExpress gern Bestellungen und bietet dafür geldwerte Vorteile, z. B. "Kostenfreier Versand ab 10, €". Zudem wird oft eine 10- oder 12-Tages-Lieferung versprochen. Dauert es länger, bekommen Sie auf Anforderung 1,- € als Einkaufsgutschein zur Entschädigung. Achten Sie darauf, ob ihre im Warenkorb gesammelten Artikel über eine der beiden kostenlosen Lieferoptionnen ("Choice" = "AliExpress/Cainiao" bzw. andere) laufen. Nur Artikel der gleichen Versandoption werden zusammengezählt und bringen z. B. ab 10,- € einen kostenlosen Versand. 

In den Versandoptionen können in Einzelfällen schnellere und teurere Alternativen ausgewählt werden, z. B. ein Express-Versand via "DHL", "EMS" oder "Fedex". Dabei klettern die Kosten gern auf 30,-, 40,-, 50,- € oder mehr. Der Expressversand bietet sich nur an, wenn er kostenlos oder für wenige Euro aus einem europäischen Versandlager erfolgt (z. B. "7-Tages-Lieferung aus DE/BE/PL/ES"). In allen anderen Fällen kauft man alternativ - z. B. hochwertige Elektroartikel - noch günstiger, schneller und sicherer bei "Amazon" oder via "Ebay" ein.

Die zumeist kompakten Sendungen werden als Einschreibebriefe per "Cainiao", "China Mail", "China Post" oder anderen Logistikern direkt aus den Warenlagern der Händler oder Logistiker verschickt. Der Versand geschieht meist per Luftfracht von Hong Kong oder Shanghai nach Frankfurt am Main, zunehmend vor allem aber nach Lüttich in Belgien. Hier hat die "Aliexpress"-Logistiktochter "Cainiao" auf 220.000 qm für 75 Mio. €. direkt neben dem Rollfeld eine erste europäische Logistikdrehscheibe eingerichtet.

Allein im Corona-Jahr 2020 wurden über den belgischen Stützpunkt rd. 350 Mio. Sendungen gedreht - eine Schlappe Million pro Tag! 1.500 LKW sollen hier in der Spitze pro Tag be- und entladen werden - mit Waren aus Europa für China und Waren aus China für Europa - verpackt in großen braunen Paketen, gestapelt in Luftfrachtcontainern für die konzerneigenen "Cainiao"-Flieger. Damit hält der "Alibaba"-Konzern für seine Handelsplattformen "Aliexpress" (World Shopping), "T-Mall" (vgl. "Amazon"), "Taobabo" (vgl. "Ebay") die Logistikzügel fest in eigener Hand - wie Rivale "Amazon".

Der Versand via Containerschiff mit aktuell rd. 30-60 Tagen auf der China-Nordrange nach Bremerhaven oder Hamburg wäre einfach zu langsam. Von den Luftfrachtzentren werden die Sendungen einzeln oder gebündelt über Logistikpartner zu uns nach Hause transportiert. Hier kommen lokal der Briefdienst der "Deutschen Post" und internationale Dienstleister wie "PostNL" (aus den Niederlanden) zum Einsatz. 

Sendungen mit einer Paket-ID und der Endung "...DE" sowie von europäischen Warenlagern kommen zumeist per "DHL" oder Briefbote (z. B. als Warenpost), in Einzelfällen auch per "Hermes". In der DHL können sie über den Anbieter geplante Zustellungen ab Zolleinfuhr verfolgen. In der Versandübersicht findet sich dazu neben der chinesischen auch eine DHL-Sendungs-Nr. In Zukunft dürfen wir damit rechnen, dass die Waren vor allem aus europäischen Warenlagern verschickt werden, um den Kunden die lästigen Zollformalitäten zu ersparen. 

Zahlungs-Abwicklung

Zur Bezahlung seiner Waren hat man bei "Aliepexress" mittlerweile neben Kreditkarten, wie "Amex", "Mastercard" oder "Visa" in einer konzerneigenen "Alipay"-Wallet auch die Möglichkeit, per "Paypal" auszuchecken und so einen zusätzlichen Käuferschutz für den Fall der Fälle. Herausforderer "Temu" bietet seit Neuestem sogar die Zahlung der Bestellung erst nach Eingang des Pakets an. Auch dies ein Stück Vertrauensbildung der Chinesen.

Darüber hinaus kann man per Sofortüberweisung von "Klarna" oder per "Giropay" der Banken und Sparkassen über sein Konto bezahlen. Bei eventuellen Retouren oder Reklamationen bietet sich die Zahlung per "Paypal" an, denn "Aliexpress" bucht z. B. bei Genehmigung der Gutschrift den Beitrag sofort zurück, ähnlich wie bei "Amazon".

Wie überall in Asien liebt man auch bei "Aliexpress" Gamification. So können Sie an einem virtuellen Glücksrad oder beim Pflanzengießen Punkte sammeln und in virtuelle Münzen umtauschen. Beim Checkout werden die Münzen zur Preisreduzierung automatisch eingesetzt und man kann zudem gefundene Gutscheine eingeben, wenn diese aktuell sind und (nicht nur) für Neukunden waren (siehe Teil 1). Ist ein Gutschein nicht (mehr) gültig, werden Sie darüber informiert. 

Solange die Ware vom Händler noch nicht als versandt markiert und mit einer Sendungs-Nr. versehen wurde, kann man den Kauf stornieren, auch ohne einen Grund angeben zu müssen. Dazu haben Sie normalerweise ein bis ca. drei Tage Zeit - vereinzelt dauert der Versand auch mal ein oder zwei Wochen. Die Rückerstattung der stornierten Zahlung erfolgt auf das Konto, die Karte oder das Wallet der Originalzahlung. 

Dazu bekommen Sie eine Nachricht z. B. von "Aliexpress". Gleiches gilt auch bei Rückerstattung auf Grund von Nichtlieferung oder Erstattung wegen Beschädigungen. Das Handling für die Zahlungen wird grundsätzlich über eine Payment-Tochter von "Alibaba" in Singapur übernommen, während der eigentliche Kauf über eine "Alibaba"-Abteilung in Hong Kong läuft. 

Versand-Informationen

In der Rubrik Versand möchte ich eingangs eine kleine Warnung vor nicht 100 % zuverlässigen Händlern aussprechen: Kaufen Sie z. B. einen "Mi"-Rucksack im Rahmen einer Aktion ohne Versandskosten für 5,- statt regulär 12,- €, kann es Ihnen passieren, dass der Händler sich mit einer Nachricht über das Chat-System bei Ihnen meldet und bedauert, den ausverkauften Artikel in dieser Farbe oder generell nicht mehr liefern zu können. 

Vorsicht! Nicht selten hat der Händler in einem solchen Fall schlicht vergessen, die Versandkosten einzurechnen oder auszuweisen und droht nun, Verlust zu machen. Da Sie einen verbindlichen Kauf abgeschlossen haben, lassen Sie sich nicht "breitquatschen". Warten Sie, bis der Händler den Kauf entweder selbst storniert oder die Ware plötzlich doch auf dem Weg zu Ihnen ist. 

Bei tatsächlich oder vermeindlich nicht verfügbaren Waren oder erheblichen Lieferverzögerungen hat der Händler im Zweifelsfall die "L"-Karte in der Hand und bekommt von "Aliexpress" "Bullshit"-Punkte, weil er sich nicht gemäß der Richtlinien verhalten hat. Ganz doofe Idee in China und von Marktplatz-Händlern gemieden, wie die Pest. Um nicht den schwarzen Peter zu kassieren, wird man Sie als Kunde bitten, den Kauf Ihrerseits zu stornieren. 

So wandert die Verantwortung für den abgebrochenen Verkauf vom Händler zu Ihnen. Lassen Sie sich nur darauf ein, wenn Ihnen ein Artikel nicht so wichtig ist. Das Geld bekommen Sie nach dem Auslösen des Stornos in 2 Wochen auf Ihr ursprüngliches Zahlungsmittel zurückgebucht. Andernfalls können Sie zunächst auf der Bestellseite die Lieferzeit verlängern und dem Händler mehr Zeit einräumen. Dies ist interessant, wenn Ihnen das Produkt wichtig ist.

Zum Glück sind diese "Schummeleien" einzelner Händler mittlerweile Geschichte, da die Versandkosten automatisch berechnet und angegeben werden oder ein Verkauf nach Deutschland nicht angeboten wird.

"Cianaio"- Frachtflieger der "Alibaba"-Gruppe.
Foto: Alizila

Sendungsverfolgung

Zur Nachverfolgung der verschickten Sendungen gibt es nach dem Versand und einer Benachrichtigung per E-Mail oder Smartphone-Notiz direkt über das Portal oder die App die Möglichkeit, den Verlauf und den aktuellen Status jeder einzelnen Sendung zu verfolgen. Dies gilt für einen Cent-Artikel ebenso, wie für Handy oder Computer. Per Klick kann bei "Cainiao" oder "DHL E-Commerce Asia" nachverfolgt werden, wo die Bestellung gerade steckt. 

Doch Vorsicht: Die Angaben in den Portalen sind nicht immer aktuell und vollständig. So kann es sein, dass ein Artikel laut Tracking gerade China verlassen hat und 10 Minuten später klingelt der Postbote. Ein Blick auf die Sendungsverfolgung kann lediglich einen Zwischenstand geben. Erst wenn die Sendung als zugestellt deklariert wird, aber nicht angekommen ist, wird das Tracking wichtig für die Gutschrift von Kaufpreis und ggf. der Versandkosten.

Wird eine Sendung unkorrekterweise als zugestellt getrackt, zur Abholung in der Postfiliale ausgewiesen aber nicht hinterlegt oder nach vermeindlich erfolglosem Zustellversuchen als zurückgeschickt markiert (alles schon passiert), sollte man abwarten, bis die Bestellung zur Beschwerde ("Open Dispute") freigegeben wird. Dies geschieht spätestens 59 Tage bzw. zwei Monate nach dem Versandbeginn. 

Solange hat der Versender maximal Zeit, seine Lieferung zu uns bringen zu lassen. Ist die Sendung zur Beschwerde freigegeben, kann auf der Bestellseite via Formular Einspruch gegen die Nichtzustellung inkl. unkorrektem Tracking eingelegt werden. Hier hat "Aliexpress" mittlerweile einen aus eigener Erfahrung kundenfreundlichen Prozess mit schneller und korrekter Rückerstattung eingeführt. Das war nicht immer so.

Käuferschutz und Garantie

Ist die Sendung zugestellt, bittet "Alipexpress" um Bestätigung des Erhalts der Ware, wie die meisten Marktplätze. Erst jetzt bekommt der Händler sein Geld. Und jetzt haben wir als Verbraucher 15 Tage Zeit, das Produkt zu reklamieren, z. B. wenn das Küchenregal völlig verbogen angekommen ist, der Reißverschluss der Jacke beim ersten Ausprobieren kaputt geht oder das neue Zimmerthermometer falsche Angaben macht. Dazu muss man auf der Bestellseite "Reklamation/Rücksendung" anklicken, ein Formular mit den wichtigsten Angaben ausfüllen und einen Beweis als Foto oder Handy-/Video hochladen. 

Tipp: Nutzen Sie dazu die App, da hier keine Größenbegrenzung für die Bilder besteht - im Gegensatz zum Online-Portal via PC oder Laptop. Ganz wichtig: Im Gegensatz zu "Amazon" haben Sie auf "Alibaba" kein uneingeschränktes Rückgaberecht. Zudem gibt es keine deutsche oder europäische Garantie - da Sie in China shoppen gehen. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn es um höherwertige Elektronikartikel wie Handys oder Tablets geht.

Generell wichtig: Verpasst man die 2-Wochen-Frist zur Beschwerde, gilt der Verkauf als abgeschlossen. Öffnet man eine Beschwerde nach dem Kauf, springt der Kundendienst ein. Die Anfrage wird im Hintergrund geprüft und im Regelfall die Rückerstattung eingeleitet. Sie müssen sich bei einem Disput in der Regel nicht mit dem Händler rumschlagen. Ihr Ansprechpartner ist die Plattform. Dazu bekommt man eine Mail mit dem Link zum Beschwerdeverlauf auf Portal bzw. in der App. 

Beobachten Sie den Verlauf Ihrer Beschwerde. Ein einigen Fällen müssen Sie der Lösung - z. B. einer Rückerstattung - ausdrücklich zustimmen. Ist man mit der Lösung - z. B. einer Teilerstattung - nicht einverstanden, kann man online eine weitergehende Beschwerde öffnen. Hier versagt "Aliexpress" allerdings auf ganzer Linie. Heißt: Ob man eine Beschwerde zur Entscheidung einlegt oder in China ein Sack Reis umfällt, läuft aufs Gleiche hinaus: keine Reaktion, keinerlei Antwort, keinerlei Hilfe. Ein echter Fail und meine schärfste Kritik. So darf es nicht bleiben!

Kunden-Kommunikation

Einen Kundendienst-Mitarbeiter von "Aliexpress" direkt zu erreichen, ist nicht möglich. Was bei "Amazon" und "Ebay" via vorgeschalteter Fragen & Antworten, asynchronem Chat oder versteckter Telefonfunktion möglich ist, ist beim chinesischen Marktplatz lediglich ein KI-basierter Chat - und der ist unterirdisch schlecht und hilft in keiner Weise. 

Zum Einen werden Fragen vom Deutschen oder Englischen ins Chinesische übersetzt, zum Anderen werden die Antworten vom Chinesischen ins Englische unsauber zurück geliefert. Zwar hat mir die KI versprochen, in oben genanntem Beschwerdefall einer Teilerstattung zu helfen - hier können wir als Verbraucher aber auch gleich das Geld im Gulli versenken. Passsieren tut ... nichts. Noch einmal: Offene Kritik eines Verbrauchers an diesen Machenschaften!

Das Portal und die App lassen sich generell ins Deutsche übersetzen. Teile des Portals bleiben jedoch Englisch. Weniger schön ist es nach der Bestätigung des Erhalts der Ware über die Website: Dann landet man schon mal auf der spanischen oder russischen Version der Übersetzung. Grundsätzlich empfiehlt es sich, mit englischen Grundkenntnissen auf "Aliexpress" einkaufen zu gehen - auch wenn die Lokalisierung zunehmend besser geworden ist. 

Englisch macht u. a. direkte Nachfragen bei Händlern über den Chat einfacher, z. B. bei Rückfragen zu empfohlenen Größen bei Kleidung oder zum unsauberen Tracking. Stichwort Rechnung: Seit Jüngstem liefert "AliExpress" über sein Kundenportal auch Rechnungen mit deutscher Umsatzsteuer-Nr. des Händlers und 19 % Mehrwertsteuer aus. Tatsächlich haben sich tausende chinesische Online-Händler beim Finanzamt in Berlin-Neukölln steuerrechtlich angemeldet. Eine Garantie für eine korrekte Steuer-ID gibt es allerdings nicht.

Mein Aliexpress-Fazit:

Heute können Sie weitgehend risikofrei über "Aliexpress" aber auch "Temu" Badezimmerausstattungen, Haushaltsartikel, Computerzubehör oder Sportkleidung online shoppen. Die Prozesse bei einer Beschwerde sind klar und mit einfachen Auswahlmenüs standardisiert. Die chinesischen Marktplätze haben gelernt, welche Erwartungen und Ansprüche deutsche und europäische Kunden haben. 

Die Preise der chinesischen Händler sind - unabhängig vom Zoll - in den meisten Fällen weiterhin extrem günstig. Da der Versand heute in rd. zwei Wochen vor allem über die konzerneigene Logistik-Drehscheibe in Lüttich/Belgien über die Bühne geht, muss ich als Verbraucher auch nicht mehr unnütz lange auf meine Ware warten. Aus dieser Sicht steht einem Shopping-Bummel in China nichts im Weg.

Die Qualität der Stoff-, Kunststoff- oder Metallartikel entspricht heute weitgehend westlichen Standards - lediglich bei Versand von empfindlichen Gütern ist für mich Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Noch immer verpacken einige Händler ihre Waren nicht 100 % stoßsicher, auch wenn dies zunehmend die Ausnahme ist. 

Hochwertige Unterhaltungselektronik, Smartphones oder Computer würde unter Berücksichtigung von Garantie und Gewährleistung nicht aus China importieren lassen, weil die Kosten für die Zollgebühren und fehlende Reklamationsmöglichkeiten auf Gund chinesischem Rechts eher schwierig sind. Ausnahmen sind Lieferungen aus EU-Lagern auch mit ausgewiesener Garantie. Grundsätzlich gilt auf "Aliexpress" wie auf jeder anderen Shopping-Plattform, im Falle eines Falles schnell und konsequent zu reklamieren. 

Wer bei "Aliexpress" oder "Temu" shoppt und sich an die Preise gewöhnt, ist perspektivisch für "Amazon" und "Ebay" ein "versauter" Kunde, denn einmal die wahren Konditionen aus China im Hinterkopf, lässt man sich nicht mehr mit vielfach überhöhten Preisen aus Deutschland über den Tisch ziehen - vom "Pornoaufschlag" für "Erwachsenen-Unterhaltung" in einschlägigen Online-/Shops ganz abgesehen. 

Grundsätzlich gilt: Auf "Aliexpress" und "Temu" gibt es fast nichts, was man nicht kaufen kann. Dabei sollte man natürlich darauf achten, das gefährliche Artikel nicht in den Warenkorb gehören - von offensichtlichen Produktfälschungen westlicher Markenartikel ganz zu schweigen. Und man sollte auch mal bei Konkurrenten vorbeischauen: gleiches Spiel und vielleicht sogar noch günstigere Preise.

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 Hanse Digital Service: 

HANSECOMMERCE -
Ein Shopping-Guide für Schnäppchen aus China - Teil 1:

Gutscheine von Marktplatz-Händern auf "Aliexpress":

Gutscheine für Neu- oder Bestandskunden bei "Mydealz":
mydealz.de

Homepage für deutschen Zugang zu "Aliexpress":
www.aliexpress.de

Versandverfolgung des "Alibaba"-Logistikers "Cainiao":
für Sendungen u. a. mit der Endung "...BE" (via "BPost") oder "...NL" (via "PostNL")
global.cainiao.com

Versandverfolgung von "DHL" E-Commerce Asia:
für Sendungsnummern mit der Endung "...DE" ("DHL"-Paket)