Posts mit dem Label Gematik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gematik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 11. Februar 2018

HANSEPERSONALITY Helmut Gerhards: Wir erarbeiten für unsere Kunden eine elektronische Gesundheitsakte.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

72 Mio. Deutsche sind Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. Hamburg ist mit der AOK Rheinland-Hamburg, Deutscher Angestellten-Krankenkasse, Hanseatischer Krankenkasse, Securvita Krankenkasse und Techniker Krankenkasse einer der großen Versicherungsstandorte der Republik. Doch die digitale Sturmflut kommt auch auf Hamburg zu: Private Anbieter wie "Amazon Health Care", "Ottonova" und "Oscar" zeigen, woher der Wind weht.

400.000 Mitglieder zählt Deutschlands Nr. 3 - die DAK Gesundheit - an Alster und Elbe. 1,3 Mio. Versicherte und ihre Familien vertrauen der Ersatzkrankenkasse im Hanseraum. Chief Digital Officer und IT-Stratege Helmut Gerhards hat sich mit seinem Team vor 1,5 Jahren auf den Weg gemacht, die Krankenkasse aus Hammerbrook durch den digitalen Sturm zu navigieren. Unser HANSEPERSONALITY ist DAK-Chefdigitalisierer Helmut Gerhards:


Helmut Gerhards: Sie haben zwei erwachsene Söhne von 26 und 27 Jahren, die als junge, digital aktive Mitglieder der DAK Vorbild seien können, wohin die Reise der drittgrößten Krankenkasse mit 5,8 Mio. Mitgliedern geht. Was lernen Sie als Chief Digital Officer und IT-Strategiechef der DAK von Ihren Söhnen für den digitalen Wandel der Krankenkasse?

Nun, zunächst einmal leben wir in einer spannenden Zeit, in der wir eine kommunikative Revolution erleben - und dies durchdringt unseren Alltag, auch in meiner Familie, mit rasender Geschwindigkeit. Meine beiden Söhne haben Informatik studiert und kennen keine Telefonwählscheiben. Zudem schreibt von der jungen Generation auch keiner mehr einen Brief.

Alleine diese beiden Beobachtungen müssen uns aufhorchen lassen, welches veränderte Kommunikationsverhalten in den nachfolgenden Generationen auf uns – und bald ja ausschließlich - auf Unternehmen zukommen wird. „Allways on“ und „Echtzeit“ bestimmen den Takt und revolutionieren ganze Geschäftsmodelle. Für die DAK-Gesundheit bedeutet dies natürlich vor dem Hintergrund unseres Anspruches, Qualitätsführer zu sein, ein Neudenken bisheriger Prozesse. Dies machen wir konsequenterweise aus Kundensicht.


Gehen wir in die Vollen: Das Holtzbrinck-Venture "Ottonova" und die Google-Schwester "Oscar" zeigen, wie digitale Krankenversicherung künftig geht: Digitaler Arztbesuch, digitale Diagnosen, digitaler Krankenschein, digitale Therapiebegleitung. Sie haben rd. 2,4 Mio. Senioren als Mitglieder sowie rd. 2,5 Mio. chronische Patienten. Wie können Sie den digitalen Wettlauf gewinnen?

Die neuen disruptiven Player am Markt haben in der Tat den Vorteil einer „Neugründung auf der grünen Wiese“ und können sich komplett auf ein volldigitales Geschäftsmodell konzentrieren. Wir bestehen seit 245 Jahren und haben eine gewachsene Struktur und richtigerweise sehr heterogene Kunden: vom Digital Native bis zum Pflegebedürftigen müssen wir eine durchgängig gute Betreuung und Versorgung sicherstellen. 

"Diagnostische Verfahren mit digitalen Anwendungen unterstützen"

Dies gelingt uns, in dem wir unser Geschäftsmodell „hybrid“ umgestalten und ausbauen. Wir bieten unseren Kunden z. B. eine Online-Filiale an, in der die Hauptprozesse unserer Kunden volldigital abgebildet sind. Kein langes Fahren und Warten, damit Zeit gewinnen - einfach und bequem vom Sofa aus. 

Bezogen auf die Versorgung arbeiten wir an digitalen Versorgungsangeboten, die dem Kunden ein Stück mehr Lebensqualität verschaffen, indem wir auch hier die Abläufe digitalisieren und teilweise auch diagnostische Verfahren mit digitalen Anwendungen unterstützen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist das Modell der chronischen Wundversorgung zusammen mit dem UKE Hamburg. Hochspezialisierte Fachleute des UKE unterstützen dabei die ambulante Versorgung, indem sie digitale Fotos der Wunden und des Heilungsverlaufs bewerten und ihre niedergelassen Kollegen beraten.

Bleiben wir bei Ihrer IT: Sie haben Ihre EDV in die Tochter "Bitmarck" von DAK, BKKn und IKKn ausgelagert. Ab September 2018 werden gut 9.000 Mitarbeiter an bundesweit 350 Standorten über das neue DAK-System "Bitmarck 21c/ng" Leistungen im Wert von jährlich mehr als 20 Mrd. € managen. Wie digital und automatisiert ist die 1776 gegründete Krankenkasse bereits?

Mit der Umstellung der Kernanwendung auf 21c/ng setzen wir ab September 2018 auf ein integriertes Vollsystem modernster Art, dass im Bitmarck-Verbund mit ca 100 anderen Krankenkassen genutzt wird. Workflowgestaltung, Dunkelverarbeitung und Datenaustausch sind dann der Standard.


DAK-Sprachdialogsystem mit semantischer Erkennungslogik

Wir haben bereits vor einigen Jahren den kompletten Posteingang im Unternehmen in drei Digitalisierungszentren konzentriert und überführen die gewonnenen Daten in Dunkelverarbeitungsverfahren. Selbst ein so kompliziertes Verfahren wie ein Antrag auf Zahnersatz wird heutzutage von uns eingelesen und in der Dunkelverarbeitung „autogenehmigt“ - und dies mit einer Quote von fast 80 Prozent der Anträge. Zudem setzen wir an der Schnittstelle Scan-Fachverfahren schon Anwendungen der künstlichen Intelligenz ein.

Wichtig ist aber auch die Digitalisierung der Kundenschnittstelle. Bundesweit setzt die DAK-Gesundheit als erste und einzige Krankenkasse seit April 2017 ein Sprachdialogsystem ein und steuert mit semantischer Erkennungslogik das Telefonrouting, das ebenfalls dem „all-over-ip-Konzept“ folgt. Dies bauen wir aktuell auf ein Omnikanalmanagement aus, damit der Kunde zukünftig auch zwischen den Kanälen wechseln kann - ohne Informationsverlust. 


Ihr großer Hamburger Wettbewerber, die Techniker Krankenkasse, ist mit der "TK-App" auf dem Weg, eine persönliche Patientenakte auf dem Smartphone zu platzieren. Die DAK bietet mobil eine Scan-App und einen viel beachteten Pflegeguide an. Möchten Sie Ihren Söhnen und anderen jüngeren Mitgliedern nicht auch die rd. 75 Services Ihres Online-Portals mobil anbieten?

Wir entwickeln aktuell für unsere Kunden noch viel mehr: Die Kunden der DAK werden zukünftig Ihre DAK-Gesundheit in der Hosentasche als Service-App haben. Hier vernetzen wir dann die verschiedenen Services. Unser Kunde kann selber die Inhalte konfigurieren und für die Life-Style-Ecke gibt es dann auch den persönlichen Gesundheitsscore. Über diese App können sie dann auch die Funktionen unserer Online-Geschäftsstelle inklusive der automatisierten Prozesse nutzen.

Neue DAK-Service-App mit selbst konfigurierbaren Inhalten

Ziel ist es, unseren Kunden in allen Lebenslagen zur Seite stehen zu können. Letztlich bestimmt der Kunde, wie digital seine Beziehung zu uns ist und ober er die lieber mobil oder über den Desktop oder doch lieber persönlich gestaltet.

Ihre Digital-Strategie sieht - wie bei anderen Unternehmen - die drei Schritte 1. Digitalisierung der Geschäftsprozesse, 2. Digitalisierung des persönlichen Kontakts und 3. Digitalisierung von Produkten vor. Schauen wir in die Zukunft: Was können wir von der "Digitalen Angestellten Krankenkasse" in Zukunft bei Prävention und Behandlung erwarten?

Ich stelle die These auf, dass sich das Krankenkassengeschäft sehr stark auf den Bereich der Prävention und der Gesunderhaltung ausdehnen wird. "Dr. Google" kennen wir schon, aber die Datenanalytik wird noch ganz andere Möglichkeiten bieten. Prominentestes Beispiel für Behandlung aufgrund einer Datenanalyse ist dabei wohl Angelina Jolie.


"Für Familien sehen Angebote anders aus, als für Singles."

Wir müssen also auf die Erwartungen einer zunehmend auf Prävention und Gesundheit orientierten Gesellschaft reagieren. Zukünftig werden unsere Kunden gerade im Bereich der Gesunderhaltung neben unseren bisherigen digitalen Coaching-Angeboten zu den Themen Ernährung, Stress und gesunder Schlaf auch weitere lebensphasenbezogene Digitalangebote mit Schnittstelle zu einer Vielzahl von Sensoren nutzen können. Dabei werden die Angebote auf individuelle Lebenssituationen zugeschnitten. Für Familien mit Kindern sehen sie anders aus, als für Singles.

Auch die aktuellen digitalen betrieblichen Gesundheitsmanagement-Angebote für die Beschäftigten bauen wir Zug um Zug aus. Wir koppeln das physische Angebot z. B. von Rückenschul-Trainings demnächst mit digitalen Angeboten. Letztlich entscheidet auch hier der Kunde dann, ob er einen Rückenkurs besucht, das digitale Angebot oder beides nutzt.

Sie haben für Ihre Mitglieder eine digitale Akte, Arztpraxen haben künftig digitale Patientenakten, Versorgungsnetzwerke haben digitale Informationen und Kommunikation, im UKE und immer mehr Kliniken gibt es eine digitale Fallakte. Wenn immer mehr Angebote digital verfügbar ist, wie wird daraus eine digitale Versorgungskette im Interesse des Mitgliedes?

Das Zauberwort heißt „ Interoperabilität“. Das Thema der Vernetzung ist auch in der neuen Regierung bzw. im Koalitionsvertrag hoch priorisiert. Es darf nicht sein, dass jeder für sich eine proprietäre Lösung bastelt und der Datenfluss dann nicht mehr funktioniert.

"eGesundheitsakte, mit der der Kunde Gesundheitsmanager sein kann."

Wir setzen bezüglich der Datentransfers klar auf die Entwicklungen der elektronischen Gesundheitskarte der Gematik. Diese muss den Austausch der Arztdaten zunächst einmal sicherstellen. Zudem soll die eGK auch eine Patientenakte und ein Patientenfach beinhalten. Allerdings fehlt dieser übergeordneten Infrastrukturlösung die Möglichkeit der Personalisierung bzw. der Individualisierung z. B. der Versorgungsangebote.

Wir wiederum erarbeiten zurzeit für unsere Kunden eine elektronische Gesundheitsakte (eGA), mit der der Kunde sein eigener Gesundheitsmanager sein kann: Seine Gesundheits- u und Vitaldaten kann er dort ebenso ablegen, wie seine Medikamenteneinnahme dokumentieren. Diese sehr individuelle eGA wird gegen die Schnittstelle der eGK der Gematik entwickelt, sodass eine Interoperabilität und der Datentransfer untereinander gewährleistet wird.

Ich komme zurück zur privaten Debeka-Beteiligung "Ottonova" und "Oscar" von Google: Ihnen ist mein Nokia-Fitnesstracker am Handgelenk aufgefallen. Sie planen Präventationsangebote in ihre 2. Service-App zu bringen. Wenn Vitaldaten und Risikomanagement, Konsultationen und Kundendialog, Genehmigungen und Abrechnungen digital möglich sind: wie sieht die digitale Krankenkasse der Zukunft aus?

Das Geschäftsmodell der Krankenkassen wird sich schleichend vom hybriden zum volldigitalen Modell entwickeln. Sie werden also in nicht ganz so weiter Ferne alle Anliegen volldigital realisieren können. Dazu zählt übrigens auch die Orchestrierung von Versorgungsprozessen, die unseren Kunden heute noch viel Aufwand und Mühe kosten. Warum soll ein Patient mit einer chronischen Wunde mehrfach in die Praxis fahren, wenn es möglich ist, per Smartphone täglich ein Bild in die Praxis zu schicken. Das ergibt sogar den Vorteil, dass der behandelnde Arzt einen täglichen Verlauf der Wunde verfolgen und den richtigen Interventionszeitpunkt bestimmen kann.

"Der Patient wird bestimmen, welche Daten nutzbar gemacht werden."

Zudem sehe ich eine klare politische Stärkung der Patientensouveränität – der Kunde und Patient wird bestimmen, welche Daten für ihn nutzbar gemacht werden sollen, mit welchem Arzt er seine Daten teilen will oder auch nicht. Zunehmend können aus einfachen Vitaldaten sehr gute Empfehlungen für das Verhalten und somit als Beitrag zur Gesunderhaltung gegeben werden. Das ist auch eine Bereicherung für die Versorgung durch den niedergelassen Mediziner. Wir haben dazu gerade eine Untersuchung vorgelegt, die zeigt, dass hier bei den Medizinern eine große Offenheit besteht, derartige Innovationen zu nutzen.

Allerdings muss hier der Missbrauch ausgeschlossen werden: Ich gehe davon aus, dass es klare Regelwerke geben wird, wenn z.B. Vitaldaten als Rückschluss für Risikomanagement und Tarifierungen genutzt werden sollen. Die DAK-Gesundheit darf dies wie alle gesetzlichen Krankenkassen heute schon nicht, da dies ein klarer Verstoß gegen das Solidarprinzip der Krankenkassen wäre. Und das ist auch gut so. 


Unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie haben in Hammerbrook rd. 1.400 Mitarbeiter, in Landesvertretung, Leistungsabteilungen und in der Kundenbetreuung rd. 600 Mitarbeiter. Hinzu kommen rd. 500 Mitarbeiter in Ihrer Hamburger IT-Tochter "Bitmarck". Hand aufs Herz: Was wünschen Sie sich als großer Anbieter an der Alster vom Senat, damit die Digitalisierung im Gesundheitssektor erfolgreich wird?

Als großer regionaler Player in der Metropolregion Hamburg sind wir natürlich an einer guten Vernetzung zwischen Politik, Wirtschaft und Bildung sehr interessiert. Die Stadt Hamburg setzt mit der Initiative „Digital First“ und der Ernennung des ersten CDO - Herrn Christian Pfromm - die richtigen Weichen. Auch die Stadt schaut zunehmend aus der Kundenperspektive auf die Prozesse und Strukturen und ich glaube, dass sich hier noch viele gemeinsame Wege gehen lassen. 

Einfach Adressänderung mit der Freien und Hansestadt

Ob im Bereich der Innovationsentwicklung als auch in der Serviceentwicklung: Oftmals haben wir ein- und denselben Kunden. So ist aus der Kundensicht eine einfache Adressänderung nur einmal zu melden - und dann müsste er entscheiden können, ob dann auch gleich diese Information bei der Krankenkasse ankommen soll. Auch gemeinsame Gesundheits- oder Bildungsinitiativen könnte ich mir gut vorstellen. 

Mein Wunsch wäre, daran zum Wohle der Bürger und Kunden zu arbeiten und das Leben für alle etwas angenehmer und gesünder zu gestalten. Dabei sollten wir die gesellschaftspolitische Verantwortung der Digitalisierung nicht aus den Augen verlieren.


*  *  *

Vielen Dank für die offenen Antworten!

Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 


Chief Digital Officer und DAK IT-Stratege Helmut Gerhards:
www.xing.com/profile/Helmut_Gerhards3

DAK-Digitalisierungsreport 2018:
www.dak.de/dak/bundes-themen/aerzte-befuerworten-e-health-loesungen-1963670.html

Mobiler Angehörigenbegleiter "DAK-Pflegeguide":
www.dak.de/dak/leistungen/app-dak-pflegeguide-1863678.html

Digitales Pilotprojekt "Netzwerk Leben Plus" in Hamburg:
www.die-freien-hh.de/pressemitteilung/details/hamburger-pilotprojekt-netzwerk-lebenplus-startet-laenger-selbststaendig-und-selbstbestimmt-leben/ 

--

Datenmigration für 5,8 Mio. Versicherte durch Bitmarck:
www.cio.de/a/dak-migriert-daten-bei-it-grossprojekt,3260844

Nationaler IT-Dienstleister "Bitmarck" (für BKKn, DAK und IKKn):
 https://www.bitmarck.de/

--

Private Krankenversicherung "Ottonova" (Holtzbrinck-Venture):
www.ottonova.de/

Private Krankenversicherung "Oscar" (Google-Konzern Alphabet):
www.hioscar.com/

Ankündigung "Amazon Health Care" mit Berkshire & J. P. Morgan
www.finanzen.net/nachricht/aktien/gesundheitsbranche-healthcare-aktien-unter-druck-berkshire-hathaway-amazon-und-jpmorgan-formen-giganten-5942005

Dienstag, 24. Januar 2017

HANSEHEALTH: Offener Brief von Hamburgs Digital-Mediziner an Gesundheitsminister Gröhe

Hamburgs Digital-Mediziner Dr. Johannes Jacubeit
Foto: Lifetime.eu
Wie Personalausweis, Gesundheitskarte und Führerschein die digitale Medizin katalysieren

Sehr geehrter Bundesgesundheitsminister,
sehr geehrter/e zukünftige/r Bundesgesundheitsminister/in,


2003 wurde mit der eGK eine damals fortschrittliche Technologie gesetzlich verankert. Im 
Verlauf der Konzipierungsphase hat die Welt dann ab 2007 einen massiven Paradigmenwechsel hin zu mobilen Technologien vollzogen. Heute – 2017 – interagieren und authentifizieren wir uns im Alltag in stark zunehmendem Maße mittels smarter Geräte.

Medizin hat die Besonderheit, dass häufig unerwartet unterschiedlichste Ökosysteme aufeinander treffen: Die von sehr analogen bis voll-digitalen Ökosysteme der Ärzte und die zunehmend smarten Ökosysteme von Patienten. Das Standard-Medium und die Standard-Schnittstelle zum Austausch von Informationen zwischen den beiden Ökosystemen ist das Papier… schlichtweg weil das Drucken, Unterzeichnen und Übergeben eines Papierdokumentes einfach einfach ist und ohne Mittelsmänner abläuft.

Jeder Patient hat aktuell verschiedene Signaturen (eGK, Perso, Führerschein). Diese Signaturen sind an Plastikkarten gekoppelt. Für Menschen ist dies wertvoll, da sie sich damit authentifizieren und Transaktionen autorisieren können, auch wenn sie nicht in der Lage oder Willens sind, aktuelle Technologien zu nutzen. Die Signatur, beispielsweise auf der eGK, ist somit ein erfolgreich etabliertes, bewahrenswertes und wertvolles Backup in den Portemonnaies und Taschen der Bürger.

Alle sind aufgewacht. Menschen nutzen digitale Medizin und digitale Medizin bringt Menschen bereits Nutzen. Der Innovationsfonds hat 29 Projekte aufgelegt, die ersten Ausschüttungen stehen an – großartig. Und weiter gehts. Aus technologischer Sicht fehlt jedoch ein elementares Bindeglied, um alle Spieler zu vereinen. Patienten haben Smartphones, Table2ts und Computer, jedoch meistens kein Kartenlesegerät.

Um Deutschland und Europa als Vorreiter in der Digitalmedizin zu etablieren, bedarf es als nächstes der Befreiung der Signatur, so dass Patienten ihre Signaturen auch entkoppelt von der Karte auf ihren Geräten nutzen können. Eine Entkopplung ermöglicht quantifizierbare telemedizinische Interaktion, validierte Nutzung von Gesundheits-Apps, einfache und schnelle Qualifizierung digitaler Therapieoptionen, mobile Authentifizierung in Gesundheitseinrichtungen sowie eine interaktive Zugriffsautorisierung für die datenschutzkonforme Verknüpfung von Gesundheitsportalen, Apps und analytic engines durch Patienten.

Technologisch sind verlässliche Authentifizierungsmechanismen, die ohne physische Medien auskommen, bereits vorhanden. Karten sind gute Backups für Signaturen, jedoch ermöglichen sie kein einfaches digitales Nutzererleben.

Digitale Medizin – Made in Germany, Made in Europe, Made for the World – bekommt aktuell Leuchtturmcharakter. Wir alle – Patienten, Ärzte, Apotheker, Unternehmer, Industrie, Systemakteure und viele mehr – packen es gerade an. Und es wird gut. Befreien Sie die Signatur und katalysieren Sie den Quantensprung hin zur digitalen Medizin.


Dr. med. Johannes Jacubeit


Original des offenen Brief als Download:

journal.lifetime.eu


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

Nutzen Sie echten Journalismus - mit Editorial Marketing, Redaktion + Distribution:
  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
  • Begrüßen Sie passende Teilnehmer - auf Ihren Digitalevents.

Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:

Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten
für HANSEPARTNER, Netzwerk- und Redaktionspartner!

Montag, 9. Januar 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Johannes Jacubeit: Mit “Dr. Digital” zum Gesundheitsmanager.

Gründer und Geschäftsführer von Connected-health.eu:
Dr. Johannes Jacubeit
Foto: Connected-health.eu
HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Er ist der “Dr. Digital” von Hamburg: Der Arzt und Gründer Dr. Johannes Jacubeit entwickelt in einem Altonaer Hinterhof die Zukunft der digitalen Medizin in Deutschland. Mit einem Datenhub für Arztpraxen und einem Smartphone gibt er Patienten ihre Krankenakten an die Hand - und revolutioniert damit künftige Behandlungswege, wieder gesund zu werden.

Was der Gematik mit der Gesundheitskarte bislang nicht glückte, wird in Hamburg zum Erfolgsmodell für die Republik: Die digitale Bereitstellung, Speicherung und Nutzung von Gesundheitsdaten für bessere Behandlungen rückt in greifbare Nähe. Unser HANSEPERSONALITY ist der Gründer und Geschäftsführer von Connected-health.eu - Dr. med. Johannes Jacubeit:


Du bist approbierter Arzt, aber auch Technologieexperte, Gründer eines Health-Startups, engagiert im Gesundheitsausschuss der Handelskammer und “MIT Innovator unter 35”. Was treibt Dich als Arzt an, im Thema “Digital Health” aktiv zu sein?

Weil es Spaß macht … denn Medizin ist ein außergewöhnliches Fach. Im Studium und in den ersten Jahren meines Berufslebens konnte ich viel Wissen ansammeln. Ich habe z. B. in meiner Promotion elektrophysiologische Grundlagen des Herzschlages im Labor untersucht. Ich habe aber auch schon früh in meinem Leben angefangen, mit Technologie zu hantieren und zu programmieren. Am Beispiel des Herzens lässt sich mein Spektrum gut darstellen:



"Digital-Medizin ist ein stark wachsendes Querschnittsthema."

Ich verstehe bis auf Ionen-Ebene, wie eine Herzschlag zustande kommt und wie man diesen pharmazeutisch modulieren kann. Als Arzt habe ich gelernt, ein EKG zu schreiben, dies zu interpretieren und daraus eine Therapie abzuleiten. Außerdem habe ich die Prozesse in Kliniken und Praxen erlebt. Als Programmierer habe ich gelernt, wie ich diese Herzdaten speicher- und analysierbar machen kann, wie man mit APIs arbeitet, und welche Daten z.B. der M8 Chip von Apple erfasst. Digitale-Medizin ist ein stark wachsendes Querschnittsthema, in dem ich mit Freude etwas beisteuern kann.

Du hast vor rd. 2 Jahren “LifeTime” gestartet. Im vergangenen Jahr konntet Ihr rd. 120 Hamburger Arztpraxen überzeugen, Berichte, Diagnosen und Befunde Patienten via Smartphone zur Verfügung zu stellen. Was plant Ihr für 2017 und darüber hinaus?

2017 werden wir viele weitere Städte in Deutschland angehen. In der aktuellen Zwischenfinanzierung hat der Thieme-Verlag - der Marktführer im Bereich der Medizin-Publikationen - investiert. Ein erstes gemeinsames Produkt planen wir Mitte 2017 im Markt zu testen. Als Venture Capital-getriebenes Unternehmen werden wir natürlich auch unsere Series-A erfolgreich abschließen und somit das Team skalieren, um insgesamt noch schneller zu werden.

Was ist Euer stärkstes Argument - für niedergelassene Ärzte wie für Technologiepartner (z. B. die Gematik) - Eurem Konzept zu folgen? Und was ist die Alternative zu “LifeTime” im Markt: Krankenakten auf Papier oder gibt es internationale Konkurrenz?

Die Arzt-Patienten-Beziehung ist etwas Besonderes und sehr Schützenswertes. Der seit Jahrzehnten etablierte Kernprozess, den ein Arzt tätigt, um einem Patienten einen Befund zu übergeben, ist das Drucken. Dieser Prozessschritt bleibt bei LifeTime für den Arzt bzw. seine Mitarbeiter gleich, jedoch landet der Befund einfach beim Patienten auf dem Smartphone.



"Die größte Konkurrenz ist das gedruckte Papier."

Wir sehen zahlreiche kleine und große Player, die sich am Thema “Online-Akte” versuchen, oder sich wie Google oder Microsoft bereits daran versucht haben - mit wenig Erfolg. Der Informationsaustausch zwischen den Parteien ist etwas Zielgerichtetes und funktioniert ohne Mittelsmann. Mir ist aktuell keine Technologie bekannt, bei der die Daten der Patienten nur in der Hand des Arztes und des Patienten liegen und ein bidirektionaler Austausch einfach einfach funktioniert. National und auch international ist somit tatsächlich die größte Konkurrenz das gedruckte Papier.

Digitale Medizin basiert auf umfassender elektronischer Auswertung von medizinischen Daten des Patienten. Was ist der nächste Schritt, wenn ich alle meine Berichte, Diagnosen und Befunde selbst in Programmen - z. B. in einer App - verwalten kann?

Aktuell bauen viele große und kleine Unternehmen Analytics-Engines. Diese Engines werden Patienten z. B. eine “digitale Zweitmeinung” bieten. Aus der LifeTime-App heraus kann ich - wenn ich möchte - bereits jetzt meine Gesundheitsdaten versenden oder irgendwo hochladen. Dies bleibt jedem selbst überlassen.

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Ich habe alle Daten in einer App - einschl. Auswertung persönlicher Lebensgewohnheiten. Nun erkranke ich und das Programm schlägt eine konkrete Behandlung vor. Welche Rolle hat dann noch mein Hausarzt?

Wenn Maschinen diagnostische Schritte, definitive Diagnosen und mögliche Therapieoptionen aufzeigen, wird sich ein massiver Paradigmenwechsel vollzogen haben. Eine sehr wichtige Komponente ist und bleibt jedoch die Arzt-Patienten-Beziehung. Ein Arzt hat noch viele weitere Aufgaben, als nur Daten zu erfassen, diese zu integrieren und zu analysieren und daraus eine Therapie abzuleiten.



"Der Hausarzt wird die Rolle eines Gesundheitsmanagers einnehmen."

Ein Arzt ist bzw. sollte eine Vertrauensperson sein, mit dem ein Patient seine Ängste und Sorgen teilen kann. Der Arzt sollte diese Ängste und Sorgen - unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsstruktur des Patienten ernst nehmen. Der Hausarzt wird dann eher die Rolle eines vertrauensvollen Gesundheitsmanagers einnehmen.

Wenn personalisierte Behandlungen durch Datenauswertung einerseits und der Hausarzt als spezialisierter Gesundheitsmanager andererseits die Zukunft sind - wie wird sich das Berufsbild des Arztes und seine Ausbildung verändern?

Vieles was Ärzte täglich tun, wird in naher Zukunft durch Maschinen erledigt. Beispielsweise arbeiten viele Unternehmen daran, Bildgebung (wie MRT, CT, Röntgen u. ä.) automatisch auswerten zu lassen. Allein aus rechtlichen Gründen wird natürlich noch ein Arzt draufschauen müssen. Jedoch ist es etwas anderes, wenn ich vom Computer angezeigt bekomme, wo ich hinschauen soll, als wenn ich selbst suchen muss. Der Umgang mit digitalen Technologien wird somit schon während des Studiums gelehrt werden müssen.

Zu guter Letzt die Hamburg-Frage - wie für jeden unserer Interview-Partner: Wie gut oder ausbaufähig ist der Gesundheitsstandort Hamburg für Euer Unternehmen und das Thema Digital Health? Was sind die Vorzüge von Hamburg in Deinem Thema?

Hamburg ist ein Dorf und hier kennt man die relevanten Player sehr schnell. Auch die Unterstützung von Gründern ist großartig. Ohne “InnoRampUp” der Förderbank IFB - ein in der Bundesrepublik einzigartiges Förderinstrument - und die Unterstützung z. B. der Handelskammer wären wir noch nicht so weit, wie wir sind.

Vielen Dank für die vertrauensvolle Sprechstunde!

Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Aktuelle Meldung zum Investment

LifeTime und LifeTime Hub

Dr. Johannes Jacubeit bei Linkedin


“InnoRampUp” der IFB Hamburg


Innovationsstarter Fonds Hamburg



Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

Nutzen Sie echten Journalismus - mit Editorial Marketing, Redaktion + Distribution:
  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
  • Begrüßen Sie passende Teilnehmer - auf Ihren Digitalevents.

Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:

Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten
für HANSEPARTNER, Netzwerk- und Redaktionspartner!