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Montag, 8. März 2021

CORONA AKTUELL: Luca hilft dem Norden.

HANSE DIGITAL SERVICE
* Update 13.03.2021 *

Die Berliner "Luca"-App läuft der "Corona-Warn-App" den Rang ab.
Foto: Culture4life/Luca App 
 

Die von Rapper "Smudo" mit-initiierte Kontaktnachverfolgungs-App "Luca" wird in Mecklenburg-Vorpommern flächendeckend eingeführt. Die rot-schwarze Landesregierung in Schwerin schloss dazu als erstes deutsches Bundesland eine Vereinbarung mit dem hinter der Corona-Kontakt-App stehenden Berliner Unternehmen "Culture4life" zur Nutzung der Event-Registrierungs-App für Android- und i-Phones. MV hat für 440.000,- € aus dem "MV-Schutzfonds" eine Lizenz für alle öffentlichen und privaten Event- und Location-Nutzer im Land erworben und bereits alle Gesundheitsämter angeschlossen. Thomas Keup mit den aktuellen Fakten:

Händler, Gastronomen, Behörden, Kulturtreibende und alle anderen, die mit Publikum zu tun haben, können damit die für MV angepasste App mit einem Event-Code ab spätestens Mitte April d. J. nutzen. Die Besucherdaten werden dann - wie bei anderen professionellen Nutzern auch - bei der Bundesdruckerei in Berlin gespeichert. Im Gegenzug hat das Land seine insgesamt acht Gesundheitsämter in sechs Landkreisen und zwei kreisfreien Städten in einer Woche an das System in Berlin angeschlossen.


Der Nord-Osten ist bei der Corona-Kontakt-Verfolgung vorne weg.
Grafik: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

„Das ist ein wichtiger Baustein bei weiteren Öffnungsschritten, etwa in Gastronomie und Kultur. Das System ermöglicht schnell und einfach die Kontaktnachverfolgung nach dem Auftreten einer Corona-Infektion. Die dafür erforderlichen Daten werden zentral und sicher gespeichert und verarbeitet“, so Mecklenburg-Vorpommerns Digitalisierungsminister Christian Pegel.


Nach dem Überraschungsstart im Nord-Osten soll "Luca" auch in Schleswig-Holstein möglichst schnell eingeführt werden. So sollte die Nutzung der App in den Landes- und Kommunal-Behörden sowie den Hochschulen des "echten Nordens" zügig genutzt werden, forderte FDP-Fraktionschef Christoph Voigt. Für Wissenschaft, Gastronomie, den Tourismus und die Kultur kann die flächendeckende Nutzung der Berliner App einen schnelleren Start bedeuten.


Nach Mecklenburg-Vorpommern auf dem Weg in den "echten Norden".


Der Vorsitzende der Regierungsfraktion im Kieler Landtag sagte: "Es gibt mittlerweile verschiedene Anbieter auf dem Markt, die die Kontaktdatennachverfolgung der Gesundheitsämter im Infektionsfall durch digitale Lösungen erheblich erleichtern können. Die App ‚Luca‘ scheint mir aktuell am besten geeignet zu sein, um zügig große Fortschritte erzielen zu können, da sie kostenlos, sehr bekannt, von der Datenschutzbeauftragten geprüft und durch eine Modellregion in Nordfriesland bereits relativ weit verbreitet ist.


Das Landeshaus in Kiel mit dem gläsernen Landtag.
Foto: Uphoff

Die App "Luca" wurde nach Worten der Berliner Software-Entwickler ins Leben gerufen, um Gesundheitsämter zu entlasten und für Betriebe und Gäste einen datenschutzkonformen und sicheren Weg zum Austausch von Daten (wie persönlichen Adressen) zu bieten. Eine einheitliche Datenbasis kann Ausbreitungsherde mit einer Rückverfolgung sowie Superspreading–Events datenschutzkonform identifizieren und Infektionsketten schnell unterbrochen werden.


Zentrale vs. dezentrale App-Lösung: Das ist in Zukunft die Frage.


Die "Luca“-App speichert Aufenthaltsorte verbunden mit Name, Anschrift und Telefonnummer des Nutzers über zwei Wochen. Wenn die User zustimmen, können die Daten Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt werden. Die Corona-Verordnungen lassen das Handling nach Medienberichten bislang nicht zu, so dass die 16 Landesregierungen ihre Bestimmungen zur Kontaktverfolgung anpassen müssen.


Im Gegensatz zur "Corona-Warn-App" von "SAP" und "Telekom" im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums setzt die "Luca"-App auf eine zentrale Erfassung und Speicherung der Daten. Bei der nationalen "Corona-App" werden die Daten nur lokal auf dem Smartphone des Nutzers gespeichert. Bis heute können die Daten dabei nur von rd. 70 % der Gesundheitsämter zur Kontaktnachverfolgung überhaupt abgerufen und genutzt werden.

Händler oder Veranstalter können auch jetzt schon die kostenfreie Version von "Luca" nutzen.


Die "Luca"-App aus Berlin: Mit Ritterschlag der Bundeskanzlerin.


Dann werden die vertraulichen Besucherdaten auf dem Handy des Anbieters zwischen-/gespeichert. Sobald eine Datenanfrage in der "Luca"-App von einem der bundesweit 400 Gesundheitsämter beantwortet wird und ein Risiko festgestellt wurde, werden die Nutzer bei Zustimmung zentral über die "Luca"-App auf dem Smartphone benachrichtigt. Das Team hinter der Initiative für die "Luca"-App besteht aus dem Berliner IT-Security-Startup "Nexenio" - einer Ausgründung des "Hasso-Plattner-Instituts" in Potsdam - sowie mehrerer Kulturschaffender, u. a. Mitgliedern der Band "Die Fantastischen Vier“. 


"Luca" kam nach der digitalen Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundesregierung in der vergangenen Woche bundesweit ins Gespräch, nachdem einzelne Länder die Lösung als geeignetes Digital-Tool in die Diskussion einbrachten und Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Pressekonferenz die "Luca App" als Empfehlung des Bundes für die Länder nannte. Weitere Informationen gibt es auf den Seiten der "Luca"-App. (Foto: Culture4life/Luca App).


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Hanse Digital Service:

200+ aktuelle Corona Service-Links: hanseservice.net


Hanse Digital Initiative:

150+ aktuelle Digitale Service-Links: hansedigital.net


Sonntag, 11. März 2018

HANSESTATEMENT: Dorothee Bär - die richtige Frau zur richtigen Zeit.

HAMBURG DIGITAL STATEMENT

"Wir haben ein gewaltiges Mentalitätsproblem. Das ist das größte Problem von allen. In der Technik sind wir wirklich gut, aber wir sind zu satt, wir sind ein Wohlstandsland."
Dorothee Bär im Interview

Versteckt sich nicht hinter steinernen Mauern: CSU-Politikerin Dorothee Bär
Foto: ToKo

Glückwunsch! Die Entscheidung, die 39-jährige fränkische Vollblut-Politikerin Dorothee Bär zur Staatsministerin für Digitales zu ernennen, ist die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Mit der Ernennung der Bambergerin räumt die Union gleich vier Themen ab:

  • Eine junge Politikerin kümmert sich um das Zukunftsthema Deutschlands.
  • Eine selbstbewußte Frau lässt sich von Journalisten nicht ablenken.
  • Eine Fränkin unterstreicht den Anspruch auf die Technologieführerschaft.
  • Eine Unionsvertreterin verweist FDP, Grüne und SPD auf die Plätze.

Die Fakten sprechen laut "NTV" für eine smarte CSU-Taktik: Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat mit seinem Nachfolger Andreas Scheuer im Infrastrukturministeriun und seiner Ex-Staatssekretärin im Kanzleramt das Digitalthema fest in CSU-Hand sichern können.

Auch wenn die neue Staatsministerin das Zugeständnis Angela Merkels nach unionsinterner Diskussion über die Zuständigkeiten des neuen "Heimatministers" Horst Seehofer in der Agrarpolitik ist, wie der "Spiegel" berichtet: Die Entscheidung ist goldrichtig.


"Wenn die Regierungsbildung noch einen Monat länger gedauert hätten,
käme auch der Kanzler noch aus München."

In der "Stuttgarter Zeitung" deutet Dorothee Bär die harten Bandagen an, mit denen ihre Arbeitsgruppe das Digitalthema in den Koalitionsverhandlungen verteidigte - und wie Angela Merkel der Männerriege klargemacht hat, welchen Stellenwert das Digitale hat.

Als Staatsministerin - sprich Parlamentarische Staatssekretärin - unter Kanzleramtsminister Helge Braun ist sie angesiedelt, wo das Thema hingehört: über den 14 Ministerien - und damit als horizontaler Layer. Ebenso, wie es in Hamburg in der Senatskanzlei der Fall ist.

"Jedes einzelne Ministerium muss sich mit dem Prozess der Digitalisierung intensiv beschäftigen. Diese Arbeit hätte den Ressorts kein zentraler Minister abnehmen können."

In der "Stuttgarter Zeitung" macht sie ihre Aufgabe klar: Koordination der Digitalthemen aller Ministerien, Beschleunigung der analog-verankerten Ressorts für einen Gleichtakt auf Bundesebene sowie Abstimmung mit dem Bundestagsausschuss Digitale Agenda.

Mit 26 Jahren Erfahrung in Junger Union, RCDS, Frauen Union und CSU, als stv. Bezirksvorsitzende und stv. Generalsekretärin ist Bär in der Männerdomäne CSU mit allen Wassern gewaschen und lässt sich die Butter sicher nicht vom Brot nehmen.

"Meine neue Aufgabe ist riesig und schwer. Wenn sie leicht wäre, hätte es ja auch ein Mann machen können."

16 Jahre im Deutschen Bundestag, 4 Jahre als Staatsekretärin, Logistik-Koordinatorin der Bundesregierung und mit Jens Spahn und Helge Braun Verhandlungsführerin der Union für Digitalhemen: Die 3-fache Mutter weiß, wie der Hase im Regierungsviertel läuft.

Spätestens mit Vorsitz des CSU-Netzrates 2010 und des CSU-Arbeitskreises 2011, mit fast 26.000 Followern und 15.000 Fans ist klar, welches Thema für die Diplom-Politologin ganz oben auf der Tagesordnung steht. Und der mediale Aufschlag ist ihr gelungen.

"Ich gehe den Leuten schon immer auf die Nerven, dazu hätte ich das Amt nicht gebraucht. Es wird keinen Kuschelkurs geben können."

Bürgernahe Vernetzung der Behörden, Smarte Datenkultur statt starrem Datenschutz, selbstbestimmte Nutzung persönlicher Daten, Abbau bürokratischer Hürden für Startups - Dorothee Bär packt von Anfang an die entscheidenden Themen der Republik an.

Thema Digitales Deutschland:

  • Im Interview mit "WDR Fernsehen" fordert Dorothee Bär eine Fokussierung auf die Digitalisierung in Mittelstand und Konzernen, bei Bürgern und Ministerien. Statt 10-Punkte-Agenda erwartet sie, die Themen parallel anzugehen.


„Mich schmerzt, wenn meine Tochter einen Kilo-schweren Ranzen voller Bücher in die Schule schleppt. Die Klassenzimmer müssen nach und und nach digitalisiert werden.“

Thema Schule und Bildung:
  • Im Interview mit "Bild" fordert Bär Tablets an Schulen, Programmieren in der Grundschule sowie Digitalgymnasien. Sie kritisiert die schlecht gemachte E-Privacy-Verordnung und einen Datenschutz aus dem 18. Jahrhundert.

Thema Grosse Visionen:
  • Im "ZDF Heute Journal" verteidigt sie ihre Leidenschaft für Digitalisierung, kündigt an, ohne Milliarden-Budgets und Frust-Themen zu agieren und räumt mit dem viel zitierten Flugtaxi den schleppenden Breitbandausbau ab.

"Natürlich sind Straßen wichtig, aber wenn der erste deutsche Autobauer darauf gewartet hätte, dass er ein perfektes Autobahnnetz für seine Erfindung hat, gäbe es noch heute kein Auto."

Thema Breitband-Ausbau:
  • Im Interview mit der "B. Z." geht Sie auf das Marietta Slomka Leib- und Magen-Thema Breitband ein, kündigt 12 Mrd. € des Infrasktrurministeriums an und weist die Reduzierung auf Autobahnen als fehlende Vision zurück. 

Thema Politik und Gesellschaft:
  • Im Interview mit der "Welt" schlägt die CSU-Frau weitere Pflöcke ein, fokussiert auf die junge Unionsgarde mit Klöckner, Scheuer und Spahn und das Ziel, digitale Ideen von Bürgern und Firmen in die Bundesregierung zu tragen. 

"Ich will vor allem das Kanzleramt öffnen für Menschen mit Ideen, für Unternehmen, Startups, Firmen, Einzelpersonen. Den Rückhalt der Kanzlerin habe ich dafür."

Positive Reaktionen der Politik:

Kritische Reaktion der Politik:

Die Verbände zollen Dorothee Bär Beifall: Der Digitalverband Bitkom erwartet, dass das "regierungsseitige Vakuum" gefüllt wird. Der Internetverband Eco fordert, dass "politische Fehlentscheidungen wie das Netzdurchsetzungsgesetz rückgängig zu machen". 

Meine Hamburg Digital Position:

Kein Parteimann: Chefredakteur Thomas Keup
Foto: Stefan Kny
Es braucht immer Vorreiter*innen, um ein halbherzig angegangenes Thema zum Top-Thema zu machen. Dorothee Bär zeigt, dass eine medienaffine Politikerin rd. 500 zuständige Mitarbeiter in 244 Teams in 76 Abteilungen von 14 Ministerien auf Trab bringen kann.

Die Koalitionäre der 15%-SPD dürfen sich warm anziehen, denn Dorothee Bär hat angekündigt, einem Streit nicht aus dem Weg zu gehen, in bester Tradition der Macher*innen Hildegard Hamm-Brücher, Klaus von Dohnanyi oder Hans-Jürgen Wischnewski. 

Heiko Maas, als Justizminister verantwortlich für das Netzdurchleitungsgesetz, dürfte die strikte Gegnerin im neuen Kabinett besonders fürchten. Ihr "Nein" zu Restriktionen hat sie mehrfach untermauert - und wird sie sicher nicht zurücknehmen.

Die Lobbyisten der Deutschen Telekom sollten aufpassen, wenn Sie Dorothee Bär versuchen, erneut Subventionen für ihr Kupferkabel anzudrehen. Es könnte sein, dass sie den Strippenziehern die weißen Flecken ihres Wahlkreis Bad Kissingen um die Ohren haut. 

Hamburgs unentspannter Next-"Startup-Opa" und Eppendorfer "Chef-Digitalisier" Nico L. dürfte sich besonders ärgern: Der Digitalzug ist ohne ihn abgefahren, die Bayern haben das Thema abgeräumt, eine Digitalkarriere in der 15%-SPD scheint für immer vorbei.

Dorothee Bär ist für den Industrie- und Dienstleistungsstandort Hamburg, für die Digitalisierung an Alster und Elbe eine ebenso glückliche Entscheidung, wie für Berliner Schulen oder Bad Kissinger Gewerbebetriebe. Herzlichen Glückwunsch!

 Hamburg Digital Background: 

Dorothee Bär in der Wikipedia:

Dorothee Bär bei Abgeordnetenwatch:

Dorothee Bär Offizielle Webseite:

Positionen CSU-Arbeitskreis Netzpolitik:

Internet-Unternehmer Stephan Noller in der Wikipedia:

Sonntag, 22. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Oliver Redelfs: Privater Investmentfonds mit internationalen Experten für Hamburgs Gamesbranche.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Es ist ein 100 Mrd. Dollar-Markt, dominiert von Global Playern, wie "Activision", "Microsoft", "Nintendo", "Sony" und "Ubisoft". Mit 2,9 Mrd. € in 2016 gehört die Gamesbranche zu den großen Tech- und Kreativbranchen Deutschlands. So rasant das Wachstum ist, so rasant ist die Achterbahnfahrt auch der Hamburger Player: "Bigpoint" und "Goodame Studios" haben schmerzhafte Anpassungen erfolgreich überstanden, während "InnoGames" weiter auf einer Erfolgswelle schwimmt und Mitte d. J. von der schwedischen Modern Times Group übernommen wurde.


Hamburgs Gamesbranche versetzt wieder Container ...
Illustration: Gamecity Hamburg

Wo befindet sich die deutsche Gamesindustrie an Alster und Elbe heute? Wohin geht die Reise an einem der größten Entwicklerstandorte der Republik? Wie sieht die Gamesförderung in Hamburg aktuell aus? Und wie können Wirtschaft und Senat die "Gamescity" Hamburg sinnvoll fördern. Unser HANSEPERSONALITY ist Branchensprecher Oliver Redelfs:

Der internationale Gamesmarkt ist in den vergangenen Jahren kräftig durchgewirbelt worden. Heute dominieren "Free-to-Play"-Games, die großen Digital-Stores und "Games-as-a-Service" den Markt. Wie hat die Hamburger Gamesbranche die Umbrüche gemeistert? 


Sprecher der Hamburger Gamesbranche: Oliver Redelfs
Foto: Gamecity Hamburg
Wenn etwas in der Gamesbranche sicher ist, dann ist es der ständige Fortschritt und Wandel. Kein anderer Wirtschaftsbereich ist so schnelllebig und saugt Innovationen mit einer derart hohen Geschwindigkeit auf, um sie in neue Produkte oder Geschäftsmodelle für den Massenmarkt zu transferieren. Die Hamburger Unternehmen haben sich trotz großer Herausforderungen mit unterschiedlichen Strategien wacker geschlagen. 

"Die Gamecity ist erstaunlich gut durch die großen Herausforderungen gesegelt."

Vom langsamen und nachhaltigen Firmenaufbau, dem Besetzen von Nischenmärkten über Effizienzsteigerungen und Kostenreduktion bis hin zum Wachstum durch Zukäufe hat jede Firma sein individuelles Erfolgsrezept gebraut. Insgesamt ist die "Gamecity" als Ganzes erstaunlich gut und ohne langfristige Schäden durch die großen Herausforderungen und Marktveränderungen gesegelt, die aktuell weltweit alle Player im Gamesmarkt beschäftigen. 


Der Markt konzentriert sich auf neue, innovative Games aus Asien, Europa und Nordamerika. Durch den Wettbewerb bei "Free-to-Play"-Games sind immer innovativere Spielkonzepte, teurere Entwickungsetats und hohe Marketingbudgets unabdingbar. Wie schlagen sich da die Hamburger Anbieter?

Die "Free-to-Play"-Welle (F2P) hat die gesamte Spieleindustrie nachhaltig verändert. Um erfolgreich mit F2P-Spielen zu sein, ist ein tiefes Verständnis und die ständige Analyse der Metriken und Spieler nötig. Ohne permanente Datenanalyse ist ein Bestehen im internationalen Wettbewerb und bei den sich fortlaufend ändernden Interessen der Spieler kaum mehr möglich.

"Die Indie-Startups sind das Nachwuchsspielfeld für die Zukunft der Branche."

Die Gamecity gilt mit Bigpoint, Bytro Labs, Goodgame Studios, InnoGames, Gamigo und Xyrality als Hochburg der deutschen F2P-Anbieter, die alle diese Kunst beherrschen und im Unternehmen entsprechende Strukturen aufgebaut haben. Alle genannten Firmen sind in diesem Segment sehr erfolgreich und für die Zukunft gut gerüstet. Gleichzeitig gibt es in der Stadt eine hochinnovative Indie-Szene, angeführt vom Branchenprimus Daedalic sowie zahlreichen kleineren Nachwuchsteams. Dank ihrer Schnelligkeit und Kreativität entstehen hier ständig spannende Innovationen. Die Indie Startups sind das Nachwuchsspielfeld für die Zukunft der Branche. 

5 der 10 größten Gamesfirmen Deutschlands sitzen an Alster und Elbe. Die Hamburger Anbieter gehören nicht durch die Bank weg zum neuen Typus von Gamesschmieden. Wie es der Hamburger Gamesmarkt aktuell strukturiert?


Aktuelle Marktanalyse der "Gamecity Hamburg"
Quelle: Nextmedia Hamburg
Die bereits genannten großen F2P-Anbieter dominieren die regionale Gameszene, sowohl mit ihren hohen Umsätzen wirtschaftlich, als auch mit ihren großen Mitarbeiterzahlen. Mit Daedalic wurde aber gleichzeitig auch die deutsche Spielefirma mit den meisten Auszeichnungen beim Deutschen Computerspielpreis und dem Deutschen Entwicklerpreis (30!) in der Stadt gegründet. Daedalic ist mit qualitativ hochwertigen Adventures, also narrativen Spielen, groß geworden und gilt in diesem Bereich als führend. Inzwischen hat das Unternehmen sein Portfolio diversifiziert und stellt auch erfolgreiche Spiele im Strategie-Genre her. 

HAW Games Master-Studiengang: "Kaderschmiede der deutschen Gamesbranche"

Daneben gibt es in der Stadt sehr erfolgreiche Indie-Studios und eine lebendige Szene für den Nachwuchs. Alle guten Newcomer-Studios aufzuzählen sprengt hier den Rahmen. Ein wichtiger Kristallisationspunkt der Nachwuchsszene ist der Hamburger Indie-Treff, wo Wissensaustausch und Netzwerken ein Zuhause gefunden haben. Viele Neugründungen kommen aus dem Umfeld der HAW – Hochschule für angewandte Wissenschaften -, deren Games Master-Studiengang ich oft als Kaderschmiede der deutschen Gamesbranche bezeichne. 


Deutsche Hersteller verdienen rd. 40% ihres Umsatzes in aller Welt. Im Gegenzug kommen nur rd. 5-7% der in Deutschland verkauften Games auch aus deutschen Entwicklerschmieden. Standorte, wie Berlin gehen massiv in die Förderung. Wie sieht die Förderung in Hamburg heute aus?
Networking bei der Hamburger Gameskonferenz 2017
Foto: HANSEVALLEY

Aktuell gibt es in Hamburg keine gezielte und explizite Gamesförderung. Mögliche Förderkonzepte werden jedoch innerhalb der Stadt fortlaufend geprüft. Hamburg war immerhin das erste deutsche Bundesland, in dem Spiele mit einer Prototypenförderung gezielt gefördert wurden. Mit dieser auf eine begrenzte Laufzeit initiierten Maßnahme konnte einigen der heute erfolgreichen Spielefirmen der Start in der Hansestadt erleichtert werden. Aufgrund des dynamischen und sich stark gewandelten Marktes wäre eine solche Prototypenförderung heute aber nicht mehr zeitgemäß und funktional. 

Du bist Gründer der "Gamecity Hamburg" und seit vielen Jahren u. a. als Redakteur, Berater und Business Developer im Hamburger Medien- und Gamesmarkt zu Hause. Hand aufs Herz: Wie kann man die spannende Techbranche in Hamburg am Besten fördern?

Ohne eine dezidierte und substanzielle Gamesförderung wird Deutschland als Produktionsstandort niemals seinen Rückstand aufholen und vermutlich bald in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Selbst Polen hat mit einem überschaubaren Geldeinsatz einen gesunden Nährboden für eine prosperierende Spieleindustrie geschaffen. Weltweit haben alle großen und erfolgreichen Entwicklungsstandorte gezielte Förderinstrumente entwickelt. Die deutsche Branche kämpft hier mit Bleischuhen und muss ständig einen gravierenden Standortnachteil ausgleichen. Auf Dauer ist es aber unmöglich allein mit Effizienz, Innovation und Kreativität gegen den Wettbewerbsnachteil zu bestehen. 

"Jetzt sind Schritte nötig, die kein Bundesland stemmen kann."

Jetzt ist die zukünftige Bundesregierung am Zug, endlich eine substanzielle Förderung für die hiesigen Firmen aufzubauen, denn alle Parteien einer möglichen Regierungskoalition bekennen sich erstmals zu Unterstützungsmaßnahmen für die Spieleindustrie. Um international mitspielen zu können, sind jetzt Schritte nötig, die kein Bundesland stemmen kann. Während der "GAME"-Bundesverband 100 Millionen Euro für die Gamesbranche fordert, setzt der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) auf ein international bewährtes „Tax-based funding model“.

Daher muss auch in der Hansestadt unbedingt etwas passieren, und zwar schnell und effizient. Doch nur nach staatlicher Hilfe zu rufen oder einfach nur die regionalen Förderinstrumente der anderen Bundesländer nachzuahmen, ist ein Irrweg. Die Möglichkeiten hier sind durch stark limitierte Fördersummen aufgrund der Länderhaushalte immer begrenzt und auch die Erfolgsbilanz bestehender Programme löst aktuell keine Jubelstürme aus. 

"Mir schwebt ein Fondsmodell vor, um strategische Investitionen vorzunehmen."

Meiner Meinung nach muss die gesamte Spieleförderung neu gedacht und mit zusätzlichen Instrumenten ausgestattet werden. Hier sehe ich vor allem die klassische Wirtschaft, private sowie institutionelle Investoren und natürlich auch die Gamesbranche selbst in der Pflicht. Mir schwebt ein Fondsmodell mit ausreichender Einlagensumme vor, um strategische Investitionen in etablierte Firmen und Indie-Studios vornehmen zu können. 

 "Es geht um Public-Private-Partnership, indem der Staat weiterer Investitionspartner ist."

Games-Präsentation auf der GamesConf '17 in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY
Zur Risikominimierung der Investitionen in diesem Hochrisikomarkt, der aber gleichzeitig gigantische Gewinnchancen bietet, müssen Investitionsentscheidungen von Spieleprofis getroffen werden und den finanzierten Firmen ein Pool mit den besten Branchenexperten während der gesamten Produktion zur Seite stehen. Nur so können in dieser rasanten Branche Entscheidungen schnell und unbürokratisch getroffen werden. Gerade diese Punkte sind die größten Probleme aller derzeit existierenden staatlichen Förderinstrumente. Letztlich geht es um ein Public-Private-Partnership, indem der Staat die regulatorischen Bedingungen schafft und lediglich als weiterer Investitionspartner mit an Bord ist.

Zu guter Letzt: Warum ist die Gamesbranche aus Deiner Sicht besonders förderwürdig. Als Außenstehender würde man doch eher von "verspielten Nerds" reden, oder? Was bringt die Spieleindustrie Hamburg an besonderen Assets?

Die Gamesbranche ist einer der wichtigsten Innovationleader und Vorreiter bei der Digitalisierung. Um dies Verstehen genügt ein kurzer Blick, warum hier Zukunftsforschung mit Softwareprodukten erfolgt, die sich sofort in einem kompetitiven und komplett internationalisierten Massenmarkt bewähren müssen. Durch die schnelle, iterative Gamesentwicklung profitieren durch die Analyse und Erkenntnisse später alle Wirtschaftszweige. Der Fortschritt in der Computerhardware wurde maßgeblich durch die ständig ansteigenden Leistungsanforderungen der Spieleindustrie vorangetrieben. 

"Content Marketing ist seit Jahren fester Bestandteil der Gamesbranche."

Gleiches gilt für die Softwareentwicklung, wo jedes Spiel die Grenzen des technisch und kreativ machbaren neu auslotet. Die bei Gamedevs gängigen Grafikengines wie Unity und Unreal gelten inzwischen als das "Microsoft Word"-Programm für die Entwicklung von VR- und AR-Anwendungen. Das aktuell angesagte Content-Marketing oder Video Advertising sind bereits seit Jahren fester Bestandteil bei den PR- und Marketingprofis in der Gamesbranche. Und auch der Aufstieg der Influencer wurde erst durch die "Let´s Player"-Szene möglich. Hier wurde die Basis für den Influencer-Trend gelegt. Dementsprechend kommen auch heute noch die größten und erfolgreichsten Influencer Channels aus dem Gamingsektor.

"Ich vermisse die Anerkennung und Unterstützung etablierter Firmen."

Kein Wunder, dass ein Großteil der Entrepreneure in der Startup-Szene in irgendeiner Form einen relevanten Gaming-Background besitzt. Die klassischen Industrien rekrutieren seit Jahren hochqualifizierte Mitarbeiter aus der Gamesbranche, die für sie für den digitalen Changeprozess so dringend benötigen. Dieser fortlaufende Brain-Drain ist natürlich auch für die Gamesbranche selbst eine große Herausforderung. Denn gerade die erfahrenen und gut ausgebildeten Mitarbeiter werden sehr oft von in traditionelle Branchen gelockt. 

Ich vermisse deshalb die Anerkennung und Unterstützung etablierter Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen. Wo bleibt das Bekenntnis zur Gamebranche als Zukunftswerkstatt für die deutsche Industrie? Wieso findet keine gezielte Zusammenarbeit der deutschen Wirtschaft mit der Spielindustrie statt, um damit den digital bestens ausgebildeten Nachwuchs zu fördern? Selbst die Granden der Politik haben inzwischen die Bedeutung der Gamesbranche für die Digitalisierung erkannt. 

"Endlich das außergewöhnliche Potenzial der Gamesbranche nutzen."

Ich erwarte, dass die Wirtschaft schon aus Eigeninteresse endlich Chancen ergreift, die von der Spieleindustrie ausgehen. Wer Games immer noch als Spielkram belächelt, verspielt seine eigene Zukunft. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich Firmen, Investoren und Institutionen bei mir melden, um gemeinsam Ideen und Strategien zu entwickeln, um endlich das außergewöhnliche Potenzial der Gamesbranche effektiv zu nutzen.

Vielen Dank für die tiefgehenden Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.


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 Hamburg Digital Background: 

Games-Standort Hamburg 2017 - Abendblatt

Games-Markt Deutschland 2017 - HMS-Studie

Branchen-Netzwerk "Gamecity Hamburg"

Studiengang "Games Master" HAW Hamburg