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Dienstag, 24. August 2021

Das New Normal: Mobiles Arbeiten im Grünen.

HANSE DIGITAL WORKLIFE
* Update 05.10.2021 *

Mobiles Arbeiten wird zum New Normal - auch für Vertriebler.
PR-Foto: Presse Aktuell

83 % aller Arbeitnehmer fühlt sich gegenüber dem Arbeitgeber "nicht verpflichtet", 68 % und damit mehr als 2/3 macht "Dienst nach Vorschrift", so das Ergebnis des aktuellen "Gallup Engagement Index" für Deutschland im Coronajahr 2020. Kein Wunder, dass Chefs ihre "Spezis" nach Lockdown und Homeoffice so schnell wie möglich wieder im Blick haben wollen und nur noch rd. 23 % der deutschen Angestellten Zuhause sind. Doch im "New Normal" verschwinden die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens nicht einfach wieder. Wie verändern Videokonferenzen und digitaler Kontakt mit Kunden das Leben von Vertrieblern und anderen Geschäftsreisenden? Vielfahrer und Metropolen-Pendler Thomas Keup hat aktuelle Zahlen, Fakten und was zum Schmunzeln: 

'Alles bleibt anders!' So könnte jede Geschichte rund um Computer, Internet und Vernetzung beginnen. Die meisten Schüler, Lehrer und Eltern hätten sich vor dem Corona-Ausbruch Mitte März 2020 nicht vorstellen können, über Monate hinweg vor einem mehr oder weniger brauchbaren Rechne
r von zu Hause aus per Videokonferenz und Lernplattform dem Schulunterricht zu folgen - wenn ein Rechner vorhanden war, Lehrer auf E-Mails antworteten - und Hausaufgaben nicht ausgedruckt in braunen A4-Umschlägen ausgegeben wurden.

Lassen wir an dieser Stelle die PR-Märchen von Schulsenatoren und -ministern über die ach so schnelle, moderne und zukunftsweisende digitale Ausstattung von Schulen in Covid 19-Zeiten - aka Uralt-Server auf dem Damenklo - mal für einen Moment außen vor. Hier freuen wir uns auf die aktuelle Recherche unseres Hamburg-Korrespondenten zu "Pleiten, Pech & Pannen - Made by #HH_BSB" (weil wir Hamburg sind ...). Gerd Kotoll hat als ehemaliger Elternvertreter wirklich "heisse News" u. a. aus dem Himmelreich von Hamburgs Schulsenator Ties - "Ich habe doch Recht" - Rabe.

Digitalisierung kriegt sie alle: Lehrer, Eltern & die lieben Kleinen.

Die meisten Angestellten konnten vor der Pandemie ihrerseits auch nicht ahnen, mit Kollegen und Kunden mehrmals in der Woche per Videokonferenz Projekte, Prozesse und Probleme zu wälzen. Und Mütter wie Väter an Küchen- und Wohnzimmertischen über Firmenlaptops und Tablets gebeugt wussten nicht wie ihnen geschah, als die lieben Kleinen - ausgeschlossen von Kindergarten und Klassenzimmer - plötzlich kreischend die eigene Arbeit kommentierten. Bis zu 56 % - und damit mehr als die Hälfte - aller deutschen Arbeitnehmer könnte ihre Arbeit grundsätzlich virtuell via Laptop und Datenleitung erledigen, so das ifo-Institut aus München.

Was für Vertriebler fernab von Business Class und Flughafen-Lounge plötzlich zum "New Normal" wurde, ist für Selbstständige - z. B. Künstler, Publizisten und Dienstleister - seit rd. 10 Jahren ein Stück Normalität. Der amerikanische Softwareriese Microsoft adressierte im April 2014 ein "Manifest für Neues Arbeiten" vor allem für Wissensarbeiter - und setzte die Veränderungen "von Aktivitäten zu Momenten" bei seinen damals rd. 320.000 Mitarbeitern weltweit auch gleich um, wie ich vor sieben Jahren in der Berliner Microsoft-Niederlassung Unter den Linden in Berlin live und in Farbe kennenlernen durfte (lesen Sie dazu meinen Beitrag auf dem Netflox-Blog - s. u.).

Von 8 Stunden Aktivität zu 8 minütigen Momenten - rund um die Uhr.

"Aktivitäten": mit Arbeit von 9 bis 5.
Grafik: Microsoft
Bestand und besteht die alte, lineare Arbeitswelt seit der industriellen Revolution und Einführung des Fließbandes durch Henry Ford im Januar 1914 aus einem "Dreiklang" mit rd. 8 Stunden Arbeit am Block, rd. 8 Stunden Privatleben und 8 Stunden Ruhezeit, verschwimmen die "Aktivitäten" in der Welt arbeitsplatz- und zeitunabhängiger Tätigkeiten in einem "Work-Life-Blur", wie es Microsoft nennt. Beim Recherche-Interview in der "Digital Eatery" von Microsoft im Sommer 2014 war mir auch nur z. T. bewusst, wie weit geschäftliche und berufliche, persönliche und private Dinge mit Smartphone in der Hand verschwimmen würden.



"Momente" mit 8 Minuten statt 8 Stunden.
Grafik: Microsoft
"Aktivitäten" mit Familie und Freunden, Sport und Freizeit, Ausflüge und Erholung oder Online-Recherchen und Shopping müssen sich nicht mehr auf die Zeit "nach Feierabend" oder "am Wochenende" beschränken. "Momente" mit Kids, der Einkauf bei Amazon & Co. oder die Planung des Ausflugs können zwischen zwei Videocalls erledigt werden, wenn man die Konferenzen nicht ohne Pause aneinander reiht. Hintergrund: Mit der Distanz von Kollegen und Kantine rücken die Ergebnisse der Arbeit in den Mittelpunkt. Wurden Angestellte früher vor allem für "Facetime to the Boss" aka "Dienst nach Vorschrift" bezahlt, rücken nun Resultate in den Mittelpunkt.

Nach Datenschutz und Diskussionen: Es geht tatsächlich digital.

"Vetrauensarbeitszeit" nennt man die Veränderung im Personalwesen - bei Microsoft seit 2014 gelebte Praxis - wie in vielen Tech-Startups, bei Digital-/Dienstleistern und IT-Unternehmen, deren Experten durch Laptop und schnelle Leitungen längst von überall aus Server hochfahren, Updates installieren und Fernwartung betreiben können. Mit der Durchdringung von Rechner und Router im Privatleben ist das auch vor Corona schon für fast jedermann möglich gewesen. Ich selbst erlebte mobiles Arbeiten 2012 während meines Engagements für ein Tech-Startup in Barcelona. Erst mit der Notwendigkeit durch Lockdown und Homeoffice wurde es auch ohne Datenschutzdiskussionen bei uns flächendeckend (notwendigerweise) umgesetzt.

Vier Wochen nach dem ersten Lockdown waren rd. 55 % aller Büroarbeiter in Deutschland im Homeoffice, 30 % zum ersten Mal in ihrer Karriere, stellte immowelt.de im April '20 fest. 42 % hatten von Anfang an ein eigenes Arbeitszimmer, 1/3 einen festen Arbeitsbereich in Wohn- oder Schlafzimmer. Im Juli '20 gab die Hamburger Krankenkasse DAK bekannt: Die Zahl der Betriebe mit Homeoffice-Möglichkeiten nahm durch die Corona-Krise um mehr als 50 % zu. Mit 116 % Zuwachs auf insgesamt 39 % hat sich die Zahl der Homeoffice-Arbeiter an der arbeitenden Bevölkerung mehr als verdoppelt. Die Zahl der Videokonferenzen verdoppelte sich durch die Corona-Krise auf rd. 35 % Nutzung unter allen Arbeitnehmern.

Aktuelle Homeoffice-Quote 2021: Dienstleister vor Industrie.

Heute arbeiten laut des Münchener Marktforschungsinstituts ifo noch 23,8 % aller deutschen Angestellten von Zuhause aus - ein Minus von rd. 7 % im Vergleich zu den harten Lockdown-Monaten im Winter und Frühjahr des Jahres. Dabei sind es vor allem Dienstleister, die ihre Angestellten aus den eigenen vier Wänden arbeiten lassen, aktuell immerhin noch 33,4 % - jedoch ebenfalls mit rd. 7 % Minus im vergangenen halben Jahr. Die höchste Homeoffice-Quote gibt es laut ifo-Institut in der Bekleidungsindustrie mit 32,2 %, gefolgt von der Automobilindustrie mit 26,6 % und der IT-Industrie mit 26,0 %. In den Top 5 folgen mit leichtem Abstand die Elektroanlagenbranche mit 21,8 % und die Maschinenbauer mit 20,3 %.

Insgesamt ranchieren bei den Dienstleistern das Bauhauptgewerbe mit 5,0 % und der Einzelhandel mit 5,3 % verständlicherweise am Ende der Skala. Bei den Produzenten tragen in Deutschland die Getränkehersteller mit einer Homeoffice-Quote von nur 5,1 % die rote Laterne. Knapp davor liegen Transporteure mit 6,8 %, die metallverarbeitende Industrie mit 7,6 %, die Lederwarenbranche mit 8,4 % und die Holzbranche mit 8,5 %. Desto höher die Impfquote im Land steigt, desto mehr Mitarbeiter werden zurück an ihre angestammten Schreibtische gerufen. Zugleich stellen die Münchener Marktforscher fest, dass die Homeoffice-Quote nach Bewältigung der Pandemie deutlich höher ist und bleiben wird, als vor dem Corona-Ausbruch im März '20.

Von "Nix da" zum "New Normal": Deutschland wird mobil(er).

81 % der bis Juni '21 ins Homeoffice geschickten Angestellten können sich vorstellen, auch nach der Pandemie vollständig oder mehrere Tage pro Woche ihren Job in den eigenen vier Wänden zu machen, so das Ergebnis einer Umfrage der Strategieberatung EY. Eine Langzeitstudie des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research kommt auf einen Wert von 55 % aktiver Homeoffice-Nachfrage. Vor allem Männer wollen mit 52 % auch nach Covid 19 von zu Hause aus arbeiten. Nach einer Umfrage der FOM-Hochschulen wollen Arbeitnehmer im Schnitt rd. 35 % bzw. 2 Tage in der Woche von zu Hause aus tätig sein. Beim Bremer Hafenbetreiber Bremenports dürfen sie das - sogar bis zu 3 Tage bzw. 40 %.

Wenn Homeoffice und mobiles Arbeiten sieben Jahre nach dem Microsoft-Manifest zum "New Normal" in der Bürowelt angestellter Arbeitnehmer Normalität werden, was heißt das in aller Konsequenz für Bürovermieter, Hotels, Business Classes und -Lounges? Der branchenweite "Sparfuchs" und Allianz-Chef Oliver Bäte verkündete im Juni 2020, dass der größte deutsche Versicherer auf Grund der Homeoffice-Nutzung rd. 30 % seiner Büros aufgeben wolle und jede 2. Dienstreise in Zukunft wegfallen werde. Moment mal: Jede 2. Dienstreise soll wegfallen? Jetzt wirds richtig interessant - allerdings nicht für Airlines, Bahn & Co.

Von Freelancern bis Vertriebler: Momente sind das "New Normal". 

Die Hamburger Managementberatung Thomsen Group erarbeitete auf Grund von Annahmen ein Szenario, wie die Arbeitszeit der - vornehmlich auf Autobahnen, in 1. Klasse-Abteilen und Business-Fliegern - präsente Gruppe der Vertriebler durch Corona verändert werden wird. Und da ist sie wieder: Die Kuchengrafik mit den vielen kleinen Stückchen - statt weniger konzentrierter "Aktivitäten". Wie auch ich aus drei
 Jahren fast täglicher bzw. wöchentlicher Bahnfahrten in Business-Abteilen der ICEs zwischen Berlin und Hamburg bestätigen kann, ist ein großer Teil auswärtiger "Aktivitäten" schlicht Reisezeit.

Von 2/3 Reisezeit zu 2/3 Kundenkontakt.
Quelle: Thomsen Group

Thomsen stellt in einer aktuellen und in den HANSENEWS veröffentlichten Hochrechnung fest, dass die Arbeitszeit des reisenden Völkchens der Vetriebler vor Corona zu rd. 2/3 aus (meist passiver) Fahrzeit bestand. Die Anfahrt zu Bahnhof oder Flughafen mit Bus, Bahn, Mietwagen oder Taxi war und ist ebenso wenig zum Arbeiten geeignet, wie die Wartezeit an Bahn- und Abflugsteigen, in Flugzeugkabinen, an Mietwagenschaltern oder beim Hotel-Checkin. Blieben unter dem Strich nur rd. 1/3 verbleibender Arbeitszeit (pro Woche bzw. Monat), die tatsächlich produktiv mit Kunden verbracht wurden.

Das digitale Momentum: Mehr Zeit für Kunden und die Familie.

Pandemie, Homeoffice und Videocalls veränderten seit Frühjahr '20 auch die Arbeit des reisenden Volkes: In seiner heuristischen Berechnung geht der zuständige Experte bei Thomsen in Hamburg davon aus, dass die Zeit mit Kunden im "New Normal" auf bis zu 2/3 der gesamten Arbeitszeit ansteigt - und damit gut 30 % mehr betragen wird, als bei den guten alten "Trolley-Truppen". Der Grund: Fast 60 % der Arbeitszeit verbringen Vertriebler heute und künftig vor dem Monitor mit Kundengesprächen. Durch die schnelle, einfache Möglichkeit, sich per Bild und Ton zusammenzuschalten, wird der Kontakt digital häufiger. Dafür sinkt die persönliche Präsenz auf nur noch rd. 8 %.

Unterm Strich heisst das mehr Zeit mit Kunden und weniger Stress auf Reisen - und eine neue Ausdifferenzierung: einfache, schnelle oder kleinere Themen werden per Videokonferenz besprochen und geklärt. Nur wenn es wirklich wichtig wird, um einen Vertrag zu unterzeichnen, ein festgefahrenes Problem zu lösen oder eine kriselnde Kundenbeziehung zu retten, werden Accountmanager und Kollegen künftig ihren Koffer packen und sich auf den Weg machen. Damit könnte die Reduzierung von Reisenzeiten nicht nur bei der Allianz Wirklichkeit werden - ganz zur Freude von Freunden und Familien, aber zum Ärgernis von Fliegern, Bahn, Hotels und Taxen, die von Geschäftsreisenden leben.

Digitaler Vertrieb: Persönliche Posts statt Kaffee + Kekse.

Wenn 2/3 der Arbeitszeit zu digitalem und (minimal) persönlichem Kundenkontakt avanciert, was wird aus dem verbliebenen Drittel, dass sich u. a. aus der massiv geschrumpften Reisezeit speist? Die Visionäre von Thomsen an der Alster sehen mit der "Digital Customertime" eine weitere, deutliche Veränderung der Arbeit von Business Developern und Account-Managern: Künftig übernehmen persönliche Postings zu Erfahrungen, Meinungen und Erwartungen der Vertriebsmitarbeiter und ihrer Unternehmen auf Social-Media-Netzwerken eine wichtige Funktion in der Kundengewinnung und -bindung.

Kann die Frage der passgenauen Zusammenarbeit durch zugelieferte Informationen per E-Mail und PDF beantwortet werden, gewinnen Kunden die notwendige Sicherheit zu Kompetenz, Charakter und Wohlwollen zunehmend über Social-Media-Aktivitäten. Für Unternehmen und ihre Vertriebler heisst das, rd. 16 % mit dem Auf- und Ausbau der Meinungshoheit im Internet, z. B. auf Linkedin und Xing sowie mit Podcasts und Videos, zu verbringen. Damit wird Social Media im B2B-Geschäft von einem "Nice to have" zu einem "Must have" - und das dürfte einigen, nicht nur älteren Mitarbeitern in Unternehmen, alles andere als leicht fallen.

Lust auf Land und Leben: Und 25 % weniger an Gehalt?

Der dritte - und bis heute bei uns in Deutschland noch nicht angekommene Trend - ist eine künftige Unterscheidung bei der Bezahlung zwischen Mitarbeitern, die in teuren Großstädten nah beim Unternehmen präsent sein müssen und anderen Angestellten, die mit der Corona-Pandemie die Qualität des Landlebens für sich entdeckt haben - neudeutsch als "De-Urbanisierung" bzw. "Sub-Urbanisierung" in der Diskussion. Beipsiel USA: Hier planen erste Tech-Konzerne, die Gehälter von Angestellten von 10 bis 25 % zu reduzieren, wenn diese nicht im fast unbezahlbaren Umfeld des Silicon Valley oder in New York City leben müssen und vollständig von Zuhause aus arbeiten, z. B. bei Google (siehe Blog-Beitrag von CMS).

Durch eine bessere digitale Infrastruktur in ländlichen Regionen werden auch die grünen "Speckgürtel" rund um Bremen, Hamburg und Hannover zunehmend beliebter. Nach einer aktuellen Befragung von 7.000 Großstädtern durch immowelt.de planen 13 % der Befragten von ihnen, in den kommenden 12 Monaten diese zu verlassen. Knapp die Hälfte (46 %) aller Befragten mit kurzfristigen Umzugsplänen gab an, dass die Corona-Pandemie ihre Entscheidung beeinflusst habe. 
Stück für Stück werden die Metropolen von Zuzügen entlastet, tauschen Angestellte teure Wohnungen in den lauten Großstädten gegen die Lebensqualität im grünen Umland, wie sich an Alster und Elbe bereits zeigt.


Entlastung für die Großstädte, Infrastruktur auf dem Land.

Für den Präsidenten des ifo-Instituts, Clemens Fuest, heißt das neue Herausforderungen für die Politik: Während in den Metropolen der Straßenverkehr abnimmt, müssen für die Landbewohner wirklich leistungsfähige Straßen- und Bahnverbindungen sichergestellt werden - von der digitalen Infrastruktur mit Breitband und schnellem, zuverlässigen Datenfunk ganz abgesehen. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert hoffte in einer aktuellen Diskussion auf der IAA Mobility in München zugleich auf eine Entlastung des Wohnungsmarktes in den Großstädten. Die Fakten sprechen - nicht nur in Norddeutschland - eine andere Sprache:

In der Freien und Hansestadt Hamburg sank die Nachfrage nach einem eigenen Häuschen im Juni 2021 zwar leicht um 2 %. Aber: Die Quadratmeterpreise stiegen in den Angeboten im Stadtgebiet um 29 % von 5.121,- auf 6.622,- € an. Der Trend zur Stadtflucht hat vor allem Auswirkungen auf die Nachfrage nach Einfamilienhäusern im Umland: Immoscout24 fand heraus, dass der Hamburger Speckgürtel durch die Pandemie bereits einen Nachfrageschub von 76 % erlebte. Die Angebotspreise für inserierte Einfamilienhäuser kletterten in der Metropolregion von 3.069,-  auf 3.680,- € pro Quadratmeter im Juni 2021 - ein Anstieg um satte 20 % seit Februar 2020 

Mietpreise im Norden in der Corona-Krise angestiegen.

Im letzten Jahr stiegen die Mietpreise in Norddeutschlands teuerster Stadt Hamburg erneut um 3 %. Der Quadratmeterpreis für eine Wohnung liegt jetzt im Schnitt bei rd. 12,50 €, so die aktuelle Erhebung von immowelt.de. Vor einem Jahr lag der Durchschnittspreis an Alster und Elbe noch bei 12,10 €. Die einsetzende "De-Urbanisierung" macht sich auch bei den Mietpreisen im Einzugsbereich der Millionenmetropole negativ bemerkbar: In den Landkreisen rund um die Hansestadt kletterten die Mietpreise im vergangenen Jahr um 2 bis 6 %: Die Preise stiegen auf schleswig-holsteinischer Seite in Stormarn auf 10,40 €, Pinneberg und Segeberg auf jeweils 9,80 € und Lauenburg auf 8,90 €, südlich der Elbe verlangt man in Harburg jetzt 9,90 € und in Stade 8,70 €.

Ein Blick auf die anderen norddeutschen Großstädte zeigt: Um jeweils 2 % erhöhte sich der Quadratmeterpreis in Hannover auf jetzt 8,60 € und Bremen mit 8,40 €. Damit sind sie im Städtevergleich auf ähnlichem Preisniveau wie Oldenburg mit 8,90 €, Lübeck bei 8,80 € sowie Kiel und Osnabrück mit je 8,30 €. Der Stadtkreis Emden hat mit 12 % einen vergleichsweise hohen prozentualen Anstieg, wobei der Median-Mietpreis bei moderaten 6,70 €/qm liegt, so immowelt.de. Die Stadtkreise Wilhelmshaven mit + 4 % und Bremerhaven mit + 6 % bleiben sogar weiterhin unter der 6-Euro-Marke. 

Eine Anekdote zum Schmunzeln ... und Zoomen:

Während sich die Hamburger Senatskanzlei vom stadteigenen Datenschützer für mögliche Zoom-Überwachungen anzählen lassen musste (die HANSENEWS berichteten), hat Deutschland die meisten "Zoom-Konferenzen" gar nicht mit Zoom gemacht. Die Hamburger PR-Agentur Faktenkontor veröffentlichte im "Social-Media-Atlas 2021" die Zahlen: 43 % aller berufstätigen Internet-Nutzer in Deutschland kommuniziert mit Kollegen und Kunden über "Teams" von Microsoft, 41 % verwendeten "Skype", ebenfalls von Microsoft. Erst danach folgt der Aufsteiger aus dem ersten Corona-Lockdown, "Zoom". Die junge Videoplattform setzen rd. 36 % der erwerbstätigen Onliner ein.

Das der Hamburger Senat manchmal etwas länger braucht, um den Schuss zu hören und/oder aufzuwachen, wissen wir spätestens seit der schwachsinnigen Maskenpflicht auf den Wanderwegen rund um die Alster, dem sinnfreien Alkoholverbot exklusiv auf den Bürgersteigen der Reeperbahn, den immer wieder verspäteten Lockerungen der Corona-Maßnahmen und den trotzdem schlechten Corona-Zahlen - auch im bundesweiten Vergleich. Von der seitens der Hamburger Gastronomie z. T. scharf kritisierten 2G-Regelung einmal abgesehen. Vielleicht liegt das ja im Naturell der (Dorf-)Verwaltung zwischen Alsterdorf, Eppendorf und Bergedorf. Für "Exil-Hamburger" in ihrem neuen Zuhause in der Heide und in Holstein dürfte das künftig aber auch egal sein.

Homeoffice bei neuen und jüngeren nicht optimal.

Bleibt die entscheidende Frage, wo Homeoffice nicht funktioniert. Laut ifo-Präsident Clemens Fuest kommt das mobile bzw. virtuelle Arbeiten bei Innovationsprozessen an seine Grenzen. Hier tauschen sich Menschen nicht nur mit Worten, sondern vor allem auch mittels Körpersprache aus. Für Audi-Personalvorständin Sabine Maaßen wirds schwierig im Austausch der Mitarbeiter untereinander, denn die gute alte Kaffeeküche ist wichtiger, als viele vielleicht dachten. Auch bei neuen und jüngeren Mitarbeitern wirds knifflig, da sie nicht selten einen kurzfristigen und höheren Abstimmungsbedarf haben. 

Unter dem Strich ist es für die langjährige Gewerkschafterin Maaßen vor allem eine Frage von Führungskultur und Vertrauen, wenn die Ergebnisse der Arbeit in den Mittelpunkt rücken und die Anwesenheit als Führungsinstrument zumindest teilweise wegfällt. Homeoffice und mobiles Arbeiten kann in keinem Fall "top-down" angewiesen werden. Stattdessen gilt es mit einer Betriebsvereinbarung - wie bei Audi seit 2016 - die Möglichkeit einzuräumen und jedem Mitarbeiter zugleich die Freiheit zu geben, die für seine Lebenssituation und persönlichen Umstände passende und gewünschte Kombination von Präsenz und privatem Arbeitsplatz zu wählen.

*Update*
Wenn Wohnung zum Büro zum Fitnessstudio wird.

Im Gegenzug wird aus dem Provisorium Homeoffice in der eigenen Wohnung künftig zunehmend eine Universallösung zum Arbeiten, Sport treiben und Leben. Der Hamburger Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann untersuchte zum 4. mal die Megatrends im Auftrag des Shopping-Senders "QVC": So wird das Wohnzimmer auf Knopfdruck zum Büro und abends zum Gym. Jeder Zweite der ab dem Jahr 2000 geborenen Generation Z wünscht sich einen digitalen Fitness-Spiegel für Personal Trainings. Und es entstehen neue Modelle des Zusammenlebens: 52 % der Gen Y wünschen sich Co-Working-Räume.

Für das Zuhause der Zukunft wünscht sich jeder Zweite zudem Geräte, die auf Sprache reagieren. "Voice-basierte Anwendungen, Sensoren und biometrische Datenerkennung machen den Touchscreen bis 2040 überflüssig", so Peter Wippermann in einer aktuellen Stellungnahme. Aus Bildschirmen werden Brillen, aus Brillen Augenlinsen. Digitale Services sind nicht länger an statische Geräte gebunden. Im Next Home sind sie da, wo die Menschen sind und verschwinden aus unserer Wahrnehmung. Dann bekommt digital-vernetztes Arbeiten womöglich noch eine ganz andere Bedeutung.

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 Hanse Digital Background: 

Netfox-Blog: "Die Zukunft der Arbeit: Von Aktivitiäten zu Momenten":
netfoxblog.wordpress.com/2014/10/22/

"Netfox-Blog: "Erdrutsch in der Arbeitwelt - Teil 1:
Vom Fließband zur Generation Freelancer – Symptome, Ursachen und Folgen."

"Netfox-Blog: "Erdrutsch in der Arbeitwelt - Teil 2: 
Vom Fließband zur Generation Freelancer – digital-vernetzt statt linear und abhängig."

"Netfox-Blog: "Erdrutsch in der Arbeitwelt - Teil 3:
Vom Fließband zur Generation Freelancer – selbständig die Zukunft unternehmen."

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*Update*
 Hanse Digital Service: 

CMS Deutschland: Gehaltskürzung im Homeoffice:

QVC Zukunftsstudie "Next Home": Das Zuhause wird zur Schaltzentrale.
presseportal.de/

Personalwirtschaft.de: Gallup Engagement Index: 
Zwischen Bindungsgefühl und Abwanderungsgedanken
personalwirtschaft.de/

Microsoft: "33 Regeln erfolgreicher digitaler Pioniere" (PDF):

Mittwoch, 20. Juni 2018

HANSEWORKLIFE: Die 4. Dimension der Digitalisierung.

Kulturwandel, Neue Arbeit, Arbeitswelt 4.0: Keine Woche vergeht in Deutschlands Metropolen ohne eine Konferenz zur Zukunft der Arbeit.  In Hamburg adressiert das Business-Netzwerk Xing das Thema mit Konferenzen, Diskussionen und Fachbeiträgen. Die Otto Group hat für Ihre 50.000 Mitarbeiter den Kulturwandel 4.0 eingeführt. Es tut sich was an Deutschlands Arbeitsmarkt. Zeit, sich näher mit dem Phänomen zu beschäftigen.


Dr. Jutta Rump ist Professorin für Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen. Die Expertin warnt: Jetzt werden die mittleren Qualifikationen abgeschafft, z. B. Ärzte, Anwälte und Steuerberater. Bis zu 40% der Arbeitsplätze in der westlichen Welt könnten wegfallen, sagen Forscher. Die mehrfache Autorin war Gast im IT Executive Club Hamburg. HANSEVALLEY traf die engagierte Arbeitsmarkt-Expertin. Ein Hamburg Digital Report.

Expertin für die Arbeitswelt: Prof. Dr. Jutta Rump
Foto: Hochschule Ludwigshafen
Controlling im Konzern, Risikomanagement in der Kreditabteilung, Befundung von MRT-Bildern in der Radiologie - immer wenn es um manuelle oder kognitive Routinen geht, sind IT-Systeme und künstliche Intelligenz schneller, genauer, effektiver. "Wir verschwenden keine Zeit mehr in Routinen", fasst es die Wirtschaftswissenschaftlerin und langjährige Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability der Hochschule Ludwigshafen zusammen. Seit mehr als 18 Jahren ist sie im Thema - weiß, wohin die Reise geht.

4 Ebenen sieht Prof. Dr. Rump im Wandel: Technologien, Geschäftsmodellen und Wertschöpfungen sowie den Faktor Mensch: Auf der Mikroebene stellt sich die Frage: Wie sehen veränderte Arbeitswelten und künftige Arbeitsplätze aus? Auf der Mesoebene geht es für die Spitzen-Wissenschaftlerin um die Veränderungen in Betrieben und künftige Modelle der Führung. Auf der Makroebene beleuchtet sie den Arbeitsmarkt und die Effekte durch die Umbrüche. Und schließlich fokussiert sie auf der Metaebene auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, einschließlich rechtlicher Rahmenbedingungen und der Mitbestimmung.

50 Handlungsfelder sind durch die Digitalisierung betroffen

"Die Digitalisierung ist in allen Bereichen angekommen", fasst die bundesweit engagierte Wissenschaftlerin zusammen. Ob Bundesregierung oder Arbeitsministerium, ob Industrie- oder Arbeitgeberverband, ob Caritas oder DAK, Robert Bosch- oder Randstad-Stiftung - ihre Expertise ist gefragt, Ihr Wort wird gehört. Eine der wichtigsten Aussagen der Wahl-Ludwigshafenerin: "Ich glaube nicht, dass die Betriebe die Mitarbeiter gehen lassen werden." Als positives Beispiel, die nächste Krise zu meistern, nennt Sie die Kurzarbeiterregelung von Ende 2008 bis 2010.

"Es ist eine Chance, gestärkt da rauszugehen", diktiert uns die sympathische Expertin in den Block. Statt die mittleren Qualifikationen auszusortieren, sollten die Firmen sie in der Transformation an Board behalten, Mitarbeiter auf die nächste Stufe qualifizieren und die Arbeitswelt professionell umbauen. Dabei geht es für die Arbeitsmarktexpertin um eine "Weiterbildung gemäß Kompetenzprofilen". Alle über einen Kamm zu scheren, wird aus Ihrer Sicht nicht mehr helfen, und das hat einen guten Grund:

Rump: "In Deutschland auf sehr gute Art und Weise vorgearbeitet"

Hamburgs Digital- und IT-Strategen im IT Executive Club
Foto: HANSEVALLEY
Die Expertin sieht in Deutschland eine breite Diskussion zu "Arbeit 4.0". In der Bundesrepublik werde nicht nur über Software, Organisationen und Prozessketten diskutiert. "Wir haben die perfekte Basis, um die Digitalisierung großflächig in der Wirtschaft einzuführen", ist sich die Gastrednerin des IT Executive Clubs sicher. Rump verweist auf 20 Jahre Optimierung, Rationalisierung und - besonders wichtig - Dokumentation in unseren Geschäftsprozessketten. "Andere wissen nicht, was sie in Software und Algorithmen einprogrammieren sollen." Vielleicht stellen wir Deutschen unser Licht mal wieder unter den Scheffel.

Automatisierung sei hier zulande gut möglich, fasst Prof. Dr. Jutta Rump zusammen. Sie lobt politische Stabilität und einen rechtlich verlässlichen Rahmen, die EU-weite Sicherheit der Daten, sehr gute Infrastrukturen und objektive Sicherheit für Unternehmen, ein gutes Bildungsniveau und geringe Fluktuation im Arbeitsmarkt. "Irgendwann werden die Arbeitsplätze, die eine Reise in Richtung Osten unternommen haben, wieder zurückkommen", hochautomatisiert, mit 3D Druck und Laserschweissen, in Mikrofabriken und klimatisch guten Bedingungen sowie ohne große Transportkosten zu den Kunden. Was heißt das für unseren Arbeitsmarkt?

Planen und Entwickeln, Beraten, Organisieren und Probleme lösen im Fokus 

Zukunftsforscher Erik Händeler
Foto: Günther Lintl
In Zukunft geht es um die Gestaltung von Prozessen, nicht um das Malen von Prozesstapeten, um das Programmieren von Routinen, nicht um das Ausführen stupider Fließbandarbeit. Wenn gleichbleibende Muster von Maschinen ausgeführt werden, muss es Menschen geben, die diese Muster bei Bedarf brechen. Und eines der Schlüsselthemen wird die soziale Interaktion. Zukunftsforscher Erik Haendeler brachte im Hamburg Digital Interview auf den Punkt: "Wohlstand ist in Zukunft nicht, noch härter zu arbeiten, sondern sich besser auszutauschen." 

Jutta Rump sieht als Notwendigkeit kluge Investitionen in die Zukunft - und die Notwendigkeit, die Menschen mitzunehmen auf die Reise. Das Ergebnis wären völlig neue Möglichkeiten: neue Erfindungen, neue Geschäftsmodelle, neue Arbeitsplätze. Für die Professorin geht es um kreatives Agieren, die Zeit sinnstiftend zu nutzen und die eigenen Stärken auszuleben. "Wenn man sich das klarmacht, das neue Geschäftsfelder, neue Tätigkeiten, neue Beschäftigung neue Zufriedenheit möglich machen"; schwärmt die Optimistin im Interview.

Schaut man objektiv über die vergangenen Jahrzehnte, ist unsere Arbeit in vielen Bereichen körperlich leichter und zugleich intellektuell anspruchsvoller geworden, ist unser Wohlstand auf breiter Front gewachsen und die Entwicklungsmöglichkeiten in Deutschland, Europa und weltweit gestiegen. So gesehen könnte Prof. Dr. Jutta Rump Recht haben, wenn Sie betont, dass die Arbeitwelt 4.0 "kein Horrorszenario" sein wird, wenn man den Wandel von alten zu neuen Arbeitsplätzen aktiv managt.

Hamburg Digital Reports:

HANSEPERSONALITY Erik Haendeler:
Wohlstand ist in Zukunft, sich besser auszutauschen.

Hamburg Digital Background:

Xing.de - Prof. Dr. Jutta Rump im Profil:

IBE Ludwigshafen - Leitung Prof. Dr. Jutta Rump:

IT Executive Club by Hamburg@work:

Sonntag, 20. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Erik Händeler: Wohlstand ist in Zukunft, sich besser auszutauschen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Was kommt nach der Digitalisierung? Wer löst die dominierenden Plattformen ab? Welches Metathema begleitet uns in der Zukunft? Wo liegen die künftigen Geschäftsmodelle? Diese Fragen stehen für Zukunftsforscher ganz oben auf der Tagesordnung.


Blickt krittisch und hoffnungsvoll in die Zukunft: Visionär Erik Händeler
Foto: Wolfgang List

Welcher Produktionsfaktor ist heute am Knappsten, und lässt sich nicht einfach ersetzen? Und welche Erfahrungen helfen uns, den nächsten Aufschwung erfolgreich zu begleiten. Ein ganz besonderes Hamburg Digital Interview mit dem Zukunftsforscher Erik Händeler:

Bis zu 40% der Arbeitsplätze in der westlichen Welt können durch Technologien - sprich die allumfassende Digitalisierung des Arbeitslebens - wegfallen. Sie sagen: Das ist Unsinn und uns wird die Arbeit nicht ausgehen. Dann könnte ich aufhören, über Digitalisierung zu schreiben, oder?

Nein! Weil erst durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze möglich werden, die vorher nicht ausreichend rentabel waren. Als die Dampfmaschine Bergwerke entwässerte und mehr Erz und Kohle hochschaffte, waren Eisen und Energie erst billig genug für unzählige neue Anwendungen. Die Digitalisierung ist ein Prozess, der jetzt schon Jahrzehnte läuft. Nur weil Computer Telefongespräche vermitteln, konnte Telefonieren so billig werden und neue Anwendungen ermöglichen. 

"Es reicht nicht, Technik A durch Technik B zu ersetzen, sich bequem zurückzulehnen und so weiter zu machen wie bisher."

Arbeit ist, Probleme zu lösen. Und weil wir immer Probleme haben werden, geht uns auch die bezahlte Arbeit nicht aus. Die Arbeit wandelt sich: Sie wächst in die gedachte Welt hinein: Nach Wissen suchen, das mein aktuelles Problem löst; etwas durchdenken und analysieren, um eine Entscheidung vorzubereiten; Inhalte aufbereiten und vermitteln; beraten, entwickeln, organisieren. Wir werden auch für einfachere Leute Arbeit haben, die höher Ausgebildete bei Routinen entlasten.


Nimmt kein Blatt vor den Mund: Publizist Erik Händeler
Foto: Wolfgang List

Sie stellen sich namhaften Wirtschaftswissenschaftlern entgegen und sagen: Es gibt einen 6. Kondratieff-Zyklus, mit dem die aktuellen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft begründet werden können. Dann müssten die täglichen Nachrichten neu geschrieben werden?

Die Zukunft entsteht an den Knappheiten. Als die englischen Unternehmer im 18. Jahrhundert nicht mehr hinterherkamen, Bergwerke zu entwässern und Spinnräder anzutreiben, haben sie den wissenschaftlichen Mitarbeiter der Uni Edinburgh, James Watt, beauftragt, einen Dampfmaschine rentabel zu machen. Als der Mangel an Transport weiteres Wachstum verhinderte, musste die Eisenbahn gebaut werden. 

Als die Wissensflut explodierte und wir mit Zettelkästen nicht mehr hinterherkamen, musste der Computer vorangetrieben und weiterentwickelt werden. Alle diese grundlegenden Innovationen benötigten auch eine bestimmte Infrastruktur und bestimmte Organisationsmuster und Verhaltensweisen, um die aufgestaute Knappheit zu überwinden und die Wirtschaft stark wachsen zu lassen. 

"Nachdem der Computer sich weitgehend ausgebreitet hat, müssen wir den nächsten Aufschwung in der Knappheit von heute suchen."

Diese 40 bis 60 Jahre langen Strukturzyklen hat Schumpeter nach Nikolai Kondratieff benannt, der sie in den 20er Jahren in Aufsätzen beschrieb, übrigens auch auf deutsch. Damals hatten Dampfmaschine, Eisenbahn und der elektrische Strom lange Konjunkturzyklen getragen. Aus dieser Sicht stellt sich die Frage: Was ist jetzt knapp? In der Wissensgesellschaft wird die Arbeit so komplex, dass wir viel mehr als früher angewiesen sind auf das Wissen anderer. 

Auf diese Zusammenarbeit sind wir nicht vorbereitet, weil wir entweder bedingungslosen Gehorsam oder Ellenbogenindividualismus kennen, nicht die Universalethik, in der sich jeder nach seinen Gaben entfaltet, diese aber für das Gesamtwohl einsetzt und Respekt hat vor den berechtigten Interessen der anderen. 

Wenn Innovationen grundsätzlich wegen knapper Ressourcen entwickelt und eingeführt werden - und das war unter Hamburgs Kaufleuten auch immer so, warum sind Sie der Überzeugung, dass Gesundheit zum neuen "Flaschenhals" wird, und nicht die Energie?

Wenn Sie einen Mittelständler fragen: Was ist Dein größtes Problem? Dann wird er Ihnen nicht "Energie" nennen, außer er produziert Zement. Das größte Problem sind die Personalthemen: nicht die richtigen Leute finden, schon wieder einen Arbeitsgerichtsprozess führen, Kommunikationsschwierigkeiten. Und vor allem die Lohnnebenkosten: Dahinter stecken die Kosten für Pflege, Arbeitslosigkeit und Krankheitsreparatur, und die haben alle mit einem Mangel an Gesundheit zu tun, der im Lebensstil entsteht und in der Arbeitsweise. 

Der 6. Kondratieff-Zyklus: Information und Gesundheit
Grafik: Erik Händeler

Gleichzeitig hängt der Wohlstand vom produktiven Umgang mit Wissen ab, das berührt die seelischen Schichten, deswegen rückt psycho-soziale Gesundheit in der Vordergrund. Wenn jemand seelisch so verletzt ist, dass er Machtbeweise braucht oder Statusbesitz, um sich selbst für wichtig und wertvoll zu erachten, dann ist das unproduktiv. Der Wachstumseffekt ist nicht das zusätzliche Geld, sondern die höhere Produktivität und die längere produktive Lebensarbeitszeit. 

"Gesundheit wird Wachsuntsmotor, wenn wir den Stress aus dem Arbeitsleben nehmen und bei weniger Arbeitslast flexibler viel länger arbeiten."



Wenn jemand nicht mit Ende 50 Jahren halbtot frühverrentet werden muss, sondern bei weniger Arbeitslast mit Freude und weniger Arbeitszeit bis 67 oder 70 mitarbeitet, dann ist diese zusätzliche produktive Lebensarbeitszeit der Wachstumseffekt.

Wir haben heute eine Arbeitswelt, in der wir 20 Jahre in Bildung, Ausbildung und soziale Fähigkeiten investieren, um die Menschen 30 bis 35 Jahre später in Frühverrentung, Vorruhestand und "Hartz 4" zu schicken. Was muss sich aus Ihrer Sicht in unserem Arbeitssystem ändern?


Sieht Gesundheit als Schlüsselfaktor: Erik Händeler
Foto: Günther Lintl
Wie gesagt: Die zusätzlichen produktiven Lebensarbeitsjahre schaffen den Wohlstand. Wenn wir im Schnitt alle 90 werden, können wir nicht mehr mit 60 in Rente gehen Die ist eh hochtoxisch, sagen mir Ärzte. Wenn man eingebettet bleibt in die Entwicklungen, in den Kollegenkreis, weiter milde gefordert wird, mehr Pausen hat, dann trägt es zu meinem Wohlbefinden bei. 


"Psychosoziale Gesundheit, kooperative Streit- und Arbeitskultur, neue Organisationsformen der Arbeit. Auf die dafür nötigen Erfolgsmuster sind wir noch nicht ausreichend vorbereitet."

Das ganze Geheimnis ist, das wir weniger arbeiten werden, um länger arbeiten zu können. Die meisten Träume lassen sich nicht verwirklichen, wenn man in Rente ist, dafür muss man vorher Gelegenheit bekommen und in der Arbeit ein halbes Jahr aussetzen.

Sie sagen: Die nichtlineare Wissensarbeit mit unstrukturierten Informationen wird unseren künftigen Wohlstand ermöglichen. Planen und Entwickeln, Beraten, Organisieren und Probleme lösen stehen im Fokus - und damit das Einordnen von Wissen. Wie sieht das konkret aus?

Nehmen Sie an: Am Freitag Nachmittag geht eine Maschine kaputt, der zuständige Ingenieur soll sie reparieren. Wenn er es alleine versucht, wird es Montag und er hat den Fehler vielleicht immer noch nicht gefunden. Wenn er aber erst einmal herumtelefoniert, wer ihm helfen könnte, und jemand gibt ihm einen Tipp auf einen Spezialisten, der ihm die entscheidende Information gibt, dann hat er die Maschine am Freitag Nachmittag repariert und sie können weiter produzieren. 

"Die Arbeit wird künftig in Netzwerken organisiert werden, die nach tagesaktuellen Kompetenzen zusammengestellt werden."

Wohlstand ist in Zukunft nicht, noch härter zu arbeiten, sondern sich besser auszutauschen. Wenn wir ein Problem haben, haben wir nicht die Zeit, fünf Fachbücher durchzulesen. Wir müssen jemanden fragen können, der das getan hat, und in einer Minute erklären kann, was die Lösung ist. Wenn wir dann im Team von Spezialisten sind, wird die Fähigkeit entscheidend für den Wohlstand, unterschiedliche Kompetenzen zusammenzufügen, ohne sich in Seilschaften, Ego- oder Gruppenkriege zu verzetteln, sondern von der Sache und vom Gesamtwohl auszugehen. 

Wir werden Berufe bekommen, die 80 Prozent ihrer Zeit lesen, lernen und aktuell bleiben, während sie 20 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden, um ihr tiefes Nischenwissen in den verbliebenen Rumpfmannschaften der Firmen anzubringen.

Geht den Ursachen auf den Grund: Zukunftsforscher Händeler
Foto: Erik Händeler

Die Produktivität einer Gesellschaft hängt immer von der Realwirtschaft ab, also nicht von Aktienkursen oder Zinsentwicklung. Wovon hängt dann die Produktivität in der Wissensgesellschaft ab, sprich, was ist der reale, entscheidende Erfolgsfaktor, den Standorte ausmachen werden?

Kapital können Sie überall auf dem Globus leihen, und sei es in Saudi-Arabien; eine Maschine kann jeder überall kaufen, Wissen vom Internet herunterziehen, sich einen Spezialisten in Paris mieten, seine Produkte weltweit vermarkten. Der einzige entscheidende Unterscheid wird die Fähigkeit der Menschen vor Ort, mit Wissen produktiv umzugehen.

"Mit Befehlen kann man Wissensträger einschüchtern, aber sie werden ihr Bestes dann schön für sich behalten."

Und das ist immer Umgang mit anderen Menschen die man unterschiedlich gerne mag, kennt oder mit denen man unterschiedlich viele berechtigte Interessensgegensätze hat. Die Kultur des Zusammenwirkens entscheidet den weltweiten Standortwettbewerb. Das hat auch mit den religiösen Wurzeln in der Geistesgeschichte zu tun.

Unsere Hamburg-Frage:

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - und der ehrbare Hamburger Kaufmann ist dies seit nunmehr 800 Jahren. Welche Botschaft haben Sie an Hamburger Familienunternehmer und Politiker, damit die Wirtschaftshauptstadt Deutschlands auch in Zukunft erfolgreich bestehen kann?

Geht über den Eigennutz hinaus. Seid ehrlich über Eure Ziele und Eure Motivation, Streitet nicht zur Vernichtung des anderen, sondern um der Sache willen bezogen auf ein Projekt. Denkt langfristig. Produktiver Umgang mit Wissen benötigt Versöhnungsbereitschaft – wir werden es uns nicht leisten können, nicht mehr miteinander zu reden, wenn wir zerstritten sind. Leider streiten wir oft nicht, weil wir entweder schlecht streiten würden oder weil wir Status oder Positionen nicht in Frage stellen wollen. 

"Der einzig entscheidende Standortfaktor wird sein, wie groß die Fähigkeit der Menschen vor Ort ist, mit Informationen umzugehen."

Der Mensch möchte sich nicht ändern und will vor allem nur selbst bestätigt werden. Das ist zunehmend eine Wachstumsbremse. Ich bin da aber ein fröhlicher Marktwirtschaftler: Wer sich nicht an die neuen Regeln des produktiven Umgangs von Wissen zwischen Menschen anpasst, der ist halt weniger produktiv, bis der Buchhalter kommt und sagt: 'Oh, wir haben ein Problem …'


* * *

Herzlichen Dank für den visionären Ausblick!
Das Interview führte Thomas Keup

 Hamburg Digital Background: 

Vorstellung Erik Händeler mit Vortrag:
https://youtu.be/ELWXuIJUxfQ

Erik Händeler: Wie uns trotz Digitalisierung die Arbeit niemals ausgeht:
https://youtu.be/6nGnzoXOTBM

Fachbuch Erik Händeler: "Die Geschichte der Zukunft":
http://www.erik-haendeler.de/seiten/buch/zukunft.htm

"Wenn der Zyklus die Krise erklärt", SZ 2013:
www.erik-haendeler.de/download/sueddeutsche_zeitung_17-09-2013.pdf

Kondratieff-Zyklen in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklus

Mittwoch, 11. April 2018

HANSECHAMPIONS: Die visionären Trüffelsucher der digitalen Otto Group

HAMBURG DIGITAL REPORT

Am morgigen Donnerstag feiert Michael Otto seinen 75. Geburtstag. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hamburger Otto Group und Ratsvorsitzende der familieneigenen Stiftung hat zusammen mit seinem Sohn Benjamin den Kurs eines der weltgrößten Versandhäuser auf Zukunft ausgerichtet. Anläßlich des Jubiläums schauen wir hinter die Kulissen des Innovationsmanagements und der Business Intelligence in Bramfeld.

Das Hamburger Versandhaus Otto stellt in den kommenden 12 Monaten 580 weitere Techis in den Bereichen E-Commerce und Online Marketing, Business Intelligence und IT-Management ein. Kommunikationschef Martin Frommhold bestätigt: Otto wird zur Tech-Company. Auf einer Tour durch die rd. 300 Mitarbeiter starke Business Intelligence Unit wird klar: Das Familienunternehmen überlässt die digitale Zukunft nicht allein Amazon und Zalando.


Otto-Firmenzentrale in Hamburg-Bramfeld.
Foto: Otto Group
Was mit dem Corporate-Startup "Collins" begann, mit dem Einstieg von Benjamin Otto als "gestaltender Gesellschafter" verankert wurde, ist mit Kulturwandel 4.0 und New Work sichtbar geworden: Der Handels- und Dienstleistungsriese transformiert mit Technologien, Partnerschaften und Beteiligungen sein Geschäft und seine Arbeitswelt für die datenbasierte Zukunft. Ein Hamburg Digital Report aus dem Innovationsmanagement der Otto Group:

Hamburg, Werner-Otto-Straße: Die vier roten Buchstaben überstrahlen alles im Gewerbegebiet. Hinter den grauen Fassaden der 1959 erbauten Firmenzentrale bleibt allerdings kein Stein auf dem anderen. Der 1949 gegründete Versandhändler ist zwischen den milliardenschweren Rivalen Amazon und Zalando eingekeilt. Es ist Familiensproß Benjamin Otto, der 2013 mit "Collins" ein Tech-Startup initiiert, dass als Zalando-Konkurrent Fashion personalisiert an junge Kundinnen bringt und technische Möglichkeiten für den Konzern erarbeitet - der Concept Proof für den Umbau des deutschen Versandhändlers.


Otto-Coworking "Collabor8" in Bramfeld.
Foto: Otto Group
Zwei Jahre später übernimmt der damals 39-Jährige als "gestaltender Gesellschafter" Schlüsselfunktionen bei der tonangebenden Michael-Otto-Stiftung und im Gesellschafterrat der Otto Group. Benjamin Otto ist seit 2003 in Tech-Themen zu Hause, Gründer einer Smart Home-Company und Startup-Investor. Anfang 2017 präsentiert die Otto Group auf ihrem Campus ein 1.700 qm großes Coworkingspace namens "Collabor8", bietet 200 Mitarbeitern im 8. Stock flexibles Arbeiten - ein Meilenstein für "New Work" bei der Otto Group - mit offenen Arbeitsbereichen für die bis zu 7.000 Mitarbeiter auf dem Firmencampus.

Trüffelsucher für den "heissen Scheiss"

Im 6. Stock der Konzernzentrale hat sich eine 30 Mann starke "Task-Force E-Commerce" für die mehr als 120 Konzernfirmen und über 100 Onlineshops in mehr als 30 Ländern strategisch auf den Weg gemacht: Neben Business Intelligence und Data Analytics der Otto Group, User Experience- und Mobile Lab haben im Großraumbüro der Konzernzentrale die Bereiche E-Commerce-Strategie und Innovationsmanagement ihr Zuhause. Die Trüffelsucher bringen den "heissen Scheiss" nach Bramfeld. Kopf des Innovationsmanagements ist Diplom-Medieninformatiker Florian Hermsdorf.


Leitender "Trüffelsucher" der Otto Group: Florian Hermsdorf
Foto: Otto Group
"Ich sehe Technologien als Chance, neue geschäftliche Aktivitäten aufzubauen", betont der 37-jährige Wahl-Hamburger seine Intention, seit 12 Jahren bei der Otto Group neues Geschäft zu entwickeln. Damals kümmerte sich der Absolvent der FH Wedel um das zarte Pflänzchen Mobile, unterstützte den Aufbau eines ersten Mobile Shops und des Mobile Marketings. Es ist die Neugierde, die den 2-fachen Familienvater antreibt: "Was entsteht Neues daraus und was kann man damit machen?", sind für den gebürtigen Frankfurter entscheidende Fragen als Kopf eines 7 Mann starken Teams. Die Innovationen reichen von Kennzahlenoptimierung im Onlineabsatz bis zu neuen Geschäftsfeldern.

Zwischen Kreativität und Konzeption

"Internet macht mir Spaß", antwortet der Co-Founder des E-Commerce-Magazins "Kassenzone". Dabei geht es dem Spezialisten um die Kombination aus Kreativität und Konzeption. Zwei Aufgaben treiben den in Bremen aufgewachsenen Online-Experten an: 1. alle relevanten Innovationen in den drei Otto-Group Geschäftsfeldern Multi Channel-Retail, Logistik und Finanzdienstleistungen rechtzeitig erkennen und 2. die für den Konzern relevanten Themen zusammen mit den Geschäftsbereichen erfolgreich einführen. Rund 3 bis 6 Monate dauern die agil aufgesetzten Projekte im Schnitt.


Brainstorming des Innovations-Teams für neue Services
Foto: Otto Group
Es geht um die Reduzierung einer Idee auf den Kern. Dieser Kern wird im Rahmen eines Proof of Concept mit Usern getestet. Besonders spannend: Die Veränderungen einer Innovation im Laufe der Testphase. Für den Erfolg ist die offene Zusammenarbeit, die Transparenz von Informationen und schlanke Strukturen das A und O. Mit dem Rollout des "Kulturwandel 4.0" seit 2016 hat die Otto Group genau die Voraussetzungen geschaffen, um heute agil an Ideen für die eigene Zukunft zu arbeiten. 

Werteorientiertes Familienunternehmen


Protest gekündigter Zalando-Mitarbeiter
Twitter-Foto: Dimitri Lambrecht, @dilam77
Dreh- und Angelpunkt der Trüffelsuche sind Technologien. "Alle glauben, daß sie die Prozesse stark beeinflußen werden", bestätigt der verheiratete E-Commerce-Profi den Trend. "Maschine ersetzt Mensch" kommentieren die Medien Anfang März d. J. die Kündigungswelle bei Zalando. Bis zu 250 Online-Marketer werden beim Rivalen durch Algorithmen ersetzt, will das börsennotierte Rocket-Growup die Marketing-Automation vorantreiben. Hermsdorf sieht für das werteorientierte Familienunternehmen Otto Group derartige Trends nicht. Obwohl Daten auch für den Hamburger Konzern der entscheidende Treiber für Wachstum sind.

Als Beispiele nennt Hermsdorf die kontextbasierte Auswertung von Renzensionen auf Otto.de. "Aggregated Reviews" bieten Kunden die Chance, schnell einen Überblick über die Beurteilung gesuchter Produkte zu bekommen. Die Hamburger sind weltweit der erste Anbieter, der solch ein System im Einsatz hat - vor Erzrivale Amazon. Auch bei Chatbots müssen sich die Bramfelder nicht verstecken. "Clara" beherrscht die textbasierte Auswertung von Chats in den Otto-Onlineshops. Damit experimentiert der Versandhändler längst mit der Auswertung großer Datenmengen auf dem Weg zu künstlicher Intelligenz.

Augmented Reality-App mit Google

Bei der Tech-Tour durch die Business Intelligence Unit stellt Otto Ende März d. J. seine jüngste Entwicklung vor: eine automatisierte Auswertung von Bildern zur Produktsuche. Eine eigene App bietet Kunden in Kürze die Möglichkeit, Schnappschüsse von Kleidung oder Möbeln aus Prospekten, Schaufenstern oder von der Straße anonymisiert hochzuladen und in Sekundenschnelle relevante Informationen zu Produkt, Eigenschaften, Rezensionen und Preis zu bekommen. Mit der Data Science-Lösung zeigen die Hamburger, Amazon und Zalando in nichts nachzustehen.


AR-App für Möbelkauf per Smartphone und Tablet
Foto: Otto Group
Eine besondere Bedeutung messen die Innovatoren Geräten zu, über die Kunden künftig shoppen werden. Mit "Yourhome AR" hat Otto.de zusammen mit Google auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona eine Augmented Reality-App für Android-Devices gelauncht, um den Möbelkauf zu revolutionieren. Als einer von 5 Partnern des Online-Giganten Google ist Otto zugleich einziger E-Commerce-Launch Partner - und damit auf Augenhöhe mit Amazons AR-App. Die iOS-Version für Apple-Geräte stellten die Hamburger Ende März d. J. der Presse vor.

Das smarte Zuhause als Startpunkt


Das Versandhaus Otto auf dem Weg zur Tech-Company.
Foto: HANSEVALLEY
950 Mio. € setzte Otto im vergangenen Jahr mit Möbeln und Einrichtung um und ist Online-Marktführer in Deutschland - vor Amazon, Ikea, Home 24 und Tchibo. Strukturen, Texturen und die automatische Anpassung des Blickwinkels auf Smartphones und Tablet-PCs machen Möbel-Shopping zum visuellen Erlebnis. Nicht nur beim Möbelkauf ist Otto längst in unseren Wohn- und Schlafzimmern angekommen. Mit eigener "Action" für den Assistent in Google Home hören die Hamburger schon heute unseren Wünschen zu. Darüber hinaus experimentieren der Outletshop Limango und die Pakettochter Hermes in Großbritannien mit "Skills" in Amazon Echo - u. a. zur der Abfrage von Sendungsnummern.

In Zukunft wird das smarte Zuhause Startpunkt für den Kontakt zu den Otto-Onlineshops. Es ist die 3. Phase des Internets - in Waschmaschinen, Lautsprechern und Glühlampen. "Es ist eine Aufgabe für die Otto Group, in dieser Welt Fuß zu fassen", bringt es Visionär Hermsdorf auf den Punkt. Nachdem Geräte online vernetzt wurden und überall gesteuert werden können übernimmt die Hardware in Zukunft Services, vom Verkauf über Kundendienst bis zur -bindung. Die Einkaufsliste von Amazon Alexa zeigt, wo es hingeht. Für den seit 1995 mit PC und HTML aktiven Familienvater ist entscheidend, sich "flexibel auf neue Devices und Services einzustellen, um einen höheren Kundennutzen zu bieten".

300 mögliche Trends auf dem Radar


OTTO-Strategie: Auf dem Weg zur Handelsplattform
Foto: HANSEVALLEY
Mit dem Blick in die Zukunft bearbeitet Florian Hermsdorf mit seinem kleinen Team rd. 6 Fokusthemen pro Halbjahr, initiiert Pilotprojekte, bevor Ideen und Konzepte zu Produkten und Services in den Konzerngesellschaften werden. 3 bis 6 Monate dauert ein Projekt im Schnitt, bevor es produktiv im Konzern umgesetzt oder eingestellt wird. Dabei schaut das Innovationsmanagement der Otto Group durchaus mittel- und längerfristig in die Zukunft, beobachtet mit dem "Innovation Radar" 300 mögliche Trends bis 2030 und darüber hinaus. 

Eines der Themen ist die Blockchain-Technologie - für eine neue Supply Chain aka Lieferkette - von Rohstoff-Lieferanten über Hersteller und Großhändler, Logistiker, Versandhändler bis zum Endkunden. Michael Otto, seit vielen Jahren engagiert für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und eine lebenswerte Zukunft, präsentiert auf dem Symposium "Zukunftswerte" am Montag dieser Woche in der Elbphilharmonie ein ganz praktisches Anwendungsfeld:

Fälschungssichere Lieferketten dank Blockchain

Die Otto Group kann heute die Probleme jedes Rohstofflieferanten, jedes Herstellers und jedes Lieferanten in Sachen Umweltverträglichkeit und Arbeitsbedingungen benennen. Michael Otto bringt auf den Punkt: "Die Blockchain macht den Prozess vom Rohstoff bis zum Endkunden fälschungssicher". Florian Hermsdorf bestätigt: "Blockchain ist eine grundlegende Technologie, mit der man sich auseinandersetzen muss." Eine interessante Aussage eines leitenden Innovationsmanagers bei größtem Onlinehändler "Made in Germany". Wir sind gespannt.

Fast 14 Mrd. Mrd. € setzen die mehr als 52.000 Beschäftigten des Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group weltweit mit Multi Channel-Retail, Logistik- und Finanzdienstleistungen um. Mit fast 8 Mrd. € und mehr als 30 Marken ist die Hamburger Firmengruppe global erfolgreich im E-Commerce, 5,5 Mrd. € davon werden in Deutschland erwirtschaftet. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die größte Gesellschaft Otto.de inkl. 7 Spezialshops rd. 3 Mrd. €. 

 Hamburg Digital Reports: 

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft
http://hh.hansevalley.de/2018/04/hanseranking-tops-und-flops.html

HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die Zukunft der Otto Group
http://hh.hansevalley.de/2017/10/hansemobility-otto-mobile-lab.html

 Hamburg Digital Background: 

Michael Otto schlug Amazon-Angebot über 100 Millionen aus
www.welt.de/wirtschaft/article175249145/Otto-Chefaufseher-Aerger-ueber-ausgeschlagenes-Bezos-Angebot.html

Benjamin Otto wird gestaltender Gesellschafter bei Otto
www.abendblatt.de/wirtschaft/article205265507/Benjamin-Otto-wird-gestaltender-Gesellschafter-bei-Otto.html

OTTO DIGITALSTRATEGIE:


Innovationsmanagement Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/

Technologieprojekte Otto Group:

www.ottogroup.com/de/dossier/Technologie-die-den-Menschen-begeistert-2018.php

OTTO INNOVATIONEN:


Kulturwandel 4.0 der Otto Group:
www.ottogroup.com/de/karriere/Unternehmenskultur/Kulturwandel-4.0.php

E-Commerce-Strategie Otto Group:

www.ottogroup.com/de/innovation/E-Commerce-Strategie-der-Otto-Group.php

Task Force E-Commerce Otto Group:
www.ottogroup.com/de/innovation/Exzellenz/Task-Force-fuer-den-E-Commerce.php

OTTO TRANSFORMATION:


Otto.de Market + Brand Connect:

www.otto.market/

Otto.de Developer Blog:

https://dev.otto.de/

Otto Group Konzernzentrale:
www.basicthinking.de/blog/2018/03/31/otto-hamburg/14/

DIE FAMILIE OTTO:

Zukunftswerte - Verantwortung für die Welt von Morgen - Das Buch:
www.zukunftswerte.net/buch.html

Benjamin Otto, Unternehmer und Erbe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Otto

Dr. Michael Otto, Unternehmer und Stifter:
http://michael-otto.info/

Werner Otto, Unternehmer und Mäzen:
http://www.werner-otto.info/