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Mittwoch, 9. Mai 2018

HANSESTARTUPS: NautilusLog - das digitale Logbuch aus dem Logistik-Hub.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Mehr als 8 Jahre steckt die deutsche Schifffahrtsbranche in der Krise. Allein in den vergangenen 2 Jahren hat sich die Zahl der Linienreedereien von 20 auf 12 verringert. Die globale Allianzen "2M", "Ocean Alliance" und "The Alliance" bestimmen über Wohl oder Wehe der Containerhäfen. Zugleich machen internationale Speditionen Druck. Mit Datenauswertungen und digitalen Services kämpfen Reedereien und Forwarder um die Führungsposition in der digitalen Supply Chain. 


Der schöne Schein trügt: Hafen, Reedereien und Schifffahrtsbranche stehen unter Druck:
Foto: mediaserver.hamburg.de / Look Bildagentur der Fotografen

Deutscher Reederverband, Deutsche Verkehrszeitung und Digital Hub Logitics Hamburg laden zu Pitch-Contests für Logistik- und Schifffahrtsnachwuchs. CMA CGM und MSC planen Marseille zur maritimen Startup-City zu entwickeln. Doch was machen kleinere Reedereien ohne IT- und Digitalabteilung? Was machen Eigener und Betreiber, die ihr Business nicht in die Hände von Klassifizierern wie DNV GL legen wollen? Im Mindspace am Rödingsmarkt entwickelt ein junges Familienunternehmen die digitale Zukunft an Board. Ein Hamburg Digital Report: 

Hamburg-Altstadt, im 2. Stock des Coworking-Spaces Mindspace: Hier im Digital Hub Logistics Hamburg ist das Zuhause des Familienstartups NautilusLog. Der 35-jährige Informatiker Otto Klemke sitzt die meiste Zeit hinter seinem Monitor, codet an einer Software, die die Welt verändern kann. Zu dem jungen, stadtbekannten Informatiker aus Winterhude gesellt sich sein 2 Jahre älterer Bruder Moritz. Der gelernte Schiffbau-Ingenieur aus Hoheluft weiß, worauf es in der kommerziellen Schifffahrt ankommt.


Familen-Startup aus dem Mindspace: Die Familie Klemke von NautilusLog
Foto: NautilusLog
Eigentlich sind sie gar nicht mehr so neu in der Tech-Industrie: Zusammen mit Sven Hamer und Vater Ingo führt Otto Klemke seit 2012 eine erfolgreiche Softwarefirma. Securizon entwickelte u. a. die Android- und iOS-Apps für das Hamburger E-Health-Startup Tinitracks, ist engagiert am Alten Schlachthof unweit der Schanze in Digitalthemen, z. B. für Verlage, wie Axel Springer oder Gruner + Jahr. Die Idee, als Software-Manufaktur etwas eigenes zu kreieren kam in der Diskussion zwischen den Brüdern. HSBA-Absolvent Moritz dazu: "Das Smartphone hat so viele Eigenschaften, das Leben eines Seemanns einfacher zu machen", erzählt er bei der Vorstellung ihrer Idee.

"Logbücher melden sich nicht bei Dir, wenn etwas gemacht werden muss." 

Es geht um das gute, alte Logbuch. Bis zu 80,- € kostet ein Exemplar, nur ein paar Monate reicht es. Allerdings gibt es davon bis zu 20 verschiedene Versionen, z. B. ein Decks Book, ein Garbage Book oder ein Oil Record Book. Bis zu 10 Logbücher fahren auf einem Frachter mit - müssen gehegt und gepflegt werden. Das Problem mit gedruckten Dokumentationen bringt Co-Founder Otto Klemke auf den Punkt: "Logbücher melden sich nicht bei Dir, wenn etwas gemacht werden muss. Und sie sagen dir nicht, wie man etwas erledigen kann." Neben Reparaturen, Wartung und Pflege spielen Daten im Schiffsbetrieb eine immer wichtiger werdende Rolle.

Mit der EU-Direktive 2015/757 aka "MRV" werden ab Beginn des Jahres die Kohlenmonoxidwerte im gesamten Seeverkehr europaweit gemonitort, reportet und verifziert. Zum 31.12. jeden Jahres müssen Reeder für alle Schiffe ab 5.000 Bruttoregister-Tonnen mit Anläufen in EU-Häfen ihre Daten abliefern. Ab Anfang kommenden Jahres wird mit dem "Gesetz zur Verhütung von Luftverschmutzungen" die Messung im Auftrag der International Maritime Organization (IMO) weltweit verbindlich. Ein guter Startpunkt, um Reedern digital unter die Arme zu greifen.

Über 25 mögliche Anwendungsszenarien für die NautilusLog-App

In über 50 Gesprächen mit Eignern, Schiffsmanagern und Zertifizierern evaluieren Otto und Moritz die Chancen für ein digitales MRV-System. Die jungen Digitalisierer kommen mit Vertretern aus den Nordics und Frankreich ebenso ins Gespräch, wie mit Interessenten aus Kanada und Japan. Einhelliger Tenor aus dem Markt: 'Baut das aus!' Anfang 2017 geht der erste Prototyp auf der Route Hamburg-Rotterdam in den Live-Test. Es folgen unzählige Gespräche. Im Sommer '17 ein erstes Highlight: Die "Deutsche Flagge" unterstützt die jungen Hamburger bei ihren Bemühungen, aus dem MRV-System ein digitales Logbuch werden zu lassen.


Die NautilusLog-App nit ihren Funktionsebenen
Foto: NautilusLog
Ein weiteres Szenario steht auf der Tagesordnung: die Inventur von gefährlichen Stoffen, z. B. Asbest in Schiffen. Die Brüder evaluieren aus mehr als 25 möglichen Einsatzszenarien mit der "IHM - Inventory of Hazzardous Materials" ein neues Thema. Die International Hazzardous Materials Association sitzt in Lüneburg - und wird erster Kunde der Hamburger. Noch werden Dokumentationen für MRV und IHM in Excel-Listen erstellt, dienen Papierbücher an Board und Desktop-Anwendungen in den Büros der Schiffsmanager und Reeder als Standard in der analogen Branche. 

Daten sollen nur noch einmal erhoben und mehrfach genutzt werden.

Nicht selten schleichen sich Zahlendreher in die händischen Aufstellungen, häufig werden Daten zu den selben Themen für verschiedene Bücher mehrfach parallel erhoben. Niemand gleicht diese Daten ab, korrigiert Differenzen und gibt Empfehlungen - z. B. zu Wartungsintervallen. Von ihrer Nutzerdenke und ihrer mobilen Erfahrung her haben die jungen Schiffsexperten zusammen mit ihrem Vater das Thema Logbuch neu gedacht. Das Grundprinzip: Daten werden nur noch einmal erhoben - und dann mehrfach und konsistent genutzt - in Echtzeit.

Der zentrale Datenansatz ermöglicht die Verteilung von Aufgaben an die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit. Dabei ist jedes eingesetzte Smartphone an Board Client und Server zugleich. Die Geräte können offline untereinander synchronisiert werden. Ebenso sind Backups ohne Funkverbindung möglich. Damit setzt das Tech-Team von NautilusLog auf volle Nutzbarkeit für Großreeder mit eigenen Rechenzentren ebenso, wie für kleinere Reedereien ohne eigene IT-Abteilung. Die Daten können über einen handelsüblichen PC ausgelesen und in Excel-Tabellen verarbeitet werden.

Gründer Otto Klemke: "Einen PC nimmst Du nicht mit in den Schiffstank."


Dashboard der NautilusLog-App aus Hamburg.
Foto: NautilusLog
Im Januar diesen Jahres dann der erste professionelle Kundeneinsatz: Bei einem IHM-Dienstleister kommt die App in den Live-Betrieb, unterstützt den Besichtiger bei der Erhebung von Gefahrstoffen an Board gemäß IHMA-Richtlinien. Der Service-Provider generiert aus den App-Daten Excel-Tabellen für einen IHM-Report, mit dem der Schiffseigner die Erfüllung der Vorschriften nachweisen kann. Das bis zu 2 Tage dauernde Schreiben des Berichts schrumpft auf wenige Stunden, hinzu kommt eine deutlich gestiegene Datenqualität und die universelle Nutzbarkeit der erhobenen Angaben aus der Besichtigung an Board.

Mittlerweile ist die 1. voll funktionsfähige Version der NautilusLog-App veröffentlicht - einschließlich MRV-Emissionstracking und IHM-Schadstoffreporting. Ab Anfang kommenden Jahres ist auch die Erweiterung um den internationalen DCS-Standard geplant. Heute ist NautilusLog noch auf das Tracking und Reporting einzelner Aufgabe beschränkt. dazu kommen Rollen und Berechtigungen für Management, Crews und Dienstleister. Zudem ist eine einfache Analyse inkl.  Benchmarking möglich - z. B. zwischen Schiffen der Flotte. Damit das System keine Falle wird, basiert NautilusLog auf offenen Standards und ist modular erweiterbar. So können Services anderer Dienstleister oder künftige Berichtspflichten eingebunden werden. 

InnoRampUp-Unterstützung und internationales Förderprogramm

Die Mühen der vergangenen 1,5 Jahre haben sich schon gelohnt: Im Rahmen des IFB-Startupprogramms "InnoRampUp" erhielt NautilusLog im März 147.000,- € für die weitere Entwicklung und Markterschließung. Dazu kommen noch einmal 25.000,- € für die Entwicklung der Datenschnittstelle von der Wirtschaftsbehörde BWVI. Schließlich hat das Team um Otto Klemke die Zusage zur Teilnahme an einem internationalen Forschungsprogramm zu den Themen "Smart Ship", "Smart Port" und IoT, verbunden mit 170.000,- € Förderung. Damit geht das maritime Startup seinen Weg.


Mit bis zu 10 Logbücher bestückt. Container-Frachter im Hafen.
Foto: HHM / Hasenpusch
Mittlerweile fährt das digitale Logbuch im Dauertest auf einem Frachter mit 6.000 Containern und mit bis zu 15 Knoten über die Meere. Die Hamburger Reederei hinter dem Containershiff sammelt gemeinsam mit NautilusLog wertvolle Erfahrungen für ihre rd. 80 Schiffe auf den Ozeanen. Für das B2B-Startup ist die Zusammenarbeit der Einstieg in die Welt der Handelsschifffahrt, nicht zuletzt, um die Möglichkeiten für künftige Anwendungen auszutesten. Neben dem Live-Test integriert NautilusLog seine technischen Fähigkeiten in die Anwendungen externer Dienstleister.

Digitale Zustandsdokumentation, Hafenboote & DIN-Standards

In Zusammenarbeit mit einem Hamburger Ingenieurbüro und einem Reeder mit über 150 Schiffen ist eine mobile Zustandsdokumentation in Planung. Außerdem fährt das digitale Logbuch seit April d. J. im Hamburger Hafen mit, um künftig auf Hafenbooten und in der Binnenschifffahrt zum Einsatz zu kommen. Die jungen Hamburger sorgen auch über die Stadtgrenzen hinaus für Impulse in der Schifffahrt. NautilusLog ist Mitglied im Deutsches Institut für Normung (DIN). Das Team arbeitet z. B.in einer Arbeitsgruppe an den Standards für digitale Logbücher mit.

Und das ist erst der Anfang: Gespräche mit Reedern über den Einsatz der App für verschiedene Szenarien sind im Gange. Dazu kommt der Austausch mit internationalen Klassifizierungsgesellschaften aus dem Ausland. Doch zunächst steht Otto Klemke in der kommenden Woche in Harburg auf der Bühne, um als eines der innovativsten Startups an Alster und Elbe einen weiteren wertvollen Preis mitnehmen zu können - auf dem Weg zur digitalen Schifffahrt. Wir drücken alle Daumen!

 Hamburg Digital Background: 

NautilusLog-App:
www.nautiluslog.com/de/index.html

PitchBlue von VDR & Partnern:
https://www.pitchblue.hamburg/

Digital Hub Logistics Hamburg:
www.digitalhublogistics.hamburg

HANSESERVICE: Alle Kontakte in den Hamburger Hafen:
http://hh.hansevalley.de/2017/03/hanseservice-hamburg-hafen.html

Sonntag, 15. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Jens Assmann: So lange wir das "Beamen" nicht erfunden haben, brauchen wir physische Transportmittel.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Design Thinking, Digitalisierung, Transformation: Der Reeder fragt ich bei diesen Buzzwords: 'Was soll ich damit?' Und der Spediteur wundert sich: 'Seit wann kann man Container beamen?' Bei aller hanseatischen Zurückhaltung tut sich dennoch etwas zwischen Alster und Elbe: Ein Campus, ein Hub und ein Lab wollen der Logistik in die Zukunft verhelfen, ebenso, wie ein Netzwerk, ein Testfeld und diverse Runden.

Die Digitalisierung ist an Kaimauern, Terminals und Blocklagern angekommen. Die ersten fünf Startups haben den Digital Hub Logistics Hamburg bezogen. Etablierte Player laden zu Workshops und Meetups, um den Anschluss nicht zu verpassen. Mittendrin: die Handelskammer Hamburg mit dem langjährigen Kenner und Leiter Verkehr, Hafen und Schifffahrt. Unser HANSEPERSONALITY ist Jens Assmann:

Gehen wir gleich in die Vollen: Wo sehen Sie als langjähriger Kenner von Schifffahrt, Hafenwirtschaft und Logistik die besonderen Chancen als auch die speziellen Herausforderungen durch die Digitalisierung von Dienstleistungen und ganzen Geschäftsbereichen?

Die etablierten Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Geschäftsmodelle von Firmen herausgefordert werden, die bislang nicht zu ihren klassischen Konkurrenten gehören. Ein Start-up in der Logistik muss nicht zwingend aus dem Güterverkehr kommen, um diesen revolutionieren zu wollen.

Dadurch, dass vor allem die maritime Logistik sehr auf B2B-Beziehungen und weniger B2C-Kontakte ausgerichtet ist, sind sie bislang noch nicht so im Visier der Transformation durch Branchenfremde gewesen. Eines ist aber klar: „Lange Lunte, großer Knall“ - wie es eine Deloitte-Studie für die Logistik genannt hat - heißt zwar, dass man eine längere Vorwarnzeit als z. B. die Medienbranche hat, es bedeutet aber auch, dass der „Knall“ folgen wird und der „Digitalisierungs-Kelch“ an dieser Branche nicht vorüber geht.

Laut ihrem Hamburger Logistikbarometer sind die Hamburger Logistikunternehmen bereit, ihre Prozesse zu digitalisieren, hoffen aber darauf, dass der Kelch an ihren Dienstleistungen vorbeigeht. Was haben Kammer und Verbände versäumt, um Hafen und Logistik frühzeitig einzustimmen?

Sie sind durchaus eingestimmt. Wenn man über Digitalisierung redet, sind aber drei Ebenen zu unterscheiden: Digitalisierung von Prozessen, Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen und schließlich die Digitalisierung des Geschäftsmodells. In der Logistik gibt es noch zahlreiche Prozesse, die nicht vollständig digitalisiert sind und Medienbrüche aufweisen. Mit dieser Einstiegsebene der Digitalisierung haben sich viele Firmen schon vor etlichen Jahren auseinandergesetzt, andere haben ihn noch vor sich. Das Erstellen neuer Produkte und Dienstleistungen, die durch digitale Transformation ermöglicht werden, ist schon anspruchsvoller. 


Die Königsdisziplin ist dann die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells, quasi die Disruption von innen. Es gibt einige interessante Beispiele, bei denen große Firmen selbst ein Startup gründen. Wenn es gut läuft, bekommt es große Freiheiten und das Team kann ohne die „Legacy“ der Firma innovativen Ideen freien Lauf lassen. Am Ende des Tages muss man aber auch festhalten, dass wir, solange wir das „Beamen“ nicht erfunden haben, zum Transport von Gütern auch weiterhin „analoge“ und physische Transportmittel und Wege benötigen und Digitalisierung nicht alles auf den Kopf stellen wird.

Der Verband Deutscher Reeder lädt zu einem Blockchain-Workshop ein, die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler wird während der "Eisbein-Woche", im Digital Hub Logistics Unternehmen mit Startups vernetzen. Was werden Sie künftig unternehmen?


Gerade in diesem Jahr haben wir unsere Aktivitäten zur digitalen Transformation der Logistik in der Handelskammer deutlich ausgebaut. Bereits im Mai haben wir die fünf Hamburger Güterverkehrsverbände zu einem Workshop eingeladen, um gemeinsam über die raschen Veränderungen durch Digitalisierung im Markt zu sprechen. Im Juli haben wir dann eine große Veranstaltung zum Thema durchgeführt, bei der u.a. Frau Titzrath für die HHLA und Herr Dr. Rodi für Kühne+Nagel darüber berichtet haben, wie sich ihre Firmen auf die digitalen Transformation einstellen. 

Die Frage, ob die Blockchain-Technologie Lieferketten revolutioniert, haben wir dann in einer Veranstaltung im September erstmals diskutiert. In der kommenden Woche steht eine branchenübergreifende Delegationsreise unserer Handelskammer zu den Disruptoren ins Silicon Valley an und für 2018 planen wir bereits weitere Digitalisierungsveranstaltungen.

Der Chief Digital Officer der HPA - Dr. Sebastian Saxe - lädt auf HANSEVALLEY alle Player im Hafen - inkl. DAKOSY und HHLA - ein, die gewaltigen Herausforderungen der Digitalisierung im Schulterschluss zu meistern. Wie stehen Sie zu dem Vorschlag?

Die Logistikstandort Hamburg hat gerade mit seiner einmaligen Kompetenz im maritimen Bereich die Chance, ein Taktgeber der Digitalisierung zu werden. Ein Zusammenspiel der Hamburg Port Authority mit ihrer Zuständigkeit für die Digitalisierung der Hafeninfrastruktur mit den Firmen entlang der Wertschöpfungskette, die sich um die Digitalisierung der Prozesse beim Transport von Gütern kümmern, existiert bereits und sollte weiter intensiviert werden. 

Warum sollte sich Hamburg nicht zum Ziel setzen, der erste Standort in der Welt zu sein, der seine maritime Lieferkette als Prozess nicht nur digitalisiert, sondern komplett auf der Blockchain abbildet?

Dr. Alexander Geisler, Geschäftsführer der Hamburger Schiffsmakler und -agenten, fordert auf HANSEVALLEY eine stärkere Verbundausbildung, um dem Nachwuchs die ganze Bandbreite der durch die Digitalisierung zersplitterten Berufe zu vermitteln. Was werden Sie unternehmen?

Wir haben die maritimen Spitzenverbände in der letzten Woche zu einem Auftaktgespräch zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf maritime Berufsbilder eingeladen. Es geht darum, dass wir uns vor Augen führen, was sich bei dualen Berufen wie dem Schifffahrtskaufmann oder dem Kaufmann für Spedition und Logistik verändern wird und diskutieren, wie wir dies in die Berufsbilder einbringen wollen. Ende November wird es dann einen branchenübergreifenden Roundtable in unserer Handelskammer geben, der eine große Konferenz zur digitalen Transformation der Arbeitswelt für 2018 vorbesprechen wird.

Hamburgs "Kammer-Digitalisierer" und HSBA-Hochschulchef Uve Samuels fordert in seinem aktuellen Buch "Das Kapital 4.0" eine digitalisierte Kammer als Netzwerk für die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Was sagen Sie zu dieser mutigen Forderung?

Ich finde das spannend. Die zentrale Frage lautet: Was macht eine solche digitale Handelskammer für ihre Mitglieder besser, schneller, effektiver? Wie fördert sie den Erfolg der Unternehmen im Kontext der Digitalisierung optimal? Um das herauszuarbeiten, haben wir in der Handelskammer das umfassende Digitalisierungsprojekt "Digital Voraus" gestartet und stellen dabei unsere Prozesse und Angebote grundlegend auf den Prüfstand.

Unsere Hamburg-Frage an Sie: Es gibt zahlreiche Initiativen zur Digitalisierung, wie den "Digital Hub Logistics Hamburg", den "Hammerbrooklyn Digital Campus" und das geplante "Deutsche Maritime Zentrum". Was wünschen Sie sich von der Stadt, damit die Initiativen erfolgreich sind?

Das ist ein Thema, das mich sehr umtreibt. Neben den genannten Initiativen gibt es noch das "Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg" in der Handelskammer, das sich ebenso mit Logistik beschäftigt, das Netzwerk rund um die Bewerbung Hamburgs für den ITS-Kongress sowie das "Digitale Testfeld Hamburger Hafen" vom Bundesverkehrsministerium. So schön es ist, dass viele virtuelle und physische Plattformen zur Logistik entstehen, so sehr müssen wir darauf achten, dass Schnittstellen zwischen den Plattformen definiert werden. 

Für den Kunden dieser städtischen und privaten Angebote sollte schnell ersichtlich sein, welche Kernkompetenz angeboten wird und was die Unterschiede sind. Hamburgs Ziel muss es sein, dass diese Plattformen Etablierte und Start-ups zusammenbringen, damit ein organisiertes und ständiges Herausfordern und in Frage stellen stattfindet. Wenn das gelingt, werden die nächsten digitalen Logistikinnovationen aus Hamburg kommen.


Vielen Dank für die offenen Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.


* * *

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Dr. Uve Samuels:
Blockchain ist unsere Chance!

HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe:
Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt

HANSEPERSONALITY Dr. Alexander Geisler:
Probleme vor Ort lassen sich selten in einen digitalen Prozess fassen.

01.11.2017: "EISBEIN-STARTUPS" - Logistics meets Digital
www.eventbrite.com/e/eisbein-startups-logistics-meets-digital-tickets-38800888502

Handelskammer Hamburg: Logistikbarometer 2017

Donnerstag, 20. April 2017

HANSESHIPPING: Hapag-Lloyd - Vom Gießkannendienst zu Data in Action.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Hamburg, Binnen-Alster: Das Ballinhaus mit der Nr. 25 am gleichnamigen Damm weist stolz auf die globale Präsenz der "Hamburg America Linie" von Dampfschiffen bis Containerriesen hin. Die Zentrale der Hapag-Lloyd AG ist nach dem Hamburger Dampfschiff-Reeder Alfred Ballin benannt, der 1888 in den Vorstand der HAPAG berufen wurde und die Linie ab 1899 zur weltweiten Nr. 1 machte.


Hamburg, Ballindamm 26, die Zentrale der Hapag-Lloyd AG.
Foto: Hapag-Lloyd
Damals wie heute geht es am Ballindamm um den Linienverkehr rund um den Globus. 163 Hapag-Lloyd-Containerschiffe laufen die Häfen der Welt an - viele davon mit dem Hamburger Wappen voran. Mehr als 160 Direktverbindungen zählt die weltweit fünftgrößte Reederei. In Zeiten schwankender Märkte, fusionierender Anbieter und globaler Allianzen geht es am Ballindamm auch um die eigene Zukunft. 

Diskutieren Politiker über die Digitalisierung der Logistik, die Auswirkungen auf die Seefahrt und die Unterstützung durch digitale Logistiklabs, hat am Ballindamm die Zukunft bereits begonnen. Hinter den dicken Mauern schlägt im Fleet Support Center der Hapag-Lloyd das digitale Herz der Hamburger Weltreeder. Ein Hamburg Digital Report:

Alle 3 Minuten senden die Datenpunkte von den weltweit vernetzten Containerschiffen aktuelle Informationen, alle 10 Minuten empfängt das Fleet Support Center in Hamburg Positionsdaten der 163 Hapag-Lloyd-Frachter sowie aller Schiffe in den Allianz-Liniendiensten. Alle 15 Minuten wissen die Ingenieure im abgeschotteten Kontrollzentrum, wie es um Schiffsschrauben, Maschinen und Ruderanlagen steht. 


Das Fleet Support Center der Hapag-Lloyd in Hamburg.
Foto: Hapag-Lloyd
Wären die sekundengenauen Erhebungen über die Flotte mit dem Hamburger Wappen bereits eine spannende Geschichte, machen die Satellitendaten für 1.700 Schiffe mit HLAG-Containern rund um den Globus aus einem Hausbesuch eine digitale Big-Data-Story. 

Es ist eine Geschichte über 1,6 Mio. orangefarbene Hapag-Lloyd-Container mit insgesamt 7,5 Mio. Transporten pro Jahr, eine Geschichte um Containerpositionen, Erschütterungen, Klima und Temperaturen. Es ist die digitale Echtzeitüberwachung eines weltweit elektronisch gemanagten Business "Made in Hamburg".

Es war einmal: Datensilos und das berüchtigte Laufwerk:C

2013 fängt alles an: In einem Projekt sollen Schiffsmechaniker, nautischer Offizier Jörn Springer und eine handvoll Kollegen herausfinden, wie man mehr Ladung mit weniger Brennstoff transportieren kann. Das Projekt beginnt wie jedes Projekt: Informationen sammeln. Von gedruckten Kopien bis elektronischen Sensordaten ist alles dabei. Die Daten sind fragmentiert - verstreut in Excel-Tabellen, Diagrammen und Word-Listen, gebunkert in den Datensilos der Fachabteilungen und dem berüchtigten "Laufwerk:C". Neben einmaligen Informationen liegen regelmäßige Erhebungen auf dem Tisch. Aus der scheinbar einfachen Frage nach mehr Wirtschaftlichkeit wird ein Großprojekt.


Die vollbeladene "Antwerpen" mit 13.167 Containern.
Foto: Hapag-Lloyd
Die Herausforderungen: Welche Daten sind für welche Anwendungsfälle relevant? Wie sind die Daten zu bewerten? Welche Daten können automatisch verarbeitet werden? In welcher Zeitzone sind sie erhoben worden? Wie können sie in die richtige Reihenfolge gebracht werden? Und: Nach welchen Standards sind Daten und Zustände weltweit erhoben worden? 

Dazu kommen die baulichen Besonderheiten unterschiedlichster Frachter unterschiedlicher Klassen unterschiedlicher Historie? Keine Kleinigkeit bei Schiffen von 2.300 TEU bis zu Megafrachtern des Fusionspartners UASC mit bis zu 19.000 Containern auf bis zu 400 Metern Länge und 60 Metern Breite. 

Vom Teilprojekt zum Support Center zur strategischen Abteilung

Aus der einmaligen Erhebung wird ein kontinuierliches Monitoring, aus dem Projektteam Ende 2013 das Fleet Support Center, aus dem Center im Sommer 2014 eine entscheidende Abteilung in der Firmenzentrale am Ballindamm. Ein Dutzend Spezialisten arbeiten heute in der NASA-gleichen Kommandozentrale, bis zum Jahresende werden es 17 sein. Und die Herausforderungen steigen: Neben eigenen Schiffen müssen die Controller auch die rd. 120 gecharterten Schiffe monitoren, neben selbst bewirtschafteten auch fremd gemanagte Schiffe im Blick behalten.

Viele Schiffe werden befristet gechartert. Wie bei Bahn und Bus ändern sich Ziele, Routen und Termine. War und ist die "Hamburg-Amerika-Linie" Marktführer zwischen Europa und Nordamerika, sind die Hamburger mit Übernahme von CP Ships zunehmend in Richtung Kanada, Australien und Asien unterwegs. Mit der neuen "THE Alliance" werden Linien neu geplant. Im Fokus: Mehr Direktverbindungen zwischen Port-Pairs und weniger Dienste von "Gießkanne" zu "Gießkanne", so ein HLAG-Manager augenzwinkernd bei der Vorstellung der neuen Allianz.

Die "Yantian Express" am Container-Terminal in Altenwerder
Foto: Hapag-Lloyd
2015 holt sich das Team um Dipl.-Ing. Jörn Springer und Logistikspezialistin Julia Kühnbaum wertvolles Know how aus anderen Segementen: ob PKW oder Stückgut, ob Öl oder Gas, ob Fischerei oder Militär - die Besonderheiten der Seelogistiksparten helfen auch der hoch standardisierten Containerlogistik, mit Hilfe feingranularer Daten umfassende Optimierungen vorzunehmen. 

Wie können die Hapag-Frachter optimal be- und entladen werden? Gibt es zusätzlich verfügbares Volumen oder Gewicht, dass gemakelt werden kann? Malten die Ausbilder des HLAG-Offiziers einst Container für die einzelnen Häfen mit Buntstiften in große Pläne, sorgen die Daten des Fleet Support Centers heute automatisiert für optimale Beladungsplanung.

Aus Optimierern werden Analysten für Entscheidungen an Board

Was passiert zwischen den Häfen auf hoher See? Im Fleet Support Center geht es längst um vorausschauende Planungen: Reichen die bestehenden Kapazitäten auf eigenen und verbundenen Schiffen aus? Muss ich Routen mit kleineren oder größeren Schiffsklassen bedienen? Kann ich die Nachfrage mit einem eigenen Liniendienst betreiben? Brauche ich zusätzliche Charterschiffe oder muss ich die Flotte eher verkleinern?

Das Messingschild am Ballinhaus in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY / Thomas Keup
Ging es früher in 5-Jahres-Plänen um die kontinuierliche Entwicklung des eigenen Geschäfts, führen Wettbewerbsdruck und Rahmenbedingungen heute zu ständiger Volatilität. Heftige Ausschläge in der Geschäftsentwicklung können schnell zum unkalkulierbaren Risiko werden. Die Brennstoff-, Ladungs-, Routen- und Umschlagsoptimierer sind zu hochspezialisierten Datenanalysten geworden, die den Tanker Hapag-Lloyd auf den Weltmeeren auf Kurs halten. 

All dies wäre ohne Millionen Datensätze undenkbar. Gut zu wissen, dass in Zeiten von "Industrie 4.0" Hapag-Lloyd die "Schifffahrt 4.0" bereits aktiv lebt. Am Schluss geht es aber vor allem um die Seefahrt. Und der frühere Schiffsoffizier Jörn Springer fasst treffend zusammen: "Wir wollen die beste Entscheidung an Bord ermöglichen." Damit das Hamburger Wappen noch lange sicher und erfolgreich in die Häfen der Welt einläuft.




 Hamburg Digital Background: 

Hapag-Lloyd AG, Hamburg:
https://www.hapag-lloyd.com/de/home.html

NDR-Heimatkunde: Reedereien:
www.ndr.de/kultur/geschichte/hamj21671.html


 Hamburg Digital Reports: 

HANSEBUSINESS: DAKOSY - Der digitale Lotse im Hamburger Hafen.
http://hh.hansevalley.de/2017/04/hansebusiness-dakosy.html

HANSEPERSONALITY Willem van der Schalk: "Das Rad nicht neu erfinden!"
http://hh.hansevalley.de/2017/03/HANSEPERSONALITY-van-der-Schalk.html



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