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Sonntag, 24. März 2019

HANSEPERSONALITY Henning Schneider: Hamburg sollte sich den digitalen Vorsprung nicht nehmen lassen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW



Digitaler Innovator im Hamburger Krankenhaus-Sektor: CIO Henning Schneider
Foto: Asklepios

Seit Längerem gilt das Universitätsklinikum Eppendorf ein Spitzenreiter der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen zu sein. Mit einer papierlosen Patientenakte auf Rädern und Internet-Touchscreen-PCs am Krankenbett ist das UKE bis heute das Vorzeigeobjekt der Hamburger Politik. Jetzt meldet sich Hamburgs größter Krankenhausverbund Asklepios zu Wort. Mit zwei digitalisierten Kliniken in Rissen und Wandsbek rollt der Hamburger Klinikkonzern das Feld von hinten auf.

Genau jener verantwortlicher IT-Chef des UKE baut seit 2016 hinter den Kulissen an der digitalen Zukunft der Asklepios-Gruppe. Was der Chief Information Officer mit einem Großklinikum in Eppendorf unter Beweis stellte, setzt er nun aus Hamburg in einem bundesweiten Verbund mit 160 Einrichtungen um - vom neuen Klinik-IT-System über digitale Patientenservices bis zur Kollaboration mit wichtigen Partnern im Gesundheitssektor. Unser Hamburg Digital Interview mit Asklepios-CIO Henning Schneider:

Jeder Arzt verbringt am Tag 4 Stunden mit Dokumention von Behandlungen. Jede Krankenschwester verbringt am Tag 3 Stunden mit Dokumentation von Pflegeleistungen. So die Erfahrungswerte aus Ihrem Krankenhausalltag. Und das bei akutem Pflegenotstand und überforderten Ärzten auf den Stationen - nicht nur in Ihren Häusern. Hand auf Herz: Würden Sie noch mit einem guten Gefühl in eines der Krankenhäuser gehen, die Sie kennen?

Ich war selbst schon Patient in „meiner eigenen“ Klinik. Also ein klares 'Ja', weil ich auch weiß, wie sehr sich Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte verausgaben, um Patienten bestmöglich zu behandeln. 

Aber die heutigen Dokumentationsanforderungen im klinischen Alltag, ohne die ein Krankenhaus in Deutschland nicht mehr existieren kann, sind eine riesige Herausforderung, die nicht mehr zu dem Behandlungsprozess passen. Dazu kommt eine riesige Gruppe von Ärzten, die sich aus dem Klinikbetrieb verabschiedet haben und auf der „anderen Seite" beim MDK der Krankenversicherungen jedem Fehler in der Dokumentation nachgehen.

"So lange noch eine Papierdokumentation parallel oder auch nur teilweise dazu läuft, wird der Nutzen der Digitalisierung ausbleiben."


Gerade Dokumentations- und Routineaufgaben sind das, was Computer heute schon sehr gut machen können, wenn man sie richtig einsetzt. Dies bedeutet vor allem, dass man die Dokumentation schnell, direkt und vollständig auf digitale Daten umstellen muss. So lange noch eine Papierdokumentation parallel oder auch nur teilweise dazu läuft, wird der Nutzen der Digitalisierung ausbleiben.

Erst wenn alle Daten digital vorliegen, lassen sich Dokumentationsaufgaben erleichtern und die Suche nach Informationen vollständig vermeiden. Gleichzeit lassen sich dann aber auch Behandlungsprozesse für alle an der Behandlung Beteiligten transparent darstellen, Medikationsprozesse automatisieren und sich die Behandlung der Patienten erheblich verbessern. IT wird dann zu einer vollwertigen Unterstützung von Ärzten und Pflegekräften.

Sie haben in Hamburg 7 Krankenhäuser mit Maximal- und Schwerpunktversorgung und einer Größe von 600 Betten in Rissen und bis zu 1.500 Betten in Langenhorn. Sie führen in Hamburg - einem der größten europäischen Klinikcluster - mit "M-KIS" der Meierhofer AG ein neues, zentrales IT-Dokumentationssystem ein. Warum ist es aus ihrer Sicht wichtig, ein neues IT-System einzuführen. Sollten nicht an 1. Stelle optimale Krankenhausprozesse stehen?


Absolut richtig. Ohne sich zuerst auf einheitliche Prozesse für Behandlung und Dokumentation inkl. eines gemeinschaftlichen Rollen- und Aufgabenverständnis im gesamten Krankenhaus festzulegen, braucht man so ein Projekt gar nicht erst starten - und nicht immer muss dazu ein neues KIS (KIS - Krankenhaus-Informations-System) eingeführt werden. Genauso haben wir auch in Hamburg begonnen. 

Wir waren uns aber bei der Entscheidung 2015 sicher, dass wir diese digitalen Prozesse nur mit einem modernen IT-System erfolgreich abbilden können, das sowohl durch die Architektur, als auch mit Schnittstellen und Oberflächen die Flexibilität in sich trägt, um unseren Anforderungen und noch viel mehr den Erwartungen der Anwender gerecht zu werden.

"Wie muss dokumentiert werden, damit am Ende ein fast automatisch erzeugter Arztbrief entsteht?"

Die Eingabe in ein IT-System ist immer aufwendiger, als das schnelle notieren einer Information auf Papier. An diesem Vergleich scheitern bereits viele IT-Projekte. Erst wenn man wirklich den Dokumentationsprozess dahin verändert, dass Informationen weiter genutzt werden und nicht mehr doppelt und dreifach dokumentiert werden, entsteht der Nutzen durch IT. 

Wir haben daher viele Abläufe von hinten – also vom Dokumentationsabschluss – durchdacht. Wie muss dokumentiert werden, damit am Ende ein fast automatisch erzeugter Arztbrief entsteht? Genau hier und in der Übernahme von Daten aus anderen IT-Subsystemen liegt eine weitere Stärke von "M-KIS".

Neben den Prozessen und dem KIS-System gibt es zwei weitere wichtige Erfolgsfaktoren: Das eine ist die IT-Infrastruktur. Das KIS-System kann noch so gut sein, wenn man es nicht stabil, sicher und schnell betreiben kann. Fehlt das Vertrauen und die Akzeptanz der Anwender, macht sich sehr schnell Frust breit. Wir haben bereits vor dem Projektstart sehr viel in moderne Netz- und Rechenzentrumsinfrastruktur investiert. 

"In jedem Projekt gibt es mindestens das eine tiefe Tal, durch das man zusammen durchkommen muss."

So haben wir z.B. alle Kliniken in Hamburg vollständig mit WLAN ausgestattet, um auch den reibungslosen Einsatz von digitalen Visitenwagen zu ermöglichen. Alle 3.000 Server in unserem Rechenzentrum wurden auf virtuelle Umgebungen umgestellt, um so sehr viel schneller auf Performance-Anforderungen reagieren zu können.

Der zweite und überhaupt wichtigste Erfolgsfaktor sind aber die Menschen und die Organisation. Wenn ein solches Projekt nicht von der Krankenhausführung und - noch viel mehr - von Anwendern gewollt und getrieben wird, kann es nicht funktionieren. In jedem Projekt gibt es mindestens das eine tiefe Tal, durch das man zusammen durchkommen muss, um erfolgreich zu sein. Das geht nur gemeinsam und mit sehr viel Kommunikation und vor allem gemeinsamen Handeln.

Das klingt alles schön und gut. Im UKE brauchten Sie 2 Jahre zur Einführung des neuen KIS-Systems - einschl. angepasster Prozesse, neuer Technik und Akzeptanz der Nutzer in Medizin, Pflege und Verwaltung. In der Asklepios-Klinik in Rissen haben Sie dank Key-Usern die Einführung in 18 Monaten geschafft. Jetzt gehen Sie an die Kliniken in St. Georg und Harburg. Wieviele Jahre nehmen Sie sich Zeit, bis Asklepios in Hamburg digital sein wird?

Ja, das waren zwei harte, aber erfolgreiche und schöne Projekte, die allen Beteiligten viel Schweiß, Nerven und bei mir auch Haare gekostet haben.

In Rissen haben wir den Grundstein für ein Model aus Prozessen und IT gelegt, das nun exakt so auch in allen anderen Hamburger Asklepios-Krankenhäusern funktionieren soll. Bereits im UKE war ich sicher, dass das größte Problem an der Papierdokumentation die hohe Flexibilität ist. Jeder kann es anders nutzen und hat daher eigene Prozesse entwickelt, die nun, wenn man ein einheitliches System gemeinsam nutzen will, auf einmal nicht mehr zusammenpassen. 


"Voraussetzung ist der gemeinsame Wille zur Umsetzung und viel – sehr viel – Führung."

Ich war mir aber auch sicher, dass es möglich ist, wieder zu einer einheitlichen Dokumentation zurückzufinden, die nicht nur für ein Krankenhaus, sondern als Vorbild auch in anderen Krankenhäusern funktioniert. Voraussetzung ist der gemeinsame Wille zur Umsetzung und viel – sehr viel – Führung. In Rissen haben wir 18 harte Monate zusammen mit vielen Anwendern an diesem System gefeilt.

Der große Erfolg war danach der Rollout im Asklepios-Klinikum Wandsbek. Gemeinsam mit den dortigen Key-Usern ist es gelungen, bereits 6 Wochen nach Start des KIS-Systems am 1. Oktober die Papierakten im gesamten Krankenhaus beiseite zu lassen. Das ist ein riesen Erfolg, der sich herumspricht. Nachdem wir in Wandsbek knapp 40 Key-User hatten, melden sich nun für die nächsten Kliniken 100 in St. Georg und 120 Key-User in Harburg als unterstützenden Fachkräfte aus dem Krankenhaus für das Projekt. 

"Wir wechseln die Systeme meist über das Wochenende - aber im laufenden klinischen Betrieb."

Wie gesagt, halte ich diese Unterstützung für den wichtigsten Erfolgsfaktor und sehe dem weiteren Rollout sehr optimistisch entgegen. Trotz dieser sehr großen Unterstützung und dem stark vereinheitlichtem System bedarf es für jedes der einzelnen Krankenhäuser einer genauen Bestandsaufnahme der aktuellen Abläufe und der Organisation. Jeder Fachbereich, jede Station dieser sehr großen Krankenhäuser muss im KIS abgebildet werden. Jeder Benutzer muss einzeln angelegt und seine Rolle festgelegt werden, um die genauen Zugriffsrechte auf Daten und Funktionen haargenau festzulegen, damit auch alle datenschutzrechtlichen Vorgaben abgebildet werden. 

Die Umsetzung der OHKIS – der Datenschutzrichtlinie für IT-Systeme in Krankenhäusern – war ein weiterer Entscheidungsgrund für das M-KIS der Meierhofer AG. Diese Anpassungen müssen sehr genau gemacht und ausführlich getestet werden. Wir wechseln die Systeme meist über das Wochenende - aber im laufenden klinischem Betrieb. Da darf nichts falsch gemacht werden und es muss vorher ausführlich getestet werden. Dieser Aufwand führt dazu, dass wir trotz beschleunigtem und teilweise parallelem Rollout das letzte der sieben Asklepios-Häuser im Februar 2021 umstellen.

Aktuell gilt im Gesundheitswesen "Paragraph 1 - jeder kauft seins." Dies gilt für digitale Patientenakten auf dem Smartphone ebenso wie bei klinischen Informations-Systemen in Krankenhäusern. Sie haben sich für das webbasierte Termin-Management-Tool "Samedi" Ihrer Beteiligung Meierhofer AG entschieden und bereits 18 Häuser bundesweit angeschlossen. Sind Ihre Patienten damit nicht wieder allein auf weiter Flur?

Ja, der Trend geht leider hin zu Insellösungen, weil es in unserem Gesundheitssystem - verglichen mit den Nachbarländern - keine einheitlichen Vorgaben für den Austausch von Patientendaten gibt. Kliniken bauen eigene Patientenportale und Krankenversicherungen eigene Patientenakten für Ihre Versicherten. Auf der Strecke bleibt aus meiner Sicht der Patient, der weiterhin in verteilten Systemen seine Daten suchen muss, ohne dass es ein auf Ihn bezogenes Konzept gibt.


"Die Welt im Gesundheitssystem ist sehr viel vielseitiger, als es durch ein Krankenhausportal oder eine E-Akte abzubilden wäre."

Genau das wollen wir bei Asklepios nicht machen. Wir setzen auf offene Systeme – möglichst „White Label" – die von vielen Leistungserbringern und Patienten auch außerhalb von Asklepios genutzt werden. In der Realität ist ja auch ein Patient meist nicht nur Patient bei uns, sondern hat auch noch bei anderen Ärzten Behandlungen und neben seiner einen Krankenversicherung vielleicht noch eine Zusatzversicherung. Die Welt im Gesundheitssystem ist sehr viel vielseitiger, als es durch ein Krankenhausportal oder eine E-Akte bei einer Versicherung abzubilden wäre.

Wir haben uns für die Nutzung von Samedi entschieden, um dort für alle unsere Einrichtungen eine Online-Terminbuchung zu ermöglichen, weil vor uns dort bereits 1 Mio. anderer Patienten und 19.000 Ärzte bereits seit langem erfolgreich Termine managen. Wir erweitern dieses Angebot und wollen noch in diesem Jahr 100.000 Arzttermine einfach und flexibel über dieses Portal angeboten haben. Heute sind bereits 18 Krankenhäuser an Samedi angeschlossen und es ist bemerkenswert, wie viele Patienten das Angebot wahrnehmen, außerhalb der normalen Öffnungszeiten einer Praxis oder Ambulanz am Wochenende oder Werktags nach 18 Uhr Termine zu buchen.

Blicken wir in die digital-vernetzte Zukunft eines Krankenhaus-Patienten: Werden Sie und ich mit einer Patienten-App Spezialisten finden, Termine buchen, unseren Arztbrief zur Entlassung auf das Smartphone bekommen und einen digitalen Nachsorgeplan haben, der mit Sanitätshäusern und Reha-Einrichtungen vernetzt ist? Was wünschen Sie sich für die Asklepios-Patienten - u. a. in den 7 Hamburger Krankenhäusern?

Als im vorletzten Jahr die Krankenhäuser vom Gesetzgeber verpflichtet wurden, sich verantwortlich um die ordentliche Entlassung eines Patienten in die Nachsorge bzw. Reha zu kümmern, haben wir aus dieser „Not“ eine Tugend gemacht und diese Abläufe direkt zentral, digital und mit der Beteiligung von Krankenkassen und Sanitätshäusern sowie Reha-Einrichtungen geplant. 

Über dieses Entlassmanagement-Portal lassen sich die Entlassprozesse eines Patienten vom ersten Tag nach der Aufnahme in ein Krankenhaus mit dem Patienten und allen Beteiligten gemeinsam und transparent planen und sektorenübergreifend vorbereiten. Wieder fangen wir bei den Prozessen an und haben ein zentrales Entlassmanagement aufgebaut, das gerade diese Prozesse für alle Asklepios-Krankenhäuser einheitlich sicherstellt und durch die neue Plattform unterstützt wird.

Auch bei dieser Plattform gilt, dass wir sie als offene Plattform aufbauen, die genauso auch von anderen Krankenhäusern und Klinikketten genutzt werden kann, um ihren Patienten zukünftig den gleichen Entlass-Service zukünftig bieten zu können. Ich durfte bereits einen Blick auf dieses Portal werfen und kann ihre erste Frage nur ganz sicher mit 'Ja' beantworten.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Sie haben über 8 Jahre das UKE mit fast 500.000 Patienten/Jahr, davon rd. 100.000 stationären Fällen, 10.000 PC-Arbeitsplätzen und 2 Rechenzentren digitalisiert. Sie haben die Asklepios-Kliniken Rissen und Wandsbek digitalisiert und rollen digital-vernetzte Lösungen in allen 7 Hamburger Häusern aus. Hand aufs Herz: Was läuft in Hamburg schon richtig gut - und wo wünschen Sie sich mehr Unterstützung z. B. des Senats?

Wir haben in Hamburg herausragende Krankenhäuser, die sowohl in der medizinischen Versorgung, der Wissenschaft und insbesondere der Digitalisierung in Deutschland und darüber hinaus zur Spitzengruppe gehören. Diese Leistung findet aber nur innerhalb der Krankenhäuser statt. Die Sektorengrenzen – aber eigentlich das gesamte Gesundheitssystem - fördern die Zusammenarbeit im Sinne des Patienten und der Gesundheitskosten nicht. Doppeluntersuchungen, falsche Medikationsinformationen werden genauso hingenommen, wie getrennte, uneinheitliche IT-Systeme, Daten-Silos, Netz-Infrastrukturen und Rechenzentren. 

Jeder entwickelt eigene Inselkonzepte, die auch alle gefördert werden. Unabhängig davon, ob es nicht schon eine gute und vielleicht günstige Lösung gibt. Aktuell sollen seit 1.1.2019 alle Krankenhäuser ihre Kosten, die für IT-Sicherheit nach neuem IT-Sicherheitsgesetz anfallen, über den Krankenhausstrukturfonds fördern. Auf welche Art und wie teuer diese Maßnahmen werden, kann jedes Krankenhaus selbst und nach eigenem Verhandlungsgeschick mit IT-Dienstleistern bestimmen.

"Einfach darauf zu warten, dass sich die Parteien untereinander vielleicht zusammensetzen und dann noch von sich aus einigen, ist zu wenig." 

Hamburg hat mit dem Hafen bewiesen, dass es Öko-Systeme aufbauen und gedeihen lassen kann. Hamburg hat mit den Krankenhäusern wie UKE, Asklepios und vielen Leistungserbringern mehr, mit der KV, mit den Krankenkassen wie TK, Barmer und DAK und den Herstellern wie Philips, Johnson & Johnson eine starke Gesundheitswirtschaft. Aber einfach darauf zu warten, dass sich die Parteien untereinander vielleicht zusammensetzen und dann noch von sich aus einigen, ist zu wenig. 

Hier bedarf es einer digitalen Gesundheitsagenda, die beschreibt, wie Gesundheit in Hamburg digital für den Bürger, für die Patientenversorgung, die Wissenschaft und Wirtschaft abgebildet werden soll.

Andere Länder wie Dänemark haben es erfolgreich vorgemacht. Auch Bundesländer wie Bayern mit einheitlichen Vorgaben, welche KIS-Systeme an den Uni-Kliniken gemeinsam zu nutzen sind oder Berlin, die eine große Förderzusage planen, die daran geknüpft ist zwischen Charité und Vivantes eine Gesundheitsplattform aufzubauen, zeigen, dass es auch in Deutschland möglich ist, solche Wege zu gehen. Hamburg sollte sich diesen digitalen Vorsprung nicht nehmen lassen …

Herzlichen Dank für Ihre Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

HANSEPERSONALITY Marco Siebener: 
Ein gemeinsamer Rahmen für "E-Health (in) Hamburg".
https://hv.hansevalley.de/2018/01/hansepersonality-marco-siebener.html

HANSEPERSONALITY Helmut Gerhards: 
Wir erarbeiten für unsere Kunden eine elektronische Gesundheitsakte.


Sonntag, 7. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Marco Siebener: Ein gemeinsamer Rahmen für "E-Health (in) Hamburg".



HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

10.000 PC-Arbeitsplätze, 1.900 WLAN-Access-Points, mehr als 100 Fachanwendungen. Beeindruckende Zahlen aus einem IT-Großbetrieb: dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Mit elektronischer Patientenakte auf Rädern und Touchscreen-Internet-PC am Patientenbett hat HANSEVALLEY im November 2017 das UKE als beispielhaftes Klinikum kennengelernt.


IT-Chef und IT-Stratege des UKE: Marco Siebener.
Foto: UKE
Der Herr über 2 moderne Rechenzentren, 1.900 Server und mehr als 130 Mitarbeiter ist der IT-Chef, IT-Stratege und Chief Information Officer. Ein besonderes Hamburg Digital Interview zum Jahresauftakt aus dem IT-Herzen der Hamburger Universitätsmedizin mit HANSEPERSONALITY Marco Siebener:

Lieber Marco Siebener: Sie sind Leiter des Geschäftsbereichs IT mit 5 Abteilungen und zugleich als CIO verantwortlich für die IT-Strategie am UKE. Geben Sie uns einen Überblick: Wie groß ist Ihr Geschäftsbereich und wo liegt der Schwerpunkt ihres Tagesgeschäfts?

Der Geschäftsbereich IT ist der zentrale IT-Dienstleister des UKE und damit für den operativen Betrieb der IT- Infrastruktur und Anwendungen eines digitalisierten Uniklinikums verantwortlich. Zudem ist die IT ein wichtiger strategischer Erfolgsfaktor in der bisherigen und auch in der zukünftigen Fortentwicklung des UKE. 

Der Geschäftsbereich IT ist mit seinen über 130 Mitarbeitern der größte Geschäftsbereich am UKE - mit einem recht starken Fokus auf die IT-Systeme in der medizinischen Versorgung, von der elektronischen Patientenakte, über die Diagnostiksysteme in der Radiologie oder auch den Laboren bis hin zu Logistik oder auch Abrechnungssystemen. Dem stärksten Wachstum unterliegt aber derzeit der Bereich der Forschungs-IT. Hier sind wir im Aufbau einer medizinischen Forschungsplattform für unsere Wissenschaftler/innen.

Ihr Klinikum hatte im Jahr 2016 insgesamt 430.000 Patienten, davon rd. 95.000 stationäre Patienten. Wieviele Datensätze müssen Sie verwalten und wieviele Mitarbeiter aus medizinischer Versorgung, pflegerischer Betreuung und kaufmännischem Management greifen auf Ihre Systeme zu? 

Das UKE hat über 10.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber in Hamburg. Für diese große Anzahl von Mitarbeitern stehen auch fast 10.000 IT-Arbeitsplätze zur Verfügung. Wir betreiben mehrere Hundert unterschiedliche IT-Anwendungen in 2 Rechenzentren auf über 1.900 Servern. In unserer elektronischen Patientenakte liegen über 30 Mio. Datensätze. 

Das Universitätsklinikum gilt eine der modernsten Kliniken in Sachen IT zu sein. Bei Ihnen in Eppendorf läuft kein Patient mehr mit einer Krankenakte unter dem Arm zum Röntgen. Wo setzt das UKE besondere Schwerpunkte im Kontext fortschrittlicher Technologien und Systeme?
Live-Einsatz in der UKE-Hautklinik:
Die elektronische Patientenakte auf Rädern.
Foto: HANSEVALLEY



Ja, wir sind eine sehr fortschrittliche Klinik bei der Digitalisierung und es gibt diese Krankenakte nur noch elektronisch. Damit können alle an der Behandlung beteiligten Ärzte/innen und die Pflege jederzeit und auch parallel auf alle relevanten Informationen zugreifen und auch dokumentieren. Auch im Falle von erneuten Behandlungen sind diese Daten verfügbar und müssen nicht erst mühsam aus einem Archiv gesucht werden. Das ist für die Qualität und auch die Sicherheit der Versorgung ein wichtiger Beitrag, den die IT hier leisten kann.

Besondere Schwerpunkte im Sinne von Technologien setzen wir derzeit im u. a. im Bereich des sogenannten Asset Trackings, also dem Orten von z. B. medizintechnische Geräten über unser nahezu flächendeckendes WLAN sowie im Bereich Unified Communications - für Video- bzw. Online-Konferenzen u. a. im Bereich der Fall- bzw. Tumorkonferenzen. Ebenfalls ein wichtiges Thema sind für uns die Entscheidungsunterstützungssysteme (Clinical Deciscion Support), die auf Basis von Algorithmen bzw. Regelwerken die medizinischen Informationen z. B. Laborwerte prüfen und Hinweise und Warnungen für Risiken geben. 


Bereits im Einsatz und üblich sind diese Systeme z. B. bei den Interaktionsprüfungen hinsichtlich Nebenwirkungen von Medikamenten. Zudem beschäftigen wir uns mit der Anwendung von NLP (Natural Language Processing) auf die medizinische Dokumentation, also dem Erkennen und Verstehen von häufig nicht strukturierten, medizinischen Texten. Ziel ist es, diese in strukturierte Informationen umzuwandeln und damit für die weitere Nutzung u. a. für die Forschung zu erschließen.

Sie arbeiten mit dem Siemens Klinik-System "Soarian Clinical" und einer elektronischen Patientenakte auf Basis von "Soarian Health Archive". Vor mehr als 6 Jahren wurde das UKE durch die Bundesbehörde BSI für ihre Sicherheit ausgezeichnet. Wie kann man bei verteilten genutzten Daten wirklich sicher sein? 

Geschlossener Kreislauf der medizinischen Unterstützung am UKE.
Grafik: UKE
Das UKE hat sich als eine der ersten Kliniken in Deutschland bereits 2011 vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) nach dem s. g. "BSI Grundschutz" prüfen und zertifizieren lassen. Hierbei steht die Sicherheit unserer elektronischen Patientenakte im Fokus. 

Ein konkretes Beispiel, wie wir die Patientendaten schützen ist die Tatsache, dass Sie hier im UKE an einem klinischen Arbeitsplatz keinen direkten Zugang zum Internet haben, nichts herunterladen können, nichts installieren und auch keine USB-Sticks verwenden können. Wir haben den Bereich der Krankenversorgung technisch getrennt von den Verwaltungsnetzen oder auch den Forschungsbereichen.

Seit 2016 sind Sie kommissarischer  Leiter der UKE-IT, seit diesem Jahr hauptverantwortlich für alle Bits & Bytes auf dem UKE-Campus an der Martinistraße. Welche persönlichen Schwerpunkte bzw. Akzente setzen Sie als CIO und IT-Chef in Strategie und operativem Betrieb? 

Meine persönlichen Schwerpunkte liegen neben dem sicheren, effizienten und zuverlässigen Betrieb unserer IT-Services vor allem in der strategischen Weiterentwicklung der IT am UKE. Besondere Schwerpunkte sind hierbei der bereits genannte Ausbau der Forschungs-IT und der weiteren Verbesserung und Ausweitung unseres Leistungsangebotes durch E-Health - bis hin zur direkten Einbindung des Patienten in unsere Versorgungsprozesse, egal wo der Patient sich gerade befindet.

Das Uniklinikum hat eine elektronische Patientenakte, ihre Krankenhaus-Apotheke arbeitet weitgehend digital vernetzt und Sie kooperieren u. a. mit der Techniker Krankenkasse mit dem Ziel einer gemeinsame Patientenakte. Wie gut ist das UKE für die digitale Zukunft aufgestellt? 

Unsere elektronische Patientenakte ist sozusagen unsere sehr gute Basis für die weitere digitale Zukunft der Gesundheitsversorgung in Hamburg. Die Digitalisierung endet aber heute leider meist noch an den Grenzen unseres Campus in Eppendorf. Leider wird hier häufig dann doch wieder ausgedruckt oder auch gefaxt in der Kommunikation mit anderen Kliniken und Niedergelassenen. Wir haben zwar hier auch Kooperationspartner mit denen wir elektronisch kommunizieren, aber leider ist dies heute noch die Ausnahme. 

Hier sind dann für uns Partner wie die Techniker Krankenkasse wichtig, die mit ihrer Initiative einer elektronischen Gesundheitsakte für ihre Versicherten weitere "digitale Brücken" bauen und vor allem den Patienten bzw. Versicherten involvieren. Wir sehen in dieser Initiative einen wichtigeren weiteren Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland und freuen uns darauf, bald den ersten TK-Versicherten Patienten-Dokumente in ihre persönliche Akte übermitteln zu können.

Sie kooperieren mit der Technike Krankenkasse und dem TK-Accelerator, schauen sich neue E-Health-Startups an und starten gemeinsame Projekte. Wie wichtig sind für Sie innovative Startups und was ist besonders wichtig bei der Zusammenarbeit? 

Eine der modernsten Kliniken in Deutschland: Das UKE
Foto: HANSEVALLEY
Wir sehen hier viel Potenzial und beschäftigen uns immer wieder mit neuen spannenden Ansätzen, die von den Health Startups entwickelt werden. Meine persönliche Erfahrung ist leider ein bisschen "durchwachsen“, da häufig mit doch etwas "einfachen" Vorstellungen agiert wird und einem dann doch eher eine frühe "Alpha"-Version einer Lösung präsentiert wird, die noch weit weg davon ist, sie wirklich in der Klinik einzusetzen. 

Dafür sind die Anforderungen und auch das Risiko, die durch Fehler passieren können zu groß, um mal eben schnell eine - entschuldigen Sie bitten diesen Ausdruck - "Bastellösung" zu installieren und zu nutzen. Mit einzelnen Startups haben wir diesen Weg in die Klinik aber bereits gemeistert und wir sind davon überzeugt, dass dies auch in einem gegenseitigen Nutzen ist.

Die exklusive HANSEVALLEY Hamburg-Frage:

Sie sind langjähriger IT-Experte, u. a. bei den Hamburger Asklepios-Kliniken und seit 2015 am UKE engagiert. Was läuft in der Digitalsierung des Gesundheitswesens in Hamburg richtig gut? Und wo haben Sie Wünsche, z. B. an die Gesundheitsbehörde, das Branchencluster oder Krankenkassen? 

Wir haben in Hamburg starke Akteure im Gesundheitswesen, sowohl auf der Klinik-Seite, den Krankenkassen und Versicherungen als auch der Industrie. Alle beschäftigen sich aktiv mit der Digitalisierung und es gibt eine Vielzahl von einzelnen Initiativen, auch auf Seiten der Stadt. Mein Wunsch wäre hier eine weitere Bündelung dieser Initiativen und einen gemeinsamen Rahmen für "E-Health (in) Hamburg“ zu schaffen, um hieraus auch gemeinsame Ansätze und Projekte für das zukünftige „digitalere“ Gesundheitswesen zu schaffen.


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Herzlichen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Informationstechnologien am UKE:
www.uke.de/organisationsstruktur/gesch%C3%A4ftsbereiche/informationstechnologie/%C3%BCber-uns/index.html

E-Health an Norddeutschen Krankenhäusern (ab S. 8):
http://docplayer.org/53372946-Digital-vernetzt-wie-krankenhaeuser-und-krankenkassen-kuenftig-das-e-health-potenzial-ausschoepfen-wollen.html

Kooperationsportal LSN Xchange:
www.lsnxchange.de/

Unternehmensdatenbank eHDa Hamburg (im Aufbau):
www.ehealth-hamburg.de/kontakt-und-service/ehda-die-unternehmensdatenbank/

Sonntag, 8. Januar 2017

HANSEEXKLUSIV: Millionen-Investment für LifeTime aus Hamburg

Mit aktuellen Updates:


Das Hamburger Digital Health-Startup Connected-health.eu GmbH aus Altona erhält eine millionenschwere Finanzierung der Stuttgarter Verlagsgruppe Thieme und des Altgesellschafters High-Tech Gründerfonds aus Bonn. Das erfuhr das Hamburg Digital Magazin HANSEVALLEY exklusiv vorab aus Branchenkreisen. 

Gründer und Geschäftsführer Dr. Johannes Jacubeit spricht in einer Stellungnahme zur Finanzierung von einem 1. Teilabschnitt der Series-A. Mit dem Kapital soll vor allem der Vertrieb bei Ärzten und medizinischen Einrichtungen in Hamburg und in der Metropolregion ausgebaut werden.
Series-A-Finanzierung zur deutschlandweiten Expansion

Es ist zu erwarten, dass Connected-health bald mit weiteren Inve
storen der Series-
A eine bundesweite Markterschließung plant. Vor einem Jahr erhielt Connected-health eine erste Millionensumme durch den HGTF im Rahmen der Seed-Finanzierung. Connected-health.eu ist laut eigener Angaben nach der aktuellen Finanzierung mit über 3 Mio. € kapitalisiert. 

*Update* Das hoch spezialisierte Tech-Startup bietet mit der Patienten-App "LifeTime" und einem digitalen Lesegerät für Arztpraxen namens "LifeTime-Hub" ein Anbieter-übergreifendes und sicheres System zur Übermittlung, Speicherung und Weitergabe von Patientendaten an. Derzeit laufen bereits mehr als 150 Hubs in Praxen und Einrichtungen an Elbe und Alster und nutzen das "LifeTime-System" zum Datentransfer.

Zu den Partnern des Altonaer Jungunternehmens gehören u. a. die AOK, die Barmer GEK, die Optimedia AG, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie die Freie und Hansestadt Hamburg. Künftig soll das "LifeTime-System" um medizinische Fachinformationen aus dem Fachverlag des neuen Gesellschafters Thieme-Gruppe erweitert werden.


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