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Mittwoch, 26. August 2020

HANSEPERSONALITY Henning Fehrmann: Empowerment statt Mikromanagement für Hamburg.

HANSE DIGITAL INTERVIEW

Technologie-Unternehmer und Mittelstands-Vertreter: Henning Fehrmann.
Foto: Die Familienunternehmer e. V.

91.000 Menschen waren im Juli in Hamburg ohne Arbeit, 8,5% aller Beschäftigten, der höchste Stand seit 15 Jahren. Mit der Corona-Krise sind 368.000 Menschen in 24.000 Betrieben in Kurzarbeit geraten, mehr als 1/3 aller versicherungspflichtig Beschäftigten. Die Krise schlägt durch: Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen sind schwer getroffen, der Hafenumschlag ist um 12% eingebrochen.

Hamburg ist Kaufmannsstadt und Warendrehscheibe. Doch Handel und Hafen haben sich bis heute nicht digitalisiert. Corona wird zum Brennglas - und zum Brandbeschleuniger des Umbruchs. Was muss jetzt getan werden, um Hamburg aus dem Schlick zu ziehen? Wie kann die stolze Elbmetropole nach Corona und Krise wieder auf Kurs kommen? Unser HANSEPERSONALITY ist Familienunternehmer Henning Fehrmann:

Zu Ihrem Unternehmen Fehrmann Technologies gehören die Geschäftsbereiche "Alloys" mit Metallguss-Legierungen einschließlich 3D-Druck sowie "Windows" mit der Kernkompetenz für Schiffsfenster. Sie halten vier Patente, beschäftigen gut 40 Mitarbeiter, darunter 5 Doktoren und investieren im Jahr rd. 20% in Forschung und Entwicklung. Wo hat Sie der Shutdown getroffen und wie haben Sie die vergangenen Krisenwochen durchlebt?

In unserer Arbeitsweise hat uns der Shutdown nicht getroffen, weil unsere Infrastruktur bereits digital war. Homeoffice, Videokonferenzen etc. gehören bei uns seit Jahren zum Alltag. Deshalb waren wir frei, die Corona-Zeit zu nutzen, um Zukunftstechnologien wie Materialentwicklung für den 3D-Druck, Künstliche Intelligenz und Augmented Reality zu pushen und weitere Mitarbeiter einzustellen.

Unsere Geschäftsbereiche "Alloys" (Gussteile und 3D-Druck-Metallpulver) und "Windows" (Schiffs- und Spezialfenster) wurden unterschiedlich vom Shutdown tangiert. Bei der "Alloys" machte er sich kaum bemerkbar; die Auftragslage war und blieb gut, auch weil wir vorrangig für staatliche Endkunden mit lange laufenden Verträgen produzieren.


"Durch Corona haben wir einen Sprung nach vorn gemacht."

Einzig im 3D-Druck-Geschäft sorgte der Shutdown in den meisten F&E-Projekten für mehrmonatige Verzögerungen, doch hat diese Fertigungstechnologie durch die Corona-Krise enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. In der Industrie wächst das Bewusstsein dafür, dass 3D-Druck resilient, flexibel und autark macht und zudem die Ressourcen schont und einen geringen CO2-Footprint hat. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Hochleistungs-Metallpulvern, also der „Tinte“ für den 3D-Druck.


Bei den "Windows" haben wir ein V-Szenario erlebt: Einer unserer Lieferanten hatte einen kompletten Lockdown, was zur Störung der Lieferkette führte. Doch jetzt geht wieder die Post ab.

Sie sind seit Jahresbeginn Vorsitzender der Familienunternehmer e. V. in Hamburg, einer Stadt, die in der Krise steckt: Die Mehrheit der Logistikbranche ist laut BVL-Studie in der digitalen Umsetzungsfalle. Einzelhändler rund um die Mö melden bis zu 40% Einbrüche, der Umschlag im Hafen ist um 12% eingebrochen. Wie schlimm hat es die Hamburger Wirtschaft wirklich getroffen? Und in welchen Branchen müssen wir nach Ende des Insolvenzschutzes im 4. Quartal mit Konkursen rechnen?

Die Hamburger Wirtschaft ist insofern nicht schlecht aufgestellt, als dass sie keine Monokultur ist, die von einer einzigen Branche wie z.B. der ohnehin kriselnden Automobilindustrie abhängt. In unserer Stadt verfügen wir über eine große Bandbreite von Wirtschaftszweigen, entsprechend divers ist das Bild der Corona-Auswirkungen. Einige Bereiche wie Gastronomie, Hotellerie, Eventveranstalter und Entertainment wurden von dem staatlich verordneten Berufsverbot schwer getroffen, und es ist absehbar, dass nicht alle Unternehmen die Krise überleben werden. 

"Bei Branchen unter hohem Druck ist es egal, ob Corona oder nicht."

Andere Branchen gingen stabil durch die schwierige Phase, weil sie systemrelevant waren oder über die Möglichkeit verfügten, ihr Angebot an die veränderten Bedingungen anzupassen. Allerdings hat Corona den Druck auf alle Branchen weiter verstärkt, sich zu digitalisieren. Und ehemals starke Wirtschaftszweige wie die Luftfahrt stehen vor großen Herausforderungen, denn sie können für lange Zeit auf keinen Boom mehr hoffen.

Unser Erster Bürgermeister konnte Ihre Frage beim Neujahrsempfang der Familienunternehmer nicht nachvollziehen, 50% des Haushaltsüberschusses 2019 (500 Mio. €) in Digitalisierung zu investieren. In unseren Wahlprüfsteinen und in der Analyse des Koalitionsvertrags sind wir zu dem Ergebnis gekommen: Rot-Grün kann nicht digital. Wenn alles digitalisiert wird, was wird dann aus Hamburg in Zeiten des Umbruchs?

Im besten Fall wird dann aus Hamburg eine Stadt mit einem Verständnis für Kybernetik, also für die Informationsverarbeitung in dynamischen Systemen, deren Regelung und Steuerung. Denn eben dies ist die Basis für ein erfolgreiches Management von Komplexität. 

"Alles, was nicht digitalisiert ist, wird unter Druck geraten."

Politiker wie Unternehmenslenker werden lernen müssen, die durch Digitalisierung zugänglichen Informationen besser zu nutzen, Transparenz zu schaffen und statt Mikromanagement Empowerment zu betreiben. Dazu bedarf es unternehmerischer Qualitäten, die sich gerne auch Politiker zu eigen machen dürfen. Ich denke hierbei an Mut, Entscheidungsfähigkeit und Umsetzungsstärke.

Hamburgs Visionär Klaus von Dohnanyi stellt in seiner ersten Bürgermeisterrede im Übersee-Club 1983 fest: 'Die Zukunft Hamburgs liegt an Land, und nicht am Wasser'. Der niederländische Visionär Hendrik "Ed" Brinksma verlässt nach nur 2,5 Jahren die TU in Harburg. Aus allen staatlichen Hamburger Hochschulen kommen weniger Ausgründungen (2018: 14), als aus der Leuphana in Lüneburg allein (2018: 59). Sie sagen, Hamburg braucht eine Vision. Woher soll diese kommen?

Hamburg steigt im deutschen und europäischen Vergleich ab, weil die Vision fehlt. Deshalb ist es dringend erforderlich, der Stadt eine Vision zu geben. Und dann gilt es, dass sich Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dazu committen und alles dafür tun, sie umzusetzen. Der Verband der Hamburger Familienunternehmer hat für Hamburg bereits etwas formuliert. Wir nennen unsere Vision „Große Freiheit 5.0“. Sie nutzt die Stärken der Stadt, setzt auf Ermöglichen statt Behindern und führt sie ins digitale Zeitalter. 


"Nur mit Visionen haben wir eine Chance auf einen Aufbruch."

Machen wir uns einmal die Stärken Hamburgs bewusst: Hierzu gehört die Logistik, bei der wir darauf achten müssen, nicht den Anschluss zu verlieren. Unsere Metropolregion ist eine der weltweit führenden Regionen für 3D-Metalldruck. Zudem haben wir exzellente Cluster wie Material Science mit dem Leuchtturm DESY und dem Zentrum für Hochleistungsmaterialien - das setzt international Maßstäbe. 

Mit Philips, Olympus und etlichen anderen starken Unternehmen verfügt Hamburg über ein starkes Healthcare-Cluster. Und mit der nach wie vor guten Gaming-Szene ließe sich Hamburg als internationaler AR-/VR-/XR-Hotspot ausbauen. Dies sind nur einige der Hamburger Potenziale, die es besser zu nutzen gilt, damit die Stadt in Zukunft wieder an Strahlkraft gewinnt.

Schauen wir ein Stück in Ihre eigene Zukunft: Sie sagen, 'alles wird digitalisiert'. Sie haben mit Achim Tappe einen der führenden Datenspezialisten an Alster und Elbe als CDO an Bord geholt. Als forschendes Unternehmen beschäftigen Sie sich u. a. mit Augmented Reality in Schiffsfenstern. Wie werden Data Science und Software Ihr traditionelles Geschäft mit Bullaugen digitalisieren, die Ihr Großvater genormt hat?

Derzeit entwickeln wir etwas, das weltweiten Pionier-Charakter hat: Augmented Reality-Schiffsfenster, die wir zur SMM, der Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft, im Februar 2021 vorstellen werden. Die Fenster bestehen aus beweglichen Head-up-Displays für mehrere User gleichzeitig, die den Augen folgen und den visualisierten Content situativ an das anpassen, was man durch das jeweilige Fenster gerade sieht. 

"Wer spart, will bewahren. Wer investiert, will etwas verändern."


Ihr großer Mehrwert: Alle relevanten Infos werden dort eingeblendet, wo man gerade hinschaut. Man hat also die Realität im Blick und erhält ergänzend digitale Informationen. Diese Fenstersysteme sind hochkomplex und nutzen bestehende wie auch von uns selbst entwickelte Technologien, um der Geschwindigkeit der Augen gerecht zu werden. Sobald sich unsere digitalen Fenster in Schiffen bewährt haben, beschäftigen wir uns damit, sie für andere Branchen nutzbar zu machen.

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Wir haben über die Notwendigkeit gesprochen, eine Vision für Hamburg zu entwickeln, Helmut Schmidts "schlafende Schöne" nach 2 Jahrzehnten Abwärtstrend (siehe CHE-Studie) auf Zukunftskurs zu bringen. Wie kann eine "Große Freiheit 5.0" für die Kaufmanns- und Hafenstadt an der Elbe aussehen? Was muss sich in Wissenschaft, Verwaltung und bei Hamburger Unternehmern ändern? Butter bei die Fische!

Beginnen wir mit der Hamburger Verwaltung: Sie muss vom Behinderer zum Ermöglicher werden. Wenn sie dereguliert und Gesetze und Verordnungen so gestaltet, dass sie Unternehmertum und Gestaltung ermöglicht, um Arbeitsplätze zu schaffen, hat sie ihre vordringlichste Aufgabe erledigt. Und – besonders vorteilhaft in Zeiten leerer Kassen – es kostet die Stadt keinen Cent. Allerdings ist die öffentliche Hand finanziell gefordert, übergreifende neue Technologien über die Wissenschaft zu etablieren. Dies können von Corona geschüttelte Unternehmen nicht leisten.

"Es braucht Personen, die Veränderungen wollen und umsetzen."

Was die Unternehmen hingegen leisten können und müssen, ist die Analyse ihrer Daten. Denn – das sollten wir uns bewusst machen – jedes Business ist datengetrieben. Die Daten gab es schon immer – doch dank digitaler Speicher- und Verarbeitungsmedien verfügen wir jetzt über Tools, um unsere Informationen über Kunden, Märkte, Wettbewerber, Produkte und Prozesse zu sammeln und auszuwerten. Data Science hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen, Kosten zu senken und unsere Effizienz zu steigern. Bei Fehrmann digitalisieren wir auf allen Ebenen: Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle. Für Unternehmen, die langfristig am Markt bestehen wollen, führt kein Weg daran vorbei.

Ganz nebenbei hat die Digitalisierung der Wirtschaft Auswirkungen, an die man zunächst nicht zwingend denkt. Arbeiten beispielsweise mehr Mitarbeiter im Homeoffice, reduziert sich der Platzbedarf und damit die Miete. Entgegen der spektakulären Stories digitaler Unternehmen führt Digitalisierung in den meisten Unternehmen erst einmal zu deutlich sinkenden Kosten. Ein Grund mehr, schnellstens damit zu beginnen.


Herzlichen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

*  *  *

 Hanse Digital Statements: 

Corona und Hamburg:
HANSESTATEMENT: Nach Kahrs und Corona: Hamburgs Vertreibung aus dem Paradies.
hansevalley.de/2020/05/hansestatement-hamburg-after-corona.html


Digitalisierung und Senat:
HANSESTATEMENT: 205 Seiten Hamburg analog: Oder warum Rot-Grün digital nicht kann.

hansevalley.de/2020/06/hansestatement-koalitionsvertrag-hamburg-2020-2025.html

Digitalisierung und Senat:
HANSEPOLITICS: Wie Rot-Grün Hamburg in die digitale Zukunft bringen will.
hv.hansevalley.de/2020/06/hansepolitics-koalitionsvertrag-hamburg-2020.html

Digitalisieirung und Verwaltung:
HANSESTATEMENT: Rot-Grün: Digitalstrategie? Echt jetzt?

Digitalisierung und Wirtschaft:
HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.

 Hanse Digital Background: 

Akademie der Wissenschaften: CHE-Vergleichsanalyse Metropolregion Hamburg:

OECD-Bericht zur Regionalentwicklung: Metropolregion Hamburg

Montag, 8. Oktober 2018

HANSEPERSONALITY Angela Titzrath: Maulkorb-Erlass für die Königin des Hafens?

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Angela Titzrath: Ist sie die digitale Visionärin im Hafen?
Foto: Nele Martensen

Die Digitalisierung des Hamburger Hafens. Senator Frank Horch weiß: Ein 'weiter so' führt in die Bedeutungslosigkeit des nur noch 3. größten Containerhafens in Europa. Der langjährige Unternehmer und Kenner bringt auf den Punkt, worauf es jetzt ankommt: "Wir sind bereit, neue Wege zu gehen - sowohl bei der Nutzung und bei der Art der Entwicklung als auch bei den Partnern, mit denen wir das umsetzen."

Ein Blick ins "Haifischbecken" zwischen Norder- und Süderelbe zeigt: Die einen machen es, die anderen "sabbeln" darüber: Die staatliche Hafenbehörde HPA schraubt mit Next Reality, digitaler Vernetzung und künftig automatisierten Schleppern am "Hafen 4.0". Mit "Chain Port" vernetzt die Port Authority Hamburg über Zukunftsthemen wie Blockchain mit den Häfen der Welt. 


Die HHLA bei St. Annen: Ein Zuhause für Innovationen?.
Foto: HANSEVALLEY

Das Hamburg Digital Magazin wartet seit Mai 2017 auf Antworten von HHLA-Chefin Angela Tizrath. 18 Monate ohne eine klare Visionen des größten Hamburger Terminalbetreibers. Nach unserem Hamburg Digital Interview mit HPA-Chef Jens Meier ist es Zeit, das die HHLA Farbe bekennt - über eine Tankreinigungs-App hinaus, über eine Ankündigung für selbstfahrende LKW ab Mitte 2020 hinaus.

In der kommenden Woche lädt Hamburg Hafen Marketing zur großen Digitalisierungs-Pressekonferenz für den Hafen. Auch wenn die Hafenwirtschaft nicht begeistert war: Auf dem Podium sitzen DAKOSY, HHLA und HPA sowie Vessel Coordination Center, Digital Hub Logistics und Hamburg Hafen Marketing e. V. Seite und Seite. Beste Gelegenheit, die entscheidenden Fragen an HHLA-Unternehmenslenkerin Angela Titzrath zur Diskussion zu stellen.


Unsere Fragen an HANSEPERSONALITY und die "Königin des Hafens", HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath: 


Sie haben mit Altenwerder seit 2002 eines der modernsten Terminals in Europa im Betrieb, am Burchardkai seit 2013 die größten und modernsten Containerbrücken im Einsatz. Wie lassen sich bei diesen Superlativen weitere, hausinterne Effizienzsteigerungen mit digitaler Unterstützung erreichen? Welche konkreten Projekte betreiben Sie aktuell - Stichwort "KI an der Kaikante"?



Angela Titzrath: Will sie nicht oder darf sie womöglich nicht?
Foto: HANSEVALLEY

Die HHLA ist in den vergangenen Jahren vor allem durch den Ausbau des Güterschienenverkehrs gewachsen. Sie haben in den vergangenen Monaten die IT und Projekte auf den Prüfstand stellen lassen. Was ist bei der Prüfung herausgekommen - und dürfen wir mit Ihnen eine neue HHLA mit neuen Geschäftsfeldern erwarten, wie Senator Horch es fordert?



Hamburg ist nur noch die Nr. 3 unter Europas Seehäfen. Mit 3D-Druck wird die Wertschöpfung in der Produktion neu geordnet, wie UPS in Singapur beweist. Bei Ihnen spielen nach Ihren Worten die Azubis mit 3D-Druckern. Braucht es nicht eine "Hamburger Hafen Logistik und Produktions AG"?



Mit Jan Bovermann haben Sie zum 1. August 2017 einen Head of Corporate Development and Digital berufen. Was hat Ihr neuer CDO in einem Jahr auf die Beine gestellt - abgesehen von einer beim IBM-Hackathon entwickelten App für die Koordination der Waschanlagen für Tankcontainer?


Digitalisierung bei der HHLA: Erst gemeint oder noch in Planung?
Foto: HHLA

Sie beteiligen sich sowohl am "Digital Hub Logistics" in der Speicherstadt, als auch am VC-orientierten "Next Logistics Accelerator" von Logistik-Initiative Hamburg und Partnern. Welche Ziele knüpfen Sie an den neu aufgestellten Logistik-Hub und an den nach eigenen Worten auf Endkundensoftware ausgerichteten Logistik-Accelerator?



Werden Sie sich auch an den weiteren Initiativen in Hamburg beteiligen, wie dem Digital-Space "Hammerbrooklyn" sowie dem "Deutschen Maritimen Zentrum" in Hamburg? Welche Kompetenzen bringen Sie - außer Dortmunder Drohnen mit HHLA-Logo bei Presseterminen - in die Initiativen real mit ein?



Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Digitale Innovatoren sagen eine Konsolidierung der Startup-Szene voraus. Zwischen den städtischen "Hafenschwestern" HHLA und HPA gibt es regelmäßig "Gesprächsbedarf". Wo sehen Sie Herausforderungen in der Digitalisierung des Hamburger Hafengeschäfts, die angepackt werden sollten? 



Digitalisierung in hummanistischen Dosen: Gibt es noch mehr?
Foto: HANSEVALLEY

Schade, dass die HHLA nicht antwortet!

Die Fragen stellt Thomas Keup.


Redaktionelle Schlussbemerkung:

Leider hat uns die Pressestelle unbegründet aus dem Presseverteiler gestrichen und verwehrt uns aktuelle Informationen. Kommunikationschef Hans-Jörg Heims verweigert zudem Antworten auf E-Mails. HHLA-PR-Chef Heims machte erstmals im Herbst 2017 von sich reden. Damals zweifelte er unsere Integrität in Journalismus und Kommunikation an. Wir weisen das Verhalten zurück und verweisen auf den HANSECODEX.

* * *

 Hamburg Digital Background: 
Interview Angela Titzrath bei "Blue Rocket" (DVZ)

Vita Angela Titzrath bei der HHLA

Übersicht HHLA in der Wikipedia

HHLA-Team-App mit Betriebsinterna

Mittwoch, 18. April 2018

HANSECHAMPIONS: Auf dem Weg zur digital-vernetzten Industrie 4.0

HAMBURG DIGITAL REPORT

8. Februar d. J., Albert-Schäfer-Saal in der Handelskammer am Adolphsplatz. Gut 150 Vertreter aus Großindustrie und Mittelstand, Wissenschaft, Kammer und Politik treffen sich zum 2. Dialogforum Industrie 4.0. Die Präsentationen, Workshops und Diskussionen sind das Follow-up der Anfang 2015 aus der Taufe gehobenen Plattform zur Sensibilisierung und Vernetzung der Hamburger Industrie - auf dem Weg in die digital-vernetzte Zukunft.


Industrieller Vordenker an der Alster: Andreas Pfannenberg
Foto: Pfannenberg Group

Diplom-Ingenieur Andreas Pfannenberg sitzt in der 1. Reihe, ist Initiator und Motor der industriellen Vernetzung rund um die Alster. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Industrieholding in Bergedorf und Sprecher der Dialogplattform Industrie 4.0. Was macht Industrie 4.0 aus? Und welche Chancen bieten sich für Hamburger Produzenten auf dem Weg in die Zukunft. Ein Hamburg Digital Report:

"Die Digitalisierung erlaubt, Dinge viel transparenter zu machen und den Kunden zielgerichteter zu analysieren und anzusprechen." Andreas Pfannenberg ist ein offen wirkender Unternehmer. Im Konferenzraum seiner Verwaltung im Industriegebiet von Moorfleet steht er Rede und Antwort. Gut 260 Mitarbeiter arbeiten in Hamburg für den Elektro- und Elektronikspezialisten, rd. 500 Mitarbeiter sind es weltweit in der Firmengruppe. Der Familienunternehmer produziert industrielle Kühlanlagen, Steuerungsanlagen für die Klimatisierung und Signaltechnologie. 


Pfannenberg-Kundenssoftware "PSS" zur Industrieanlagen-Planung
Foto: Pfannenberg Group

Pfannenberg ist Unternehmer in 2. Generation. Der Vater einer 28-jährigen Tochter hat mehr als 35 Jahre Industrieerfahrung. Der studierte Elektrotechniker ist 1987 ins Familienunternehmen eingestiegen. Der Wellingsbütteler ist stolz auf den Industriestandort: mit Kupfer, Aluminium und Stahl, mit Geräten und Maschinen und dem traditionsreichen Schiffs- und Flugzeugbau ist Hamburg der größte Industrieproduktionsstandort der Republik. Dazu kommen neue Kompetenzen, wie der 3D Druck, zunächst mit Metalldruck für Airbus & Co. - mittlerweile auch in Kunststoffen unterwegs. Das Laserzentrum Nord und die Partner im neuen 3D Druck-Netzwerk Hamburg machen's möglich.

Wer schiebt sich zwischen die eigenen Produkte und Kunden?

Industrie 4.0 ist eines der Buzzwords des Jahr: ob Dialogforum, Kompetenzzentrum oder Masterplan - die digital-vernetzte Industrie gilt neben der additiven Fertigung von Kunststoff- und Metallteilen eines der Wachstumsthemen zu sein. "Ich kann nicht verstehen, wenn Unternehmen sich mit der Digitalisierung nicht aktiv beschäftigen", fasst es der stellvertretende Vorsitzende des Industrieverbandes Hamburg zusammen. Es sei keine Zeit zu verlieren, denn die Gefahr ist da: Wer schiebt sich zwischen die eigenen Produkte und Kunden? Globale Plattformen - z. B. in schneller, agressiver Startup-Methodik - erobern immer mehr Bereiche des B2B-Sektors.


Fördern Industrie 4.0 in Hamburg: BWVI, DGB, HK und IVH
Foto: BWVI 

Der Dreh- und Angelpunkt: Wenn eine Plattform reine Leistung statt eines physischen Produkts anbietet, wird der Hersteller zum Lieferanten im Hintergrund - und ist austauschbar. Beispiele, wie Airbnb mit Privatunterkünften und Booking.com mit Hotelzimmern, Uber mit Limousinen und Amazon mit Marktplatzhändlern sprechen eine eigene Sprache. Der (End-)kunde kauft lediglich die Leistung, zusammen mit Kundendienst und Liefergarantien. Wie die Leistung erbracht wird und zu welchem Preis, tritt in den Hintergrund.

Mit veränderten Geschäftsmodellen steht Performance im Mittelpunkt

Andreas Pfannenberg sieht einen eindeutigen Wandel von Verkauf und Dienstleistungen zur Lieferung und Betreuung von Leistungen. Beispiel: Rolls Royce vermietet heute bereits Flugzeugtriebwerke auf Basis von Betriebsstunden. Der Wandel von der reinen Produktion zur Lieferung garantierter Leistung kommt. Und sie setzt industrielle Hersteller unter Druck. Standen bisher die Produktion, Fehlquote und der Absatz im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns nicht nur Hamburger Familienunternehmer, wird's in einer Welt garantierter Leistung knifflig.


Daten stehen im Mittelpunkt in Industrie und Dienstleistung.
Foto: HPA

Plötzlich stehen reale Daten in Echtzeit im Fokus des Interesses, um seinen Job machen zu können. Andreas Pfannenberg, neben Handelskammer und Industrieverband als Vorsitzender des Zentralverbandes der Elektroindustrie in Hamburg und Schleswig-Holstein engagiert, hat genau für die Herausforderung vor 4 Jahren die Dialogplattform Industrie 4.0 gegründet. Grund: Mit veränderten Geschäftsmodellen rund um garantierte Leistungen stehen nicht mehr nur Produkte und Garantien, sondern Performance und Kommunikation im Mittelpunkt des Geschäfts.

"Die Digitalisierung hilft, neue Geschäfte aufzubauen, die nicht möglich waren"

Damit ist weitgehende Transparenz in Fabrikhalle und Geschäftsbetrieb A und O für den Geschäftserfolg. Forschung und Entwicklung, Produktion und Geschäftsführung müssen ganz andere Fragen beantworten: Was muss ich tun, bevor etwas ausfällt? Um das zu wissen ist eine kontinuierliche Erfassung von Produktions- und Betriebsdaten notwendig - und genau das ist jetzt ohne größere Probleme möglich. Denn Daten bieten die Transparenz, mit servicebasierten Geschäftsmodellen nicht Schiffbruch zu erleiden. 


Engagiert für die digital-vernetzte Industrie: Die Handelskammer
Foto: HANSEVALLEY

"Die Digitalisierung hilft, neue Geschäfte aufzubauen, die bislang so nicht möglich waren"; gibt Andreas Pfannenberg im tiefgreifenden Gespräch auf Moorfleet zu Protokoll. In seiner eigenen Firmengruppe investiert er jährlich bis zu 7% weltweit in Forschung und Entwicklung. Und das ist auf Nachfrage ein Millionenbetrag. Zu den Geschäftsmodellen hat er eine logisch aufeinander aufbauende "Produkttreppe" für das künftige Geschäft mit garantierter Leistung zu marktgerechten Konditionen.

"Digitalisierung ist ein Enabler für neue Geschäftsmodelle."

Wurde in der Vergangenheit der Monteur gerufen, wenn die Maschine ausfiel, waren die Kosten durch Produktionsausfall, Reparaturleistung und Ersatzteile hoch. Von der reaktiven Instandsetzung sind wir zu vorausschauender Wartung (Preventive Maintenance) gekommen. Wie bei VW oder Airbus gehen auch Industriemaschinen in regelmäßige Wartung, um Verschleissteile auszutauschen und den Betrieb zu sichern. Dank realer Daten in Echtzeit sind nun vorausschauende Wartung und Pflege (Predictive Maintenance) möglich.


Daten schaffen Transparenz in der vernetzten Industrieproduktion
Foto: nIT Lemgo, Lizenz: CC BY-SA-30

Mit Echtzeit-Daten durch Sensoren und Sender können reale Erfahrungswerte analysiert und zu vorausschauenden Empfehlungen aufgewertet werden. Der Effekt: nicht nur vorausschauende Wartung von Industrieanlagen, sondern auch flexible Wartungsintervalle, wenn sie wirklich nötig ist. Damit erzeugen Hersteller als Betreiber der Maschinen wertvolle Informationen - und die sparen beim Kunden bares Geld. Digitalisierung in der Industrie heißt für den Hamburger Unternehmer Pfannenberg nicht umsonst: Wie erzeuge ich den Pull-Effekt? 

"Was wir lernen müssen, ist übergreifender zu kooperieren."


Bleibt die Frage, welche Rolle Startups spielen in einer Welt Daten und Geschwindigkeit. Andreas Pfannenberg - mit seinem Unternehmen seit 3 Jahren zusammen mit einem strategischen Partner am Hamburger Middleware-Softwarestartup "Cybus" beteiligt - hat einen klaren Blick für das Mögliche: "Die Skalierung im B2B ist wesentlich schwieriger." Zugleich sieht er pfiffige Tech-Startups durchaus als Chance für die Hamburger Wirtschaft. Und ermutigt Startups zugleich: "Die sollen auch ihre eigenen Märkte entwickeln." 

Kundenorientiert, schnell, flexibel: Startups helfen bei Innovationen
Foto: mediaserver.hamburg.de / Timo Sommer + Lee Maas

Wenn sich interessante Perspektiven ergeben, sieht der Familienunternehmer auch in Zukunft die Option, sich selbst zu beteiligen. Als Mentor von Jungunternehmen sieht er Kultur, Arbeitsweisen und die Kommunikation als Chance für traditionelle Firmen. "Was wir lernen müssen, ist übergreifender zu kooperieren." Pfannenberg greift die "Hamburger Bescheidenheit" auf. In kundenzentrierten Märkten spielen Daten und damit verbundene Services die Schlüsselrolle. Sie werden in der eigenen Produktion ebenso erhoben, wie in der Distribution und im Betrieb beim Kunden. Und das bedeutet Kollaboration. 

Hamburger Unternehmen sind nicht besonders gut im verschwinden.

Nachgefasst, wie es mit der Digitalisierung in der Pfannenberg-Gruppe aussieht, ist der Firmenlenker sympathisch direkt: "Das geht nicht von heute auf morgen." Er sieht im eigenen Haus eine offenere Kommunikation, mehr Projektstrukturen und eine übergreifende Zusammenarbeit der IT - im Datenmanagement ebenso, wie im Marketing. Die Herausforderung auf Moorfleet ist ebenso, wie überall der kulturelle Wandel. "Wir haben den Weg bewußt eingeschlagen und wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen. Aber wir denken nicht in Quartalen", fasst Andreas Pfannenberg zusammen.


Die Digitalisierung erfasst alle Bereiche der Hamburger Wirtschaft
Foto: mediaserver.hamburg.de / Doublevision

Auf die Herausforderung anderer Hamburger Familienunternehmer in Industrieverband, Elektroindustrie und Handelskammer, nach gut 800 Jahren Tradition erfolgreich in die digital-vernetzte Zukunft zu kommen, hat Andreas Pfannenberg zwei interessante Perspektiven: 1. "Digitalisierung allein kann ein Unternehmen nicht bewegen". Und 2.: "Wenn sie nicht innovativ sind, verschwinden sie. Ich glaube nicht, dass Hamburger Unternehmen besonders gut im verschwinden sind." Das wollen wir alle hoffen.

 Hamburg Digital Background: 

Nachbericht Dialogplattform 08.02.2018:
hwww.hk24.de/servicemarken/presse/pressemeldungen/pm-08-02-18-industrie40-mittelstand/3978100

Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0:
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/industrieplatz_hamburg/Industrie_4_0/Hamburger_Dialogplattform_Industrie_4_0/1152124

Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Hamburg:
https://kompetenzzentrum-hamburg.digital/

3D Druck-Netzwerk Hamburg:
www.3d-druckhamburg.de/

Branchenüberblick Industrie in Hamburg:
www.hk24.de/produktmarken/branchen-cluster-netzwerke/branchen/industrieplatz_hamburg/branchenueberblick/3162454

Handelskammer-Initiative "Digital Voraus":
www.hk24.de/produktmarken/beratung-service/digitalisierung

Mittwoch, 14. Februar 2018

HANSECHAMPIONS: Schraubst Du noch oder druckst Du schon?

HAMBURG DIGITAL REPORT

Der Hamburger Senat macht ernst: Der Industriestandort Hamburg soll nicht aufgegeben, die industrielle Produktion auf neuestem Stand gefördert werden. Ende 2017 nahm die Wirtschaftsbehörde zusammen mit Gewerkschaftsbund, Handelskammer und Industrieverband die digital-vernetzte Industrie 4.0 und den industriellen 3D-Druck in den Masterplan Industrie auf. Vergangene Woche bestätigte Amtsdirektor Dr. Torsten Seveke: Hamburg wird den Industriestandort weiter fördern. 



Macht mit dem Komptenzzentrum Druck in 3D: Ralf Siebert
Foto: HANSEVALLEY
Am Donnerstag zündet Hamburg die nächste Stufe: Wirtschaftssenator Frank Horch gibt den Startschuss für das neue, durch Hamburger Unternehmen initiierte 3D Druck-Netzwerk. Auf der Tagesordnung stehen die Themenfelder Materialien, Prozessketten, Geschäftsmodelle sowie Finanzierung und Förderung. 150 Gäste erwarten gespannt, ob der Luftfahrt-, Schiff-, Fahrzeug- und Maschinenbau-Standort wie gedruckt in die Zukunft kommt. Ein Hamburg Digital Report:

Wenn Hamburgs "3D Druck-Papst" Prof. Dr.-Ing. Claus Emmelmann am Donnerstag-Früh im Innovation-Campus am Adolphsplatz in seiner Keynote die Bedeutung der Bionik für den additiven Druck präsentiert, ist Innovator Ralf Siebert schon einen Schritt weiter. Der Gründer und Geschäftsführer des "Komptenzcenter Innovation" ist einer von 4 Leitern des künftigen Cluster-Netzwerks, engagiert sich für neue Geschäftsmodelle und sieht den seit 25 Jahren bekannten 3D Druck als alles andere, als eine Revolution.

Additiver Druck aus Hamburg: "Live Cooking in 3D"

Ralf Siebert mit seinem 15 Jahre alten Geschenk.
Foto: HANSEVALLEY
Vor 17 Jahren bekam der frühere Minolta-Außendienstmitarbeiter in Kassel ein 3D-gedrucktes Modell geschenkt: Eine stilisierte DNA, gedruckt als Doppel-Helix. Wert: 800,- €. 

Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit Bürosystemen. Angefangen als Thermofax-Kind, über die bunte Welt der digitalen Farbkopiersysteme ahnte er nie, wie die additive Fertigung von Kunststoffen, Metallen oder Lebensmitteln sein Berufs- und Geschäftsleben verändern werden. Vor 6 Jahren übernimmt er am Heidenkampsweg den Canon-Partner für Kopiergeräte und Drucker "Copynet". Mittlerweile haben mind. 50.000,- € teure 3D-Drucker die Kopierer in die Ecke verwiesen, wie Wirtschaftssenator Frank Horch morgen früh selbst feststellen wird. 

Der gelernte Koch Ralf Siebert nennt es "Live Cooking in 3D". Wenn Hamburgs Wirtschaftssenator im Innovation-Campus über die Zukunft des Industriestandorts sprechen wird, hat er die Bilder vom Morgen aus Hammerbrook im Kopf. Bilder, wie ein für ihn live repariertes Zahnrad, einen 3D-Schädel mit Tatverwerkzeug, der 2013 in Hammerbrook im Auftrag des LKA gedruckt wurde und half, durch haptische Visualisierung verschiedene Szenarien durchzuspielen. half, einen Mord aufzuklären. Bilder, wie die neue, 3D-gedruckte Abdeckung für den Innenspiegel eines 75 Jahre alten Oldtimers, den Siebert - Vater eines 21-jährigen Sohnes - 2014 für den Verlagsgeschaftsführer des Axel Springer Verlags druckte. 

Additiver Druck bei Airbus wie bei Meyle Autoteile

3D-Metalldruck für die maritime Wirtschaft in Hamburg
Foto: Hamburg Transport Consultancy
Ein Thema, mit dem sich auch Hamburgs Ersatzteile-Lieferant Meyle beschäftigt hat. Der Hamburger Spezialist und St. Pauli-Handballsponsor hält in seinem Hamburger Hochregallager rd. 25.000 Ersatzteile vor. Vorstandschef Dr. Karl Gaertner von Wulf Gartner Autoparts ist sich sicher: Wo die Autos repariert werden, werden in Zukunft die Teile gedruckt. Siebert ergänzt: "Meyle hat 3D-Druck und Daten gelernt." 2015 griff Meyle zusammen mit "Auto Bild" das Thema auf, lies zur "Euro Classica" Oldtimer-Ersatzteile nachdrucken. 

"Wir sollten die Technik aktiv nutzen, und als Chance für das Neue sehen", bringt der engagierte 3D-Druck-Experte im HANSEVALLEY-Gespräch vor Ort auf den Punkt. 19 Mitarbeiter beschäftigt der langjährige Kopiergeräte-Spezialist heute in seiner Hamburger Firma, 4,5 Mio. € machte er im vergangenen Jahr Umsatz. Bemerkenswert: rd. 30% seines Geschäfts erwirtschaftet der am Rothenbaum beheimatete Unternehmer heute mit 3D-Aufträgen. Zu seinen Themen gehören das Prototyping in Forschung & Entwicklung, in der Bildungsarbeit der Nordakademie oder Aufträge aus dem Maschinenbau. Dabei spielen z. B. die führenden Drucker des amerikanischen Herstellers "3D Systems" mit bis zu 7 verschiedenen Technologien eine wichtige Rolle, die das langjährige Unternehmen vertreibt.

3D Druck für Prototyping und Kleinserien-Produktion

 Aktuelle Technologie: Hochleistungs-3D Drucker von 3D Systems
Foto: HANSEVALLEY
Heute sind 3D-Drucker längst kein Luxus mehr: für rd. 750,- € bis 2.500,- € monatlicher Leasingrate arbeiten im Showroom unweit des Berliner Tors die neuesten Maschinen im "Kompetenzzentrum Innovation", wie z. B. der "Projet 660" - der schnellste aktuell verfügbare 3D-Farbdrucker auf dem Markt. Auf die besonderen Potenziale angesprochen, sind für den heute 49-jährigen Unternehmer die Themen Prototyping und Kleinserienfertigung von hoher Bedeutung. Dazu gehört die individuelle Fertigung von Fertigprodukten sowie die additive Herstellung von Werkzeugen für die Produktion.

Mussten für die Werkzeugherstellung früher grundsätzlich Metallblöcke mit einem Kostenaufwand von 5.000,- € und mehr gefräst werden, macht es heute eine 3D-gedruckte Kunststoffvorlage für unter 100,- €. Die Metallvorlagen hielten zwar 10.000 "Schüsse" - sprich Produktionsläufe. Bei individuellen Kleinserien oder Einzelteilen ist die Haltbarkeit der Kunststoffvorlagen für 100 "Schüsse" jedoch völlig ausreichend. Womit sich der wirtschaftliche Einsatz bei kleinen Stückzahlen erklärt und zum Vorteil wird.

"Es ist die Technologie, die zu neuen Ergebnissen führt."


Praktische Beispiel für Kunststoffdruck aus Hammerbrook
Foto: HANSEVALLEY
Der 3D Druck ist im Business angekommen: ob Beratung für eine neue 0,5 Liter-Wasserflasche eines Lebensmitteldiscounters", ob in der Forschung und Entwicklung eines Amaturenherstellers oder bei der Fortentwicklung eines Schnellkochgeräts - Ralf Siebert hat sich zu einem gefragten Experten entwickelt, berät Partner bei ihren bundesweiten Projekten und kann einen inhaltlichen Vorsprung von rd. 3 Jahren vermelden - sicherlich nicht zuletzt ein Grund, warum Wirtschaftssenator Frank Horch sich am Donnerstag-Früh durch den Praktiker aufschlauen lässt.

Wenn Architekten wie Modedesigner, Spielzeug- wie Küchengerätehersteller und Airbus wie Lufthansa auf 3D-gedruckte Modelle und Teile setzen, ist es auch für Hamburg Zeit, das Thema ernst zu nehmen. "Mit der Digitalisierung wird sich die Welt in fast allen Bereichen verändern", fasst es Ralf Siebert auf seiner Firmenseite zusammen - und ergänzt: "Wir gehen neue Wege und sind Ansprechpartner als Innovations-Botschafter." Mit fast 30 Jahren Vertriebserfahrung, der Kooperation mit der Einkaufsgenossenschaft Soennecken und einem eigenen Partner-Modell dürfte das eine gute Voraussetzung für den erfolgreichen Aufbau des Themenfeldes "Neue Geschäftsmodelle" im Rahmen des 3D-Druck-Netzwerkes Hamburg sein. 


Wir wünschen ihm viel Glück und Erfolg!




 Hamburg Digital Knowhow: 

  • Druckbare Materialien sind u. a. Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle. So wird geschmolzenes Plastik Schicht für Schicht aufgetragen und härtet anschließend aus.
  • Fertigungstechniken sind heute u. a. das selektive Laserschmelzen, das Elektronenstrahlschmelzen, die Schmelzschichtung, das 3D-Pulverdrucken, die Stereolithographie und das Digital Light Processing für Kunstharze.
  • Der amerikanische Internet-Gigant Google arbeitet an der Produktion von Lebensmitteln aus dem 3D Drucker. Nudeln wurden bereits erfolgreich gedruckt - und sollen sogar geschmeckt haben.
  • Die kalifornische Universität UCLA in Los Angeles hat ein Herzmodell in 3D gedruckt, um eine komplizierte Operation an einem 66-jährigen Patienten vorab zu simulieren. Die anschließende OP war ein voller Erfolg.
  • Am Wake Forest Institute in North Carolina werden im 3D Drucker durch Kartuschen mit verschiedenen Zellen menschliche Organe gedruckt, angereichert u. a. um Proteine, um das Wachstum zu ermöglichen.
  • Speditionen, Containerdienste und Terminals werden in Zukunft weniger Fertigprodukte von Asien nach Europa transportieren und umschlagen, da Produkte und Ersatzteile vor Ort gedruckt werden können.

 Hamburg Digital Background: 



3D-Druck im Kompetenzcenter Innovation:

Frauhofer-Zentrum IAPT (Laser Zentrum Nord):


Handelsblatt: Marktbeurteilung 3D Druck:
www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/grosse-wachstumschancen-3d-druck-steht-vor-dem-durchbruch/20907682.html

3D-Netzwerk der Wirtschaftsförderung Solingen:
www.3dnetzwerk.com/


Oldtimer-Ersatzteile mit Meyle HD-Manier:

3D Drucker-Produzent 3D Systems:

Mittwoch, 8. November 2017

HANSEAEROSPACE: Von Flugbooten zur Zukunft der zivilen Luftfahrt - Made in Finkenwerder.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Freitag-Vormittag ist es soweit: Dann eröffnen auf Finkenwerder zwei neue Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt - DLR - ihre Pforten. Hamburg ist der drittgrößte Standort für zivile Luftfahrt weltweit. Unsere Stadt spielt global in einer Liga mit Seattle und Toulouse. Dank Airbus, Lufthansa Technik, Hamburg Airport und rd. 300 Zulieferern ist die Hansestadt und die Metropolregion Zuhause von mehr als 40.000 qualifizierten Arbeitsplätzen in der Aerospace-Industrie, mehr als 12.500 allein bei Airbus, 7.500 bei Lufthansa. 


ZAL Techcenter auf Finkenwerder.
Foto: HANSEVALLEY
Damit das so bleibt, sind Forschung und Entwicklung ein zentraler Schlüssel für die Zukunft des Aviation-Clusters. Das ZAL ist Think Tank und Motor der Innovationen für die Luftfahrt an Alster und Elbe. Das im vergangenen Jahr eröffnete Zentrum ist eine erfolgreiche Public-Private-Partnership aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Die Integration und die weitere Industrialisierung der Luftfahrt sind die Leitthemen. Was das ZAL besonders macht und wie das Erfolgsrezept des futuristischen Tech-Centers konkret aussieht - ein Hamburg Digital Report.


Dieser Sommer war für das ZAL und den Luftfahrtstandort Hamburg ein ganz besonderer: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verkündete, mit 2 neuen Instituten in die Hansestadt zu kommen, bringt 200 zusätzliche Arbeitsplätze ans ZAL. Im Mittelpunkt: Zukunftstechnologien, wie 3D-Druck und Industrie 4.0. Die Hansestadt wird zugleich Sitzland des DLR und bekommt damit eine eigene Stimme im führenden Forschungsverbund für Luft- und Raumfahrt. Mit dem Engagement von Bund und Senat rückt Finkenwerder weiter in den Fokus der Forschung.

"Es gab keine Blaupause" bringt Geschäftsführer Roland Gerhards den Aufbau des ZAL auf den Punkt. Das Tech-Center sind zwei überdimensionale Hallen und ein Bürotrakt mit Auditorium, Besprechungs- und Kreativräumen sowie der futuristischen Fassade in der Mitte. Auf 26.000 qm können bis zu 600 Forscher arbeiten. 30 Partner - von Herstellern über Hochschulen bis zu Instituten - haben z. Zt. 90% der Flächen gemietet. Das ZAL ist weltweit bekannt, vergleichbar der US-City Kansas mit ihrer Luftfahrtforschung. Der USP auf Finkenwerder ist die praxisnahe Forschung und Entwicklung mit den Testhallen.

"Silicon Valley der Luftfahrt aka Luftfahrt-Spielwiese"


Akustik-Lab im ZAL Tech-Center.
Foto: ZAL
Im Erdgeschoss: eine aufgeschnitte Flugzeugkabine - eine Präsentation des "Airbus-Protospace" mit "Rimowa" für das Projekt "Bag2Go". Nur ein Projekt des Kreativlabs von Airbus hinterm Deich. Daneben: ein abgeschirmter Bereich. Hier werden elektrische Klimaanlagentests durchgeführt. Eine Tür weiter: das futuristische "Acoustic Flight Lab". Die 140 dB starken Lautsprecher ermöglichen Praxistests für eine leise Kabine des A320. Beim Gang durch das Forschungszentrum kommen wir am VR-Lab vorbei. Hier wird an Produktionsprozessen u. a. für das Airbus-Werk geforscht - und das mit bis zu 30 Nutzern gleichzeitig. Investitionen in das VR-Lab: allein 800.000,- €.

In der 2. Testhalle wird es noch spannender: eine A320-Kabine mit Frachtraum im Maßstab 1:1 dient Cabin- & Cargo-Tests, eines von insgesamt 6 Test-Rigs der ZAL-Fachbereiche. Ein Schlüsselfrage hier in der Forschung: Kann man die Bordküche (Galley) im Cargo-Bereich unterbringen? Ein Lastenkran in der 22 Meter hohen Halle verrückt bis zu 5 Tonnen schwere Bauteile. So wird aus einer A320-Kabine wahlweise ein A380-Oberdeck. Die Kabinenausstattung ist einer der besonderen Forschungsschwerpunkte am zivilen Luftfahrtstandort Hamburg.

"Luftfahrt ist in klassischer Weise nicht First Mover."


Hochmodernes VR-Lab für kollaborative Entwicklung.
Foto: ZAL
Neben Klima-, Akustik- und Ausstattungsthemen steht die industrielle Produktion mit Unterstützung der Robotik auf dem Plan der Forscher. So entwickelt die Helmut-Schmidt-Universität am ZAL ein Exos-Skelett zum Heben schwerer Elemente in der Fertigung, z. B. von Gepäckfächern in der Montage. Lufthansa-Technik investiert auf Finkenwerder seinerseits in die Entwicklung der 3D-Technik, z. B. zum Druck von Ersatzteilen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die vernetzte Industrie 4.0 für die Produktion von Flugzeugen im 2,5 km entfernten Flugzeug-Werk.

Insgesamt hat das rd. 95 Mio. € teure ZAL sechs Forschungsschwerpunkte. Die "Technical Domains" sind "Fuel Cell Lab", "Cabin Innovation & Technology", "Air & Power Systems", "Aerospace Production & "Fuselage Engineering", "Acoustics & Vibration" sowie "General Processes & Support Topics". Damit deckt es die wesentlichen Aerospace-Themen in Hamburg ab. Dies geschieht durch Vermietung von Labor- und Hallenflächen, die Implementierung von Forschungs-Infrastrukturen, die Vermarktung des Luftfahrt-Forschungsstandortes mit Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Bereitstellung von Dienstleistungen für die Forschung. Das Engagement wird von einem rd. 40-köpfigen Team geleitet.

"Weil man an vorderster Front neueste Technologien entwickeln kann."


ZAL-Testhalle auf Finkenwerder
Foto: ZAL
Mehr als 450 Veranstaltungen brachten in 1,5 Jahren Partner aus Industrie, Mittelstand und Forschung auf Finkenwerder zusammen. Denn: Eine Besonderheit des Tech-Centers ist die direkte Kooperation, z. B. beim Thema Kabinenausstattung. So steht in der Testhalle ein Mockup von Lufthansa Technik direkt neben einem A320-Mockup von Airbus. Entscheidend ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit auf neutraler Basis. So können gemeinsame Innovationen entwickelt werden. "Es braucht einen Ort, an dem man sich vertraut", fasst Roland Gerhards die Intension zusammen, der selbst 15 Jahre bei Airbus u. a. in der Kabinenentwicklung arbeitete.

Das ZAL integriert die Bereiche Grundlagenforschung der Hochschulen, die Großforschung des DLR, die Zulieferindustrie der Region und die Großindustrie, wie Airbus und Lufthansa Technik. Damit ist das Zentrum ähnlich aufgestellt, wie die Zukunftsfabrik "Arena 2036" mit ihrer Forschungshalle für die Automobilindustrie in Stuttgart. Ein wichtiger Punkt im ZAL ist die Förderung der 300 zumeist kleinen und mittelständischen Zulieferer. Sie sind mit dem ZAL-Förderverein ebenso in Finkenwerder mit von der Partie. 

Dreh- und Angelpunkt sind die zahlreichen Veranstaltungen zur Vernetzung. Dazu kommt das neue Drohnennetzwerk "Windrove". Dieses Thema ist für Hamburg mehr als spannend, denkt man z. B. an die Luftmessung von Handelsschiffen, die Überwachung von Kaimauern oder den Transport von Blutkonserven und Medikamenten in einer Millionenstadt. Kein Wunder, dass die Netzwerkidee bei Roland Gerhards entstanden ist. "Als Ingenieur müssen Sie immer ein bisschen Spielkind sein", fasst der 49-jährige Luftfahrtingenieur das zukunftsweisende Engagement des Luftfahrt-Zentrums zusammen.


 Hamburg Digital Background: 

Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung - ZAL
www.zal.aero

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt - Hamburg

www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10257

Airbus Innovations
http://airbus-xo.com/about-us/

Lufthansa Technik Innovation

www.lufthansa-technik.com/de/innovation#wbx-accordion-collapse-1520539

Flughafen Hamburg Innovation

www.hamburg-airport.de/de/hamburg_zentrum_fuer_forschungsprojekte.php

Branchen-Verband "Hanse Aerospace" 
www.hanse-aerospace.net/

Branchen-Netzwerk "Hamburg Aviation"
www.hamburg-aviation.de

Hamburger Drohnennetzwerk - "WiNDRoVe"
www.zal.aero/aktuelles/article/326/

Aircraft Interiours Expo - Hamburg Messe
www.aircraftinteriorsexpo.com