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Donnerstag, 2. April 2020

#CoronaSoforthilfeHH: Was haben Sie an “sofort” nicht verstanden, Herr Senator?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT
von Landeskorrespondent Gerd Kotoll

Verantwortlicher Finanzsenator Andreas Dressel in Erklärungsnot.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Er feiert sich mit roten und grünen Parteifreunden, Senatspersonal, Kostgängern und Subventionsrittern auf Facebook selber: Finanzsenator Andreas Dressel in seinem Social Media Stream: “Haben sich die vielen Telefonkonferenzen doch gelohnt *smile*”. Der SPD-Landespolitiker mit Seitenhieb gegen die Bremer Soforthilfe zum Ausdrucken und getrennten Anträgen: “Soforthilfe Bund & Land digital & aus einer Hand *grünes Häckchen”. 

Dabei hat der Hamburger Lokalpolitiker nur gut 24 Stunden zuvor Freiberuflern, Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmern mit einer peinlichen Selbstoffenbarung und einer dreisten Zumutung für die viel gepriesene “Hamburg Corona-Soforthilfe” mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Landeskorrespondent Gerd Kotoll mit Fakten und Fragen zur neuesten “Hamburg-Alles im Blick-Peinlichkeit” aus dem Rathaus:

Vergangenen Freitag-Nachmittag, auf der Landespressekonferenz mit Corona-Folgen-bekämpfenden Vertretern des Senats erklärt Hamburgs Erster Kassenwart Andreas Dressel das geplante Prozedere zum Online-Antrag für die “Hamburg Corona-Soforthilfe” über die Website der Investitions- und Förderbank in Hamburg. Start: Montag-Morgen. Mit an Bord: “externe Server”. Da konnte man eigentlich schon ahnen, das was kommen wird …

Die artigen Fragen der per Videokonferenz zugeschalteten Journalisten konnte das Dreigestirn Tschentscher, Prüfer-Storcks und Dressel noch nicht aus der Fassung bringen. Bis die letzte Frage kam, von unserem Chefredakteur Thomas Keup, isoliert und doch einsatzbereit in seinem Berliner Home-Office. Von dort fragte er brav per Mail, wie Hamburg denn technisch aufgestellt sei - im Fall von mehr als 130.000 Hilfesuchenden in Berlin in nur 5 Stunden.

Hintergrund: Die seit Freitag-Mittag in Berlin freigeschaltete Online-Lösung der dortigen Förderbank IBB für die “Hauptstadt Corona-Soforthilfe” wies nach 5 Stunden 139.000 Wartenummern aus - bei bereits abgearbeiteten 7.000 hilfesuchenden Freiberuflern, Solo-Selbständigen und Kleinunternehmern und einer Bearbeitungszeit von rd. 10 Minuten - macht einen stündlichen Antragsdurchsatz des Berliner Portals von 6.000 Datensätzen.

Senat mit live übertragener Schnappatmung

Landespressekonferenz aka Hamburg Märchenstunde.
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Da war es mit der gemütlichen Plauderstunde der Landespressekonferenz mit dem Ersten Kassenwart und seinem Ersten Senatspräses vorbei, denn mit solchen Zahlen (mehr als 130.000 Hilfesuchende in wenigen Stunden) hatte man offenbar nicht auf einmal gerechnet. Nach der Schnappatmung der IBB-Server in der Millionenmetropole im Osten schnappten nun die Senatsmitglieder im Norden nach Luft für ihre mehr oder weniger überzeugenden, sich leider doch nur im Kreis drehenden Antworten. Thomas Keup schrieb brav mit.


So werde auch über das Wochenende fieberhaft geprobt und getestet, dass am Montag die Freischaltung des Antrags sichergestellt werden könne. Im Nebensatz erwähnte SPD-Finanzchef Dressel den Einsatz von “externen Servern”. Was er gegenüber der versammelten Hamburger Journaille lieber nicht verriet: Senat, Finanz- und Wirtschaftsbehörde, Förderbank und IT-Dienstleister überließen den kompletten Online-Antrag … SAP. Genau, die mit der leicht nutzbaren ERP-Lösung … Und das verhieß nichts Gutes.

“Gehen Sie weiter! Es gibt nichts zu sehen!”

Am Montag passierte dann zunächst … wir schauen noch mal nach … Moment ... genau: nichts. Nicht um 9.12 Uhr, nicht um 12.37 Uhr, nicht um 15.08 Uhr, nicht mal zum Feierabend um 18.55 Uhr. Entsprechend zerknirscht kam um 18.57 Uhr eine Pressemeldung aus der Senatskanzlei, dass leider leider .... wir schauen noch mal genau hin … genau .. leider eine Verzögerung eingetreten sei. Aber man müsse sich keine Sorgen machen, Geld sei genug da. Und: man könne ja bis Ende Mai d. J. die Anträge stellen. Richtig gelesen!

Dies verteidigt die zuständige Sprecherin der beteiligten Wirtschaftsbehörde, durch deren Hände die peinliche Pressemeldung ebenfalls ging, auch 2 Tage nach der Unmöglichkeit. Mehr noch: Die bekannte PR-Frau zeigt auf dem Facebook-Account von Senator Andreas Dressel lieber mit nacktem Finger auf die Berliner Datenpanne mit insgesamt 390 fehlgeleiteten Antragsbestätigungen - bei 6.000 verarbeiteten Anträgen pro Stunde. Susanne Meinicke: “So sieht das dann aus, wenn Schnelligkeit vor Gründlichkeit geht.” So, so, Hamburger Gründlichkeit ...

Genug Geld, genug Zeit - kein Grund zur Eile.

Bemerkenswert: Dass genug Geld da sei, hörte man ja bisher eher selten in Politiker-Statements. Eigentlich heißt es ja sonst immer, dass eben nicht genug Geld da sei. Aber in Zeiten der Krise wollen wir das mal nicht kommentieren. Gleichwohl, der klitzekleine Hinweis sei erlaubt: Berlin hat bereits am Montag gemeldet, dass die veranschlagten 100 Mio. € nicht ausreichen würden und man bei mittlerweile rd. 300 Mio. € Antragsvolumen sei. Und sich darum kümmere.

Und auch wenn es ab 23.57 Uhr mit den Anträgen der “Hamburg Corona-Soforthilfe” - trendig “HCS” abgekürzt (dürfte demnächst wie Dressels #CoronaSoforthilfeHH auch als Hashtag die sozialen Medien erobern) - funktionierte: eine Soforthilfe, Herr Senator, soll sofort helfen. Sofort. Und nicht erst Ende Mai. Denn im Mai wird es viele Selbständige und Kleinunternehmen schlicht nicht mehr geben, wenn diese nicht sofort Hilfe bekommen. Sofort.

Peinliche Bankrott-Erklärung der Senatoren Dressel und Westhagemann.
Screenshot: HANSEVALLEY

Das gilt für den Barmbeker Hausmeister-Service ebenso, wie für die kleinen Friseursalons in Harburg, Wandsbek und Ottensen, bei denen der mühsam ersparte und gegen alle Widerstände hart erarbeitete Traum der Selbständigkeit nun zu platzen droht - weil diese mutigen Unternehmerinnen und Unternehmer aus Sicht der “die ganze Stadt im Blick”-habenden SPD-Senatsbehörde nicht geduldig genug sind. Zitat Senator Andreas Dressel, Landespressekonferenz, Freitag, 27.03.2020, 18.28 Uhr: “Aber ein bisschen Geduld und Verständnis glaube ich wäre jetzt in der Startphase etwas, das für alle Beteiligten wichtig ist."

Was für eine Haltung, was für eine Denke ist das?

Was ist das für eine Haltung, auf Geduld zu verweisen? Während Niedersachsen oder Schleswig-Holstein bereits ausgezahlt haben, um nicht nur mit dem bösen Osten und dem reichen Süden zu “stänkern”. Was ist das für eine Denke, das angesichts der drohenden Pleite unzähliger kleiner Boutiquen, Läden und Gastronomiebetriebe, als “erste hilfreiche” Maßnahmen Steuerstundungen und -herabsetzungen der Vorauszahlungen anzubieten? Herabgesetzt wurden hier nur die selbständigen Steuerzahler.

Facebook-Post hilfesuchender Solo-Selbständiger in Hamburger.
Screenshot: HANSEVALLEY
Dass Hamburg einmal mehr technisch hinter anderen Ländern her hinkt, ist schon schwer zu akzeptieren - überrascht aber auch nur die, die den offiziellen Verlautbarungen des Senats zum technischen Fortschritt der Stadt immer geglaubt haben (vgl. “Digital First”, vgl. “Mobile First”, vgl. “Digitale Stadt” und so weiter und so weiter). Jetzt zeigt sich, dass die Stadt bei Weitem nicht so toll aufgestellt ist, wie in den politischen Sonntagsreden gern behauptet wird. Und das ist keine Einbildung einer kleinen Ansammlung besserwissender Tech-Journalisten.

Dass Sie Herr Senator sich hinstellen und auf Zeit spielen, ist einfach nur eines: unverantwortlich. Dass Sie damit der Hamburger Geschichte und Tradition als Hansestadt ehrbarer Kaufleute nicht gerecht werden: geschenkt (man sollte sich angesichts einer gefälschten Hafengründungsurkunde vielleicht auch nicht soviel auf seine Traditionen einbilden). Dass Sie damit die Sorgen und Nöte hart arbeitender, selbständiger Menschen in der Stadt nicht ernst (genug) nehmen, macht fassungslos.

*   *    *

 Hamburg Digital Background: 


HANSEVALLEY: Gastbeitrag "Wie Hamburgs Wirtschaft aus der Panik zu digitalen Perspektiven kommt."

HANSESTATEMENT: "Die Zögerlichen": Wie Hamburg den Vorsprung gegen das Corona-Virus verspielt.
hv.hansevalley.de/2020/03/hansestatement-zoegerlich-hamburg-senat.html

HANSEVALLEY: Fachbeitrag "Wie Hamburg aus dem Corona-Trauma kommt":
hv.hansevalley.de/2020/03/hansespecial-wie-hamburg-aus-dem-corona.html 

Donnerstag, 18. April 2019

HANSEPERSONALITY Tobias Lücke: Als Metropole sollten wir Vorreiter sein.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Tobias Lücke, Leiter Digitaler Vertrieb der Haspa und GF Haspa Next
Foto: Haspa

Über Ostern stellt die Hamburger Sparkasse ihre IT-Landschaft auf die bundesweit einheitliche Software-Welt der Finanz-IT um. An diesem Wochenende können Kunden der Haspa mit ihrer Girocard nur eingeschränkt in Geschäften und im Internet einkaufen gehen und Geld abheben. Ab Dienstag will die Haspa mit "OS Plus" und den bundesweiten Services der Sparkassen ihre Digitalisierung noch stärker forcieren.

HANSEVALLEY begleitet seit 2017 die digitalen Aktivitäten der größten deutschen Sparkasse - von "Haspa Next" inkl. "Heute in Hamburg" über die Plattformen "Aino" und "Kiekmo" bis zu den neuen Nachbarschaftsfilialen an Alster und Elbe. Digital-Manager Tobias Lücke ist unser HANSEPERSONALITY mit Insides zur großen IT-Umstellung bei der Hamburger Sparkasse:

Lieber Tobias Lücke: Ihre Website zur Umstellung der Sparkassen-Software heißt "Haspa Digitale Zukunft". Ist diese Botschaft im Zusammenhang mit der Umstellung einer zentralen Bankensoftware nicht ein wenig hoch gegriffen? Schließlich ist die Haspa eine klassische Bank mit nach wie vor rd. 130 Filialen. In wiefern hat der Umstieg etwas mit Ihrer digitalen Zukunft zu tun?


Unser Anspruch ist es, die persönlichste Multikanalbank in Hamburg zu werden, unseren Kunden also das Beste aus beiden Welten zu bieten. Deshalb treibt die Haspa auch das mit 200 Mio. Euro größte Investitionsprogramm in ihrer Geschichte in die Nachbarschaftsfilialen, Digitalisierung und IT weiter voran. 

Aber natürlich sind wir mit der Umstellung nicht fertig. Vielmehr bündeln wir die Kraft im Sparkassen-Verbund. Allein über die Finanz Informatik investieren die Sparkassen pro Jahr 300 Mio. Euro in innovative Services und den Ausbau digitaler Angebote. Davon profitieren dann natürlich unsere Privat- und Firmenkunden zukünftig unmittelbar.

An diesem Wochenende stellen Sie die Konten von 1,6 Mio. Kunden um, tauschen Ihr Online-Banking gegen das bundesweit einheitliche Sparkassen-Banking aus und lösen Ihre bisherige SAP-Bankensoftware gegen die Sparkassen-IT "OS Plus" ab. Wie umfangreich ist solch eine zentrale Software-Ablösung bei 500 Mio. Daten, die 560 Mitarbeiter migrieren?

Sehr umfangreich. Deshalb haben wir uns auf die Umstellung auch äußerst intensiv vorbereitet. Die Entscheidung zum Wechsel erfolgte nach umfassenden Analysen bereits im November 2016. Im Vorfeld haben wir bereits ausführliche Tests durchgeführt und im Rahmen von use labs und Marktforschung Kunden befragt. 

Zudem haben wir mehrfach unter realen Bedingungen die Umstellung auf die neuen Systeme erprobt und unsere Mitarbeiter intensiv geschult. Zusammen mit der Finanz Informatik arbeiten in der Spitze bis zu 1.000 Mitarbeiter daran, dass die Umstellung gut klappt. Und das in 40 Teilprojekten – vom Zahlungsverkehr bis zur Kundenkommunikation.


Tobias Lücke bei Vorstellung der Haspa-App-Entwicklung
Foto: HANSEVALLEY

Die 5.000 Mitarbeiter der Haspa arbeiten seit 2011 mit der SAP-Bankensoftware - u. a. 
in den rd. 130 Filialen. Warum hat ihr Vorstand im November 2016 die Entscheidung getroffen, mit einem Aufwand von 145 Mio. € auf die in der Sparkassen-Welt durchaus diskutierte Kernbank-Software "OS Plus" zu wechseln? Hätten Sie nicht weiter mit SAP gut arbeiten können?

SAP hat uns eine hohe Flexibilität, Freiheit in der Produkt- und Prozessgestaltung sowie eine hohe Umsetzungsgeschwindigkeit geboten. Das konnte die Finanz Informatik damals für uns so noch nicht leisten. Seitdem hat sich aber viel verändert. Acht Jahre sind vor dem Hintergrund der beschleunigten Entwicklungszyklen in der Informationstechnologie eine sehr lange Zeit. 

Heute bietet die FinanzIT eine auf einer modernen Architektur basierende, zukunftsfähige Gesamtbanklösung. Prozesse können inzwischen stärker digitalisiert werden und die Multikanalfähigkeit wurde stark ausgebaut. Wir können Lösungen übernehmen und müssen diese nicht selbst entwickeln. Das gibt uns die Möglichkeit, Kosten mit anderen Sparkassen zu teilen. Eigene Ressourcen können wir stärker für die Entwicklung zusätzlicher Angebote einsetzen, zum Nutzen unserer Kunden. 

Andere Banken werben mit kostenlosen Girokonten (Commerzbank), Apple Pay-Nutzung (Deutsche Bank) oder RFID-Bezahlband beim HSV-Stadionbesuch (Comdirekt). Mit welchen Services kann die Hamburger Sparkasse bestehende und neue Kunden begeistern, nicht zu einer Online- oder Mobile Bank zu wechseln, wie N26 & Co.?

Wir bieten unseren Kunden das umfassendste Gesamtangebot mit einer konkurrenzlosen Infrastruktur aus Filialen und Geldautomaten, individuellen Beratungsleistungen sowie Online- und Mobile-Services. Dazu kommt ein breites Leistungsspektrum außerhalb des klassischen Bankgeschäfts: Wir vernetzen die Menschen z.B. über unsere Nachbarschaftsfilialen, verfügen über das erfolgreiche HaspaJoker-Programm sowie Hamburg- und Freizeit-Communities. 

Im März 2017 haben Sie das Redaktionsteam von "Heute in Hamburg" für die "Aino"-App ins Digital-Lab "Haspa Next" geholt, Anfang vergangenen Jahres war der "Kiekmo"-Schließfachservice im Testlauf. Butter bei die Fische: Wie haben sich Ihre noch jungen App-Plattformen entwickelt? Welche Angebote werden besonders gern genutzt - und was dürfen wir in der Zukunft erwarten?

Beide Angebote liegen voll im Plan und gehören zu den reichweitenstärksten Regional-Apps Deutschlands. AINO hat sich inhaltlich breiter aufgestellt und bedient neben Freizeit-Tipps auch Ratgeber- und Karrierethemen. Kiekmo deckt mittlerweile ganz Hamburg ab, öffnet seine Gratis-Schließfächer verstärkt für Drittanbieter wie Frischepost und intensiviert seine Aktivitäten rund um das Thema Nachbarschaft.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Die Haspa engagiert sich u. a. mit dem Startup-Center und dem Gründerpreis für Jungunternehmen in Hamburg. Als Direktor Digital Services setzen Sie mit den digitalen Plattformen Aino und Kiekmo neue Akzente. Hand aufs Herz: Wo läuft die Digitalisierung in Hamburg aus Ihrer Sicht bereits sehr erfolgreich und wo wünschen Sie sich etwas mehr Schwung?

In Sachen Digitalisierung liegt Hamburg im guten Mittelfeld. Als Metropole sollten wir aber Vorreiter sein. Insgesamt kann man festhalten, dass an allen Themen mit Hochdruck gearbeitet wird und es immer wieder gelingt, nationale Akzente zu setzen, zum Beispiel im Bereich Smart Port, VR oder 3D-Druck. Beim öffentlichen W-LAN müssen noch Lücken geschlossen werden. Die Haspa-Filialen werden schon bald flächendeckend ihren Teil dazu beitragen.


*  *  *

Vielen Dank für die aktuellen Infos!
Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 

HANSERANKING: Das sind die digitalen Banken Hamburgs 2018
https://hv.hansevalley.de/2018/10/hanseranking-hamburgs-digitale-banken-gewinner.html

HANSEBANKING: Osterstraße 4.0 - eine Bank für Menschen, und ihr Geld.
http://hv.hansevalley.de/2018/02/hansebanking-haspa-filiale40.html


HANSECITYLIFE: Haspa-Schließfächer für reisende Journalisten: Kiekmo - dat geiht!
http://hv.hansevalley.de/2018/01/hansecitylife-kiekmo-schliefacher.html

HANSETECHTEST: Der Sparkasse neue Kleider: die YOMO-App.
http://hv.hansevalley.de/2017/12/hansetechtest-yomo-haspa.html


HANSEFUTURE: AINO - ein "WeChat"-Bot, der Hamburg kann.
http://hv.hansevalley.de/2017/06/hansefuture-aino-app.html


HANSEPERSONALITY Dr. Harald Vogelsang: 
Digitale Agenda, Investitionen und Bildungsoffensive für Hamburg 4.0
http://hv.hansevalley.de/2017/03/hanspersonality-dr-harald-vogelsang.html


HANSESTARTUPS: "Next" Chance für "Heute in Hamburg".
http://hv.hansevalley.de/2017/03/hansestartups-haspa-heuteinhamburg.html

Sonntag, 4. Juni 2017

HANSEPERSONLITY: Die Digitalisierungsexperten der Logistikuniversität.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg ist die führende Logistikmetropole Nordeuropas. 320.000 Menschen arbeiten in der Logistikregion. Player, wie DAKOSY, HHLA und HPA treiben die Digitalisierung in Hafen und Logistik voran. Neben Spediteuren, Reedereien, Terminals und IT-Dienstleistern sind Hochschulen für die Ausbildung künftiger Logistiker und Manager ein wichtiger Schlüssel für den Logistikstandort Hamburg. 


Die Kühne Logistik Universität in der Hafencity ist die Hamburger Universität für internationale Logistik und logistiknahe Branchen - und laut aktuellem Ranking eine der besten Hochschulen Norddeutschlands. Hier wird der Führungsnachwuchs für die digital-vernetzte Logistik ausgebildet. Anfang April d. J. lud die Kühne Logistik Universität 40 Bachelor-Studenten zum Bootcamp "Digitalization in Logistics" nach Hamburg ein. 

Zusammen mit Partnern, wie DPD, Lufthansa Technik sowie Kühne+Nagel erarbeiteten künftige Business-Absolventen neue digitale Wege zu Prozessoptimierung und Datenanalyse - begleitet von Professoren aus Computer Science, Data Sciences und Supply Chain Management. Heute im HANSEPERSONALITY-Interview - Prof. Dr. André Ludwig und Prof. Dr. Dimka Karastoyanova:


Prof. Dr. André Ludwig
Associate Professor of Computer Science in Logistics
Foto: KLU
Immer mehr Berufe erfordern für Geschäftsprozesse und Betriebsführung weitgehende IT-Kenntnisse. Mit der digitalen Vernetzung aller Geschäftsbereiche z. B. in der Logistik steigen die Anforderungen weiter. Wie wichtig ist die Vermittlung und die praktische Anwendung digitalen Grundwissens in Ihren Studiengängen?

Prof. Ludwig: Die Digitalisierung führt zu neuen Anforderungen an die Berufsbilder in der Logistik. Digitale Kompetenz von Mitarbeiter ist heute so wichtig wie Fach- und Sozialkompetenz. Aus diesem Grund ist die Vermittlung von IT-Kenntnissen z. B. in unserem Masterstudiengang Global Logistics and Supply Chain Management ein Pflichtfach. Wichtig ist dabei, sowohl theoretisches Grundwissen über IT-Strategien, -Prozesse und Technologien, als auch praktisches Anwendungswissen durch Fallstudienarbeit, Exkursionen und Gastbeiträge zu vermitteln.

Sie haben ein SAP-Laboratorium an der KLU. Was können die Studierenden dort ganz praktisch kennenlernen und ausprobieren? Und welche Vorteile bringt die Verzahnung Ihrer Lehre mit den Möglichkeiten eines führenden Softwareherstellers für die künftigen Herausforderungen des Logistiknachwuches?


Prof. Ludwig: Unser SAP-Laboratorium ist ein Seminar, bei dem Studierende ein führendes ERP-System näher kennenlernen können. Studierende schlüpfen im SAP-Laboratorium virtuell in die Rolle von Mitarbeitern eines Produktionsunternehmens und organisieren über die Software von SAP selbständig Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsprozesse. Daneben geben Gastredner Einblicke, wie die Software in der Praxis eingesetzt wird, wie sie zur Integration in der Supply Chain genutzt wird, aber auch welche Herausforderungen mit dem Einsatz verbunden sind.

SAP-Kenntnisse werden von vielen Logistikunternehmen bei Absolventen heute vorausgesetzt. Darauf möchten wir unsere Studierenden bestmöglich vorbereiten. Gleichwohl können die vermittelten Kenntnisse auch auf andere ERP-Systeme übertragen werden.

Ein Schlüssel des Erfolgs in der digital-vernetzten Logistik ist die Erhebung, Auswertung und Beurteilung von Daten. Sie bieten heute einen Kurs "Data Scientist" für Ihre Master-Studenten an und planen einen eigenen Studiengang. Welche Fähigkeiten benötigen künftige Führungskräfte im Kontext "Data Analytics"?

Prof. Dr. Dimka Karastoyanova
Associate Professor of Data Science and Business Intelligence
Foto: KLU
Prof. Karastoyanova: In unserem Kurs Data Science lernen die Studenten alle Phasen des Lebenszyklus´ von Data Science kennen und die entsprechenden Unternehmensrollen, die an jeder Phase beteiligt sind. Damit wird klar, dass es bei Data Analytics nicht nur um Datenverarbeitung und -auswertung geht, sondern auch um das Verstehen der verfügbaren Daten und die Erstellung der am besten passenden Modelle auf Basis dieser Daten für ein konkretes Geschäftsproblem oder Fragestellung.

Somit erfordert Data Science nicht nur IT-Kenntnisse und Beherrschung der datenanalytischen Methoden, sondern auch Fachkenntnisse. Das ist eine komplett neue Denkweise (auch data analytic thinking genannt), die auf Interdisziplinarität beruht und die geschäftlichen Fragestellungen im Vordergrund hat.

Neben der Lehre beschäftigen Sie sich auch in der Forschung mit der Datenanalyse. In welchen Themen konnten Sie mit den Unternehmen erfolgreich forschen?

Prof. Karastoyanova: Ein Forschungsschwerpunkt ist die Verbesserung von Geschäftsprozessen auf Basis der Erkenntnisse der Datenanalyse. Im Logistikbereich hat dieser Schwerpunkt zwei Aspekte: einerseits sollen die Prozesse erfasst und automatisiert werden, andererseits müssen die verfügbaren Daten dafür angewendet werden, um diese Prozesse im Bezug auf konkreten Leistungskennzahlen (KPIs) zu steuern bzw. zu verbessern. Zwei Herausforderungen sind in dieser Forschung gerade aktuell: die Erfassung und Analyse von IoT-Daten, sprich Daten, die von Sensoren, RFID-Tags, Geräten usw. produziert werden und die Anpassbarkeit der digitalisierten Geschäftsprozesse.

Sie haben mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriuns ein Projekt für die Kombination von stationärem, mobilem und elektronischen Handel zu Omnichannel-Einkaufserlebnissen gestartet. Mit dabei sind u. a. Checkmobile und Tchibo aus Hamburg. Wie können wir uns "Smart Shopping Services" in Zukunft vorstellen?

Prof. Ludwig: Der Handel verändert sich aktuell grundlegend. Nach einigen Jahren des Konkurrenzdenkens zwischen Online- und Offline-Handel wachsen die verschiedenen Handelskanäle aktuell zu kanalübergreifenden Einkaufslösungen zusammen, bei denen die sogen. Customer Experience im Mittelpunkt steht. Künftig wird nicht mehr nur das Produktangebot, sondern der angenehmste Liefer-, Bezahl- oder Beratungsservice die Kaufentscheidung des Kunden bestimmen.

Mit dem auf 3 Jahre angelegten und von der KLU geleiteten Projekt "SURTRADE" arbeiten wir mit unseren Forschungspartnern an einer Cloud-Integrationsplattform für den Einzelhandel. Dabei schauen uns auch an, wie sich neueste Technologien wie Augmented Reality-Brillen oder moderne Zustelldienste wie Micro-Depots auf der letzten Meile einbinden lassen. Schließlich werden wir auch untersuchen, wie das Einkaufszentrum der Zukunft aussehen wird und die Handelslagen in unseren Innenstädten attraktiv bleiben.
Anfang des Jahres luden Sie zum "Logistics Startup-Day" ein. Dabei waren die Speditionen Flexport, Freighthub und Instafreight, die Lieferanten Liefery und Seven Senders, die Dienstleister Cargoo-Bee, CargoFioo und Graphhopper und die Hamburger Startups Cargoo-Bee, Cargonexx und Evertracker. Wie wichtig sind Tech-Startups für die Logistik?

Prof. Ludwig: Tech-Startups bringen aktuell sehr viel frischen „disruptiven“ Wind in die Logistik. Nie zuvor war es einfacher mit einer IT-Lösung etablierte Logistikgeschäftsmodelle zu hinterfragen und herauszufordern. Die neuen Logistik-Startups stellen sich aktuell vor allem dort auf, wo die Kundeninteraktion dem digitalen Erwartungsbild – mit ein paar Klicks alles online machen zu können – nicht mehr entspricht. Auch die Möglichkeit über Cloud-Plattformen komplexe Prozesse besser zu integrieren, ist eine der Kernansätze vieler Startups.

Unsere Studierenden interessieren sich sehr für die oft recht unkonventionelle Art des Marktzugangs von Startups. Aber auch etablierte Unternehmen arbeiten aktuell intensiv daran, sich agiler zu organisieren, kundenzentrierter aufzustellen und Technologiepotenziale bestmöglich auszunutzen. Insofern profitiert die gesamte Branche von dieser Disruption.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist ein führender Logistikstandort in Deutschland und Nordeuropa. Wie gut ist unsere Stadt in den Bereichen Logistik und Digitalisierung sowie der Ausbildung von Fach- und Führungskräften aufgestellt? Und wo sehen Sie Herausforderungen für die Zukunft?

Prof. Ludwig: Hamburg ist zweifelsohne eine der spannendsten Logistikmetropolen Europas. Dass die Digitalisierung (auch) die Logistik grundlegend transformieren wird, haben die wichtigsten Akteure der Region weitestgehend erkannt. Auch die KLU stellt sich mit einem von drei Kompetenzfeldern zum Thema „Digitale Transformation in der Logistik“ darin auf.

Eine aktuell viel beachtete Großinitiative, an dem sich viele wichtige Player der Metropolregion beteiligen, das „Digital Hub Logistics" Hamburg, bietet für Hamburg viel Potenzial, eine führende Rolle in diesem Themengebiet einzunehmen. Ziel muss es hier sein, etablierte, global agierende Unternehmen, junge, dynamische Logistik-Startups, Hochschulen und die öffentliche Hand zusammenzubringen und mittels Leuchtturmprojekten eine Innovatorenrolle einzunehmen.

Prof. Karastoyanova: An der KLU kooperieren wir neuerdings mit drei renommierten Institutionen im Rahmen von drei gemeinsamen Berufungen in den Bereichen Data Law, Digital Economics und Data Science and Business Intelligence. Diese drei Kooperationsprofessuren und die Kooperationsinstitutionen haben wir offiziell am 23.05.2017 bei einer gemeinsamen Veranstaltung unter dem Motto “Digitalisierung in der Logistik” vorgestellt. Somit sind wir sehr gut gerüstet und startklar, als wissenschaftliche Hochschule mit starkem Praxisbezug unseren dezidierten Beitrag dazu zu leisten, dass Hamburg auch im digitalen Zeitalter seine Position als führender Logistikstandort behaupten kann.

Vielen Dank für die spannende Tour!

Das Interview führte Thomas Keup

* * *


 Über die KLU in Hamburg: 

Die Kühne Logistics University – Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) ist eine im Jahr 2010 gegründete private Hochschule mit Sitz in der Hamburger HafenCity. Die Schwerpunkte der unabhängigen, staatlich anerkannten Hochschule liegen in den Bereichen Logistik und Management. Die Forschung an der KLU konzentriert sich um die Kompetenzschwerpunkte Sustainability, Digital Transformation und Creating Value in den Bereichen Transport, globale Logistik und Supply Chain Management. 

Die Kühne Logistik Universität Hamburg

 Hamburg Digital Background: 

13.06.2017: HSBA Tech-Day: "Erleben Sie Digitalisierung live"
Ein Nachmittag mit Vorträgen und Ausstellung zur Digitalisierung
www.hsba.de/aktuelles/veranstaltungen/tech-day-erleben-sie-digitalisierung-live/

15.-16.06.2017: KLU Seminar "Digitale Transformation in der Logistik"

Von der Digital Preparedness zu Innovationen und Leadership in der Logistik


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