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Dienstag, 30. Juni 2020

HANSESTATEMENT: Wir alle sind ein Stück Wirecard.

Ein Hanse Digital Statement von
Chefredakteur Thomas Keup
* Update *

Nur ein Betrüger unter Deutschlands Wirtschaftsunternehmen: Wirecard.
Foto: Leo Molatore, Lizenz CC BY-SA 2.0

Blamage! Betrug! Beschiss! Die Kraftausdrücke zum "Wirecard"-Desaster können nicht kräftig genug sein. Schummelei! Sauerei! Skandal! Die Kommentatoren der Wirtschaftspresse haben alle Hände voll zu schreiben. Zumindest für ein, zwei Wochen - bis der nächste Aufreger übern Hof gejagt wird. Anders ausgedrückt: Der Beschiss ist an der Tagesordnung. Beispiele? Kursbetrug durch die "Deutsche Bank". Abgasbetrug durch "Volkswagen". Und jetzt Bilanzbetrug durch DAX-Neuling "Wirecard". Wir alle sind ein Stück "Wirecard" - jeden Tag, jeden Monat, immer wieder:

In Gesprächen mit unserer Frankfurt-Korrespondentin Yvonne Hess kam die langjährige Bankerin und Finanzmarkt-Expertin immer wieder zu einer rhetorischen Frage: 'Wieso gibt es Wirecard immer noch?' Nein, wir wissen als Digitalmagazin nicht mehr, als die britischen Kollegen der "Financial Times" und wir versuchen auch nicht, die Arbeit der Hamburger Kollegen von "finanz-szene.de" zu toppen. Aber durch unsere Einblicke in die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main sehen wir bestimmte Dinge. Und sind erschrocken.

Dreh- und Angelpunkt ist Gier.

Eigentlich wollte ich den systematischen und den Wirtschaftsprüfern von "Ernst & Young" offenbar bekannten Bilanzbetrug eines oberbayerischen Finanzdienstleisters nicht zum Thema machen, obwohl "Wirecard" als Zahlungsdienstleister für Bank- und Kreditkarten mit technologischen Vorteilen geworben hat. Inwiefern die frühere Bank hinter "N26", hinter "Allianz"-Mobile Payment sowie "Holvi"- und "Kontist"-Kreditkarten samt "Aldi"-Kartenterminals tatsächlich technologisch fortschrittlich ist, spielt nicht wirklich eine Rolle - dank digitaler Wettbewerber wie "Ayden" aus den Niederlanden oder "Concardis" aus Deutschland.

Der Dreh- und Angelpunkt des "Wirecard"-Betrugs ist ganz einfach: Gier. Gier, die wieder einmal eine Menge Hirn gefressen hat. Gier, die nicht etwa wenige verantwortungslose Top-Manager in der Chefetage von "Wirecard" in Aschheim bei München allein betrifft. Sondern eine Gier, die seit Ende der 70er Jahre zunächst in den USA, dann in West-/Europa und nun auch in Asien systematisch zum Geschäftsprinzip erhoben worden ist. Die Stichworte: "Business Administration" - statt Kaufmannslehre, "Business Opportunities" - statt Unternehmenswerte, "Quick Wins" - statt Nachhaltigkeit.

Asset Business Administration. 

Das alles erlernen "Business Administratoren" in Bachelor- und Master-Studium - statt Diplomstudiengängen - vor allem an "Business Schools" - statt Hochschulen. Die Folge: Eine "Otto Group", in denen genau jene Absolventen nach vermeintlich trackbaren KPIs die "Assets" wie "Otto.de" und Co. kaputt managen. Die Konsequenz: Kunden, die sich von überforderten Supporterinnen genervt und von überlasteten "Hermes"-Paketfahrern hängengelassen fühlen, flüchten zu "Amazon" und zu "Alibaba". Und die "Otto Group"? Deren Sprecher verunglimpft kritische Redakteure, sodass der Staatsanwalt das Wort bekommt.

Hinter der Trackbarkeit von allem und jedem steht eine Wirtschaftsphilosophie der Harvard Universität - einschl. kommerzieller Bachelor- und Masterstudiengänge. Mit US-Präsident Ronald Reagan wurde die Methode des gnadenlosen Kapitalismus Anfang der 1980er in den USA hoffähig, mit dem Export von Business Schools weltweit ausgerollt, mit der Übernahme von Bachelor und Master 1999 in Deutschland und Europa verankert. Bologna lässt grüßen. Genauso, wie die Politik: Mit den Hartz-Gesetzen von SPD-Kanzler Schröder und dem menschenverachtenden "Hartz IV" war 2005 der Dammbruch perfekt.

Wer im Glashaus sitzt, und so ...

Spätestens mit der kontinuierlichen Angst um den Verlust des eigenen Jobs, der eigenen Zahlungsfähigkeit und damit von Familie und Existenz gilt: "Geiz ist geil" - und das heißt in Psychologie-Deutsch: "Gier ist geil". Beispiel 1: Schnäppchenjäger*innen mit "Lidl-Ticket", die Geschäftsreisende hysterisch anbrüllen, wenn diese die für Vielfahrer reservierten Sitzplätze im ICE beanspruchen - verteidigt von der Chefkundendienstlerin der Bahn in Frankfurt. Weil man neue Kunden gewinnen will. Und da ist sie, die nimmersatte Gier. Beipsiel 2: Angestellte BWLer, die am Jahresende dank Verbrauchertipps auch die letzten Steuerschlupflöcher nutzen, um ihre Einkommenssteuer wegzudrücken.

Sie sind steuerehrlich? Sie sind niemals gierig? Dann werfen Sie bitte den ersten Stein. Doch Vorsicht! Vielleicht sitzen Sie ja doch im Glashaus. Das Grundprinzip der über Preis geweckten Gier macht sich auch Ihr Bankberater z. B. bei der Sparkasse zu Nutze, wenn er Ihnen mit Musterkurven hauseigene Verbundfonds und Versicherungen andreht. Das nennt man dann "Teaserprodukte". Die Möglichkeiten der globalen Abrufbarkeit von Informationen, Hintergründen und Einordnungen über das Internet haben Geschwindigkeit und Intensität des Beschisses an allen Ecken und Enden weiter massiv beschleunigt.

Die Online Marketing Abzocke.

Wenn die "Stiftung Warentest" in Sichtweite unseres Berliner Firmensitzes Verbrauchern empfiehlt, die "Vergleichsportale zu vergleichen", wenn Sie als Leser die nächste Anschaffung von Fernseher, Waschmaschine oder Bausparvertrag und Familienauto in nächtelanger Online-Recherche vorbereiten, sind sie mittendrin in der gesellschaftlich seit 2002 mit "Geiz ist geil" etablierten Form das Sparens, des Geizens, des Abzockens. Und das hat sich mit dem Online-Handel eine ganze Industrie zu Nutze gemacht: Die Online Marketing-Branche - einschließlich des vom Hamburger Senat mitfinanzierten AbzockMarketing-Festivals "OMR".

Wo wir bei rücksichtslosen Geschäftemachern sind: Jetzt ist der Aufschrei groß, "Facebook" toleriere Hass und gestatte Falschmeldungen. Jetzt schwingen sich 90+ Werbekunden als Gutmenschen auf. Jetzt, nachdem "Ben & Jerrys", "Coca-Cola", "The North Face" und "Unilever" uns über Jahre systematisch ausspioniert haben, nachdem ihre Marketing-Abteilungen über Jahre geschwiegen haben zum illegalen Verkauf von Nutzerdaten. Es ging ja nur um Werbung aka Profit. Wie verlogen ist das denn? Und wir alle wissen spätestens seit Anfang 2018 durch "Camebrigde Analytica", dass wir mit unseren vertraulichen Daten bezahlen. Aber die Gier nach einem Gratis-Account für bunte Essensbilder war größer.

Per Auktion zum Profit plus.

Warum verfolgen Sie Rucksäcke, Sneakers oder Fernseher über diverse Internetseiten hinweg, nachdem Sie diese in einem Onlineshop gesehen haben? Weil eine ganze Industrie darauf getrimmt ist, Sie zu verfolgen und zum "Checkout" zu treiben, damit Sie "konvergieren", so die neudeutschen Begriffe für Kassenzone und Kaufabschluss. Und weil der E-Commerce heute "Karstadt" und "Kaufhof" entgültig platt macht und Marktpätze morgen "Otto" und "ECE" das Genick brechen, haben sich die Online-Marketer gleich noch was einfallen lassen.

Was die Rinderauktion in Holstein und die Tulpenauktion in den Niederlanden können, das können Online Marketer schon lange: So werden Anzeigenplätze auf Internetseiten und in Mobile Apps per Auktion vergeben. Damit sind "Google", "Facebook" und die nach China verkaufte Mobile Advertising-Plattform "Smaato" groß und reich geworden. Nichts gegen Geldverdienen. Aber auch hier gilt das Prinzip der Gier, oder anders ausgedrückt: "Haben müssen" treibt den Preis hoch. Nicht Ihr Thema? Dann haben Sie noch nie alten Plunder über "Ebay" per Auktion vertickt? Sehen Sie? Nix anderes, als Online Marketing.

... und alle machen mit, gell!?

Was haben Schnäppchen-Angebote und Online-Auktionen mit "Wirecard" zu tun? Über die vergangenen 21 Jahre wurde der Shootingstar der deutschen Fintech-Szene systematisch gehypt - von Bankanalysten, die mehr Anleihen und Fondsanteile verticken konnten, von Wirtschaftsjournalisten, die mit der Erfolgsstory mehr Magazine und Online-Abos verhöckern konnten und von (bayerischen) Lokal-/Politikern, die den Traum vom ungebrochenen Wachstum mit 2018 testierten 2 Mrd. € Umsatz, rd. 350 Mio. € Gewinn und mehr als 5.000 Mitarbeitern für sich deklarieren konnten. Wenn das keine Story ist?!

Womit wir bei den kommunikativen Auswüchsen und katastrophalen Folgen des Gier-Prinzips sind: Ich rede von "Storytelling", "Sucess Stories" und "Rainmakern". Ja, wir wollen die Erfolgsgeschichten hören, ja wir wollen sie glauben und ja, wir fallen immer wieder auf das Storystelling nach den "Rainmaker principals" rein. Dabei sind wir gern bereit, den gesunden Menschenverstand abzuschalten. Jetzt wissen Sie, warum HANSEVALLEY so langweilig ist - weil wir kein "Storytelling" bringen und "Rainmaker" bei uns keine Experten für irgendwas sind - besonders keine Bachelor-Absolventen mit weißen Sneakern mit der nächsten weltverändernden "Cutting Edge"-Plattformidee. Danke, reicht.

Wenn VC zu Roulette wird.

Der erwartete Zusammenbruch von bis zu 50% der deutschen Startups in Folge der Corona-Krise, die nach dem amerikanischen Venture Capital-Prinzip (schnell aufsteigender "Rockets") alle 18 Monate ihren vermeintlichen Unternehmenswert verdoppeln, um für die nächste Runde der Risikofinanzierung weiter aufgebläht zu werden, sind das Beispiel für genau jenes US-Gier-Prinzip. Und "Wirecard" hat mit Finanzierungsrunden, Anleihen und schließlich dem Börsengang genau jene Karten gespielt, die jedes Tech-/Startup in Berlin, München oder Köln spielt - auch wenn Hamburg mit seinem "IFB"-Schnarchladen raus ist.

Um nicht auf einen falschen Pfad zu geraten: Wir brauchen mehr mutige Gründer - nicht nur "Copycat"-Startupper. Wir brauchen mehr fundierte Gründungen - wissensbasiert aus den Hochschulen heraus. Wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung - statt Gründer in den ersten Jahren über den Tisch zu ziehen und sie im VC-Laufrad im besten Fall 5-7 Jahre für Private Equity-Anleger schuften zu lassen. Die Wette nach dem VC-/Startup-Modell, dass eines von zehn "Unicorns" überhaupt zum fliegen kommen kann, ist sicher keine nachhaltige Idee für fundierte Jungunternehmen - auch wenn es einzelne Beispiele gibt.

Middelhof macht es uns vor.

Gier frist Hirn. Damit wurde und wird schon immer eine Menge Geld verdient. Und die verantwortlichen Manager von "Wirecard" sind einfach ein wenig gieriger gewesen, so, wie die Kollegen bei "Deutscher Bank" und "Volkswagen". Mit etwas Glück werden die ertappten Betrüger dank cleverer Rechtsverdreher eine milde Bewährungsstrafe kassieren, die Strafzahlungen aus der Portokasse bezahlen und im schlimmsten Fall wie Ex-Bertelsmann- und Ex-Karstadt-Plünderer Thomas Middelhof am Ende des Tages mit Büchern und Lesereisen ihr Gewissen erleichtern.

Ob Finanzsenator Olaf Scholz eine härtere Aufsicht fordert oder in China ein Sack Reis umfällt, läuft unterm Strich aufs Gleiche hinaus, denn ändern wird sich nichts. Wir haben das "Minimax-Prinzip" übernommen, bei minimalem Einsatz maximal abzukassieren - mit Schnäppchenjagd, Versteigerungen und hochriskanten Wetten. Das ist mit der Schlacht um die letzten Klopapierrollen bei der "Schlecker"-Leichenfledderei 2012 ebenso in widerlichen Bildern festgehalten worden, wie zu Beginn der Corona-Krise mit Hamsterkäufern und anschließenden "Ebay"-Auktionen von Klopapier. Wie krank kann man im Hirn sein?

Von wegen "ehrbar" handeln.

Wir haben gelernt, Kunden und Partner zu unserem Vorteil über den Tisch zu ziehen - auch und trotz "Ehrbarer Kaufleute" an Elbe und Weser. Eine ganze Zunft von Anwälten lebt davon, dass wir meinen, uns immer einen Schluck mehr aus der Pulle genehmigen zu dürfen. Natürlich kommen irgendwo irgendwelche cleveren "Game Changer" auf neue Tricks und Raffinessen, ihre Finger noch tiefer in die Torte stecken zu können - wie bei "Worldcon" 2001, "Enron" 2002 oder "Lehman Brothers" 2008 - den Originalen "Made in USA". Und so, wie wir das Gier-Prinzip übernommen haben, haben wir auch die Pleiten übernommen. "Wirecard" ist nicht der erste Betrügerladen - und sicher nicht der letzte.

Nein, wir haben nicht gelernt, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Nein, wir haben nicht verstanden, dass Werte erarbeitet und geschützt werden müssen. Nein, wir haben nicht kapiert, dass wir mit Sneakers "Made in Vietnam"; T-Shirts "Made in Bangladesh" und Handys "Made in China" Menschen ausbeuten - mit Hilfe globaler Logistikketten, die genau das ermöglichen. Jetzt müssen Hamburger Kaufleute sich nicht mehr die Finger schmutzig machen und afrikanische Sklaven in den USA gegen Rohstoffe eintauschen. Jetzt importieren sie einfach Sneakers, T-Shirts und Handys von blutigen Kinderhänden zusammengetackert.

Spreche ich mich von der Verantwortung frei? Nein, denn ich bin ein Teil genau dieses Systems - mit möglichst billigen Konsumgütern, die nach genau 2 Jahren kaputt gehen, mit Schnäppchenjagd und Online-Preisvergleich. Wie jeder von uns. Werden wir das Prinzip verändern können? Sicher nicht von heute auf morgen. Aber wir können unseren gesunden Menschenverstand wieder einschalten und versuchen, nicht zu betrügen - wie Redaktionen, die durch Datenanalyse Beiträge "Keyword-optimiert" texten, um Suchmaschinen zu bescheissen. Und warum? Aus Gier!

Auch wenn wir in tiefen Abhängigkeiten des Systems stecken, die Entscheidung zum harmlosen Schnäppchenjagen, zum eiskalt Abzocken oder zum systematisch Betrügen trifft am Ende des Tages jeder für sich. Niemand kann sich davon frei machen, denn die Gier regiert unseren Alltag, unsere Arbeit, unser Leben. Wir alle sind ein Stück "Wirecard" - und morgen gibt es eine neue Ralley um die Maximierung des eigenen Profits. Ich sehe schon die widerwärtigen Bilder bei der Leichenfledderei von "Galeria Kaufhof" und "Karstadt Sports" auf der Hamburger Mö. Traurig ... 



*   *   *

Montag, 4. Februar 2019

HANSEINVESTIGATIV: Startups chancenlos bei "Schummelei@Reeperbahn"?

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE

Das Spektakel "Startups@Reeperbahn": ein Stück vermeintlich große Welt in einem ehemals berühmten Musikclub. Das Pitch-Event ist Ausgangspunkt für das innige Verhältnis von Hamburg Startups und HANSEVALLEY: Im September 2016 lässt Co-Organisatorin und Dümmel-PR-Frau Sanja S. einen Gastbeitrag unseres Chefredakteurs auf Deutsche Startups nachträglich um 150 vermeintliche Investoren schönen. Ein Eingriff in redaktionelle Inhalte durch eine Hamburger PR-Frau. 




Jetzt kommt heraus: Die beiden Event-Organisatorinnen Sina G. und Sanja S. haben entgegen eigener Beteuerungen offensichtlich Bewerbungen zu "Startups@Reeperbahn" ungelesen unter den Tisch fallen lassen. Ein Gründer geht davon aus: "Unsere Bewerbung wurde wohl nie geöffnet". Ein weiterer Jungunternehmer klagt an: "Der Sieger stand von vorn herein fest." 
Betrügt Hamburg Startups Bewerber, Auswahl-Komitee, Sponsoren und Publikum? Eine Hamburg Digital Recherche:

"Startups@Reeperbahn" - seit mehr als 6 Jahren ein bei Startups beliebter Pitch-Event, sich bekannt zu machen. Nach Angaben der Veranstalter versammelt die Show - Zitat - "450 Investoren, Corporates, Journalisten und Multiplikatoren der deutschen Digital- und Medienbranche" - wo auch immer die neben den Junior-Unternehmern im Grünspan an der Reeperbahn Platz haben sollen. Stolze 110,- € bis 122,- € haben die Tickets für die Nachwuchsparade auf dem Kiez 2018 gekostet. Für eine Werbeveranstaltung.

Große Chancen an der Großen Freiheit? Oder nur großer Bluff?

Das Spektakel '18 startete mit einem 4-stündigen Pitch-Marathon u. a. mit mehr oder weniger lebendigen NMA-Startups. Ein Lückenfüller-Programm, das die in den letzten Jahren halbleere Konferenz ersetzte. Zum Höhepunkt pitchten fünf Startups über volle drei Stunden auf großer Bühne, gefolgt von einem besonders angepriesenen After-Show-Event mit - man höre und staune - "über 80 finanzstarken Investoren". Doch wo Licht ist, ist noch mehr Schatten: Die "Love-Mobile" zum Pitch gegenüber Investoren und Beratern waren teilweise gar nicht besetzt, kritisierten Teilnehmer.

Was 450 annoncierte Investoren, Firmenvertreter, Journalisten und Multiplikatoren nicht ahnen, ist eine offensichtlich unsauber und unfair bestückte Pitch-Show:


Hamburg Startups-Chefin Sina Gritzuhn
Foto: Xing
Sina G., gern mit einer hanseatisch zuvorkommender Atitüde unterwegs, nimmt es mit Transparenz und Korrektheit wohl selbst nicht immer so ganz genau. Die Hobbybloggerin, Kommunikationswissenschaftlerin und Mutter schreibt gern Briefe an Kunden und Partner von Wettbewerbern, um diese schlecht zu reden - praktiziert mit HANSEVALLEY und dem Startup-Magazin "Gründerfreunde". Bei ihrer Arbeit für Hamburgs Startups ist sie offenbar genauso wenig fair unterwegs, wie vorliegende Informationen zeigen.


Von Bewerbern für "Startups@Reeperbahn" ist herausgefunden worden, dass die beiden lieben "Startup-Muttis" Sina G. und Sanja S. Bewerbungen offensichtlich nicht gelesen haben, was Log-Files unterstreichen. Damit hat die bekannte Jury aus honoren und anderen Startup-Förderern offensichtlich keine Chance gehabt, alle Bewerber kennenzulernen. Stattdessen wurden im Vorfeld offensichtlich eigene und andere Lieblinge in die Endauswahl gehieft.

200 Bewerbungen: Wieviele Pitchdecks wurden links liegen gelassen?

Mehr noch: Ein Teilnehmer beurteilt das Pitch-Spektakel als "abgekatertes Spiel". "Der Sieger stand vorher schon fest", sagt der Gründer gegenüber HANSEVALLEY. Kenner der Startup-Szene wundert es nicht, dass im Herbst '18 vor allem Cargonexx und NautilusLog von einem Pitch-Event zum nächsten empfohlen wurden und wechselseitig die Innovations- und Gründerpreise abräumten. Bei aller Wertschätzung für beide Startups - über die HANSEVALLEY berichtetet hat - die Auswahl bei Startups@Reeperbahn erinnert doch eher an einen "Sumpf", denn an ein für alle Startups faires Auswahlverfahren.


Alles mit rechten Dingen? Bewerbung zu "Startups@Reeperbahn".
Grafik: Hamburg Startups

Von gleichen Chance für die - nach PR-Angaben - bis zu 200 in der Vorrunde 2018 beteiligten Startups aus Hamburg und Deutschland kann auf Grund der offensichtlichen Nichtberücksichtigung wohl keine Rede sein. Geschäftsführerin Sina G. tut so, als ob alle Startups gleichberechtigt und korrekt gesichtet worden seien. Leider wurden Bewerbungen im Auswahlverfahren nach HANSEVALLEY vorliegenden Informationen jedoch nicht einmal beantwortet. Wenig verwunderlich, wenn man sowieso nicht reinschauen mag.

"Sorgfältige Sichtung aller abgegebenen Pitchdecks" - Eine Lüge?

Ein wenig fragwürdig erscheint es, dass die Organisatorinnen Startups gezielt aufgefordert haben, sich zu beteiligen. Das Pitchdecks nach Angaben von Startups dann nicht gesichtet wurden, lässt den Schluss zu, dass es sich bei der Einladung um Promotion im Interesse der eigenen KPIs für die Vermarktung handelt. Was einmal mehr den Verdacht aufkommen lässt, dass man bei "HHS Net" u. a. auf Kosten von Startups agiert, und nicht primär für sie. Dafür taucht selbstredend Sanja S. Arbeitgeber, Bratpfannenverkäufer Dümmel, einmal mehr auf.


Hamburgs Gründerszene: Glaubt an ein faires Verfahren bei "Startups@Reeperbahn"
Pressefoto: Hamburg Startups

Besonders peinlich dürfte das Verfahren der Veranstalter für die Sponsoren des Spektakels sein. Laut Blogbeitrag behaupten die Veranstalter/innen steif und fest, korrekt vorgegangen zu sein: "Nach sorgfältiger Sichtung aller abgegeben Pitchdecks hatten wir die vielversprechendsten Bewerber ausgewählt, um über sie auf einer Kuratoriumssitzung zu diskutieren." Können sich Axel Springer, Deutsche Bank, EY, Hamburg Invest, Thalia und QVC eine - u. a. mit öffentlichen Fördermitteln der Wirtschaftsbehörde BWVI unterstützte - "Schummelnummer" leisten?

"Schummelnummer" mit öffentlichen Geldern von Hamburg Invest?


Nimmt Geld von der Stadt und redet über sie:
HHS Net Co-Founderin Sanja Stankovicz.
Foto: Xing
Sina G. und Sanja S. bekräftigen mit der uns angetragenen Nichtbeachtung von Bewerbungen die nicht immer ganz korrekten Mittel und Wege in der VC-getriebenen Startup-Szene, wie sie beteiligte Kuratoren des Auswahlverfahrens - von IFB InnovationsStarter, Next Media Accelerator bis Startup Dock Harburg - durch eigene Machenschaften unterstrichen haben. Es gibt in Hamburg anscheinend zwei Arten von Startup-Förderern: die fairen und die unfairen Akteur/innen.

Sollte sich der schwere Vorwurf durch weitere Fälle noch erhärten, wären insbesondere die Förderer - wie Hamburg Invest - aufgefordert, Steuergelder unverzüglich zurückzufordern und sich von den unsauberen Machenschaften der Hamburg Startups-Macherinnen zu distanzieren. Für Sponsoren wäre es eine Frage des Anstands, Ungleichbehandlung unmissverständlich zurückzuweisen und nicht mit z. T. erheblichen Mitteln finanziell zu supporten. Aber bei Deutscher Bank & Co. ist Ethik ja eher unterrepräsentiert.

"Schummelei@Reeperbahn": Das hat Hamburg nicht verdient!

Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Es geht nicht um Perfektion in Vorbereitung und Durchführung eines Pitch-Events. Es geht nicht um fehlerfreies Handling auf dem Weg zu einem strahlenden Sieger bei "Startups@Reeperbahn". Es geht schlicht um "Schummelei", Startups nicht zu sichten, bewußt nicht zu berücksichtigen oder andere dafür gezielt zu bevorzugen. Das hat mit offenem und fairen Engagement für Gründer nicht viel zu tun.

Hamburgs Startup-Szene hat jeden Support für mehr Öffentlichkeit, erfolgreiche Investments und neue Geschäftsbeziehungen verdient. Dabei sollten die Akteure - von Förderbank über Wirtschaftsförderung bis zu Geschäftspartnern - genau hinschauen, ob sie auf nicht immer korrekte Geschäftemacher/innen reinfallen, die u. a. angekündigt haben, "belastendes Material" gegen HANSEVALLEY sammeln zu wollen. Für uns ein trauriger Teil Hamburg.

 Hamburg Digital Background: 

HANSESTARTUPS: Next Acceleratoren - Die Durchlauferhitzer des Bodo Kraeter.
hv.hansevalley.de/2018/08/hansestartups-next-acceleratoren.html

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.

Freitag, 16. Dezember 2016

HANSEEXKLUSIV: Star Finanz baut Fintech-Hub für Sparkassen auf.

HAMBURG DIGITAL REPORT

HV, Hamburg, 16.12.2016 - Die Pressemitteilung der Hamburger Star Finanz wirkt fast unscheinbar: Die "Star Finanz forciert Innovationen und erweitert die Geschäftsführung". Der IT-Dienstleister meldet den Aufbau eines eigenen Geschäftsbereichs "S-Hub" als zentralen Anlaufpunkt der Sparkassen-Finanzgruppe. Die ganze Tragweite der Meldung tritt nach unserer exklusiven Recherche zu Tage:



*Updated* Die Sparkassen-Finanzgruppe baut mit Ihrer Tech-Tochter an der Elbe einen zentralen Fintech-Hub für das Retail-Geschäft der mehr als 400 deutschen Sparkassen auf. Der Geschäftsbereich der Star Finanz wird sowohl Inkubation, als auch Acceleration und Projekte mit etablierten Fintech-Startups umfassen. Damit bündeln die öffentlich-rechtlichen Geldinstitute ihr Innovationsmanagement rund um Finanztechnologien über die Star Finanz am Fintech-Standort Hamburg. Der neue "S-Hub" wird vom zentralen Sparkassen-Dienstleister Finanz Informatik forciert und vom Vorstandsvorsitzenden der Star Finanz, Bernd Wittkamp, verantwortet - zusammen mit einem 3-köpfigen Team, das laut Börsen-Zeitung auf bis zu 12 Mitarbeitern wachsen wird.

Michael Schürmann, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Star Finanz dazu:

„Mit der noch stärkeren Fokussierung auf Innovationsthemen und dem Aufbau des S-Hub unterstützt die Star Finanz die Sparkassen-Finanzgruppe bei ihrer weiteren Digitalisierung in Richtung des Endkunden.“

Der Kopf hinter dem S-Hub der Sparkassen-Finanzgruppe:
Star Finanz-Vorstandschef Bernd Wittkamp
Foto: Star Finanz
*Updated* Der "digitale Think Tank" der Sparkassen-Finanzgruppe wird von einem interdisziplinären Team mit Spezialisten des Sparkassen- und Giroverbands, des Sparkassen-Verlags, der Finanz Informatik und der regionalen Geldinstitute betrieben. Der "S-Hub" ist ein Branchenhub, in dem einzelne Sparkassen auch eigene Projekte umsetzen können, ähnlich wie die VISA-Partnerbank Berliner Sparkasse im "VISA Europe Collab". Das Branchenkonzept ist vergleichbar mit dem Next Media Accelerator der dpa und ihrer Mitglieder. Im "S-Hub" werden wohl vor allem die "Top-7-Sparkassen" eine wichtige Rolle spielen, darunter der Primus Hamburger Sparkasse sowie die Kassen aus Hannover, Köln/Bonn, Frankfurt+Wiesbaden oder München.

Fintech-Innovationen für das Privatkundengeschäft

Vorstellung der Ahoi-App beim Hackathon in Frankfurt
*Updated* Ziel des Hubs ist es, "neue Innovationen schneller zu den Kunden der Sparkassen zu bringen". Dabei steht die multibankenfähige "Ahoi-API" der "S-Finanzgruppe" im Mittelpunkt, die Transaktionen von Bankkunden analysieren und anstoßen kann und ein Wettbewerber zur Figo Banking-API des Wahl-Hamburgers André Bajorat ist, der u. a. mit der Deutschen Bank partnert. Die "Ahoi-API" ermöglicht Fintechs in Projekten mit Star Finanz schnelle Prototypen, flexible Entwicklungen von MVPs und die Einhaltung regulatorischer Vorschriften der BaFin und Compliance-Standards des Sparkassen-Verbundes.


*Updated* Der Fokus des "S-Hubs" liegt auf dem Privatkundengeschäft mit Kontoführung (Identity & Fraud), Zahlungsverkehr (P2P-/Payments), Konsumentenkredite (P2P-/Lending) Sparanlagen (Wealth Management) und Wettbewerb (Comparison). Zunächst wollen die Mitarbeiter den Fintech-Markt nach Ideen für Kundenbindung und Ertragspotenzial screenen, wie zuvor bereits die Deutsche Bank im Innovationhub in Berlin.

*Updated* Der Fintech-Hub wird Anfang kommendes Jahres seine Arbeit offiziell aufnehmen. Wie unser Magazin weiter erfuhr, wird der "S-Hub" in den Räumen des Tech-Dienstleisters am Grüner Deich angesiedelt und nicht - wie die Comdirect Startup-Garage und der Next Media Accelerator - außerhalb der Firmenzentrale, z. B. im Betahaus Hamburg. Star Finanz wird für das "S-Hub" eigene Mitarbeiter anheuern, die sich u. a. um die Themen Startup-Screening, Projektmanagement und Relationship-Management kümmern werden. Es ist nicht bekannt, ob sich die Sparkassen-Finanzgruppe auch an Fintechs beteiligen wird, wie es die Berliner Volksbank mit ihrer Venture Capital Tochter tut.



Fintech-Standort Hamburg weiter gestärkt

Mit der Ansiedlung des zentralen "S-Hubs" für das Privatkundensegment der Sparkassen wird der Fintech-Standort Hamburg weiter gestärkt. Derzeit gibt es laut Startup-Monitor 25 Fintech-Startups mit rd. 450 Mitarbeitern. Hamburg belegt laut Comdirect-Standortstudie bei der Anzahl aktiver Fintech-Startups nach Berlin und München Platz 3, punktet mit über 212 Mio. € Investment in seine Fintech-Stars, wie Finanzcheck (33 Mio. €), Kreditech (10 Mio. €), Exporo (8,2 Mio. €), Deposit Solutions (7 Mio. €) und Figo (6,8 Mio. €) mit einem starken 2. Platz.

Star Finanz ist eine Hamburger Software-Schmiede mit mehr als 150 Mitarbeitern und Tochter des zentralen Sparkassen-Dienstleisters Finanz Informatik. Der Frankfurter Rechenzentrums-Anbieter verantwortet den Service für 122 Mio. Sparkassenkonten in Deutschland. Die Hamburger Tochter entwickelt dafür u. a. die Desktop-Anwendungen "StarMoney" und "S-Firm", die Sparkassen-Mobile Apps inkl. "Kontoticker" und "S-Push", die Mobile Apps für die Direktbank der Frankfurter Sparkasse - 1822direkt - und die BW-Bank. 

*Updated* Ein aktuelles Schlüsselprojekt der Star Finanz ist die z.Zt. im geschlossenen Beta-Test laufende App für das Smartphone-Konto "Yomo" für Kunden unter 35 - initiiert von 10 deutschen Sparkassen. "Yomo" geht im Frühjahr 2017 an den Start ist eine Antwort der Bankenbranche auf die gerade erneut in die Negativ-Schlagzeilen geratene Startup-Bank N26 aus Berlin.

Kontakt zum S-Hub-Team bei Star Finanz - hier.

Passend zur aktuellen Meldung - unser HANSEPERSONALITY:
Innovationen in Hamburg: André Bajorat und echtes "Finance to go".


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Montag, 28. November 2016

HANSEPERSONALITY André Bajorat & echtes "Finance to go"

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Fintech-Macher und Wahl-Hamburger: André Bajorat
Foto: André Bajorat
6,8 Mio. € u. a. von der Deutschen Börse AG für das in Bahrenfeld beheimatete B2B-Fintech-Startup Figo. 6,8 Mio. € für die erfolgreiche Arbeit des sympathischen Fintech-Machers und Wahl-Hamburgers André Bajorat. 6,8 Mio. € Series B-Finanzierung für das Hamburger Ökosystem. Neben Finanzcheck (33 Mio. €), Kreditech (10 Mio. €), Exporo (8,2 Mio. €) und Deposit Solutions (7 Mio. €) ist Figo ein weiterer Star am Hamburger Fintech-Himmel.

André Bajorat zeigt seit genau 4 Jahren wie kein zweiter Vertreter der Fintech-Szene, was B2B im Banking möglich ist: Die "Dropbox für Finanzen", wie er t3n in den Block diktierte. Gerade gewann er den "Euro Finance Tech Award" in der Kategorie "Transaction & Infrastracture". Zusammen mit den Kollegen von Deposit Solutions unterstützt André die Deutsche Bank in der Frankfurter "Digitalfabrik" - auf dem Weg zu einem "Banking der Zukunft".

Wir haben André auf der Hub Conference des Bitkom getroffen - einen Tag vor dem Millionen-Announcement. Wir haben ihm Fragen zu Themen gestellt, die ihn wirklich interessieren. Und wir fragen ihn über unsere Stadt, unser Ökosystem und die Digitalisierung der Bankenwelt. Viel Spaß beim Entdecken:

Im Oktober d. J. gab es die erste Fintech Week in Hamburg, organisiert u. a. von Clas Beese und Carolin Neumann. Knapp 4% der 600 hiesigen Startups sind laut Hamburg Startup-Monitor Fintechs. Ist Hamburg eine Fintech-City, oder ist das Thema besser in Berlin aufgehoben?

Ich mag diese Standortfrage nicht wirklich und es kommt eh meist auf das passende Team an. Das kann sich in Ibbenbüren wie in London finden. Natürlich ist es irgendwann eine Frage der Skalierung im Sinne des Personals - und da helfen Metropolen und Unis natürlich. Hier sehe ich aber eine Reihe deutscher Städte auf Augenhöhe. Wenn wir die sonstigen Rahmenbedingungen ansehen, sollten wir in GER/Europa gründerfreundliche Rahmenbedingungen schaffen und uns nicht auf Städte konzentrieren.


Als Gründer des Fintech Stammtisches Berlin musste ich feststellen, dass sich unter den gut 150 Fintechs an der Spree vor allem B2C-, P2P-, Payment- und Lending-Startups befinden. Wo liegen die wirklichen Herausforderungen für Banken, ihre IT und die Geschäftsprozesse?

Das hat aus meiner Sicht nichts mit einer Stadt zu tun, sondern mit dem “Reifegrad” von Fintech. Am Anfang versuchst du halt eher, die “eigenen” Themen anzugehen, und im Laufe der Zeit finden sich dann oft mehr Optionen tiefer in den Systemen. Es ist normal für eine Branche im Umbruch, denke ich. Banken haben sicher ein Problem mit den in die Jahre gekommenen Kernsystemen - hier wurde in den letzten Jahren oft nicht in Erneuerung, sondern in “run the system” investiert.

Du bist mit Figo und Eurer API-Technologie ein gern gesehener Partner traditioneller Banken, z. B. der Deutschen Bank. Was könnt Ihr mit Eurem Wissen und Können für klassische Geldhäuser tun, um den Anschluss an die voll digitalisierte Banking-Zukunft zu finden?

Ja, Banken sind inzwischen sehr wichtige Partner für uns geworden. In erster Linie natürlich, um unsere Technologie zu nutzen und ihren Kunden neue Dienste auf Basis unserer Plattform zu bieten. Natürlich bringen wir in einer solchen Zusammenarbeit auch unseren “Mindset” ein und können damit hoffentlich einen kleinen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Partner beitragen.  

Du beschäftigst Dich mit den Themen "Talents" und "Skills" für das Banking der Zukunft. Wenn ich durch die Hallen einiger Bankzentralen laufe, habe ich da eher meine Zweifel. Haben die "Dinosaurier" mit ihrem Personal überhaupt eine Chance, die nächste Stufe zu erreichen?



Natürlich haben Banken eine Chance. In unserer Zeit gehört dazu aber ein Umdenken, auch in nötigen Skills und Art des Personals. Die vorhandenen Assets vieler Banken machen diese eigentlich zum perfekten Arbeitgeber vieler Talente. Das wird Stand heute vor allem in Deutschland noch nicht immer klar und Banken verkaufen sich hier deutlich unter Wert. Bank und vor allem Banking ist Software und sind Daten - das ist hochgradig spannend für die Künstler unserer Zeit: Developer.


Du hast 2012 die Facebook-Gruppe "Hamburg Startups" mit heute 3.000 Mitgliedern gegründet. Hat Hamburg eine echte Chance, vorn im Wettbewerb auch um internationale Gründer und Talente mitzuspielen - und was sollten die Netzwerke und Partner bei uns dazu unternehmen?


Ja, ich wollte damals einfach einen Raum schaffen, in dem sich Gründer und Interessierte austauschen können - den gab es so noch nicht. Seitdem hat sich natürlich eine Menge verändert und Hamburg hat eine gut vernetzte und lebendige Szene. Das Betahaus und Hamburg Startups haben dazu sehr viel beigetragen. Wenn ich auf uns schaue, so ist es in Hamburg möglich, gute internationale Talente zu finden und von einer Unternehmung und dann auch von der Stadt zu überzeugen.


Du lebst seit 1998 im Großraum Hamburg. Was zeichnet der Standort Hamburg und die Gründer an Elbe und Alster aus Deiner Sicht besonders aus? Du hast schließlich die Vergleiche u. a. mit Berlin und Frankfurt, wo Du z. B. Deinen Hackathon veranstaltest.
Wie schon mehrfach gesagt: Ich mag diese Vergleiche nicht, da sie aus meiner Sicht keinen Mehrwert bringen. Ich kenne tolle Gründer in allen Städten und genauso gibt es überall weniger angenehme. Vielleicht ist Hamburg an der einen oder anderen Stelle etwas ernsthafter als beispielsweise Berlin.

Vielen Dank für die ehrlichen Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

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