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Dienstag, 8. November 2022

Quantum Innovation Capitol Hamburg: Versaut's nicht wieder ...

HANSE QUANTEN MAGAZIN
*Update 1.4 - 17.11.2022*

"Die Zukunft Hamburgs liegt auf dem Land und nicht auf dem Wasser."
Klaus von Dohnanyi, Erster Bürgermeister Hamburgs
in seiner Bürgermeisterrede vor dem Übersee-Club am 29. November 1983

Quantenphysik verändert die Art, wie wir forschen, entwickeln und arbeiten.
Foto: Universtiy of Warwick-Marck Garlick - Verschmelzende Neutronensterne
Lizenz: CC BY SA 4.0

Der Hamburger Senat will Hamburg zur ‚Quantum Innovation Capital‘ machen. Das steht in der Tradition, Hamburg zur Digitalhauptstadt, zur KI-Hauptstadt und zur Blockchain-Hauptstadt machen zu wollen. Alle diese Ankündigungen sind bisher genau das geblieben: Ankündigungen." FDP-Landesvize Andreas Moring und bekannter Hamburger KI-Professor steckt den Finger in die Wunde und bohrt einmal mal kräftig nach - mit Recht. 

Ob Internet-Hauptstadt, Startup-Hauptstadt oder Fintech-Hauptstadt - der rot-grüne Senat der Hansestadt ist mit Overselling, Nebelkerzen und Bullshitbingo in seiner PR gern stets ganz vorn dabei ... wenn's um das Vers.uen des nächsten Technologiethemas geht. Seit der Ankündigung für einen Rymax-Quantencomputer im Dezember 2021 sind jedoch plötzlich Projekte, Kooperationen und Millionen da - für Quantencomputing "Made in Hamburg".

Thomas Keup ordnet die plötzliche Quantenwelle ein - und verrät, wer dahinter steckt:

"Hamburg hat erst relativ spät verstanden, dass ein starker Wissenschaftsstandort für eine moderne, internationale Metropole kein schmückendes Beiwerk ist, sondern die Voraussetzung für Innovation, Wirtschaftswachstum und die Lösung globaler Herausforderungen.

Die selbt-/kritischen Worte kommen von niemand geringerem, als dem ehemaligen Ersten Bürgermeister und heutigen SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz - der Hamburger Gesellschaft ins aller werteste Krämerseelen-Stammbuch geschrieben am 28. November 2017 im Rahmen seiner "Bürgermeisterrede" zum Wissenschaftsstandort vor dem alt-ehrwürdigen Übersee-Club an der Binnenalster.

Seit den wahren Worten des ansonsten ziemlich "vergesslichen" Warburg-Freundes Scholz sind weitere, geschlagene fünf Jahre vergangen. Seit der mahnenden Forderung seitens Hamburgs Grandseigneur und Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi zum Thema Wissenschaftsstandort aus gleichem Anlass an gleicher Stelle sogar geschlagene 29 Jahre (s. o.). Womit Hamburg eher nicht zu den fort-schrittlichen Millionenstädten Deutschlands zählt - im Vergleich zu Berlin und München.

*Update*
Immerhin: Die Stadt zählt rd. 120.000 Studenten in mehr als 20 staatlichen und privaten Hochschulen. 12.000 Forscher sollen laut Eigen-PR an Alster und Elbe arbeiten - in Universitäten wie HCU, HSU, UHH und TUHH sowie Forschungseinrichtungen wie DESY, DKRZ, Fraunhofer CAN, CML und IAPT, ZAL und XFEL. Dazu kommen rd. 40.000 IT-Angestellte in den Hamburger Groß- und Familienunternehmen sowie bis zu 10.000 IT- und IT-nahe Unternehmen. Eine Grundlage, die bis heute nicht wirklich dazu genutzt wurde, der Stadt eine neue Zukunftsperspektive fernab von Hafen und Handel zu geben.

Eine neue Runde Techshit-Bingo des Senats?

Plötzlich werden führende Hamburger Innovatoren aus ihrem jahrzehntelangen Schlaf der Gerechten gerissen, weil plötzlich was ganz anders ist ... Erwarten die kritischen Geister der Stadt im Normalfall bei jeder neuen Runde Techshit-Bingo des Senats mit 100%er Sicherheit ein paar zehntausende Euro erbettelt aus Bundes- oder EU-Mitteln, ein überflüssiges Cluster-Netzwerk für die üblichen Subventionsritter in der Wexstraße, am Adolfsplatz und in Harburg sowie bestenfalls einen Mini-Was auch immer-Showroom, fließen plötzlich Millionensummen in acht- bis neunstelliger Höhe.

Fördermillionen sind noch kein Grund, an Alster und Elbe Jubelschreie auszustoßen. Schließlich beherrschen Möchtergern-Millionen-Verschieber und Coronamittel-Sparhans Andreas Dressel wie seine Senatskollegen das Geschäft mit fremden Federn bis in die Perfektion. Jüngstes Beispiel: Der Schrei nach Bundesmitteln für den verschlickten, in Europa zusehends abgeschlagenen Hafen - nachdem man Millionen von "Cosco" für die Terminal-Beteiligung einsackt und die Kooperation mit Bremen und Wilhelmshaven dankend abgewunken hat. Danke Angela Titzrath, dass Sie es als "Hafenmanagerin" endgültig verbocken!

"Hamburg Quantum Innovation Capital" ... echt jetzt?

Wenn der Senat für den Aufbau einer "Quantum Innovation Capital" (kleiner gings leider wieder nicht ... Die Red.) von 34,1 Mio. € satte 25,1 Mio. € aus dem Hamburger Stadtsäckel finanziert, reiben sich interessierte Beobachter noch etwas verschlafen ungläubig die Augen. Wenn über rd. ein Jahr Projekte für insgesamt sechs Quantencomputer in den beiden Technologiegrundlagen Rymax und Ionenfallen mit 10 und 50 Qubit in Hamburg angesiedelt werden und allein dafür 237,5 Mio. € Forschungsmittel bereitgestellt werden, sind wir in einer anderen Kategorie, als im Alster-dorf üblich. 

Das beweist sich auch in der zentralen Ansiedlung von fünf der sechs aktuellen Projekte unter dem Dach des neuen DLR-Innovationszentrums auf dem Campus des ebenfalls beteiligten Chip-Herstellers "NXP" an der Troplowitzstraße in Hamburg-Lokstedt. Dort werden tatsächlich gerade Büros und Labore für die Projekte errichtet - und nicht wie bei "Hamburg Innovation" in Harburg für die nächsten Fördermillionen nur die Werbemittel mit neuen Sprüchen bestellt (vgl. "Startup Dock" vs. "Startup Port" vs. "Be your Pilot" vs. "AI Startup Hub"). 

"Hamburg Quantum Computing School" ... Bingo!

Neben plötzlich für ein Technologiethema bereitstehenden millionenschweren Landes-, Bundes- und Europamitteln staunen Hamburgs Volkswirte, Wissenschaftler und Profi-Netzwerker nicht schlecht, was unter Forschern plötzlich möglich ist: Da bauen die scheinbar übermächtige Universität und die chronisch unterbewertete Technische Universität allein mit 19 Mio. € gemeinsam eine "Hamburg Quantum Computing School" für Doktoranten und ihre Projekte auf.(Verzeiht ihnen nochmal das Bullshitbingo! Sie können einfach nicht anders. Die Red.

Um zu verstehen, warum Hamburg bei dieser Technologierevolution wirklich Gas geben muss, auch wenn es noch bis Frühjahr kommenden Jahres dauern wird, bis die Landesmittel zugeteilt und die Projekte angeschoben sind, reicht das Lesen der jüngsten Pressemitteilung des Hamburger Senats anlässlich der Präsentation des 34,1 Mio. € großen Füllhorns. Da bringt Innovationssenator Michael Westhagemann fachlich-sachlich zitierfähig auf den Punkt:

"Die Quantentechnologien werden die Art und Weise, wie wir rechnen, kommunizieren und wahrnehmen, verändern und damit auch die Cybersicherheit, die Entdeckung neuer Medikamente und die Bewältigung des Klimawandels.

Kluge Worte eines Informatikers und langjährigen Industriemanagers, der zu Beginn seiner Amtszeit noch dadurch auffiel, über seine eigenen Witze zu lachen. Das Interessante: Der bislang als "Westwasserstoffman" bekannte, parteilose Senator hat offenbar über den Hamburger Tellerrand hinaus geschaut. Beispiel Bayern: Das "Munich Quantum Valley" von LUM, TUM & Co. hat aus der Hightech-Agenda des Freistaates allein 300 Mio. € bekommen - plus 80 Mio. eingeworbener Bundesmittel für Projekte. 

Da der Freistaat bereits in den Themen Hightech, Smartcity und Startups bewiesen hat und beweist, bayerisch bescheiden zu klotzen (s. u.), statt hamburgisch großkotzig zu kleckern (s. o.), sind verantwortliche Landesminister und -senatoren für Digitalisierung, Technologien und Innovationen in den armen Nordländern gut beraten, jetzt ihren Allerwertesten zu bewegen und mit allen verfügbaren Fördermitteln ihre Forschungsstandorte fit zu machen für die nächste Stufe der technologischen Entwicklung - und die heißt Quantencomputing.    

Der Wettbewerb norddeutscher Regionen ist eingeläutet.

In Norddeutschland ist das "Quantum Valley Lower Saxony" um die Leibniz-Universität Hannover, die Technische Universität und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig führender Quantencomputing-Standort. Dazu zählt u. a. der Bau eines 50 Qubit-Ionenfallen-Computers in der Metropolregion Hannover bis 2026 - dank 25 Mio. € Mitteln aus dem Landeshaushalt und der Volkwagen-Stiftung. Dazu kommen 30 Mio. € Bundesmittel für die ATIQ-Initiative für die Entwicklung von Demonstratoren auf Basis der Ionenfallen-Technologie und ein bereits aufgebautes Exzellenzcluster namens "QuantumFrontiers".

Nach Künstlicher Intelligenz (mit den DFKI-Standorten Bremen, Lübeck und Niedersachen inkl. Oldenburg und Osnabrück) ist der norddeutsche Wettbewerb um die Zukunftschancen auf Basis der nächsten Technologiestufe dank Hannover in vollem Gange. Wenn Hamburg jetzt nicht klotzt, wird es erst wieder mit Bionik an Alster und Elbe ähnliche Meta-Chancen geben, einen Wissenschaftsstandort im Interesse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung upzugraden. KI hat man ja versemmelt. Das weiß ein selbstbewußter und keiner Parteidisziplin in Hamburg-Wandsbek unterworfener Innovationssenator (... das ist er tatsächlich!).

BaWü, Berlin, Hamburg, Bayern, Hessen oder Bremen?

*Update*
Um zu verstehen, wie intensiv der Wettbewerb der führenden Forschungsregionen in Deutschland und weltweit ist, hilft eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft (IW). Danach ist Baden-Württemberg international nach dem TASICI-Score mit 84,9 Punkten eine starke Nr. 3 unter den innovativen Wissenschaftsstandorten - direkt hinter Massachusetts u. a. mit Harvard Universität und MIT in Boston und dem Digital-Hotspot Kalifornieren v. a. mit der Standford Universität. Auf Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart folgt Berlin mit dem Wissenschaftsverbund aus Charité, FUB, HUB und TUB auf Platz Nr. 4 und 80,3 Punkten. 

Hamburg hat eine Chance - wenn es sich um seine Forschung kümmert.
Grafik: ITIF

*Update*
Interessant: Auf Platz 6 kommt mit 73,5 Punkten ... Hamburg! Wer hätte das gedacht. Die Elbmetropole punktet im Bereich Wissensgesellschaft und Einkommen sogar auf einem beachtlichen 2. Platz - direkt hinter Berlin. Dabei ist man an Alster und Elbe im Norden nicht allein auf weiter Flur. Erzrivale Bremen schafft es dank einer aktiven Universität, einem eigenen DFKI-Standort und zukunftsweisenden Schwerpunkten wie Robotik und Raumfahrt auf einen guten 10. Platz mit 58,9 Punkten. Zwischen Hamburg und Bremen tummeln sich so finanzstarke und digital aktive Länder wie Bayern und Hessen. Berücksichtigt wurden bei der transatlantischen Vergleichsanalyse u. a. die Faktoren Patentaktivitäten, Forschungsausgaben und qualifizierte Fachkräfte (siehe Hamburg).

*Update*
Weil wir gerade über zukunftsweisende Forschungsstandorte sprechen: Die "Berlin University Alliance" aus Charité, FUB, HUB und TUB hat nach fünf Jahren die Vertiefung ihrer Kooperation mit der rennomierten Oxford-Universität bekanntgegeben. Zur "Oxford Berlin Research Partnership" gehört die Zusammenarbeit von mittlerweile 1.000 Wissenschaftlern, der Austausch von Forschern und das Seed-Funding für hoffnungsvolle Projekte mit bereits 12 Mio. €. Ach ja: Zu den Schwerpunkten der Partnerschaft gehört auch das Thema Quantencomputing. Nur mal so, um zu erahnen, woher der Wind weht. Wäre doch mal eine Chance für Hamburg: Eine globale Kooperation von UHH, UKE und TUHH mit einem international führenden Standort. Motto: "Teile und herrsche" ...  

Highspeed-Rechnen statt Rechenschieber in Kontoren.

Westhagemann gibt der Freien und Hansestadt eine unerwartet echte Chance, langfristig von stinkenden Frachtern und innovationsresistenten Pfeffersäcken in dunkelblauen Zweireihern mit Goldknöpfchen wegzukommen, denn in der verschlickten Schlangengrube Hafenwirtschaft kann man wirklich keinen Blumentopf mehr gewinnen (von der Tonnage-Steuer mal abgesehen ...). Westhagemann lenkt Hamburg mit Sparringspartnerin Katharina Fegebank auf langfristig wirtschaftlichen Erfolgskurs mit Themen, wie Medikamentenentwicklung oder Materialwirtschaft. 

In seiner zweiten Amtsperiode als Wirtschafts- und Innovationssenator scheint sich der gebürtige Beckumer im Hamburger Politik- und Pfeffersack-Sumpf freigeschwommen zu haben. Mit seiner Wasserstoff-Initiative für Hamburg und Norddeutschland hat er sein Gesellenstück abgeliefert - auch wenn's niemand mehr hören kann ... Mit "Mutti" als Zweiter Bürgermeisterin und Grüner Wissenschaftssenatorin bildet der parteilose Quanten-Promotor eine interessante Koalition für die Zukunft der Hammaburg. 

„Quantentechnologie ist die Schlüsseltechnologie unserer Zeit. Mit ihr werden wir Lösungen für die komplexen Herausforderungen von heute und morgen finden können – vom Klimawandel über Logistikfragen bis hin zur Impfstoffentwicklung."
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin,
Landespressekonferenz Hamburg, 25.10.2022

Mit der renommierten Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung am UKE, der international anerkannten Arbeit am Klimarechenzentrum und der Logistikforschung des Fraunhofer CML im Harburger Hafen inkl. Anschluss an das Fraunhofer-Netzwerk für Quantencomputing hat die alte Hafenstadt hohe Kompetenzen in immer wichtiger werdenden Themenfeldern. Es wäre nur "so mittel" klug, mit Quantencomputing nicht die Stärken zu stärken - und stattdessen auf Schlickbaggern zu setzen und im Jahr wie bislang 300 Mio. € und mehr an Steuergeldern im Hafen zu versenken (was sowieso nichts mehr bringt).

Das aktuelle Thesenpapier des "Hamburg Konvent" der Zeit-Stiftung fasst das so zusammen: "Wir werden in Deutschland, und für Hamburg gilt dies im Besonderen, unseren Lebensstandard, unsere Art zu leben, im Einklang mit Klimaschutz, nur erhalten, wenn wir die Fähigkeit stärken, die uns hierzulande seit langem auszeichnet: technologisch anderen in der Welt ein Stück voraus zu sein." Die drei klugen Köpfe hinter der Headline "Was Hamburg kann" sind niemand geringeres als Prof. Michael Göring, Nikolas Hill und Prof. Henning Vöpel. Visionäre, die wissen, wie man aus dem Schlick rauskommt.

Ein Boston an der Elbe: Köpfe statt Container?

Die drei Fast-schon-Nest-Beschmutzer werden in ihrem über zwei Jahre erarbeiteten Thesenpapier an die Abgeordneten der Bürgerschaft konkret: "Wir sollten noch stärker als bisher in Köpfe statt in Container investieren - nicht nur, aber vor allem und damit einen Umschlagplatz des Wissens und der Innovation für die globale Wissensökonomie begründen." Die Grundidee: Mehr Investitionen in die Hochschulen. So machen die kritischen Geister Hamburg die Rechnung auf: Die Stadt investiert in ihre Universität gerade mal 16.400,- € je Studienplatz und Jahr . An der Isar sind es dank Hightech-Fokus für die TUM mit 37.500,- € mehr als doppelt soviel. 

Bevor Katharina-ich kanns doch längst-Fegebank jetzt mit ihrer Großbaustelle "Science City Bahrenfeld" um die Ecke kommt, pointiert das Thesenpapier das Dilemma - u. a. nach einer halbherzigen und misslungenen Informatik-Initiave "Ahoi Digital" (auch wenn TUHH-Präsident und Hausgewächs Andreas Timm-Giel sie versucht, schönzureden): "Gebraucht werden aber für die Zukunft Konzepte in noch ganz anderer Dimension, von erheblich größerer Breite: Es geht nicht allein um staatlich subventionierte Wissenschaftseinrichtungen. Sie sollten vielmehr der Humus sein für privatwirtschaftliches Engagement, wie wir es bisher nicht kennen an der Elbe." 

Startup-Business statt Steuergelder-Sumpf Süderelbe

Als Beispiel könnte das millionenschwere Engagement von Quandt-Erbin Susanne Klatten und der BMW-Stiftung für "UnternehmerTUM" an der TU München dienen - seit nunmehr 20 Jahren. Die Fakten des "Isar Silicon Valley" nach Vorbild der Standford Universität in Palo Alto: Nr. 1 der Startup-Schmieden in der EU, mehr als 6.000 Interessenten über Gründungen informiert und beraten, mehr als 1.000 Gründungen begleitet, mehr als 500 Teams betreut, jedes Jahr im Schnitt 80 neue Gründungen. Und jetzt kommt's: Eingeworbenes Investment in 2021: 3,5 Mrd. €. In ganz München sind es 4,4 Mrd. € - rd. die Hälfte von Berlin.

Wir hören schon die Nörgeleien der Klapperschlangen aus dem Subenventionssumpf in Harburg rund um "TUTech Innovation", "Hamburg Innovation" und "Subenventions-Innovation". Da Fakten schwerer wiegen, als Selbstfertigungs-Argumentationen um die eigene Unfähigkeit hier die Zahlen: "UnternehmerTUM" verbrennt kein Geld, sondern druckt es. Für die gerade wach gewordenen Pfeffersäcke: 40 Mio. € Umsatz/Jahr, 50 Mio. € auf der hohen Kante, vier eigene Investmentsfonds in den vergangenen zehn Jahren. Das wär doch mal was, liebe Kaufleute ... Nicht immer nur Steuergelder an der Süder-Elbe versickern lassen. Wenn man mutig wäre.

Quantencomputer: Hamburg oder Hannover? Das ist die Frage.

Bei all den neuen Chancen ist ein blass wirkender Bundesrats-/Grußonkel aka Erster Bürgermeister Peter Tschentscher weitgehend außen vor - ebenso wie die restliche, von den Hamburger Wählern mittlerweile als wenig zukunftsweisend enttarnte SPD (siehe jüngste Umfrageergebnisse). Bleibt die Hoffnung, dass die Förderung der Entwicklung und Anwendung des Quantencomputings in Hamburg langfristig gesetzt wird - und nicht doch wieder Teelichter als Leuchttürme verhökert werden (vgl. Digitalisierung, KI, Blockchain, Startups etc. etc.). 

"Wir sollten uns nichts vormachen, uns nicht in trügerisches Sicherheit wiegen. Wir, diese Stadt als Ganzes, ist derzeit international nicht ausreichend attraktiv. Hamburg bezeichnet sich zwar oft als "Tor zur Welt". Nicht nur die Mutter von Karl Lagerfeld aber pflegte, wie er gern erzählte, dann zu sagen, dass Hamburg eben nur das Tor, aber nicht die Welt sei. Wir teilen diese Beobachtung auch heute noch".
Prof. Michael Göring, Nikolas Hill und Prof. Henning Vöpel,
Autoren des Thesenpapiers "Das kann Hamburg" des "Hamburg Konvent" der Zeit-Stiftung,
Hamburg, 01.11.2022

Für das Hanse Quanten Magazin HANSEQUANTUM ist das Vers.uen des Zukunftsthemas Quantencomputing an Alster und Elbe auch kein Problem: Dann etabliert halt sich das junge "Quantum Valley Lower Saxony" in Hannover und Braunschweig mit millonenschwerer Unterstützung von Land und Volkswagen-Stiftung zum einzig ernsthaften Wettbewerber Norddeutschlands zu den gesetzten Quantenzentren in München (LMU, TUM, Fraunhofer) und Eningen (IBM mit Fraunhofer). Darüber berichten wir dann auch sehr gern.

*  *  *

 Hanse Digital Background: 

Zeit-Stiftung: Bericht des Hamburg Konvent: Was wird aus der Hansestadt?

Hamburg Konvent: Thesenpapier "Das kann Hamburg" (PDF-Download)
yumpu.com/

HANSESTATEMENT:
Das digitale Wolkenkuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?

hansevalley.de/

HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.
hansevalley.de/

HANSEEXKLUSIV Klaus von Dohnanyi: "Alles bleibt anders."
hansevalley.de/

 Hanse Digital Presse: 

09.11.2022
Martin Kliesch übernimmt Stiftungsprofessur für Quantum Inspired and Quantum Optimization an der TU Hamburg
tuhh.de/

27.10.2022: 
Auftragsvergabe in Höhe von 208,5 Millionen Euro im Rahmen der DLR Quantencomputing-Initiative
dlr.de/

25.10.2022:
Senat beschließt 34 Millionen Euro starkes Maßnahmenpaket
10.10.2022:
Förderung für sichere und zuverlässige Übertragung von Quantendaten
uni-hamburg.de/

20.09.2022:
4,9 Millionen Euro für die Berechnung von Strömungen
uni-hamburg.de/

11.05.2022:
Initiative Quantum Innovation Capital erfolgreich gestartet
hamburg.de/

03.12.2022:
Forschende der Universität Hamburg bauen Quantencomputer

 Hanse Digital Service: 

Quantencomputing in Norddeutschland:

Hamburg Quantum Innovation Capital c/o ARIC

Quantum Valley Lower Saxony, Hannover + Braunschweig

Quantencomputing Süddeutschland:

Kompetenzzentrum Quantencomputing Baden-Württemberg

Munich Quantum Valley (MQV)

Quantencomputing bundesweit:

DLR Quantencomputing-Initiative

Fraunhofer Kompetenznetzwerk Quantencomputing

(in alphabetischer Reihenfolge)

Dienstag, 26. November 2019

HANSESTATEMENT: Eine digitale Odyssee in Rot-Grün.

HAMBURG DIGITAL WAHLEN

Hanseatische Bescheidenheit zur Digitalisierung an Alster und Elbe.
Urheber: bekannt.

"
Ich wüsste schon, wen ich dort hin ... schicke", frotzelte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Bezug auf sein Raumfahrtprogramm und den Traum vom Flug zum Mond - in einer viel beachteten Rede vor dem CDU-Bundesparteitag am 23.11.19 in Leipzig. Hamburgs Ersten Bürgermeister und SPD-Chefwahlkämpfer Peter Tschentscher meinte er eher nicht. Denn die Freie und Hansestadt beschäftigt sich vor allem mit sich selbst und hat - wie immer - die Stadt und damit sich selbst im Blick, fernab politischer Impulse für die Zukunft.

Der CSU-Chef lobte in seiner Rede den Wissenschaftsstandort Berlin - mit drei kooperierenden Universitäten als einen Exzellenzstandort für die Zukunftsthemen unserer Zeit. Der angstfreie Regierungschef kündigte an, dem Beispiel der Hauptstadt zu folgen, und Hochschulen fernab von LMU und TUM zu regionalen Themenschwerpunkten und lokalen Projektschwerpunkten - vor allem für den geplanten KI-District Bayern - zusammenzuschließen. An die unbekannte Science City Bahrenfeld dachte er offenbar nicht.

"Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete.
Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen ...
Die Kunst ist auch, die Zukunft im Blick zu haben."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Suchen wir beim parteilosen, auf SPD-Ticket laufenden Wirtschaftssenator nach der Hamburger Zukunft. Am 30. September d. J. präsentierte Michael Westhageman voller Stolz die Gründung des Articial Intelligence Center Hamburg, einem privaten Zusammenschluss aus kleinen, mittleren und größeren Unternehmen sowie Hochschulen plus Technologietransfer-Experten. Der unermüdlich die Chancen der KI hervorhebende, scheidende Senator verspricht eine unglaubliche Unterstützung i. H. v. 400.000,- € pro Jahr - für max. 2 Jahre.

In Hamburg tüdeln drei Behörden mit Informatik-Plattform (BWFG), AI-Netzwerkförderung (BWVI) und KI-Prototypen-Förderung in Medien (BKM) herum. Und was macht Bayern? Der Süden investiert 360 Mio. €. Der Freistaat will allein 100 neue Lehrstühle nur zum Thema KI schaffen, davon 22 in der mit Hamburg durchaus vergleichbaren Stadt München - in Worten: "zwei-und-zwanzig". "Die KI ist die Dampfmaschine der neuen digitalen Welt und die Basis für eine grundlegende technische und industrielle Revolution", so Markus Söder.

"Das Tempo der Entscheidungen machen nicht wir,
aber die Geschwindigkeit der Reaktionen - das entscheiden wir."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Natürlich engagiert sich der Senat mit Bürgermeister*in-Kandidatin Katharina Fegebank für den Wissenschaftsstandort. Mit der Informatik-Plattform Ahoi Digital plant die Hansestadt mit 23 Mio. € Fördermitteln von Senat und zwangsweise mit zur Kasse gegebenen Hochschulen 35 neue Informatik-Professuren (auf dann 100 Stellen) und bis zu 1.500 zusätzliche IT-Studienplätze. Womit wir bei der Frage sind, wer den längeren Atem hat. Bayern plant 1.000 neue Professuren für noch einmal zusätzlich 10.000 Informatik- und Technologie-Studienplätze, plus 400 Mio. € für die Hochschulreform.

Zukunft vs. Hafen

Zurück zur rauen Wirklichkeit der Handels- und Logistikmetropole an Alster, Bille und Elbe. Während Markus Söder am 1. Juli d. J. in München die neue Raumfahrtfakultät an der TU einweiht, verbunden mit einem Förderprogramm von 700 Mio. €, einem eigenen Universitäts-Campus und dem Ziel, in Bayern Satelliten zu bauen, baggert man an der Hammaburg nach 17 Jahren Planung und diversen Prozessen zu den geschätzten Kosten einer Elbphilharmonie (866 Mio. €) den Schlick aus dem Fluss.

Gegensätze bringen auf den Punkt, worum es geht. Daher zitieren wir einmal mehr den Bayerischen Ministerpräsidenten: "Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete. Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen." Wo in Antwerpen und Rotterdam innovative Terminals schneller laden und hochautomatisierte Logistikzentren schneller drehen, investiert Bayern mit der Hightech-Agenda 2 Mrd. € in die Zukunft als KI- und SuperTech-Standort, z. B. für Robotik.

Zukunft vs. Games

Der Blick in die Hamburger Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörden lässt weder eine Strategie noch Visionen in Sachen digitaler Zukunft erkennen. Die für den Herbst erwartete neue Innovationsstrategie des Senats ist ein bis heute perfekt gehütetes Geheimnis. Schauen wir beim Senator für digitale Inhalte und Infrastruktur vorbei: Nach der Reanimation des staatlichen Branchenclusters für die Gameswirtschaft verkündet Scholz-Vertrauter Carsten Brosda zur Eröffnung der 1. Gamevention eine - zum 50 Mio. €-Paket von Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) - ergänzende, "scharf zugespitzte" Gamesförderung für Hamburg.

Großmütig gesteht er ein, dass die Branche ohne Förderung nicht auskommt. Sein Freund Scholz hatte die vom CDU-Senat eingeführte Prototypenförderung mit bis zu 1 Mio. € zinslosem Kredit 2011 kurzerhand gestrichen. Statt auf Zukunftskurs für die so führende Gamesbranche zu gehen, sammelt der SPD-Wahlkämpfer die Hoffnungen der Branche gleich wieder ein: Eine Förderung wie in Bayern mit 3 Mio. € oder NRW mit 2,4 Mio. € werde es in Hamburg nicht geben. Klingt nach Haushaltskrümeln und Dezember-Fieber der Medenbehörde. Senatskollegin Fegebank wusste bei der Messeeröffnung davon jedenfalls (noch) nichts.

Zukunft vs. Bücherei

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Digitalisierung, wenn man sich im Blitzlichtgewitter oder in Kameralampen wieder einmal sonnen will. Neueste Idee der - die Dächer der Stadt im Blick behaltenden - SPD ist ein "Haus der digitalen Welt". Das medial von der Lokalpresse kolportierte Leuchtturmprojekt soll ein "Bildungs- und Zukunftsort für alle Hamburgerinnen und Hamburger" werden. "Es wird ein bundesweit einzigartiger Ort, an dem Digitalisierung erlebbar und erlernbar wird", feiern sich die Sozialdemokraten für die Schnapsidee ihres am kommenden Samstag zu verabschiedenden Wahlprogramms.  

Was heißt "digitales Haus" auf Deutsch? Ein neuer Standort für die Zentralbibliothek vom Hühnerposten, verbunden mit einer handvoll digitaler Selbstverständlichkeiten - umgesetzt von den staatlich gängelten Bücherhallen und Volkshochschulen. Das Ganze zu einer Fast-schon-so-gut-wie-Revolution an der Kaikante hochgejazzt - und fertig ist ein weiteres Stückchen "Future Hamburg". Kann ja nicht jeder mal eben 4,5 Mio. € in die KI-Entwicklung stecken, wie das arme Schleswig-Holstein. Aber wir wollten ja bei Hamburg vs. Bayern bleiben ...

"Deutscher Provinzialismus in der Hoffnung, das zieht an uns vorbei,
war schon immer gefährlich."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Hamburg liegt unter den deutschen Städten mit den meisten Digitalexperten auf einem so mittleren Platz 3 - hinter Berlin und München, bei den meisten KI-Experten nicht einmal unter den Top 5 - noch hinter Frankfurt, Stuttgart und Köln. Nur bei den angestellten IT-Experten führt die Hansestadt knapp vor der Startuphauptstadt Berlin. Bei den angesiedelten Startups entgeht die Hansestadt nur um Haaresbreite einem peinlichen 4. Platz, durchgereicht von Stuttgart und Karlsruhe. Dafür wird Hamburg unter den Smart Cities in diesem Jahr von Köln auf den 2. Platz degradiert.

Der Senat reagiert auf Zahlen und Fakten mit eingekauften oder zahmgestellten Leuchtturmprojekten. Der heisseste Scheiss der rot-grünen Sandmännchen unter Mondfahrer Tschentscher ist der "Digital Campus Hammerbrooklyn". Nachdem die miesen Machenschaften von Art Invest aufflogen, schnappte sich Vorzeigemobilisierer Westhagemann das Terrain. Seit dem wird in den grünen Blechboxen die Zukunft der Mobilität diskutiert, alternativ die "Stadt der Zukunft" - also das geplante Büro- und Gewerbeimmobilienprojekt hinter dem Digitalpavillon. Wenigstens der Name ist digital ... 


"Ich kriege manchmal den Satz zu hören: 'Wir müssen der Fels in der Brandung sein.'
Dann stelle ich die Frage: Da, wo Du stehst, gibt's gar kein Wasser mehr?"
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Über die Grenzen der Elbe hinweg ist die Hansestadt in jüngster Zeit auch nicht durch Digitalkompetenz in Erscheinung getreten. Bei einem Spitzentreffen der Digitalminister, Staatssekretäre und Amtschefs glänzten SPD-Staatsrat Jan Pörksen und sein Chief Digital Officer Christian Pfromm mit Abwesenheit. Während Hamburg sich nicht mit den Unions-Gastgebern aus Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein an einen Tischen setzen wollte, hatten die Genossen aus Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen kein Problem mit der "Frankfurter Erklärung" zur Zusammenarbeit der Länder.

"Wir haben da Ambitionen, auch Anschluss zu finden."
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

HANSEVALLEY hat in den vergangenen 3 Jahren in 1.100+ Nachrichten und mehr als 270 Interviews, Reportagen, Beiträgen und Kommentaren gezeigt, was digital in Hamburg läuft - und was nicht. SPD und Grüne haben in der vergangenen Wahlperiode nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, Hamburg in die digital-vernetzte Zukunft zu führen. Die oppositionellen Christdemokraten freuen sich über mehr oder weniger visionäre Straßenbahnträume, um die Stadt im Blick zu behalten. Die steckt derweil weiter im Schlick fest - statt durchzustarten.


*  *  *

Ein Meinungsbeitrag von Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background:

Rede Markus Söder 23.11.19

youtu.be/s9NdPNB3uac

Frankfurter Erklärung der Länder

digitales.hessen.de/sites/digitales.hessen.de/files/Frankfurter%20Erkl%C3%A4rung%20der%20D17%20-%20beschlossen.pdf

Spieleförderung des Bundes
bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Computerspielefoerderung/computerspielefoerderung.html

Hightech Agenda Bayern

bayern.de/hightech-agenda-bayern/#I,1,3

Raumfahrt-Fakultät TU München

sueddeutsche.de/muenchen/tu-muenchen-neue-fakultaet-luftfahrt-raumfahrt-1.4507176