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Montag, 28. Januar 2019

HANSEINVESTIGATIV: Faktor 3 + die merkwürdigen Methoden des Monsieur Martens.

HAMBURG DIGITAL RECHERCHE
* Update *

Sie galt eine der ersten Adressen an Alster und Elbe zu sein: Die Hamburger PR-Agentur Faktor 3. Bekannt und reich geworden dank einst pfiffiger Ideen und renommierter Großkunden, wie Olympus, Samsung oder Sharp. Doch mittlerweile scheint sich die Aktiengesellschaft eher in einen "gierigen Allesfresser" mit "selbstherrlichem Gehabe" und fehlender Kinderstube entwickelt zu haben. 


Eigenwerbung Faktor 3

Was lokale Kunden, wie Beiersdorf mit "Eucerin" und "Nivea", Carlsberg mit "Astra", die Dräger-Werke aus Lübeck, die Otto Group mit "Limango", "MyToys" und "Otto.de" sowie der Senat mit "Next Media Hamburg" wohl nicht wissen: Bei Faktor 3 werden Journalisten ausgesperrt und schriftlich angepöbelt. Zeit, in die Dreckecken einer fragwürdigen Hamburger Erscheinung zu leuchten. Eine Hamburg Digital Recherche:

Mehr als eine Million Euro kassiert die berüchtigte Agentur mit Hipster-Vollbärten, Skimützen- und Basecap-Liebhabern sowie (unerfahrenen) Junior-Beraterinnen im Jahr vom Hamburger Senat, so gut informierte Kreise. Der Auftrag: Betreuung der erfolglosen, relaunchten und immer noch nicht erfolgreicheren Mediennitiative "Next Media Hamburg". Die Summe ist dringend notwendig, denn die vom umtriebigen Volker Martens gegründete Agentur schleppt nach eigenen Angaben 200 Mann mit, die bezahlt werden müssen. 


Vorstand Martens hat gut Lachen - etwa über seine Kunden?
Foto: Next Pressefoto

Also verkauft Faktor 3 vermeintlich den letzten "heissen Scheiss", ob die Kunden der Kunden ihn nutzen - oder auch nicht. Ein für jedermann sichtbares Zeugnis: Die mit großem Aufwand in Studio-Optik produzierten, den Kunden in Rechnung gestellten, jedoch weitgehend nutzlosen - weil schlicht unbekannten - YouTube-Videos für Klienten, wie "Next Media Hamburg" und auf Events, wie "Next Konferenz" und OMR. Das macht aber nichts, denn das merkt im selbstverliebten Marketing-Sumpf rund um Alster und Elbe zwischen all der Selbstbeweihräucherung sowieso (fast) keiner.

"Wir nutzen die gesamte Klaviatur der Kommunikation, um Ihr Unternehmen erfolgreich in der öffentlichen Wahrnehmung zu platzieren." 

Ein besonders raffinierter Trick der Kommunikateure aus der Kattunbleiche in Wandsbek: 1. Die von Innovatoren als "Geschäftemacher" eingestuften PR'ler treten als Co-Veranstalter von Events auf, wie bei der "Next Konferenz" mit der Accenture-Tochter Sinner-Schrader und auf den "IT-Strategietagen" mit dem Hauptveranstalter Digitalcluster Hamburg@work. 2. Organisieren die Junior-/Truppen aus dem Osten Hamburgs dann die Events - einschl. Konzeption, Inhalten, Technik, PR und Marketing. So kassiert die sichtlich nimmersatte PR-Truppe mindestens zweimal ab - als Co-/Veranstalter eine Gewinnbeteiligung und als Exklusiv-/Dienstleister ohne Ausschreibung und Wettbewerb nochmal.


Alles in einen Topf - und dann mehrfach abkassieren.
Video: Next Media Hamburg@Next 2018

Bei der "Next Konferenz" greifen Volker Martens und seine Mannen sogar mind. dreimal in Kasse, da man den Kunden "Next Media Hamburg" als Sponsorpartner mit ins Boot des Events geholt hat. Damit die von Kennern aus Veranstalterkreisen als "Agentur-Abzocke" pointierte Methode nicht auffällt, unterhält man neben der PR-Agentur eine Event-Firma sowie eine Public Affairs-Tochter, die natürlich eigenständig die Kunden bekuscheln. Und damit es finanziell richtig Spaß macht, gibts auch eine eigene "Beratungs-Bude" mit ganz großen Rechnungen für Bertelsmann, Deutsche Messe, Microsoft, Porsche oder Vattenfall.

"Wir können öffentliche Meinung. Wir haben ein Gespür für den Public Sense."*

Insider der Hamburger Tech-Szene und die Grünen in der Bürgerschaft fragen sich seit Jahren nicht nur hinter vor gehaltener Hand, welche Leichen sich Faktor 3 mit dem Senat teilt, um mit "Next Media" die linke Tasche, die rechte Tasche und auch noch die Reisetasche voll zu schaufeln. Ob Kunden, wie Microsoft, Nestlé mit "Bübchen", der Elektronik-Riese Samsung, Zellstoff-Fabrikant SCA mit "Tempo", "Tork" und "Zewa" sowie der schwedische Handelskonzern Stadium über "Martens Machenschaften" Bescheid wissen, dürfte fraglich sein. Umso wichtiger ist es, gründlich hinter die Fassade der Hamburger PR'ler zu schauen.


IT-Strategietage von Hamburg@work: Okkupiert von Faktor 3?
Foto: Hamburg@work

"Wir sorgen für eine strategisch geplante, einheitliche und widerspruchsfreie Kommunikation über alle Kanäle hinweg." *

Anscheinend hat Faktor 3 jedoch nicht nur ein Problem mit offensichtlicher Maßlosigkeit gegenüber Kunden. In den vergangenen 24 Jahren hat sich bei der gern selbst gefeierten "Top-10-Agentur" mit Porsche als Vorzeige-Referenz erkennbar eine Kultur der Überheblichkeit und Selbstverliebtheit entwickelt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der für die "IT-Strategietage" zuständige PR-Betreuer Thomas Pelkmann die Bitte zur problemfreien - weil 2018 verschlampten - Akkreditierung mit einer maßlosen, Berufskodex-brechenden und ganz eigenen Faktor 3-Antwort ablehnt:

 "Ihrer Bitte um Akkreditierung werde ich nicht entsprechen; ich möchte Ihnen nicht erneut „Probleme und Behinderungen seitens der Agentur“ zumuten, die diese Veranstaltung trägt." 

Die Akkreditierung ohne sachliche Begründung verweigern? Interessante PR-Politik seitens Faktor 3. Eine Agentur, die als Dienstleister die IT-Strategietage trägt? Interessante Sicht auf die eigene Agenturarbeit. Ist die ausverschämte Rückmeldung eines angestellten Mitarbeiters ein "bedauerlicher Einzelfall" oder ein "versehentlicher Fehltritt"? Hat die Kommunikation des offensichtlich nicht auf der Höhe der Zeit befindlichen Angestellten etwas mit "unglücklichen Missverständnissen" zu tun? Oder handelt es sich um die "Methode Martens & Co.", der sich ein abhängig Beschäftigter gern annimmt? 

"Unsere Kunden erhalten strategische Beratung auf Augenhöhe und operative Exzellenz in der Umsetzung." *


Künstliche Verknappung und Selektion als Abzock-Methode?
Foto: Next Pressefoto

Die Antwort: Schon 2016 druckste ein Agenturbetreuer bei der Akkreditierung zum "Scoopcamp" von "Next Media Hamburg" herum und schrieb von "begrenzten Plätzen" für Journalisten. Der Pressetisch bei dem von Faktor 3 organisatorisch und PR-seitig betreuten Event war halb leer. 2017 und 2018 lehnten die Agenturbetreuer die Teilnahme unseres Magazins an der - von ihnen mehrfach gechargten - "Next Konferenz" ab. Begründung: "Begrenzung auf ausgewählte, vornehmlich bundesweite Berichterstatter". Dafür tummelte sich - per Imagevideo festgehalten - die halbe digitale Dorfszene mit Kreti & Pleti einschl. Junior-Somethings dank Freitickets auf der geschrumpften und mangels Erfolg aus Berlin geflüchteten und vom Hamburger Senat gepamperten Lokalkonferenz.

"Wir sind überzeugt von glaubwürdiger Kommunikation. Wir formulieren Ihre Botschaften so, dass sie für den einzelnen Menschen bedeutsam sind." *

Nun pöbelt ein Redakteur von Faktor 3 offen gegen die Akkreditierung eines Fachmediums, das mit Veranstalter Hamburg@work vertrauensvoll zusammenarbeitet, zeigt die Agentur ihr wahres, fieses Gesicht. Thomas Pelkmann gehört nicht zum unerfahrenen, ungebrieften Nachwuchs. Er sitzt 5 Jahre auf einem gut gepolsterten Sessel. Heißt: Die so renommierte Agentur betreibt Cherrypicking und Zwei-Klassen-Politik, welche genehmen Hofberichterstatter sie zulässt und welche kritischen Journalisten sie lieber nicht in die Dreckecken der von ihnen mitveranstalteten und abgerechneten Events schauen lässt. Schade, wenn man bedenkt, dass bei der Agentur eigentlich viele nette Leute arbeiten:


Faktor 3-Eigenwerbung Weihnachten 2018
Quelle: Facebook-Seite

Auch wenn die lokale Marketing-Szene rund um Kunde "Next Media Hamburg",  Partner "Next Acceleratoren" und Eventpartner "Online Marketing Rockstars" Applaus klatscht und sich freut, dass jemand HANSEVALLEY mal so richtig eins ausgewischt zu haben scheint: Für eine sich selbst als Top-Agentur mit Top-Kunden feiernde PR-Firma ist die herabsetzende - und von Veranstalter Hamburg@work mit Intervention zurückgewiesene - Kommunikation ihres PR-Mitarbeiters und die Veröffentlichung des Falls ein Fiasko für die eigene Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Kunden. Das Verhalten von Faktor 3 spricht eine eindeutige Sprache, das auch durch Social Media Fanposts nicht besser wird.

Unser persönliches Fazit aus fast 3 Jahren merkwürdiger "Martens-Methoden":

Bei Faktor 3 kommt heute zusammen, was wohl schon immer zusammen gehört: Sichtbar selbstherrlich agierende Vorstandsmitglieder, die meinen, wohl etwas Besseres zu sein. Mitarbeiter, die arrogant ihre Kunden - sprich Journalisten - abkanzeln und der Kultur ihrer Vorstandsmitglieder zu folgen scheinen. 


M. Schrader (li) und V. Martens (re) - lachen Sie sich ins Fäustchen?
Foto: Next Pressefoto

Dazu Partner wie Matthias Schrader, die Selektion und Cherrypicking seit Jahren bei der "Next Konferenz" betreiben. Und Kunden, wie Samsung, die mit ihren Marketing-Mitarbeitern beim Mobile World Congress in Barcelona mit einer Arroganz auftreten, dass man sich wünscht, der chinesische Rivale Huawei hätte sie bereits überholt. Aber das ist ein Thema für die nahe Zukunft.

* Zitate: Eigenwerbung Faktor 3 und verbundene Firmen.

 Hamburg Digital Background: 

HANSESTATEMENT: Der kleine "Philipp" - die neue "Barbara" für Hamburg:
https://hv.hansevalley.de/2019/01/hansestatement-maskottchen-philipp.html

HANSESTARTUPS: Next Acceleratoren - Die Durchlauferhitzer des Bodo Kraeter:
hv.hansevalley.de/2018/08/hansestartups-next-acceleratoren.html

HANSESTATEMENT: Hamburg, #daswarsmitmedien, oder?
https://hv.hansevalley.de/2017/09/hansestatement-medienstandort-hamburg.html

Mittwoch, 27. September 2017

HANSESTATEMENT: Hamburg, #daswarsmitmedien, oder?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

Am Donnerstag öffnet im traditionsreichen Kehrwieder-Theater zum mittlerweile 9. Mal das "Scoopcamp" seine Pforten. Die laut Eigenwerbung "Innovationskonferenz für Medien" diskutiert in diesem Jahr digitale Konzepte von fernen Kontinenten - aus Florida und Nigeria. Außerdem auf der Tagesordnung: eine "digitale Sozialreportage", Design Thinking bei "Zeit Online"und ein Medien-Prototyping, das den "gesamten öffentlichen Raum" umfassen soll. 


HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup
Foto: Stefan Kney
Sind Design Thinking, Prototyping und Sozialreportage geeignete Lösungsansätze für die in der Sturmflut befindliche Medienbranche Hamburgs? Werden interkultureller Austausch und trendige Kreativtechniken Hamburgs Blattmacher der Morgenpost wieder in Lohn und Brot bringen? Wie ist es bestellt um Arbeitsplätze und Standortpolitik in der einstigen Medienhauptstadt Deutschlands. Ein Hamburg Digital Statement:

Vor einem Jahr hörte ich Carsten Brosda auf dem "Scoopcamp" zum ersten Mal. Damals war mein Gedanke: Endlich ein Politiker, der die Medienbranche versteht und Klartext spricht. Endlich ein Praktiker, der die Leitbranche mit Rat und Tat unterstützt. Mit Weggang engagierter Mitarbeiter und dem Umzug des Medienamtes ist es schläfrig geworden in der Hamburgischen Medienförderung.

Ein Jahr, einen schmutzigen Shitstorm und einen häßlichen Hatespeech Hamburger Szene-Protagonist*innen später, komme ich zu dem Ergebnis: an der Elbe wird in Sachen Medien offensichtlich nur mit lauwarmem Wasser gekocht. 'The same procedure as every year' lautet offensichtlich die Devise in der kleinen Welt der "Next Media", finanzierter "Moonshot"-Konferenzen, "Leitevents" und Citylight-Poster. Im Gegenzug dazu sah ich in den vergangenen drei Monaten gleich drei "Medienflöcke", die nicht in Hamburg "eingeschlagen" wurden:

"Führende Publizistische Marke" in der digitalen Welt
  • Am 26. Juni d. J. eröffnete das Nachrichten-Portal "T-Online" mit 45 Redakteuren seinen neuen, zentralen Newsroom in ... der Torstraße, Berlin-Mitte. Das zum Werbevermarkter "Ströer" gehörende, mit 4.000 öffentlichen Videobildschirmen und 47 Millionen Nutzern pro Monat deutschlandweit reichweitenstärkste Portal soll zur "führenden publizistischen Marke" in der digitalen Welt ausgebaut werden. Flock 1.
Technologie-Showcase für die „Neue Welt des Arbeitens“
  • Am 31. Juli d. J. eröffnete der Software-Riese "Microsoft" mit über 70 Redakteuren zusammen mit der Content Marketing Agentur "C3" für die Online-Nachrichten-Marken "Bing, "Edge" und "MSN" seinen neuen, internationalen Newsroom in ... der Spandauer Straße, Berlin-Mitte. Für Microsoft ist der internationale Standort zugleich "Technologie-Showcase für die neue Welt des Arbeitens". Flock 2.
Europas größtes YouTuber-Festival mehr als 20.000 Besuchern
  • Am 24. und 25. August d. J. trafen mehr als 10.000 Fans der Generation "Z" aus ganz Deutschland auf 500 geladene YouTube-Stars mit zusammen mehr als 100 Mio. Fans ... in der Lanxess-Arena, Köln. Die "VideoDays" finden ihre Fortsetzung am 9. und 10. Dezember d. J. in ... der Mercedes-Benz Arena, Berlin. Flock 3.

Nextmedia-Studie bestätigt: Berlin ist Medienstandort Nr. 1

Die aktuelle Studie der Medieninitiative "Nextmedia Hamburg" zusammen mit dem Business-Netzwerk "Xing" bestätigt: Berlin ist der führende Medienstandort Deutschlands. Die meisten "Media Worker" sind an der Spree zu Hause. Mit 64.000 Journalisten und Kommunikateuren, Marketern und Kreativen liegt die Spreemetropole deutlich vor Hamburg mit 53.000 Medienschaffenden und München mit 50.000 Profis.

Mehr als 443.000 von insgesamt rd. 528.000 Medienschaffenden arbeiten laut Xing-Profiauswertung heute in klassischen Medien und Redaktionen - ein Anstieg von 18.000 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Ein Sechstel bzw. 84.000 arbeiten außerhalb von Medien und PR sowie Marketing und Kreation, vornehmlich in Internet- und IT-Unternehmen. Die Medien-, PR-, Marketing- und Werbebranche wächst.

Die Schlüsselfrage lautet:

Warum profitiert vor allem Berlin von neuen, digitalen Medienangeboten - wie dem "Microsoft"-Newsroom, dem "T-Online"-Newsroom und den "VideoDays"? 

Oder andersrum gefragt:

Warum schafft es Hamburg nicht, neue, digitale Medienangebote an die Elbe zu holen? Warum verliert unsere Stadt weiterhin an Boden gegenüber Berlin?

"Friends & Family"-Videos mit durchweg 2-stelligen Abrufraten 

Ein Blick von außen auf die Hamburger Szene schafft Klarheit: Schaue ich auf Plakate, Publikationen und Events von "Nextmedia Hamburg", sehe ich vornehmlich die gleichen Gesichter: einen "DPA"-Chefdigitalisierer, eine "NMA"-Vorzeigefrau, einen "OMR"-Frontmann, eine "Xing"-Chefredakteurin und einen "12min"-Co-Founder. Fast alle genannten Protagonist*innen profitieren von der Hamburger Medienförderung. Aber sind sie es auch, die Hamburgs gewaltige Medienbranche bewegen?

Bei allem Respekt vor der Arbeit der Medien- und Techmacher sowie vor Carsten Brosda: Wo sind die Innovatoren der laut Hamburg Marketing mehr als 3.000 Presse- und Rundfunkhäuser an Alster und Elbe? Wo sind die Innovationen der Zeitungs-, Zeitschriften-, Buch- und Fachverlage? In den "Friends & Family"-Filmchen mit Abrufraten im durchweg unteren zweistelligen Bereich jedenfalls nicht. Die Relevanz der kostspieligen Videos gleicht einem Versagen der beauftragten Agentur.

Medien in Florida und Nigeria - oder Hafencity und Neustadt?

Wo sind die Macher der digitalen Medienangebote im Social Web, wie "YouTube"? Warum lassen Medienamt und Medieninitiative die Veranwortlichen nach Berlin und Köln ziehen, um dort mit jeweils 500 Social Media Stars die nächste echte digitale Party zu feiern? Warum finden die "VideoDays" nicht in der "Hamburg Messe" statt? Ein Verweis auf das - wie der Name schon sagt - Marketing-Festival "OMR" ist an dieser Stelle nur bedingt geeignet.

Klar ist: Medientechnologien, wie Augmented- und Virtual Reality (gefördert durch "NextReality Hamburg") sowie Gamestechnologien (gefördert durch "Gamecity Hamburg") werden den Medienstandort nach vorn bringen. Allein der Carlsen-Verlag hat mehr als 20 interaktive Bücher mit AR-App herausgebracht - entwickelt seit 2015, vorgestellt am Dienstag-Abend in der Hamburg Digital Community NEXTHANSE. Unterstützung und Anerkennung der staatlichen Medienförderer für diese Medieninnovation? Nicht vorhanden ...

Diskussionen und Preisverleihungen zu Digitalprojekten in Florida oder Nigeria werden keinen einzigen neuen Arbeitsplatz zwischen Hafencity und Neustadt schaffen und den gefeuerten Mopo-Redakteuen wieder eine Chance auf ein sicheres Einkommen ermöglichen. Kein Medienjob in einem der 2.100 Verlage und rd. 1.000 Hörfunk-, Fernseh- und Produktionsstudios wird durch "Reisen in ferne Länder" gesichert. Das kuschlige Scoopcamp macht eher den Eindruck einer Filterblase gut genährter Profiteure.

"Kleingeistig wirkendes Verhalten und provinzielle Haltung"

Es mag sein, dass es an Alster und Elbe bislang nicht schicklich war, offensichtliche Missstände anzusprechen. Als Medienmacher mit mehr als 25 Jahren journalistischem Background und 19 Jahren kommunikativen Erfahrungen tut es mir jedoch leid zu sehen, wie die einstige Medienhauptstadt nach dem Aderlass durch "Axel Springer", "DPA" und "Studio Hamburg" auch digital massiv an Boden zu verlieren droht. Und ein Ende ist bis heute nicht in Sicht.

Diskussionswürdig dürfte auch das kleingeistige Verhalten der Veranstalter von "Next", "OMR", "Scoopcamp" oder "Voccer" sein. Fadenscheinige Argumente, um nicht hofberichterstattende Medien vor der Tür stehen zu lassen, zeigen das wahre Gesicht subventionierter Medien- und Marketingevents, ihrer Agenturen und die zutiefst provinzielle Haltung. Das ist weder Weltstadt, noch Tor zu Welt. Das ist unter dem Niveau der liberalen Hansestadt. Aber Liberalität endet für einige Spezialisten bekanntlich bei der eigenen Meinung.

"Beliebteste deutsche Medienstadt": das 'Pfeiffen im Walde'?

Die jüngsten Beispiele von neuen, digitalen Medienangeboten in Berlin zeigen mir, dass es den Verantwortlichen im Amt Medien trotz millionenschwerer Etats bislang nicht gelungen ist, überzeugende Konzepte zu entwickeln, dem Medienstandort von Rudolf Augstein, Gerd Bucerius, John Jahr und Axel Springer neues, digitales Leben einzuhauchen - fernab von US-Internetgrößen und Marketingplayern. Die Promotion um den "beliebtesten Medienstandort" erinnert mich an das berüchtigte 'Pfeiffen im Walde'.

Ohne Medien ist Marketing nur Reklame ohne Wert. Das haben die Verantwortlichen von "Facebook" und "Google" auf der "Dmexco" mehr als einmal betont. Oder wie es "Mr. Media" Thomas Koch auf den Punkt bringt: "Ohne Haltung ist Content nur noch mehr Müll auf der Werbehalde." Die "beliebteste deutsche Medienstadt" sollte sich bewusst werden, 1. woher sie kommt, 2. wofür sie wirklich steht und 3. wohin sie will. Sind Marketing-Krawall, Startup-Durchlauferhitzer und "Friends & Famliy"-Filmchen eine wirkungsvolle Förderung des Medienstandorts Hamburg? 

Hamburgs Medienszene an "Tag 2", gefangen im Stillstand?

Das Thema Tech hat der "MediaTech Hub Potsdam" besetzt - in Tradition von Albert Einstein und Hasso Plattner, mit Studio Babelsberg vor den Toren der Medienhauptstadt Berlin. Das Thema Startup-Support hat die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf auf die Tagesordnung gesetzt: 1.000,- € pro Monat über 1 Jahr für 1.000 Startups, um den Gründerstandort NRW einschl. der Medienstadt Köln zu fördern. Einzig die branchenübergreifende Zusammenarbeit von Kreativwirtschaft und traditionellen Branchen scheint ein Lichtblick mit Potenzial zu sein - entwickelt von der Kreativgesellschaft. 

Ist Hamburg noch in der Vitalität von "Tag 1", wie es Jeff Bezos fordert, besessen von Kunden, skeptisch gegenüber Lösungen im Schneckentempo, eifrig bei der Aufnahme neuer Trends und schnell beim Finden von Entscheidungen? Oder ist die Medienszene schon an "Tag 2", gefangen im Stillstand, gefolgt von Irrelevanz und einem qualvollem Niedergang? Die Tatsachen rund um "Microsoft", "T-Online" und "VideoDays" sowie die sinnfreien Abwehrgefechte lokaler "Medienprominenz" lassen nichts Gutes ahnen.

Hinweise, Anregungen und Kritik zum Hamburg Digital Statement sind herzlich willkommen unter hamburg@hansevalley.de.

* * *

 Hamburg Digital Background: 

Eröffnung des "T-Online"-Newsroom in Berlin
www.t-online.de/finanzen/boerse/news/id_81517664/eroeffnungsfeier-in-berlin-neuer-newsroom-fuer-t-online-de.html

Eröffnung des "Microsoft"-Newsroom in Berlin
https://news.microsoft.com/de-de/microsoft-startet-internationalen-newsroom-mit-c3-in-berlin/

Eröffnung der "VideoDays" 2017 in Köln
www.rp-online.de/nrw/staedte/koeln/videodays-2017-in-koeln-tausende-fans-treffen-youtube-idole-aid-1.7032650

 Hamburg Digital Statements: 

Wirtschaftscluster + Koordination:
HANSESTATEMENT: Ein digitaler Lotse auf der Hamburger Brücke.

Wirtschaftshauptstadt + Startupcity:
HANSESTATEMENT: Perspektiven für Erwachsene in der digitalen Hansestadt.


Sonntag, 22. Januar 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Carsten Brosda: "Digital First"-Projekt nimmt seine Arbeit auf.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

HANSEHIGHLIGHT Themen-Special: Digitale Stadt oder digitale Diaspora.


Staatsrat und "CDO" Hamburgs: Dr. Carsten Brosda
Foto: Senatskanzlei Hamburg / J
örn Kipping
Er ist der "Chief Digital Officer"der Freien und Hansestadt. Dr. Carsten Brosda - bisher Staatsrat für Kultur, Medien und Digitales und jetzt neuer Kultursenator. Der gelernte Journalist steht vor eine Mammutaufgabe:

Wie wird aus der Handelsstadt mit 750 Jahren Hanse eine digitale Stadt mit Zukunft?

Seit 2011 leitet er das Amt Medien in der Senatskanzlei, das wichtige Zukunftsthemen wie IT, traditionelle und Neue Medien sowie die Transformation Hamburgs zu einer Digitalen Stadt mitgestaltet. Wir hatten die Gelegenheit, den Staatsrat zu den Schlüsselthemen Medien-Standort und Digitale Stadt zu befragen. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Carsten Brosda:

 Thema "Medien-Standort" 


Hamburg hat eine starke, traditionelle Medienindustrie rund um Produktion, Distribution und Vermarktung. Sie planen, den Standort auf die nächste Stufe zu heben. Inwiefern sind Augmented und Virtuell Reality als Medientechnologien erfolgversprechend, Hamburger Content-Produzenten - von Informationen bis zu Unterhaltung - einen erfolgreichen Weg in die Zukunft zu ermöglichen?


Virtual Reality hat alle Chancen, einer der spannendsten Bereiche digitaler Entwicklung zu werden. Wann und inwieweit sich aber auf Basis von VR/AR-Technologien und -Anwendungen erfolgreiche Business-Cases aufbauen lassen, kann man aktuell nur schwer prognostizieren. Klar ist aber, dass sie das Potenzial haben, mehrere Sparten der Medienbranche grundlegend zu verändern. Mittels VR lassen sich beispielsweise Konsumenten von Inhalten auf völlig neue Weise in Reportagen und Geschichten einbinden.

So werden wortwörtlich neue Perspektiven eröffnet. Nicht ohne Grund hat die New York Times eine eigene VR-Abteilung gegründet. Aber auch junge Unternehmen – wie die Hamburger Startups wie NOYS oder SpiceVR - zeigen zunehmend, wie es geht. Aufgrund der Bedeutung des Themas für die Contentindustrie werden wir auch die VR-Aktivitäten in einem ersten Schritt an die Initiative nextMedia.Hamburg andocken.

Wie werden Sie die Themen AR und VR im Rahmen Ihrer Fördermöglichkeiten unterstützen - und wo liegen die Schwerpunkte? Sind es vornehmlich Technologien, die Vernetzung oder die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen?


Aktuell machen wir gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der Hamburger VR-Szene eine Bestandsaufnahme zu laufenden Aktivitäten, der Forschungsinfrastruktur sowie Anwendern und Anbietern am Standort. Es gibt z. B. bereits diverse gute Veranstaltungen rund um das Thema VR. Hier muss entschieden werden, wie man das vorhandene Angebotsportfolio sinnvoll weiterentwickelt und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen eine möglichst große Hebelwirkung erzielt.

Konzentrieren werden wir uns zu Anfang sicherlich auf die Bereiche Vernetzung und Marketing. Dabei wird neben der überregionalen Positionierung des VR-Standorts Hamburg auch um die Vermittlung der Potenziale der Technologien für Hamburger Anwender gehen.

Welche weiteren Technologien sehen Sie als interessante Medienthemen, die die Hamburger Medien, Produzenten und Vermarkter an der Spitze der Wertschöpfung halten können? Was sagt Ihre Marktbeobachtung?

Alle Technologien rund um das Thema Daten werden für die Contentindustrie immens an Bedeutung gewinnen. So werden bereits heute Inhalte nicht nur aufgrund von Daten kuratiert, sondern bauen auch darauf auf: Netflix konnte anhand des ausgewerteten User-Verhaltens vorhersehen, dass die Serie „House of Cards“ ziemlich sicher erfolgreich sein wird. Aber eigentlich halte ich es mit Mark Twain: „Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn Sie die Zukunft betreffen“.


 Thema "Digitale Stadt" 

Sie planen, mittel- und längerfristig zentrale Dienstleistungen der Stadt und ihrer Betriebe mit einem einheitlichen Servicekonto online nutzbar zu machen. Wie weit sind die Vorbereitungen auch in Verbindung mit der "Digitalen Leitstelle" fortgeschritten und wann können die Hamburger den ersten Behördengang mobil erledigen?

Bereits heute sind über das "HamburgGateway" rund 80 Verwaltungsverfahren online angebunden. Allerdings wollen wir erstens mehr Services online erbringen und zweitens das Angebot den heutigen Erwartungen anpassen. Wir wollen, dass es von zuhause geht und dass es einfach ist.

Wir orientieren uns an der Leitlinie „Digital First“. Das heißt: Die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger und auch der Unternehmen sollen künftig, soweit möglich, proaktiv und antragslos erledigt werden. Vorgangsbearbeitung, Entscheidungsfindung und -übermittlung sollen auf Seiten der Verwaltung möglichst automatisiert erfolgen. Die Verwaltung wird zunehmend digital kommunizieren. Wer Hilfe bei der digitalen Kommunikation braucht, wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Für Unternehmen steht ausschließlich der elektronische Weg offen.

Die Herausforderungen sind groß: Es müssen technische und rechtliche Fragen geklärt werden. Es müssen Prozesse und Arbeitsstrukturen neu abgestimmt werden. „Digital First“ wird für die Bürger und die Mitarbeitenden umso erfolgreicher verlaufen, je mehr es im Sinne eines Prozesses verstanden wird. Das Projekt, das über mehrere Jahre diesen digitalen Transformationsprozess vorantreiben soll, nimmt derzeit seine Arbeit auf.

Wie lauten Ihre zentralen Argumente, die Hausleitungen von Betrieben und Behörden trotz individueller Voraussetzungen und der unterschiedlichen Historien zur Zusammenarbeit zu gewinnen?

In der Senatskanzlei haben wir eine Leitstelle für die digitale Stadt eingerichtet, die den Überblick über die vielfältigen Projekte und Aktivitäten der Stadt sichert, für deren Koordinierung sorgt und die strategische Weiterentwicklung gewährleistet. Die Digitalisierung wurde zudem als prioritäre Regelaufgabe aller Politikbereiche definiert – und zwar vom gesamten Senat, also allen Hausleitungen gemeinsam. 

Um der Innovationsdynamik und den damit verbundenen erhöhten Anforderungen an das staatliche Wissens- und Innovationsmanagement Rechnung zu tragen, wurde ergänzend an der HafenCity Universität in einer Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology das City Science Lab eingerichtet, auch um die Stadt und ihre Akteure im Transformationsprozess zu begleiten und zu beraten.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie angesichts der aktuell bestehenden Schuldenbremse und unterschiedlichster IT-Infrastrukturen in der Hamburger Verwaltung?


Hamburg steht heute im Ländervergleich gut da, was die IT-Ausstattung, Infrastruktur und Datensicherheit angeht. Weil die Digitalisierung aber zunehmend auch die öffentliche Infrastruktur und den öffentlichen Raum erfasst, rückt immer mehr die Stadt im Ganzen in den Fokus. 

Wir wollen die städtischen Infrastrukturen und öffentlichen Räume mit digitalen Schnittstellen und Angeboten weiter optimieren. Dazu zählen Bildungs- und Kulturangebote ebenso, wie die Systeme einer integrierten Verkehrsstrategie und einer intelligenten Energieversorgung. Digitale Techniken erlauben uns hier, Steuerungsleistungen und Angebote zu entwickeln, die Effizienz steigern und Qualität verbessern.

Für all dies brauchen wir die passende IT-Infrastruktur. Vorhandene Daten und Fachsysteme der städtischen Institutionen wollen wir vernetzen, den Datenaustausch automatisieren und Anwendungen für den vielseitigen Zugriff auf die Daten bereitstellen.

Im Übrigen stehen die Schuldenbremse der Hamburgischen Verfassung und des Grundgesetzes nicht im Widerspruch zu Investitionen in den digitalen Wandel – beide helfen uns dabei, unsere Stadt für die Zukunft gut aufzustellen.

Vielen Dank für das spannende Interview.

Das Gespräch führte Thomas Keup.
* * *

 Außerdem im Hamburg Digital Magazin: 

HANSEBUSINESS: Die Digitalen Wahlprüfsteine - Teil III: 
Die Digitale Stadt - Verwaltung, Unternehmensservices und Arbeitsmarkt.


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Mittwoch, 21. Dezember 2016

HANSEVIRTUALITY: 6 Gründe, warum Hamburg 2017 zur VR- und AR-Hauptstadt wird


Schnappschuss von einem Sonnenuntergang
über Hamburg aus einem Hubschrauber
Foto: Polizei Hamburg, Dezember 2016


Der Hamburger AR-Spezialist und Co-Founder des Event-Netzwerkes 12min.me Oliver Rößling hat auf XING-News einen interessanten Grundlagenbeitrag zu Augmented und Virtual Reality in Hamburg veröffentlicht. Wir freuen uns, den Insider-Beitrag als Gastbeitrag im Hamburg Digital Magazin veröffentlichen zu können. 

Ganz egal, dass in Hamburg eigentlich niemand Fußball spielen kann. Hamburg hat eben andere Qualitäten! Die Perle an Elbe und Alster wird sich 2017 zu einer der weltweit wahrgenommenen Hochburgen für die Themen Augmented Reality (kurz: AR - dt. = Erweiterte Realität) sowie Virtual Reality (kurz: VR - dt. = Virtuelle Realität) entwickeln und das hat genau sechs Gründe:


1. Hamburg kann Medien

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hamburger "irgendwas mit Medien" macht ist nicht besonders klein, wohingegen das Spektrum der Medien der Stadt wirklich groß und vielfältig ist, was allein die extra für Medien und Digitales gegründete Initiative nextMedia.Hamburg beweist.

Im Kontext des Anforderungsprofils von VR und AR ist insbesondere Hamburgs Gamesbranche zu nennen, in der laut gamescity:Hamburg um die 4.500 Arbeitnehmer tätig sind. Die hier Beschäftigten sind vergleichsweise gut geschult, wenn es um gestalterische und technische Aspekte bei der Umsetzung von VR- und AR-Projekten geht. 

An dieser Stelle kann es zu diversen Anknüpfungspunkten aber auch Überschneidungen kommen, wobei man jedoch nicht vergessen sollte, dass VR und AR vor allem ein extrem spannendes Medium für den Handel, die Industrie und die Immobilienwirtschaft ist, welches ganz neue Möglichkeiten der Visualisierung, Interaktion, Vermarktung und Simulation bietet.

Natürlich könnte man an dieser Stelle um die verpasste Chance "Olympia" jammern, welche dem Thema sicherlich noch einen gehörigen Auftrieb gegeben hätte. Man könnte, hätte, sollte...blah blah blah! Konjunktive braucht jedoch in diesem Kontext niemand, weshalb wir in diesem Artikel das Tal der Tränen hinter uns lassen und erwartungsvoll nach vorne schauen.


2. Hamburg war in Deutschland ganz früh dabei


Recording "Give Peace a Chance". John Lennon, Timothy Leary, Yoko Ono (1969)
Quelle: Wikipedia.org
Tatsächlich tummeln sich in der Hansestadt so einige Pioniere der Virtuellen Realität. Doch in den 1990ern gab es zwar einen großen Hype, der allerdings genauso schnell wieder verflacht ist. Die Technologie war noch nicht bereit für den Mainstream. Beispielsweise wurde eine der ersten VR-Brillen nach einem Vortrag des LSD-Papstes Timothy Leary 1991 in Hamburg auf dem Jungfernstieg bei Absolute Software gebaut und kann heute noch besichtigt werden.

Das Modell ist mit 1990 noch aufwändig aus der ehemaligen DDR beschafften Carl-Zeiss-Linsen ausgestattet und sieht den aktuellen Brillen bereits erstaunlich ähnlich. Leider war seinerzeit das Internet noch in den Kinderschuhen, weshalb das Brillenprojekt, das sich vor der US-Amerikanischen Konkurrenz nicht verstecken musste, aus Mangel an Information um die Marktsituation, eingestellt worden.


Eine VR-Brille, wie sie heute aussieht (l.) und das Modell von 1991 im Vergleich
Foto: Absolute Software GmbH


3. Ein hochspezialisiertes Ökosystem und eine lebendige Szene

In Hamburg haben sich längst viele Dienstleister und Kanzleien auf das Thema Medien und Digitales eingeschossen. Da niemand gern auf nur ein Pferd setzt, sind diese Firmen selbst - nicht allein aus eigenem wirtschaftlichen Interesse, sondern auch aus Spaß an der Sache selbst - sehr aktiv dabei, den Blick über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus auf Hamburg als innovative Medien- und Digitalmetropole zu lenken und entsprechend Lobbyarbeit zu betreiben.



Immer voll bei 12min.me-Events im Mindspace
Foto: 12min.me e.V.
In den letzen drei Jahren - quasi seit dem VR und AR wieder en vogue sind - schossen neben zahlreichen Startups und so einige Events, Formate und andere Gruppierungen sprichwörtlich aus dem Boden. Nennenswert sind hier das Meetup "Virtual Reality Hamburg" mit knapp 500 Mitgliedern und das neue regelmäßige Format "12min.NEXTreality" von 12min.me, zu dessen Premiere sich allein 245 Interessierte zur ersten Veranstaltung im Oktober '16 im Hamburger Mindspace anmeldeten.


Die Gewinner des letzten VirtualWeekends durften u.a.
eine vergoldete VR-Brille als Preis mit nach Hause nehmen.
Quelle: www.VirtualWeekend.com
Die Hamburger Games Conference legte 2016 ebenfalls den Schwerpunkt auf virtuelle Realitäten. 2017 wird in Hamburg das zweite "VirtualWeekend" stattfinden. Ein VR-Hackathon, auf dem Hacker, Geeks und Interessierte zusammen Lösungen erdenken, prototypisieren und am Ende eines langen, durcharbeiteten Wochenendes vor einer Jury präsentieren. Zudem ist für 2017 bereits einiges mit entsprechender Strahlweite in Planung. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik arbeiten an dieser Stelle beispielhaft zusammen. Stay tuned!

Die neuen Visualisierungs-möglichkeiten bieten tatsächlich auch außerhalb des Mediensektors große Potentiale für Zusammenarbeit. Die Stadt Hamburg betreibt bspw. Clusterpolitik, d.h. es gibt Spezialisierungsfelder, in denen die Stadt die politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen verschiedener Branchen bündelt und vertritt. 

Unterschiedlichen Clustern zugehörige Unternehmen, wie z.B. Airbus, Lufthansa und HPA, testen und nutzen bereits heute schon intensiv die neue Technologie für Planungs-, Vermarktungs- und Präsentationslösungen. Demnach wird die Technologie um VR und AR dafür sorgen, das künftig einige Cluster hier noch intensiver zusammenarbeiten werden.




Cluster der Freien und Hansestadt Hamburg
Quelle: BWVI
4. Top Wissenschaft und Forschung sowie ein aktuelles Curriculum für Studenten

Mit umtriebigen Forschern, wie zum Beispiel den Virtual Reality-Experten und Professoren für Mensch-Computer-Interaktion Frank Steinicke von der Uni Hamburg oder dem Professor für Angewandte Informatik Kai von Luck von der HAW, ist Hamburg bestens aufgestellt, in der Lehre den Nachwuchs für VR und AR und andere digitale Innovationen zu begeistern. Natürlich darf man weder ihre Kollegen an der jeweiligen Hochschule vergessen, noch die Forscher der FH Wedel oder TU Hamburg.



Ein s.g. "CAVE" gibt es in Hamburg nicht nur an den Hochschulen.
Quelle: Wikipedia.org
Für alle Interessierten, die gern Virtuelle Realität ins Studium mit einbeziehen wollen, bieten die Hamburger Hochschulen bereits heute viele Möglichkeiten. Aufgrund der klaren Vorprägung als Medien- und Games-Standort haben die Hochschulen bei der Erstellung der jeweiligen Curricula darauf geachtet, am Zahn der Zeit zu bleiben. 

Mindestens an vier Hochschulen am Standort (UHH, HAW, TUHH, FH Wedel) gibt es ein so genanntes "CAVE" (cave automatic virtual environment), in dem die virtuelle Welt auf die reale Umgebung möglichst realistisch projiziert wird. Beispielsweise nutzt das Projekt "The Void" in den USA bspw. eine CAVE um eine Art "Real-Time Holodeck" aufzubauen.

Das Interesse der Forschung an dem Thema ist offensichtlich sehr groß und inbesondere die aktuellen und nächsten Generation von Studenten, die durch Apps und Spiele längst verstanden hat, dass das Thema gekommen ist um zu bleiben, wird auf den Zug aufspringen wollen, da hier künftig eine Vielzahl spannender Jobs entstehen wird.
5. Hotspot für globale Internetriesen und umringt von Hidden Champions aus dem Mittelstand.

Hamburg (als "Elbvalley" @Welt.de betitelt) beherbergt so manchen Internetriesen. So haben beispielsweise Google, Facebook, Twitter, Airbnb, Microsoft, Dropbox, Adobe, Yelp etc. einige ihre europäischen Ableger in der Stadt angesiedelt. Zumindest Microsoft, Facebook und Google werden hardwareseitig in den nächsten Jahren ganz vorn bei den Themen AR und VR mitspielen. Microsoft sorgt bespielsweise derzeit insbesondere mit seiner AR-Brille "Hololens" für Schlagzeilen, Facebook hat sich die Rechte an den VR-Lösungen von Oculus gesichert und Google brachte jüngst neben seinem Cardboard die Daydream-Brille auf dem Markt.

Ganz ehrlich: Es währe doch gelacht, wenn es hier nicht eher früher als später Synergien mit der Hansestadt gibt, die ja nun klar einen Schwerpunkt auf die entsprechenden Themen setzt und die oben genannten Endgeräte mit relevantem Inhalten bespielt. Wenn die Szene es schafft, nachhaltig und laut genug am Standort das Thema zu bespielen, werden auch die derzeit regional noch vergleichsweise wenig in Erscheinung tretenden Internetriesen hellhörig, denn spätestens ab 2018 wird mit Inhalten mehr Umsatz generiert, als mit der Hardware der großen Hersteller.



Marktgöße: VR in Deutschland
Quelle: Deloitte-Studie auf wired.de


Mal ganz abgesehen von all den Global Champions und in Anbetracht der Grafik, haben wir auch jede Menge Hidden Champions in und um Hamburg versammelt. Dutzende innovative mittelständische Firmen, die ein offenens Ohr für Innovation haben, aber nicht immer an vorderster Front in Erscheinung treten (wollen). Viele treiben schon heute spannende VR und AR Projekte voran, ohne damit in der Öffentlichkeit aufzutauchen.





Neben den Hidden Champions trauen sich aber auch immer mehr Gründer und kleinere Mittelständer an die Themen AR und VR. Regelmäßig treten neue Startups, Projekte und Ideen in Erscheinung. Nennenswert ist eine Initiative, die als Joint-Venture einiger kleinerer Mittelständer, derzeit eine größere Ausstellungsfläche gepaart mit einem Co-Working-Konzept in der Hamburger Speicherstadt explizit für VR und AR umsetzt. Die Initiatoren möchten dort auch Gründern und Hochschulen Platz für die Umsetzung von Ideen zur Verfügung stellen. Offiziell wird das Projekt voraussichtlich Ende Q1 2017 bekanntgegeben.

6. Gute Chancen auf Support durch die Stadt und öffentliche Förderung


Hamburg plant ganz konkret eine Initiative zu dem Thema Virtuelle und Erweiterte Realität ins Leben zu rufen und dieser zum Start auch die notwendigen finanziellen Mittel zur Seite zu stellen (wie reden über 300.000 Euro für zwei Jahre), um das Thema noch schneller ins Bewusstsein der Wirtschaftsakteure zu bringen. 


Deutschland-Karte: Wo die Hidden Champions sitzen:
viele in und um Hamburg
Quelle: Handelsblatt.com vom 28.04.2014
Wie in den vorangegangenen Punkten bereits erwähnt wurde, gibt es bereits eine Reihe von Events und Zusammenschlüsse zum Thema VR und AR, sowie ein lebendiges, junges Ökosystem, weshalb das Rad in Hamburg nicht neu erfunden, sondern schlicht und einfach zum Rollen gebracht werden muss. 

Heißt, die Mittel, die seitens der Stadt als eine Art "Kick-Start" in die Initiative gesteckt werden, sowie weitere Mittel, die voraussichtlich mittelfristig aus der Privatwirtschaft eingesammelt werden und über die sich die Initiative zeitnah tragen wird, kommen der Bekanntmachung des Themas in der hiesigen Wirtschaftslandschaft zugute und sorgen dafür, Hamburg über seine Grenzen hinaus als einer der internationalen Vorreiterstädte für VR und AR sichtbar zu machen. Für diese Weitsicht und die zügige Umsetzung verdienen die Verantwortlichen seitens der Stadt großes Lob.

Sobald die Potentiale der neuen Visualisierungsmöglichkeiten duch die Wirschaft verstanden werden, wird so mancher Konzern oder Mittelständer versuchen, das Thema für sich auszuloten. Das Projekt der Handelskammer Hamburg, die IKS Hamburg (Innovations Kontakt Stelle), ist einer der wesentlichen Anknüpfungspunkte für die Wirtschaft, um von der Forschung am Standort zu profitieren und die neuen Visualisierungstechnologien in Mittelstand und Konzern zum Standard werden zu lassen. Die IKS vernetzt hier Wissenschaft und Wirtschaft gezielt, um innovative Idee Wirklichkeit werden zu lassen.

Innovationsförderung ist in Hamburg auch auf behördlicher und politischer Ebene ein hochaktuelles Thema. Die Hamburgische Innovations- und Förderbank (IFB) und besonders deren Programme Innovationsstarter und InnoRampUp fördern Startups und Mittelstand bei der Bewältigung nachhaltig innovativer Ansätze, zu denen alles rund um VR und AR mit Sicherheit zu zählen ist. Bei der Beschaffung von Fördergeldern aus diversen öffentlichen Fonds helfen aber auch die TuTech oder das Startup Dock

Außerdem wird derzeit ein Innovations-Wachstumsfonds in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro geprüft, an dem sich die Stadt Hamburg mit bis zu 10 Millionen Euro beteiligen würde. Sowas will gut durchdacht und geplant sein, weshalb es ggf. noch ein paar Monate dauern könnte, bis die Maßnahme in Kraft tritt. Das wäre dann nochmal eine ganz glasklare Ansage in Richtung Zukunft. Sicher fällt da auch für VR- und AR-Lösungen der eine oder andere Euro ab.

Wo es jedoch noch ein wenig hapert, ist das privatwirtschaftliche Engagement. Sicher gibt es viele s. g. Family Offices, die private Vermögen verwalten. Jedoch investieren diese vorzugsweise in Immobilen, anstatt in innovative Firmen oder Produkte, da es hier regelmäßig an der digitalen Kompetenz mangelt, das jeweilige Risiko zu bewerten. Auch Venture Capital für Frühphasengründungen - nicht allein für VR und AR - ist derzeit eher knapp in Hamburg.

Fazit: Hamburg bringt die besten Voraussetzungen mit, um nicht nur in Deutschland eine wichtige Rolle im Bereich VR und AR zu spielen. Politik, Wissenschaft und Wirtschaft haben das Thema klar im Blick. Der Fokus auf Virtuelle- und Erweiterete Realität ist eine logische und sinnvolle Erweiterung des Kompetenzspektrums der Hansestadt und eine Chance für den gesamten Wirtschaftsraum.

Autor: Oliver Rößling

Die redaktionelle Verantwortung des Gastbeitrags liegt beim Urheber.



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