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Freitag, 2. August 2019

HANSEPERSONALITY Karel J. Golta: Hamburg kann mehr als Hafen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Industriedesigner und pragmatischer Innovator: Karel J. Golta
Foto: HANSEVALLEY

Es ist keine Agentur. Es ist keine Organisationsberatung: Das Hamburger Unternehmen Indeed Innovation geht einen ganz eigenen Weg. Fernab austauschbarer Prozessfolien konzentriert sich das 45 Mann starke Team um individuelle Problemlösungen und technische Möglichkeiten. Gründer aus eine, Management Buy-out füllt Indeed Innovation eine Lücke zwischen Unternehmensberatungen und IT-Dienstleistern.

Beim "Digital Kindergarten" lernten wir Karel J. Golta kennen  - mit spannenden Aussagen zur Zukunft der Arbeitswelt in einer durch Künstliche Intelligenz veränderten Arbeitswelt. HANSEVALLEY hat die Chance genutzt und den Schweizer Industriedesigner zu Vogel-Strauss und Innovationen, Technologien und Möglichkeiten interviewt. Unser HANSEPERSONALITY ist Karel J. Golta:

Lieber Karel Golta: Sie sagen 'Eigentlich dürfte es Indeed gar nicht geben' - wenn Unternehmen ihre Innovationen selbst treiben würden. In Hamburg haben sich Hapag-Lloyd, die HPA, die Otto Group oder auch Tchibo auf den Weg gemacht. Hand aufs Herz: Was ist der schwerwiegenste Fehler in der digital-vernetzten Geschäftswelt, den Firmen machen können - und warum? 

Ein schwerer Fehler ist darauf zu vertrauen, dass es früher ja auch immer gut gegangen ist, und man deshalb einfach nur im Flow bleiben muss. Oder kurz gefasst: Sich zurücklehnen und nicht aktiv die Zukunft gestalten. 

Seit 20 Jahren verändern neue Geschäftsmodelle immer mehr Branchen. Dabei geht es eben nicht mehr nur um das Wie oder das Was sondern oftmals ums Warum. Menschen nutzen zum Beispiel AirBnB nicht nur, weil es günstiger als ein Hotel ist, sondern weil sie auch mit Einheimischen in Kontakt treten wollen. Die Motivation verändert sich. Das bedeutet, im Unternehmen muss sich auch das Mindset entsprechend anpassen. 

Methoden, Prozesse, Strategien - einfach alles ändert sich systemisch. Es ist ein Irrsinn, wenn Firmen glauben, sie könnten eine Digital Unit oder Abteilung aufbauen, die das dann losgelöst vom restlichen Unternehmen abarbeitet.

Besuchen wir Hamburgs Vorstandsetagen: Das Geschäft läuft dank steigendem Welthandel gut, Zukäufe (z. B. von Container-Terminals) sichern das Wachstum und Verlagerung von Produktion (z. B. Fracht von Bremen nach Hamburg) sichert den Standort. Wie kommen Vorstände aus ihrer bequemen Blase raus, um wirklich die Zukunft anzupacken?

Einsicht ist der erste Schritt zur Veränderung. Vor 160 Jahren konnte man Eis nur gewinnen, indem man an einem See den kalten Winter abgewartet hat, um dann mit einer Säge das Eis zu ernten. Produktionskapazität war die Größe des Sees. Die Nachfrage durch steigernde Bevölkerung gesichert. Und wenn ein heißer Sommer kam, war spätestens im Herbst das Eis ausverkauft.

Heute gibt es keine „Eis-Bauern“ mehr. Sie wurden durch Eisfabriken ersetzt. Und schließlich die Eisfabriken durch Kühlschränke. Kein Eis-Bauer wurde zum Eisfabrikant. Kein Eisfabrikant zum Kühlschrankhersteller.

Wenn Vorstände die schöpferische Zerstörung nicht als Geschäftsrealität für ihr Unternehmen akzeptieren und proaktiv die Zukunft gestalten, dann wurden sie vom Aufsichtsrat falsch berufen.

Das System des Shareholder Value börsennotierter Aktiengesellschaft ist aus Ihrer Sicht für Innovationen eher schwierig. Zugleich betreuen Sie NASDAQ- und DAX-Konzerne ebenso, wie Familienunternehmen und Startups. Wie helfen Sie einer Company, aus den ausgetrampelten Pfaden herauszukommen? Gibt es ein Innovationssystem? 

Etablierte Unternehmen betreiben leider oftmals nur noch Produktentwicklung. Sie haben ja eine bestehende Kundenbasis und wollen denen noch mehr Produkte verkaufen. Start-Ups hingegen betreiben Customer Sourcing, denn ihnen fehlen die Kunden. Dadurch sind sie viel eher an den wirklichen Bedürfnissen von Kunden und Nutzern interessiert.

Der erste Schritt heißt also Nutzerzentrierung und Kundenfokus, indem man relevante Einsichten in deren Ökosystem und Bedürfnisse gewinnt. Und diese nicht nur durchs Marketing, sondern auch durch Produktmanagement und vor allem durch die Entwicklungsabteilung. Empathie für die Nutzer ist ein essenzieller Schlüssel für Innovationen.

Im Weiteren gehört Mut und Risikobereitschaft dazu, um aus den Erkenntnissen wirklich neue und gute Lösungen zu entwickeln. Dabei kann man sehr agil vorgehen und sich vom Prototyp, den man durch die Zielgruppe validiert, zum MVP weiterhangeln. 

Am Ende geht es aber auch hier um die Kultur. Ein Unternehmen muss mit allen seinen Mitarbeitern Innovationen entwickeln wollen – Silo übergreifend und mit Fokus auf Umsetzung. Solange eine Idee nur in der Schublade schlummert, so lange wird es auch keine Innovation geben können. Leider gibt es für diese komplexe Aufgabe keine einfache Lösung.

Stellen Sie sich vor, ich leite ein Traditionsunternehmen und lade Sie zum Pitch ein. Sie berichten mir von branchenübergreifender Denke, von individueller Herangehensweise. Butter bei die Fische: Warum soll ich meine Firma mit Ihnen innovieren, und nicht mit Accenture, Deloitte oder durch eine Tech-Agentur? Sie haben ja auch rd. 2/3 Techis an Board...

Der Vorteil unserer Größe ist, dass wir eine absolut persönliche Betreuung bieten. Bei uns gibt es keine Overheads in Form von Executives, Partnern oder Vertical Leads, die alle viel Geld kosten aber nicht die ganze Zeit mit 100% Engagement auf ihrem Projekt sitzen und Verantwortung übernehmen.

Die Büros von Indeed Innovation in Hamburg.
Foto: Indeed

Unsere Kollegen sind alles besondere Menschen und hervorragende Fachkräfte, die erst dann ruhen, wenn das Projekt die Ziellinie passiert hat. Denen geht es nicht um Titel und Headcounts, sondern darum täglich Neues zu schaffen. Innovation ist People Business. Das Zwischenmenschliche muss stimmen, nicht die Marke des Beraters.
Eines der aktuell heißesten Themen ist die Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf die digital-vernetzte Arbeitswelt. Zur Zeit sind die skizzierten Szenarien für viele Menschen ein Schreckgespenst. Sie sagen, in 5 Jahren kommen wir in eine Zeit Domain-übergreifender KI, die Kontexte versteht. Was heißt das für das Berufs- und Geschäftsleben?

Wir werden endlich mehr wirklich gute und wichtige Arbeit leisten können. Viele Aufgaben in den meisten Berufen, vom Anwalt über den Arzt bis hin zum Architekten sind bürokratisch. Sie brauchen weder viel Gehirnschmalz noch bringen sie Spaß. Dennoch sind sie relevant. 

Wie viele E-Mails beantworten Sie jeden Tag, die eigentlich sinnbefreit sind? Wieviel Zeit verwenden Sie für Dokumentation oder die Suche nach Informationen? 

Wenn KI Kontext zwischen zwei und mehr Domains schafft, dann werden wir viele der eher stumpfen und unkreativen Arbeiten einfach wegdelegieren können. Im besten Fall wird es dann nur noch spannende und herausfordernde, also menschliche Arbeit geben – wie eben das innovieren.

Bleiben wir einen Augenblick bei Künstlicher Intelligenz: Was müssen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in den kommenden 5 Jahren machen, um nicht durch selbstlernende KI überrascht und in der Folge verdrängt zu werden. Und vor allem: Welche Branchen sollten aus Ihrer Sicht langsam aber sicher loslaufen?

KI ohne Daten ist nutzlos. Und wenn ich nicht weiß, was ich mit den Daten beabsichtige zu tun, sind diese sinnlos.
Insofern muss sich jedes Unternehmen zuerst einmal überlegen, ob, wo und wie es Daten generiert oder generieren könnte. Dann kann im Rahmen eines ersten KI-Innovationsprojektes geschaut werden, was mit diesen Daten alles zu erreichen wäre, bzw. welchen Wert, welchen Output mit ihnen fürs Unternehmen oder seine Kunden geschaffen werden könnte.

Unternehmen, die schon heute ein hohes Datenvolumen mittels Kundendaten, Messdaten, etc. generieren, sollten dringend ein KI-Projekt anstoßen. Denn ihre Branche könnte sehr schnell durch neue Geschäftsmodelle und Services disruptiert werden. Aber Achtung: KI-Projekte sind keine IT-Projekte.

Sie sind ein 'neugieriger Mensch' - professionell ganz vorn als Innovator, persönlich eher ein Multiplikator funktionierender Möglichkeiten. Nach 19 Jahren "schönste Stadt" und persönlicher Bindung in Volksdorf: Was läuft in Sachen Innovationen in Hamburg richtig gut? Aber warum verliert Hamburg jede Marktführerschaft wieder an andere Städte und Regionen?


Jede Stadt hat ihr "Beast": Der Hamburger Hafen von der Elphi
Foto: HANSEVALLEY

Richtig gut ist das Clustermanagement. Mit acht Clustern, die clever aufgesetzt und gut vernetzt sind, schafft Hamburg eine enorm gute Innovationspolitik. Da ich selbst in zweien als Vorstand und als Beirat aktiv bin, erlebe ich wöchentlich, welche Vielfalt die Hansestadt bietet und welches Potenzial vorhanden ist. 

Hamburg steckt jedoch selbst im „Innovators Dilemma“. Als ewige Handelsstadt mit Krämerseele hat sie sich immer um den Hafen gekümmert. Bis heute. Alles andere ist zwar interessant, aber eben nicht so wichtig wie das etablierte System des Handels. Dies kann sich nachteilig auswirken, denn Monokulturen waren noch nie für ihre Resilienz bekannt. 

Die hiesige Politik schiebt zwar regelmäßig Dinge an, in der Hoffnung sich später im Lichte des Erfolges sonnen zu können. Was aber unerlässlich ist: Man muss das Baby auch über die Ziellinie tragen (wollen). Man muss Neues soweit und solange (auch nach Rückschlägen) fördern und global denken, bis die ganze Welt verstanden hat: Hamburg kann mehr als Hafen.

*  *  *

Vielen Dank für die spannenden Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Service: 

Indeed Innovation:
indeed-innovation.com

Hamburger Wirtschaftscluster:
hamburg.de/wirtschaft/clusterpolitik/


 Hamburg Digital Background: 

HANSEEXKLUSIV Staatsrat Jan Pörksen:
Die Dienstleistungen des Staates vom Nutzer her denken.
hansevalley.de/2019/04/hanseexklusiv-dr-jan-poerksen.html

HANSEPERSONALITY Benny Bennet Jürgens:
In unserer Jetzt-und-Sofort-Gesellschaft muss der Mehrwert sofort spürbar sein.

hansevalley.de/2019/04/hansepersonality-benny-bennet-juergens.html

HANSEPERSONALITY Henning Schneider:
Hamburg sollte sich den digitalen Vorsprung nicht nehmen lassen.
hansevalley.de/2019/03/hansepersonality-henning-schneider.html

Donnerstag, 27. Juni 2019

HANSESTATEMENT: Von Winterhude auf der Elbe in die Welt - an der Digitalisierung vorbeigetrieben.

HAMBURG DIGITAL STATEMENT

Hafen Hamburg: Tourismus-Folklore statt Future Port?
Foto: HANSEVALLEY



Cover der "HW" Juni 2019.
Illustration: Handelskammer Hamburg
Ein lauer Sommerabend unweit der Alster in Winterhude. Hinter den roten Klinkern des Altbaus in der Gryphiusstraße steigt heute noch eine ganz besondere Feier. Wie gut, dass unser Hauptdarsteller auf dem Weg vom Büro in der Speicherstadt noch schnell bei seinem geliebten "Budni" diese weichen und saugstarken Design-Küchentücher mitgenommen hat. Der Strand von Övelgönne und der Blick auf die "Eurogate"-Terminals auf der Verpackung - ach, es ist einfach die schönste Stadt - zwischen Pinneberg und Lüneburg ...

Seine ganz persönliche Perle (Bekannter Status: "Es ist schwierig") ist mit Freundinnen unterwegs und die Lütten zum Glück schon in Träumen versunken. Mit einem guten Schlückchen hat es sich unser digitaler Vorreiter an seinem Schreibtisch bequem gemacht. In seiner Tasche steckt das Objekt seiner Begierde: Die druckfrische und noch jungfräuliche Ausgabe des Kammer-Magazins "HW". Mein Gott, dass er das erleben darf: Als Inbegriff für die digitale Zukunft seiner Stadt auf dem Cover eines Pflichtblatts. Endlich ist er im siebten Himmel - na ja, auf dem Weg dahin.

Wer interessiert sich schon für 20.000 Kopien von "Philipp" ...


Coverbild des Magazins "Philipp" April 2019.
Illustration: Hamburger Abendblatt
Das farblich perfekt abgestimmte Freizeithemd, der legere Sitz des Unkonventionellen, die Frisur dennoch perfekt gestylt, das Lächeln kann nicht strahlender sein, die Geste visionär - es ist zum selbst (ver-)lieben. Mit dieser sozialdemokratischen Souveränität stellt er selbst die Grand Dame der Hamburger Digitalwirtschaft neben sich auf dem Cover in den Schatten. Und dann die Zahl: 55.000 Exemplare in Hamburgs Unternehmen von Industrie, Handel und Gewerbe - ob sie wollen oder nicht.

Wer interessiert sich schon für 20.000 Kopien von "Philipp" - diesem Online-Marketer aus der Schanze? Und wer weiß schon, wie viele Stapel "Abendblatt für Werber" nach den "Online Marketing Rockstars" in den Papiercontainern von "Otto Dörner" hinter den Messehallen verschwunden sind? Ganz anders heute, hier und jetzt: 'Hamburg hat die gleiche DNA wie das Silicon Valley' titelt die Zwangspostille Hamburger Kaufleute. Wer hätte das gedacht, dass ihn sein Auslandsjahr in Berkeley noch einmal eine Titelgeschichte einbringt - damals, 1995, noch jung und (fast) unschuldig ...

Keiner weiß besser, wie lang, hart und beschwerlich der Weg ist ...

Die Vorhänge sind zugezogen, das Licht gedämmt, die Tür verschlossen. Es werden die schönsten Minuten dieses Abends - nach einem stressigen Tag mit Marketing-Startups, ihren Träumen, Pitchdecks und der Hoffnung, tatsächlich in einem Accelerator groß rauskommen zu können. Keiner weiß besser, wie lang, hart und beschwerlich der Weg ist, als er: Gesprächsleiter für seinen Parteivorstand, Sachverständiger einer regionalen Enquete Kommission, "Top 20 Web 2.0 Pionier", "Top 68 der die Internetwirtschaft bewegt", Social Media Direktor, vor allem aber bloggendes Gewissen seiner Partei. Eigentlich hat doch die Partei immer Recht?!

Der Datenschutz verbietet uns, weiter durch dieses sehr private Schlüsselloch in Winterhude zu schauen. Aber wir sind uns sicher, unser Protagonist erlebt in diesen Minuten eine Explosion voller Anerkennung und Hingebung. Wenns am Schönsten ist, ... Ja, Hamburg ist gut zu seinen Butjes. Diese Stadt, die in ihrer Besonderheit einfach unvergleichlich bleibt. Nicht so vorlaut, so verdreckt und gewöhnlich wie Berlin. Hier weiß man, was gut ist und wer die Stadt bewegt - in Politik und Gesellschaft. Das sieht auch der gebürtige Rostocker Oliver so.

Nein, Hamburg ist für Oliver nicht die digitale Hauptstadt ...

Oliver Rößling von 12min.me (re.) + SQUARE-Macher Uve Samuels (li.)
Foto: HANSEVALLEY

Der Basecap-Boy kann auf die größte Event-Community Deutschlands verweisen. Auch er hat Sendungsbewusstsein, wie unser gleich entspannter Cover-Boy aus Winterhude. Der Eppendorfer Familienvater ist ebenfalls Business Developer, "Maker" und "Leader", wie der Genosse von der anderen Seite der Alster. Dabei ist Oliver fast unhanseatisch dreist: Nein, Hamburg ist für ihn nicht die digitale Hauptstadt, sagt er frech der "Welt". Und legt nach: "Wenn Hamburg internationaler Standort sein will, dann müssen wir uns auch endlich öffnen“ - und zielt auf die Mauer in den Köpfen rund um Binnen- und Außenalster ab.

Wie recht er hat, zeigen die erschrockenen Gesichter bei seinem Event "Caps'n'Collars". Dem Innovationsdirektor der Investitionsbank bleibt fast der Wein des Monopol-Caterers der Kammer im Hals stecken: Berater Joachin Sörgel stellt das "Elbvalley" auf den Kopf: "Wachstum in der Welt bedeutet in Hamburg gar nichts". Der Hafenexperte zeigt mit nackten Fingern auf die schrumpfende Hafenwirtschaft - inkl. "HHLA". Während weltweit erhebliche Investitionen in den Ausbau des wachsenden Containerverkehrs gesteckt würden, habe man sich "im gallischen Dorf" Hamburg "eine Komfortzone zugelegt". Dagegen ist HANSEVALLEY in der Kommunikation ja eine Klosterbruderschaft ...
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Hafenmetropole verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Medienhauptstadt verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Designmetropole verloren? 

Oder anders gefragt:
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Internethauptstadt verloren? 
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Gameshauptstadt verloren?
  • Warum hat Hamburg die führende Position als Fintech-Metropole verloren? 

Warum verliert Hamburg gerade den digital-vernetzten Anschluss unter den deutschen und europäischen Metropolen? 

Liegt es an Mitarbeitern der Wirtschaftsbehörde, die das Thema Digitalisierung - wie ihr Senator betont - stets nach bestem (Ge-)Wissen "vorbeigetrieben" haben? Liegt es an einer "Startup-Unit" mit 2 einsamen Mitarbeitern - aber umso mehr Flugmeilen? Liegt es an 2 "Kindergärtnerinnen" eines privaten Startup-Netzwerks, die versuchen alles wegzubeißen, was nicht nach ihrer Nase tanzt? Liegt es an der "Games-City Hamburg" mit jetzt 3 statt nur 1 Mitarbeiter - um endlich Skat kloppen zu können? Liegt es an Key Accountern der Wirtschaftsförderung, die satt, aber auf jeder Party umso durstiger sind? Oder liegt es an der Biotop-Pflege unter dem Titel "Unser Dorf soll schöner werden" - nachzulesen in den staatlichen "Hamburg News"? 


Visualisierung "Hammerbrooklyn Digital-Campus"
Illustration: Hammerbrooklyn Immobilien

Vielleicht liegt es ja auch am Verschieben eines 50 Mio. €-Grundstücks in "Hammerbrooklyn"? Man weiß es nicht, und ahnt es nur ... Wirtschaftssenator Westhagemann rühmt das unrühmliche Gewerbeimmobilien-Projekt in Hammerbrook vorsorglich als "Stadt der Zukunft". Die 2. Notlösung neben dem "Ersten" wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit - von Logistik-Interview über Grundsteinlegung bis Wirtschaftsvortrag - seine Lieblingsschlagworte 1. Mobilität, 2. Autonomes Fahren, 3. KI und 4. Wasserstoff zu platzieren, ob es passt oder auch öfter mal nicht. Die hanseatische Höflichkeit verbietet es uns, auch nur an "B.llshit-Bingo" zu denken. Passende Apps mit Freitext-Eingaben für die nächste Senatorenrede laden Sie bitte aus den App Stores herunter. *Werbung*

Nein, das tun wir unsern Lesern nicht (mehr) an ...

Wir sparen uns, über den unerschütterlichen Glauben der harmonisch vereinten Hafenwirtschaft zu schreiben, das "Umlaufbaggern" in der Elbe würde Hamburg seinen verdienten Platz in der ersten Reihe der Weltmetropolen (wieder)bringen. Wir ersparen uns Kommentare über eine spaßbefreite SPD, die mal eben 15% Vertrauen verloren hat und um ihre Führungsrolle bangt. Auch die mütterlichen Grünen sind für uns kein Thema, auch wenn sie sich auf Bezirksebene selbst klonen. Und die hoffnungsgeschwängerte CDU mit unermüdlichem Pfeifen im Walde ist auch kein Thema, ebenso wie ihre PR-Show, aus der 15%-Opposition "ganz nah am Wähler" die Regierungsmehrheit zu rocken. Nein, das tun wir unsern Lesern nicht (mehr) an ...

Der Schweizer Karl Golta könnte dem Geheimnis des "gallischen Dorfes" auf die Spur gekommen sein. In einem Gespräch für ein Hamburg Digital Interview antwortet er: "Vielleicht ist es die Kaufmannsdenke". Seit 19 Jahren lebt und arbeitet der Industrie-Designer an der Elbe, stellt die Menschen und ihr Handeln in den Mittelpunkt. Auf Nachfrage erklärt er, dass Kaufleute ein Produkt entwickeln (oder einkaufen), um es dann so oft und so lange wie möglich zu handeln. Der Prozess der Entwicklung ist damit abgeschlossen. Treffer! Die gute alte Krämerseele lebt in echten und zugereisten Hanseaten bis heute anscheinend fort.

Wenn nur die Digitalisierung mit der Notwendigkeit zur Technik nicht wäre ...

Selbst der analoge Vorzeige-Hamburger Karl Lagerfeld gab in einem Interview im Dezember 2017 gegenüber dem Abendblatt unumwunden zu: "Im Grunde bin ich ein Pfeffersack". Und ergänzt, die Stadt sei "wie eine Tapete" in seinem Hirn. Wenn ich heute die Grundschulklassen am Großen Burstah ihre Hamburg-Fragen beantworten sehe, weiß ich, dass es immer so bleiben wird - wie seit 1189, als sich die gar nicht so ehrbaren Pfeffersäcke ihren Zoll-Freihandels-Brief kurzerhand selbst schrieben - inkl. Signatur von König Barbarossa. Wenn heute nur diese dumme Digitalisierung mit dieser hässlichen Notwendigkeit zur Technik nicht wäre, diese Transformation mit dem Zwang sich anzupassen und dieser Kulturwandel, der uns Hanseaten so gar nicht gut tut ...

In einer illustren Runde von Wirtschaftsförderern aus Hamburg und der Welt bekomme ich an einem lauen Sommerabend eine weitere Bestätigung: Menschen, Städte und Länder, die wenig oder nichts haben, müssen innovativ sein, um etwas zu erreichen. Menschen, Städte und Länder, die alles haben, denken, sie müssen sich nicht bewegen. Das geht solange gut, bis die Hungrigen, die Zielstrebigen, die Kreativen an ihnen vorbei ziehen und die nächste Runde des Geschäfts übernehmen. Bis dahin klebt man in Hamburg den Begriff "Next" gern auf alles, was wenig bis gar nicht innovativ ist. Und da alle - von Sparkasse bis Marketing-Inkubator - mitmachen, fällt es fast gar nicht auf.

Vielleicht sollten wir die Berliner zurück in ihren ostdeutschen Slum schicken ...

Vielleicht sollten wir einen weiteren Preis neben 4.685 Ehrungen in Rathaus und Bezirken einführen - wenn uns schon niemand da draußen versteht. Vielleicht sollten wir auch die Berliner bei Hochbahn, TU Tech oder Uni Hamburg zurück in ihren ostdeutschen Slum schicken?! Denn das berüchtigte "Berlin-Hamburg-Ding" darf einfach nicht fehlen, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Und vielleicht sollten wir auch gleich eine neue Mauer bauen, nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch gegenüber "Nord-Italien" aka "Nord-Afrika"?! Vielleicht sollten wir weiterhin unsere Kaffeesäcke zählen und hoffen, dass die Welt um uns herum nicht mitbekommt, dass wir einem drittklassigen Hafen an einem verschlickten Fluss 6 Stunden Frachterfahrt hinter der Deutschen Bucht huldigen. 

Hier in Winterhude ist die Welt noch in Ordnung und die 80 Blatt dreifach saugfähigem "Budni"-Zellstoff in besten Händen. Ach, wäre doch ganz Hamburg so kuschelig - und nicht so gierig, wie die Bauträger in "Hammerbrooklyn", so unverschämt, wie die Subventationsritter in Harburg und so unverblümt, wie diese Digital-Blogger. Ach wäre die Welt doch schön ohne Subventionen, Skandale und zum Himmel schreiende Schiebereien. Wie gut, dass es diesen einen Moment gibt, wo er sich über alles selbst liebt - unser Cover-Boy in Baby-Blau. Und Morgen dreht sich wieder alles um dieses Internet und diese verdammten 12% Wählerschaft, die einem den Spaß am Spaß verderben können ...

Autor: Thomas Keup

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag entspricht nicht unbedingt der Meinung der Redaktion.

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 Hamburg Digital Background: 

HANSESTATEMENT: 
Hamburg Innovation, Hamburg Future, Hamburg What?
hansevalley.de/2019/06/hansestatement-hamburg-innovation-future-something.html


HANSESTATEMENT:
Digitalisierung? Kein Thema mehr für die Hamburger CDU?
hansevalley.de/2019/06/hansestatement-cdu-ovens.html

HANSESTATEMENT:
"Future Hamburg" - ein büschen gestern ... noch morgen.