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Sonntag, 13. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Tilo Böhmann: Digitalisierung ist richtig umparken im Kopf.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Informatik und Wirtschaftsinformatik, Data Science und Mensch-Maschine-Interaktion: 2.400 Studierende werden aktuell an der Universität Hamburg zu Tech-Profis ausgebildet. Jährlich kommen 400 Erstsemester hinzu. Mit 5 Bachelor-, 5 Master- und Lehramtsstudiengängen ist der Fachbereich Informatik der Universität Hamburg die größte Ausbildungsstätte für den Tech-Nachwuchs an Alster und Elbe. 


Vorreiter mit Hamburgs Informatikplattform "ahoi.digital": Tilo Böhmann
Foto: Universität Hamburg

"Wir leisten gute Arbeit, aber keiner redet darüber", sagt Prof. Dr. Tilo Böhmann. Der stv. Leiter des Fachbereichs, Leiter des Arbeitsbereichs IT-Management und Mit-Initiator der Informatikplattform "Ahoi Digital" spricht aus, was dem interessierten Beobachter auffällt. Mit Besuch von Olaf Scholz auf dem Campus in Stellingen hat sich seit 2014 der "Schlafende IT-Riese" auf den Weg gemacht. Unser HANSEPERSONALITY ist Prof. Dr. Tilo Böhmann:

Die Universität Hamburg ist der größte Informatik-Ausbilder rund um die Alster. Aber: Gute Lehre gibt es sicher an zahlreichen Hamburger Hochschulen. Gehen wir ans Eingemachte: Welche außergewöhnlichen Forschungsschwerpunkte setzen Sie auf dem Campus in Stellingen? Und warum?

Im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg bieten wir die volle Breite der Informatik, was Studierenden umfassende Wahlmöglichkeiten für ihre individuellen Schwerpunkte gibt. Für uns als Fachbereich gilt: wir sind begeistert von den technischen Möglichkeiten der Informatik, gestalten aber menschenzentriert und mit der gesellschaftlichen Verantwortung klar im Blick. Aktive Partner aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung bieten Studierenden und Forschenden tolle Möglichkeiten, gemeinsam an digitaler Innovation und Transformation zu arbeiten.


Kognitive Systeme mit Neurowissenschaften und Psychologie


Bei aller Breite in der Ausbildung haben die Forscherinnen und Forscher in der Informatik der Universität klare gemeinsame Forschungsschwerpunkte. Seit vielen Jahren geht es bei uns um das hoch aktuelle Thema der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. In diesem Bereich, den wir “Kognitive Systeme” nennen, arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus der Informatik eng mit den Neurowissenschaften und der Psychologie zusammen, um Lernprozesse im Menschen besser zu verstehen und daraus bessere lernende Systeme in der Informatik zu gestalten.

Lösungen für Datensouveränität, wenn Daten das neue Öl sind

Ein zweiter Schwerpunkt ist “Information Governance Technologies”. Hier geht es um technische Lösungen für Datensouveränität - eine zentrale Zukunftsherausforderung, wenn Daten das neue Öl sind und immer mehr IT in die Cloud geht. Auch hier arbeiten wir Interdisziplinär, z.B. unter engem Einbezug ethischer und juristischer Kompetenz an zukunftsweisenden Lösungen. Als Drittes entwickeln wir zusammen mit anderen Disziplinen an der Universität und Hochschulen die Kompetenz im Bereich “Data Science” als neues Querschnittsfeld, das sowohl in Wissenschaft als auch Wirtschaft große Bedeutung hat.

In Forschung und Lehre profitieren wir von den Möglichkeiten einer Volluniversität, so dass wir auf vielen Gebieten interdisziplinär forschen können. Genauso wichtig ist aber auch die Zusammenarbeit mit den Informatik-Partnern von ahoi.digital. Gemeinsam arbeiten wir, gerne auch zusammen mit unseren aktiven Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung, an Lösungen für die Zukunft.

Der Hamburger Senat spricht gern übe die im Februar 2017 angekündigte Informatikplattform "Ahoi Digital". Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen bis zu 35 neue Informatik-Professuren an Hafencity Universsität, HAW Hamburg, Uni Hamburg und TU Harburg sowie bis zu 1.500 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Wie kann das dem IT-Standort Hamburg nützen?

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats und auch unsere Analysen aus dem Initiatorenkreis von ahoi.digital zeigen klar: dem IT- und Digitalstandort Hamburg fehlen Köpfe in den Hochschulen. In Berlin und München sind das bislang fast doppelt so viele Professuren. Daher sind wir äußerst froh, dass wir durch den deutlichen Zuwachs an Professuren mehr Studierende ausbilden können und mit erheblich mehr Rückenwind Forschungsschwerpunkte ausbauen können. 

"Dem IT- und Digitalstandort Hamburg fehlen Köpfe in den Hochschulen"

Wir wollen hart daran arbeiten, dass mehr Menschen Kompetenzen in Informatik als neuer Schlüsseldisziplin erwerben können. Wenn die Köpfe fehlen, bleiben Chancen ungenutzt oder Lösungen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Man kann heute nicht die Lösungen für Morgen mit der Informatik von Gestern gestalten. Daher müssen aus meiner Sicht mehr Informatikerinnen und Informatiker in Hamburg her. 

Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hat erstmals in seiner Übersee-Club-Rede 1983 auf den Punkt gebracht: Die Zukunft Hamburgs liegt auf dem Land - und nicht im Wasser. Sind die Aktivitäten des Hamburger Senats mit Begutachtung durch den Wissenschaftsrat 2015, der Einführung eines MINT-Forschungsrats 2016 und "Ahoi Digital" im Jahr 2017 nicht viel zu spät - und viel zu langsam?

Ich persönlich erlebe eine richtige Aufbruchsstimmung in der Wissenschaft in Hamburg und auch gerade im Thema der Digitalisierung. Den Zeitpunkt der Entwicklung mögen andere beurteilen, entscheidend ist aus meiner Sicht, dass etwas passiert. Und so arbeiten wir mit Hochdruck an der Umsetzung von ahoi.digital. 

"Universität nicht als verlängerte Werkbank der Wirtschaft nützlich"

Ich nehme auch wahr, dass gerade Wissenschaft und Stadt ihre wechselseitigen Einschätzungen ändern. Als ich 2010 an die Universität Hamburg berufen wurde, begegnete mir manchmal die Erwartung aus Politik und Wirtschaft, die Universität solle sich als eine Art verlängerte Werkbank der Wirtschaft nützlich machen. Eine solche Erwartung wird aus meiner Sicht der Wissenschaft und ihrer eigenständigen Kraft im Erkenntnis- und Innovationsprozess überhaupt nicht gerecht. 

Heute gibt es sehr erfolgreiche Beispiele der Co-Innovation, wo mit vereinten Kräften Lösungen für die Zukunft erdacht und erprobt werden. Diese Begegnung auf Augenhöhe erlebe ich beispielsweise konkret in unserem Netzwerk IT-Management und -Consulting, wo wir gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung danach fragen, wie Wege der digitalen Transformation gelingen können, damit Arbeit und Wertschöpfung aus Hamburg erfolgreich in die digitale Zukunft geführt werden können. 

Die Landesfachkomission Internet & Digitale Wirtschaft des Hamburger Wirtschaftsrats fordert einen echten Leuchturm für die Digitalwirtschaft an Alster und Elbe, statt "Klein-klein". Was halten Sie von der Idee einer eigenständigen "Digital Society University" - mit internationaler Strahlkraft, um Hamburg aus dem "Technologie-Tiefschlaf" herauszuholen?

Der Weg von ahoi.digital, die vorhandenen Stärken in Kooperation massiv auszubauen, ist aus meiner Sicht Erfolg versprechend und schon ein solcher Leuchtturm. Neue Wissenschaftsinstitutionen brauchen eine lange Zeit, bis sie wirklich voll funktionsfähig sind. Auch gilt aus meiner Sicht: die Bedeutung von Digitalisierung, Data Science und Informatik ist in meiner persönlichen Einschätzung an allen staatlichen Hamburger Hochschulen klar erkannt. Deshalb kommt ahoi.digital gerade recht, um diesen Rückenwind aufzugreifen und in Aktion umzusetzen. 

"Weitere Anstrengungen im Bereich Co-Innovation und Technologietransfer erforderlich"

Allerdings darf man meiner Meinung nach auch jetzt nicht nachlassen oder sich ausruhen. Weitere Anstrengungen sind - und das sagt auch das ahoi.digital-Konzept - im Bereich der Co-Innovation und des Technologietransfers erforderlich. Hier kann man noch besser werden, um die Forscherinnen und Forscher der Hochschulen mit den Innovatoren in Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu verzahnen. Wir haben dafür gute Voraussetzungen, können aber hier noch bessere Brücken bauen, damit die erforderliche Informatik-Kompetenz auch in allen relevanten Bereichen ankommt. Dafür braucht es auch attraktive Orte, an denen diese Co-Innovation besonders leicht entstehen kann. 

Sie sind Gründungsmitglied der "Interface Society - This!" von BWVI- und HPA-Chief Digital Officer Dr. Sebastian Saxe. Was macht aus Ihrer Sicht die Hamburger Perspektive für Digitalisierungsthemen aus - insbesondere auf Grund des besonderen Wirtschaftsprofils unserer Stadt? Wo sehen Sie die Tech-Zukunft Hamburgs?

Zunächst freue ich mich sehr, dass Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sich mit uns gemeinsam auf den Weg machen, um Impulse für die Digitalisierung aus Hamburg zu geben. Die "Interface Society" drückt schon im Namen aus, dass in der Digitalisierung Neues an sich neu formenden Schnittstellen zwischen bislang unverbundenen Bereichen entsteht. Ich persönlich glaube, dass Hamburg eine besondere Chance im Bereich einer menschenzentrierten Digitalisierung hat. 

"Schnittstelle zu Menschen eine Herausforderung für Produkte und Dienstleistungen"

Wir haben mit Medien und Kultur starke Bereiche in der Stadt, bei denen menschliches Erleben und schöpferische Interaktion im Mittelpunkt stehen. Diese menschenzentrierte Perspektive strahlt aus, nicht zuletzt, weil wir gewohnt sind, unsere digitalen Alltagsinteraktionen als einfach und gebrauchstauglich, vielleicht sogar als inspirierend und kreativ zu erleben. Diese Erwartung tragen wir zunehmend in alle Lebensbereiche hinein und damit wird die Schnittstelle zu uns Menschen eine Herausforderung für viele Produkte und Dienstleistungen, z. B. bei neuen Wegen in der Mobilität, Luftfahrt, im Handel oder in der Gesundheitswirtschaft. 

Will man diesen Weg beschreiten, braucht es aber gleichzeitig ein neues Verständnis für verantwortliches Handeln in der Digitalisierung. Ein einfaches laissez-faire wird der großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der Digitalisierung aus meiner Sicht nicht mehr gerecht. Eine Verständigung dazu will die Interface Society fördern.

Von Deutschlands neuer Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär über Hamburgs bürgerlicher Opposition bis zu den Organisatoren der Hamburger Hacker School steht die Forderung im Raum, Informatik als Pflichtfach einzuführen? Was halten Sie davon - und was bringt es z. B. kreativen Schülern, einen Rasberry Pi zu programmieren?

Ich persönlich stütze die Forderung nach einem Pflichtfach Informatik nachdrücklich. Für mich ist aber das Motiv dafür nicht etwa die Idee, alle Schülerinnen und Schüler zu Programmierern zu machen. Vielmehr geht es aus meiner Sicht darum, dass alle Kinder und Jugendlichen einmal die Rolle der Nutzerin oder des Nutzers von Informationstechnologie verlassen. 

"Technologien drücken menschliche Möglichkeiten zur Gestaltung aus"

Es gilt, die Black-Box der Technologie öffnen und zu sehen, dass diese Technologien von Menschen gestaltbar sind und wie diese gestaltet werden können. Dazu gehört sicher auch die konkrete Programmiererfahrung. Um es sehr frei nach Kant zu sagen: Es geht um dem Ausgang des Menschen aus einer – zumindest in Teilen – selbstverschuldeten Technologieunmündigkeit. Für mich ist Informatik im Zeitalter der Digitalisierung ein zutiefst aufklärerisches Fach und gehört unbedingt in den Kanon der Allgemeinbildung.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Schauen wir zusammen über Wissenschaft, Forschung und Lehre hinaus in Wirtschaft, Verwaltung und Stadtleben: Wo ist unsere Stadt aus Ihrer Sicht digital schon richtig zukunftsweisend aufgestellt? Und wo sollte Hamburg kräftig an Tempo zulegen?

Aus meiner Sicht sind viele Weichen grundsätzlich schon in die richtige Richtung gestellt. Nun kommt es auf die beharrliche Umsetzung und gelingende Kooperation an. Dabei werden wir gut beraten sein, auf die Stärken der Stadt und ihrer Netzwerke zu schauen. Jedoch sollten wir mehr daran arbeiten, dass das, was wir in und für Hamburg für richtig halten, auch politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich Spuren legt für die nationale und europäische Debatte. 

Ein Digitalisierungsrat für die Freie und Hansestadt Hamburg

Gerade wegen der vielen Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung wäre ein Digitalisierungsrat nach schwedischem Vorbild eine Option für Hamburg. Dieser könnte helfen, aus Hamburger Sicht zentrale Themen zu identifizieren und zu transportieren sowie Profilstärken weiter zu entwickeln. Damit könnte uns noch besser gelingen, Hamburg im besten Sinne als „Pfadfinder“ für die Digitalisierung zu positionieren. 

*  *  *

Vielen Dank für die tiefen Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Universität Hamburg - Fachbereich Informatik

Universität Hamburg - Arbeitsbereich IT-Management und -consulting

Ahoi Digital - Informatikplattform der Hamburger Hochschulen

The Interface Society (ThIS) - Expertenrat der Digitalisierung e.V.

Wirtschaftsrat: Hamburgs Digitalwirtschaft verpasst nationalen Anschluss

Sonntag, 4. Juni 2017

HANSEPERSONLITY: Die Digitalisierungsexperten der Logistikuniversität.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Hamburg ist die führende Logistikmetropole Nordeuropas. 320.000 Menschen arbeiten in der Logistikregion. Player, wie DAKOSY, HHLA und HPA treiben die Digitalisierung in Hafen und Logistik voran. Neben Spediteuren, Reedereien, Terminals und IT-Dienstleistern sind Hochschulen für die Ausbildung künftiger Logistiker und Manager ein wichtiger Schlüssel für den Logistikstandort Hamburg. 


Die Kühne Logistik Universität in der Hafencity ist die Hamburger Universität für internationale Logistik und logistiknahe Branchen - und laut aktuellem Ranking eine der besten Hochschulen Norddeutschlands. Hier wird der Führungsnachwuchs für die digital-vernetzte Logistik ausgebildet. Anfang April d. J. lud die Kühne Logistik Universität 40 Bachelor-Studenten zum Bootcamp "Digitalization in Logistics" nach Hamburg ein. 

Zusammen mit Partnern, wie DPD, Lufthansa Technik sowie Kühne+Nagel erarbeiteten künftige Business-Absolventen neue digitale Wege zu Prozessoptimierung und Datenanalyse - begleitet von Professoren aus Computer Science, Data Sciences und Supply Chain Management. Heute im HANSEPERSONALITY-Interview - Prof. Dr. André Ludwig und Prof. Dr. Dimka Karastoyanova:


Prof. Dr. André Ludwig
Associate Professor of Computer Science in Logistics
Foto: KLU
Immer mehr Berufe erfordern für Geschäftsprozesse und Betriebsführung weitgehende IT-Kenntnisse. Mit der digitalen Vernetzung aller Geschäftsbereiche z. B. in der Logistik steigen die Anforderungen weiter. Wie wichtig ist die Vermittlung und die praktische Anwendung digitalen Grundwissens in Ihren Studiengängen?

Prof. Ludwig: Die Digitalisierung führt zu neuen Anforderungen an die Berufsbilder in der Logistik. Digitale Kompetenz von Mitarbeiter ist heute so wichtig wie Fach- und Sozialkompetenz. Aus diesem Grund ist die Vermittlung von IT-Kenntnissen z. B. in unserem Masterstudiengang Global Logistics and Supply Chain Management ein Pflichtfach. Wichtig ist dabei, sowohl theoretisches Grundwissen über IT-Strategien, -Prozesse und Technologien, als auch praktisches Anwendungswissen durch Fallstudienarbeit, Exkursionen und Gastbeiträge zu vermitteln.

Sie haben ein SAP-Laboratorium an der KLU. Was können die Studierenden dort ganz praktisch kennenlernen und ausprobieren? Und welche Vorteile bringt die Verzahnung Ihrer Lehre mit den Möglichkeiten eines führenden Softwareherstellers für die künftigen Herausforderungen des Logistiknachwuches?


Prof. Ludwig: Unser SAP-Laboratorium ist ein Seminar, bei dem Studierende ein führendes ERP-System näher kennenlernen können. Studierende schlüpfen im SAP-Laboratorium virtuell in die Rolle von Mitarbeitern eines Produktionsunternehmens und organisieren über die Software von SAP selbständig Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsprozesse. Daneben geben Gastredner Einblicke, wie die Software in der Praxis eingesetzt wird, wie sie zur Integration in der Supply Chain genutzt wird, aber auch welche Herausforderungen mit dem Einsatz verbunden sind.

SAP-Kenntnisse werden von vielen Logistikunternehmen bei Absolventen heute vorausgesetzt. Darauf möchten wir unsere Studierenden bestmöglich vorbereiten. Gleichwohl können die vermittelten Kenntnisse auch auf andere ERP-Systeme übertragen werden.

Ein Schlüssel des Erfolgs in der digital-vernetzten Logistik ist die Erhebung, Auswertung und Beurteilung von Daten. Sie bieten heute einen Kurs "Data Scientist" für Ihre Master-Studenten an und planen einen eigenen Studiengang. Welche Fähigkeiten benötigen künftige Führungskräfte im Kontext "Data Analytics"?

Prof. Dr. Dimka Karastoyanova
Associate Professor of Data Science and Business Intelligence
Foto: KLU
Prof. Karastoyanova: In unserem Kurs Data Science lernen die Studenten alle Phasen des Lebenszyklus´ von Data Science kennen und die entsprechenden Unternehmensrollen, die an jeder Phase beteiligt sind. Damit wird klar, dass es bei Data Analytics nicht nur um Datenverarbeitung und -auswertung geht, sondern auch um das Verstehen der verfügbaren Daten und die Erstellung der am besten passenden Modelle auf Basis dieser Daten für ein konkretes Geschäftsproblem oder Fragestellung.

Somit erfordert Data Science nicht nur IT-Kenntnisse und Beherrschung der datenanalytischen Methoden, sondern auch Fachkenntnisse. Das ist eine komplett neue Denkweise (auch data analytic thinking genannt), die auf Interdisziplinarität beruht und die geschäftlichen Fragestellungen im Vordergrund hat.

Neben der Lehre beschäftigen Sie sich auch in der Forschung mit der Datenanalyse. In welchen Themen konnten Sie mit den Unternehmen erfolgreich forschen?

Prof. Karastoyanova: Ein Forschungsschwerpunkt ist die Verbesserung von Geschäftsprozessen auf Basis der Erkenntnisse der Datenanalyse. Im Logistikbereich hat dieser Schwerpunkt zwei Aspekte: einerseits sollen die Prozesse erfasst und automatisiert werden, andererseits müssen die verfügbaren Daten dafür angewendet werden, um diese Prozesse im Bezug auf konkreten Leistungskennzahlen (KPIs) zu steuern bzw. zu verbessern. Zwei Herausforderungen sind in dieser Forschung gerade aktuell: die Erfassung und Analyse von IoT-Daten, sprich Daten, die von Sensoren, RFID-Tags, Geräten usw. produziert werden und die Anpassbarkeit der digitalisierten Geschäftsprozesse.

Sie haben mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriuns ein Projekt für die Kombination von stationärem, mobilem und elektronischen Handel zu Omnichannel-Einkaufserlebnissen gestartet. Mit dabei sind u. a. Checkmobile und Tchibo aus Hamburg. Wie können wir uns "Smart Shopping Services" in Zukunft vorstellen?

Prof. Ludwig: Der Handel verändert sich aktuell grundlegend. Nach einigen Jahren des Konkurrenzdenkens zwischen Online- und Offline-Handel wachsen die verschiedenen Handelskanäle aktuell zu kanalübergreifenden Einkaufslösungen zusammen, bei denen die sogen. Customer Experience im Mittelpunkt steht. Künftig wird nicht mehr nur das Produktangebot, sondern der angenehmste Liefer-, Bezahl- oder Beratungsservice die Kaufentscheidung des Kunden bestimmen.

Mit dem auf 3 Jahre angelegten und von der KLU geleiteten Projekt "SURTRADE" arbeiten wir mit unseren Forschungspartnern an einer Cloud-Integrationsplattform für den Einzelhandel. Dabei schauen uns auch an, wie sich neueste Technologien wie Augmented Reality-Brillen oder moderne Zustelldienste wie Micro-Depots auf der letzten Meile einbinden lassen. Schließlich werden wir auch untersuchen, wie das Einkaufszentrum der Zukunft aussehen wird und die Handelslagen in unseren Innenstädten attraktiv bleiben.
Anfang des Jahres luden Sie zum "Logistics Startup-Day" ein. Dabei waren die Speditionen Flexport, Freighthub und Instafreight, die Lieferanten Liefery und Seven Senders, die Dienstleister Cargoo-Bee, CargoFioo und Graphhopper und die Hamburger Startups Cargoo-Bee, Cargonexx und Evertracker. Wie wichtig sind Tech-Startups für die Logistik?

Prof. Ludwig: Tech-Startups bringen aktuell sehr viel frischen „disruptiven“ Wind in die Logistik. Nie zuvor war es einfacher mit einer IT-Lösung etablierte Logistikgeschäftsmodelle zu hinterfragen und herauszufordern. Die neuen Logistik-Startups stellen sich aktuell vor allem dort auf, wo die Kundeninteraktion dem digitalen Erwartungsbild – mit ein paar Klicks alles online machen zu können – nicht mehr entspricht. Auch die Möglichkeit über Cloud-Plattformen komplexe Prozesse besser zu integrieren, ist eine der Kernansätze vieler Startups.

Unsere Studierenden interessieren sich sehr für die oft recht unkonventionelle Art des Marktzugangs von Startups. Aber auch etablierte Unternehmen arbeiten aktuell intensiv daran, sich agiler zu organisieren, kundenzentrierter aufzustellen und Technologiepotenziale bestmöglich auszunutzen. Insofern profitiert die gesamte Branche von dieser Disruption.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist ein führender Logistikstandort in Deutschland und Nordeuropa. Wie gut ist unsere Stadt in den Bereichen Logistik und Digitalisierung sowie der Ausbildung von Fach- und Führungskräften aufgestellt? Und wo sehen Sie Herausforderungen für die Zukunft?

Prof. Ludwig: Hamburg ist zweifelsohne eine der spannendsten Logistikmetropolen Europas. Dass die Digitalisierung (auch) die Logistik grundlegend transformieren wird, haben die wichtigsten Akteure der Region weitestgehend erkannt. Auch die KLU stellt sich mit einem von drei Kompetenzfeldern zum Thema „Digitale Transformation in der Logistik“ darin auf.

Eine aktuell viel beachtete Großinitiative, an dem sich viele wichtige Player der Metropolregion beteiligen, das „Digital Hub Logistics" Hamburg, bietet für Hamburg viel Potenzial, eine führende Rolle in diesem Themengebiet einzunehmen. Ziel muss es hier sein, etablierte, global agierende Unternehmen, junge, dynamische Logistik-Startups, Hochschulen und die öffentliche Hand zusammenzubringen und mittels Leuchtturmprojekten eine Innovatorenrolle einzunehmen.

Prof. Karastoyanova: An der KLU kooperieren wir neuerdings mit drei renommierten Institutionen im Rahmen von drei gemeinsamen Berufungen in den Bereichen Data Law, Digital Economics und Data Science and Business Intelligence. Diese drei Kooperationsprofessuren und die Kooperationsinstitutionen haben wir offiziell am 23.05.2017 bei einer gemeinsamen Veranstaltung unter dem Motto “Digitalisierung in der Logistik” vorgestellt. Somit sind wir sehr gut gerüstet und startklar, als wissenschaftliche Hochschule mit starkem Praxisbezug unseren dezidierten Beitrag dazu zu leisten, dass Hamburg auch im digitalen Zeitalter seine Position als führender Logistikstandort behaupten kann.

Vielen Dank für die spannende Tour!

Das Interview führte Thomas Keup

* * *


 Über die KLU in Hamburg: 

Die Kühne Logistics University – Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) ist eine im Jahr 2010 gegründete private Hochschule mit Sitz in der Hamburger HafenCity. Die Schwerpunkte der unabhängigen, staatlich anerkannten Hochschule liegen in den Bereichen Logistik und Management. Die Forschung an der KLU konzentriert sich um die Kompetenzschwerpunkte Sustainability, Digital Transformation und Creating Value in den Bereichen Transport, globale Logistik und Supply Chain Management. 

Die Kühne Logistik Universität Hamburg

 Hamburg Digital Background: 

13.06.2017: HSBA Tech-Day: "Erleben Sie Digitalisierung live"
Ein Nachmittag mit Vorträgen und Ausstellung zur Digitalisierung
www.hsba.de/aktuelles/veranstaltungen/tech-day-erleben-sie-digitalisierung-live/

15.-16.06.2017: KLU Seminar "Digitale Transformation in der Logistik"

Von der Digital Preparedness zu Innovationen und Leadership in der Logistik


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