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Dienstag, 24. August 2021

Das New Normal: Mobiles Arbeiten im Grünen.

HANSE DIGITAL WORKLIFE
* Update 05.10.2021 *

Mobiles Arbeiten wird zum New Normal - auch für Vertriebler.
PR-Foto: Presse Aktuell

83 % aller Arbeitnehmer fühlt sich gegenüber dem Arbeitgeber "nicht verpflichtet", 68 % und damit mehr als 2/3 macht "Dienst nach Vorschrift", so das Ergebnis des aktuellen "Gallup Engagement Index" für Deutschland im Coronajahr 2020. Kein Wunder, dass Chefs ihre "Spezis" nach Lockdown und Homeoffice so schnell wie möglich wieder im Blick haben wollen und nur noch rd. 23 % der deutschen Angestellten Zuhause sind. Doch im "New Normal" verschwinden die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens nicht einfach wieder. Wie verändern Videokonferenzen und digitaler Kontakt mit Kunden das Leben von Vertrieblern und anderen Geschäftsreisenden? Vielfahrer und Metropolen-Pendler Thomas Keup hat aktuelle Zahlen, Fakten und was zum Schmunzeln: 

'Alles bleibt anders!' So könnte jede Geschichte rund um Computer, Internet und Vernetzung beginnen. Die meisten Schüler, Lehrer und Eltern hätten sich vor dem Corona-Ausbruch Mitte März 2020 nicht vorstellen können, über Monate hinweg vor einem mehr oder weniger brauchbaren Rechne
r von zu Hause aus per Videokonferenz und Lernplattform dem Schulunterricht zu folgen - wenn ein Rechner vorhanden war, Lehrer auf E-Mails antworteten - und Hausaufgaben nicht ausgedruckt in braunen A4-Umschlägen ausgegeben wurden.

Lassen wir an dieser Stelle die PR-Märchen von Schulsenatoren und -ministern über die ach so schnelle, moderne und zukunftsweisende digitale Ausstattung von Schulen in Covid 19-Zeiten - aka Uralt-Server auf dem Damenklo - mal für einen Moment außen vor. Hier freuen wir uns auf die aktuelle Recherche unseres Hamburg-Korrespondenten zu "Pleiten, Pech & Pannen - Made by #HH_BSB" (weil wir Hamburg sind ...). Gerd Kotoll hat als ehemaliger Elternvertreter wirklich "heisse News" u. a. aus dem Himmelreich von Hamburgs Schulsenator Ties - "Ich habe doch Recht" - Rabe.

Digitalisierung kriegt sie alle: Lehrer, Eltern & die lieben Kleinen.

Die meisten Angestellten konnten vor der Pandemie ihrerseits auch nicht ahnen, mit Kollegen und Kunden mehrmals in der Woche per Videokonferenz Projekte, Prozesse und Probleme zu wälzen. Und Mütter wie Väter an Küchen- und Wohnzimmertischen über Firmenlaptops und Tablets gebeugt wussten nicht wie ihnen geschah, als die lieben Kleinen - ausgeschlossen von Kindergarten und Klassenzimmer - plötzlich kreischend die eigene Arbeit kommentierten. Bis zu 56 % - und damit mehr als die Hälfte - aller deutschen Arbeitnehmer könnte ihre Arbeit grundsätzlich virtuell via Laptop und Datenleitung erledigen, so das ifo-Institut aus München.

Was für Vertriebler fernab von Business Class und Flughafen-Lounge plötzlich zum "New Normal" wurde, ist für Selbstständige - z. B. Künstler, Publizisten und Dienstleister - seit rd. 10 Jahren ein Stück Normalität. Der amerikanische Softwareriese Microsoft adressierte im April 2014 ein "Manifest für Neues Arbeiten" vor allem für Wissensarbeiter - und setzte die Veränderungen "von Aktivitäten zu Momenten" bei seinen damals rd. 320.000 Mitarbeitern weltweit auch gleich um, wie ich vor sieben Jahren in der Berliner Microsoft-Niederlassung Unter den Linden in Berlin live und in Farbe kennenlernen durfte (lesen Sie dazu meinen Beitrag auf dem Netflox-Blog - s. u.).

Von 8 Stunden Aktivität zu 8 minütigen Momenten - rund um die Uhr.

"Aktivitäten": mit Arbeit von 9 bis 5.
Grafik: Microsoft
Bestand und besteht die alte, lineare Arbeitswelt seit der industriellen Revolution und Einführung des Fließbandes durch Henry Ford im Januar 1914 aus einem "Dreiklang" mit rd. 8 Stunden Arbeit am Block, rd. 8 Stunden Privatleben und 8 Stunden Ruhezeit, verschwimmen die "Aktivitäten" in der Welt arbeitsplatz- und zeitunabhängiger Tätigkeiten in einem "Work-Life-Blur", wie es Microsoft nennt. Beim Recherche-Interview in der "Digital Eatery" von Microsoft im Sommer 2014 war mir auch nur z. T. bewusst, wie weit geschäftliche und berufliche, persönliche und private Dinge mit Smartphone in der Hand verschwimmen würden.



"Momente" mit 8 Minuten statt 8 Stunden.
Grafik: Microsoft
"Aktivitäten" mit Familie und Freunden, Sport und Freizeit, Ausflüge und Erholung oder Online-Recherchen und Shopping müssen sich nicht mehr auf die Zeit "nach Feierabend" oder "am Wochenende" beschränken. "Momente" mit Kids, der Einkauf bei Amazon & Co. oder die Planung des Ausflugs können zwischen zwei Videocalls erledigt werden, wenn man die Konferenzen nicht ohne Pause aneinander reiht. Hintergrund: Mit der Distanz von Kollegen und Kantine rücken die Ergebnisse der Arbeit in den Mittelpunkt. Wurden Angestellte früher vor allem für "Facetime to the Boss" aka "Dienst nach Vorschrift" bezahlt, rücken nun Resultate in den Mittelpunkt.

Nach Datenschutz und Diskussionen: Es geht tatsächlich digital.

"Vetrauensarbeitszeit" nennt man die Veränderung im Personalwesen - bei Microsoft seit 2014 gelebte Praxis - wie in vielen Tech-Startups, bei Digital-/Dienstleistern und IT-Unternehmen, deren Experten durch Laptop und schnelle Leitungen längst von überall aus Server hochfahren, Updates installieren und Fernwartung betreiben können. Mit der Durchdringung von Rechner und Router im Privatleben ist das auch vor Corona schon für fast jedermann möglich gewesen. Ich selbst erlebte mobiles Arbeiten 2012 während meines Engagements für ein Tech-Startup in Barcelona. Erst mit der Notwendigkeit durch Lockdown und Homeoffice wurde es auch ohne Datenschutzdiskussionen bei uns flächendeckend (notwendigerweise) umgesetzt.

Vier Wochen nach dem ersten Lockdown waren rd. 55 % aller Büroarbeiter in Deutschland im Homeoffice, 30 % zum ersten Mal in ihrer Karriere, stellte immowelt.de im April '20 fest. 42 % hatten von Anfang an ein eigenes Arbeitszimmer, 1/3 einen festen Arbeitsbereich in Wohn- oder Schlafzimmer. Im Juli '20 gab die Hamburger Krankenkasse DAK bekannt: Die Zahl der Betriebe mit Homeoffice-Möglichkeiten nahm durch die Corona-Krise um mehr als 50 % zu. Mit 116 % Zuwachs auf insgesamt 39 % hat sich die Zahl der Homeoffice-Arbeiter an der arbeitenden Bevölkerung mehr als verdoppelt. Die Zahl der Videokonferenzen verdoppelte sich durch die Corona-Krise auf rd. 35 % Nutzung unter allen Arbeitnehmern.

Aktuelle Homeoffice-Quote 2021: Dienstleister vor Industrie.

Heute arbeiten laut des Münchener Marktforschungsinstituts ifo noch 23,8 % aller deutschen Angestellten von Zuhause aus - ein Minus von rd. 7 % im Vergleich zu den harten Lockdown-Monaten im Winter und Frühjahr des Jahres. Dabei sind es vor allem Dienstleister, die ihre Angestellten aus den eigenen vier Wänden arbeiten lassen, aktuell immerhin noch 33,4 % - jedoch ebenfalls mit rd. 7 % Minus im vergangenen halben Jahr. Die höchste Homeoffice-Quote gibt es laut ifo-Institut in der Bekleidungsindustrie mit 32,2 %, gefolgt von der Automobilindustrie mit 26,6 % und der IT-Industrie mit 26,0 %. In den Top 5 folgen mit leichtem Abstand die Elektroanlagenbranche mit 21,8 % und die Maschinenbauer mit 20,3 %.

Insgesamt ranchieren bei den Dienstleistern das Bauhauptgewerbe mit 5,0 % und der Einzelhandel mit 5,3 % verständlicherweise am Ende der Skala. Bei den Produzenten tragen in Deutschland die Getränkehersteller mit einer Homeoffice-Quote von nur 5,1 % die rote Laterne. Knapp davor liegen Transporteure mit 6,8 %, die metallverarbeitende Industrie mit 7,6 %, die Lederwarenbranche mit 8,4 % und die Holzbranche mit 8,5 %. Desto höher die Impfquote im Land steigt, desto mehr Mitarbeiter werden zurück an ihre angestammten Schreibtische gerufen. Zugleich stellen die Münchener Marktforscher fest, dass die Homeoffice-Quote nach Bewältigung der Pandemie deutlich höher ist und bleiben wird, als vor dem Corona-Ausbruch im März '20.

Von "Nix da" zum "New Normal": Deutschland wird mobil(er).

81 % der bis Juni '21 ins Homeoffice geschickten Angestellten können sich vorstellen, auch nach der Pandemie vollständig oder mehrere Tage pro Woche ihren Job in den eigenen vier Wänden zu machen, so das Ergebnis einer Umfrage der Strategieberatung EY. Eine Langzeitstudie des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research kommt auf einen Wert von 55 % aktiver Homeoffice-Nachfrage. Vor allem Männer wollen mit 52 % auch nach Covid 19 von zu Hause aus arbeiten. Nach einer Umfrage der FOM-Hochschulen wollen Arbeitnehmer im Schnitt rd. 35 % bzw. 2 Tage in der Woche von zu Hause aus tätig sein. Beim Bremer Hafenbetreiber Bremenports dürfen sie das - sogar bis zu 3 Tage bzw. 40 %.

Wenn Homeoffice und mobiles Arbeiten sieben Jahre nach dem Microsoft-Manifest zum "New Normal" in der Bürowelt angestellter Arbeitnehmer Normalität werden, was heißt das in aller Konsequenz für Bürovermieter, Hotels, Business Classes und -Lounges? Der branchenweite "Sparfuchs" und Allianz-Chef Oliver Bäte verkündete im Juni 2020, dass der größte deutsche Versicherer auf Grund der Homeoffice-Nutzung rd. 30 % seiner Büros aufgeben wolle und jede 2. Dienstreise in Zukunft wegfallen werde. Moment mal: Jede 2. Dienstreise soll wegfallen? Jetzt wirds richtig interessant - allerdings nicht für Airlines, Bahn & Co.

Von Freelancern bis Vertriebler: Momente sind das "New Normal". 

Die Hamburger Managementberatung Thomsen Group erarbeitete auf Grund von Annahmen ein Szenario, wie die Arbeitszeit der - vornehmlich auf Autobahnen, in 1. Klasse-Abteilen und Business-Fliegern - präsente Gruppe der Vertriebler durch Corona verändert werden wird. Und da ist sie wieder: Die Kuchengrafik mit den vielen kleinen Stückchen - statt weniger konzentrierter "Aktivitäten". Wie auch ich aus drei
 Jahren fast täglicher bzw. wöchentlicher Bahnfahrten in Business-Abteilen der ICEs zwischen Berlin und Hamburg bestätigen kann, ist ein großer Teil auswärtiger "Aktivitäten" schlicht Reisezeit.

Von 2/3 Reisezeit zu 2/3 Kundenkontakt.
Quelle: Thomsen Group

Thomsen stellt in einer aktuellen und in den HANSENEWS veröffentlichten Hochrechnung fest, dass die Arbeitszeit des reisenden Völkchens der Vetriebler vor Corona zu rd. 2/3 aus (meist passiver) Fahrzeit bestand. Die Anfahrt zu Bahnhof oder Flughafen mit Bus, Bahn, Mietwagen oder Taxi war und ist ebenso wenig zum Arbeiten geeignet, wie die Wartezeit an Bahn- und Abflugsteigen, in Flugzeugkabinen, an Mietwagenschaltern oder beim Hotel-Checkin. Blieben unter dem Strich nur rd. 1/3 verbleibender Arbeitszeit (pro Woche bzw. Monat), die tatsächlich produktiv mit Kunden verbracht wurden.

Das digitale Momentum: Mehr Zeit für Kunden und die Familie.

Pandemie, Homeoffice und Videocalls veränderten seit Frühjahr '20 auch die Arbeit des reisenden Volkes: In seiner heuristischen Berechnung geht der zuständige Experte bei Thomsen in Hamburg davon aus, dass die Zeit mit Kunden im "New Normal" auf bis zu 2/3 der gesamten Arbeitszeit ansteigt - und damit gut 30 % mehr betragen wird, als bei den guten alten "Trolley-Truppen". Der Grund: Fast 60 % der Arbeitszeit verbringen Vertriebler heute und künftig vor dem Monitor mit Kundengesprächen. Durch die schnelle, einfache Möglichkeit, sich per Bild und Ton zusammenzuschalten, wird der Kontakt digital häufiger. Dafür sinkt die persönliche Präsenz auf nur noch rd. 8 %.

Unterm Strich heisst das mehr Zeit mit Kunden und weniger Stress auf Reisen - und eine neue Ausdifferenzierung: einfache, schnelle oder kleinere Themen werden per Videokonferenz besprochen und geklärt. Nur wenn es wirklich wichtig wird, um einen Vertrag zu unterzeichnen, ein festgefahrenes Problem zu lösen oder eine kriselnde Kundenbeziehung zu retten, werden Accountmanager und Kollegen künftig ihren Koffer packen und sich auf den Weg machen. Damit könnte die Reduzierung von Reisenzeiten nicht nur bei der Allianz Wirklichkeit werden - ganz zur Freude von Freunden und Familien, aber zum Ärgernis von Fliegern, Bahn, Hotels und Taxen, die von Geschäftsreisenden leben.

Digitaler Vertrieb: Persönliche Posts statt Kaffee + Kekse.

Wenn 2/3 der Arbeitszeit zu digitalem und (minimal) persönlichem Kundenkontakt avanciert, was wird aus dem verbliebenen Drittel, dass sich u. a. aus der massiv geschrumpften Reisezeit speist? Die Visionäre von Thomsen an der Alster sehen mit der "Digital Customertime" eine weitere, deutliche Veränderung der Arbeit von Business Developern und Account-Managern: Künftig übernehmen persönliche Postings zu Erfahrungen, Meinungen und Erwartungen der Vertriebsmitarbeiter und ihrer Unternehmen auf Social-Media-Netzwerken eine wichtige Funktion in der Kundengewinnung und -bindung.

Kann die Frage der passgenauen Zusammenarbeit durch zugelieferte Informationen per E-Mail und PDF beantwortet werden, gewinnen Kunden die notwendige Sicherheit zu Kompetenz, Charakter und Wohlwollen zunehmend über Social-Media-Aktivitäten. Für Unternehmen und ihre Vertriebler heisst das, rd. 16 % mit dem Auf- und Ausbau der Meinungshoheit im Internet, z. B. auf Linkedin und Xing sowie mit Podcasts und Videos, zu verbringen. Damit wird Social Media im B2B-Geschäft von einem "Nice to have" zu einem "Must have" - und das dürfte einigen, nicht nur älteren Mitarbeitern in Unternehmen, alles andere als leicht fallen.

Lust auf Land und Leben: Und 25 % weniger an Gehalt?

Der dritte - und bis heute bei uns in Deutschland noch nicht angekommene Trend - ist eine künftige Unterscheidung bei der Bezahlung zwischen Mitarbeitern, die in teuren Großstädten nah beim Unternehmen präsent sein müssen und anderen Angestellten, die mit der Corona-Pandemie die Qualität des Landlebens für sich entdeckt haben - neudeutsch als "De-Urbanisierung" bzw. "Sub-Urbanisierung" in der Diskussion. Beipsiel USA: Hier planen erste Tech-Konzerne, die Gehälter von Angestellten von 10 bis 25 % zu reduzieren, wenn diese nicht im fast unbezahlbaren Umfeld des Silicon Valley oder in New York City leben müssen und vollständig von Zuhause aus arbeiten, z. B. bei Google (siehe Blog-Beitrag von CMS).

Durch eine bessere digitale Infrastruktur in ländlichen Regionen werden auch die grünen "Speckgürtel" rund um Bremen, Hamburg und Hannover zunehmend beliebter. Nach einer aktuellen Befragung von 7.000 Großstädtern durch immowelt.de planen 13 % der Befragten von ihnen, in den kommenden 12 Monaten diese zu verlassen. Knapp die Hälfte (46 %) aller Befragten mit kurzfristigen Umzugsplänen gab an, dass die Corona-Pandemie ihre Entscheidung beeinflusst habe. 
Stück für Stück werden die Metropolen von Zuzügen entlastet, tauschen Angestellte teure Wohnungen in den lauten Großstädten gegen die Lebensqualität im grünen Umland, wie sich an Alster und Elbe bereits zeigt.


Entlastung für die Großstädte, Infrastruktur auf dem Land.

Für den Präsidenten des ifo-Instituts, Clemens Fuest, heißt das neue Herausforderungen für die Politik: Während in den Metropolen der Straßenverkehr abnimmt, müssen für die Landbewohner wirklich leistungsfähige Straßen- und Bahnverbindungen sichergestellt werden - von der digitalen Infrastruktur mit Breitband und schnellem, zuverlässigen Datenfunk ganz abgesehen. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert hoffte in einer aktuellen Diskussion auf der IAA Mobility in München zugleich auf eine Entlastung des Wohnungsmarktes in den Großstädten. Die Fakten sprechen - nicht nur in Norddeutschland - eine andere Sprache:

In der Freien und Hansestadt Hamburg sank die Nachfrage nach einem eigenen Häuschen im Juni 2021 zwar leicht um 2 %. Aber: Die Quadratmeterpreise stiegen in den Angeboten im Stadtgebiet um 29 % von 5.121,- auf 6.622,- € an. Der Trend zur Stadtflucht hat vor allem Auswirkungen auf die Nachfrage nach Einfamilienhäusern im Umland: Immoscout24 fand heraus, dass der Hamburger Speckgürtel durch die Pandemie bereits einen Nachfrageschub von 76 % erlebte. Die Angebotspreise für inserierte Einfamilienhäuser kletterten in der Metropolregion von 3.069,-  auf 3.680,- € pro Quadratmeter im Juni 2021 - ein Anstieg um satte 20 % seit Februar 2020 

Mietpreise im Norden in der Corona-Krise angestiegen.

Im letzten Jahr stiegen die Mietpreise in Norddeutschlands teuerster Stadt Hamburg erneut um 3 %. Der Quadratmeterpreis für eine Wohnung liegt jetzt im Schnitt bei rd. 12,50 €, so die aktuelle Erhebung von immowelt.de. Vor einem Jahr lag der Durchschnittspreis an Alster und Elbe noch bei 12,10 €. Die einsetzende "De-Urbanisierung" macht sich auch bei den Mietpreisen im Einzugsbereich der Millionenmetropole negativ bemerkbar: In den Landkreisen rund um die Hansestadt kletterten die Mietpreise im vergangenen Jahr um 2 bis 6 %: Die Preise stiegen auf schleswig-holsteinischer Seite in Stormarn auf 10,40 €, Pinneberg und Segeberg auf jeweils 9,80 € und Lauenburg auf 8,90 €, südlich der Elbe verlangt man in Harburg jetzt 9,90 € und in Stade 8,70 €.

Ein Blick auf die anderen norddeutschen Großstädte zeigt: Um jeweils 2 % erhöhte sich der Quadratmeterpreis in Hannover auf jetzt 8,60 € und Bremen mit 8,40 €. Damit sind sie im Städtevergleich auf ähnlichem Preisniveau wie Oldenburg mit 8,90 €, Lübeck bei 8,80 € sowie Kiel und Osnabrück mit je 8,30 €. Der Stadtkreis Emden hat mit 12 % einen vergleichsweise hohen prozentualen Anstieg, wobei der Median-Mietpreis bei moderaten 6,70 €/qm liegt, so immowelt.de. Die Stadtkreise Wilhelmshaven mit + 4 % und Bremerhaven mit + 6 % bleiben sogar weiterhin unter der 6-Euro-Marke. 

Eine Anekdote zum Schmunzeln ... und Zoomen:

Während sich die Hamburger Senatskanzlei vom stadteigenen Datenschützer für mögliche Zoom-Überwachungen anzählen lassen musste (die HANSENEWS berichteten), hat Deutschland die meisten "Zoom-Konferenzen" gar nicht mit Zoom gemacht. Die Hamburger PR-Agentur Faktenkontor veröffentlichte im "Social-Media-Atlas 2021" die Zahlen: 43 % aller berufstätigen Internet-Nutzer in Deutschland kommuniziert mit Kollegen und Kunden über "Teams" von Microsoft, 41 % verwendeten "Skype", ebenfalls von Microsoft. Erst danach folgt der Aufsteiger aus dem ersten Corona-Lockdown, "Zoom". Die junge Videoplattform setzen rd. 36 % der erwerbstätigen Onliner ein.

Das der Hamburger Senat manchmal etwas länger braucht, um den Schuss zu hören und/oder aufzuwachen, wissen wir spätestens seit der schwachsinnigen Maskenpflicht auf den Wanderwegen rund um die Alster, dem sinnfreien Alkoholverbot exklusiv auf den Bürgersteigen der Reeperbahn, den immer wieder verspäteten Lockerungen der Corona-Maßnahmen und den trotzdem schlechten Corona-Zahlen - auch im bundesweiten Vergleich. Von der seitens der Hamburger Gastronomie z. T. scharf kritisierten 2G-Regelung einmal abgesehen. Vielleicht liegt das ja im Naturell der (Dorf-)Verwaltung zwischen Alsterdorf, Eppendorf und Bergedorf. Für "Exil-Hamburger" in ihrem neuen Zuhause in der Heide und in Holstein dürfte das künftig aber auch egal sein.

Homeoffice bei neuen und jüngeren nicht optimal.

Bleibt die entscheidende Frage, wo Homeoffice nicht funktioniert. Laut ifo-Präsident Clemens Fuest kommt das mobile bzw. virtuelle Arbeiten bei Innovationsprozessen an seine Grenzen. Hier tauschen sich Menschen nicht nur mit Worten, sondern vor allem auch mittels Körpersprache aus. Für Audi-Personalvorständin Sabine Maaßen wirds schwierig im Austausch der Mitarbeiter untereinander, denn die gute alte Kaffeeküche ist wichtiger, als viele vielleicht dachten. Auch bei neuen und jüngeren Mitarbeitern wirds knifflig, da sie nicht selten einen kurzfristigen und höheren Abstimmungsbedarf haben. 

Unter dem Strich ist es für die langjährige Gewerkschafterin Maaßen vor allem eine Frage von Führungskultur und Vertrauen, wenn die Ergebnisse der Arbeit in den Mittelpunkt rücken und die Anwesenheit als Führungsinstrument zumindest teilweise wegfällt. Homeoffice und mobiles Arbeiten kann in keinem Fall "top-down" angewiesen werden. Stattdessen gilt es mit einer Betriebsvereinbarung - wie bei Audi seit 2016 - die Möglichkeit einzuräumen und jedem Mitarbeiter zugleich die Freiheit zu geben, die für seine Lebenssituation und persönlichen Umstände passende und gewünschte Kombination von Präsenz und privatem Arbeitsplatz zu wählen.

*Update*
Wenn Wohnung zum Büro zum Fitnessstudio wird.

Im Gegenzug wird aus dem Provisorium Homeoffice in der eigenen Wohnung künftig zunehmend eine Universallösung zum Arbeiten, Sport treiben und Leben. Der Hamburger Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann untersuchte zum 4. mal die Megatrends im Auftrag des Shopping-Senders "QVC": So wird das Wohnzimmer auf Knopfdruck zum Büro und abends zum Gym. Jeder Zweite der ab dem Jahr 2000 geborenen Generation Z wünscht sich einen digitalen Fitness-Spiegel für Personal Trainings. Und es entstehen neue Modelle des Zusammenlebens: 52 % der Gen Y wünschen sich Co-Working-Räume.

Für das Zuhause der Zukunft wünscht sich jeder Zweite zudem Geräte, die auf Sprache reagieren. "Voice-basierte Anwendungen, Sensoren und biometrische Datenerkennung machen den Touchscreen bis 2040 überflüssig", so Peter Wippermann in einer aktuellen Stellungnahme. Aus Bildschirmen werden Brillen, aus Brillen Augenlinsen. Digitale Services sind nicht länger an statische Geräte gebunden. Im Next Home sind sie da, wo die Menschen sind und verschwinden aus unserer Wahrnehmung. Dann bekommt digital-vernetztes Arbeiten womöglich noch eine ganz andere Bedeutung.

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 Hanse Digital Background: 

Netfox-Blog: "Die Zukunft der Arbeit: Von Aktivitiäten zu Momenten":
netfoxblog.wordpress.com/2014/10/22/

"Netfox-Blog: "Erdrutsch in der Arbeitwelt - Teil 1:
Vom Fließband zur Generation Freelancer – Symptome, Ursachen und Folgen."

"Netfox-Blog: "Erdrutsch in der Arbeitwelt - Teil 2: 
Vom Fließband zur Generation Freelancer – digital-vernetzt statt linear und abhängig."

"Netfox-Blog: "Erdrutsch in der Arbeitwelt - Teil 3:
Vom Fließband zur Generation Freelancer – selbständig die Zukunft unternehmen."

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*Update*
 Hanse Digital Service: 

CMS Deutschland: Gehaltskürzung im Homeoffice:

QVC Zukunftsstudie "Next Home": Das Zuhause wird zur Schaltzentrale.
presseportal.de/

Personalwirtschaft.de: Gallup Engagement Index: 
Zwischen Bindungsgefühl und Abwanderungsgedanken
personalwirtschaft.de/

Microsoft: "33 Regeln erfolgreicher digitaler Pioniere" (PDF):

Sonntag, 29. Oktober 2017

HANSEPERSONALITY Peter Jaeger: Ein Senator für Digitales mit weitreichender Richtlinienkompetenz.


Er ist Informatiker, Betriebswirt, Director Developer Experience and Evangelism (DX) - und denkt gerade im Sabbatical über sein nächstes Startup nach. Er kennt die großen der IT-Industrie, wie HP, IBM und Microsoft aus eigenem beruflichen Engagement.  Er gründete 1993 sein erstes Software - und Systemintegrationshaus: Peter Jaeger aus Hamburg. 


Der passionierte Visionär präsentierte zum Jubiläum des Hamburger Community-Eventnetzwerks 12min.me einen spannenden Blick in die Zukunft: Brauchen alle Unternehmen Daten-Know how? Wie können wir trotz Cloud Services sicher sein? Dreh- und Angelpunkt ist für den Hamburger Techi jedoch der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Unser HANSEPERSONALITY ist Visionär Peter Jaeger:


Du sagst, jedes Unternehmen sollte eine "Datadriven-Company" sein - egal, ob es Lebensmittel, Zeitungen oder Automobile verkauft. Du vergleichst Kundendaten mit der Bedeutung von Gold, Öl und Erdgas. Sind nicht exzellente Produkte das A und O, um als Hersteller und Vertrieb erfolgreich zu sein?


Hamburgs Visionär Peter Jaeger.
Foto: Microsoft
Die Annahme ist, dass wir einen homogenen Markt mit gut informierten Kunden haben. Somit sind alle Produkte am Markt exzellent und unterscheiden sich nur marginal. Sprich: Der Hersteller muß auf Basis von Daten die er sammelt versuchen, einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen und weiß im optimalen Fall, welches Produkt ein potentieller Kunde kaufen möchte, bevor der Kunde selbst weiß, welches Produkt er haben möchte. 

Wenn ein Autohersteller wüsste, welcher Fan im Stadion gerade darüber nachdenkt, ein neues Auto zu kaufen und heute noch kein Kunde der Marke ist. Und wenn der Hersteller zudem wüsste, wie hoch das Budget ist, wäre das doch von einem enormen Vorteil? Auf der einen Seite für den Hersteller, da die Werbung viel zielgerichteter mit viel weniger Streuverlusten ausgespielt werden kann. Und für den potentiellen Neuwagen Käufer wäre es von Vorteil, dass ihm ein Wagen angeboten würde, der zu seinem Budget passt und nicht der, der zuletzt im Internet angesehen wurde. 

Genau solche Themen kann ich nur angehen, wenn ich im Besitz von Daten bin oder zumindest den Zugriff auf diese Daten habe.

Bleiben wir in der Arbeitswelt. Du prognostizierst in den kommenden 3-5 Jahren einen Wegfall vieler Standardjobs von Wissensarbeitern. Xing geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass nur rd. 12% der Arbeitnehmer Angst von einer Disruption haben. Alles also nur halb so schlimm?

Zu dem Thema schreibe ich gerade an einem Buch und ich kenne natürlich auch die Xing- und die IZA- Studie. Grundlegend bedeuten 12,6% der Erwerbstätigen aktuell 5,54 Millionen Arbeitnehmer, bei denen der Job real in Deutschland bedroht ist - bei aktuell ca. 2,6 Millionen Arbeitslosen. Wenn wir diese beiden Zahlen addieren sind wir bei potentiell 8,14 Millionen Arbeitslosen in Deutschland welches die höchste Nachkriegs Arbeitslosenzahl wäre. Und das finde ich schon beängstigend. 

Allerdings sagt die Studie auch aus, dass nur ca. 2,3% einer nicht repräsentativen Stichprobe unter Xing-Mitgliedern Angst vor dem Change haben. Fakt ist auch, dass die gerne zitierte Studie aus 2013 von Frey & Osborne davon ausgeht, dass ggf. 42% der Wissensarbeitsplätze in Deutschland bedroht sind. Eine andere Studie von KPMG aus 2016 besagt, dass weltweit ca. 100 Millionen Jobs im Business Process Outsourcing (BPO) Umfeld bedroht sind und bis 2025 wegfallen werden. Alle diese Studien sind sich aber in einem Punkt einig: 

Es wird einen bedeutenden Change in den Job- und Tätigkeitsprofilen der bisher von den 3 voran gegangenen industriellen Revolutionen verschont gebliebenen Wissensarbeitern geben.

Und das ist kein Thema für die nächste oder die übernächste Generation. Wir müssen uns der Herausforderung bereits heute stellen und über ein Aus- und Fortbildungsbündnis für die betroffenen Wissensarbeiter diskutieren. Interessanter Weise haben dies die Gewerkschaften und allen voran Ver.di bereits erkannt und sind aus meiner Sicht hier weiter als die meisten Unternehmen bzw. Unternehmer. (siehe Interview in der "Zeit"). 

Data Scientists sind für Dich die neuen "Götter in Weiß", die aus "Big Data" mittels Künstlicher Intelligenz (AI) und Machine Learing (ML) qualifizierte Prognosen über unser Kaufverhalten ableiten können. Warum bekommen wir immer dann immer noch "Verfolgerwerbung" angedreht

Leider setzen die meisten Ads im E-Commerce immer noch auf die alten Methoden: Die Dinge, die ich in der letzten Zeit angeklickt habe, verfolgen mich dank der alten Cookie-Technologie auf den unterschiedlichsten Seiten. Und die Anbieter hoffen, dass man den Artikel – sieht man ihn nur oft genug – irgendwann kauft. Diese Systeme erkennen nicht, dass man den Artikel schon gekauft hat. Mit Machine Learning und AI wird dies besser und es ist tatsächlich möglich, mit modernen Recommender Engines - wie sie z.B. von Netflix eingesetzt werden - abzuleiten, was der Kunde tatsächlich kaufen möchte. 

Schauen wir uns Netflix mal etwas genauer an:

Zuerst versucht ein AI basierter Recommender zu verstehen, was passiert ist. Also welche Filme und Serien habe ich mir angesehen, welche habe ich abgebrochen und welche gegebenenfalls sogar geliked. Als nächstes versucht der Recommender herauszufinden, warum ich diese Aktionen bei den Filmen und Serien durchgeführt habt. Also: Warum habe 
ich „Orange is the new Black“ abgebrochen und warum habe ich „Designated Survivor“ 
angesehen und vielleicht sogar mehr als einmal?

Als nächstes versucht der Recommender vorauszusehen - sprich zu lernen -, was ich wohl als nächstes tun werde. Schaue ich mir tatsächlich neben „Designatd Survivor“ auch noch „House of Cards“ an – was recht naheliegt. In dieser Phase zeigt der Recommender seine Vermutungen noch nicht den Usern. Das bleibt komplett im System verborgen und Netflix versucht zu lernen.

Der letzte Schritt – und alle Schritte basieren auf Wahrscheinlichkeiten – ist der, dass mir der Recommender, wenn er genügend Daten gesammelt hat - also die Wahrscheinlichkeit einen gewissen Threshold überschritten hat – Vorschläge macht, um für mich das Netflix-Erlebnis so gut zu machen wie nur irgend möglich. Und die Vorschläge aus dem Recommender sind so gut, dass sie in aller Regel tatsächlich meinen Geschmack treffen. Mir hat er z. B. nach „House of Cards“ und „Designated Survivor“ „White Collar“ angeboten. Was soll ich sagen? Ich bin gerade am Ende der 2. Staffel.

Wenn Daten im Mittelpunkt jeden Geschäfts stehen, kommen wir um Cloud Services als Rechenzentrum nicht drumherum. Besteht nicht die Gefahr, dass Amazon's AWS, Google's G-Suite und Microsoft's Azure uns ausspionieren? Sollten wir wirklich US-Diensten vertrauen?

Peter Jäger bei 12min.me in Hamburg.
Quelle: Twitter @lets_bundle
Auf jeden Fall sollten wir diesen Diensten vertrauen. Sie sind erheblich sicherer und flexibler als die Angebote aller lokalen IT-Service Provider zusammen. Von den eigenen Rechenzentren der Mittelständler möchte ich hier gar nicht sprechen. 
Natürlich müssen Regeln verhandelt und vereinbart werden für die Erbringung der Dienstleistungen. Aber aus meiner Sicht sind die Daten in allen 3 Clouds sicherer und die Serviceleistung zuverlässiger als in 
jedem lokalen Rechenzentrum - und das bei in aller 
Regel viel geringeren Kosten. 

Mit der für alle Unternehmen und Cloud-Provider ab Mai 2018 verbindlichen Datenschutzgrundverordnung DSGVO bzw GDPR haben wir ein zuverlässiges und rechtlich bindendes Rahmenwerk insbesondere für die Verarbeitung personenbezogener Daten. Können Nachrichtendienste trotzdem auf die Daten zugreifen ohne, dass wir es merken? Vermutlich - aber dies 
können sie bei den eigenen Rechenzentren dann auch und vermutlich sogar einfacher. 
Leider löst die DSGVO nicht alle Herausforderungen im Datenschutz. Insbesondere noch 
nicht den Zwang für bestimmte regulierte Industrien oder für den öffentlichen Sektor, Daten im eigenen Land zu speichern. 

Für diese besonderen Ansprüche gibt es dann Angebote wie von Microsoft mit der „Microsoft Cloud Deutschland“, bei der sichergestellt ist, dass die Daten Deutschland nicht verlassen und die Rechenzentren von einem deutschen Datentreuhänder betrieben werden. Diese „Microsoft Cloud Deutschland“ ist für diese Anwendungsfälle ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und nicht zu vergleichen mit den deutschen Rechenzentren von Amazon oder Google, die immer noch von den jeweiligen Firmen betrieben werden.

Du hast selbst 5 "Alexen" in Deinem Haus - warnst zugleich vor Konkurrent Google mit einem dauerlauschenden "Home Mini". Warum lässt Du Dein Haus von Amazon "aushorchen" und was empfiehlst Du im Umgang mit den neuen Geräten? Worauf sollte jeder von uns achten?

Und die 6. kommt bald mit dem "Sonos One" 😊

Grundlegend muß jeder für sich entscheiden, was er von sich freiwillig preisgibt - und was nicht. Am Ende des Tages funktionieren diese Services, ob nun von Amazon, Google, Microsoft oder Apple nur dann, wenn ich umfangreiche persönliche Daten von mir dem Anbieter zur Verfügung stelle. Dafür bekomme ich dann aber auch einen entsprechenden Gegenwert. 

Wichtig ist, dass die Anbieter möglichst transparent erklären, was mit den Daten passiert, wie sie geschützt sind, was ich dafür erhalte und in wieweit ich dem Anbieter vertraue. Aus meiner Sicht sind hier die Assistenten von Amazon mit Alexa und Microsoft’s Cortana diejenigen, denen ich heute persönlich am meisten Vertrauen schenke und wo ich verstehe, wie die Daten und deren Verarbeitung geschützt sind.

Diese Transparenz und das Vertrauen fehlen mir heute (noch) bei Apple’s Siri und Google Home. Am Ende des Tages wird hier sehr schnell ein 2- bis 3-Kampf der Systeme zwischen Facebook, Google und Microsoft starten. Amazon macht zwar ein Top-VUI (Voice User Interface), allerdings fehlen hier aus meiner Sicht die wirklichen visionären Ideen und Ansatzpunkte, wie man vNext Bots tatsächlich auch außerhalb von E-Commerce und einfachen An/Aus-Funktionen nutzen kann. 

Im "Wired Backchannel" ist im Juni ein Top Artikel zum Thema AI erschienen, der ein wenig stärker beleuchtet, was Microsoft so vorhat. Der Artikel ist sehr lesenswert. In meinem neuen Startup werden wir übrigens auf einen Mix von Googles und Microsofts AI setzen.

Elon Musk warnt vor künstlicher Intelligenz. IBM's Watson las das Urban Directory aus. Facebook schaltete ein AI-System ab, nachdem zwei Bots begannen, sich in einer unbekannten Sprache zu unterhalten. Und Microsoft schaltete einen Bot ab, der 
zum Nazi und Sexisten avancierte. Ist das Ende der Menschheit nah?

Auf keinen Fall! Alles in allem leben wir in einer spannenden Zeit: Fast jeder Aspekt unseres Lebens wird durch Technologie verändert – und das in atemberaubendem Tempo. Ich glaube, dass wir heute erst am Beginn einer neuen technologischen Revolution stehen. Sie verspricht uns einen Wandel der Art, wie wir leben, arbeiten, kommunizieren und lernen. Und das in einem Tempo und Umfang, wie das die Menschheit noch nie zuvor erlebt hat. 

Eine neue Generation technologischer Innovationen verschafft uns Möglichkeiten, die neue Wege zur Erschließung wirtschaftlicher Chancen und die Lösung von einigen der brennendsten Fragen der Menschheit versprechen.

Die Vorteile dieser Veränderungen könnten gewaltig sein. Jetzt wird eine nicht allzu ferne Zukunft vorstellbar, in der es keine Armut mehr gibt, in der Krankheiten ausgelöscht sind, die die Menschheit seit Jahrtausenden quälten, in der eine Lösung für den Klimawandel gefunden wurde und in der neue Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit zu einem epochalen Anstieg von Innovation und Kreativität führen.

Doch wir können uns beim Blick auf dieselbe technologische Revolution auch fragen: Gehen wir nicht eher einer düsteren Zukunft entgegen, in der Roboter und Automatisierung Millionen von Arbeitsplätzen vernichten, in der Einkommensunterschiede zu einer unüberbrückbaren Kluft führen, in der die öffentliche Sicherheit permanenten Bedrohungen ausgesetzt ist und in der unsere Privatsphäre durch aggressive Überwachung und unkontrolliertes Sammeln von persönlichen Daten untergraben wird?


Viele Menschen bezweifeln, dass man künstlicher Intelligenz vertrauen kann. Diese weit verbreitete unterschwellige Angst ist durchaus nachvollziehbar. Genau daher ist es so wichtig, Ethische Grundsätze für die Nutzung dieser neuen Technologien und Methoden verbindlich zu vereinbaren.

Aus meiner Sicht hat Microsoft mit seinem CEO Satya Nadella hier einen sehr guten Vorschlag erarbeitet, den ich hier gerne teilen möchte:

  • A.I. muss zur Unterstützung der Menschheit designt werden
  • A.I. muss transparent sein
  • A.I. muss Effizienz maximieren ohne die Würde des Menschen zu verletzen
  • A.I. muss für intelligenten Datenschutz konzipiert werden
  • A.I. muss eine algorithmische Verantwortung besitzen, so dass unbeabsichtigter Schaden korrigiert werden kann
  • A.I. muss Unvoreingenommenheit und repräsentative Forschung sicherstellen, so dass falsche Heuristiken nicht zu Diskriminierung genutzt werden können

Was getan werden kann, wird getan. Das müsste uns doch trotz aller Regeln 
erhebliche Angst einflößen. Du nennst als Beispiel ein IoT-Projekt aus dem Jahr 2013 in Japan, bei dem erstaunliche Erkenntnisse in Sachen Fortpflanzung von Kühen gemacht wurden. Was hat es damit auf sich?

Ja das ist eher ein eher ungewöhliches AI Projekt, aber nicht minder spannend: In 2013 gab es ein IoT-Projekt in Japan, mit dessen Hilfe japanische Farmer es geschafft haben, das Wunschkalb zu züchten. Nicht von der DNA her, aber vom Geschlecht. In der industriellen Kuh-Produktion ist das weibliche Kalb interessanter als das männliche. Von daher versucht jeder Betrieb, möglichst viele weibliche Kälber zu züchten. Ja selbst bei Wagyu. 

Man hat nun auf Basis von vielen Daten (Big Data) und ML (Machine Learning) festgestellt,dass eine weibliche Kuh 16 Stunden vor dem optimalen Zeitpunkt für die Befruchtung durch einen Bullen sich extrem viel bewegt und sehr aktiv ist. Zudem hat man herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit für ein weibliches Kalb im Zeitpunkt bis zu 2 Stunden vor dem optimalen Zeitpunkt extrem hoch ist und bei bis zu 2 Std. nach dem Zeitpunkt ein männliches Kalb gezeugt wird. 

Üblicherweise liegt diese Start-Zeit immer zwischen 22.00 Uhr abends und 8.00 Uhr morgens. Um genau diesen Zeitpunkt zu treffen müsste der Bauer nun entweder die ganzen Nächte wach sein oder man versieht die Kühe mit einer Smartwatch, die diese Bewegungen
 protokolliert und dem Bauern am nächsten Morgen den optimalen Zeitpunkt für die Befruchtung durch einen Bullen mitteilt und der Bauer hat eine nahezu 100%ige Wahrscheinlichkeit für ein weibliches oder männliches Kalb.

Zu guter Letzt unsere "Hamburg-Frage": Du bist Hamburger und kennst Wirtschaft und Politik an der Elbe sehr gut. Wo ist die "Wirtschaftshauptstadt" bereits gut auf die digitale Zukunft vorbereitet und wo würdest Du den Verantwortlichen raten, die Zeit besser und aktiver zu nutzen

Aus meiner Sicht fehlt es an einem ganzheitlichen Digitalen Masterplan 2025 für Hamburg. Es ist schön, dass die Stadt es endlich geschafft hat, einen CDO (Chief Digital Officer) zu finden. Dieser fängt allerdings erst im Januar 2018 an und ich frage mich, ob ein Person – wer diese auch immer sein mag – unter der Staatsratsebene tatsächlich Dinge bewirken kann oder ob auch er in den Silo’s der einzelnen Behörden gefangen ist. 

Grundsätzlich gibt es aus jeder Behörde viele gute Dinge, die zur Digitalisierung unserer Stadt – ob nun im Hafen, für Startups, die Gaming Branche oder auch Hammerbrooklyn - beitragen. Diese sind aber selten über die Behörden hinweg koordiniert und zeigen so gut wie nie einen echten Impact. Persönlich bin ich besorgt, ob wir es wirklich schaffen, die Chancen, die sich mit der Digitalisierung ergeben, wirklich zu erkennen und zu nutzen. Meine klare Empfehlung – nicht nur für die Stadt, sondern auch für den Bund – lautet:

Wir benötigen dringend einen Senator bzw. Minister für Digitales und Infrastruktur, 
der weitreichende Richtlinienkompetenzen in alle betroffenen Behörden und Ministerien hat. Es ist z. B. ein Unding, dass in Hamburg der Informatikunterricht kein Pflichtfach an allen Schulen ist.

Vielen Dank für spannenden Antworten!
Das Interview für Thomas Keup.


* * *


 Hamburg Digital Background: 

Vortrag "AI, Ethik und was die Kühe damit zu tun haben"
https://jaeger.to/?p=369

Persönlicher Blog von Peter Jaeger zu digitalen Themen
https://jaeger.to/?cat=2

Kontakt zu Peter Jäger beim Business-Netzwerk Linkedin
www.linkedin.com/in/pejaeger/

Mittwoch, 27. September 2017

HANSESTATEMENT: Hamburg, #daswarsmitmedien, oder?

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

Am Donnerstag öffnet im traditionsreichen Kehrwieder-Theater zum mittlerweile 9. Mal das "Scoopcamp" seine Pforten. Die laut Eigenwerbung "Innovationskonferenz für Medien" diskutiert in diesem Jahr digitale Konzepte von fernen Kontinenten - aus Florida und Nigeria. Außerdem auf der Tagesordnung: eine "digitale Sozialreportage", Design Thinking bei "Zeit Online"und ein Medien-Prototyping, das den "gesamten öffentlichen Raum" umfassen soll. 


HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup
Foto: Stefan Kney
Sind Design Thinking, Prototyping und Sozialreportage geeignete Lösungsansätze für die in der Sturmflut befindliche Medienbranche Hamburgs? Werden interkultureller Austausch und trendige Kreativtechniken Hamburgs Blattmacher der Morgenpost wieder in Lohn und Brot bringen? Wie ist es bestellt um Arbeitsplätze und Standortpolitik in der einstigen Medienhauptstadt Deutschlands. Ein Hamburg Digital Statement:

Vor einem Jahr hörte ich Carsten Brosda auf dem "Scoopcamp" zum ersten Mal. Damals war mein Gedanke: Endlich ein Politiker, der die Medienbranche versteht und Klartext spricht. Endlich ein Praktiker, der die Leitbranche mit Rat und Tat unterstützt. Mit Weggang engagierter Mitarbeiter und dem Umzug des Medienamtes ist es schläfrig geworden in der Hamburgischen Medienförderung.

Ein Jahr, einen schmutzigen Shitstorm und einen häßlichen Hatespeech Hamburger Szene-Protagonist*innen später, komme ich zu dem Ergebnis: an der Elbe wird in Sachen Medien offensichtlich nur mit lauwarmem Wasser gekocht. 'The same procedure as every year' lautet offensichtlich die Devise in der kleinen Welt der "Next Media", finanzierter "Moonshot"-Konferenzen, "Leitevents" und Citylight-Poster. Im Gegenzug dazu sah ich in den vergangenen drei Monaten gleich drei "Medienflöcke", die nicht in Hamburg "eingeschlagen" wurden:

"Führende Publizistische Marke" in der digitalen Welt
  • Am 26. Juni d. J. eröffnete das Nachrichten-Portal "T-Online" mit 45 Redakteuren seinen neuen, zentralen Newsroom in ... der Torstraße, Berlin-Mitte. Das zum Werbevermarkter "Ströer" gehörende, mit 4.000 öffentlichen Videobildschirmen und 47 Millionen Nutzern pro Monat deutschlandweit reichweitenstärkste Portal soll zur "führenden publizistischen Marke" in der digitalen Welt ausgebaut werden. Flock 1.
Technologie-Showcase für die „Neue Welt des Arbeitens“
  • Am 31. Juli d. J. eröffnete der Software-Riese "Microsoft" mit über 70 Redakteuren zusammen mit der Content Marketing Agentur "C3" für die Online-Nachrichten-Marken "Bing, "Edge" und "MSN" seinen neuen, internationalen Newsroom in ... der Spandauer Straße, Berlin-Mitte. Für Microsoft ist der internationale Standort zugleich "Technologie-Showcase für die neue Welt des Arbeitens". Flock 2.
Europas größtes YouTuber-Festival mehr als 20.000 Besuchern
  • Am 24. und 25. August d. J. trafen mehr als 10.000 Fans der Generation "Z" aus ganz Deutschland auf 500 geladene YouTube-Stars mit zusammen mehr als 100 Mio. Fans ... in der Lanxess-Arena, Köln. Die "VideoDays" finden ihre Fortsetzung am 9. und 10. Dezember d. J. in ... der Mercedes-Benz Arena, Berlin. Flock 3.

Nextmedia-Studie bestätigt: Berlin ist Medienstandort Nr. 1

Die aktuelle Studie der Medieninitiative "Nextmedia Hamburg" zusammen mit dem Business-Netzwerk "Xing" bestätigt: Berlin ist der führende Medienstandort Deutschlands. Die meisten "Media Worker" sind an der Spree zu Hause. Mit 64.000 Journalisten und Kommunikateuren, Marketern und Kreativen liegt die Spreemetropole deutlich vor Hamburg mit 53.000 Medienschaffenden und München mit 50.000 Profis.

Mehr als 443.000 von insgesamt rd. 528.000 Medienschaffenden arbeiten laut Xing-Profiauswertung heute in klassischen Medien und Redaktionen - ein Anstieg von 18.000 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Ein Sechstel bzw. 84.000 arbeiten außerhalb von Medien und PR sowie Marketing und Kreation, vornehmlich in Internet- und IT-Unternehmen. Die Medien-, PR-, Marketing- und Werbebranche wächst.

Die Schlüsselfrage lautet:

Warum profitiert vor allem Berlin von neuen, digitalen Medienangeboten - wie dem "Microsoft"-Newsroom, dem "T-Online"-Newsroom und den "VideoDays"? 

Oder andersrum gefragt:

Warum schafft es Hamburg nicht, neue, digitale Medienangebote an die Elbe zu holen? Warum verliert unsere Stadt weiterhin an Boden gegenüber Berlin?

"Friends & Family"-Videos mit durchweg 2-stelligen Abrufraten 

Ein Blick von außen auf die Hamburger Szene schafft Klarheit: Schaue ich auf Plakate, Publikationen und Events von "Nextmedia Hamburg", sehe ich vornehmlich die gleichen Gesichter: einen "DPA"-Chefdigitalisierer, eine "NMA"-Vorzeigefrau, einen "OMR"-Frontmann, eine "Xing"-Chefredakteurin und einen "12min"-Co-Founder. Fast alle genannten Protagonist*innen profitieren von der Hamburger Medienförderung. Aber sind sie es auch, die Hamburgs gewaltige Medienbranche bewegen?

Bei allem Respekt vor der Arbeit der Medien- und Techmacher sowie vor Carsten Brosda: Wo sind die Innovatoren der laut Hamburg Marketing mehr als 3.000 Presse- und Rundfunkhäuser an Alster und Elbe? Wo sind die Innovationen der Zeitungs-, Zeitschriften-, Buch- und Fachverlage? In den "Friends & Family"-Filmchen mit Abrufraten im durchweg unteren zweistelligen Bereich jedenfalls nicht. Die Relevanz der kostspieligen Videos gleicht einem Versagen der beauftragten Agentur.

Medien in Florida und Nigeria - oder Hafencity und Neustadt?

Wo sind die Macher der digitalen Medienangebote im Social Web, wie "YouTube"? Warum lassen Medienamt und Medieninitiative die Veranwortlichen nach Berlin und Köln ziehen, um dort mit jeweils 500 Social Media Stars die nächste echte digitale Party zu feiern? Warum finden die "VideoDays" nicht in der "Hamburg Messe" statt? Ein Verweis auf das - wie der Name schon sagt - Marketing-Festival "OMR" ist an dieser Stelle nur bedingt geeignet.

Klar ist: Medientechnologien, wie Augmented- und Virtual Reality (gefördert durch "NextReality Hamburg") sowie Gamestechnologien (gefördert durch "Gamecity Hamburg") werden den Medienstandort nach vorn bringen. Allein der Carlsen-Verlag hat mehr als 20 interaktive Bücher mit AR-App herausgebracht - entwickelt seit 2015, vorgestellt am Dienstag-Abend in der Hamburg Digital Community NEXTHANSE. Unterstützung und Anerkennung der staatlichen Medienförderer für diese Medieninnovation? Nicht vorhanden ...

Diskussionen und Preisverleihungen zu Digitalprojekten in Florida oder Nigeria werden keinen einzigen neuen Arbeitsplatz zwischen Hafencity und Neustadt schaffen und den gefeuerten Mopo-Redakteuen wieder eine Chance auf ein sicheres Einkommen ermöglichen. Kein Medienjob in einem der 2.100 Verlage und rd. 1.000 Hörfunk-, Fernseh- und Produktionsstudios wird durch "Reisen in ferne Länder" gesichert. Das kuschlige Scoopcamp macht eher den Eindruck einer Filterblase gut genährter Profiteure.

"Kleingeistig wirkendes Verhalten und provinzielle Haltung"

Es mag sein, dass es an Alster und Elbe bislang nicht schicklich war, offensichtliche Missstände anzusprechen. Als Medienmacher mit mehr als 25 Jahren journalistischem Background und 19 Jahren kommunikativen Erfahrungen tut es mir jedoch leid zu sehen, wie die einstige Medienhauptstadt nach dem Aderlass durch "Axel Springer", "DPA" und "Studio Hamburg" auch digital massiv an Boden zu verlieren droht. Und ein Ende ist bis heute nicht in Sicht.

Diskussionswürdig dürfte auch das kleingeistige Verhalten der Veranstalter von "Next", "OMR", "Scoopcamp" oder "Voccer" sein. Fadenscheinige Argumente, um nicht hofberichterstattende Medien vor der Tür stehen zu lassen, zeigen das wahre Gesicht subventionierter Medien- und Marketingevents, ihrer Agenturen und die zutiefst provinzielle Haltung. Das ist weder Weltstadt, noch Tor zu Welt. Das ist unter dem Niveau der liberalen Hansestadt. Aber Liberalität endet für einige Spezialisten bekanntlich bei der eigenen Meinung.

"Beliebteste deutsche Medienstadt": das 'Pfeiffen im Walde'?

Die jüngsten Beispiele von neuen, digitalen Medienangeboten in Berlin zeigen mir, dass es den Verantwortlichen im Amt Medien trotz millionenschwerer Etats bislang nicht gelungen ist, überzeugende Konzepte zu entwickeln, dem Medienstandort von Rudolf Augstein, Gerd Bucerius, John Jahr und Axel Springer neues, digitales Leben einzuhauchen - fernab von US-Internetgrößen und Marketingplayern. Die Promotion um den "beliebtesten Medienstandort" erinnert mich an das berüchtigte 'Pfeiffen im Walde'.

Ohne Medien ist Marketing nur Reklame ohne Wert. Das haben die Verantwortlichen von "Facebook" und "Google" auf der "Dmexco" mehr als einmal betont. Oder wie es "Mr. Media" Thomas Koch auf den Punkt bringt: "Ohne Haltung ist Content nur noch mehr Müll auf der Werbehalde." Die "beliebteste deutsche Medienstadt" sollte sich bewusst werden, 1. woher sie kommt, 2. wofür sie wirklich steht und 3. wohin sie will. Sind Marketing-Krawall, Startup-Durchlauferhitzer und "Friends & Famliy"-Filmchen eine wirkungsvolle Förderung des Medienstandorts Hamburg? 

Hamburgs Medienszene an "Tag 2", gefangen im Stillstand?

Das Thema Tech hat der "MediaTech Hub Potsdam" besetzt - in Tradition von Albert Einstein und Hasso Plattner, mit Studio Babelsberg vor den Toren der Medienhauptstadt Berlin. Das Thema Startup-Support hat die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf auf die Tagesordnung gesetzt: 1.000,- € pro Monat über 1 Jahr für 1.000 Startups, um den Gründerstandort NRW einschl. der Medienstadt Köln zu fördern. Einzig die branchenübergreifende Zusammenarbeit von Kreativwirtschaft und traditionellen Branchen scheint ein Lichtblick mit Potenzial zu sein - entwickelt von der Kreativgesellschaft. 

Ist Hamburg noch in der Vitalität von "Tag 1", wie es Jeff Bezos fordert, besessen von Kunden, skeptisch gegenüber Lösungen im Schneckentempo, eifrig bei der Aufnahme neuer Trends und schnell beim Finden von Entscheidungen? Oder ist die Medienszene schon an "Tag 2", gefangen im Stillstand, gefolgt von Irrelevanz und einem qualvollem Niedergang? Die Tatsachen rund um "Microsoft", "T-Online" und "VideoDays" sowie die sinnfreien Abwehrgefechte lokaler "Medienprominenz" lassen nichts Gutes ahnen.

Hinweise, Anregungen und Kritik zum Hamburg Digital Statement sind herzlich willkommen unter hamburg@hansevalley.de.

* * *

 Hamburg Digital Background: 

Eröffnung des "T-Online"-Newsroom in Berlin
www.t-online.de/finanzen/boerse/news/id_81517664/eroeffnungsfeier-in-berlin-neuer-newsroom-fuer-t-online-de.html

Eröffnung des "Microsoft"-Newsroom in Berlin
https://news.microsoft.com/de-de/microsoft-startet-internationalen-newsroom-mit-c3-in-berlin/

Eröffnung der "VideoDays" 2017 in Köln
www.rp-online.de/nrw/staedte/koeln/videodays-2017-in-koeln-tausende-fans-treffen-youtube-idole-aid-1.7032650

 Hamburg Digital Statements: 

Wirtschaftscluster + Koordination:
HANSESTATEMENT: Ein digitaler Lotse auf der Hamburger Brücke.

Wirtschaftshauptstadt + Startupcity:
HANSESTATEMENT: Perspektiven für Erwachsene in der digitalen Hansestadt.


Mittwoch, 5. Juli 2017

HANSEELBVALLEY: Die Dropbox von der Elbphilharmonie.

"Snapchat kommt nach Hamburg" strahlte Anfang Juni eine der bekannten Hamburger Presseansprechpartnerinnen im Sitzungssaal der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Wirtschaftshauptstadt Hamburg trug ihren Stolz an diesem Tag nur ein wenig nach außen. Und doch: Nach Dropbox, Facebook, Google, Twitch, Twitter und Yelp hatte sich ein weiterer US-Internetriese für das "Elbvalley" entschieden. Hamburg konnte wieder einmal punkten - als Medien- und Marketingmetropole der Republik. 

Doch warum kommen die Internetriesen nach Hamburg? Von geplatzten Baugenehmigungen für den Berliner Google-Campus einmal abgesehen. Seit einem Jahr fühlt sich auch der amerikanische Speicherdienst Dropbox aus San Francisco in der Hafencity äußerst wohl. Eine gute Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, was die Großen des Internets an Alster und Elbe zieht. Ein Hamburg Digital Report direkt von der Elbphilharmonie:


500 Millionen Menschen nutzen Dropbox weltweit, 200.000 Unternehmen haben den Speicherdienst in ihr Geschäft eingebunden. 16.000 Firmenkunden zählt der amerikanische Clouddienst in der DACH-Region. Zu den Großkunden mit mehr als 2.500 Mitarbeitern gehört Adidas mit seinen Marken Adidas, Reebok und TaylorMade und seiner Konzern- und IT-Zentrale in Herzogenaurach. Hier werkelt Dropbox als umfassende Kollaborationslösung, arbeiten rd. 50% aller Mitarbeiter mit der Speicherlösung. Bei weltweit 60.000 Mitarbeitern dürfte Dropbox allein beim deutschen Sportartikelhersteller rd. 30.000 Accounts betreiben. Dagegen wird die Dropbox bei Mittelständlern eher als einzelnes Tool eingesetzt.


Schnappschuss aus dem Konferenzraum auf die Elphi:
Dropbox DACH-Zentrale in der HafenCity.
Foto: HANSEVALLEY
Drei Teams kümmern sich bei Dropbox um die Geschäftskunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Die Vertriebspartner für den KMU-Sektor - z. B. IT-Systemhäuser - werden von Deutschlands IT-Standort München aus betreut, die mittelständischen Direktkunden in der Europazentrale in Dublin und Großkunden wie Adidas in Hamburg. Die Zahl der Key Accounts hat sich in nur einem Jahr auf 16.000 nahezu verdoppelt, dank des gebürtigen Berliners und langjährigen Vertriebsprofis Oliver Blüher. Seit gut 2 Jahren steuert der Country-Manager aus seinem Büro gegenüber der Elbphilharmonie in der HafenCity das Geschäft in der DACH-Region und den Nordics.

Oliver Blüher: "Der Tag hält viele Überasschungen bereit."

Zu den offiziell nicht bestätigten Referenzen an Alster und Elbe gehören wohl auch die Otto Group und MyTaxi vor seiner Übernahme durch Daimler. Aus Hamburg werden nicht nur deutsche Kunden betreut. Entscheidend ist der Sitz von Geschäftsführung und IT-Abteilung, wie bei der Adidas-Group. Über weitere Zahlen schweigt man sich in den lichtdurchfluteten Büros des Business Centers am Johannes-Dalmann-Haus am Kaispeicher A aus, um Analysten keine unnötigen Anhaltspunkte für Spekulationen und damit Bewertungsgrundlagen bei einem späteren Börsengang zu geben.

Für den 2-fachen Familienvater Blüher scheint Hamburg nur eine Station zu sein. Es ist sein 8. Umzug in 15 Jahren. Zuvor war er gut 2 Jahre für die SAP in Heidelberg, verantwortlich für Cloud Services des deutschen Softwareriesen - in Themen wie HR und Procuremnet, davor mehr als 4 Jahre für das internationale Geschäft der SAP als Chief Operation Officer in Moskau. Er sieht sich selbst als 'Aufbauer' bzw. 'Doer'. "Ich finde es spannender, Dinge in ihre Bahnen reinzubringen", bringt er es im Recherche-Gespräch auf den Punkt. Dropbox ist für ihn eine neue Herausforderung, beginnend Mitte 2015 in der Europa-Zentrale in Dublin.

Dropbox-Kultur: "Es ist ein Mix von Facebook, Google & Linkedin."


Dropbox-Countrymanager Oliver Blüher
Foto: Dropbox
"Da treffen sie Menschen, die sprechen 5 Sprachen fließend", ist der Country-Manager auch heute begeistert von den Fähigkeiten eines 28-jährigen Deutschen im Telefon-Vertrieb, in Deutsch, Englisch, Französisch, Portugiesisch und Rumänisch kommunizieren zu können. Auf die Frage, was für den erfahrenen Vertriebsmann das Besondere bei Dropbox ausmacht, kommt wie aus der Pistole geschossen: "Es sind die Leute, mit denen sie zusammenarbeiten." Bescheiden, intelligent, klar strukturiert, teamorientiert und zugleich erfahren seien sie. Das klingt ein wenig wie aus einer Stellenanzeige.

Tatsächlich scheint Hamburg aus diesem Grund ein nahezu ideales Pflaster für den US-Service zu sein. Auf die Frage, warum sich Dropbox für Hamburg entschieden habe, nennt der langjährige Westphale den Mitarbeiter-Austausch an Alster und Elbe - nicht zuletzt mit anderen Cloud-Anbietern und ihren Sales-Offices, wie Facebook, Google oder Twitter. Zudem ist Hamburg für den konzernerfahrenen Manager ein hervorragender Standort für die Akquise, schließlich ist die Hansestadt ein Hotspot für Medien, Marketing, Handel, Logistik und andere Dienstleistungen.

Dropbox für analytische, schöpferische und kreative Kopfarbeiter.


Für Dropbox ist der Dienstleistungsstandort Hamburg besonders interessant, denn das Speichertool richtet sich vornehmlich an Information- bzw. Knowledge-Worker, die "fallzentrisch" Aufgaben in Engineering, Design, Produktionsplanung, Marketing, PR, Event, Business Development oder Vertrieb erledigten. Dazu kommen koordinierende Berufsgruppen, wie Projektmanager, Linienmanager oder Executive Manager. Dabei positioniert sich der amerikanische Speicherdienst mit seinem Businessangebot vornehmlich an mittelgroße Kunden.

Kleinbetriebe scheint Dropbox an Google mit Gmail und Google Drive verloren zu haben, während Konzerne mit Office 365 und Sharepoint-Servern Microsofts Infrastrukturlösungen nutzen. Dropbox kommt von unten in die Organisationen: "Der Nutzer bringt es mit, weil es ihm hilft, seine Arbeit besser zu machen," erklärt Oliver Blüher den Erfolg des kalifornischen Anbieters. Deutsche Kunden können ihre Dropbox-Daten auf Wunsch auch bei Amazon in Frankfurt/Main hosten lassen. Man hat die deutschen Befindlichkeiten verstanden.

Bis zu 60% der Arbeitszeit gehen für deren Organisation drauf.

Drei eigene Rechenzentren betreibt Dropbox heute an Ost- und Westküste sowie im Landesinneren der USA. 2016 migrierte das kalifornische Speicher-Startup seine rd. 600 Petabyte Daten aus den Amazon Data Centern auf eigene Server. Hier dürften vor allem Kostengründe eine Rolle gespielt haben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Amazon Web Services bei großen Datenmengen auch einen "großen Schluck aus der Pulle" gönnt. So laufen die Backupspeicher 10 Jahre nach ihrer Gründung in eigenen Rechenzentren günstiger.

Mit seinen Account-Managern, Solution Architects und Service Mitarbeitern kümmert sich der Wahl-Hamburger um den Großkundenvertrieb und das Key Account-Management. Ein halber Gang des Hamburger Business Centers wird von Dropbox belegt. Mehr ist zum Thema Personalstamm auch nach hartnäckigem Nachfragen nicht zu entlocken. Laut Blüher arbeiten weltweit insgesamt weniger als 2.000 Mitarbeiter bei Dropbox, um die 500 Mio. Nutzer-Accounts zu managen. 

Status Quo Mittelstand: Blech unter der Treppe und im Abstellraum.

Als Beispiel für den professionellen Einsatz der cloudbasierten Kollaborationslösung zeichnet der Countrymanager die Supply Chain bei der Produktentwicklung nach - beginnend bei Ingenieuren und Designern, über Projektmanagern und Einkäufern bis zu Logistikern und Controllern. Verschiedene Disziplinen, Beteiligte, Daten und Inhalte - so werden im Zweifelsfall bis zu 60% der Arbeitszeit für die Organisation der Arbeit aufgewandt, fand McKinsey heraus. Im Fokus der Kritik: Unterschiedliche Tools, wie E-Mail, Messenger und File-Server.

Oliver Blüher wird noch deutlich, nicht ohne Hintergedanken. Zur IT-Infrastrukur bei einem typischen deutschen Mittelständler stellt er fest: "Da steht an 80 Standorten Blech (Anmerkung: IT-Jargon für Server) rum - unter der Treppe oder in Abstellräumen." Womit das in Deutschland gern genutzte Datenschutzargument an dieser Stelle keine Chance mehr haben dürfte. Der clevere Manager setzt noch einen drauf: "Bis 2030 werden bis 98% aller Fileserver in der Cloud erwartet." Vor allem bei neu aufgesetzten Speichern dürfte er recht behalten.

"Wir wollen der Leim sein, die verschiedenen Dienste zu nutzen."

Die wichtigsten Argumente für Dropbox im Unternehmenseinsatz sind u. a. die Integration in Microsofts Verzeichnisdienst Active Directory oder in das Salesforce-CRM. Genauso werden Adobe-, Autocat- und Google-Services unterstützt.  800-1.000 verschiedene Cloud-Services werden in einem Großunternehmen genutzt, viele davon müssen mit dem Datenspeicher harmonieren.  Das Hamburger Team wird für die Migration der Daten und die Integration von Dropbox von bekannten Partner unterstützt, wie Comparex, Ingram oder HP Enterprises. 150 Partner umfassend das Netzwerk über alle Businessservices und Marktsegmente hinweg.

Dropbox ist - wie bei einer US-Tech-Company zu erwarten - äußerst datengetrieben. Im Zweifelsfall gilt : "Was sagen die Daten dazu." Dropbox ist Cash Flow-positiv, EBITDA-profitabel und hat im Moment wohl (noch) nicht vor, einen Exit an der Börse hinzulegen. Stattdessen geht der Dienst mit seiner jüngsten Funktion "Paper" auf Konfrontationskurs zu Google Docs und Microsofts Office 365. "Paper" bietet mit einer Brainstorming-Funktion ein weißes Blatt Papier mit hinterlegten Office-Funktionen, ein Projektmanagementtool mit Basisfunktionen zur Organisation der Arbeit und eine Protokollfunktion, schnell, einfach und interaktiv Meeting-Minutes zur erstellen.

Der nächste große Office-Player neben Microsoft und Google.

Noch sieht die IT-Landschaft - nicht nur in der DACH-Region - äußerst bunt aus. Auf der einen Seite der bekannte "Software-Zoo" unzähliger Fachanwendungen auf Server und Clients. Auf der anderen Seite eine neue "Wölkchen-Bildung", bei der jeder Software-Anbieter die Kunden über hauseigene Speicher an sich bindet - von A wie Adobe über zu S wie SAP. 3 Millionen Organisationen gibt es allein in Deutschland, die ihre Daten speichern müssen. Zieht man 1 Mio. Organisationen ohne Mitarbeiter ab, verbleibt genug zu tun für Oliver Blüher und sein Team an der Elbphilharmonie. Doch davor hat der Speicherexperte aus der Hafencity keine Angst: "Ich bin hier, um etwas aufzubauen." Dafür hat er sich einen guten Standort ausgesucht.

Die schicken Räume der Dropbox in Hamburg:




 Hamburg Digital Background: 

Dropbox Business:
https://www.dropbox.com/de/business

Dropbox Paper:
https://www.dropbox.com/paper

Business Speicher:
https://trusted.de/business-cloud-speicher


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